Nr. 194 Zweites Blatt ISO. Jahrgang Samstag 20. August 1910 Erscheint tS-ttch mit Ausnahme bei Sanntag«. Die „Lietzener KamIllenblSIter" werden bem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. Die „LaatzVirtschastUchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Sberheffen Rotationsdruck und Berlag der Brühllchea UnwersitLtS - Bilch» und Steindruckeret. R. Lauge, Gießen. Redaktion; Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^6L Redaktion:«« 112. Teü-Adrt AnzeigerEießen. Kranzösifch-rnfstsche Treibereien gegen die neue ungarische Anleihe. Die Zulassun g der neuen ungarischenAnleihe an der Pariser Borse scheint Ku einer hochpolitischen Angelegenheit ausgebauscht werden $u sollen. Ungarn will eine Anleihe von 470 Millionen Marr in Frankreich aus- nchmen. Die Rothschildgruppe ist bereit, das Geschäft zu machen. Da erheben einige Pariser Blätter politische Bedenken dagegen und verlangen von der französischen Regierung, daß sie die Zulassung der Anleche an der Pariser Börse nicht gestatte. Die ungarische Anleihe sei wesentlich für Rüstungszwecke bestimmt, stärke Oesterreich-Ungarn und mittelbar die deutsche Stoßkraft gegen Frankreich, schädige somit französische Interessen. Diese Bedenken sind inzwischen von russischen Blättern übernommen und verschärft worden. Oesterreich-Ungarn sei Rußlands alter Gegner. Eine jede Stärkung Oesterreich- Ungarns habe eine entsprechende Schwächung Rußlands zur Folge. Mit Rücksicht daraus erwartet anch die „Nowoje Wremja" von der Klugheit der fraiHösischen Regierung, daß sie die ungarische Anleihe nicht zulasse. Frankreich hat, so schreibt die „Deutsche Volksw. Korrespondenz", überschüssiges Kapital. Das Geschäft zwischen der Pariser Hochfinanz und der ungarischen Regierung ist so gut wie abgeschlossen. Sachliche Bedenken gegen ungarische Papiere liegen nicht vor. Lediglich aus politischen Gründen die Zulassung einer ungarischen Anleche nicht m genehmigen, wäre neu, würde die Madjaren verletzen, Die beteiligte Hochfinanz schädigen und folgerichtig dazu führen, daß französische Kapitalien in Zukunft nur für den Geldbedarf solcher Staaten verfügbar wären, die als Freunde Frankreichs anzuseheu sind, in erster Reihe für Rußland. Mit dieser Konsequenz wird man zwar in Rußland aus naheliegenden 'Gründen einverstanden sein, schwerlich aber auch in Frankreich. Die französischen Kapitalisten verlangen möglichst hohe Zinsen und möglichst gute Sicherheiten. Diese wirtschaftlichen Interessen der Einzelnen fallen aber nicht immer mit den politischen Interessen der Gesamtheit zusammen. Mrd doch in sehr ernsthaften Kreisen bezweifelt, daß die massenhafte Anlage ftanzösischen Kapitals in russischen Anleihen überhaupt empfehlenswert und vorteilhaft war, bezweifelt vom Standpunkt der französischen Kapitalisten tote vom Gesichtspunkt der französischen Politik. Erst die Zukunft wird darüber Aufklärung geben. Wenn die ftanzösischen Geldmänner genötigt werden, nur die Anleihen befreundeter Staaten zu vermitteln, da andere nicht zugelassen werden, wenn zunächst auch Italien ausgeschlossen wird, so bleiben, da England und die nordameriranische Union ihren Geldbedarf selbst decken, nur Staaten zweiten und dritten Ranges übrig, deren Zahlungs- läbigkeit mehr oder weniger zu wünschen übrig läßt. Trotz aller erhobenen Einwände wird man in Paris nicht umhin rönnen, die Auflegung der neuen ungarischen Anleihe in Frankreich zuzulasjen. von der ostafrikanischen Zentralbahn. Das verflossene Jahr hat, so lesen wir in den Mitteilungen der Deutschen Kolonialgesellschast, die Zentralbahn ihrem vorläufigen Endziel wieder ein beträchtliches Stück näher gebracht. Die Arbeiterverhältnisse waren in den letzten Monaten befriedigend. Trotz der heftig einsetzenden Regenzeit war es möglich, die Arbeiterzahl im Mai von 9200 auf 13 000 zu bringen, und es ist anzunehmen, daß infolge der gutorganisierten Arbeiteranwerbung die Arbeiterzahl sich auf einer derartigen Höhe halten wird und eine Stockung des Baubetriebes nicht eintritt. _ Der Gesundheitszustand des gesamten Beamten- und Arbeiterpersonals kann als gut bezeichnet werden. Die Anwerbung des erforderlichen Arbnterersatzes geschieht durch einen Arbeiterkommissar und zwei Anwerber der bauenden Firma. Außerdem aber ist erfreulicherweise festzustellen, daß neuerdings sich ein Zuzug freiwilliger Arbeiter, die zmn Teil schon beim Bau der Eisenbahn von Daressalaam nach Morogoro beschäftigt waren, stattsindet. Der Umfang der geleisteten Arbeiten läßt sich aus der ausgeführten Fels- und Erdbewegung ermessen, die in der Bauabteilung II allein zirka 930 000 Kubikmeter ergibt. Die Strecke von Kikombo soll voraussichtlich am 15. Oktober in Betrieb gesetzt und dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Am 1. Januar 1911 hofft man ein gleiches von der Strecke bis D o d o m a. Auch die Bauabteilungen III und IV sind mit den ihnen übertragenen Arbeiten in vollem Gang. Die Abteilung III reicht von Kikombo bis zum ersten Grabenaufstieg bei Kilimatinde. Der Schotter für den Bahndamm wird außer durch Handschlag von zwei Motor- Steinbrechanlagen gewonnen. Eine dritte Stembrechanlage wird bei Kilometer 252 installiert. Eine Steinbrechanlage liefert täglich rund 160 bis 200 Kubikmeter. Die Telephon- und Telegraphenleitungen halten mit dem Vorschreiten des Gleises gleichen Schritt. Die angestellten Wasserbohrungen haben keine günstigen Ergebnisse gezeitigt. In Muinisagara und Gulwe hat sich das Wasser als zur Kesselspeisung ungeeignet gezeigt. Daher muß von Kidete aus ein Wasserzug über 100 Kilometer weit die Strecke mit einwandfreiem Wasser versorgen. Die Bohrungen auf brauchbares Wasser werden dauernd fortgesetzt. Der öffentliche, provisorische Betrieb auf der Baustrecke ist am 23. Mai bis Kikombo eröffnet worden, und der Personen- und Privatgüterverkehr ist sehr rege, so daß schon heute mit einem umfangreichen späteren Verkehr zu rechnen ist. Außer dem Personenzug verkehren täglich ein bis zwei Oberbauzüge von Kilossa zur Gleisspitze, ein Magazinzug von Morogoro bis ebendahin, und zweimal wöchentlich die ersorderlichen Wasser und Schotterzüge. Deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag. ■4 Stuttgart, 19. Aug. Dem in nächster Zeit hier zusammentretenden „Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertage" hat die Geschäftsstelle in Hannover einen umfangreichen Tätigkeitsbericht über das verflossene Geschäftsjahr erstattet. Nach Mitteilungen geschäftlicher Art gibt der Bericht eine Ueberficht über die von ben Organen des Handwerks- und Gewerbekammertages bearbeiteten wichtigeren Angelegenheiten. Der Beschluß des Königsberger Kammertages, betr. die Abgrenzung des Handwerks unter Berücksichtigung der modernen Entwicklung und der hierdurch neugebildeten Gewerbezweige, ist in eingehend begründeten Eingaben den Bundesregierungen vorgetragen worden. Desgleichen ist der Beschluß über die Frage der Regelung der gewerberechtlichen Stellung handwerksmäßig tätiger Frauen weiter verfolgt worden, unb zwar dadurch, daß bestimmte Grundsätze für die praktische Durchführung dieser Regelung ausgearbeitet und den einzelnen Kammern zur Beachtung empfohlen wurden. Einige programmatische Hand- werkerftagen sind für eine endgültige Regelung vorbereitet worden, in erster Linie die Frage der Heranziehung der gewerblichen Großbetriebe zu den Kosten der Lehrlingsausbil-- d u n g im Handwerk. Obwohl diese Frage von Anfang der Tätigkeit des Kanrmertages an zur Erörterung gestanden hat, obwohl der Reichstag sich wiederholt zu Gunsten dieser Forderung ausgesprochen hat, haben sich bedauerlicherweise die Verbündeten Regierungen noch nicht entschließen können, die Angelegenheit gesetzlich zu regeln. Der geschäftsführende Ausschuß ist bei seinen diesjährigen Arbeiten zu bei* Ueberzeugung gekommen, daß es eine wesentliche Förderung für die endgültige Regelung der Angelegenheit sein würde, toenn sie gleichzeitig mit der Frage der Heranziehung juristischer Personen zu dem Handwerkergesetz vom 26. Juli 1897 verhandelt würde. Weiter hatte der Ausschuß wieder einmal Gelegenheit, sich mit verschiedenen Regierungsvorlagen zu beschäftigen, die eine Abänderung der Gewerbeordnung bezwecken. Die sogenannte „große" Gewerbeordnungsstovelle zunächst beschäftigt den Reichstag und dem'entsprecheud die einzelnen Jn- leressenvertretungen schon seit dem Eirde des Jahres 1907. Ein Teil dieser Vorlage, der den Geltungsbereich der Arbeiterschutzbestimmungen neu regelt, ist bereits Gesetz geworden. Der übrige Teil der Regierungsvorlage ist int Laufe des vorigen Jahres int 26. Ausschuß des Reichstages weiter behandelt worden. Der Ausschuß hat sich sehr genau mit den Beschlüssen dieses 26. Ausschusses besaßt, um von vornherein keinen Zweifel darüber zu lassen, daß er die vom Ausschuß gefaßten Beschlüsse als einen unerträglichen Eingriff in das gewerbliche Leben entschieden zurückweisen mußte. Er hat dabei feinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß die Rücksichtnahme auf die arbeitnehmenden Kreise durch den Reichstag in immer steigendem Maße zu einer Reglementierung des Gewerbes führt, die den Interessen der selbständigen Unternehmer in völlig ungenügend Weise Rechnung trägt und notwendigerweise zu einer derartigen Belastung des inländischen Gewerbes führen wird, daß es mit dem ausländischen Gewerbe nicht mehr konkurrenzfähig bleibt. Er hat daraus hingewiesen, daß diese weitgehende Rücksichtnahme auf die Interessen der Arbeitnehmer in den Kreisen des.Handwerks besonders verbitternd wirken muß, das aller eifrigen Bemühungen feiner Interessenvertretungen ungeachtet noch immer auf die gesetzgedische Erfüllung von Wünschen harren muß, die für das Handwerk von fundamentaler Bedeutung sind. Diese Fragen werden mit dem Hinweis auf die Gewerbefreiheit als unlösbar bezeichnet, während anderseits zu Gunsten der Arbeitnehmer das Prinzip der Gewerbefreiheit mehr und mehr durchlöchert wird, insofern die Reglementierung des gewerblichen Lebens in Frage steht. Die Verbündeten Regierungen haben am Beginn der neuen Session eine neue Vorlage eingeoracht, die sich glücklicherweise von den Uebertreibungen der Beschlüsse des 26. Ausschusses frei gehalten hat. Mehrfache Klagen über die Agitation der sozialdemokratischen Gewerkschaften zur Organisation der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter im sozialdemokratischen Sinne veranlaßten den Ausschuß, diese Frage zur Beratung auf die Tagesordnung des Kammertages in Stutt- gart zu stellen. Lin neuer vachstein-prozeh. x N or dhausen , 18. Aug, Vor dem hiesigen Schöffengericht fand heute ein neuer Prozeß gegen den früheren evangelischen Mindener Tivisionspsarrer Bach stein statt, der bekanntlich vor einigen Jahren im Mittelpunkte verschiedener militärgerichtlicher Verhandlungen stand. Bachstein ist ein ehemaliger katholischer Priester, der nach seinem UÜbertritte zur evangelischen Kirche eine lebhafte Propaganda für diese entfaltete. Mit den Gerichten kam er dadurch in Kon- slikt, daß er gelegentlich einer Versammlung des Osnabrücker Zweigvereins des Evangelischen Bundes über die katholische Kirche und ihre Einrichtungen Aeußerungen tat, die von Katholiken als Beschimpfung auf gefaxt wurden. Die Versammlung war noch der Behauptung der (Hnberufer eine nichtöffentliche, d. h., es hatten nur die Mitglieder des Evangelischen Bundes Zutritt. Trotzdem war in der fraglichen Versammlung auch ein Redakteur des „Osnabrücker Volkszeitung", eines Zentrumsblattes, erschienen und auf Grund des Berichts dieses Herrn wurde gegen Bachstein als Militärperson die Anklage vor dem Militärgericht wegen Beschimpfung von Einrichtungen der katholischen Kirche erhoben. Der nach der Behauptung Bacheins einseitig entstellte Bericht gab dessen angeblich beleidigenden Aeußerungen über die katholische Kirckie mied. So sollte Bachstein die Messe einen Hokuspokus genannt haben. Ter Prozeß wurde durch alle Instanzen bis zum Reichsmilitärgericht durchgeführt. Während das Oberkriegsgericht in Münster gegen Backstein auf einen Tag Gefängnis erkannt hettte, sprach ihn das Reichsmilitärgericht enbgiltig frei. Tie Folge der verschiedenen M- richtlichen Verhandlungen, die mit einem großen Zeugen- und Sachverständigenaufgebot geführt wurden, war aber doch die, daß Bachstein sein Amt als Tivisionspfarrer niederlegte und eine Pfarrerstelle in dem benachbarten Wolkramshausen übernahm. Auch in seiner neuen Stellung trat Bachstein polemisch gegen die katholische Kirche auf, zumal der Streit über die Osnabrücker Rede in beiden Lagern nicht schweigen wollte. A. a. entwickelte sich ein heftiger Zwist zwischen Bachstein und dem katholisckxn Sonntagsblatte „Leo" in Paderborn. Als dessen verantwortlicher Redakteur Dr. Mock die Angriffe Bachsteins scharf zurückwies, fühlte sich dieser durch die Form der Artikel beleidigt und stellte Strafantrag. Ten Vorsitz im Gerichtshöfe führte Amtsgerichtsrat Breme. Die Parteien waren beide mit ihren Rechts- beiständen zur Stelle. Vergleichsverhandlungen, die vom Vorsitzenden angeregt wurden, scheiterten an der Erklärung Backsteins, daß die Hineinziehung seiner FamiMenangelegen- heiten in die ganze Angelegenheit deutlich die Msicht der 3u Gabriel v. Max 70. Geburtstag. Gabriel v. Max, der Münchener Meister, feiert am 23. August seinen 70. Geburtstag. Wenn auch heute, im Zeitalter des Impressionismus, bald die letzten Brücken gefallen sein 1derben, die uns noch mit der Genrebildnerei der Pilotysckule verbinden, so bietet ein Ueberblick über die stattliche Reihe verschiedenartigster Individualitäten, die aus ihr hervorging, doch mancherlei Intereste. Um die Mannigfaltigkeit dieser Künstlergesellschaft zu kennzeichnen, genügt es, an die Namen eines Makart, Hermann Kaulbach, Lenbach und Defregger den des Ju iars zu reihen. Trotz seiner unleugbaren starten malerischen Qualitäten, die besonders in dec feinen und zarten Modellierung seiner Figuren und in der duftigen, meist licht gehaltenen Behandlung des Klorits hegen, find, wie man auch heute nicht verhehlen darf, die Sympathien für Die Kunst des Meisters immer geteilt gewesen. Dem einen mißfiel und mißfällt das Absonderliche, Bizarre seiner Stoffe, dem andern der etwas pathologische, bleichsüchttge Zug feiner Bilder. Die veraltete, „genrehafte" Art der Stoff- behandlung schließlich und sein selten unterdrückter Hang zur Sensation bewirkten, daß er gegen die neuere Kunst in den Hintergrund kam. Was er aber vor namhaften dieser Kunst auch heute noch vielfach voraus hat, ist sein seelisästs Ausdrucksvermögen. In der Fähigkeit, transzendentale Empftn- dungen im Menschenantlitz widerzistpiegelii, jtebt er in mancher Beziehung über Uhde und Gebhardt. Leider trübt das Mystisch-Verschwommene in seinen Bildern oft den reinen künstlerischen Genuß. Das mag schließlich manche seiner (vreunbc dazu verführt haben, über dem Pathologen den Künstler zu vergessen. Gabriel v. Max ist ein Sohn des bekannten Prager Bildhauers Josef Max. Von diesem wurde er schon als Knabe mit den zeichnerischen Änsangsgründen vertraut gemacht., Leidenschaftlicher Musikliebhaber, der er immer gewesen, versuchte er mit seinen ersten Tuschzeichnungeu Werke Beethovens, Mendelssohns, Liszts u. a. zu versinnbildlichen. Gabriel v. Max ^betreibt als Liebhaber ferner Anthropologie, Psychologie und Spiritismus, ur.b auch diese wissenschaftlichen Neigungen spiegeln sich in ferner Kunst, wir möchten sagen, ost nur zu deutlich wider. Im Anfang ging er mit Vorliebe aufs Große, Heroische, vor allem dem Märtyrertum galt sein künstlerisch-menschliches Interesse. Epoche machte er 1867 nut dem Bilde die „Märtyrerin am ft r c n z" lvor dem ein von einem Zechgelage heimkelirender junger Römer seinen Kranz uiederlegt). 1868 erschien „Margarete vor dec Mater Dolorosa". Darauf entstand eine ununterbrochene Reihe von Silbern mystischen Gehalts. Wir nennen hier nur de.i „Geistesgruß", „Ahasverus an der Leiche cmes Kindes., die „Seherin von Prevorst", die „Braut von Korinth . Die Berliner Rationalgalerie hefitzt von Max das Bild „EhristuS em Kind heilend", die Dresdener Galerie „Ein Vaterunser". In späteren Jahren hat sich Gabriel v. Max in seiner Art dem Realismus zugewandt. Davon zeugen seine Affenbilder, die, ost in recht geistreicher Art, die Darwinsche Lehre illustrieren: der Ernst Haeckel gewidmete „Pitheeanthropos" prangt ja in vielen naturwissenschaftlichen Büchern. Im Jahre 1900 erhielt der Künstler als Ritter des Verdienstordens der bayerischen Krone den persönlichen 2ldel. Seine beiden Söhne Cornelius und Colombo sind gleichfaUs -namhafte Künsller. Seit 1863 lebt Prof, v. Max in München. Züns Minuten im Wright-Apparat. Von Dr. Adolf Heß (Berlin). Es dämmert. Das Tageslicht fliegt als durchsichtiger Vogel mit hellblauen Schwingen über das Feld und verschwindet hinter dem Gehölz jenseits der Bahn. Zwei Monteure in blauem Arbeitsanzug werfen die aus drei dicken aufeinandergeleimten Bohlen geschnittenen, aluminium- farben gestrichenen Holzprobeller der Flugmaschine herum; aus dem kleinen, schwarzen Motor, der mit seinen 36 Pferdeftäften wie eine geballte Faust lauert, kommt ein ärgerliches Husten und Zischen; durch den offenen, schachtelförrnigen Leib des Apparates läuft ein Schwirren und Zittern — alles still. Auch das zweite O,Anwerfen" der Propeller ist umsonst. Beim drittenmal gibt es einen Ruck; die Explosionen im Motor beginnen; Treibketten laufen; mit gewaltigem Summen und Surren beschreiben die Holzschrauben ihren Flimmerkreis; die Luft wird nach allen Seiten gespritzt; die Hosen der Monteure flattern^ Mützen fliegen, Staub toirbelt auf. Der Sitz neben dem Führer ist nicht bequem. Man kriecht durch das Gewirr von schwanken Holzrippen und Drahtsehuen und nimmt auf der hartgepolsterten Stuhlplatte mit niedriger, schmaler Rückenlehne Platz. Die Füße werden auf das Gestänge aus amerikanischem Fichtenliolz gestellt; die rechte Hand umklammert eine der Rippen, die die untere und obere Tragfläche verbinden. Ingenieur Thelen wirft den Kopf in den Nacken; Hände und Schultern der Monteure weichen und int selben Augenblick sausen wir, von hinten gedrängt, mit Eilzuggeschwindigkeit über die Startbahn durch das hohe Gras. Rollen? Fliegen? Gleiten? Schweben? Für den Zuschauer ist es ein seltsames Schauspiel, wenn sich — nachdem genügend „Luftpolster" unter den leinenen Tragflächen gebildet und das Höhensteuer aufwärts gerichtet ist — der Apparat plötzlich vom Boden hebt und wie auf unsichtbaren Schienen in den Himmel rollt . . . Der Insasse merkt nichts von diesem „erhebenden" Moment. Berührt man noch den Boden,, oder fliegt man bereits? Es ist nicht zu unterscheiden. Eine rasend schnelle, gleitende, schleifende Bewegung auf oder dicht über dem Erdboden hin; gewaltige Kraft, die von hinten drängt; Eisenfaust, die ein Kartenhaus vorwärts schleudert. Das markig tiefe, brausende Surren und Summen der Propeller macht jede Unterhaltung unmöglich. Der steife, kühle, in der füllen, warmen Abendluft doppelt seltsame Zugwind reißt die Worte ungehört vom Munde. . . Allmählich wird die Bewegung, am Boden gemessen, langsamer. Wir steigen. Wie in klarem tiefen Gewässer die Gegenstände auf dem Grunde greifbar nahe erscheinen, so scheint auch der Erdboden unter uns in ganz geringer Entfernung. Gras- bedeckte und kahle Flächen, Sandwege, Gräben ziehen langsam dahin. Zwei aufgeschreckte Hasen schießen wie toll in kurzem Zickzack hin und her. Was die wohl denken? Wir nähen: uns dem ersten Richtungturm. Eine kaum merkliche Bewegung am linken Hebel vor dem Führersitz verstellt das hinten befindliche Seitensteuer. Die Maschine legt sich nach innen; wir umfliegen den Turm. Ich beobachte ben Führer. Kopf vorgestreckt, Augen starr geradeaus gerichtet, sitzt er, beide Hände an den Hebeln, unbeweglich wie — mit einer Dynamitbombe an: Kaffeetisch. Der sonderbare Gesichtsausdruck, die schmalen Backen, glänzenden Augen verraten die ungeheure Spannung. Alle Muskeln siick sttaff; alle Sinne lauem. Ich glaube, diese Leute leben in permanentem Fieber. Jede Sekunde kann etwas bringen. Die tiefe Stimwunde vom letzten Absturz juckt noch unter der Wollmützc; und der Farmanfahrer, der vor einer halben Stunde beim Aufstieg gequält scherzte: Ich tycrbc langsam hochgehen, aber schnell wieder bemnterfonrmen — wurde bald darauf unter den rauchenden Trümmern seines Apparates hervorgezogen. Dieser Sport geht an die Nerven. Und gibt — Ruhe. Wir machen die zweite Runde. Unten brauen milchige Nebel- schwaden wie ein wallendes Tischtuch. Der Lichtpunkt deutet das Wirtshaus an. Gleichmäßig, wie auf hoher See umspült der elastische Zugwind Gesicht und Hände. Der sonore Brustgesang der Propeller deutet auf gleichmäßigen Herzschlag im Vergaser. Wied ein Ruck am Hebel: es geht schräg abwärts. Die milchigen Schwaden zerfließen; welkes Gras wird mit rasender Geschwindigkeit unter uns weggerissen. Käme jetzt ein vorzeitiges Ausstößen in einer Vertiefung — Apparat und Knochen wären zum Teufel. Ein Gefühl, tote auf einer brettern en Lokomotive. . Der Führer zupft an der Stellschnur. Der Motor setzt plötzlich aus; hustet, pufft noch ein paarmal; die Propeller drehen sich langsam, zittern, wie nach angestrengter Arlieit, und fteben still. Wir gleiten toie ein Vogel dicht über, auf dem Erddev, hin; ein paar graziöse Sprünge — der Appavat Hütt. Fünf Kilometer in fünf Minuten! nr-—-■ , -j 1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr 1 1 HD Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen. E Wetter 9“ 18. bis 19. August = 18. 19. Das Leben des Babhs bänat an einem Faden, uung gestört tst. Geben Sie Ihrem Kinde deshalb 6 2 2 9 10 3 SW 8 SW 4- 22,0*0. + 12,0 eC. Altersschwäche Lebensschwäche Aug. 1910 745,2 746,5 749,3 21,1 111,8 17,4 11,8 15,6 11,2 Bew. Himmek Bed. „ Sonnenschein ZI ■Se KS CD ■C s toollte. Der Sultan habe endlich die Summe her gegeben als Preis dafür, daß man ihn aus Saloniki fortließ, nach Konstantinopel, oder wohin er sonst zu gehen wünschte Verantwortlich für „Aus Stadt und Land" und „Gerichtssaab i. V.: Karl Neurath. Beleidigung erkennen lasse. Es wird darauf der erste der in* frinnn irrten Artikel im „Leo" der die lieberfdxrift trägt „Der Apostat Bachstein" verlesen. Der Beklagte Tr. Mock macht darin dem Kläger den Vorwurf, er sei entweder schwach int Latein oder schwach in der Wahrheit, wenn er aus der Theologia moralis des Jesuiten Lehmkuhl die Behauptung entnehme, nach katholischer Lehre könne der Soldat auch im Frieden unter gegebenen Verhältnissen desertieren. Der zweite Artikel im „Lev" ist eine Antwort des Beklagten auf einen Brief und eine Richtigstellung . Bachsteins. Zur Sache selbst liegen zwei Gutachten vor, eines des Geheimen Kirchenrats Bros. Dr. N i p p o l d "(Jena) und eines des katholischen Professors an der Universität Münster, Dr. Mausbach. Das letzte Gutachten enthält aber nur die wortgetreue Uebersetzung der Stellen aus Lehmkuhls Theologia moralis, die für die Ausfassung des Beklagten wie des Klägers in Frage kommen. Der Gerichtshof beschloß daher, die Sache zu vertagen und Professor Mausbach auszufordern, ein .Gutachten I einzureichen, daß sich auch zur Sache selbst ausspreche. 64 80 85 teiligen wollen, müssen unverzüglich ihre Bestellungen an den Landwirtschaftskammer-Ausschuß in Gießen richten. ** D i e Kanalisation jenseits der Lahn, im sogenannten Sachsenhausen, macht recht gute Fortschritte. Das Gebiet rechts der Rodheim er Straße wird sein Regenwasser mittels eines Kanals, der von Krofdorfer Straße unter dem Lohbach hindurch in direkter Linie zur Lahn führt, abgeben, während die Regenwässer des Gebietes links der Rodheimer Straße in den Regenwasserkanal, der für den Schlachthof angelegt ist, abfließen werden. Es ist bei dieser Führung der Regenwasserkanäle möglich, den Lohbach von der Treppingerschen Bleiche aus vollständig trocken zu legen, indem man dessen Wasser einfach an der Kreuzungs- i stelle in den Kanal selbst fließen laßt. Diese Ableitung des Lohbaches ist heute vormittag bereits vorläufig geschehen. Vom Schweinemarkt aus wird unterhalb der Sohle des Wasserlaufes der Schmutzwasserkanal eingebettet und durch ein Duck nach dem jenseitigen Ufer der Lahn zu den Klärbecken geleitet. Die Arbeiten zur Legung des Dückers hat eine Firma aus Duisburg übernommen, die am Montag damit beginnen wird. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten ist das ganze bebaute Gebiet unserer Stadt mit der Kanalisation versehen, doch wird man den Hausbesitzern jenseits der Lahn wohl noch eine längere Frist zu den Hausanschlüssen gewähren. Der Lohbach führt den Namen Bach eigentlich zu unrecht, denn es handelt sich nicht etwa um ein Nebenflüßchen, sondern um einen Arm der Lahn, der früher dazu diente, die Lohmühle, das heutige Vereinshaus des Gießener Rudervereins, zu treiben. ** Letchenländung. Gestern mittag wurde in der Lahn oberhalb der Militär-Badeanstalt die Leiche des Maurers Hauser von hier gelandet. H. war zeitweise geistesgestört und hatte sich am vergangenen Montag früh aus seiner Wohnung entfernt, um angeblich in die Klinik zu gehen und seit dieser Zeit wurde er vermißt. /* Billiges Fahrrad. Am 16. l. Mts. logierte sich in einem hiesigen Hotel ein junger Mann ein und entlieh sich am andern Morgen vom Hotelbesitzer ein Fahrrad, angeblich um einmal nach Dutenhofen zu fahren. Ter Fremde fuhr dann mit dem Rad davon, vergaß aber das Wieder-1 kommen. Die Personalien des Betrügers sind näher nicht bekannt. Aus Stadt und Land. Gießen, 20. August 1910. Tageskalender für Sonntag den 21. August: Kinematograph: Neuer Spielplan. Biograph: Neuer Spielplan. Anlaqemusik Sonntag vormittag 12 Uhr auf dem Lindenplatz: 1. Altniederländisches Dankgebet („Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten") von V. Kremser. 2. Finale des 2. Aktes, Kriegsmarsch, Gebet und Schlachlhymne aus der Oper „Cola Rienzi" von R. Wagner. 3. Hüons Zauberhorn. Große Phantasie aus der Oper „Oberon" von C. M. v. Weber. 4. Pepitamarsch. Armeemarsch Nr. 160. * •• Erled igte Lehrerstellen. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Offstein. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden, werden. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hirzenhain. '* Vieheinfuhr aus der Schweiz. Im Einvernehmen mit dem Großh. badischen Ministerium hat Großh. Ministerium des Innern die Einfuhr von Klauenvieh aus der zurzeit noch wegen Maul- und Klauenseuche gesperrten Schweiz unter gewissen Bestimmungen gestattet. Dem Land- wirtschaftskammer-Ausschuß für Oberhessen wird es hierdurch ermöglicht, die vorgesehene Einfuhr von Simmentaler Bullen auszuführcn und den Ankaufsausschuß mit der sofortigen Einfuhr zu beauftragen. Oberhessische Gemeinden, die sich be- 19. 19. 20. J-i gB*:! CO Ji 1 si , )( Gießen, 19. Ang. Streitsüchtige Nachbarn kamen wegen dem Wäschetrocknen in Streit, wobei die Frau des Mineralwasser Händlers I. S. auf den Flaschenbier Händl er H. Z. X Lo llar, 19. Aug. Bei dem am (Sonntag, den 14 d. Mts von dem Krieger v erei n Ludwig zur Treue veranstalteten Preis schieße n gingen folgende als beste Schützen hervor: 1. Polizeidiener Heuser mit 91 Ringen, 2. Mühlenbesitzer Chrrst 87, 3. Baumwart Fuchs 85, Forstassessor Baader 83, 5. Lchweinehänbler K. Erdmann jr. 80, 6. Schirrmann K Moos 77 7. Herr Benzler 74, 8. Gastwirt Bierau 72, 9 Herr Pottberg 72, 10. Herr Reuter 71. Bekanntlich nimmt das Schießen am Sonntag den 21. l. Mts. sein Ende. Es kommen sehr wertvolle Preise zur Verteilung. x Lich, 19. Aug. Ein Hochstapler wurde gestern in Bessingen auf frischer Tat ertappt und von der Gendarmerie ms Gefängnis emgeliefert. Der Gauner war in der Wirt-! schatt zur „Horstenburg" an der Straße von Ober-Befsinaen | nach Lrch eingekehrt, wo er sich, als die Wirtin einen Augen- bttck dte Lttche verließ, an der Kasse zu schaffen machte. Dre Wtrttn, dte den Spitzbuben beobachtet hatte, rief einen vorübergehenden Gendarmen, der den Gauner abfaßte. Es stellte sich heraus, daß man es mit einem Spitzbuben zu macfytettC' schon länger in der Gegend zu schaffen K. Queckborn, 19. Aug. Unsere Gemeinde ist in bez^tg auf ihre Feldarbeiten eine der frühesten. Während dre Nachbarorte noch tüchtig bei der Ernte sind, haben die hresrgen Landwirte schon ihre Felder vollständig geleert Sogar die Grummeternte hat schon begonnen. -s- S ch otten, 19. Aug. Auf dem Lehrerheim „Bogels- st^tt nächsten Donnerstag die Ludwigstagskonferenz 19- Aug Die städtische Turnhalle tun Sxhreßstand des Schützenvereins ist jetzt vollendet und wird demnächst erngeweiht. Das im Frühjahr eröfsente Alum- nat für das hiesige Gymnasium ist bereits voll besetzt und noch mehrere Anmeldungen liegen vor. Schon jetzt werden im Dachstock Erweiterungen vorgenommen. c. A-H0n a n, 19. Aug. In das Handelsregister ist die Mrengetell«chatt Hanauer Knnstseidesabrik eingetragen wor- Df1 <(i( iflt 1500000 Mark. Die seitherige V1 o. V. uer Kunstseidefabrik und die Firma Gebr. J11 /°a.n.au bringen gegen entsprechende Entschädigung ihre Patente ig die jieJte Gesellschaft ein. An der Neugründung ist Niederschlag: — 0,0 mm. Kurorts mit Krina billigst fte nW s5ne bie Stimmung Abdul HamiüH h-r'aasgeLen I örühl'iche Universttätr-Vruckerei. K Lange, Sieben Spielplan des lknrhaus-Lhealers vad Nauheim. Direktion: Hermann Steingoetter. Sonntag, 21. Aug.: „Als ich roieberfam." Montag, 22. Aua - .Der dunkle Punkt." Mittwoch, 24. Aug.: „Wie die Alten hingen' Frettag, 26. Aug.: „Moral." Höchste Temperatur am Niedrigste , , Die nach- Apprafp sind am Sonntag dem 21. Ang. Imit einem Schlüssel in der Hand eindrang. Z. suchte die sich! nur für dringende Fälle” icher anzutreffen wle rasend geberdende Fran mit einer Mistgabel von sich ab- Dr. Geyer, Seltersweg 64 - Dr Wa^er West-ÄiüarA ^wehren. Die Fran erhielt dabei einen Stich in den linken ---—- g gC; west Anlage 49. * XW5HÄ Ä Uuszug o. d. Ztanüesamtsregistem der Stadt Gietzen. i behauptet aber, die Frau sei in blinber Jöut in tue vorgcstreckte Aufgebote. I ^^ol hinemgerannt. Bor dem Schöffengericht hatte sich Z. l August. 13. Karl Aßmann, Briesträger in Gießen, mir Berta deshalb wegen Körperverletzung zu verantworten, doch, da neben schnell in Hergersdorf. - 13. Heinrich Wagner, Telegraphenleuunos. günstigen Aussagen auch der ärztliche Befund für die cmfseher, mit Elisabeth Gebauer, beide in Gießen. — 15. Ferdinand Otichtigkeit )emer Angaben sprach, wurde er freigesprochen Lenz, Brauereibesttzer in Herford, mit Elly Haubach in Gießen. - l -?ie ■ Nebenklagerm auftretende Verletzte unter Kosten-1J6- Wilhelm Hell, Sergeant in Gießen, mit Frieda Lisette Ren in pelaltung mit '^6^ Bußanspruch zurückgewiesen. Staatsanwalt- Utphe. — 16. Karl Schneider, Schneider, mit Lina Ferber, beide fihaft unt) Nebenklägerin fochten das Urteil an. Es wurde zwar m Gießen. — 17. Friedrich Karl Mootz, Hilfsbeizer in Gießen, mit feftgeftent, daß her Angeklagte geäußert hat, er stelle sich die Berta Lutz in Betzdorf. — 17. Tr. Karl Klein, Spezialarzt in Mistgabel zurecht und steche die Frau zusammen: doch hat auch Gießen, mit Herrnanee Marie Gatzert in Dtarseille. die Frau gedroht, dem Angeklagten einen Denkzettel auszustellen. Geborene. Da zum mindesten die Möglichkeit bestand, daß die Verletzte bei! August. 9. Dem Kaufmann August Peter Ehristopherfen ein ibrem Eindringen aus den Angeklagten in die Gabel hineinge- Sohn. — 11. Dem Gärtner Wilhelm Menge eine Tochter, Elisabeth schlagen hat, oder diese habe beiseite drücken wollen und sich Friederike. — 11. Dem Photographen Karl Borst ein Sohn, Walter dabei verletzt hat, ließ das Gericht ebenfalls Freisprechung Wilhelm. — 12. Dem Dreher August Müller ein Sohn, Ernst mangel» Beweises emtreten, indem es unter Kostenbelastung der August. — 12. Dem Wagenwärter Martin Schepp ein Sohn Staatskasse bezw. der Nebenklägerin^ die Berufung zurück- Johannes Martin. — 13. Dem Dienstknecht Slugust Lahn ein ro 1 e m ^?hn. 13. Dem Installateur Heinrich Deeg ein Sohn. — Vergehen gegen das Perfonenstandsgesetz J.3* ?em Kutscher Johannes Nieolai ein Sohn, Hans Heinrich ist dem jetzt vom Amte suspendierten Standesbeamten H. S. au§ ~ 14* Dem Lokomotivheizer Wilhelm Petzold ein Sohn, Dorheim zur Last gelegt. Die Anklage nimmt an, er habe außer — 15. Dem Briefträger Ludwig Beck em Sohn, Erwin feiner Zuständigkeit und ohne Ermächtigung der zuständigen "T 1^-Dem Schlosser Gerhard Schepers eine Tochrer, Standesbeamten die Aufgebotsverhandlungen zwischen einem in Ortrud. — 15. Dem Schreiner August Gäbisch ein Sohn. - Bad-Nauheim wohnhaften Bräutigam und der in Friedberg woh- Dem Arbeiter Johann Medynski eine Tochter, Marie. — nenden Braut angeordnet und ihre Eheschließung vorgenommen 17‘ 'Ce,n Fabrikarbeiter Georg Zahner ein Sohn, Jean Karl. Nach feinen Angaben hat er angenommen, die in Friedberg be- . Gestorbene. drenstete Braut habe ihren Wohnsitz in Dorheim nicht aufgegeben, f ■ ^"8"'*- 13. Marie Geiler, geb. Kern, 37 Jahre alt, Frank- weshalb er zu der Eheschließung zuständig gewesen sei, zumal Straße 75. — 16. Marie Bräuning, 3 Jahre alt, Bruch- sie sich polizeilich nicht abgemeldet habe. Nach der Auffassung '4-rnfee r? T 181 Elisabethe Becker, geb. Oppermann, 58 Jahre alt, des Gerichts war er zu der Anordnung des Aufgebots wftänbia I Sonnenstraße 5. da die Braut durch ihr Dienstverhältnis in Friedberg ihren ' ■ I "eil",,ie oanocv Wa wollen.I AUM.: Die in Klammern ges-iilen Zisser,?gebcn an, wimmel ®Eom®ne™' irteHte weg- der Todessalle in der beir-ssenden Krankheit auf von auswärts nach ==ÄnEnS»r“nf Än^inb; ^ch Ä ^men. _______________ wohnendes Mädch^i beklagte sich am nämlichen Tage noch, es Märkte f^ngni^ÄanLe^' °us 5 Monate ® e. LfiU pt.’et ®OO^AÄ IVüsVÄ 9 Wegen Körperverletzung Ä Tr A11 .^^ssdvrf zu 6 Wochen Ge- fleisch pr. Pfund 80—96 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 86-88 Pfg., bK-a-nb ?lt .fetnem Sohn in einer Wirt- Hammelfleisch pr. Pfd. 60—84 Pfg. Kartoffeln (neue) pr. 100 Kg. 7.00 sra° ä und emem anberen Burschen zu bis 8.00 Ack., Zwiebeln per Ztr. 6,00—8,00 Mk., Aftlch per Liter ec Sohn angegriffen: 20 Pfg., Gurken per 100 Stück 2.50—3 Mk. Birnen per Pfund 15 £em Greifer eine Flasche auf den Kopf, daß bis 30 Pfg., Aepfel per Pfd. 10-15 Pfg., ^welschen per Pfd tiufif entstand und der Verletzte be- 20 Pfg., Nüsse 100 Stück 50 bis 60 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk fünf Wochen zur Heilung. Bohnen per Pfd. 10-15 Pfg. Marktzeit vön 7-1 Uhr. # Unter Berufung auf Notwehr focht er das Urteil an. Die Straf- --------------- fammer pieU zwar Notwehr für vorliegend, doch ist diese erheblich Überschritten worden. Unter Berücksichtigung der Angetrunkenheit des Angeklagten und des uiweranlaßten Vorgehens des Verletzten tem das Gericht zur Herabsetzung der Strafe auf 3 Wochen Gefangnrs. Sport. Bezirk des Hessischen A i h lei e n-B er- b a n d e s halt am 21. August tm Vereinslokal des I. Gießener Stemm- und Ring-Klub seinen 3. Bezirkstag ab. Die Ver^ind- lungen werden sich tn der Hauptsache mit den Anträgen zum Ver- bandstag, der am 15. und 16. Oktober in Kassel ftattfinbet, beschäftigen. Das Schicksal Abda! Hamids. £ London, 17. August «5r^aIbtS^tIe' kürzlich Saloniki einem Besuch abstattete, berichtet in der „Westminster Gazette" ““ diesen Besuch und behauptet, dass scheinbar der Ex- geladen, das dicht neben der Nll- steht, in welcher fal- bmwegbrmgr (ss«A Sultan Kuerst eingesperrt wurde. Sie sprach die Hoffnung aus, etwas von ihm zu sehen, aber man entgegnete ihr sofort, daß er überhaupt garnicht mehr da sei. Weitere Erkundigungen in der Stadt förderten immer dieselbe Antwort zutage, nämlich, daß man nicht wisse, wo der Sultan lei nur das eine fei sicher, daß er nichr mehr in Saloniki roetIe-_ Tie Posten standen allerdings noch vor der Billa aber man ,ehe keine Kaufleute mehr dorthin gehen, während sie zuerst in Scharen kamen, aulch bleibe die Villa des Mends i äani bmtet njätfrenb sie zuerst immer hell erleuchtet toar. SPAZIER- ff2e-r!»ira BO ■ ■ SELTER«; pt ®^e6hd?r frag‘e Irs. Little einen Mazedonier, der STÖCKE VlEBR. VW AAO WFr?« etwas mehr über die Sache zu wissen schien. Er meinte __ wEü 58 o& man denn vergessen habe, wie vor einem Jahre der ,-- 5_"are.Tn sortgeschafft wurde unter dem^Bor- toanbe, daß eine der Tochter des Exsultans Hochzeit feiern loollte, wahrend in Wirtlichkeit niemals eine Hochzeit ae- ^"leble Küchcn Einrichtungcn in bekannt tadelloser AusMbrung ’®arum habe man die Haremdamen bri besonderen Vorzugspreisen und sranko jeder Nacht dort fortgebracht? Und dann seien sie aezäblt irnr- P ™ ZusammenUellungen von Ausstattungen in der Preis- ben, es waren ihrer dreizehn, bie for reiften ffiw SSSw'8 »» Mk.M,- erhalten Interessenten kostenlos zwölf gekommen feien. Man habe damals' Nch aefaat ^en mele Referenzen aus ersten Kreisen gerne zur Bersügung daß der Sultan verkleidet mit ihnen en Ludtvia Jltötl die K^ufleu'te 'in ZchonittE^wisfe'gkna^däNe" je7em Spezial-Geschäft für Haus, und Küchen-Artikel ---- ^6e nichts mehr in der Billa abgeliefert worden sei für Blockstraße 10 4039 Telephon 655 ^b/rgens fei es nicht auffällig, daß am Tage,'-- nachdem die Billa von den angeblichen Haremdamen ver- Q leiVDlr &e, tue Deu t s ch e Bank die Summe heraus- gab, die sie von dem Exsultan in der Hand hielt, und die ^°bnsitz in Dorheim nirf)t aufgegeben hat. Der Angeklagte wäre McheNÜ. llebetsicht ÖCF 20Öe$fäHe L Ä.StOM ©Ufteit M Veröffentlichung des Aufgebots, außer in Bad-Nauheim 33. Woche. Vom 7. bis 13. August 1910 Ä d^AnÄme^Äe blb•Cr Einwohnerzahl: angenommen zu 31,800 (infL 1600 Atann Militär). xT? Sre 5”? uS ■ habe ihren Wohnsitz noch tn Dorheim, Sterblichkeitsziffer.- 14.71 °f h?n mOrtr ntc^ aushängen lassen, so hat er gegen nach Abzug von 4 Ortsfremden: 8J7 ü/oe den 8 69 des Personenstandsgesetzes verstoßen. Er wurde zu der Kinder QI lqrn^ e 1 Vtr ??eöon3 Mark verurteil^ Es starben an : Zusammen: Erwachsene: im vorn eine vorherige Anfrage bet ferner vorgesetzten Behörde, bem1 - on Amtsgericht, hätte ihn vor der Unannehmlichkeit bewahrt. Diebstahl tm Rückfall verübte die Frau des Maurers H. W. in Friedberg. Als die Frau eines im nämlichen Hause wohnenden Taglöhners, die auf fur^e Zett die Wohnung verlassen und vorher alles abgeschlossen hatte, zuruckkam traf sie die Angeklagte in der Küche an. Auf -befragen, wie sie in die Küche komme, gab sie zögernd an, es I“ eine Eßgabel abhanden gekommen und da sie annahm, ihr Kind habe sie mitgenommen, habe sie danach sehen wollen. in hohem Maße die sächsische Industrie beteiligt. — In der Rahe der Station Heldenbergen-Windecken der Strecke Hanau— ' Möbel jeder Art in lackiert und poliert. ? '. Komplette Schlaf'/lmmereinrichtungen. t ■ Tapeten, Linoleum, Vorhänge,Teppiche, > <' Vorlagen, Möbelstoffe en gros und en detail \ ........ in grosser Auswahl. - x ' ‘ Spezialität: Kompl. Wohnungs- u. Hoteleinrichtungen. / Konkurs-Ausverkauf. Sämtliche Bestände des Konkurses Karnbach, Bahnhofstraße 27 als: Manschetten, Kragen, Schlipse, Selbstbinder, Schirme, Spazierstöcke, Anzüge, Buckskine, Handtaschen, Mützen, Socken re. werden zu und unter Einkaufspreis ausvertauft. 4471 _________L. Althoff, Konkursverwalter. Frische Ladung Herbst's Hundekuchen, Lebertran- Welpenfutter, Kraftfutter, Geflügel-, Kücken- und Fasanen-Futter einqetroffen. 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Pflasterarbeiten „ , 1480,00 D Die Verdingungsunterlagen liegen auf Grotzh. Bürger- meisterei Obbornhofen zur Einsicht offen. Die Angebote haben in Prozenten des Voranschlages zu erfolgen und sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bei Grotzh. Bürgermeisterei Obbornhofeu cinzureichen, woselbst deren Eröffnung Mlttwoch den 24. ds. MtS., vormittags 10l/2 tthr, in Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfindet. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 12. August 1910. bu/8 Großh. Kulturinspektion Gießen. _________________H. Steinb ach.__________________ Arbeitsvergebung. Die Herstellung von ca. 200 qm Schieferdach für die Gemeinde Ober-Beffingen soll durch Submission vergeben werden. Die Angebote sind bis spätestens den 27. d. M., morgens 10 Uhr, an Grotzh. Bürgermeisterei Obcr- Bessingen einzuceichen. Daselbst können auch Voranschlag und Bedingungen eingesehen werden. Hungen, am 20. August 1910. Listmann, Kreisstraßenmeister. 4509 Amtlicher Teil. Gießen, den 18. August 1910. B e t r.': Die Aufbesserung der Bezüge bedürftiger Lehrerwitwen. Die Grosch. KreisschulkommWon Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir erinnern an Erledigung unserer Verfügung in obigem Betreff (Kreisblatt Nr. 58) mit Fr i st von 3 Tagen. I. V.: Welcker. Arbeitsvergebung. Vorbehaltlich der GenehmigungGrotzh Ministeriums werden hiermit aus Grund des Verdingungserlaffes vom 16. Juni 1893 folgende beim Neubau der Trinkkuranlage vorkommenden Arbeiten öffentlich ausgeschrieben: ' 1) Erd- und Maurerarbeiten, Los III, Kurbrunnen und Westflügel, 3235 cbm Erdbewegung, 1005 cbm Bruchsteinmauerwerk, 1056 cbm Backsteinmauerwerk, 400 qm Backsteingewölbe, 381 qm Fachwände, 475 qm Zwischendecken, 407 qm Zementverputz usw.; 2) Steinhauerarbeiten, Los III, 293 cbm Muschelkalkstein, Los V, Betonbearbeitung; 3) Betonarbeiten, Los II, 812 qm Betonboden, etwa 271 cbm Beton verschiedener Art, 884 qm Unterlagsbeton, 550 qm Betondecken usw.; 4) Zementrabitzarbeiten, 976 qm Gewölbe, 71 m Hauptgesimse usw.; 5) Zimmerarbeiten, Los HI, 137,2 cbm Tannenholz, 10,2 cbm Eichenholz, zu liefern und zu verzimmern, ferner Gesimse, Dachschalungen usw.; 6) Eifenlieferung, Los II, 11200 kg I-Träger zu liefern; 7) Grobfchlofserarbeiten, Los III, 1900 kg Eisenzeug; 8) Dachdeckerarbeiten, Los III, 2458 qm Dacheindeckung mit zugehörigen Grat-, First- und Kehldeckungen, Schneefanggitterusw.; 9) Spenglerarbeiten, Los III, 29 m Hängekandel, 50 m Abfallrohre, 5,6 qm Abdeckung aus Kupfer, 42 qm Dichtungen im Blei, 344 m Hängekandel, 120 m Abfallrohre, 82,5 qm Kehleindeckungen und Wandanschlüsse in Zink usw.; 10) Blitzableiteranlage, 2 Auffangstangen, 120 m Leitungsdraht usw. Die Unterlagen sind während der Dienststunden aus unserem Amte einzusehen (ausgenommen am 25. August). Arbeitsbeschreibungen, Bedingungen und soweit möglich auch Zeichnungen werden zum Selstkostenpreis abgegeben. Die Angebote sind unterschrieben, mit Aufschrift der Arbeit, portofrei bis spätestens 2. September 1910, vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Behörde einzurcichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. [Dl,/e Bad-Nauheim, den 13. August 1910. Großh. Baubehörde f. d. Neubauten in Bad-Nauheim. _______________________Jost.______________________ Die zur Ausschüttung kommende ausgelagerte Holzwolle aus rund 1800 Strohsäcken wird Donnerstag den 25. ds. Mts., vorrn. 9 Uhr, in unserem Geschäftszimmer — Kaserne I — versteigert. Die Bedingungen liegen daselbst aus. D20/^____________________________Garnison-Verwaltung Greyen. Grummetgras-Bersteigernng. Donnerstag den 25. l. Mts., vormittags 9 Uür, wird das Grummetgras von den ffskalischen Wiesen in den Gemarkungen Garbentcich, Leihgestern, Lckiffenberg und Watzenborn, das Gras von Schneisen und Mähvlatten in der Forstwartei Baumgarten auf dem Rathause zu Watzenborn versteigert. Weitere Auskunft erteilen der Grotzh. Forstwart Menges und Güterausseher Mack zu Hausen. Gietzen, den 19. August 1910. B*>18 Grotzh. Obersörsterei Schiffenberg. _________________________Trantwein._________________________ Die Lieferung von 13000 cbm Oberbaukleinschlag für die Neubauftrecke Oberscheld-Wallau, Teilstrecke Wallau-Gönncrn, soll öffentlich vergeben werden. t Das Berdingsheft kann gegen pofaretc Einsendung von 50 Pfg. — in bar — bezogen werden. Die mit entsprechender Aufschrift versehenen Angebote find bis zum 8. September 1910, vormittags 11'/, Uhr, einzureichen, um welche Zeit die Eröffnung der Angebote erfolgt. _ Zuschlagsfrist 4 Wochen. Dillenburg, den 18. August 1910. ________________König!. Eisenbahn-Bauabtetlung.___________D20^ Gut genährter Bulle Simmentaler Raffe, ca. 20 Zentner Lebendgewicht, kommt Montag den 22. August, nachmittags 5 Uhr, im Gemeindehause zu Sinn öffentlich zum Verkauf. pio/(i Der Bürgermeister. Gebäudeabbruch. Mehrere, zwecks Durchführung der Sandgasie, abzubrechende alte Gebäulichkeiten, im Besitze des Herrn Geh. Kommerzienrat W. Gail, sollen aus den Abbruch verkauft werden. Bedingungen, Angebotsformulare und Pläne liegen im Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Die Angebote sind verschlossen und portofrei bis Montag den 29. August, abends 6 Uhr daselbst einzureichen. 4452 Gießen, den 17. August 1910. Der Architekt: H. Men er. Hotel-Beta auf Teilzahlung a*78 $o!as, Malratzen Verkauf unter Garantie Sdilatzimm., Küchen 1 Jtttnatin Gießen. Plockstr. 14/16. Prima neue holl. Vollherittge 10 Sluck 48 Pfg. Nene Kartoffeln 10 Pfund 38 Pfg. Neue Zwiebeln (feine hiesigem, Pfund 8 Pfg. Nene Salzgurken Stuck 4 bis 5 Pfg. 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