Nr. 8« 1 ~ .—i —•— —- CtKeM «gNch mtf VntwABmt W ««miaqr. Dr« „tieft tun femtUenblitter’ eetbe» de» ^Lnjetgtr* ttermÄl «vüchentltch detgelegl. bol „Kretsblofl ffli Ul Krtb Stehen- iroetmoi wöchentlich. Die „randwtrtschastltche» Lett- ftagee* ettdjeinen monaUtch *»etxnaL 160. Jahngang Donnerstag, 14. April 1910 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen Hoteftenfbred *R» «erlag les Unweriuäk» - Buch- «mb 6tetnbtudctd. K Stag«, Vectzen. Redaktion, «xvrdttton *nl Drnckeretr «4* ftraB« t. LxvedtNon und Verlag: &L Redaktion:^« LIL Zd.»2lbw8Ui4etgee®u&ab (Beifall.) Abg. Hilbcnbrand (Soz.): Die Bäckcrinnungcn spielen sich hier als Mittelstandsretter auf. Dabei schädigen sie überall den Mittelstand durch Gründung bon Erwerbsgesellschaften. Tas Mehl beziehen sie schon lange auf genossenschaftlichem Wege, ebenso Maschinen und Werkzeuge. Und diese Gesellschaft tut hier so, als ob ihr das Wohl des Mittelstandes am Herzen liegt. Wollen Sie etwa das ganze Genossen schaftswesen unter daS Gesetz stellen? Abg. GieSbcrts (Zentr.): SKcnn aus dem Drittelstande Beschwerden kommen, dann müssen sie reiflich geprüft werden. Das sollte sich auch die Regierung angelegen sein lassen. Steuerfrei sollen die Konsumvereine ALg. Fester (Vp.): Ob giftig oder nicht, jedenfalls ist das Eosin eine Erschwerung für den Handel, auch für den Kleinmüller. Ein Schlußantrag wird angenommen. Die Resolution wird gegen die Volkspartei und die Sozialdemokraten abgelehnt. Das Haus vertagt sich. Donnerstag, 12 Uhr: Nationalliberale Interpellation über das Mühlheimer Eisenbahnunglück, Zuständigkeit des Reichsgerichts, Schwedischer Handelsvertrag. Schluß 6% Uhr, nicht bleiben. Spezialsteuern wären aber ungerecht. Denn erdrosselt sollen die Konsumvereine nicht werden. Sicherlich hat aber auch die Bevölkerung das Recht, Konsumvereine zu gründen. Abg. Ricseberg (Wirtsch. Dg.): Die Vorwürfe gegen die Bäckerinnungen sind unberechtigt. Der Gewinn aus den Erwerbsgesellschaften kommt gemeinnützigen Zwecken zugute. Die sozialdemokratischen Konsumvereine sind keine gemeinnützigen Institute mehr. Sie sind Kampforganisa. Honen gegen den Mittelstand geworden. Es ist tief bedauerlich, wenn der Fiskus Grund und Boden für die Beamten- konsumvereine hergibt. Die Warenhäuser sollten iwch viel mehr besteuert werden. Sie sind ein Krebsschaden für den ganzen Mittel- stand. Der Mittelstand sichert das Bestehen des Reiches. Alle bürgerlichen Parteien sollten ihn daher schützen. (Beifall rechts.) Die Petitionen werden als Material überwiesen. Die Eosingerste. ES folgt die Beratung einer Resolution Ablaß (Vp.), den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die vom Bundesrat vorgeschriebene Kennzeichnung der zum niedrigen Zollsatz eingeführten Gerste durch Eosinfärbung wegen der damit verbundenen Unzuträglichkeiten aufgehoben wird. Ebenfalls zur Beratung stehen mehrere Petitionen deS Vereins schleSwig-holsteinscher Getreidehändler, der Müller- Zwangsinnung für den Kreis Norden, des Müllervereins in Mel- darf und der Handelskammer zu Magdeburg auf Aendcrung der Gerstenzollordnung ebenfalls hinsichtlich der Eosinfärbung. Abg. CarstenS (Vp.): hat kein Tier fertig gebracht, auch nur irgendeine gesundheitsschädliche Wirkung zu zeigen. (Hört! hört!) Di« Versuche währar nun jetzt auch schon wieder drei Monate. Auch in allerncuefter Zeit sind keinerlei Schädigungen aufgetreten, wie mir soeben ein De- richt deS Gesundheitsamtes mitteilt. Danach haben sogar die mit Eosingerste gefütterten Schweine während dieser drei Monate mehr an Körpergewicht zugenommcn, als die mit ungefärbter Gerste gefütterten Schweine. (Heiterkeit.) Krank, heitserscheinungen sind zwar vorgekommen, aber daS waren Rotlauf und Schwcineseuche die man in der Aufregung irrtümlich für Eosinvergiftung gehalten hat. (Heiterkeit.) In der Unruhe ist überhaupt manches verwechselt worden. Unter anderem wurde uns telegraphiert: „Ein Tier verendet, offenbar an Eosinvergif- tung." Ich telegraphierte sofort: „Schickt daS Schwein!" Darauf wurde telegraphiert: „Es ist gar kein Schwein, sondern eine Taube (Heiterkeit) und die Taube sei bereits vergraben." Der Betreffende teilte auf Aufforderung mit, daß er inzwischen Tauben eifrig mit Eosingerste weiter gefüttert hatte, und daß keinerlei Anzeichen irgendeiner Vergiftung sich herausgestellt hätten. DaS vergrabene Tier würde wohl an Idiosynkrasie gelitten haben. (Heiterkeit.) Wir haben mit unserer Aufklärungsarbeit auch Er. folge erzielt Die Eosinfärbung wird überdies jetzt mit nur der Hälfte des Quantums vorgenommen. Tatsächlich ist auch bereits eine Beruhigung eingctreten, und es ist, nach unseren Feststellungen, nicht richtig wiederum Unsicherheit in die Interessentenkreise hineinzutragen. Wir können von dem Verfahren nicht abgehen, und es würde nicht förderlich sein, wenn S'e die hier beantragte Resolution annehmen wollten. (Lebhafter Beifall.) Abg. Mayer-Pfarrkirchen (Zentr.) i Die Eosinfärbung hatte anfänglich erhebliche Mängel. Daist bester geworden Gesundheitsschädlich ist sie nicht. Daher werden wir der Resolution nicht zustimmcn. Ein DcnaturierungS. mittel müsten wir haben, und da vorläufig Teilt besseres vorhanden ist, müssen wir daS Eosin verwenden. Tierärzte und Sachverstän- dige haben fast einstimmig erklärt, daß die Eosingerste auf die Därme nicht sck)ädlich wirkt. Eö liegt also lein Anlaß zur Beunruhigung vor. Jedenfalls muß verhindert werden, daß Futtergerste zum Schaden der Reichskaste und der Gerstenbau den Weg in Brauereien findet. Ein äußeres Kennzeiclien zur Differenzierung der Gerste Ivar notwendig, damit der Zolltarif durchgeführt wird. Ich ver> stehe nicht, wie die Linke sich dagegen sträuben kann. UnS kommt Abg. 2)r. Röficke (Kons.): Ein äußeres Kennzeichen zur Differenzierung der Gerste war notwendig, damit der Zolltarif durchgeführt wird. Ich verstehe nicht, wie die Linke sich dagegen sträuben kann. Uns kommt es nicht auf das Eosin an. Aber wir haben kein anderes Denaturierungsmittel. Jedenfalls Ijalten wir jetzt daran fest, daß Schäden nicht erwiesen sind. Im Gegeitteil. Wir verlangen auch, daß kein Unterschied gemacht wird, und daß alle Futter- gerste gefärbt wird, damit nicht etwa die kleinen Müller gegenüber oen großen benachteiligt werden. Wenn d i e Schweine politisch geschult wären, würden sie vielleicht eine Abneigung gegen b a 5 rote Eosin haben. Solange sie sich aber nicht um Politik kümmern, haben sie keinen Widerwillen dagegen. (Heiterkeit.) Die Rötung der Darme tratjuir bann ein, wenn bei geschlachteten Tieren größere Mengen Eosin längere Zeit auf einer Stelle liegen blieben. Etwas Aehnliches zeigt sich beim Grünfutter. Wir bitten den Staatssekretär, an der jetzigen Art her Denaturierung der Gerste festzuhaltert. (Beifall recht-.) Abg. Dr. Weber (Natl.): Wir haben die Denaturierung der Gerste im Zolltarif fest, gelegt. Daher muffen wir auch dafür sorgen, daß keine betrügerischen ober anderen Manipulationen bei der Einfuhr Vorkommen. Die Landwirtschaft ist infolge der Mitteilungen über die angebliche Schädlichkeit der eosingefärbten Gerste mißtrauisch gegen diese Eosingerste geworden, und der kleine Händler sitzt mit seiner gefärbten Gerste da. Die Großmühlen haben diese Situation auS- genutzt und überall nicht gefärbte Gerste angeboten. Darum muß von der Regierung zugunsten des Kleinhandels und der kleinen Mühlen hier Wandel geschaffen werden. Die Schiffahrt klagt auch darüber, daß die Eosinfärbung in der Weise vor sich geht, daß einfach Eosin in die Schiffsladung hineingespritzt wird. Dadurch haben die Schiffsbesitzer Unannehmlichkeiten Die Färbung konnte wohl auch in anderer Weise vor sich gehen. Schatzsekretär Wermuth: Ich stelle fest, daß Nachweise über die Gesund, heitsschädlichkeit des Eosin gegenüber den von mir angeführten Gegenbeweisen nicht erbracht worden sind. Aus diese Tatsache lege ich den größten Wert, um die Besorgnis in der Beziehung zu zerstreuen.. Dem Vorredner erwidere ich, daß wir in Erwägungen begriffen sind, in welcher Weise wir diesem Mißstand für den Kleinhand el und die Kleinmühlen abhelfen können; entweder durch Verkürzung der Vorzüge, die die Großmühlen genießen, oder durch die Ausdehnung dieser Vergünstigungen auf die Kleinmühlen. Ich kann mit aller Bestimmtheit versprechen, daß wir in dieser Beziehung nachdrücklich vorgehen und Wandel schaffen werden. (Beifall.) Zlbg. Dr. Stengel (Vp.): Wir stimmen dem Vorredner durchaus zu. Wir hoffen allerdings n-cht, daß sein Antrag angenommen wird. Denn die Herren Agrarier sind ja für Gründe nicht zugänglich. Sie stimmen uns mit dem Zentrum nieder. Abg. Speck (Zentr.) spricht gegen den sozialdemokratischen Antrag. Die Petition wird durch Ucbergang zur Tagesordnung erledigt. Die Petition bc5 Bundes der Stcmdesverente der deutschen Krankenpfleger usw auf Einführung eines BefähigunaS- nachweises für Masseure wird als Material über- wiesen, ebenso eine Petirion des Verein- deutscher Straßenbahn- und Kleinbahnverwaltungen gegen die Ausdehnung der Straßen- bahnhaftpflicht auf Sachichäden. Die Petition der Ortsgruppe Magdeburg de§ Bundes der technisch-industr'ellen Beamten über die Handhabung des ReichsvereinSaesetzeö wird zur Kenntnisnahme überwiesen. Gine Pe'it'on deS Verbandes der Unterbeamten auf lebenslänglich- Anstellung der Unterbeamten wird als Material überwiesen. Petitwnen des Zentralverbandes deutscher Bäckerinnungen ..Germania", des JnnungSauS'chuffeS bon Frankkfurt tu M. usw. fordern daS Verbot von Beamterkonsun'vere'nen, iEnführung von Umsatzsteuern und besonderen Ausnahmebestimmungen gegen die Konsumvereine. Die Kommission beantragt Ueberweisung als Material. Abg. Schcsbeck (Zentr) unterstützt die Forderungen der Petenten. Den Beamten sollten die Tätigkeit in den Konsumvereinen untersagt werden. Auch die bayerische Regierung erblickt in den Beamtenkonsumvereinen eine unerfreuliche Erscheinung. Abg. Schöpft« (Soz.) beantragt Ucbergang zur Tagesordnung. Konsumvereine sind gemeinnützig- Institutionen. Steuerliche Maßnahmen gegen sie sind also ganz unberechtigt. Will man c5 den Massen verdenken, wenn sie sich zu Konsumvereinen zusammenschließen, besonders jetzt, wo sie durch schwere neue Steuern bedrückt werden. Abg. Dr. Weber (Natl.): Wir verkennen durchaus nicht die Schwierigkeiten, in denen sich der Mittelstand befindet. Wir wissen sehr wohl, daß efc in den Großstädten naturgemäß einen schweren Stand gegenüber den Warenhäusern wie überhaupt gegenüber der Konzentration des Kapitals hat. Aber andererseits haben die Erfahrungen im letzten Jahrzehnt gezeigt, daß mit Umsatzsteuern für Warenhäuser nichts z u erreichen ist. Ebensowenig wird mit Umsatzsteuern für Konsumvereine etwas zu erreichen sein. Wir brauchen nur an das Warenhaus Wertheim zu denken. Die Warenhaussteuer wurde eingeführt und das Unternehmen wurde drei-, viermal so groß. Die groß- kapitalisrischen Betriebe können in der allerbequemsten Weise die Steuer auf die Fabrikanten abwälzen. Manche Verträge zwilchen Warenhäusern und Fabrikanten enthalten auch direkt die Be- ftimmung, daß die Warenhaussteuer sleitens der Fabrikanten zu tragen ist. Also die Umsatzsteuer trifft schließlich die Fabrikanten, die wieder ein Aequivalent dafür suchen werden in der geringeren Entlohnung der Arbeiter. Dem Mittelstand kann sehr geholfen werden durch die Bildung von Einkaufsgenossenschaften. Die MittelstandSbetricbe können dann die Rohmaterialien zu denselben Bedingungen einkaufen, wie die großen Betriebe. Die Gemeinden haben das Recht, Umsatzsteuern zu erheben. Sie haben aber sehr wenig von diesem Recht Gebrauch gemacht, ein Beweis dafür, daß sie sich auch nichts von der Einführung der Umsatzsteuern versprechen. Im Abgeordnetenhause ist von einem preußischen Minister gesagt worden, daß man den Beamten keineswegs verbieten könne, sich zu Konsumvereinen zu sammenzu schließen. Diesen Standpunkt darf man gutheißen, denn sonst würde man die Beamten anders behandeln, wie die übrigen Staatsbürger. Nach dieser Richtung hin würde für uns die Petition ohne weiteres erledigt sein. Aber cs dürfte doch in ihr nach der einen oder anderen Richtung hin Dkaterial für die Regierung vorhanden fein, das eine zeitgemäße Ausbildung des Genossenschaftsgesetzes den modernen Ansprüchen entsprechend nahelegt, und au5 diesem Grunde sind wir für Ueberweisung der Petition an die Regierung. Unsere schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen. Die i Eosingerste hat schon schweren Schaden angerichtct. Alle Par- . feiert sollten mithelfen, daß sie verschwindet. DaS Gesetz wurde : seinerzeit mit einer gewissen Nonchalance und Hast gemacht. Die Regierung war sich über die Folgen nicht im klaren. Ich verüble es ihr, daß sie die gesundheitsschädliche Wirkung der roten Gerste nicht zugibt. Tausende von Anklagen sind erhoben worden. Tie Regierung hört aber nichts. Selbst amtliche Kreise, Tierärzte usw., bestätigen, daß die ge- ( färbte Gerste schädlich ist. Ter Redner verliest ein dement- , sprechendes Gutachten des Berliner Universitätsprofessors Lewin. , Bereitwillig verspricht immer die Regierung sorgfältige Prüfung. , Das kostet sie nichts. In der Tat geschieht aber nichts. Welche , Erfahrungen hat die Regierung bezüglich der Eosinfütterung bei Dchsen, Pferden und Geflügel gemacht? Sicherlich keine guten. , Auch haben sich die mit der Gerste beschäftigten Leute Augen- krankheiten zugezogen. Es ist ein Jammer mit dieser roten Gerste. Die Händler wollen sie nicht kaufen, weil sie sie nicht loS werden. Die Schiffer wollen sie nicht verfrachten, weil sie die Laderäume verschmutzt; die Mäster sind ängstlich, weil sie den Schweinen nicht bekommt; die Schweine wollen sie nicht freffen, weil sie davon Darmentzündungen bekommen, und die Hausfrauen wollen das Fleisch nicht kaufen, weil es unappetitlich aAslieht. (Heiterkeit.) Man sollte schleunigst mit der Färbung aufhören. Dann würden viele Widerwärtigkeiten aus der Welt geschafft werden. (Beifall links.) Staatssekretär des Reichsschatzamts Wermuth: Die Frage der Eosinfärbung hat große praktische Bedeutung. Wenn jetzt weniger Gerste eingeführt worden ist als früher, so liegt das an der reichen deutschen Ernte. Durch die Handelsverträge sind wir gezwungen, zwischen der Malzgerste zu 4 Mark und der Futtergerste zu 1,30 Mk. zu unterscheiden. Das haben wir bisher getan, und das werden wir auch weiter tun. Wir haben alle Mittel, die für die Unterscheidung in Betracht lammen,, praktisch versucht, so zuerst da? Anschroten oder Brechen der Gerste. Das hat große Nachteile mit sich gebracht. Es war für die Interessenten zu zeitraubend und für die Reichskaffe zu kostspielig. Wir haben auch versucht, die Unterscheidung durch Tötung der Keimfähigkeit der Gerste infolge Erhitzung herbeizu- führen. Aber auch da haben wir keinen rechten Erfolg gehabt. Der Wunsch, eine Färbung der Gerste einzusichren, ist schon sehr früh hervorgetreten. Er ist durchaus nicht agrarischen Kreisen entsprungen, sondern den Kreisen der Müller und des Handels. (Hört! hört! rechts.) Wie gründlich die Angelegenheit in der Reichsverwaltung verhandelt worden ist, wollen Sie daran ersehen, daß wir wohl ein Dutzend Farbstoffe untersucht haben. Als bester hat sich aber Eosin erwiesen, auch bei den sehr sorgfältigen - Fütterungsversuchen mit Schweinen. Man war auch anfangs allseitig damit zufrieden, vor allen Dingen auch die Handelskreise. Der Wirtschaftsbericht der Handelskammer zu Frankfurt a. M. enthielt die Stelle, daß das FärbungZvcrfahren durch Eosin den Händlern nicht unsympathisch war; die Gerste sei leicht verkäuflich, da man die Färbung kaum wahrnehme. In einer Eingabe von Händlerkreisen aus Danzig heißt es: „Bisher haben unsere Abnehmer in der Provinz, die sich in der Hauptsache aus Händlern und Schweinemästern zusammensetzen, über die Verwendung derartig gefärbter Gerste keine Klage geführt." Also es war alles ganz schön in Ordnung. Da plötzlich tauchte aller- dings die Nachricht auf, daß Schweine unter der Fütterung so gefärbter Gerste gelitten hätten, die Magen seien stark gefärbt und auch entzündet gewesen. Diese Nachricht lief wie ein Blitz durch das ganze Reich, und es entstand eine ungeheure Aufregung. Bereits sah man, wenn ich mich so ausdrücken darf, den Reichsboden mit verendenden und sterbenden Schweinen bedeckt. (Heiterkeit.) Unsere Akten füllten sich mit Telegrammen. Es entstand nicht nur eine schwere Beunruhigung in unserem Handel, sondern auch eine zeitweise ganz erhebliche Entwertung der nun einmal eingeführten Gerste. (Sehr richtig!) Tie Händlerkreise in Danzig baten uns, dem durch Aufklärung entgegen, zutreten. Dem sind wir gefolgt. Das Kaiserliche Gesundheitsamt hat Fütterungs- und Vergiftungsversuche angestellt. Wir haben die Fortsetzung der Fütterungsversuche auf den Gütern veranlaßt. Wir haben Vertreter der Wissenschaft, der Chemie, in sehr langen Sitzungen gehört, und keine der Behauptungen, die der Abg. Car- tenS aufgestellt hat, ist durch Untersuchungen bestätigt worden. (Hört! hört! rechts.) Ich frage den Abg. Carstens besonders, will er seine Behauptung eigentlich, daß das Eosin gesundheitschädlich ist, aufrecht erhalten, oder meint er. eS würde in weiten Kreisen angenommen es sei gesundheitsschädlich? Er hat sich auf eine Autorität berufen. Ich kann mich auf eine große Anzahl von Autoritäten berufen und gehe weit über die theoretischen Erörterungen hinaus, indem ich erkläre, daß die praktischen 93 er. uche in dem Gesundheitsamt keinerlei gesund- ; hei ts s chädliche Wirkungen ergeben haben. , (Hört! hört! rechts.) Wir haben das Gesundheitsamt beauftragt, den Tieren so starke Dosen be'zubringen, daß, wenn irgendeine Giftigkeit vorhanden wäre, die Tiere unfehlbar hätten verenden müssen. Das zwölftausendfache von dem. was ein Tier bei nor- ^fer Fütterung bekommt, ist der Gerste zugesetzt worden, aber eS Abg. Stolle (Soz.)' spricht im Sinne der Antragsteller. Abg. Dr. Burkhardt (Wirtsch. 23g.): Ich habe Chemie studiert und weiß, daß Eosin giftfrei ist. Beruhigen Sie sich also. (Heiterkeit.) Die Eosingerste soll doch nur Betrügereien verhindern. Wissen Sie einen Ersatz? Wir können doch nicht die Eosinfärbung abschaffen, ohne eine andere bessere Denaturierung vorzuschlagen. Darum sind wir gegen die Resolution. Deutscher Reichstag. 62. Srtzuug, Mittwoch, den 13. April. Am Tische deS DundeSrats: Wermuth. Präsident Graf Schwerin: eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten Für den verstorbenen Abg. Hermes (Vp.) wird auf Vorschlag der Abg. Frhr. v. Hertling (Zentr.) der Abg. Doormann (Vp.) durch Zuruf als Schriftführer gewählt. Bittschriften. Eine Petition der Rheinischen Steinzeugwerke in Köln um Wiederherstellung des früheren Zollsatzes für Tonröhren wird zur Berücksichtigung überwiesen. Die Petition der Stadt Havelberg um Verlegung eines Pionierbataillons nach Havelberg wird zur Erwägung überwiesen. ~, Eine Petition der Berliner Fletschertnnung for- dert die Oeffnung der deutschen Grenzen zwecks Einführung von lebendem Schlachtvieh und gänzliche Aufhebung oder Herabsetzung bet bestehenden Viehzölle auf eine an- gemessene Zeit. Die Kommission beantragt Uebergang zur Tagesordnung. Abg. Scheidemann (Sitz.) tritt für Berücksichtigung ein. Der KommissionSbcschlutz entspricht durchaus der volksfeindlichen Gesinnung der zollwuche- rischcn Mehrheit. ES fehlt an Fleisch, weil man auch ohne Grund die Kon- servencinfuht erschwert hat. zur Weller Niederschlag den Uhr soll gleich geschaffen werden, daß der tägliche Dienst an übrigen fünf Arbeitstagen statt abends 6 erst um 6 5 Minuten beendet werden soll. Die neue Einrichtung zum erstenmal am 13. in Kraft treten. X. Wetzlar, 12. April. Beim Wettbewerb Erlangiing von Entwürfen für den Bau des Kreishauses und der Kreissparkasse in Wetzlar sind 238 Entwürfe eingegangcn. DaS Preisgericht, das aus Landrat Dr. Sartorius, Fabrikant Ä. Neumann, Baiirat Stiehl in Wetzlar, sowie Sparkassenrendant Neef-Crefeld, Geh. Regierlings- und Baurat Thielen-Coblenz und Kreisbaumeister Eichhoff-Wetzlar bestand, erteilte keinen 1. Preis, dagegen aber 3 dritte. Architekt Schwarz-Frankfurt erhielt den 2. Preis, Architekt HanS Meyer-Gießen, M. Müller-Pforzheim und G. Rück- gauer-Berlin je einen dritten Preis. Ein fünfter Entwurf wurde angekauft. kirchliche Nachrichten. Israelitische Rcligioiisgc meinte. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage),. Samstag den 16. April 1910: Vorabend 7.00 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schrifterkläruug. Sabbatausgang 8.10 Uhr. vüchertisch. — Im Verlage von Karl Siegismund, Hofbuchhandlung, Berlin SW., erschien die neueste Ausgabe von Stecherts Armee-Einteilung und O, u a r t i e r l i st e des deutschen Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine nach den, Stande vom 1. April. Diese seit 50 Jahren regelmäßig erscheinende Armeeliste enthält eine sehr übersichtliche Zusannnenstellung aller Truppen teile der deutschen Armee mit namentlicher Angabe der Inhaber, Kommandeure und Standorte, sowie alles wissenswerte unteres Heeres und Marineeinrichtungen. — Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lite- raturfreundc (Herausgeber: Dr. Josei Ettlinger, Verlag: Egon Fleischet u. Go., Berlin W. 9). Das 2. Aprilheft ist soeben nut folgendem Inhalt erschienen: Alfred Klaar: Tie Krisis der Tragödie (II). — Eberbard Buchner: Bruno Wille (mit Porträt). — Johann C. Kollar: Neue italienische Romane. — Karl Streckers: Ibsen-Literatur. — Richard Huldschiner: Kleinstadt. — Echo der Zeitungen und Zeitschriften. — Echo des Auslandes (Englischer, Amerikanischer, Norwegischer, Holländischer Brief). — Echo der Bühnen. — Kurze Anzeigen. — Nachrichten. — Zuschriften. - Der Büchermarkt. — Die Deutsche Buhn e", das amtliche Blatt des Deutschen Bühnenvereins, bringt im 7. Heft folgende Beiträge: Fortsetzung der Rundfrage „Der Autor auf der Probe." Johannes Schlaf: „Die Fahrt nach England"; bühnentechüische Aeußerungen zu „Hamlet". Zur „Agitation für die wirtschaftlich Schwachen", eine Zusammenstellung wichtiger Ereignisse aus dem Theaterlebcii, Liste der Uraufführungen, „Comparserie und Statisterie". * Rvm anftilblüte. In der warmen Stube hatten sie sich frostig gebenübergesessen, aber draußen in der winterlichen Kälte tauten sie auf. * Ein Optimist. „Die feinsten Leute weichen Een' aus! Wat doch so een Affe Eenen vor eenen Respekt verschafft!" * Offenherzig. „Fritz, es waren doch zwei Aepfel in der Speisekammer und jetzt ist nur noch einer da! Wie kommt das?" — „Ja, Mama, es war so dunkel, da hab' ich den anderen nicht gesehen!" = + 16,6'0. = — 2,8 °C. Universitäts-Nachrichten. hc. Frankfurt a. M. Dr. Wilhelm Peters, Privat- dozent nu der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften, wurde als Privatdozent für Philosophie, insbesondere Psychologie, an der Universität Würzburg ausgenommen. vermischter. * Ein Priester int Kampf mit Räubern. In Alboraya bei Albacete in Portugal brachen vier Räuber in eine Kirche ein und waren gerade dabei, die silbernen und goldenen Altargerätschaften zu stehlen, als sie von dem Priester der Kirche überrascht wurden. Sie fielen sofort über ihn her, er verteidigte sich, aber tapfer mit einem großen silbernen Leuchter, mit welchem er zwei Männer zu Boden streckte; ein dritter brachte ihm aber eine gefährliche Wunde mit einem Dolch bei und er mußte den Kampf aufgeben. Die Räuber entflohen, ehe Hilfe herbeikommen tonnte. Die Wunden des Priesters sind so ernst, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. e Zweiuudfünfzig Millionen Marienkäfer, die in dem staatlichen Jnsektenzuchtinstitut in Saeramento gezogen worden sind und über eine Tonne wiegen, wurden kürzlich, wie ans Nem-Pork berichtet wird, in besonderen Eisenbahnwagen nach den Melonenfeldern von Imperial Valley in Kalifornien transportiert, wo sie die Ausgabe haben werden, Blattläuse und andere Insekten, die die Melonenpflanznngen verheeren, zu vertilgen. * Was die Einbildung tut. Einen Beweis für'die Macht der Einbildung über die Gesundheit berichtet ein amerikanischer Arzt, Dr. Charles K. Mills aus Philadelphia, in einer englischen Wochenschrift. Ein junger Bankbeamter, der sich über- anfttengt hatte und unter der Sommerhitze litt, wandte sich an einen Arzt. Der Mediziner untersuchte ihn, prüfte die Lungen und sagte dann ernst: .Ich werde Jlmen morgen schreiben." Am nächsten Tag erhielt er einen Brief, in dem der Arzt ihm riet, seine irdischen Geschäfte in Ordnung 7-,u bringen, ec habe keine Zeit mehr zu verlieren. „Natürlich können Sie vielleicht nod) wochenlang leben, aber Sie tun gut, wenn Sie Ihre Angelegenheiten ordnen." Die rechte Lunge sei verhören und das £>er& von Braut-Seide v. Mk. 1.35 ab § Ruppertenrod, 13. April. In unsere: Gemarkung muß zweifellos eine prähistorische Siedlung gewesen sein. DaS beweisen die häufigen Funde von Steinäxten. Nachdem der Lehrer der hiesigen Oberklasse seine Schüler auf diese Funde aufmerksam gemacht hatte, überbrachten ihm die Schüler vier wohl erhaltene Steinäxte. Gegenwärtig wurden ihm wieder zwei überbracht, die man beim Ackern im Felde gefunden. Die eine hiervon hat Halbkreisform mit größerer Schneide und weicht hierdurch von der gewöhnlichen Axt- und Beilform ab. Im vorigen Jahr ging eine größere Steinaxt durch Unachtsamkeit wieder verloren. Kinder, die sie gefunden hatten, legten sie auf einen heimwärts fahrenden Wagen, von dem sie verloren ging. X Elpenrod, 12. April. In dem benachbarten Walddistrikt /Brückerwald" brach in einer Fichtcn- schonung Feuer auS. Der Brand zerstörte eine Waldfläche von nahezu vier hessischen Morgen. Die Feuerwehren von Hainbach und Elpenrod eilten zur Brandstelle, um daS Feuer einzuschränken, was auch gelang. Verschiedene Zeichen lassen auf Brandstiftung schließen, unter anderen, daß gerade der hiesige Förster abwesend ivar, ein Umstand, den der Brandstifter benutzte. Ausgeschlossen ist aber auch nicht, daß der Waldbrand durch Unachtsamkeit verschuldet wurde. — Mücke, 14. April. Gegenwärtig wird das Brückengerüst der Drahtseilbahn, das die Staatsstraße überquerte, abgerisien, nachdem der Betrieb seit einiger Zeit eingestellt worden war. Ob damit der Betrieb des in der Gemarkung Ilsdorf liegenden Eisensteinbergwerks, besten Ausbeutung im vorigen Herbste eingestellt wurde, gänzlich aufgegeben wurde, ist fraglich. Man plant die Anlegung einer neuen Wäsche in der Nähe des an der Ilsbach liegenden Bahngleises. Der Betrieb iinserer nachbarlichen Eisensteingruben zu Weickartshain, Stockhausen und Ilsdorf ist zur Zeit so rege, daß er den Arbeitern auS den umliegenden Ortschaften willkommene Verdienstgelegenheit bietet. rm. Mainz, 12. April. Die Eisenbahndirektion hat für ihre Bureaubeamten versuchsweise die englische Bureauzeit einge führt und zwar zunächst nur für Mittwochs. An diesem Tage soll von vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr ohne Unterbrechung gearbeitet werden. Da hierdurch gegenüber den seitherigen Dienststunden ein Ausfall von einer halben Stunde entsteht, soll dadurch ein Aus- ciTtcm schweren Leiden befallen. Der junge Patient wär über diesen Brief, der sozusagen schon ein -rotcnichein war, auftiefste bestürzt. Er ging* Nicht in sein Bureau, schon am Mittag hatte er Atembeschwerden und Herzschmerzen. Er hütete /O6“ und um Mitternacht mußte eiligst nach dem Arzt geschickt werden. Ter Doktor war miss höchste erstaunt. Er wußte nichts non entern Herzleiden. Ter Patient zeigte deut Arzt den empfangenen «örtci und nun klärte sich alles auf:, der Brief hatte emerN anderem Patienten gegolten, die Sekretärin hatte dte Adrepen verwechselt. Ter Patient lachte und war bald wieder kerngefund. Aber was ge'chah mit dem sterbenden Schwindsüchtigen, der den pner eigentlich erhalten sollte? Ter Latte einen Etlichen Bries bekommen — vier Wochen an die See und alles ist in Ordnung er war fröhlich abgereist mid sofort ins Seebad gegangen. Das sind zehn Jahre her: der Todeskandidat lebt noch heute m bester Gesundheit. . . * Zur G«schichtü der Beran schungsmittek. Heber dieses für jeden LiNeipfteund wie jeden Antialkoholiker gleicherweise interessante Thema hat M. Scl-oen Untersuchungen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, daß der Trieb zur Berauschung und seine Wurzel schon bis in die Urwelt zuruckreicht. 2.aß bw ältesten Vertreter des Menschengeschlechtes aus dem Tertiär beste, aus dem Diluvium schon narkotische Substanzen gekannt haben, ist nicht nachweisbar, aber wahrscheinlich. Daß der Genuß be- täulenber und anregender Stoffe zu den ursprünglichsten Kulturgütern der Menschheit gehört, dürfte man auch daraus schließen, vaß es heute wohl kein Plolk auf der Erde gibt, dem tz^nust- mittel in dieser oder jener Form nicht bekannt wären. Selbst die primitivsten aller jetzt lebenden Bölkerschaften, tote die Weddcr auf Ceylon, befihen Reizmittel, letztere z. B. dw Rinde sehr di i ebener Bäume und Sträucher, die gekaut wird; diese Sitte soll uralt Rin. Schon die ältesten Völker, über die geschichtliche Aufzeichnungen uorfiegen, wie die Babylonier, kannten Berau- schungsmittel, die zum Teile recht hoch entwickelte Gänrngs- gctt'äiike waren. Ihnen sind auf älteren Stufen ihrer Kultur wahrscheinlich weniger entwickelte Narkotika, und diesen endlich ursprünglich gewiße Kausubstanzen vorangegangen. Zu den Stoffen, die vielleicht nicht felbst fiu den ältesten menschlichen Narkotieis gehören, ihnen aber zum mindesten nicht sehr fern stehen, gehören u. a. die Fitcheripflanze der Australier, die Wurzel eines Mesembryanthenum bei den Buschmännern und Hottentotten, die bekannte Betelpflanze Südasiens, die westaftikonische Kola, besonders insofern, als sie die einfachsten sind, der geringsten technischen Zubereitung bedürfen und alle als Kausubstanzeu dienen. Besonders charakteristisch ist für sie, daß bei ihnen der phisiologische Beweggrund, die Urwurzel des Berauschungstriebes, am klarsten hervorttitt: beim nicht ein moralischer ober psychischer Beweggrund, nicht der „Sorgengedanke" hat den Menschen geehrt, Narkotika zu benutzen, sondern ein physiologischer Trieb, das Bestreben, Mittel zur Gewinnmig außerordentlicher Kräfte zu besitzen. Tas zeigt sich beispielsweise beim Genuß der Coca- blätter, die dem südamerikanischen, .Indianer Kraft geben, unglaubliche Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden und zugleich Hunger und Turft nicht zu empfinden. Technische Nachrichten. * Der höchste Schornstein d e r W e l t. Amerika hat einen neuen Rekord in der Höhe der Schornsteine ausgestellt, nachdem ihn bisher Tentschland mit der 140 Meter hohen Esse der valsbrücker Hütte bei Freiberg in Sachsen gehalten hat. Die Boston and Montana Eousolidated Eupper and Silver Mining Co. hat, wie „Die Bauwelt" berichtet, einen Schornstein errichtet, der die gewaltige Höhe von 154 IHeter erreicht, also mehr als doppelt o hoch ist, als der Berliner Rathausturm. In der ganzen Welt gibt es nur sieben Bauwerke, welche den Rieseiischornstein an Höhe noch übertreffen, der Eiffelturm, vier „Wolkenkratzer" und der Ulmer und der Kölner Dom, letzterer nur noch uni 2 Nieter. Dabei ist von vornherein eine spätere Erhöhung um 18,3 Nieter vorgesehen, nach der der Schornstein zu den drei höchsten Bauwerken der Welt gehören wird. Entsprechend dieser Höhe sind auch die übrigen Dimensionen. Die lichte Weite beträgt am Fuß 20,3 Meter und am Ende 15,2 Meter. Tie Wandstärken nehmen in vier Stufen von 167,5 Ztm. auf 152,5 Ztm. ab, und dazu kommt noch eine allseitige Auskleidung von 10 Ztm. Stärke mit feuerfesten Formsteinen. Das Gewicht beträgt 17- bis 18 000 Tonnen und für den ungeheuren Bedarf an Ziegelsteinen wurde eine Ziegelei mit einer Tagesleistung von 100 Tonnen errichtet; eine Kleinbahn besorgte den Transport von der Fabrik zur Verwendungsstelle, und hier übernahmen drei elektrisch angetriebene Fahrstühle die Weite» beiörberung im Innern des Schachtes. Die Ausführung nahm, abgesehen von den Gründungsarbeiten, 196 Arbeitstage in Anspruch, so daß die durchschiiittliche Tagesleistung 0,91 lausende Meter betrug. Ernste, wissenschaftliche Forschung gab uns in der seit 15 Jahren bewährten Myrrholinseise t<" Äosmetltuul von uubebmgier Berläylichkeit zur Ersieh eines blendend schönen Antlitzes. [W 55. Hauptversammlung des Hess. Tierschutzvereinr. K. Schotten, 13. April. Ter Tierschutzverein für Hessen konnte ^keinen geeigneteren s Zeitpunkt und Ort zu seiner Hauptversammlung er^hlln, als das in tierreicher und namentlich noch S^mlich VUreicher Gegend . gelegene Schotten. Und gerade setzt, ,ba bie Vogel bauen und brüten dft hilflosen meinen ausschlüpfen und zu ernähren sind : setzt da die Weidekinder wieder die Herden hinaustreib<.n und i die Landwirte nach langer Winterpause ihre Zugtiere anspannen, , da bedarf es besonders der Mahnung: „Edel sei der Mensch, , hilfreich und gut." Der Schutz der Tiere ift ent ®.egcn J^b ein < SnrtHl für bie Menschen in sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht, ^b^n.t der Vorsitzeiche/Geh.Oberschulrat Dr. S ch e uermann- ; Darmstadt, in seiner Begrüßungsansprache Jeder Tierfreund ; mW seine Freude an dem guten Besuch der Versamm- . luna haben, an der u. a. Geh.Regierungsrat Schonfeld,Bürgermeister Kromm-Schotten, Schulrat Eck-Alsfeld und Schulrat Feuerbach- Schotten teilnahmen. Der Jahresbericht des Schriftführers Heußlein-Darmstadt gibt ein Bild der regen Arbeit des Vor- ; ftandes, auch der günstigen enttoidclung des Vereins, vor allem aber der erfolgreichen Tätigkeit int eutne des Tierschutzes. Viele Einrichtungen und Anordnungen sind von Behörden und Körper- ■ febaften getroffen worden, um das Los der stummen Gehilfen । des Menschen zu bessern. 43 000 Tierfchutzkalender wurden an , Schulkinder abgegeben, 600 Schriften vom Bureau versandt, 400 Mark an solche Personen als Prämien verteilt, die sich im Sinne oes Tierschutzes verdient gemacht hatten. Ein Preis von 300 Mk. wurde für die beste Erzählung ausgegeben. Unter den Prämiierten befinden sich 13 Gendarmen, 17 Schutzleute, 14 Dienstmädchen und einige Kutscher. Davon sind aus Gießen die Wachtmeister Schar- , mann, Haas und Buhr, ine Schutzleute Fleischhauer Reinhardt intb Neutz und das Dienstmädchen E. Althaus, welches wieder- 1 holt erkrankte und verletzte Tiere pflegte. Dem Tierschutzverein wurden von Sparkassen uitd Privaten 1004 Mark gescheut!, davon 500 Mark von Fräulein P. Müller-Wimpfen. Der Verein nahm 1909 um 157 Mitglieder zu. Der Bericht spricht ganz besonders den Lehrern für ihre eifrige Mithilfe Dank aus. Nach lebhaftem Beifall dankte der Vorsitzende dem Redner und erstattete den Rechenschaftsbericht für 1909. Tie Gesamteinnahmen find 9809 Mark, davon sind Beiträge 4292 Mark, Geschenke 1004, für Aitz-eigen und Abonnements 1107 Mark. Die Ausgaben betragen 7801 Mark und zwar u. a. 2585 Mark für die Tierschutz- Zeitschrift, für Geldprämien und Tierschutzkalender 2480 Mark. bleibt ein Ueberschuß von 2007 Mark. 1700 Mark sind ouf der Sparkasse zu Darmstadt angelegt. Tas Gesamtvermögen .ist 10251 Mark. Der Voranschlag für 1910, der in Einnahme und Ausgabe 8420 Mark Vorsicht, fand einstimmige Annahme. Für Geldprämien sind 500 Mark, für Kalender 2000 Mark vorgesehen. Zu Punkt 6 „Anträge der Mitglieder" hob Hauptlehrer Knauß-Gießen int Auftrag des Gießener _Tierschutzvereins den Vogelschutz und die Bedeutung der Bcrlcpschen Vogelschutz - kurse als recht nützlich hervor. Das Unterholz in Wäldern, die Sträucher an Bächen und Flüssen müßten erhalten bleiben. Dann gibt er die Anregung, der Verein möge Schritte tun, daß die Abfuhr des Holzes aus den Wäldern nicht mehr bis zum 15. Juli gestattet ist, sondern schon bis zum 1. April erfolgt sein müsse, da gerade von April bis Juli bie Singvögel gern in den Holz- Haufen brüteten und bei der Abfuhr die Brut vernichtet würde. Der Vorsitzende will bei der Oberforstbehörde einen dahingehenden Versuch unternehmen. — Der Vorsitzende teilt, mit, daß der Vorstand beschlossen habe, die Tierschutzzeitfchrift in 200 Exemplaren in Lesezimmern und anderen geeigneten Lokalen aufzulegen, damit die Ideen des Tierschutzes eine weite Verbreitung fänden. Von größtem Interesse war der Vortrag des Oberlehrers Dr. Rausch über „Unsere Haustiere im Lichte der Sprache und Geschichte". In schöner, zum Teil humoristischer Weise gibt er schöne Schilderungen über die Haustiere der Ureuropäer, seine Herkunft, Vettvendung, feinen Nutzen und Namen, seine Bedeutung in grauer Vorzeit, im Mittelalter und jetzt. Das älteste Haustier, der Hund, begleitete schon den Menschen der neolithischen Steinzeit als Gefährte und Gehilfe bei der Jagd. Später kommen Ziege, Schaf und Schwein: erst in der Bronzezeit zeigt sich das Pfett). Schon der Jndogermane hat diese Tiere gekannt, wie aus seiner Sprache hervorgeht. Finden sich doch dort sogar die Bezeichnungen für die Produkte wie Milch, Rahm, Wolle und Mist schon. Das Rind war das wichtigste Tier für den Urmenschen und war für die Arier von größter Wichttgleit, den Indiern war die Kuh heilig. Tas Rind war mehr Milch- als Schlacht- tier, von Gestalt nein und ohne Hörner; Rindfleisch war iwch im Mittelalter ein Leckerbissen. Die Ziege ist ein indogermanisches Haustier, ebenso das Schaf. Das Schaf war schon den Ureuropäern als Reittier bekannt. Die Pferde der Germanen waren klein aber ausdauernd. Esel und Maultier' kamen über Italien zu uns. Das Schwein war schon zur Römerzeit wegen seiner Schinken beliebt. Die Katze schließt den Reigen in der Tierwelt, sie kam im 6. Jahrhundert über Rom zu den Galliern und Germanen. «Den Hahn kannte das alte Testamutt und Homer nicht er stammt aus Persien. 'Die Griechen brauchten ihn als Kampfhahn. Gans und Ente sind indogermanischen Ursprungs. Tie honigspendende Biene bot in alter Zeit den einzigen Zucker. Sie stammt vom Abhang der Karpathen; im Mtttelalter begann die Wald- und Hausbienenzucht. Ter Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Aus Stadt und Land» Gießen, 14. April 1910. ** Gießener Naturth eater. Mit Genehmigung der ForstLehörde wurde gestern zum Andenken an die Aufführungen von Kleists Hermannsschlacht, die im Juli v. I. am Fuße des Schiffenberges stattfanden, an dem in der Mitte der Naturbühne stehenden Baume eine Gedenktafel aus Eichenholz — die Nachbildung eines gotischen Schildes — angebracht, die folgende Aufschrift trägt: „H er- inannsbuche. Zur lErinnerung au die XIX. Jahrhundertfeier der Schlacht im Teutoburger Walde." Die Tafel ist von Herrn A. Haßler geliefert morden. Die Allgemeine hessische B e a mten - Sie rb e- kasse hielt am Sonntag, 10. April, zu Mainz ihre 8. Mitgliederversammlung ab. Der seitherige Vorstand, bestehend auS Geh. Oberbaurat Jmroth, 1. Vorsitzender, Geh. Justiz- rat Dr. Lahr, 2. Vorsitzender; RechnungSrat Bergauer-Darni- stadt, KreiSstraßenmeister Braun - Alsfeld, Aktuar Göbel- Offenbach, Förster Klipstein - Darmstadt, KreiSamtsbureau- vorsteher Schneider-Heppenheim und Oberbuchhalter Vogel- Mainz, wurden einstimmig miedergewählt. Der Jahresbericht, die Jahresrechnung und die Bilanz fanden die Genehmigung der Versammlung. Als Ort der nächsten Mitglieder-Ver» sammlung wurde Darmstadt bestimmt. Im Geschäftsjahre 1909 sind der Kasse beigetreten 79 Männer und 28 Frauen, zusammen 107 Personen; gestorben sind 17 Personen, wofür das versicherte Sterbegeld mit zusammen 9800 Mk. sofort zur Auszahlung gekommen ist. Zwei Versicherungen wurden in prämienfreie umgewandelt. Die rechnungsmäßige Sterblich- feit betrug 28,6 Personen, eS wurde sonach ein Sterblich- keitSgewinn von 40,57 Proz. erzielt. Die Sicherheitsreserve, der wiederum 540 Mk. zugeführt wurden, beträgt 12 540 Mk., die Prämienreserve 84 430,76 Mk. Der Mitgliederbestand beträgt zu Ende des Geschäftsjahres 1778 Personen mit einem Gesamtversicherungskapital von 1082 144,18 Mk. Nach Rückstellung aller Reserven ergab die Bilanz einen lieber» schuß von 10 060 Mk., so daß die Gewinnreseroe zu Ende deS Geschäftsjahres 38 726,66 Mk. beträgt. Die für das Jahr 1909 zur Verteilung kommende Dividende beträgt '38 Proz. der JahreSpramie. Höchste Temperatur am 12. bis 13. April Niedrigste , 12. „ 13. — 0,4 mm. — Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! — Ds/il G. Henneberg:, Zürich' Israelitische Neliyionrgesellschajt. Gottesdienst. S abbat iei er am 16. April 1910. Freitag abend 6.55 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbat-Ausgang 8.10 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, abends 6.30 Ufr. Meteorologische Beobachtungen der Station Giehei. April 1910 Barometer auf 0° rednzierl Temperatur der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke ÖMb frei BeroSIimng in gehrnet der j stchtb. HimmelssÜ 13.1 L" 735,1 16,1 7,7 57 S 4 8 13.l S» 734,4 13,1 8,0 72 SSE 2 4 14. 7” 734,4 14,0 7,2 61 S 2 7