Nr. 27 Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch 2. Februar 1910 sGietzenerAnzeigerW ,-,ei)e entstellenden Uebersetzungen seiner Werte gegeben -hu, so ganz und gar mißverstand, das war für ^shatv eine Enttäuschung und für uns eine gelinde Beschämung. Denn kenn es schmerzlich ist, nicht ernst genommen zu werden, jo ist es erniedrigend, eine ernste und ehrliche Sache als '-Menspiegelei auszufossen. Aber auch darin liegt zum Teil Mihverständnis, daß unsere Zeit für die tiefen Probleme irischen. Dichters, der zugleich cm höchst feiner Kops ist, in der Allgemeinheit überhaupt noch nicht reif i>st, weil für Shaw schon gar manches Sünde und Schmach ist, was dem behäbigen Spießbürger noch -als unanstößige Menschlichkeit erscheint, Soat sich auch die Literaturgeschichte im einzelnen noch nicht völlig mit ihm auseinanderzusetzen vermocht, so ist man sich doch im Laufs der Jahre allmählich klar geworden, daß Shaw nicht nur eine hochbedeutende Persönlichkeit ist, sondern auch eilt Schriftsteller von unzweifelhaften, fördernden Verdiensten. In seiner Heimat wurde Shaw eigentlich erst auf dem Umweg über Deutschland bekannt, denn wenn man auch die zahllosen mit „G. V. S." unterzeichneten, streitbaren Aufsätze mit Behagen und Vergnügen in sich aufnahm, den Dichter Georg Vernarb Shaw kannte mau in Old-England nicht. Nun er 'aber im Ausland gefeiert und seine Dramen teilweise verboten wurden, nahm man ihn umsolieber mit offenen Armen auf, als man sich kurz vorher an OSkar Mjlde so schmählich vergangen und ihn gewissermaßen aus dem Gedächtnis gelöscht hatte. Und niemand ließ sich freudiger ausnehmen als Shaw, und wenn irgend eines feiner Stücke verboten wurde — wie z. B. Frau Warrens Gewerbe in den Vereinigten Staaten — dann schrieb er geistsprühende, witzige Aufsätze dagegen und gewann damit nicht nur Lacher sondern auch Freunde. Ohne jede Rücksicht als die auf sich selbst, hat Shaw seinen Weg verfolgt nnb so ist es ihm gelungen, sich vom armen Teufel im zerschlissenen Rock zum mehrfachen Millionär emporzuarbeiten, obschon er sich am fangs im Widerspruch mit einer ganzen Welt befand. Und keck und rücksichtslos hat er sich dnrchgesetzt. Dieser außerordentliche Ausstieg hat ihm natürlich ein außerordentliches Selbstbewußtsein verliehen und so kam es denn auch, daß er die Tüchtigkeit anderer stets unterschätzt, weil er eben immer nur nach seiner eigenen, gewaltigen Tatkraft urteilt. «Als „Frau Warrens Gewerbe" im Jahre 1905 in New- york verboten wurde, obwohl die Zensur nicht das geringste einzuwenden hatte, (das Buch war 8 Jahre lang unbean- Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Aus dem elsaß-lothringischen Landesausschuh. Straßburg . Elf., 1. Febr. In der heutigen Sitzung des I ch'ab-lothringischen Landesausschusses brachte Unterstaatsfekretär Köhler den Haushalt ein unter Hervorhebung des ungünstigen Abschlusses. Auf die Dauer könne den gesteigerten Anforderungen 1 nicht durch Sparsamkeit allein genügt werden. Man müsse sich o p s e r s i n n i g für eine Reform der direkten Steuern entschließen, so daß sie modernen Ansprüchen genügen könnten. Weber (keiner Partei angehörig, früher beim Lothringer Aock) beschäftigte si'ck) nach kurzen Worten zum Haushalt sehr breit mit der Rede des Reichskanzlers zur Weißenburger Her und zur Afsäre Wcgelin. Er sagte, daß der Reichskanzler falsch informiert sei und verwies ihn berichtigend auf die an- crlcnncnden Erlasse des Kaisers vom Jahre 1908, in denen der friedfertigen Gesinnung der Bevölkerung gedacht wird, und hebt tervor, daß die Straßburger Regierung nach seinem Wissen in gleichem Sinne über die Weißenburger Feier berichtet habe. Die 3nirer im Lande seien eine Gruppe Urteutonen, die an den Zchandpfahl gehören. Im Namen des Zentrums sprach Dr. R i ck l i n ausführlich ,iiw Haushalt. Er verlangte für die Deckung des Defizits die lluöbarmachuüg der Rheinwasferkräftc, was die Regierung för- )(ri und wofür sie eine Steuer erheben solle, vielleicht 5 Mark ho Pfcrdekraft und Jahr, Verstaatlichung der Feuerversicherung, Einführung der Schiffahrtsabgaben und anderes mehr. Er er-» Mite sich auch für eine vrogressive Einkommensteuer. Unterstaatssekretär Dr. Petri wies den Vorwurf des Abgeordneten Dr. Ricklin zurück, der das Urteil gegen den Abgeordneten SB et ter 16 für ungerecht und unerhört erklärt hatte. Die Richter hätten nach bestem Wissen und Gewissen geurteilt Dr. Ricklin erklärte, das letzte nicht in Zweifel ziehen ju wollen, er hätte nur dem Volksemvfinden Ausdruck geben Wien. ______ Das Ergebnis der Wahlen in England. London, 1. Febr. Die Liberalen haben den Wahlkreis Wiek (Schottland-) gewonnen. Im ganzen Lande wurden heute zwei Anhänger von O'Brien im Wahlkampfe gegen Anhänger von Redword gewählt Das Wähler g eb nis ist jetzt folgendes: 271 Unionisten, 273 Liberale, Ul Vertretet der Arbeiterpartei und 82 Nationalisten; unter Lfen Gesinden sich elf Anhänger von O'Brien, sogenannte I mb hängig e Natio nal i sten. Deutsches Ucicb. Der Kaiser und die Kaiserin empfingen am Dienstag mittag in Gegenwart des Kronprinzen und der Kronprin- Mn, des Reichskanzlers und des japanischen Borschafters den lapanischen Prinzen Fushimi und seine Gemahlin, die für das Kaiserpaar und das Kronprinzenpaar iosürave Geschenke, japanische Kunstgegenstände, überreichten. "Lein japanischen Prinzen Fushimi wurde das Großkreuz des Koten Adlerordens mit der Kette verliehen. In der Sitzung des Bundesrats wurde am Dienstag dem Gesetzentwurf über den Absatz von Kalisalzen nach dem Anträge der Ausschüsse zugestimmt. Eine bei Reichstagsavgeordneten nicht alltägliche Eh- rung soll der verstorbene Zentrumsführer Kaplan Dasbach erhalten. Ter Verstorbene war bekanntlich em eifriger Lozialpolitiker und hat sich im Parlament wiederholt namentlich der Interessen der Bergarbeiter angenommen. In einer Versammlung der Bergarbeiter des Saartohlenreviers imirbe vor einigen Tagen folgende Entschließung be- slhlossen: „Die Versammlung erachtet es als eine Pflicht, den Zentrums- abaeordneten für ihr mannhaftes Eintreten zu gunsten der Berg- irbeiter gelegentlich der Beratung des neuen Berggesetzes und ter Interpellation betreffend den Zw.mgsarbeilsnachweis ihren wärmsten Dank auszusprechen. Ter unermüdlichen Tätigkeit und der großen Verdienste gedenkend, welche sich der verstorbene Reichsund Landtagsabgeordnete Dasbach um den kleinen Mann und nicht zuletzt um den Bergarbeiterstand erworben hat, hält die Versammlung es an der Zeit, auch öffentlich das Andenken dieses verdienten Parlamentariers und großen Wohltäters zu ehren durch Errichtung eines Denkmals, wie das schon öftere in Arbeiterkreisen gewünscht wurde, und empfiehlt der Arbeiterschaft und allen Interessenten, an der Verwirklichung dmes Planes mitzuhelfen. Die Versammlung beauftragt den Arbeitersekretär Koßmann, die vorbereitenden Schritte in dreier Angelegenheit zu tun." Tie Sozialdemokraten haben dem Reichstag einige Anträge zugehen lassen. U. a. wird beantragt, der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, wonach der Reichskanzler für seine Amtsführung dem Reichstage v e r a n t w o r t l i ch ist, diese Verantwortlichkeit sich auf alle politischen Handlungen und Unterlassungen des Kaisers erstreckt und die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers von einem Staatsgerichtshof geregelt wird. Ferner soll der Reichstag die verbündeten Regierungen ersuchen, einen Unters ucbungs - Auss chüß einzusetzen, der zur Hälfte vom Reichstag aus seiner Mitte ernannt und mit dem Recht der eidlichen Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen versehen wird. Ausgabe dieses Ausschusses soll sein, „die insbesondere durch die jl-elcr Schwur- gerichtsverhandlungen bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung der Reichswerften auf ihre Ursachen hin zu untersuchen, sowie Maßnahmen zu beraten und vorzuschlaaen, die geeignet sind, eine Reiorm der Verwaltung der Werftbetriebe auf sozialpolitischem, technischem und kaufmännischem Gebiete herbeizusühren." Mit der Tagesordnung ,Junker und Reichstag" hatte die sozialdemokratische Parteileitung für Dienstag abend in Berlin drei Versammlungen einberufen. Die Säle waren vor Beginn der Versammlungen überfüllt, so daß polizeiliche Absperrungen vorgenommen werden mußten. Besonders stark war der Andrang in der Koppenstraßc und in der Müllevsüraße. Die Tausende, die keinen Einlaß mehr finden konnten, verhielten sich, solange die Versammlungen sbattfanden, ruhig, so daß die zahlreiche zu Fuß und zu Pferde aufgebotene Schutzmannschaft keine Veranlassung zum Einschreiten fand. Als die- Versammlungen ihr Ende erreichten, versuchten die Versammlungs- befucher mit den Genossen aus der Straße sich zu Zügen zu formieren. Gegen einen ans 2000 Personen sich zusammensetzenden Zug, der sich die Müllerstraße entlang nach der Friedrichstraße bewegte, gingen 150 Schutzleute mit blank gezogenem Säbel vor und zersprengten ihn. Dabei wurden zahlreiche Sistierungen vorgenommen.___________ Ausland. Mus Graz wird gemeldet: In der Sitzung des Landtages vom Dienstag fetzten die Slovenen bei der Beratung des Landesvoranschlages mit Obstrut- tion ein, um der Unzusriedenheit mit ihrer Behandlung in nationalen Fragen Ausdruck zu geben. Die Slo- venen halten lange Reden in slovenischer Sprache. Die Sitzung, die um 10 Uhr vormittags begann, dauert um 11 "Uhr nachts noch an. Erst nach 14,tündiger Sitzung wurdse der Landtag um Mitternacht auf Donnerstag oer- 1^'Aus Osenvest meldet man: Der Magistrat hat beschlossen, die Zuschrift der Regierung über ihren Amtsantritt zur Kenntnis zu nehmen. Tie Stadtverordnetenversammlung ist diesem Beschlüsse des Magistrats beigetreten mit dem Zusatz, daß dem Beschluß des Abgeordnetenhauses, die Steuern zu verwei gern and den nationalen Widerstand zu organisieren, keine Folge geleistet werden soll. Die belgische Kammer trat am Dienstag zusammen und behandelte die sozialistische Anfrage über die durch den französischen Zolltarif vorgeschlagene K'o p f ste u er für die in Frankreich beschäftigten belgischen Arbeiter. Die Vertreter aller Parteien erhoben Widerspruch gegen die geplante Belastung und forderten die Regierung auf, Schritte zu tun, um den drohenden Schaden abzuwenden. Das am Dienstag ernannte norwegifcheMiniste- rium setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Präsident des Storthings Konow; Aeußeres: Norwegischer Gesandter in London Jrgens; Finanzminister: Amtmann Berge; Handelsminister: Erster Bürgermeister von Ehristiania Arctandcr; Arbeitsminister: Fabritbe- ,itzer Brünner; Kultusminister: Rektor am. Sernina- cium zu Tromsö Kvigstad: Justizminister: Assessor am obersten Gerichtshof Scheel; Krieg: Oberstleutnant.Bul l: zum Landwirtschaftsminister wird Landwirtschastsschul- oirektor Holts mark ernannt, wenn das Storthing die Mittel hierzu betvilligt. Aus Sofia wird folgende amtliche Erklärung^ verbreitet: Tie von mehreren auswärtigen Blättern veröffentlichten Meldungen über eine angebliche Spannung in den Deziehuna.en zwischen der Türkei und Bulgarren, sowie über beschleunigte Kriegsvorbereitungen sind vollständig erfunden und tendenziös. Die Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei sind gute. Der Handelsvertrag, welcher demnächst abgeschlossen werden wird, wird eine weitere Befestigung dieser Beziehungen zum Vorteile beider Länder bewirken. Die griechischeRegierung beabsichtigt, nach einer Meldung aus Athen, im Einvernehmen mit dem großen zu bildenden parlamentarischen Ausschuß, die Artikel der Verfassung, welche einer Revision unterzogen werden sollen, festzusetzen. .. Nach Informationen der Pforte wurden die türkischen Botschafter von ihren Regierungen beauftragt, die Aufmerksamkeit der Kreta machte auf die Folgen einer etwaigen Beschickung der griechischen Nationalversammlung durch die Kreter, zu lenken und sie zugleich zu fragen, welche Matzre'geln sie zu treffen beabficfftigcn, um diese Eventrralität zu verhindern. — Authentisch verlaute^ daß zwischen den Kretamächterr Verhandlungen schweben, um die Entsendung von kretischen Deputierten hintanzu- halten. ___________________________________ Der Militärhaushalt im Sudgetausschuh. :: Berlin, 1. Febr. Das Plenum des Reichstags tonnte diesmal die Beratung des Militäretats zum Teit vorwegnehmen, weil nicht, wie im Voriahr, der ganze Militärhaushall, sondern nur einzekne Teile dem Budgetcmsschuß überwiesen sind. Am Dienstag begann dir Ausschußberatung. ’ Vor Eintritt in die Tagesordnung beschwert ftdy der Krregs- minifter darüber, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter in der Plenarverhandlung vertrauliche Aenßeruugen aus dem. Ausschuß wiedergegeben habe. Der Vorsitzende stellt fest, daß der - artige Mitteilungen selbstverständlich unzulässig sind. Es folgen zunächst vertrauliche Verhandlungen. Ein Llbgeordneter fragt an, wie es mit den Fortschritten der Aviatik stehe. Man habe letzt Höhen von 1300—1400 Metern erreicht. Die Flugapparate feien viel billiger als Luftschiffe; damit wäre also nicht so viel an Werten riskiert. Oberst Wandel erklärt hierzu: Die lenkbaren Luftschiffe haben große Fortschritte gemacht, hauvtsäcklick weil man alle Svfteme gleichmäßig unterstützt habe. Wir feien allen anderen Staaten voran. Die Benutzbarleit sei durch das Wetter beschränkt. Man dürfe die Brauchbarkeit daher nicht überschätzen. Die Konstrukteure müßten die Eigengeschwindigkeit erhöhen; man standet geblieben), da schrieb Shaw einen flammenden Aussatz gegen diese spießbürgerliche Ketzerei, die einem Manne den Mund verbieten wolle, weil er ohne Rücksicht die Fäul- nisprodulte der modernen Menschheit aufzeige. Seitdem ist das Stück unbeanstandet geblieben und das mit vollem Recht, denn ganz abgesehen davon, daß die Zensur überhaupt eine unangebrachte Bevormundung ist, hat gerade dieses Drama eine so ungeheuere sittliche Bedeutung, daß sie nur von irgendwie Beteiligten geleugnet werden kann. „Freilich ist," wie Shatv in deut erwähnten Aufsatz sagt, „die Gesellschaft und nicht irgend ein Individuum der Bösewicht des Stückes," unt) diese Gesellschaft steht hier vor einem unnachsichtlichen Richter, llnbarmherzig deckt er die innere Fäulnis der „Gentleman" auf, die es gewöhnt sind, die Liebe zu taufen, und an einem drastischen Beispiel führt er mit zwingender Logik und erstaunliches Konsequenz feine Joee zu einem großartigen Ende. Wer in „Mrs. Warrens Profession" eine Liebesgeschichte vermutete — und es gab solche Leute — der war gründlich enttäuscht, denn so ledern kommt G. Bl S uiemals; er sieht immer tief — er erhebt die „zufällige Geschichte" M einer unum stößlichen Wahrheit, die Ewigr'eitswerte hat, obschon feine Dramen nichts weniger, als regelrechte Theaterstücke sind. Man könnte schoit von brainatifterien Streitschriften reden, denn von einer eigentlichen Entwickelung kann ebensowenig die Rede sein, als von einer unbedingten Handlung. Aber dafür sind seine Menschen von einer außerordentlichen Lehensechtheit, sind seine Menschen nicht, wie in seinen ersten Romanen, einfache Verkörperungen von Gut und Böse. Jeder hat fein ausgesprochenes Ich und auch die, denen fein Kampf gilt, sind Menschen voll Blut und Hirn, die ihre Anschauungen geistvoll vertreten. So stark und ehrlich ist er, daß er auch seine Gegner voll zu Worte kommen läßt und ihnen keine Möglici,keit zur Verteidigung nimmt Frau WarrenS Gewerbe behandelt im großen und ganzen die Trennung eines Mädchens von feiner Mutter, als es erfährt, daß das Geld, mit dem es sich das Lebew habe darin auch schon Fortschritte gemac&t Eine Luftflotte sei zu teuer: ober im Lande müsse eine gewisse Anzahl vorhanden sein, Bas müsse man eventuell durch Subventionen fördern. Die Flug- '«apparatc seien sehr unsicher; sie fliegen für Beobachtungen zu schnell und könnten in großen Höhen mit Sicherheit eine zweite Person nicht mitführen. Die Verwaltung verfolge selbstverständlich die Entwicklung und unterstütze auch dahingehende Versuche. — Dieses Programm wird aus dem Ausschuß heraus für richtig gehalten. Es wird gefragt, ob die Antriebsmaschinen für Flugapparate noch im Auslande bestellt werden müßten. Die Frage verdiene Aufmerksamkeit; auch die Unterseeboote habe man anfangs nicht ernst genommen. Oberst Wandel erwidert auf die Frage, die deutsche Industrie liefere den Luftschiffen ausgezeichnete Motoren; für die Flugapparate freilich sei unsere Technik noch nicht auf der Höhe. Sodann verhandelte der Ausschuß über das Veierinär- osfizierskorps. Die Mehrkosten betragen eine halbe Million Mark. Die Stellung der Veterinäre gegenüber den Offizieren bleibt dieselbe, dem Schwadronschef bleibt, auch wenn der Veterinäroffizier älter ist, die Verantwortung. Der Korreferent hat Bedenken gegen die Umwandlung. Man solle alles mögliche bewilligen, aber die Veterinäre nicht zu Offizieren, sondern zu höheren Beamten machen. Ein nationalliberales Mitglied spricht für die Umwandlung in ein Offizierkorps, weil man gar nicht mehr anders könne. Man habe niemals bei allen Anfragen im Reichstage irgend einen Widerspruch gefunden. Man habe das Gehalt kürzer gehalten, als es sonst ausgefallen wäre, weil man die Umwandlung vorgesehen habe. Damals sei ausdrücklichlich die Geringfügigkeit des Gehalts damit begründet worden, daß die Herren selbst mit geringeren Gehältern zufrieden sein sollten. Daß die Herren mehr Ansprüche jetzt stellten, sei richtig; er selbst habe einen Anttag, den Aeltesten Majorsbezüge zu geben, um die Herren wetter als die Zeugoffiziere zu bringen, denen sie in der Vorbildung weit überlegen seien. Aber man könne das ja ablehnen. Jedenfalls sei aber die Lage des Reichstages so, daß er nach seiner Ansicht gar nicht anders könne als der Umwandlung zuzustimmen. Die Absttmmung über die Frage wird ausgesetzt bis zum Schluß des Militärhaushalts. Donnerstag Fortsetzung. Ans Stadt nnS Laad. Gießen, 2. Februar 1910. — Tageskalender für Mittwoch, 2. Februar. Stadt- t he ater: „Romeo und Julia". Anfang 7 Uhr. Verein für Frauenstirnmrecht: Vortrag von Prozessor Mittermaier: „Tic Fran im Strafrecht, Strafvollziehungs- Prozeß und Strafvollzug-. Abends 8* */* Uhr im Hotel Scyütz. * — Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den von dem Grafen von Schlitz genannt von'Görtz auf die 2. evang. Pfarrstelle zu Schlitz präsentierten Pfarrvcrwalter Gust. Böckner daselbst für diese Stelle bestätigt. • * Erledigte Lehrer st eklen. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bieber. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Ober-Schmitten. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nie de r- Seemen. Mtt ihr ist Organisten- und Borlesedienst verbunden. Dem Fürsten zu Stolberg-Roßla-Ortenberg stehl das Präsentationsrecht zu. * * Prüfung 8 stat istik. In den 9 Jahren 1901 bis 1909 unterzogen sich 145 Kandidaten der evang. Theologie der Schlußprüfung tn Darmstadt, also durchschnittlich jährlich 16, sämtlich mit Erfolg. Der Staatsangehörigkeit nach waren Hessen 130, Nichthessen 15. Im Alter von unter 25 Jahreu standen 73 Kandidaten, über 25 Jahre alt waren 72. — ZurTeilnahme an derRekr-ntenbesichtigung traf heute der kommandierende General des 18. Armeekorps, General der Infanterie von Eichhorn hier ein und nahm im Hotel „Großherzog von Hessen" Wohnung. Die Rückreise erfolgt morgen. — Der Delegiertentag der Kriegerkameradschaft „Hassia" wird am 14. Juni in Offenbach abgehalten. Die Vorbereitungen hierzu werden von den Vorständen der drei dortigen Kriegerveceine gemeinschaftlich getroffen. * • Stadttheater. In der lustigen Novität des nächsten Sonntags, dem Schwank „Der dunkle Punkt" von Presber u. Kadelburg, sind die Herren Bakof, Norden, Gühne, Marx, Volck uud Gunolt, sowie die Damen Scholz, Gühne, Ney und Gloeden in Hauptrollen beschäftigt. Die Regie liegt in den Händen von Direktor Steingoetter, der das Werk nach dein Muster der Berliner Aufführungen in Szene setzt. so angenehm gemacht hat, nicht auf saubere Art erworben ist. Glatt und munter wie ein klarer Bergbach läuft der Dialog, blitzend, glänzend, voll von Paradoxen und Geist- reicheleien, imnzer in Bewegung und Fluß. Darin liegt denn auch Shaws Stärke; er ist ein Meister der Rede, wie er ein Meister der Charakteristik ist. Scharf und ent- sckieden stehen sich ideale und reale Weltanschauung gegenüber und doch finden sich in den einzelnen Menschen wieder Idealismus und Realismus in wunderlicher Mischung, %. B. in dem Sohne des Pfarrers, mit dem Shaw sich noch eine kleine Privattomödie geleistet hat. Da zeigt der Dichter, wie weit eine Welt rammt, die nur von der Rücksicht auf das eigene Wohlergehen geleitet wird. Morsch und faul bis ins Mark seid iyr, und der neue, reine Mensch, der da unter euch wandelt, ist euch unverständlich und eine ganze Welt trennt euch von ihm. * , Die Aufführung selbst war ein künstlerischer Genuß, wre man ihn nur selten erlebt. Abgeklärt und reif bis in das kleinste, ohne Stockung und ohne Krümmen bauten die Frankfurter Künstler diese eigenartige Welt vor uns auf, und es ist schwer zu sagen, wer den größten Anteil an dieser Musterleistung hat, der geniale Regi.seur oder der feinfühlige Schauspieler, der sich ohne Zögern der allgemeinen Wirkung unterordnet. Thessa Klinkhammer spielte die Frau Warren mit einer Natürlichkeit, die uns einen klaren Ausschnitt aus jener seltsamen Welt gab, und wie sie den Ton traf zwischen Wahrheit und Luge, das war bewundernswert. Großartig analysierte sie ihr Emp- findnngsleben im zweiten Aufzug und großartig and) im letzten Aufzug, wo ihr das Vergebliche ihrer Bemühungen um die Tochter klar wird. Ihre Tochter Vivie wurde von Mary Urban mit prächtig eindringlicher Verinnerlichung gegeben. Man glaubt dieser Frau unbedingt, man sieht, hier ist der tüchtige, ungebrochene Mensch, der ,ich durchsetzen will und der sich auch durchsetzen kann. Sir George Ervsts, das „Vieh mit dem breiten Maul", wurde von Arthur Bauer mit all der feinen Kunst dargestellt, die wir an diesem bedeutenden Darsteller schon häufig bewundern konnten. Eine bis in die letzten kleinsten Fasern durch- jfarifttiinö Ntber ; 60 junge Lehrer dieses Jahr von hier ab. Am 18. Februar findet die Entlassungsfeier statt, zu der sich auch die uu s Ur NÄ als , tjfctger j' * Mze ' N fcftel MhdieD ji(f> das fes t’W? ••Aß, I > $ nf r. hi" xßkN ■ Jfll ff. ' * jn P flirü r-> Xlftn ü1 manchs hrlräge -andel Mining. Zihweins 3W gearbeitete, glänzende Leistung. Die Gestalt, die Shaw mit seinem ganzen Geist reich, ja fast überreich ausgestattet hat, der Pfarrersohn, war bei Gg. Len g b ach in den besten Händen. Mit überlegener Leichtigkeit brachte er seine zahlreichen Geistesblitze unaufdringlich zur rechten Wirkung und zeigte so ein ausgezeichnetes Können. Der Pastor wurde von Max Reimann ebenfalls sehr schön dar- gestellt, und auch Arthur Hellmer bot in der etwas matt geratenen Gestalt Preads eine sehr vornehme Darstellung, wie denn die ganze Aufführung unmittelbar mustergültig zu nennen ist und auch nicht die kleinste Abrundung vermissen ließ. Bedauerlich war es, daß das Haus nicht so gut besucht war, wie es zu erwarten gewesen wäre, aber dadurch wird das sehr anerkennenswerte Streben und das Verdienst unserer Bühnenleitung nicht gemindert, und hoffentlich werden wir noch häufiger mit solchen Gastspielen erfreut. Karl JXeurattu ®. I. Sicrbaum f. Wie uns ein Telegramm aus Dresden meldet, ist gefteui abend um 7 iLjr der Dichter Otto Julius Bicrbaum int Alter von 41 Jahren an einer Herz- lähmung gestorben. Bierbaum war einer unserer fruchtbarsten Schriftsteller und seine „Chansons" wurden in starken Auflagen verbreitet. Mit dem Erlöschen des Ueberbrettls war auch er etwas in den Hintergrund getreten, erzielte aber neuerdings wieder mit seinem mehrbändigen Roman „Prinz Kuckuck" einen starken Erfolg^ Von seinen Werken sind in erster Linie zu nennen: Studentenbeichie (93), Freiersfahrten (95), Stilpe (97), Empfindsame Reise im Automobil (03), Zäpfei Kern (05), Der Musen krieg (08). Von seinen Gedichtsanrmlungen erlebte der Irrgarten der Liebe in fünf Jahren 36 Auflagen. Auch mehrere inzwischen wieder ein gegangene Zeitschriften hatte er begründet, so den „Pan", den „Bunten Vogel" und die „Insel". — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Die 17. Tagung des Vereins Deutscher Laryngo- .o g cn ftnocr am iu. um) 11. '.um in unesom Mtt. £ Mel r’Wtüc M N ilVi IgiUflsä k I. «iklsM FSN I. W fe = Bad-Nauheim, 1. Febr. Am Sonntag veranstaltete der Eisenbahnverein Butzbach im Eisen bahnhotel (Haberl) hier die Feier des Geburtstags öc> Kaisers. Der Präsident, Gütervvrsteher Griebel, But- bach, sprach den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen seinen Dank aus. Bahnhofsvorsteher Hahn, Butzbach, wies mit kernigen Worten auf die Bedeutung des Tages hin und brachte am Schlüsse das mit Begeisterung aup genommene Hoch auf den Kaiser ans. Nach Absingen der Nationalhymne erfolgte die Verleihung von Ehrendiplomcu an acht Vereinsmitglieder für 25- bezw. 40 jährige Eisenbahndienstzeit. Dann begann der gemütliche Teil der Feier, bestehend aus wohlgelungenen humoristischen und musikalischen Vorträgen foiute Absingen von patriotischen Liedern. Das Vereinsmitglied Heßler widmete den larcn noch einige herzliche Worte und brachte ein dreifach Hoch auf sie aus. L. J} rieb berg, 1. Fcbr. Am 15. Februar beginnt die zweite und letzte mündliche EntlassungsPrüfung bcS Lehrerseminars, diesmal die Klasse Id, an der 39 Seminaristen teilnehmen werden. Es gehen im ganzen gegen «ter§ recht gut. Besonders erfreulich war es, daß so viele aus dem vorigen Jahre wieder einkchrten und andere an .Hospiz empfohlen hatten. Auch den Winter über fehlte c5 nicit an Gästen, zum Teil aus den Kolonien. Ueberhaupt kommt de Winterkur immer mehr in Aufnahme. Die wohltuende Stile zieht nicht wenige an. ** Da die Maul- und Klauenseuche in bcc Schweiz eine für den inländischen Viehbestand gefahrdrohende Ausdehnung erlangt hat, hat das hessische Ministerium die Einfuhr von Klauenvieh aus der Schweiz bis auf weiteres verboten. -s. Leihgestern, 1. Febr. Der Kriegerverein „Hassia" feierte Kaisers Geburtstag am Samstag tn schönster Weise. Der große Saal im „Löwen" war voll besetzt. Nach herzlicher Begrüßung durch den Vorsitzenden Häuser feierte Kamerad Buß unseren Kaiser in längerer Nede und brachte das Kaiscrhoch aus. Kamerad Schäfer trug einen sehr schönen Prolog vor, und nun wechselten lebende Bilder, humoristische Vorträge und Theatcrstückchcn mit Musikvorträgen. Kamerad G. Heß machte sich besonder verdient um diesen Abend. Neben vielem anderen Schönen, das er uns bot, hatte er sich auch bemüht, mit 12 Mädchen (Tirolerinnen) zwei Reigen einzuüben, die sehr hübsch aus. geführt und viel bewtindert wurden. Allen, die durch ihre 'JJhtioirFung am Gelingen dieser Feier beitrugen, wurde ge-' dankt. Die von einer Abtetlung der Kapelle des Infanterie- Regiments 9ir. 116 bargebotenen Musikstücke wurden sehr beifällig aufgenommen. An die Festfeier schloß sich ein Ball an. /. Garbenteich, 1. Febr. Der Kriegerverein feierte den Geburtstag des Kaisers am Samstag abend im Saale bei I. Lotz in schönster Weise durch einen F.u milienabend. Der Vorsitzende L. Keßler hielt eine Festansprache, die mit einem Hoch auf Sen Kaiser ausklang, worauf die Nationalhymne gesungen wurde. Vorstandsmitglied I. F. Dörniger fesselte seine Zuhörer burch i einen Vortrag über die Schreckens fahre von Na s poleon l. Der Vorsitzende L. Keßler brachte noch ein Hoch auf das Großherzogliche Haus aus. Mit patriotischen Gesängen und Unterhaltung aller Art blieb die Versammlung bis in die späte Nacht zusammen. — Der Gesang. Verein Frohsinn feiert nächsten Samstag abend feijil 33. Stiftungsfest, verbunden mit .Abendunterhaltung und i Tanz. — Treis a. b. Lumda, 31. Jan. Der Turnverein \ Treis a. d. Lda. begeht am 16. und 17. Mai (2. und 3. Pflügst-1 feiertage) das Fest der Fahnenweihe. Die Lieferung! der Fahne ist der Firma Hisgen in Lich übertragen. Zidern Feste wird ein Juxplatz eingerichtet. = Lich, 2. Febr. Am nächsten Sonntag abend wird! Herr Volt, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verbandes fix | Volksbildung, im „Holländischen Hof" einen für jedermann 1 zugänglichen Vortrag über „Zweck und Ziele bei Volksbildungsvereine" halten. -- Schaden bach, 1. Febr. Am' Samstag abend hielt ! Lehrer Fink von Zell in nuferem Kriegerverein einen ’ Vortrag über; „Unseres Kaisers Lebens Nicht nur alle Mitglieder des Kriegervereins, sondern auch die meisten 1 erwachsenen Gemeindeglieder, sowie die Fortbildungsschüler 1 nahmen an dem Vorträge teil. Präsident Kirch stattete! dem Redner den Dank der Versammlung ab. Alsdann hielt der Ehrenpräsident Lehrer Volk noch eine längereI Ansprache über den Krieg von 1870/71 und brachte ein Hoch I auf nufere zwei Veteranen ans. , Fc. Ober-Erlenbach, 1. Febr. Hier findet am 6. F? bruar btc Einweihung der Vctcranentafel statt zu der bi, Krreger-Vercinc des Bezirks Friedberg Deputationen entseiiden werden. Die Festrede hält^Pfarrer Kling-Ober-Erlenbach. sc. Büdingen, 1. Fevr. Die Fortsetzung der Klein bal)n|trcde Hanau — H ü t ten ges ä ßbis Büdingen bf>L Id.aftigte m den letzten Wochen die Gemeinderatssitzim.gmr in den an der Strecke liegenden Gemeinden. Tie Stadt Büdingen, die cinui Beitrag von ca. 100 000 Mark zu den Kosten aufbnngeit soll, ist von der Strecke nicht sehr erbaut, die dorUgcu Gesckäftslenre befürchten eine Schädigung durch sie, da das Publikum dm ©täbtenl Hanau und Frank,urt nähergerückt werde. Dem Wernehmen nid" beabsichtigt der Staat nach Feritgslcllung der Bahnstrecke bis Büdingen, die Bahnlinie zn enuerben, um diese für die demnäckif hier garmfonierenben Eisenbahnregimenter zu Ucbimgen ,ut Ver . süssung zu hüben. X B a d - N a u h e i m, 1. Febr. Chefarzt am hiesigen M i l > - tärkurhaus war seither einer der hiesigen Badeärzte, Stabs > arzt der Reserve Dr. med. Schädel. DaS altgemeine Sparsamkeit^- I system, das auch von der Militärverwaltung befolgt wird, 1)01 j jur Folge, daß die Stelle jetzt von einem zur Disposition gc .1 stellten aktiven Mttitärarzt besetzt wird. — Eine Kirmes auf dem Lande, das ist der Grundgedanke, den der Turnverein seinem diesjährigen Maskenball am nächsten Samstag abend zugrunde gelegt. Eine größere Anzahl entsprechender Aufführungen iit in Vorbereitung, Tänze, Umzüge usw., sogar ein Zug von Z II. Da der Ortsbürgermeister seinen Polizeidtener angewiesen hat, auf Fräcke und neumodische Kleider ein besonders wachsames Auge zu haben, empfiehlt es sich, in ländlichen Trachten ober in städtischen Sommerkleidern auf der Turnerkirmes zu erscheinen, damit man nicht unangenehm auffällt. — Als Nachfeier zu dem Ball ist für Samstag nachmittag ein Ausflug nach der Hardt vorgesehen. ** Freidenkervereinigung. Man schreibt uns: MaK kann täglich und aller Orten moderne Eltern darüber klagen Horen, daß besonders die biblische Gesänchte, wie sie unseren Kleinen und Kleinsten erzählt wird, häusliche Fragen auslöst, auf die unsere Eltern schwer zn antworten wissen. Hier klafft eine täglich sich erweiternde Kluft zwischen Schnllehre und dem vorwärtsdringenden Leben. Wie hier zn helfen ist, das will Dr. Biedenkapp zeigen. Versäume niemand seinne Vortrag über dies hentzutage brennende Problem, der morgen abend stattfindet. •• DieFreiw. Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hielt am Montag im Sauer'schen Saale ihre Jahres-Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß 1909 33 Uebuugen und Versammlungen stattfanden. Die Kolonne zählt zurzeit 38 Mitglieder, 10 Mitglieder befinden sich noch im Ausbilduugs-^ turfns. Diese fortwährende Neu- und Weiterausbildung. stellt große Zettopser an Kvlouuenarzt, Führer und Mannschaften. Hoffentlich finden sich immer mehr brauchbare und hauptsächlich auch im Mobilmack)uugsfall abkömmliche Männer bereit, an dem Sauitätskolonnenwesen aktiv sich zu beteiligen. Es wurde int Vorjahr Hilfe in Anspruch genommen resp. dazu gerufen: Von der Polizei in 16Fällen (int Vorjahr 20), von Aerzten in 31 (11), von Privaten in 152 (102), davon teilweise auf Verbandftellen in 88 (56), außerhalb derselben in 199, auf Wachen in 7 Fällen. Es betrafen 36 (36): Knocheitbrüche (Verstauchungen), 2 (6): Augenverletzungen, 209 (200): Verwundungen, 6 (9): größere Blutungen, Schlaganfälle, Ohnmächten, 40 (21): innere Erkrankungen, Krampf- und epileptische Fälle; zusammen 293 (272) Hilfeleistungen. Dabei wurden insgesamt 80 (48) Transporte ausgeführt, wovon 40 (20) auf innerlich Schwerkranke entfielen. Diese ersten Hilfen feilen und können nicht den Arzt ersetzen, sondern sie sollen hauptsächlich darin bestehen, daß der Hilfesuchende so rnsch und derart fachgemäß der ärztlichen Behandlung zugeführt wird, daß nicht noch weiterer Schaden entsteht. Es wird keine Hilfeleistung von Bezahlung abhängig gemacht, nur bei genügend Bemittelten wird Ersatz der aufgelegten Kosten beansprucht. Bei allen Fällen, wo die Hilfe der Sanitätskolonne beansprucht wird, sollten sich das Publikum oder die Polizeiorgane an die nächste Verbandftelle wenden, die durch ein Schild kenntlich gemacht ist. Da wird stets das Erforderliche veranlaßt ober Auskunft erteilt, auf welche rascheste Weise die Hilfe erfolgen kann. Bei Transporten soll frühzeitige Bestellung erfolgen. Die Kolonne besitzt jetzt zwei fahrbare Tragen, einen Desinfektionsbehälter (nur für eigene Geräte und Ausrüstungen), 9 Tragen mit Gurten, für drei Güterwagen die Ausrüstung eigenen Systems zum Verwundeten- und Krankentransport, Uniformen und Ausrüstungen für 40 Mann, jedoch nur teilweise vollständig, Rettungskasten, Verbandtournister, Verbandmittel, Werkzeuge, Jmprovisations- und Uebungsmaterial usw. Das Inventar ist mit 3835 Mk. gegen Feuerschaden versichert. Das Rechnungsergebnis für 1909 schloß mit 1622,25 Mk. ab und der Voranschlag für 1910 wurde auf 1500 Mk. festgesetzt. Als nächstes Arbeitsgebiet hat sich die Kolonnenleitung neben der Vervollständigung der Ausrüstung' die Bildung von Nachbarabteilungen zum Ziele genommen. Zu diesem Zweck werden bald Hebungen und Versammlungen außerhalb Gießen abgehalten werden, um die nötigen aktiven und unterstützenden Mitglieder zu werben. Hoffentlich liegt die Zeit nicht mehr fern, wo in unserer induftriereichen Gegend ein regelrechter Uufallmelbedienst mit ständiger Rettungswache, Auto-Krankentransportwagen usw. eingerichtet wird, wie man es in anderen Gegenden schon längst hat. Rascheste, sachgemäße, erste Hilfe und Zuführung der ärztlichen Hilfe muß dabei die Hauptaufgabe fein. ** Eleonoren Hospiz in Bad Nauheim. Bei bei am 26. Januar abgchattcucu Versammlung der Gcsüpchafter konnte das sinanziellc Ergebnis des abgclaitienen Jahres als rech' befriedigend sestgesteltt werden. Tas Geiettsckaftslapital wurde durch Beitritt neuer Gesellschafter auf 83 000 Mark erhöht. Im Lause des Jahres konnte das anstoßende Zwitlingshaus erworben und in den Betrieb einbezogen werden. Es stehen nun 100 Betten zur Verfügung. Ter Besuch war angesichts des ungünstigen SomIkta lfteßen Buge, da genügt« ® Igel O, Itfil tiß die ( toStänb rznianM «en, baf Herr iarfratif äeckige? a weiter chr feil evrden. T ie 2 I 'jnirat, i j ecken ca L Ehre i aMN tiStuöet jitiier. 6) teilten D M-acher Äack, unter Eh wöge: Ä l^niut nid awglifc - | einen | cm „Tdd I pröfi fei | ichm eine pare Ä I Nerüei l ifet tdii l&tage bi l MM W ■ gar iti^f ! reiKHmen. |%7M, , iWlligle ’ Wit al rier lebe Ä Wir I ihm m - fc emnse totn, ani 2 den Ä ^gegentre einen Eh M Lelei « Aeidi nai die (V zum -- Lardenbach, 1. Feor. Die Krieg ervereiW L a r d e u b a ch und KI e i n - E i ch e u feierten am Sonnraj abend int Diehl'fchen Saale den Geburtstag des Kaisers Lehrer Schmidt hatte ein Programm entworfen, das jeden Zuhörer befriedigte. Einige Schüler und Schüler'nncn leiteten die Feierlichkeit durch Vorträge von Prologen ein. Nachdem der Chor: „Dem Kaiser tönt mein Lied" per klungen war, trugen sechs Heinere Knaben, mit Fähnchen und Schärpen in den deutschen Landesfarbeit geschmückt, einen längeren Dialog sehr schön vor. Das durch die Schülec aufgeführte Festspiel: „Schmückung der Kaiserbüste" war ergreifend und das jich anschließende lebende Bild entzückt? alle Zuschauer. Pfarrer Weinberger hielt sodann einen beifällig aufgenontmeiten Vortrag über Lardenbachs An sänge und Vergangenheit, soweit diese sich aus den vor handelten Urkunden nachweisen ließen. Hierin schilderte er auch besonders die Zustände aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Den Schluß bildete das iu allen Stücken vorzügM gelungene Festspiel der Kinder. Januar abgeganqenen SchutamtSaspiranten einfinben werben _ Geltern bat man mit dem Bau des Mafchinenhaufes de§ neuen Krankenhauses begonnen. 2. LaunSdach, I.Febr. Unser zweiter Lehrer Melsbach wurde nach Niederbieber. Kreis Neuwied, versetzt. Als dessen Nachfolger trat heute Lehrer Dittert aus Wetzlar in den Dienst der hieügen Schule. v. Wetzlar, 1. Febr. Daß neue AmtSgerichts- gebäude an der Promenade ist nunmehr imRohbau vollendet. In ihm sollen auch die beiden Kataster-Aemter Wetzlar I und II untergcbracht werden. Mit Vollendung dcS Neubaues wird das alte Kantongefängnis am Schlllerplatz aufgehoben, dessen getrennte Lage vom bisherigen Amtsgericht schon zu manchem Aergernis geführt hat. = Lützellinden, 1. Febr. Am Samstag abend feierte der Gesangverein int Saale des Gastwirts Jung den Geburts- i a g des Kaisers. Lehrer Heim ach hielt eine kurze An- spräche und schloß mit einem Hoch aus den Kaiser. Gesang nitb Vorträge verschönerten die Feier. F. C. Frankfurt, 31. Ian. Der Landgraf Ale xander-Fricdrich von Hessen begab sich gestern in "Begleitung seines Adjutanten Hauptmann Freiherr Schenck zu schweinsberg und seines Ordonnanzoffiziers Freiherrn Riedesel zu Eisenbach von hier zu längerem Aufenthalt nach England. €m atad. Ehrengericht. IM-er das Thema „Ein akademisches Ehrengericht" sprach Prof. Dr. Mittermaier am Montag abend in einem von der Gießener Freien Studentenschaft veranlaßten Vorträge. ?iach kurzer Einleitung warf der Redner die Frage auf: Genügt noch unser heutiger Ehrem'chutz? Warum ist die Hetvvgnng zur Regelung des Ehrenschutzes entstanden? Wohl ziinächst d?s- halb, weil heute die Kreise ganz andere geworden sind, in denen man die Ehre schätzt, als sie früher waren. Die scharfe Abteilung der Stände und Kasten haben wir nicht mehr: sie gehen vielmehr ineinander über. Trotzdem tonnen wir auch heute noch nicht sagen, daß eine einheitliche Ausfassung der Ehre unter uns Deut scheu herrsche. Der enge Ehrgebriff findet sich noch. Aber je demokratischer wir in unserem Leben werden, desto mehr wird sich eine allgemeine Auffassung der Ehre heranbilden. Dann hat noch ein weiteres jene Skiregung veranlaßt. Wir sind nämlich gegen früher feinfühliger, aber auch etwas nüchterner und goobdrahrigeir geworden. » Die Bewegung hat also nicht mit Unrecht bei den Aerzteu, Jurrscen, Offizieren und anderen Kreisen Anklang gefunden. Darum törattert auch die Studenten neue Einrichtungen trcfien zum Schutze ter Ehre des Einzelnen, zumal in ihr die Ehrausjassungen äußerst ausgeprägte, die Reibrurgsflächen viel .größere sind. Da gerade die Studenten, heute viel mehr wie früher, aus den verschiedenicen Kreisen kommen urrd nach dem Studium wieder in die verschio Benften Kreise gehen, so muß auch die Ehrauffassung unter ihnen eine andere geworden sein. Nack einer kurzen Auseinandersetzung'darüber, was der Jurist unter Ehre versteht, kam der Redner zur Beantwortung der Krage: Wie ist die Ehre angreifbar? Die innere Ehre kann überhaupt nicht angegriffen werden; die Äußere dagegen auf jede mögliche Weise. Die Angriffe auf die .äußere Ehre, die von dem 'Urzelnen ausgehen, sind Mißachtung. Mißachtung ist nicht dn „Nicht-Hochachten", sondern jemand die Achtung, die ihm gentäfe seiner Leistungen zu Kommt, nicht zu gewähren, das kann schon eine Mißachtung sein. Aber es gibt auch sehr viele scheinbare Angriffe aus die Ehre, wie Unihöflichleiten, Grobheiten,. Uebertreibungen in der Kritik; das sind eben Unhöflichkeiten usw., aber keine Mißachtung. Wer sich das klar macht, wird in der 3rage des Ehrenschutzes schon anders denken. Doch: Wie wehrt man folckpe Angriffe ab? Zunächst dadurch, daß man sie möglichst gar nicht beachtet. Senn je kälter man bleibt, um so eher hat man genxnmcn. Man beute an Goethes Wort: „Kälte bändige den Schmutz, daß er den Fuß nicht berühre." Auch eine gewisse Dick fällig keil schadet gar nichts. Denn im Ausland sind wir Saitl d»c als sehr emprindlicl:? Leute bekannt. Sann müßten wir ärmer bebenüen, daß Mißack/tung aus der Gelegenheit kommt : daß auch wir leickt einem anderen ein Wort bei Gelegenheit sagen, taö ihm mißfällt, unter Umständen ihn beleidigt. Deshalb sollten wir einerseits nicht all zu emptindlich eine gewisse Wortsreilieit dulden, anderseits aber mit gleich Gutgesinnten uns zusammenluü, um den Beleidigten zu schützen dlümrch, daß wir dem Beleidiger «ntgegentreten, ihn ausfärerden, daß wir alio einen allgemeinerer^, leideren. Ehrenschutz bewirken. Ein Strafgericht des Staates kann .Uten Beleidiger bestrafen. Wir aber wollen eine Ehrenbervährung des Beleidigten. Da also das Strafgericht anbere Aufgaben hat, muß die Gesellschaft zu anderen Schutzmitteln greisen. So kam man zum Zweikampf, zum Duell. Dieses darf der Duellgegner nicht als „Unsinn" zurückweisen; ebensowenig darf der Tuell- anhänger jenen als „Feigling" brzeickmen, sondern beide müssen die ganze Frage historisch und vshchologisch zu ^verstehen suchen. Wohl besteht ein Gegensatz zwischen Duell icnd Strasgetetz Aber durch die Duldung, ,a Forderung des Duells in bestimmten_Krciftn bet sich das Duell trotz des Verbotes gehalten. 'Ls ist eine Standes cinrichtung und ioll vielen „einen Ehrensämtz gewähren, der ihnen der Staat reicht geben tonn" Trotzdem muß man sagen, saß diese Duellfttte doch einen Zwäng ausübt. Sie zwingt manchen ur Heuchelei, roeil er nicht den Mut hat, mit serner Memung lierauszurücken Dennoch müssen tbir nach der Beranlassuug und dem Zweck des Duells tragen. Veranlassung sind meistens ver- kältnismäßig geringfügige, ganz selten schwerwiegende Fälle. Sein ?Md. ist die Ehrenbewä hrun g. Hierrn hat das Duell Zweifellos seine Berechtigung gehabt in Zeiten, in denen man durch ritterlick-es Verhalten, durch Zweikampf und körperlichen Mut' sich zeigen tonnte. Vielfach denkt man auch noch, dem Gegner durch bte Waffen eine Genugtuung abzufordern. Also wären E h r en b e w ä h rung und Genugtuung der Grund für das Duell. An diesen beiden Gedanken muß uttm anknüpfen, wenn man ?'U vermieten Gaetcostraßc 30 ist die 1. Et-, 9 Zimmer mit all. Zubeh.. Koch u. Leuchtgas, ev. elcktr. Licht, auf 1. Avril zu vermieten. [107 Näheres parterre daselbst. 587] Elea, geraum. 7 Zim. Wohn, mit Zubehör v. 1. viuli zu verm. Näheres Nord Anlage irr v Teltersweg 7V eleg. Zim.- Lohn. m. Küche, Badezimmer u. Veranda, Gas und elektr. Licht. IL Stock, v. 1. April ev. 1. Juli tu vermieten. 1204 Augutt ttilbingcr. 6 Zimmer W'lbelmstr. H ist herrschaftliche Zimmer-Wohnmm mit Bad und r »mia per sofort zu vermieten. . -'-äh. Frankfurt. Str. 29. 1532 Ültgante Beletage," Zimmer mit reicht. Zubehör, ans 1. Avril ;n vermieten. 119 , Ääb^OZoetbestrastc 34.______ Ludwigstrnste 52. schöne tz .'»iinmerwohnuna im - ^-tock nut Zubeh. per 1. April ’p vermieten. liähereo int Hinterhaus. (163 | 6 Zimmer | 7341 S'Zim. Wobn., III. St., zum 1. Avril zu vermieten. 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Aber dieses Ehrengericht nruß auf einer möglichst breiten Basis errichtet werden. Es muß absplnt neutral sein und dem D-uel ton Hänger, wie dem Duellgegnt.r die Möglichkeit bieten, sein Reckst zu finden. Beteiligen müsste füll daran der Einzelne, weil cs sich auch um die Ehre des Gin&ebtcn handelt. Dem Spruch dieses Ehvengerickite-:' müßten sich beide Gegner unterwerfen, wozu allerdings ein gewisser Mut gehört. Dieses Ehrengericht muß sich ans ber Gesamtstudenten schäft l>er ausbilden. Der Redner sckstvß mit dem Wunsche, daß sich auch an hiesiger Universität ein solches akademisches Ehrengerickst bilden werde. Im Anschluß an den Vortrag fand eine sehr anregende Aussprache statt. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 1. Febr. Eine eigenartige Rolle spielte ein F e l d s ch ü tz in einer Feldstrassache. Der Maurergeselle P. W. von Rödgen bei Bad Nauheim sah int letzten Herbst, wie sich auf dem Felde jemand an einem Birnbaum zu schassen machte. Er ging über einen Feldweg und zwei abgeerntete Aecker, wo er den Feldschützen traf, der Birnen pflückte. Bald darauf bekam W. einen Strafbefehl, in dem als Straftat das Betreten eines verbotenen Weges angegeben war. Am Feldgericht, das sich infolge Einspruchs des Angeklagten mit der Sache zu befassen hatte, wurde auf Grund der Aussage des Feldschützen angenommen, der Angeklagte habe den Schützen erkennen können, ohne an die Stelle zu gehen, weshalb deir Einspruch zurückgc- wiesen wurde. Aus Berufung des Angeklagten wurde festgestellt, daß der fragliche Weg nicht verboten ist: aud) ist das Betreten abgeernteten' Feldes sticht strafbar, wenn her Eigentümer nicht Antrag auf Bestrafung stellt ober das Betreten^ nicht durch Warnungszeichen kenntlick) gemacht ist. In der Begründung des frei- sprechend en Urteils der Strafkammer wurde ausgeführt, daß der Feldschütze im vorliegenden Fall nickt berechtigt war, An zeige zu erheben: auch hätte das Amtsgericht bei richtiger Sachdarstellung die Anzeige zurückgewieseu, da überhaupt leine strafbare Handlung vorlag. Der Staatstosse wurden sämtliche Kosten des Verfahrens auserlegt, einschließlich der dem Angeklagten in allen Instanzen erwachsenen notwendigen Auslagen. Dem Feld- schützcn, der sich mit ungenügender Kenntnis der einschlägigen Be ftimmungen zu entschuldigen versuchte, wurde anheimgegeben, sick mit seiner Instruktion besser bekannt zu machen. München-Gladbach, 1. Febr. Ein Fabrikarbeiter, dar bei einein ltzottesdtenste dar Heilsarmee» gelacht hatte, wurde zu einer Wockw Gefängnis verurteilt. Univerfifäh«nad)rid>tcn. hk. Marburg. Der frühere a. v. Professor für Botanik an der Marburger Universität Dr. Georg Kohl ist am 29. Januar in Leipzig gestorben. Sport. ----- Fußball. Arn Sonntag maßen sich die 1. jUtami* schäften des Fußballklubs Merkur und des Gießener Sportvereins. Merkur trat mit 3 Leuten Ersatz aus der 2. Mannschaft an und konnte mit 2 zu 2 Toren abschnciden. Das Hochwasser in Paris. P aris, 1. Febr. Nach amtlichen Meldungen ist die Seine bis gestern mittag an der A'usierlitzbrücke um einen Meter und 2 Zentimeter gefallen. In den Vororten vollzieht sich daö Fallen des^Wasscrs sckmcll. In Colombes sind mehrere Häuser ein- gesturzt. Die Straße Louis Blanche in Courbevoie ist an mehreren Stellen eingesunken, zwei Häuser find eingestürzt. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Paris, 1. Febr. Heute abend wurde der Verkehr auf dem linken Seiueufcr wieder freigegeben, aber in den Stadtvierteln von St. Michael, von Montebelle, Tournelles, 5t. Vernard und Neuilly-Plaisanes können die Einwohner, wenn auch das Wasser zurückgegangen ist, noch nicht in ihre Häuser, da sich dicke Schlamm - schichten allenthalben angesetzt haben. Noch immer sind viele hundert Personen in Schulen und Amtsgebäuden uutergebracht. In Jvrh sur Seine herrscht große Not, da die Fabriken für lange Zeit nicht im Stande fein werden, den Betrieb wieder aufzunehmeu, so daß Tausende von Arbeitern zum Feiern gezwungen find. Kleine Tageschronik. 'Zwei im Schädesckacht bei Meuselwitz arbeitende Brüder wurden von hereinbrechender Kohle überrascht: während es dem einen der Beiden gelang, sich zu retten, wurde der andere von der Kohlenmasse verschüttet und konnte, trotz sofort angcfteUter Rettungsversuche, nur als Leiche geborgen werben. Der Flieger Mortimer Singer stürzte auf dem Flugplatz ton Heliopolis mit seinem Apparat ab. Er erlitt einen Bruch beider Beine, sowie eines Armes und Verletzungen an der Brust. Zm Fort B ar cho n bei L ü 11 i ch stürzte ein Gesckwtz ans der Kette, in der es hing, herab und zerschmetterte zwei Sol date it. Ter zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte, aber ans dem Gefängnis zu Eberswalde entflohene Einbrecher Karl Stoß, der seinerzeit im Schlosse Trampe Kleinodien im Werte von lOO^OQ Mark stahl, wurdc in Amsterdam verhaftet. In dem Vororte von Kairo, Dsmaila, entstand bei einer kinematographischen Vorführung für Schnllinder Feuer: vier zehnjährige Kinder verbrannten, viele andere wurden s ch w e r verletzt. tCuiifi und WiilciilcbafL — An der Jahrhundertfeier der Huselandschen Ge sellschaft m Berlin nahmen Vertreter des Änlturfmuti- fteriirm-d und zahlreiche hervorragende Persönlichlieiten aus allen Schicksten der (tzesellsckwft teil. Ter seit dem Rücktritte des GelZeimeil Regierungsratcs Priese mann provisorisch ton dem Ndstfenmsdirekwr Böl> lau ticwaltitc Direktor posten an der WnigltoMi Gemäldegalerie in Kassel ist jetzt durch den Kunst lxistoriker Karl Gronau in Florenz ersetzt worden. — In Rhe infelden (Schweiz) ist im Alter von 69 Jahren ber Rechtsanwalt und Sckiriftsteller Dr. Hans Blum, Sohn des 1848 in Wien erschossenen Frei hei tsLimpfers 9tobart Blum, gc- fto rbc n. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schlitz. Verschiedene Blatter bringen einen von Splz- schlirf aus geschriebenen Artikel über Herstellung der Schlitzbrücke bei Uetzhausen, worin nachgewiesen werden soll, daß mit dem von dem Kreisamte angeregten Brückenbau ein großer Mißstand beseitigt würde. Die Ausführungen sind ganz schön, nur kommen sie um 30—35 Jahre zu spät. Seit Erbauung der oberhessischen Eisenbahn in 1871 bis zur Inbetriebnahme der Nebenbahn Salzschlirf-Schlitz ging tatsächlich der gesamte Gütern und Personenverkehr von Salzschlirf nach Schlitz und dem Schlitzer- land über die Straße Salzschlirf-Schlitz, und die genannte Brücke bildete damals lange Zeit den größten Mißstand auf der viel- befahrenen Straßenstrecke: bei jedem Hochwasser war der Verkehr gesperrt, und welche Unannehmlichkeiten damals die Ge- schästsleute und Reisenden mit Fracht- und Personenverkehr aus zuhalten hatten, ist kaum zu sagen. Merkwürdigerweise geschah damals trotz aller Beschwerde der Interessenten seitens der Behörde so gut wie gar nichts, und auch bei dem Neubau ber Kreisstraße Salzschlirf—Schlitz in 1883 ließ man die alte Brücke als Hauptverkehrshindernis bestehen, und die Schlitzerländer mochten sehen, roic1 sie zurecht kamen. Die Gemeinde Uetzhausen aber setzte dem Brückenbau selb'st den größten Widerstand entgegen und wollte überbauet nichts davon wissen. Nachdem die Nebenbahn Salzschlirf—Sch itz in 1898 fcrlig war, haben Straße und Brücke fast allen Wert für den Verkehr verloren und nun sollen mit einem Kostenaufwand von 40 000 Mk. Brückenbauten und Stromkorrekturen vorgenommen werden, „um einen großen Mißstand zu beseitigen". Ob man der Ansicht ist, daß die jetzigen Finanzverhältnisse des Zdreises und der Gemeinden bc sonders günstig für solche kleinen Ausgaben sind oder ob hie Gemeinde Uetzhausen jetzt ein größeres Bedürfnis hat, die Brücke zu benutzen, ist schwer zu sagen. Jedenfalls gibt es im Kreise Lauterbach weit notwendigere Verbesserungen herzustellen, als Brückenbauten für Straßen, die kaum noch dem durchgehenden. Verkehr nützen. Handel. Berlin, 1. Febr. Tie deutsche Gasglüylichit- Aktiengesellschast (Auergesellsckaft) beschloß neuerdings, infolge nicht günstiger Ausnahme der ton ihr geplanten Erweiterungen in Aktionärskreisen, von der Erhöhung des Grundkapitals Abstand zu nehmen und die Aus ehnung der Gesellschaft nur nach Maßgabe der vorhandenen Mittel auszuführen. Märkte. fc. Frankfurt a. M Sckweinemarktbericht vom 2. Febr. Sliifaetrieben waren 1338 Schweine. Voll fleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 00-00 Schlachtgewicht 00 - 00 Mk. VoUfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgetvicht 00-00 Mk., Schlgchtgewicht «>0 00 Tlf Vollfleischige Schweine über 2'/. Zentner Lebendgewicht 57.50—59.00 Alk., Schlgchtgewicht 73 — 75 Alk. Fett- lchweine über 3 Ztr. Lebendgewicht 57 50 —59 Mk., Schlachtgeivichl 73- 75 Alk. Fleischige Cchiveine Lebendgewicht 56.50—58.50 Dis., Schlachtgewicht 72—75 Alk. Saiten Lebendgewicht 55—00 Mk, Schlachtgewicht 67—68 Tit. Tendenz langsam, bleibt Ucberftanb. Amtlicher Werrervenchr. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Allgentente Wetterlage seit Dienstag früh: Unter dem Einfluß des östl. Hochdruckgebietes herrschtefgeftern meist heiteres, trockenes Wetter. Lieber nacht aber ist von Westen her das Tiefdruckgebiet voraedrnngen und hat Trübung und stricknoeise geringen Schnee, besonders im Eebirge, gebracht. — Bei südtvestltchem Winde ist viel nnlderes Weiter m Ansstcht. Wetterausstchten in Hessen am Donnerstag den 3. Februar 1910: MtUter und Tauwetter, nur im Gebirge noch leichter Frost, westliche Winde. S ch n e c b e r i rf) t c : Hoherodskopk leichter Frost, 100 cm Schnee, Schtbahn gut. — Jeldberg — 4 Grad, 80 em Schnee, leicht vereist, Schtbahu gut. Alck angenehme Abwechselung in der einförmigen Diät der Rekonvaleozetiten gibt es nichts bestereS als „Kufeke" tu Milch oder Fleiichsupve gekocht. Zn Hammelsteischsuppe gelocht, schmeckt das „Kuseke" wie Scknldkrötensupve. hvuf. Beim Rauchen. Es ist. inerkwürdte und gewiß den meisten Frauen unverständlich, daß so viele Männer am Rauchen gefallen finden können. Und doch muß ein eigener Genuß darin liegen, den sogar manche Frau nicht gerne mehr missen möchte. Sei die Zigarre gut oder schlecht, so bleibt, nach dem größeren oder kleineren Genüsse derselben im Munde und Hachen des Rauchers jedesmal ein unangenehmes kratzendes Gefühl, da^ nur zu leicht sich festsetzen und in hartnäckigen Rachenkatarrh ausarten kann. Diesen zu verhüten, gibt es kein besseres und zugleich angenehmeres Mittel als gleich nach beendeter Zigarre, Zigarette oder Pfeife einige Wybert-Tabletten im Munde lang sam zergehen zu lassen. Sofort verschwindet die unangenehme Beigabe des Rauchens, der Mund und Atem werden wieder frisch und angenehm. Jeder Raucher sollte daher Wyhcrt Tabletten beständig bei sich führen. Wybert-Tabletten können in allen Apotheken in Originalschachteln a Mk. 1.— bezogen werden. 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