Nr. 162 Erstes Blutt 160. Jahrgang Donnerstag 14. Juli 1910 Der Sietzener Anzeiger Ä ä VezngSstretS. erscheint täglich, außer rnonarlich75Pst, viertel- sSjSZK*AMAiiA-y >1 it'fAtAAi^—SS zweimal wöchentl.Ureis- MBR W M V MÄ i | M V W MW 1 H tri ® W W die Post Mk.L-viert-L- blattfürsenXreirGietzen M W W ZZ MM W W W /■ gl "Mi W M W W< W fährt. ansschl. Bestellg. S^sV/lvIlvIlvi «IllvIUVtBS Fernfprech-Anschlüsse: M M . WM Verantwortlich für den für die Redaktion 112, V HU? politischen Teil: Auqnst «s? General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen . ® • • u. Land und „(Berichts- bis °°°rmm°fs"s'uh" Rotationsdrnck *nö Verlag der vrühl'schen Unw.-buch- und Steindruckerei B. Lange. Bedaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7. A°z-i->mt^?'^Äck. Tannenberg. Zum fünfhundertsten Male jährt sich heute Wr Tag, an dem das Heer des Deutschen Ritterordens bei Tannenberg von der vereinigten Macht der Polen und Litauer geschlagen wurde. Und an diesem Tage ziehen tausende katholischer Polen, auch aus den Ostmarken des Deutschen Reiches, nach Krakau, dem Hauptmittelpunkt des Polen- tums, um die Erinnerung an den Sieg über das einstige Bollwerk des Christentums gegen heidnisches Slawentum festlich zu begehen. Zwei Gesichtspunkte können für die Polen nur in Betracht kommen die fünfhundertjährige Wiederkehr ihres Sieges zu feiern. Einmal legte dieser Sieg bei Tannenberg oen Grundstein zu einer Großmacht- ftellung des Polentums im europäischen Osten; denn er brachte dem gefährlichsten Nebenbuhler der polnischen Macht jene erste Wunde bei, die ihn zu dauerndem Siechtum verurteilte. Zweitens aber war der Besiegte von Tannenberg nicht nur eine beliebige Nachbarin acht, die sich dem polnischen Reiche gefährlich erwiesen hatte, sondern es war zugleich der Todfeind des Slawentums, das Deutschtum und seine Kultur. Schon aus diesen Gesichtspunkten heraus erwächst der Siegesfeier in Krakau und den Triumphfestlichkeiten, die schon seit Tagen allerorten stattfinden, der wahre Charakter einer polnischen Demonstration gegen das Deutschtum Und seine Anhänger. Man nimmt sich auf polnischer Seite auch nicht die Mühe, den Endzweck der Tannenbergveranstaltungen zu verschleiern. Am krassesten trat er bereits zutage bei einem kürzlich in Lemberg veranstalteten Feste. Die glänzende Ausschmückung der Stadt und der Festräume mit vielen Inschriften versinnbildlichten die einstige und die kommende Macht Polens. In den Reden und Ansprachen, auch in der Festpredigt des Weihbischofs, stand der große nationale Zukunftstraum der Polen, die Wiedergeburt eines selbständigen Polenreichs, im Vordergründe. Ueberall wurde das sklavische Joch, welches das Polentum „unter dem barbarischen Szepter der Teilungsmächte zu tragen habe", in den grellsten Farben geschildert und der festen Zuversicht Ausdruck gegeben, daß die Macht Polens, wie sie zur Zeit Jagiellos bestanden habe, wiederkehren werde und müsse. Natürlich fehlte es auch nicht an Verleumdungen und Verhöhnungen des „von polnischer Tapferkeit niedergemetzelten barbarischen Kreuzritterordens". Daß der Lemberger Erzbischof bei einem feierlichen Feldgottesdiensde selbst die Meise zelebrierte, daß überhaupt Geistliche an der Spitze der Tannenbergveranstaltungen stehen, gibt diesen ein besonders charakteristisches Gepräge. Der Tannenberger Sieg war nicht allein ein Sieg der Polen über das vordringende Deutschtum, er war auch ein Triumph des Heidentums über das Kreuz der christlichen Kirche. llnd/ttotzdem entblöden sich katholische Geistliche nicht, diesen Sieg, dec ihrem Glauben den schärfsten Schlag versetzte, mit verherrlichen zu helfen, um polnischen Fanatismus zu schüren! Dem deutschen Zentrum hat der Sie^esjubel seiner polnischen Freunde eine harte Nuß zu knacken aufgegeben. Zwar hat die „Köln. Volksztg." kürzlich aufatmend seftgestellt, der Tannen'berqfeier sei schon vor einiger Zeit von einem polnischen Schriftsteller eine Begründung gegeben worden, die den deutschen Polenfreunden noch über den letzten, schon recht kümmerlichen Rest nationaler Ge- wissens'bedenken hinweghelfe:: soll, indem sie feststellt, daß der König Jagiello nur als ein Prophet der Völkerverbrüderung und der religiösen Toleranz anzusehen sei. Auch jetzt wieder sucht sie die polnischen Siegesfeiern als harmlos und als ein fast kindliches Vergnügen hinzustellen, mit der Begründung, die Erinnerung an die Schlacht bei Tannenberg beanspruche nur noch historisches Interesse, da der deutsche Orden doch längst von der Schaubühne verschwunden sei und auch ein polnischer Staat nicht mehr existiere. Offen gegen diese Schmähung des Deutschtums aufzutreten, wagt sie jedoch nicht. Und die deutschen Polen lassen sich drum auch in reiner Weise stören, ihr reichlich Teil zu der Siegesfeier beizusteuern. Kürzlich erließ ein unter den Polen Deutschlands entstandenes eigenes Komitee einen hoch- trabenden, phrasenreichen Aufruf, in dem die Nationalgenossen aufgefordert wurden, das Tannenbergandenken durch Geldspenden für polnische Volksbibliotheken und Lesehallen zu ehren. Nationale Aufklärungsarbeit sei das würdigste Mittel, im Geiste der Tannenbergschlacht weiter zu wirken. Und in Westpreußen zirkuliert ein Aufruf, der die dortigen Polen auffordert, keine Tannenbergfeiern zu veranstalten, sondern statt dessen Geld für den polnischen Verein „Un- terrichtshilfe" zu fordern. Auch in deutschen Landen wird also überall die Erinnerung an den Sieg des Polentums über den deutschen Ritterorden gefeiert, um das polnische Nattonalbewußtsein zu stärken und es zum Widerstand gegen deutschen Geist und deutsche Kultur zu schüren. Damit ergibt sich für uns die Frage, wie wir der offenkundigen Verhöhnung unseres Volkes durch polnische, weltliche und kirchliche Siegesfeiern wirksam entgegentreten können. Der Gothaer Teutschbund richtete kürzlich an das preuß. Staatsministerium eine Eingabe, in der gebeten wird, 1. am Jahrestage der Schlacht das Enteignungsgesetz zu praktischer Anwendung zu bringen, 2. an demselben Tage den Entwurf eines Parzellierungsgesetzes für die östlichen Landesteile veröffentlichen und 3. an ordn en zu wollen, daß am 15. Juli in allen Schulen der östlichen Landesteile während des geschichtlichen Unterrichts die historische Wahrheit über die Schlacht bei Tannenberg gelehrt werde. So sympathisch der letzte Passus berührt, möchten wir doch nicht so weit gehen, die Anwendung des Enteignungsgesetzes gerade für den 15. Juli zu empfehlen. Wir möchten aber hier noch einmal zu bedenken geben, daß das Enteignungsgesetz als leerer Buchstabe, ohne Absicht der Realisierung nicht dazu angetan ist, polnischer Anmaßung einen Halt zu gebieten. Die Tannenbergseie-rn sollren dec preußischen Regierung eine dringende Mahnung jein, in ihrem Polenkurs reine Aenderuna eintteten zu lassen, sondern auch unter Anwendung der bestehenden Gesetze alles dazu zu tun, dem Deutschtum in den Ostmarken den Rücken zu stärken. Der „liebe und große Freund" des Kaisers. Die „Morning Post" hat ihre Sommersensation. Der Korrespondent in Washington, der verpflichtet ist, täglich mindestens eine jAlarmnachricht zu kabeln, und wenn sie auf Kosten Deutschlands erfunden sein sollte, hat einen schrecklichen Brief des deutschen Kaisers an den neuen Präsi- denterr von Nicaragua, Herrn Madriz, entdeckt, der von dem englischen Journalisten nun weidlich ausgenutzt wird. Besonders fyait der Journalist seine Freude daran, daß er in dem Schreiben Kaiser Wilhelms eine Spitze gegen Amerika entdeckt haben will. Der Kaiser schrieb, wie bekannt, an den neuen Präsidenten Madriz, der ihm seinen Regierungsantritt mitteilte, daß er und seine Regierung fortfahren werde, die besten Beziehungen zu erhalten und zu pflegen, die glücklicherweise zwischen dem Deutschen Reiche und der Republik von Nicaragua bestehen. Nun bestehen aber zwischen den Vereinigten Staaten und Nicaragua einige geringe Mißverständnisse, da zwei amerikanische Bürger etwas zweifelhaften Charakters bei der letzten Revolutton die Rolle von Spionen gespielt haben sollen und deshalb hingerichtet worden sind. Natürlich hat der Korrespondent der „Morning Post" mit seltenem Scharfblick daraus den Schluß gezogen, daß der Brief des Kaisers sich gegen Amerika richte. Ja, er will sogar wissen, daß der Präsident Taft darüber ärgerlich sei und daß das Staatsdepartement des Auswärtigen, dessen Leiter Phi land er Knox ist, die Angelegenheit mit größter Wichtigkeit behandle. Demgegenüber sind folgende Richtigstellungen, die die Sachlage denn doch etwas anders beleuchten, am Platze: Im Weißen Hause hat man sowohl von dem Schreiben des Präsidenten Madriz an den Kaiser — es ging selbstverständlich ein gleiches Schreiben an alle anderen Souveräne und Präsidenten von Republiken — wie von dem Inhalt der Antwort des Kaisers an den Präsidenten schon seit langer Zeit Kenntnis. Es kann schon aus dem Grunde nicht unbekannt sein, weil sämtliche Präsidenten von Republiken, die ihre Wahl anzeigen, kaiserliche Antworten des gleichen, stereotyp feststehenden Inhaltes be- lommen. Eine Ausnahme wird nur dann gemacht, wenn zwischen unserer Regierung und der Regierung eines neuen Präsident^ ganz besonders nahe und freundschaftliche Beziehungen bestehen. Der Leiter des Departements des Aus- wärttgen, Herr Knox, kennt nicht, wie es nach dem Telegramm der „Morning Post" den Anschein hat, den Inhalt des 'Schreibens erst feit gestern oder seit vorgestern. AN diesem Tage hat erst der Korrespondent der „Morning Post" seine Kenntnis aus irgendwelchen trüben Quellen geschöpft. Er ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, für sich und sein Blatt eine unglaubliche Reklame zu inszenieren, deren Wirkung er sicher war. Es mag noch hinzukommen, daß neben der Reklamesucht des Blattes auch deutschfeindliche Gesinnung seine Feder kettete. Was die Nachricht von der beabsichtigten Abtretung einer Insel Nicaraguas an eine europäische Macht — eine diskrete, aber aufdringliche Umschreibung für Deutschland — anbelangt, so ist darauf hinzuweisen, daß Nicaraaua Inseln überhaupt nicht besitzt, die die Republik abtreten könnte und die als Kohlenstation für Deutschland in Betracht kämen. Es muß hier die Ansicht ausgesprochen werden, daß der englische Korrespondent einfach gelogen hat, nur um seiner an sich belanglosen Depesche ein größeres Ansehen zu verleihen. Er wußte, daß der Brief des Kaisers in Washington ganz unbeachtet blieb und keinerlei Einfluß auf die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten 'haben kann. Darum die Meldung von der beabsichtigten Abtretung einer Kohlenstation. Hierbei hat ihm nur seine Unkenntnis des Besitzstandes Nicaraguas einen üblen Streich gespielt, da dadurch sofort die ganze Meldung als das erscheint, was sie tatsächlich ist, eine Sensattonslüge allerersten Ranges. Tatsächlich hat die ganze Angelegenhett bei den maßgebenden Stellen nur ein Lächeln hervorgerufen. Selbstverständlich denkt auch in Amerika kein Verantwortlicher anders darüber. * Washington, 13. Juli. Das Sta atsd chartern en t hielt die Mitteilung des deutschen Kaisers an den Präsidenten Madriz von Anfang an für einen reinen Formalitätsakt und sieht daher keine Basis dafür gegeben, irgend welche Aufklärungen in dieser Angelegenheit von der Madrizpartei zu verlangen. Lin katholischer Pfarrer über den letzten Hirtenbrief. Der katholische Stadtpfarrer Dr. Feuerstein in Donaueschingen hat mit seinem vollen Namen bei einer Preßerörterung folgende Nottz veröffentlicht: Die Enzyklika scheint mir tadelnswert. Nicht lvegen des geschichtlichen Urteils, das sie ausspricht, aber weil sie in der Form verletzt. Die Enzyklika ist mit unnötiger Schärfe geschrieben und redet die Sprache der religiösen Streitschriften, des 16. Jahrhunderts. Diese Sprache wird heute nicht mehr verstanden. Sie ist heute doppelt bedauerlich, weil die Gegenwart den Wahrheitsbeweis einer Religion, freilich einseitig, nicht im Dogma, sondern in dem Maße der Liebe sieht, die sie ihren Bekennern einftößt. Ich bedauere, daß der „Donaubote" dieser Seite der Sache mcht gerecht lvird. Gewiß ist das Rundschreiben gegen den Modernismus gerichtet. Aber die Reformation des 16. Jahrhundetts dient dabei als ständig festgehaltenes Vergleichsobjekt. Die Enzyklika hat einen Streit entfacht, der von der andern Seite vielfach maßlos geschürt wurde speziell von einer Seite, die kein Recht dazu hat, weil sie die Empfindungen der Katholiken seit Jahr und Tag verletzt. 'Der Streit wird dem gesamten kirchlich organisierten Christentum in gleicher Weise schaden. 'Den Gewinn der ganzen Aktion werden buchen die Sekten, die Freidenker, hie Freunde der Trennung von Kiyche und Staat, die Sozialdemokratie, soweit sie an der Trübung der kirchlichen Gewässer ihre stille Freude hat. Ob der Spanier Merry del Val die Enzyklika verfaßt hat oder nicht, er ist jedenfalls der formell und moralisch Verantwortliche. Diese spanischen Monsignori, die, wie mir gesagt wird, im Sportkoftüm Tennis spielen, und ihrem Heimatlande Generaldispens vom Fastengebot erwirken, täten besser, mit der Strenge b e i sich selbst zu beginnen. Vielleicht fordern endlich die deutschen Bischöfe einen deutschen Kurienkardinal, der der Kurie sagt, was die Zeit verlangt und was die deutsche Nation, die mit der angelsächsischen Rasse in England und Amerika zurzeit der alleinige Träger eines lebendigen Katholizismus ist, erträgt und was nicht. Wir freuen uns, daß hier ein katholischer Geistlicher dieselbe Ansicht vertritt, die wir vor einiger Zeit hier ausgesprochen haben, daß nämlich die deutschen Katholiken endlich versuchen sollen, das Jock abzuschütteln, das ihnen von fremden, deutsch-feindlichen Kardinalen in so manchen Beziehungen auferlegt wird.______________________________ Englische Parlamentsmitglieder gegen übertriebene englische Flottenforderungen. London, 14. Juli. Vierzig bis fünfzig liberale Mik» glieder des Unterhauses nahmen gestern abend einstimmig eine energische WiderspruchSentschließung gegen die Höhe der diesjährigen Flottenforderungen an. Die Entschließung wttd der Regierung übermittelt. Es herrschen jedoch Meinungsverschiedenheiten darüber, ob es in Anbettacht der schweren Verfassungskrise ratsam fei, gegen die Forderungen zu stimmen; auch ist es zweifelhaft, ob einer der Teilnehmer einen Anttag im Sinne der Entschließung einbringt. Einige Teilnehmer erklärten, sie würden sich zum Zeichen des Protestes der Sttmmabgabe enthalten. Deutsches Nesch. Die Kaiserin ist mit der Prinzessin Viktoria Luise am Mittwoch auf Wilhelms höhe eingetroffen. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hött, ist für den Poften eines Gesandten in Sofia der bisherige Generalkonsul in Kalkutta v. Below-Saleske in Aussicht genommen. Die Organisationen der deutschen Werftarbeiter bahnen eine Lohnbewegung süp 40 000 Werftarbeiter inHamburg, Bremen,Flensburg,Kiel,Lübeck,Rostock imd Stettin an. Sie fordern die Einsetzung von Arbeiterausschüssen, ferner eine 10 prozentige Lohnerhöhung bei verkürzter Arbeitszeit und Regelung der Akkordarbeit. Die b a o i s ch e 1. K a m m e r beschäftigte sich gestern nachmittag mit dem Gesetzentwurf ibetrefsend dic.Abänderung der Gemeind e-- und Städteordnung. Es wurde ein Antrag angenommen mit 16 gegen 15 Stimmen, nach dem bet § 35 in seiner bisherigen Fassung (Zwölftelung bei der Klasseneinteilung) belassen werden soll. Der ganze Entwurf fand sodann mit allen gegen fünf Stimmen Annahme. Das Gesetz muß nochmals an die Zweite Kammer gehen; es erscheint durch erwähnten Antrag gefährdet. Aus Se^en. Großherzog und Evang. Bund. Vom Großherzog ging beim Evang. Bund am Montag folgendes Antworttelegramm ein: „Für den treuen Gruß danke ich Herz- lichst, wissend, wie der Verein die Evangelische Sache im Hessenland stets richtig vertritt. Ernst Ludwig." Die vom Gesetzgebungsausschuß der Zweiten Kammer angenommene Mahlkreiseinteilung für Rheinhessen hat unter den National- liberalen dec Provinz lebhaften Widerspruch gefunden, der sich zu folgender Entschließung der nationalliberalen Organisationen des Reichstagswahlkreis es Mainz-Oppenheim verdichtet hat: „Die am Dienstag abend in Mainz vereinigten Vorstände und Vertrauensmänner der zur nattonalliberalen Parteiorganisation Mainz-Oppenheim gehörigen Vereine und Orte dec Umgegend von Mainz protestieren energisch gegen die von der nattonalliberalen Fraktion des Landtags angenommene Wahllreiseinteilung für Rheinhessen, in der sie eine Vergewaltigung der nattonalliberalen Parteiorganisation und Wähler des Wahlkreises erblicken. Sie sprechen der Fraktion ihr tiefstes Bedauern aus und hoffen besttmmt, daß die Fraktion bei der Beratung im Plenum der Wahlkreiseinteilung Bach zustimmt. In der Einteilung Bach erblicken die Versammelten die zurzett gerechteste und beste Einteilung, die in erster Linie den Interessen der nattonalliberalen Partei dient, allen historisch gewordenen wirtschaftlichen Zusamtnenhängen Rechnung trägt und die. nationalliberale Partei vom Zenttum unabhängig macht. In der sogenannten Wählkreiseinteilung Winkler dagegen sehen sie den Versuch, die nattonalliberale Partei dem Ultra* montanismus dienstbar und die Nattonalliberalen Rheinhessens und speziell in Mainz-Oppenheim mundtot zu machen. Die Versammelten mißbilligen das Vorgehen des Herrn Dr. Winkler gegen die Parteiorganisation Mainz- Oppenheim, deren Mitglied Herr Dr. Winkler selbst ist. Die Versammelten bitten Herrn Abg. Bach, weiter in der bisherigen tatkräftigen Weise die Interessen der nationalliberalen Parteiorganisation Mainz-Oppenheim bei Beratung der Wahllreiseinteilung zu vertreten und danken allen, die dies bisher energisch getan habens Aus Ofenpeft meldet man: Auf die Anfrage Thuroczi)s (Res gierungspartei) über die Veröffentlichung der Borromäus- Enzyklika durch den Erzbischof Varosy erklärte der Mürister- präsident imAbgeordnetenhaus, die Regierung werde sieb zunächst eine amtliche Keimtnis der tatsächlichen Vorgänge verschaffen; er glaubt aber, schon jetzt sagen zu können^ daß Vorsätzlichkeit ausgeschlossen sei. In jedem Fall werde die Regierung für ihre Pflicht erachten, eine Störung des konfessionellen Friedens h i u t a u z u h a l t en und im Falle des Zuwiderhandelns den Frieden w i ed er h e r z u st el l§ u. Die Antwort wurde, zur Kenntnis gemunmen. g e geholfen, indem sie die zum Bahnhof führende Straß in einen ordnungsmäßigen Zu stand verätzen läßt. ( ) Marburg, 13. Juli. Die Stadtverordneten beschlossen eine neue Kanalisationsgebühr en-Ordq nung, nach der auch die Mieter direkt zu diesen Kosten herangezogen werden und zwar bei Wohnungen mit zwei Prozent und bei Geschäftsräumen und öffentlichen Gebäuden mit 1 Prozent vom Miet- oder Nutzungswert. Die Steuer beginnt bei einer Jahresmiete von 175 Mk. Airs Stadt Land. Gießen, 14. Juli 1910. •* Tageskalender für Donnerstag, 14. Juli: Vortra < von Stadto. Krn rn m über den prin^iv'ellen Teil des sozioldemo Lratischen Prsgrmmns. Abends 8'/, Uhr tm G.af6 Ebel. ; X. Geilshausen, 13. Juli. Ein Unfall, der den Tod eines Mannes iin kräftigen ManneSalter im Gefolge ' hatte, trug sich hier zu. Ein hiesiger Landwirt im Alter oon 48 Jahren hatte mit seinen zwei Pferden einen Wagen ooll Mist gefahren. Auf der Rückfahrt vom Felde fiel plötzlich das eine Rad von dec Achse. Dadurch scheuten die sonst lammfrommen Pferde und gingen durch. Auf dec Flucht trennte sich der Hinterwagen vom vorderen Teil.' Mit diesem rasten die Pferde weiter. Der Landwird geriet hierbei zwischen eine Runge und ein Rad. Der Kopf wurde ihm umgedceht und der Schädel zerdrückt. In einem Weizenacker blieben die Pferde stehen. Ij. Friedberg, 14. Juli. Unser neu erbautes Krankenhaus ist setzt vollendet und wird weit über hundert Kranke aufnehmen können. Einige Zimmer sind schon belegt, das ältere Gebäude ist besetzt. Zurzeit erhält das Gebäude ailch äußerlich ein neues Kleid. Rach der Rückkehr des Bürgermeisters Stahl, der einen wesentlichen Anteil an der Errichtung wie an dem Bauentwurf hatte, wird das Spital eingeweiht werden. Schön stellt sich der Eingang mit der Pförtnerwohnung von der Kaiserstraße aus dar. Äußer dem Anstaltsarzte wird noch ein junger Arzt in der Anstalt tätig sein. -m. Friedberg, 13. Juli. Drei seltene Geburtstage werden in biefent Jahre hier gefeiert, die der Herren Rentner Justus!Mechcrrd, Kaiserstraße 70II, geb. am' 11. Aug 1820, Rentner Christoph Ritzel, Kaiserstraße 591. geb. am W 1820,'unb Privatier Franz Klein, Burg 20, geb. am 25. Dez. 1820. Herr Wiechard ist geborner Kasseler, er war früher Kaufmann unb lebt schon lange Jahre hier. Herr Rchel ist geborner Friedberger, er war früher Schmied, fpater Fleischbeschauer, und heute ist noch eine Zeitung aus bem Jahre 1820 vorhanden, in beren Geburtsauszug aus den Kirchenbüchern Friedbergs auch die Geburtsanzeige des heutigen Neunzigers ersichtlich ist. Klein ist geborner Ockstadter und war früher Schreinermeister. Alle drei sind den Umständen nach ziemlich rüstig. Also drei Neunziger, abgesehen von den vielen Achtzigern, welche noch hier wohnen. Gewiß ein guter Beweis von den günstigen Gesundheitsverhältnissen der hiesigen Stadt. * * Durchgebranut. Dec Bäckergeselle Lange aus Kalk hatte vor einigen Tagen Arbeit hier angenommen, verschwand aber gestern plötzlich von der Arbeitsstelle. Es stellte sich heraus, daß er feinem Nebengesellen den Koffer erbrochen und 45 Mk. Bargeld sowie sonstige Wertgegenstände und Kleider hatte nütgehen heißen. Lange wird auch noch von anderen Behörden wegen Diebstahls verfolgt. • • Fahrradmarder. In der Liebigstcaße wurde einem Bauhandwecker ein Mars-Fahrrad gestohlen, während er sich in einer Wirtschaft befand und das Rad auf der Straße stehen hatte. * * Die Linde blüht, lieblich süßer Duft strömt jetzt aus zahllosen Blüten der prächtig gerundeten Baumkrone uns entgegen. Schon feit altersgrauer Zeit war die Linde ein beliebter und „wichtiger" Baum. Wie man die Eiche preift, als die Verkörperung der deutschen Kraft und fester, unbeugsamer Sinnesart, so ist die Linde ein Bild deutscher Gemüts- -tiefe und Innigkeit. Die Germanen versammelten sich unter der Gecichtslinde, um des Spruch des Rechts entgegenzunehmen. Dagegen fand sich in trauter Dämmerstunde unter der Dorflinde, die meist auf einem freien Platze stand, die Jugend zusammen, um sich beim Klange der Fiedel im lustigen Tanze zu drehen. Unter der Linde vor des Hauses Tür saß auch nach des Tages Mühe dec Greis, um feinem Enkelsohne von längst vergangenen Zeiten Kunde zu geben. Des Hauses Trauer- und Freudentage schnitt man in die Rinde des Lindenbaumes, damit ec sie an kommende Geschlechter überliefere. Und wie die Linde eng verwachsen war mit dem Staats-, Gemeinde- und Familienleben unserer Vorfahren, so wurzelt das Zugehörigkeitsgefühl zu ihr noch heute im Herzen unseres Volkes, das ihr ein wohl unverwüstliches Denkmal gesetzt hat in dem herrlichen, immer aufs neue vielgesungenen Liede: „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindeu- baurn." Hinterlassene Aufzeichnungen. Zirla fünf Meter von dec Unglücksstelle entfernt wurde ern Blatt aus bem Notizbuch einer ber Getöteten mit folgenden Aufzeichnungen aufgefunben: Abfahrt 9 Uhr 4 Mrn. Steigend 9 Uhr 9 Min. D i ch t e r N e b e l. Norb- w c n b. Ohne jebe Sicht ber Erbe. Sonne kommt durch. Dichter Nebel unter uns. Tas .Höhensteuer abwärts. 280 ^e^er-, 0 Uhr 11 Min. . . . Tie Mutter des getöteten Ingenieurs Hopp, der dieses Blatt gezeigt wurde, hat die Handschrift als die ihres Sohnes erkannt. Auf der Rückseite befindet sich eine Zeichnung des Luftschiffes. Nach den Aufzeichnungen, die sich an den völlig intakten Apparaten des verunglückten Luftschiffes „Erbslöh" ablesen toffen, rst festgerstellt, daß das Luftschiff in einer Höhe von 200 Meter eine Strecke lang gefahren ist und dann, als es von der Sonne erwärmt wurde, bald eine Höhe von 750 Meter erreichte, dann aber wieder auf 280 Meter niedergesunken war und in dieser Höhe von der Katastrophe betroffen worden ist. Einer ber Apparate weist eine Luftdruck- brfferenz von 755 Millimeter auf. Vermutungen über die Ursachen. Nach weiteren Melbnngen ans Leichlingen wird von Zeugen erklärt, daß augenscheinlich die Gondel zu sehr belastet war, so daß sie einknickte. Von anderer Seite wird erklärt, daß em großer Riß in der Ballonhülle entstand, wodurch der Ballon jäh aus ziemlicher Höhe auf die Erde hinabfchoß. Die Konstruktion des verunglückten Ballons. Das Luftschiff „Erbslöh" ist nach unstarrem System gebaut und hat eine Länge von 53,2 Meter, einen Durchmesser von 10 Meter unb einen Inhalt von 2900 Kbm. Am Hinteren Ende ber Hülle finb zwei Stabilisierungsflächen unb eine Kielflache mit Steuer angebracht. Tiefe bestehen aus Stahlröhren, welche mit Stoffen bespannt finb. Der Propeller hat im Durchmesser 4,5 Meter unb besteht aus Mahagoniholz. Von befonberem Interesse ist bie Gondel Sre hat eine langgestreckte, an beiden Enden spitz zulaufende Form, ähnlich wie das Luftschiff „Republique", das im vorigen Jahre an einer ähnlichen Tragödie zugrunde ging Die Gondel hat eine Länge von 27,3 Meter unb hängt an Drahtseilen. Die Gondel, die eine ganz besondere Art der Aufhängung hatte, ist aus Eschenholz gefertigt und in 21 Felder eingeteilt. Sie läßt sich sehr leicht zerlegen, da die Maschinen sehr günstig angebracht sind. Durch ihre Form ist die Last auf das ganze Luftschiff verteilt worden. Die Höhensteuerung ist durch Pumpen verursacht worden. In der Nähe des Führerstandes befindet sich eine Rotations- wmpe, durch die zwei Wasserbehälter bedient werden, welche ich an den äußeren Gondelenden befinden. Soll das Luft- chiff steigen, dann wird der vordere Wasserbehälter gefüllt wenn es fallen soll, da wird der hintere Behälter gefüllt.' Das Luftschiff wird durch einen Benz-Motor von 110 PS an- getrieben und hat eine Gefchindigkeit von 13 Metersekunden Im allgemeinen ist als Metall jur diejenigen Teile, die metallisch ausgestattet werden müssen, Aluminium verwendet worden. Als Sicherheit gegen Abstürze sollte ein Ballonett dienen, das 450 Kubikmeter Gas enthält und durch seine gestreckte Form mit linsensörmigem Querschnitt dem Ballon eine bedeutende Starrheit verleihen sollte. Dieses Ballonett ollte selbst bei größtem Gasverlust seine Wirkung tun Trotzdem ist das Unglück nicht aufgehalten worden, da die Luftschiffe und ihre Sicherheit weniger von dem Geschick der Erfinder als von der Gediegenheit des Materials ab- hängen. ** Für den Neubau von Kreis straß en in Oberhessen leistet ber Staat in diesem Jahre 30 078.01 Mk. unb die Provinz 22446.39 Mk. Zuschuß. In Betracht kommen dabei folgende Kreise unb Straßen: Alsfeld: Ruhlkirchen— Bernsburg, 2. Nate 6609 Mk., Büdingen: Ortenberq— Eckartsborn 2. Rate 5020 Mk., —Brücke bei Höfen 3925 Mk., Friedberg: Groß-Karben—Heldenbergen mit Abzweig nach Kccichen 6. Rate 7510.37 Mk., Bad-Nauheim—Friedberg 1. Rate 3468.75 Mk., Gießen: Gießen—Steinbach 4 Rate 7866.65 Mk., Gießen-Wißmar 1. Rate 2750 Mk., Lauterbach: Fraurombach—Pfordt 3. Rate 6875 Mk., Schotten: Ritzebügel—Petersheiner Hof—Wohnfeld 2. Rate 4187.68 Mark, Rudingshain—Poppelnstruth 2. Rate 5220 40 Mk. Die politischen Vorträge, die gegenwärtig auf Veranlassung einiger Angehörigen der freien Studentenschaft hier gehalten werden, haben zur Bestrafung einiger Studierenden durch das Rektorat gefi'chrt. Die Anregung zu den Vorträgen ging von der sozialpolitischen Llbteilung der freien Studentenschaft aus, die damit den Studierenden Gelegenheit geben wollte, sich über die Programme der einzelnen Parteien selbst zu unterrichten. Demgemäß sollten Vertreter aller Parteien nach unb nach sprechen. Das Rektorat untersagte auf Grunb ber Bestimmungen ber Universität ber freien Stubentenschäft bie Veranstaltung ber Vorträge, da sie öffentlich unb mit an» schließenber Diskussion stattfinben sollten, worauf brei Studierende unter ihrer Unterschrift zu bem ersten Vortrag einluden. In ihm sprach am Montag abend Liz. Mumm, einer der Führer der christlich-sozialen Partei. Für die Einberufer der Versammlung hatte diese Versammlung bie unangenehme Folge, baß sie vom Rektorat auf Grund ber Bestimmungen ber Universität bestraft wurden. Einer wurde auf zwei Semester relegiert, ber zweite erhielt eine Verwarnung mit ber Androhung der Relegation und ber dritte einen Verweis. Die 'Ankündigung zu dem heutigen zweiten Vortrag ist nur noch von einem der seitherigen Unterzeichner unterschrieben, während als zweiter Einberufer ein schon im Erwerbsleben stehender Herr unterschrieben hat, der nebenbei auch noch an der Universität immatrikuliert ist. ** 2 5 j ä l) r t g e § Jubiläum. Dec JnstitutSdiener Jakob Schniittgall feiert am Freitag, 15. Juli, das Fest seiner 25jährigen Tätigkeit an der hiesigen Veterinärklinik. Der Jubilar hat seinen Dienst stets treu und gewissenhaft versehen unb erfreut sich allgemeiner Achtung. ** Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag auf der „Liebigshöhe" ein Gartenfest. Außer Konzert, GesangSvorträgen, Damenreigen, Kinderspielen re. sind Ueberraschungen in Aussicht genommen, u. a. soll den Festteilnehmern der Besuch eines zoologischen Gartens auf dem Festplatze ermöglicht werden. d. Mainz, 13. Juli. In ber heutigen Sitzung der 'Stabtberoroneten wurden für die W a ss e r b es ch äd i q t e n im Ahrtal 3000 Mk. bewilligt. Dabei wurde vorn Stadtv. Schäfer angeregt, der Staat möge die Brand Vers ich e- rungskas,e derart ausbauen, daß aus ihr Entschädigungen für alle elementaren Ereignisse gezahlt werden könnten. — Stadtv. Adelung (Soz.) protestterte dagegen, daß die Polizeiorgane dazu verwendet würden, politische Ge- u n 9 der Inhaber von Wirtschaften und anderer Geschäfte zu erkunden, um dann über diese den Militärboykott zu verhangen. Danrit würden die Leute schwer in ihrer wirtschaftlichen Existenz geschädigt. Er glaube, daß die Polizei von dieser unanständigen Mission nicht besonders erbaut sei. — Der Oberbürgermeister rief den Redner wegen des Wortes unanftänbig zur Ordnung. $ic Bürgermeisterei habe mit ber Sache gar nichts zu tun, bas Polizei- amt bekomme diesen Auftrag direkt von dem Territorial- tommiifar, das Kreisamt sei die vorgesetzte Behörde her Polizei. — Für Erweiterungsbauten des Holztorschulhauses wurden 40 000 Mk. bewilligt. — Der Üeberzug des Amtsgerichts aus dem alten in das neue Justiz- ge bände wurde gestern nachmittag nach dreitägiger Arbeit beendet. Wie groß die Mtenansammlung in Zivil- unb Strafsachen ist, geht daraus hervor, daß für die Fortschaf- fung 43 Möbelwagen nötig waren. Bei dem Hypothekenamt sind Akten darunter, die über 100 Jahre alt sind. Am Freitag beginnt der Umzug des Landgerichts und ber Staatsanwaltschaft. rm. Mainz, 13. Juli. Die hiesige Weiber- S t rasa u statt wird am 16. ds. M. aufgelöst. In dem Pcovinzialarresthaus werden nunmehr untergebcacht: Die zu Gefängnis über 1 Monat verurteilten Frauen und Mädchen über 18 Jahre und die jugendlichen weiblichen Sträflinge, die 511 Hast oder Gefängnis von mehr als 14 Tagen verurteilt sind. Die Zuchthausstrafe ist in Marienschloß zu verbüßen. Vie Zerstörung des Ballons Erbslöh. Ueber das furchtbare Unglück, das gestern vormittag den Lenkballon „Erbslöh" der Rhein.-Westf. Motorluftschiffahrts-Gefellschaft betroffen hat und das, wie wir gestern meldeten, fünf Menschenleben vernichtete, liegen heute folgende näheren Nachrichten vor: Leichlingen, 13. Juli. Tas Luftschiff „Erbs- l ö h" war vormittags 9 Uhr bei Leichlingen zu einer Fernfahrt aufgestiegen und in nördlicher Richtung geflogen. Um OV2 Uhr befand sich das Luftschiff bei Neukamp, als Landbewohner bemerkten, daß das Fahrzeug plötzlich zerriß und aus das Feld abstürzte. Sie eilten herbei und fanden sämtliche fünf Insassen als Leichen vor. Das Luftschiff ist vollltandig zerstörtz — Die Unglücksstelle ist dicht an einem Wege der von Leichlingen nach Pattscheid führt, und zwar liegt das Luftschiff an einer Stelle am Wege, die mit Klee bestanden ist. Der Ballon ist so niedergegangen, daß die Spitze zuerst den Erdboden berührte, und der Motor, der fich vorn im Schiff befand, tief in die Erde gedrückt wurde. Die Stelle bildet einen undurchdringlichen Trümmerhaufen, aus dem einzelne Fetzen ber Ballonhülle herausragen; ber Motor ist noch erkennbar. Die fünf -eichen weisen berartige Verletzungen auf, baß ber Tod enb 1 icf) ein getreten fein muß. Alle haben jchwere Schäbelbrüche erlitten, Erbslöh auch einen Unterschenkel- unb einen Oberschenkelbruch. Sämtliche Teilnehmer an ber Fahrt waren unverheiratet mit Ausnahme je§ Ingenieurs Tölle. Die Melbung, daß der Ballon verbrannt lei, ist unzutreffend. Es hat feine Explosion stattgefunden; auch keinerlei Brandspuren sind an der Ballonhülle zu be- ? Aeber die Ursache der Katastrophe ist sich die Luftschiffahrtgesellschaft noch nicht klar, und es dürfte wohl auch kaum jemals Gewißheit zu verschaffen fein Die tarnen ber Insassen, bie bet ber Katastrophe bett Tob qe- funben haben, finb: E r b s l ö h - Elberselb, Fabrikant Tolle-Barmen, Ingenieur Kranz-Hagen, Ingenieur H 0 e pp-Elberfeld unb der Monteur SPicks. erklärte, er werde nur bann bas Kind taufen, toenn ber B,Fortuna" in 8:49 den Herausforderungsvierer-» preis vom Mainzer R.-V. leicht, sowie überlegen mit 2 Langen den Großherzogs-Achter in 6:54 gegen Mainzer „Fortuna" und Frankfurter „Borussia", lvelche mit 2/s Sek. M»stand voneinander das Ziel passierten. An zweiter Stelle rangiert der Mainzer R.-Kl. 1903, der den Junior-Vierer in 7:45 sicher gegen Limburger R.-Kl. 1907, Gießener „Hassia" und Frankfurter „Borussia", sowie den Ermunterungsvierer gegen Mainz« „Fortuna", Limburg und Flörsheim in 7:44 nach Belieben gewinnen konnte. Der Frankfurter R.-Kl. „Alemannia" blieb im Berbandsvierer sicherer Sieger in 7:34 gegen Gießener „Hassia", Frankfurter „Borussia" und Mainzer „Fortuna". Die Mainzer „Fortuna" errang einen leichten Sieg im Airfängervierer in 8:52 gegen Flörsheim und Mainzer Kl. 1903. Im Trostvierer siegte Giern e r „Hassia" in 7:57 überlegen über Flörsheim. Der Junior-Einer wurde eine sichere Beute des schön fahrenden und brillant steuernden Offenbacher F. Brack in 8:54 gegen die noch unsicher fahrenden Schmalz (Gießen), Muhr (Mainzer Kl. 1903) Und Cazarn (Mainzer „Fortuna"), sowie gegen den noch sehr- schwachen Hahn (Flörsheim). — Dem Mainzer Regattaausschuß des Süddeutschen Ruderverbandes wurde vom Kaiser Wilhelm II. ein prächtiger Wanderpreis gestiftet, der am 28. August im Vierer ohne Steuermann in Mainz zum ersten Male zur Ausfahrt gelangen soll. Erdbeben. Ein Erdbeben in Tirol und Südbayern, das glücklicherweise keine Menschenleben kostete und nur geringen Schaden anrichtete, beunruhigte gestern vormittag außer den Bewohnern die zahlreichen dort jetzt ihrer Erholung nachgehenden Fremden. 'Es liegen darüber folgende Meldungen vor: München, 13. Juli. Wie die hiesige Erdbebenstatton mitteilt, arbeitete heute morgen der Seismograph sehr stark; er verzeichnete eine erste Erschütterung urrt 9 Uhr 32 Min. 37 Sek.' und die stärkste Erschütterung um 9 Uhr 32 Min. 51 Sek. Der Herd des Erdbebens ist vermutlich Tirol. — Das Erdbeben wurde hier in zahlreichen Hausern an dem Schwanken der Möbel verspürt. In einigen Schulen wurde ein plötzliches Schwanken der Schultafeln und Wandkarten beobachtet; besonders stark machte sich das Erdbeben in der Gegend des Gärtner-Theaters bemerkbar. Im Schulhaus an der Klenzestraße hörte man, besonders in den oberen Stockwerken, ein starkes Donnern und Poltern. Die Mädchen liefen laut schreiend aus den Lehrzimmern. In den Kellerräumen 'der Schulen zeigten sich Risse. Auch der große Ratoausbau war starker Erschütterung ausgesetzt. In dem großen städtischen Vibliotheksaal schwantten die hohen, mit Tausenden von Büchern belegten Wcnidregale in bedenklicher Weise. Im Verkehrsministerium, im Telegraphen- und Telephonamt wurden ebenfalls starke Erschütterungen verspürt. Anfänglich herrschte der Glaube vor, es hätte eine Explosion stattgefunden. Die Leute liefen vielfach zusammen, um die Ursache der Erschütterung zu erfahren. Seitdem die Erdbebenstation in München besteht, wurde ein derartiges Erdbeben nicht wahrgenommen. An anderen Orten Ober- und Niederbayerns, sowie der Ober- Pfalz — wie Landshut, Rosenheim und Regensburg — wurde heute vormittag ein Erdbeben verspürt. G a r m i s ch , 13. Juli. Heute früh 93/4 Uhr wurde hier ein wellenförmiger Erdstoß von drei Sekunden Dauer verspürt. Durch das Klirren der Fensterscheiben und das Erzittern der Möbel wurden vielfach Leute in Schrecken versetzt und liefen ins Freie. Der Meteorologe auf der Zugspitze hat den Erdstoß ebenfalls beobachtet; sein Haus erzitterte wie bei einem hef- ttgen Sturme. — Auch in Ober-Ammergau wurde der Erdstoß verspürt. Innsbruck, 13. Juli. Ein sehr heftiger Erdstoß, mehrere Sekunden andauernd und von solcher Stärke, daß in den Wohnungen selbst-schwere Möbelstücke wankten, wurde heute vormittag verspürt. Soviel bis mittags feststand, wurde kein nennenswerter Schaden angerichtet. — Das Erdbeben wurde hauptsächlich in Nordtirol wahrgenommen, während Südttrol verschont blieb. Der erste Erdstoß war kurz und schwach und wurde um 9 Uhr 20 Minuten verspürt, die zweite Erschütterung dauerte fünf Vttnuten und war von einem dumpfen Rollen begleitet. Sie erfolgte 14 Minuten später und war sehr stark fühlbar. Die Leute verließen vielfach 'fluchtartig ihre Häuser. Bilder sielen von den Wänden, Türen sprangen auf und Fensterscheiben gingen mehrfach in Trümmer. Am stärksten war der Erdstoß im Oberinntal. Jn Nassereith und Silz stürz- feit mehrere Zimmerdecken und Schornsteine ein, mehrere Häuser zeigen klaffende Mauersprünge. Die Bevölkerung von Silz wurde von panikartigem Schrecken erfaßt. Luftschiffahrt. 23ttt-et fefik, 13. Juli. „P. L. 6" ist heute mittag 11% Uhw nach glatter Fahrt eingetroffen, ncuWem bei Wurzen wegen des starken Nebels eine Zwischenlandung vor- gnwnrmen worden war. Vermischtes. * Die Berliner Erpresserrgeschichte. Für die Ermittelung der Erpresser und Bombenleger in Lichtenrade hat der Polizeipräsident eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Das Befinden des Gutsbesitzers Kraatz hat sich bedeutend gebessert. Es besdeht keinerlei Gefahr für die Augen, da der Sprengkörper nicht auseinandergeflogen ist und die Verletzungen nur durch das Aufpuffen des entzündeten Pulvers verursacht worden find. * E i n schweres Automobilunglück. Aus Osnabrück wird gemeldet: Am Dienstag abend verunglückte zwischen Bissendorf undS uns deck das Automobil des Bankvorstehers Wilhelm Schmidt aus Bünde. Das Automobil brach die beiden rechtsseitigen Räder; die vier Insassen wurden heraus geschleudert. Dabei erlitt der Buchhalter Rahn- Bünde einen Schädelbruch und war soforttot; Moehle - Bünde erlitt so schwere innere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Die beiden anderen Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Das Unglück wird auf ein zu schnelles Fahren zurückgeführt. * Eine schwere Bluttat verübte am Mittwoch früh in Helmstedt der Grünwarenhändler Hermann Seel en - berg: er erschoß seine Frau, seine zwei Kinder und dann sich selbst. Weitere drei Kinder verletzte er schwer; sie mußten ins Krankenhaus Marienburg übergeführt werden; an ihrem Aufkommen wird gezweifell. Das Motto zur Tat ist in Nahrungssorgen zu suchen. Seelenberg, der eine gut gehende Backerei Ibesaß, aber in Konkurs geriet, äußerte sich schon öfter, er werde bei.Geldmangel sich und seine Familie erschießen. — Später wird noch gemeldet: Von den drei schwer verletzten Kindern des Gemüsehändlers Seelenberg sind noch am Mittwoch vormittag 11 Uhr zwei gestorben; das dritte Kind liegt hoffnungslos darnieder. * Alas sen vergift un gen. Die „B. Ztg/ meldet aus Posen : In W o l l st e i n erkrankten nach dem Genuß von Kaffee 2 0 P e r s o n e n an schweren Vergistungserscheinungen; der Kaffee soll in einem kupfernen Kessel gekocht worden sein. — Aus Posen wird ferner gemelDet: In Schneidem ü h l erkrankte das gesamte Personal eines Geschäftshauses nach dem Genuß von F i sch- ko n s e r v e n an Vergittungserscheinungen. Der 19jährige Hausdiener Korner ist bereits gestorben; einige der Erkrankten befinben sich noch in Lebensgefahr. * * Sehr deutlich. Patient: „Ich fühle mich in letzter Zeit wieder recht schlecht, Herr Dvktor, ich habe schon allen Mut verloren." — Arzt: „O, das glaube ich nicht. Sie haben doch noch Mut .genug, mich zu konsultieren, trotzdem meine letzte Rechnung noch.nicht bezahlt ist!" * Anerkennung. Hausfrau (die einem Bettler etwas zu essen gab): „Na, hat's geschmeckt?" — Be ttler: „Aber wirklich ganz famos, was haben S' denn morgen?" Kleine Dagesastronik. * Frau von Schönebeck-Weber ist am Mittwoch im Sanatorium des Dr. Weil in Schlachtensee eingetroffen. Aus Thun wird gemeldet: Am Mittwoch wurde nach Sty* jähriger Bauzeit die 3600 Meter lange elektrische Drahtseilbahn^ auf den 2360 Meter hohen Niesen eingeweiht. Diese Bahn ist die längste Drahtseilbahn der Schweiz und hat eine Steigung bis 66 Prozent. Der Höhenunterschied zwischen der Talstation unb der Endstation auf dem Niesen beträgt 1650 Meter. Aus Tann Wald (Böhmen) wird gemeldet: In der Nähe von Eisenbrod warf ein Mann im Wahnsinn sein jüngstes Kind in einen Topf siedendes Wasser, tötete ein zweites Kfnd durch Fußtritte, erwürgte die herbei- eileude Mutter und 'spaltete dem Vater mit einem Beil den Kopf. Erst nach einiger Zeit ist es gelungen, den Wahnsinnigen zu überwälttgen und in die Irrenanstalt zu schaffen. Zwei größere Kinder konnten sich rechtzeittg verstecken. Nurrft, wifdenschast rind Leben. — D i e Zeppelinsche Expedition. Aus Trom sö wird gemeldet: Die Dampfer „Mainz" und „Phönix" mit dem Priuzeu Heinrich von Preußen und den übrigen Teilnehmern an der Zeppelinschen Vorexpedition an Bord, sind, begleitet vom Torpedoboot „Carmen", nach Spitzbergen abgegangen. — DieForschungsreiseFilchners. Die „Morning- post" veröffentlicht ein Interview mit dem Forschungsreiserrden Filchner, welcher erklärte, er beabsichtige nicht, mit Scotts Expeditton zu rivalisieren. Das Ziel seiner eigenen Expedition sei nicht der Südpol selbst, sondern die Erforschung des Meeres und des Landes am Pol. Die anfänglich geplante ergänzende Expedition nach dem Roßmeer sollte nicht ein Einbruch in .Scotts Forschungsgebiet sein. Er habe nunmehr diese ergänzende Expedition aufgegeben, obwohl Scott ihm erklärte, daß er eilte zwei« Expedition nach dem Roßmeere mit der Basis King Edwnrdsland keineswegs für unfreundlich ansehen würde. Filchner erklärte ferner, er wolle ebensowenig die Kreise der schottischen Expedition Dr. Bruce stören. Er beabsichtige eine Aussprache mit Bruce,und erhoffe eine ebenso freundschaftliche Verständigung wie mit Scott. — Bildersammlung der Berliner Universität s p r o f e s s o r e n. Aus Anlaß des Universitätsjubiläums soll die bei der Universität seit 1836 bestehende Sammlung von Bild- nissen (Lithographien und Photographien) der früheren und jetzigen Professoren der Universität vervollständigt werden. Es ist be- absichttgt, die Sammlung während der Festtage auszustellen. In dem bisherigen Bestände der Sammlung fehlen noch die Bilder einer großen Anzahl von Professoren, besonders solck)er, die verstorben oder an andere Universitäten berufen sind. An alle, die in der Lage sind, zur Vervollständigung der Sammlung beizutragen, sei es durch Hergabe vop Bildern, sei es durch Nachweis, auf welchem Wege, etwa durch Vermittlung von Verwandten, Freunden oder Schülern der Professoren, das eine oder das andere Bild zu beschaffen wäre, ergeht die Bitte, ihre Zusendungen oder Mitteilungen an die mit der Vervollständigung der Swumlung beauftragte Amtliche Akademische Auskunftsstelle an der Univerfftät Berlin gelangen zu lassen, von der auch ein Verzeichnis der in, der Sammlung noch nicht vertretenen Bilder zu erhalten ist. — Ei n Neunzigjähriger. Der Altmeister der Kinderheilkunde Geheimrat Professor Dr. med. Eduard Heinrich He noch an der Berliner Universität begeht am 16. Juli seinen 90. Geburtstag. Er ist ein geborener Berliner. Seine Hauptlehrer! waren Schönlein und Romberg. 1843 wurde er Doktor, war lange Zeit Assistent bei Prof. Romberg an der Universitäts- Poliklinik und habilitierte sich 1850 in der Berliner medizinischen Fakultät. 1858 wurde er a. o. Professor und gründete 1860 eine eigene Kinderpoliklinik. 1872 wurde Henoch Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderkrankheiten in der Charite, die er bis 1893 leitete. Er trat darauf in den Ruhestand, lebte 1893—99 in Meran und siedelte dann nach Dresden über. Henoch hat sich um die Förderung der Kinderheilkunde als Forscher, wie namentlich als Lehrer große Verdienste erworben. Seine Hauptwerke sind: „Klinik der Unterleibskrankheiten," „Beittäge zur Kinderheilkunde," „Vorlesungen über Kinderkrankheiten". Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witterung seit gestern früh: Die Randwirbel über Mittel- und Ostdeutschland haben gestern und in der Nacht wiederholt Gewitterregen gebracht. Dabei haben die Nachmittags- temperaturen sich bis 25 Grad stellenweise erhoben. Da über Rußland sich wieder eine Zyklone bildet, deren Westrand unsere Witterung beeinflußt, dauert die Gewitterneigung an. Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 15. Juli 1910: Gewitterregen, etwas kühler. ®t?iginat»®ra^hncWungetu Aus der Zweiten Hessischen Kammer. R. B. Darmstadt, 14. Juli. Die 2. K a m m e r überwies den Antrag Köhlev wegen der Sicherstellung und dem Ausbau der hessischen Wetterdienststelle am landwirtschaftlichen Institut M G i e ß e n an den Ausschuß. Die Vorstellung der Unter beamten wegen einer Teu- elrungszulage wurde, nachdem die Ab'gg. Dr. Osann, Reh, Bach und Brauer dafür eingetreten waren, dem Ausschuß überwiesen. Die Wahl der Abgg. Bach, Mainz (natl.) und Dr. Wolf, Mombach-Jngelheim (fortschr. Volksp.) wurde für gültig erklätt. Die Wah'lkreiseinteilung soll auf Antrag des Abg. Dr. Schmitt morgen beraten werden. Die Sitzung dauert fort. Chinesisch.porttrgiesische Reibereien. Hongkong, 13. Juli. Wie Reuter aus Macao meldet, fand auf der Insel Col o wan zwischen Portugiesen und Chinesen, die man für organisierte Piraten hält, ein Kampf statt. Ein von Macao gesandtes Kanonenboot griff in den Kampf ein. Portugiesischerseits wurden zwei Manu verwundet, von denen einer gestorben ist. Die Chinesen batten zahlreiche Verluste. 'Die Chinesen nahmen den portugiesischen Posten im Sturm. Die Kanonade dauert an. Die Kreuzer „Rainka" und „Don Amelia" sind nach Macao in See gegangen. Auf den Inseln L a i p a und Colowan ist der Belagerungszustand prollamiert worden. ♦ Paris, 14. Juli. Nach dem „Echo de Paris* hat Frankreich der Umwandlung Montenegros in ein Königreich zugestimmt. Sie wird wahrscheinlich am 15. August erfolgen. Donnerstag, 21. Juli 1910, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Ludwig Wacker Eheleuten zugeschriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 1/462 = 34 qm Hosreite in der Schloßgaffe. 1/463 — 39 qm Hosreite daselbst. Gießen, den 15. Juni 1910. Grotzherzogl. Ortsgericht Gießen. _______________03 r o s.______________ K 23/10. (B14/7 Donnerstag, 25. Ang. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die zurKonkursmasse der Christian Dnill Eheleute in Gießen gehörige, nachstehend verzeichnete Parzelle versteigert: Fl. 18 Nr. 14V1O — 921 qm Hof- reite, neben der Grünberger Chaussee. Gießen, den 11. Juli 1910. Großh. Ortsgericht Gießen. _________Gros._________ Frühkartoffel Kaiserkrone, per 50 Kilo 4 Mk. mit Sack franko Bahn Friedberg versendet gegen Nachnahme (hvu/7 Julius Wertheimer Friedberg, Hessen. Tel. 362. Fr*eshaBtS«. Geialz.Schweinefleisch 40 Pfg. ___________BWt___________ Neues Sauerkraut Neue Salzgurken Neue Bollheringe Neue Kartoffeln empfiehlt I. M. 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