®rmtbaiig seiner Größe und seiner ureignen Schönheit. Generationen noch werden sich mit dieser in Gedanken und Formen phantastisch großen Welt auseinandersetzen müssen; das ist eine spezifisch deutsche Sache, ein Postulat unserer nationalen Kultur. War die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestella. Zeilenpreis: lokal 15Pj., auswärts 20 Pfennig Chefredakteur: A Goetz Verantwortlich für den politrschen Teil: August Goetz; für .Feuilleton*, .Vermischtes* und 3u Wilhelm Raabes Tod. Von Tr. Paul Landau. Der Meister, an dessen Sarg mm Deutschland trauert, hat in seinen Dichtungen so oft dem Tode mutig ins Auge gesehen, daß die Erscheinung des grausen Knochenmannes für ihn Schrecken und Stachel verloren hatte. Wohl wußte er, daß der „Schüd- derump", der schwarze Wagen mit dumpfem Poltern seinen Weg durch die Geschlechter alles Leben fortsetzt, die unheimliche Leichcn- karre, ,cheren Fuhrmann so schläfrig und düster mit dem Kopse nickt und deren Begleiter, die Leidenschaften, mit Zähneknirschen und Hohnlachen ihre eisernen Stangen und Haken schwingen". Aber sein ganzes Dichten wäre ihm umsonst erschienen, wenn nicht daraus der strahlende Sieg des Lebens, die selige lleber- windung des Todes liervorleuchtete. Wie sich in seinem gewaltigsten Romane, dem „Sclchdderump", am Elche die schlveren nächtigen Nebel von Haß und Tod heben und ein klarer reiner Strahl der ollüberwindeirden Menschenliebe selbst die trüben kalten Wände des Siechenhauses verklärt, so ist in einer andern der Poesie des Sterbens geweihten Dichtuilg, in den „Unruhigen Gästen", jene weihevoll sieghafte Lebensstimmung sestgehalten, die den Tod überlomiden hat und den Frieden der Seele genießt, der höher ist als alle Vernunft. Dem großen, nun zur ewigen Ruhe eftrge- gangenen Dichter, der sich wie kein anderer in alle Tiefen und Falten des deutschen Gemüts zu versenken gewußt hat, lvar aber noch ein anderer Jenseitsgedanke wohl vertraut, der sich so oft bei den Mystikern des Mittelalters findet, daß nämlich der Tod erst den Eingang zum wahren Leben bedeutet, daß das Aufhören Unserer irdischen Existenz zugleich der Begiim eines höheren bessereil Daseins ist. Und er hat dies für den schöpferischen Men- schen dahin gedeutet, daß mit dem Sterben eine reinere, ausschließliche Wirkung seiner Werke einsetzt. Nichts Persönliches steht nunmehr der objektiven Wertung im Wege. Nun erst kann die geistige Sphäre, die der Dahingeschiedene hinterlassen, das Reich der Welt und Nachwelt durchdringen, so wie nach der ailtiken Sage des Gottes Geist sich erst in seiner Schöpfung regt, wenn er das irdische Sein verlassen. Seit 12 Jahren schon, seit der Veröffentlichung seiner letzten Erzählung, der reizeilden Rokoko-Idylle „Hastenbeck", stand er selbst als ruhiger Betrachter der bändereichen Fülle seines Lebensschaffens gegenüber. In dieser Zeit erst hat man sich auf ihn besonnen, hat ihn geehrt, befeiert, studiert, ja sogar gelesen. Ihm selbst, der von Publikums-Gunst und Kritiker-Lob nie verwöhnt worden, schien es fast zu viel; aber im Innersten wußte er, datz seine Zeit eigentlich noch nicht gekommen. Wir stehen heute, da wir an seinem Sarge wellen, erst im Anfang der (Äckeiullnis trachtsamen Erzählens amalgamiert. Wohl aber stellt sich Raabe neben die von ihm so oft gefeierten Großgeister der ErzäUung. Cervantes, Lcsage, Fielding, deren unvergängliche Gestalten Don Quixote, Gil Bias, Tom Jones er einmal in einer entzückenden Vision seinen Figuren gegenüberstellt, als ein ebenbürtiger Schöpfer Swiger Humors, lehrreicher Uruerhallimg, großartiger MenschLn- um Angelegenheiten handelt, die durch die Reichsverscrssung der Landesgesetzgebung zugewiesen sind, lieber die Regelung der staatsrechtlichen Beziehungen des Reichslandes ward die Reichsgesetzgebung gleichfalls nach wie vor zu entscheiden haben. Dem nach dem Zweikammersystem auszubauenden Landesausschuß soll eben die gesetzgeberische Gewalt in solchen Grenzen übertragen werden, wie sie jetzt auch für die anderen Landesregierungen bestehen. Das Verlangen des Reichstags nach llebertragung des Reichstagswahlrechts auf Elsaß-Lothringen wird, wie verlautet, durch die schwebende Verfassungsrevision nicht erfüllt werden. Doch sollen die Wahlen zur Zweiten Kammer, die in vielfachen Beziehungen an die Organisation des Laudesausschusses sich antehnen durfte, allgemein, direkt und mit geheimer Abstimmung jein, unter Beobachtung einzelner Voraussetzungen bezüglich des Alters, der Ansässigkeit und Reichsangehörigkeit, wie sie wohl auch schon jetzt in der örtlichen Gemeindeordnung enthalten sind. Die Erste Kammer soll ähnlich wie das preußische Herrenhaus aus gewählten und vom Küfer ernannten Mitgliedern bestehen. D^an darf annehmen, daß die Vertretungen der drei grogen organisierten Erwerbsstände die Berechtigung erhalten, Repräsentanten in die Erste Kammer zu entsenden. Die näheren Bestimmungen über Wahlrecht und Wählbarkeit sollen den Inhalt eines besonderen Wahlgesetzes bllden. Lin französisch-spanischer Zwischenfall. Paris, 16. Nov. Der französische Fischer- schooner „Cosmopolite" wurde an oer spanischen Küste am 1. November von einem spanischen Tor- vedoboot beschossen, beschlagnahmt und sodann nach dem Hasen von Ferrol gebracht, weil er angeblich in spanischen Gewässern gefischt habe. , Die aus vier Köpfen bestehende Mannschaft des „Cosmopolite" wird an Bord ihres eigenen Schooners gefangen gehalten. Der Brester Seepräfekt hat die französische Regierung von dem Vorfall verständigt, damit diese Nhritte Kur Freilassung der Fischer unternehme. doch Raabe viel mehr als ein Romandichter, ein guter Erzähler! Er war eine wahrhaft geniale, bedeutende Individualität, die ein großartiges, tiefsinniges Weltbild, einen Makrokosmos des Menschenlebens und des deutschen Wesens geschaffen. Wie schwer wird uns heute noch, diese mehr als ein halb Jahrhundert-Werke, die alle ein neues Problem, einen besonderen Gefühlsakkord gestalten, in ihrer Gesamtheit zu übersehen. Es ist wie das über alles Schauen und Erkennen vielgestaltige Werk eines gotischen Meisters, etwa wie das Sebaldusgrab von Peter Vischer, das mit seinen tausend Einzelheiten und den bizarren Wundern der Form den Blick beständig auf Einzelheiten lenkt, und erst dem gewaltsam Sichsammelndeu, weit Zurücktreteirden sich in der erftaunlick) strengen Einheit seiner Konzeption ersästießt. Ein 7' dieser Gestaltrmgsüberfülle, geboren aus einem Reichtum "der Phantasie in der stolzen Kraft, der so vielen Großtaten uriserer Kunst, Dürers Holzschnitten und Fischarts Litaneien, Bachs Kantaten und Jean Pauls Dithyramben in Prosa eigen ist, waltet auch in Raabes Stil. Aber dieses krause Arabeskenwerk der Gedanken und Bilder ist von ihm am stärksten gebändigt, ist zu einem konsequenten künstlerisä-en Prinzip geläutert. Wer je sich durch das nrwalddichte Labyrinth Jean Panischer Jobelperioden den Weg zu den Schätzen seiner Poesie mühsam gebahnt hat, wird nicht mehr die Stirn haben, sein chaotisch grandioses Dichten mit der ausgeglichenen, behaglich weisen Technik Raabesckjen Erzählens zu vergleichen. Es ist, als wenn erst eine Fülle solch irrender Ritter der Form in der deutschen Literatur hätte auftauchen müssen, bevor das wunde, bei aller Eigenart der Form doch ausgeglichene Kunstwerk seines Stils entstehen konnte. Vom alten Jörg Witkram und Raabes Liebling Rollenhagen bis zum Jean Paul und Jmmermann führen unzählige Pfade deutschen Schaffens und Schreibens zu den Werken unseres Dichters, ihm wohl bewußt und von ihm zu einer wundervollen Sinfonie nationalen Lebens gestaltet. Viel geringer ist der Einfluß von Tickens, nur in einzelnen Frühwerken „Clxrouik der Sperlingsgasse", „Kinder von Fmkeurode", dann etwa in den „Weihnachtsgeistern" sehr deutlich, später ganz der persönlichen Art gemütvoll bezüglich der Reformsraae gedrängt, die feit vielen Jahren dem Haufe wie dem Lunde vorgelegen habe, aber nichts sei geschehen. Es sei anscheinend geringe Annäherung an die Einigung über die Methode der Reform vorhanden. Es sei überzeugend bewiesen worden, daß es aussichtslos fei, zu versuchen, die Frage durch Verständigung in diesem Parlament zu lösen. Er nehme nicht lediglich an, daß dies, aussichtslos sei, sondern wisse es. (Beifall auf feiten der Regierungspartei.) Crewe sagte zum Scyluß, das Oberhaus fei berechtigt, feiner Ansicht über die Vetoblll Ausdruck zu geben, aber die Regierung könne keine Amendements diskutieren. Die Regierung fei bereit, die Bill dem Haufe vorzulegen, damit es diese annehme oder ablehne. Aber es würde ein vollständiges Possensviel sein, zu versuchen, im Hause alle die Punkte zu diskutieren, die in der Konferenz diskutiert worden seien. Nachdem Roseberry sodann angekündigt hatte, daß er morgen seine Reform-Entschließungen beantragen werde, erklärte Lansdowne, in Anbetracht der Weigerung Lord Crewes, eine Besprechung von Amendements zuMassen, sei es zweifelhaft, ob die Betobill überhaupt mit 9£u£at diskutiert werden könne, aber er werde seine Kollegen über diese Angelegenheit befragen. Es fei jedoch schwierig für die Lords, sich zu entscheiden, bevor Asquith am Freitag feine Erklärung abgegeben habe. Earl of Crewe brachte die Parlamentsbill ein5 Diese wurde dann in erster Lesung formell anger nommen. Angesichts oer von Crewe abgegebenen Erklärung, daß die Regierung kein Amendement zur Bill annehmen werde, erscheint es möglich, daß keine Aussprache stattfinden wird. London, 16. Nov. Dem Vernehmen nach wird die zweite Lesung der Parlaments -Bet och ill im Oberhause am Montag stattfinden. Man glaubt, daß die Regierung die Absicht hat, dem König die Auflösung des Parlaments auf den 25. November anzurateu Der König begab sich in den Bückinghampalast — nicht nach dem Marlborougbhouse — und hatte eine Unterredung mit Lord Knollys. Der König frühstückte sodann mit der Königin und wird im Laufe des Nachmittags im Bückinghampalast eine Sitzung des geheimen Rats ab halten. Der Mitt ist errat trat um 3Vs Uhr in Downing Street zusammen. Premierminister Asquith und Earl of Crewe verließen um 4 Uhr den Bückinghampalast und fuhren zur Sitzung des Ministerrats. Diese dauerte bis 4 Uhr 20 Minuten. Man nimmt an, daß Asquith seine Kollegen von dem Ergebnis der Audienz beim König unterrichtete. Der König begab sich gegen ,/*5. Uhr nach Sandringham zurück. Kurz vor 3 Uhr erschien Premierminister ASquith im Bückinghampalast, um mit dem König zukonferieren; auch der Earl of Crewe war im Palaste eingetroffen und nahm an der Audienz des Premierministers teil. Die Führer der Opposition, unter ihnen Lansdowne, Salisbury und Curzon hielten in der Wohnung Balfours eine einstündige Zusammenkunft ab. Das versassnngsproplem für Llsch-Lothringen. lieber die Gesichtspunkte und Erwägungen, von denen bei der Lösung des Verfassungsproblems für Elsaß-Loth- ringen ausgegangen werden soll, erfährt die Deutsche Volkswirtschaftliche CorrespondenL: Bei der Ausarbeitung der Verfassungsreform für die Reichslande boten bestimmte Grundlinien sich von selbst dar. Es konnte Niemanden in den Sinn kommen, theoretisch erfaßte Ideen von der Vollkommenheit einer Landesverfassung, unter Nichtachtung der gegebenen Voraussetzungen in diesem Falle praktisch vernnrklichen zu wollen. Die vermeintliche beste Verfassung braucht ja auch keineswegs gut und zweckmäßig zu sein. Zu berücksichtigen war die ganze Struktur des Reichs und seine staatsrechtliche Gliederung. Elsaß-Lothringen kann selbstverständlich nicht beanspruchen, daß man es gewissermaßen aus dem engen Zusammenhänge mit den anderen Reichsteilen herauslöst und chm volle Selbständigkeit gewährt. Wohl aber darf es im Laufe normaler Entwicklung eine Bewegungsfreiheit anstreben, die man den anderen Gliedern des Reichs- organrsmus ohne weiteres einräumt. Im Aufbau der reichsländlschen Verfassung waren mithin die aus den nach- barlichen deutschen Einzelstaaten entnommenen Muster nach der Sonderart von Elsaß-Lothringen umzuformen. Dabei waren- einige Vorbehalte zu machen, die durch die nationalen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Westmarlengeoiete bedingt werden, lieber das Maß der Zugeständnisse und Einschränkungen, welche in einem reichständischen Verfassungsinstrument anzubringen wären, find die Meinungen bekanntlich von jeher sehr weit voneinander abgewichen, ohne daß die eine oder andere Richtung die Alleinberechtigung ihrer Forderungen überzeugend darzutun vermag. Die Verbündeten Regierungen werden bei der Prüfung des ihnen zurzeit vorliegenden Gesetzentwurfs also nach bestem Wissen und Gewissen zu urteilen haben, wobei natürlich die Wünsche der Bevölkerung in Elfaß-Lothringen sowie des Reichstags vom 15. März 1910 gebührend in Betracht gezogen werden. Aus den hier angedeuteten Richtlinien schält sich als Kern der zukünftigen reichsländischen Verfassung die bundes staatliche Selbständigkeit heraus, verbürgt durch die parlamentarische Selbstverwaltung und einen vom Kaiser zu ernennenden höchsten Reich sbeam den, dem in seiner Eigenschaft als Statthalter gewisse landesherrliche Befugnisse übertragen werben können. Die von den Bundesstaaten auf den Kaiser übertragene Souveränität soll sich dem Reichslande gegenüber auch dahin kundgeben, das das Zustandekommen der durch den Landtag in zwei Kammern beschlossenen Landesgesetze an die Zustimmung des Kaisers gebunden bleibt. Bisher stand das Gesetz- gebungsrecht dem Kaiser in Ueberemftitnmung mit Bundesrat und Landesaiisscbuß zu. Die grundsätzliche Neuerung Ware hiernach, daß die Mitwirkung des Bundesrats künftighin Wegfällen und die Zuständigkeit der elsässisch-lothringischen Landes- Vertretung entsprechend erweitert werden soll. Zwar ist gegenwärtig die Reichsgesetzgebung befugt, auch ohne Heranziehung des Landesausschusses sur Effaß-Loth- riugen Gesetze zu erlassen, von dieser Machtvollkommenheit ist aber, wie erfahrene Politiker wissen, nur in seltenen Ausnahmejällen Gebrauch gemacht worden, so daß von einer Schmälerung der reichsyerrlichen Befugnisse an diesem Punkte eigentlich nicht geredet werden kann. Es bedarf wohl Baum der Erwähnung, daß der Reichstag und die gesetzgebenden Reichsoryane ihre bisheriaen Kompetenzen unverkürzt beibehalten, soweit es sich nicht Die englischen Dcrfaffungstämpfe. London, 16. Nov. (Oberbau s.) Das Haus ist dicht besetzt. Viele Peeresses und Mitglieder des diplomatischen Korps hatten aus den Gallerten Platz genommen. Bei der Beantragung seiner Entschließung, die Regierung zur unverzüglichen Vorlage ihrer Parlamentsbill auszu- fordern, erklärte Lord Lansdowne: Es ist uns zu verstehen gegeben worden, daß wir am Vorabend der Auflösung des Parlaments uns befinden. Eine Folge der Auflösung wird darin bestehen, daß alle jetzt vorliegenden Angelegenheiten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Eine andere Folge der Auflösung wird zweifellos die sein, daß die Finanzen in einen Zustand chaotischer Verwirrung gebracht werden, wie man sich bei einem früheren Anlaß ausgedrückt hat. (Gelächter auf beiden Seiten der Opposition.) Die Auflösung würde auch eine Verzögerung der Beratung von Roseberys Reformenffchlie- ßungen und der Parlamentsbill der Regierung verursachen. Wenn sich das ereignen sollte, so wurde es ein großes Mißgeschick und ein sehr leichtfertiger Affront für das Parlament sein. Er sei genötigt, die Ansicht zu vertreten, erstens, daß eine Verminderung der Anzahl der Peers wünschenswert sei, zweitens, daß kein Peer im Oberhaus lediglich aus dem erblichen Recht dort sitzen solle, drittens, daß das Oberhaus von außen entweder durch Ernennung ober durch Wahl verstärkt werden müsse. Seine Partei sei immer bereit, wenn möglich, die MLttel zu erwägen, durch welche die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Oberhause und dem Unter- Hause in vernünftiger, wenn möglich, freundschaftlicher Weise ausgeglichen werden könnten. Er möchte wissen, was geschehen sei, um die Regierung zu veranlassen, alles durch die hastige Auflösung des Parlaments kurz abzuschneiden. Die einzige Antwort auf diese Frage sei, soweit er gewahre, daß in der Zwischenzeit die Veto-Konferenz gescheitert sei. Aber wir haben absolut kein Recht zu der Annahme, fuhr der Redner fort, daß, weil acht Mitglieder beider Parteien nicht zur Uebereinftimmung gelangen konnten, das Parlament der Gelegenheit beraubt werden soll, sich mit diesen wichtigen Problemen zu beschäftigen. Die Regierung sollte in beiden Häusern mit ihren Vetoanträgen vorwärts gehen. Erewe führte aus, die Betovorschläge der Regierung seien weder feindlich noch unverträglich mit der Reform des Oberhauses. Lansdowne wünsche anscheinend mehr Zeit für das Oberhaus, um sich zu reformieren, bevor die Frage der Beziehungen der beiden Häuser zueinander in Erwägung gezogen würde. Niemand habe im Oberhaus be- Kt. 270 Erster Blatt 160. Mrgang vormerrtag, 17. November IW Ferusprech - Anschlüsse: B H M M für die Redaktion 112, LM General-Anzeiger für Gberhessen für tue Tagesnurnmer Botafiottsbrad Mlb Verlag brr vrühl'lchrn Univ.-Vuch- *nö Stetnbrnderel H. Lange. Btbähten, Expedition nnb Druckerei; Lchulftrahe 7. g^.’g bu pomtttag« 9 Uhr.Expedition für Bübingen: Bahnhofstraße iba. - Erlephon Nr. 50. Anjeiq'enf-iu H. Bcck. schlldernng. Wie sie, hat er die „göttliche Länge" des genialen Erzählers, den langen Atem, die Weite des Weitblicks, bei Sinn für die Höhen und Tiefen des Lebens. Auch er wendet sich an jene wahre Gemeinde jedes großen Dichters, an die idealens Leser, von denen er am Ende des ,L)oracker" sprüht, die unter die Oberfläche des Lebens in seine Ab gründe und Wirbel Miefen, beim Anblick eines Hauses nicht an sich und ihre Wünsche denkest sondern an Geburt, Leben und Tod, an die Wiege und den Sarg. Gleicht das Werk Raabes in seiner Gesamtheit einem der gewaltigen Dome, die ein Abbild von Himmel, Hölle und Erde, neben dem Heiligen und Erhabenen in den Skülpturen ihrer riesenhohen Wände auch dem Grotesken, dem Grausigen und Wild- Bizarren einen Platz einräumten, so hat es auch in seinem Inhalt etwas von der Größe eines weltumspannenden Gesanaes, stellt eine eitrige Symbolik auf, die der von Dantes göttlichem Gedicht nichts nachgibt. Wie in der Religion Zoreastcrs, so herrscht in Raabes Dichten ein ewiger Kämpf 'des Guven mll dem Bösen. Mit warhaft grandioser Macht hat er mephistophelisch verneinende Geister gegeben, die sich dem Weg der Merffchheit zur Höhe entgegenstemmen und sie in den Pfuhl der Niedrigkeit hinabziehen wollen. So seinen Piunemann in den „Drei Federn". „Wo steht Pinnemann nicht neben uns und den Dingen? Wo tritt er uns nicht entgegen? Wo folgt er uns nicht auf den Fersen? Muß man ihm nicht alles abkämpfen, um xuDefct, selbst im Siege mit der eigenen Persönlichkeit für den Steg zu büßen?" Und in dem Finale seines Menschheitsepos, dem letzten jener drei gedankenschweren Romane, die sich im „Hungerpastor", „Abu Telfan" und „Schüdderump" zur Trilogie zusammenschließen, steht die Gestalt des schurkischen Barbiers von Krodebeck une ein teuflischer Dämon der Finsternis in Gestalten des Lichts gegenüber und reißt im eigenen Erliegen die Tochter Antonie, um die Himmel und Hölle den alten Kampf des Goetheschen Faust führen, in den Tod: das Schöne muß sterben, um im Tode den höchsten Sieg zu erkämpfen. Aehnliche Töne des üessten Vtit- leids und edelsten Gefühls findet Raabe in den Akten des „Vogel« sangs", wenn er das Schicksal Helene Trotzendorfs schildcwt, der der Wett Unfläterei nicht bloß das dunmie kleine Gehirn, fonbern auch das schöne weite Herz eindrückt. Im ,.9lbu Telfan" wächst die Katzenmühle zu einer Hochburg der Rcenschlichkeit auf, zu einer Festuna des Guten und Edlen, in der die Wenigen, ihr kleines Reich oes Lichts gegen eine ganze wilde Welt von Dftllioneni verteidigen „Aber wir glauben an den Sieg, und mehr ist nicht nötig, um ihn zu genrinnen." Diese Schürfe der Symbolik, die alles Geschehen in ntarun mentale Simllülder eines Höheren zusammenfatzt, bdüngt häufig das zunächst Verwunderliche und schernbar Btzarre von SinaboS t Tie russische Gesandtschaft in Teheran hat bet her srscheu Regierung ein Memorandum s" An» Stadt und Land. Gießen, 17. Nov. 1910. ** Tageskalender für Donnerstag, 17. Nov. Stadt- Heater: Einmaliges Gastspiel der französischen Gesellschaft A. Vtoubeaut, Paris (Motiereabend). Ansang 8 Uhr. 4. Vortrag des fauim. und des Orlsgewerbevereiiis: Ingenieur Fromholz - Torlmiind : Ter Dortmund-Emskanal unb eine Schiffshebewerke. Abends 81/, Uhr in der großen Univer- uatsanla. . em Nachtragsetat mit 2 Millionen Mark (Usambarabahn), so daß Ente ^09 2 328 305 Mk. unversorgte Kredite blieben. Bon den 1908 und 1909 bewilligten Anleihen in Höhe von 66 969 930 Mk. wurden 64 6-11 625 Mk. realisiert durch Begebung von Anleihe im Nennbeträge von 64 875000 Mk., durchweg mit 4 Prozent zur 2to5tn)unG. Tie Realverzinsung betrug 1908 4,02—4,06 Proz., i909 3,94-—3,99, im Turchsckfmtt für die gesamte Schutzgebiets- Prozent. Tie Schutzgebietszinsscheine genießen die gleichen Rechte wie Zmsscheine von Staats- und Reichsanleihen. — Untersuchungen des Plateaus der Alten- bürg b ei N i e d e n st ein. Man schreibt uns aus Fulda: .b Verein für hessische Geschichte und Landeskunde mitteut, sind die Untersuchungen des Plateaus der Altenburg bei Niedenstein im Dero offenen Fahre mit gutem Eriolge unter Leitung des Herrn Dr. Sossmeister und Dr Kropatichek fortgesetzt morde,i. 2ie Ansiedelung auf dem Plateau tritt mit den Grundrissen der Gebäude und mit den Strajj.cn dentlich hervor, wünscht nicht nlless so wird man hier einen lehrreichen Ausschnitt aus einer germa- mscheu Torsanlage gewinnen. Auch an einzelnen guten j Funden hat es nicht gefehlt; zu erwähnen ist eine große eiserne Kette zum Ausgängen des lwchtopses und eine in Durchbrucharbeit äußerst sein verzierte Schmuckschcibe^ 'odann cm esandstembloct mit eingepickteu Zeichen Kurze Nachrichten aus K u n st u. A N s e n s ch a ft. Tie Krantheit Tolstois lvurde von den Aerzten endgültig als Lungenentzündung festgestellt; der Zustand des Kranken in Rbr ernft; bod) nicht hoffnungslos. Mittwoch früh war die Temperatur 37 Grad.—- Zn Würzburg st a r b in der vergangenen Nmht tm 60. Lebensiahre Professor Stanislaus von o,n st an c cf t, Lwdlnarius für organische Ehemie an der Unis I Unh so steigt über die Niederungen und Schatten sein Humor 5^^onnuihöhe empor! Tas merkwürdige Puppenspiel der Ge- KonUaneck jchlchte, dessen farbige Tänze der Dichter wundervoll sestgehaltenl versilät Bern, wird verklärt durch das heilige Lachen. Der „Weg zum Lachen , den fern gelehrter Griesgram Homilius in der Erkenntnis der Menschen und der Natur findet, steht allen seinen ^r^en offen. Raabe hat gerade in seinen historischen Erzählungen lclIle • re^n[ten Kunstgebilde geschaffen. Seine erstaunliche Beledenheit, sein feines Gefühl für den Duft vergangener Stimmungen, ferne unvergleichliche Kunst des Zitierens, die Blumen aus dem Garten deutscher Dichtung in den Kranz seiner Poesie windet, heben Geschichten, wie den „keltischen Knochen" oder das wundervolle bomisckfe Epos bet „Gänse von Bützow" tn ienc Sphäre ber harmonischen Idylle, die Schiller als den Höhepunkt der Dichtung gepriesen. Nun ist der Meister dahin, m-Jxr Oles geschaffen; aber sein Werk breitet sich aus in seinem und Ieiner Fülle. Immer höher wird sich die Sonne des Ruhms darüber erheben; immer 'klarer und reiner wird dieses Reich der, Kunst sich dem deutschen Volke offenbaren. Wre ist das Reich der Kunst? Das Reich der Kunst ist rund.! Ist allenthalben da, wo Sonne drüber stund." Anstano. Der König von Sachsen ist am Mittwoch in Wien icmgetroff en. Da er inkognito reist, unterblieb die offizielle >Begrüßung. Am Bahnhof wurde der König von der Erzherzogin Maria Josefa, dem Erzherzog Karl Franz Josef, dem Gesandten Rex intb dem Legationssekretär Freiherr Biedermann empsangen. Der König, ber Zivilkleider trug, begrüßte feine Schwester und i) einen Neffen aufs herzlichste und fuhr mit seiner Schwester in dos Augartenpalais, wo er nach seinem Eintreffen die Meldung Des ihm geteilten Ehrendienstes entgegennahm. Um 9 Uhr chrhr der Kaiser vor dem Augartenpalais vor und besuchte den König. Im Lause des Vormittags machte der König von Sachsen dem Kaiser in der Hofburg einen Gegenbesuch. Der König von Sachsen ist Mittwoch abend zu mehrtägigem Jagdausflug nach Tarvis abgereist. Die tschechischen Abgeordneten hielten in Prag eme Versammlung ab, in ber sie die von den Deutschen gemachten Vorschläge für unannehmbar erklärten. Nachdem also die deutschen Vorschläge auf eine Permanenzerklärung des Ausgleichsausschusses und Friftlassung bis zuni 20. Dezember ab- selehnt wurden, weil die Tschechen auf die Erledigung der Steuervorlagen beharren, wird nunmehr durch Vermittlung der kon- servattven Großgrundbesitzer an ber Formulierung des Kompromiß- Vorschlages gearbeitet, von dem das Schicksal ber .Ausgleichsverhandlungen ab hängt. Wie halbmntlicy aus Paris verlautet, hat Minister Pichon tat ber letzten Sitzung des Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten u. a. bestätigt, daß die Verhandlungen über die iX. i b e r i a f r a g e zu einem Einvernehmen über folgende Grund- ssätze geführt haben: 1. Tie Republik Liberia werde in Zukunft nm Auslände durch die diplomatischen Beamten der Vereinigten Staaten vertreten inerten; 2. Deutschland, Fränkreich, England und die Vereinigten Staaten weiden sich Untereinander verständigen, um die liberische Staatsschuld zu liauidieren und eine gemeinsame Finanzkontrolle ter Zolleinnahmen von Liberia einzurichten. Das diesbezügliche Abkommen durfte schon in kurzem unterzeichnet werden. -Sarenpaar ist mit den kaiserlichen Kindern am Mittwoch vormittag nach Zarskeje Szelo zurückgekehrt. 7-^ russische Gesandtschaft in Teheran hat ter l einander. — Der Kramermarkt war bet der günstigen v er fischen Regierung cm M - mora n d u m überreicht, Witterung und infolge des Bußtages so zahlreich besucht, für dl? und andere Genugtuunig! wie kaum ein Markt zuvor. „Oswalds Garten" bot wieder durch Bachtiaren, die in das Haus des Aaenten eingebningm £nrnal. aewobnt'war tote man e5 in waren, gefordert wird. Der Minister des Aeußern gab seinem Zähren gewonnt „ <. r, « n < Bedauern über den Vorfall Ausdruck und versprach, daß die ** Er ledigteLehrer stellen. Die erste Lehrerin, _ Istelle an der kath. Schule zu Bensheim. Dem kath. politische Tagesschau. Zu den bevorstehenden Verhandlungen über das Zuwachssteuergeseh. Bekanntlich soll das Zuwachssteuergesetz in dem mit seiner Vorberatung betrauten Reichstagsausschuß noch einer dritten Lesung unterworfen werden. Wie wir hören, wird beabsichtigt, diese dritte Lesung, nicht wie vielfach erwartet wird, über das Knie zu brechen, fonberp nochmals eine sehr gründliche Beratung des ganzen Entwurfes vorzunehmen, da die Einwände, die von Interessenten gegen den Entwurf gemacht worden sind, und die weiteren, im sSommer gesammelten Erfahrungen eine nochmalige, sehr gründliche Beratung notwendig machen. Auch die von ber Regierung vorzulegenden Probeeinschätzungen und Ertragsberechnungen dürften den Gesamteindruck beeinflussen. Der Ausschuß wird seine Beratungen bald nach dem Wieder- zusammentritt des Reichstags aufnehmen. Man betrachtet in unterrichteten Kreisen die Annahme, daß der Entwur 13 Millionen Mark Steuern bringen werde, durchaus nich als begründet. Deutsches rieich. Aus dem Wahlkreis Marburg — Kirch Hain — Frankeuber g. Dian schreibt uns aus M arbur g. Während ■man vom derzeitigen Vertreter unseres Wahlkreises, dem jetzigen Bauernbundführer Dr. Böhme, so gut wie gar nichts hört, vollzieht sich in aller Stille ber Aufmarsch ter Parteien, um ihm bei ter nächsten Reichstagswahl sein Mandat wieder abzunehmen, das ter freiwillig auf Wunsch des Buntes ter Landwirte nicht nieder- «legen wollte. Zu dem früheren Vertreter des Wahlkreises, dem 'Linksliberalen v. Gerlach aus Berlin, ter ja sofort nach der -Wahl mit der Agitation begann, hat sich kürzlich ber einstmalige Freund Dr. Böhmes, ber Landwirt und Schneidermeister Rupp äus Niederwalgern im Kreise Marburg gesellt, ter als deutsch- sozial er Kandidat von Ort zu Ort zieht und Reden hält. Am Dienstag beschloß hier, wie schon kurz gemeldet, eine ton» h'ervative Vertrauensmännerversammlung den hiesigen Privatdozenten, Reg-Assessor Dr. Bredt, als Kandidaten anszu- TUTen und am Mittwoch traten in Kirchhain die Vertrauensmänner ber Zentrumspartei im hiesigen Wahlkreise zu einer Besprechung zusammen, um über die Kandidatenfrage zu beraten. Daß die Sozialdemokraten ebenfalls einen eigenen Kandidaten auf stellen, ist sicher. Ob ter Bund ber Landwirte den deutsch-sozialen ober den wnservativen Kandidaten unter- Mtzt, weiß man nuht. Aus Donaueschingen wird gemeldet: Der Erzabt !von Beuron ist als Gast des Fürsten von Fürstenberg hier ;eingetroffen. Eine Bekanntmachung des Bundesrats betreffend die Be- ischäftignng von! Molkereiarbeiterinnen in Be- .trieben mit mindestens 10 Arbeitern, die dem Reichstage zuge- 9angeil ist, bestimmt, daß die Arbettszeit zwischen 4 Uhr früh und 9 Uhr abends liegen soll, wer nach 8 Uhr abends arbeiten muß, hat Anrecht auf eine dreistündige Mittagspause. Die Be- Itimmungen gelten bereits. ^r^inb^^lg Ater wer den tieferen Sinn des Mondgebirges, pon dem Abu Telfan hermkehrt, die Poesie ter „alten Gärten" -Horns von Wanza", die Herrlichkeit von !,,Pftsters Mühle , den Glanz all jener Orte, in denen ter gort der Vergangenheit, ter Jugend und des Glücks schlummert, erkannt hat, dem bieten sich die anfangs so verworrenen Gebüte als klare lichte Gestaltungen eines souveränen Schöpfergeistes dar. Um manch elenden Fleck Erde, -um den Lumpenkeller, das Siechenhaus, die Fleckchphushütte, fpmnt Raabe die goldenen Fäden seiner warmen Menschenbeobach- L^^und läßt ans dunkelsten Tiefen, durch grimmes Verderben r>ie Schönheit eines outen Serins erstrahlen. Nicht umsonst hat er das Polizcihaus, wo sich die Ausgestoßenen ter Gesellschaft ■Ä"MAerffmden, dreimal zum Mittelpunkt seiner Romane gemacht. Als Wegweiser durch diese Wirrnis der Welt sind in seinen Dichtungen häufig kluge, vielerfahrene Betrachter des Lebens dar- gestellt, Lebenssieger, die aus ihrer irdischen Dürftigkeit von den Gasssn zu den Sternen aufsehen, so ter Dr. Ostermeier in „Ein Spring , Fieblger in den „Leuten aus dem Walde", Just v ^en a.^en Astern". Philosophische Beobachter des Daseins, die m Mildere Signation den rechten Ariadnefaden r£nc11 labyrinthischen Jrrunaen gefunden haben, lassen die ^bnfchengeschicke in dem Spiegel ihrer Weisheit erstrahlen, so Wach holder in der „Chronik ter Sperlingsgasse", so Fritz Lang- reuter, )o er „Meister Autor", der einsame Künemund, Der den versinkenden Garten des Lebens gütig traurig nachsieht. In ihnen fallen lebt eine tätige Menschenliebe, die ihren stärksten Ausdruck in dem Helden des „Stopfkuchen", in jenem Heinrich Schaumann Öeiunben hat, der in seinem milden und heiteren Kampf für die .Gerechtigkeit die ergreifendste Verkörperung Raabeschen Welt- .humors darstellt Alle die kautzigen, schrullenhaften Gestalten, die furwfen Gelehrten, die dem Irrsinn nahen Genies, die vom Sturmwind des Daseins zerzausten und zerfetzten Figuren Raabe- scher Phantasie, die die dunkle Geschichte ihrer Leioenschafteii hinter dem Aeußeren eines Sonderlings oder Querkopfes verbergen, bargen in ihrem Inneren den Goldgehalt einer großen Seele, die in ter Welt Schiffbruch gelitten hat, um in sich selbst den stlllen Hafen zu finden. Raabes ganzes Schaffen trägt als Motto den Jphigenie-Bers: „Jedes menschliche Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit". t 0 ♦* Der preußische Buß- und Bettag hat unserer Stadt gestern einen recht lebhaften Verkehr gebracht, der sich besonders in den Nachmittagsstunden in den Geschäftsstraßen recht lebhaft äußerte. Aus den benachbarten preußischen Gebietsteilen, namentlich auch aus Wetzlar und Marburg, waren zahlreiche Besucher gekommen, und die Geschäftsleute machten z. T. recht flotte Geschäfte, so daß der ,/dicke Mittwoch" diesmal seinem Namen Ehre machte und die flottere Geschäftszeit vor Weihnachten recht viel- verheißend einleitete. Im StadttHeater gab man mit Rücksicht auf die preußischen Gäste am Nachmittag das Opferlamm. Auch die Wirtschaften profitierten von den Gästen. — Der Techniker-Verein Marburg benutzte ebenfalls den Tag, um unserer Stadt einen Besuch zu machen und unter Führung des Stadtbaumeisters Gerbet und des Architekten Wettläufer den seiner Vollendung enlgegengehenden Schlachthofs-Neubau zu besich- ttgen. Die Fachleute erklärten, daß sie dabei sehr viel Neues und für ihren Beruf Interessantes gesehen hätten. Am^ Abend waren die Marburger Techniker mit ihren! Gießener Kollegen, die sich recht zahlreich eingefunden hatten, im Kaiserhof zu einer gemütlichen Sitzung bei- Landkreis Gießen. ■== Großen-Linden, 16. Nov. (Verspätet einge* ' gangen.) Am Samstag fand das Winterfest des Turnvereins in der Turnhalle statt. Nachdem der 1. Vor- , fitzende die Anwesenden begrüßte, fand ein Turnen bet . verschiedenen Riegen unter der Leitung des 2. Turnwarts " Volk statt, das großen Beifall fand und von einer guten Schulung zeugte. Besonderes Interesse wurde der Manner- riege eutgegengebracht, die am Barren turnte. Eine Fechterabteilung wurde unter Leitung des Herrn L. > Weiß vorgeführt und fand lebhafte Anerkennung. An das Turnen reihte sich ein theatralischer Teil an, der großen Beifall erntete. Zum Schluß folgte ein Reigen, ausgeführt von 12 Turnern und 12 Turnerinnen. Der anschließende Ball hielt die Anwesenden bis zur späten Stunde beisammen. Kreis Alsfeld. * Mücke, 16. Nov. Großes Interesse hat die Mitteilung von den beretts begonnenen Vermessungsarbeiten der Bahn Marburg —Mücke bei den Freunden der schon^so lange und so oft projettierten Ohmtalbahn Mücke —Ulrichstein erregt. Durch die nun ernst werdende Ausführung der Marburger Kreisbahn rückt das Ohmtalbahnprojekt in ein neues Licht. Die Ohmtalbahn Mücke—Ulrichstein wäre die direkte Fortsetzung der Marburger Bahn durch den nvrdwesllichen Vogelsberg nach Lauterbach zu. Durch diese Fortsetzung erhielt aber die ganze Bahn eine viel höhere Bedeutung. x Ilsdorf, 16. Nov. Welche Wohltat es ist, eine eigene Schule zu besitzen, das empfinden und schätzen jetzt unsere Schulkinder und ihre Eltern. Gerade in dieser Jahreszeit war es mit großer Schwierigkeit für die Kinder verknüpft, den Weg nack) Flensungen und Landenbach zur dorttgen Schule zu nehmen. Jetzt sind diese Schwierigleiten durch die eigene .Schule alle behoben. △ Ermenrod, 16. Nov. Gegenwärtig findet hier der Kursus der Kreis-Wander-Haushaltunas- schule statt. Der Kursus wird von 24 Schülerinnen von hier, Zeilbach und Schellnhausen besucht. Unterricht und Ausbildung geschehen in der Wiegelschen Gastwirtschaft. Von hier aus kommt die Kreis-Haushaltungsschule in den Schwaimgrund, wo man ihrer sehr begehrt. Die Bedeutung der Haushaltungsschule dringt stets in weitere Vollskreise, so daß man jetzt überall der Haushaltungsschule gern ent- gegenjieht. Dient dieser Lrur,us dem beruflichen Teil des prakttschen Lebens, so dient ein anderer, der gleichfalls gegenwärttg hier stattfindet, dem Teile des Vergnügens- es ist ein Tanzkursus, der gleichfalls gut besucht wird und in der Muschschen Gastwirtschaft stattfindet. = Flensungen, 16. Nov. Kesseldieb. Gestern nachmittag wurde auf dem der Gemeinde Flensungen gehörigen Hofe, der unbewohnt ist, ein Einbruch verübt, indem ein vagabondierender Wegelagerer durch ein Fenster I des Wohngebäudes in die Küche emstieg und hier den großen Kupferkessel aus seiner Form hob, nach dem benachbarten Stockhausen brachte und dort einem Trödler zum Kauf anbot. Es gelang ihm auch, den Kessel zu versilbern, jedoch wurde diese Sache bald ruchbar, da der Dieb von weitem von Bergleuten des Eisensteinbergwerkes Stockhausen von der Richtung Flensunger Hof her beobachtet worden wir. Man stellte dem Kesseldieb schleunigst nach und erwischte ihn bald. Er wurde über Flensungen, wo sich eine große Menge Neugieriger angesammelt hatte, nach Grün- berg in Haft abgeführt. Es werden ihm noch zwei Dieb- Itähle zur Last gelegt, denn er soll in den letzten Tagen eineni Fuhrmann an einer Wirtschaft in Stockhausen einen Teppich vom Wagen, einem anderen einen Mantel entwendet haben. < Schuldigen bestraft werden sollen. v _____ _________v. In einem Anikel der „Nvwoje Wrernja" wird mitgeteilt, Pfarrer und dem Stadtvorstand in Bensheim steht das daß sich zur Verwirklichung des Planes für eine von Europa Prüfen tattonsrecht zu. bubten führende Bahn in Ruß- •• In der Gemälde-AuSstellunq am Brand, die MÄ „itt T°g° geschlossen ist. gelangt von Sonntag ob eine werden. große Anzahl Kunstwerke zur AuSitellung, die verdienen, daß , /Tie „Correspondencia d'Espana" teilt mit, daß in dem spa- schon im voraus darauf hingewiesen wird. Bekannte Münchener ^i^^I°Ekanifchen Abkommen die sestgeseSte Kttegs. und einige französische und italienische Künstler sind biefeSmal Een fei. Äz^SicherAit'stritt ZaMng ve«ett der ^'^^roorragenden Werken vertreten. Auch die Kolletlionen Mochsen 55 Prozent, der ihm aus den Bergwerksabgaben zustehen- Sung* Stuttgart, die aus sich watten ließ, wird ausgestellt, den, nicht für öffentliche Arbeiten bestimmte, Anteile. Der H. Koberstein und F. Lange-Dedekam, die die Ausstellung ®^S-2teu6EkI,lro1DErb.™ lan«e nicht beschickt haben, letzterer noch bekannt von seiner Ä» Kollektw-Avsste-lung vor einigen Jahren, smd ver. Grobkreuz des Ordens Karls III. verliehen, El ^eten. Auch Werke der Bildhauerkunst mit einigen schönen Mokri und dem Personal der marokkanischen Gesandtschaft andere kunstgewerblichen Gegenständen haben die Bildhauer C. Brose« x - (Friedberger Konferenz) veranstaltet am Dienstag, 22. No- ♦?*** UnO I vember, nachmittags in Gießen eine Bezirksversammlung ihrer Stuttgart, 16. Nov. Aus Befehl des Kaisers erhall Mitglieder, bei ter Pfarrer Hartmann-Hainchen einen Borbas -öusanterie-Regiment Nr. 120, dessen achte Kom- trag halten wird über „Gemeindepflege auf dem Lande, tegnie das Kaiserabz eichen erschossen hat, als SchießpreisErfahrunge naus der Praxis und Vorschläge für em Gemälde, das die Teilnahme des Regiments beim An- d i e Praxi s." Eine Aussprache wird sich anschließen. griff auf r^öschweiler darstellt. Mll der Ausführung des Ge- ** Stadttheater. Als Festvorstellung zu Groß- maldes wurde Professor Röchling-Charlottenburg beauftragt. 16er8og§ Geburtstag wird am Freitag, 25. November, — ' ----- —----— ... ।__ Schmidtbomis Schauspiel „Der Graf von Gleichen" zum 1. Deutsche Kolonien» Male gegeben. Die Vorstellung findet außer Abonnement statt, — p F{x. •3C. doch haben Gutscheine Giltigkell. Das Werk wird im Freitags- f ü r b i e dm kn p f ! Abonnement nicht wiederholt, worauf besonders hingewiesen sei. undl9 09 pt s n Rechn u n gsi a hr el 9 0 81 - Die nächste Volksvorstellung findet am Dienstag, luaeaanaen ihegesetze ist demReuch-tage 22. November, statt und teingt den Kaufmann von äug eg angen. ym y; atn e 1908 waren an Kolonialanleihen begeben MR en p h io" »orben 30 000 000 Mk., die 29 550 000 Mk. Erlös brachten, und ** ff?n' r anb toirt f »a f iTi » er ffnriirÄ fr,r s.r T^vEchLde Lon^ 875 Mk'wnrL Fern ÄÄ baten begamr geL altL Kaserne' Di!^b« Don 1909 tu Sobhc uon^ß ßZl- Telluchmer ist gegen die beiten ersten Jahre 1908 und 1909 firntmc von1 ^D688Ü805^^/^m1^hFm'f^I ^^^^nb gestiegen und beträgt 72. Der Unterricht umfaßt in 10 Ium 1909 wurden 14000^000^ Vortragen oft wichtigsten Gebiete der Landwirtschaft. Nach Verschreibungen begeben (Erlös U ^l°0Eröffnung durch den Kursusleiter Oekonomierat Weitzel- kurs). Am ^10 November 1909 wurden 4 000 000°9ber Landwirtschaftlichen Versuchsstation wie in Ergänzung des Berichts über die Hauptversammlung mitgeteilt sei, .Kaufmann Karl Schulze zum Tourenwart und als Beisitzer Kaufmann Aug. W a l d f ch m i d t - Wetzlar und Fabrikant Herrn. Eichenauer gewählt. Einige Wanderungen stehen nur hinsichtlich ihres Zieles fest, sie werden in ihren Einzelhellcn noch näher festgelegt werten. ** Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus Pforzheim (Schlacht- Hof), bei Händlervieh; Flomersheim, Regierunas- bezirk Pfalz; Weilsheim, Regierungsbezirk Ober-, bayern. Äitld Friedberg. t L. B ad - Nau h eitt.'., 16. Nov. Unsere BadeVur ist für die jetzige Jahreszeit noch in bestem Gange. Eine große Zahl von Kurfremden gebrauchen noch die hiesigen Thermen. Während in den vorhergehenden Jahnen um diese Zeit wenig Fremde an^ wesend waren, werden eben iwch täglich 150 Bäder bereitet. Das Äadehaus 8 bleibt diesen Monat noch geöffnet, wahrscheinlich bis in den Dezember hinein. Das Badehaus des Konitzkystiftes llvird das ganze Jahr zugänglich sein. L. Langenhain-Ziegenberg, 16. Nov. Die beiden Dörfer Ziegenberg und Langenhain bilden eine politische Gemeinde. In Ziegenberg wohnt der Bürgermeister beider Dörfer, dessen Vater kund Großvater schon dieses Amt lange Jahrzehnte bekleideten. Es ist dies eine Seltenheit, die nicht noch einmal in unserer Provinz vorgekommen sein möchte. In Langenhain dagegen, den, Pfarrdorfe, .wohnt der Beigeordnete. Da der seitherige Inhaber zurücktreten will, wird man in bu'jen Tagen wieder einen Sangen» Hainer Bürger zum Beigeordneten, wählen. Hessen-Nussau. b. Bied entopf, 16. Nov. Der Provinzialrat hat genehmigt, daß die 1908, 1909 und 1 910 in der Gemeinde Dodenau versuchsweise zugelassenen vier Ä'.ram- und Schweinemärkte nunmehr dauernd am ersten Mittwoch im Monat März, am letzten Mittwoch im Monat April, am Mittwoch nach dem 10. August und am Mittwoch vor dem 20. Oktober abgehalten werden dürfem w. Frankfurt a. M., 16. Heute abend gegen 6 Uhr versuchte der 21jährige Mechaniker Rentschner leine Geliebte, das Dienstmädchen Emilie Bartsch, durch zwei Revolverschüsse zu töten, worauf er sich selbst zwei schwere Schutzverletzungen beibrachte. Beide wurden bewußtlos ins Krankenhaus gebracht. w. .Wiesbaden, 16. Nov. Heute mittag wurde Wiesbadens älteste Einwohnerin, die im Alter von 102 Jahren verstorbene Gräfin Bertha Kayserlingk, zu Grabe getragen. An der einfachen Beisetzungsfeierlichkett nachmen u. a. die Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, Graf Merenbrrg, Generalintendant Graf v. Hülsen-Häseler, Oberbürgermeister u. Jbell, Polizeipräsi-, dent v. Schenk und Landtagsabgeordneter Kommerziell rat Bartling' teil. Der Kaiser hat an den Generalintendanprn v. Hülsen-Häseler, einem Neffen der verstorbenen Gräfin, ein Beileidstelegramm gesandt. Luftschiffahrt. Frankreich und sein „Fliegerkorps". Paris, 16. Nov. Der neu ernannte „ständige Inspektor her Militärluftschiffahrt" General Roques erklärte einem Berichterstatter, er habe gestern sofort nach seinem Amtsantritt eine beträchtliche Anzahl von Flugmaschinenbk st ellunaen unterzeichnet. Diese Flugzeuge müßten schon im Januar nächsten Jahres geliefert werden. Er werde traclüen, daß Möglichst viele Flugfelder, darunter namentlich auch eines in gebir^ischer Gegend und tzwar in der Auverne sowie eines in Algerien errüchtet werden. Er werde ein den höchsten Anforderungen entsprechendes Fliegerkorps schaffen und eine besonders strenge Fliegerprüfung einrichten. Diejenigen Flieger, die diese nicht bestehen, würden zu ihrer Truppe zurückkehren müssen. Line Springflut Wien, 16. Nov. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Triest: Bon der gestrigen Springflut wurden namentlich alle Geschäfte in den an das Meer grenzenden Straßen betroffen. In den Kaffeehäusern erreichte das Wasser die Höhe der Sofas. Das Verdi-Theater wurde gleichfalls überschwemmt. Auch in dem bekannten See bade Grado verursachte die Springflut großen Schaden. Am Strand wurden die Mauern und Badekajütten niedergerissen. Die Insel bietet ein Bild traurigster Verwüstung. In Fiume richtete der Sturm und die Flut gleichfalls großen Schaden an. Zwei Eisenbahnwaggons wurden umgeworfen, acht andere wurden aus den Schienen gehoben. Die seh», hochgrhende See wirft zahlreiche Boote um. Der Leuchtturm wurde fast ganz demoliert. In Venedig, überschwemmte die Springflut den Murcusplatz derart, daß auf dem Platze Gondeln verkehren. Aus Berdjansk (Rußland, am Asowschen Meer'» wird gemeldet: Tas Hochwasser, das seit einigen Tagen eingetreten ist, führte zehn Hütten bis ins Meer und unter-» spülte den Bahndamm vom Bahnhof bis zum Hafen. Der SkrcM warf den griechischen Dampfer „LeonitiS" der Reede Kage ans Ufer. Dermijrt ter'. * Gegen d i e Trunksucht hat daS Pariser Schwurgericht folgenden Wunsch einstimmig angenommen: „Beunruhig^ über die Zunahme des Verbrechertums und im Hinblick darauf, daß die meisten Verbrechen direkt in der Trunkenheit begangen wurden, spricht das Pariser Schwurgericht den Wunsch aus: 1. Jedes Individuum, das auf offener Straße betrunken gefunden ivirb, ist sofort festzunehmcn und abzuurteilen; 2. während zehn Jahre soll die Eröffnung jedes neuen Schanklokates verboten werden. * Amerikas größte Getreidemärkte. Die Stadt Winnipeg im westlichen Kanada, deren Name iroch vor zehn Jahren der Welt gänzlich unbekannt war, nimmt heute den ersten Platz unter den Getreidemärkten btr Helt ein. Innerhalb eines Jahres, d. i. vom August 1909 bis Snbe Juli 1910, kamen dort 3420 Millionen Liter We zm zusammen, während Minneapolis in den Per einigten'Stauten, das bisher der g ößte Weizenmarkt war, nicht ganz, 3000 Millionen Liter erreichte. Innerhalb kurzer Zeit hab» die Weizenmassen auf dem Winnipeger Markt um 50 Prr zugenommen, und man berechnet schon jetzt, daß Winnip bald auch der größte Markt für Hafer sein und damit Chikago überholen wird. Die übrigen größten Wei n- märkte Amerikas sind Buffalo, Duluth, Kan^as-City, und Newyork. * Felderbedeckung. Eine interessante Neuerung kommt aus Connecticut: die Bedeckung der Tabakfelder mit Nesseltuch. Die Ueberdachuug eine« Acre Tabakfeldes kommt auf etwa 1000 Mark zu stehen. Das bedeckte Feld macht den Eindruck eines ungeheuren Zeltes, daS auf 196 Pfauen pro Acre ruht, 9 fiu& hoch tft und dem heftigsten Sturm Widerstand leistet. Unter diesem Zelt herrscht eine gleichmäßtqe Temperatur, die mindestens drei bis fünf Grad wärmer ist, al5 die auf offenem Felde herrschende Ter Regen fällt nicht direkt auf die emvßudlichen Pflanzen, fön- bern durchdringt das Dach als feuchter, warmer Nebel. Die Gefahi der Jniekteitpest ist auf ein Minimum herabqemmdert. Ter unter dielen Zelten kultivierte Tabak bringt durchschnittlich 2 Schilling 7 Pence pro Pfund, während der auf offenen Feldern gepflanzte nur mit einem Schilling bezahlt wird. Tabak-Sachverständige erklären, daß der in Connecticut unter den Zelten gewachsene Tabak sich mit den besten auf Sumatra gezogenen '-Blättern vergleichen läßt. ES bilden sich bereit« einige Gesellschaften, die Hunderte von Morgen Landes nut Nesteltuch überdachen wollen. Tiefe Neuermtg dürfte eine Umwälzung auf bem agrikulturellen Gebiete nach sich führen, denn der Tabak ist nicht die einzige Psianze, welche ein mildes, feuchtes Klima braucht und unter einer solchen Bedachung ein doppeltes Erträgnis bieten würde. * Beinhäufer. Die heutige Generation weiß so gut wie nichts mehr von einem Brauche unserer Vorfahren, der noch im Anfang des '9. Jahrhunderts geübt wurde, nämlich die Anlegung von Bemhäusern (Offiiarien). Man sammelte die auf freiem Felde gefundenen oder auf Friedhöfen zufällig ober absichtlich wieder aus- gegrabenen uienschlichen Knochenreste, vor allem die Schädel, und speicherte sie in besonderen Gebäuden auf. In alten Romanen spielen diese an entlegenen Stellen errichteten, dem Volke unheimlich erscheinenden Beinhäuser als Stätten für geheime Zusammenkünfte und Beratungen, als Schlupfwinkel für lichtscheues Gesindel eine große Rolle. Nur noch wenige sind erhalten und ihr Inhalt, der oft aus tausenden von Schädeln bestand, ist entweder in die Hände von Gelehrten gekommen oder kurzerhand beseitigt worden. Als Denkmäler der Pietät waren sie betrachtet worden, und baraut wiesen auch die Inschriften hin, mit denen sie zuweilen geschnrücks waren. In Sche,veiler lautete sie: „Ist nicht eine sonden Klap, Treysehen Taufend in einem ®rab !* DaS Ostuar von Keyserbevg sagt ernst: .So ist's recht. Da liegt der Meister bei seynem Knecht f Und der Spruch an einem lothringischen Bemhause mahnt: Liebe Brüder und Schwestern, Wir waren noch gestern Stark und gesund, wie Ihr' O seht, morgen seid Ihr wie mir/ - Amtlicher Weiterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witterung feit gestern früh: Im Rücken der östlichen Zyklone ist über nacht Abkühlung eiugetreten. Vielfach ist Schnee gefallen, sodaß strichweise auch die Niederungen eine leichte Schneedecke tragen. Heber Frankreich ist em neuer Teil- wirbel in Entwicklung begriffen, der, ostivärts ziehend, neue Niederschläge bringt. Dabei werden die Temperaturen wegen kühler Nordwinde nahe dem Nullpunkt liegen. Wetteraussichten in Dessen am Freitag dem 18. Novbr. 1910:, Fortgesetzt Schneefälle, windig, Temperatur nahe dem Gefrierpunkt. Letzte Nachrichten. Angelegenheiten der Hessischen Zweiten Kammer. K-.-L. Darm stadt, 17. Nov. Die Zweite Kammer wird am Dienstag, 29. November, vormittags 10 Uhr, zu einet längeren Tagung zufammentreten. Die Tagesordnung der ersten Sitzung enthält 51 Gegenstände, von denen allerdings viele feit Jahren immer wiederkehrende Anträge sind. Erster 'Punkt der Tagesordnung ist eine Besprechung über die Eisenbahnfreikarte beS Abg. Bähr, der seine Abgeordneten- Freikarte auch zu den Fahrten für landwirtschaftliche Sitzungen benutzen und auch einen anderen Weg fahren will, wie die Karte vorsieht. Weiter steht u. a. die Vorstellung? wegen des Hotel-NeubaueS m ft Quellwasser- Monopol in Bad-Nauheim auf der Tagesordnung. An Anfragen liegen u. a. vor eine solche von Abg. Reh tt^rtschr. Volksp.) wegen der Maßregelung von Oberlehrer Dr. Strecker und eine solche von Abg. Raab (Sozialdem.) wegen der Ba h n h of s ver hä ltni sse in V'lbel. Die Regierungsvorlagen über die Landgemeinde- uiid die Städteordnung sind als letzte Beratungsgegenstände angesetzt. — Der Tauschvertrag zwischen dem Staat und Herrn K. Haas V. in Gießen, bei dem es sich beiderseits um rund 1500 qm Gelände zunächst den Universitätskliniken handelt, wurde gestern vom Ausschuß genehmigt. Das Befinden Tolstois. Moskau, 17. Nov. Gestern abend 9 Uhr betrug die Körpertemperatur Tolstois 37,9 Grad. Tie Herztätigkeit ist. schwach. e :/: Köln, 17. Nov. (Priv.-Tel.) Gestern fand hier eine Besprechung zwischen Vertretern der fortjchritti lichen Volkspartei und der nationalliberalen Partei der Rheinprovinz statt-, deren Verlauf die Hoffnung berechtigt erscheinen läßt, daß eine Einigung zustande kommt. Homburg v. d. H., 17. Nov. Ter Kaiser von Rußland stiftete 5000 Mark für den Baufondsdes russischen Pfarrhauses und des Hospitals. Madrid, 17. Nov. Die Garnison von Bajadoz soll verlegt werden, weil sie seit der portugiesischen Revolution ständig republikanischen Treibereien ausgesetzt ist. Konstantinopel, 17. Nov. Die Cholera dauert mit unveränderter Stärke fort. Täglich werden über 20 Fälle ver- zeichnet. Ganz glücklich über den Erfolg! Zeugnis. Ihre vorzügliche St. Georgsauelle BiSkirchen a. d. Lahn hat mir sehr gute Dienste geleistet. Wenn ich so begütert wäre wie nicht so würde ich das Wasser ständig trinken, mein Arzt und ich sind ganz glücklich über den Erfolgs ba, wie sie wissen, ich seit 13 Jahren an Gicht gelitten habe. bin ich nächst Ihnen meinem Hausarzte großen Dank schuldig, daß er mir diese Quelle empfohlen hat. G. St., König!. Lokomotivführer in B. hv% Preis für 25 Flaschen Mk. 9.- n n 50 n rj 17.—” inkl. Verpackung ab Station Stockhausen a. d. Lahn. Drucksachen aller Art Ausstattung stilrelnu.preiswert ■ ■—...... ■■■■■■ . dieBrühl’scheUniv.-Druckerei. Bekanntmachung. Betreffend: Ergänzungswahlen zur Handelskammer. Zur Vornahme der Handelskammerwahlen wird Termin bestimmt: 1. für den Wahlbezirk Gießen-Stadt aus Donnerstag den 24. November ds. Js., nachmittags 3—6 Uhr, im Bureau der Handelskammer, Nord-Anlage 15; 2. für den Wahlbezirk Gießen - Land auf Mittwoch den 23. November ds. Js., nachmittags 3—5 Uhr, im Bureau der Handelskammer, Nord-Anlage 15; 3. für den Wahlbezirk Grünberg auf Dienstag den 22. November ds. Js., nachmittags 2—4 Uhr, tm Bureau der Grobherzoglichen Bürgermeisterei Grünberg. Als Wahlkommissave fungieren für Gießen—Stadt Herr Max Friedberger, für Gießen—Land Herr W. L. Rühl, für Grünberg Herr H. Jhring. Es scheiden aus: 1. Im Wahlbezirk Gießen—Stadt: die Herren C. Röhr, Kommerzienrat H. Schirmer und W. Zurbuch, sämtlich in Gießen. 2. Im Wahlbezirk Gießen^-Land: Herr L. Rinn, Heuchelheim. 3. Im Wahlbezirk Grunberg: Herr G. Stammler, Grünberg. Die Ausscheidenden sind wieder wählbar. Gteßen, den 17. November 1910. Die Großherzogliche Handelskammer: _______________________S. H e i chelheim. pif/n Bilanz der Gewerbebank Lollar 2lftien=6kiel$idmft in Lta. für die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1910. Lollar, den 30. September 19to. 6307 Die Liquidatoren. Aktiva An dtv. Debitoren 166 369.99 , Zessionen . . 7 170.67 Passiva JfC Per Akt.-Kapital. 60 000.— „ Spareinlagen 4 305.32 , div. Ereditor. 109 018.52 „ unerhob.Zins. 35.05 „ Reservefonds. 181.77 173 540.66 Gewinn- und Soll ult An gezahlte Zinsen u. Provision. 9 527.07 „ Steuern . . 426.15 „ Gerichtskosten u. Gebühren . 228.98 , Veröffentlichungen . 79.— 173 540.66 Bevluft-Konto Haben Per erhobene Zinsen 5 751.5'3 „ Reservefonds, Uebertrag . 4 509.67 10261.20 162öl.jfj Bekanntmachung. Die Nachlaßpflegschaft über den Nachlaß der in Lollar verstorbenen Wilhelm Deilmann Ehefrau Hermine, geb. Riehm, wird aufgehoben. Gießen, den 14. November 1910. _______________Großherzogliches Amtsgericht.__________B% Der Voranschlag der Gemeinde Stangenrod pro 1911 liegt vom 21. d. M1S. 8 Tage lang auf dem Bürgermeisterri- Bureau zur Einsicht der Jntereffenten offen. Stangenrod, den 16. November 1910. Großh. Bürgermeisterei Stangenrod. _______________________Bock.___________________6308 Pferdeversteigernrrg. Samstag den 19. November, 11 Ubr vormittags, wird ein untaugliches Gendarmerievferd im Hofe der Gendarmerie- kaserne zu Gießen gegen bare Zahlung öffentlich versteigert. Gießen, den 15. November 1910. Großh. Gendarmerie-Distrikt Oberhessen. Schmidt. pw/u K 25/10. (B17/u Donnerstag, 8. Dezbr. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die dem Heinrich Anton Sommerlad und Ehefrau geb. Schütz von Gießen zuge- fchriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle verstetgert: Fl. I Nr. 747 = 82 qm Hofreite in der Löwengaffe. Gießen, den 16 November 1910. Gronberzogliches OrtSgericht. K 125/10. Donnerstag, 29. Dez. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unterem Amtszimmer die dem Johann Jakob Lather und Ehefrau geb. Deibel in Gießen zugeschriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle öerftemert: Fl. I Nr. 1399 - 332 am Hofreite in der Walltorstrahe. Gießen, den 16. November 1910. GrohherzoglicheS OrtSgericht. Raubtier- Fallen Jagd- Patronen. Hülsen, Pulver, Schrot usw. wegen Neubau (6311 besonders billig. 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Zwei verdienstvolle seitherige Stadtverordnete, der eine dem Freisinnigen Verein, der andere dem Nationalliberalen Verein angehörend, werden zur Wiederwahl der Bürgerschaft nicht empfohlen. ES sind dies die Herren Eichenauer und Helm. Der erstere ist vom BürqerauSschuv nukachlet worden, weil er dem Freisinnigen Verein, und der andere vom Freisinnigen Verein, weil er dem Nationalllderalen Verein als Mitglied angehört. Die Bürgerschaft steht über den Parteien und wird bei der Wahl denjenigen, die im ösientlichen Leben gearbeitet haben, die verdiente Auszeichnung spenden. Billige keine Politik betreibende Wöhler. Dampfwaschanstalt Edelweiss Friedrich Wörner« Gieeeen Student «Erameuseinester, sucht irdl. möbl. Zimmer bei neuer Zynniihe aus 1. Dezember. Lftenen sofort eub H. 100 sladtpoillagernd. 109649 Schlosser od. Dreher, mindesten- 21 Jahr, gesund und unbescholten, welche sich zur Ausbtlbung aiS Uokomotivheizer eignen, gesucht. (Dw/n BiitzbM'Lichtr kisnlbühii, Butzdach. 00617 i 4 Z. 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