Nr. »43 Zweites Blatt 160. Jahrgang Montag 17. Oktober 1910 Gietzener Anzeiger t General-Anzeiger für Gberhessen II u h Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitälS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Bietzen. Redaktion, Expedition und Dnrckerei: Schul- ftrahe 7. Expedition und Verlag: Redaktiom^KIir. Tel.-Adru AnzergerBietzen. Erscheint tL-llch mit Ausnahme des Sonntag». Die „Gietzener LamiliendlSNer" werden dem .Anzeiger« viermal wöchentlich beigelegt, das H«rdiblütt für den Kreis Slehen" zwennal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. !?£önig Manuel und die Absichten der portugiesischen Royalisten. £ London, 15. Okt. (Einer MeVmna des Vertreters des „Daily Telegraph" n Gibraltar zufolge soll die britische Regierung >em Körrig M a n u e l in freundlicher Weise bedeutet haben, >atz es vielleicht besser sein werde, wenn er sich während eines Aufenthaltes in Gibraltar aller politischen Agitation ii Portugal enthalten würde. Aus diesem Grunde habe ich der König entschlossen, die Kundgebung vorläufig nicht u veröffentlichen, die er abgefaßt hat. König Manuel, die königin-Mutter, der Herzog von Oporto und die Grafen Zabugosa und Figuerro, die aus Lissabon nach Gibraltar to- amen, hielten dort.gestern einen Krieasrat ab. H Der Korrespondent erfährt darüber, daß König Manuel ein ubiges und zurückgezogenes Leben führen solle, bis seine Gesundheit vollständig wiederhergestellt sei. Inzwischen ^vollen seine Freunde m Portugal eine energische Agitation ru seinen Gunsten in das Leben rufen, um bei den flachsten Wahlen schon eine royalistische Mehr- -i eit zustande zu bringen. Die Freunde des Prätendenten a aotlen diese Bestrebungen unterstützen. Der bisherige portugiesische Gesandte in London und ch freund König Edwards, der Marquis de Soveral, der Jon seinem Posten zurückaetreten ch, wird als Berater ui fönig Manuels hier an seiner Seite bleiben. Er erklärte inj estern einem Vertreter der Presse, daß seiner Heberzeugung 7 od) der junge König sehr bald wieder nach Lissabon zu- 3 ückkehren werde, denn die Majorität der gebildeten Portu- iiui iesen seien für ihn. $ Der Vertreter der^Morning Post" in Lissabon berichtet r bec eine Unterredung, die er mit einem Leutnant Ribeiro * atte, der sich an dem Abend des dritten Okwber in der Lähe des Admirals Reis befand. Dieser behauptet, M aß der Admiral nicht Selbstmord beging, sondern von einem !| tbgesandten der klerikalen Partei ermordet wurde, wie berhaupt die Absicht bestanden habe, alle Führer der Revolution zu ermorden. Admiral Reis habe an dem Abend . eglaubt, daß die Revolution fehlgeschlagen habe, und wollte ach Hause gehen, als er von hinten erschossen wurde. Liberale Zeitungen Englands beschweren sich crrüber, daß das Vorgeben der republikanischen Regierung Portugals gegen die religiösen Orden so sehr übertrieben nd ausgebauscht.werde. Zunächst einmal gebe es gar icht so viele Orden in Portugal, da den Orden ja seit nd em achtzehnten Jahrhundert der Aufenthalt in Portugal I igentlich verboten war. Man finde ja Hospitäler der ■ efuiten in dem Lande und Schulen, die von Nonnen ge- cj niet würden, aber ein eigentliches Klostersystem gebe es ■4 hon lange nicht mehr. Lissabon, '16. Okt. Morgen werden die Dekrete veröffent- ctzt, durch welche die Pairskammer, der Staatsrat und der Adels- id tel abgeschafft, die Dynastie Bragan-a verbannt und ; ie Wohltätigkeitsanstatten verweltlicht werden. Gibraltar, ,16. Okt. Eine strenge Ueberwachung lief e§ Palastes des Gouverneurs, wo der König und all ine Familie Wohnung genommen haben, wurde angeordnet. Es eißt, die Truppen der Garnison würden in Bereitschaft gehalten. Der Grund für die Maßregel ist unheBannt. M Gibraltar, 16. Okt. Die Königin-WitwevonPor- u g a l begab sich heute nachmittag, begleitet vom Herzog von ™ porto an Bord des italienischen Kreuzers „Regina Elent", welcher termif nack) Sp^ia in See ging. Die Königin-Witwe begibt |3 ch nach dem Schlosse San Rossore, um dort den König zif ird die Königin von Italien zu treffen. Im Laufedes Nachmittags schifften sich König Manuel und die Kö- hf igin-Mutter auf der englischen Königs-Jacht „Victoria and Albert" ein, die hierauf ebenfalls inSeegin g.________________________ politische Lagesschan. Die Berliner Ehrenpromotionen und die Presse. Die „Tcigl. Rundsch." hatte aus Anlaß der Berliner Ehrenpromotionen folgende Aeußerungen getan: „Nur an einer Berufsart gingen sie alle (die Berliner Fakultäten) mit spröder Nichtachtung vorüber, am Tages- lchrifttum, an der Presse, und doch wären unter den Schülern der alma mater Berolinensis doch gewiß etliche gewesen, die sich zwar der Feder verschworen haben, aber an Wissen und Können und nützlichem Wirken für das Gemeinwohl hinter den Gelehrten nicht zurückzustehen brauchten. Die juristische Fakultät hat tief bedauert, Herrn Bernhard Dernburg den Doktorhut nicht verleihen zu können, da ihr eine andere Universität schon zuvorgekommen sei. Wäre es da vielleicht nicht angebracht gewesen, sich zu erinnern, daß der Vater dieses Bernhard Dernburg, der Publizist Friedrich Dernburg, in einem langen reichen Leben auch einiges Nützliche und Ersprießliche geleistet hat, das sich neben dein Werke seines Sohnes recht wohl sehen lassen Tann? Er schreibt allerdings seit einigen Dezennien für die Tagespreise; aber das hat ihn nicht gehindert, ein „feiner wissenschaftlicher Geist" zu sein und zu bleiben, der dem deutschen Schrifttum zur Ehre gereicht und in dessen Ehrung sich die Presse geehrt gesehen hätte. Oder hätte, um nur noch einen Berliner Publizisten zu nennen, der greife Karl Frenzel, der sogar Professor ist, unter den Doktoranden etwa eine schlechte Rolle gespielt oder ihre Reihe nicht vielmehr geziert? Beide Veteranen der deutschen Publizistik stehen dem £age3ftreite fern. Ihre Ehrung wäre von der Presse aller Parteien mit Freude ausgenommen worden; denn sie hätte in ihrer Ehrung den Beweis gesehen, daß die Zeiten vorüber sind, da die Wissenschaft hochmütig an der Arbeit der Tagespresse vorübergeht, die sie heute doch weniger entbehren kann denn je." Wenn, so meint dazu das „Bert. Tgbl.", der deutsche Journalismus eines Trostes dafür bedürfte, daß keines seiner Mitglieder von den Berliner Professoren mit der Ehrendoktorwürde bedacht worden ist, so brauchte er nur au lesen, was ein Leipziger Professor soeben in dem bei Teubner in Leipzig erschienenen, von Paul Hinne- berg herausgegebenen Sammelwerk „Die wichtigsten Bildungsmittel" über die Tätigkeit der Journalisten geschrieben hat. Der berühmte Leipziger NationÄökonom Kari Bücher sagt dort: „Es darf nicht übersehen werden, daß eine gut entwickelte Tagespreise die geistigen Kräfte einer Nation entfesselt. Man kann über die Tätigkeit des eckten Journalisten nicht groß genug denken. Welche Fülle von geistiger Kraft und breitem Wissen, von Erfahrung und politischem Takt, von Geistesgegenwart und Witz, von Gestaltungsgabe und Formengewandtheit täglich durch die Presse eines ganzen Landes umgesetzt wird, ist kaum zu ermessen. Allerdings kann man sagen, daß es eine Art Raubbau fei, der hier an der Giesamtbefähigima einer Nation getrieben werde, daß gerade die Talenwollen unter den Verfassern Bleibenderes in das geistige Vermögen ihres Voiles hätten einschießen können, und es fehlt ja auch nicht an beweglichen Klagen über diesen scheinbaren Verlust. Aber wie viele Talente hat doch auch der Durchgang durch die Presse vor Not und Verkümmerung geschützt, für wie viele ist sie eine Schule geworden, in der ihre Kraft für größere Aufgaben erstarkt ist! nd ist denn an sich der Beruf des Mannes, dessen Wort durch die Zeitung täglich Zehntausende erreicht, geringer zu schätzen, als etwa der des Predigers, dessen Worte nur Hunderte hören, oder der des akademischen Lehrers, der vielleicht nur ein paar Dutzend um seinen Lehrstuhl versammelt sieht?" • Hebet die deutsch-abessinischen Beziehungen wird der ,,Tägl. Rundschau" aus Addis Abeba geschrieben: ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß die abessinische Regierung, d. h. die während der Krankheit des Kaisers Menelik für den noch in jugendlichem Alter stehenden Thronfolger' Litsch Ieassu die Geschäfte führenden Männer, der Reichst regent RaS Tastama, der Ministerpräsident und Kriegsminister Fitaunari Apte Georgis, sowie der Minister deS' Auswärtigen, Ragadros Jgasu vom ernstesten Willen beseelt sind, möglichst gute Beziehungen zu Deutschland herzustellen und vom Werte dieser Beziehungen für ihr Land auf daS tiefste durchdrungen sind. Trat dies schon in der für Kenner der Verhältnisse ganz ungewöhnlich schnellen Erledig ungderEntschüdlgungS-' ansprüche für die im Vorjahr durch den Einfluß der Kaiserin' entlassenen deutschen Beamten zutage, wodurch die- Abessinier zeigen wollten, daß sie alles die beiden Länder und Regierungen Trennende aus dem Wege zu räumen beabsichtigten, so wurde dies Bestreben durch die Geschenke des abessinischen Thronfolgers für unseren Kaiser noch in; großem Maße aller Welt sichtbar. Tiefe Geschenke, die dem auf' Urlaub gehenden Gesandten Scheller-Steinwartz zur Hebei teicfnuig an Kaiser Wilhelm übergeben wurden, sind in solcher Reichhaltigkeit noch feinem anderen Souverän zuteil geworden. Sie bestehen aus einer abessinischen VaradeauSrüstung, wie sie Kaiser Aienelik zu tragen pflegte: Diadem, goldbeschlagenes Schild, Schivert, Heberwurf aus Löweufell usw. Die Gegenstände haben, da sie größtenteils antike Arbeit darstellen, auch vom kimstlertscheu' Standpunkt aus einen außerordentlichen Wert. Desgleichen wurdeu- auch dem Gesandten kostbare Ehrengeschenke zuteil. Wichtiger aber noch als alle diese äußeren Sympalhiebewelle sind die Worte, die Der RelchSregent RaS Tassama bet dem Besuch, den er kürzlich in Gegenwart des Thronfolgers der deutschen Gesandlschasl abstattete, sprach, und in denen er auf das eindringlichste zum Ausdruck brachte, daß von abessinischer Seite alles geschehen würde, um die freundschaftliche Gesinnung der deutschen Regierung und des deutschen Volkes zu gewinnen und zu stärken. Insbesondere wäre er dankbar, schloß RaS Tassama, wenn deutsches Kapital und deutsche Unternehmungen ins Land kämen, denen er zur Erreichung ihrer roirt* schafllichen Zwecke nach Kräften behilflich fein wolle. Konfercnj der Werk- und nationalen Arbeiter-Vereine. 4 M agdeburg, 16. Okt. Unter Beteiligung von ef’ict 200 Delegierten ans ganz Deutsche land traten hier im großen Saale des Konzertl-aufes die Werkvereine und nationalen Arbeiter-Vereine zu einer Konferenz zusammen, um über gemeinsame Angelegenheiten zu verhandeln. — Ter Vorsitzende des evangelischen Arbeiterverbauckes Magdeburg!^ F i e m s eröffnete die Konferenz und gab der Hofftrung Ausdruck, daß eine Einigung aller auf nationalem Boden stehenden Arbeiter- Vereine zustandekommen werde. — Regierungspräsident von, Niesizek (Magdeburg) begrüßte bann die Erscküenenen namens der Regierung. Der zweite Vorsitzende des Arbeitervereins „Wolff" Hoffmeister (Magdeburg) meinte: So lange das Reich und feine Herrlichkeit besteht, hat sich unter feinem Schutze eine kräftige Industrie entwickelt. Damit sind auch die Bedingungen gegeben für einen Arbeiter stand, der dabei lohnende Beschäftigung findetc kann. Der Redner bringt ein Hoch auf das deutsche Vaterland und die deutsche Industrie aus. Ten ^ersten Vortrag hielt sodann Schlosser Warnecke vom Gruson-Werk (Magdeburg) über die deutsche Arbeiter-Bewegung und ihre Ziele^ Ter Redner schildert einleitend die Entwickelung der deutschen Arbeiterbewegung, besonders die der nationalen Arbeitervereine« Es werde nötig fein, gemeinsame Gegner gemeinsam zu bekämpfen, daher soll ein Weg der Verständigung gesucht werden. Alle Werk- und nationalen Arbeiter-Vereine in den größeren Städten sollten sich tzu Ausschüssen zusammenschließen. Diese Ausschüsse sollen nicht in die wirtschaftlichen Verhältnisse der Vereine eingreifen, fonbent nur die gemeinsamen Interessen fordern. In der Aussprache bemerkt Latz (Völklingen): Als die Sozial-« demokratie hier in Magdeburg tagte, hat uns im Westen ein gewisses Mißbehagen erfüllt, ob wir hier etwas erreidjen könnten. besonderes Ansehen genießt, da es das erste Land ist, das ‘ine Organisation zuwege gebracht hat, durch die die Säug* ingStzflege eine staatliche Kontrolle erfahrt^ Gesundheitsbehörden der Welt auf der Znter- t nationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 19U- Nach der Zeit klassischer Körperkultur folgte eine gewaltige — 5pmme Zeit, in der oft Über der Verfolgung ethischer Ziele das t)gienifd)e Moment verncuMssigt wurde. Erst in der Neuzeit g neber brach eine Aera reumütiger Rückkehr auf hygienischem ilb Miete an. Von Jahr zu Jahr gewinnt jetzt die hygienische Be- )egimg an Boden; sie hat sich in den letzten Jahrzehnten so '* esteigert, daß die Gesundheitsbehörden maßgebender Kulturstaaten eradezu danach verlangten, die Erfahrungen, die man auf dem 0 Miet der öffentlichen Sozialhygiene machte, gegenseitig aus- r utauschen. y Deshalb war vorauszusehen, daß es bei der Veranstaltung i iner Internationalen Hygiene-Ausstellung zu einer intensiven n ebordlichen Beteiligung kommen würde. Auch die Erwägung, II afe durch einen großzügigen Austausch viele wichtige materielle l)| fragen auf dem Gebiete der Sozialhygiene ihrer Lösung entegengeführt werden können, mag das Maß der Beteiligung seitens J er Großstaaten der Welt wesentlich gefördert haben. Man weiß jt den, baß jeber Staat bie große Frage der Hebung des Ge- undheitsstandes des Volkes auf seine Art angefaßt hat und baß 6 ft ein Land mit wenigen Tausenden das erzielte, was einpn nderen Millionen kostete. Ebenso ist es unter Fachleuten eine •efannte Tatsache, daß Gefundheitsmaßnahmen, die ein Stach yi ehr leicht umsonst haben kann, in manchen Ländern bereits mit ’ stanzendem Erfolg durchgeführt, während sie in anderen noch m| licht einmal ins Leben gerufen sind. — Von einigen Gesund- 11 »eitsbehörden, die auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 vertreten sein werden, ist bereits genau bekannt, A oelche Seite ihres öffentlichen hygienischen Apparates besonders 8'et mit wird. So wird Rußland mit einer großen Sonderaus- tellung vertreten sein, in der z. B. die breite Organisation der hanfenfürforge in den russischen Gemeinden dargestellt wird tnb in der weiter das Findelwesen, das in Rußland in so gutem lkuf steht, zur Vorführung gelangt. Frankreich wird eine Aus- tellung inszenieren, in der namentlich die großen Erfahrungen ruf dem Gebiete der Säuglingspflege zur Darstellung gebradyt . Derben. In besonders ausgedehntem Maße wird Japan, das ,. ich einen eigenen Palast baut, auf der Ausstellung vertreten sein. " Die Regierung hat die für japanisd>e Verhältnisse recht beträcht- | iche Summe von 300 000 Mark bewilligt; die Leitung ist dem «erühmten Hygieniker Kitasato übertragen, der in Europa bei »en ersten Autoritäten studiert hat. Italien wird aller Vor- a1 russicht nach in einer gut besetzten Sonderausstellung feine großen krsohrungen auf dem Gebiete der Bekämpfung der Fieberkranksten zur Darstellung bringen. Daß and) die Beteiligung von DefterreidMlngarn in Aussicht steht, ist um so erfteulicher, als f tarn entlief? Ungarn in den Augen des Hygienikers und Volkswirts u in besonderes Ansehen genießt, da es das erste Land ist, das Das Deutsche Reich wird selbstverständlich hinter diesen Staaten nicht zurückstehen. Die Regierung hat schon eine namhafte Summe bewilligt, um dem Reichsgesundheitsamt eine glanzvolle Vertretung zu ermöglichen. * — Ernst von Leydens Abschiedsworte. Der Tod Ernst von Leydens, des berühmten Arztes und Klinikers, ruft eine Szene aus seinem Leben in die Erinnerung, die den krönenden Abschluß feiner langen Tätigkeit bildete und die er selbst an das Ende seiner in der Deutschen Revue veröffentlichten Lebenserinnerungen gestellt hat. Nachdem er sein 75. Lebensjahr vollendet hatte, legte er Ende des Semesters 1907 sein Amt als Leiter der ersten Klinik nieder. Es war ein schöner, aber wehmütiger Tag, dieser Tag des Abschiedes. Volle 31 Jahre hatte er an der Stätte gewaltet, sein ganzes Leben war nriit der Charite ver- kirüpft. So faßte er denn in. seinen Abschiedsworten fein Bekenntnis als Arzt gleichsam als ein Vermächtnis für ferne Freunde, Kollegen und Sckmler noch einmal zusammen. „Die Medizin mird gefördert," sagte er, „durch die Wissenschaft, aber der Arzt wird ausgebildet am Krankenbette durch die Beobachtung des Kranken. Diesen Ausspruck) habe ich auch zu dem meinigen gemacht. Ich habe ihn auf dem Kongreß für innere Medizin wie auch in meinen Vorlesungen wiederholt und habe hinzugefugt, daß diese beiden Richtungen sich sehr gut vertragen und zmn idealen Ziele des Arztes führen. Derjenige, welcher die Wissenschaft treckt und den Geist der Wissenschaft in sich ausgenommen hat, wird auch dasjenige Wissen, welches wir von der Krankheit und vm den Krankheitssymptomen haben, wohl zu schätzen wissen. Aber er wird sich auch sagen, daß damit nicht alles abgemacht ist, daß die Wissenschaft nicht alles kann, und daß wir and) aus der Beobachtung am Krankenbette viel lernen können. Ich habe darauf hingewiefen, wie die alte griechische Medizin, welche doch nur auf der Krankenbeobachtung und auf den Erfahrungen basierte, Vorzüglid>es geleistet hat, ja, wie sie manches geleistet, was erst die heutige Wisseiisd;ast ihr nachprüste. Ich mochte also ausdrücken, daß die Wissenschaft und Beobachtung sich gleich st ehen, aber freilich nur diejenige Beobachtung, welche durch den wissenschaftlichen Geist auch wirklich kritisiert ist. Demi die Beobachtung, die keine Kritik hat, das ist die des Kurpfuschers, aber eine Beobachtung, die der ärMidjen Kritik stand hält, Hal vollen Wett äür die Medizin, für die Behandlung und für die ärztliche Tätigkeit . . . Zum Schlüsse seien hier noch einige Worte Senekas wiederholt, die uns das Bild eines Arztes geben, wie er nach dessen Ansicht sein soll, ein Bild, das auch noch für den Aazt des zwanzigsten Jahrhunderts Geltung haben dürfte: „Mein Arzt," sagt er, „hat um mich mehr Besorgnis gezeigt, als sein Beruf es ihm zur Pflicht machte. Er. zitterte für mich, nicht für die Ehre seiner Kunst. Er begnügte sich nicht damit, mit Medikamente zu verschreiben, er reichte sie mir mit eigener Hand. Er ging zu den besorgten Angehörigen, um sie zu trösten. In den rritifcßen Augenblicken stand er an meinem Lager. Nichts wat ihm zu schwer, die schmierigsten und widetwättigsten Dienshe machten ihm nichts aus. Er konnte mein Stöhnen nicht ohne Mhrung anhören. Diesem Mann bin ich nicht nur als einem Arzt, sondern als einem Freunde zu Dank verpflichtet. Wie könnte ich ihm alles dies jemals vergelten!" — Altmodisch werdende Fremdwörter. In einet Sptachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins lesen wir: Doj viele unserer Fremdwörter ihre Aufnahme in den deutschen Sprach-- gebrauch nur törichter Vornehmtuerei verdanken, die da meint, das. Fremde sei wertvoller als das Heimische, so wird es manchem Deutschen schwer fallen, zu glauben, daß Fremdwötter, die noch vor einigen Jahrzehnten auf stolzem Rosse saßen, jetzt als alt- ntobtfki) genügen werden. Und doch -ft dem so, geheu doch sogar Leute, denen in ihrer Vorliebe für das Ausländische reichlich viel Fremdwörter über die Lippen kommen, öfters heimische Ausdrücke nur aus Feintuerei dem und jenem Fremdworte vor. — Gar mancher Fremdwottfex trinft seinem Gegenüber jetzt mit einem deutschen Zum Wohle zu, da er das Gefühl lxtt, dieser Zuruf sei feiner als das von jedermann gebrauchte „Prosit" oder gar „Prost". Vereine, die etwas auf sich halten, reden bei ihren Festmahlen nicht mehr vom „Kuvert", sondern vom Gedeck, obgleich gerade in der Geselligkeit der obem Zehntausend das Fremdwott seine schönsten Triumphe gefeiert hat. Wie altfränkisch klingen> im Vereinsleben „Justifikation" und „Statuten". Aber noch 1896 beantworteten wütttemb er gische Gymnasiallehrer den Antrag des» Prof. Erbe, man möge statt Statuten Satzungen und statt Generalversammlung Hauptversammlung sagen, mit schallendem Gelächter. Die „Visite" hat auch ihre schönste Zeit hinter sich. Wer ist seinen Freunden iuxf) eine „Visite" scmrldig? Nur bie „Kinber- visite" Jcbeint ein sehr zähes »Dasein zu Haden, sonst greift immer weiter unser beutsches Wott Besuch um sich, und schon nennt unser Kunstgewerbe besonders geschmackvolle Katten nicht Visitenkatten, sondern Besuchskarten ober noch besser Namenskarten. Gewiß, in den Läden bestellen noch viele Visitenkatten, aber beim Besuche sagt man zum Mädchen nur: Bitte, wollen Sie meine Karte abgeben. Man beadjte zu Festzeiten die Auslagen der PapieMxrrengeschäfte, und man wird finden, daß gerade auf den bessern Katten der Glückwunsch vorherrsdst. „Gratulation" und gar erst „Kompliment" klingen uns schon wie aus Großmütterd-ens Stube, so sehr, daß viele im Streben nach Vornehmheit lieber Glückwunsch und Gruß sagen. Großmütterchen bat in ihrem „Salon" „Fauteuils", ihr Enkelkind wünscht sich aber für das gute Zimmer, das Empfangszimmer ein paar recht schöne Sessel (wohl auch Armsessel oder Polstersessel oder ganz fein „Klubsessel"), dem jüngeren Geschlecht klingt eben Sessel vornehmer als das allerdings so schwer auszusprechende Fremde wott „Fauteull". Und ist es schließlich nicht auch das Natürliche, daß das heimische Wott für vornehmer gilt als das Fremdwott? Wahre Freunde unserer lieben Muttersprache meiden ja die entbehrlichen Fremdwörter noch aus andern Gründen, gleichwohl werden sie diesen Zug der Mode mit Freude als ein Zeichen Der Zeit und als willkommenen Bundesgenossen im Kampfe wider diftige Fremdwötter begrüßen. iN e Durch die Elektrizitätswerke und Installations- Geschäfte zu beziehen Aue rg eseltschaft, Berti* 0.17 Die fefarfftr Srrfuiimrfuiig zeigt a5rr, Saß wir mit neuem Mute in die Heimat zurückkehren können Jetzt, wo sich 1>ie Industrie ttriebcr etwas erholt bat, hört man wieder überall von Streiks. Diese Machtkämpfe können nie zu einem sicheren Ziele »führen, sie bebrüten nur ben vollständigen Zusammenbruch des Au» Stave und Land. Gießen, 17. Oktober 1910. autf) schon seit Jahren erbringen, haben es aber bis beute noch nicht getan. Die christlichen Gewerkschaften können wir an der Saar nicht anders beurteilen als die roten. Fort mit dem Machtkampf» ystem. — Hilb i g (Mannheim) vom Verband Westdeutscher "Arbeitervereine verlangt Einigkeit um reden Preis. — Von verschiedenen Delegierten ivurde betont, daß das Mißtrauen gegen die nationalen Arbeiter-Vereine nicht gerechtfertigt sei. Ein großer Bund unter den Arbeitern zur Erhaltung des nationalen Gedankens sei notwendig. Von anderer Seite wurde wieder vor zu enger Vcr- brüderungaewarnt. Auch wurde ausgeführt, der Bund sei nicht da zum Schutze der Arbeitgeber, sondern zum Schutze der Arbeiter gegen jeden Feind. Es sollen wirtschaftliche Fragen in vernünftiger Weise erledigt und die politischen außer acht gelassen werden. Wenn wir auch getrennt marschieren, wollen wir doch wenigstens vereint fdjlogen. Der Bund sei Gegner des Klassenkampfes, man könne nicht jeden für seinen Feind ansehen, der einen anständigen Rock trage, und wir empfinden es als Unehre, wenn wir uns von oben verschreiben lassen sollen, wie wir zum Vaterlande stehen sollen, oder wenn uns der „Zehngebote-Hofftnann" den Katechismus vor schreib en will. Nach der weiteren Aussprache wurde die Angelegenheit einem Ausschuß überwiesen. — Tann sprach Mischnewski (Berlin) vom Bund deutschen Bäckergesellen über Koalitionsrecht und Schutz der Arbeitswilligem Er bezeichnete es als dringend notwendig, dem Schutze der Arbeitswilligen mehr Nachdruck zu verleihen Im Deutschen Reich sollte man ebensogut das Recht haben zu arbeiten als zu streiken. Ter Redner schildert dann die Verhältnisse im Bäckergewerbe. Der Bäckergeselle, der gegen die Meister kämpfe, kämpfe am letzten Ende gegen sich selbst. Ter paritätische Arbeitsnachweis sei die Brut- ftätte für künftige Sozialdemokraten. Es sei kaum glaublich, daß man in Deutschland solchen Terrorismus zulasse, der einfach sage. du mußt dich in.den sozialdemokratischen Verband aufnehmen lassen, sonst wirst du auf die Straße geworfen. Als ich an die Spitze des Bundes trat, erhielt ich 43 Drohbriefe mit Drohungen bis zum Tode. Es scheine, daß man am grünen Tisch heute auch schon den roten Terrorismus fürchte. Nach kurzer Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen : „Tie Konferenz aller nationalen Arbeiter-Vereine Deutschlands, die über 100 000 Arbeiter vertritt, protestiert auf das schärfste gegen den Mißbrauch des Koalitionsrechts und das Boykottunwesen und verlangt geeignete gesetzliche Maßregeln, besonders das Verbot des Streikpostenstehens." Im Schlußwort wendet sich Mischnewski gegen den Pfarrer Korell, der jetzt gegen die gelbe Bewegung Stellung nehme. Rupp (Völklingen) vom nationalen Arbeiterverein „Krupp" sprach sodann über staatlicheund private Fürsorge. . Ter Ausschuß zur Beratung der Einigkeitsbestrebungen hatte vtzwischen getagt, er ließ mitteilen, daß er sich zunächst nicht hätte einigen können, da man sich über den Vorsitzenden nicht schlüssig wurde. Die ganze Angelegenheit soll im Ausschuß weiterberaten werden. Tic Versammlung nahm einen Beschluß an, wonach der Zusammenschluß der nationalen Werk- und Arbeitervereine zur Förderung gemeinsamer Interessen für dringend notwendig erklärt wird. Dom hoslager in Friedberg. Cronberg, 15. Oft Bald nach 3 Uhr tra der Kaiser von Rußland mit seinen Töchtern, t öherzob von Hessen, sowie Prinz und Pr Zessin Heinrich von Preußen nebst ihren Söhn Waldemar und Sigismund in vier Automobilen aus Schl Friedrichshofen ein. Tie Herrschaften besichtigten Stadt und die alte Burg und kehrten nach dem Tee aec 6 Uhr nach Friedberg zurück. Friedb erg, 16. Oft. Von sehr gut unterrichte Seite wird uns über den Gesundheitszustand d Zarin berichtet: Die Kaiserin leidet an den Beschwert) welche die sogenannten Wechseljahre so vielen Frar bereiten. Davon kommen die Angstgefühle und die Stört gen in der Herztätigkeit. Wird der Zustand glücklich üb wenden, wozu anscheinend ärztliche Kunst kaum etwas b zutragen vermag, so .ist an der völligen Genesung der hol Patientin kaum zuMeifeln. Natürlich ist gegen dies Leit Nauheim kein Spezifikum, und tatsächlich haben Bäder auch nicht den geringsten fühlbaren Nutzen gebrai Auch darüber ist die Zarin tief verstimmt, und es g Tage, an denen sie mit ihrer Umgebung kaum ein W- wechselt. Im übrigen hat sich das kaiserliche Paar c l-essischem Boden sehr wohl gefühlt, fö wohl, daß der £ mir sehr ungern von hier scheidet und man der Zarin v der bevorstehenden Abreise kaum zu sprechen wagt. . . $ Friedb er g, 16. Oft. Heute vormittag i/2ll V. suhr der Zar in Begleitung der russischen Hofgesellschaft wer Automobilen nach Bad-Nauheim zur Kirche und keh V2I2 Uhr wieder ins Schloß zurück. Um 3/42 Uhr wui eine Ausfahrt in die Umgebung unternommen, welche f brs 1 Uhr ausdehnte. Bon 11-12 Uhr konzertierte ' b^stge Stadtkapelle unter der Leitung ihres Dirigent Cmu ©ajäfer vor dem südlichen Ein gang stör der Bu Zre Zarin macht täglich Ausfahrten in Begleitung ihr Verwandten. a R.-L. Friedberg, 17. OFL Die Ankunft der Grc furfhn Sergius, der Schwester der Zarin, wird . 20. Oktober erfolgen, und zwischen dem 24. und 27. Oktal oQ alsdann die Uebersiedelung nach Schloß Wolf garten erfolgen, wohin sich auch Prinz und Prinzes Heinrich begeben. Der Besuch des Zaren beim Kaiser Potsdam durste schon zu Anfang November erfolgen u alsdann wird wahrscheinlich ein Gegenbesuch Kais Wilhelms in Schloß WolsSgarten oder Darmstadt sta hnhen, doch gilt eS auch nicht für ausgeschlossen, daß vi le'cht Kaiser Wilhelm den Zaren schon vor dem Besuch Potsdam Dpriftnliffi in m ?* Gießener Kind. Man macht dem Gießener Nachwuchs besonders im Kaufmannsstande häufig den Vorwurf, baß er an bet Scholle klebe und nicht hinausgehe in die Welt, aber man muß anerkennen, daß es die wenigen Gießener Buben, !*äher in Mc Fremde gingen, fast alle verstanden haben, NH wi Getriebe der Welt eine Position zu schaffen. Wir haben un Taufe der Jahre häufiger Gelegenheit gehabt, in unserem Blatte von Gießener Andern zu berichten, die es im Leben zu btwas .gebracht haben, ohne von den Verhältnissen besonders begünstigst zu fein. Heute liegt uns das in der gleichnamigen Hauptstadt des Staates Buffalo in englischer Sprache erscheinende Tageblatt vor, das unter der Ueberschrift „Männer des Tages' das Bildnis eines Mannes bringt, dessen Wiege in Ziehen stand und der nach seiner kaufmännischen Lehre bei Zock u. Co. nach Amerika ging. Das Tageblatt feiert das Gießener Kind Christian Trapp, einen Mann von jetzt 44 Zähren, gelentlich seines silbernen Jubiläums als Leiter der Bierbrauerbörse in Buffalo. Es wird dabei anerkannt, daß ^rapp es verstanden hat, mit Energie, mit seltenem Takt und großem Geschick seine Stellung auszufüllen. Er habe in leiner einflußreichen Stellung viel dazu beigetragen, das Gewerbe zu einer Macht gebietenden Stellung im Staate zu ent- wickeln. Ehrend ist auch das hohe Lob, das den im dortigen Braugewerbe überwiegend beschäftigten Deutschen bei dieser Ge- egenhnt gezollt wird Der Vater des im fernen Amerika Gefeierten ist der Postschaffner i. P. Ioh. Trapp, ein rüstiger 80er. Wegen der Universität und der Studenten in Gießen. Ein Landmann aus unserer Nachbarschaft hat seinen Buben bei einem Handwerksmeister in Gießen in die Lehre gegeben. Durch den Besuch der Fortbildungsschule kommt nun der junge Dörfler häufig zu spät zu dem Zuge, der ihn abends nach Hause bringen soll. Das ist dem Vater roiber den Strich und er erscheint beim Leiter der Schule in ®iefeen mit der Bitte, den Sohn doch einige Minuten vor Schluß des Unterrichts zu entlasten. Der Schulleiter will sich daraus mcht emlasten und gibt dem Manne den Rat, seinen Sohn doch in der Heimat in die Fortbildungsschule zu schicken. — .Herr Oberlehrer/ meinte daraus der strebsame Vater, ,,aid) maan, wo doch in Gäiße de Unewersitet is un däi oeele Schtudente (in, da muß hei doch rnihr lerne, als dahem. Gr is, miste Se wisse, en bische beschränkt von Haas aus." — Diese Grunde waren für den Schulleiter durchschlagend und lächelnd versprach er dem Vater, seinen Sohn künftig etwas früher zu entlasten. sozialen Friedens, ganz gleich, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer den Sieg davonttagcn. Für den deutschen Arbeiter heißt es: weg mit diesem Kampfe! Die christlichen Gewerkscha fte find schlimmer als d i e Sozialdemokraten. Sie berichtigen bei uns an der Saar die Zechenbesitzer, falsch Lohnlisten geführt zu haben. Sie wollten den Beweis dafür c . un? Klauenseuche. Dem Frankfurter PoUzeibencht zufolge ist in I g st a d t bei W i e s - den die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die eine auf dem Magerviehhof zu Friedrichs- 4 aufgekaufte Kuh eingeschleppt worden. — Ereye Büdingen ist wegen der Gefahr der Einschlep- pung der Maul- und Klauenseuche bis auf weiteres die Erlaubnis zur Abhaltung von Viehmärkten dahin eingeschränkt worden, daß außer dem Pferdemarkt m r t cnb er g nur noch Sch we in e mär rt e abgehalten werden dürfen. v Ausstand tn Bremen, in Frankfurt und in Nürnberg. Auch Hamburg wurde schon in frühen Zeiten von Ausständen wcht verschont. Bald waren eS die Fleischer, bald die Grautucher, bald die Fuhrleute. Immer aber fand sich jemand, der nach seiner Meinung nicht gut genug bezahlt war. So ist es auch noch heute. = Watzenborn-Steinberg, 14. Okt. Am Smr rag den 22. d. M. findet hier die B ur He r m ei st e r wa statt. Tie Wiederwahl des seitherigen Bürgermeisters dür als gesichert gelten. Alsfeld, 16. Okt. Sein 30 jähriges Jubiläum beg,. der Kontrolleur des Vorfchußvercins, L. Köhler. △ Engelr 0 d , 16. Cft Sanbroirt Georg Greb wurde z, Gemeinbeeinnehmer, Kirchenkassenrechner und Krank en kafsenrech: ernannt. = Lauterbach, 16. Okt. Am Samstag wurde | neuerbaute Web- und Handwerkerschule eingeweiht. 1 Vertreter des Ministeriunis waren Ministerialrat Hö zinger und Gehettnerat N 0 ack erschienen. Ferner nxn anwesend: Kreisrat v. Bechtold, Lauterbach, Gcwer! rat Falk, Mainz, der Stadt Vorstand sowie eine grr Anzahl Gäste und Schüler und die Lehrer der Handwerk schule. Die Festteilnehmer versammelten sich um 3 Uhr t dem neuen Gebäude, wo Baumeister Reuter den Scküüj an den Vorsitzenden der Webschule, Kommerzienrat H 00 dem ^dieser Titel vorher verliehen wurde, übergab, der Schule begrüßte Kommerzienrat Hoos die Teilnehm dann hielt Hauptlehrer Psündel, der Leiter der W schule, die Festrede. Er schilderte die Entwickelung j im Jahre 1807 «eröffneten Schule. Schlossermeister Otte dein dankte im Namen deS Ortsgewerbevereins für I drei der Handwerkerschule überlassenen Säle. Nach ein Rundgang durch das neue Gebäude fand im Hotel Sch das Festessen statt. Kreisrat v. Bechtold betonte einer kurzen Ansprache, daß die vielfach verbreitete « sicht, als ob Industrie und Handwerk der Landwirtsch gegenüber von der »Regierung stiefmütterlich behandelt toi den, irrig sei. Außerdem sprachen noch Ministerial- Hölzinger und Geheim erat Noack. — Das neuerrichtete ( bäude dient hauptsächlich für den theoretischen Untern und ist mit einem Kostenaufwand von 28000 Mk erbt worden. In den seitherigen gemieteten Gebäuden, die i auch käuflich erworben sind, findet der praktische Betr statt. Die Gesamt kosten für Erwerbung und Herrichtu des alten Anwesens sowie des Neubaues belaufen sich ( 56—57 000 Mark. 1 1 ' = Lauterbach, 16. Okt. Am Samötag fiel Gastwirt und Metzgermeister JohS. Möller von Ange dach so unglücklich von einem Gerüst in seiner Scheuer die Tenne, daß er eine schwere Schäd elverletzung er und längere Zeit bewußtlos war. O Friedberg, 15. Okt. Der Taunuökl Wetterau (Sektionen Friedberg und Bad-Nauheim), des 6. Wanderung, unter Führung von Lehrer OSwald-Bc Nauheim, in sechsstündigem Marsch über Cleeberg, Quembo Bonbaden und durch daS herrliche SolmSbachtal nach Brai fel§ führte, veranstaltet den nächsten Ausflug am 6. Novern unter Führung von Direktor Dörr-Friedberg und Ma stam m-Bad-Nauheim. Die Wanderung wird in das C biet deS Steinkopfs und des Wintersteins unternommen. .Münzenberg, 16. Okt. Der Landwirt Wagn stürzte in der Scheuer mit der Stall-Laterne, die in Trümv ging und zündete. Obwohl die Feuerwehr bald zur Stelle w brannten Scheuer, Stallungen, eine Dreschmaschine, 5tr presse und große Futtervvrräte vollständig nieder Ausstände im Mittelalter. Die großen Ausstände, durch die jetzt die Oeffentlich- 'eit andauernd beunruhiat wird, scheinen eine ganz moderne Einrichtung zu sein. Wie uns geschrieben wird, ist diese Annahme aber falsch. Schon das 14. und 15. Jahrhundert kannte Ausstände, die sich allerdings nicht so weit aus- dehnten wie heutzutage, wo den Streikenden durch Telegramm und Eisenbahn schnell Nachricht gebracht und von ihnen zu Gesinnungsgenossen in fernen Ländern getragen werden kann. Wenn man von dem ersten großen allgemeinen Ausstand, der im alten Rom bei der Auswanderung der Plebejer auf dem Heiligen Berg zutage trat, absieht und auf deutsche Verhältnisse znrückgreist, so itnrb man als ersten Ausstand den der Handschuhmacher, Bäcker und Fleischer in Kolmar be- Keichnen müssen, der im Jahre 1291 stattfand. Dieser erste große Ausstand umfaßte damals ungefähr 300 Gesellen und wurde durch Lohnstreitigkeiten entfacht. Aller- Angs erhielten damals die Handwerksgesellen sehr geringe Sdt)iie, die durch die billigeren Lebcnsverhältnisse bedingt Ovaren. Tas 14. Jahrhundert sah auch mehrere große Ausstande, die in Augsburg und in Speyer ausbrachen Besonders in Speyer war der Ausstand van 1351 der Leerst von den Webern ausgina und dann auch auf andere Handwerke ilbergrrfs, größeren Umfangs. Schließlich mußte nanArailJ..beibcn Seiten einige Konzessionen machen und die Ausstande wurden beigelegt. Von anderen Streiks erzählt der Nationalökonom HR u m m e 11 h 0 f. Danach brach im Jahre 1497 am ganzen Oberrhein ein großer allgemeiner Ausstand aus Dieser Murde ganz nach heutigem Muster inszeniert. Die Rädelsführer liefen nämlich von einer Stadt zur anderen und hetzten alle Arbeiterund Gesellen auf, die Arbeit nieder- Zulegen. Als Termin der Arbeitseinstellung war das Ks.ngstfest des Jahres 140 7 festgelegt worden. ßll|o man sieht, daß die Mittel der Agitation dieselben geblieben sind und sich in den Jahrhunderten nicht verändert haben. Nur der Charakter der Mittel ist moderner geworden. Dasselbe Jahrhundert brachte noch einen Ausstand, der heute allerdings nicht mehr möglich wäre, da er nicht weniger als 10 Jahre dauerte. Dieser Riesenstreik be- gann in Kolmar im Jahre 1495 und wurde von den »adern angestiftet, die sich bei einer Prozession zum Fronleichnamsfeste benachteiligt sahen. Der Ausstand führte ri so großen Unzuträglichkeiten, daß sogar das Reichs- “roro**ÖcJld,t öu Frankfurt a. 'M. sich mit der fcxirf)e beschäftigen mußte. Erst im Jahre 1505 wurde er nach zehnjähriger Dauer beigelegt. Die Lebensbedürfnisse der Handwerksgesellen scheinen damals nicht sehr groß gewesen sein. Im 16 Jahrhundert finden wir einen großen DieOrtsgruppedeHHansabunds tagte hier am Samstag abend. Nach einleitenden Worten des zweiten Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe, Stadtverordneten Petri, verbreitete sich Herr E. Brandt- Berlin in ungefähr einundeinhalbstündigen Llusführunaen über das *J)ema: „Was ist neudeutsche Wirtschaftspoli- t i f". Von dem Grundgedanken des Hcrnsabundes, daß der moderne Staat nur dann gedeihen könne, wenn der Grundsatz der Gleichberechtigung aller Erwerbsstände den leitenden Gedanken der Wirtschaftspolitik bilde, ging der Redner aus und wies nach, daß auch noch heute Handel und Industrie nicht den ihnen gebührenden Platz einnehmen. Handel und Industrie, Gewerbe und Handwerk müßten als ebenso staatserbaltend und ebenso produktiv anerkannt werden als die Landwirtschaft, der heute noch vielfach die erste Stelle eingeräumt werde. Aus dem vorwiegend ackerbautreibenden Deutschland sei im Laufe der Zeit ein Industriestaat geworden. Zweidrittel der deutschen Bevölkerung sei in der Industrie beschäftigt; dreiviertel von allen Steuern brächten Handel und Industrie auf, und nur durch die mächtig aufblühende Industrie sei es z. B. möglich gewesen, den Strom der Auswanderer allmählich zurückzudämmen und so eine gewaltige Arbeitskraft dem deutschen Nationalwohlstaud zu erhalten. Doch mit diesen Bestrebungen wolle der Hansa- ninb der Landwirtschaft keinen Llbbruch tun. Vielmehr eien Landwirtschaft und Industrie gegenseitig aufeinander angewiesen. Der Redner bringt dann verschiedene Beispiele ür die Vernachlässigung von Handel und Industrie und ührt hauptsächlich die letzte Reichsfinanzreform an. Handel und Gewerbe seien hier zu starr herangezogen, die Landwirt- chafi, besonders der Großgrundbesitz, hingegen sei fast ganz verschont geblieben. Schuld daran trage nur der Bund der Landwirte, auf dessen Konto hauptsächlich die Verteuerung ber Lebensmittel zu legen fei. Der Bund der Landwirte betreibe eine einseitige Agrarpolitik. Durch den Hansabund dagegen solle eine Wirtschaftspolitik betrieben werden, wo den Interessen des mittleren und kleinen Mannes Rech- nuna getragen werden soll. Insbesondere auch an den Handwerker wende sich der Hansabund und suche durch ein Gesetz das Submissionswesen in richtige Bahnen zu lenken. Er wolle die Bürger herausreißen aus ihrer Jnteressen- lofigkeit, die verschuldet ist durch Parteisucht und durch die Gegensätze im bürgerlichen Leben. Der Hansabund ergebe ferner eine bessere Vertretung des Mittelstandes im Reichstag, im Landtag und in den Kommunen. Er fordere, daß in unsere Regierungsverwaltung mehr kaufmännischer Gerst einzieht; er führt, kurz gesagt, einen Kampf um unsere nationale Entwickelung. Dem Hansabund, der über eine Million Mitglieder zählt, trat auch der „Verein für weibliche Angestellte" am hiesigen Orte bei. • meckendes Liihionicasser bitt ich seit Monaten ivh. meinen gichtischen Beschwerden völlig befreit. Dr. med M. i. Sch. Ballon um 123/4 Uhr nad)mittags eingetrofsene, durch drahtlose Telegraphie übermittelte Nachricht lautet einfach: Alles geht gut, Adieu! Bruchstücke einer vorher gesandten Mitteilung, die von einer hiesigen Station aufgefangen wurden, lassen ernennen, daß die Lu st schiff er zuversichtlich auf einen Erfolg der Fahrt hoffen, obwohl der Lenkballon bereits soweit ist, daß er mit dem Lande keine Möglichkeit der Verständigung mehr hat. Das Luftschiff folgt dem Wege der transatlantischen Schiffe, die seine Mitteilungen ohne Zweifel entgegennehmen und weiterbefördern werden. 'Mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz- schafe)............. . 27—00 bis 00.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Alk. 9.50, Weizenschale Mk. 00.00—00.00, Noggenkleie Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Malzkeime Mk. 00.00—00. .0, Raps Alk. 23.00-00.00, Biertreber 12.25—12.60. Alles uer 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 17. Okt. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anzeigers".) Kartoffelmarkt. Man notierte: Frühkartoffeln m Waggons Mk. 6.50—6.75, im Kleinhandel Mk. 7.50—7J5 für je 100 Lg. fe. Frankfurt a.M Vieh hoi-Markt bericht vom 17. Okt. Auftrieb: 1339 Rinder, darunter 431 Odisen (36 ans Oesterreich), 39 Bullen, 817 Lühe, 385 Halber, 407 Schale, 1940 Schweine. Tendenz: Rinder lebhaft, Ochsen znm Schluß abflauend, geräumt, Kälber ruhig, Schafe belebt, ausverkauil, Schweine rege. bis 16. Oktober „ 16. In der Putzfederfärberei' von Radtke und Bergmann in Berlin stahlen Diebe, indem sie nachts das Dach a b deckten und so in die Geschäftsräume gelangten, Strauß federn im Werte von 12000 Mark. In dem Dorraum der National-Galerie zu Berlin sind in der Nacht znm Sonntag an der Thesen s-Stalue kleine Stücke abgeschlagen worden. Kommerzienrat Max Kosw ig stiftete der Stadt und der Kirchengemeinde Finsterwalde 100000 Mark für W ohlfahrtszwecke und zu Gunsten der Arbeiterschaft der Tuchfabrik F. F. Koswig gleichfalls 100 000 Mark. jähriges Mä dchen sowie einen zu Hilfe eilenden Wär- t e r schwer und tötete Hw ei Ziegen. Hierauf wurde er vom Oberkellner des Zoologischen Gartens erschossen. Auf dem Friedhof in Altona wurden mehr als 100, zum Teil sehr wertvolle, Grabdenkmäler b e- s chädi a t. Die Polizei konnte mit Hilfe von Polizeihunden fünf halbwüchsige Burschen als Attentäter ermitteln und sestnehmen. Am Samstag stießen bei dichtem Nebel auf der Strecke Spandau —Spandauerbock,in entgegengesetzter Richtung fahrende Straßenbahnwagen zusammen, wobei drei Personen schwer, darunter die Wagenführer, und drei Fahrgästeleichter verletzt wurden. gewicht Mk. Kuverts mit Huma billigst vrühl'sche Unioersitäts-Vrukkerei. B. Lange, Sichen Spidplan der vereinigten Hrantsurter Stadtthealer. (Opernhaus. Montag, 17. Okt., abends 7‘/, Uhr: »Die geschiedene Frau." Dienstag, 18. Okt.*): .Don Juan/ 'Mittwoch, 19. Okt.: 1. Abonnements-Konzert. Donnerstag, 20. Okt. abends 6 Uhr: „Die Meistersinger von Nürnberg." Freitag, 21. Okt., abends 71/, Uhr: „Die Fledermaus." Samstag, 22. Okt.: „Amslia" oder „Ter Maskenball." Sonntag, 23. Olt., nachm. 3'/, Uhr: „Tie geschiedene Fran." Abends 7 Uhr - .Fidelio." Montag, 24. Okt.: „Ter Freischütz/ Dienstag, 25. Okt.: „Die Afrikanerm." Mittwoch, 26. Olt., abends 71 /, Uhr: „Der Graf von Luxemburg." Schauspielhaus. Montag, 17. Okt. *): „Die Räuber." Dienstag, 18. Okt.: „Die törichte Jungsrau." Mittwoch, 19. Okt.: „Die törichte Jungsrau." Donnerstag, 20. Okt., abends 7'/, Uhr: „Ein Sommernachtstraum." Freitag, 21. Okt.: „Tas Konzert." Samstag, 22. Okt.: „Elektra." Vorher: „Tie sittliche Forderung." Sonntag, 23. Okt., nachmittags 31/, Uhr: „Tas vierte Gebot." Abends 7 Uhr: „Der dunkle Punkt." Montag, 24. Okt.. abends 71/, Uhr: „Der große Name." Dienstag, 25. Okt.: „Elektra." Vorher: „Die sittliche Forderung." Mittwoch, 26. Okt.: „Wenn der junge Wein blüht." Donnerstag, 27. Okt., abends 71/, Uhr: „Die törichte Jungfrau." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Ein schweres Unglück hat sich int Zoologischen Garten zu Halle ereignet. Der dort befindliche Eis- bärbastard brach aus und verletzte ein zehn- ® ä ? r bj ü 6 * •161 Ott Das Schwurgericht verurteilte gestern den Kellner Ulrich R i ft aus Affaltern in Bayern wegen Ermordung der Kellnerin Emma Reinsran ~ ' und dauerndem Verluste der bürgerlichen Rechte. Herr v. L. gab indessen die Hoffnung noch nicht auf und wandte sich kurzerhand an den Regiments-Kommandeur. Von dort trifft nach wenigen Tagen die Antwort ein, das könne nur der Kronprinz selbst machen. „Ich begab mich zur Kaserne," so erzählt Herr v. L., „und erfuhr dort, daß der „Herr Batteriechef" unten auf dem Hofe exerziere. Kaum erblickte man mich Zivilisten, als auch schon mehrere Ordonnanzen herzuliefen, um mich zum Fortgehen aufzusordern. Da erschien zu meinem Glück der Abtei- lungs-Kommairdeur Er trug dem .Kronprinzen meine Bitte vor. In einer Minute hatte ich die Antwort: „Se. faiferl. Hoheit hat ckbsolut nichts gegen die Aufnahme." Mein Apparat trat in Arbeit Nach vollendeter Arbeit trug ich dem Kronprinzen die Bitte vor, auch vom Exerzieren auf dem Tempelhofer Felde eine Aufnahme mackem zu dürfen, und mit der größten Bereitwilligkeit erklärte sich der Thronfolger einverstanden. Mit den Worten „Also nächsten Montag früh um acht Uhr auf dem Tempelhofer Felde" verabschiedete er mich und rief mir noch die Worte nach: „Wir nehmen auch Kartätschen mit, damit wir schießen können " Am Montag hatte ich mich rechtzeitig eingefunden, aber sclwn tauchte auch im nebligen Grau des Morgens die Helm- spitze des Kronprinzen auf. „Was für eine Ausnahme wollen Sie jetzt machen?" fragte der Kronprinz nach der Begrüßung. 2ch zeigte, wo der Apparat steht, und bat den hohen Herrn, er möchte so freundlich fein, mit feiner Batterie von einer mir bezeichneten Stelle anzureiten. „Ja, meine Batterie steht aber dort," erwiderte der Kronprinz, „ich will den Anmarsch von dort aus machen " Auf meine Einwendung, daß dann das Bild bei dem Stande der Sonne kaum gelingen würde, meinte der Kronprinz: „Hören Sie mal, ich bin auch Photograph. Die In den Alpentälern Piemonts richtete die Ueber - schwemmung großen Schaden an. ImAostatale sind zahlreiche Brück e n weggerissen worden. Ein Eisenbahnzug blieb stecken. Auch die Simplonstraße ist mehrfach unterbrochen. Aus Nizza wird gemeldet, daß der Pfarrer von Pegomas, Abbe^ Espert, der kürzlich unter der Beschuldigung, daß er an der Spitze einer Räuberbande stehe, in Untersuchungshaft genommen worden war, wieder freigelassen wurde, da feine Unschuld zu Tage getreten ist. Die Bevölkerung von Pegomas bereitete dem Pfarrer bei feiner Rückkehr lebhafte Begrüßung. In Sizilien und Untsr-Jtalien herrscht zurzeit ein afrikanischer Samum, der das Thermometer bis zu 35 Gr. emportrieb. Die übergroße Hitze richtete vielen Schaden an. In R o m herrscht eine fast sommerliche Temperatur. Bei Dreuil an ber Eisenbahnlinie Amiens—Boulogne explodierte am Samstag eine Bombe, ohne Schaden anzu- richten. Der Schnellzug Calais — Paris konnte einen Kilometer pon dem Otte der Explosion angehalten werden und setzte später die Fahrt fort. Ueber das Vermögen des Aufsichtsratsmitgliedes der Niederdeutschen Bank Geh. Justizrat 3 rnmalle in Münster wurde das Konkursverfahren verhängt. es au dieser Aufnahme kam, erzählt der Geschäftsführer der betteff en den Filmfabrik, Herr v. Langendorff, im „Kinetograph" wie folgt: Ter Geschäftsführer wollte zuerst eine Dermifcb tes. * Der Kronprinz als Förderer der Lichtbild- 1 un st. Das Interesse des Kronprinzen für die Lichtbildkunst ist so groß, daß er zur Herstellung einer Filmaufnahme eigens eine Parade aus dem Tempelhofer Felde abgenommen hat. Wie Sache wird doch!" Schließlich fügte er sich mit den Worten: Markte. "Na, bann machen wir es, wie Sie es haben wollen." Auch fc. Frankfurt a. M., 17. Okt. (Orig.-Telegr. de« „Aie^ bet ber barauffolgenden Aufnahme richtete ber Kronprinz feine Anz.") Amtliche Notierungen ber heutigen Fruchtmarktpreise. SR»,---------- WhhATAioa —. Wetzen 2M. 20.20—20.40, Knrhess. Mk. 20.25—20.60, norbb. 00 Mk., La Plata Kansas Alk. 00.00—00.00, Roggen (Hiesigen Mk. 15.35 bis Mk.15.50,Gerste (Wetterauer) Mk. 16.50—17.00, Gerste Franken Psäkzer Ried Mk. 16.00—16.50, Kleie Mk. 00.00-00.00, Hafer Mk. 15.26 bis Mk. 16.00, Mais Mk. 14.25—14.75, Weizenmehl 0 Mk. 30.00 bis 30.25, 2. Qualität Mk. 23.75—00.00, 3. Qualität Mk. 22.25 bis Mk. 00.60, 4. Qualität Alk. 00.00 — 00.00, Roggenmehl 0 Alk. 23.00—23.25, 1. Qualität Alk. 19.00—19.50, 2. Qual. Mk. 00 00 Die Lokomotive des Buda Pest-Le mb er ger Zuges entgleiste bei S»-ernn es infolge falscher Weichen- stellung, wobei ein Wagen Umstürze. Ein Ob-erkonduk- teur wurde getötet, einer lebensgefährlich verletzt. Die Passagiere blieben unverletzt. Die Provinzen Havanna Matanzaa und Pinar del R i o sind von einem ber s chw e r st e n S t ü r m e, die seit Jahren bort vorgekommen sind, heim gesucht worden. Tie Taba kernte, besonders in Vuelta und Abajo, wo die Samenbeete zerstört wurden, hat schw eren Schaben gelitten. Die Jahreszeit ist zu weit vorgerückt, um Neuanpflanzungen vorzunehmen. Die Zuckerernte ist wahrscheinlich weniger geschädigt. BeiEompton (Oklahoma) auf der Bahnlinie St.Louis — San Franzisko stürzte ein Zug über eine Brücke. Fünf Wagen türmten sich übereinander: bisher wurden 4 3 Verletzungen bekannt. Ein Verwandter des brasilianischen Präsidenten namens F o n- feca fuhr mit zwei Freunden im Automobil von Paris nach Cherbourg. Tas Gefährt fuhr in L isi eur gegen einen über dieStraße gespannten Stahldraht. Während die Fen st er des Automobils in Trümmer gingen, wurden zwei Re- volverschüsse lauf die Reisenden abgegeben. Die Schüsse gingen fehl. Die Untersuchung wird ergeben, ob es sich um ein Attentat handelt. Die Zahl der bei dem O r k«n auf Kuba und den anderen Inseln des Golfes um gekommenen Personen wird auf 100 geschätzt. Bei dem gestrigen Sturme kenterte auf dem Fluß Aa in Kurland eine Barke mit 11 Arbeitern, von denen sechs ertranken. t zum Tobe Bewegungen nach bem Stande des Apparates ein. In derselben Art und Weise exerzierte er mehrere Stunden lang nur im Jnter- _____ ________ __ rise unserer Aufnahmen. Er brach sogar mitten in einer Bewe- BüS Branöunalikf in hpr Irfoftridlttrnftt aung ab, als die Sonne hinter einer Wolkenwand verschwand." . r r; „ . • 1* „V* Okt Uf)V. Schon am nächsten Nachmittag konnte ber unternehmende nn ?l Ui\llber ^benTa^ Geschäftsführer bie gelungenen Aufnahm. N im kronprinzlichen ran » I rfaZ u S s^ldct. Nach amtlicher Aas- Palais M Potsdam torfü6«n, wo bitfr ben gräfeten Beifall der i>,UÄ 1 Branbei ferne 8meg» eine versammelten Hosaesellschaft fanden Als '»esanderheü eriräbnt n.,h D". Arbe'tsraume umfassen noch Herr v. L, batz diese Films in Deutschland fast gar nicht hnVaauf h. Än,elr9m iroc’t-11 Swck hat m der Ar- getauft inutben/ fvährend in Amerika 80 Exemplare abgesept bettspaust das Perwnal um sich zu warmen Feuer in einem wurden N Flamme heraus- * Der Tiger ist los! Der Dampfer „Minnewaska", Kliffe nrPtr h, ^ &r^rdLblC ^€1^6 Ierd|t mtsunblt^er ber in Tilbutt) anlangte, hatte Bostocks bekannte Menagerie an Biht firfi" im hr ^orb. Sonntag morgen entdeckte man, daß ein starker Tiger M stm Stockwerk befanden, die Flucht über das Gitter seines Käfigs verbogen und sich befreit hatte. Die e wrqualmten Treppen abgefchnltten. Ent- Tierbändiger zogen nun, bis an die Zähne bewaffnet, durch die ? L DlZuteilungen, kann von eurem Versagen keine Rede Schiffsräume, um das Tier zu suchen. Man fand es schließlich ^ritten tock gefundenen verbrannten Opfer, im Kuhstalle auf dem Rücken eines geheiligten indischen Rindes, famtlid) weibliche Angestellte der ?yirma Arndt, beträgt nach Diesem hatte ber Tiger eine furchtbare Wunde am Nacken bei» enbgultLgen ^eUstellungen Heben. gebracht, aus dem er das Blut sog. Nur mit größter Mühe und s11 V k-u n 9 5 ? r ? c 1 c<_n ^°nn*cn heute Mon - Gefahr konnte bas Raubtier in feinen Käfig zurückgejagt werden, tag trut) durch die Feuerwehr beendet werden. Den bei dem brach aber noch einmal aus. Auch das zweite Mal gelang es, die Jöranbe verletzten Personen geht es verhältnismäßig gut. Bestie wieder einzufangen. Das Rind war so scknver verletzt, baß ■ -------- ----------- -- - es abgefchlackstet werden mußte. Auch eine Hyäne entwi chte, war Lustschiffahrt. I aber leicht wieder einzubringen. m arnnniflh f Ein Ausstand der Schulkin d er ist §as neueste, 8plah Johannisthal. was man sich in England geleistet hat. Vorläufig spielt . a ls 1 h a l,15. Okt. Wienziers , ber heute mit die lustige Komödie in einem kleinen Dorf in der Grafschaft ^eter geschätzt Buckinghamshire namens Booker. Dort wurde vor einigen n ?n' erzielte auk sem^ Tagen^geMudigt daß die beiden Kinder des Pförtners Thelen ging wegen Heißlaufens der Propellerwelle aus 200 Lnr gelegenen Jsolierungshospitals die Meter Höhe im Glcitflug nieder, wobei das Fluazeua leicht bc. Schule besuchen wurden. Die Eltern der meisten .Ernder schädigt wurde. meinten, daß das eine große Ansteckungsgefahr bedeute Unfälle in Paris. und schärften den Kleinen ein, zu protestieren. Als nun O Baris, 16. Ott. Zwei ernste Unfälle brachte der "NgLiMchen Kinder des Pförtners, ein Junge von Samstag. Ein noch völlig unbekannter Lnfteraberer Louis Bail- fcc$5 Jahren und ern Mädchen von sieben, zum erstenmal lod beging die sträfliche Unvorsichtigkeit trotz seiner Unerfahren- ln ber Nahe der Schule erschienen, wurden sie von achtzig beit, in. Limoges auf ber Hauptavenue ber Stabt auf- Kleinen umzingelt, die sie energisch aufforderten, zurückzu- fteigen zu wollen. Als der Apparat beim zweiten Versuche zu kehren und das Schulhaus nicht zu betreten. Schließlich loHen begann, matzte er plötzlich eine Biegung und fuhr in das nahm aber der Lehrer die beiden Kinder herein. Darauf ^1611^111^ bntein. Em M ädche n v ou 14 Jahren wurde gingen die Kinder bis auf 25 nach Hause und weigerten sich, in1? bemw Ian! mit öers^netterlern Schädel wieder in die Schule zu kommen, solange die beiden Pfört- gleichfalls an der Stirn von der Schraube" v e rw undek^ ""slinder dort geduldet würden Zwischen den Ausstän- leichtfertige Flieger wurde sofort verhaftet. — Auf dem Aerodrom ^)l9en^ln^ -D Loyalen ist nun etn befttger Krieg aus- von Bille Sauvage bei EtampeS fuhren die Flieger Brehat und gebrochen, der aanz nach Art der ausständigen Arbeiter Breai gegeneinander: durch den heftigen Zusammenprall geführt wird, die es den Weiterarbeitenden unmöglich wurden beide Apparate niedergedrückt und die In- machen wollen, ihrer Arbeit nachzugehen. Die ganze Anlassen hinausgeschleudett. Brehats Zustand gibt zu den ernsten geleaenheit ist der höheren Schulbehörde unterbreitet Besorgmssen Veranlassung, während Bregi mit verhältnismäßig woroen. leichten Verletzungen davonkam. , Ie an « » ö Kleine Wellmanns Ozeanflug. Der seit Monaten vorbereitete Flug des Amerikaners Weltmann über den atlantischen Ozean wurde nach anfänglichem Zögern Plötzlich angetreten Ueber die kühne Fahrt gingen uns seither folgende Drahtnachrichten zu: Atlantic (City), 15. Okt. Well mann ist heute mit seinem großen Lenkballon von Amerika abgefahren und hofft, ben atlantischen Ozean überfliegen z u können. Sein Luftschiff ift mit einem Apparat für drahtlose Telegraphie ausgerüstet Das letzte Telearamm meldet, daß der Ballon mit einer Geschwindigkeit von 20 Kilometer in nordöstlicher Richtung fahre. Newyork, 15. Okt. Wellmanns Ballon, ber eine Besatzung von sechs Mann an Borb hat, wurde zuletzt an ber Küste von Lang Jslanb gesichtet. Die letzte Melbung besagt, baß starker Nebel herrscht Etwa 1000 Zuschauer wohnten bem Aufstieg in Atlantic City bei. Anfangs hieß es, Weltmann beabsichtige nur eine Probefahrt. Erst nachmittags würbe bekannt, daß er infolge der günstigen Windverhältnisse sich entschloß, die Fahrt nach Europa anzutreten. Eine große Menschenmenge wartet in Atlantic City auf eine etwaige Rückkehr Mettmanns. Newyork, 15. Okt. Wettmann trat feine Ballonfahrt um 8 Uhr morgens an Die letzte drahtlose Meldung traf unt 2 Uhr mittags ein. Sie besagte, baß an Bord alles wohl sei. Newyork, 16. Okt. Wie ber Dampfer „Coamo" durch Funkenfpruch melbet, ist bas Luftschiff Wellmanns gestern abend 6 Uhr 50 fünf Meilen südöstlich vom Leuchtschiff „Scotland" und vier Meilen von .Sandy Hook entfernt von ihm aus beobachtet worden. Es fuhr in nordöstlicher Richtung mit einer Geschwindigkeit von 15 Knoten. Das Wetter ist sehr neblig. Nach einem weiteren Telegramm aus Atlantic City steuert Weltmann nordwärts, um bie Dampfer route von Neuf undlanb nach ©n glaub zu erreichen. Sieasconset, 16. Okt. Eine von Wellmanns Lenk- Okt. 1910 Barometer \ auf 0e reduziert Temperatur der Luft Absolute FeuchNgkeft Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke „”•2 is ä Wetter 16. 16. 17. 2“ 9" 7" 754,3 753 6 753.2 16,9 6,2 2,8 7,1 6,6 5,2 63 93 93 NE ESE 1 still 2 2 still 0 0 1 Sonnenschein KlarerHimmel Leicht bewölkt. Himmel Sweaters für Knaben u- Mädchen in allen Größen tt Farben 175 noo Preislagen 1 bis 0 Mk. :: Ständige Auswahl mindestens 200 Stück :: :• A. Salomon & Cie. Frau Margarethe Engel geb. Becker tu sanft in dem Herrn entschlafen ist im Die tieftrauernden Hinterbliebenen. 9 Rüddingshausen, Mombach, Frankfurt a. M., Giessen (Forstgarten), den 17. Oktober 1910. Die Beerdigung findet Mittwoch den 19; d. 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