Hr. 108 Zweites Blatt 160» Jahrgang Donnerstag 18, August 1910 Erscheint täglich mH Ausnahme des Sonntags. Die „Elehener Lamtliendlätler" werden dem , Sinniger* vierrnal wöchentlich beigelegr,chaZ „Kreisbialt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zelt- fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberheffen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversitatS - Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Eießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktionre-^ 112. Tel.-Adru AnzeigerGreßen. Das Zorntönigreich. Ist es eigentlich nur Großmannssucht und Eigendünkel, die den Fürsten von Montenegro, Nikita, jzetzt veranlassen, sich die Königskrone auss Haupt zu setzen, trotzdem sein Land, arm wie es ist, nur 8430 Quadratkilometer und gan^e 250000 Einwohner zählt? Ist nicht vielmehr diese Erhebung Montenegros zum Königreich eine Fotze der Balkanereignisse, wie sie sich seit dem Berliner Kongreß abgespielt haben? Rumänien wurde Königreich, ihm folgte Serbien und bei den letzten Balkanwirren auch Bulgarien. Weshalb also soll Nikita Petrowitsch Njegusch hinter seinen Kollegen zurückstehen? Denn so klein und arm Montenegro auch ist, das eine wird man ihm jedenfalls zubilligen müssen, daß es auf dem Balkan eine politische Bedeutung hat, die toeit über die Serbiens hinausgeht. Ist doch Fiirst Nikita der Schwiegervater nicht nur zweier russischer Großfürsten, sondern auch des Königs von Italien, und verfügt überdies über ein Heer, das mit feinen 36000 Mann bei der anerkannten Kriegstüchtigkeit der Montenegriner im Falle eines Balkankonfliktes sehr ins Gewicht fallen würde, ganz abgesehen von den v.ulturtaten, deren sich Fürst Nikrta bei der Enttoicklung seines Landes rühmen darf. Und sauer genug ist es ihm geworden, Montenegro diejentze Stellung unter den Bal- tanlandern zu sichern, deren es sich jetzt erfreut. Fünfzig lange Jahre hat er daran gearbeitet, ehe es ihm gelang, dem Land der Schwarzen Berge seine jetzige politische Bedeutung zrr geben. Es ist im Auslande nur wenig bekannt, daß Montenegro, das seiire Entstehung vor dem Einbruch der Türken in Europa flüchtenden Serben verdankt, vom Jahre 1516 an während dreier Jahrhunderte von geistlichen Herrschern, den Vladiken, regiert wurde, zu denen auch die Dynastie VetroNntsch gehörte. 1(197 gelangte Danilo Petro- witjch, der Ahnherr Mkitas, zum Vladikat, daß er 1711 in seiner Familie erblich machte und somit zum Begründer der jetzt über Montenegro herrschenden Dynastie wurde. Im Jahre 1852 verzichtete Danilo I. auf die geistliche Würde, die er einem Verwandten übertrug, und erwirkte von Oesterreich und Rußland seine Anerkennung als weltlicher Fürst Montenegros. Freilich ging damals die Sache nicht glatt ab. Eine Verschwörung folgte der andern, und auch das Geld, das Napoleon III. damals nach Cetinje schickte, konnte nicht verhindern, daß Danilo I. am 12. Aug. 1860 in Cattaro von einem der Verschwörer, Todoro Ka- dich, meuchlerisch niedergeschossen wurde. Da nun die Ehe Danilos mit der Tochter eines Triester Großkaufmanns, Darinka Kockitschewa, kinderlos geblieben war, folgte ihm Nikita, der älteste Sohn seines Bruders Mrko, den Danilo adoptiert hatte, auf den inonienegri- nischen Fürstenthron, aber die Verschwörungen gegen ihn wollten keine Ende nehmen, und erst die Internierung der Verschwörer in Agram brachte es mit sich, daß der jetzige Herrscher Montenegros von den 70er Jahren an eine einigermaßen ruhtze Existenz zu führen vermochte. In Paris und Triest exogen, ließ es Fürst Nikita an nichts fehlen, was ihm und seinem Lande von Nutzen sein konnte. Durch Verehelichung mit der damals erst dreizehnjährigen Tochter Milena des hochangesehenen Senators .und Woiwoden Vukotitsch sicherte er sich (1860) einen Rückhalt an den in Montenegro einflußreichen Familien, und die Verheiratung seiner Töchter Miliza und Anastasia an russische Großfürsten, sowie seiner Tochter Helena an den König von Italien brachte es neben der Verehelichung des Kronprinzen Danilo mit der Herzogin Jutta zu Mecklenburg- Strelitz mit sich, daß die Dynastie Petrowitsch-Njegusch trotz ihrer etwas sehr dunklen Abkunft von Schweinezüchtern und Wegelagerern in den Verband der europäischen Fürstenfamilien aufgenommen wurde, der sich ihr um so weniger verschloß, als bei ihr körperliche Schönheit, geistige Regsamkeit und Begabung eigentlich erblich sind. Auch Fürst Nikita verfügt über diese Familieneigew- schasten in hohem Maße. Körperlich trotz seiner 69 Jahre noch überaus rüstig, dichterisch veranlagt und mit poli- tifdjem Scharfblick begabt, hat er es verstanden, das montenegrinische Schifflein durch alle Fährnisse der inneren und äußeren Politik hindurchzusteuern. Er gab Montenegro eine Verfassung, ihm hat eS manche Reformen auf dem Gebiete des Heeres-, Schul- und BerwaltungSwesens zu danken, die Montenegro aus seinem Halbasiatenttrm befreiten und es, wenn auch noch nicht ebenbürtig, in die Reihe der europäischen Kulttrr- ftaaten stellten. Auf dem Gebiet der äußeren Politik bewies Fürst Nikita auch im großen und ganzen eine glückliche Hand. Im Berliner Vertrage 1877 erhielt Montenegro auf Kosten der Türkei einen Gebietszuwachs von 5100 qkm, vergrößerte sich also um das Doppelte, und das Zugeständnis, das ihm Oesterreich-Ungarn vor einem Jahre hinsichtlich der freien Schiffahrt für den Hafen von Antivari machte, beweist zur Genüge, daß Fürst Nikita, trotzdem es Montenegro aus Mangel an Mitteln an jeder diplomatischen Vertretung im Auslände fehlte, die Interessen seines La «des wohl zu wahren wußte. Das aber war ihm nur möglich durch eine rückhaltlose Hingabe an Rußland. Wenn der Zar vor einigen Jahren den Fürsten Nikita als „einzigen und treuesten Bundesgenossen Rußlands" feierte, so hatte er damit nur zu sehr recht. Nur soll man bedenken, daß Montenegro Rußland gegenüber nicht die Rolle eines gleichwertigen Bundesgenossen spielt, sondern eines Lakaien, dem Rubel und Aaffensendimgen gut genug sind, um dafür auf dem Balkan im russischen Interesse zu wirken. Diese rückhaltlose Anlehnung an Rußland mußte natürlich — und hierin, liegt der Fehler der auswärtigen Politik Montenegros —i zu einer Verstimmung mit Oesterreich Ungarn führen. Zwar sah Fürst 5tikita ein, daß die österreichischen Kronen ebenso brauchbar sind, wie die russischen Rubel, und wurde, als die Einverleibung Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich Ungarn den Balkan wieder in Alarm setzte, schließlich friedfertigen Sinnes, aber die Tatsache^ daß Oesterreich Ungarn den Herrscher der Schwarzen Berge nur dadurch zur Raison bringen konnte, daß es die Grenze gegen .'Nontenegro sperrte, weist zur Genüge darauf hin, I iIIIBJMPMMMWManaanWMMB! daß Fürst Nikita hier nur widerwillig einem gelinden Zwange nachgab und nach; wie vor als der treueste Verbündete Rußlands aus dem Balkan bezeichnet werden muß. Allerdings der einzige ist Montenegro jetzt nicht mehr. Hat es doch Rußland verstanden, nicht nur Griechenland, sondern auch Bulgarien und Serbien völlig an seine Politik zu ketten und auch vielleicht Italien seinen Balkanabsichten bis zu einem gewissen Grade gefügig zu machen. Und wenn auch König Peter von Serbien augenblicklich über die Rangerhöhung seines montenegrinischen Kollegen verstimmt ist, weil er weiß, daß seins Dynastie nichtldie Achtung im Serbenvolk genießt, wie die der Petrowitsch, mithin zu seinem' Schaden eine Verschmelzunb Serbiens mit Montenegro zu befürchten wäre, so läßt sich die Tatsache doch nicht aus der Welt schaffen, daß die jetzige Erhebung Montenegros nim Königreich ihre letzte politische Ursache darin findet, daß es par inter Pares dem unter englisch-russischer Aegide zu gründenden Balkanbund beitreten soll. Ein solcher Bund (Bulgarien—Serbien—Montenegro) ist natürlich in erster Linie dazu bestimmt, der neuerwachten Türkei, der man in englischen und russischen Kreisen nicht traut, auf dem Balkan ein Paroli zu bieten, in zweiter aber richtet er sich auch gegen Oesterreich-Ungarn. Nicht Größenwahn ist es, daß sich jetzt Fürst Nikita die Königskrone aufsetzt, sondern er folgt damit Anregungen aus Petersburg und London, die das Verhetzungswerk der Ententenpolitik König Eduards krönen sollen zum Schaden Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Türkei, und wahrscheinlich auch zum Schaden des allgemeinen Völkerfriedens. politische Tagesschau. Bei dem Schlachtgedenktag in Mars la-Tour gab, so wird nnS aus Paris geschrieben, die Dekorierung deLAbbs Faller, der bekanntlich ein Museum mit den auf dem Schlachtfelde gefundenen und durch Zuwendungen erhaltenen Erinnerungen an das gewaltige Ringen zusammen- gestellt hot, zu einer von den Zeitungen stark hecvorgehobenen patriotischen Rührszene Anlaß. Am Fuße deZ Denkmals von MarS-la-Tour hatte sich der KleruS aufgestellt und ringsum waren die Fahnen der Abordnungen zufammen- geschicht'.'t worden. Der General Couturier stellte sich dem alten Geistlichen gegenüber, der unter einem rot ausgeschlagenen Baldachin saß und den junge Elsässerinnen und Lothringerinnen in Lan.deskostümen umringten, zog seinen Degen und rief: „Achtung 1 Im Namen des Präsidenten der Republik und aut Grund der erteilten Vollmachten schlagen wir Sie zum Ritter der Ehrenlegion 1" Daraus wurde daS Kreuz auf die Brust deS Priesters geheftet; der General umarmte ihn und rief: „$m Namen der Ehrenlegion, im Namen der zwanzigtausend Tap-eren, die auf diesem Kriegsfelde gefallen sind und die dort oben sich unserem Feste anschließen, im Namen von Tausenden von Franzosen, die hierher gekommen sind und die Millionen anderer vertreten, begrüße ich den Apostel der Erinnerung und der Hoffnung I* Die Frau im Erwerbsleben. Recht verschiedenartig ist der Anteil, den die weib- lvche Bevölkerung in den einzelnen Staaten an der @r* ttfertiS tätigfeit nimmt. Nach den Berufszählungen, die in den Jahren 1897 (Rußland) bis 1907 (Deutschland) vor- gjenommen wurden, sind im Deutschen Reich 30,4 Protz, b er weiblichen Bevölkerung in einem Hauptberufe tätig, die Dienstboten für persönliche (häusliche) Dienste sind dabei mitgezählt; in Oesterreich beläuft sich der Anteil der weiblichen Bevölkerung an der Erwerbstätigkeit auf 42,8 Prozu, in Ungarn wiederum nur auf 26,7 Proz,, in Rußland gar nur auf 8,4 P.roz. Dabei sind in Rußland allerdings die unselbständigen erwerbstätigen Angehörigen nicht mitgezählt. Höher als im Deutschen Reich ist der Prozentsatz in Italien mit 32,4 Proz., in Frankreich mit 34,8 Proz., niedriger dagegen in der Schweiz mit 29,5 Proz., in Belgien und Dänemark mit 28,1 Proz., in Großbritannien und Irland mit 24,9 Proz., in Norwegen mit 24 Proz., in Schweden mit 21 Proz., in Holland mit 16,8 Proz., in den .Vereinigten Staaten mit 14,3 Proz. und in Sp anien mit 14,2 Protz. Die Ziffern schwanken also, wenn man von Rußland absieht, zwischen 14,2 und 42,8 Proz. Die Erwerbstätigen überhaupt (männliche und weibliche) machen im Deutschen Reich 45,5 Proz., in Oesterreich dagegen 51,5 Proz., in Frankreich 51,3 Proz, in Italien 50,1 Proz., iu Rußland (ohne Einrechnung der unselbständigen erwerbstätigen Angehörigen) nur 24,9 Proz., in Holland 37,8 Proz., in Schweden und Norwegen zwischen 38 und 40 Proz., in Großbritannien und Irland 44 Proz. der Ges am tb ev ölker un g aus. Der Anteil der männlichen Erwerbstätigen an der gesamten männlichen Bevölkerung beträgt in Deutschland 61,1 Proz., in Italien steigt er auf 68, in Frankreich auf 68,2 Proz.; Großbritannien und Irland ist mit 64,4 Proz., Amerika mit 61,3 Proz., Rußland nur mit 41,6 Proz. Vertretern Aus Stadt und Laud. Gießen, 18. August 1910. ** Staats Mini st er Ewald wird am Freitag, den 19. d. M., aus seinem Urlaub zurückkehren und die Dienstgeschäfte wieder übernehmen. • * Ein Preisaufschlag für Ochsen- und Rindfleisch steht auch in Gießen bevor. Wie wir hören, verhandeln unsere Metzger untereinander wegen eines gemeinsamen Vorgehens. Es ist allerdings richtig, daß die Ladenpreise für Ochsen- und Rindfleisch, die in Gießen bezahlt werden, den augenblicklich sehr hohen Viehpreisen nicht entsprechen, so daß das Verlangen der Metzger um eine Preiserhöhung gerechtfertigt erscheint. Allerdings wird bei noch höheren gieifil)* preisen ein Rückgang im Verkauf, über den heute schon geklagt wird, nicht auSbleiben. * * Ki n d e s p f l e g e. Die Zahl der im Jahre 1909 in entgeltliche Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren betrug 2552, darunter 314 eheliche und 1860 uneheliche, die von ihren Eltern.in Wege gegeben wurden, 3Waisen, die durch den Vormund und 60, die auf Kosten der Landeswaisenkasse in Pflege kamen. 161 eheliche und 149 uneheliche Kinder unterstanden der öffentlichen Armenpflege und 889 Kinder wurden in entgeltliche Pflege gegeben. Von den Eltern wurden in Pflege gegeben in Starkenburg 1095, in Oberhessen 368, in Rh ein Hess en 711 Kinder. Die höchsten Zahlen weisen auf: Mainz 457, Offenbach 453, Darmstadt 294, Gießen 165, Gr.-Gerau 141, Friedberg und Worms 110. * • Von der Post- und Eisenbahnkarte be5 Deutschen Reichs, die im Kursbureau des Reichs-Postamts neu bearbeitet wird, ist jetzt das Blatt VII erschienen, das den größten Teil der Provinzen Sachsen und Hannover, weiter u. a. das Herzogtum Braunschweig und das Fürstentum Lippe umfaßt. - r- Heuchelheim, 17. Aug. Die Frühkartoffel- Ernte hat bis jetzt schlechte Ergebnisse gezeigt. Fast alle Kartoffeln sind faul. Hoffentlich wird die Hauptkartoffelernte bester. — Die Wählerliste zu der demnächst stattfindenden Gemeinderatswahl liegt bereits auf der hiesigen Bürgermeisterei offen. — Lollar, 17. Aug. Das PreiSschießen des Kriegervereins, daS am 14. d. M. begann, soll am nächsten. Sonntag, dem 21., beendet werden. 'Polizeidiener Häuser, Mühlenbesitzer Christ, Baumwart Fuchs und Forstastestor Baader sind bis jetzt mit 92, bezw. 87, 85, 83 Ringen auf die 20 er Ringscheibe Schützenkönige. Außer Ehrenscheiben kommen 20 wertvolle Preise zur Verteilung. — Großen-Linden, 18. Aug. Im hiesigen Turnverein wurde vor kurzem eine Fechta bteilung gegründet, die bereits 15 ausübende Fechter zählt. Die Leitung und Ausbildung wurde dem Turner Ludwig Weiß übertragen, der schon mehrfache Erfolge im Fechten aufzuweisen hat. Holzheim, 17. Aug. Welch ungeheure Verbreitung der H a m st e r in unserer Gemarkung genommen, geht aus der Zahl der seit vier Wochen gefangenen Tiere hervor, sie beträgt 2300. Die Gemeinde zahlt für jedes ausgewachsene Tier 15 Pfg., für die Jungen 10 Pfg. Die Buben lassen sich diese lohnende Jagd nicht entgehen und oft kehren sie aus dem Felde zurück, eine ganze Reihe Hamster zu zweien an einem Strick tragend. — Eine hiesige Frau stach sich bei den Erntearbeiten, eine Distel in die Hand. Die Verletzung, anfangs gering er- fdjeinenb, zog Blutvergiftung nach und die noch junge Frau verstarb in der Klinik zu Gießen. Eine andere Frau Der* letzte sich mit der Hacke leichl. Auch hierdurch entstand Blutvergiftung. Die Frau schwebt noch in Lebensgefahr. §§ Vom Vogelsberg, 17. Aug. Nachdem das Heer der Mäuse und Hamsterratten im Kornfelde gehaust, hat es sich nun nach dem Wegsahren des Korns in die anderen Getreidefelder gezogen und richtet hierin großen Schaden an. In welcher Unmenge diese Nager auftreten, erhellt daraus, daß tarnte arbeitet ihre Kleider, deren sie sich entlebigt, abends beim Anziehen zernagt und zerbissen fanden. Anderen hatten sie das Vesperbrot angenagt. Aus den heimgefahrenen Garben springen oft die Mäuse noch dutzendweise beim Abladen. Am schlimmsten werden die Getreideäcker in der Nähe der Wälder heimgesucht. Auch in den Kcnckoffelfeldem beginnt das Nagerheer seine Zerstörungs- arbeit. Ein Vemich-tungskampf gegen diese Plage scheint für den Herbst unumgänglich zu werden. Friedberg, 17. August. Der Großherzog wird am 22. August hier eintreffen, um das Schloß zu besichtigen. Am 23. reist er wieder nach Wolfsgarten zurück, wo am gleichen Tage die Zarenfamllie eintreffen wird. Am 25. August werden dann die beiden fürstlichen Famtlieu hierherkommen. Die neuen Beleuchtungsanlagen, die auf Kosten der Stadt eingerichtet wurden, find nahezu vollendet. Das Schloß ist bis auf die innere Einrichtung fertig* /»^gestellt, zu der fast täglich Möbelsendungen hier ankommen. Äe 70 Uhren im Schlosse, unter denen sich alte prächtige Stücke französischer Herkunft beftnden, wurden nachgesehen. Au chder St. Georges-Brunnen hat ein neues Kleid bekommen, und auch der alte schmiedeeiserne Brunnen* trog, ein herrliches Wert, wurde jetzt gereinigt und erhält auch sein Plätzchen an der Sonne. Der Hirschgraben ist durch gewaltige Stacheldrahtgeflechte gesichert. Die Bürgersck-aft auf der Kaiser- und Franffurterstraße wird an den Allee-Bäumen Draht spannen, woran bunte Papierlaternen befestigt werden, dfe Mittwochs und Sonntags brennen sollen. Aus der Wetterau, 17. Aug. Der Feldarbeiter Konrad Gräf in Dauernheim stürzte von einem hochbeladenen Getreidewagen und blieb mit gebrochenem Genick tot liegen. — Zum Anschluß an das Lißberger Elektrizitätswerk haben sich bis jetzt allein schon aus dem Kreise Büdingen 25 Gemeinden gemeldft und 200 000 Mark Aktien gezeichnet. — Sein 50jähriges Amtsjubiläum beging der Gemrinde- rechner Hofmann zu B o d e n r o d. Zahlreiche Auszeichnungen von Behörde und Gemeiride wurden dem jetzt 80 jährigen Mannc zuteil. — Das gestrige Gewitter hat vielfach Schaden verursacht. In Nieder-Bessingen wurde die Sck)eune des Landwirts G. Stein dmch Blitzschlag eingeäschert; in Pohl- Göns brannte die Schnme des Anton Will ab. § Aus dem oberen Ohmtal, 17. Aug. Zwei Tiere kommen in diesem Sommer in unserer Gegend vor, in ber sie seither nicht beobachtet worden sind, die Kreuzotter und der Hamster. Ein Fortschreiten gewisser Tierllassen, d. b ein Wandern in andere Gegenden, ist von der Wissenschaft allerdings festgestellt worden, immerhin bleibt dasselbe bemerkenswert. Als Schreiber dieses die erste Mitteilung von dem Vorkommen der Kreuzotter in inifcrem Tale erhielt, bezweifelte er die Richtigkeit, allein die Beschreibung der gesehenen Otter ließ alle Zweifel schwinden (?). Der Hamster tritt wohl nur vereinzelt neben seiner Dertvandten, der Hamstermaus, auf, aber früher kam er überhaupt hier nicht vor. rm. Darmstadt, 17. August. Die betagte Lehrerin i. P. Elise Ne ßlin g wurde heute früh tot vor ihrem Bette aufgefunden. Ein Schlaganfall bat ihrem Leben ein Emde bereitet. ' ch. Bingen, 17. Aug. Die Versuche der Larcdwirtschafts- fautntcr für Rheinhessen, in der Lage Morschfeld unfern OH' marknng den Heu- und Smienvunn -ut bekämpfen, hatten einen guten Erfolg. In den Weinbergen wurden 80 Motten lampen und 60 Flicgengläser ausgestellt und aufgchänch, ferner mmiV die Lage von durchschnittlich 70 Schullmdent mit Leumächun zwölf mal abgesucht. Dabei wurden 30 000 Mmten gefangen Der erste Fang brachte 18 000 Motten, so daß also insw'samt m der einen Lage 48 000 Motten des Heu- und Siuenwaur» ge- fanacu. werden sinü Das Ergebnis tont fteüich jn bew Jahre mit den Verbrauchern arbeitet. Wer sich aber einem Liefe- ranten ausliefert, der seinen Kunden gleichzeitig Konkurrenz macht, so daß dieser seine Ware gar nicht absetzen kann, schädigt sich selbst und stärkt die Konkurrenten. — Die deutsche Ausfuhr von Motorwagen und deren Teilen weist, wie in der neuesten Nummer der „Zeitschrift des Mitteleuropäischen Motorwagen-Vereins" be. rechnet wird, im ersten Halbjahr 1910 ganz bedeutende Erhöhungen auf. Es belief sich nämlich der Wert der exportierten Kraftfahrzeuge in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres auf 15 Millionen Mark (1909 8 Mill.), derjenige der Automobil-Motoren auf 81/, Millionen (1909 4 Mill.) und derjenige der Karosserien für Motorwagen auf 184 000 Mark (1909 17 000 Mark). Es wird damit gerechnet, daß die gesamte IahrcsauSfuhr mnfassen wird: Vollständige Kraftfahrzeuge für 30 Millionen Mark, Motoren für 17 Mil- lionen, Pneumatiks für 35 Millionen und sonstige Einzelteile für 25 Millionen Mark. Hiernach würde unser Export in diesem Jahre nicht weniger als 105 bis 110 Millionen Mark, gegen 82 Millionen im Vorjahre, betragen, gewiß das beste Zeugnis für die Leistungsfähigkeit und die Konkurrenzsicherheit unserer Automobilindustrie auf dem Weltmarkt. um 48 86 79-82 43 74—77 38 80-85 45 82 75-80 41 77 34 65 40 70—73 56 72 66 72 Meteorologische veobachlungen der Station Gießen. Wetter a Höchste Temperatur am D 6A1 die von auf 102 90 80 72 70 64 9 5 10 22,0 0 0. 9,0 eC. 56 54 50 70—73 70-73 69—71 63-66 62 53 £ E sf Sonnenschein Bew. Himmel Bed. „ 80 75 Niedrigste , Niederschlag 5$ Z ÜD 6V Aug. 1910 $ ‘Q c s HN&t Jtbt behaitenb fein, weil Werharrpt keine Trmrben hängen, voer Pir das nächste Jahr ist mm bestimmt eine Bernriuderung ^ud Sauerwurms in Aussicht. < Krumbach a. Düusberg, 17. Äug'. Die für Krumbach geplante Schule ift vorläufig noch einmal zurückgestellt. Auch hier muß eine zweite Schulklasse errichtet werden. Damit verschwindet die letzte einklassige Schule im 3m spekttonsbezirk Rodheim a. d. B. 10 Minuten in Anikins gesichtet Er UMfreistc dreinml bad dortige Aerodrom, stieß aber dabei so heftig gegen! ernen Baum, daß der Apparat vollständig zer- brach. L a t h a m selbst ist unversehrt. — Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! — <4. Hcnneberff, Zürich« Feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber......... 60-64 100—105 Mittlere Ata st- und gute Saugkälber . 52—55 87—94 Schale. Mastlämmer und jüngere Masthammel 39—41 78-82 Schweine. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wies eck. Dieser Tage zirkulieren hier Anmcldungsformu- lare über Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk Gießen über Abnahme elektrischer Energie für Licht unb Kraftzwecke. Es läge bod) im beiderseitigen Interesse, wenn vorerst hier in Wieseck von einem Fachmanne ein Vortrag über Elektrizität in einer allgemeinen Bürgerversammlung gehalten würde, um den vielen Laien Aufschluß der guten Sache zu geben. Einer für Viele.. Limburg a. b. Lahn, 17. Aua. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Alalter. Roter Weizen (nassauischer), alter, 17,3>) Mk., Weizen, neuer, 17,10 Mk., Korn, altes, 10,60 Mk., neues 10,60 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 Mk., Braugerste 00,OO Mk.. vaser, alt, 8,00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln, neue, 7,00-0,00 Mk. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht........56—57 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht........56-57 Vollfleischige Schweine über 2*/t Zentner Lebendgewicht........56—57 Fleischige Schweine.......54—55 Sauen...... 49—51 Markte. th. Gießen, 17. Aug. Der heutige Schweinemarkt hatte einen Vorrat von ca. 350 Ferkeln und Einlegern. Die Kundschaft war diesmal am Markt nur schwach vertreten, weil die Landwirte jetzt draußen im Felde zu tun haben. Bezahlt wurden für das Paar Ferkel 6 bis 8 Wochen alt 45—60 Mk., 10 bis 13 Wochen alt bis 80 Mk., Springer, leichte Ware 90 bis 100 Mk Mtttettoare bis 130 Mk., schwere Tiere waren nicht am Markt' Schlachtreife Schweine, die in Fleischware sehr knapp, dagegen in überlegenen fetten Zieren reichlich vorhanden sind, wurden von den Gießener Metzgern mit 67—68 Mk. der Zentner Schlacht gewicht bezahlt. F.C. Wiesbaden. Diehhos-Marktbericht vom 17. Aug. Austrieb: Rinder 64, Kälber 294, Schafe 40, Schweine 447. Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig. Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittspreis Handel. — Einkauf von Petroleum. Der Verein Berliner Kaufleute der Kolonialwarenbranche hat an seine Mitglieder folgende Mitteilung versandt: versuch an Fran Wagner verübte Karl Koppius allein, ebenso chrieb er, wie die „Leipziger Zeittmg" meldet, die Erpresser- br i cf e an die Firma Weber. Das B. T. meldet aus Berlin: Ein Gesuch um Haftentlassung des Rektors Bock und Lehrer Knöfel gegen eine Kaution von 25 000 Mark wurde eingcreicht, aber mit der Begründung abgelehnt, daß sich das Verdachtsmaterial gegen die beiden durch den Gang der Untersuchung zu sehr gehäuft habe. Aus Breslau wird berichtet: In Michalkowitz (Oberschlesien) wurde eine Hochzeitsgesellschaft, als sie mit Dem Nachtzuge fortsahren wollte, von ctma 20 meist jungen Leuten mit Steinen beworfen und mit Revolver- schlissen bis zum Balmhof verfolgt. Ein Polizeibeamter und ein Briefträger, die zur Hilfe herbeieillen, wurden durch Steine würfe schwer verletzt. Die Burschen bedrohten auch einen 9üif* Mer an der Haltestelle; die telegraphisch herbei gerufene Polizei verhaftete sechs der Burschen. 9 In R e i l an der Mosel wurden zwei Arbeiter, als sie unter entern Baume Schutz gesucht hatten, während eines Gewitters vorn Blitz getroffen. Einer blieb tot, der andere ist völlig gelahmt. J Aus Graz wird gemeldet: Durch einen in der Nacht auf iwtttmod) entstandenen. 2wand wurde das Kiir hau s inR vb it sch vollständig vernicht e t. Personen wurden nicht verletzt. ^eit dem 13. August wird der bis dahin in einem Sann- toriuni bei W i c n befindliche Ober-Landesgerichtsrat Drexler Ä ^en ben Namen „der gute Richter" führte und der auch als Dramatiker tätig war, vermißt. -ZS $5 Noch zwei Landungen in Mainz. Frankfurt a. M., 17. Aug. Um 6,4 Uhr ist Eugen Wieneziers mit einem Antoinetteapparat zu einer Fahrt nach Mainz ansgcstiegcn. Um 6,5 Uhr erhob sich Lochner auf einem Eiller-Zweidecker und umkreiste in mehreren Runden den Flugplatz. Fr a nf f nr t a. M., 17. Aug. Ihn 6,34 Uhr startete Jeannin auf einem Farmaunapparat zum Ueberlandfliig nach Mainz. a i »z, 17. Äug. Um 6,27 Uhr kam Wieneziers! über Mainz in einer Höhe von 300 Metern in Sicht. Er flog über den Rhein in der Nähe der Rheinbrücke und nahm Richtung am den Großen Sand. Das ganze Rheinnser ist einer na chTansenden zählenden Menschenmenge besetzt. Mainz, 17. Ang. Wieneziers ist nm 6,40 Uhr dem Großen Saude bei Mainz glatt gelandet, i ranFf urt a. M., 17. Ang. (Priv.-Tel.) Soeben 7 Uhr wurden die Flüge für heute eingestellt. Außer den zwei Fliegern, die den Uebcrlandslng antraten, in ad) teil eine Reihe weiterer Flieger noch verschiedene schöne Flüge. Lochner auf einem Eiilerapparat, von M u m m auf Antoinette, der zwar auf einem Kornfelde landen mußte, jedoel) ohne weitere Beschädigungen, und Plodimann auf seinem (tzradeapparat. Auf dem Flugplätze waren anwesend Prinz und Prinzessin Albert von Schleswig-Holstein, sowie der kommandierende General von Eich- horn. Lochner erlitt an seinem Motor einen Schaden. M ain z, 17. Ang. Scann in ist um 7,8 Uhr auf dein Großen Sande glatt gelandet. B ■ SCltlC v. Mk. 135 ab weitens der D.-A. P.-G. und der mit ihr verbündeten D P- V.-G. wird jetzt gelegentlich Auszahlung der Rückvergütungen ver- nicht^ die größtenteils ohnehin noch bis 31. Dezember 1911 laufen- ben Schlüsse anf Iahre hinaus zu verlängern. Wir luarnen eie, sich neuerlich zu verpflichten, weil Sie sich hierdurch für Ine die "Möglichkeit nehmen, günstige Konjunkturen für den Ein- taiif auSzuiiutzen und nut dem Vertrage nicht zuletzt der -Zweck verfolgt wird, die von den oben genannten Gesellschaften vollkommen unabhängige, sehr leistmigSfähige österreichische.Konkurrenz vom Markte auSzuschließen. 6 Dieser Warnung, so schreibt man unS, kann man sich nur in vollem Umsang anfchließen. Die Detaillisten haben von der Deutsch-Amerikanischen Pctroleumgejellschast nichts GnteS zu erwarten, da diese Gesellschaft jetzt'durch Einrichtung des KannenvertnebS unter Umgehung des Detailhandels direkt nil 16. bis 17. August — 4- 16. t 17. , = 0,0 mm. * U(5tprT^I?ff^nflcn eines Postillions. Aus K l e in o f f c l n benchtet mau: Der Posttllion Roland aus F o rb a ch n n t e r s ch l u g am Mittwoch vormittag auf der Fahrt öon Forbach hierl?er aus dem Wertgelaß des Postwagens zwei ! fVr m it 0 000 Mark Barge l d. Roland l)at das Wertgelaß anscheinend mit einem zweiten Schlüssel geöffnet und um den Verdacht von sich abzulenken, den Boden des Wert- gelasses zertrümmert, wodurch der Anschein erwuchs, als seien durch Bruch des Bodens die Wertstücke mäljrenb der Fahrt ber» lorcn gegangen. Roland hatte die Beutel in einem Korbe ver- paat, au eine fingierte Adresse bahnlagernd nach Neunkirchen gerichtet und daS Paket einem hiesigen Spediteur zur dringenden Besorgung übergeben. Dieser schöpfte Verdacht durch die sofort cingeletteteu Untersuchungen und erstattete Anzeige. Der Gc- sa rnt bet rag von 80 000 Mark wurde in dem Korbe vorgefanden. Der Täter wurde verhaftet. ®/£u. t^e Falschmünzer. Aus Paris wird ge- meldet: Seit einigen Tagen wurden in Paris von einem elegant aerleibctcii Neger falsche englische Banknoten in Umlauf gesetzt; am Dienstag wurde der Neger erkannt imb mit einem Kumpan jnr □afbc gebracht, wobei er ein volles Geständnis ablegte. Ter ivr cct cJ « $ Hegers, ein 38 jähriger Deutscher, namens '*■ v.r.c dLaufer, erklärte, daß die falschen Bankiwten fabrikmäßig in Deutschland h e r g e st e l 11 würden; die Ver- hasteten gaben auch ihre Helfershelfer an * Tauben unb drahtlose Telegraphie. Die Frage, in wieweit die Brieftauben durch die drahtlose Telegraphie in ihrem Ortssinn behindert werden, wird gegenwärtig in englischen (Fachkreisen viel besprochen. Einige der bedeutendsten Züchter von Brieftauben haben sich -dahin ausgesprochen, daß der immer steigende Verlust von Tieren während der letzten Jahre nur auf die Beeinflussung der Luft durch clcltrische Wellen Aurückzuführcn sei. „Während mir sniher in einer Flugzeit nur gaM wenige Taubem verloren gingen", erklärte ein bctmintcr Züchter, „sind im Vorjahre 64 und in diesem Jahre schon über 50 Vögel nicht nach Hause zurückgekchrt. Es kann meiner Ansicht nach kein Zweifel bestehen, daß die drahtlose Telegraphie der Hauptgrund daft'tr ist. Sie werden dadurch erschreckt und beirrt; der geheimnisvolle Sinn für die Richtung, in der sie fliegen wollen, wird vernichtet, vielleicht werden sie sogar dairch'die Aetherwcllen getötet." cMchiffahtt. Ueberlandflug Frankfurt—Mainz—Mannheim. Di e Liste der Flieger, die sich zum Ueberlandflug gemeldet haben und fiel) also um den Preis bewerben können, umfaßt folgende Namen: Lochner (Euler Apparat) Nr. 2, von G o r i f f o n (Euler -Apparat) Nr. 3, von M u m m (Antoinett- Apparat) Nr. 4, Ieani u (Aviatik Apparat) Nr. 5, Wieneziers (Antoinette Apparat) Nr. 6, Liudpaintner (Som mer-Apparat) Nr. 7, Thelen (Wright-Apparat) Nr. 8, Plochina n ii (Grade Apparat) Nr. 11, Euler (Enter Apparat) Nr. 12. Wegen des Unfalls ojut Dienstag, dem Tag der Slaiferparaöe in Mainz, ist Oberleutnant von Tiedemann ansgefchieden; außerdem haben die zwei Flieger der Wright-Gefellfetmsl abgesagt. !! Mainz, 17. Aug. (Privattelegramm.) Gegeir J/jl Uhr gmg T Helen mit feiner Flugmafchine am Astheimer Damm in der Nähe von Ginslieim znm zweitenmal nieder. Uiechliche Nachrichten. Israelitische RcligioiisgemcinOc. (Sottcsöienit in der Synagoge (Süd-Anlage), Samstag den 20. 21 u g u st 1910: Vorabend: 7.15 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schriflerklärung. SabbatanLgang: 8.25 Uhr. Israelitische Ueligionsgesellschast. Gottesdienst. Sabbatfeier am 2 0. August 1910: Freitag abend 7.10 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.25 Uhr. Wochengottesdienst: Alorgens 6.30 Uhr, abends 7,00 Uhr. Verantwortlich für „Ans Stadt und Land" und „Gerichtsfaatz i. B.: Karl Neurath. Die Neberlandfluge in Ostfrankreich. Der Abschluß des ersten großen Ueberl'airdpreisfluges erfolgte unter sehr günstigen atmosphärischen Verhältnissen, was aber dein Ergebnisse feine Bedeutung nicht nimmt. Die gewal- trgcn Fortschritte der Flugttchnik un-rbeu durch die eiw- faclie Mlfzahlung der hervorspringmden Punkte dieses Wetlbetverbs Innrerclieud charakterisiert: Es ist zwei Führern von kleine n Eindeckern B 16 r i o t gelungen, in sechs E t a p p e n ohne nennenswerte Stönmgen trotz ost sehr widrigev Winde und Lust st r ü m u n g e n einen R u n d s l u g durch ganz Nordo stf ran kr eich von Paris dis zu r'deut- scheu Grenze und von dort die Ardennen entlang über die P l c a r d re h i n toe g n a ch Pa r i S z n r ü ck d u r chz u.f ii h r e n Ferner imponrert die Tatsache, daß die Strecken ausnahmslos von bcu beiben Fliegern sehr schnell und ohne jede Zivischenlanduug bin eben t tuurbeti, daß sogar die Verirrungen bei den mehrfach berrfdveiitH'i! Nebeln schließlich nur geringfügig waren, wenn auch nicht ufiTauut werden darf, daß bei diesem sorgfältig vorbereitet en Flugunternehmen ber schwache Punkt die OrientierungS- Schwierigkeit in den Lüften gewesen ist. Was anfangs als eine ingeniöse Vorsicht bezeichnet wurde, nämlich die Bestimmung datz die Etappen immer durch einen Ruhetag unterbrochen werden tollten, hat sich m der Praxis vielmehr hinderlich für die Aviatiker erwiesen. Ein Kämpfen gegen widerstrebende Luftströmungen ist sozusagen immer noch unmöglich und es heißt durchs aus nicht, nachträgliih das Ereignis gehässig herabzirfetze,r, wenn man fcftfteilt, daß die beiden letzten Flugtage zum großen Glück für die .Konkurrenten sehr vom Wetter begünstigt waren. Paris, 17. Aug Nach der offiziellen Mlaffieruna wurde die heutige letzte Ejll-0! ppc ber Rundfahrt durch Ost? fraukrnch Amiens Paris zurückgelegt: von Leblanc in einer Stunde 16 Wnuiten mib 57 Sekunden, von Anbruu in einer hm.be 64 Win., 1 I i l mt iten tx1 bi ii n Flug techisiker find: 12 Stmiden 56 Sek., bezw. 13 Stunden, 28 Min. 16 Sekunden Lrdlanc gewinnt außer den Prei des im Betrage von 100 000 Franks noch fünf erste Preise und einen m» ihn Ti । für c inzeletappen, । m G a n ; c u I 2 7,000 a > A ubrun gewinnt nur Preise für Einzeletappen, und zwar fünf flionte und einen ersten Preis int Gesamtbeträge von 13000 Fr. Nene Finge der Franzosen. Paris, 17. Ang. Moisant, der um 5>, Uhr ansgestiegen war, um in iiruinterbrod). ner Fahrt nach London zu fliegen, llt in (S a l a i - gelandet. , 7 ö i Ufn i oni ‘V. , uiigestieg । ui hi L ■ 5 ilatcc 111,1 J : 1 1 Bensinmangel- gelandet 51 fHjtc von dort den Flug ixute morgen fort und wurde um b Uhr Dic Fahrt nach Maunhei nf. M a in S, 17. Aug. Jeannin startete um 7,15 Uhr zur zvabrt nach Mannheim. Wieneziers erlitt beim Anlau- Schaden eines Rades unb mußte die Fahrt für heute ausgebeu^ Der Apparat wurde in die Halle gebr'acht. M vn ti hei m , 17. Aug. Jea nuin ist in Sandhosen, etma sechs Kilometer vor dem Landiingsplatze, niederge- gangen. Ob er beute noch aufsteigen wird, ist zweifelhaft. Er hat Hllfe von In er erbeten. Beschädigungen bat der Apparat nicht erlitten. Jeannin hatte die R i ch t u n g v e r f e hl t Frankfurt a.M., 17. Aug. (Priv. Tel.) Nach einem bei der Oberlcitinig des Deutschen Fliegerbiindes aus Karlsruhe ein- gegangenen Telegramm hat der Groß her zog von Baden für den Ueberlandfttm Frankfurt—Mannheim nachträglich einen Ehrenpreis geftiftet. Auch der Deutsche Fliegerbund selbst hat einen batten Preis im Betrage von 5000 Mark für die. Strecke Franksiirt—Mainz ausgesetzt. Gernsheim, 17. Aug (Priv.-Tel.) Thelen, ber um 6 Uhr von OsinShenn zum Flug nach Mannheinr aufgestiegen war, ist hier wieder gelandet. ck Mains, 18. Aug. (Privattelegramm.) Der Schaden, den WeencKirers Apparat erlitten hat, bestand in dem Platzen eines Radreifens. Er mollte ursprünglich um 4 Uhr starten, mußte die tFalsrt aber dis 4-% Uhr verschieben bot die Monteure verspätet ankameu. Wieneziers stieg daun glatt ans, kehrte aber am (Ä)usenheimer Tor wieder um und landete abemmls, da der Motor nicht ordnungsmäßig lief. Nachdem der Motor ausgebessert war, erhob sich der Flieger um 5B/i lchr wieder und schlug nach einem schönen Bogen nm den Großen Sand die Richtung nach Worms ein. Um 6i/4 llhr lief aus ölsthoim die Nachricht ein, das; er wegen eines abermaligen Ntotor schade ns in der des Ortes landen mußte. Ein Kraftwagen mit Werk- neuflc» ging sofort nach Astheim ab. — Heute startet niemand mehr. Plochmann veiluchte eine Abfahrt, es blieb aber beim1 Versuch. Euler versuchte ebenfalls einen Probeflug• bei der Landung wurde sein Apparat schwer beschädigt L-cbenb. Schlacht, pro 100 Pfund Ochsen. lebend« Schlacht. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten von-diSvon-biS acwtdic Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 46—50 84—89 Junge, fleischige, nicht ausgemastete und ältere ausgemästete......42—45 Mäßig genährte junge und gut genährte ältere.........37—40 Färsen, K ü h e. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst. SchlachtiverteS........44—47 Vollfleischige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 39—44 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut cntiuicfelte jüngereKühe u. Färsen 33—36 64—68 Kälber. "Pneumatiks ausPa Pier. Tas Problem, ben ©nmmi* Pneumatik durch einen aus anderem Material besicheuden zu ersetzen, ist nach den „Jrwentious Illustr6es" einem Ingenieur gelungen, der von feiner Erfindung dem Automobilwesen große Vorteile verspricht. Die Decke des neuen Pneumatik begeht aus Papier, das durch großen Druck und durch chernische Bearbeitung zii außerordentlicher Tichitigkeit zusammengepreßt ist. Seine Wider- standSfähigkeit soll die des Stahls erreichen und seine Glasttzität der txs GuurmiS nicht nachstehen. Ter Papierpneumatik soll außer- dem die Vorzüge relativer Geräuschlosigkeit, der Unangreifbarkeit durch Wasser .und dichte Stoffe, sowie vor allem den der Mligkeit besitzen. \f folgende Jagdgeschichte lassen sich Pie englischen Zeitungen aus Irland berichten. Es wird behaup.fet, daß die Geschichte den Vorzug hat, wirllich passiert zu sein., Em Herr unternahm in der vorigen Woche eine Rmrdfahrt durch Urlaub in seinem Automobil. Auf der Landstraße hatte er das Pech, erneu Hund zu überfahren. Der Besitzer des Tieres der nut einem Gewehr bewaffnet in der Nähe stand, war außerordentlich entrüstet und beschwerde sich bitter über feinen Verlust. Er faßte, das jticr fei sehr wertvoll gewesen und sein Jagdvergn.ügen würde sehr leiden. Er verlangte eine Entschädigung von Sterling, die zu geben der Automobilist sich weig.'rte. Schließlich einigte man sich auf zwei Pfand. Nachdem der $Xrr mciterflefabren war, fiel ihm ein, daß noch Schonzeit für olles Wild ist, uiid er Myrte deslmlb zurück unb fragte den Irländer, was für eine Jagd er eigentlich ihm gestört habe. Der Ire erklärte, er wisse schon, daß alles Wild Schonzeii habe, er sei awS- gezogen, um feinen Hund zu schießen, der ihm schon zu alt geworden s e i. ♦ Eilt. „Denken Sie sich, Herr Rat, voriges Jahr, alÄ Sie grab einen Tag fort waren, bat der Postbote noch cinert Brief far Sie gebracht; ich muß ihn doch gleich herauSfa'ckyeN/ es hat „(Silt' darauf gestanden." Kleine Tageschronik. Aus Leipzig meldet man: Die Brüder Karl und Friedrich KoppiuS gestanden, den Mord an den Friedrichschen Eheleuten und den Anschlag in der Liviastraße gemeinsam verübt zu haben.! Den lleberfall auf den Briefträger Rübner und den Mord- 17. 2„ 752,0 22,0 10,4 53 W 4 17. yW 750,2 16,2 12,2 89 W 2 18. 7«. 749,8 14,0 10,7 91 SW 2