‘Stadt neverein ” Harmonie ,utc TomrerStas ‘„«» 2. T-°«^ 2erIer>S^ 8s§en bi50nzerte "H, &*•* !LL°Z^ ten, il msert ^5Si‘«Ä. E I7 SÄ» «L iädWW f »" g f.J* K b*Ji3» »* an b. Gieß fln*. erb. L Oktober 1910 auf ein. . Nähe (Sichens, ein int uitandbefindl.Hausm :n u. direkt anfdiliefecnb ien leicht., butdiläifmen i zur Einrichtung einet jiegeflugelzüchtereiunb tm, Datier mutz ohne ten beizuführen icm tgcbäube am liebittn , zu pachten ober zu chriitl. Angeb. fmb um. ttierfarm zur Weiter d ah ben Gieheim u richten.__ MKKM Lvrachkemiwlsien unb &W W vchnde M tür <\W »tun- ^Angebote unter MK ienener Anzeiger crb_ Abbruch Liefenweg 3 it Bremholz ZochöKn, 2a®: ft»-**® L———---— einszimmer. renovierter S°^ Anelpe Nir Jerem :u vergeben- ( -Unaebote uniev ww eg? 5^ ascht mit ihwan Ml einer Dame ioiort Äe Buchmbrung.' Anoeb. mit 'Ereiännn. ittweida I hot««. Boi,t. 3610 Donnerstag 2. Juni 1910 160. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 126 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?. § Die „Siebener Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. den der für gelten: die Kost — abgesehen vom Latein der A-capella-Chörc — war nicht allzuschwer, auch der Mindermustkalischc konnte den Flug zur Höhe mituurchen. Ärbeiterversicherung." „ v _ Die 42 bis 46 der Regierungsvorlage werden ge|trnf)en. 47 wurde wie folgt angenommen: . „In den vorn Gesetz bestimmten Fällen sind als Beisitzer des Versicl>erungsamts Versicherungsvertreter beizuziehen Lie werden je zur Hälfte aus Arbeitgebern und aus Versicherten entnommen." _ Der Aus schütz vertagte sich bei § 49 auf morgen, Donnerstag. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität? - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: s^bl. Redaktion: 112. TeU-AdruAnzeigerGießen. Aus dem Sttafprozetzsusschuh. : Berlin, 1. Juni. Ter Strafprozeßausschuß nahm bei $ 112 einen Antrag Dr Heinze inatl.t an, der den Richter des Aufenthaltsorts des Beschuldigten ebenfalls für bic Verhaltung zuständig macht 8 113 wurde mit einem Antrag Towe (Vpt.), unter Ab lehnung einer Reihe weiterer Anträge, angenommen, wonach der Haftbefehl nicht erlassen werden ban, wenn die Straftat auch im Wege der Vrivatllage verfolgt werden kann. Durch den angenommenen Zusatz soll insbesondere der Verhaftung wegen Be- leidigung vor Stellung des Strafantrags und damit dem politischen Mißbrauch der Verhaftungsbefugnis vorgebeugt werden. Ein Antrag Towe, der durch Einschiebung eines § 113 a ben Erlaß des .Haftbefehls von einem kontradiktorischen Derfahren abhängig machen will, wurde vom Antragsteller wieder zurückgezogen, um erst die Gestaltung des im § 116 vorgesehenen Verfahrens auf Beschwerde abzuwarten. . Ter Ausschuß führte die Beratung bis § 114. Bei diesem Paragraphen wurde unter Ablehnung einer Reihe anderer Anträge beschlossen, daß dem Beschuldigten auf Verlangen der Haftbefehl ausgehändigt und er am das Recht hieraus hingewiesen werden muß. Weiter muß ihm auch aur Verlangen Gelegenheit gegeben werden, seine Angehörigen oder einen dritten zu benachrichtigen.______________ ” Die Reichsversichenmg. :: Berlin, 1. Juni. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesien gestrichen. , .. . Zur Frage des Vorsitzers liegen mehrere Abaiwerungs- anträge vor. Ein Antrag der Sozialdemokraten, daß der Vorsitzer von den Beisitzern gewählt werden soll, erregt ungeteilte Heiterkeit. Die Antragsteller redmen allerdings selbst mit der Möglichkeit, daß*nicht alle Mitglieder des Ausschusses dafür stimmen werden. Staatssekretär Delbrück besteht aus der Notwendigkeit des ständigen Stellvertreters des Vorsitzers, ohne, wie vom Zentrum bemerkt wird, die Folgerung zn ziehen, Jne Kosten den Bundesstaaten zu übertragen. Von freisinniger ^citc wird dargelegt, daß der ständige Stellvertreter nicht, mehr und nicht weniger bedeute, als die Verwirklichung dessen, was die Regierung von Anfang an gewollt hat. . Mit 15 gegen 13 Stimmen, gegen Zentrum, Sozialdemokraten und Polen erhielt § 41 folgende Fassung: „Der Leiter der unteren Verwaltungsbehörden ist der Vorsitzende der Abteilung für Arbeiterversicherung. Es kann ein Stellvertreter, der durch Vorbildung oder Erfahrung aus dem Gebiete der Ärbeiterversicherung geeignet ist, bestellt werden. Ist die Abteilung für Arbeiterversicherung bei einer gemeindlichen Behörde errichtet, so bestellt den Stellvertreter der Ge- meindcverband, dessen Bezirk den der Abteilung für Arbeiterpersicherung umfaßt. Wo das Landesgesetz für die Wahl höherer gemeindlickur Beamter eine Bestätigung vorschreibt, gilt ne huch für die Bestellung des Stellvertreters der Abteilung sur Die geistliche Miistkaufführung des Evangelischen Uirchengesangverem; in her Stabtftrdie brachte am Dienstagabend in ihrem eine Neuerung mit einem — alten Stuck, einer Kantate vo Boehm, einem Vorläufer Bachs. Nach turnt Argelpraludiurn m- löntcn die vom Orgelpodium aus nicht gewohnten Klavierklange zuerst fremd herunter, in ihrer Klangwirkung noch verändert durch die starke Resonanz des auf hohen maulen Podiums Fremd, aber doch eigenartig und tu dem kurzen An,chl^ston ge- railbert durch die Begleitung des ^treichquintetts ^edenwtt^ lag ein eigner Reiz in dem Zusammenklang der verschiedenen ^n- ftruincntengattungen und die Komposition bot an vielen ^tellmi Gelegenheit, die .Klangwirkung ins Großartige zu steigern, so z. B. im Eiuaangschor bei „Ich lsade Mich nun ewiglich zu seiner Christenfahn verschrieben". An den Chor schlossen sich verschiedene Sologesänge, zunächst das stellenweise re-ntatioartig gehaltene Sopransolo, in dem bei den Wonen „Nun bleibt'S dabei, denn seine Treu wird nicht geändert, noch gebroto die Stimme mono - ton und nach Art des Orgelpunkts „bei demselben Ton „bleibt Ter Komponist hat so das „wird nicht ^andertt besonders em- druck.-ooll dertönt Tie Solvstucke waren umrahmt vom Zwischenspiel^Ls Liers mw Streichguintetts über Motive.aus .dem öfter wiederkehrenden „Mein F-reund ist mein und ich bm sem - VM Altsolo erinnerte das „Die ^unbe zwar will dieses Bundn s brechen" besonders die Vertonung des „brechen an Handels Zug ins Großartige, Wirkungsvolle. Laber Komponist auch dem Koloraturgesang nicht abhold, so am Schluß des AltsoloS im Worte „neigen". . .. Tenor = und Batzsolo waren in dankenswerter Weise vftenbar von Mitgliedern des Vereins übernommen worden, wie auch sonst bei der Instrumentalbegleitung geschätzte Kräfte aus der Milte des Vereins mitwirkten. Im Schlußchor waren besonders wirkungsvolle Stellen das ,allezeit", das „Heilig, Heilig,.Heilig".unö endlich der wuchtige Schluß: „Ich glaube dies und bins gewitz usw." In dem Rahmen des Ganzen hatte der Klavierpart eine ans Dbobernc anfluigeni>9 kraftvolle Bearbeitung gefunden und fügte sich glücklich cin, so daß man sich mit diesem Wagnis rasch ausgesöhnt hatte und Gefallen daran finden mußte. Die erste Hälfte des Konzerts brachte in rascher Folge als 12. Hauptversammlung des Verbandes hessischer zinanzbeamren. . * Gießen, 1. Junr. Der Verband hessischer Finanzbeamten hielt am Samstag, 28. und Sonntag, 29. Mai, wie schon kurz berichtet wurde, seine Hauptversammlung zum erstenmal hier ob. Am Samstag mittag fanden sich zahlreiche Kollegen, zum Teil mit ihren Manien, und die Vertreter der befreundeten Verbände von Baden, Württemberg und Elsaß-Lothringen ein. Nachmittags 31/« Uhr tagte der Zeit- fdmftbcirat des Verbandsblattes des Vereins badischer, wurttem- bergischer unb hessischer Finanzbeamten sowie des Verbandes der elsaß-lothringischen Zollbearnlen. Hieraus sand um ;> Uhr unter der Führung des Sberrn Oberstabsarztes a. x,. D r. >slegert eine Besichtigung des Museums des O b e r he s s i s ch e n Geschichtsvereins und der G ro ßh. Em Pfau g ? r a um c statt. Mit lebhaftem Interesse folgte man beinahe zwei stunden ben hochinteressanten Ausführungen des Führers. Am Ende des Rund- gangÄ sprach ihm Herr Ministerial-Revisor Bruchhauser-Larm - stabt den Tank auS und bat ihn, diesen Dank auch dem Geschichts- Verein zu übermitteln. — Nun übernahm ^schloßverwalter DM die Fühning durch die Empfangsräume, deren schönen Einricv- hingen besonders die Damen lebhaftes Interesse entgegenbrachten. — Zu Ehren der angcEommcnen auswärtigen Kollegen und Gaste hatten die hiesigen Finanzbeamten unter Leitung des Univ.- Sekretariats-Assistenten Erle einen Begrußungsabend un Wintergarten des Hotel Schütz veranstaltet. Nach einem einleitenden Musikstück ergriff Herr Erle das Wort zur Begrüßung der Anwesenden. Er dankte den Mitgliedern, den zahlreichen Tarnen unb besonders den Vertretern der befreundeten Verbände sur ihr Erscheinen und schloß mit dem Wunsch, der 12. Berband^ag m Gießen möge sich würdig seinen Vorgängern anreihen. Zm Namen des Verbandsaussckusses sprach bann Ministerial-Revisor Bruchhäuser: sein Hoch galt den süddeutschen Finanzbeamten-Verbän- den. Hieraus dankte Rechnungsrat Lang-Stuttgart im Namen der Bruderverbände und brachte ein Hoch aus das schone Giesten aus. Es wechselten dann gesangliche, musikalische unb humoristische Darbietungen, die zum größten Teil von hiesigen Kollegen über- Twmmen worden waren. Sonntag vormittag wurden nach vorausgegangener Besichtigung der Universitäts-Bibliothek die geschäftlichen Verhandlungen im großen Hörsaale der Universität gepflogen. Rechnungsrat L a n g - Tarmstadt eröffnete die Versammlung mit einer Begrüßung der in stattlicher Zahl erschienenen Kottegen ans nah und fern unb einem Hoch auf unseren Landessürsten. Nachdem er der seit der vorjährigen Hauptversammlung verstör- benen Kollegen gedacht und die Zubilare des Finanzbearntenstandes, die vor 40 und 25 Jahren die Staatsprüfung abgelegt hatten, begrüßt hatte, erstattete er den Geschäftsbericht über das abgelauscme Heber die Zunrnkulose. Die Erkrankung des Kaisers an einem Furunkel des rechten Handgelenks ist geeignet, die allgemeine Aufmerksamkeit einmal aus diesen weitverbreiteten Leidenszustand zu lenken. Wie entsteht ein Furunkel? Eine kleine entzündliche Schwellung in der Oberhaut, wie sie fast jeder dutzendmal an sich hat beobachten können, entwickelt sich nicht zu jenem unbedeutenden Eiterbläschen, das das Volk „Mitesser" oder Pustel nennt und mit einem gebohrten Schlüssel auszudrücken pflegt, sondern wächst zu einem äußerst schmerzhaften Knoten heran, der schließlich von innen aus aufbricht und eine eiterig-jauchige Flüssigkeit entleert, in vielen Fällen aber nicht schnell vernarbt, sondern durch seine wie mitt einem Locheisen geschlagene Oefftiung erkennen läßt, daß die Eiterung das Unterhautbindegewebe ergriffen hat. Nach ausgiebiger Oefftiung mit dem chirurgischen Messer pflegt die sich reinigende Wunde, die man nicht zu schnell zuheilen läßt, ohne Folgen zu vernarben. In schwereren Fällen aber entstehen während oder nach der Zuheilung neue Furunkel, die dadurch hervor- gerufen sind, daß Eiterbakterien in die Umgebung verschleppt worden sind und zur Ursache neuer Eiterherde werden. Die Eiterherde können aber auch so dicht nebeneinander ausgesät sein, daß 'die von ihnen gebildete, oft walnußgroße GescHvulst bei ihrem Aufbruch wie siebartig durchlöchert erscheint, in welchem Falle man von einem „Gittergeschwür" spricht. Die bei den Kranken dabei häufig auftretenden mehr ober minder hohen Fieber- temperaturen beweisen, daß Eiterkokken oder von ihnen gebilbete! Toxine in die Blutbahn eingetreten sind, daß, es sich also um eine Erkrankung handelt, bei der unter Umständen sogar tödlich wirkende Blutvergiftung cintreten tarnt. Die Ursachen sind zum größten Teile noch in tiefes Dunkel gehüllt. Es gibt augenscheinlich prädisponierte, sonst aber völlig gesunde Personen, die auf geringfügige, für andere ganz belanglose Veranlassungen mit Furunkeln reagieren. Wahrscheinlich handelt es sich bei ihnen um eine eigenartige Beschassenljeit bet Haut, die den überaus giftigen staphhliftokken ein leichtes Eindringen in die Ausführungsgänge der Hautdrüsen gestatten. Andersefts aber scheinen sich die infektiösen Keime außerhalb der Bauwerft Blohm u. Voß in Dambura zu.'.einer endgültiges Fertigstellung nach der Kaiserlichen Werft ^Kiel ubergesührt worden ist, werden durch das soeben erschienene ^unr-Het^ der ,/Surat» Rundschau" bekannt T anach hat „von der Tann eine Wasta--» Verdrängung von etwa 19000 t, übertrifft allo an Grotze ine Linienschiffe der „Nassau"- Klasse noch um einige fprnbmt ^orateu. Bei einer Länge von 171 m ist er bei mcitem ba* langltc 3 d: t f f unserer Marine und etwa 20 m langer als der Große Kreuzer „Blücher". Tie Breite betragt 26,o m der Tr^> gang 8,1 m „von der Tann" ist das erste große ^d>tn innerer marine, das mit Turbinen als Antriebsmittel, audgeni6tt ist .Bisher hatten nur die Kleinen Kreuzer „Lübeck , „^tettm , Tresden", .Mainz" und „Kolberg" sowie eine Anzahl von Tor-edobooten Turbinen, und zwar verscksiedener Systeme „von der Tann" erhält Parsons-Turbinen von 41 000 Wellen-Vferdi. starten, die dem Schiff eine Geschwindigkeit von über 24 >sec- meilen in der Stunde geben sollen. Wie inzwischsn üefannt geworden ist, hat das Schift bei den von der Bauwerft abgehaftenen vorläufigen Probefahrten diese Geschwindigkeit ganz erheblich uver- schritten Ten erforderlicheii Dampf liefern 18 engromige Marinekessel. Ter Kohlenvorrat beträgt unter gewöhnlichen Verhältnissen 1000 t, tedoch fassen die Bunker im ganzen 2800 t Kohlen Tie Armierung besteht aus acht 28fem-, zehn 1o- env und sechzehn 8,8-om-Schnellladegeschützen. chic schweren Geschütze sind in vier Toppeltürmen aufgestellt in einer Anordmurg ähnlich wie auf den englischen Panzerkreuzern der „^nviueible - Klasse, und zwar stehen der vordere und der achtere Turm in der Längsschisssachse, die beiden übrigen Türme seitlich nach der Bordwand zu herausgerückt, der Steuerbord-^urm weiter nack> vorn, der Backbordturm weiter nach achtern -turd) .diese Ausstellung wird es ermöglicht, daß alle vier Türme nach beiden Seiten und je drei Türme nach vorn und nach hinten teuern können. Tie Geschütze der Mittelartillerie stehen m einer gepanzerten Zentralkasematte. Tas Schift erhält zwei leichte Ptayl- masten und zwei Schornsteine. Lin Hirtenbrief öes Papste; Pin; X. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, hat der Papst s-uin WOjahriqen Jubiläum der Kanonisation des h. Karl Borro- , maus einen Hirtenbrief erlassen. Die „Teutsch-evangel. | Korrespondenz" hat daraus einige Stellen in deutscher lieber-- . setzung ftneberzjegebcn, die großes Aufsehen unb unter den : Andersgläu.bigen Entrüstung Hervorrufen mußten. Wir : haben mit der Veröffentlichung bisher zurückgehalten, um abzuwarten, in ivelcher Form die führenden Zentrumsblätter den Hirtenbrief mitteilen würden. Die „Köln. Bolksztg." hat ihren Lesern bisher nur eine Inhaltsangabe übermittelt, aber in der „Germania" finden wir bereits den Wortlaut des Hirtenbriefes. Danach bestätigt es sich, daß der Papst unbegreiflich schroffe Worte gegen die Modernisten nicht nur, sondern auch gegen die großen Reformatoren der Vergangenheit geschleudert hat. Wir zitieren nach der Ver- öfsentlichung in der „Germania" (nach der „Deutsch-evangelischen Korresp." lauten die ^Schmähungen noch schärfer): Eine solche wunderbare Einwirkung der göttlichen Vorsehung auf die von der Kirche geförderte Reformarbeit tritt klar und deutlich in dem Jahrhundert hervor, das zur Stärkung der Guten den hl. Stär! Borromäus entstehen sah. Damals tobten die Leidenschaften, die Kenntnis der Wahrheit war burcfjquert und verdunkelt, es war ein beständiger Kampf mit dem Irrtum, und die menschliche Gesellschaft stürzte sich dem Unheil entgegen und schien dem Verderben preisgcgeben. Und unter diesen Umstanden traten stolze und w ider spe n stige Me n schen auf, „Feinde des Kreuzes Christi", Menschen mit „irdischer Gesinnung, bereit Gott der Bauch war" (18. Diese verlegten sich natürlich nicht auf die Besserung der Sitten, sondern auf die Leugnung der Dogmen, sie vermehrten die Unorbnmig und ließen für fick und andere der Zügellosigkeit freien Lauf, oder sie untergruben wenigstens, mit Verachtung bet maßgeb.nd:n Führerschaft der .Kirche und im Gefolge der Leidenschaften verkommener Fürsten und Völker, mit einer gewissen Tyrannei Lehre, Verfassung und Tisziplin der Kftche. Tann ahmt e n iic jenen Gottlosen nach, denen die Drohung gilt: „Wehe cud), die ihr das Ohrte bös und das Böse gut meint" (19 , und nannten, den rebellischen Wirrwarr und die Verke^t- h-it des Glaubens und der Sitten Reform und sich ftlbst Reformatoren In Wahrheit aber waren sie Verführer, und indem sie durch Strcitigteitcn und Kriege die Kräfte Europas erlchöpten, haben sie die Empörung unb den Abfall der modernen Zeiten hör bereitet, in denen sich die drei Arten von Kamps, die früher getrennt waren, und aus denen die Kirche immer siegreich hervor- qmg, zu einem einzigen vereinigt haben: die blutigen Kämche der ersten Zeft, bann die innere Pest der Häresien, endlich, unter dem Namen der evangelischen Freiheit, lene Verderbtheit der Sitten und Verkehrtheit der ^sziplni, zu der vielleicht das Mittelalter nicht gelangt war. Dieser Menge von Verftihrern ftetltr Gott wirkliche Reformatoren und heftige Männer gegenüber, sei es, um jenen reißenden ström auftu- halten und jede. Siedehitze auszulöschen, sei es, um die schon verursachten Schaden wieder gutzumachen. Es ist klar, baß solche Beschimpfungen und Weiterver hreitunq durch bic Zentrumsprcssc ben konfessionellen Frieden nicht fördern, sondern untergraben. Auch die „Kreuzztg." legte Verloahrung gegen diese Beleidigungen Anbersdenren- ber ein: r Einem solchen Vorgeheii des Papstes gegenüber, wenn es wirklich erfolgt ist, müssen alle Versuche den äußeren Frieden nntci ben >bonfessionen zu fördern, erfolglos blechen, und me öffentliche Abwehr solck>er Beschimpfungen durch die eoangeli,chc Ehristtnheit muß bald und mit aller Entschiedenheit erfolgen. Das ge'chichftichr und moralische Urteil über die Reformation unb bic Reformatoren, das iii den oben mitgetetlten eaöcn aus- gesprochm wird, zeugt m freilich von einer so grotesken ftn- wissenheft, daß jedes Wort der Widerlegung ubersluftig ist Aber der böse Wille, der aus ihnen spricht, muß aufs fcharftte in seine Schranken gewiesen werden. Die , No rdd. Allgem. Zt g." druckt aus der von der „Eiermama" veröffentlichten Uebersetzung der neuen päpstlichen Eu^)klika verschiedene gegen drc Reformatoren gerichtete Stellen ab und bemerkt, daß diese Äeutzerungcn in evangelischen Kreisen g r o ß e s Au f s c h en erregen. Sie zitiert int Anschluß daran folgende Bemerkuug der „Kreuz- zeitung": „Einem solckien Vorgehen des Papstes En- über - wenn es wirklich erfolgt ist -, massen alle Versuche, den äußeren Frieden unter den Konfessionen zu fordern, erfolglos blinden." Der Reichsversicherungsausschuß nahm auch 8 35 des Kompromißantrages Schicker und Genossen an, die Ausgaben der unteren Verwaltungsbehörden, Abteilung Versicherung, umschreibt. Die §§ 36 bis 38 der Vorlage handeln von den Sonderversicherungsämtern. Konservative, Zenttum, Volkspartei, Sozialdemokraten sprechen dagegen Tie Vertreter öes Eifenbahnressorts, des Bergbaues und der Manneverwalturig legen die Gründe für Sonderversicherungsämter dar, die nach Ansicht der Mehrheit in den Rahmen der Vorlage gar nicht hineinpassen. Die Gründe der Regierung wirken nicht uberznigend Ein Zentrumsmitglied erklärt geradezu, daß man nun erst recht Gegner- der Sonderversicherungsämter werden müsse. Von voltsparteilicher Seite wird auägefübrt, daß die Disziplin hier gar nicht in Frage kommt, sondern es sich um Rechtsprechung handele und man um der größeren Einheitlichkeit willen die ^oiiderver- sicherungsämter streichen müsse. Ein konservatives Mitglied halt zwar die Streichung einstweilen für notwendig, glaubt aber, baß poch eine besondere Aufsicht nötig wird: ähnlich äutzert sich der Spreckrer der Nationalliberalen. Die §§ 36 bis 40 werden schließlich Heer Flotte. — S. M. S. „von d-er Tann". Nähere Angaben über ben Großen Kreuzer „von der Tann", der in diesen Tagen von Eingangsstück zunächst eine Orgel-Toeeata von Muffat, einem Passauer Organisten der Vorbach,chen Zeit. An den ersten Satz, der eine weiche Stimmung weckt, schließt sich ein Mittelsatz mit fugenartiger Durchführung eines Lauf- und Trftlermotivs an, das bann, über einem Orgelpunkt verarbeitet, zu der AnsangS- ftimmung zuruckkehrt, um in einem effektvollen Schluß zu enden. Das edle Tonsttick gab dem Organisten Gör lach eine dankbare Gelegenheit, die Bewältigung schwieriger Partien zu zeigen. Der Toecata folgten 2 Chöre a eapella aus dem 16. Jahrhundert, beide durch vornehme Stimmenführung ausgezeichnet, anscheinend der erste Chor auch von Palestrftia, vom Verein reut und zart vorgetragen. In der Bachschen Sopran-Arie „Liebster Fefu, mein Verlangen" sang Fräulein I. Müller (Wetzlar) die schwieriga Koloraturpartie mit Heller, schöner Stimme. Dann kamen unsere kleinen Sänger, die Kna b en ch or schul e, an die Reihe, mit dem einfachen, im Volkstone gehaltenen „Gen Himmel au,gefahren ist". Ten vierten Vers „Drum jauchzen wir mit großem schall" hcftte man wesentlich lauter singen lassen dürfen, damit das „Jauchzen, mit großem Schatt" aud) zu seinem Recht kam. Der nächste Knabenchor „Schönster Herr Jesu" ist schon öfter von den Knaben gesungen worden. Er ist so lieblich, daß man ihn immer wieder gern hört. Er erinnert an die Lieder, die aus deni Land im Volk leben, hat eine wiegenliedartige, fthr zu Herzen sprechende Melodie. Betanntlich sind früher öfter Volkslieder zu Kirchenlieder gemacht worden, so soll das reizende ,,x$d) will pich lieben usw." tatsächlich einst ein Liebeslied gewesen sein, dem man später den geistlichen Text unterlegte. An fünfter Stelle fang Fräulein Reichard (Frankfurt a. M.) mit angenehmer Stimme die Bachsche Altarie „Wer Gott bekennt" zu Orgel- und Violinenbegleftung, ein edles Tonstück, bas dank der hingebenden Ausführung der drei Mitwirkenden sehr ansprach. Die oben besprochene Boehmsck>e Kantate bildete den Schluß der Aufführung, die kaum länger als eine Stunde dauerte unb sich auch dadurch vor anderen, allzureickstich besetzten Konzerten vorteilhaft auszeichnete. Der Dirigent, Prof. Trautmann, unb alle Mftwirkenden haben sich erneut den Dank des Gießener Publikums verdient, soweit es neben Operetten und sonstigen leichteren Kunstgenüssen den Sinn für gediegene, ernste Musik noch nicht, verloren hat. Das. Programm muß diesmal als besonders geschickt gewählt Beremsjahr. Sn der hatte dieser die E r tv e i f e r u n g de r Serbe nbd-aufgaben bezüglich einer günstigeren Gestaltung der Anstettungs-Möglickrkeiten und Verhältnisse der Fi- nanzbeamten und Aspirarrten, der Versorgung der ^taatsdienit- anwärter, der Sor- und Ausbildung der Knauzbeamten zum Gegenstand. Dem Berbaudsrechner, HofsekreLLr Engel-Darmstadt, wurde nach Ablage des Rechenschaftsberichts Entlastung erteilt und der Dank für seine letztjährige Tätigkeit abgestattet. Zum Ort der nächstjährigen Hauptversammlung wurde einstimmig Worms erwählt, lieber die Zeitschrift süddeutscher Finanzbeam- len berichtete Revident R v t h m u n d - Karlsruhe, indem er zu- nächst über die Verwendung der eingegangenen Beiträge imb sonstigen Eimiahmen Rechenschaft gab und im Interesse einer umfangreicheren Ausgestaltung der Zeitschrift zur weiteren fleißigen Mit arbeit aufs order te. Rechnungsrat Seitz - Offenbach, dem die Vorarbeiten für Gründung eines E r h o l u n g s he i in s für hessische Finanzbeamten in Bab-Nauheim übertragen sind, erteilte Auskunft über den derzeitigen Stand dieser cad)e. Bei der Besprechung über die Lage des Standes wurde der Reorganisation der Staatsverwaltung und der Revision der Besoldungsordnung mit einer gehaltlickn'n Besserstellung der gesamten Beamtenschaft gedacht. Wie sehr auch eine baldige Erfüllung berechtigter Wünsche des gesamten Beamtenstandes nicht allein in dessen eigenem Interesse, sondern in weit höhexem Matze im Interesse unseres ganzen Volkes, das an einer gesunden, pflichteifrigen fit’nb berichsfreudigen sowie nach aiiy'cn unabhängigen Beamtenschaft ein Eutzerordentlich schätzenswertes Gut hat, gelegen ist, haben diese einer unabweisbaren' Notwendigkeit entsprungenen Forderungen im allgemeinen nicht die verdiente Würdigung erfahren. Werden doch die Beamten von vielen Angehörigen anderer Berufsstände immer noch als Konsumenten angesehen, während sie doch im hohen Matze auch Produzenten sind. Und gerade diese höheren Gesichtspunkte mühten eigentlich für die maßgebenden Faktoren allein schon bestimmend fein, alle .Hindernisse, die einer durchgreifenden und nachhaltigen Bessergestaltung der wirtschaftlichen Lage aller Beamten entgegenstehen, zu beseitigen zur Weitererhaltung auf ihrer früheren sozialen und wirtschaftlichen Stufe. Mit Worten des Tankes schloß der 1. Vorsitzende um V2I Uhr den,' geschäftlichen Teil der Verhandlungen. hieran anschließend fand ein gemeinsames Mittagsmahl im Hotel Schlitz statt. Während des Mahles begrüßte Revisions- Inspektor O b m a n n - Mainz die Anwesenden und schloß mit einem Hoch auf die Bundesfürsten, in erster Linie auf Großherzog Ernst Ludwig und auf bic Landesherren, der vertretenen süddeutschen Vereine. Zollinspektor Holl-Stuttgart, Rechnungsrat Bechtel - Karlsruhe unb Regierungs-Sekretär Büsseler - Straßburg bankten für die freundliche Einladung und überbrachten die Grüße ihrer Vereine. Ter spate Nachmittag wurde noch zu einem Ausflug nach der Karlsruhe benutzt. Aus Stsdt uud Land. Gießen, 2. Juni 1910. ** T i c Handwerkskammer für Hessen hielt am Montag eine V 0 r st a n d s s i tz u n g ab, die sich in der Hauptsache mit der Beratung über die Regierungsvorlage beschäftigte, die Ergänzungen und Abänderungen der Vorschriften über das B e r d i n g u n g S w e s e n bringt. Außer dem Staatskommissar der Kammer, Geh. Ober-Regierungs- rat Tr. Wagner, waren der Vorsitzende der Bauabteilung Geheimerat Frhr. v. B i e g c [ c b e 11 und Baurat Wagner erschienen. Tie Vorlage bringt eine größere Anzahl von Wünschen zur Erledigung, die seit Jahren aus den Kreisen der Baugewerbetreibenden geltend gemacht wurden und es kann der Befriedigung Ausdruck verliehen lverden, daß bei den eingehenden Verhandlungen über den Entwurf ein beiderseitiges Einvernehmen festgestellt werden konnte. 'Aus dem Inhalt der Vorlage erwähnen wir die Zuziehung von Sachverständigen aus den Kreisen der Gewerbetreibenden bei der Aufstellung der Verdingungsanschläge, die Frage der Vergütung von Nebenleistungen, die Honorierung einverlangter Pläne und Zeichnungen, die künftige Vergebung bei allen Hochbauten nach Anschlagstiteln, die Fristen für die AusführUiYgen, die Frage der Zuschlagserteilung, die Ausschließung solcher Bewerber, die ihren Pflichten der sozialpolitischen Gesetzgebung gegenüber nicht nachkommen, die Vergebung von Leistungen an gewerbliche Korporationen 11)to. Nachdem die Beratungen im engeren Vorstande in Gegenwart von Sachverständigen erfolgt find, nrirb die Handwerkskammer demnächst einem weiteren Kreise von Interessenten Gelegenheit geben, von der Vorlage und der Stellung der Handwerkskammer hierzu Kenntnis zu nehmen. *' Schülerwctturnen. Bis zum 1. Juni, dem Meldeschluß für das Schülerwetturnen, haben sich aus den hiesigen Schulen insgesamt 338 Wetturner gemeldet. Am kommenden Samstag, 6 Uhr, findet auf dem Trieb vor der Festhalle (bei Regen innerhalb derselben) die erste Uebung aller Schüler, die sich gemeldet haben, nebst Einteilung in Riegen rc. statt. Der Ausschuß hat in seiner Sitzung am Montag die Klciderfrage dahin geregelt, daß für alle Schüler einfaches Turnhemd und Gürtel vorgeschrieben werden, während bezügl. Anschaffung von Turnschuhen und Turnhosen freie Hand gelassen wird. Es wird nur hierbei bestimmt vorausgesetzt, daß für Turnhosen, die eventuell neu des Menschen zuweilen in so großer Zahl imb Virulenz zu entwickeln, daß man den Eindruck einer wirklichen Furunlelepidcmie gewinnt. Häufig bilden sich Furunkel im weiteren Verlauf bestehender Ekzenie und als Folgeerscheinung von Typhus. Besonders gefährlich aber wird ihr Auftreten während einer bestehenden Erkrankung an Zuckerharnruhr (Diabetes mellitus). Es braucht in solchen Fällen nicht ein Diabetes in Gestalt einer schweren Organerkrankung vorzuliegcn, es genügt vielmehr schon das Vorhandensein jenes als TiabetcS attmentarius bezeichneten .Zustandes von Ueberernährung, bei dem Personen mit glänzendem Appetit neben reichlicher Eiweißnahrung ein Uebermaß an zucker- bildenden Substanzen zu sich nehmen, die der Körper nicht bewältigen kann, um schwere durch Monate und Jahre andauernde Furunkulosen entstehen zu lassen, die bei Einschränkung der Nahrungsaufnahme. und entspreckxüber Auswahl des zu Genießenden alsbald verschwinden. In allen Fällen ist sofortiger operativer Eingriff ratsam, weil kein Arzt von vornherein die Möglichkeit des Eintretens einer Endocarditis «Entzündung der inneren Herzhaut mit anschließender Entzündung der Herzklappen) ausschließen kann. * — T i e Heidelberger Universität zählt in diesem Semester 2413 immatrikulierte Studierende. Davon studieren: in der theologischen Fakultät 99, in der juristischen 589, in der medizinisck>en 645, in der philosophischen 710 ldarunter 69 Kameralisten) und in der naturwissenschaftlich-mathematischen Fakultät 370. Ter Staatsangehörigkeit nach sind: 2169 Reichsdeutsche, davon 874 Preußen, 698 Badener, 163 Bauern und 13 5 Hessen, ferner 244 Ausländer, davon 109 Russen Dazu kommen 139 .Hörer. Ter Gesamtbesuch beträgt somit 2552. — „T i c Blume der Barm Herzigkeit." Die Offenherzigkeit und Mitteilsamkeit der Schwaben findet man eigentlich nur in Büchern. Sonst ist wenig davon zu merken, am wenigsten in Stuttgart. Für öffentliche Veranstaltungen gesellschaftlicher Art ist die Württemberg ifebe Hauptstadt ein wenig ergiebiger Boden. Zu Pfingsten veranstaltete der Fremdenverkehrsverein einen Blumentorso. Es sollte ein gesellschaftliches Ereignis feilt, aber es war ein Neinfall, obwohl an die 60 000 Menschen gegen Erlegung eines Obolus in den Anlagen zusammengeströmt waren. Noch nicht 25 Wagen waren zusammengetom- m-en, trotzdem der Hof selbst eine ganze Anzahl gestellt hatte. In angeschaffi werden, nur weiße, kurze Hssen m Betracht komme« unb daß die andern Schüler möglichst in dunkler, kurzer Hose erscheinen. Der vorgelegte Diplomentwurf fand wegen seiner geschmackvollen Ausführung allseitigen Beifall. § Nuppertenrod, 1. Juni. Ein hiesiger Landwirt fand auf seinem Acker einen wohlerhaltenen Taler mit genauer Prägung an5 dem Jahre 1796. — In dem benachbarten Walddistrikt „Heul" erhebt sich ein Steinhügel, der zweifellos ein Hünengrab ist. Man findet darin eine große Anzahl schwarz gebrannter Topfscherben. In diesem Frühjahr fanden Waldarbeiter sogar einen wohl erhaltenen ganzen Topf. Unkenntnis und Unverstand ließen den Topf als „altes Dippe" zerschlagen. Eine planmäßige Freilegung des Hügels wäre wohl empfehlenswert gewesen. ** P 0 st p e r s 0 n a 1 i e n. Angen 0 m m e n als Postgehilie Böck in Gießen; als Postageut Karl Germer in Klein-Liitdeu. △ Aus dem Kreis Alsfeld, 1. Juni. Gegenwärtig gehen die Sammellisten in den Ortschaften zur 'Aufhebung von Beiträgen für die Opfer der Ober- Mockstädter Sparkasse. Es ist gewiß mit voller Zustimmung eine solche Hilfsaktion zu begrüßen. Was dem einen recht ist, das ist dem anderen billig. So denkt die in unserem Kreise gelegene Gemeinde Deckenbach. Wie in Ober-Mocksiadl, brach auch hier vor einigen Jahren die Sparund Kreditkasse durch einen Fehlbetrag von 117 000 Mk. zusammen. Unter den haftbaren Mitgliedern befanden sich viele kleinen Leute, die bis zu 1400 Mk. bezahlen mußten. Die Gemeinde Deckenbach mit ihren 430 Einwohnern steht wirtschaftlich weit hinter Ober-Mockstadt zurück. In letzterer Gemeinde bestehen recht bemerkenswerte Ortsbürgernutzungen, in Deckenbach und Umgegend dagegen nicht. In Oder-Mockltadt beträgt der Kommunalsteuerausschlag 119 Prozent, in Deckenbach 205 Prozent. Weiter ist die Lage der Gemarkung Ober-Mockstadt eine viel günstigere als die von Deckenbach und Umgegend. Niemand wird es darum den Geschädigten der Deckenbacher Sparkasse verübeln, wenn sie eine gleiche Unterstützung wie die Ober-Mockstädter erhoffen. z$ £ i d), 30. Mai. Unser Turnverein begeht mit seinem 50jährigen Jubiläum im Sommer zugleich bas Fest der Fahnenweihe. Von ber Bürgerschaft sinb für ein neues Banner mehrere hunbert Mark bcreitwilligst gespendet worben. Größere Beträge gaben bazu auch Fürst Karl und Prinz Louis von Solms-Lich. X. Bübingen, 1. Juni. Das Bahn Projekt .Hanau-Bübingen ist allem Anscheine nach für geraume Zeit seiner Ausführung entrückt worben. Ter preuß. Eisenbahnminister hat angesichts bes ihm nicht genügenb gesicherten Finanzierungsplanes eine Beteiligung bes Staates in Form ber Gewährung eines Baubarlehens aus Mitteln bes Kleinbahnfonbs abgelehnt. Gleichzeitig hat er angeregt eine stärkere finanzielle Beteiligung ber Kreise Hanau-Stadt und -Laub, wozu gutem Vernehmen nach keine Geneigtheit vorhanden ist. X. Fulda, 1. Juni. Der jetzt in Wiesbaden lebende Burkard Karl Müller hat seine Vaterstadt Fulda lote auch die Arbeiter seiner früheren Fabriken, ber Filzfabrik Fulba unb Vereinigte Schuhstoffabriten Fulda, mit reichen Zuwendungen bedacht. Aus Anlaß seines 50jährigen Berufsjubiläums spendete er den älteren Arbeitern beider Fabriken Geschenke von x50 bis 200 Mk., zusammen 10 000 Mark, den Fabrik-Unterstützungskassen 20 000 Mk„ den beiden Kinderbewahranstalien Fulbas je 5000 Mk., ber Stabt Fulba für bie Errichtung eines Volksbades 5000 Mk., dem Kreise Fulba für Kinber-Ferienkolonien 5000 Mk. Landwirtschaft. [] Marburg, 1. Juni. Im Kreis Ihar bürg wird schon mit der Heuernte begonnen. Die Landwirte rechnen damit, daß die anhatteude Trockenheit bald einer recht wünschenswerten Regenzeit Platz macht und befürchten bann eine Verzögerung der Heuernte. Lustschiffahrt. Dk. Der amerikanische Flieger Glenn Curtiß stellte, wie wir schon mitgeteilt haben, einen neuen Wettsieg für Amerika auf. Er legte die Strecke von Albany nach New- york, das sind 140 englische Meilen, mit einem Halt in einem Flug zurück. Er brauchte dazu drei Stunden. Ter Zweidecker war die ganze Zeit unter Aufsicht des Fliegers, der keinerler Schwierigkeit darin fand, den von ihm selbst vorgeschriebenen Weg ganz genau einzuhalten. Während des größten Teils der Fahrt folgte er dem Lauf des Hudsoir-Flusses. Tie einzige Landung, nämlich in Poughkeepsie, geschah nur, um neues Petroleum einzunehmen. Tie endgültige Landung war auf einem freien Platz hart nördlich von Newhork. Ter Flieger gewann mit dieser Leistung einen von der Newhork World ausgesetzten Preis von 10 000 Dollars. den jüngsten Tagen hat aber eine andere öffentliche Veranstaltung einen glänzenden Erfolg gehabt: Ter Tag der „Blume der Barmherzigkeit", lieber tausend Tarnen, weiß gekleidet und mit einer Erkennungsschleife in den Stuttgarter Stadt- farben geschmückt, boten vom Morgen bis zum Abend in allen Teilen der Stadt die „Blume der Barmherzigkeit" feil: eine künstliche Gänseblume, die einen Zehner kostete. Schranken waren der Mildtätigkeit natürlich nicht gesetzt. Es war für die Säuglings- und Kinderfürsorge. Tarnen walteten, in Gruppen eingeteilt, mit unermüdlichem Fleiße ihres Amtes. Sie waren nicht alte hübsch unb nicht alle jung, aber die Barmherzigkeit half. Alle Welt schmückte sich mit der Blume der Barmherzigkeit, Groß unb Klein, Alt unb Jung, ohne Unterschieb bes Ranges unb des Standes, selbst die strengen Hüter des Gesetzes. — E i n Denkmal für die Rachel. Aus Genf wirb berichtet: Die große Tragödin Rachel, die in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Frankreich mit ihrem Ruhm erfüllte, wird nun ein Denkmal erhalten. In Genf hat sich ein Ausschuß be- bildet, der die Vorarbeiten für dieses Denkmal, wohl das erste, bas einer Schauspielerin errichtet wird, bereits begonnen hat. Die Rachel, mit ihrem wirklichen Namen Elisa-Rachel F6lix, ist in Mumpf im Kanton Argau geboren. -— Plakatentwurf für das Bismarcknationalden k m a I. Tas Preisgericht für die Beschaffung eines Plakats zum Ausruf für das Bismarckdenlmal erteilte den ersten Preis von 2000 Mk. dem Maler A. S t r 0 e d e l in Borsdori, den zweiten Preis von 1000 Mk. an H. M nench unb E. Sigrist in Stuttgart, den dritten von 500 Mk. an Max frittier lTres- bem. Eingegangen waren 333 Entwürfe, von denen 44 in die engere Wahl tarnen. Der Stroedelsche Entwurf wirb ausgeführt. , — T e r erste R a d i u m s ch r a n k. Der erste Schrank, der bestimmt ist, das kostbare Element, das Radium, in größeren Mengen in sich auszunehmen, ist nun in London vollendet. Der Schrank ist für bie britische Radiumgesellschaft bestimmt. Die Bauart bieses Schrankes war ein besonderes Problem, denn der ^drraitf soll nicht allein gegen Diebe unb gegen Feuer Schutz bieten, sondern auch die Krastausftrahlung und das Schwinden des Radiums zwischen seinen Metattplatten verhindern. Mit Stahl war diese Ausgabe nicht zu lösen, da die Radiumaussttahlung die dicksten Panzerplatten so leicht durchdringt, wie etwa das Sonnenlicht .klares Glas, Nach zahlreichen Versuchen entdeckte Newhork, 1. Juni. vn “"h^Sl0'ia IC» Tir.k l >l°bc, habe $. mit abMesen. hieraus 1 un Berschulden des ligeiellschasl nach § 31 mutig der Rcvi- vos, der im Fakire )5 .Heilung suchenden ge Unterstützung an» Reichsdeutschen, um . Tie steigende In« durch unbemittelte ib die Opfertvilligkeü 1 großen ^nanspruch. ?n. Es soll dcshold SIL aufgebracht iwr- übtichen Unterstützun k in 'Berlin imb da. s-Platz sind zur Ent- bringEH Einzelheit^ bgctialtrncii j nter- t in die Ccffentlifr umiglcitcn nicht y - ; wird, herrschte in Ler, daß das W ungen beim stunden- ende Lerein energisch : Klasse nicht zur Der cs dem Preisrtchter- ion ein holländischer Markt bedacht wurde, jünt Punkten höher ) Mark) erhielt. Ter orstetlig aus heraus-, Mart, die seitens m de» Holländer». di>! it, rcHomicrt*^: MiiSgel-e». I« tollt iijet veinlrche» W'l ,ie»-hul»«delN bic »utnabefn “ft I LkE unbS»W 'L 2° 1»’J'gfarf * o kann de . ufncbmfn. jÜ0"cn^mOcfhlcn^ asgabe, lIun9-?“Ä °£,rn? uerben, d>eDIC l, d-ä ud-»U"7r--L rinnenden * fit, <^r Spiels r SrifÜ »=tj * «j„e»s»°L MW d^-.hrinqstag? Kntflr [ysiöinw Proiell»r? na>"".^i„Sr'U, LfllKöt V in au' d flc^Frf?i)evlretungeii der österreichischen HccupLftaLt ein An- trän der Be-irksvertretnng Neubau, gegen die allzu großen Hutnadclu der Damen Dtell'ung ,-,u nehmen. Ter Antrag gehr dahin, an maßgebender Stelle dahin zui loirTen, daß dae? Tragen von Lmtnadeln, die aus den Späten ^mehrere Zentimeter hervotragen, verboten werde. Sollte dies undurchführbar sein, so möchien die Damen angewiesen werden, diese hervorragenden .Hutnadeln mit einer Schutzvorrichtung zu versehen. Durch diese Tamenmode werde die körperliche Sicherheit arg gefährdet. Bezirksvorsteher Iägers- berger, der diesen Antrag in der letzten Sitzung der Bezirts- vertretnng Lcopoldstadt zur Verlesung brachte, teilte mit, daß er vor einigen Tagen auf der Straßenbahn selbst in (Gefahr kam, daß ihm eine Dame mit ihrer Hutnadel das Auge ausstcchc. Tic Dame wollte absrcigen und kam hierbei an ihm so knapp vorbei, daß sic ihm mit der Hutnadel eine Ritzwunde oberhalb des Auges beibrachte. Ter Antrag wurde schließlich e i n st i m m i g o n g e n o m in c n. * Vergiftung eines Mi l l i o ne n e r b e n Großs Aussehen erregt in bei Petersburger Gesellschaft ein Gift mord an dem Erben eines Millionenvermögens. Es handelt sich um den Sohn des Generals Buturlin, der int Alter von nur 26 Jahren am 24. Mai plöklich narb. Sein Tod erfolgte nach einer >2ublutaneinwritzn.ng, die ihm der 70 jährige Arzt Pantschcnko verabiolgt hatte. Ter Verstorbene war mit der deutschen Schauspielerin Marie Siecke verheiratet. Als Anstifter des Verbrechens wurde der Schwager des Ermordeten, der Gutsbesitzer O'Brain de Laen verhaftet, desgleichen der Arzt als eigentlicher s))lörbcr. O'Brain, bet sich in steter Gclbverlcgciiheit befand, wollte offenbar seinen Schwager aus dem Wege räumen, um ihn zu beerben. Es wurde bereits festgestellt, daß zwischen O'Brain und Pantschcnko ein chiffrierter Briefwechsel unterhalten wurde. * U c b c r d a s Taschentuch fällt der Tüsseldorfer Spezialarzt für Nasen-, Hals- und Lungenkranke Tr. Thom in seinem in den Blättern für Volksgesundheitsvslegc soeben erschienenen Aufsatz: „Schutz gegen die Erreger der Tuberkulose" ein beachtenswertes Urteil. Er lagt: Tas Taschentuch von heutzutage hüll überhaupt einer kritischen Betrachtung schlecht stand. Tas Tuch können wir allenfalls durch fleißiges Wechseln rein erhalten, aber wie steht es mit der Tasche, in die es immer wieder hinein- gestopfl wird? Schon bei einer harmlosen Erkältung wie Schnur sen! Tie Tasche wird nur in einem Waschkleid oder WaschaiHUg der wohltätigen Reinigung teilhaftig. Wer ein Wohltäter der Menschheit werden will, der führe in die Betleibungsbranche auswechselbare und doch handliche Taschencinsätze ein, nm dem reinen Tuch auch einen reinen Ort zu geben. Entbehren kann es der Hustende nicht. Denn trockener Husten ist durch ein vor den Mund gehaltenes Taschentuch ungleich richtiger gedeckt als durch die Hand, die vielleicht in derselben Minute dem Freunde, zum Gruß gereicht wird. Das Taschentuch muß allerdings drei Voraussetzungen erfüllen: Es sei erstens wein, damit es gekocht werden kann, zweitens klein, damit es nickt viele rstofsteilcken aufroirbeli, drittens reichlich vorhanden, damit häufiger Wechsel leicht möglich ist. Eher Ver sckwendung und Sparsamleit mit Taschentücher für jeden mit Katarrhen der Atmuiigsorgaue Behafteten! Wenn Tuberkelbazillen im Auswurf fcftgcftcllt sind, jo gebührt solchen Kranken ferner ein eigener Taschentuchbeutel, um vor der Wäsche eine Hantierung mit den Tüchern auszuschliesen und gleich den ganzen Beutel samt Inhalt kochen zu lassen. Bunte Taschentücher, besonders von solchem Umfang, daß sie gleichzeitig als Rucksack benutzt werden können, gehören ans den Aussterbeetat. Dk. A u S A m e r i t a wird berichtet, daß in diesem Sommer mehr A m e r i k a u e r nach Europa kommen werden denn je. Die Nachfrage nach .Warten bei. den Tamvfschiffgesellschaftcn ist so außergewöhnlich start gewesen, baß viele ber Linien nicht wissen, wie sie ben Verkehr bewältigen sollen. Man hat beredmet, daß über 1 äO 000 Amerikaner chre diesjährigen Sommerferien in Europa verbringen werben. Schon die für den Monat 3uni gemachten Bestellungen für Kabincnplätze übersteigen alle Erwartungen, denn nicht weniger als 17 000 Fahrgäste haben für diesen Monat allein Karten genommen. * Eine H n ii b e g c s ch i ch tc. Aus Böckum tvirb ben „M. 91. Nackr." gesckrieben: In einer Gemeinde der Ruhrgegend ist eine lustige Hunbegefchickte passiert. In ber betreffenden Gemeinde wurde in einem größeren Vaugeschäst ein Diebstahl verübt. Viele Säcke Zement und Holz waren gestohlen worden. Von ben Tätern feine Spur! Die Polizei war ohne jede Fährte. 9hm wurde der Polizeihund „betragt", der schon mehrfach eine famose Nase gezeigt hatte. Der Hund beschnupperte wohl oft genug die TicbcSstelle, aber er nahm feine Spur auf. Er versagte. Aber halt! Im Orte wohnt ja ein berühmter Hundezüchter, der auch Tiere von heruorragenber Dualität hat. Der schlaueste aller schlauen Hunde wird herausgesucht, die Sachlage wird ihn: Har gemacht. Nero spitzt die Ohren, schaut seinen Herrn mit sprechenden Augen an, nickt mit dem Hugcn Kopse, wedelt mit dem Schwänze, beschnuppert auch die Diebesstelle und setzt sich dann in Trab. Der Bestohlene, der Hundezüchter, die Polizei hintennach. Es geht über Stock und Stein, durch mehrere Straßen. Vor einem Hanse hält ber Hund an und kratzt an der Tür. Der Hundezüchter fängt an zu lachen; Nero muß sich geirrt haben. Hier wohnt ja — ein Schwager, ein Onkel, ich weiß »licht mehr, welcher von ber Verwandtschaft, kurz, hter wohnt ja ein Verwandter des gefälligen Hundebesitzers, was soll der mit dem Zement zn tun haben? Und ber Bewohner macht ein grimmiges Gesicht. Was solch ein Scherz bedeuten solle? Aber der Hund bleibt unruhig und legt sich schließlich im Hofe vor eine Ctalltüre. Die Polizei wird auch stutzig und läßt den Stall — oder mag es der Keller gewesen sein — offnen. Nun gabs aber verdutzte Gesichter. Ta standen nämlich die Säcke mit Zement. Nun gabs kein Leugnen mehr. Und das Holz wurde auch aufgefunden. Der Hundezüchter wurde aber noch lange gefoppt Er soll, meinte man, nur noch Hunde dressieren, die keine Verwandten stellen. * D i c Spielbank auf ber Bühne. Tic Pariser Zeitungen erzählen gegenwärtig eine kleine Geschichte, die so luftig ist, als ob sie von einem Satvrifer erfunden wäre. Sie ist aber wahr und konnte den Titel erhalten „Der lunst- freuudliche Kommissar" oder auch „Ein realistisckes Stück". In einem der kleinen Pariser Theater, wo von Zeit zu Zeit dramatische Ausstellungen weiblicher Reize veranstaltet werden, war mit einer neuen Direktion offenbar ein^Geist der Sittlichkeit eingezogen. Ein Drama aus dem Spielerleben mit dem Titel „Bane o!" wurde seit vier Tagen probiert, pnb der Regisseur nahm seine Ausgabe sehr genau, denn immer aufs neue erschien am Eingang der Zettel mit der Anzeige „Geschlossen wegen Proben zu Banco!" In dem Quartier ist jedoch ein Po- lizeilommissar angestellt, der selbst dramatischer Dichter ist, und deshalb einen Anschluß mit dem vorsichtigen Direktor suchte. Erst überzeugte er sich amtlich, daß es sich wirklich um ein ernsthaftes Unternehmen handle und erschien an einem Abend zu einer Probe im Zuschauerraum. Er schier^ beruhigt. Man hatte gerade den zweiten Akt probiert, eine Szene im Spielsaal, die mit glänzendem Realismus gespielt wurde. Auf dem grünen Tisch lagen Gold und Banknoten. Viel gesprochen wurde von den Künstlern nickt — aber welch ein Spiel der Physiognomien, welche Wahrhaftigkeit in der Auffassung! Der Kommissar war entzückt und bat um Erlaubnis, seinen Besuch zu wiederholen. Sonderbar! Acht Tage hindurch wurde, zu welcher Stunde er auch erschien, immer nur der zweite Akt, der Spielerakt probiert, und was das seltsamste war, zum Teil mit wechselnden Darstellern. Nur die Eroupiers blieben in der gleichen Besetzung: und auch der Regisseur, der mit dein Manuskript in der ersten Reibe des Parketts saß, aber mehr den Kommissar als das Stück zu überwachen schien, blieb immer der gleiche. Bei einer der letzten Proben aber gab es eine Ueberraschung. Ter Kommissar spielte plötzlich selber mit. Er sprang auf die Bühne und schrie mit Donnerstimme: „Im Namen des Gesetzes! Ich lege Beschlag mir den Einsatz, niemand darf die Bühne verlassen!" Tie Künstler des Soielerstücks ergaben sich resigniert in ihr Schicksal. Ter kunslfreundUche Kommissar war endlich darauf gekommen, daß von dem stück „Banco!" nicht mehr als der Name existiert« und daß der Reolisnuis der Spielfzeneu aus^dem Realismus der Haiardspieler beruhte. Eine ingenieuse Svielergcsettfchaft hatte der hoben Polizei 14 Tage lang ein echtes Roulettripiet vor gern, int. ' von den Passionen der gefrönten Häupter erzählt ein Mitarbeiter von „lieber Land und Meer" in einer fesselnden Plauderei. Waren es in srüheren Jahrhunderten allerhand Seltsamteiten, die in den „Raritätenkabinetten" der Fürsten zusammeiigebrackn mürben, wobei das Land nicht selten für die Liebhabereien seines Fürsten die l'duoerftcn Opfer bringen musste, so und dem modernen Souverän größere Beschränkungen auferlegt. Sein Sammeleifer beschränkt sich heute auf Privatliebhabereien für Tinge, die manchmal auch nod) kostspielig genug sind, tercit Anfchaffungswerte aber doch nicht in die Millionen gehen, ^abci sind über die. fürstlichen Sammel Passionen ost merkwürdige Tinge verbreitet worden, die sich bei näherer Prüfung als Legenden erweisen. So soll Kaiser Wilhelm eine Sammlung alten Lchuhzeugs besitzen, in der sich die Pantoffeln Voltaires, Stiefel von Wallenstein, Peter dem Großen und Napoleon I. und ein Paar Schuhe von Talma befinden: 1985 Paare soll die Sammlung umfassen! Indessen bat nie jemand diese Sammlung zu Gesicht betommeu, so daß sie jedenfalls nur in der Phantasie beffenJicftcht, der uc erfunden hat. Wohl aber besitzt der Kaiser eine Sammlung von Schiffsmodellen und eine von Autographen, die sich auf die Briete berühmter Männer beschränkt, die bei dem Sturz und der Wiedererhebung Preußens im Ansang des 19. Jahrhunderts eine Rolle gespielt haben. Tie Kaiserin hat eine Sammlung kostbarer älterer und neuer Ficker, ohne daß sie sie jedoch systematisch zu ergänzen suchte, und eine Sammlung von Perlen von einer bestimmten Größe und vollkommener Form und Farbe. Wertvolle Por- z e 11 a n i a nt m I u n g c n nennen der König von Württemberg und ber Groß her zog von S? e s s c n ihr eigen. Im Besitz des Großherzogs befindet sich auch eine Sammlung von Andenken an Napoleon, Büsten, Bilder, Sporen, Waffen, Feldbestecke und andere Gcbrauchsgegenstände, bic mit dem Bilde oder den Initialen des Kaisers geschmückt ii'.td. .Hatte der entthronte Sultan Abdul Hamid aus bloßer Laune chic Anzahl seltener, buntfarbiger Vögel, vor allem Papageien, im Iildis-Kiost zusammcngebracht, die bann nach seiner Verbannung elend verhungern mußten, so hat ber König von Bulgarien ernsthafte ornithologische Studien gemacht und besonders in der Zeit, da er als Prinz von Sachsen-Kvburg noch oft zurückgezogen aus seinem Schlosse Ebenthal in Ungarn lebte, eine der vollständigsten Sammlungen ausgcstovstcr Vögel, ihre Nester und Gehege zusammengebracht. Wissenschaftlichen In- tereffen bient auch die Sammlcrleidenschaft des Fürsten von Monako, brr als Ticsscesorscher einen bedeutenden Ruf besitzt, wie die Sammlung von Münzen König Viktor Emanuels, ber ein hervorragendes numismatisches Werk geschrieben hat. Während der jetzige König von England unter den Briefmarkensammlern einen großen Namen hat, hatte sein Vater, König Eduard, eine Liebhaberei für Spazierstöcke, bei der er alles vereinigte, was in den letzten Jahren schick und modern war. Dabei sei daran erinnert, daß auch Kaiser Wilhelm I. eine Sammlung von Stöcken besaß, freilich von anderer Art: ber alte Kaiser liebte es, sich seine Stöcke selbst zu schneiden oder ganz einfache zu führen, und eine ganze Kollektion solcher von ihm bei seinen Spaziergängen int Park gebrauchten Stöcke besindet sich noch heute im Schloß Babelsberg. Spitzensammlungcn haben bic Königin -Mutter von England, die Königin-Mutter Margherita und — der Papst: bic Sammlung bes Papstes setzt sich lebiglich aus ben Geschenken fürstlicher Frauen ttiiammen, bic seit langer Zeit bic Gewohnheit haben, die Spitzen ihres Hochzeitskleides ihm zu widmen. König Alfons von Spanien hat in seiner Sammlung Grimterungenjin alle Unfälle vereinigt, die ihn betraten; man findet darin ein Stück der Rinde von einem Baume, ben sein Automobil glücklickterweisc nur streifte, wie Splitter von der Bombe, bic an seinem Hochzeitstage vor seinen Wagen geworfen würbe. Die Königin Viaud von Norwegen sammelt alle Zeitungsausschnitte über sich selbst und ihren Gemahl, und auf dem Album, in dem sie diese vereinigt hat, liest man ben Titel: „Dinge, die wir nie gesagt und nie getan haben." Viichertifch. — Illustrierte Zeitung. Nummer 3491 ber im Verlag I. I. Weber-Leipzig erscheinenden „Illustrierten Zeitung" bringt wiederum eine große Reikw aktueller, künstlerischer und populärwisschaftlichcr Beiträge und Bilder. Zum Geburtstag des Königs von Sachsen erscheint ein großes sehr lebenswahres Bild, ein Bild der Söhne des deutschen KronprinzenpaareS, eine Anzahl fesselnder Bilder vom Heimgang des Königs Eduard. Wie der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen für die Förderung der Künste aufs tatkrästigste cintritt, zeigt ein reich illustr. Artikel hon Viktor Zobel über die Ausstellung des deutschen Künstlerbundes in Darmstadt mit dem ausgezeichneten Porträt des Großherzogs von Alir. Sohn-Rethel an der Spitze. A. Smolian über die künstlerische Erziehungslehre von Jacques Dalerozc, „Ein Muster für Haus und Wohniingskunst", „Gdvitterstiimnung" von Max Pictschmann und „Markt in Venedigs von Imre Gergelv, Bilder ber verstorbenen Maler Fran; Skarbina und Ludwig Willröber, der Professoren Tr. Stadler und Tr. Planck, des künftigen Frankfurter Intendanten Volkner, von Kätchen iLchönkopf zu ihrem 100. Todestag und der Möltke-Büste in Walhalla, Tr. Krische über Kalisalze, Ter derzeitige Stand der Arbefteu am Panamatanal, Prosessor Pick über Koineten-Me- baillen. Wie gewöhnlich ist auch der Sport mit zahlreichen guten Aufnahmen vertreten und für Unterhaltung ist durch den Roman von Felix Hübel, Gedichte und Novellen gesorgt. — Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Literalurfreuude (Herausgeber: Dr. Josef Ettlinger, Verlag: Egon Fleischel u. Eo., Berlin W. 9). Tas 1. Juniheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: — Gustav Landauer: Volk und Publilum. — Heinrich Spicro: Lulu von Straufbinb Torneh (mit Porträt). — L. von Strauß und Tomen: Im Spiegel. — Otto Stoessl: Die selige Insel. — E. A. Regener u. a.: Jean Paul. — L. Andro: Für Ehanleelcr. — HanS Harbeck: Tas lhrische Flugblatt. — Echo der Zeitungen und Zeitschriften. — Echo des Auslands (Französischer, Italienischer, Schwedischer, Sübameri- kanischcr Bries,. — Ecko der Bühnen. — Kurze Anzeigen. — Nachrichten. — Der Büchermarkt. — Antworten. Gingesarrdt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Tie Ausführungen in dein Eingesandt einer „Hausfrau" in der 9cr. 123 Ihres gesck. Blattes fordern einen Unbeteiligten zu einer Erwiderung und Richtigstellung heraus. Dor allem habe ich von gegnerischen Stimmen in Ihrer gesch. Zeitung noch nichts gelesen. Nur stets bas gleiche Loblied, in neuer Kleidung, über die vermeintlichen Vorteile des „Rabattsparens". Bedarf es denn dieses Hymnus, um das „System" noch ja halten? Die Einsenderin befürchtet das Eingehen dieser „wohltuenden" Einrichtung. Glaubt denn wirklich eine aufgeklärte Hausfrau „mit Rabattmarken" billiger zu kaufen? Im Ernste sicherlich nicht, denn ein Kaufmann, der seine Ware früher mit 150 „ Nutzen verkauft hat, kann sich jetzt nicht mit 10.° 0 begnügen. Er wird in ben meisten Fällen den Rabatt einfach mukalkulieren. Tas Publikum zahlt also den vermeintlichen Gewinn dem Markenausgeber und erhält den Ueberpreis nach 6—1? Monaten mit Umständlichkeiten verknüp't zinslos zurück, eine angenehme, ober, mit den Worten der Einsenderin zu reden, eine „wohltuende" — Täuschung. Tas in dem fraglichen Artikel angeführte Beispiel lieft sich ja ganz nett, wird auch zugegeben. Ter Gegenstand wurde früher mit 20 Pfg. bezahlt und kann jetzt nicht 21 Pfg. kosten, wenn man nicht in billigeren Qualitäten machen will. Ter nächste kostete früher 45 Pfg., jetzt aber mit Rabatt 50 Pfg., dann ist man dem Schaden schon bei und um eine eoentl. Motivierung sicherlich nickt verlegen. Im übrigen läßt es sich beim Kalkulieren der Verkaufspreise weniger befamitet Artikel ganz hübsch nach oben abrunden, man gibt ja eben Markert. Verehrte „Hausfrau', hören Sie dock mal die Inhaber ber an ber Peripherie ber Stadt gelegenen Geschäfte, die nolens volens ben Rabat,schwindel mitmachen, und and) gut 5/l0 jener ber Innenstadt Sie würden fid)cr(id) eines Besseren belehrt werden. M. G. könnten sid; bic maßgcbenben Körperschaften, wie, Handelskammer, TetaiUistenverein rc., unschätzbare Verdienste erwerben, wenn sie in dieser Ridstung a u f f l ä r c n b auf bas Publikum wirken würden. i n H a n S h e r r. Sanvel un» verkehr, volkrtvirtsehaft. — Dem Bezirks- Eisen bahn rat Frankfurt am Main ist der folgende Antrag beS stellvertretenden Mitgliedes Köhler-Langsdorf zugegangen: Ich beantrage, ber Bezirts-Eisenbahnrat Frankfurt am Main wolle beschließen, bic Eisenbahnbirektionen bes Bezirks zu ersuchen: 91lsbalb Erwägungen darüber anzustellen, in ivelchcr geeigneten Weise Güte r wagen mit a b u c h m bare r V e r- b a d) ü n q zum Zwecke deS Transportes speziell von Kartoffeln , Obst und anberer lose aufzuliefcrnber Laubes- probutte zu [ o n ft r u i c r c n imb in den Verkehr einzustellen seien, die, in ihrer Grundform den bestehenden Bo rb- id a g c n gleichend, mit leichterer (und etwa jalousieartig auirofibarer) Beba ch u n g ans Eisen- ober Wellblech zn versehen wären, als bies bei ben hierbei im allgemeinen vorbildlichen, beim Transport von Kalk n. dgl. gebräuchlichen Wagen ber Fall ist. Zur Begrün bttng sagt der Antragsteller: Wenn Kartoffeln, Obst u. dgl. in loser Form in die gebräuchlichen gedeckten Wagen verladen werden, wird c§ immer als ein Mißstand empfunden, daß bic Entleerung der Säcke, Körbe ufw. von den Fuhrwerken in die Eisenbahnwagen mit allerlei und dazu unnötigen Schivierigkeiten verbunden ist. Auch müssen hierbei bei Abschluß der Verladungen bic beiderseitigen Türöffnungen auf Kosten deS Verladers mittels besonderer Bretter, die bic zu transportierenden Sachen vor dem Herausfallen schützen sollen, gedeckt werden. Gewiß wäre cs zweckmäßiger, ivenn matt Kartoffeln u. dgl. über eine niedrige Bordwand hinweg ohne weiteres von ben Fuhrwerken in die Eisenbahnwagen verladen könnte. Es bedürfen diese zu transportierenden Sachen nur eines Schutzes gegen Siegen und Schnee, der durch Auflegung einer abnehmbaren, jalousieartig übercinandergreifenden Bedachung aus Eisenblech, vielleicht auch einer Bedachung aus Wellblech leicht hcrzustellen wäre. Der Fr ost schütz märe alsdann durch Einlage von Stroh ober anderer schlechter Wärmeleiter in einfacher Weise herbeizuführen. Zu beachten iväre noch, daß in dieser Art hcrgcstelltc Güterwagen auch im Falle eines Krieges die besten Dienste leisten könnten bei Verproviantierung des Heeres (Verschickung von ungesacktem Hafer, Brot u. dgl.). Märtte. X Kirchhain, 1. Juni. Auf dem heutigen Rindvich- markt stauben etwa 230 Kühe, Rinder und Kälber zum Verkauf. Besonders verlangt imb gut bezahlt würben frischmelkende Kühe. Ter S d) w e i n e in a r k t war mit etwa 700 Ferkeln imb Läufern befahren. Es kosteten 6—7 Wod)en alte Ferkel 38—44 Pik., 3—4 Monate alte Läufer 60—80 Mk. imb größere Ware 100 bis 140 Mk. bas Paar. Der Aiarkt würbe fast geräumt. F.C. Wiesbaden. Vieh Hof-Marktbericht vom 1. Juni. Auftrieb: Rinder 50, Kälber 273, Schafe 26, Schweine 415. Tendenz: Rinder gut, Kalber gut, Schafe gut, Schweine langsam. Preis Durch- " pro 100 Pfb. schnittspreis L-cbcnb. ^-Iilachl. pro 100 Pfund _ , , flcroirt» ^evend- Lchla.lu. Ochsen. von-bisvon-bis ßCroi4i Vollsleischigc, ausgeniästete, höchsten Schlachtwerles, höchstens 6 Jahre alt 43—47 78—82 45 80 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete...... 38—42 73—76 40 74 Mäßig genährte junge und gut genährte ältere 33—37 66—71 35 68 Färsen, Kühe. Vollsleisd)ige ausgemästete Färsen höd)st. Schlad)twertes 40—44 72—77 42 74 Vollsleijchige ausgemästete Kühe höd;st. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 37—40 70—72 38 71 Aellere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte siingereKühe u. Färsen 30—35 60—65 32 62 Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 24—29 49—58 26 53 Kä 1 be r. Feinste Mast- (Vottmilchmast) und beste Saugkälber 57-62 95—103 59 99 Mittlere Plast- und gute Saugkälber . 51—56 85—93 53 89 Geringere Saugkälber 42—48 70—80 45 75 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel 41—42 82—84 41 83 Schweine. Vottsleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 53—55 68—70 54 69 Vollsleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 53—55 68—70 54 69 Fleischige Schweine ...... 52—53 67—68 52 67 Limburg a. b. Lahn, 1. Juni. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Platter. Roter Weizen (nassauischer) 16,40 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 16,00 Aik., Korn 10,80 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 'Mk., Braucierste 00,00 Mk., Hafer 7,10 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 4,40-5,00 Mk. Meteorologische Beobachtungen der Station Eiehen Juni Wetter 1910 e s L« S. ■_ — /> Kein leerer Wahn SSSZ der Myrrholinseisc. Verlangen Sic Broschüre, um zu erfahren, wie erste Leuchten der Wissenschaft darüber urteilen. (b5/x Freitag, 3. Fuui 1910, nachm. 33/4 Uhr 7 Stück «in. per Stück Mt Sßtab 36 PreiselSeerm Neue Zwieklü 3 Pfund vWerkmt Rheinisches Kaufhaus f. Lebensmittel Reuen Baue Bahnhofstrasse (B19/: K 133/09. (3026 Hemrich Absl, Brikettbandtang, Giessen Neustadt 56 Rodheimer Str. 42 Wetzsteinstrasse 14 Wetzsteinstrasse 14 2512 (BVs K 49/10. (hv»/s (B ”/. K 1/10. (B“/; K 14/10. Babubofstratzc 48. Filiale Mäusburg 1 Dutzend 4.5 Pfg. illank ||HaIIlM aiihmaFHaiR^ccfinnnanh ' Hant-Bleichereme Sparvereins 2897 emvsiehlt 13089 Central-Drogerie, Schulstr enctf, ^rank- frei ins Haus Donnerstag, 30. Juni 1010, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die dem Hermann Mdrzer HmW'c la. LiAbürzer Wc IMfetter Ebmer la. L^weizer Käse la. LMahyi-Mtt ^Chloro- bleicht kam erprobtes unfä versteigert 1/858 = i Blutlaustinktur LWaM-LMolMM Holländische Mischung Wiener Mischung Karlsbader Mischung „Unter den Linden kommt Sitae Metjts-HeriM3 28 ang-Göns, nahe am Bahnhof, Hach- u. Mäuiei pflüge mit u. ohne Federstellung Ates Pllbbills-Pülser 10 Pskete Laboratorium „Leo", Hauvtde«ot Großh. Ortsgerichts Adler-Drogerie, Selterswsa 39, fef/e Donnerstag d. 16. 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