Nr. 267 Zweites Blatt 160. Jahrgang Erlchetnl -Sgllch mit NuSnahmr bei Sonntags. Die „Stebceer 5a«tNendlStter" werden dem gSIngetfler4 einmal wöchentlich bekriegt, bad „Kreisblatt für bei Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen 5eü- frage!" erichemen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Montag, H. Nooemb« 19(0 Rotationsdruck unb Verlag bet Vrühk^cheU Unuxerfuätd - Buch- und Stetnbruckerei. 8t Lange, Gießen. Redaktion, ExpedMon und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Vertag: e=^5L Redattwu: «-qA 112. Tel.-Adru Anzeig erGieße«. die höchste fli Attentaten de digrmg niedergeschossen werden darf. Me Untersuchung von solchen kriminellen Massenerscheinungen, wie sie das Pariser Apachenturn darstetlen, beweist, daß ohne energische Selbsthulfe der Bürgerschaft nicht mehr auszukommen ist, da sich Polizei und Strafgesetz gegen Liese Attentäter als machtlos erweisen. Die Reichsverficherungsorünung. :: Berlin, 12. Nov. Ter Reichsversichermigscrusschuß faßte heute auf konservativen ArUrag einen Beschluß von grundsätzlicher Bedeutung. Er ging dahin, die Abstimmung über alle Anträge — und auch die Abänderungsbeschlüsse erster Lesung —, die eine Erhöhung der Ziffern, also der geldlichen Belastung, enthalten, bis zum Schlüsse der zweiten Lesung auszusetzen, um sich dann über die aus den Beschlüssen des Ausschusses sich ergebende Gesamtbelastung klar zu werden und Folgerungen daraus ziehen zu können. Auf Grund dieses Beschlusses wurde die Beschlußfassung ausgesetzt u. a. über einen Antrag des Zentrums, die Grenze der 83er* icherungspflicht der Betriebsbeamten statt auf 3000 auf 5000 Mk. vorbereitet hat. Diesen Tatsachen gegenüber scheint es die höchste Zeit zn sein, daß zur Abwehr von Derartigen Attentaten Der Rechtsgrundsatz aufgestellt würde, daß ein Einbrecher, der nicht bei dem ersten Geräusch der Annäherung ohne werteres flieht, seiner Absicht nach als Mörder betrachtet wird und zum Zwecke der Selb sw erleb- Einbrecher und Nachtwächter, ein zeitgemäßes Thema für Gießen. Mr erhalten aus Gießen folgende zeitgemäße Zuschrift: Die Häufung von Einbrüchen und Einbruchsversuchen in der Stadt Gießen legt es nahe, die Frage der Sicherung gegen solche Ereignisse zu behandele Zunächst ergibt sich bei dem Vergleich der Zeitungsnachrichten, daß die Erscheinung durchaus nicht in unserer Stadt vereinzelt dasteht, sondern daß an verschiedenen Stetten des Reiches eine Häufung von derarttgen Straftaten zu verzeichnen ist. Was Gießen betrifft, so ist es sehr auffallend, daß diese Dinge in und nahe einer der Hauptstraßen, nämlich der Frankfurter Straße, geschehen konnten, ohne daß die Täter gestört und gefaßt wurden. Offenbar haben bei den Einbruchs versuch en die Täter an einer Reihe von Häusern hintereinander probiert, bis sie an einem davon einen leichten Zugang fanden. Jeden- fatts geht aus diesen Vorfällen, sowie aus denen an der Ost-Anlage und in der Wilhelmstraße hervor, daß der nächtliche Sicherheitsdienst in unserer Stadt völlrg unzureichend ist. Bevor Maßregeln zu einer Verbesserung getroffen werden, ist es für die Hausbesitzer und Hausbewohner dringend erforderlich, nach Möglichkeit solchen auftegendeu nächtlichen Besuchen vorzubeugen. Ich nenne einige von solchen vorbeugenden Maßregeln, nämlich sorgfältigen Abschluß der Ketter, Verriegelung der Kellertüren außer dem Verschluß, Verschließen Der Klosette, durch deren Fenster schon öfter Einbrüche verübt worden sind. Ferner empfiehlt es sich, im Hinblick auf Dorfätte, wie sie z. B. in Leipzig bei dem Mordprozeß KoppiuS beobachtet worden sind, daß das Dienstpersonal sich unter keinen Umständen von ftemden, am besten auch nicht von bekannten Personen über das Haus und seine Bewohner ausfragen läßt. In dem Leipziger Fatt hat das Dienstmädchen selbst, gegen dessen Herrschaft das Attentat eigenttich gerietet wär, die Folge seiner Unvorsichtigkeit durch schwere Verletzungen büßen müssen. Für ein solches Dorbeugungsmittel halte ich bis zu einem gewissen Grad auch die Befolgung der Regel, in der Wohnung möglichst wenig bares Geld oder — bei Besitzenderen — Wertpapiere zu haben. Zur Aufbewahrung von solchen Werten sotten die Banken und Sparkassen in noch viel höherem Maße heran- gezogen werden, als es bisher der Fatt ist. Allerdings erwächst diesen Instituten dadurch chrerseits die Verpslich- timg zur größten Aufmerksamkeit bei der Bewachung ihrer Gebäude und Wertbestände. Eine Reihe von anderen kleinen Vorbeugemaßregeln wird sich jeder nach der Lage und Beschaffenheit fernes Wohnhauses selbst schaffen müssen. Vor allein erscheint bei der Häufung dieser Ereignisse eine Selbsthilfe des Publikums bis zu einem gewissen Grade notwendig, da der öffentliche Schutz zurzeit unzureichend ist. Eine große Zahl von Fällen hat sicher erwiesen, daß Einbrecher außerordentlich leicht zu Körperverletzungen und Totschlägen geneigt sind, sobald sie sich ertappt sehen. Oft sind auch nach dem Fliehen der Täter Mordinstrumente am Tatort gefunden worden, wie vor einiger Zeit in einem Fall in der Wetter au. ES sei hierbei auch auf die Mordtat am Ehepaar Tetzke in Berlin verwiesen. Praktisch geht daraus hervor, daß jeder Einbrecher, der nicht sofort bei dem ersten Geräusch der Annäherung die Flucht ergreift, mtt großer Wahrscheinlich kett als Totschläger zu betrachten ist, und dementsprechend vom Stand- vunkt des Selbstschutzes behandelt werden sollte. Atterdings könnte sich für den Einzelnen, der sich bei einer solchen Sachlage durch Revolverschüsse schützt, die Frage erheben, ob er die Grenzen der Notwehr überschritten hat. Es wäre sehr interessant, hierüber etwas von sachverständiger juristischer Seite zu hören. Vom Standpunkt der Selbstverteidigung ist es jedenfalls sicherer, wegen Ueber- schrertung der Notwehr bestraft, als in der elenden Weise umgebracht zu werden, wie das bei vielen geschehen ist, die sich einem Einbrecher ohne Waffen entgegen stellten. — Dieser Standpunkt erscheint umsomehr gerechtfertigt, als Einbrecher, die, nachdem sie ertappt waren, zur Gewalttat schritten, sich öfter bannt entscyuldiaen, daß sie lediglich zu „chrem persönlichen Schutz" diese Handlung begehen. Der Einbrecher Tippe in Berlin, der das Ehepaar Tetzke nieder geschossen hat, hat nach einem Zeitungsbericht folgendes angegeben: „Er habe sich den Revolver nur zu seinem persönlichen Schutz gekauft und dann in der Notwehr blindlings daraus losgefchossen." Unterdessen ist jedoch ermittelt worden, daß er vorher sehr gründliche Schießversuche angestellt und sich jedenfalls auf eine gewaltsame Abwehr bezw. auf einen Mord Sehr interessant ist in dieser Beziehung folgender, in Paris geschehener Fatt: Ein Mann wird auf offener Straße von einem Apachen angefatten und schießt ihn nieder. Vor das Schwurgericht gestettt, wird er deshalb freigesprochen, jedoch wegen unerlaubten Waffentragens zu einer geringen Sttafe verurteilt, ein Fall, der in der französischen Presse viel besprochen worden ist. — Trotz des sonderbaren Schlusses ist ersichtlich, daß das Schwurgericht sich im wesentlichen auf den Standpuntt der bürgerlichen Selbsthilfe aestellt hat. Außer der energischen persönlichen Abwehr kommen besonders folgende Maßregeln in Bettacht: 1. Me in der Literatur schon verlangte Einrichtung einer Reichs-Kriminal-Polizei, die das Zentrum bei der Verfolgung von internationalen Dieben und Än- brechern, sowie der Einbrecherbanden, die Deutschland durchziehen, sein könnte. Ich verweise hier aus einen Ar- titel, der hierüber von dem Abgeordneten Dr. Müller- Meiningen- veröffentlicht worden ist 2. Eine gründliche Organisation des Nacht- wach tdienstes in den Städten. — Hiervon ist für die Verhältnisse unserer mittleren Stadt zunächst der -wette Punrt von Bedeutung. Es hat sich herausgestettt, da ßdie Verfolgung der Einbrecher, mindestens bis jetzt, soweit dies bekannt geworden ist, erfolglos war. Dabei wird behauptet, daß z. B. Fingerabdrücke, die nach dem Einbruch leicht zu nehmen gewesen wären, nicht gemacht worden sind Ich kann die Richtigkeit dieser Angaben nicht beurteilen; wenn sie stimmen, so liegt ein Fehler der kriminalistischen Verfolgung vor. Man sott bei solchen D ngen nicht erst w irten, bis Mei schen- leben verloren gegangen sind, sondern sott Prinzip.ll ade kriminalistisch möglichen Nachforschungen anstetten, gerade um spätere, noch mehr gefährlichere Handlungen zu verhindern. Wer die Vorgeschichte von Verbrechern genauer studiert, findet öfter die Tatsache, daß sie gerade durch das Nichtent- decktbleiben nach sogenannten leichteren Einbrüchen immer frecher werden und schließlich zur gewaltsamen Tötung schreiten, sobald sich ihnen jemand entgegenstellt Die genaueste kriminalistische Ermittelung auch bei sogenannten leichten Fällen erscheint als wichtiges Hilfsmittel der Vorbeugung. Sodann erscheint es nötig, den N a ch t w a ch t d i e n st durch bürgerliche Helbsthilfe besser zu organisieren als er zurzeit ist. Die Polizeiorgane sind jedenfalls durch die fortschreitende staatliche Entwickelung mit einer großen Menge von Funktionen überhäust, die mit dem Sicherheitsdienst als solchem gar nichts zu tun haben und von diesem Teil der Aufgabe eher ablenken. Me bisher eingerichtete Form der bürgerlichen Selbsthilfe durch Engagement der Wach- und Schließ-Gesellschaft ist nchh den Erfahrungen der letzten Wochen für die Allgemeinheit ebenfalls unzureichend. Man kann von den privaten Angestellten dieser Gesettschast, die nur bestimmte Häuser zu bewachen haben, nicht verlangen, daß sie zugleich für die überwiegende Zahl der Nichtzahlenden wachen, und sich um Häuser bekümmern, die sie dienstlich gar nichts angehen. Es scheint mir daher viel richtiger zu sein, wenn das Bürgertum in der Art zur Selbsthilfe schreitet, daß ein Nachtwachtdienst in den einzelnen Bezirken der Stadt, am einfachsten durch Vermittlung der Bezirksvereine, organisiert wird. Es handelt sich darum, daß in jedem Bezirk von der Bürgerschaft durch den Bezirksverein eine Nachtwache eingerichtet wird, die mit verschiedenen Hilfsmitteln der Ueber- wachung ausgerüstet sein müßte. Hierzu zähle ich einen Polizeihund, ferner ein Fahrrad, auf welchem während der Nacht mehrfach Runden in dem bettesfenden Bezirk zu machen wären. Die Kosten dieser Einrichtung würden für jeden Bezirk (b. h. ungefähr je ein Viertel der Stadt) nach meiner Berechnung ca. 1200 Mk. betragen. Das Geld wäre in der Weise auszubringen, daß von dem Bezirksverein an sämtliche Einwohner eine Sctbsttiptionsliste herumgesandt würde, in die jeder seinem Einkommen entsprechend einen Bett rag zeichnen könnte. Ich schlage vor, daß zunLch st in einem oder mehreren der Gießener Bezirke eine solche Einrichtung versucht wird. Selbstverständlich müßte diese bürgerliche Nachtwache mit der Polizeiorganisation in zweckmäßige Verbindung ge- -racht werden, indem man speziell die Möglichkeit schasst, daß die bettefsende Nachtwache direkt täephonisch von einer bestimmten Stelle aus die Polizeiwache anrufen kann. Nur bei einer richtigen Verbindung einer solchen Selbsthilfe mit der bestehenden Polizeiorganisation wird es gelingen, die Bewohner der Stadt vor solchen bedrohlichen Einbrüchen zu bewahren, wie sie in letzter Zett in gehäufter Weise geschehen und versucht worden sind. zu fegen, ferner einen Antrag der Sozialdemokraten, bei Der -Berechnung der Unfallrente den Jahresarbeitsverdienst nicht nur bis 1500, sondern bis 1800 Mark voll und erst darüber Nur Anrechnung zu bringen, und ebenso auch über bie sozialdemokratische Forderung, die Vottrente nicht aus zwei Drittel, sondern auf den vollen Betrag deS zur An- rechnung kommenden Jahresverdienstes festzusetzen. Don Bedeutung ist ferner ein auf Antrag Dr. Mugdan (Vp.) U7id Dr. H i tz e (Ztr.) gefaßter Beschluß, wonach der Bundesrat die Unfallversicherung auf bestimmte gewerbliche Derufskrmck- Herten ausdehnen kann. In der ersten Lesung waren die Anträge werter gegangen, aber auch diese Vollmacht, die Ministerialdirektor C a s p a r als ein Vertrauensvotum für den Bundesrat bezeichnete, wollte die Regierung nicht gern entgegennehmen. Bei der Begründung des Anttags wurde ausdrücklich davon Abstand genommen, etwa die Tuberkulose unter die Berufskrankheiten einreiben zu wollen; besonders wurde Bezug genommen n. a. auf bie Tropenkrankheiten m der Seeschiffahrt, die Bleiweißkrantz- beit, bie Wurmkrankheit, die gesundheitliche Schädigung der Coisson- arbeiter beim Tiefbau. Soweit es sich hierbei um akute Erkrankungen handelt, trifft ja bie Krankenversicherung die erforderliche Fürsorge; die Invalidenversicherung aber tritt bei chrvnischQi Kcankhettszustanden nur dann ein, wenn Ganzinvalidität in Frage kommt. Landwirtschaftliche Nebenbetriebe können nach dem Entwurf durch Satzung einer gewerblichen Berufs genossen schäft dieser Kugel eilt werden, wenn in ihnen überwiegend Personen aus einem gewerblichen Hauptbetriebe tätig sind; sie scheiden dann ohne weiteres aus der landwirtschaftlichen Unfallversicherung aus. H§r- zu wurde ein Antrag derKonservativen angenommen, wonach zwar nicht die Zustimmung der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft erforderlich ist, wie das ein Hauptantrag wollte, aber die Entscheidung in die Hand des Bundesrats gelegt wird, Weiterberatung: Montag nachmittag. Vie Moabiter Ltratzenkrawaile vor Gericht. 4 Berlin, 12. No-V. Nach der zweimaligen Vettagung des Prozesse- wegen befl Moabiter Straßenkrawalle sott nun heute in die materielle Verhandlung eingetreten werden. Die Sitzung war auf y810 Uhr angcsetzt, doch ließ der Gerichtshof eine halbe Stunde auf sich ro art en. Inzwischen wird im Saale bekannt, daß auch seitens bet Rechtsanwälte Bahn und Heine AblehmrugsaTtträge gegen bie Mitglieder des Gerichtshofes vorbereitet sind. In dem in biejer Beziehmrg dem Gericht bereits angekündigten Schriftsatz« des Rechtsanwalts Bahn heißt es, daß er die Mitglieder der dritten Sttafkammer für befangen halte. DaS Bestreben der Staatsanwaltschaft sei dahin gegangen, die Sache gerade vor die dritte Kammer zu bringen. Tas sei geeignet, Mißtrauen in bie Unparteilichkeit der Kammer zu erwecken. Auch die Be- grünbung der Anklage habe den Verdacht der Befangenhett wachgerufen, ebenso bie Fassung, namentlich die Bemerttmg, daß die Straftaten eine Folge der politischen Berhetzuna fettens der Sozialdemokratie seien. Eine Rechtssache müsse ohne politische Tendenz verhandelt werden. Gerade vorn Standpunkt der bürgerlichen Parteien aus sei es zu bebauem, daß die Sache auf die politische Seite gespielt worden fei. Es rechtfertige sich das Mißttcmen in bie Unparteilichkeit der dritten Kammer aber auch dadurch, daß gegen ihn, den Verteidiger, eine Ordnungsstrafe verhängt worden sei und zwar unter besonderen Umständen. Rechtsanwalt Bahn behauptet, daß der Vorsitzende ihn auch nach Schluß der Sitzung hätte zum Wott kommen lassen müssen Er, R.-A. Bahn, habe die Handlungsweise des Vorsrtzenden mit dem Wotte „abf dm eiben" charakterisiert. Das sei ber übliche Ausdruck auch im Parlament dafür, wenn jemand das Wott widerrechtlich nicht erhalte. Wenn auch die Sitzung schon geschlossen war, so sei es doch üblich, nach einem unerwarteten plötzlttyen Schluß dem Anwatte noch einmal das Wott $n geben. Er habe sich am 10. November das Wott erbeten zur Protokollierung eines am Tage vorher erfolgten Vorganges unb habe den Ausdruck „abschneiden" nach Schluß ber Sitzung gebraucht. DaS Gericht sei nicht berechtigt gewesen, ihn für einen nach Schluß ber Sitzung erfolgten Vorfall in eine Ordnungsstrafe zu nehmen. Schließlich rechtfertige das Mißttauen auch btt Tcttsache, daß gegen ihn gleich die höchste zulässige Ordnungsstrafe verhängt worben sei. Kurz nach 10 Uhr betritt her Gerichtshof bat Saal tmb bn? Erste Staatsanwalt Steinbrecht beantragt, ba n-ach dem Gnd« achten bes GefarMisa^tes die Angellagte Reinhardt hochgradig nettws sei, deren Sache abzutrennen und die Angeklagte, wett sie nicht mehr fluchtverdächtig sei, aus der Haft in entlassen. Verteidiger Rechtsanwalt Cohn konstatiett diesen Ausführungen gegenüber, baß alles das, was der Erste Staatsanwalt zur Begründung ber nunmehr erfreulicher Weise erfolgenden Abtrennung ber Sache Reinhardt gesagt habe, schon im Vorverfahre« sich ergeben habe, ba die Frau Reinhardt von vornherein im Lazarett behändett worden sei. Nach kurzer Erwiderung des Ersten StaatSanwaÜS, daß der Zustand der Frau sich erst wahrend der Verhandlung verschlechtert habe, und sie von den Aerzten bisher für hastfähig gehaltert worden sei, beschießt der Gerichtshof die Sache abzuttenne« und die Fran aus der Haft zu enttassen. Der Vorsitzende schreitet darauf, da dar ganze Verfahre« von neuem auszurollen ist, zur Feststellung ber Personalien bet 34 Angeklagten, was geraume Zät in Anspruch nimmt Verteidiger R.-A Cohn bittet als Ergebnis der Personal- seststellung zu konstatieren, baß von den 34 Angeklagten nur 14 vorbestraft sind, darunter wegen EigenttrmSvergehens! fünf. Der Verteidiger legt Wett daraus dies feftMstellen, damit nicht, wie es in einigen Blättern geschehen, verbreitet werde, daß die Angeklagten gewissermaßen eine Bande von Meben feint Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber: Ich habe jedem! Angellagten die Vorstrafen irorgebalten, cm einfaches Rechm- exempel führt zu dem von dem Vetterdiger sestgeftellten Ergebnis^ Wir können uns im übrigen nur um bie Vorgänge innerhalb dieser vier Wände hier kümmern. Alles, waS außerhalb dieses SaaleS in Blättern oder sonstwo erwähnt wird, muß für uns beiseite bleiben. Ich kann zu weiteren Erllärnngen das Wott nicht geben, konnte es auch neulich nicht, da die Strafpr^-eßordnung nun einmal die Möglichkeit zu solchen Erllärungen nicht bietet.. Hierauf stellt Rechtsanwatt Heinemann wie bereits neulich^ den Anttag auf Abtrennung ber Sachen, welche nach seiner Heber* zeugung vor bie dritte Strafkammer nicht gehören. Der Stert W Durch die Elektrlzltäts- W Werke und Installations- W Geschäfte zu beziehen W Anergesellschaft, Bertln 0.17 8 11 Leidiger rollt das gon&e Material noch einmal aus und weist darauf hin, das; Ort und Zeit einiger Fälle ganz verschieden seien. Lor allen: müßten die Fälle abgetrennt werden, in denen jugendliche Angeklagte in betracht kommen. Es sei nicht zweifelhaft, daß diese Angeklagte als Jugendliche nach dem Geschäftsplan vor die 7. Strafkamemr gehören. Es sei auch nicht richtig, daß sämtliche Kämmen: sich zustimmend geäußert batten. Der Vorsitzende der 1. Kammer habe erklärt, es könne sehr zweifelhaft sein, ob alle Fälle vor die dritte Kammer gehörten. Aehnlich hätten sich einige mrdere Vorsitzende geäußert. Marr könne also nicht sagen, daß die erkermenden oder eröffnenden Kammern mit der Verbindung der Strafsachen einverstanden gewesen seien. Auch ein Präsidialbeschluß werde daran nichts mtdern. Im laufenden Jahre entscheide lediglich der Geschäftsplan. Auel) der hier amtiereirde Vorsitzende der 3. Kammer habe zunächst lebhafte Zweifel gehabt uird diese in einem längeren wissenschaftlichen Gutachten begründet. Daher sei es zum mindesten zweckmäßig, wenn die Abtrennung stattfinde. Niemand könne sagen, daß er als Anwalt juristtschen Nonsens vortrage, und da die Möglichkeit bestehe, daß das Verfahren später von dem höchsten Gerichtshof annulliert werde, so müsse man schon aus bloßen Zweckmäßigkeitsgründen die Ab- trennuirg vornehmen. Hierauf begründet Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld erneut den Antrag, drei von ihm namhaft gemachte Fälle abzutrennen. Es handle sischj dabei um Vorfälle, die in ganz anderen Gegenden passiert seien. R.-A. Dr. Cohn tritt aus rein menschlichen Erwägungen für die Abtrennung ein. Die nicht in Hast befindlichen Angeklagten seien durchweg keine reichen Leute und müßten schwer um ihr tägliches Brot arbeite::. Es sei außerordentlich ungünstig für sie, hier wochenlang vor Gericht zu sitzen. R.-A. Bahn tritt dann für Abtrennung auch im Falle Bock ein. Für die Tatsache, daß man die Absicht hatte, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen, spreche der Umstand, daß im offiziösen Lokal-Anzeiger stand: Die Staatsanwaltschaft sei mit Erfolg bemüht gewesen, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen. R.-A. Ulrich: Mein Name steht zwar nicht unter den Verteidigern, welche neulich für die Abtrennung eintraten. Aber das kann ich aufrichtig sagen, daß auch mein Mandant Schulz und ich sehr zufrieden wären, wenn die Sache abgetrennt werden könnte. Nur vom rein juristischen Standpunkte aus kann man aber nichts für die Abtrennung sagen, da das ganze Milieu berücksichtigt werden muß. Mein Mandant, der nur eine Laterne, und zwar auch nur zur Hälfte zertrümmert haben soll, wird zwar die hohe. Ehre, aber das zweifelhafte Vergnügen haben, bis Weihnachten wegen dieser halbzertrümmerten Laterne hier zu sitzen. Juristisch läßt sich dagegen freilich nichts einwenden. Bert. R.-A. Coßmann weift darauf hin, daß sein Mandant Georg Metzer der Sohn armer achtbarer Leute sei, die er zu unterstützen habe. Er st er Staatsanwalt Steinbrech t erwidert, es sei wiederholt behauptet worden, die Sache Hagen sei zuerst zum Abschluß gekommen, damit das ganze Verfahren vor die dritte Strafkammer gehöre. Der Staatsanwalt weist in längeren Ausführungen darauf hin, daß die Sache Hagen am 6. Oktober zuerst abgeschlossen wurde und daß, um eine Beschleunigung herbeizuführen, die ganze Sache mit dem Rubrum „Hagen und Genossen" hersehen worden sei. Wenn eine Notiz im Lokal-Anzeiger unwidersprochen geblieben sei, so liege es daran, daß man unmöglich auf jeden Zeitungsartikel eingehen könne. R.-A. Heine: Niemand von uns hat bestritten, daß die Sache Hagen an: 6. Oktober abgeschlossen wurde. Das wußte ich genau io gut wie der Herr Staatsanwalt. Aber verwunderlich ist es, daß die Sache Hagen ausgerechnet eine Stunde früher abgeschlossen wurde als die Sache Trenkowski. Wir schließen aus der ganzen Beharrlichkeit der Anklagebehörde heraus und aus der Tatsache, daß man, nachdem alle Versuche gescheitert waren, für eine Verbindung aller Fälle eintrat, auf den Umstand, daß der Staatsanwaltschaft daran gelegen war, die Sache vor die dritte Kammer zu bringen. Der Erste Staatsanwalt weist darauf hin, daß die Staatsanwaltschaft überhaupt keine bestimmten Anträge stellen konnte und daß die dritte Strafkammer sich für die Verbindung der einzelnen Fälle ausgesprochen habe, was allein maßgebend gewesen sind. Staatsanwalt Hansen geht auf die verschiedenen Fälle rin, die die Verteidiger als abtrennungsnötig bezeichnet haben, und vertritt die .Ansicht, daß bei allen diesen Fällen ein Zusammenhang mit den Moabiter Unruhen bestehe. Verteidiger R.-A. Liebknecht: Wenn dec Herr Erste Staatsanwalt dein Gericht die Akten überreicht hat, aus denen hervorgehe, daß die Staatsanwaltschaft ganz korrekt verfahren sei, so will ich das nicht bestreiten. Aenßerlich mag ja alles sehr korrekt &u gegangen sein. Erster Staatsanwalt: Dem nmß ich noch einmal ganz entschieden widersprechen. R.-A. Liebknecht hat wenigstens anerkannt, daß äußerlich alles korrekt bei der Staatsanwaltschaft zugegangen sei. Er deutete aber gewisse Schiebungen an. Ich betone demgegenüber ganz entschieden: Es hat bei mir nicht die geringste Absicht Vorgelegen, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bugsieren. Mir waren die Mitglieder der dritten Kammer aus meiner amtlichen Tätigkeit garnicht bekannt, ich habemichihnenersthier im Saale vorft eilen müssen. Maßgebend war für das ganze Verfahren die Eröffnung des Hauptverfahrens. Staatsanwalt Hansen bestätigt, daß ihm nichts von einer Absickst, die Sache vor die dritte Strafkammer zu bringen, bekannt gewesen sei. Wenn Liebknecht gemeint habe, er habe ihn, den Stachsanwalt öfter beim Untersuchungsrichter gesehen, so sei das richtig. Es gebe in so großen Prozessen mancherlei zu besprechen. Mit demselben Recht, mit dem R.-A. Siebhiedjt beim Untersuchungsrichter erschienen sei, habe er das auch getan. Sollte man annehmen, daß bei seinen Besuchen Heimlichkeiten vor- gekomn:en seien, so ersuche er, den Untersuchungsrichter als Zeugen zu laden. Um 121/4 Uhr zieht sich der Gerichtshof zur Beratung über die Abtrennungsairträge zurück. Nach a:U>erthalb Stunden erscheint der Gerichtshof wieder und der Vorsitzende verkündet: Soweit der Fall der Frau R e i n h a r d t in Frage kommt, hat der Gerichtshof bereits die Abtrennung beschlossen. Im übrigen haben mir die Ausführungen der Verteidigung nochmals geprüft und sind zu demselben Resultat gekommen wie das vorige Mal. (Bewegung.) Es ist der Verteidigung zuzugeben, daß nicht alle Kammern zur der Verbindung aller Fälle ihre Zustimmung gegeben haben. Tas ist aber auch nicht erforderlich. Der Gerichtshof stützt sich auf § 236 der Strafprozeßordnung und beruft sich im übrigen auf berühmte Rechtslehrer, wie Löwe und Steuglein, glaubt eine Reichsgerichlsentscheidung in einem ähnlichen Falle für sich zu haben. Somit bleibt die angeordnete Verbindung bestehen. Ob ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Sachen besteht, unterliegt dem Ermessen des Gerichtshofes. Es erscheint im höchsten Maße unzweckmäßig, in jedem einzelnen Falle die ganze Beweiserhebung aufzurollen. Rechtsamvalt H e: n e: Ich wiederhole nun meinen Ablehnungsantrag und zwar in bezug auf die ständige:: Mitglieder der 3. Kammer. Der Verteidiger begründet dann den Ablehnungsantrag in demselben Sinne wie vorgestern. Auch das ungewöhnlich strenge Vorgehen gegen Rechtsanwalt Bahn rechtfertige ein gewisses Mißtrauen. Tie Verteidigung sei der Ansicht, daß die Erörterungen in der Presse, das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, die dadurch notwendig gewordenen Anträge der Verteidigung und die ga:rze Sachlage überhaupt die Richter nicht mehr als unbefangen erscheinen lasse. Hierauf begründet Reckstsamvalt Bahn den bereits dem Sinne nach mitgeteilten Ablehnungsantrag. Er fügt noch hinzu, daß er nie mit den Mitgliedern der 3. Kammer irgend welche Zerwürfnisse hatte und daß auch der Vorsitzende Lteber ihm gegenüber stets die urbansten Formen gewahrt habe. Er wolle auch nicht behaupten, daß die Richter befangen seien, aber Die Besorgnis der Befangenheit genüge schon. Vorsitzender: Wird auch der Ersatzrichter Assessor T o o st abgelehnt? Rechtsanwalt Hein e; Nein. Rechtsanwalt Ulrich: Ich kann in meinem Namen und in dem meines Mandanten Schulz erklären, daß wir keine Veranlassung haben, an der Obieklioität der Richter zu zweifeln. Vorsitzender: Es ist natürlich unmöglich, über den Ablehnungsantrag heute noch zu befinden. Ich vertage daher die Verhandlung auf Montag mittag 12 Uhr. Aus S*taöt uhO Land. Gießen, 14. November 1910. *' Ordensverleihung. Dem Ratsdiener und Schloßaufseher Ochs zu Gießen wurde von dem Kaiser von Rußland die goldene Medaille ain Band verliehen. ** D i e K o n g o f r a g c, so führte P. R a m b a u d in seinem am Freitag im großen Hörsaal der Universität gehaltenen Vortrag aus, ist eine' internationale Frage. Auf Grund der Kongoakte der Berliner Konferenz der Großmächte von: Jahre 1885 übernahm König Leopold II. von Belgien die Regierung des Kongostaates unter folgenden Bedingungen: 1. Vollkommene Handelsfreiheit für alle Nationen, 2. keinerlei Staatsmonopol, 3. besonderen und gleichen Schutz für katholische und evangelische Missionen, 4. kräftige Förderung des Wohles der Eingeborenen, sowie ibrer materiellen und moralischen Entwickelung. Von allen diesen Bedingungen hat die Kongoregierung keine erfüllt. Der Elfenbein- und Kautschukhandel, um den sich in Kongo alles dreht, ist durch immer steigende Zölle dem Handel anderer Nationen nahezu verschlossen und ist zum Monopol des Staates oder der von ihn: konzessionierten Gesellschaften, deren größter Aktionär der König ist, geworden. Alles Land außerhalb der Dorfgemarkungen ist einfach als Staatseigentum erllärt, und damit den Eingeborenen jeder Betrieb der Jagd, des Fischfangs und der Kautschukgewinnung unmöglich gemacht. Jede Uebertretnng wird mit grausamen Strafen betroffen. In der Form der Arbeitssteuer werden die Eingeborenen ßu unentgeltlicher Arbeit gezwungen, oft Tagereisen weit, ohne jede Fürsorge. Auf die sich diesem Zwang Entziehenden wird Jagd gemacht wie auf £icrc. Verstümmelungen, besonders Abhauen der rechten Hand, sind an der Tagesordnung. Die Zahl der seit 1892 dort so getöteten Menschen wird auf drei Millionen geschätzt. Sein Material zu diesen Anklage:: entnahm der Vortragende den Veröffentlichungen der protestantischen Missionare, und Awar nicht nur englischen, sondern auch schwedischen und holländischen, und vor allem den schriftlichen unlb mündlichen Mitteilungen des belgischen Richters Stanislaus Lefranc, der, lange im Kongostaat tätig, weil er es< nicht mehr mit feinem Gewissen verantworten konnte, zu diesen durch die Gesetze sanktionierten Greueln die Hand zu bieten, sein Amt niederlegte und als Ankläger gegen die Regierung auftrat. Durch die Veröffentlichungen der Missionare wurde König Leopold II. gezwungen, eine llntersuchungskomniission einzusetzen, deren Berichte die Angaben der Missionare bestätigten, aber vom König nie veröffentlicht und nur durch die stenographischen Nachschriften der Verhandlungen seitens der anwesenden Missionare bekannt wurden. Drei Missionare wurden ins Gefängnis geworfen, aber nach glänzender Verteidigung durch den Sozialdemo- I'ratcn Vandervelde, der den Wahrheitsbeweis führte, frei- gesprochen. Warum geschah nichts ernstliches gegen dieses rechtswidrige und menschenunwürdige Verhalten der Kongoregierung? Die Großmächte ließen sich durch politische Gründe hindern. Jetzt, nachdem König Leopold II. gestorben ist, scheint die starke Bewegung in Deutschland die belgische Regierung zu Reformen zu zwingen. Sollen sie aber wirklich zur Durchführung kommen, so bedarf es einer Verstärkung des Einflusses der protestantischen .Mission, die allein den Mut gehabt hat, gegen diese Greuel auszutreten. Die kleine belgische protestantische Kirche hat sich darum entschlossen, dort auch in die Missionsarbeit einzutreten, ein Grund mehr, ihr die wärmste Teilnahme zuzuwenden. * * Stad11h eater. Es sei nochmals auf den am Donnerstag stattsind enden M o l i 6 r e - A b e:: d der Pariser Gesellschaft A. Roubeaud hingewiesen, an dem „le bourgeois gentilhomme" und „les precieuses ridicules" aufgesührt werden. Tie französischen Gäste verfügen bekanntlich über eine so vorzügliche Sprachtechnik, daß auch der weniger Sprachkundige verhältnismäßig leicht folgen kann. Uebrigeiis werden im Theaterbureau kurzgefaßte französische Inhaltsangaben umsonst abgegeben. — Zur morgigen Erstaufführung des effektvolle:: neuen Schauspiels „Taifun" dürfte einiges aus einer Berliner Kritik am Berliner Theater inteteffiren: „Das Stück verdankt feinen Erfolg feinen theatralischen Effekten, die mit kluger Berechnung und mit einem den Großstädtern von heute zusagenden „kultivierten" Geschmack herausgearbeitet ind. Lengyel ist einer der nachdenklichsten unb originellsten Theatraliker aus der Schule Sardous. Es war ein aufregendes Schauspiel; es erhob sich über die gewöhnlichsten „Reißer" durch manchen feineren Zug in der Menschenbeobachtung und in der Lebenswertung; es gab der Bühnenkunst Gelegenheit au interessanten und bewegten Bildern, besonders aber einige sehr schwierige und dankbare Rollen." Landkreis Gießen. || Heuchelheim, 13. Nov. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl rourbe Fricdr. Wilh. Kreiling von bürgerlicher Seite mit 212 Stimmen gewählt. Sem Gegenkandidat Rips, von der Sozialdemokratie aufgestellt, erhielt 172 Stimmen. Leider machten sehr viele Wähler keinen Gebrauch von ihrem Wahlrecht. - l. Klein-Linden, 13. Nov. Einen Kursus in erfter Hilfeleistung bei Unglücks fällen hat die Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz gestern abend im Saale der „Deutschen Eiche" begonnen. Tie Teilnehmerzahl, die sich zum Kursus meldete, war befriedigend, so daß sofort mit dem Unterricht begonnen wurde. Der Leiter des Unterrichts Dr. Schäffer und Kolonnen- ührer Grünig von Gießen waren erschienen. Kreis Friedberg. - l. Butzbach, 12. Nov. Tie G e m e i n d e r at s - itzung am Freitag eröffnete Beig. Flach mit einer Würdigung der Verdienste des verstorbenen Mitgliedes Bauunternehmer Arnold Oehlschlägel. Hierauf wurde das Tanischreiben der Familie Oehlschlägel bekannt gegeben. lieber die Festlegung der Straßenfluch t- Linie längs des Bahnkörpers zwischen Taunus- und Gießener Straße und der der Parcklcl^raße zur iüuiferftraß: zwischen Taunus- und Hochweiseler Straße wurde bi> chlofsen, da nach neuerlicher Mitteilung der Bahnverwaltung eine Verbreiterung des Bahnkörpers nach Westen zu in absehbarer Zeit nicht zu erwarten steht, soll der für die Verbreiterung desselben vorgesehene Getändeftreifen i.i der Breite von durchweg 8 Meter zwischen der Taunus- und der Kaiserstraße nach Gießen in Wegfall kommen und di: östliche Flucht der längs des Bahn.örpers vorzusehenden Straße mit der westlichen Bahngrenze zufammenfallen, da- ür aber die Strafe zur Minderung der durch den Bahnbetrieb möglichen Belästigungen der Anwohner statt einer Breite von 10 Meter eine solche von 12 Meter erhalten. Da für das Gelände zwischen der Taunus- uno der Hochweiseler Straße von den Grundstücken Fmr VIII Nr. 692 an der Taunusstraße bis zu den Parzellen Nr. 721 und 733 an der Hochweiseler Strafe bislang feine Baulust besteht und ein größerer Teil der Parzellen mit umfangreichen Fabrikgebäuden besetzt ist, soll vorläufig von Festsel'.ung einer Straße abgesehen werden. Zu Kommissionsmitgeiedern für die Bürgermeisterwahl wurden die Gemcknderats- mitglieber Wil^e.m H i a.s Vorsigender, Wil.,etm Bra..buch als Stellvertreter des Vorsitzenden, Heinrich Küchel und I. F. Tern als Beisitzer gewühlt. Xie Wahl wurde auf den 24. Novernoer 1910, von vormittags U dis > und nachmittags von 2 bis 0 Uhr, sestgeje^t. — Es wurde bekannt gegeben, daß das Kriegsministerium die Erstattung der Kosten für die versuchsweise Trockenlegung des Exerzierplatzes abgelehnt habe und die übrigen Kosten bereits : von der Garnisonverwaltung an die Stadtkasse bezahlt feien. — Tie Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat eine W e g ü b e r f ü'h r u n g etwa im Zuge der B a d b r u n n en -- st raße vorgeschlagen und stimmt nur einer Unterführung | am Bahnübergang zu, wenn die Stadt die Gesarntkosien im Betrage von 35 000 Mk. übernimmt. Der Gemeinde- ' rat ist jedoch der Ansicht, daß der Bahnverkehr sich von Jahr zu Jahr gesteigert habe, und deshalb der Bahn- fiskus wegen des ständig steigenden Verkehrs die Gefam - losten zu tragen habe, ist aber bereit, damit das Projekt zur Ausführung komme, 20 Prozent der wirklich eiligem denen Kosten der Unterführung zu übernehmen. — Tas j Ferbersche Haus auf dem Marktplatz soll als Lehrerwohnung an den Kugelhausfonds vermietet werden. — Ter Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Bubbach beabsichtigt ü am 11. und 12. Februar 1911 eine Ausstellung zu ver- | anstalten und bittet um unentgeltliche Ueberlasstrug do Turnhalle mit den beiden Schicksalen der Kleinlinderschuw für die Zeit vorn 8. bis 14. Februar. Tas Gesuch wurde genehmigt. — Der Garten des Johannes Rumpf VII. tut ! der Taunusstraße soll für die Stadt angekauft werden. — i Der Ankauf des Grundstücks Flur VIII Nr. 208 531 qm . für die Stadt wurde genehmigt. Zur Verbreiterung der Nö merstraße sollen Nr. 209 34 qm, Nr. 210 34 qm, Nr. 211 225 qm für die Stadt angekauft werden. — Wegen Einstellung de - >; 2 Uhr-Zuges der Butzbach-Licher-Bahn in den Fahrplan während der Zeit vor Weihnachten soll mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Bahn, Altbürgermeister ii Küchel, Rücksprache genommen werden, daß er das Erforderliche bei der zuständigen Stelle veranlasse. L. Friedberg, 13. Nov. Weite Kreise unserer Stadt tragen sich mit dem Gedanken, auch am hiesigen Platze ein evang. Vereins Haus zu erbauen. Der Feierabend für Jünglinge ist in einem Saale über den städtischen Pserdeställen untergebracht. Die evangelische Vereinigung tagt gewöhnlich in der Herberge zur Heimat. Tie neu - gegründete Männervereinigung kommt in einem Restaurant zusammen, das alles könnte vereinigt in einem eigenen Gebäude sein, in dem man auch eine Bibliothek und einen Lesesaal ein richt en könnte. Bereits sind 1200 Mk. für Erbauung eines Gebäudes als Grundstock da und bei der Lutherfeier am 10. November fand die Anregung zur Erbauung allseitigen Widerhall und sofort sand eine Teller- sammlung für diesen Zweck statt. -m. Friedberg, 13. Nov. Die Einführung des ; neuen Direktors an der Gewerbe-Ak ad emie Dr. Jng. Krön er gestaltete sich zu einer schönen Feier. Sämtliuye Chargierten der verschiedenen Korporationen machten vorher eine Rundfahrt durch die Stadt, nach deren Beendigung sie in den großen Saal zogen, wo sie sich rund um die mit Girlanden und Fahnen geschmückte Rednertribüne gruppierten. Auch die übrigen Besucher der Anstalt waren vollzählig erschienen. Kreisrat Schliephake, der erste Beigeordnete sowie der gesamte Stadtvorstand, einschließlich der Mitglieder des Stadtteils Fauerbach wohnten der Feier bei. Der Antrittsvortrag des neuen Direktors behandelte das Thema „Die Entwickelung des Turbinenbaues". Der Vortragende bewies durch seine Ausführungen, daß die Stadt mit feiner Wahl einen glücklichen Griff getan hat. Dem Redner wurde reicher Beifall zuteil. Nach beendigtem Vortrag sprach Beig. Win deck er dem Redner Herz- j lichen Dank aus. Er sprach die Hoffnung daß die Ge- - werbe-Akademie unter der Leitung des Herrn Dr. Kröner \ sich gut entwickeln möge. Zum Schlüsse sprach noch ein Mitglied des Ausschusses; jein Hoch, galt der Stadt Friedberg. , j. < ' Hessen-Nassau^ Q Marburg, 13. 9iov. Bei der gestrigen endgültigen Immatrikulation der Studierenden wies der Rektor der Universität, Geh. Konsistorialrat Pros. O. Budde, in seiner Rede besonders auf die in letzter Zeit so viel genannte akademische Freiheit hin, die in der Immunität und Selbstständigkeit unserer Hochschulen, einschließlich der akademischen' Gerichtsbarkeit, gipfele. Er mahnte zu eifrigem, zielbewußtem! Streben, zur Pflege de§ Spieles und der studentischen Traditionen und zur Vaterlandsliebe. Schließlich forderte der Rektor zum Beitritt zur Genossenschaft freiwilliger Krankenpflege im Kriege auf, und dann traten die jungen Leute einzeln an ihn heran und nahmen unter Handschlag ihre Matrikel m Empfang. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Wetter S 7 Bew. Himmel SSW 2 Bed. Himmel Regentropsen 216 tz'b ;3i> 78 70 86 2 6 10 10 744,0 739,0 <34,2 13. 13. 14. Nov. 1910 5,1 4,3 6,6 S5 tJD •a AS SSE SSE 5.1 4,2 5,1 B-qT 8 i-£g Höchste Temperatur am 12. bis 13. November --- 5,3° 3. ptiedrique , , 12. „13. , «= 0,1 "0. Niederschlag — 0,0 nun. Welt-Macht Türk. Tabak- & Clgaretten-Fabrik „Klos“ o E. Robert Böhme, Dresden. Lieferant der französischen Zaba^egie, (»iciiiiker, iSteinleidende, Nieren- nnd Blasen-Kranke erhalten kostenfrei Broschüre mit Heilberichten. [ss34/» Brunnen Verwaltung Lichtbad AnsmaniiBiiausen am Bhein. Lurch Ihr vorzüglich schmeckende» Lithionwasser bin ich seit Monaten von meinen gichtischen Beschwerden völlig befreit. Dr. med. M. i, Sch. Depot für Giessen: Jean Weisel, Telephtm 235. Walter । Ein Junge angekommen. Karl Neurath und Frau, Giessen. 12. Nov. 1910. (eM 1 iehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom U. November vormittags. Ile Gewinne Ober 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. hne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 1 385 497 1013 !Oo 201 595 729 85 98 2118 69 445 • 73 [1000] 661 715 3118 224 895 983 4127 461 568 4 91 [500] 5301 [1000] 61 [3000] 410 40 773 [ 3000] •012 267 819 494 550 64 628 87 916 80 7586 787 163 95 201 523 636 886 [ 500] 9630 41 47 961 75 1114 805 62 445 506 972 112 7 90 821 706 1 2057 8 465 655 83 789 [500 j 889 938 45 13388 476 588 1 936 39 1 4 154 [1000] 284 558 877 1 5020 161 898 968 [1000] 16198 272 627 48 711 969 1 7185 9 48 82 1 8128 268 348 566 699 763 898 914 63 272 97 366 697 [500] 708 81 57 857 988 )052 71 121 86 262 809 461 88 92 589 74q 907 [3000] 454 528 659 91 967 22216 52 [500] 74 [500] 818 46 2 3049 159 308 530 842 936 2 4052 246 90 98 391 427 603 839 [1000] 26286 337 97 815 [500] 27002 345 715 822 938 28112 > 41 870 [1000] 82 2 9 236 820 478 94 788 [3000] 900 *086 259 [ 500] 675 86 [500] 609 9 4 706 983 3 1 047 _ 57 73 [500] 581 871 32115 67 205 [500] 404 49 548 54 643 61 [500] 740 69 3 3 030 235 355 578 929 3 4045 258 861 806 87 99 995 3 5 039 136 851 415 511 S3 608 882 43 85 3 6125 [5000] 655 [500] 825 [500] 3 7258 327 [3000] 69 607 56 771 881 38102 209 69 400 39 095 149 276 894 503 649 71, 40100 422 536 631 757 41138 [1000] 223 41 [500] <74 543 609 912 4 2058 279 450 84 529 76 94 825 71 ,852 92 4 3506 653 56 836 [10d01 44104 512 816 72 4 5049 170 278 804 699 949 91 46314 [500] 66 589 863 81 91 911 [500] 47183 288 90 400 [1000] 83 95 96 559 605 4 3087 263 443 [1000] 855 988 49095 [3000] 141 [100 000] 891 478 630 43 713 5 0234 620 5 1 001 94 237 77 419 [8000] 76 80 578 5 2287 824 45 405 655 713 82 845 968 5 3024 71 163 831 35 522 626 978 5 4024 170 254 496 628 [1000] 82 932 55135 37 656 709 5 6137 846 458 91 956 57101 42 [500] 207 56 352 82 95 651 937 5 8059 847 84 97 798 ,59030 [ 3000] 825 54 62 704 64 < 60012 31 98 117 235 315 413 [500] 678 687 [500] T76 861 [1000] 949 61040 364 79 568 62078 150 [30001 119 45 808 [500] 578 642 61 717 847 975 6 3 184 [500] 213 412 697 751 61 808 64177 210 14 448 81 511 45 625 6 5053 159 289 [500] 583 606 90 881 [1000 ] 995 66114 93 291 457 773 809 [500] 913 75 [500] 67113 81 226 83 370 639 714 812 6 8113 349 740 74 871 963 69217 545 [500] 84 [1000] 581 83 81 908 22 [1000] 54 [1000] 73 70103 70 283 472 [1000] 529 775 999 71102 12 392 B31 83 850 56 96 913 25 30 71 7 2003 39 130 383 480 783 828 73000 172 229 [500] 44 347 [500] 77 903 [1000] 74098 116 429 907 75116 612 777 900 58 85 76027 251 60 382 423 542 606 756 7 7283 872 [500] 457 [500] ►49 626 59 710 95 835 7 8 035 150 215 329 52 667 92 852 [3000] 994 7 9 018 75 80 298 609 84 60 706 881 [500] 966 80011 285 458 514 8 1 480 94 538 764 [500] 835 56 82197 455 500 17 63 611 779 870 928 8 3164 355 605 988 91 8 4549 777 825 8 5174 , 68 351 667 918 [600] 86192 [500] 373 418 579 796 991 87136 487 56 2 80 615 87 791 822 86 8 8051 281 436 532 629 89154 63 92 [1000] 640 867 [500] 948 90104 [500] 349 420 94 6S5 712 40 M 56 91071 213 412 553 758 862 9 2 284 402 82 616 [1000] 816 «0 944 9 3092 98 287 845 409 87 9 4010 337 878 9 5102 566 968 9 6094 229 402 8 48 511 25 87 65 1 774 979 97224 42 [3000] 618 65 736 99 834 9 8018 [3000] 106 34 494 668 [1000] 805 47 74 96 909 99229 68 80 [500] 115 90 94 100110 811 14 61, 18 94 [3000] 659 So 975 101035 116 285 647 70 950 1 0 2003 23 155 78 476 505 866 977 [3000] 103185 299 398 687 1 04132 448 81 529 85 694 774 1 05178 201 334 88 422 47 553 665 845 962 86 106362 [500] 442 584 614 898 1 0 7272 587 91 976 I 08138 216 «95 504 70 [500] 696 713 826 1 09230 407 825 64 [8000] 110282 440 527 693 93, [500] 111203 878 466 598 140 812 [3000] 18 [1000] 910 112018 203 80 427 6 71 B83 113228 50 341 496 579 623 883 946 114218 9 2 377 576 689 859 76 988 92 [3000] 115212 92 812 474 [500] &44 66 794 956 11604? 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Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 12. November nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den beireffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) 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(hvti/io) Fritz Rosenbaum Löwcugassc 20 Tclevbon 692 Undenplatz Tel. 405 Kirchenplatz 5915] Besitzer: Max Jaskowsky. 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