amt em gemeinem Wert erheblich abweicht Eine erhebliche Abweichung liegt dann vor, wenn der Ertragswert weniger als die Hälfte des veranlagten gemeinen Werts beträgt. Ter zu beteuernde Mittelwert setzt sich aus der Hälfte des Ertragswerts ind des gemeinen Werts zusammen" usw. Auf unbebaute Grund- "tüde sollen diese Vorschriften keine Anwendung finden. Einen weiteren Gegenstand längerer Beratung^im Aus chuß bildete die Frage einer Aufhebung der Steuer- reiheit der sogen, selbständigen Gemarkungs- icrrzellere, die namentlich in Oberhessen zahlrerch vorhanden sind und meist zum Eigentum des Fiskus oder der Standesherren gehören. Es ist schon wiederholt angeregt worden, die Steuerfreiheit dieser Grundstücke auf dem Wege der Ablösung aufzuheben, um den Gemeinden die Steuererträge für die Zukunft zuzuführen. Die Regierung erhob anfangs Bedenken dagegen, diese Angelegenheit mit der Reform der Gemeindesteuern zu verquicken, erklärte sich aber schließlich dazu bereit, die Frage für die fiskalischen Grundstücke gleichzeitig mit dem Gesetz zu lösen, wobei jedoch ausbedungen wurue, daß die auf den in Betracht kommen den Grundstücken ruhenden I a g d r e ch t e un'berührt bleiben müßten. Während nun von radikaler Seite im Ausschuß die einfache Aufhebung dieser Steuerfrecheit durch Gesetz befürwortet wurde, entschloß sich die Mehrheit im Einvernehmen mit der Regierung für eine Ablösung der Steuerfreiheit und fügte zu diesem Zweck folgende Bestimmung im Art. 2 ein: Eine Gemeinde, in deren Gemarkung einzelne gemeindesteuer- freie Grundstücke des Staates, des Großh. Hauses-Familieneigen- lum oder einer anderen Gemeinde liegen, kann diese Gemeinde- teuerfreiheit im Wege der Ablösung ausheben. Die Ablösungssumme besteht in dem 20 fachen des Grundsteuerbetrages, den der Grundeigentümer im Durchschnitt der letzten drei Jahre vor dem Jahre der Ablösung nach dem tatsächlichen Gcmenrdcumlagen- ausschlag als Gemeindesteuer zu entrichten gehabt hätte, tvenn die Steuerfreiheit nicht bestanden hätte. Die Stichwahl in Mdberg-Büdingen. § Friedb erg, 17. Juni. Tie Stichwahl im Wahlkreis Friedberg-Büdingen findet am Freitag, 24. Juni, statt. Der am Donnerstag nachmittag einstimmig beschlossene Aufruf, mit dem die Leitung der Rationallibcralcn für die Wahl v. Helmolts bei der Stichwahl auffordert, hat folgenden Wortlaut: , m . Mitbürger! Reichstagswählcr! Die Rationalllberale Partei hat die Wahlschlacht verloren. An Euch, die Ihr unserem Kandidaten Eure Stimmen gegeben habt, ist cs, bei der Stichwahl Euch zu entscheiden, ob Ihr dem bürgerlichen .Kandidaten zum Siege verhelfen wollt oder ob Ihr mithälscu wollt, das sozialdemokratische Banner im Wahlkreise Friedberg-Büdingen aufzurichten. M . „ , . . Wir blicken auf einen Wahlkamvt zuruck, m ocm wir, untere Freunde und unsere gute Sache von den Agitatoren des Bundes der Landwirte verletzende Angriffe haben erfahren müs,en Es ist heute aber nicht die Stunde, hieran zu denken. Namentlich Euch, Ihr Beamten und Lehrer, die Ihr viel kraulende Worte von bündlerischer Seite habt hören müssen. Euch rufen wir zu: die großen politischen Entscheidungen bei einer Rcichstagswahl dürfen von politisch reifen Männern nicht getroffen werden nach augenblicklichen Verstimmungen, sondern in dem Bewußtsein der Erfüllung einer hohen vaterländischen Pflicht! Diese vaterländuche Pflicht gebietet am Tage der Stichwahl die Entscheidung zu gunftcr* des bürgerlichen Kandidaten. Wir richten darum an alle Anhänger und Freunde der nationalliberalen Partei im Wahlkreise Friedberg-Büdingen das dringende Ersuchen: Keiner fehle am Tage der Stichwahl! Keine Stimme für die Sozialdemokratie! Wählt e i n ft i m m i g 3r.: Helmolt! Der Wahlausschuß der nationalliberalen Partei in Friedberg-Büdingen: Justizrat Windecker, Wahlkreisvorsitzender. Namens der nationalliberalcn Reichstagsirattion und Leitung der nationalliberalen Partei: Fuhrmann, Mitglied des Reichstags. Bemerkenswert ist noch, was die „Nationalzeitung" über den Ausgang der Hauptwahl schrieb: „Der Ausfall der Wahl bedeutet für die nationalliberale Partei einen schweren Mißerfolg. Jahrelang hat sie den Wahlkreis im Besitz gehabt, um nun die Erfahrung zu machen, daß die Organisation des Bundes der Landwirte sich der ihren überlegen zeigte, und daß der Einfluß des Bundes der Landwirte auf die ländliche Bevölkerung sich als der nachhaltigere erwiesen hat. Diese Tatsache läßt sich nicht Hinwegdisputieren und muß als wichtiger Faktor für künftige Wahlberechnungen in Betracht gezogen werden. Die Zunahme der Sozialdemokratie war vorauszusehen und bildet für den Stimmenausfall der nationalliberalen Pattei weder Entschuldigung noch Trost. In der Stichwahl wird das Mandat wohl dem Bunde der Landwirte anheimfallen: denn wir können nicht annehmen, daß viereinhalbtausend nationalliberale Wähler mit Gewehr bei Fuß stehen bleiben werden." Das neue hessische Gemeindeumlagengeseh. ii. Die Steuer vom Grundbesitz. Für die Veranlagung zur Grundsteuer ist in dem neuen Gesetzentwurf die grundlegende Bestimmung durchgeführt worden, daß bei der Neuregelung der Grundsteuer an die Stelle der bisherigen Veranlagung nach den Grundsteuer- lapitalien vom Jahre 1824 die Veranlagung nach dem gemeinen Wert, d. h. also des Vermögenswertes des Objekts, treten soll. Die diesbezüglichen Bestimmungen sind in den Art. 2—6 des Gesetzentwurfs zusammengefaßt. In der Begründung der Regierungsvorlage ist eingehend die Frage erörtert worden, ob die Realsteuer für den Grundbesitz als Ertrags- oder als Wertsteuer auszubilden sei, und demnach der Grundbesitz nach seinem Ertrag oder nach seinem Wert besteuert werden solle. Die zurzeit noch für die Gemeinden bestehende Grundsteuer ist eine Ertragssteuer, deren Beibehaltung mit ihren vor bald hundert Jahren festgestellten Grundsteuerkapitalien von niemand erwünscht werden kann. Schon zur Zeit ihrer Feststellung haben diese Grundsteuerkapitalien nicht die wirklichen Erträge der Grundstücke, sondern lediglich mittlere Reinerträge dargestellt, die für die Grundstücke der gleichen Külturart und Bonitätsklasse als Durchschnittsreincrträge nach den damaligen Untersuchungen ermittelt wurden. Eine Rachprüsung oder Korrektur dieser Durchschnittsreinerträge hat in dem ganzen langen Zeitraum nicht stattgefunden. Mußte sonach der Gedanke einer Beibehaltung oder Revision der Grund- resp. Gebäudesteuerlapitalien bei Veranlagung der neuen Grundsteuer als ausgeschlossen gelten, so war dasselbe der Fall bezüglich der Frage der Besteuerung nach dem wirklichen Ertrage. Eine solche Veranlagung würde geradezu unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet sein, da doch in jeoem Jahre für jedes einzelne Grundstück festgestellt werden müßte, welchen Ertrag es speziell abwirft. Für den kleinen Landwirt, der meist überhaupt nicht gewohnt ist, die Ergebnisse seiner Arbeit nach solchen Faktoren zu berechnen, fehlt schon einmal jede schriftliche Unterlage zur Feststellung, und anderseits würde es auch bei der besten Buchführung dem Landwirt nicht möglich sein, herauszurechnen, wie sich seine Produktionskosten und die verschiedenen Rohprodukte auf die einzelnen Grundstücke verteilen, llnb was somit für den Landwirt nicht möglick) ist, würde doch noch viel weniger für die Steuerbehörde möglich sein. Dazu kommt, daß die Besteuerung nach dem Ertrag völlig versagen würde bei Objekten, die nicht wegen ihres landwirtschaftlichen Ertrages gehalten werden, wie z. B. Bauplätze und ähnliche Gelände, bei denen doch die Besteuerung ohnedies auf anderen Grundlagen erfolgen müßte. Die Regierung hat sich also nach eingehenden Erwägungen für die Besteuerung des Grundbesrtzes nach dem gemeinen Wert entschieden, weil dieser viel leichter zu ermitteln ist; auch die Veranlagung der staatlichen Vermögenssteuer vollzieht sich bereits auf der Grundlage des gemeinen Werts der Grundstücke und Gebäude, und die staatlichen Veranla^ungsausschüsse haben schon eine zehnjährige Erfahrung hinter sich, auch rind bekanntlich schon seither die Ortsgerichte bei Erledigung von Berufungen gegen die Vermögenssteuerveranlagung dazu berufen, z. B. hei Hypothekenbcsteuerungen solche Schätzungen des Wertes vorzunehmen. Wenn sonach die Regierung in der Besteuerung des Grundbesitzes nach dem Vermögenswert die beste Lösung erblickte, so verkannte sie anderseits nicht, daß allerdings bei der Besteuerung des Waldes besondere Vorschriften über die Feststellung des gemeinen Wertes nötig und auch innerlich gerechtfertigt erscheinen, da der W ald besitz von anderem Grundbesitz sich namentlich dadurch unterscheidet, daß den Waldbesitzern durch gesetzliche Bestimmungen nicht unbeschränkt ddr llebergang von der forstlichen zu einer anderen, möglicherweise besser rentierenden Bewirtschaf- tunqsart möglich ist und daß ein großer Teil des Waldes tatsächlich dem Verkehr entzogen ist, auch über die Art, wie am besten der Wert der Waldungen zu berechnen ist, gerade in den Fachkreisen die Meinungen weit auseinandergehen. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist aus diesen Gründen cinsttmnrig dem Vorschlag der Regierung beige- treten, da er berechtigten Bedenken Rechnung trägt und außerdem geeignet ist, das Zustandekommen des Gesetzes in beiden Kammern wesentlich zu erleichtern. Als gemeiner Wert des Waldes soll der Betrag des Iah res- reinertrags gelten, der bei normaler forstmäßiger Wirtschaft von ihm zu erzielen ist. Die weiter im Ausschuß aufgeworfene Frage, ob es nicht angezeigt erscheine, iur dauernd landwirtschaftlich benutzte Grundstücke bei denen der Ertrag in einem starken Ntttzverhaltni- --um gemeinen Wert steht, ausnahmsweise gleichfalls den Ertrag bei der Veranlagung der Grundsteuer zu berücksichtigen, gab ebenfalls zu eingehenden Erörterungen Anlaß. Nach Ansicht des Ausschußberichterstatters wohnt diesem Gedanken, der auch schon bei der Beratung der früheren Vorlage hervortrat, ein großes Maß von Berechtigung inne, untb auch die Regierung ging infolge eines diesbezüglichen Amrags Dr. Weber-Brauer tcttwer,e daran ein, indem sie sich bereit erklärte, unter Festhaltung des Grundsatzes der Besteuerung nach dem genreinen Wert nur für gewisse Ausnahmefälle unter besonderen Vorausfetzungen den Ertrag des Grundbesitzes dis zu einem gewissen Grade zu berücksichtigen, und.zwar dann, wenn von dem Steuerpflichtigen der Nachweis für das Vorlicgen der gefetz lichen Voransfetzung einer solchen steuerlichen Ausnahme- behmidlung beigebracht wird. Der Ausschuß hat ficki dann Such schließlich zu folgender Fassung des Art. 4 geeinigt: „Für Grundftücke, die dauernd landnnrlfchaMichen Zweaen zu dienen bestimmt sind, einschließlich der zugehörigen Gebäude, kann der Steuerpflichtige Besteuerung nach einem Mittelwert von Ertrags- und gemeinem Wert verlangen, wenn er nachweift, daß der gesamte Ettragswert seiner iteuerpüichtigen .Grund'kücke und Gebäude der vorgenannten Art von deren genehmigt, mit der Modiftkation, daß auch der Umsatz bet der Be- fteuerung mit herangezogen werden lann. .. Diese Beschlüsse, welche die Erfüllung langiahrtger Wunsche und Beftrebungen aller wirtschaftlichen.Korporationen m jvd) assen, werden von dem hessischen Detailltstenftand aufs freudigste Unerläßlich halten wir es jedoch im .Hinblick auf ifree Praktische Wirkung, daß die Besteiierung eine o b ltg atoris ch e wird Den Gemeinden muß dadurch das Gefetz die Psticht ouKriegt werden, alle umsatzsteuerpflichtigen Geschäftsbetriebe zur Sonderbesteuerung heranzuziehen. Weiter gestatten wir uns noch darauf binzuweisen, daß das Gewerbesteuergesetz auch m Kiner .neuere Fassung noch eine Kategorie von Gewerbebetrieben vollftaiidig! steuerfrei läßt, die zum Schaden des anfäsfigen Gewerbebetriebes, immer mehr um sich greift. . . Wir meinen den löge nannten „Heimlichen W ar e re- ha n d e l", das heißt den Handel, der von Postbeamten, Staatsund städtischere Beamten, Privatere usw. ohne Lösung emes Gewerbepatentes und daher ohne Gewerbesteuer betrieben imrd. Wir bitten daher Hohe Kammer, in Erwägung ziehen zu wollen, ob Artikel 7 des Gesetzes reicht eine Erweiterung erfahren konnte, wonach alle Personen, die sich mit dem Vertrieb von Waren bc- fassen, — und sich daher handelsmäßig betätigen —, zur Gewerbesteuer herangezogen werden könneii." Jrn Gegensatz zur Regierungsvorlage.hatte ferner der Abg. Brauer die Steuerfreiheit der landwirt- chaftlichen Oekonomiegebäude von der Grund- teuer beantragt. Die Regierung hatte gegen dies Verlangen eine Anzahl Bedenken ins Feld geführt und auf die Konsequenzen hingewiesen, die daraus entstehen könnten. Sie beronte besonders, daß dann auch die Gewerbetreibenden gleichfalls für ihre gewerblichen Betriebslokale Steuerfreiheit beanspruchen dürften, und daß dies namentlich in den Städten und größeren Jndusttieorten zu einem bedeutenden Steuerausfäll für die Gemeinden führen würde. Nachdem aber die Regierung auf Befragen erklärc hatte, daß ie die Annahme des Gesetzes nicht von der Steuerfreiheit der Oekonomiegebäude abhängig machen werde, nahm der Ausschuß einen Zusatzantrag zu Art. 3 an, daß Gebäude, die zur Unterbringung des lebenden und toten Inventars oder der rohen Erzeugnisse eines landwirtschaftlichen Betriebs einschließlich der Viehzucht, des Wein-, Obst- und Gartenbaues dienen, der Grundsteuer nicht unterliegen. Tre hessischen Handelskammern haben bekanntlich gegen die hierin offenbar zum Ausdruck gebrachte Bevorzugung der Landwirtschaft energisch Widerspruch eingelegt und betont, daß dieselben Gründe, mit denen die Steuerfreiheit der landwirtschaftlichen Oekonomiegebäude begründet roeroe, auch für zahlreiche gewerbliche Gebäude in Anspruch genommen werden könmen. An diesem Punkte wird zweifellos auch eine starke Kritik in der Kammer einsetzen. Einen breiten Rahmen nahm in der Ausschußberatting endlich noch die Frage des S ch u ld e n ab z u g s bei der Grundsteuer ein, Pa im Art. 4 des Gesetzes bestimmt ist, daß ein Ab-reg von Schulden oder sonstigen persönlichen Lasten nicht stattfinden darf. Ganz abgesehen davon, daß in der heutigen Gesetzgebung bereits das Verbot des Schuldenabzugs besteht, und daß man auch in den anderen Bundesstaaten einen Schuldenabzug bei der Gemeinde'teuer nicht kennt, iveist der Ausschußberichterstatter darauf hm, daß bei der bedeutenden hypothekarischen Belastung des städtischen und ländlichen Grundbesitzes — bet manchen Gemeinden bis zu 70 Proz. — der Schuldenabzug die Steuererträgnisse so weit verringern würde, daß überhaupt nicht viel mehr übrig bliebe. Und die Folge würde eine erhebliche Steigerung der anderen Gemeindesteuern, besonders der Einkommensteuer, sein. Der Ausschußbericht erwähnt zum Schluß noch eine Eingabe des Evang. O b e r k o n s i st o r i u m s, in der statt der von der Regierung im Art. 61 vorgeschlagenen Aufhebung des Gesetzes vom 11. Juni 1827, betreffend die auf die Pfarr- und Sckmlbesoldungsgüter fallenden Steuern eine entsprechende Ablösung dieses Vorrechtes verlangt wird. Tie Regierung gab in den Ausschußverhandlungen zu, daß bei Aushebung des betr. Gesetze« ein gewisser Ausfall eintreten werde, der sich für die evangelische Kirche auf 40 000 Mk„ für die katholische Kirche auf 10 000 Mk. berechnen dürfte. Dieser Ausfall fönnte jedoch von den Lokal lirchen- gemcinben getragen werden. Die Mehrheit des Ausschusses vertrat die Auffassung, daß die gegenroärtige Steuerfreiheit der Pfarr- und Lehrerbesoldungsgüter eine ungerechtfertigte Maßnahme bedeute, schon weil die Voraussetzungen für das Gesetz von 1£27 durch die mittlerweile erfolgte Erhöhung der Einkommen der Geistlichen und Lehrer wegaesallen seien. Der Ausschuß erklärte cs deshalb für untunlich, dem Ansinnen -es Oberkonsisro- riums zu entsprechen und mit der Aufhebung des Gesetzes eine Ablösungspflicht der Gemeinden zu statuieren. Mit vorstehend näher bezeichneten Säuberungen sollen die Regierungsovrschläge über bie Besteuerung des Grundbesitzes von der Zweiten Kammer genehmigt werden. Der Verband der Detaillisten-Vereine im Groß- herzogtum Hessen hat zu dem Gesetzentivurf über die Gememde- untlagen an die Zweite Kammer der Landstäredc eine Eingabe gerichtet, in der u. a. ausgeführt ist: „Nach der Pressemeldung! hat der Firean raus schuß bescblolien, die .Konsumvereine, auch die landwirtschaftlichen, ebenfalls der Besteuerung zu u-iterroerjen und weiter die Einführung der Warenhaus- und Filialsteuer ge- Aus dem Sttasprozetzansschutz. :: B e r lin , 16. Juni. Der Strafprozeßausschuß setzte heute seine Beratungen bei § 173 fort. Auf Antrag des Zentrums wurde mit allen gegen eine Stimme folgender § 173a neu eingefügt: „Im Ermittelungsverfahren gegen einen unbekannten Täter hat der Richter dem Zeugen mitzuteilen, welche Gründe ihn zur Zeugnisverweigerung berechttgen würden, wenn ihm der Tater bekannt wäre, und der Zeuge kann ohne Angabe des bestimmten Zeugnisverweigerungs- grundes glaubhaft machen, daß er zur Zeugnisverweigerung berechtigt sei; es genügt die Versicherung an Eides statt." Ein Abärederungsantrag zu § 174, der die K'lageer- Hebung durch die Staatsanwaltschaft betrifft, wurde zurückgezogen, nachdem die Regierung eine andere Fassung der Regierungsvorlage in Aussicht gestellt hatte. 176 erhielt nach einem Anträge des Zentrums und ber Wirtschaft- schaftlichen Vereinigung in seinem ersten Absätze folgende Fassung: „Erhebt die Staatsanwalt nach Abschluß der Ermittelungen feine Klage, so stellt sie das Verfahren ein und benachrichtigt den Verdächtigen, wenn er als solcher vom Richter, von der Staatsanwaltschaft ober auf ihre Veranlassung von einer Behörde des Polizei- ober Sicherheitsdienstes vernommen oder gegen ihn eine Durchsuchung oder Beschlagnahme vollzogen war." § 177 Absatz 1 wird in folgender Form angenommen: „Hat ber Verletzte ober eine solche Person ben Antrag gestellt, welcher an ber Bestrafung ein berechtigtes Interesse hat, so kann er gegen den ablehnenden Bescheid des vorgesetzten Beamten der Staatsanwaltschaft einen Nr. 139 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 17. Juni 1910 Der Süd"" Anzeiger «gggr A A. 'irf' • "ck75P^mettel- MMV-lknkllkk ZllllvlUvl ess K» KI . ... <1 _ "V »ö WS? General-Anzeiger für Oberheften M-ZM Annahme von Anzeigen v ~ 1 . 7 faal": E. Heß; für den Ar die Tagesnunimer Rotationsbrud und Verlag der vriibl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und vruaerel: zqulflraye g Anzeigenteil: H. Beck. bis vormittags 9 Uhr. 3 ____________ ____ Monat nach der Bekanntmachung gerichtliche Entscheidung beantragen." Die §§ 178 bis 181 werden unverändert angenommen. > 'Somit ist Her Abschnitt über das Ermittelnngsverfahren erledigt. Darauf vertagte sich der Ausschuß. Vas Schiedsgericht im Baugewerbe. Dresden, 16. .Juni. Das Schiedsgericht im Baugewerbe fällte heute bezüglich der Arbeitsvcrkür- ^ung und der Teuerungszulage folgenden Spruch: Die ArbeitszeitverMrzung in den Orteu mit mel)r als zehnstündiger Arbeitszeit loird dahin geregelt, daß in den Orten, mo eine mehr als lOi/sstündige Arbeitszeit besteht, diese vom 1. April 1911 auf 10'/» und vom 1. April 1912 auf 10 Stunden zu verkürzen ist. In den Orten, wo sie nicht mehr als 10y2 Stunden beträgt, hat sie vom 1. April 1911 ab 10 Stunden zu betragen; in Frankfurt a. M., Offenbach, -Mannheim, Ludwigshafen und Wiesbaden wird die Arbeitszeit auf 9’/_> Stunden ab 1. April 1911 herabgesetzt. Für alle übrigen Orte der Lohngebicte wird eine Verkürzung der Arbeitszeit abgelehnt. In den genannten Städten tritt die Lohnsteiacrung in folgender Weise ein: sofort um 2 Pfg., am 1. April um 4 Pfg. und am 1. April 1912 um 2 Pfg.; nur in Offenbach und in Wiesbaden sofort um 2 Pfg, am 1. April 1911 um 31/» Pfg. und am 1. April 1912 um 2 Pfg. .Soweit in diesen Städten die Lohnerhöhung mehr beträgt als der Lohnausgleich, gilt sie als Entschädigung für die Teuerungsverhältnisse. Im übrigen ist die Teuerungszulage abgelehnt worden. Tie Nebenbedingungcn des Vertrages werden zur Verhandlung an die örtlichen Instanzen verwiesen werden und endgültig entschieden durch die bisherige zweite Instanz. Die Verhandlungen müssen bis zum 8. Juli zu Ende geführt sein. Die zweite Instanz hat bis zum 15. Juli endgültig zu entscheiden. Wo die .Differenz zwischen den: Lohn der Maurer und dem tariflichen Höchstlohn der Bauhilfsarbeiter über 13 Pfennig beträgt, .soll sie im zweiten Vertragsjatzr durch Erhöhung des Bau- und Hilfsarbeiierlohnes um 1 Pfennig ausgeglichen werden. In den Orten unter 10000 Einwohner, in denen die Verkürzung der Arbeitszeit während der Vertragsdauer eine Stunde beträgt, tritt der volle Lohnausgleich nur zur Hälfte ein. Arrs Hessen. R. B. Darmstadt, 16. Juni. Tcr Sonderausschuß für d i e Verwaltungsgesetzrevision beschäftigte sich heute mit den Artikeln 103—130 der Landgemeindeorb- nung, welche die Bestimmungen über die amtliche Stellung der Gemeinderatsmitglieder, die Sitzungen des Gemeinderats, die Tätigkeit des Bürgermeisters und der Beigeordneten, sowie die Geschäfte des Bürgermeisters behandeln. Bezüglich der Sitzungen des Gemeinderats in der Landgcmeindeordnung wurde im Ausschuß beantragt, die O e f f e n t l i ch k e i t der Sitzungen zur Regel zu machen. Der Ausschuß hat ober in Ucbcreinstimmung mit der Entscheidung, die für die badische Landgemeindeordnung getroffen wurde, diese Regelung der Frage abgelehnt und dagegen eine Bestimmung angenommen, wonach der Gemeinderat jederzeit die Oeffentlichkeit der Sitzungen bescküießen kann. Außerdem wurde eine Bestimmung eingefügt, daß jedesmal zu Beginn des Haushaltsjahres über die Oeffentlichkeit der Sitzungen Beschluß gefaßt werden kann. Hinsichtlich der Giltigkeit eines Gemeinderatsbeschlusses wurde vom Ausschuß an der Forderung festgehalten, daß in der Sitzung sofort eine Niederschrift der Beschlüsse zu erfolgen hat und daß für die Abstimmenden ein Untere schriftszwang eingeführt wird. Nur ausnahmsweise soll in besonderen Fällen die nachträgliche Einholung der Unterschrift gestattet sein. Es sind im Ausschuß verschiedene Fälle zur Erörterung gelangt, daß Gemeinderatsmitglieder sich weigerten, ihre Abstimmung anzuerkennen und daß der Bürgermeister rechtlich zur Verantwortung gezogen wurde, weil angeblich kein giltiger Gemeinderatsbeschluß vorlag. Aus diesem Grunde ist die genaue Feststellung der Abstimmung absolut erforderlich. — In Art. 115 war nach der Regierungsvorlage bestimmt worden, daß bei Stimmengleichheit in Beschlüssen des Gemeindcrats die Stimme des Vorsitzenden entscheiden soll. Diese Vorschrift hat der Ausschuß beseitigt, dagegen die weitere Vorschrift aufrecht erhalten, daß in Personalangelegenheiten bei Stimmengleichheit die Stimme des Bürgermeisters ausschlaggebend sein soll. Hinsichtlich der wichtigen Frage, ob es zulässig sein soll, im Tä s z i p l i n ar- verfahren dem Bürgermeister einen Teil seines Ruhegehalts auch dann zu belassen, wenn die Dienstentlassung als Disziplinar- maßnahme erfolgt, jedoch in der Beurteilung des Falles eine mildere _ Beurteilung zulässig erscheine, beschloß der Ausschuß, die Entscheidung zunächst auszusetzen. Im Art. 124 wird bestimmt, daß der Betrieb des Gewerbes inner G a st - und Schankwirtschaft dem Bürgermeister nur mit Zustimmung des Kreisausschusses und unter den von diesem etwa festzusetzenden Bedingungen gestattet sei. Hierzu lag ein Antrag vor, für die Zukunft den Betrieb einer Gast- und Schankwirtschaft für den Bürgermeister überhaupt auszuschließen. Im Ausschuß war man darüber verschiedener Meinung. Die eine .Hälfte entschied sich dahin, daß der Betrieb einer Gastund Schankwirtschaft dem Bürgermeister unter allen Umständen untersagt sein soll, die andere Hälfte stimmte dafür, daß den Widerruf einer Konzession erfolgen solle, wenn die bei der Kon- zessivnserteilung gestellten Bedingungen nicht eingehalten würden. Da die Stimmengleichheit im Ausschuß als Ablehnung gilt, so ist zunächst die Regierungsvorlage als genehmigt zu betrachten. In der morgigen Sitzung des Ausschusses dürste die vorläufige Beratung der Vorlage zu Ende geführt werden. Deutsches Reich. Zu Ehren des Justizrats Albert Träger sand am Donnerstag in der Berliner Philharmonie ein Festkommers statt, der stark besucht war und den der Abgeordnete Kops ch mit einer Begrüßungsansprache eröffnete. Abg. Wiemer feierte den Politiker Träger; alsdann sprachen die Abgg. Geheimer Iustizrat Cassel, Mugdan und Herr R ei - Wald. Dem Geburtstagsttnde wurde hierauf von Frl. Margarete Barth nach dem Vortrag eines Huldigungs- gedichtes ein Lorbeertranz aufs .Haupt gesetzt, was stürmischen Jubel erregte. Zahlreiche Abgeordnete und Stadtverordnete nahmen an dem Kommers teil. Aus Wien wird gemeldet: Der deutsche Nationalverband hat mit überwiegender Mehrheit beschlossen, der Regierung mitzuteilcn, daß der Verband dem Plane zu sttmmt, auf vier Jahre bis zum Wintersemester 1914 15 provisorisch eine italienische R e ch t S f a ku l t ä t in Wien ins Leben zu rufen. Der deutsch-nationale Verband hat ferner beschlossen, die Regierung eindringlich aufzu- fordern, an die A u s H e st a l t n n g d e r d e u t s ch e n Hochschulen mit allem Nachdruck zu gehen. Alsdann wurde einsttmmig der Beschluß gefaßt, die Regierung und die Mehrheitsparteien aufzufordern, für die baldige Vornahme der ersten Lesung der nationalpolitischen Vorlagen und deren Ueberweisung an einen Ausschuß zu sorgen. Aus Saloniki wird gemeldet: Die Militärbehörde im E l a s s 0 n a meldet, daß eine d r e i ß i g M a n n st a r k e , von einem griechischen Offizier geführte g riech i s ch e B a n d e, welche zwei mit Munition beladene Tragtiere mit sich führte, die Grenze überschritten hat. Zur Verfolgung ist Militär abgegangen. Ungefähr hundert Montenegriner unter dem Befehl eines serbischen Offiziers Martinowitsch haben ein türkisches Blockhaus in der Gegend von Gussinja angegriffen. Zwei Soldaten wurden getötet und drei verwundet. Die Montenegriner traten erst den Rückzug an, als Verstärkungen eingetroffen waren. Ans Stadt nnd Land. Gießen, 17. Juni 1910. *' Tageskalender für Freitag, 17. Juni: Protest- V e r s a in m lang gegen die Borromacns • Enzyklika. Abends 8‘/a Uhr in Steins Garten. * ** La ndeS Universität. Der Groß her zog hat den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Geheimerat Dr. Rich. Heß in Gießen auf fein Nachsuchen unter Anerkennung feiner langjährigen mit Eifer und Treue geleisteten, sehr ersprießlichen Dtenste mit Wirkung vom 1. Oktober 1910 an in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Komturkreuz 2. Klosse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** A u s dem Militär-Wochenblatt. Knecht (I Darmstadt), Unterapotheker des Benrlaubtenstandes, zum Oberovotheker befördert. Zahlmeister Werner vom 3. Bat. Jnf.-Negts. Prinz Karl (4. Hess.) Nr. 118, zum Hess. Train-- Bat. Nr. 18 versetzt. ’’ Nene Kammervirtuosin. Der Großherzog hat der Pianistin Frau Hedm. Marx-Kirch in Mannheim den Titel „Größte Hessische Kammervirtuosin" verliehen. •* Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Schnl- verwalter Gg. Kirsch en stein zu Nüsselsheim zum Lehrer an der höh. Bürgerschule daselbst unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer; die Schulverwalterinnen Sophie Cahn und Mana Lehne an der höh. Mädchenschule zu Mainz zu Lehrerinnen an dieser Schule, die Schulverwalterin Lonise Keßler an der Eleonorenschnle zu Worms zur Lehrerin an dieser Schule, sämtlich unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehreriiinen. — Ue bertragen wurde dem Lehrer Nob. Henrich zu Astheim die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Alsheim und dem Lehrer an der höh. Bürgerschule zu Groß-Bieberait Daniel Komo eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim. — Erledigt ist die mit einem euang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu Nied er-Stoll. Mit der Stelle ist Organisten- und Leltordienst verbmiden. — Ucbcrtragen wurde der Schulanitsaspirantin Maria König aus Ober-Mörlen eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Bieber. — In den R u h e st and versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Elise Dins läge auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. ** Nochmals das Schülerwe 1 furnen. Durch die von Freunden des Schülerturnens zur Verfügung gestellten Beträge war es möglich, an unbemittelte V 0 lksschuler 43 Gürtel, 46 Turnhemden und 25 Paar Turn - s ch u h e unentgeltlich abzugeben, bezw. zu verteilen. Die Zahl der mitturnenden Volksschüler betrug etwa 100, so daß annähernd die Hälfte mit Gürtel und Turnhemd ausgestattet werden konnte. ** Ein bruchsdiebsta hl. Am verflossenen Sonntag, abends gegen 7 Uhr, wurde in einem Z i g a rr e n l a d e n am Marktplatz eingebrochen und ein größeres Quantum Zigarren und Zigaretten gestohlen. Der Dieb hatte vom unverschloss.'nen Hausflur aus eine nach dem Laden führende Türe erbrochen. •* In Amerika verstorbene Hessen. Philipp Schröder in New-Pork, 48 Jahre alt, geboren in der Bmger Gegend; I. I. F. O. Toussaint, 82 Jahre alt, in New-Pork; Konr. 9)1 aurer, 74 Jahre alt, in Syrakuse; Jos. Goldschmidt, 70 Jahre alt, in Reading; Konr. Jäkel, 57 Jahre alt, Polizeichef in Belleville. --- Leihgestern, 16. Juni. Am 26. d. M. begeht der Gesangverein „Eintracht" hier im Rahmen des Vereins die Feier.seines 49jährigen Bestehens. Mit dem 50jähr. Jubiläum, das 1911 vom 3 bis 5. Juli gefeiert werden soll, wird ein nationaler Gesangs- w c 11strcit verbunden werden. Der Verein, der 150 Mitglieder zählt, steht unter Leitung des Dirigenten Arthur Riemann-Gießen. Daß der Verein in seinen gesanglichen Leistungen auf der Höhe der Zeit steht, geht daraus hervor, daß es ihm vergönnt war, 1909 auf' bem G.^angswettstreit in Groß-Auheim tu K asse IV einen 1. 'Preis, Pfingsten d. Is. auf dem nationalen Gesangswettstreit des Gesangvereins „Germania"--Großcn-Linden in Kiafic III einen 3. Preis und Ehrenpreis und am 29. Mai d. I. gelegentlich des Reform-, Wettstreits des Gesangvereins „Harmönie"-Grvßen-Liiid.n einen 1. Preis und ebenfalls einen Ehrenpreis zu erringen. X Kinzenbach, 16. Jmn. Heute um die Mittagsstunde ereignete sieh auf der hiesigen Station ein Unglücks- fall Der Landwirt und Metzger Adam Mandler, der sehr schwerhörig und kurzsichtig ist, hatte den herannahenden Zug von Lollar nicht bemerkt und wurde von der Maschine erfaßt. Außer bedenklichen Kopfwunden mag der Verunglückte, der noch nicht wieder zur Besinnung kam, innere Verletzungen davongetragen haben. Bahnarzt Dr. Hoffmann-Heuchelheim leistete bald die erste Hilfe und ordnete die Ueberführung in die Gießener Klinik an. An dem Aufkommen des alten Mannes wird gezweifelt. Das Bahnpersonal trifft keine Schuld. w. Frankfurt a. M., 16. Juni. Zur Eröffnung der französischen Abteilung der A u s st e l l u n <•* für Sport und Spiel hatten sich heute Vertreter des französischen Sportlomitees für Ausstellungen im Auslande eingefunden. Tie französische Ausstellung vt noch bereichert worden durch einen Salon, in dem sich die Büsten verschiedener belannter französischer Pvliliier, unter ihnen Briand, Elemencean, Brisson und der frühere Kriegsminister Berthean befinden. Nach einem Rundgange durch die Ausstellung begrüßte Oberbürgermeister Dr. Ad i cke s die franzöfi- schen Gäste. Generaltonsul Richard u. Präsident M e r i l - l 0 n brachten ihre Anerkennung für das in der Ausstellung Gebotene und ihren Taut für den Empfang zum Ausdruck. Sodann folgte die Ausstellungsleitung einer Einladung der französischen Sektion zu einem Diner, bei dem Präsident Mörillon den Gefühlen der Sympaihie und der Freundschaft Ausdruck gab. Stadtrat von Grunelin s dankte namens der Ausstellungsleitung für die tätige Anteilnahme der Franzosen an dem Ansstellungswetl. 3um Schlüsse brachte Generalkonsul Richard ein .Hoch auf die Stadt Frankfurt a. M. aus. Die Leitung der Ausstellung hat der französischen Mteilung als Landes-Ausstellung den Großen Preis (Goldene Medaille) zuerlannt. = Frankfurt a. M., IG. Juni. Ein großer Reptilientransport aus Nordamerika langte kürzlich in Hamburg ein. Er enthielt in großer Anzahl riesige Diamant- llapperschtangen, giftige Mokassinschlaiigen verschiedener Art, Korallennattern, ungiftige Korallennattern, sehr große Praan- fri.langen, Corraisnattern und Wassernattern, ferner die verschiedensten Zierschildkröten, Klapp und Weichschildkröten, sowie auch mehrere Arten Echsen und außerdem eine Anzahl großen Amphibien. Da der Transport gleich bei seiner Ankunft von Direktor Dr. Priemet vom hiesigen Zoologischen Garten in Empfang genommen wurde, hatte dieser die erste Wahl und konnte die schönsten und seltensten Exemplare für das Frankfurter Aquarium erwerben. Der gleiche Importeur brachte auch eine Anzahl nordamerikanischer Säugetiere mit, von denen ein sehr schöner Graufuchs, ein Paar Stinktiere u. a. m. für den Zoologischen Garten angekauft wurden. Tie in diesem Jahre erwartete erste Nachzucht der älteren Seelöwin des Gartens ergab eine Enttäuschung, da das sehr stark entwickelte, gegen 75 Zentimeter lange und 13 Pfund schwere Junge tot zur Welt kam. Universitäts-Nachrichten. u M a r b ll r g , 15. Juni. Die diesjährigen Marburger Ferienkurse mit Hebungen in demscher, englischer und französischer Sprache finden vom 4.-23. Juli und 4.-24. August statt. An dem Unterricht sind namhafte hiesige und auswärtige Gelehrte beteiligt. Sport. "Der Ruderklub Hafsia wird für die am 10. Juli d. Is. statlsindeiide Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes in M aiuz den Begrüßnngs-Vierer (Mainzer Stadtpreis), den 1. Senior-Vierer, sowie den Junior-Vierer melden. Anßcrdem wird der Sktiller L. Schmalz das Jnnior-Einer-Neimen bestreiten. 9er Allenfteiner Mordprozeh. : uj. A l l e n st e i n, 16. Juni. In der heutigen fortgesetzten Zeugenvernehmung wird zu« nächst das weibliche Personal des 2 ch ö n c b e ck ' s ch e n Hauses noch einmal vernommen. Die Verhandlung dreht sich um die Herrenbekanntschasten der Angeklagten und es soll fest- gestellt werden, ob diese in der Nacht Besuche auf ihrem Zimmer empfangen habe. Tie Zeuginnen sagen aus, daß sie davon nichts wissen. Frau v. Schönebeck habe sich zwar die Cour machen lassen, sie hätten aber geglaubt, daß dies in den gesellschaftlichen Grenzen geschehen fei. Nur einmal will Fräulein Eue die Angeklagte mit einem Herrn in einer verfänglichen Situation beobachtet haben, sie habe sich dabei aber nichts gedacht. Daß sie für ihre GesälligkeitSdicnstc je von Hauptmann v. Göben ober der Angeklagten Geschenke bekommen habe, bestreitet diese Zeugin entschieden. . Tie weitere Verhandlung dreht sich um die Strumpfe des Erschossenen. Hauptmann v. Gäben hat angegeben, daß ihm Frau v. Schönebeck ein Paar Strümpfe ihres Gatten gegeben habe, die er überziehen sollte, um die Hunde nicht auf seine Spur zu bringen. Bei der Haussuchung wurden in der v. Göben'schen Wohnung auch ein Paar Sttümpse mit heraus- geschnittenen Initialen gesunden. Es kann aber nicht sestgestellt werden, ob die Strümpfe mirtlrd) dem Erschossenen gehörten. Die Zeugin Eue bekundet noch, daß das Verhältnis zwischen den Eheleuten in der letzten Zeit gut war. Als die Zeugin das zweite Mal als Angestellte in das Schönebeck'sche Haus kam, war v. Gäben der Bevorzugte bei der Angeklagten. Sie hat von diesem oft Briefe für die Angeklagte in (Smpfang genommen und auch zwei bis drei Mal Briefe an ihn von ber Angeklagten besorgt. Das Mißverhältnis ihrer gestrigen Aussagen zu denen in der Untersuchung will die Zeugin damit erklären, daß sie nicht «'chtig verstanden worden sei. Ter Staatsanwalt beantragt, die Zeugin ivegen Verdachts der Begünstigung nicht zu vereidigen, der Gerichtshof beschließt aber ihre Vereidigung. Der Zeuge Apothekenbesitzer Deus gibt an, daß 5)err v. Gäben zweimal auf Gistschein Arsenik bei ihm gekauft habe, angeblich, um es seinem Bruder in Tirol zur Vergiftung von Füchsen zu schicken. Der Staatsanwalt stellt fest, daß v. Gäben später selbst zugab, daß die Sache mit dem Gift nicht ernstbift gemeint, sondern nur Spielerei war. Zeuge Friseur Sikorski hat dem Hauptniann v. Gäben nm Weihnachtsseste die Maske verkauft. Es war eine weiße Scidenmaske mit grellen Farben bemalt und scheußlich anzusehen. Der Zeuge zeigt eine Kopie der Maske. Der Vorsitzende bemerkt, daß cs sich nicht um eine Maske für einen Weihnachrsmann Händeln könne; wenn jemand mit einer solchen MaSke zu stfin kommen würde, würde er diesen hinaus- rcerfc-it. Zeuge Hauptmaiiii Schwi n d t Allenstein sagt aus, daß Göben sich bei ihm kurz vor Weihnachten nach Reise- Verbindungen nach Schweden erkundigt habe. Die Angeklagte betont, daß ihr von dem Reiseplan Göbens nichts bekannt gewesen sei. — Nächster Zeuge ist der jetzige Kaiserliche Ottomanische Oberstleutnant T u p sch e w s ki aus Adrianopel. der lange Jahre Abteilungskommaiideiir des Hauptmanns v. Göben mar. Vors.: Was haben Sie für Ansichten über Hauptmann v. Gäben in persönlicher und dienstlicher Beziehung? — Zeuge: Hauptmann v. Göben war persönlich ein hochanständiger, vornehmer Charakter, dem ich nichts Böses zutrauen würde. — Zeitige: Er tvar viel im Auslande, hatte den Buren- stldzug mitgemacht und war auch in Mazedonien. Von der Arbeit, die er im Auslande geleistet, war er sehr eingenommen. Er hatte manchmal ganz eigenartige Ansichten. Wir sind auch hin und wieder aneinander geraten. Es bestand zwischen unS beiden ent freundliches, aber lein freundschaftliches Verhältnis. Göbcii kam mit seiner Mannschaft sehr gut aus. Er war eine durch und durch tiomebmc Natur. — Vors.: Aenderke sich das nachlei- im Laufe der Monate? — Zeuge: Jawohl, das hat sich geäußert. Ich habe ihn deswegen auch zur Rede gestellt, wies meine Pflicht war. Ich war es auch zufälligerweise, der ihn mit der Angeklagten bekannt machte. Es war auf einem Maskenball bei^Exzellenz Scotti. Ich ftihrte Frau v. Schöne- berf zu -bild). Sie fragte mich plötzlich: Wer ist ber Herr dort? antwortete: Das ist Hauptmann v. Göben, einer meiner Offiziere. Ain nächsten Tage traf ich Hauptmann v. Göben und sagte ihm: Nehmen Sie sich in Acht, Frau v. Schönebeck ist verheiratet, hüten Sic sich vor dem Feuer. Da sagte er: Ich gehe zwar jetzt zum Kaffee zur Fraii v. Schönebeck, aber Sie täuschen sich, ich bin gewappnet, mir kann eine Frau über-- haupt nichts anhaben. Nachher ließen seine dienstlichen Leistungen mehr und mehr nach, und gawz zufällig erfuhr ich, daß Frau v. Schönebeck gemeinsam mit ihm in Schwarzort war. Das machte mich stutzig und ich stellte ihn privatim zur Rede. Da sagte er: Herr Major, was Sie benfen, ist nicht ber Fall. Ich bin bann auf Urlaub gegangen unb erst zurückgekehrt, nachdem die Tat geschehen war. Ich sah Herrn v. Göben, kurz nach der Ankunft, von der Tat wußte ich noch nichts. Hauptmann v. Göben hatte zwei Verletzungen über der Nase unb sah sehr bleich aus. Er fragte: Wissen Sie schon, was passiert ist? — Ich sagte, nein. Darauf sagte er, Major v. Schönebeck ist cr- scht)ss-cn. — Natürlich ging mir in den paar Minuten vieles durch den Kopf. Ich wußte, daß Göben ein sehr energischen Mensch war, aber das traute ich ihm doch nicht zu. Es wurde nun die Frage aufgeworfen, ob ein Raubmord vvrliege, aber allgemein sagte man, daß ein Raubmord ausgesckftossen sei. Wir waren nun beim Regiment zusammen, Göben ging gerate hinaus. Ich fragte: Wer kann es berat gewesen sein? Unb ba antwortete man: Nur ber, ber eben b i n a u 5 g e g a n gen i st. Einen Tag barauf wurde Göben verhaftet. Er war sehr gefaßt. Als ich später mit ihm eine Unterredung hatte, jagte ich zu ihm: „Göben, ich habe Sic immer für einen anständigen und ehrlichen Kerl gehalten. Zeigen Sie sich als offener und ehrlicher Offizier und gestehen Sie, Sie sind der Mörder des Majors v. Schönebeck." Ta ivanbte sich Göben zu mir um unb sagte: „Herr Major, ich banke Ihnen für Ihre liebenswürdigen Worte und ich habe Sie auch immer für einen anständigen Vorgesetzten gehalten. Ich kann aber nicht sprechen, ehe die Frau nicht KS- LK C, Sorte, 1 M feite dann d SU piicn - fj: iXirf hob cl„ Cb er zlldriickcn- 0 Sm SöM imirfiuM Jnrwfic fangt. Korden nnt läßt eine 4 wankt W Verteidiger werden. erklärt die, unb flUßerlt winde, aul. Von beii Ahr betreff allein mürbe ber unteren ber oberen • weiter sellri k hriM Mark',,. ^'el-Remieil^s Wfc. |lcin- 16. M ^criiebmung wird ( V^onebetf'ftf),. Verhandlung breht i? 211 und es soll sei W w ihrem Zim._ - u-'. dahtzc davon mdr $lPat. die (Sour mafc- ,7 de» ttfcUMidüt 1,11 .irraulcin (fUc d verfänglichen Gituotic- 'Ct nichts gedacht. Jci Vauvtmairn d. tzo^- en habe, bestreitet du. 'in lan°^r ^'"e Ö- lofri .'seiner >nf. .Mir 'Aah, L'n^ drs J J ***** bÄt,tl l"fiielc Wn. T , Q- -r '^52%^ ' »in die Strirmbi. Gaben hat angfgebe- Gtriinunc ihres (Soir int die Hunde nicht cj 'suchung wurden in br : Tttiiwpse mit heroe? nn ober nicht feftgeitel!: t Erschossenen gefrörter, Sas Verhältnis jmiidß Ivar. Als die ZeM lis Ähönebeck'sche Luv i der Angeklagten. Eu lefiagtc in Empfang y Briese an ihn von t ihrer gestrigen Ausiagc Zeugin damit erklär- sei. Ter Staatsaiurc b?r Beaunstigung nie bcfdilic^t ober it nhesitzec DeusMon. Arsenik bei ihm gelaust n Tirol zur Vereinig .t Mich, daß vMKe dm M nicht c* euge Frisenr Likorski reibnachtssestc die Mt aste mit grellen Jmh .enge Ml ein* fr sich nicht um eine W e; Ivem semand mit eint. || mürbe er diesen ftm«« . f bt'Allenstein sagt o..- | abnaditen nach fflttr । erkundigt habe, K =• ; seplan Gvbens n* . i ist der icRtqc KaiM , oskiansAdriEl.^ ä Hauptmanns v. w- tnii'chten uber SanM- :r Beziehung?- jn hochanitnnd S i Es bc'.ia"''A', i«'r ® ^ -uialliacriveiic. * :d)te. ... p. tfC- । Wie.Mu it. "rau . (c er. j rt kau» ^KkSSS , 'WUS-» LGD cho.N' " Wnc^ ' cl^ ^'Sr'nal' 18? ,h der < ..di imu •JÄ% rlmllichcr rveNerdericht. O e f f c n 111 ch e Wetterdienststelle Gieße n. Verlaus der Wuierung seit gestern fvül): Tas westliche Hoch- druckgelnel bat sich ostwärts ausgedehnt, so daß bereits aiu gestrigen Nachmittag die Bewölkung sich lichtete. Doch haben in Ostdeutschland flache Lintivirbel noch Regenschauer gebracht. Bet heiterem Himmel steigen in Mitteldeutschland die Temperaturen wieder au. — Da das Zentrum des Nordwesthochs nach 9torden zuruckweicht, wirb bei Nordivind neuerdings Neigung .zu Regen auilreten. Wctteraussichten in Hessen am Samstag dem 18 ^Juui 1910: Wolkig, slrichivcisc Regen, vereinzelt Gewitier, etivas kühler. geschwemmtes Holz bedroht gewesen. Ein Ponton der Marlols- leimer Brücke wurde beschädigt: ferner würd' bemerkt, daß unter der Markolshcnmcr Brücke zwei Reichen hinaustriebcn. In Ai'ar- fol5hfim und Rheinau ist der Rhein überraschend schnell in Wald und Ield getreten und steht dort stellenweise sehr hoch, io B. bei Markoisdeim teilweise l1 ... Meter hoch, ebenso bei Booz- heim und bei Schönau. Die Fcldsrüchte der ganzen Uni gegent» sind bedroht. Tie Zufahrtsstraßen für Wagen nach Rhein au, Schönau sowie Markolsheim sind für den Inßverkehr voll ständig gesperrt. Tas Wasser läuft über die,Brücke des Altwasser. Konstanz, 16. Juni. Der Bodensee und der Rhein sind über die liier getreten; sie setzten die Seestraße und den 2tot»lgarten zum Teil unter Wasser. Ter Pegesstand betragt Hochwasser. Von dem .Hochwasser im Ahrtal ist ganz besonders die obere Ahr betroffen worden, namentlich der Kreis Adenau. Hier allein wurden 1 5 Leichen festgestellt. Auch die im Rhein und der unteren Ahr geborgenen Leichen gehören meist den Leuten der oberen Ahrgegend bis zum Eifelgebiet an. Im Kreise Ahr weiter sollen noch weitere sechs Leichen geborgen ivorben sein. Bei Dümpelfeld wurden zwei weitere Leichen aus den Schlamm massen hervorgezogen. Der Bahiwerkehr für Personen ist bis Mam'ck rß wieder diircktgeführt, doch müssen die Züge sehr vorsichtig fahren. Die Pioniere find zum großen Teil aus dem lieber* schwemmungsgebiet abgerüeft. Köln, 16. 3um. Wie der Korrespondent der .„Kölnischen Zeitung" aus Altenahr vom Landsratsaint Ahrweiler erfährt, hat die Abschätzung der W a s s e r s ch ä d e n bisher ergeben: an den Genu indeanlagen in Altenahr 125 000 Mk., in den privaten Anlagen 740 000 Mk.; in Ahrweiler beträgt der Gemeindeschaden 100 000 Mk, der Schaden an Privatbesitz ist noch nicht festgestellt, und stellt sich auf etwa 140 000 Mk., der Schaden in Neuenahr wird ans etwa 200 000 Mk., in Boden-- dors auf 50 000 Mk. beziffert. Adenau, 16. Juni. Soweit bis letzt amtlich festgestellt worden ist, beträgt der durch das Hochwasser angerichtete Schaden im Kreise Adenau mindestens 1 200 000 Mark. * .«Dänin gen, IG. 3 uni. D-as Hochwasser des Rheines hat die Schifisbrüche weggerifsen in folge großer Ansammlungen von Holz und Balkenmassen, die eine Anstauung des Wassers ver ursachten. Die treibenden Trümmer der Schiffsbrücke haben die Sch isssbrücke bei Neuenburg ebenfalls zusammengerissen. Auf einem Teil, der treibenden Srürfetrümincr sollen sich an 3 0 Personen befinden: Kähne find zur Hilfeleistung abgesandt worden. „ .. „ , . Neuenburg, 16. Juni. Es bestätigt nch, daß sich aut einem treibenden Joch der hiesigen Schiffsbrücke, die gegen 10 Uhr der Wucht der antreibenden Brückentrümmer von Hüningen erlog, tatsächlich gegen 30 Personen befanden, Rheinarbeiter und Bewohner von Neuenburg. Durch abgcsandte Kähne hofft man die Leute zu retten. . . Pi Ölhäuten i. E., 16. Juni. Wie die Kreisdtrekli.rn Mülhausen amtlich mittcilt, sind die dreißig Personen, die auf den Trümmern der Schiffsbrücke von Neuenburg wcgge- schwemmt worden, bet Blodelsheim gerettet worden. Mehl, 16. Juni. Von Waldshut her wird em Nach! ast en des Anwachsens des Oberrheines gemeldet, so daß für morgen abend liier ein Zurückgehen des Wassers erwartbar ist. S ch l i tz st a d t, 16. Juni, 9 Uhr abends. Aus Tiebols - heim und R h e i it a u wird derBmch eines Q ne rdam m s gemeldet. Die Wasscnvehren der beteiligten Orte lind auf dem Platze und errichten Notdämme, da Diebolsheinl^bedrobt ist. -Lic Markolsheimer Brücke ist heute im Laufe des Taget? durch, an 5,42 Meter: das Wasser ist noch im Steigen. A ugsburg , 16. 3uiii. Tas Hochwasser gewinnt i in in c r mehr an Ausdehnung; die große E i s e n b a h n b r ü ck e vor Augsburg ist äußerst gefährdet und der Bahndamm an vielen Stellen bis jur Hälfte zer st ö r t. Innsbruck, 16. Zuni lieber das Hochwaiter int Vor arlbcrg wird weiter gemeldet: In Schruns zerstörte das Hochwasser die Parkett und Bodenfabrik von Montafoner; die Bahn mußte den Betrieb für mehrere Monate einstellen. An der Montawner Straße wurden die Brücken teils weg^ gerissen, teils beschädigt. In Bregenz ist ein Mann er trunken. Die Straße bet Tala a e> ist nicht passierbar. Tie Staatsbahnbrücke über den frluB bei 2 u ö cj m ist gefährdet. Bei R e u 11 c wurde die Reichsstraße an acht Stellen beschädigt. Die Reichsbrücken bei M a r t i n a u, Vorher^ N e r n b ach und Weißenbach sind weg:g er if | cn;_ die Dörfer Breitenwang, Moosau und Pinswang stehen u n t e r V a s s c r. Die Lech-Regulierungsarbeiten wurden vielfach zerstört. In Reutte wurden die Wasserleitung und das Elektrizitätswerk beschädigt, so daß der Ort ohne Licht und Wasser ist. Im Lause des gestrigen Abends hörte der Regen überall auf. In Larinoos ist Militär zur Hilfeleistung cingctroffcn. München, 16. Juni. Tas wassertechnische Amt teilte beute mittag mit: Die in den letzten 24 Stunden in Bauern ge fallcncii Niederschläge sind allenthalben geringer als die gestrigen. Der meiste Regen ist im oberen Iller- und 2 e d) g e b i c t gefallen. Das ohnedies beträchtliche Hochwasier dieser Ilüffe wird sich im Lauie des Tages noch steigern. Im oberen A in m c r g c b i c t wird das Wasser rasch fallen, die A in per wird dagegen weiter steigen und eine beträchtliche Höhe erreichen. Das gleiche gilt von der Loisach. Tas oberhalb und bei Wolfratshausen eingetretene fallen der Isar wird dadurch wieder aufhören. Die Isar selbst wird in ihrem unteren ipin.- sehr hoch werden. Tie Donau erhält nun vom Gebirge aut der ganzen Strecke starken Zufluß und wird in ihrem ganzen Lav'e rasch beträchtliches Hochwasser bringen, in erster Linie unterhalb der Isarmundung und dann unterhalb der Iller- und LeM- niündung. Tie nördlichen Zuflüsse der Donau sind ruhig und nur stellenweise gestern von einem wolkenbruchartigen Regen be- tronen worden. Tas Maingebiet verzeichnet überhaupt nur geringen Niederschlag: ein Steigen seiner Wasser wird nicht eintreten. Ter Rhein wird von der Schweiz aus in starkes Steigen kommen. Budapest, 16. Juni. Ein heftiges Unwetter hat durch Heberschwcmmunaen einen ungeheuren Schaden angerichtet. Allein in den Kellern sind Waren im Werte von .500 000 Kronen vernichtet worden. Das Wasser stand an einzelnen Stellen einen Meter hoch. Budapest, 16. 3uni. Im Komitat Krasso Szoe- r c n n ist ein Wolkenbruch nieder gegangen. Mehrere Orte wurden von der Flut buchstäblich f o r t g e s ch w e m m t. In zahlreichen Ortschaften stürzten die meisten Häuser e in. Bisher wurden 2 59 Leichen gefunden: in Berzaszke und Lhnckow allein sind über 100 Straßen, Brücken, Telegraphen und Telephone zerstört. Die Saaten imd Wiesen haben außerordentlich Schaden gelitten. Der größte Teil der Bevölkerung ist dem Elend preisgegeben. Frankfurt a. M., 17. Juni. Der schwäbische Sängerbund aus Brooklyn ist heute vormittag nach Heidelbcßg weitergereist. Von dort aus begeben sich die einzelnen 'Teilnehmer an der Reise in ihre Heimat, um sich dann später in Stuttgart wieder zur Heimfahrt zu treffen. 1 _ Paris, 16. Juni. Nach Meldungen aus Spanten sind dort gegen 4‘ Uhr morgens starke E r d e r s ch ü t- tcrungen verspürt worden, und zwar in Madrid, Cord o b a , Tor t osa, Malaga und Almeria, wo mehrere Gebäude beschädigt wurden. Madrid, 17. Juni. Nach einem Telegramm aus Melilla ist dort das Gerücht veroreitet, daß 4"0 Marokkaner einen französischen Militärpostcn bei Beni Snaßen angegriffen haben. Die beiderseitigen Verluste sollen beträchtlich sein. , K'onstantinopcl, 17. Juni. Tic K amni er begann mit der Beratung des >tr'iegsbudgets, das Dom üriegs- ausschuß auf 9 786 714 Pfund festgesetzt wurde, während che Regierung 14 071 435 P,uiid rcrlaugt. Außerdem verlangt die Regierung einen außerordenllichen Mricgsctat von 4,8 Millionen Psttnd, die auf 2 Jahre verteilt werden sollen. Konstantinopel, 17. Juni. Der griechische Minister des Aeußeren hat bei dem türtischen Gesandten in Äshen wegen des Zwischenfalls im Piräus Entschuldigungen vorgebracht. Tic türlische Regierung beabsichtigt, Entschädigung für die betroffenen türkischen Untertanen zu verlangeii. spricht." Dor, Das ist ja alles ganz neu. — Zeuge: Icb habe mir diese Worckc genau ausgeschrieben, weil iie mir wichtig erschienen Ich habe genau nshert: ,«Gäben versichert in diesem Augenblick tief ergriffen mit zitternder Stimme: .Herr Maior, ich baute (Urnen für Ihre günstige Meinung, aber ich kann nicht sprechen, bevor die Iran nicht gesprochen hat." Dos iinb tnr Wortt, bic td) mir wörtlich noticn habe Diese Worte kann ich beschwören. Nun kommt die Pernehninng am 31. De ^mber. Dabei äußerte Göden zum Kriminalkommissar Wan nowski ebenfalls: „Ich kaiut nicht sprechen, wenn nicht vor her Iran v. Schönebeck gesprochen bat." Gäben schil berte bann die Borgäitge in b?r NackN zum zweiten Weihnackiis seiertage: „Als ick in das Zimmer des Herrn v. Schoiubeck eiittral, kam mir der Major schon entgegen. Ich wollte noch rufen: Herr Major, Herr Major! Aber m demselben Auge.n Wirf hob er die Pistole, schlug an, und da schoß ich ihn tot" Ob rr getagt hat, daß Major n. Sckwnebeck versucht habe, ab- zudrückeii, oder ob er nur angeschlagen habe, weiß ich nicht. Sm Schluß sagte er: Ich bin schuldig, Frau v. Schönebeck ist niischuldm. Bitte lassen Die die Iran ganz aus dem Spiel. - Bors : Er hat alle.- auf sich genommen? — Zeuge: Ja. Jnzwisck,.:n hat die Angeklagte mehrmals irach Wasser per langt. Sic >aßk sich kramv'haft ans Herz, ist leichenblaß ge- korben unb sagt: Mir wird so schlecht! Der Borsitzeiide läßt eine Pause von zehn Minuten eintreten. Die Angeklagt: wankt beim Hinausgehen und muß von ihrem Ehemann und dem Berteidigec Rechtsanwalt Bahn mehr getragen als hrnausgeführt werden. Als die Bet Handlung wieder ausgenommen werben soll, erklärt die Verteidigung, die Angeklagte sei vollständig erschöpft unb außerstande, der Verhandlung weiter zu folgen. Die Sitzung wurde auf Ircitag früh llhr vertagt. Dcrmifditcs» * Das Shrischc Waisenhaus in Jerusalem ist am Sonntag abend durch eine große Feuersbrunst zu einem großen Teil vernichtet worden. Ter Turm ist ad gebrannt, die Anstaltskirckw zerstört: zahlreiche Wohnungen unb Räume sind ausgebrannt. Die Bewohner sind znm Teil obdachlos, aber kein Verlust an Menschenleben ist zu beklagen. Feuerversicktcruitg ist in Palästina unmöglich und Löschen ans Mangel an Wasser ausgeschlossen. Ter Schaden beträgt mindestens 150 000 Mark. * 3 m Augenblick der Gefahr. Das Unglück, das sich bei der zweiten Schnelligkeilsprüfung ber Prinz Heinrich-Fahrt zwischen Heiligkrenz und Meienheim ereignet hat uhb zwei Men- idx'nlcbcn' forberte, hat, so wird den „M. N.N." gemeldet, hm- des Empfindens des allein am Leben gebliebenen tvalncr» Heine ein interessantes psnchologiiches Moment ergeben. Als er das Bewußtsein wieder erlangte, waren Heines erste Worte: ^Wo ist meine Stoppuhr, was habe ich für eine Zeit gefahren?" Man sieht hieraus, daß der Fahrer und wohl auch die beiden töbltrti Verunglückten für die Todesgefahr kein Empiinden hatten. Der Unfall" ipiclle fick' io rasch ab, daß dem Fahrer des WagensZcde Erinnerung an das ganze tragische Vorkommnis fehlt. Sern Denkvermögen fetzte genau da wieder cm, wo es durch den Uiifall unterbrochen wurde Tas ist begreiflich, denn bet einem Wagen, ber wie in bicicm Falle eine Geschwindigkeit von etwa 120 Milo* nntcrii in ber Stunde hatte, spielte sich die Matastropbe so rafch ab, daß dem Gehirn keine Zeit blieb, die Begleitumpandc und das Unglück selbst in sich aiirumbmin — Kurze Nachrichten ans Kunst u. Wissenscha s t. Ter MusitHistoriker, Pro'essor Osivald Moller ist nn 58. hebens« jähre zu Wien gestorben. - Ter Prinzregent verlieh der der Tierärzilicheii Hochschule in München das P r o m o 11 o n c> r e ch t zur Erlaugnug der Würde eines Dr. med. vct. - -r.er erste Inhaber der R v o s e v e t t p r o ' e s s u r an der Berliner Umuerfttat W. Bürgest ist mit seiner 6)attiu in B er11n e i n g c t r o He n und wird sich einige Wochen hier ain'halicn. — Ter Gynäkologe, Spitaldirektor a. T., Regierungsrat Prowvor Dr. weck. Alvis Balcnta Edler von M archthurn in L a i b a ch (Lester» reich- begeht am 18. ds. seinen 80. Gebiirtstag.^- Paul Witt ko, derstenilletonredakteur des Neuen Tagblalls in Stuttgart, der fxuhcr melncre Jahre lang den Gießener Anzeiger geleitet Hal, hat einen Ruf als Dramaturg be5 Stuttgarter Hoslhealers mit dem -Eitel Hofrat a b g e l c h n t. ______________. Kuverts mit Mma billigst Vrühl'jche Unlversitäts-Druckerel. R. Lange, Gießen MR MM MO Biiiiys nm in Somer-üßHonsi Offeriere solange Vorrats Posten braune Damen-Stiefel, FT“ 6” Posten I r inne Mädchen-Stiefel, U 4^ Io 3^ Posten braune Kinder - Stiefel It Sandalen, Tennis - und Segeltuch - Schuhe in allen Preislagen. 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Mittwoch den 29. x$ u n i 1910, vormittags 10 Uhr, im Gemeindehaus zu Pi Hingen anbcraumt und wird die Generalversammlung zum Zweck der Vorstandswahl hierzu ein- berufen. Gießen, den 16. ^uni 1910. Großherzoglichcs Kreisamt Gießen. Dr. U f i n g c r.■ 25ctaiuitmad)iuifl. Betr.: Fcldbcreinigung in der Gemarkung Utphe. In der Zeit vom 18. bis einschließlich 2 4. ^uni 1910 liegt auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Utphe: der Ausschlag der Bcwässcrungskoften der Wiesen in Flur II und III zur Einsicht der Beteiligten offen. , . . .. s Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Ausichluttes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Utphe schriftlich einzureichen und zu begründen. Friedberg, den 16. Juni 1910. Ter Großherzogliche ^eldbereiiiigungskonrmtßär: Schnitt spahn, Großh. Kreisamtmann. ! gibt Schuh u. Stiefel , schönsten Glanz ; erhält das Leder . . •/ .. . . yt,era|| ßphäitlich Kuverts mit Mma billigst Srühl'jche Univerjitätt-Sruckerei. R. 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Täglich Mer-Kurt der Ungar. Salon-Kapelle. Eintritt frei. t8063 Jeden Mittwoch, Samstag, n. Sonntag v. 4 Uhr ab Konzert. Stenograph.-Gesellschaft „Gabelsberger“. Zur Feier des 13. Stiftungsfestes: Samstag, 18. d. Mts., abends 9 Uhr Kommers im Vereinslokal und Sonntag, 19. d. Mts. Ausfluff nach dem „Jagdschlöbchen" bei Dutenhofen (Abfahrt 31S Uhr). v17/6) Der Vorstand. @®e®©eeeee gw $MIMer Giessen. Direktion; Hermann StelRfloetter. Dienstag den 2 l. Juni 1910 Abends 8 Uhr Gastspiel des Grostbcrzogl. Kurtheaters Bad-Nauheim Fünfte Abonnements-Vorstellung Unter Mitwirkung der Kapelle ,Ber Vogelhändler Operette in 3 Akten v. Ak. Wests und L. Held. Musik von Carl Zeller. Die Herren Studierenden gc-- uietzen an der Abendkasse Preis-« ermähigung. (Ci7l*