Erstes Blatt Samstag 2V. August 1910 ISO. Jahrgang aal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPf^ auswärts 20 Pfennig. Nr. 194 Der Htehearr Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -iehener^amilienblatter; zweimal wochentl.Areir- blattfür&tnKrci$0kf$cn (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. Land: VirlschaftlicheAeitftage« __ Feriisprech - Anschlüsse: I# $1 w 'W -v v w 'w Chefredakteur: A. Goetz, für die Redaktion 112, ------- XSjF Verantwortlich für den Verlag u. Expedition 51 9 /«▲ < < ** politischen Teil: August ------ EmerAAMger für Gberhchen -MZ w S/sTifr Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei- Schuiftratze 7. |* Metzen« Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. politifcbe Wochenschau. Gieren, 20. Aug. „Man suhlt ans den Depeschen, daß sich in Europa etwas geändert hat": Dieses Urteil des „Daily Graphic" j spricht das aus, was man auch in Deutschland vielfach 1 denken mag, natürlich im Hinblick aus die Depeschen aus ! Marienbad. Herr v. Kiderlen-Waechter und Graf Aehren- ; ihal haben lange Stunden zusammengesessen, und zu dem ! Verkauf zweier deutscher Kriegsschiffe an die Türkei ist ; nun die Tatsache einer eingehenden Besprechung des türkr- i scheu Großwesirs mit dem Leiter der österreichischen An- | Gelegenheiten hinzugekommen. Handelt es sich wirtlich um eine Annäherung der Türkei an den Dreibund? Zum wenig- ! sten steht fest, dasi die Stellung der Türkei durch die letzten | Ereignisse gekräftigt worden ist, und in der Kretafrage wird das Hangen und Bangen sicher bald einer bestimmten ' l-ntscheidung weichen. Welches werden die türkischen Gegen- । leistungen sein? Auch ohne bestimmte Ziele auf dem Balkan ; und in Kleinasien hat die neue Gruppierung in der inter- i naüonalen Politik natürlich ihre Bedeutung. Bis vor kurzer Zeit haben die Balkanbewohner hauptsächlich nach der I englisch-russischen Flöte gehört; jetzt werden sie ihr Ohr auch an andere Töne gewöhnen müssen. Oesterreich hat einen Gipfelpunkt der Macht erklommen, denn sein Einfluß über seine Ostgrenzen hinaus ist gewaltig gestiegen. Und k an großen Zielen wird es den Staatsnlännern, die in I Wien so stetig und bestimmt an der Arbeit sind, nicht | schien Deutschland wird zunächst vorwiegend wirtschaftliche ! und Handelsintexessen im Auge haben, kann sich aber zu- gleich der Wandlung freuen, daß die Jsolierungspolitik der Engländer so ziemlich der Vergangenheit angehört, j ücnser Franz Josef konnte seinen 80. Geburtstag im freudigen Gefühle österreichischer Erfolge begehen. Für Deutsch- . land aber müßte jetzt die Zeit gekommen sein, ernstlicher । als bisher die Wege der Zukunft abzumessen. Vor allem tonnten wir von dem befreundeten Habsburg verlangen-, । daß es endlich etwas mehr dem bedrängten Deutschtum lcine Hilfe zuwendete und die letzten Erfolge in Ungarn ich ein Ansvorn seine ließe, flämischen Anmaßungen immer entschiedener entgegenzutreten.. Wir haben das Gedächtnis unserer großen Schlachtensiege in Frankreich begangen, und ' die Teilnahme aller Volksgenossen an den Festtagen und ! Erinnerungen unserer Veteranen war groß; aber 40 Jahre sind eine lange Zeit, und wenn wir ctuch der Segnung des i Friedens gerne noch weitere 40 Jahre uns erfreuen wollen, so darf doch ein so großes Volk wie das deutsche nicht rasten und im Wettbewerb mit den anderen Weltmächten - nicht zurückstehen. Nichts mochte den Deutschen im Reiche i und besonders draußen bitterer berühren, als daß die Füh- ' rung seiner auswärtigen Geschäfte bisher offenbar in un- I kundigen, schwachen Händen gelegen habe. Doch das soll ja nun in der Aera Kiderlen anders werden . . . Im Innern sieht die Lage etwas tröstlicher aus als i im vorigen Sommer. Die Zeit heilt Wunden, und wenn ; man sich auch immer noch um die „schwarz-blauen Block- i fänden" streitet, so ist doch jetzt an die Stelle allzugrasser Schimpfereien die Sorge für die künftigen Mandats- I besitze getreten. Die bevorstehenden Parteitage werden das Bild noch etwas lebhafter gestalten. Inzwischen hilft man sich in jenem Teil der Presse, der die „Sensation" einmal nicht entbehren kann, nachdem das Brüsseler Groß- : reuer verraucht ist, mit unerquicklichen Gerichtsprozessen ; über die saure Gurkenzeit hinweg. Ein neuer „Fall", dessen I „Held" ein hoher Offizier ist, gibt zu mancherlei allgemeinen 1 Bedenken und Ueberlegungen Anlaß. „Der Liebesroman des Generals", so kündet das „Berliner Tageblatt" mit ' großen Lettern jubelnd das Neueste an, und leider haben i )icf) auch eine ganze Reihe anderer Blätter in den Dienst , einer höchst ungeklärten Sache gestellt, deren Einfädelung i und Aufrollung wahrlich nicht den vornehmsten Empsin- 1 düngen entsprungen ist. Der jetzige Generalmajor a. D. I Frhr. v. G. soll als junger Offizier durch Liebeshändel ' mehrere Ehemänner ins Unglück gestürzt und eine jener Frauen, mit der er nach eignem Zugeständnis zwei Kinder > hatte, nach langen Jahren von der Schwelle gewiesen haben, 1 als sie ihn, den durch eine Heirat reichen Millionär, um Mithilfe für die Erziehung der beiden Kinder anging. Die ■ Frau hat den General auf Erfiillung eines Pflegehaft^- vertrages und Zahlung von 120 000 Mark verklagt, ist aber vor dem Berliner Landgericht damit abgewiesen worden, weil der Anspruch juristisch nur mangelhaft begründet wurde. Die Oeffentlichkeit war bei der Verhandlung im Interesse der Sittlichkeit ausgeschlossen, aber in einzelnen - Zeitungen waren schon einige Tage vorher ausführliche I Mitteilungen gemacht worden, die mit Sicherheit daraus schließen ließen, daß es sich hier, ähnlich wie bei den i Prozessen des Grafen Pfeil, um die erbitterte Rache einer | Frau handelte, deren Bekundungen nicht hinreichten, um ! die ganze Angelegenheit zu übersehen. Wenn die Zei- i tungsberichte stimmen, so hat der irrt Ueberstuß seines : Besitzes schwelgende General der Mutter seiner Kinder gegen- I über' sich sehr unritterlich und, gefühllos benommen. Auch die Tatsache, daß wiederum, wie in Allenstein, ein Offizier mit der Gattin eines Kameraden — im vorliegenden Falle । eines ihm untergebenen Kameraden — unerlaubte Beziehungen ziemlich offenkundig hat unterhalten können, ohne daß die Vorgesetzten eingeschritten sind, ist bedenklich und ernstlicher Erwägungen durch unsere Militärbehörden wert. Aber weiß man denn alles? Wäre es nicht denkbar, daß die keineswegs schuldlose Frau, die ihrem Manne, der da- । von gewußt haben soll, jahrelang die Ehe gebrochen hat, ! den früheren Liebhaber durch Kränkungen und Drohungen herausgefordert haben könnte? Wer weiß um ihre frühere und bisherige Lebensführung? Alles dieH müßte man wissen, um über das schroffe Verhalten des Freiherrn ein richtiges Urteil zu fällen. Will und kann man ihn zum Reden zwingen, der vielleicht zu stolz ist, gegen eine Frau zu Felde zu ziehen? Wir haben aus diesem Grunde davon abgesehen, alle die peinlichen Anschuldigungen, die in weiteren Angaben über das Vorleben des Generals in einem Teil der Zeitungen erhoben worden sind, wiederzugeben; die Charakterbilder der beiden Personen sind aus der einseitigen Berichterstattung nicht zu erkennen. Die ursprünglichen, bedauerlichen Fehltritte, an denen, wie gesagt, auch die .FraU zweifellos schuldig ist, liegen zu lange Jahre zurück, als daß ein Bedürfnis vorliegt, sie genauer bloßzulegen, und es scheint uns eine arge Verkennung der Aufgaben der Presse, eine Herabwürdigung des Zeitungsberufes zu sein, wenn man sich in den Dienst unsauberer Racheabsichten stellt, nur um dem Klatschbedürfnis der „Gründlinge im Parterre" wieder einmal entgegenzukommen. Zu viel Internationalität. :: Berlin, 19. Aug. In Brüssel hat kurz vor dem Braudunglück wieder einmal einer von den vielen internationalen Kongressen getagt, diesmal einer für Verwaltungs-Wissenschaften und zwar zum ersten Male. Deutschland war verständigerweise offiziell nicht vertreten. Die dreitägigen Verhandlungen haben ein Ergebnis gehabt, das man sich von vornherein ausmaleu konnte, nämlich, daß bei der großen Verschiedenheit des ganzen Aufbaues der Verwaltungsbehöroen in den einzelnen Ländern zunächst gar nichts Tatsächliches beraten werden konnte. Es soll eine internationale Kommission nun ein genauer umschriebenes Programm für den nächsten Kongreß aufstellen; wann und wo dieser sein soll, ist noch unbestimmt. Die Hauptsache bei der ganzen Geschichte war aber wohl die von den Einberufenen schon gehegte Idee, daß nun ein „ständiges internationales Bureau für Verwaltungswissenschaften und ein Archiv für verwaltungstechnische Dokumentation", mit dem Sitz in Brüssel natürlich, errichtet werden soll. Also ein weüeres kleines Mittel zur Hebung des Fremdenverkehrs dort, neben Weltausstellungen und allen sonstigen schönen Sachen. Es ist für den nicht kongreßlich infizierten Menschen eigentlich nicht recht ersichtlich, was dieser neue Kongreß soll. Im übrigen haben eigentlich die Staaten mit fortgeschrittener Verwaltungs- lechnik gar keinen Grund, sich von ihren Wettbewerbern in die Karten sehen zu lassen, und es ist deshalb zu hoffen, daß Die Deutschen sich dauernd von diesem Unternehmen fern halten. Der letzigc preußische Finanzminister hat vor einiger Zeit im Herrenhaus die ganz richtige Idee ausgesprochen, daß die vielen Kongresse von heutzutage das erwünschte Maß weitaus übersteigen- und daß staatlicherseits viel zu viel Aufwand an Zeit ji n b Geld getrieben worden ist durch offizielle Beteiligung an solchen Sachen; dies sollte in vorliegendem Falle erst recht maßgebend sein. Auch in anderer Hinsicht müßte weiteren Ausgaben vorgebeugt werden, so jetzt wieder bei der Idee einer Weltausstellung in Madrid, die für 1913 geplant ist, mit einer Vorbereitungszeit, die an sich schon zu kurz werden dürfte. Gerade nach den Brüsseler Erfahrungen sollte man sich wirklich steifnackig halten, denn es zeigt sich immer mehr, daß es dort auf reine Ausbeutung der Besucher abgesehen war. Grundsätzlich schon müßte man sich gegen Weltausstellungen aussprechen, die alle Gebiete umfassen sollen und damit auch Industrien zur Ausstellung luib Ausgaben zwingen, die mit Recht ausstellungsmüde sind. Wenn man sich in Madrid auf gewisse Kunst- und Kunstgewerbezweiga beschränken wollte, um die reichen Schätze des Landes zu zeigen, und anschließend noch dazu passende Gebiete vorführen, so wäre darüber vielleicht zu reden. Gegen eine allgemeine Weltausstellung sollten aber por allem die in gleicher Art interessierkent Staaten Deutschland und O e ft e r r e i ch vorgehen; es werden sich dann auch noch andere finden, die denselben Standpunkt vertreten und würde dem Unfug der Weltausstellungen endlich viel- leicht mal ein Ende gemacht.____________________________________ politische Tagesschau. Die Fleischverteuerer. Die Arbeitsmnrkt-Korrespondenz- schreibt unter dem Titel „Stimmungsmache" folgende sehr berechtigten P3e>- trachtungen: Daß man die gegenwärtige Höhe der Fleischpreise beklagt, daß man die Ursachen der Verteuerung erörtert, daß man auf Maßnahmen sinnt, die &u einer Verbilligung führen sollen, all das ist begreiflich und verständlich. Daß man aber in einer pessimistischen Art die künftigen Aussichten erörtert und dabei den Verbrauchern noch viel, viel höhere Fleischprerse ankündigt, das ist ein Verfahren, das nur dazu beiträgt, Wasser auf die Mühle der Interessenten zu liefern, die sich ins Fäustchen lachen könneni, wenn der Boden und die Stimmung für eine weitere Preishausse beizeiten vorbereitet wird. Es erinnern diese Erörterungen an die Vorgänge im) letzten Jahre. Damals handelte ex .ich um1 Getreide, Mehl und Brot. Die Presse rourb.' mit Berichten über die Knappheit des Marktes an Getreide, über schlechte Ernteaussichten dermaßen überschüttet, daß ein vernünftiges Wort, das zum Maßhalten mahnte, überhaupt nicht mehr beachtet wurde. Mit einem1 Heer von Ziffern bewies man der Oeffentlichkeit den kommenden Notstand und in grellen Farben malte damals ein Blatt die Teuerung des kommenden Winters für die Arbeiter aus. Diese Zukunftsmusik begünstigte natürlich die Haussebewegung ungemein, obgleich man mit allen Kräften der Verteuerung hätte entgegenarbeiten sollen. Weder war die Versorgung so knapp, wie behauptet wurde, noch waren die Emteaussichten ungünstig. Die Ernteergebnisse waren, wie sich dann im- weiteren Ber-' lauf des Jahres herausstellte, mehr als reichlich ausgefallen: Deutschland hatte sogar in Roggen eine Rekordernte Inzwischen aber war es gelungen, die Getreide- und Mehlpreise so zu treiben, daß trotz der guten Ernte die Verbraucher fast das ganze laufende Jahr hindurch noch unter hohen Brotpreisen zu leiden haben. Das ist der Effekt der Stimmungsmache, die sich in Uebertreibungen gefällt. Die ganz gleiche Entwickelung scheint die Erörterung der Vieh- und Weischpreise nehmen wollen. Die Fleischer haben die Preise jetzt schon so hinaufgesetzt, daß eine ziemliche Verteuerung des Schlachtviehs schon reichlich kompensiert ist. Dann ist ferner noch sehr zu bezweifeln^ ob denn das Angebot wirklich ganz allgemein so sehr hinter der Nachfrage zurücksteht, wie das fast als Tatsache hingenommen wird. Gewiß für einzelne Städte und Gegenden mag in der Versorgung mit Schlachtvieh eine Kalamität bestehen, aber man sei doch bei solchen Feststellungen etwas vorsichtiger und lasse nicht immer gleich der verallgemeinernden Phantasie die Zügel schießen. Auch in der Beurteilung der Mrkungen eines österreichisch-ungarischen Ausfuhrverbotes geht man vielfach zu weit. Sicherlich werden dadurch die Plätze hart betroffen, die bei ihrer Fleische Versorgung mit den Zufuhren aus Oesterreich rechnen müssen. Da ist nicht so leicht Ersatz aus dem Jnlande zu beschaffen. Dies gilt z. B. für bayerische, sächsische und schlesische Plätze. Aber für den gesamten deutschen Markt ist der Anteil Oesterreich-Ungarns an unserer Fleischver-- sorgurig nicht so stark, wie vielfach behauptet wird. ♦ „Genossin" Luxemburg im Kampf mit dem sozialdemokratischen Parteivorstand. Ein neues Pröbchen bafür, wie es unter Brüdern und« Schwestern doch die grimmigsten Abrechnungen geben kann, liefert der „Vorwärts", das sozialdemokratische Hauptorgan. Daß es gerade die bekannte Rosa Luxemburg ist, die doch nicht dem Revisionismus angehört, sondern den schroffsten Radikalismus vertritt, über die der „Vorwärts" die Lauge seines Unwillens ergießt, wirb hier und da Verwunderung erregen. Mit der Überschrift „Ein neues Skandälchen" schreibt der „Vorwärts": Seit dem März dieses Jahres bemüht sich die Genossin Luxemburg, den „Vorwärts" zu zwingen, von ihr Notiz zu nehmen. Damals hielt sie den Moment für gekommen, den Massenstreik ün Szene zu setzen. Die Zeit der Demonstrationen sei vorbei, die des Massenstreiks gekommen. Einen Artikel, in dem sie dies forderte, lehnten wir ab, weil wir den Moment für schlecht gewählt zu einem Massenstreik hielten. Ms die Genossin Luxemburg dann eine Agitationstour unternahm, nahmen wir von ihr nicht mehr Notiz, als von anderen der- artigen Touren überhaupt. Die Polemik, die sich hierauf zwischen ihr und Geawssen Kautsky über den Massenstreik entspann, hiellen wir nicht für sehr aktuell, da niemand in der Partei sich um die Aufforderung der Genossin Luxemburg zum Massenstreik kümmerte. Wir nahmen daher von dieser Polemik erst später Notiz, und dabei kam es durch ein Versehen infolge des Wshsels der Redakteure während der Ferien dazu, daß ein Referat über einen Artikel der Genossin Luxemburg an unrichtiger Stelle abgedruckt wurde. Den Schluß dieser Polemik benutzte die Genossin Luxemburg dazu, in alle Welt hinauszurufen, die preußische Wahlr«hts- bewegung sei tot, deswegen tot, weil vom Partei vor standt gebremst worden sei. Eine leichtfertigeroBehaup- tung ist nie aufgestellt worden, denn sie steht vollkommen int Widerspruch zu den Tatsachen. Auf Grund dieser erfundenen, Behauptung erhob sie eine schwere Anklage nicht bloß gegen den Vorstand, sondern gegen alle Parteigenossen, die das angebliche Bremsen des Verstandes ohne Protest ausgenommen hatten: gegen alle Parteigenossen, die die ^Nassenftreikagitation' der Genossin Luxemburg nicht unterstützt hatten, also gegen die ungeheure Mehrheit der Partei. Es war unser Recht und unsere Pflicht, diesen der Wahrheit völlig widersprechenden Anwurf gegen unsere Partei, diese Verkleinerung unseres Kampfes zurückzuweisen. Tas sind die Tatsachen, durch die sich die Genossin Luxemburg berechtigt glaubt, in der „Leipziger Vollszeüung" einen Angriff gegen unser, wie sie sagt, „ohnmächtig gehässiges Gebelfer voller Verdrehungen" loszulassen, der durch seine Maßlosigkeit, UeberHebung und Bosheit selbst uns überrascht, die wir bei ber Genossin Luxemburg an starken Tabak gewöhnt sind. Sie scheint fest entschlossen zu fein, um jeden Preis einen Skandal zu entfcffeln, um zu verhindern, daß die badische Angelegenheit zum Mittelpunkt des Parteitages wird und nicht sie selbst. Sie gibt vor, eine sachliche Diskussion über die Taktik des Wahlrechtskampfes herbeiführen zu wollen. In Wahrheit steuert sie mit allen Mitteln auf das skrupelloseste darauf hin^ den Parteftag zu einem wüsten Skandaltag zu gestalten. Tmnit will sie die Agitation zu den Reichstagswahlen einleiten, für bte sie nur noch Verackstung übrig hat. Aber sie hat zu früh losgeschlagen. Tie Parteigenossen wissen jetzt, woran sie sind und werden dafür sorgen, daß der Skandal auf dem Parteitag keinen Boden findet. Die Zeier in Posen. Wilh elrn shöh e, 19. Aua. Das Kaiser paar, das mit d-em Prinzen Oskar uno der Prinzessin Viktoria Luise abends das Königliche Theater besuchte, begab sich nacy der Vorstellung nach dem auf dem Bahnhof Wll- helmshöhe bereitstehenden Sonderzug, der im Laufe der Nacht nach Prosen ab geht. Potsdam, 19. Ang. Der Kronprinz und die Kronprinzessin traten heute nachmittag von Hopf- reben (Vorarlberg) die Reise nach Posen an. Rom, 20. Äug. Die Mitteilung, daß im Anschluß an die Kaiserreise dieErnennung eines neuen Erzbischofs für Posen-Gnesen erfolgen werde, wird an zuständiger Stelle des Vatikans entschieden in Abrede gestellt. Die Kretafrage. Berlin, 19. Ang. Die „Nvrdd. Allgcm. Zeitung" schreibt: Nach der Meldung eines Koiwesponbenzbureaus soll in den Kreisen der Pforte das Gerücht verbreitet sein, daß die Idee einer Konferenz zur Bestünmung einer autonomen Regierung auf Kreta wieder aufgetancht und daß sogar die Kandidatur eines dän'ischen. LrinKen ausgestellt worden sei. Hier ist davon ni&t- । begannt Es ist auch nicht abzusehen, was eine derartige Konferenz sollte: sie könnte doch nur über eine Aenderung in der staatsrechtlichen Stellung Kretas beraten. Eine solche könnte aber nur dann zur Beratung gezogen werden, loenn der Eigentümer der Provinz, d. h. die Türkei, den Ärrtrag stellte. Dies dürfte jedoch kaum in ihrem Interesse liegen. Athen, 19. Aug. Der Kreter Papamastorakis verzichtete auf seine Kandidatur zur griechischen Nationalversammlung, Pologeorgis soll noch zaudern, weil er die hellenische Nationalität besitzt. Die Antwort Venizelos, der sich auf der Rückreise von der Schweiz nach Athen be- kindet, ist noch nicht bekannt. Die bulgarischen Flüchtlinge in Mazedonien. Saloniki, 19. Aug. Den in die Berge geflüchteten Bulgaren wurde bekannt gegeben, daß das Bandengesetz angewendet werden wird und ihre Familien nach Asien verbannt werden, wenn sie nicht binnen 15 Tagen zurückkehren und die Waffen abliesern. — Aus Kossomo wird berichtet: Der Wojwede von Priskali, Symon, veranlaßte die Einwohner von Katschana und Umgebung, die Waffen nicht abzuliefern, sondern in die Berge zu flüchten. Es wurden verdächtige Schriften und Siegel beschlagnahmt. Konstantinopel, 19. Aug. Dem „Tanin" zufolge sind die Verhandlungen betreffend die Rückkehr der bulgarischen Flüchtlinge nach Mazedonien beendet. Die Rückkehr wird unter der Bedingung der Waffenablieferung gegen die Versicherung der türkischen Gesandtschaft erfolgen, daß eine Verfolgung wegen ihrer Flucht nicht Platz greifen wird. Die bulgarische Regierung wird der türkischen Gesandtschaft eine Liste von Flüchtigen übergeben und dafür bürgen, daß die Liste ehemalige Mitglieder von Banden nicht enthält. 3ar, llaiser und Grohherzog. R. B. Friedberg, 20. Aug. Zum Zarenbesuch wird uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt, daß das Großherzogspaar Mitte nächster Woche nach Friedberg übersiedelt. Am Mittwoch wird Prinz Ludwig von Battenberg nach Schloß Heiligenberg kommen und dann mit dem Prinzen und der Prinzessin Andreas von Griechenland und der Prinzessin Viktoria von Schleswig- Holstein nach Friedberg übersiedeln. Der Kaiser wird in Rücksicht auf den leidenden Zu st and der Zarin nicht nach Friedberg kommen; auch wird sonst kein fürstlicher Besuch stattfindcn. Dagegen wird der Kaiser anfangs Oktober, wenn die Zarenfamilie mit dem Großherzogspaar nach Wolfs gart en übergesiedelt ist, dort mit dem Zaren zusammen- trefsen. Von einem Besuch des Königs von Spanien ist hier noch nichts bekannt. Deutsches Reich. Aus Wilhelmshöhc wird gemeldet: Der Kaiser hörte am Freitag vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts und des Militärkabinetts. Ausland. I Dlls Kanea meldet man: Die zwischen den Christen und Muselmanen herrschende feindselige Gesinnung nimmt zm Von Tag zu Tag mehren sich die Anzeichen wmmender Verwicklungen. Die Muselmanen verübten mehrfach Gewalttätigkeiten. In Rethymcm zündeten sie das Eigentum der Christen an, wobei einer der Besitzer bei lebendigem Leibe verbrannte: aus Rache hierfür verübten die Christen mehrere Mordanschläge gegen Muselmanen. Wie aus Washington gemeldet wird, wurde am Freitag auf der atlantischen Seite des Panamakanals eine Strecke von 5y2 Meilen für die Schiffahrt eröffnet. Heer und Flotte. — Zum Untergang der Torpedoboote „8 32" und ,8 76" wird der „Sägt Rundsch." geschrieben: Dem Torpedobootsinaterial entsteht durch den Untergang der beiden Torpedoboote „8 32" und „8 76" kein nennenswerter Verlust; vor allem in der Reihe der Fahrzeuge, die heute zur Formierung der aktiven Flottillen in Frage kommen. Denn beide Boote sind nur von fleinein Deplacement, sogenannte Küstentorpedoboote, die schon seit niehr denn ein volles Jahrzehnt in der Flotte nicht inehr gebaut iverden. „8 32" gehörte einer Bauserie der achtziger Jahre, „8 76" einer solchen der ersten Hälfte der neilnziger Jahre an. Beide Fahrzeuge dienten nur noch Hilfszwecken in der Flotte, einem Dienst, der mit der Torpedowaffe selbst nichts zu tun hat. „8 32" war Tender der Artillerieschul- schlffe, „8 76" Depeschenboot bei der Hochseeflotte. Es kann als em überaus günstiger Zufall betrachtet werden, daß bei der Katastrophe sämtliche Besatzungen gerettet worden sind. Dieser Umstand ist vor allem den beiden in der Nähe befindlichen Kreuzern „Danzig" und „Undine" zu verdanken, die sich um das Rettungswerk der mit den Wogen kämpfenden Besatzimgen hoch verdient gemacht haben. Nachdem die Lage und die Liegestelle der gesunkeneii Fahrzeuge untersucht und festgestellt worden ist, wird man selbstverständlich Hebeversuche anstellen. „S 32" war bereits seit einer Reihe von Jahren aus den Flottenlisten gestrichen worden. Beide Boote hat die Firma Schichau in Elbmg gebaut „8 32" war gegen 85 To., „8 76" gegen 150 To. Deplacement groß. Em sofortiger Ersatz ist in dem älteren Torpedoboots- material genügend vorhanden, das in der Reserve auf den Wersten in Kiel und Wilhelmshaven liegt. Aus E h e r b o u r g wird gemeldet: Hier werden gegenwärtig zahlreiche Vorschläge zur Reltuiig von Unterseeboten 'geprüft die seit dem Untergang des „Pluviose" eiugegangen sind. Am meisten Beachtung erfährt die Einrichtung eines abnehmbaren Kiosk in den sich die Besatzung des Unterseebootes flüchten kann, salls dieses untergeht. Dieser Kiosk soll eine Schwimmfähigkeit besitzen, die groß genug ist, um mit dem ganzen Personal an die Oberfläche zu steigen. Auch die Versuche durch telephonische Verständigung mit Glocken gehen vorwärts; es ist gelungen, beim Untertauchen auf eine Entfernung von vier Meilen Mitteilungen zu machen. Paris, 19. Aug. Tie „France Militaire" stellt fest, daß die Sterblichkeit in der französischen Armee zu- nrmmt. Diese ist von 3,14 pro Mille im Jahre 1905 auf 4,05 pro Mille im Jahre 1908 gestiegen; am wenigsten kamen dabei dre Disziplinarkompagnien in Betracht, hauptsächlich da- gegen die Zuaven, der Train, die Chasseurs d'Aftigue und dis ^rtabsschreiber. Aus Stadt und Land. • Gießen, 20. August 1910. Feier des 40 jähr. Bestehens des Deutschen Reiches. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der hiesige NationalliberaleVerein hatte vor ncrzem beschlossen, das 40jährige /Bestehen des Deutschen Rerches im Januar 1911 festlich zu begehen. Es war ihm vcmrals noch nicht bekannt, daß die hiesige Gruppe des Alldeutschen Verbandes ein solches Fest — wenn auch^rn anderem Rahmen — geplant fynt. xte ^eier sollte indessen keine bloße Vereinsfeier fein, lonocrn eme Feier des gesamten hiesigen Bürgertums. Zu diesem Zwecke wurden zahlreiche Vereine, unter ihnen auch die übrigen bürgerlich-politischen 'Vereine z-u einer Besprechung eingeladen, um mit ihnen bezw. ihren Vertretern zusammen ein Komitee zu bilden, das über die Ausgestaltung her Feier beraten und beschließen sollte. Man wollte auf diese Weise selbst den Anschein vermeiden, daß es sich etwa um ein parteipolitisches Fest handele. In der von den Vertretern der eingeladenen Vereine gepflogenen Besprechung wurde auch na chden näheren Ausführungen des Vorsitzenden des Nationattiberalen Vereins anerkannt, daß die geplante Veranstaltung nicht als Parteiferer, sondern als Bürgerfeier gedacht sei. Gleichwohl hielt man infolge eines Hinweises auf die 1896 abgehaltene Ferer des 25jährigen Bestehens unseres Reiches, die von vornherein unter Leitung der Stadtverwaltung stand, es für wünschenswert, daß die Führung wiederum in die Hände des Herrn Oberbürgermeisters gelegt werde. Unter diesem Gesichtspunkte wurden dann auch ein weiteres und ein engeres Komitee gebildet. Da es dem Nationalliberalen Verein auf die Stärkung des vaterländischen Gedankens ankam und ankommt, hat sein Vorstand nunmehr beschlossen, davon abzusehen, daß die Feier unter seiner Leitung veranstaltet werde, und er hat seine Zustimmung dazu gegeben, die Führung an den Herrn Oberbürgermeister abzutreten. Es konnte dabei mit Freuden festgestellt werden, daß der von dem Verein ausgegangene Gedanke einer unter Heranziehung und Mitwirkung zahlreicher bürgerlicher Vereine das ganze Bürgertum umfassenden patriotischen Feier auf so fruchtbaren Boden gefallen ist, denn die eingeladenen Vereine hatten entweder Vertreter gesandt oder, soweit sie infolge besonderer Um- tände dies für jenen , Abend nicht hatten tun können, brieflich dem Nationalliberalen Verein ihr Mitwirken zu- ^esaat. Hoffen wir, daß die Feier sich zu einer glänzenden Kundgebung vaterländischen Denkens und Fühlens gestaltet! Dann hat der Nationalliberale Verein erreicht, was er wollte. £. * OrdenSauSzeichnung. Der Großherzog hat dem Bürgermeister Dr. Gustav Kayser zu Bad-Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihni von dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus-Ordens 2. Klasse erteilt. ** Veränderungen im 18. Armeekorps. Zu Kompagniechefs ernannt die Hauptleute: Guischard im Jn- fant.-Regt. Hessen-Homburg Nr. 166. Zu Oberlts. befördert die d. Hagen, Thomas, v. Rogues im 1. Knrhess. ^nf.-Regt. Nr. 81, Eger im 2. Nass. Jnf.-Regt. Nr. 88, Kutzen tm Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Zr- 117, S c r i b a im 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168. Zersetzt dre Lts.: Welsch im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hest.) Nr. 118, zur Militär-Knabenerziehungsanstalt in Annaburg. Zu Oberlts. befördert die Lts.: Riedesel Frhr. zu Erlenbach un Leib-Dragoner-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, v. Roell, Lt. im Leib-Drag.-Regt. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, in fernem Kommando zur Gesandtschaft im Haag bis zum 30. September 1911 belassen. Zu überzähl. Hauptleuten befördert die Oberlts.: v. Stumpf im Feldart.-Regt. General-Feldzeug- merster (1. Brandenburg.) Nr. 3, Krüger im 1. Nass. Feldart - Regt Nr. 27, Oranten. Zu Lf erlts. befördert die Lts.: Krcich jm ?yen>art.-9icgt. General-Feldzeugmeister (1. Brandenburg.) Nr. 3, Kuhn, v. Küchler, v. Jlsemann v. Groot e, Frhr v B regel eben im Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, v. Holbach im Fußart.-Negt. Generalfeldzeugmeister (Brandenburg.) Nr. 3. Hirthe, Oberlt. A?n.-Bat. Nr. 21, in die 4. Ingen.-Jnsp. verseht Aerlts. befördert dre Lts.: Booz im 2. Nass. Pion.-Bat. Nr 25 Leo im Jnf.-Regt. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118, b Enckev o r t tm Garde-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23. Befördert: L o e f l c r, Oberfeuerwerker beim Artillerie-Depot in Mainz, unter Versetzung zum Art.-Depot in Danzig, zum Feuer- werkslt. Aus dem Heere scheiden am 31. August aus und werden mit dem 1. September 1910 in der Marine angestellt: Char- JLie re Lt im 1. Nass. Pion.-Bat. Nr. 21, im III. Stamm- Zee-Bat. Auf rhr Gesuch zu den Res.-Offizieren der betreffenden Truppenteil" übergeführt die Lts.: F r h r. v. B l e n e l im Lcib- garde-Jnf.-Regi. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, Damm (Leo, tm >mf.-Regt. Kay er Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Zu Bat.- Aerzten ernannt unter Beförderung zu Stabsärzten: Dr Jung- b l u t beim Magdeburg. Jvi.-Regt. Nr. 'V Zu Assist.-Aerzten befördert die Unterärzte der Reserve: Dr. K l e e (Frankfurt a. M.), ®r. Linzenmeier (Marburg). Zum Oberveterinär befördert der Veterinär S ch w e r d t beim 2. Nass. Feldart.-Regt. Nr. 63, Frankfurt. ** Der Direktor des Kgl. Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin, Geh. Obermedizinalrat Professor Dr. med. Georg Gafsky wurde zum ordentlichen Honorarprofessor in der Berliner medizinischen Fakultät ernannt. " FleischausschIag. In Anbetracht der hohen Viehpreise sind die hiesigen Metzger genötigt, das Ochs en fleisch und Rindfleisch um vier Pfennig für das Pfund zu erhöhen. Schützenkönig! Bei dem 50jährigen Jubiläums- Schießen des Frankfurter Schützenvereins hat das Mitglied des Gießener Schützenvereins, Heinrich Schmidt, bedeutende Erfolge erzielt: Er schoß aus Meisterscheibe, 175 Meter, 58 Ringe, auf Meisterscheibe, 300 Meter, ebenfalls 58 Ringe, zwe' erste Preise; auf die Festscheibe, 300 Meter, mit 36 Ringen den zweiten Preis. Am Schießen beteiligten sich etwa 400 Schützen. ** Der Gesanverein „Gemütlichkeit", Dirigent Musiklehrer Albert Kasten, feiert am 1. Oktober d Js in Sterns Garten sein 25jähr. Bestehen. **Ein leichtsinniger Fuhrmann brachte gestern nachm. um j/26 Uhr in der Walltor straße dadurch die elektrische Bahn in Gefahr, daß er in dem Geleise uhr und nicht rechtzeitig ausweichen konnte. Rur durch die Geistesgegenwart des Wagenführers, der den elektrischen Wagen 2 m vor dem Gefährt zum Stehen brachte, wurde ein Z u s a m m e n st o ß verhütet. ** Achtung Hundebesitzer. Wir hören, daß man ertens der Behörden in unserer Stadt erwägt, ob es nicht ratsam sein würde, wegen der in Frankfurt a. M. ausgebrochenen Tollwut unter den Hunderr auch in unserer Stadt Vorsichtsmaßregeln treffen, um dem Uebergreifcti der Seuche tunlichst zu begegnen. Jedenfalls ist es jetzt chon den Besitzern von Hunden sehr z-u empfehlen, bie Stere überhaupt nicht mehr frei auf der Straße Ijernnt laufen zu lassen. Schonung dem Edelweiß! Ein Freund uuseres Blattes schreibt uns aus Jmmenstadt im bayrischen Allgäu: In Nr. 186 des Gießener Anzeigers lese ich mit großer Genugtuung die an die Besucher unserer Alpeuwelt gerichtete, beherzigenswerte Mahnung: „Schonung deni Edelweiß!" Auch die Leitung des Deutschen und Oesterreichischen Alpen» Vereins hat es sich dieses Jahr zu Beginn der Reisesaison wieder angelegen sein lassen, allen Touristen und Touristinnen die dringende Bitte an das Herz zu legen, die selteneren Kinder der Alpenflora zu schonen. Zu diesem Behnse hat sie eine zweckentsprechende, farbige Tafel mit genauen Abbildungen dec in Frage kommenden Hochgebirgspflanzen in den Unterfunfts- hütten, sowie auch zahlreich an sonstigen geeigneten Stellen aufhängen lassen. Bei dem einsichtigen Gebirgsbesucher iverden diese Bitten nicht ungehört verhallen. Sehr zweckentsprechend dürste eS sich aber auch empfehlen, diese Mahnungen an die Bewohner der Alpengebiete selbst zu richten und ihre Be- folgung durch behördliche Dlaßnahmen zu unterstützen. Mußte ich doch dieser Tage erst in dem Tirolerdorf Pfunds die Wahrnehmung machen, daß von den dortigen Bewohnern das frei wachsende Edelweiß en gros gepflückt und — 1000 Stück für 3 Kronen — nach München ausgeführt wird. Aus st erbende Vögel unserer Heimat. Zu der unter dieser Ueberschrist gebrachten Mitteilung schreckt uns der kgl. Förster Echternacht in Krofdorf: „Bezug- nebmend aus den Artikel vom 17. d. M. in Ihrer Zeitung über Verschwinden von Vögeln, teile ich Ihnen mit, daß in diesem Frühjahre ein Wiedehopfpärchen in meinem Revier in einem aufgehängten Brutkasten mit Erfolg gebrütet hat. 2luch habe ich das ganze Frühjahr und zu Anfang des Sommers ein Eisvogelpärchen im Fohnbachtal beobachtet, das jedoch jetzt verschwunden ist. Leider werden den Vögeln immer mehr die Nistplätze entzogen, teils unabsichtlich, teils mit Absicht. So wurden in diesem Jahre die hier auf. gehängten Nistkästen von Bubenhänden znm Teil heruuter- geroorfen und zerstört. = Lauter b. Grünberg, 20.Aug. Unser Schulh.auS» Neubau ist nahezu fertiggestellt. Die Einweihung ist auf Sonntag den 28. August festgesetzt. — Eberstadt (Kr. Gießen), 20. Aug. Der vor wenigen Wochen durch den Blitz beschädigte hiesige Kirch, turni wird zurzeit wieder hergestellt. — Die Ein- weihun g unseres SchulhauseS findet gelegentlich unseres Kirchweihfestes am zweiten Sonntag im September statt. )( Trais-Horloff, 19. Aug. Heute mittag gegen 1 Uhr war im Ofenhaus der Grube „Friedrich" auf unerklärliche Weise Feuer ausgebrochen, das sich sehr schnell verbreitete und schließlich in den Kohlentrocken- apparat gelangte. Die in den mächtigen Trockenöfen befind- lichen Kohlen standen bald in voller Glut und trotz eifriger Löschversuche konnte man das Feuer nicht dämpfen. Gegen V24 Uhr erfolgte Plötzlich eine schwere Kohlenstaubexplosion, durch die Mauern zerrissen und das Dach stark beschädigt wurde. Einige Arbeiter erlitten hierbei 5um Teil erhebliche Verletzungen. Es war nicht möglich, bis abends des Feuers Herr zu werden. x Bad-Nauheim, 19. Aug. Lehrer Wagner hat dem hiesigen Turnverein zu seinem 50. Jubiläum ein altes Exerziergewehr aus dem Jahre 1863 aeschenkt. m. Bad-Nauheim, 19. Aug. Der in der Sonntagnacht in der Frankfurter Straße ausgebrochene Brand in der Giar- scheu Zimmerwerkstätte hat einen Schaden von 4000 Mark verursacht. Von den Brand st ifteru fehlt bis jetzt noch jede Spur. Ebenso wenig hat man eine Spur der Einbrecher gefunden, die schon seit ungefähr 14 Tagen die nördliche Frankfurter Straße unsicher machen. Man vermutet, daß Brandstifter und Einbrecher in der Person eines vor 14 Tagen aus der Zellenstrafanstalt entsprungenen und bis jetzt spurlos verschwundenen Sträflings zu suchen find. — Am Donnerstag abend verunglückte auf der Feldeisenbahn bei der Neuanlage des Güter- bahnhofs in der Gemarkung Schwalheim der Maschinenführer E ck st e i n aus Groß-Auheim. Eine Anzahl beladener Kippwagen hatten sich in Bewegung gesetzt und kamen in rasender Fahrt den Abhang herunter. Eckstein wollte mit seiner Maschine die Wagen aufhalten, wurde aber durch den heftigen Anprall ans ihr geschleudert und erlitt außer drei Rippenbrüchen Beschädigungen im Gesicht, Armen und Beinen, sowie innere schwere Verletzungen. Er wurde in das städtische Krankenhaus überführt. — Seit 14 Tagen ist eine Lokalpolizeiverordnung wieder erneuert worden, wonach sämtliche Wirtschaften mit K ell- nerinnenbebienung schon um 10 Uhr abends schließen müssen. Diese Bestimmung wurde seinerzeit im Einverständnis mit der Stadtvertretung beschlossen, um den Animierkneipen zu Leibe zu gehen. Da nun tatsächlich hier keine vorhanden sind, die meisten Wirtschaften aber Damenbedienung haben, so herrscht unter den Wirten begreifliche Aufregung, zumal in den meisten Geschäften der Betrieb erst um 10 Uhr abends beginnt. Da bi£ jetzt alle Vorstellungen bei der Polizeiverwaltung fruchtlos roaren^ t haben die Wirte beschlossen, beim Ministerium vorstellig zu werden. — Bad-Nauheim, 19.Aug. Bis zum 18.August sind 27708 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6950 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 18. August 338 872 abgegeben. L. Friedberg, 19. Aug. Die EntlassungSfeier im hiesigen Predigerseminar findet den 21. September statt. 5 Kandidaten verlassen das Seminar, 11 verbleiben bis zu Ostern 1911, 13 werden neu hinzutreten, so daß da§ Wintersemester einen hohen Bestand aufweisen wird. — Polizeirat Krämer aus Darmstadt, der Vorstand dec Kriminalabteilung, wird von morgen an die Leitung der gesamten hiesigen Polizei übernehmen. Das Amtszimmer befindet sich gegenüber dem Schlosse. m. Steinfurth, 19. Aug. Unsere Rosenfelder bieten gegenwärtig einen prächtigen Anblick. Etwa 1000 Normalmorgen prangen in schönstem Schmuck. Alle nur erdenklichen Farben haben unsere weltberühmten Züchter kultiviert. Sogar schwarze Rosen, eine bis jetzt größte Seltenheit in der ganzen Welt, -i sind den jahrzehntelangen Mischungsversuchen unserer Gärtner: gelungen. Unsere Gärtnereien, etwa 50 Versandgeschäfte, können mit dem Ergebnis ihrer Zucht in diesem Jahre ganz besonders zufrieden fein, denn die Ausfuhr nach Frankreich, Belgien, Rußland usw. war noch niemals größer als gegenwärtig; dement-« sprechend waren auch die Preise. — Der Verkehr auf der Wettertalbahn, hauptsächlich aber der Güterverkehr, hat sich seit Eröffnung der Bahn im April d. I. erfreulicherweise fortwährend gesteigert. Schon jetzt genügt die Güterhalle nicht mehr, um die Güter aufzunehmen. Und was heute schon fast unmöglich ist, wird sich im Spätherbst, der eigentlichen Versandtzeit von Blumen und Pflanzen, erst recht als unmöglich erweisen. Auf Vorstellung der Gärtner und Landwirte hin hat sich daher die Direktion entschlossen, die Güterhalle sowohl wie den Personenbahnhof entsprechend zu vergrößern. Im Herbst werden beispielsweise ungefähr 300 Waggons Pflanzen und Zuckerrüben nach Bad-Nauheim versendet. 8. Offembach a. M., 20. Aug. iPnvattelegramm). ' Wegen Verbrechens im Sinne des § 176, Abs. 3, wurde gestern der wegen ähnlicher Straftaten bereits met)r* fach vorbestrafte, 56jährige Wilh. Zeng er verhaftet. der im März aus der Strafanstalt entlassen wurde, wurde, gestern in den Anlagen ertappt, als er ein paar 7- 8jährige Mädchen an sich gelockt hatte. N. Mainz, 19. Aug. Den Wünschen der Anwohner- entgegen kommend, hat nun die hiesige Bürgermeisterei beschlossen, das frühere Stationshaus der nassauischen Staatsbahn, das bisher an die Firma Disch vermietet' sich i n Hausbesitzern hoben Rabatt! Ein Pferd (5diiinincl) Mthttll Dtzd. krntcstrilkt li-n uevhiutfcn AGGP . Bouillon- billig zu verkaufen. ,14523 Näheres Stevbanstrahe 25 p. 068991 Vollst. Kinderbett u. eiserne Bettstelle z. verk. Neustadt 57II. Bald nach der Landung kamen die Leute zu 'Lausenden herbei- gcftröml, viele in Automobilen aus den benachbarten Städten unb Badeorten, wo sich die Kunde von der glücklichen Ankunft Moisants schnell verbreitet batte. Ursprünglich hatte der Flieger die Absicht, noch an demselben Abend die Fahrt nach London fottzusetzen, aber das Wetter war doch zu ungünstig und darum verschob er die Ausführung des letzten Teiles seiner Ausgabe. Gkiginal-Drahtineldungen. Noch eine Zusammenkunft in Marienbad. Marienbad, 19. Aug. Der serbische M i n i st e r des 6000 Schuhmacher in Ausstand. Warschau, 20. Aug. Hier sind 6000 Schnhmacher den Ausstand getreten. Unterschlagungen in einer Stadtkafse. r allein echt VPfS X^_ und verschiedene gebrauchte «te schirre zu verkaufen. [4519 Karl Huhn, Rittergasse 23. Die Cholera in Ruhland und Italien. Petersburg, 19. Aug. (Amtlich.) Seit dem Auftreten der Cholera in diesem Jahre sind im ganzes Reiche 112 985Personen erkrankt, wovon 50287 gestorben sind. Rom, 19. Aug. Wie die „Agenzicr Stefani" mitteilt, sind nur in Trani 19 neue Cholerafälle vorgekommen. In den übrigen von der Epidemie betroffenen Gegenden der Provinzen Bari und Foggia ist der Gesundheitszustand unverändert und ;gtbt zurzeit kernen Anlaß von Besorgnissen. Außer an den schon bekannten Choleraherden wurde nirgends eine Erkrankung festgestellt, aus- Aeußern Milowanowitsch, der gestern noch eine längere Unterredung mit dem türkischen Gros; Wesir Hakki Pascha hatte, ist heute gleichzeitig mit dem Berliner türkischen- Botschafter nach Berlin abgereist, wo er mit seiner Gemahlin, einer Kur unterziehen will. Für Friseure. Waschtisch mit Marmorvlatte ii. Wasserreservoir, 2 Spiegel m. Konsolen, 2 Sessel, Parfümerie schränke re. billig abzugeben. X-839) Balinbosstraftc 64 p. Todes-Anzeige. Nach langem schweren Leiden verschied plötzlich und unerwartet unser lieber Gatte, Baler, Sohn, Bruder und Schwager Herr Ernst Hauser im 48. Lebensjahr. Um stille Teilnahme bitten Elisabeth Hauser und Linder. G i e st e n, 20. August 1910. Die Beerdigung findet in der Stille statt. (06906 landete er dann. t „ rr _ In Dover hatte man gestern morgen die vofsnung aufgegeben, den Flieger erwarten zu können, weil das Wetter außerordentlich ungünstig erschien. Der Wind war nicht nur sehr stark, sondern es traten häufig Regenstürme ein, die das Fliegen eigentlich unmöglich machen mußten. Plötzlich wurde aber gemeldet, daß Moisant Vorbereitungen für den Flug treffe, und btc Aufregung wuchs daher außerordentlich. Auf den Felsen an der Küste versammelten sich Tausende, alle in der Richtung auf die französische Küste hinblickend. Sachverständige sagten gleich, daß er durch den Wind etwas nach Osten gettieben werden würde, und tatsächlich erreichte er das Land in der Nähe des Städtchens W a l m e r, welches sieben englische Meilen ösllich von Dover gelegen ist. Die Maschine arbeitete sehr langsam, und Moisant flog verschiedentlich hin und her, offenbar sich nach einem geeigneten Landungsplatz umsehend. Bei dem Dorf Tll- manstone wurde endlich ein geeignetes Feld gefunden, und die Landung erfolgte ohne die geringste Störung in einem Gerstenfeld, ohne daß die Maschine auch nur die geringste Beschädigung erlitt. Mobilienverkairf! Wegzugshalb, find zwei Scklaf- zimmercinricktnngen, als ein vollst. Bett, Kleiderfchrank, Waschtisch, Schränkchen, Tische, Stuhle, Sessel nhu. hast neu) sre«bändig zu verkaufen. 106893 'Nähere Auskunft erteil.Rechtsk. Sippel L Stoppel, Sonnenstr. 31. Telephon 634. 069031 Gut erhaltener Herd nebst Wormser Oien preisw. z. verk. Bleichstraße 181. genommen ein verdächtiger Fall in Bari, in welchem noch das Ergebnis der bakteriologischen Untersuchung abzuwar- ten ist. Das Ministerium des Innern fährt aus Ersuchen der lokalen Sanitätsbehörden mit der Absendung Decker- cher Sanitätsapparate, Medikamente und allem sonst Er- orderlichen an die bedrohten Orte fort. Das Rote Kreuz hat zwei Krankenpfleger in die gefährdeten Gegenden ge- chickt. Berlin, 19. Aug. Der „Reichscmzeiaer" veröffentlicht eine Bekanntmachung, wonach nach der Feststellung der Pest in Odessa die Untersuchuhig der aus Odessa nach deutschen Häfen kommenden Schiffe sich auf die Gefahr der Pesteinschleppung zu erstrecken hat, wobei der Möglichkeit des Auftretens von Rattenpest be- onders die Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. EufWahrL Ueberlandflug Frankfurt—Mainz - Mannheim. I! Mainz, 19. Aug Die allgemein verbreitete Ansicht, daß der Preis der Stadt Mainz von 7000 Mark frei geworden ist, ist unzutteffend. Es wird dieser Preis (Zeichnungspreis) mit dem vom Deutschen Fliegerbund gesttfteten Preise von 6000 Mark verwechselt, dessen Bedingung war, daß der Flieger zur Zeit der Kaiserparade auf dem Sande lande. Der Mainzer Preis würde erst dann hinfällig, wenn keiner der Flieger die Strecke Frankfurt—Maiirz—Mannheim zurücklegen follte, was jedoch ausgeschlossen erscheiM, da ein Flieger ja schon Mannheim erreicht hat. Ob er freilich den Preis dadurch errungen hat, ist durch den langen Aufenthalt in Sandhofen siaglich. Frankfurt a. M., 20. Aug. Die Windstärke war heute so groß, daß keine Flüge stattfiuden können. Ob viel- leicht heute nachmittag noch Aufstiege stattfinden, hängt von der Witterung ab. Der erste Aufstieg des Paffagierluftschiffes L. Z. 6. Friedrichshafen, 19. Aug. Heute nachmittag fanb der erste Aufstieg des provisorischen Passagier- Luftschiffes ,^L. Z. 6" statt. Es war beabsichtigt, während der Fahrt in erster Linie exatte Geschwi.ndigkei.ts-- messungen des Fahrzeuges vorzunehmen. Die Verbesserungen, die in den letzten Wochen an den Propellern und am Antrieb vorgenommen wurden, ließen eine recht bedeutende Steigerung der Eigengeschwindigkeit erwarten. Das sehr böige Wetter gestattete aber nicht einwandsfreie Beobachtungen. Die Fahrt, die im übrigen ein gutes Funktionieren aller maschinellen Organe auswies, wurde nach halbstündiger Dauer abgebrochen um morgen früh bei geeigneterem Wetter wieder ausgenommen zu werden. Moisants Flug über den Kanal mit einem Passagier. £ London, 18. Aug^ Zu der großartigen Leistung Sennor Moisants werden noch die folgenden Einzelheiten von Korrespondenten englischer Blätter berichtet, die während des gesttigen Tages Gelegenheit hatten, mit dem kühnen Flieger in Dover zu sprechen. Unter anderem erzählte Moisant, wie er dazu kam, die Fahtt so plötzlich zu unternehmen. Er sagt. Man habe in Paris über Lathams Absicht gesprochen und behauptet, es sei unmöglich, von Patts nach London zu fliegen, er habe nicht nur das Gegenteil behauptet, sondern erklärt, es obendrein noch unter erschwerenden Umständen versuchen zu wollen. Darum nahm er noch einen Mechaniker m i t. Der FlugüberdenKanalmiteinemPassagier bildet an und für sich selbstvetttändlich wieder einen Rekord, denn das ist bis jetzt noch von keinem Flieger vettucht, geschwerge denn ausgeführt worden. Weiter ist bemerkenswett, daß Moisant mit Hilfe eines großes Kompasses steuette, der sich zu seinen Füßen befand. Bisher haben die Flieger immer behauptet, daß es unmöglich sei, sich nach einem Kompaß zu richten, well die Schwingungen der Maschine dessen Wirkung aufhöben. Moisant hat den ganzen Weg von Paris aus nach dem Kompaß gesteuett und sich weder nach Eisenbahnlinien oder anderen Erkennungszeichen gerichtet. Die Fahtt ging durchweg mit außerordentlicher Geschwindigkeit vor sich, so daß der Flieger, wie er gestern verschiedenen Neugierigen erllärte, keine Zeit hatte, sich zu überlegen, was für Gefühle er während des Fluges hatte. Am mttsten hinderte ihn die Kälte, gegen die er die größten Vorsichtsmaßregeln gettoffen hatte, denn er hatte den ganzen Körper mit japanischem Papier bedeckt, darüber den Anzug gezogen, den er gewöhnlich bei Flugversuchen benutzt und endlich darüber noch einen Mantel lan. Der Wind war aber außerordentlich kalt, und während des Fluges über den Kanal geriet der Flieger noch in ein^n heftigen Regensturm, der ihn so hinderte, daß Augen und Gesicht stark geschwollen waren, als er bei Dover landete. Zwei Rettungsgürtel befanden sich auf der Maschine für den Fall, daß während des Fluges über den Kanal etwas passieren sollte. Der gefährlichste Moment der Fahtt war in der Nähe des Flüßchens Somme, wo der Wind plötzlich die Flugmaschine vorn so faßte, daß die Maschine drohte, umzuschlagem Nur wie durch ein Wunder gelang es, sie wieder in das Gleichgewicht zu bringen. Der Flieger mußte einen vollständigen Kreis beschreiben, um die Maschine wieder in das Gleichgewicht zu bringen und die Geschwindigkeit wieder zu erlangen, die notwendig war, um gegen den Wind ankommen zu können. Moisant kannte Calais gar nicht und war nicht sicher, wo er war, als er eine Hafenstadt erreichte. Er kreiste daher dreimal über der Stadt, bis er den Punkt sand, den Bleriot bezeichnet hatte, und dort! XtnnfflR ä Rolle von 10 Pfg. an Eleg.Goldtapete ä Rollev.20Pfg.an Echte Lincrusta . ä Mir. v. 35 Pfg. an Decorirte Lincrusta ä „ „ 65 „ „ ErsaU-Lincrusta . ä „ „ 20 „ „ Versende fro. geg. fro. Karte 51 v.10 45 Pfg. Karte 52 v.48-160 Pfg. Ringfreie Tapeten Industrie Ck'iinQch Frankfurt a. M. 51 . KUpStn, Altegaase 27129. _______________ss,24/u__________________ _ Kleine Tagcschronik- In dem Antwottschreiben cm einen Pilsener Arzt stellt P rv - fessor Ehrlich - Frankfurt in Aussicht, daß er sein S y phi- lis-Heilmittel in sechs bis acht Wochen der allgemeinen! ärztlichen Praxis werde übergeben können. , Aus Ofen pest wird gemeldet: Während Felddienstübungen der Jnfanterieregimenter Nr. 48 und 99 bei Akinewitsch wurden auf sieben beim Essen sitzende Offiziere des Regiments Nr. 48 sieben Kugeln durch ein Fenster abgegeben. Getrosten wurde niemand. Die Offiziere setzten sofott bem Täter nach und sanden in einer nahen Schlucht einen Mann des 99. Regiments tot. Er hatte sieben Schüsse _aur_ eins Entfernung von 300 Schritte abgeseuert und sich dann selbst getötet. Die Uttache der Tat ist unbekannt. In Ofen pest stellten etwa 4000 Mühle n arbei- terdie Arbeit ein; sie fordern für die Sonntagsarüeit, welche sise vertragsmäßig leisten müssen, eine bedeutende Lohnerhöhung; die sämtlichen Mühlen haben ihren Bettieb aufrecht erhalten. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 21. August 1910: Langsam Trübung und ipäter Regen; zunächst schwächere, dann wieder stärkere Südweslwinde. nxu, niedecztrceißen und den Platz in eine Gartenanlage zu verwandeln. ch. Freiweinheim, 19. Aug. Der durch das Hochwasser in unserer Gemarkung angerichtete Schaden ist aus 24 000 Mk. geschätzt worden. 0. Dorlar, 19.'Aug. Gleich der Nachbargemeinde Garbenheim kommt auch hier die Zusammenlegung der Ländereien zur Durchführung. Der Flächenraum der Gemarkung beträgt 548 Hektar, darunter 159 Hektar Wald. — Griedelbach, 19. Aug. Die jung ft en Unwetter unserer Gegend rufen besonders bei unfern Alten Erinnerungen wach, nach welchen auch unser Dörfchen von schweren Wettern heimgesucht wurde. In diesen Tagen sind es gerade 100 Jahre, daß 700 eingepferchte Schafe auf unserm Felde durch Blitzschlag getötet worden. Nach Aufzeichnung der Dorfchronik ging 1817 ein fürchterliches Hagelwetter nieder, das die gesamte Fruchternte vernichtete. X Aus dem Burgwald, 19. Aug. Die Bewohner der Burgwaldsdötter haben in diesem Jahre durch den Vettaus von Heidel- und Himbeeren eine vorzügliche Einnahmequelle gehabt. In einzelnen Orten beziffert man den Erlös auf mehr als 10 000 Mk. Auf der Station Münchhausen, wo in dieser Woche die letzte Sendung Heidelbeeren aufgegeben wurde, gelangten über 30000 Kilogramm Heidelbeeren zum Versand. Schwerer Unfall bei der Festungsübung in Mainz. Bei den augenblicklich in Mainz stattfindenden Festtmgs- manövern ereignete sich gestern nachmittag ein schwerer Unglückssall, bei dem außer einigen Verletzungen auch ein Todesfall zu beklagen ist. Wir erhielten darüber folgende Nachrichten: Mainz, 19. Aug. (Privattelegramm.) Das „Mainzer Tageblatt" meldet: Bei den Sprengungsarbeiten im Fort HeiligkreuF begaben sich um 2V2 Uhr nachmittags einige Soldaten nach Loslasfung eines Spreng- schusses in einen Minengang, um die Wirkung des Schusses nachzusehen. Da die Soldaten nicht wieder zurückkehrten, ging man ihnen nach und sand, daß sie durch die Entwickelung giftiger Gase bewußtlos und durch herab st ürzendes Gestein schwer verletzt waren. Sie wurden ans Tageslicht befördert und durch einen Sauerstoff-Apparat der Feuerwehr ins Leben zurück- gerufen, bis uu s einen Gefreiten, der tot war. Schwer verletzt sind ein Hauptmann, ein Leutnant und 'a ch t M a n n, die ins Lazarett geschafft wurden. Die Abteilung war aus verschiedenen Kompagnien der Pionier-Bataillone 21 und 25 zusammengesetzt. Mainz, 19. Aug. Das Gouvernement der Festung Mainz gibt zu dem Unglück am Fott Heilig Kreuz an der Hechtsheimer Chaussee folgenden amtlichen Bericht aus: Bei den vom 18. bis 20. d. M am Fort Heilig Kreuz angesetzten großen kriegsmäßigen Pionierübungen der Pionier-Batalllonc 21 und 25 wurden heute nachmittag Hauptmarm Gehre, zwei Offiziere, ein Fähnrich, sechs Unteroffiziere und drei Mann, sämllich vom Pionier-Batalllon 25, infolge Gasvergiftung starkbetäubt. Die Vorgenannten Verunglückten wurden sofort nach dem Garnisonslazarttt verbracht, während an einem Gefieiten noch an Ott und Stelle Wiederbelebungsversuche gemacht wurden, die leider vergeblich waren. Bei den übrigen ist glücklicherweise keine Lebensgefahr, vorhanden. „ Mainz, 19. Aug. Nach den letzten Mittellungen des Gouvernements in Mainz sind sämtliche vettchütteten Soldaten geborgen. Nur einer wurde mit schweren Verletzungen ins Garnisonlazarett überführt. Mainz, 19. Aug. Der General der Pionier-Inspektion gibt dem „Mainzer Tageblatt" folgende Darstellung von dem Unglück am Hechtsheimer Berg: . Dort werden gegenwärtig Festungsmanover im Nahtamp f vorgenommen. Dabei wurde in einem unterirdischen Minengang, um den Gegner abzuwehren, eine Mine zur Er- p l o s i o n ^gebracht. Als em Gefreiter, der mit der Raum - maske versehen war, vorgeschickt wurde, um sich von der Wirkung der Minenexplofton zu überzeugen, wurdeii die Leute, die ihm die Luft zupumplen, bewußtlos. Infolgedessen stürzte auch der Gesieite nieder. Es gelang, die Leute an der Pumpe zu retten. Da es unmöglich war, in den Minengang zu gelangen, versuchte man den Gefreiten mit dem Luftschlauch herauszuzichen. Der Schlauch riß. Inzwischen war die Feuerwehr angerückt^ und mehrere Mann von ihr drangen, mit Rauchmasken verletzen, in den Minengang vor, begleitet von vettchiedenen Offizieren,' und deni Hauptmaim Gehre. Während die Feuerwehrleute den Gefieiten herausbrachten, wurden auch die Offiziere bewußtlos, c-benso ein Feuerwehrwachtmeister Es gelang jedoch, diese zu bergen und ins Leben zuruckzurufen. Sie befinden sich außer Lebensgefahr, dagegen ist der Gefrerto M i ch e l m a n n von der dritten Kompagnie des 2o. Pionrer- Bataillons tot; dreistündige Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos Das Unglück geschah dadurch, daß die Mine wohl explodierte, aber in ihrer Durchschlagskraft verjagte; infolgedessen konnten die Gase nicht abziehen und schlugen in den toinq zurück. Die Bewußtlosgebliebenen sind: Hauptmann Gehre, Leutnant Raumer, Leutnant Hippe, Leutnant Ahrens, sechs Unteroffiziere und zwei Pioniere. Das Grnmmctgras von mehreren Wiefen z. verk. 4531] 'Näheres Souncnstr. 101. 06894 j Gedr. Dfcn zu verkaufen. Näheres Brandaassc 7 p. Ein Eber von schönem fl-örvevbau, sm Ml .) fähig, siebt zn verkaufen Uri 45.l.» Gastwirt Keil, Ober-Bessingen. Wkgzuqshalber &Äb. in Darmstadt eine prächtige Billa ss”/7 direkt vom Besitzer zu verkaufen. Neuzeitl., solid, prakt. erbaut, ruh. ges. Höhenlage, in vornehm. Pros. Viertel, am Wald, el. Haltestelle, 12 Wohnr., gr. 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Ter Generalberichterstatter für das Budget der Stadt Paris teilt mit, daß im nächsten Jahre 100000 Franks als Preise für einen großen Flugwettstreit aufgebracht werden müßten. Paris, 20., Äug. Der Chef der Flotte erllärte einem Mitarbeiter des „Marin", die französische Flotte müsse auch hinsichtlich der Luftschiffe die erste der Welt werden, wie sie die erste im Unterseebootwesen sei. Bis letzt sei alles nur ein Anfang. Tie großen Häfen müßten mit Lenk- ballonen und Flugmaschinen ausgerüstet werden, die die besten Aufllärungsinstrumente seien. Demnächst solle ein Wett- bewerb für eine brauchbare Marineflugmaschine ausgeschrieben werden. Frankfurt a. M., 20. Aug. Dem hiesigen Pfarrer Busch wurde von der Havard-Universuät in Cambridge der Titel eines Baeealaureus verliehen. Bremen, 20. Aug. Die Leiche des verstorbenen Präsidenten von Chile, Montt, wird um 2.30 Uhr im Sonderzug nach Berlin überführt, wo sie um 8 Uhr ankommt. Paris, 20. Aug. Auf einem FÄde bei Charillon-Paris wurde der 40jährige Deutsche Georg Simon mit Schüssen in Stirn und Brust schwer verletzt ausgefunden. Es steht noch nicht fest, ob ein Verbrechen oder Selbstmord vorliegt^ Teheran, 19. Aug. Zwischen dem Regenten und dem Kabinett hat eine Versöhnung stattgefunden. Der Regent bleibt auf dem Posten. In der Medschlis wurde ein Antrag eingebracht, Sattar Khan und Bagir Khan lebenslängliche Pensionen zu gcroäbren. Aus die neuerdings erfolgte Interpellation betreffend die Räumung des Landes von den runischen Truppen antwortete der Minister des Aeußern, Rußland beabsichtige, der pett'ischen Regierung einige neue Bedingungen zu- ftellen, die in Anbetracht der freundschaftlichen Gesinnungen Perften gegenüber wahrscheinlich nicht allzu drückend sein werden. Rio de Janeiro, 19. Aug. Der Präsident der argen» tinischen Republik, Saenz Penna, ist heute hier elngttroffew und festlich empfangen worden. Buenos-Aires, 20. Aug. Auf der hiesigen Ausstellung ist das Hagenbeck'sche Affenhaus vom Feuer zerstört worden. Es ist gelungen, die Weiterausdehnung des Feuers zu verhindern. Die lebenden Affen, mit Ausnahme eines Drills, konnten gerettet werden. Die Hauptabteilung des Tier- hauses blieb unbeschädigt, jedoch hat auch die Eisenbahnabtellmrg; der Ausstellung unter dem Feuer gelitten. Jetzt ist die rechte Zeit für frisches gekochtes Obst und Wie gern essen es die Kinder, und jede Mutter weiß, daß die nahrhafte Milch mit Mondamin gekocht erst recht bekömmlich wird, daß geschmortes, frisches Obst manche Doktor-Rechnung erspart. Suchen Sie nach dem.Zettel für Gratis-Rezeptbuch in den.Mondamin-Paketen!, Rionrnnh I® keimm-W. K V ö1 !c Ä I Morgen, Sonnte den 21. Angnß W nachmittags 31/» Uhr MMMMMMW Die Der Vorstand. 06876 Die Schützenverein Giessen Or. Zinsser verreist Ankauf 06881 Der Borstand. 06817 06869 Auswärtige Schüler Cafe Leib Zu zahlreichem Besuche ladet ein bei (136 JAVOL> 06875) Ludwigstr. 30II. 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