Rr 1958 Der •ferner 2fo$dgct erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich KietzenerFamilienblätter; zweimal wöchentl.Xreis- blatt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); «veimal monatl. Land- >irtschafttiche Zeitfrageu iZernsprech - AnsckKüffe: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition £>1 Adresse für Depeschen Anzeiger Stießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnmnmer bis vormittags 9 Uhr. «rsttS Blatt 160. Jahrgaag DoimrrStag 18. August 1919 jijmiiMr jhu- * mT g-hretS: “ fw Ak ' V monatlich 75Pf., viertel- Gietzemr Anzeiger Wir Verantwortlich für den Eeneral-Anzeiger für Sberhessen ZW RofdtoüsbrtKt und Verlag der vrühl'schen Anio.°v«ch- and Steiudruckerei R. Lauge. Reöaffion, Expedition und vruSerei: Schulftratze r. 8^eig-nte?l^'H^B«ck. Vie Zleischversorgung veutschlMds und Gesterreich-Ungarns. Der Getreideexport Oesterreich-Ungarns ist gegen früher stark zuruckgegangen; bald wird die Produktion von Brotgetreide kaum mehr für den einheimischen Bedarf ausreichen, und Oesterreich-Ungarn verwandelt sich demgemäß allmählich aus einem Getreide ausführenden in ein Getreide einführendes Land. Aehnlich scheinen sich die Ver- bältnisse hinsichtlich der Schlachtviehproduktion Oesterreich-Ungarns gestalten zu wollen. Veranlaßt durch die hohen Fleischpreise, verlangt man jetzt innerhalb Oesterreich, besonders in Wien, sogar ein Verbot der Ausfuhr von Schlachtvieh. Wäre der Fleischkonsum auf den Kops der Bevölkerung in Oesterreich-Ungarn ebenso groß als in Deutschland, dann hätte ein solches Ausfuhrverbot schon längst erlassen werden nrüssen. Denn der Viehbestand ist in Oesterreich-Ungarw im Verhältnis zur Bevölkerung int ganzen geringer als int Deutschen Reich. Auf den Kopf kommen nämlich im in Deutschen Reich Oesterreich-Ungarn Rindvieh .... 0,322 0,315 Stück Schweine.... 0,346 0,190 „ Schafe..... 0,120 0,200 „ Ziegen..... 0,055 0,026 Die Kopsguote Oesterreich-Ungarns übertrifft hiernach nur bei Schafvieh diejenige Deutschlands. Bei Rindvieh und besonders bei Schweinen bleibt sie- dagegen hinter dieser zurück. Geflügel und Wild bilden diesem Unterschied gegenüber nur einen geringen Ausgleich. Angesichts des geringen Schweinebestandes der österreich-ungarischen Monarchie ist es sehr erklärlich, warum Oesterreich-Ungarn von dem ihm durch den letzten Handelsvertrag gewährten Kontingent für die Schweine-Einfuhr nach Deutschland bisher keinen Gebrauch gemacht hat. Ar Deutschland kommen auf den Kopf fast doppelt 'soviel Schweine als in Oesterreich-Ungarn. Dagegen war unsere Rindvieh- Einfuhr aus Oesterreich-Ungarn bDher recht bedeutend, und ein Ausfuhrverbot Oesterreich-Ungarns — das aber den Bestimmungen des Handelsvertrags gegenüber sich kaum rechtfertigen ließe — würde in Deutschland, besonders in Bayern, Sachsen, Schlesien, sehr fühlbar werden. In den . wei Jahren 1908 und 1909 zusammen haben wir u. a. nus Oesterreich-Ungarn 87 000 Stück Ochsen int Wert von 58 Millionen Mart, 31000 Stück Kühe im Werte von annähernd 12 Millionen .Mark und 46 500 Stück Jungvieh int Werte von 11—12 Millionen Mark erhalten, außerdem für iy2 Millionen Mark Rindfleisch und für 28 Millionen Mark Federvieh. Früher war diese Einfuhr größer, und besonders in den achtziger Jahren kamen auch sehr viele Schweine aus Oesterreich-Ungarn zur Einfuhr. Hat bisher die Einfuhr von Schlachtvieh nnd Fleisch aus Oesterreich- Ungarn schon nachgelassen, so dürfte fie sich in Zukunft noch weiter vermindern, und Oesterreich-Ungarn wird schließlich an der vertragsmäßigen Herabsetzung unserer Vieh- und Fleischzölle nur noch wenig Interesse haben, wie es schon jetzt an der Ermäßigung unserer Brotgetreidezölle kein Interesse mehr hat. Dieses Verhältnis wird sich fteilich ändern, wenn nach Ablauf der gegenwärtigen Handelsvertragsperiode Oesterreich und Ungarn sich wirtschaftlich trennen würden und Ungarn zu einem selbständigen Zollgebiet sich entwickelte. Reformen im hessischen Schulwesen. Aus Darmstadt wird uns über zeitgemäße, sehr zu begrüßende Reformen int hessischen Schulwesen geschrieben : Für das Unterrichts wesen in Hessen steht in nächster Zeit eine anderweite Regelung verschiedener wichtiger Fragen auf dem Gebiet des Volksschulunter- richts bevor. Es wird zunächst gelten, das Verhältnis zwrschen KircheundSchule neuzuregeln, wobei in erster Linie die Frage des Vorsitzes im Schulvorstand und die anderweite Regelung des Organistendienstes in Betracht kommen. Bekanntlich ist schon vielfach von evangelischen Geistlichen an die Behörde das Ersuchen gerichtet worden, sie vom Vorsitz int Schulvorstand zu entbinden, da dieses Amt für beide Teile, Geistliche ioie Lehrer, schon häufig zu mißlichen Lagen geführt hat. Bezüglich des Organistendienstes hat das Großh. Ober- konsistorium eine Verordnung erlassen, die in den interessierten Kreisen zumeist nicht gebilligt wird; eine endgültige Verständigung darüber im Sinne der Lehrer kann auf die Dauer nicht umgangen werden. Auch das Seminarwesen und der Studienplan der Lehrerseminare bedarf einer Neuordnung, wobei auch besonders die Frage zur Entscheidung kommen muß, ob es möglich und namentlich auch praktisch sein wird, die Seminarien mit den Präparandenanstalten zusammenzulegen, was in den Kreisen der Lehrer aus verschiedenen sachlichen Gründen sehr gewünscht wird. Einen weiteren wichtigen Punkt im hessischen Unterrichtswesen bildet dann die Umgestaltung des Lehrplans der höheren Mädchenschulen, der im Hinblick auf die vielfach veränderten Anforderungen des praktischen Lebens eine durchgreifende zweckmäßige Verteilung des Lehrstoffes erfordert. Zu den wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit gehört auch die anderweite Regelung des Religionsunterrichts, für dcreck Vorbereitung 'auch das Obertonsistorium bereits unter dem Vorsitz seines Präsidenten D. Nebel einen umfangreichen Ausschuß niedergesetzt hat. Natürlich sind bei dieser Neuregelung in erster Linie auch die hessischen Lehrer interessiert, wie die in den Bezirks verein en oes Hessischen Landeslehrervereins darüber gefaßten Beschlüsse beweisen. Wenn auch die Berichte der Bezirksvereine noch nicht vollständig vorliegen, so ist doch jetzt schon die Tatsache festzustellen, daß die Lehrer an dem Religionsunterricht in der Volksschule im vollen Maße festgehalten wissen wollen, dabei aber eine zeitgemäße Reform dieses Unterrichtszweiges für dringend erwünscht halten. Zur Steigerung des Erfolges beim Religionsunterricht wird von den Vereinen zumeist eine wesentliche Beschränkung oder Verminderung des Stoffes verlangt, besonders auch, um füch die wichtigeren .Gebiete des Religionsunterrichtes mehr Zeids zu gewinnen. Hier wird die Hauptsache die Heraus--' labe einer neu geordneten biblischen Ge- ch i ch t e sein müssen, mit der z. Z. auch der erwähnte Anschuß befaßt ist. Den Mittelpunkt des Unterrtchts soll! )as Leben und die Lehre Jesu bilden. Der Katechismus- unterricht soll eine einfache Darstellung des religiös-sitt-i lichen Lebens bieten und int allgemeinen wünscht man, daß sich der Religionsunterricht weniger als seither an den Verstand und das Gedächtnis der Schüler wenden soll; vor allem müsse auf die Erweckung des religiösen Lebens Bedacht genommen werden. Der gesamte Religionsunterricht soll nach der Forderung der Lehrerbezirksvereine nur nach pädagogischen Grundsätzen gestaltet und die Aufstellung des Lehrplans und die Beaufsichtigung des Unterrichts lediglich Sache der Schulbehörden sein. Für die Lehrerseminare wird gleichfalls eine Umgestaltung des Religionsunterrichts in den; Der Raiser im Taunus. Cronberg, 17. Aug. Dec Kaiser ging heute früh mit Herrn v. Plessen und seinen Schwestern im Park zu Friedrichshof spazieren, besuchte dann das Osfiziersheim TaunuS in Falken st ein und den Bankier Karl v. Grunelius auf seiner hiesigen Villa. Zur Frühstückstafel sind geladen: die Professoren Dr. Spieß und Rehm aus Frankfurt a. M., Frau Baronin v. Reischach, Bürgermeister Pitsch und die Offiziere der Wache. Homburg v. d. H., 17. Aug. Der Kaiser fuhr kurz vor 3 Uhr von Schloß Friedrichshof mit der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nebst Gefolge zur Saal bürg und besichtigte dort unter der Führung von Landesbau-Jnspektor Jacobi die neuen Funde von den KasteÜs Saalburg, Zugmantel und vom Herzberg. Er fuhr dann nach dem Bahnhof Homburg, wo er unter Führung von Oberbürgermeister Lübke die Modelle zu dem Kaiserin-Auguste-Viktoria-Brunnen und zu der Luftschiffersäule, welche beide für Homburg' bestimmt sind, in Augenschein nahm; dann besah sich der Kaiser noch die Superporte über der Eingangstür des Fürstenpavillons. — Um 4 Uhr 10 Min. reiste der Kaiser im Sonderzug nach Wilhelm shöhe ab. Berlin, 17. Aug. Reichskanzler v. Bethmann- Hollweg und Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter sind heute mittag nach Wilhelmshöhe abgereist. WilhelmShöhe, 17. Aug. Der Kaiser ist heut abend um 7 Uhr 50 Min. hier eingetroffen. Reichskanzle von Bethmann-Hollweg und der Staatssekretär de§ Auswärtigen Amtes v. Kiderlen-Wächter sind gleichfalls hier angekommeü. Fachkreisen für erforderlich erachtet Vie Yber bei Gravelotte ((8. August M0). Erinnerungen eineß alten 116 ers. Die folgenden Zeilen sind die unter dem frischen Eindruck des Kampfes niedergeschriebenen Erlebnisse eines Veteranen, der an seinen Aufzeichnungen nichts ändern und nichts bessert! wollte, um ihnen den Reiz der unmittelbaren Anschaulichkeit zu erhalten. Auch wir haben nur einige unwesentliche Aenderwngen vorgenommen. Die Schriftltg. In meiner Erdmulde, die ich am Wend ausgegraben hatte, schlief es sich etwas hart und feucht, sonst aber recht gut und nach einer so überftanbenen Nacht schmeckt der Frühkaffee, sollte er auch gleich unserem auf den kahlen Feldern bei Gorze, aus zweifelhaftem Wasser bereitet, vor Sonnenaufgang im Frühnebel serviert werden. Das Kaffeegeschirr, d. h. der Deckel des Feldkessels, war wieder auf den Mantel geschnallt (die Tornister waren am 16. August abgelegt worden, kamen erst am 19. oder 20. wieder zu uns), sein Herr saß entweder sinnend auf dem Mantel oder suchte in irgend einer Ecke noch ein kleines Morgenschläfchen zu improvisieren. Bald wird aufgebrochen. Langsam entwickelt sich das Regiment in Linie und fort über die öden Felder zieht die Division. Manchmal tönt vorn der Rus: „Achtung Granate!" Alles weicht sorgfältig den noch vom 16. her unkrepiert hier am Boden liegenden Geschossen aus, oder die Mannschaften machen einen kleinen Bogen um einen gefallenen Kameraden. Es liegen ihrer noch so viele unbeerdigt umher, zu viele sind beim Kampf um Vionville gefallen, um sie an einem Tage beerdigen zu können. Die Zeichen der Schlacht von Mars-la-Tour mehrten sich; erst waren es rote Husaren, die den Boden bedeckten, dann tarnen einzelne verlassene französische Lager, Beile und Kochgeschirre lagen zwischen den toten Nochen, dort stand die Gamelle noch mit dem kleingeschlagenen Biskuit; zum Ausguß der Suppe war es nicht gekommen und in der Manille auf dem Feldherd steckte noch ein ganzer Schinken. Trotz des Hungers rührten unsere Leute nichts von all den Sachen an, es war die Scheu vor den Leichen, die dabei lagen, als aber ein Soldat einen Sack ausschüttete, dessen Inhalt sich als weißer französischer Zwieback erwies, da fiel alles aus den Reihen heraus darüber her, um sich den Brotbeutel voll zu stopfen. Noch an den erbeuteten Biskuits kauend und knackend, zog die 5. Kompagnie weiter, bis sich in einem flachen Tälchen ein Anblick bot, der manchem den Brotbrocken int Halse stecken ließ. Hier mußten bei dem berühmten Reiterangriff der Brigade Bredow die französischen Kürassiere auf die unsrigen gestoßen sein, denn auf dem grünen Wiesengrund zwischen toten, starken Gäulen lagen riesige, kräftige Gestalten in blankem Stahl- panzer durcheinailder, unsere Reiter im weißen Waffenrock, die Franzosen in den blauen Fräcken und Helm mit Roßschweif, zwischen den vielen toten Reitern steckten die mächtigen Pallasche in der Erde wie Grabfteuze auf einem Friedhos. Sonst war es ruhig *unb still hier, die Sonne funkelte in den blanken Paukern, den Helmen und den langen Klingen. Ruhig und schweigend marschierten wir durch die Leichen der tapferen Gefallenen weiter. Wieder war eine Geländewelle erstiegen, da zeigten sich die charakteristischen und für den, der sie einmal gesehen hat, unvergeßlichen Rauchwölkchen am blauen Himmel ab, und wo sich eines entfaltete, folgte auch bald darauf ein Knall: das Schrapnell war geplatzt. Jetzt war kein Zweifel mehr, es ging wieder los. Immer munterer flogen die Rauchwölkchen über uns, immer häufiger ertönte der Knall der Geschosse. Die Nähe des Feindes, die Aussicht auf ein Gefecht wirkte, hie und da meldete sich ein Mann zum Austreten; wurde ihm die Erlaubnis gewährt, so blieb ein Unteroffizier mit ihm zurück, üm ihn sofort nachzubringen. Vor uns verbarg ein Wald die feindliche Stellung sowie jede Aussicht überhaupt; hier wurde Halt gemacht, das 1. Bat. schwenkte mit den Jägern rechts ab, wir nahmen Angriffsstellung. Vom die 8. Kompagnie, dann die 6. und 7., hinten die 5. Komp. Vor uns feuerte unsere Artillerie heftig, rechts neben uns hielt Prinz Ludwig, unser verehrter Divisions-Kommandeur, mit dem Stab und einer Eskadron vom 1. Reiter-Regiment. Unser Brigadier Wittich ritt wie ein Blitz überall umher. Waren bisher einzelne Granaten herüber geflogen, so entwickelte sich jetzt ein wahres Brillantfeuerwerk von Granaten und Schrapnells, die vorläufig noch meist harmlos in der Luft verpufften Doch ehe die rechts abmarschierenden Jäger im Walde verschwanden, riß eine Granate einen Stabsoffizier vom Pferd; auch bei uns kamen sie immer häufiger und dichter. Die Bedeckung des Divisionsstabes machte stets eine hoffähige Verbeugung, wenn ein französischer Eisengruß über sie weg zischte; Prinz Ludwig jedoch hielt stramm und ruhig, mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht, in der Mitte. Die Herren Franzosen hatten sich allgemach besser eingeschossen, immer mehr schlugen die Gr. ten in die Batterie vor uns; eine Rauch- und Staubwolke hüllt das ganze Geschütz ein, ein Feuerstrahl schießt in die Höhe, Erdschollen, Steine und Fetzen fliegen in dem grauweißen Dunst umher, von der Bedienungsmannschaft fallen einige zur Erde, und einer kriecht mit furchtbarer Hast am Boden weiter, um aus dem Bereich der Spreng- stücke wegzukommen. Ein Teil der auf der Erde liegenden Kanoniere erhebt sich wieder, blickt sich verwundert um, rückt den HelmGurecht, wischt mit dem Aermel Staub und Erde aus dem' Gesicht und geht wieder an das Geschütz. Der Schuß hat ihnen nicht geschadet; einen mitleidigen Blick gönnt wohl noch jeder dem Kameraden, der so rasch auf allen Vieren aus dem Dampf der springenden Granate kroch, er richtet sich noch einmal jäh in die Höhe, die Hände fahren nach der linken Seite, dann fällt schwer der Kopf hintenüber und in einer Blutlache liegt ein braver Toter; das Sprengstück hat ihm die ganze Seite aufgerissen. Doch die Artillerie trifft das Schicksal nicht allein, immer dichter um und in das Viereck, das vier Kompagnien bilden, fallen die Geschosse; in die 7. Komp, hat bereits eine Granada eingeschlagen. Dort am Waldrand sprengt Oberst v. Wittich, da zischt es durch die Lust, und Mann und Roß verschwinden im Feuer und Dampf der springenden Bombe; daß er vom Pferde gleitet, kann ich noch deutlich erkennen. „Er ist gefallen," rufe ich unserem Hauptmann zu, „Ruhig," ist seine gan-e Alttwort, Rasch, wie er zur Höhe gefahren, ist der Rauch verschwunden: es zeigt sich der alte Oberst unverwundet, nur fein Pferd, von dem er sofort abgesprungen, hat einen Schuß erhalten. Da fallen wieder ein paar Geschosse in die 6. Komp.; aus der 8. steigt auch eine Rauchsäule auf. In unheimlicher Bewegung wälzen sich und kriechen ein paar Körper hinter die Front: schon wieder schlägt eine Granate in die vorderste Kompagnie sie wechselt, um dem Feuer zu entgehen, ihren Platz —, wo sie gestanden, dampfen einige schwarze Höhlungen im Boden> daneben liegen einige tote Soldaten. Hinter mir waren auch in unserer Kompagnie einzelne Leute durch Sprengstücke verwundet worden. Zu dem Sausen der großen Geschosse kam nun; noch das feine Zischen der .Chassepotkugeln — man schlug sich im Walde. Endlich hieß es: „Auf, das Gewehr über, ohne Tritt, marsch!" So ging es Gott sei Dank vorwärts, denn es ist keineswegs angenehm, von einem unsichtbaren Feind in der freigebigsten! Weise mit Granaten beworfen zu werden, ohne dafür feinen Dank abstatten zu können. Auf gleicher Höhe mit der Artillerie, etwa staute sich der Marsch, wir (die 5. Komp.) kamen direkt? an eine Waldecke zu stehen; das war ein netter Platz. Wie in, einem Kirschbaum voll Spatzen, so zwitscherten und raschelten- hier die Kugeln durch die Aeste; es ist fast buchstäblich zu nehmen, wenn ich sage, die Sträucher an der Waldspitze hatten fast kein grünes Laub mehr, die Blätter waren durchlöchert ober von den Kugeln abgeschlagen. Das Gewehr auf der rechten Schulter^ die Hand am Kolbenhals, trampelte ich am rechten Flügel des Zuges, ich wollte fort, weg von dem unheimlich pfeifenden Waldeck, vorwärts, an die Franzosen. Hier brach hinter mir mein Flügelmann im -weiten Glied lautlos zusammen^ Endlich hieß es: „Los, vorwärts!" Mit einem mächtigen Satz! war ich weg und stand vor einem sehr tiefen, noch frischen Bahneinschnitt; ohne Besinnen sprang ich den steilen Abhang hinunter und dachte noch flüchtig, wie wird wohl unser schwerer Kompagniechef mit seinen Sporen hinunter kommen? Allein, zu langem Nachdenken war keine Zeit; denn hatten die Kugeln schon oben unheimlich gepfiffen, so sausten sie verdoppelt auf der Sohle der Bahn, aber einerlei, vorwärts! Der Anlauf herunter half auf der anderen Seite hinauf. Der Kolben wird noch einmal aufgestemmt und hurra, oben sind wir; da klettern anders auch schon am Rand herauf, ja, vor mir im Feld laufen schon einzelne Musketiere, nur von den Franzosen noch immer keine Spur und doch schießt es heidenmäßig. Also vorwärts, aber da steht ein Drahtzaun im Weg, mit kräftigem Ruck wird ein Pfosten des Zaunes aus der Erde gerissen und ein gutes Stück des Hemmnisses liegt am Boden. Weiter geht es im Laufschritt bat Abhang hinunter durch einen Kleeacker. Vor, hinter und neben mir taufen und stolpern die Kameraden. Von Kompagnie ist keine Rede mehr, alles stürzt durcheiander; der Uebergaiig übet den Bahneinschnitt hat alle Ordnung gelöst. In der wie eine Herde durcheinander eilenden Menge taucht nun, hier und da den Säbel schwingend, ein Offizier auf Und. in all das Hurrageschrei zischen und pfeifen die Kugeln und brüllt' das schwere Geschütz, begleitet von dem dumpfen Knall der springenden Granaten. Hier fiel mein treuer, lieber Jugend^ freuitb, der Leutnant Georg Gail. Wir mußtar vorwärts, den Hang völlig hinab über ans .kleine Ausland. 5um Besuche Zallieres in -er Schweiz. M die Franzosen nach dem Verspiele ihrer Nachbarn befrei en, ist als Alle vorg s en daß cm aus dem Volksiml en bearündetes nur hnrA ht 1 * ^uee vorgefeyen. daß ein aus dem Volkswillen begründetes Regime nur durch die Kraft der individuellen Willen einen Wert hat und daß eine angenommene Republik nicht ein Kampfplatz sein kann " vigungs-Formel gefunden worden und dieser erste Erfolg zieht andere imch sich. Wir wünschen, daß die heutigen Feste die rnora- liichen Verbindungen zwischen deu beiden Landern entwickeln. ,. ' Kriegerta g der Hassia findet am Sonntag hier statt; 38 Vereine nehnren teil. 2lus Stadt und Land. Gießen, 18. August 1910. wandem und Reisen. ** S)er öranffurter V.H.-C. unternimmt E-onn-f tag, 21. Ang., seine 9. Vereinswanderung, die die zweite ”, Vier neue Straßenanlagen, bezw. die Pläne dazu, liegen auf dem städtischen Tiefbauamt zu jedermanns Einsicht offen. ?ri r' * ~ ~ ber Mitrailleusen den bekannten dumpfen Knall der Zündnadel- geivehre, dann das laute Hurra, die Regimenter gingen vor Wie Spatzen aus einem Kornfeld, so hob sich aus allen Gräben und Furchen vor uns ein Schwarm von Franzosen, sie eilten, den Höhenrücken St. Privat-Arnanvillers zu gewinnen. Bei Erscheinen dieses dichten Fluges Nothosen konnte man manch verwundertes Gesicht sehen und Rufe des Erstaunens hören, denn vorzüglich gedeckt hatte der Feind mitten in einem Schützengraben versteckt gelegen. „Ei das sei ja e ganz Mass', Herr ökorporal", meinte lehr verwundert em blraver Oberhesse. „Drauf, wo es ruSffM. Jr?;r me^?c uni) hinter der ausreißenden Gesellschaft pfiffen unsere Abschiedsgrüße her. s toarer1]- die französischen Schützen hinter dem Kamm der Anhohe verschwunden, so fuhr bei uns Garde-Artillerie auf um die oben liegenden Dörfer zu beschießen. Ein Batteriechef gab uns den guten Rat, uns^zu verziehen, dem wir auch folgten, uw uns nach rechts, nach Amanvillers zu, zu sammeln; dort traf ich mit meinen Musketieren und Leutnant Kullmann und Walter' welche aus dem, was vorn 2. Regiment sich vorfand, einen Trupp von 144 Mann ausgestellt hatten, der als „Soutieu" einer Schützenkette von 23 Jagern diente. Unterdessen war unter uns im Grunde eme Kolonne aus Mannschaften des 2. und 1 Regiments gebildet worden. Oberst v. Wittich stellte sich an die Spitze und führte sie persönlich vor bis an den Damm der Bahn. Als die Sturmkolonne hinter dem Bahndamm Halt inachte, wurde ™ir ?on Leutnant Walter der Auftrag erteilt, dem Oberst Kraus, welcher sich ebenfalls am Bahndamm befand, zu melden^ daß hier oben 144 Mann vom 2. Regiment gesammelt wordew lZen und als Soutreu der Jäger Verwendung gefunden hätten. Mit mmr Patrouille von 3 Mann, darunter unser tapferer Gefreiter Becker, auf den ich mich verlassen konnte, machte ich mich aus den Weg; das zu durchschreitende flache, kahle Feld lag ■lii' ™ ödtufebeteid) und um und über uns pfiffen reichlich die Chassepot- und Mitrailleuse-Kugeln, jeder Schritt konnte unser letzter sein; daß wär vier ohne einen Schuß anlangten, ist nur heute noch ein Wunder. Ich machte meine Meldung, und gehorsam der militärischen Vorschrift, legte ich den angenehmen Weg wieder zurück, um die Ausführung des Auf- trags zu melden. Ich war nun aber rechtschaffen müde geworden und suchte nach einem etwas geschützien Ruheplätzchen, dabei stieß ich aus einen armen Teufel, der, durch beide Beine geschossen^ ruhig auf feinem Mantel lag. Wie freute er sich, als ich ihm ein n^nig Wasfer mit Rotwein aus mlciner Feldflasche geben konnte und ihm dabei tröstend versicherte, fein Schuß sei nicht schlimm, hoffentlich habe ich ihm die Wahrheit gesagt; dann kroch ich hinter einen Gefallenen als Deckung und schlief ganz gut, soweit es die noch immer währende Schlacht zuließ. Endlich ließ daA Feuern nach, hier und da .knatterte es noch einmal heftig, allmählich wurde es still und dunckel, die Nacht brach herein. Unser Trupp wurde zum Regiment geführt, welches dann am Damm hinauf etwa in unsere »alte Stellung bei Beginn der Schlacht am Bois de la Cusse gezogen wurde. Das 4. Regiment ruckte an uns vorbei auf Vorposten für die Nacht. Es sollte nrÄ Wasser geholt werden, allein ich roartete dies nicht mehr ab hieb nur ein paar Zweige im Gebüsch abl als Matratze, deckte meinen Mantel darüber und lag bald in einem Schlaf, so tief und gut wie im schönsten Bett. Heber dem Schlachtfeld schwebte der Pulverdampf und der Rauch brennender Dörfer. wichtig, in unserer linken Flanke schauen am Horizont über dem ^ar^C Eriche, ob Menschen, Steine oder sonst was ' ilch.nicht unterscheiden. Also einfaches Mittel zur Erforschung man schießt üuraust krabbelts, so siuds Franzosen. blriBtä nX Entfernung jedoch war zu gros;, manchmal schien es, als ob sich dort was bewege und dann wieder, als sei uur Täuschung; mit einmal kam — Gott weiß woher —, bas Gerücht, es ist die Garde und die Sachsen. Also sparen wir lieber unser Langblei für unsere alten vis-ä-vis als Austausch 2SL bl^S,e?OtU9rin\bie iun§ noch freigebig zusandten. Dir „Steine links wurden Nicht mehr beachtet, bis sie plötzlich sich zu bewegen unb zu wachsen; sie kamen über die «?obe. Ta war mehr aus den schwarzen Dingern geworden, als man vermuten konnte; Bataillone mit fliegenden Fahnen, voraus, davor ausgeschwärmte Schützen; rechts und links Kompagmekolonnen, die ebenfalls ihre Schützen- limen vor sich hatten, kurz, der rechte Flügel der w 81I£ Sturm auf St. Privat, deutlich klang die Musik der Regimentskapellcn herüber, Tambour und Porten sich, die Schützen begannen zu feuern und vor- martö ruckte das Ganze ruhig und in Ordnung wie auf deni iLxerzierplatz. !?luch Unter unseren Männern regte sich wieder die Lust zum Vorgehen; wir durften nicht, denn unsere dünne, durch Verttrste fchon sehr zusammengeschmolzene Schützenlinie hätte einem energi- fchen Vorstoß des Feindes unmöglich standhalten können. Warf man uns über den Haufen, dann war die linke Flanke der Garde frei bo schoßen wir denn von unserer Positton aus weiter und beobachteten nut Spannung, was bei der Garde vorging. Je weiter tapfere Truppe auf dem flachen Felde gegen das befestigte • Jsriöat öorriirfte, umfo unheimlicher mehrten sich die schwarzen Gestalten, die sie auf ihrem Weg zurückließ. Viele, zu viele lagen im Feld zerstreut ruhig da, das Pfeifen der Kugel, die Herz oder Hirn zerriß, haben sie nicht mehr gehört, andere wälzten sich in Ichwerem Todeskampf; zu drei, zwei oder allein suchten wieder andere sich aus dem Feuerbereich wegzuschaffen. Es waren Verwundete, bereit Zahl sich in erschreckender Weise mehrte. Wohl stürmte die Garde mit großer Tapferkeit vorwärts, wir feuerten mit erneutem Eifer auf die französische Position umsonst; die Kugeln fielen wie Erbsen aus einem Sack geschüttet in die Reihen der Soldaten. Die Schützen begannen zu wanken, sie zogen sich auf mc „©outicu'/ zurück; Granaten rissen die geschlosse- d a t a i l l o n e und Kompagnien auseinander, die Mitrailleusen orgelten und rasselten wie wahnsinnig, und da, .^a zeigten sich Gestalten, die sich aus den noch geschlossenen Massen loslösten; einzelne, dann immer mehr suchen laufend aus der Feuerlinie zu kommen. Alles stockt, wankt, die Garbe geht zurück! war ein schlimmer Augenblick. Eine fliehende Truppe wirkt ansteckend; einzelne, nur sehr ein- ^lne von unseren Leuten begannen sich aufzurichten und machten Miene, sich zu drücken. Schlimm kam mir die Sache vor, allein, fetzt war es erst recht Pflicht, zu bleiben. Also wieder einmal drohe ich mit angeschlagenem Gewehr, jeden, der fortläuft, noch eine .Kugel mit auf den Weg zu geben. , , Garde jedoch war indessen nicht weit zurückgegangen, man sah deutlich, rote bereits durch Offiziere überall gesammelt wurde. Bald waren wieder Bataillone und Kompagnien formiert, Schützen Wi-Dannten Dor, aus der Schützenlinie flog weißer Rauch auf und bald horten wir von links her durch all bas Höllengerafsel Wiese, dort drängte sich alles in einem kleinen, mit hoher dichter Jpecfe umschlossenen Raum zusammen, es war unser erster Halt seit dem Uebcrgang über die Bahn. Fluchend und schimpfend stand und lag alles hinter der Hecke, vom 1. und 2. Regiment waren die Soldaten durcheinander gemischt, auch etliche Jäger darunter Mit dem Faschinenmesscr versuchte ich ein Loch in den über manns^ hohen Weißdorn zu hauen, denn schießen wollte ich nun endlich auch einmal auf die Franzosen. Wenn man die Kerle nur einmal zu Gesicht bekommen könnte. Bereits lagen Verwundete auf dem Gras, als ein Offizier in den Raum hereinstürmte. „Heraus," rief er, „wenn die Franzosen nicht durchkommen sollen!" Tie Gewehre flogen wieder auf die Schultern und unter „Hurrch ging es zu ber Hecke hinaus, den vor uns liegenden flachen Hügelrücken hinan. Ein Stück weit liefen wir noch, dann ließ sich alles meder, teils in einer Furche, teils an einem Feldweg, wo eine notdürftige Deckung sich bot. Jetzt tonnte man das vorliegende Gelände übersehen; ich war ziemlich an den äußersten Huken Flügel geraten, rechts dehnte sich eine lange, dünne Schützen- Imie bon Musketieren des 1. und 2. Regiments und Jägern bunt bu5“JCo,nanbcr 111 ber Richtung nach dem Uebcrgang der Straße nach Arnanwciler über die Bahn, wo ein kleines, im Bau begriffenes Wärterhaus stand. Auf der Höhe am Bois de la Cusse feuerte unsere Artillerie Hnks lagen nur noch wenig Mannschaften und die weitere Aussicht fchlost mit dem Rand des Höhenrückens ab. Aber vor uns oder eigentlich über uns, da waren sie, die wir gesucht, die Herren Rothosen. Auf dem Kamm ber Höhe sah man den Turm von St. Privat, auf dem Höhenrücken stand französische Artillerie und unter dieser am Hang, vorzüglich eingedeckt in Schützengraben, manchmal in 4—5 Etagen übereinander, lagen die feindlichen Schützeii,, von denen höchstens der Kops sichtbar war. Aus die große Entfernung von mindestens 800 Schritte war dies Zielobjett, denn unsere Schießübungen hatten sich über 400 Schritte nie erstreckt. Hinter mir kniete ein Hauptmann vom 1. Regt, unb ein junger Vizefeldwebel. Das Schießen war immer greulicher geworden; droben rasselte und orgelte eine Anzahl Mitrailleusen in dem ihnen eigenen un- Adlichen Ton; dazwischen brummten die Kanonen und knatterten Chassepot und Zündnadel, mit wunderbarer Geschwindigkeit über uns weg flogen Bomben, deutsche und französische Granaten. Leuten wurde das Stilliegen langweilig und plötzlich lief die Losung der Linie entlang.- „Wir gehen vor, wer geht mit? Einige verwegene Gesellen machten sich schon auf k Feldwebel Dörr von ber 5. Kompagnie erschien unbcrn^ -V es falle alles liegen bleiben, es sei Befehl von Oberst v. Wittich. Da: rechts von uns auf der Höhe erschien ein franzöfisches Regiment in Linie. „Jetzt gilts", hörte man < • uttb £ort m unserer Reihe: kräftig wurde nochmal in die Kammer gespuckt und die Patrone wurde energischer ^u..den geschwärzten Lauf gestoßen; wir erwarteten den Angriff. Aber da krachte es bei unserer Artillerie, es stöhnte unb gurgelte über uns in der Luft, mitten in dem französischen, .Regiment mhr eine Feuersäule in die Höhe, in der Steine und ^prengitücke herumwirbelten: eine zweite, dritte nnd mehr Granaten folgten. Rasch an den Kopf unserer Musketiere flog ihr Gewehr, sie wollten hinter den Kanonieren nicht zurückbleiben und btc ganze Linie entlang knatterte es munter. Nack) einigen Jnnuten roar das Regiment verschwunden, einen Angriff hat es nicht mehr gemacht „Herr Korporal." fragte ein Mann, „was iß das öa iroroe links? Der Peter sägt, es roern Franzose, ich mein, es fein >rtein, es bewegt sich gor net." Ifch l., 17. Aug. Sämtliche Mitglieder des Kaiserhauses sind Kur Feier des Geburtstages des Kaisers ein-, lllu getroffen. In der Villa des Kaisers fand eine Ausführung bei des von der Erzherzogin Maria Valerie verfaßten Fest-' " spie les, betitelt ,-.Huldigung der Alpenblumen", unter Mitwirkung der Kinder der Erzherzogin statt. Im Kurth e ater wurde eine Festvorstellung veraustaltet. Tie festlich geschmückte Stadt war abends glänzend beleuchtet. Auf den die Stadt umgebenden Bergeshöhen loderten Freudenfeuer auf. Ein wirkungsvolles Feuerwerk wurde abgebrannt. Eine unabsehbare Menschenmenge wogte durch die Straßen und bereitete den die Beleuchtung besichtigenden Mitgliedern des Kaiserhauses lebhafte Huldigungen. Karlsbad, 17. Aug. Im reichgeschmückten Saale des Karlsbader Kurhauses fand heute vormittag die feier-! liche Ueberreichuug der Widmungsurkunde der Stadt-! gemeinde von Karlsbad für den im Bethovenparke gelegenen Platze des Fr a nz-Jo s e f-De n km a l s durch den Vize- bürgermeister Baier an das reichsdeutsche Komitee statt An Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm wurden Huldigungstelegramme gesandt. ^s Paris wird gemeldet: Präsident Falliöres ift am Mittwoch vormittag zurückgekehrt Aus Peking wird gemeldet: Tas Edikt,' das unerwartet die Großrate Schi Hsüh und Wuhuschang aus emUrn entläßt, erregte großes Aufsehen. An ihre Stelle traten P r i n z Ynhang undHsüh Schitschang, der seiner Stelle als Präsident des Verkehrsministeriums enthoben ist Zum Präsidenten des Verkehrsministeriums wurde T a n g s ch a v y i, der frühere Gehilfe Y u a n S ch i k a i s er- nannt. Tiefe Veränderungen bedeuten die Rückkehr zum System Vuan Schikais unb ein Eingeständnis seitens des Regenten daß die Politik der letzten anderthalb Jahre nicht erfolgreich gewesen ist. ar-JT, ^eT neueste Friedyofsstreit. Zu dem Arttkel in Nr. 190, in dem der israelitische Friedhof in Großen-Linden berührt worden war, erhalten wir von dort fvlgende Zuschrift: Es sei bemerkt, daß die nörd- lich von Großen-Linden gelegenen Gras- und Obstgärten nicht ein Gießener, sondern ein israelitischer Friedhof der ganzen Umgegend Großen-Liudens gewesen ist. Die Gärten sind niemals ein geschlossener Friedhof und nie- mals jüdisches Eigentum gewesen, sondern die Juden haben für eine Entjchädigung der Eigentümer ihre Toten in den Garten beerdigt. Der Versuch, „Dickwurz" dort zu pflanzen ift noch niemals gemacht worden. Hätten die Israeliten die Gärten als Eigentum erworben, so wären diese, wie auch das in neuerer Zeit angekaufte und zum Friedhof benutzte Gelände israelitisches Eigentum. ** u n f a.l l- Der Taglöhner N. von Heuchelheim geriet gestern vormittag am Lindenplatz vor einen in Fahrt befindlichen Wag>en der elektrischen Straßenbahn und erlitt einen Armbruch, sowie Hautabschürfungen am Kopf. Er wurde iu die Klinik gebracht. Den Wagenführer soll keine Schuld treffen. blaues Wunder. Herr Metzgermeister Moses Keßler hat unL zur Bereicherung unseres Raritätenkabi^ netts ein Naturivunder überbringen lassen: zwei blaue Bohnenhülsen, die an einem Stock mit im übrigen grünen Fruckten gehangen hatten. Uns ist es weiter nichts Ueberrafchendes, daß auf einem Schlachrfelde blaue Bohnen gesunden wurdeu. ' =• Großen.Linden, 18. Aug. Bei der am 17. Aug. stattgefundenen Gemeinderatswahl wurden die au§. scheidenden Mitglieder Johs. Volk I., Ludw. Hardt und Phil. Pirr IV. auf weitere 9 Jahre einstimmig wiedergewählt. § Ruppertenrod, 17. Aug. Bei der heute hier ftattgefundenen Wahl des Beigeordneten wurde der seitherige Beigeordnete Kaufmann Adam Reiber von 109 Abstlmmenden mit 104 Stimmen wiedergewählt. Damit ist der Beigeordnete Reiber zum fünften Mal gewählt worden. L. Bad - Nauheim, 17. Aug. Die prachtvollen fürstlichen Bade räume (Fürstenzellen) sind fertiggestellt. :1. Siriamen, 17. Aug. Ein Blitzschlag traf die Hofreite bcS Landwirtes Döring und äscherte sie mit Geräten und Maschinen vollständig ein, das Vieh wurde gerettet. a. Worms, 18. Aug. Für die hiesige Stadt ist ein Großmarkt für Kartoffeln, Obst, Gurken und Gemüse aller Art neu eingerichtet worden. Auf den Groß- markt, der sich vorläufig auf dem Marktplatz vor dem Cor- nelianum befindet, wird zugelaffen, wer ausbringt: Kartoffeln: mehr als 5 Zentner; Gurken: große, mehr als 1000 Stück, kleine, mehr als 500 Stück; Obst: sortiert, mehr als je 1 Zentner; Gemüse: mehr als je 50 Häupter einer Art. Fuhrwerke können bespannt auffahren. )( M a r b u r g, 17. Aug. Ein Plan, der für die weitere Entwickelung Marburgs von großer Bedeutung ist, beschäftigte die gestrige St a d t v e r o r d n e t e n s itz un g. Es handelt sich um die Re g^ulieru n g d e r La h n innerhalb des Stadtbezirks, ohne die eine Anschließung der Vorstadt Weidenhausen an die Kanalisation und die Erschließung neuen Baugeländes im Osten und Süden der Stadt an der Lahn nicht möglich ift. Dem Antrag, einen Plan aus- arberten zu lassen, wurde zu gestimmt. — Ferner be- chloß man, das historische Spiel werk an der Ra.t- h a u s u h r mit einem Kv.stenaufwand von 1600 Mark wieder Herstellen zu lassen. xBiedenkops,17. Aug. JnBickelbachbrannte das ^Gehöft des Landwirbs Kaiser nieder. Durch eine ein» kürzende Wand wurden zwei Feuerwehrleute verletzt. Der 80. Geburtstag des Kaisers Zranz Zosef. i und Flotte. n- .Der ,,Reichsanzeiger" schreLr in seinem nichtanrtlickien Zwei Torpedoboote oeiunken. Teil: „Kaiser Franz Josef vollendet am Donnerstag fein ftipT 17 gritzmit ( k • k , 80. Lebensjahr. Wie ihm an diesem Ehrentage seine Völker I™ ,, s ' _ ' ‘ $eutc wurde in der Kieler in dankbarer Liebe entg egens ubeln, so wenden sich a,uch in I ^as Torpedoboot „8 32" von dem Torpedo- Deutschland die Herzen dem erlauchten Monarchen zu, in b 0 0 t „8 7 6" an ger ann t. B eid e Boo te sind während dem wir den väterlichen Freund unseres Kaisers, den treuen der Bergungsversuche gesunken Die Besatzunaen wur- «1» bild fürstlicher Pflichterfüllung verehren. Mit ungezählten ^uder „8 <6 wird zur Zeit als Depeschenboot beim Millionen, die morgen - Kaiser Franz Josef ihre Hul- Geschwader verwendet. digungen darbringen, vereinigen wir uns in dem Wunsche, * daß seine Weisheit noch lange über den Geschickeii der be- Berlin, 17. August. Das Militärwochenblatt meldet- freundeten und verbündeten habsburgischen Monarchie wal- Prinz Oskar wurde ab 1. Oktober 1910 auf ein Jam ten möge." pur Dienstleistung beim Kürassier-Regiment Königin (pom- Bad Ischl, 17. Aug. Anläßlich des morgigen 80. Ge-!^brsches) Nr. 2 kommandiert. burtstages des Kaisers Franz Josef ift Ischl reich beflaggt ~ ~ ~~ ~ und prachtvoll dekoriert. Heute vormittag wurde auf dem Veutycpes llcidh Serne&men nach ist für dm Posten eines Kaiserlichen cf-Kreuz feierlich erngewerht. In G c s a ndt e n , n C ar a c a s der bisherige Gesandte in Bang- allen Straßen herrscht lebhafte Bewegung, jeder Zug bringt kok, von Pr oll ins, und zu dessen Nachfolger in Bangkok neue Festgaste. Im Laufe des Tages sind zahlreiche Mit- der bisherige Gesandte in Bogota, Freiherr von der Goltz, glieder der kaiserlichen Familie anqelanqt. Itn Aussicht genommen. ----- “ ‘ „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu dem Tode des Präsidenten von Chile, Montt: Der verstorbene Staatsmann roar dem Deutschen Reiche freundlich gesinnt und stand bei uns in hohem Anseheii. Wir haben die Kunde von seinem iahen Hmfcheiden mit aufrichtiger Trauer vernommen und drücken der Republik Chile zu dem Verlust ihres Staatsoberhauptes uiifere freundschaftliche Teilnahme aus. O Paris, 17. August. Zur Schweizer Reife des Präsidenten der Republik Wfc&SftJM*’■»<«>»»» »M» « i» L-rrib..s..lg* „Die Bedingungen ihrer internationalen Existenz selbst vcr- Neustadt und Ktrchstraße herstellt. Sie pflichten die Schweiz, mit allen ihren Nachbarn korrekte Be- l,t y JJehnung der Mosig- kauer-Heide außerordentlich erschwert sind. Lichtenfels in Ober-Franken, 18. Aug. Zwei preußische Soldaten unternahmen nachts nach einem Tanzvergnügen mittels eines Militärautomobils eine Fahrt, wobei sie in der'- Dunkelheit mit voller Wucht gegen einen Kaum geschleudert wurden. Das Automobil wurde zertrümmert und die Soldaten tödlich verletzt. Paris, 18. Aug. Gestern fand im Aeroklub ein festlicher Empfang der Flieger statt, zu dem sich auch der Kriegsminister eingefunben hatte. P etersburg, 18. Aug. In Petersburg sind in den letzten 24 Stunden, von Mittag bis Mittag, an der Cbolera 48 Personen erkrankt und 24 gestorben. Der Kranken-, stand Ende der 24 Stunden betrug 755 Personen. Madrid, 18. Aug. Der Ministerrat beschloß einstimmig, der Königin Viktoria das Großkreuz für Wohltätigkeit zu verleihen. Sofia, 18. Aug. Wie an wohlunterrichteter Seite verlautet, hat eine Gruppe mazedonischer Flüchtlinge im Namen von 1896 Schicksalsgenossen dem Gesandten der Mächte eine Denkschrift überreicht, in der sie ihre Lage darlegen, auf die Schikanen der Türken bei der Entwaffnung Hinweisen und die Großmächte bitten, Schritte in Konstantinopel zu unternehmen, damit die Truppen zurückgezogen, die Verfolgungen eingestellt und den Flüchtlingen freie Rückkehr nach Mazedonien unter der Ucberwachung der Konsuln garantiert, sowie ihr Leben mtb Eigentum sichergestellt wird. N e w y o r k 18. Aug. Das Fabrikviertel von Iessey City ist durch Feuer vollständig zerstört worden. Narbonne, 18. Aug. Die hiesige Kathedrale wurde durch eine Feuersbrunst zerstört. Das Feuer brach hinter dem Hochaltar aus und zerstörte unter anderem die alten Glasfenster, die einen bedeutenden Kunstwert besaßen. aller Art Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 rVucksachen liefert In jeder gewünschten Coruervterl Wir sind nid bleiben frisch Gratis 1 Dose ff. Cakes für 50 Gutscheine. weil wir mit Reeses Sakicyl eingemacht sind. Zum Emmachen von Früchten, Fruchtsäften, Gurken, aller Gemüsearten ist Reeses Salicyl unentbehrlich. Versuchen Sie auch Reeses Backwunder, das Universal - Backpulver, Reeses Puddingpulver und Vanillinzucker. Die beliebten Einmach- und Backwunder-Rezepte überall gratis. [hv3/a Reese Gesellschaft, Hameln. Normal- Stiefel verhüten nicht allein Senkung und Plattfussbildungen sondern Oberhaupt alle Fussleiden und hellen bereite vorhandene. Nur zu haben bei: Willi. W Tel. 741. Marktplatz 2. (a18/8 Verlangen Sie Broschüre FreimllW Smitiitfriinib Freitag den 19. August 1. 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