Nr. 269 Der Sietzevrr Anzeiger erlchetni täglich, außer Bonmagl* — Beilagen: viermal wöchentlich kletzenerFamil Icnblätkr; Koelmalwöchenil.lketz, attfürdenNretr Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatL Land» virtjchafUich« Sdrfraaee Fernlprech - Anschlüße: für bie Redaktion 112- Verlag u. Ezpedwon 51 Adresse Hk Depesche«: Anzeiger Siebe«. Annahme von Anzeigen für dle Tagesnummer bis DormUlag» 9 Uhr. Erster Blatt * 160. zayrgcmg rmwooch, f6. November 19)0 ▼ P Ai 9 XLz IV IIV BW 11VIVLVI NM V M V V >F V Lhefretxrkteur: A Goetz, y y Verantwortlich für den General-Anzeiger für Oberhessen ZZLZ votanonronllk ouo Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- unö Steinörnderet H. Langt. BeöafHon, Lxpedttioa und Drudert!: Schulstrahe 7. ™ll>; ta£‘ “"b Expedition für Büöingtn: vahnhosstratzt ,ba. - Telephon Nr. 50. a™elgenteii: <>. ®ecf‘ Die heutige Nummer umfaßt 12 Selten. einem Aus dem hessischen Verwaltungsgesetz-Ausschutz. R. B. Darmstadt, 15. November. Der Verwaltungsgesetzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute vormittag wiederum unter Vorsitz des Herrn Dr. Glässing gemeinsam mit den drei Regierungsvertretern, Minister des Innern v. Hombergk, und Geheime- räte Dr. Georg und Wilhelm Best, und erledigte den Rest des Gesetzentwurfs über die Verwaltungsrechtspfl»'-"' Die Art 72 bis 77 enthalten die allgemeinen Stimmungen über die im Verwaltungsstreitverfahren zulässigen Rechtsmittel: Berufung (Art. 78—85), Revision (Art. 86—96), Beschwerde (Art. 97 bis 103), Wiederaufnahme des Verfahrens (Art. 104—105). In den Art. 106—115 sind die Bestimmungen über das Verfahren vor dem Verwaltungsgerichtshof in besonderen Fällen sestgelegt und Verfahren bei Kompetenzkonflikten, Verfahren bei Vorentscheidungen und Verfahren in Disziplinarsachen in der Berufungsinstanz. Die Art. 116—124 bringen die Vorschriften chische Sektion schon zu Kompromissen gekommen mar, — die übertriebenen Forderungen der Tschechen hinsichtlich des Geschäftsganges im Land es ausschuß, der Regelung der Abstimmung im Landtag und der Zulassung von Minoritätsschulen in deutschen Bezirken, stellte nicht nur alles bisher erreichte, sondern den ganzen Ausgleich überhaupt in Frage und mußten die ganze Aktion schließlich scheitern lassen. Ob der Grund für Die tschechische Halsstarrigkeit und Unverschämtheit wirklich in sachlichen Erwäg-ngen liegt und nicht vielmehr in dem ausgesprochenen Willen, der österreichischen Regierung den Daumen aufs Auge zu drücken, um sie zu einer Parlamentarisierung des Ministeriums und der Verwaltung im tschechischen Sinne zu veranlassen, rng hier unerörtert bleiben. Jedenfalls sollte man es sich in Wien sehr überlegen, den tschechischen Machtgelüsten zugunsten des böhmischen Ausgleichs noch mehr nachzug.ben. Denn Tschechen und Polen wollen doch im Grunde auch nichts anderes, als die radikalen Magyaren, nämlich die Zerreißung des Reiches in zwei, drei oder vier Teile, zum Schaden des an der Donau bisher noch tonangebenden Deutschtums. Aber ßanz abgesehen davon, ws ds jetzige Scheitern des böhmischen Ausgleichs in dieser Beziehung für die Gesamtmonarchie unter Umsta nden b deuten kam, — für das Kronland Böhmen und den Kaiserstaat Oesterreich bedeutet es wahrschciu ich die Lahmlegung aller pa.lim.na- rischen Arbeit. Den böhmischen Landlag dürfte die deutsche, den österreich. Reichsrat die tschechische Obstrultion lahrn- legen, und auch die Aera Bienerths, die so verheißungsvoll begann, wird über kurz oder lang wieder zu dem berühmten Notparagraphen i',re Zufl cht nehmen m..ss n. der ihr auch ohne neues Budget die Mittel zur Befriedigung der Staatsnotwendigkeiten auf Grund des tuten Haushalts an die Hand gibt. P r a g, 15. Nov. Die Vollversammlung der deutschen Landtagsabgeordneten, verstärkt durch Reichsratsabgeordnete und Vertrauensmänner bet Bevölkerung, hat Dienstag nachmittag nach fast 12 stündiger Beratung einen Antrag auf Permanenzerklärung des Ausgleichsausschusses und dessen gleichzeitige Befristung bis zum 20. Dezember dieses Jahres angenommen. Dieser politische Vorschlag bezweckt ein Kompromiß Zwischen der tschechischen Forderung der rechtzeitigen Bewilligung der Steuervorlagen vor Neujahr und den politischen Standpunkt, daß die Steuervorlagen nickt vor Erledigung des Ausgleichs bewilligt werden dürfen. Dieser Antrag wird der morgigen tschechische Vollversammlung vorgelegt werden. Im Falle der Ablöhnung wäre nach Auffassung politischer Kreise der Ausgleich als gescheitert zu betrachten. Der deutsch-böhmische Ausgleich gescheitert! Die deutsch-tschechischen V?rständignngsversuche, die am 80. Sept, mit der Einsetzung eines besonderen Ausschusses an» Huben, sind nun nach sechswöchigen Verhandlungen dennoch gescheitert. Vielleicht nicht in Dem Sinne, daß man nun auf den deutscl)-bohmischen Ausgleich in nationalen Fragen überhaupt verzichtet, aber doch insofern, als vondenGegen- ränben der Ausgleichsaktion kein cinzier in dieser Landaasperiode erledigt werden kann Der deutbar glücklichste Fall wäre noch der, daß das gesamte Material jennementen Ausschuß überwiesen würde, doch sind dafür >ie Aussichten nicht Einstig, da die Tschechen bte Einsetmng eines solchen Ausschusses nur g"gen Bew llig:ng der b iden Steuervorlagen (P rsonattinkcrnmenste er und Vierabgabe) seitens der Deutschen zulas en wollen, während die Deutschen auf diese Bedingung deshalb nicht gut eingehen können, weil sie damit alle Massen auS der Hand geben und sich des MtlelS einer wirksamen Lbstruktirn berauben würden. Denn wie man sich erinnern wird, ?am di.' deutsch-^sche- ckische Verständigungsaktion nur unter b.m Druck der finanziellen Not Böhmens zustande. Da der Landtag seit zwei Jahren nicht arbeitsfähig war, war es weder mlg ich, das Tesizit des Haushalts jür 1903 in Höhe von 22i/3 Millionen Kronen durch eine Anleihe zu decken, noch die Biersteuer, die 13Vs Millionen Kronen abwirft und die am 31 Dczernber 1909 ablief, rechtzeitig zu erneuern. Zwar konnten die Kassen des Landes noch immer die dringendsten Bedürfnis e mit Hilse der Erhöhung der Landrszi.schö g? zu den direkten Steuern decken, aber für alles übrige fehlte es an Geld, so daß man den alten Haushalt nicht nur um 18 Millionen kurzen, sondern auch bei Der Prager Landesbank ein Darlehen von 20 Millionen Kronen ä conto der Erneuerung der Biersteuer aufnehmen mußte. Weiteren Ta lehensver- suchen gegenüber aber hatte sich die Bank ablehnend verhalten, so daß damit die finnazielle Lage Böhmens, des reichsten Landes der österreichischen Krone, gereb z i trostl s war, wollte man nicht an die Aushebung der bisher gewährten Nachlässe bei den Realstenern denken. Die Deutschen würden deshalb, wenn sie die beiden Steuervorlaaen um den Preis der Einsetzung eines b:f Ausschusses bewilligen wollWn, Böhmen zwar aus fe ner finanziellen Notlage befreien, hätten aber dann kein Mittel, ihren durchaus grechtsertigten nationa.en Ansprüchen Geltung zu verschaffen. Auf der anderen Soire aber mußte Die Regierung, wie sie schon am 2. November für den Fall des Scheiterns der Ausgleichsverhandlungen drohte, um Geld in die Staatskassen zu bekommen, die Nachlässe bei den Realsteuern ausheben, eine Maßregel, die zwar auch die deutschen Realitätenbesitzer schädigt, von den tschechischen aber um so chwerer empfunden werden muh, als es allein die Hals- tamgEeit ihrer Vertreter im böhmischen Landtag ist, die hnen diese steuerliche Mehrbelastung einbrockt. Denn daran kann kein Zweifel sein: die fünf national» politischen Vorlagen der Regierung, die die Grundlage für Die deutsch-tschechische Ausgieichsaktion bi det.n, trug.n im allgemeinen dem, was bei den schwierigen Verhältnissen Böhmens überhaupt verlangt werden konnte, Rechnung Aber wenn es auch über den Gebrauch der beiden Sprachen in Prag und bei den autonomen Behörden, sowie über die Teilung des Landesausschusses in eine deutsche und tsche- Gietzener Sta&ttfycaUr« Taifun Schauspiel von Melchior Sengtet Gießen, 16. Nov. Chrhsantemen und Azaleen prunken in rauschender Farbenpracht, bie Lampions flimmern und leuchten, das Saitenspiel klingt, seidig glänzende, goldgestickte Kimonos huschen spukhaft vorüber. 2 ar unter aber ist nach Melchior Lengyel öde Nüchternheit, grausam gewissenhafte Pflickterfüllung — der Tod. Von dem beweglichen, freudigen, lebensvollen Geiste der Japaner nicht die Spur. Sie kommen wie listige Füchse nach Europa, heimsen skrupellos die Früchte einer tausendjährigen Kultur ein, morden, lügen, legen falsches Zeugnis ab, arbeiten ohne Unterlaß, und alles nur um des Vaterlandes willen: selbst ihr Leben ist ihnen nichts, wenn es sich um das ferne Nippon handelt. So zeigt sie uns der Versa,unger- pastor" (1864), „Abu Telfan" (1867), „Schüdderump" (1870), „Der Lar" (1889), „Guttmanns Reisen" (1892). Wir behalten uns vor, aus eine nähere Charakteristick der zahlreichen Werke des Dichters, der die deutsche Prosa um prächttge Gaben bereichert hat, zurückzukommen Von manckerlei Ehrungen, die ihm zutell geworden finb, sei erwäynt, daß die Universität Göttingen ihn vor 9 Jahren zum Ehrendoktor gemacht hat. Tolstoi ertrankt. Tula, 15. Nov. Der Zustand des auf her Station Astapowo erkrankten Grafen Tolstoi wird von den Aerzten als sehr ernst bezeichnet. Tolstois Gemahlin und Söhne sind nach Station Astapowo abgereist. Petersburg, 15. Nov. Die jüngste Tochter Tolstois sandte einem Petersburger Freunde der Familie ein Telegramm, bq£ der Gras krank darniederliegt. Mein Vater ist an Bronchitis erkrankt, eine unmittelbare Gefahr besteht nicht, doch mußte die Reise eine Unterbrechung erleidest. Der Kranke ist gut ausgehoben, nur stören ihn die vielen Neugierigen. Paris, 15. Nov. Mehrere Mitglieder der Akademt'e der Wissenschaften beabsichtigen, für den durch den Tod des Physikers Gernez erledigten Andemiesitz die berühmte Mitentdeckerrn des Radiums, Frau Curie, als Kandidatin vorzuschlagen Diesen Sitz hatte früher der Gatte der Frau Curie innegehabt. Um die Wahl der Frau Curie zu ermöglichen, müßte die Geschäftsordnung der Aiadcmie geändert werden, nach der Frauen der Eintrnt in den Sitzungssaal untersagt ist. Die Kandidatur wird übrigens von einzelnen Akademikern, die Gegner der Frauenrechtlerinnen sind, entschieden bekämpft. Kopenhagen, 15. Nov. Der Kunstmaler Professor Julius E x n e r ist im Alter von 85 Jahren gestorben. zu einem Besuch bei dem Premierminister ein und blieb eine halbe Stunde. Lo u d o n, 15. Nov. (Oberhaus.) EckrlofCrewe erklärte auf eine Anfrage von Lord Lansdowne, er könne über den weiteren Gang der Geschäfte erst dann Mitteilung machen, wenn eine ähnliche Erklärung im Unterhause ab- 'gegeben worden fei. Lord Lonsdowne kündigte an, er werde morgen eine Entschließung beantragen, in der die Regie- rung ersucht werde, dem Oberhause ohne weiteren Verzug eine Bill vorzulegen, welche die Vetoentschließung enthalte. Bezüglich der Vetokonferenz erklärte er sodann, er stimme dem zu, daß die Verhandlungen der Konferenz geheim gehalten werden müßten. Die Blättermeldung, daß die Vetokonferenz gescheitert sei, weil die unionistischen Peers Balfour nicht erlauben wollten, gewisse Bedingungen anzunehmen, müsse er jedoch als völlig unbearündete bezeichnen. Die unionistischen Peers seien niemals um ihre Ansicht befragt worden. (Eine «aiserrede in Beuron. Bei dem Besuch des Kaisers in der Erzabtei Beuron antwortete, wie wir der „Köln. Votksztg." entnehmen, der Kaiser auf die Begrüßungsworte des Erzabtes Schober: Verehrter Herr Erzabt! Ich spreche Ihnen meinen herzlichsten Dank aus für die freundlichen Worte, mit denen Sie mich empfangen haben und freue mich über die Gelegenheit, der Kongregation einmal einen Besuch machen und Ihnen mein aufrichtigstes Wohlwollen aussprechen zu können. Von Anfang meiner Ne- rung an war es mir eine besondere Freude, die Benediktiner in ihren Bestrebungen zu unterstützen, da ich beobachtet habe, daß sie überall, wo sie gewirkt, nicht nur die Religion aufrecht zu erhalten und zu stärken bestrebt waren, sondern auch als Kulturträger aus dem Gebiete des Kirchengesanges, von Kunst und Wissenschaft und in anderem sich hervorgetan haben, eine nicht zu unterschätzende ^Arbeit. Was ich von Ihnen erwarte, ist, daß Sie in den Bahnen Ihrer Vorfahren weiterarbeiten und mich unterstützen inmeinen iBestrebungen, dem Volke die Religion zu crhal- jt en. Dies ist um so wichtiger, als das 2 0. Jahrhundert Gedanken ausgelöst hat, deren Bekämpfung nur mit Hilfe der § Religion und mit Unterstützung des Himmels siegreich durchgc- fführt werden kann. Das ist meine feste Ueberzeugung. Die Krone, ;bie ick trage, kann hier nur dann einen Erfolg verbürgen, wenn ,sie sich gründet aus das Wort und die Persönlich- ,keit des Herrn. Als Symbol dafür habe ich das Kreuz an diese Kirche gestiftet, um damit, wie ich es in meinem Handschreiben gesagt habe, zu beweisen, daß die Regierungen der christlichen Fürsten nur im Sinne des Herrn geführt werden können, '"uni) daß sie helfen sollen, den religiösen Sinn, der den Germanen angeboren ist, zu stärken und die Ehrfurcht vor Altar und Thron zu vermehren. Beide gehören zusammen und dürfen nicht getrennt werden. Darum fördere ich von ganzem Herzen die Bestrebungen, die Sie verfolgen. Wie bisher werde ich Ihnen auch in Zukunft meine Huld und meinen Schutz bewahren. Deutsches Reich. In Marburg wurde am Dienstag in einer konservativen Vertrauensmanner-Versammlung der Privatdozent für Nationalökonomie an der dortigen Universität, Regierungs- Assessor Dr. Bredt, zum Reichstagskandidaten proklamiert. Die Hamburg-Amerika-Linie steht im Begriff, ihren persischenDienstzu erweitern und zu ko.rsoli- dieren. Sie kaufte zu diesem Zwecke die beiden Dampfer ,,Türkistan" und „Gerjistau" an, die erst vor einigen Jahren für eine der in diesem Verkehr, führenden englischen Reedereien erbaut worden sind. Die Dampfer gelangen in wenigen Monaten zur Ablieferung und werden dann sofort ihrer neuen Bestimmung zu geführt. Ausland. Der P a p st empfing den Oberlandesgerichts Präsidenten Spahn und den Direktor des Volksvereins für das Katholische Deutschland Pieper in Audienz. Der Marineausschuß der französischen Kammer hat mit allen gegen zwei Stimmen das Flottenprogramm der Regierung angenommen. Die Schlachtflotte wird nach dem angenommenen Flottenprogramm aus 28 Panzerschiffen gebildet, die in vier Geschwader von je sechs Panzer- und vier Ersatz-Panzerschiffen eingeteilt werden. Wie das Reuter-Bureau erfährt, wurde vor kurzem in London zwischen den Vertretern von englischen, amerikanischen, deutschen und französischen Gruppen bezüglich der chinesischen Anleihe ein Abkommen unterzeichnet, das für eine Reihe von Jahren gelten soll., Das Abkommen gewährt zwar jeder Nation völlige Handlungsfreiheit, beseitigt jedoch die finanziellen Einflußsphären und macht der alten Politik des Ausspielens einer finanziellen Gruppe gegen eine andere ein Ende. Da es ferner eine gleiche Beteiligung an auswärtigen Anleihen jedem Teile in China sicherstellt, beseitigt es den Gedanken der Eroberung .Chinas durch Bahnbauten seitens der einen oder anderen Macht. Tie Entschädigungssumme, die Marokko an Spanien für den Riff-Feldzug zu zahlen hat, ist auf 6 5 Millionen Franks festgesetzt worden. Der Zinsfuß beträgt 3 Proz. Nach Blättermeldungen hat Spanien außer der Entschädigungssumme von Marokko die Errichtung einer aus Eingeborenen bestehenden Polizeitruppe in Ceuta zugesagt bekommen, nie von spanischen Offizieren kommandiert werden soll. Ferner hat Marokko in die weitere Besetzung des Riffgebietes durch spanische Truppen und in die Errichtung einer Zollstation an der Grenze des spanischen Lagers von Ceuta eingewilligt. Aus Stadt und Land. Gießen, 16. Nov. 1910. ** T a g e s k a l end er. für Mittwoch, 16. Nov. Stadt- t b e a t e r nachmittags 3Vs Uhr das Opferlamm, abends 71/2 Uhr die F ü r st e r ch r i st e l. Vortrag von Dr. Jaskowski ans Leipzig: Der Tod und was dann? abends 8V2 Uhr im Hotel Einhorn. GesellschaftfürErd-undVölkerkunde. Vortrag von Dr. Herrn. Pinnow-Kassel: Heber Abessinien (mit Lichtbildern) abends 8V4 Uhr in der großen Universitätsaula. ♦ ** Buß- und Bet tag wird heute in Preußen begangen. ** Zur Stadtverordneten Wahl. Gestern abend hielt der vereinigte Bürgerausschuß eine Sitzung ab, in der er die Kandidaten für die nächste Stadtverordnetenwahl nominierte. Alle 20 Vereine waren mit 60 Vertretern anwesend. Es wurde alsbald nach nur kurzer Aussprache bei der Auswahl der Kandidaten eine volle Einmütigkeit erzielt. Dies war umso leichter, als die einzelnen Vereine sich in ihren Vorschlägen nur auf das Notwendigste beschränkt hatten und deshalb nur eine einfache Durchstimmung stattzufinden brauchte. Aus der Wahl gingen folgende Herren hervor: Brück, Franz, Hoflieferant, Emme lius, Louis, Stadtv., Helfrich, Friedrich, Stadtv., Helm, Fritz, Stadtv., Homberger, Wilh., Kaufmann,, Huhn, Louis, Stadtv., Jnderthal, Christtan, Fabrikant, Jann, Karl, Stadtv., Jaskowsky, Max, Gastwirt, Krailing, Karl, Schlossermeister, Luley, Joseph, Professor, Oberlehrer, Müller, Emil Hch., Schreinermstr., 'Schmidt, Mols, Agent. (Ersatzmann Dr. Heuser, Oberbibliothekar.) In der vor und nach der Abstimmung vorgenommenen Aussprache wurde besonders betont und von der gesamten Versammlung einmütig bestätigt, daß bei der Auswahl der Kandidaten des Bürgerausschusses jegliches politische Moment ausgeschaltet und man bestrebt war, aus der Liste der Vorgeschlagenen ohne Rücksicht aus ihren Stand, Beruf oder politisches Bekenntnis Männer auszuwählen, die das Interesse der Allgemeinheit und damit das aller Berufsstände zu vertreten geeignet erschienen. Mit einem warmen Appell an alle Anwesenden, nun tatkräftig für die Liste des Bürgerschaftsausschusses einzutreten, schloß die Versammlung. — Von Landgerichtsrat Holzapfel wird uns mitgeteilt, daß seine Aufstellung als Kandidat ohne und gegen seinen Willen geschehen sei, und daß er eine ihn etwa treffende Wahl auf Grund des Art. 112 Ziff. 5 der Städte-Ordnung ablehnen würde. ** Köhler und die Reichstagskandidatur. Der Abg. Köhler-Langsdorf schreibt uns zur Auseinandersetzung mit Prof. Gisevius, daß diese „erst im eigentlichen Wahlkampf ihre Erledigung finden soll": „Nur das eine möchte ich zu der letzten Behaupttmg dieses Herrn in Ihrem heutigen Blatte bemerken, daß ich ihm überhaupt nichts „eröffnet" habe. Pros. Gisevius hatte sich bei mir ansagen lassen, daß er meine Demtschinsky-Getreideanbau-Versuche besichtigen wolle. Dabei überrumpelte er mich mit feiner Kandidatur. Die „Eröffnung", von der Herr Gisevius spricht, bestand nur, um ihn mit seinem Drängen los zu werden, darin, daß ich bemerkte: „Wenn ich so krank bleibe, kandidiere ich wahrscheinlich nicht mehr!" In Bezug auf seine Vorwürfe gegen den „Gießener Anzeiger" bittet uns Herr Köhler, folgende „Richtigstellung", die er in dem Friedberger Blatt veröffentlicht hat, auch unseren Lesern zur Kenntnis zu bringen: Auf meinen Artikel, den „Gießener Anz." betreffend, erwiderte dieser nun in feiner Nr. 267 vom 14. Nov. 1910, daß meine Erklärung über die Behauptung des Prof. Gisevius nicht in die Hände der Redaktion gelangt sei und daß diese Verfehlung wahrscheinlich der Aenderung der Abholung der Postsachen zuzuschreiben sei. Ter „Gießener Anz." sagt dann wörtlich: „Selbstverständlich würden wir eine solche Feststellung Köhlers ohne weiteres veröffentlicht haben." Tas genügt, um meinerseits zu bekennen, daß i ch also der unrichtigen Meinung in diesem Falle war; die Redaktion der „Neuen Tageszeittmg" aber bitte ich, diese meine Richtigstellung zu veröffentlichen, denn „R e ch t muß doch Recht bleiben". lbti> es ist genug, daß jetzt schon ein neugegründetes Gießener Hansa-Blatt beginnt, Schmutzkübel über Schmutzkübel über uns auszuleeren. Wir werden eine Ehre darin suchen, gegenüber der kommenden Schmutzwelle möglichst rein zu bleiben. Köhler- Langsdorf. ** Aus dem 18. Armeekorps. Sic. Lang, Militär- Hilfsgeistlicher der Hess. Div. in Darmstadt, in gleicher Eigenschaft zur 31. Div. nach Hagenau i. E., behufs Wahrnehmung der Div.-Pfarrstelle daselbst, versetzt. ** Nachträgliches v 0 m Zur en besuch. Von der Spende des Kaisers von Rußland im Betrage von 10 000 Mk. zum Besten der örtlichen Wohltätigkeitsanstalten und der ärmeren Bevölkerung Friedbergs und Bad-Nauheims hat der Staatsminister Dr. Ewald den größeren Teil den Bürgermeistern von Friedberg und Bad- Nauheim zur alsbaldigen Verteilung an die Armen und den Rest an Wohltätigreitsanstalten der beiden Städte mit der Bestimmung überwiesen, daß wegen Zuwendungen aus der Spende Armenunterstützungen, die von der Gemeinde zu leisten sind, nicht gekürzt werden dürfen. Der Kaiser hat vor seiner Rückreise nach Rußland weitere 10 000 Mk. zum Besten der Wohltätigkeitsanstalten und Armen von Darmstadt und der ärmeren Bevölkerung der Umgegend von Wolfsgarten dem Staatsminister Dr. Ewald zur Verteilung übermittelt. — Der Kaiser von Rußland hat u. a noch folgende Orden verliehen: den Stanislausorden 2. Kl. mit Stern dem Geh. Rat Ministerialrat W. Best; den St. Annenorden 2. Kl. dem Provinzialdirektor Feh, dem Oberbürgermeister Dr. Glässing, dem Eisenbahndirektionspräsidenten Dr. Michaelis-Mainz; den Stanislausorden 2. Kl. dem Kreisrat L 0 ch m an n-Offenbach, dem Direktor Dr. Back und dem Prof. Dr. v. Ko ch vom Landesmuseum, dem Legationsrat Dr. N e i d h a r t, dem Vorstand des Polizeiamts Darmstadt, Regierungsrat Dr. Kranz- bühler, dem Geh. Baurat Frey-Darmstadt; den St. Annenorden 3. Kl. dem Beigeordneten Mueller-Darmstadt, dem Provinzial-Dauinspektor Baurat D au d t-Darmstadt, dem Polizeiamtmann Lauteschläger-Darmstadt, dem Regierungs- und Baurat Barzen-Mainz; den Stanislausorden 3. Kl. dem Polizeisekretär K.ais er-Darmstadt, den Bahnhofsvorstehern Horn-Darmstadt und M ö n n i ch - Langen, dem Eisenbahn-Obersekretär D 0 r r - Mainz, dem Branddirektor Fischer- Darmstadt, dem Oberbrandmeister Vogel-Darmstadt. ** Reuterfeier. Wie wir schon erwähnten, soll Fritz Reuters 10 0. Geburtstag auch hier noch gefeiert werden. Wie aus der Anzeige in der heutigen 9kum- mer ersichtlich, ist die Feier für Montag, 21. d. M., geplant. Bei dem allgemeinen Interesse, das sich allerorten für dies Dichter-Jubiläum gezeigt hat, kann auch wohl hier auf eine starke Beteiligung gerechnet werden, weshalb der große Steinsche Saal dazu gemietet ist. ** Der Schiklub Wintersport Gießen veranstaltete am Montag abend im oberen Saale des „Metropol" einen Lichtbildervortrag über Wintersport, der mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde. Die über 60 Lichtbilder illustrierten den von Jahr zu Jahr steigenden Schisport sehr anschaulich und die große Zahl der Naturaufnahmen zeigte die den wenigsten Städtern bekannte Schönheit der Winterwelt mit all ihren weißen Wundern an außerordentlich schönen Beispielen aus dem Vogelsberg und den anoergt deutschen Mittelgebirgen sowie den Alpen. Auch eine Anzahl schitechnischer Bilder wurden wiedergegeben und an ihnen die eigenartige, aber keineswegs übermäßig schwere Kunst des Schilaufes ausführlich erläutert. Besonders hervorgehoben wurde noch der Vogelsberg, der mit seinen langen Waldschneisen, seinen ausgedehnten Wiesen und seinen Llbhängen zum Schneeschuhlauf ganz besonders geeignet ist. Landkreis Gießen. -- Staufenberg, 15. Nov. Am nächsten Sointtag nächmittag findet in der Burgwirlschaft ein von der Hess. Landwirtschaftskammer veranstalteter Vortrag statt. Oeko- nomierat Weitzel von Lich wird über die neuesten Er- faljningen im Getreide- und Kartoffel bau sprechen. = Lond orf, 15. Nov. Am Sonntag veranstaltete der Turnverein sein Wintervergnügen, verbunden mit Schauturnen, im Saale der „Stadt Gießen". Nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden Edler begann das Schauturnen, das mit Musikvorträgen der Marburger Iägerkapetle abwechselte. Nach Ablauf des Programms bildete ein Tänzchen den Schluß der Feier. sp. Reiskirchen, 16. Nov. Tie Quellfassung für unsere Wasserleitung ist nunmehr fertiggestellt. Gestern nachmittag wollte man die einem Unternehmer in Beuern gehörige Maschine, die zum AuspumpM deA Wassers bei der Quelffassung gedient hatte, wieder nach Beuern bringen. Aus dem nassen, bergigen Wüsengclände geriet die Maschine ins Rutschen und stürzte um. Tas Schwungrad ging entzwei und auch sonst kam es noch zu einigen Beschädigungen der Maschine, während erfreulicherweise Menschen nicht zu Schaden kamen. Kreis Büdingen. X. Büdingen, 16. Nov. Tie in der letzten Zeit erfolgten Schritte zwecks Verwirklichung des Kleinbahn- Projektes Hanau — Büdingen von den beteiligten Kommunaloerbanden erhöhte Zuschußleiftungen zu erhalten, haben keinen Erfolg gezeitigt. Obwohl die Gemeinde Marköbel einen Barzuschuß von 50 000 Mk. bewilligt hat, so i>'t doch gegenüber dem früheren Beschlüsse mit seiner Geländestellung dadurch eine wesentliche Vergrößerung des Zuschusses nicht einqetreten. Die Gemeinden Oberissigheim und Rüdigheim haben eine erhöhte Zuschußleiftung zum Bahnbau abgelehnt, ebenso der Magistrat der Stadt Hanau. -e- Büdingen, 15. Nov. In her heutigen Sitzung des Gemeinderats beschäftigte man sich hauptsächlich mit dem Gaswerk, das soweit betriebsfähig ist. Tie für die Inbetriebnahme notwendigen Einrichtungen wurdet: nach den Ausschuß-Anträgen gutgeheitzen. Weiter wurde beschlossen, für die Heizung der landwirtschaftlichen Win ter schule statt der bisher gelieferten 10 Meter Holz Kohlen zu verwenden. Landwirtschaftslehrer Oekonomierat Andrae dankt der Stadt für lieber- lassung des Lokals für die Schule und bittet um ein Darlehen von 400 Mk. zur Einrichtung der Gasleitung und Herstellung eines Garderoöeverschlags für die Zwecke der Schule. Heber den Antrag soll in einer späteren Sitzung beschlossen werden. Kreis Lauterbach. = Lauterbach, 15. Nov. Unter sehr schwacher Beteiligung sand heute hier die Gemeinderatswahl statt. Für drei ausscheidende Mitglieder rnufcte Neuwahl und für zwei verstorbene Ergänzungswahl stattfinden. Gewählt wurden Kaufmann Karl Lang mit 240 Stimmen, Rentner Heinrich Stöhr II. mit 238 Stimmen, Kaufmann Karl Helfenbein mit 159 Stimmen, August Schiebelhuth mit 156 und Konditor I. E. Duchardt mit 131 Stimmen. Stöhr und Helfenbein wurden wieder-, die übrigen neugewählt. Falls Herr Helfenbein auf sein Mandat verzichtet, wie er vor der Wahl ankündigte, käme der Maurermeister Leonhard Metzendorf mit 122 Stimmen an seiner Stelle in Betracht. Sämtliche Herren gehören der bürgerlichen Partei an. Von 768 Stimmberechtigten machten nur 367, also nicht ganz die Hälfte, von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Insgesamt verteilten sich die Stimmen auf 35 Kandidaten, weshalb sich die Zählung bis gegen 10 Uhr abends hinauszog. Starkenburg und Rheinhessen. cd. Vom Mittelrhein, 15. Nov. Der Rhein« wasserst and geht weiter zurück. Immerhin ist die lieber« schwemmung noch ziemlich bedeutend. Die Ueberflutung war diesmal größer und schneller ivie jemals, wenn auch der Stand am hiesigen Pegel schon höher gewesen ist. Sehr großen Schaden hat das Hochwasser nicht angerichtet, immerhin wurden die Aecker stark überschwemmt und die noch stehenden Feldsrüchte und Gemüse sind recht übel weg, gekommen. Auch in den überschwemmten Kellern wurd< Schaden angerichtet. Hessen-Nassau. Marburg, 15. Nov. Der kurhessische Verein für Luftschiffahrt hielt hier seine Jahres-Versamm- timg ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Mitbegründer Geh. Rat Prof. Theobald Fischer, dem ausgezeichneten Geographen unserer Universität, einen warmen Nachruf. Sodann toinv den verschiedene geschäftliche Mitteilungen gemacht, u. a. daß der Verein Beiträge za dem geplanten Denkmal für den ersten Flieger, den verunglückten Lilienthal, entgegennimmt. Darauf wurde der Jahresbericht über die Vereinsversammlungen erstattet und von Dr. Wegener der über die Ballon-> sahrten im ersten Jahr. Der Kassenführer Bang gab dew Jahresabschluß bekannt, der von den Rechnungsreviforen. Kreisbahninspektor Köhler und Dr. Hellinger für richtig befunden wurde. Hiernach wurde der Vorstand für das verflossene Geschäftsjahr entlastet und wiedergewählt. Durch die im Oktober stattgefundene 'Ergänzung "besteht er nunmehr aus Prof. Richarz, Vorsiender, Oberst Krause, stell- vertr. Vorsitzender, Pros. Gürber, Vorsitzender des Fahrten- ausschusses, Dr. Wegener, stellvertr. Vorsitzender des Fahr- tenausschusses, Rechtsanwalt Dr. Külz, Schriftführer, Bankier Bank, Kassenführer und den Beisitzern Regierungs- assessor Dr. Bredt, Oberleutnant Ferno, Kaufmann Hering, Fabrikant Bertr. Schäfer. Alsdann hielt Prof. Brauer einen Vortrag über die von ihm im September unternommene Ballonfahrt. Sie wurde von Herrn Dr. Wegener geführt; an ihr nahm auch noch Regierungs- und Forstrat Kieke aus Kassel teil. Sie tourbc mit Wasserstosfüllung von Griesheim bei Frankfurt aus angetreken. Die Landung erfolgte nach neunstündiger herrlicher Fahrt, die wertvolle Beobachtungen ergab, zu Litten bei Prag. Mit dem Dank^ für diesen Vortrag verband d:rVereinevorsitzcnde denTank an Prof. Braiter für die Verdienste, die er sich von der Begründung an um den Verein erworben hat, und überreichte ihm das künstlerisch ausgeführte Diplom als Ehrenmitglied. Die nächsten Ätzungen des Vereins wurden aus den 13. Dezember, 17. Januar und 7. Februar festgesetzt. Die! letzte Sitzung des Winters soll entweder am 28. Februar oder 1. März stattfinden. Mit Bedauern stellte der Vorsitzende ! fest, daß die Zahl der Mitglieder etwas zurückgegangen sei. [] Marburg, lo. Nov. In den Stadtsälen sand gestern abend eine von Akademikern und Bürgern zahlreich besuchte Versammlung des Hansabundes statt. Der Direktor des letzteren, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Zwecke und Ziele des Bundes. w. Frankfurt, 15. Novbr. In der heutigen Stadt« ' verordneten sitzung beantragten die Sozialdemokraten die I Vorlage des Briefwechsels zwischen dem Regierungspräsidenten und dem O b e r b ü r g e r m e i st e r wegen der Verlegung der Stadtverordnetenwahlen auf einen Sonntag. Die Freisinnigen erklärten sich gegen den Antrag, weil ein solches! Verlangen einen Eingriff in die Rechte des Magistrats bedeute^ Nach längeren Auseinandersetzungen wurde der Antrag schließlich mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. wandern und Reisen. * Der Frankfurter Vogelsberger Höhen- Club, der jetzt nahezu 500 Mitglieder zählt, hat für das Jahr 1911 nachstehendes Wand e r pr 0 gram m festgesetzt: 1) Januar, 8.: Schonen, Hoherodskopf, Schotten: 2) Februar, 19.: Änfvach, Schmitten, Cron berg; 3) März, 19.: Steinau, Hintersteinau, Wall- rotb. Schlüchtern; 4) Avril, 23.: Bieber, Kahler Glashütte. eisen, Gelnhausen; 5) Mai, 14.: Rödgen, Busecker Tal, Beuern, Hangelstein, Gießen; 6) Juni, 4., 5. und 6. (dreitägige Pfingst- tuanoerimg): Nösberts, Zahmen, Stockhausen, Salzschlirf, Schlitz,- Schlitz, Steinberg, ifonintyt, Sauterbctd), — Lauterbach, HovstnannS- feld, Herbiteiu; 7) Juli, 2. tHoherodskovffett): 9llteburq, Ernstberg, Hoherobskopf, Hartniannshain; 8) Juli, 30.: Nheinfahrt (Mainz - Bovvarb und gut ücf), Wanderung nach bem Vierseenvlatz; 9) August, "0.: 91 anstadt, Wippenbach, Wolf, Bübingen (Herbst- scluetzen); 10) (isertember, 17.: Nsingen, Bobenrob, Kleeberg, Butzbach: 11) Oktober, 1. ^Stidlmgslvanber.ing): Hartrnanns- hain, Tausslein, HoherobSkopf, Hochwalbhaufen; 12) November, 12: Bruchenbrücken, 9lieber-Rlorftabt, Ober-Mockstabt, Bingenheim, Echzell. 2lls auüerorbentliche Wanberungen fiiib noch vorgesehen: 1) Mai, 25. (Himmelfahrt): Hanau. Nonnebura, Langenselbold; 2) 'Mai, 28.: (Hauptverfammlimg in Laubach), Bad-Lalzhausen, Ulfa, Storn^eld, Laubach: 3) Juni, 23., abenbS: Besuch des JohanniSteuers in 6)rotz-Steinheirn; 4) September, 3. Herbstauöslug des Gefamtvereins): Ntbba. Reipperts, Schotten, ferner sind vier Fgunilienausflüge in die nähere Umgebung vor- gesehen. Dermiicbtcs» • „D i e schlimmsten T b e a t e r s e i n b c sind Theobore Roosevelt, die drahtlose Telegraphie, die Flugmaschinen und ber Kineniatograph". ^as wenigstens ist ber Tenor einer beweglichen Klage, bie ber Londoner Ihcaterbireflor Irving im Namen seiner notleibenben KoUeae n austunmt. Die Lonboner Bühnenleiter blicken ouf schlimme Blonate zurück: die Einnahmen waren so schlecht, wie nie zuvor, bie Sbänfer leer, und währenb bas Publikum den Nevuen unb grosten Pautomvmen weniastens noch Halbwegs treu geblieben ist, entschließt es sich' immer schwerer zu bem Besuch ber Kunst- ftntten, ivo Schausv'p'le aiifqeführt iverben. Viele Hunberltausenbe smb in den letzten Nionalen in Loudon verloren worben, unb mit banger Sorge sragenk sich die Direktoren: „Wie soll bas enden?' Der befannte Direttor Hicks, der eine Reihe von Theatern gebaut bat, in denen Werke von Shakesveare unb ernstere Drunien gespielt wurden, schüttelt traurig bas Hauvt unb erklärt: „Die drahtlose Telegravhie, die 9leroplane und Roosevelt haben bas ernste Drania a-mordet. In früheren Zeiten gingen die Leute ins Lyeeum-Tueater, um Henry Irving als Hamlet zu sehen, unb eine Woche lang bilbete 'dann bieses Ereignis ben Gegenstand ihrer Unterhalt.uig. Ter ei'ne lobte ben ersten Akt, ber zweite zog ben dritten vor, inan diskutierte bie?luffasiung, bie Gesten, bie Sprache, man hatte Zeit. Henle denkt niememb mehr an so etwas. Man geht am Abend vielleicht ins Theater unb benkt am Morgen noch einen Augenblick an bas Erlebte zlirück, aber bann kommen die Zeitungen mit ihren Sensationen. Das Ergebnis sind bann Unter- ha! ningen telqenben IGenres: „Was halten Sie von bem ersten 2tft ?" „Schön, — iiber hören Sie, weiß Gott, ber Grahama White ist über den )Kanal geflogen. Was diese Flugmaschinen machen, ist doch fabelhaft." „Der Monolog „Sein ober Nichtsein" war doch herrlich?fl „Ja, ich wein nicht recht, aber ich sand ihn doch auch ausgezeichnet. . . . Uehrigens schauen Sie Her, Johnson ist m ber zweiten Riuabe beinahe „knocket out* gewesen.' „Nur bei ber OpHehi . . „Herrgott noch mal, Roosevelt hat schon wieder eine Rede gehalten." Unb dieser amüsanten Klage fügt Laurence Irving eine vraktische Erklärung für den Niedergang des Dramas in England hei: bas moderne Theater erstickt an seinen erhöhten eigenen Ausgaben. Die Ausstattung verschlingt Unsummen unb die Gagen der nutzen Schausvieler wachsen ohne Absehen. Das Volk aber eilt in ben Kmematographen, hier kann es für em paar Groschen alle Sensationen des Tages erleben, und dieser Konkurrenz ist eine moderne Bühne nicht gewachsen. * Die Frauen unb ber Farbensinn. Schon mehrfach ist m der Wissenschaft die Hypothese ausgestellt worben, baß die Frau über einen ausgeprägteren Farbensinn verfügt als der Manu und daß sie Farben schärfer und deutlicher unterscheidet. In Amerika sind nun umfassende Experimente veranstaltet worden, deren interessante Ergetmisfe V. G. C. Hermon in den University of Colorado-Siudies veröffentlicht. Die Beobachtungen zeigen, daß die alte Annahme einer Revision bedürftig ist, denn die von Prof. RicholS vorgenommenen Versuche beweisen, daß der Mann Rot, Gelb unb Grün schärfer wahrnimmt rote die Frau, die ihrerseits roieberum Blau genauer averzivierl als der Mann. Aber diese Resultate stimmen nicht völlig überein mit anderen, die Miß H. B. Thompson gewonnen hat; nach ihren Versuchen ergab sich, daß ber Mann auf weißem Grunde Blau imb Gelb besser wahrnimmt, die Frau bagegen Rot und Grün. Aber auch Miß Thompson komnit zu bem Schlüße, baß im allgemeinen ber Farbensinn bes Mannes stärker enüvidelt ist als ber den Frau. * Aberglaube in Irland. In den westlichen Grafschaften von Irland herrscht no chimmer ein furchtbarer Aberglaube, so wie man es in unserem Zeitalter gar nicht mehr für möglich halten sollte. Nichtdestoweniger glauben die Leute dort alle fest daran, und etwaige Zweiter werden von der ganzen Gesellschaft mit dem größten Haß verfolgt. Die bekannte medizinische Zeitschrift „Laueet" führt in ihrer letzten Nummer einige krasse Beispiele für den in der Grafschaft Roseommon herrschenden Aberglauben an. Wenn zum Beispiel jemand seinen ersten Anfall von Epilepsie hat und dabei auf einen gepflasterten Hof fällt, so muß man einen der Steine, auf die der Kranke gefallen ist, herausheben und dann ein Huhn schlachten Und pin Stück des noch warmen Fleisches zusammen mit einer Silbermünze tn das Loch legen, welchem der Stein genommen ist urrd diesen dann wieder darauf tun. Der Korrespondent des „Lances b-erichtet, wie er einmal gesehen habe, wie ein Kind, das sich auf dem Wege zur Schule befand, in einem epileptischen Anfall auf die Straße fiel. Mehrere Leute liefen herbei, aber eine alte Frau kam aus dem Hause heraus und rief den Leuten zu, das Kind nicht zu berühren. Sie zog ihm dann das Hemd aus und verbrannte es, dann zog sie dem Kind ein anderes Hemd an und kleidete es wieder vollständig an, sie erklärte darauf, daß sich der Anfall sicherlich nicht wiederholen würde. In der Grafschaft Mayo glaubt man an das folgende Mittel zur Beseitigung von Warzen. Man nimmt zwölf Strohhalme und schneidet sie so, daß die Glieder in die Mitte kommen. Dann steckt man die zwölf zusammen in- den Erdboden und wenn sie dann von unten wegzufaulen beginnen, gehen auch die Warzen langsam weg. * Unter Kameraden. „Kamerad sind verlobt; Braut wohl kolossal reich?" — „Ach, reich gerade nicht — aber blödstnnig begütert!" * Aha! „Woher haben Sie denn das zerkratzte Gesicht?" -- „Oh, ein Famitienereignis; vor einigen Tagen überraschte mich meine liebe Frau mit einem gesunden Mädchen." — „Ja, aber das M doch damit nichts zu tun?" — „Oh doch — es war unsere Köchin!" Kleine Tnqesckronir. Bei Essen entstand in der Nacht zum Dienstag zwischen ausländischen und einheimischen Arbeitern ein Streit, bei dem ein Rumäne namens Bora durch Messerstiche getötet und ein Oesterreicher schwer verwundet wurde. Zwei weitere Personen wurden leicht verletzt. Die Polizei verhaftete sieben Teilnehmer an der Ausschreitung. Aus Schloß Holte (Westfalen) wird amtlich gemeldet: Am Dienstag morgen e n t g l e i st e n auf Weiche 2 des Bahnhofes Schloß Holte die letzten vier Wagen des Personenzuges Nr. 653. Ein Personenwagen wurde umgeworfen. Sechs Personen erlitten Kopfverletzungen, fünf leichte Abschürfungen. Ein.Gerätewagen ist angefordert worden. Der Verkehr wird auf Gleis 3 aufrecht erhalten. Ter frühere Armeernusikinspizient Gustav Roßberg ist nrt Alter von 73 Jahren gestorben. Ta der Ballon „Saar" bis Montag abend nicht gefunden wurde, werden die Nachforschungen als vergeblich angesehen. Es ist (nur mit der Hoffnung zu rechnen, daß entweder der Ballon in wenig bewohnten Gegenden gelandet, ober von einem Schiff ausgenommen worben ist. — In der Nordsee herrschte erneut ^schw eres Unwetter, wodurch die Schiffahrt sehr beemträchtigt war., Auf Helgoland konnten die Schiffe die Reede nrcbt verlassen. Tie Arbeiten bei dem Hafenneubau mußten zeit- wcilrg eingestellt werden. Tie Rettungsstation Amrumsüd der Deutschen GeselI- schast zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 14. November wurden von dem auf Seesand gesunkenen deutschen Besanewer „John Georg", Kapitän Benedixen, mit einer Zementladung .von Itzehoe nach Whk bestimmt, zwei Personen durch das Rettungsboot „Picher" der Station gerettet. Tie Seine ht, so wird aus Paris vom 15. d. M. ge- xneldet,. in den letzten 24 ©tunbfn 12 Zentimeter gestiegen. Ans London wird gemeldet: In ber Nacht zum Dienstag fuhr bei Darlington im Bahnhof ein Expreßz u g auf einen still st ehenben Güterzug. Die Trümmer, bes Erpreßzuges, dessen Maschine nmfchlua, wurden weit herum- qefchleudert. Die Wagen des stillttehenben Zuges würben eine englische Meile weit fortgetrieben. Ter Führer imb ber Heizer be§ ExvreßumeS wurden sofort getötet. Auf bem stillstehenben Zuge mürbe kein Personal verletzt. In Kathlow, Kreis Kottbus, stieß der Eigentümer Krüger seinem erwachsenen Sohne aus Unmut darüber, daß ihm dieser Geld zu Schnaps verweigerte, ein Messer ins Herz. Der Sohn war sofort tot. Im Schwarzer Meer herrscht starker Sturm. In der Nöbe von Tuapse wurde ein Fahrzeug an den Strand geworfen; drei Personen ertranken. Die Blätter melden ans Schanohai: In der Patronen- fabrik zu Paetmasu hat eine furcht bare Explosion statt- gefunden. 23 Personen wurden getötet, 12 schwer verletzt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf ber Witterung feit gestern früh: TaS über England laaernbe Tief ist weiter gezogen Es liegt über Osibeutschtonb. Bet feinem Vorbeiziehen sinb strichweise geringe Regen gefallen, ^c'fen liegt jetzt auf ber Rückseite ber Depression unb bainit im Bereich kühler nördlicher Winbe. Von Nordwesien nähert sich eine neue Depression, bie aber noch feinen Einfluß hat. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag bem 17.Novbr. 1910: Trocken, nördliche Winbe, kälter. Niederlagen: Jean Weisel Fernspr. 235 und Heinr. Zinn Fernspr. 807 Eine der seltenen Quellen mit nur rein natürlicher Füllung ' ID12/«] Weile künstlerische Mel! ■«&! Preisen kaufen will, verl. kostenfr. Offerte. Besichtig, uns. grossstädt. eingericht. Fabriklagers mit über80 compl. Zimmer-^inricht. sehenswert u. lohnend. Bei gröss.Kauf: Fahrtvergüt. Lief, frei Wnhnung unter Garantie Fast überall viele Referenzen. Conr. Sauer Söhne, Fulda, Möbelfabrik mit ümiBHB9 Dampfbetrieb. Gegr. 1883. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittag D/s Uhr, auf dem neuen Friedhof statt. 6290 Gießen, ben 16. November 1910. 109578 8-pferdige Giessen (Bismarckstr. 28), Mühlhausen i. Th. und Leipzig, den 15. November 1910. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Georg SchmalL im 84. Lebensjahre. Danksagung. Für bie vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei bem uns so schwer betroffenen Verluste meiner lieben Frau, unserer guten Tochter, Schwester, Schwägerin unb Tante Arav ArollN Gßnthek ueb. SAcider sowie für die hilfreiche Pflege ber Schul- und Kranken« fdjroeitern sagt innigsten Dank Im Namen ber trauemben Hinterbliebenen: Franz Günther, Schaffner. Statt besonderer Anzeige. Heute morgen entschlief sanft unsere liebe Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Frau Gerhard Adami Ww. Geschäfts - Verkauf. Ein feit 40 Jahren bestelienbes Putz, Modewaren- u. Tavisser.- Gefchäft in heftet Geschäftslage Alsselbs ist unter günstigen Bedingungen mit ober ohne Grnnb- stück au verkaufen. Schritt!. Angebote unter 09506 an ben Gießener Anzeiger erb. Güntt. Gelegen bett z. Etablierung für Pntz«1irektricp. In e. Stabt C-berheffenö ift bas älteste Pubaesch.m. fein. u. mittler. Slunbfdi. vorgerückt. Alters wegen abzurtehen. Andere cinfchL Artik. könnt, mitüber leben w. Für fürfit. 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