Erstes Blatt General-Anzeiger für Oberhessen 160« Jahrgang Nr. 40 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 17. Februar 1910 Der Gtehener Anzeiger ä BezngSvrei*. erscheint täglich, außer MWM ö fisfr JgQäx $$ V monatlich7bPi., viertel» Sonntag?. - Beilagen: X W A A ▲ jährlich Mk. 2L0. durch viermal wöchentlich ä AA W AA A A. A AB Abhole- u. Zweigstellen «etzener^amilienbkötter LZ ->a A3 sShT y El ▼ «nonatlich 6L Pf.: durch zweimal wöchentl.D eir- M M fl lXA. fi Jr Wj H M Jr H M W W S «MM Ä^F M die Post Alk. 2.—viertele ^latl für Len llreir Gießen 8M jSs WD W M W M jp M W M M M M M jährl. acktzschl. Bestellg. Dienstag und Freitag)-. MM M M M. M ®Ä W B Mr M A Jj M B M HL Q Hl Hk, M Zeilenpreis: lokal 15Pf., 5S5ÄSÄ’CZ ♦ V s |Vn»VA WitJvtHv*' SÄXÄ2 Ferniprech-Anschlüsse: M V® WM Verantwortlich für den für die Redaktwn 112, IWF politischen Teil: August V» General-Anzeiger für Oberheffen LZM Annahme von Anzeigen EL ’ “• ß(“nbo.u£b &®r lc^td* bi Domüta?§n9mn^ Notationsdruck und Verlag der yrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. Anzeigenteil: H."BL Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten. wahlrechtzphilosophie und wahlrechLztaM. Bon Professor Dr. jur. et Phil. M. Biermer. In der auf diesem Gebiete nicht allzu reichen staatsrechtlichen Literatur findet man gelegentlich mehr oder minder tiefgründige Untersuchungen darüber, ob das Wahlrecht ein Naturrecht, also ein angeborenes Recht des Einzelindivi- duums sei oder eine öffentliche Funktion, die der Wähler im Interesse des Staates auszuüben habe. Die erstere — naturrechttlche — Auffassung, wie das ganze Naturrecht überhaupt, findet heutzutage keinen ernsthaften Vertreter mehr. In der Tat: Wie alle Rechte, so ist auch die Befugnis, zu wählen, der Ausfluß der staatlichen Rechtsordnung. Tie Gesetzgebung hat daher zu prüfen — so heißt es in einer berühmten Monographie über das parlamentarische Wahlrecht —, welche Massen der Bevölkerung mit der öffentlichen Funktion des Wählens zu betrauen sind. Der Gesetzgeber würde pflichtwidrig handeln — so heißt es weiter —, wenn er die Befugnis, zu wählen, solchen Personen, cinräumte, von denen zu befürchten wäre, daß sie von derselben, einen dem Staate gefährlichen oder dem allgemeinen Wohle nachteiligen Gebrauch machten. Dieser Grundgedanke har offenbar den Verfassern der preußischen Wahlrechtsvorlage vorge- schwebt. Aber sie haben das Problem im Gegensatz zu ihrem Tetrährsnrcmn nicht sonderlich tief erfaßt, weil sie nicht gleichzeitig auf das Wesen und die Aufgaben der Parlamente cingegangen sind. Wenn man den Könstitutionalis- mus nur vom Standpunkt der Aristokratie, der „Herrschaft der Besten", auf fassen wollte, so müßte man eine Volksvertretung, in der die großen Massen auf Grund von Wahlen zu Worte kommen und so zur Gesetzgebung mitberufen werden, überhaupt als ein liebel ansehen, im günstigsten Fall für ein notwendiges Uebel, wobei wahrscheinlich nur wenige den Ton auf oas Wort „notwendig", die meisten dagegen auf das Wort „Hebel" legten. Wir bezeichnen die erbliche Monarchie für die bewährteste aller Staatsformeu und begründen diese Auffassung und Ueberzeugung an der Hand der menschlichen Natur- und Kulturgeschichte, also induktiv und nicht deduktiv. Man wird billigerweise eine analoge Beweisführung auch für die anderen gesetzgebenden Faktoren dec- Versassüngsstaats anwenden müssen Das Wesen des konstituiionellen Regimes liegt nun einmal darin, daß selbst die beste und einsichtigste Monarchie bei gewissen Akten der Staarsgewalt an die Mitwirkung einer Volksvertretung gebunden sein soll. Tas Volk besteht aber aus Stand en und Klassen. Soll ein Parlament den Namen „Volksvertretung" nicht nur führen, sondern auch verdienen, so muß es alle Votrsteile umfassen. Welckstn Wert und welche Bedeutung diese Volksgruppen und Klassen als Teile des Ganzen zu beanspruchen haben, welche staatsbürgerlichen Tugenden, welches Maß von selbstloser Mitarbeit, von Urteilsfähigkeit und Unbefangenheit von ihnen zu erwarten ist, das. bedarf ebenso der gewissenhaften empirischen Prüfung, nuc die Verdienste der Monarchien und ihrer Herrscherhäuser. Je größer die Verdienste der Letzteren sind, desto berechtigteren Anspruch haben sie auch, als Ver- fassungsfattoren berücksichtigt zu werden. Ganz genau das- fetbe gilt von den einzelnen Bolksklassen. Auch sie haben ihre Traditionen und historisch nachweisbaren Verdienste um den Staat.- Es fragt sich nur, ob in einer freien staa ks bürg erlich en Periode, wie wir sie gegenwärtig haben, historische Reminiszenzen allein weitgehende verfassungsrechtliche Sonderrechte begründen können. Modern denkende Politiker werden das bestreiten oder vielleicht auf die Oberhäuser Hinweisen, die sa der eigentliche Platz für Standes- vertretungen auf geschichtlicher Grundlage sind. Der Radikalismus leugnet freilich auch deren Existenzberechtigung, obgleich doch wohl nicht bestritten werden Bann, daß Erste Kammern, wie namentlich die Preußens, sich die allergrößten Verdienste um eine ersprießliche Gesetzgebung erworben und bei verschiedenen Gelegenheiten mehr staatsmännischen Sinn und eine tiefere Erfassung des Grundsatzes „noblesse oblige“ bekundet haben, als die Gesinnungsgenossen ihrer Mehrheit in der Zweiten Kammer. In der Mnderheit des preußischen Herrenhauses, die nicht selten sogar die Führung übernommen hat, steckt eine Fülle von Intelligenz. Sachkunde und staatsmännischer Reist, deren Wirkungen sich fast bei allen großen Reformwerken nachweisen lassen. Zudem hat der Monarch ja das Recht und macht neuerdings einen sehr freigebigen Gebrauch davon, das Oberhaus zu modernisieren. Was die Volkskammern anbetrifft, so sollen sie ein möglichst getreues Spiegelbild der gegenwärtigen staatsbürgerlichen Gesellschaft sein. Das staatliche Leben ist ein lebendiger Organismus, in dem der Kopf nicht ohne die Hände funktionieren kann, und umgekehrt. Man mag die höheren und niederen Organe, um in diesem Bilde zu bleiben, verschieden bewerten, aber bewerten muß man sie alle, und zwar möglichst frei von Klassenbefangenheit. Wir Menschen sind gewiß nicht gleich/ namentlich nicht in der Richtung hin, daß wir alle gleich gemeinnützig denken, gleich unabhängig in unferm Urteil, gleich sachverständig und besonnen in unserer politischen Betätigung sind. Aber diese uatürliche Ungleichheit, die nicht nur in Erziehung und Besitz, Tradition und Bildung wuselt, darf nicht dazu sichren, daß aufstrebende Stände zurückgedrängt werden und dafür andere eine mit den Entwicklungstendenzen des so-ialen Lebens unvereinbare Bevorzugung gemeßen. Hifto- 1 rffche Verdienste sind und bleiben Verdienste, aber sie verblassen mit der Zeit. Klassen kommen und gehen. Sie ändern sich in ihrer Struktur und ihrer Bedeutung. Gewaltige Umwälzungen, namentlich wirtschaftlicher Natur, sind über sie rücksichtslos hinweggegangen. Vorrechte, die früher begreiflich waren, erscheinen bei einer total veränderten Berufsgliederung als veraltet und unverständlich. Ohne Vorrechte wird es freilich auf keiner Kulturstufe abgehen. Aber der Kreis der Bevorrechtigten ist wandelbar, und die Maßstäbe für ihre Umgrenzung dürfen feine so rohen und I mechanischen mehr bleiben wie bisher. Verfolgt man diese ernsten Ziele bei der Neugestaltung der Wahlrechte, so kommt man ganz von selbst zu jener „organischen F-ortentwick- lung", von der in der ursprünglichen Thronrede von 1908, die die Wahlrechtsreform verhieß und sie als „eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart" bezeichnete, die Rede war. Niemand wird behaupten können, daß das feierliche Versprechen durch die endlich erschienene Gesetzesvorlage hinreichend erfüllt worden ist. Ihre Begründung vom Ministertisch war eine derartige, daß man erstaunt fragen muß, warum überhaupt etwas abgeändert werden soll. Die Rede des Ministerpräsidenten, so reich sie war an guten und tiefen Gedanken und kulturhistorischen Rück- und Ausblicken, las sich wie ein Plaidoyer für das Bestehende und wie eine Anklage gegen jede durchgreifende Reform. Organische Fortentwicklung" ist gleichbedeutend mit einem Ausbau der konstitutionellen Grundlagen des Staats, der den tiefgreifenden Veränderungen im Ge.el schaftskörper vernünftig und weitherzig Rechnung trägt und dabei sowohl das Sprung- und Launenhafte, wie das Zag- und Greisenhafte vermeidet. Unser ganzes Rechtsleben befindet sich in fortwährendem Fluß. Wie ist — um nur eines zu nennen — die Gesetzgebung der letzten Jahrzehnte mit sozialpolitischem Geiste durchtränkt worden, und wie mutig hat man mit Vorurteilen und doktrinären Anschauungen aufgeräumt! Warum soll das Gleiche nicht auch bei dem wichtigsten politischen Rechte einer Nation, dem Wahlrechte, der Fall jein, zumal wenn es sich um ein Land handelt, das mit Recht auf Grund einer glänzenden Geschichte die Führung im Reiche beansprucht? Man hüte sich, diesen Anspruch zu verscherzen. Man gebe ihm vielmehr neue Zugkraft. Die gerechte Beteiligung aller Klassen an der Legislative ist eine so selbstverständliche Forderung, ja ein so unabweisbares Gebot der Selbsterhaltung, daß sich ihm fein e>taat, mag er noch so stolz auf feine Vergangenheit fein, auf die Dauer entziehen kann. Seine Erfüllung isst geeignet, einen ruhigeren und friedlicheren Verlauf der staatlichen Entwicklung, in der die politischen Kraftäußernngen in gesunde Bahnen geleitet werden, zu sichern. Solche Zugeständnisse befördern nicht den Umsturz, sondern sie verhüten ihn. In allen Ländern, wo die Freude am organischen Fortschritt wirksam geblieber ist- hat das auf die Haltung der radikalen wie reaktionären Parteien wohltätig zurück- gewirkt. Man denke namentlich an Großbritannien, die Hochschule der politischen Erziehung und Reife. Auch unsere Verhältnisse im Reiche bieten mancherlei wertvolle Lehren. Die preußischen Sozialdemokraten sind andere als die süddeutschen, der sogenannte „Revisionismus" hat im Süden stärkere Wurzeln geschlagen als im Norden. Unzweifelhaft kann man die Klassengegensätze, unter denen wir so unerträglich leiden, durch staatsmännische Weisheit mildern. Diese Gegensätze wachsen und gehen zurück, je nach den politischen Privilegien der einzelnen Klassen. Wenn die große Masse der Wähler eine geheime Wahl wünscht, so kann sie ihr der Gesetzgeber nicht verweigern; und ebenso verfehlt wäre es, an einer Klasseneinteilung und Wahlkreisgeometrie festhalten zu wollen, die die Ereignisse eines halben Jahrhunderts einfach ignorieren. Theoretische wie taktische Gründe verbieten eine solche Haltung. Sie wäre eine Verblendung sondergleichen. Line Rede de; Reichskanzler;. Bei dem (im 2. Blatt erwähnten) Bankett des Deutschen Landwirtschaftsrates hielt Graf von Schwerin-Loewitz die Festrede, in der er ausführte, die Landwirtschaft werde von Jähr zu Jahr mehr ihrer Ausgabe gerecht, unser Volk selbständig zu ernähren. Was die Landwirtschaft erreicht habe, fei nicht auf Kosten anderer Erwerbsstände erreicht. Im vorigen Jahre sei Fürst Bülow, dessen hohe unvergeßliche Dienste um die Landwirtschaft nie vergeßen werden, aus dem Amte geschieden. Sein Nachfolger sei von Jagend auf mit dem Stande der Landwirtschaft verwachsen und habe ihm immer die lebhafteste Förderung zuteil werden lassen. Seine Berufung sei von der deutschen Landwirtschaft ausnahmslos mir'ber größten Freude begrüßt worden. Graf Schwerins Rede klang in ein Hoch auf den Kaiser, die Bundesfürsten und auf die freien Städte aus. Sodann hielt der Reichskanzler v. B e t h m a n n - Hollweg eine Rede, die nach dem amtlichen Wolfffchen Bureau lautet: Meine .Herren! Für die freundliche Begrüßung, die mir in Ihrem Kreise durch Ihren verehrten Herrn Präsidenten und durch den Herrn Vorredner zuteil wurde, bin ich aufrichtig dankbar. Es ist nicht das erstemal, daß eie mir gestatten, Ihr Gast zu fein, und wenn auch im Nebenamte, darf ich mich doch als Ihren Bcrufsgenvssen betrachten. Ich bitte aber, daraus lein besondercs Gewicht zu legen, dem: mein hochverdienter Herr Amtsrorgänger Fürst Bülow gehörte zu den .Kanzlern ohne Ar und Halm und hat sich doch um die deutsche Landwirtschaft Verdienste erworben, die ihm nie vergessen werden können und deren, zu meiner grasen Freude, Herr Graf Schwerin-Löwitz vorhin unter Ihrer allgemeinen Zustimmung mit Dank und Anerkennung gedachte. (Bravo!) Für die vom 'Fürsten Bismarck inangil- riertc und vom Fürsten Bulow fortgesetzte W i r t s ch a f t s p o l i- t i k bin ich in meinen bisherigen Aemtern so oft öffentlich eingetreten, daß es keiner Versicherung bedarf, daß ich an dieser Politik fest halten werde. (Bravo!) Graf Schwerin hat mit stecht hervor gehoben, daß diese Politik nicht nur den Interessen der Landwirtschaft, sondern audi denen von Gewerbe, Handel und Industrie dient. Einen der sMagendsten Beweise dafür erblicke ick darin, daß Deutschland die letzte große Wirtschaftskrisis ohne! wirklich gefährliche Erschütterungen überwunden hat und überwindet. (Beifall!) Aber, meine Herren, ich will nicht eigentlich von Politik reden, sondern mich freuen, unter solchen Landwirten weilen zu dürfen. Was der Landwirt in feinem Berns jahraus jahrein üben muß, Unverdrossenheit, Ausdauer und Geduld, ist mehr nötig wie das 1 tägliche Brvt. (Heiterkeit.) Zwischen Saat und Ernte liegt auch in der Politik eine lange Zeit und wer bei schlechtem Wetrer gleich! das Vertrauen verliert, der taugt zum Staatsmann so wenig wie zum Landwirt. All die .Hagelschauer der Kritik, die auf mich herniedersausen, machen mich nicht irre, wobei mir als Wetterschutz nicht so sehr der schon etwas abgetragene Mantel des Philosophen dient, den mir freundliche Mitmenschen immer wieder um die Schullern Rängen (Große Heiterkeit), als die Ueberzeugung, daß mir die Pflicht gegen Kaiser und Reich zu handeln gebietet, wie ich handele. (Lebhafter Beifall.) Vor Ihnen, meine Herren, die Sic aus allen Gauen unseres Vaterlandes, auch aus dem Süden, hier zusammcngckommen sind, betone ich aber besonders gern die Pflicht gegen das R eich. Sie wissen, um die Angriffe besonders sckwrf und verletzend zu machen, stempelt man mich zum preußischen Partiku- laristen und sagt mir Mißachtung deutschen Wesens zu. Ich wüßte nicht, wie ich deutscher denken tonnte, als wenn ich Preußens Berus, wie ich es neulich aussprach, darin erblicke, sich selbst- stark zu erhalten, dann aber seine Stärke in den Reichsdienst zu stellen. -Bravo?) Und wenn ich neben der Eigenart BatzernS, Schwabens und Sachsens auch die Preußens als berechtigt hinstelle, glaube ich, meine Herren, darin gerade von deutschen Landwirten richtig verstanden zu werden. (Sehr richtig!) Tenn am treuesten und zähesten hält an der Eigenart -einer Heimat und seines Stammes der beutfdje Bauer, der deutsche Landwirt scst, nie aber habe ich wahrgenommen, daß er sich in der Liebe zu unferin gemeinsamen Vaterlande von irgeiti) jemandem übertreffen ließe. (Bravo!) . . Möge es immer so bleiben, möge die deutsche Landwirtschaft dem deutschen Volke nicht nur Fleisch und Brot, sondern^ als edelste Gabe Männer barbringen, die gesund an Leib und i^eele über ihren eigenen berechtigten Wünschen und her Liebe zur engeren Heimat niemals die Pflichten gegen die Allgemeinheit und das große Vaterland vergessen. (Lebhafter Beifall.., ^ann totrb auch die Reichsregierung ihre Arbeit für das Wohl der Landwirt? schäft wie bisher mit Freudigkeit und voller Kraft in, dem Bewußtsein tun können, damit n i ch k agrarischen Sonder- i n t c r e s s e n sondern der G e s a m t h c i t unseres gesamten Volkskörpers zu dienen. (Bravo!' Die deutsche Landwirtschaft, ste blühe und gedeihe, sie lebe hoch! Die Rede ist sachlich erfreulich und in der Form gewandt und temperamentvoll. Die „Hagelschauer der Kritik" fürchtet Herr v. Bethmann-Hollweg niept, aber er erachtete es doch für angebracht, sich bei dieser Gelegenheit scharf dagegen zu wenden, daß man ihn zum preußischen Partikularisten habe stempeln wollen. In der Fürsorge für die deutsche Landwirtschaft will der Kanzler nicht hinter feinem Vorgänger! zurückstehen._______________________________ Die Nie-ermetzelung einer französischen Kolonne im Wadat-Gebiete. lieber den bereits gestern kurz mitgeteilteu Heber fall im Tschad-Gebiete erhalten wir von imfercm Parisey Mitarbeiter folgende Ergänzungen: Q Paris, 16. Februar. Die Niedermetzelung einer französischen Kolonne ink Tschad-Gebiete, bestehend aus einem .Hauptmann, zwei Leutnants, zwei europäischen und Mei eingeborenen Sergeanten, sechs eingeborenen Korporälen und einhundertzwei eilt- geborenen Tivailleurs, wird durch Privatdepeschen,gemeldet uiH im Kolonienministerium bestätigt. Tie den schwarzerr Fanatikern zum Opfer gefallenen Truppen bildeten die Besatzung von Abecher, der Hauptstadt des Sultanats^ Wadai, das durch das englisch-französische Abkommen vom Juni 1898 der französischen Eins luß- sphärezugewiesen wurde. Seit 1904 waren die französischen Truppen in jenes Gebiet eingedrungen, und nach zahlreichen Kämpfen gegen die Anhänger des Sultans Dud- murah gelang es im Juli v. I. dem Leutnant Bourreau^ mit nur 180 Mann, sich der Hauptstadt Abecher zu bemächtigen und Dudnrurah mit seinen 6000 Soldaten in die Flucht zu treiben. Bei dieser glänzenden Waffentat hatten die Franzosen nur sechzehn Verwundete und zwei Tote zu verzeichnen. Leutnant Bourrean proklamierte den Prinzen 2lzhl als Sultan und legte in Abecher ein verschanztes Lager an. Seither liefen aus der Gegend von Wadai fast gar keine Nachrichten mehr ein und die mit den Verhältnissen vertrauten Offiziere erklärten übereinstimmend, daß man in der beharrlichen Ruhe keineswegs eine Unterwerfung der Anhänger Dudmurahs erblicken dürfte. Nunmehr ist denn auch die erwartete Hiobspost eingetroffen, derzufolge eine französische Kompagnie von den Truppen Dudmurcchs- in Abia-Tauil im Majsalit^Gebiete, das an Wecher grenzt, in einen Hinterhalt gelockt und vollständig aufgerieben worden sei. Was die Kompagnie in jener Gegend zu tun hatte, weiß man noch nicht. Inzwischen wird ans Paris noch amtlich gemeldet: Paris, 16. Febr. Der Kvlonialministcr teilt mit: Dee Hauptmann Ti egen schuh, der in Abecher, der Hauptstadt von Wadai, stationstrt ist. unternahm Anfang Januar einen Erkundigungsmarsch nach M assalat: er hatte 109 Senegalschützen sowie eine Anzahl anderer Leute unter zwei Leutnants und einem Sergeanten. Der Hauptmann war im Vertrauen auf einen Brief, den er vom Sultan von Tagcdin erhalten hatte, der Ansicht, daß der Zug friedlich verlaufen würde. Die Kolonne wurde am 4. Januar unversehens in einem Hohlweg bei Abir Tauil, drei Tagemärsche südöstlich von Abecher, am Ueb Kadja, angegriffen. Der Feind, der hinter Felsen und Buschwerk versteckt war, vernichtete die Kolonnen beinahe, da sie sich nicht lvirksam verteidigen tonnte. Nur acht Schützen und einige andere Leute tonnten entfliehen. Sofort wurden Maßnahmen zur Verstärkung der Truppe vou Abecher getroffen, um die Sicherheit der Posten zu gewährleisten und der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse in Wadai zuvorzukommcm. Au; dem hessischen 8inauzau;schutz. R. B. Darmstadt, 16. Febr. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat sich heut in Gegenwart der Herren Finanzminister Dr. G n a u t h , Geheimrat Frhr. v. Biegeleben und Geh. Oberbaurat Jmroth eingehend mit dem vom Ab^. Dr. Winkler-Oppenheim zu Kap. 140 Tit. des staats» HmlSbakkv tteim Bauwesen des Ministeriums der Finanzen, Territorial, Fluß nnb Dammbau gestellten Antrag beschäf- tigt, her dahin geht, die angeforderten 400 000 Mark als zweite Rate für die D am m v c rbesserun g en in den ^Gemarkungen Guntersblum, Ludwigshöhe, Dienheim und Oppenheim einschließlich der Dammverlegung zu streichen unb die Regierung zu ersuchen, den Ständen über diese Angelegenheit eine besondere Borlage zu machen, die Regierung >ruch zu ersuchen, vor Erledigung dieses Antrags die bereits bewilligte erste Rate nickt anzugreifen, sondern die geplanten Arbeiten vorerst zu unterlassen. Zuerst legte Geh. Öderbaurat Jmroth ausführlich unter Erläuterung von Plänen und Karten die projektierten Dammbauvcrbesse- rungen und die sonst zur Regulierung des Rheinstromes in jener Gegend geplanten Aeuderungen dar. Dann entwickelte Abg. Dr. Winkler, der zu den Beratungen eingeladen worden war, seine Bedenken gegen die Vorschläge der Regierung, indem er darauf hinwies, daß diese nickt den Wünschen der beteiligten (Gemeinden entsprächen und diese daher einstimmig die Stellung des Geländes und die Zahlung von Beiträgen abgelehnt hätten. Der Antragsteller wies dabei besonders auf die Unzweckmäßigkeit der geplanten Dammver'besserung zwischen Oppenheim und Guntersblum und ein darüber von den Gemeinden zur Verfügung gestelltes Gutachten hin, sowie auf ein Urteil der Regierung zur Untersuchung der Rheinstromverhältnisse, wonach eine Erweiterung des Hochflutprosils des Rheins an keinem Punkte für unbedingt notwendig erachtet wird. Abg. Mo lthan betonte, daß es sich hier nicht um lokale Wünsche handle, sondern um wirklich begründete Anstände gegen die Pläne der Regierung. Er sei aber zu wenig sachverständig, um ein endgültiges Urteil darüber äbgeben zu können. Finanzministcr Gnauth hält es bei dieser Sachlage für richtig, wenn ein Obergutachten von kompetenten Sachverständigen eingeholt und erst nach dessen Einholung die zur Verfügung zu stellenden Mittel verwendet werden. Abg. Reinhart hält ein Obergutachten nicht für erforderlich und will die Pläne der Regierung mit Rücksicht auf die notwendige schleunige Vorbeugung gegen Ueberschwemmungen alsbald durchgeführt wissen. Abg. Brauer fragt an, ob die Kosten für die neue Begutachtung nicht zum entsprechenden Teil von den interessierten Gemeinden getragen werden sollten. Abg. Dr. Osann ist bei dem Streit der beteiligten Gemeinden und der Regierung der Auffassung, daß die Einholung eines Obergutachtens sachverständiger Personen erforderlich sei und bis dahin weitere Arbeiten nicht vorgeuommen werden sollten. Dringend erforderlich sei aber, daß angesichts der großen Gefahr dies Gutachten möglichst bald erpactet werde. Abg. Dr. Winkler, der ein neues Gutachten für nicht erforderlich erachtet, stimmt schließlich dem Vorschlag zu und befürwortet einen Antrag, daß die zur Verfügung gestellten Gelder erst nach Eingang des Obergutachtens verwendet werden sollen. D^r Ausschuß, beschließt dementsprechend und bestimmt, daß als Obergutachter je ein hervorragender Wasserbau- technikcr aus Baden, Preußen unb der Pfalz herangezogen werden sollen. lieber die Behandlung der Vorschläge des Finanzausschusses der ersten Kammer zur Herbeiführung von Ersparnissen im Staatshaushalt für 1910 fand dann eine längere Gefchästsordnungsaussprache statt, worauf beschlossen wurde, darüber in der am Donnerstag, den 24. Februar, vormittags 9 Uhr, stattfindendcn gemeinsamen Sitzung zu beraten, die zugleich verfassungsmäßig bei Fertigstellung des Haushaltes im Finanzausschuß der zweiten Kammer zu erfolgen hat. Es kamen dann weiter noch die Berichte des Abg. Mo lthan über die von ihm bearbeiteten Haushaltskapitel zur Verlesuug. Der Ausschuß hält am Freitag vormittag wieder eine gemeinsame Sitzung mit der Regierung ab. Am Nachmittag erfolgt alsdann eine Fahrt nach Friedberg und Bad-Nauheim zur Vornahme von Besichtigungen für verschiedene im Haushalt angeforderte Bauausführungen. Die Arbeitsverteilung im Reichstag. M Berlin, 16. Februar. Es besteht die Mficht, die zur zweiten Beratung des Haushalts des Reichsamts des Innern gestellten Entschließungen, die sehr zahlreich find, bei der Beratung dieses Haushalts vorläufig zurückzustellen, um diesen bis zum 26. Februar fertigstellen können. Für den Rest der Etatsberatung stehen alsdann noch 11 bis 12 Sitzungen zur Verfügung, in der dritten Märzwoche soll die dritte .Haushaltslesung zur Erledigung kommen. Die Osterferien werden vom 19. März bis 5. April währen. Falls dem Reichstage noch bis Anfang März Vorlage:: zugehen, sollen sie, abgesehen von der Reichsversicherungsordnung, noch in erster Lesung beraten und Ausschüssen überwiesen werden. Die Stimmung geht dahin, die Verraguug möglichst frühzeitig, vielleicht schon vor Himmelfahrt, eintreten zu lassen. Die sozialdemokratische Reich s tag s frak- t i o n hat eine Anfrage eingebracht, in der der Reichskanzler gefragt wird, was ihn veranlaßt habe, in der Sitzung vom 10. Februar im preußischen Abgeordnetenhaus Aeußerungeu zu tun, die geeignet sind, das Reichstags- Wahlrecht hcrabzusetzen und zu bedrohen. Die deutsch - kanadischen ksanöelsbeziehunqen Berlin, 16. Febr. Seit einiger Zeit fanden zwischen dem kaiserlichen Konsul in Montreal und bem kanadischen Finanzminister Fielding Besprechungen statt wegen Beilegung des deutschkanadischen Z o l l k o n f l i k t e s. Infolgedessen wurde gestern eine V e r st ä n digung erzielt, daß Kanada vom 1. März ab gegen Gewährung von 25 Sätzen des deutschen Konventionaltarifs seit 1903 die von deutschen Erzeugnissen in Kanada erhobene Surtare von 33*/s Prozent am hebt Diese Verständigung ist eine provisorische und dazu bestimmt, ein Zustandekommen des Handelsvertrages anzubahnen. Dement sprechend» ist in der Vereinbarung beiden Teilen das Recht Vorbehalten, von ihr zurückzutreten, falls nicht in angemessener Zeit der Provisor sichen Verständigung ein definitiver Vertrag folgt Die deutscherseits Kanada em geräumten Vertragssätze betreuen iolgende Gegenstände: Getreide außer Roggen, Klee- und Grassaat, Obst, Holz, Pferde, Rindvieh, Schafe, Fletsch, ausgenommen Sveck, Hummer, Schmalz, Mehl, kondensierte Milch, Kalziumkarbid, Holzgeist, Leder, Schuhe, Holzmassen unb Pappen. Die bestehenden Veterinär- und sanitätspolizeilichen Bestimmungen werden durch dir Ermäßigung der Zollsätze selbstverständlich in keiner Weise berührt. Deutsches tteicb. Staatssekretär Kraetke hatte für Mittwoch abend £11 einem Vortrag von Geh. Rat Strecker über den derzeitigen Stand der drahtlosen Telegraphie nach dem Rcichspostmuseum eingeladen. Jn^ einem fast zwei stündigen Vortrag entwickelte Geh. Rat Strecker den Stand der drahtlosen Telegraphie und lllustrierte seine Ausfüh rungen durch sehr gelungene Erpcrimcnte. Es wurden auch drahtlose Verbindungen mit der Station Schöneberg und zum Schluß des Vortrags mit der Station Norddeich hergestellt. An den Vortrag schloß sich ein Empfang in den Räumen des Staatssekretärs, der die Gäste noch lange Zeit zusammen stielt. Die „Norbd. Allg. Ztg." schreibt: Nachdem der Bunde s r a t zur Frage der Schiffahrtsabgaben Stellung genommen hat, wird der voraussichtliche weitere Verlauf dieser Angelegenheit in einem Teil der ausländischen Presse lebhaft erörtert. Dabei begegnen wir Ausführungen, die von der Vorstellung ausgehen, baß die Reichsregierung zu einer einseitigen Lösung der Frage ohne Rücksicht auf bestehende Verträge mit ausländischen Staaten greifen könnte. Derartige Vorstellungen sind irrig. Bei der weiteren Behandlung der Schiffahrtsabgabenfrage ist nur der Weg freundschaftlicher Verständigung gangbar. Tie konjcrvative Fraktion des preuß. Abgeordnetenhauses beantragt, die Geschäftsordnung des Hauses der Abgeordneten dahin zu ändern, daß wirksame Bestimmungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Hauses und zur Einschränkung von Reden, toelche die Zeit des Hauses ungebührlich in Anspruch nehmen, getroffen werden. Ihuldnö. Eine Abordnung von französischen Parlamentariern unter Führung des Deputierten Destournell'es de Constant begab sich am Mittwoch nachmittag zum Besuch russischer Parlamentarier nach Petersburg. Der Berl. Lok.-Anz. meldet aus Petersburg: Der Kohlen-Gvoßindustrielle und Millionär Michael Wolinsky wurde wegen großer Bestechungen beim Ankäufe von Kohlenbergwerken verhaftet; er kaufte angeblich Kloster- ländereien, deren reeller Wert drei Millionen Rubel betrug für 60 000 Rubel. Zwei Ingenieure, ein Klostervorsteher und mehrere Priester wurden gleichfalls verhaftet. . Die Mitglieder der Londoner Handelskammer hielten um Mittwoch nachmittag eine Sitzung ab, in der über die Bildung einer deutschen Abteilung der Kammer verhandelt wurde. Schließlich wurde eine Entschließung angenommen, in der die Errichtung einer deutschen Abteilung dringend befürwortet wird. Ferner wurde einem Antrag zugestimmt, ein Organisationskomitee zu bilden zur Festsetzung der Aufgaben der Abteilung. Der schwedische Reichstagsausschuß empfahl die Annahme der Regierungsvorlage über die Verlängerung des augenblicklich geltenden Handelstraktats zwischen Schweden und De u t s ch l a n d bis zum 1. Dez. 1911. Die japanische Regierung setzte die ch inesi sch e davon in Kenntnis, daß sie gegen den Bau der Eisenbahn von Tschintschou nach Aigun nichts einzuwenden habe, falls Japan am Bau, an der Finanzierung und an der Material-Lieferung für die Bahn beteiligt sein wende und das Recht erhalte, japanische Ingenieure für den Bahnbau zu ernennen. Einzelheiten über die Beteiligung Japans sollen nach Japans Vorschlag in näheren Besprechungen mit der chinesischen Regierung festgesetzt werdeu. Aus Stadt und Land. Gießen, 17. Februar 1910. ** Tageskalender für Donnerstag, 17. Febr., Akab. Dürerbund ■ Rezitationsadenb von Frau A. Bering (Vocarno): Di h ungen von Heinrich von Stein. (Zum Beilen des Leseballeuvt! ein. Abends 8 Uhr im .Großherzog von Hessen". Vortrag mit Lichtbildern von Missionar Gscll: Das Christentum unter den 9laturöölfern. Abends 81/- Uhr tin großen Hörsaal der Universität. * ** Ordensangelegenheiten. Der Großherzog hat dem vortragenden Rat im Preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten Geh. Ob erregter ungsrat. Welcker zu Ha.ensee bei Berlin die Genehmigung zur Annahme und zum Tragen des itzm vom König von Preußen verliehenen Roten Adlerordens 2. Klasse und dem Regierungs- und Baurat Hch. Simon zu Worms die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihni vom König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse erteilt. 91 u § dem Militär - Wochenblatt. Der König von Preußen hat dem Prinzen Leopold zu Isenburg unb Büdingen-Birstein die Erlaubnis zur Anlegung be§ GroßkreuzeS be§ Herzog!. Sachsen-Erneüinischen Hausordens erteilt. — Zur Theilnahme am zweiten (84.) Lehrgang wurde Major und 9lbteilungskommandeur v. ChriSmar vom 2. Hess. Feld-9lrt.-Regt. Nr. 61 zur Feld-Artillerie-S chieß- schule kommandiert. * * Der hessischen Landes Hypothekenbank wurde vom Finanzministerium die Erlaubnis zur Ausgabe von vierprozentigen Hypotheken-Pfandbriefen im Gesamtbeträge von 30 Millionen Mark gegeben. '"'Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Schulverwalter an der höheren und erweiterten Mädchenschule zu Gießen Gust. Wagner zum Reallehrer an dieser Schule unter Belassung in der Kategorie der Voltsschullehrer. —. Erledigt sind: Zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeinbeschule zu Viernheim. Eine mit einem coang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu B e r st a d t. * * B 0 r us sstati!st i T. In dcu „Mitteilungen der Zentralstelle für die Landesstatyllk" findet sich eine Anstellung über die Berafsbevölterung Hessens in den Jahren 1882, 1895 und 1907. Während die meisten wichtigeren Berussirrten eine ununterbrochene, zum Teil sehr beträchtliche Steigerung ihrer Angchörigenzahl aufweisen, macht sich im Handwerk bei den Grob-(Hus-)Schmieden ein gewisser Stillstand bemerkbar, was aus den Zahlen 10 004 für 1882, 10 010 für 1895 und 10186 für 1907 hcrvorgeht Aehnlich steht es bei den Zimmerern (11332, 11 199, 12099). In einem Handwerk ist sogar ein beträchtlicher Rückgang seiner Dertreterzahl festzustolleu, nämlich in dem der Schuhmacher. Während er 1882 noch 31434 Angehörige zählte, sant diese Zahl im Jahre 1895 auf 26 716 und 1907 auf 23 419. Verhältnismäßig weniger ist von diesem Rückgang die Stadt Darmstadt berührt (1882: 1585, 1895: 1617, 1907: 1463). Eine Abnahme ist in allen Kreisen des Landes zu bemerken mit Ausnahme von Offenbach, wo die Schuhindustrie in lebhaftem Aufblühen -begriffen ist. Zählte doch die Stadl Offenbach im Jahre 1882 1358, 1907 dagegen 2917 Angehörige dieses Handwerks und auch im Landkreise stieg deren Zahl in den letzten 12 Jahren um volle 600. " D i e G e s ch ä f t s st e l l e des Q b e r h c s s i s ch c n O b st b a u v c r e i n s schreibt uns: Am Samstag den 12. ds fand in Gießen eine Ausschußsitzung unter bem Borsit des Grafen Oriola statt, an welcher u. a. die Kreisräte Geheimrat Schönfeld-Schotten und Hölzinger-Alsfeld teil nahmen. Als Vertreter des Landwirtschaftskammer-Aus schufses für Oberhessen nahm Sekretär Schwarz teil. Nack, eingehender Verhandlung des Punktes 1 der Tagesordnung: „Ausscheiden des Kreises Büdingen aus dem Oberhessiscken Obstbauverein", wurden folgende Beschlüße gefaßte 1. Der Ausschuß bedauert die Stellungnahme Des Kreises Büdingen und die Bildung eines selbständigen Obstbauvereins im Kreise Büdingen. Er erachtet das Verhalten der Geschäfte" stelle im allgemeinen für gerechtfertigt und kann in dein - selben feinen Grund für das schroffe Vorgehen des Kreises Büdingen erkennen. 2. Das Fortbestehen des Oberhessische/ Obstbauvereins als Verein für die ganze Provinz er achtet er für dringend geboten und erklärt, daß diejenigen Mitglieder des Vereins, welche im Kreise Büdingen wohnen- nach wie vor voll bei den Veranstaltungen des Vereins berücksichtigt werden sollen. Alle Versammlungen und Veranstaltungen, welche vom Oberhessischen Obstbauverein aus- gehen, werden in den Zeitungen unter der Flagge: „Ober- hessischer Obstbauverein" veröffentlicht, luorctuf wir unsere Mitglieder besonders aufmerksam machen. * • Die Gesellschaft für soziale Reform ersucht unS, mitzuteilen, daß die für Samstag, 19. Febr., vorgesehene Versammlung in Frankfurt a. M. ivegen Verhinderung des Beigeordn. Regierungsrat Doniinicus-Straßburg, der einen Vortrag halten sollte, nicht stattfinden kann. • • Oberhessischer Geschichtsverein. Die gestern abend vom Oberhessischen Geschichtsverein nach dem Cafe Ebel einberufene Sitzung erfreute sich eines so starken Besuches, daß der Saal des Hauses kaum auSreichtc. Professoc Dr. Roloff sprach über Napoleon I. Er gab in großen Zügen ein Bild über die Beweggründe der Handlungen des Kaisers. Er ließ dabei Napoleon volle Gerechtigkeit nüber- tahren und rühmte ihm nach, daß er seine Siege immer nut insoweit ausnützte, wie es seine Zwecke erheischten. Der Redner führte aus, daß Napoleon besonders in Italien und Deutschland erst die Bedingungen geschaffen unb vorbereitet hat, aus denen heraus die Einigung als moderne Kulturstaaten erfolgen konnte. Der überaus interessante Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. '* Von der Straßenbahn. Vom l.—15. Febr. wurden 46 320 Personen befördert, darunter 694 städtische und 532 Postbeamte, die während des Dienstes die Bahn benutzten. Im Durchschnitt betrug die Frequenz täglich 3080 Personen. Von der Gesamtzahl der Fahrgäste benutzten die rote Linie (Seltersweg) 27 398 und die grüne Linie (Bahnhofstraße) 18822 Personen. Tie Einuahnieu stellen sich auf 4477.56 Mk., davon entfallen aus die rote Linie 2654.62 Mk., auf die grüne Linie 1822.94 Mk. Fahrmarken werden etwa zu einem Viertel benutzt. ** Stadttheater. Für die „Salome" Ausführungen hat die Direktion wiederum neue Dekorationen 'beschafft, die aus dem Atelier von Professor Lütke m et) er in Koburg stammen. Diese Dekorationen sind zum Teil plastisch und versprechen ein äußerst wirkungsvolles Bühnenbild. — Oskar Blumenthals neuer Einakter „Der schlechte Ruf", der sich hier an „Salome" anschließt, hat dieser Tage im Wiesbadener Hoftheater eine sehr beifällige Aufnahme gefunden; die Franks. Ztg. rühmt das Graziöse und den feinen Witz des Rokokofckerzes. Unsere Bühne gehört wiederum zu den ersten, die die Novität aus führen. — Hermann Bahrs Lustspiel „DaS Konzert" ist noch für März in Vorbereitung. * * Das Vorlesungsverzeichnis der Landes- Universität für das Sommersemester 1910 ist erschienen und für 20 Pfg. zu haben. Der Beginn der Immatrikulationen isi auf den 18. April festgesetzt, während die Vorlesungen mit 25. April beginnen. Die Ortsgruppe Gießen des Deutsch' nationalen Handlunqsgchilfenvcrbandes hatte gestern im Saale des Hotel Einhorn einen Lichtbilder- 0 ort rag veranstaltet, der gut besucht war. Der Vortrag behandelte die vorjährige Studien- unb Ferienfahrt bes Verbandes nach Dänemark und den deutschen Ostseehäfen. Herr Karl Wei big, Mitglied der Gießener Ortsgruppe, ein Teilnehmer an der Fahrt, führte die Mitglieder und Gäste im Geiste über Stettin nach Dänemark, nach einigen schwedischen Küitenstädtcn und dann wieder nach Deutschland zurück. Den Schluß seines mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrages bildete der Besuch Hamburgs, seiner Häfenanlagen und seiner Umgebung. * • Dicbsta h l. AuS einem Keller in der West-Anlage wurden in verflossener Nacht mittelst Einsleigens durch ein unverschlossenes Fenster eine Anzahl Flaschen mit eingemachten Früchten, Heidelbeeren, Himbeersaft rc. fowic ein Quantum Kartoffeln und Gemüse gestohlen. * * Krieger-Verein Gießen Die am 15. Februar int Vereinslokal zum Löwen obgehciltenc H a u p t v c r s a m m lung war nnßerorbentlich stark besucht. Ter 1. Vorsitzende, Hauptmann der Landw.-Jnf. Gabriel, begrüßte bic Erschienenen. Aus bem von Rechner Dort, ber int 24. Jahre bas Rcchner- amt versieht, erstatteten Kassebericht fei entnommen, baß bas bare Vereinsverinügen 4211,26 Mk. beträgt. Die Einnahme betrug 2231,02 Mk, bic Ausgabe bagrgen 2151,68 Mk. Nach bem vorn 1. Schriftführer Modus erstatteten Jahresbericht zahlte ber Verein 378 orbeickliche unb 18 Ehrenmitglieder. 6 Mitglieder sind im abgelauicnen Jahre verstorben, 22 wurden neu ausgenommen. Weiter war in dem Bericht mitgeteilt, daß zu Elirenmitglicberit Landgcrichtsrat Wiener unb Kaufmann Eberhard Dort ernannt und dem Ehrenmitglied Postsekretär Mever in Anerkennung seiner 25 jährigen Tätigkeit im Präsidium bas Bild der Kaiservroklamation mit entsprechender Widmung von bem Präsibium ber Hassta überreicht mürbe. Aw 1 Mitglieder würben Unterstützungen gewährt. Der Verein beteiligte sich an ber Feier bes 18. August unb feierte besonbers auch bete eebmv je ft. Ebenso würbig würbe ber Geburtstag unseres Großherzogs im Vereinslokal gefeiert, während ber Geburtstag bes Kaisers in Verbindung mit dem totiitungdfeftc schlich begangen wurde. Ter Voranschlag für 1910 schließt mit 1840 Mk. in Einnahme und Ausgabe. — Hungen, 16. Febr. Die hiesige Gewerkschaft Friedrich ist mit dem Braunko h len-Berg werk Friedrich 1 in öen Gemarkungen Obbornhofen unb Bellersheim bestehen worben. ? Hungen, 16. Febr. Der aus Schotten gebürtige Konrad Günther, ber vor ca. 14 Tagen im Löb'ichen Geschiffte hier inen falschen H nndertmarkschein in betrügerischer Absicht oerausg abte, würbe in ber heutigen Schöffengerichts ätzimg zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, wovon 14 Tage lstckersuchungshaft in Abrechnung kommen. — Butzbach, 16. Febr. Das 1. Bataillon Ins - Regts. Nr. 168 beabsichtigt von: 16. bis 19. und vom 23. bis 26. d. Mts. im Gelände Hoch-Weisel — M ü n st er < Sck)ußrichtung von Höhe 294 zwischen den vorgenannten. c-iben Orten gegen den HauS- und Brüter Berg gefechts- iLißiges Schießen mit scharfer Munition ai zut alten. Tas Ochießen findet von Sy? norm, bis 4 nackm. ftatr. Für den Verkehr gesperrt sind während des Schießens bic Wege: äoch-Weisel — Hausberg, Münster — Lochmühle Jsseltal (am Westabhang des Brüler Berges führend) und die awl SWostxrvtzalig des HcnrS- und Brüler )8erge£ füchrerrden Woge = Friedberg, 16. Febr. Für die Bcjucher der Vaterland i > ch c n F c ft s Piel c Barbarossas Erwache n, von auswärts sind die von dem Ausschuß vorgesehenen Vorstellungen uumnehr festgesetzt: Freitag, 25. Febr.: iiody.n. 3 Uhr auswärtige Fäulen; abends 8 Ulir iiir Friedberg mib Umgegend, ^amstag, 26. Febr.: nachnr. 3 Ul r Schulen aus Friedberg: abends 8 Uhr für Besucher, die die Lahnstrecte (Dienen-Friedberg benützen. Sonntags 27. Fcbr.: nachm. 3',. Uhr besonders für Vereine und Besucher, rie an keiner Bahnstrecke liegen oder mit den Abeirdzügen den! Anschluß nicht mehr rechtzeitig erreichen können; abends 8 Uhr für Friedberg und Umgegend. Montag, 28. Febr.: nachm. 2- 2 Uhr für Lehranstalten: abends 7Vs Uhr iiir Besucher, die zur Rückfahrt die Bahnstrecke Tricdberg-Frairkftrrt benü^en. Diens- rag, 1. März: nachm. 3 Uhr für Schulen aus Friedberg und Umgegend: abends 8 Uhr für Friedberg und Umgegend. Mitt- ivvcb, 2. März: abends 6' 2 Uhr für Besucher, die zur Rückfahrt die Bahnstrecke Friedberg-Homburg benützen. Äoimcrstag.Z. März: abenls 7 Uhr für Besucher, die die Bahnstrecke Friedberg Lianau zur Rückfahrt benützen. Freitag, 4. März: abends 8V? Uhr besonders für Besucher und Vereine, die zur Rückfahrt die Vah>r- ficcdc Friedberg-Hungen benützen. Samstag, 5. März: nachm. 3 Uhr Schülervorstellung: abends 8 Uhr für Friedberg und Um- gegend. Sonntag, 6. Vtärz: nachm. 3 Uhr für Friedberg ultb Umgegend: abends 8 Uhr besonders für Besucher und Vereine, die die Bahnstrecke Friedberg-Nidda benützen. — WorinS, 16. Febr. In der gestrigen Sitzung der SLadtverordneten-Versanimlung wurde beschlossen, als Ersatz für daS am 1. April sortfallcnde Oktroi auf Lebensmittel die Sch lachtgcb (ihren und das Marktstandgcld zu erhöhen. Die Erhöhung der Theater-Eintrittspreise wurde an die Kommission zurückverwiesen. Auch daS Schulgeld an der höh. Mädchenschule wurde erhöht. Der Ausfall an Oktroi beläuft sich auf 100 000 Mk., wovon 21 000 Mk. durch die Besitztvechselabqabe gedeckt sind._________________________________ Universitäts-Nachrichten. Marburg, 16. Febr. Dr. med. A. Bauereisen habi- hticü sich in der hiesigen medizinischen Fakultät durch eine am 19. Febr. stattfindcnde Antrittsvorlesung über „Die Aetio- Logic der Eklampsie im Lichte moderner Hypothesen". Hk. Berufung. Dr. Wall r Knoche in Berlin ist als Direktor des neu begründeten Meteorologisch-Geophhfikalischen Zentralinstitnts von Chile uitb zugleich als ordentlicher Pro- sessor für Meteorologie an der Staatsutuoersität in Santiago berufen worden. Es -oll vor allem die Grundlage für, eine Klimatologie Chiles gcidniifen werden und dem Studium luftclck trVd'er Verhältnisse Aufmerksamkeit zugewandt lvcrden. Später ist auch Wetterdienst und wissenschaftliche Lustsehiffahrt geplant. <&cr8cbteimU- Stuttgart, 16. Febr. Das Schwurgericht hat den Gemeind epf leger Schweizer von Gerlingen bei Leonberg wegen Unterschlagung von 34000 Marl Gemeindcgelder zu 4 Fahren Gefängnis verurteilt. Halle a. d. S., 16. Febr. In der heutigen Schlußverhand- lung über die S t r a st e n k r a w alle i u H e t t st e d t während des Ausstandes im Bergbaurevier wurden die Angeklagten zu Gefängnisstrafen von einem Jahr bis zu 6 Monatmr verurteilt und zwar sämtlich wegen gualisizicrteir Landfriedensbruchs, einer außerdem wegen Beamtenbeleidiguirg und ein anderer wegen ver- suchter Nötigung. LMchiffahrt. In Sturm und Schnee. .Er a g 0 r 0 c (Norwegen), 16. Febr. Aus Graugedal wird gemeldet: 9tod) gefährlicher Fahrt.über die See sind hier int Walde zwei Dr e s dauer L u f r s ch i s s e r, die Herren H. Rudolph und M. Donath, unter großen Schwierigkeiten gc(anbet. Sie waren gestern morgen gegen 7 Uhr bei Tresdeit ausgestiegen, hatten Berlin um 8 Uhr vormittags und Rügen um 51 > Uhr nachmittags passiert und waren um 10 Uhr' abends nach Kopenhagen gekommen. Bon^cinem furchtbaren Schneesturm lvnrden sie bann über das Slager- rag und Kattegat getrieben. Um 4 Uhr morgens befanden sie sich wieder über dem Festland von Norwegen. Sie brachten den Ballon sofort zum Fallen. Tie Landung erfolgte Mit großer Heftigkeit. Der Ballonführer Rudolph soll eine Rippe gebfüdven hüben. Der Begleiter soll am Rücken und an den Hüften schwer verletzt sein, doch ifi] das Leben beider außer Gefahr. Kleine Tageschronik. Wie aus B v it n gemeldet wird, wurde durch e i N st i m m i g e n Beschluß das Akademischen Senats die Mitte November verhängte S u s p e n s i 0 it des Kvrps Borussia am 28. Februar aufge- hobcn. Der Schriftsteller Hermann H e iber g ist gestern in Schleswig gestorben. Die int Longental gelegene dreistöckige Nürnberger Hütte Miede durch eine Windlawine vollständig zerstört. Die StadtHeidelberg, der Heidelberger Sch lost verein und der Deutsche Bund gegen den Wiederaufbau des Heidelberger Schlosses haben eine Eingabe an die Mitglieder der beiden badischen Kammern gerichtet, worin sie diese ersuchen, dem Plan der Regierung, das Heidelberger Schloß wieder ausbauen 311 lasten, die Genehmigung zu versagen. Die Seine ist in den letzten 24 Stunden um 15 Zentimeter gestiegen. In Verona wurden während der Besuchsstunde aus düm Museum sechs wertvolle Bilder gestohlen. Märkte. th. Gießen, 16. Febr. Der gestrige R in d v ie h m a r k t hatte einen Austrieb von zirka 1451 Stück Rindvieh, darunter etwa 300 Kälber. Der Markt war außerordentlich stark aus Baden, vom Main, Rhein, von der Nahe, der Motel, sowie aus der Provinz von Käufern besucht, so daß der Handel sofort recht flott Ivar. Auffällig war wieder die gute Kauflust für Milch- wäre, wgar aus den Kreisen Alsfeld und Biedenkopf, die starke Produktionsgebiete für Milchkühe sind. Die Einkäufer aus dieser Gegend erklären, daß sich dort auch der kleine Landwirt weniger auf Viehzucht, sondern mehr und mehr auf die lohnendere Milsb-- Produktion verlegt und zur Haltung der für diesen Zweck vor- teilhastcn friesischen Rmdviehrassc übergeht. Infolge der starken Nachfrage nach Milch und Milchprodukten und der gleichzeittgen Preissteigerung dafür macht sich auf cfllen Zuchtoiehmärkten ein Steigen der Preise für srischmeltendc Ware bemerkbar, so daß gute Milchttere mit hohen Preisen bezahlt werden müssen, was bei der ftarfeit Nachfrage auf unserem letzten Markt sich auffälliger bemerkbar utachte als bei bett früheren Märkten. Auch der Handel in fetter Ware ging recht flott. Gute Rinder wurden für. Frankfurt a. M. stark angekauft uitd bester bezahlt als sonst, während die mittleren Tiere in der Provinz Nehmer fanben. Das Geschäft in fetten Kühen konnte eine Preissteigerung um cct. 3 Mk. ber Zentner verzeichnen, weil sogenannte, Wurstkuhc nicht vorhanden waren und der Bedarf für die Wurstfabrikatiou in besserer Qualität gedeckt werden mußte. Der Kälbermarkt zeitigte die letzten hohen Preise. Wiesbadener Einkäufer machten allein beit Markt und kauften ohne lange Wahl große Partien Ware zusammen. Junge Rinder und Stiere für Mast- und Zuchtzwecke waren stark gesucht, aber nur in wenigen Stücken an- getrieben. Fahrvich, das nur in guten Mittelochsen aufgcsahren war, fand zu verhältnismäßig guten Preisen beanem Abnehmer und wurde nach dem Westerwald hin verkauft. Der Markt war früh zu Ende und war fast gänzlich geräumt. Bezahlt wurden für das Stück' stich melkende und tragende Kühe 1. Qual. 470 bis 540 Mk. (einzelne Stücke bis 560 Mk.), 2. Qual. 400—450 Mk., 3. Qual. 300 bis 375 Mk. Gehandelt wurde der Zentner Schlachtgewicht fette Rinder 1. Qual. 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 67 bis 70 Mk., feite Kühe 1. Qual. 62 bis 65 Mk., 2. Qual. 58—61 Mk., 3. Qual. 52 bis 55 Ml'. Kälber 1. Qual. 78—84 Mk. (einzelne Stücke bis 87 Alk.), 2. Qual. 68 bis 76 Mk., 3. Qual. 57 bis 65 Mk. Gangochfeu wurden, wie sie ani Markt waren, von 900 bis 1000 Mk. pro Paar abgegeben. Die Preise für fette Ochsen haben in ber toegenb in den letzten Dogen um 1 Mk. für den Zentner angezagen und betragen 74—76 Mk. — Der nächste Markt ist am 8. und 9. März. Allgemeine Wetterlage seit Mittwoch früh: Bei Schottland ist rasch ein intensiver Sturmwirbel erschienen, ber ostwärts verbringt und die Witterung Deutschlands beeinflußt. Bei bis zur Sturm auffrischendem Si'idivesl sind stärkere Regenfälle in Aussicht . Wettcraussichten in Hessen am Freitag dein 18. Februar 1910: Stürmischer Südwest, Regenfätle, aiich im Gebirge Tauwelter. Originai-DrahtnieLdungen. Der Uebersall im Wadailande. Baris, 17. Febr. Hier herrschen Befürchtungen, daß der U c b c r f a l l i in W a d a i l c? n d ernste Folgen itad) sich ziehen wird. Ser „Eclair" fordert, baß sofort di« Mätt«l zm' Aufstellung von 20 000 Seniaqalscüützen aufgestellt irtürfsat, bo sonst die .Gefahr bestehe, daß Fran kreid' in beit nächsten 90 Jahrein seine sämtlichen afrikanischen Bcsitzmigcn verliert. Paris, 16. Febr. In ber Deputi e r t c n kam in c r befragte nn Lause der Mchnnttagssitzimg Abigarb (Republikaners ben Kvl-onialminister wegen brr Niedermctzelung ber französstck»cn Trupvenabteilung im Wadailande. Der Minister wiederholte bit von ihm ber Ocffentlichknt bereits gemachten Mitteilungen uuÄ fügte hinzu, es habe sich nicht um eine abcuteuervich« Expedition gehandelt, s-onbcrn um einen Nlarsch in bas Innere innerhalb ber sranzösifckxm Grenzen. Der Minister sprach' bauit beit Familien ber Gefallenen das Beileid der Kammer und der Regierung aus und rorbmete ben für das Vaterland gefallenes Offizieren und Soldaten Worte höchster Anerkennung. (Leblwfter Beifall.) Der Präsident der Kämmer, Brisson, schloß sich ben? Worten des Ministers an. 9 ♦ Touliou . 17. Febr. Bei Torpedo-- Sch icßübungeu sch.'5 die Revubliguc die Patrie unter ber Wasserlinie an, so daß ein leichtes Leck entstand. Bei einem Umretter ist das Torpedoboot 9r. fcmnwald’s Kectiiol-Dragees 3)tit guten Erfolgen angewandt bet allen Katarrhen des Rarncns und des Kehlkopfes. SchuuNel Mk. 1—. Berkaufsstelle: 11.60 Pelikan Avothcke, Kreuzplatz 2. Die Beerdigung findet Samstag, 19. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause, Bachstrasse, aus statt. 1026 Heuchelheim, den 17. Februar 1910. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat. meinen lieben Mann, unseren guten Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herra Loben nach kurzem Krankenlager im Alter von 62 Jahren heute morgen in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen. Recentirwl beftbewährtes, geruchloses, staub- bindendes Fußbödeuöl,- für jeden Boden- und Treppenbelag. In 2—3 Wochen kein nasses Aufziehen nötig. Sofort begebbar. Allein verkauf in jedem Quantum frei ins Haus. H. Heß, Woonftr. 31, 7541 Tetevhon 568. «fc<0MH3B»aS8H8S3KSa^SS®8aB Unentbehrlich für die Schneiderei soeben erschienene la12/2 W-lhMiini Preis 60 Pfg. Zu haben bei Ä. Salomon & Cie. Ächtung! Achtung! Kammerjäger SÄwarz empfiehlt sich zur Vertilgung 0. Ratten, Mäusen, Schwaben, Wanzen u. Ungeziefer jeder Art. Schrijtl. Angebote unter 989 an den Gießener Anzeiger erb. Kartoffeln vr. Svcife u Salatkartoffeln, empfiehlt (81 I Weisel, Telcvbon 235. Sonnenstraße 6. flämme, auch schönes Wagnerholz. 4,24 Fstm. Buchen-, 9,87 Fftm. Fichten-, 2,32 Fstm. Birten- und 7,46 Fstm. Kiefcrnftammholz, 9,5 Sim. Erchen-Äüferholz, 2 Rm. Erlennützrollen (2 Meter lang), 4 Rm. Erlcnuutzknüppel (2 Meter lang), 3 Rm. Birkennutzrollcn, 2,5 Rm. Eichcnschichtnutz- holz, 4 Rm. Eichcnnuttrolten, 6,5 Meter Eichenuutz- holzspalten. Das Holz liegt in den Gemeindewaldungen Aßlar, Berghausen, Breitenbach, Dillheim, Ehringshausen, Werdorf und gelangt zur Versteigerung in folgender Reihenfolge: Aßlar, Werdorf, Breitenbach, Dillheim, Berghaufen, ** Ehringshausen. D17/2 Die betr. Herren Förster erteilen auf Wunsch weitere Auskunft und zeigen das Holz an. Ehringshausen (Kr. Wetzlar), den 14. Februar 1910. Ter Bürgermeister. H 0 emann. Bilanz für das 9. kesDstsjlihr 1908/09 (1. Oktober 1908 bis 30. September 1909). Aktiva: Mk. .Kassenvorrat 309.98 Warenvorräte 10340.26 ^nucutarraert 2335.63 Guthaben bet Banken 14865.71 AuSständc 4815.52 32667.10 Passiva: Dtf. Geschäftsanteile 14803.50 Reservefonds 2708.— Schulden — Reingewinn 15155.60 32667.10 Zahl der Mitglieder am 1. Oktober 1908 . ... 534 Zugang im Laufe des Geschäftsjahres .... . 42 zusammen . 576 Ausgejchieden mit Ende des Geschäftsjahres . 18 In das neue Geschäftsjahr 1909/10 übernommen 558 ilätgltebcrguihabeit zu Ende des Geschäftsiahrec- Mk. 14803.— Alltgliederhaftsumme zu Ende des Geschäslsjahres „ 16740.— Die Mitglledergutbaben vermehrten sich um . . . ,, 1047.— Die Mitgliederhaftsumme vermehrte sich um . . . ,, 720.— Gießen, den 16. Februar 1910. [1020 Eisenbahnkonsumverein Gießen (Eingetragene Genosiemchaft mit beschränkter Haftpflicht). Rutlmanm Althaus. Donnerstag den 17. Februar, abends 8' Uhr, in dem gronen Hörsaal der Universität Dortrag mit Lichtbildern von Herrn Missionar Gsell über ,M Chrißklitüm Böhr Den NatBroslkm". Eintritt nncntgcltlich, doch werden beim Ausgang Gaben zur Deckung der Mafien und zum Besten der Mission erbeten. D% ' I- A.: I>. Schlosser. Verdingnng. Nachstehende Arbeiten und Lieferungen für die Flurbereinigung Hattenrod sollen auf bem Wege schriftlichen Angebots in einzelnen Losen vergeben werden. Herstellen des Grenzgrabens Hattenrod—Burkhardsfelden veranschlagt zu 1277,65 M. Herstellen eines Entwässerungsgrabens, veranschl. zu 90,— „ Drainagearbeiten (Grab-n- u. Rohrverlegung) veranschlagt zu 4224,75 w Maurerarbeiten , „ 75,— „ Fuhrleistungen „ „ 480,— „ Lieferung von Drainröhren u. Verbindungsslücten veranschlagt zu 1938,83 „ Lieferung von Steinzengröhren „ „ 524,75 „ Lieferung von DrainageauSmündungssiucken vetanschlagl zu 77,— „ Die Verdingungsunterlagen liegen auf Großh. Bürger meisteret Hattenrod zur tzinflcht offen. Angebote I)abcu nur in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen und sind verschlossen, poftfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum 21. Februar d. Js., vormittags 11 Nhr, bei Großh. Bürgermeisterei Hattenrod emzurenchen. Die Eröffnung ftndet daselbst zur angegebenen Zeit in Gegenwart erschienener Bieter statt. — ZuschlagSfrift 14 Tage. Gießen, ben 16. Februar 1910. b1 Grotzh. ÄulturinspcLtion Gießen. H. Steinbach. Roll - Schuhe in diversen Ausführungen cmvnchlt Edgar Borrmann, Giessen Eisenwarcu-Harrdlung 1986] Haus und Rüchengeräie 40 Tage Lebendig begraben 40 Nächte 01288 e 0 Statt Karten. PRO bi RAUM; in D-dur, op. 73 (comp. 1877) Jobs. Brahms Hillesheim bei Alzey in D-moll Gießen, Kirchenplatz 4 . . L. van-Beethoven ■e Februar 1910. oi$ai Neustadt SS. Dienstmann. Bestellungen nehmen entgegen Frau Schmidt, Sand gaffe, Fran Belz, Neustadt. Cftrothonfi. (01272 01210] Möbl. Zimmer zu vermiet. Walltorstrahe 31 I. Eintritt frei. [D-Val Eintritt frei. oder früher gesucht. 11021 99 Heute Künstler-Konzert Anfang 8 Uhr. Entree frei. 1019] Seltersweg^ (D17/- zu vermieten. Wetter. 8r. 911. ilrnj 4 Zimmer ► 3 Zimmer Neu aufgenommen Audr. Euler. 859] Kleine Preise! 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