Nr. 165 Zweites Blatt 160. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siehener AunMendlatter" werden dem »Anzeiger* biennal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Ketzemr Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefien Montag 18. Juli 1910 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Buch- und ©teinb ruderet, 9t Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Zur Kündigung des deutsch-japanischen Handelsvertrages. Man schreibt uns aus Berlin: Wie Japan bisher in allem ein gelehriger Schüler des alten Europa war, auch in Schulden und Steuern, so auch jetzt in der Hochschutzzollpolitik. Es bereitet schon seit längerer Zeit an Stelle der bisher mit den auswärtigen Mächten abgeschlossenen Vertragstarife einen neuen autonomen Zolltarif vor, der zwar einige Sätze der alten gemäßigten Tarife austveist, in dem aber eine ganze Reihe von Abschnitten so wesentlich erhöht sein wiro, daß man Liesen neuen Tarif unbedenklich als Hochschutzzalltarif wird bezeichnen müssen. In Japan freilich leugnet man das, man sagt in Tokio, daß es sich nur um Finanzzötle handele, die aber zugleich dazu geeignet seien, die heimische Produktion zu schützen. Eine Folge dieser neuen Zollpolitik Japans ist natürlich die Kündigung der bestehenden Handelsverträge, so auch des mit Deutschland im Jahre 1896 abgeschlossenen Handels- und Schiffahrtsvertrages, die bereits, wie halbamtlich gemeldet wird, erfolgt ist. Seltsam berührt es hierbei, ist aber wohl durch die neue japanisch- russische Freundschaft zu erklären, daß der Handelsvertrag mit Rußland vom Jahre 1907 bestehen bleiben soll, weil er auf der Basis der gegenseitigen Gleichheit abgeschlossen ist. ,2aß Japan nunmehr in das Lager der Hochschutzzöllner übergeht, kann man ihm natürlich nicht verübeln. Denn augenscheinlich befindet es sich, nachdem es die Nachwehen des Krieges mit Hilfe zahlreicher neuer Steuern überwunden und einige Ananzmiseren siegreich überstanden, in einem wirtschaftlichen Aufschwünge, der es ihm nahqAlegt, die erwachte heimische Industrie vor der Einfuhr fremder Produktion zu schützen, um ihr so den heimischen Markt möglichst ganz zu gewinnen, oder anderenfalls ihr im Auslande günstigere Absatzbedingungen zu verschaffen. Was nun die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan anbetrifft, so zeigen sie in Einfuhr und Ausfuhr eine sehr verschiedene Entwickelung. Denn während die japanische Einfuhr nach Deutschland seit Beginn des letzten Jahrzehnts nur um 2,5 Millionen Mark zunahm, stieg unsere Ausfuhr nach Japan um 53,7 Millionen. Ein- und Ausfuhr erreichten ihren höchsten Stand im Jahre 1907, wo die japanische Einfuhr nach Deutschland 29 Millionen, unsere Ausfuhr nach Japan 102 Millionen Mark betrug, so daß Deutschland bei der Einfuhr an sechster, bei der Ausfuhr an vierter Stelle stand. Diesen Rang nimmt Deutschland in dem japanischen Handelskonto natürlich auch« jetzt ein, mag auch 1909 aus oben genannten Gründen die Ausfuhr aus Japan um 10,2, die Einfuhr nach Japan um 7,8 Millionen gesunken sein. Japan schickt uns, um auch dieses noch anzuführen, neben den Erzeugnissen seiner eigenartigen Industrie, Kampfer, Tran, Kupfer, Strohbänder, während wir nach Japan vor allem ausführen: Farben und andere Chemikalien (25 Millionen), Eisen (23 Mill.), Textilwaren (16 Millionen), Maschinen (12 Millionen) usw. Wir glauben nicht, daß die bisher so günstige Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Japan durch die jetzige Kündigung des Meistbegünstigungs- verh-ältnisses eine Unterbrechung erleidet. Man wird bis zum 17. Juli 1911, wo der jetzige Vertrag abläuft, zu einem neuen Meistbegünstigungsverhältnis gelangt sein, und die Verhandlungen, die im Staatssekretariat des Innern im Frühjahr ds. Js. mir den am japanischen Export interessierten Gruppen aus Grund des Vorentwurfs des neuen japanischen Zolltarifs geführt wurden, lassen hoffen, daß der deutschen Industrie in Japan auch weiter ihr Recht gewahrt bleibt. Berlin, 16. Juli. 'Der hiesige japanische Botschafter hat dem Auswärtigen Amt im Auftrage seiner Negierung eine Note übermittelt, durch welche der deutsch-japanische Handels- und Schiffahrtsvertrag und der Konsularvertrag vom 4. April 1896, sowie die Nachtragskonvention nebst dem Taris zu dem ersteren Vertrage vom 26. Dezember 1898, zum 17. Juli 1911 gekündigt werden. im —111111 w ■ggsaeuciBSBaBB—wbm■ iiii um um inmi« Aus Uauberts Notizbüchern. Eine neue Ausgabe von bisher unveröffentlichten Aufzeichnungen, Tagebucheintragungen und Notizen Flauberts, die. eine Fülle interessanter Aeußerungen des großen Klassikers des französischen Romans umfaßt, ist in Paris in Vorbereitung und wird in den nächsten Tagen die Druckpresse verlassen. Flaubert pflegte mit fast pedantischer Gewissenhaftigkeit alle seine Notizen zu sammeln, Beobachtungen aus dem Leben, persönliche Impressionen, Notizen über seine Studien. Alles, was er geschrieben hat, ist auf diese Weise erhalten geblieben, von seinen Schülerheften bis zu den Tagebuchaufzeichnungen, in denen er täglich die geistige und seelische Bilanz des erlebten Tages zu ziehen pflegte. In der Revue des Deux Mondes veröffentlicht Louis Ber- t r a n d einige charakteristische Auszüge. Der ganze leidenschaftliche Haß, den Flaubert stets aller Mittelmäßigkeit entgegen brachte, lodert zwischen den Zeilen auf, wenn er schreibt: „Das Stumpfsinnigste, was es auf der Welt gibt, das sind die sogenannten Durchschnittsmenschen, die gebildete Bourgeoisie, wie auch die braven Leute die allergrausamsten sind." Flaubert war Jein Demokrat; fast erbittert notiert er: „Nicht gegen die Götter wäre es, gegen die Prometheus sich heute auflehnen 'müßte, sondern gegen das Volk, diesen neuen Gott. Der alten Tyrannei der Geistlichen, der Feudalen, der Monarchen ist eine andere gefolgt, eine feiner ausgebaute, unentrinnbare, gewaltsamere, die nach einiger Zeit auf der Erde keinen Winkel mehr lassen wird, der frei ist. Ihr bedrückt nicht mehr meinen Körper, Ihr zwingt mich nicht mehr zum Glauben, gewiß! Aber wo ist der Fortschritt des freien Willens, wo der Fortschritt der Moral, wenn ich, einfach durch die Tatsache der sozialen Organisierung, unweigerlich gelungen bin, wie Ihr zu denken?" Sehr reich ist die Zahl der Bemerkungen, die sich aus die Kunst und Literatur beziehen. „Die Literatur", slo> bemerkt Flaubert, „ist kein abstraktes Ding. Sie wendet sich an den ganzen Menschen. Ein Wort, das Euch gewagt erscheint, ein alluzfreier Passus reizt vielleicht nur Eure Nerven. Das erklärt auch die Wut -der Leute gegen gewisse Bücher (und die Presseprozesse). Es ist nie der Inhalt, der Grundgedanke, der empört, sondern die Form. Der Stil kann ganz unabhängig von dem, was er ausdrückt, Unerträglichkeiten in sich haben. M,an spürt eine gewisse Zügellosigkeit, eine Ausschweifung in leidenschaftliche Beiwörtern, in unverhüllten Situationen, in der Farbe der Wirklichkeit." Seine Bewunderung für den Stil spiegelt sich in einer anderen Bemerkung. „Die Gelehrten legen sich ebenso schnell den Titel Schriftsteller zu, wie die Dichter den Titel eines Denkers." Herb und bitter urteilt er über die Freundschaft: „Italienisches Sprichwort: Ein guter Freund ist Lagesschau. Die sozialdemokratischen Hofgänger in Baden. Der sozinlLernokratische Parteivorstand veröffentlicht zur Frage der badischen Budgetabstimmung folgende Erklärung: „Die sozialdemokratische Fraktion des badischen Landtages hat den Parteivorstand von ihrer Absicht, für das Budget zu stimmen, in keiner Weise in Kenntnis gesetzt. Der Parteivorstand bedauert das die Interessen der Gesamtpartei schädigende Vorgehen der Landtagsfraktion der badischen Sozialdemokratie und sieht darin eine schwere Verfehlung gegen die Einheit der sozialdemokratischen Partei. Der Parteitag wird den Genossen Gelegenheit geben, sich zur Haltung der sozialdemokratischen Landtagsfraktion Badens zu äußern." Der „Vorwärts" begleitet diese Rüge mit einem langen Artikel, in dem folgende Stellen von besonderem Interesse sind: „Und da tut wahrhaftig Eile dringend not! Zu dem Verzicht auf das Bekenntnis des sozialistischen Endzieles, das in der Budgetabstimmung liegt, fügen unsere Genossen in der badischen Kammer noch die Verleugnung der republikanischen Prinzipien unserer Partei! Und hier handelt es sich nicht allein um die Unterlassung einer Demonstration, sondern umgekehrt: unsere Genossen suchen geradezu die Gelegenheit, um für ihr Wohl- verhalten dem Monarchen gegenüber Zeugnis ablegen zu können! Die Fraktion hat es ihren Mitgliedern freigestellt, sich an der Samstag stattfindenden feierlichen Schließung des Landtages zu beteiligen. Es handelt sich um eine rein formale Sitzung, die mit einer Ovation für den Großherzog schließt. Ungefähr ein Dutzend sozialdemokratische Abgeordnete werden sich an dieser Huldigungskundgebung beteiligen. Damit ist aber der sozialdemokratische Hof bericht noch nicht abgeschlossen. Die Genossen Geiß und Pfeiffle, die dem Kammerpräsidium angehören, sind von der Fraktion bestimmt worden, im September an der Gratulationsknr im Schlosse teilzunehmen, die anläßlich des silbernen HochzeitsfesteS des großherzoglichen Paares stattfindet! Wir gestehen, wir geben diese Nachrichten nicht wieder ohne ein Gefühl tiefer Beschämung. Es erklärt sich aus dem Elend der deutscher: politischen Geschichte, daß der Byzantinismus in einem Maße das Bürgertum verseucht hat, wie in keinem andern Lande. Daß aber diese Pest auch auf unsere eigenen Reihen übergreifen könnte, das hätten wir wahrhaftig nicht für möglich gehalten." Wenn die badischen Genossen aus den Wünschen des früheren Parteitages sich nichts machten, werden sie auch von dem diesjährigen wohl nichts fürchten. * Das Privatleben des Königs Georg von England. Gegen Verleumdungen des Königs Georg, die von Zeit zu Zeit von böswilligen oder gedankenlosen Personen in Umlauf gesetzt worden sind, wendet sich der bekannte Schriftsteller W. T. Stead in der „Review of Reviews" unter der Ueberschrift „Der persönliche Charakter des neuen Königs". „Die Frage ist aufgeworfen worden," so schreibt Mr. Stead, „Ist es eine Tatsache, oder nicht, daß der König zur Unmäßigkeit geneigt ist?" Er antwortet darauf mit den Worten Lord Roseberys: „Der König hat ein reines, gesundes und von Ausschreitungen freies Leben geführt; er ist ein guter Gatte und Vater. Er wird auf dem Throne häusliche Tugenden entwickeln, die dem Lande teuer sind." Mr. Steads eigenes Zeugnis, das auf der ^Autorität von Leuten beruht, die den König genau kennen, die mit ihm zusammen gewohnt, zu Mittag und zu Albend gespeist haben, geht dahin, daß „obgleich er zuweilen ein Glas Wein nicht verschmäht, sein gewöhnliches Getränk Milch mit Sodawasser oder destilliertem Wasser ist". Mit Bezug lauf eine andere, viel schwerere Verleumdung sagt Mr. Stead: „Die Lüge bezüglich oes Königs Unmäßia- keit wird zuweilen vermischt mit einer anderen. Beinahe in jeder Gesellschaft treffen wir Personen, die uns meyr oder weniger umständlich, die Geschichte von des Königs' eine Kriegsbeute. Der erste (Alfred) verließ mich uni einer Frau willen, der zweite (Bouilhet) für eine Frau. Der dritte (Ducamp) verließ mich für eine Frau. Alle, alle! Bin ich denn ein Ungeheuer?" „Der abgeschmackte Mensch ist der, der sich nicht ändert. Ich bin der abgeschmackte Mensch! Armer, alter Tor, der noch mit 50 Jahren die Anhänglichkeit bewährt, die sie (vielleicht) als 18jährige befaßen!" Als er von Tunis zurückkehrt, wo er Studien zur „Salammbo" gemacht hat, schreibt er voll poetischen Eifers in sein Heft: „Mögen alle Kräfte der Natur, die ich ersehnte, mich durchdringen und in mein Buch einströmen. Her zu mir, ihr Mächte des plastischen Erlebens! Auferstehung der Vergangenheit, zu mir, zu mir! Durch die Schönheit muß trotz allem das Leben und die Wahrheit kommen. Gnade für meinen Willen, du Gott der Seelen. Gib mir die Kraft und die Hoffnung! . . ." Doch diese Anrufung des Weltgeistes hindert ihn nicht, sich ungläubig zu nennen, und er notiert an anderer Stelle: „Die Hoffnung ist ein Attentat auf die Vorsehung." Flugversuche in England. London, 16. Juli. In Bournemouth wurden gestern die Flugversuche fortgesetzt. 'Das Ereignis des Tages war eine Fahrt, die der Franzose Moräne ausführte. Die Aufgabe war, über See nach den Needles zu fliegen und zurück. Moräne stieg bis zu einer Höhe von viertausend Fuß auf und legte mit seiner Maschine die Fahrt mit einer Geschwindigkeit von fünfzig englischen Meilen in der Stunde zurück. Lange ehe man ihn zurückerwartete, kam der Franzose mit einer unglaublichen Geschwindigkeit daher, er ließ seine Maschine dann langsam herab und landete glatt ohne die geringste Störung. Drexel machte ebenfalls einen Versuch und flog gleich hinter dem Franzosen her, er kam aber erst sehr lange nach diesem zurück, er brauchte beinahe vierzig Minuten für die Strecke, für die der Franzose mir wenig über zwanzig Minuten gebraucht hatte. Drei der englischen Flieger nahmen gestern Damen zu kurzen Fahrten mit, so daß Damen als Fliegerinnen durchaus nichts seltenes mehr sind. Heber fünfzehn nahmen gestern allein an Fahrten teil. Mr. Grahame White, der die meisten der Damen in seiner Fliegmaschine mitnalym, erklärte nachher, bei feinen Passagieren habe er niemals auch nur die geringste Spur von Angst bemerkt, nicht einmal nervös seien die Damen geworden. Kopenhagen, 17. Juli. Der dänische Flugtechniker Svendsen stieg 4 Uhr früh hier aus und überflog den Sund. Er landete nach 31 Minuten wohlbehalten bei Malrnoe. * heimlicher Heirat mit der Tochter eines englischen Admirals auf Malta erzählen. Diese soll zu einer Zeit ftattgefunden haben, als seine Aussichten auf die britische Krone per- schwindend gering waren. Die Admiralstochter soll mit ihren zwei Kindern nach einem abgelegenen Schlosse in Schottland verbannt worden sein, das auch zuweilen als eine Irrenanstalt bezeichnet wird. Dort soll die unglückliche Dame gestorben sein. Vor 17 Jahren gab mir der verstorbene König Eduard die positive Versicherung, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort sei. Der König fragte nicht ohne Berechtigung, wo denn das Heiratsregister und der Geistliche, der diese ungesetzliche Handlung vorgenommen habe, hingekommen seien. Die Geschichte kam auch zu Ohren des gegenwärtigen Königs, der, wie alle Mitglieder seiner Familie, sie als eine solcher albernen Erfindungen bezeichnete, die anscheinend nur zu dem Zwecke verbreitet werden, um die Leichtgläubigkeit des Publikums zu erproben." Aus dem StrasprszeßKusschutz. :: 58'erl in, 16. Juli Der Strafprozeßausschuß des Reichstages setzte heute die Beratung des Abschnittes „P r i v a t k l a g e" fort. Zum § 384 wurde folgender Antrag angenommen: „Der Amtsrichter kann nach der Erhebung der Privatklage, wenn er es zur Vorbereitung der Hauptverhandlung ober aus anderen Gründen für zweckmäßig hält, eine V 0 r- ver Handlung anberaumen und hierzu das persönliche Erscheinen der Parteien anordnen. Kommt es bei der Vorverhandlung zu einem Vergleich, so findet § 383 Abs. 3 entsprechende Anwendung." Zum § 392 lag der Antrag vor, daß eine Buße gefordert ist, diese Forderung nicht fortfällt, wenn der Verletzte während des Verfahrens stirbt. Damit war der Ausschuß einverstanden. Bei § 394 blieb im zweiten Absatz nur die Bestimmung stehen: „Nach der Hebernahme wird das Verfahren in der Lage fortgesetzt, in der es sich befindet." Zum § 400 (Widerklage) lagen eine Reihe von Anträgen vor, die aber sämtlich ob gelehnt wurden. Die Fassung der Regierungsvorlage blieb erhalten. Bei § 404 wurde hinzugefügt: „Wird die Nebenklage als unzulässig verworfen, so findet sofortige Beschwerde statt. Solange nicht die Ungültigkeit der Nebenklage rechtskräftig ausgesprochen ist, wird der Nebenkläger im Hauptverfahren zugezogen." Darauf wurde der Rest des Abschnitts über die Privatklage nach der Regierungsvorlage angenommen. Der Ausschuß ging bann in die Ferien. .Die nächste Sitzung findet am 20. September statt. Die Sßugltngsftetblid)feii in Hessen. Ms Nr. 1 der Schriften der Großh. Zentralstelle für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Hessen hat Regierungsrat Knöpfel in Darmstadt eine Statistik über die Säuglings st erblich-- keit in Hessen während dep Jahre 18 63 bis 190 8 er^ scheinen lassen. Die höchsten Geburtsziffern finden sich in der ersten Hälfte der 1870 er und in den 1830 er Jahren. In letzteren Jahren kamen auf 1000 der mittleren Bevölkerung 36 bis 37 Lebendgebvrene. 'Die Geburtenhäufigkeit sank in den wirtschaftlich sehr ungünstigen Jahren 1852 bis 1855 auf 28,9, um dann kurz nach Errichtung des Deutschen Reiches ihren zweiten Höhepunkt mit 37,3 in 1871/75 zu erreichen. Von da ab ist ein stetiger Rückgang der Geburtenhäufigkeit zu verzeichnen. Tie Stetigkeit beweist, daß die wirtschaftliche Konjunktur nicht mehr von ausschlaggebendem Einfluß ist. Man macht dagegen die Beobachtung, daß sich die wohlhabenderen Bevölkerungsklassen eine Beschränkung in der Kind er zahl auferlegen. Während bei der jüdischen Bevölkerung Hessens im Zeitraum 1876/80 noch 31,6 Geborene (einschließlich Totgeborene) auf 1000 der jüdischen Bevölkerung kamen, ist deren Geburtsziffer 1901/05 auf 18,6 gefallen. Die Totgeburtenziffer ist großen Schwankungen nicht unterworfen. Immerhin ist es bemerkenswert, daß die Zahl der Totgeborenen auf 100 Lebend- und Totgeborenen berechnet, von 4,4 in den 1860 er Jahren auf 3,1 1908 gesunken ist. Aus 100 unehelich Geborene kommen im Jahre 1908 3,5, auf 100 ehelich 3,1 Totgeborene. Die Zahl der unehelich Geborenen zeigt um die Zeit der Errichtung des Deutschen Reiches einen auffallenden Rückgang, — (Sine wissenschaftliche Mission zur Erforschung d e r © 0 n n e n ft ö r u 11 g e n. In der „Nature" gibt Dr. N 0 d 0 u, der Präsident der astronomischen Gesellschaft in Bordeaux, einen interessanten Bericht über die wissenschaftliche Mission, die ihn im März d. Js. in die Sahara geführt hat. Ziel dieser Reise war die Eriorschung und Beobachtung des Zusammenhanges der zwischen Sonnenperturbationen und gleichzeitigen auf der Erde beobachteten Störungen seismischer, magnetischer und meteorologischer Art. Die trockene und klare Atmosphäre der Wüste schien zu solchen Beobachtungen besonders geeignet zu sein. Der Zeitpunkt des Eintreffens der Mission in der Sahara war der des Eintretens größerer Sonnenstörungen, die nach den angestellten Berechnungen zwischen dem 26. März und dem 3. April, der Zeit des Durchganges der Erde zwischen der Sonne und dem Planeten Jupiter, in die Erscheinung treten mußten. Die Berechnungen erwiesen sich auch als vollkommen richtig, denn pünktlich am 26. März verzeichneten die Instrumente einen magnetischen Sturm, der ununterbrochen Tag und Nacht bis zum 1. April währte und den Beginn einer ganzen Reihe anderer Störungen physikalischer und meteorologischer Art auf der Erde und in der Atmosphäre dar- stellte, zwischen denen allen eine merkwürdige zeitliche Ueberein- ftimmung und ein engerer Zusammenhang bestand, wie er mit solcher Deutlichkeit bisher wohl kaum beobachtet worden ist. Gleichzeitig mit dem magnetischen Sturm traten auch Störungen elektrischer Art auf. Am 1. April gab es Niederschläge, die sich am 2. April zu starken Regenfällen steigerten. Gleichzeitig siel das Thermometer beständig. In der Provinz Algier, in Messina und in Portugal wurden Erderlchütterungen bemerkt. In Constantine gab es heftige Stürme, in Biskra verzeichnete man Gewitter. In ganz Europa wurden atmosphärische Störungen der verschiedensten Art verzeichnet. Ucber dem Mittelländischen Meer und über Südfrankreich lagerten Gewitterzentren, der Ausbruch des Aetnas deutete an, daß man sich in einer Periode großer Unruhe befand. Schließlich meldeten auch noch die Observatorien von Christiania und Stockholm das Erscheinen von Nordlichtern mit prächtigen Strahlenphänomenen, und während man auf der Erde alle diese einzelnen Erscheinungen beobachtete, mären auf der Sonne plötzlich Gruppen von Sonnenflecken erschienen, die die Borboten der Per- turbationen sind. Die Dauer der Störungen auf der Sonnenober - stäche entsprach genau der Dauer der magnetischen, elektrischen und atmosphärischen Störungen auf der Erde. Weiterhin berichtet Dr. Nodon von Beobachtimgen über das Zodiallicht, das nach leinen Feststellungen in der Sahara dreimal slärler ist als das der Milchstraße. rcüs sind zahlreiche Anmeldungen eingelaufen. an bereitwillig erteilt. Die Beteiligung an der Ausstellung vei-' der Grube der ersten Hälfte Fahrgäste oder Den Weg über die grüne Linie 4.— für sonst im Mk. das der lich das Stück angeboten, d. i. ein Unterschied von jedes Los, ein Aufgeld auf den reellen Preis, Bankgeschäft nicht gefordert wird. (!) Trais-Horloff, 17. Juli. Auf wird aus' Erzeugnissen des Freistundenkunstfleißes der werktätigen Bolkskreise bestehen. Es soll durch die Ausstellung ein Bild darüber gewonnen werden, wie die Leute, die unter angestrengter körperlicher Berufsarbeit ihre Tage verbringen, über den Kreis dieser Berufsarbeiten und -Pflichten hinaus durch Betätigung von Liebhabereien aller Art, durch Lektüre und Studien ihrem Geist Erholung und Kräftigung zu gewähren suchen. Das höhere Bildungsbedürfnis in unseren werktätigen Volkskreisen soll augenscheinlich nachgewiescn und versucht werden, die Bahnen klarzulegen, die zu einer ausreichenden Befriedigung dieses Bildungsbedürfnisses führen können. Als Ausstellungsgegenstände fommen in Betracht: Erzeugnisse künstlerischer Betätigung auf den Gebieten der Malerei und der Plastik, sowie der schriftlichen Darstellung, kunstgewerbliche Erzeugnisse, naturkundliche Sainmlungen^aller Art, sonstige wissenschaftliche Sammlungen, sogen. Bastelarbeiten und sonstige Erzeugnisse der Freistundenbetätigung. Es stnd natürlich nur solche Ausstellungsobjekte erwünscht, durch die sich besondere geistige Neigungen und Fähigkeiten der Aussteller erkennen lassen. Rein mechanische Kopien von Bildern etwa, Gedichte, die nicht über das Niveau der Nachahmung hinausgehen usw. werden ausgeschlossen sein. Be- pflichtet zu keinem Kostenbeitrag. ** Von der Straßenbahn. In des laufenden Monats benutzten 55 059 täglich 3670 Personen die Straßenbahn, die rote Linie inachten 32 609 und über 15. Ruderregatta auf der Lahn. Regatta des Lahn Regatta-Verbandes. th. Gießen, 18. Juli. Aus Stadt und Land. Gießen, 18. Juli 1910. Freisturrden-Äuust u. Freistmlden-Arbeits-Ausstellung. Im Herbst wird in Frankfurt a. M. eine eigenartige Ausstellung statlstnden, die der Rhein-Mainische Verband für Volksbildung mit dem Frankfurter Ausschuß für Volksvorlesungen veranstalten wird. DaS Ausstellungsmaterial Die gestrige sportliche Veranstaltung aus der Lahn war von Gunst des Wetters getragen und hatte sich eines außerordent- , starken Besuchs zu erfreuen. Bedauerlicherweise geschah den wassersportlichcn Kämpfen dadurch Abbruch, daß der Kölner Ruder- Verem 1877, der Limburger Ruder-Verein und der Frankfurter Ruder-Club, die ihre Mannschaften mitftarrten lassen wollten, am Samstag noch vor den Vorrenncn absagten. Die einzelnen Rennen nahmen folgenden Verlauf: von 12,7 in 1866/70 auf 7,8 in 1871/75, berechnet auf 100 Geborene überhaupt. Das Fallenlassen gesetzlicher Ehehinder-i nisse hat diesen Umschwung veranlaßt. Im naturgemäßen Gegensatz hierzu wurden in 1866/70 33,5 Prozent der unehelich Geborenen von ihren Vätern anerkannt, jetzt nur noch 20 Prozents Ein ähnlicher Umschwung vollzog sich bei der Legitimation. Mit großer Regelmäßigkeit stellen sich die Mehrlings- kindcr ein. Die Zahl der Zwillingsgeburten erreicht die Höhe von einem halben Tausend. Drillingsgeburten sind sehr selten, durchschnittlich jährlich 5 im Großherzogtum. Vierlingsgeburten wurden in den letzten 50 Jahren überhaupt dreimal verzeichnet. Auf 1000 Niederkünfte kommen ungefähr 13 Niederkünfte mit Mehrlingslindern. Die Zahl der Knaben übersteigt die der Mädchen stets. Kein einziges Jahr zeigt eine Ausnahme. Auf 100 geborene Mädchen kommen 105 bis 107. geborene Knaben. Auf 100 totgeborene Mädchen kommen 123 bis über 130 totgeborene Knaben. Ein Drittel der ehelichen Mederkünfte entfällt auf die Altersklasse von 25 bis 30 Jahren, die Hälfte der unehelichen Niederkünfte kommt auf die Altersllasse von 20 bis 25 Jahren. Wenn man betrachtet, wieviel Niederkünfte auf je 100 verheiratete Frauen in den einzelnen Altersklassen kommen, so überrascht es nicht, zu sehen, daß die Niederkünfte mit zunehmendem Alter der Frauen an Zahl abnchmen. Bei den jung verheirateten Frauen (im Alter bis zu 25 Jahren) ereignet sich regelmäßig alle 2 Jahre eine Geburt. Durchschnittlich kommen auf je 100 verheiratete Frauen im Alter bis zu 25 Jahren ungefähr 50 Niederkünste. Deren Zahl sinkt 1901/05 in der Altersklasse von 25 bis 30 Jahren auf 37,0, in der Altersllasse von 30 bis 35 Jahren auf 25,0 und so weiter. Frauen im Alter von über 50 Jahren erleben bekanntlich nur in den allerseltensten Fällen noch Mutterfreuden. Im Großherzogtum ereignen sich im Jahre ungefähr nur 5 solcher Fälle. Schon in der Altersklasse von 45 bis 50 Jahren sind Niederkünfte sehr selten. Auf je 100 Ehefrauen dieses Alters entfällt im Jahre etwa eine Geburt. Die Fruchtbarkeit der jungen Ehefrauen (bis zu 25 Jahren) ist fast unverändert geblieben. Sie beträgt ungefähr 50 Prozent. Bei ben über 25 Jahren alten Ehefrauen ist jedoch in den letzten 25 Zähren die Zahl der Niederkünfte stetig zurückgegangen. In der Altersklaße von 30 bis 35 Jahren ist die Fruchtbarkeit gefallen von 30,7 1879/82 auf 25,0 1901/05, in der Altersllasse von 35 bis 40 Jahren von 22,4 auf 16,7. Faßt man alle Ehefrauen unter 50 Jahren zusammen, so ist deren eheliche Frucht- • barkeit in den gleick)en Zeiträumen von 24,4 auf 22,3 gesunken. Erfreulicher ist es, daß auch die uneheliche Fruchtbarkeit zurückgegangen ist, besonders in den höheren Allersllasfen von 25 Jahren an. Gering ist der Rückgang in der Altersklasse von 20 bis 25 Jahren. Zugenommen haben sogar die unehelichen Geburten in den beiben jüngsten.Altersklassen, bei den unter 20 Jahre alten Mädchen. zweiten Wagens setzte er seinen 7i/sjährigen Sohn. Der Knabe siel untertoe^ aus unbekannter Ursache unter die Räder und wurde so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit starb. Dieser Fall liefert wieder den Beweis, wie gefährlich es ist, mit zwei Wagen ohne die genügende Aussicht zusammen zu fahren. § Nom oberen Vogelsberge, 17. Juli. Bei einem verflossene Woche über den südöstlichen Teil des Gebirges niedergehenden Gewitter wurd" eine Wasserhose sichtbar, welche in einem langen Streifen in der Nähe des preußischen Dorfes Völzberg niederging. — Die Heuernte ist jetzt hier in vollem Gange und werden unsere Landwirte einigermaßen für das seitherig schlecht eingebrachte Heu entschädigt, — Großen Schaden richten in diesem Jahre die massenhaft vorhandenen Hasen auf Dickwurz- und Kohlrabenäcker an. Manche Aecker, die an junge Fichtenbestände angrenzen, haben am meisten durch den Hasenfraß zu leiben. R. B. Darmstadt, 17. Juli. Die Großh. Zentrale für Mutterschutz und Säuglingsfürsorge hielt gestern eine Mitgliederversammlung ab. Minister v. Hombergk begrüßte die zahlreich aus allen Landesteilen Herbeigekommenen namens des in England weilenden Großherzogspaars freundlich und teilte mit, daß der bisherige Vorsitzende, Minister Braun, vom Großherzog zum stellv. Vorsitzenden ernannt worden fest Raa, einer Satzungsänderung, wonach der Ausschuß in Zukunft vftsvlln bestens 15 (anstatt 12) Mitgliedern bestehe und mindestens Aerzte oder Damen sein sollen, fanden Ersatzwahlen zum Ausschuste statt. Es wurden gewählt: Provinzialdirektor Dr. Brei- Osrt und Bürgermeister Dr. Schmidt-Mainz, Oberbürgermeister Dr. Glaßing-Darmstadt, Direktor Dr. Rebentisch-Offenbach und Oberbürgermeister Köhler-Worms. Der Titel der Zentrale soll von letzt ab lauten: Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglings- Nachdem Regierungsrat Dr. P i st 0 r den Jahresbericht für 1909,10 erstattet und der vorgetragene Rechenschaftsbericht genehmigt worden war, gab Finanzminister Braun verschiedene Anregungen und Erläuterungen zu dem Voranschlag. Dann wurde noch die Aufnahme einer Hypothek von 50 000 Mk. beschlossen, die zu baulichen Zwecken diene', 1 soll und aus dem Fonds des Ministeriums des Innern für öffentliche und gemeinnützige Zwecke zu einem mäßigen. Zinssatz überlassen werden wird. w. Wetzlar, 16. Juli. Ein sehr verschiedenartiges Bild geben jetzt die Steuerverhältnisse unserer Kreisgemeinden. 13 davon waren in der angenehmen Lage, weder Zuschläge zur Staatseinkommensteucr, noch Realsteuern erheben zu müssen. Keine Einkommensteuer- zuschläge, aber Realsteuern, erheben 7 Gemeinden. Bis zu 50 Prozent wurden in 6 Gemeinden, 50—100 Prozenten 23 Gemeinden erhoben. Höhere Sätze, nämlich 200 Prozent, kommen in 13 Gemeinden und über 200 Prozent in Bellersdorf (280) und Oberlemp sogar (300) in Ansatz. — Was die Realsteuern anbetrifft, so wurden 200 Prozent und mehr in 25 Gemeinden erhoben und zwar in 17 200 Prozent, in 2 220 Prozent und 2 230 Prozent, in je einer 240, 250, 255 (Oberlemp) und Edingen 300 Prozent. Alle anderen erhoben weniger als 200 Prozent. + Hohensolms, 17. Juli. Das erste Fest wurde heute unter den uralten Bäumen des durch seine weite Fernsicht bekannten „Hals" gestiert. Dank der Zuwendung des Großkausmanns Arthur Locb-Singapur (Ostindien) konnte unser Gesangverein nach kaum zweijährigem Bestehen eine Fahne anschaffen. Es waren 14 auswärtige Vereine zur Fahnenweihe erschienen. Viele kannten Hohensolms nur dem Namen nach und waren daher nicht wenig überrascht von dem entzückenden Festplatz in unmittelbarer Nähe des Schlosses. Nach dem Umzug durch die festlich geschmückten Straßen begrüßte Lehrer Kanß die vielen Gäste, indem er auf die hohe Bedeutung des Männergesanges hinwies. Fräulein Spieß sprach einen gut gewählten Prolog und übergab die prachtvolle Fahne. Die Vorträge der auswärtigen Vereine wurden gerne angehört. Viele mußten schon früh an den Ausbruch denken. Die Jugend hielt bis spät in die Nacht hinein beide Tanzplätze besetzt. gemeldeten Gegenstände geben bereits ein interessantes Bild dessen, was an Freistimdenkimst und Freistundenarbeit in unserem Gebiet vorhanden ist. Es ist aber sicher, daß noch viele der „Stillen im Lande" existieren, die ihre freien Stunden mit künstlerischer Betätigung, mit naturwissenschaftlichen Sammelarbeiten, mit dem Sammeln volkskundlich und geschichtlich interessanter Gegenstände zur Heimatkunde oder mit Studien aller Art verbringen. Alle diese sollen aufgefunben und veranlaßt werden, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Es ergeht deswegen hiermit an alle nochmals eine Einladung zur Beteiligung an der Ausstellung. Es werden aber auch alle die, die vermöge ihres Berufes Kenntnis von derartigen Leuten haben, gebeten, sie auf die geplante Ausstellung aufmerksam zu machen, oder die Geschäftsstelle des Nhein- Mainischen Verbandes für Volksbildung, Frankfurt a. M., Stiftstraße 32, zu benachrichtigen, damit sie von hier aus Anregung zur Beteiligung an der Ausstellung erhalten. Jeder, der dies tun will, ist dem Verbände als Helfer willkommen. Auskünfte werden von der Geschäftsstelle des Verbandes Datz die Sterblichkeit der unehelichen Säuglinge größer ist als ök der ehelichen, kann von vornherein erwartet werden. Im ^abre 1908 kamen auf je 100 eheliche Geborene 11,9, auf je 100 Geborene aber 21,0 Gestorbene im ersten Lebensjahre. Für das Großherzogtum ist es eine sehr charakteristische Erscheinung, daß die Sterblichkeit der Säuglinge in den Städten im S ommer anschwillt, während sie auf dem Lande von der Jahreszeit fast, u n a b h ä n g i g ist. Hier ist das Leben der Säuglinge im Winter sogar vielfach gefährdeter als im Sommer. Ungefähr der vierte Tell sämtlicher gestorbenen Säuglinge stirbt schon vor Vollendung des 1. Lebensmonats, im 2 und 3. Lebensmonat stehen 21 bis 23 Prozent, so daß fast die Halste aller gestorbenen Säuglinge ihren 3. Lebensmonat nicht überlebt. Auf den 4. bis 6. Lebensmonat entfallen 25 Prozent, auf den 7. bis 9. Lebensmonat 17 Prozent und auf den 10. bis 12. Lebensmonat 13 Prozent der gestorbenen Säuglinge. Die Sterblichkeit im 2. und 3. Lebensmonat ist bei den unehelichen J^Wingen viermal so groß wie im 10. bis 12. Lebensmonat Ino oox bei den ehelichen dagegen nur zweimal so groß (16,8:8,2). Was nun das Verhältnis von Hessen zu seiner nächsten Umgebung anlangt, so kann sich Ob er Hessen rühmen, zu den Gegenden Deutschlands zu gehören, welche sich durch niedrigste Säuglingssterblichkeit auszeichnen. Von solchem gleichartigen Gebiete ist auch Oberhesfen rings umgeben, nämlich von der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Einen Gegensatz hierfür (auch räumlich) bildet das südliche Nied mit seiner hohen Säuglingssterblichkeit. Es geht in die badischen und bayerischen Gebiete lWemheim, Mannheim, Heidelberg, Bruchsal, Ludwigshafen und Speyer) über, welche durch gleich hohe oder noch höl)ere Sterblichkeit gekennzeichnet sind. Gleick-e Sterblichkeit wie das südliche Ried besitzt die Umgebung von Main', und in geringerem Maße auch die von Worms. Die übrigen Telle von Hessen zeigen mittlere Sterblichkell ähnlich wie ihre benachbarten Gebiete. Dabei ist jedoch nosch hervorzuheben, daß sich der Odenwald durch niedrige Säuglingssterblichkeit gegenüber den .Grenzgebieten auszeichnet. Hessen bildet demnach mit seiner mittleren Säuglingssterb-, lichkeit in den zwei südlichen Provinzen . Starkenburg und Rhein- Hessen und mit der niedrigen Sterblichkeit in Oberhessen den Uebergang von Süddeutschland mit hoher Säuglingssterblichkeit zu dem nordwestlichen Deutschland mit niedriger Sterblichkeit. 22 450 Personen. Die Durchschnittseinnahme für jede seit dem Bestehen des Unternehmens beförderte Person betrag: etwa 9,05—9,06 Pfennig. ** Stadttheater. Nochmals sei auf die Dienstagaufführung der Neinhardtschen Operette „Das süße Mädel" hingewiesen, das in Frl. Grete Brill und Fcl. Henni Logcs zwei erstklassige Vertreterinnen der weiblichen Hauptpartien bringt. Sehr zu wünschen ist, daß die letzten Operettenaufführungen erhöhten Besuch aufzuweisen hätten, damit das finanzielle Ergebnis der Opcrettengastspicle der Direktion die Möglichkeit eröffnet, diese Einrichtung in den nächsten Jahren weiterzuführen. ** Freiburger (Kanton) 15 -Frcs.-Lose von 190 2. In letzter Zeit werden auch in die hiesige Gegend Zirkulare versandt, durch die obige Lose dem Publikum zum Kauf angeboten werden. Wir müssen vor dem Ankauf nachdrücklich warnen, weil der Vertrieb in Deutschland verboten und strafbar ist. Das Gesetz verbietet nämlich den Handel in ausländischen Jnhaberpapieren mit Prämien, sofern sie nicht bis zum 15. Juli 1871 zur Abstempelung eingereicht worden waren. Daß ein Los, das erst im Jahre 1902 ausgegeben worden ist, nicht mehr gestempelt werden kann, ist demnach klar. Trotzdem tragen diese Lose den neuen deutschen Essektenstempel, der aber in keiner Weise den Handel sanktioniert, denn er ist von dem alten Losestempel zu unterscheiden und wird von der Stempelbehörde ohne Prüfung der vorgelegten Papiere aufgedruckt. Die Lose sind tn der Schweiz zu ca. Frcs. 12.— == Mk. 9.75 das Stück erhältlich und werden durch die Zirkulare zu Mk. 13.7511 „Friedrich", Schacht 3, ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unglücksfall. Der Bergmann Karl Brumbach von hier, Vater von 3 Kindern, stürzte beim Verlassen der Arbeitsstelle von einer Leiter aus einer Höhe von ca. 20 Meter herab und trug so schwere Verletzungen davon, daß er, nachdem er herausgebracht worden war, starb. Einige ihm nachkommende Bergleute konnten sich noch rechtzeitig festhalten, so daß der Verunglückte über sie hinwegfiel. s. Helpershain, 16. Juli. Dieser Tage starb hier die Witwe Marie Korell im Alter von 72 Jahren. Die Frau, die im letzten Mai in Helpershain zugezogen war, lebte in den denkbar ärmsten Verhältnissen. Man nahm allgemein an, daß die alte Frau, wenn sie mir auf sich angewiesen wäre, vor Armut Hungers sterben würde. Beim Auskleiden der Leiche fand nun der Leichenbeschauer, daß die Frau in einem Bund, den sie um den Leib trug, 360 Mk. in bar bei sich trug. Es wurde sodann noch festgestellt, daß die Verstorbene bei zwei Sparkassen Einlagen von 1600 Mk. und 900 Mk. stehen hat. In ihren letzten Tagen äußerte sie gegenüber Bekannten, daß sie jetzt nur noch 2 Mark 50 Pfennig habe. ? Schotten, 17. Juli. Zn den zwei schon bestehenden Sängervereinigungen im Vogelsberg („Vogelsberger Sängerbund" — Sitz in Ilbeshausen und „Vogelsberger Sängervereinigung" — Sitz in Gedern) hat sich eine dritte Vereinigung dieser Art, nämlich der vorige Woche in Nainrod gegründete „Oberer Niddatal-Sängerbund" gesellt. Ihm gehören bis jetzt die Vereine der Orte Nudingshain, Nainrod, Eichelsdorf und Ober-Schmitten an. Bundespräsident ist Lehrer Spieß-Nainrod. P. Schlitz, 17. Juli. Ein tödlicher Unfall ereignete sich aestern in dem Dorfe Hemmen. Der Landwirt Eifert hatte beim Einfahren des Heus, zwei belaßene Wagen aneinandergekoppelt, apf die sogenannte Säuere des 1. I c a n - K i r ch - G c d ä ch t n i s - V i e r e r, offen für die Vereine des Lahn-Regatta-Verbandes: Erster Weilburger Ruder-Verein in 6,583/5. Gießener Ruder-Gesellschaft gab das Rennen auf. 2. Junior-Achter: Erster Ruder-Verein Hellas- Offenbach a. M. in 6,08 gegen Gießener Ruder-Gesellschaft 6,llVo- Vach scharfem Kampfe mit 1'Längen Vorsprung ging Hellas durchs Ziel. 3. Lahn -Pokal-Einer: Erster Mainzer Ruder- Gesellschaft 19 0 2 (Ernst Maschmann) 7,56 gegen Frankfurter Germania (Otto Müller) 8,121/5. Maschmann siegte überlegen, er wechselte dabei etwa 800 Meter vor dem Ziel den Platz und zeigte, daß er gewann wie er wollte. 4. Prinz - Eitel - Vierer: Erster Hanauer Ruder- Gesellschaft 1879 in 7,05 gegen Mainzer Ruder-Gesellschaft, die nach einer Fahrt von etwa 800 Meter das Rennen aufgab, 5. Zweier ohne Steuermann: Erster Gießener Rud e r-G esell schäft (FritzSchlüter und August Wehn) gegen Ruder-Klub Bamberg. Nach zweimaligem Start brach dem Bamberger Boot ein Ruder und mußte infolgedessen das Rennen aus- geben. 6. Zweiter Vierer: Erster Offenbacher Ruder- Gesellschaft Undine 6,381/5, Ruder-Verein Ems 6,49, Hanauer Ruder-Gesellschaft 1879 7,81/5. Undine führte von An- ang an. Die Offenbacher waren ihren Gegnern in jeder Weise überlegen. Die Emser und Hanauer stritten heftig um den zweiten Platz. Die Boote gingen mit je 2 Längen Abstand voneinander durchs Ziel. .7. Junior-Vierer, erstes Vorrennen: Erster Ruder- Verein Hellas-Offenbach a. M. 6,42, Zweiter Gießener Ruoer- Gesellschaft 6,49. Der ausscheidende Dritte war die Offenbacher Undine, die von Gießen mit i/2 Meter überholt war. Zweites Vorrennen: Erster Frankfurter Ruder-Gesellschaft Sachsenhausen 6,372/5. Ruder-Verein Ems 7,00 schied aus. Entscheidungs-Rennen: Erster Ruder-Verein Hellas-Offenbach 6,42 mit 3 Längen Vorsprung gegen Gießener Ruder-Gesellschaft 6,49-/5 Die Sachsenhäuser hatten die Fahrt in der Mitte der Strecke auf- gegeben. /rc 3yniDT^incr: Erster Mainzer Ruder-Gesellschaft (Ernst Maschmann) 8,05 gegen Ruder-Verein-Ems (Willy Wiede- Pann) 8,10V5. Maschmann sührte und behauptete auf der ganzen ' Strecke die Spitze. 'Der Emser Skuller gab sich zwar alle Mühe, mußte aber, den kräftigen Schlägen des Gegners nachgeben 9. Akademischer Vierer: Erster Ruder-Gesell- cha ft Heidelberg 1898, Zweiter Gießener Ruder-Gesell- fchaft. Heidelberg erkämpfte einen leichten Sieg. 10. Do ppel - Z we i e r ohne Steuermann fiel aus, da c£ M Konkurrenz fehlte^ Im Zeitraum 1863/65 kamen im Großherzogtum auf je 100 Lebendgeborene 20,7 Gestorbene im er ften Lebens- j a hre. Jedes fünfte Neugeborene starb also im Lause des ersten Lebensjahres. .Diese Sä n g l i ng s st erb l i chkei t ist allmählich zuruckgegangen auf 12,6 im Jahre 1908 und 13,0 1909. Es bedeutet dies einen Rückgang von über 30 Prozent, beziehungsweise bei der heutigen ^Geburtenziffer einen jährlichen Gewinn von 2000 bis 3000 Säuglingen; daß aber die Säuglings- sterblichkeit noch toeiter herabgemindert werden kann, unterliegt keinem Zweifel. Warum sollte Hessen nicht die geringe Säuglingssterblichkeit fremder Staaten, zum Beispiel von Dänemark mit 10,9, von Schweden mit 8,1, von Norwegen mit 6,9, von Silanä mit 9,2 (sämtlich für das Jahr 1907) erreichen können? Die Säuglingssterblichkeit der jüdischen Bevölkerung Hessens ist bereits auf diesem günstigen Stand angelangt. Denn auf je 100 jüdische Lebend geborene kamen im Jahre 1907, nur 6,4 und im Jahre 1908 6,9 gestorbene jüdische Säuglinge. Hier ist also ein Vorbild, dem nachzustreben ist. Die Säuglingssterbeziffern; lassen erkennen, daß im allgemeinen das Leben der Säuglinge in den Städten (Gemeinden mit 2000 Einwohnern und. mehr) gefährdeter ist als in den ländlichen Gemeinden. Es fiitbet dies wohl hauptsächlich darin seine Erklärung, daß die Kinder auf dem Lande noch gestillt werden, während in den Städten die künstliche Ernährung über- wiegt. In den Städten starben im Jahre 1908 im erften Lebens- jabre 13,9, auf dem Lande nur 10,6 Säuglinge. Am ungünstigsten treten fedoch keineswegs die größten Städte Hessens hervor, sondern vielmehr die städtischen Gemeinden, welche in der Mhe der großen Städte liegen und von einer zahlreichen Arbeiterschaft ^Volkert iw’rben, wie Kostheim, Bretzenheim, Hechtsheim, Fintheir, Bürstadt, Lampertheim und Lorsch. Vor Verallgemeinerungen hat manjtd) ledoch zu hüten. Ist die Säuglingssterblichkell in Hessen aur dem Lande geringer als in den Städten, so trifft in vielen Gegenden Deutschlands das direkte Gegentell zu. Die S ä u g l i n g s st e r b l i ch k e i t d e r M ä d che n ist immer kleiner als die der Knaben. Sie betrug im Jahre 1908 für die Knaben 13,9, für die Mädchen fitur 11,2. Setzt man die Säuglingssterblichkeit der Knaben gleich 100, so ist die der Mäd- chen nur 81 Die Mädchensterblichkeit im ersten Lebensjahre war also um 19 Prozent kleiner als die ^labenfterblichkeit. Der Unter- fchied zwisck)en Knaben- und Mädll-ensterblichkell hat im Laufe der Zeit zugenommen. 1! Junior-Vierer, offen für bie Vereine d^s Lahn-Re- gatta-Verbondes: Erster Gießener R u de r -Eie s e 1 l s ch a f t (Start Petri, Robert Certcl, Leonhard S?oo5 nnb Karl Holzapfel, Steuer Willy Rolloffi 7,141/5 gegen Weilburger Ruder-Verein 7,16-6». Scharfer Endkampf, wobei Gießen, das 1200 Meter dindurchgeführt hatte, durch rechtzeitigen guten Endspurt mit 1 Lange gewann. 12. Großer-Vierer um den Stadtpreis: Erster Hanauer Ruder-Gesellschaft 6,402/s gegen Mainzer Ruder- Gesellschaft 1902 6,45. Hanau führte bis etwa 800 Meter vor beirr Ziel, dann gingen die Mainzer hör. Hanau ruderte aber mit Ruhe und Kraft weiter und siegte mit knapp einer Bootslänge. 13. Ermunterungs-Vierer, Erstes Vorrennen: Erster Ruder-Gesellschast 1898 Heidelberg 6,40, Zweiter Frankfurter Ruder-Gesellschast Sachsenhausen 6,59-/5. Die Gießener Ruder- Gesellschaft schied mit 7,04 für das Hauptrennen als dritter aus. Zweites Vorrennen: Gießener Ruder-Gesellschaft (zweites Boot) ging mit 7,2-'/.5 allein über die Bahn. Hauptrennen: Erster Ruder-Gesellschast 18 9 8 Feidelberg- 6,46V5, Zweiter Frankfurter Ruder-Gesellschast Sachsenhausen 6,5075, Dritter Gießener Ruder-Gesellschast 6,507s. Heidelberg siegte überlegen, Gießen und die Franksurter-Sachsenhäuser stritten heftig um die Ehre des zweiten Platzes. 14. Großer Achter, Großherzogspreis. Erstes Vorrennen: Erster Ruderberein Hellas Offenbach 6,187s gegen Hanauer Ruder-Gesellschaft 1879, die wegen absichtlich hcrbei- geführter Kollision vom Rennen ausgeschlossen wurde. Zweites Vorrennen: Offenbacher Ruder-Gesellschust Undine 5,54 ging allein über die Bahn. Hauptrennen: Erste Offenbacher Undine 5,49 gegen Hellas Offenbach, schärfstes und interessantestes Rennen des Tages. Die beiden Konkurrenten stritten hart um den Sieg, standen sich doch durchaus gleichwertige erste Mannschaften gegenüber. Die Führung wechselte mehrmals. Das Publikum war auf das Höchste erregt und in zwei Lager geteilt. Die einen liefert Undine, die anderen Hellas. Beide Gegner setzten fast zu gleicher Zeit vor dem Ziel mit kräftigem Endspurt ein, doch siegte die zweifellos überlegenere Technik der Undine, so daß deren Boot mit 'knapp 31 Bootslänge zuerst durch das Ziel ging. Damit war der sportliche Teil des Festes beendet. Nach einem hont Vorsitzenden der Gießener Ruder-Gesellschaft Freiherrn Pchenk zu Schweinsberg ausgebrachten Hoch auf Kaiser und Großherzog, den Beschützern unb Förderern des Rudersports, wurde die Preisverteilung vorgenommen. 59jährig» Jubelfeier des LahnLalsängerburrdes. X Butzbach, 17. Juli. 50* Jahre .'find' verflossen, seit der Lahntal-Sänger* bund in Butzbach auf Anregung des Gesangvereins „Orpheus" ins Leben trat, und so beschloß der letzte Bundestag, sein goldenes Jubiläum, verbunden mit dem 2 8. Bun des fest, in der Geburtsstaüt des Bundes abzuhalten. Bei Gründung traten dem Bund neun Vereine bei, und zwar aus den Städten Marburg, Wetzlar, Herborn, Laubach, Hungen, Lich, Usingen und Butzbach, bald folgten Gießen und Grünberg. Heute zählt der Bund 16 Vereine. Auf seine Fahne schrieb der Bund Hebung des Nationalgefühls und der Vaterlandsliebe. Butzbach prangt in schönstem Schmuck, besonders ist der Marktplatz mit seinen malerischen Fachwerkbauten äußerst bjäc^tig an& geschmückt. Die Gäste sind zu hunderten cingetrosfen, so daß in den Straßen und auf dem Festplay großes Gedränge herrscht. Das Bundesfest begann gestern abend durch einen Kommers auf dem Festplatz, der überfüllt war. Hauptlehrer Storch begrüßte als Bundespräsident und Vorsitzender des „Orpheus" bie Festgäste und wies besonders darauf hin, daß 'der Bund der älteste und bedeutendste Mitteldeutschland sei. Sein Hoch galt deni deutschen Gesang. Major Matthies vom hiesigen 1. Bat. 168 er toastete auf den Kaiser als den Förderer des Männergesanges. Die Frauenabteilung des Turnvereins führte unter Leitung des Professors Wämser ein wohlgelungenes Liederspiel mit Reigentänzen auf. Der gemischte Ehor und die Gesangvereine „Orpheus" und ^Eintracht" trugen Einzelchöre und dann Gesamtchöre vor, und die Kapelle der 168 er lonzertierte. Heute, am Hauptfesttage, wurde vormittags durch Musikoirektor Schmidt- Friedberg das Wertungssingen der Bundesvereine im „Hess. Hof" abgehalten: daran schloß sich die Hauptprobe der Majsenchöre auf dem Festplatz, geleitet von Real lehr er Felsing. Um 2 Uhr wurde am Griedelertor ein überaus stattlicher Festzug ausgestellt, der sich durch schö'ne Gruppen auszeichnete. Es seien erwähnt der Festwagen des Turnvereins, „Das Vaterlandslied", „Das Wanderlied" des Gewerbevereins, der Ludwig-Erck-Wagen des Gesangvereins Wetzlar, „Die Huldigung an den Gesang" von Orpheus-Butzbach und der Wagen einer Butzbacher Gesellschaft, „Das Volkslied" darstellend. Diesen folgten die Bundesvereine ans Dillenburg, Gießen (Harmonie, Gemütlichkeit, Heiterkeit und Maschinenbauer-Gesangverein,, Ofrünbcrg, jungen, KÜrch- Hain, Lich, Londorf, Marburg (Liederkran; und Liedertafel), Weilburg und Wetzlar. Als Gastvereine schlossen sich an: Hochweisel, Niederkleen, Oberkleen, Nieder-Weisel (Liederkränz und Männerchor) und Pohl-Göns. Den Schluß bildeten die hiesigen Vereine. Auf deni Festplatz hielt Bundespräsident Hauptlehrer Storch- Butzbach die Festrede. Es folgten bann die Vorträge der Massen- chore von etwa 500 Bundessängern und die Einzellieder der Bundes- Und. Gastvereine auf der geräumigen Sängerhalle. Morgen tagt im „Hessischen Hof" der Sängertag des Bundes. Gevöchrssnal. R. B. Darmstadt, 16. Juli. Strafkammer. Wegen Heiratsschwindels wurde heute der Militärmusiker Älsr. .Rud. Meine! aus Leitelshain, Sachsen, zu ein Jahr Gefängnis verurteilt. Er ist eine leichtfertig veranlagte Don Jnannatur, der auf die Leichtfertigkeit der Mädchen spekulierte, während der letzten Jahre gleichzeitig mehrere Liebesverhältnisse unterhielt und zwei Mädchen um größere Geldbeträge beschwindelte. Mit dem einen hatte er schon seit seinem 15. Jahre Beziehungen und erhielt nach und nach von ihr über 200 Mark. Eine Näherin betrog er um bare Hergäbe von 204 Mark, verschaffte sich ihr Sparkassenbuch und hob die Einlage von 300 Mark heimlich ab. Der Angeklagte gehörte einer hiesigen Militärkapelle mehrere Jahre an und war dann vorübergehend in der des Jnf.-Rgt. Nr. 118 in Worms und zuletzt Schreiber in einer Fabrik zu Pfeddersheim. ßßSSÖCj. Konkurse in Hessen. lieber den Nachlaß des Johann Josef Hann und dessen Gbefrau Johanna geb. Wirth zu Obertshausen wurde am 23. Juni da§ Konkursverfahren eröffnet. Gerichtstapator Johs. Nieder Hof zu Offenbach würbe zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zuin 21. Juli bei bem Amtsgericht Offenbach anzuinelden. — lieber das Vermögen des Kaufmannes Josef Herz, Herren- und Knaben- fonfeftion in Bo denhei m wurde am 30. Juni das Konkursverfahren eröffnet. Anwaltsbureauvorsteher Ang. Kr oh mann in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- forberungeu sind bis zum 22. Juli bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — lieber das Vermögen des Karl Josef Ferdinand Stadelmann, Portefeuillegeschaft in Offenbach a. 'M. wurde am 1. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwcrt Henrich zu Offenbach mürbe zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderunqen sind bis zum 28. Juli bei dem 'Amtsgericht Offenbach anzumelden. — lieber das Vermögen des Friedrich Sannwald, Schreiner in Neu-Isenburg wurde am 1. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Keßler zu Offenbart) wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konknrs- forberungen sind bis zum 28. Juli bei dem Amtsgericht Offenbach anzumelden. Büchertisch. * Der 100. Todestag der Königin Luise von Preußen findet in der Nummer 3498 der Leipziger Illustrierten! Zeitung eine eingehende Berücksichtigung in bildlicher als auch textlicher Beziehung. Weiterhin enthält dieses Heft an größeren Beiträgen einen reich illustrierten Artikel über den Deutschen Schulschiffverein, seine Aufgaben und sein Wirken, sowie euren ebenfalls mit vielen Bildern geschmückten Ueberbüa über die fremdländischen Abteilungen der Brüsseler Weltausstellung. Vom tagesgeschichtlichen Teil sei nur auf die Abbildung vom Stapei- lauf des neuen Linienschiffes „Oldenburg", des zu Ehren Kaiser Wilhelm II. in Aalesund errichteten Denkmals, von der Ecn- weihung der Neuen Luftschifshalle in Gotha, sowie die Porträte des neuen Oberpräsidenten von Günther, der verstorbenen Astronomen Johann Gottfried Galle und Giovanni Srtnaparclli hingewiesen. Die Jll. Ztg. bringt außerdem novellistische und lyrische Beiträge aus der Feder namhafter Autoren, dre ebenso wie die farbigen Reproduktionen hervorragender Gemälde und Aguarelle einen besonderen Vorzug der beliebten Wochenschrift bilden. Müllcr'sche 9aöeon|töiL Mass erwärme der Lahn 1 8 6R. Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen. Juli E Wetter 1910 17. 2» 743,4 25,9 13 6 55 SE 4 2 17. 743 3 209 16,0 87 N 4 9 18. 7« 743,5 19,4 14,0 84 SSE 2 4 Höchste Temperatur am 16. bis 17. Juli — -4- 26,8 * 0. Niedrigste , , 16. „ 17. „ <= -f- 14,1 °0. Niederschlag: == 0,7 nun. Verkaufsstellen durch dieses Plakat kenntlich. Fabrikant *. Angast Jacobi. Darmstadt. Mainz, Köln, Friedberg, Giessen, 18. Juli 1910 3945 Löweugassc 20. pro «Beniner 3.50 Mt. (3895 Die Beerdigung fand am 17. Juli 1. Js. auf dem Friedhöfe Aeltestc Schwemmstein - Fabrik auß. Syndit. fertigt aucu gute Zementdiclen.PP.Gicö,Neuwied Telephon 692. ber Bestattuugsgenossenschaft . der freien Schreinervereinigung Gießen Schirme werben repariert sowie neu überzogen, wozu große Auswahl WT Stoffe -XfiC auch farbig u. in. bunten Kanten. (C18/« — Ffachknndiacn Rat. — Casseler Schirmläbrik, Giessen, Selterswcg 9. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Heinrich Wagner 86., Gastwirt. Die Beerdigung findet Dienstag den 19. Juli, nachmittags 1% Uhr, von dem Sterbehause aus statt. 3944 im nahezu 60. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen heute abend 6 Uhr nach langem, schwerem, mit grosser Geduld getragenem Leiden im Alter von 66 Jahren sanft in dem Herrn entschlafen ist. Mainz in der Stille statt, Bene Kartoffeln (Pfttlzer Kaiserkronen) empfiehlt billigst 3748 J. Weisel, Sonuenstr. 6. Statt besonderer Asnsesge. Gestern abend 6l/< Uhr verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Gatte, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel Rödgen, Steinberg, Grossen-Buscck, den 16. Juli 1910 Verein d.Gastwirte v.Gießen u.Umgegend (E.V.) Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht' oonj dem am 16. d. M. erfolgten Ableben unserer lieben Kollegin Fran Elise Wagner in Nödgen und ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung bei der am Dienstag den 19. d. Ad, nachmittags IV2 Uhr, stattfindenden Beerdigung. $>Cr Vorstand. (3947 Utphe, bei Berstadt. H. Jacobi. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch nachmittag 3!/2 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus. 3954 Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht dass meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Am 15. Juli 1910 entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter treusorgender Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Christian Rumpf Neue Kartoffeln, „Kaiserkrone", gibt ab per Nachnahme inklusive Sack ab Berstadt Frita Rosenbaum im Alter von 47 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen Frau E. Rupp W» und Kinder. ä - P H $ - M ED '-VÄ-;-. § ■ X-- 4 M Ms H M M ■ w. HÄ M K ■ ■ Zu den Schlusstagen meines grossen offeriere ich folgende FSestbestände solange Vorrat reicht: 0 Lei» Mn-Kostöme .J,s„ 12. ML mit 10 Prozent Extra-Rabatt, 0 mit 10 Prozent Extra-Rabatt, Zurückgesetzte Jacken-Kostiime mit 10 Prozent Extra-Rabatt. Reinwollene Musselin-Blusen Weisse Mull-Blus® Wollene Kostümröcke enorm, billig a“/7 Modewarenhaus Carl back 1 M X in grauen u. schwarz- weiss kariert. Stoffen ganz gefüttert ä 8 i in hellgestr. Alpaka Mk. nur bessere, reich gestickte Sachen, bedeutend unter Preis > Mk. W Mk. W mit 10 Prozent Extra-Rabatt. 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