Nr. 36 trt-trtw «glich mV Muttmbme kf Sonntag». G FeWtton, Expedition and Druckerei 1 Ctfiufc» ft’«8« f. Lxpev'Non und Vertag i 6L 9iehoftton:e=a® 112. Tel.-Adr^AnzetgerGreb«» Die »Gtetzene» $ de» Kreb Lietzen" zweimal »öchentlickd f>te „tanöiDlrt|d}aftHd)eB leit» frageB* «rfcheme» msnatltd) zweunal. durch in der Umwallung eine erhebliche Lücke entsteht, muß natür- lich Ersatz beschafft werden. Der Preis ist in freier Vereinbarung mit der Stadt festgesetzt worden. Gewisse Baubeschränkungen find in Festung'n unvermeidlich. Straßburg wird aber nicht mehr davon betroffen als andere Festungen. Abg. Storz (Dtsch. Dp.) rügt, daß die häufige Benutzung von Automobilen bei den Offizieren das Gefühl dafür abstumpfe, daß Menschen und Tier« geschont werden müssen. Kriegsminister v. Heeringen: Die Kraftwagenfahrer verlieren tatsächlich den Ueberblick über die Zeit nicht. Beim Kaiscrmonöver drängen sich wichtige Situationen. Wie im Ernstfall müssen daher erhebliche Anstrengungen gemacht werden. Es liegt für uns der Zwang vor, auszuproben, was wir im Ernst unseren Leuten zumuten können. Die Anstrengungen sind aber über das zulässige Maß nicht hinausgegangen. Der Kriegsminister weist nach, daß der Gesundheitszustand der beteiligten Armeekorps durchaus gut war. Das Ordinarium wird erledigt. Im Extraordinarium hat die Budgetkommisfion die cmgesorderten 263 600 Mk zum Neubau von 9 Schießständen für den Standort Düsseldorf gestrichen. Ein Antrag der Rechten, der Nationalliberalen und der Wirtsch. Vereinigung fordert Wiederherstellung des Titels. Abg. Erzberger (Zentr.) weist als Berichterstatter darauf hin, daß hauptsächlich der Widerspruch deö Diakonissenhauses Kaiserswerth gegen die Verlegung an die geplante Stelle die Kommission zur Streichung veranlaßt hat. Abg. Kirsch (Zentr.) empfiehlt den KommissionSbeschluß, weil auch die Ruhe eines Friedhofs gestört werden würde. Abg. v. Byern (Kons.) bittet um Annahme des Antrages auf Wiederherstellung des Titels. Dbg. Kirsch (Zentr.): Die Militärverwaltung hat kein Interesse an der Verlegung, sondern der ForstfiSkus und die Stadt Düsseldorf. Der Forstfiskus will das Areal, auf dem die Schicßstände jetzt stehen, an die Stadt verkaufen. Es ist nicht anzunehmen, daß der Forst- siskus vom Militärfiskus eine sehr hohe Pacht fordern wird. Jedenfalls muß die Sache erst geprüft werden. Kriegsminister v. Heeringen: Wir sind in einer Zwangslage. Tie jetzigen Schießstände sind gepachtet und können uns jederzeit gekündigt werden. Sowohl beim Friedhof, als auch beim Diakonissenhaus handelt eS sich um ziemliche Entfernungen. Die Petenten haben sich die Verhältnisse nicht ganz klar gemacht. Der Kriegsminister bezieht sich auf die Erklärung eines Düsseldorfer Beigeordneten, ^chießstände find nun einmal das Anhängsel einer Garnison. Wer die Annehmlichkeit haben will, muß auch dies in den Kauf nehmen. Abg. Kirsch (Zentr.): Der Beigeordnete ist erst drei Monate in Düsseldorf, wap früher in Wiesbaden. In mir aber sehen Sie einen Ur- einwohner. (Heiterkeit.) Kriegsminister von Heeringen: Die Stadtverordnetenversammlung von Düsseldorf hat einstimmig dem Projekt zugestimmt. Und das sind doch zum großen Teile wohl auch Ureinwohner. (Heiterkeit.) Die Position wird gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Sozialdemokraten wiederhergestellt. Auf eine Anfrage, die Abg Dr. Becker-Köln (Zentr.) in bezug auf die im Etat stehende Beihilfe an die Gemeinde Siegburg stellt, erklärt Schahsekretär Wermuth: Ein Gesetzentwurf über die Beitragspflrcht des Reiches an die Gemeinden befindet sich schon seit mehreren Wochen im Bundesrat. und der Bundesrat wird voraussichtlich in den nächsten Wochen darüber Beschluß fassen. Ich kann der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese schon so lange erörterte Angelegenheit noch in dieser Tagung erledigt werden wird. (Beifall.) In Sachen der Auflassung der Umwallung von Königsberg i. Pr. bat die Budgetkommission den Betrag von 2 000 000 Mk. in die Ausgaben eingestellt und zugleich auch in die Einnahmen, als einen TeU der Verkaufs summe für das F e st u n g s g e l c. n d e Abg. Fürst zu Dohna (Kons.) spricht der Heeresverwaltung für die tatkräftige Förderung der Angelegenheit, von der die gedeihliche Weiterentwickelung Kmiigs- bergs abhänge. Dank aus. Der Kommissionsbeschluß wird genehmigt. In bezug auf den Verkauf des Tempekhofer Feldes beantragt die Kommission eine R e s o l u t i o n , daß bei dem Verkauf das öffentliche Interesse zu wahren sei. Berichterstatter Abg. Erzbergcr (Zentr.) erläutert die Resolution dahin, daß die Kommission damit in keiner Weise das Kriegsrninisterium habe auf eine bestimmte Richtung festlegen wollen. Man könne fick den Verkauf an die Stadt Verlm denken, aber auch z. B. daß die Militärverwaltung einen großzügigen modernen Bebauungsplan anfertigen läßt und auf Grund desselben das Terrain stückweise verkauft. Die Resolution wird angenommen. Die Kommission hat in den Einnahmen einen Posten von etwa 18 000 Mk. für den Verkauf des Kasernengrund- stucks ber Memel gestrichen, um zu bekunden, daß sie die Verkaufssumme für viel zu gering hält. Sic hat das besonders deshalb getan, weil im vorigen Jahr der Bürgermeister von Memel m der Budgetkommission ausgeführt hat, wie furchtbar teuer die Bauplatze im Memel seien. Der Kommissionsbeschluß wird bestätigt. Der Militäretat wird erledigt. Kriegsminister v. Heeringen: Zu meiner Ueberraschung habe ich gestern abend in der Zeitung und heute morgen im offiziellen Protokoll gelesen, daß Herr Ledebour gestern die Güte gehabt hat. beim Abgang von der Tribüne zu rufen: a l s o e r k n e i f tl Ich bedauere, daß weder ich noch einer der Herren meiner Umgebung diesen Ruf gestern gehört hat; ich wurde mir sonst erlaubt haben, sofort darauf zu antworten. Ich glaube, es ist nicht angemessen, mich nicht der Reichsverband, sondern Herr Rexhauser im Korrespondenten der Buchdrucker hat uns das mitgeteilt, und wir wissen cs weiter aus der Erklärung des Arbeiterausschusses der Buch- druckcrei »Vorwärts" im Annoncenteil des „Vorwärts" selbst. (Hört! Hörti) Und gehen Sie doch hinein inJhreKonsum- betriebe: studieren Lie das ReichsarbeitSblatt, in dem gesagt ist, daß die sozialdemokratischen Forderungen noch in keinem ein. tigcn Konsumverein durchgeführt sind. Führen Sie die erst durch, dann können Sie wiederkommen und solche Beschwerden vorbrin- gen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Mommsen (Fr. Vg.): Eine generelle Lohnerhöhung für die Handwerker und Arbeiter wird notwendig sein. Der Durchschnitts- lobn kann nicht maßgebend sein, weil wir die Eigenart der Institute berücksichtigen müssen, und weil besonders qualifizierte Arbeiter recht gut bezahlt werden. Tie Frage des Stück, lohns bedarf wieder der Prüfung. Ganz beseitigt soll er nicht werden. DaL wünschen auch die Arbeiter, wie mir z. B. aus Danzig mitgeteilt wird. Oberst Wandel: Wenn Handwerker und Arbeiter Wünsche haben, dann müssen sie den ge o r d ne t e n Weg über d i e Arbeiter- Ausschüsse nehmen. Direkt können sie sich nicht an die höchsten Stellen wenden. Auch andere Organisationen, wie der Bund der Handwerker, dürfen sich nicht in den Laus der Dinge mischen Tie Löhne werden nach den Sätzen in gleichartigen Privat, betrieben bemessen. In Spandau werde z. B. der Durchschnitt der Löhne ber Kommune und der Löweschen Fabrik genommen. Tie Stücklöhne liegen überall an ber höchsten Grenze. Tie Lohn- ordnung ist unübersichtlich geworden, weil seit 1904 viele Aenderungen zugunsten der Arbeiter vorgenommen wurden. Sie soll revidiert werden, lieber die Verleihung von Titeln an Oberarbeiter schweben Verhandlungen. Die Pensionsfrage kann erst nach der Reichsversicherungsordnung endgültig geregelt werden. Abg. Sommer (Fr. Vp.): In der großen Offiziersfamilie gibt es neben den verhätschelten Kindern auch Stiefkinder. Das letztere gilt besonders von den F e u e r w e r k s . und Zcugoffizieren. Tie Herren sind doch sonst nach der preußischen Wahlvorlage erst- k l a f s i g e M e n s ch e n , man sollte sie also auch finanziell besser stellen, damit nicht das Wort vom glänzenden Elend wahr wird. Oberst Wandel: Diese Beschwerden setzen mich in Erstaunen. Bei der Besoldungsregelung sind gerade diese Herren in so hohem Maße be- vorzugt worden, daß keinerlei Grund zu Klagen vorliegen kann Sie stehen sich viel besser als die andern Offiziere. Abg. Schwärze-Lippstadt (Zentr.) bringt Wünsche der Arbeiter in den Militärwerkstätten bei Lipp- stadt vor. Abg. Dr. Potthoff (Fr. Vg.) tritt für die nichtbeamteten Angestellten bei den technischen In- stituten ein. Die technischen Hilfskräfte haben noch viele be- rechtrgte Wünsche, ebenso die Kanzlei sch reiber und die Meister- gehilfen. Erne Ehrenpflicht des Staates ist es, sich als an. ständiger Arbeitgeber zu zeigen. Abg. Dr. Bccker-Köln (Zentr.)' bespricht die Arbeiterverhältnisse in Siegburg, und fordert Lohnerhöhungen. Abg. Zubeil (Soz.): Herr Dr. Görcke hat es für notwendig gehalten, die schon in früherer Zeit erhobenen Anschuldigungen gegen die „Vorwärts"-Buchdruckerei neuerdings vorzubringen Und doch weiß er ganz gut, daß diese Anschuldigungen längst widerlegt sind. Die Löhne, die die „Vorwärts"-Buchdruckerei zablt, sind höher als bie irgend eines anderen gleichartigen Unternehmens Dann bespricht der Redner die Spandauer Arbeiter- oerhaltnrsse. Abg. Hagemann (Natl.): Die W a f f e n i n d u st r i e in Suhl ist genötigt, Arbeiter, entlassungen vorzunehmen, da sie (eine Beschäftigung von der Heeresverwaltung bekommt. Es wäre doch im Interesse der In- dustne ebenso tote im Interesse der Armee selbst erwünscht, daß auch den privaten Waffenfabriken in Suhl Staatsaufträge erteilt werden. 1 u Abg. Böhle (Soz.): Dem Arbeiter Stein wurden die Zeugen, die angeblich gegen ausgesagt haben, trotz seiner wiederholten Forderungen nicht gegenubergestellt. Das ist keine gerechte Untersuchung. Oberst Wandel: Die sozialdemokratische -i Redner sind durchaus einseitig in- fiSt <5u^Ict Gabrilen werden nach Möglichkeit berück- Abg. Stadthagen (Soz.): In der „Vorwärts"-Truckerei ist kein Unrat. Wenn Unrat rx ia hstt ihn wohl Dr. Görcke hingebracht. (Heiterkeit.) -r,er Redner schildert die Verhältnisse der „Vorwärts"-Druckerei. Vizepräsident Dr. Spahn: Mit Artillerie, und Waffenwesen hat doch die „Vorwärts". Druckerei nichts zu tun. (Heiterkeit.) Abg. Dr. Görcke (Natl.): . Meine Darlegungen über den „Vorwärts"-Betrieb scheinen gesessen zu haben. Tenn drei Herren von der äußersten Linken sind schon gegen mich ins Feld geschickt worden. (Gelächter bei den ,s0?-' ®IC werden doch nicht bestreiten, daß damals im „Vor- w a r t e i n fürchterlicher Spektakel war. (Lachen bet den Soz.) v ’ Abg. Fischer (Soz.): Herr Görcke hat sich zum Träger von ReichsverbandS-Ver- leumdungen gemacht, ober er ist ein Opfer derselben geworben. Es gibt keine Buchdruckerei in Berlin, die so günstige Arbeiter- Verhältnisse hat, wie die des „Vorwärts". Wir fragen nicht nach der poltttschen, sondern nur nach der gewerkschaftlichen Orgarn- latton. Alle bieje Verleumdungen sind schon dutzendmal widerlegt worden. Kein anständiger Mensch sollte sie wiederholen. (Unruhe.) Beim Kapitel „Festungen, Verkehrswesen", führt m ... . m M>g Böhle (Soz.) Beschwerde über Rahonbeichrankungen in S t r a ß b u r g i. E. Oberst Wandel: Von einer chikanösen Behandlung der Stadt durch die Militär- Verwaltung kann keine Rede sein. Es handelt sich um die Auf. lassung eines Grundstücks im Südwesten der Stadt. Wenn da- Deutscher Reichstaq. 34. Sitzung, Sonnabend, den 12. Februar. Am Tisch des BundeSratS: v. Heeringen. Das HauS ist ganz schwach besetzt. Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten. Eingegangen ist das Hausarbeitsgesetz und das ArbeitS- Lnmnergesetz. Der Militäreiat. Abg. Dr. Will-Elsah (Zentr.) befürwortet beim Kapitel Artillerie, und Waffenwesen Eingaben mehrerer Beamtenkategorien, wie der Verwaltungs- schreiber, der Kanzleischreiber um Besserung ihrer Verhältnisse; weiter Wünsche der Arbeiter. Der Lohn der Militärarbeitcr und -Handwerker dürfe nicht niedriger sein als der der städtischen. Ferner statt Stücklohn Zeitlohn, mehr Gratifikationen, Wolmungs- fürsorge, Urlaub usw. Abg. Böhle (Soz.): Wir müssen immer wieder und wieder die Wünsche der Arbeiterschaft gegenüber der Militärverwaltung zum Ausdruck bringen, weil leider immer noch kein Entgegenkommen zu bemerkest ist. Die Forderungen und Vorschläge der Arbeiter- aus schuf sc bleiben, soweit sie der Heeresverwaltung nicht passen, einfach unberücksichtigt. Der Redner führt das in längerer Rede aus. Er bespricht dabei fast ausschließlich Straßburger Verhältnisse und bringt eine Reihe von Maßregelungen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter sowie von Mitgliedern des Arbeiter« aus?chusses zur Sprache. PaS Kriegsministerium habe die Pflicht den Fall der Entlassung des Arbeiters Stein genau »a prüfen. Oberst Wandel sagt auf die Wünsche des abg. Will bezüglich der Betriebsschreiber usw. Entgegenkommen zu, sobald gewisse Aenderungen im Rechnungswesen durchgeführt feien. In der Lohnhöhe kann die Militärverwaltung nur nach den Durchschnittslöhnen in den industriellen und städtischen Betrieben gehen; das geschieht, und die Arbeiter stehen in den Betrieben der Militärverwaltung insofern noch befirr, als diese nicht der Konjunktur nach unten folgen, sondern die Arbeiter in jedem Falle mindestens das behalten, was sie bisher gehabt .haben, während sie bei steigenden Löhnen ohne weiteres folgen. (Hört! Hort!) Infolgedessen erhalten wir von einzelnen Firmen und Handelskammern bittere Vorwurfe, daß wir ihnen durch zu hohe Löhne, die sie nicht zahlen konnten, die Arbeiter wegnähmen, zum Beispiel den Handelskammern Bonn und Hannover, Fabrikanten aus dem Siegerland 5« 8'bt Ziffern über die Lohnhöhe. Bei Ersetzung deS Stücklohnes durch Zeitlohn würden die Arbeiter schlecht fahren Der Oberst geht ausführlich auf den Fall des Arbeiters Stein ein und legt dar, daß dieser schließlich lediglich deshalb entlassen werden mußte, weil er den Frieden unter den Acbei- te-2L9/JIörJ ^tte: em Teil der Arbeiter selbst hatte sich darüber beschwert. (Hort! Hört!) 1 Abg. Pauli-PotSdam (Kons.) : Verband der Handwerker, der sich über ganz Deutschland Oberst Wandel um eine Audienz gebeten, Koch dre abschlägige Antwort erhalten, er möge sich an die zu- £?-Wen Instanzen wenden. Darüber herrscht natürlich große Mißstimmung m den H a n d to e r k e r k r e i s e n , zumal ^an gar nicht weiß wer denn sonst für so allgemeine Wünsche zuständig 3» den Arbeiterausschüssen sind di? Minoritäten, zu denen besonders die gelernten Hand- werker gehören, nicht vertreten. Man kann es deshalb den ^rbeUern nicht verdenken, wenn sie zu den Arbeiterausschüssen kem Vertrauen haben. Sie Lohnordnung ist durch fortwährende abanberungen und Zusätze so kompliziert worden, daß sich kein Mensch darin zurechtfinden kann. Unrichtig ist es nach meinen <. dLoz.): Dann war eS mindestens der Sinn seiner Worte. Vizepräsident Dr. Spahn: Auch daS ist nach meiner Ansicht nicht richtig. Abg. Ledebour (<5o-a.): Herr Präsident, bte Deduktion, d?e Sie für Ihre Person au5 irgend welch.« Aeußerungen eines Abgeordneten ober eines Ministers ziehen, ist Ihr- Sacke. (Unruhe rechts und im Zentrum.) Sie können mich wegen Abschweifung vom Thema zur Sache rufen, Sie können mick rektifizieren, wenn ich geschäftsordoungSmäßig nicht im Reckt bin Aber Sie dürfen mir nicht Ihre Ansicht oktroyieren. (Große Unruhe.) Vizepräsident Dr. Spahn: DaS hat mir auch ganz fern gelegen. Abg. Ledebour (Soz.)k Zweifellos hat der Kriegsminister, ebenso wie Herr von Oldenburg, indirekt dem VerfaffungSbruch das Wort geredet. (Große Unruhe rechts, Rufe: Zur Ordnung!) Abg. von Oldenburg (Kons.) (von den Sozialdemokraten mit Lärm empfangen): Sperr Ledebour bat mir unterstellt, daß ick zum Berfassungsbruch aufgereizt hätte. Nachdem ick bereits gleich nach meiner Rede am 29. Januar meine Aeußkftlim hier richtig gestellt habe, muß ick es ablehnen, mich mit dem Abg. Ledebour noch weiter darüber ausemanderzu- setzen. Außerdem muß ich fetzt leider wegfahren, da mein Zug fährt. (Große Heiterkeit.) Die Abrechnung ist aber nur auf geschoben. (Beifall rechts.) Abg. Ledebour (Sög.)r Denn Sie abreisen müsier., dann Adieu, ment Herr (Große Heiterkeit.) Jedenfalls bleibe ich dabei, daß Herr v. Oldenburg bewußt eine wahrheitswidrige Behauptung aufgestellt hat. (Große Unruye.) Abg. Rögaller v. Bieberstein (Kons.): Herr v. Oldenburg ist nicht mehr im Saale. Ich verteidige meinen Freund febr gern, wenn es notwendig ist. Herrn Ledebour gegenüber tue ich es nur sehr ungern. Ich verzichte auch in diesem Moment darauf, weil dieser Herr nicht zu belehren ist. (Beifall rechts.) Das Haus vertagt sich. Montag 1 Uhr: Kaligesetz und Stellenvermittliwgsgesetz. Schluß 6% Uhr. pnuhisches Abgeordnetenhaus. 20. Sitzung, Samstag, 12. Februar. Am Mimstcrtisch: von Bcthmann-Hvllweg, von Molt k c. Vizepräsident Dr. Pvr sch eröffnet bte Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten Erste Lesung der Wahlrechtsvorlage. (Dritter Ta g.) Abg. Pr. Pachnicke (Fr. Vg.): Man flamt nicht ohne eine gewisse Erregung von dieser Wahlrechtsoorlage spvectxen. Sie hat größte (£nttäufd,"ung und tiefste Erbitterung hervorgerusen. Fast alles bleibt beim alten. Fast alle Länder, auch Japan, ja selbst Rußland haben die geheime Wahl. Man kann deshalb von einem europäischen, ja von einem Weltgewissen sprechen. Aber Heri vvn Bethmann setzt dem die Preuß'scte Eigenart entgegen. (Sehr gut! links. Er verteidigte die öffentliche Wahl mit den Ad- hängigkciten, bte das öffentliche Leben begleiten. Ja, man kann! diese Abhängigkeiten dock nur bedauern. Die Konservativen erklärten durch .Herrn v. Ricl>thofen die öffentliche Wahl sogar für liberal Ich lerrrtnere daran, daß bei der Einführung des Reichstags- Wahlrechts eine Zierde der Konservativen, von Moltke, für die geheime Wahl erntrat, während selbst Wrndthvrsts Haltung zweifelhaft war. Frhr. v Zedlitz stritt es ab, daß bte Landräte Wahl- teeinslussungcn trieben. Ist denn während der Zeit, wo er selbst Sanbrat war, leine Wahlbeeinflussuttg tiorgetjinmcn? Große Heiterkeit.) Äuchl bic Sozialdemokraten nutzen bekanntlich die öffentliche Wahl t.wrvristisch aus Mit welcher Leidenschaft haben die sozialdemokratischen Frauen sich an, per Wahlagitatioit beteiligt. (Zuruf von den Sozialdemokraten: Unsinn!) Ja, bann entfernen Sie diesen Unsinn doch erst einmal aus ihren eigenen Partei- Protokollen. (.Heiterkeit und Beifall links.) Für die Regierung) ist die Stone der Bildung der Unteroffizier und der gewesene Eüt- jährigc. Tie Bevorzugung der ehemaligen Soldaten ist eine ungerechtfertigte Zurücksetzung der (Gewerbetreibenden, und vor allem der Bauern. r^-cl;r richtig! links.) Aber auch die Bevorzugung der Examensbildung ist verkehrt: Künstler wie Lenboch, der Maurergeselle war, werden dadurch als Wähler degradiert. Tas sind alles Tinge, die aus der Vorlage ausgemerzt werden müssen, foferit üb er hau Pi etwas zustande kommen soll. Tas ist allerdings noch sehr fraglich. Tenn niemand ist mit der Vorlage zufrieden: Tie Konservativen nicht, obwohl diese Vorlage sich doch wahrlich ntcht gegen sie richtet. Das Zentrum nicht — was das Zentrum eigentlich will, weiß freilich niemand! (Heiterkeit.) Nur die! Sozialdemokratie bat Freude an der Vorlage. Tenn sie ist die wirksamste Agitationswasfe. für die Sozialdemokratie. (Beifall links.) M in ist ep prä s ident vo n Bethmann-Hvllttteg: Ich will Ihre Aufmerksam leit mtt für zwei Worte in Anspruch Nehmen. Ich habe ntdft die Absicht, in eine Polemik einzutreten gegen die Ausführungnt des Abg. Tw. Pachnickc, die wir soeben gehört haben. (Bravo! rechts.) Tas, was ich für erforderlich gehalten habe zur Wahlrechlsvorlage zu sagen, habe ich vorgestern gesagt. (Zuruf links: Es war herzlich wenig!) Ich muß dagegen Widerspruch erheben, daß der Abg. Dr. Pachnicke es so dargestellt hat, als träte die Staatsregierung etn Rückzugsgefecht an, wenn sie diese Vorlage vorlegt. Glauben die Herren, daß, ich mich zum Spaß hiqr hinstelle und eine Vorlage einbringe, die in einschneidender Art unser Berfassungswesen änterf? (Unruhe links.) Ich habe vorgestern gesagt, daß die königliche Staatsregierung mit ihrer Ver- antWartung hinter dieser Vortage steht und ich habe Anspruch darauf, daß das für ernst genommen wird, was ich hier im Namen bet Staatsregierung erkläre. (Bravo rechts, Lachen und Unruhe links.) Abg. M a.l k e w i tz .Kons. : Wir haben gegen jede Wahlreibrrn schwere Bedenken, roeit wir an dem alten konservativen Charakter des Preußisch n Staates mit Zähigkeit festigten wollen. (Aha! Rufe links.) Auch wir haben den Willen zur Macht. (Stürmisches Gelächter links.) Wir wollen bamit den demokratischen Aspirationen im Reiche in Preußen das Gleichgewicht halten. (Lebh. Beifall rechts. Lachen links.) Der Freisinn hätte vom Rcichstagswahl- recht keinen Vorteil, cs ist politischer Selbstmord, wenn er für das Reichstagstvahlrecht Istec einlrüt. (Sehr richtig! rechts.) Und so schlecht sind wir nicht. Wir wünschen Sie noch recht tauge hier ■Ui sehen. (Große Heiterkeit. Zuruf links: Fürsorgeerziehung?) Auf die Fürsorgeerziehung komme ich später, beim ein Teil dieses Hauses scheint sie dringend notwendig zu baten. (Stürm. Heitep Teil.' In den neuen Vorschlägen über das Auftücken in höherg Klassen sehen wir eine Schm o ck ung deS Einflusses be Mittelstandes, und wir werden deshalb danach zu trachten Traben, für die ungeschmälerte Ausrechterlialtuna der berechtigten Stellung des Mittelstandes im heutigen Wahlrecht einzutreten. (Beifall rechts., 'JE-enn wir das tun, ]o richtet sich das in keiner Weise gegen die Beamten, für die allein die Regierungsvorlage Privilegien vorsah. Nun zur geheimen Stimmabgabe! Wenn wir das Wahlrecht nicht sckion Leuten von 21 Jahren und auch nicht ben Frauen geben wollen, so tun wir das, weil wir aus der Volksvertretung nicht eine Kind e;- ftu bc machen tobt len. (Beifall rechts. Wir geben aber schon das Wah recht in einem Alter von 24 Jahren und sind dcmokr-atischer in der Begehung als das Reich und manche Einzelstaaten. Das Wahlrecht bekommen auch Millionen von Wählern, die nicht einen einzigen Pfennig StaatseinLommensteuer zahlen. Man darf aber die Wähler nicht von ihrer Verantwortlichkeit entbinden. (Sehr richtig! rechts.) Abg. Dr. Krause (Natl.): Das heutige Wahlrecht bietet nur einer Partei Vorteil: der konservativen. Das ist unberechtigt. Frhr. v. Zedlitz will einen-Gegensatz zwischen unserer heutigen und! unserer früheren Stellungnahme in der Frage der Mueinteilung der Wahlfteise finden. Das ist durchaus ein Irrtum. Wenn man Gneist und Sybet hier gegen uns in Feld geführt hat, so i Junten wir ebensogut hervor rag eirdö Konservative gegen den konservativen Äahlrechtsstandpunkt anführen. Aber solche Berufung auf die Vergangenheit hat praktisch nicht ben geringsten Wert. Die Vorschläge der Regierung wegen der Privilegierung einzelner bestimmter Volksgruppen lassen das vermissen, was wir als nn- erläßlickw Vorbedingung jedes PluralwahtrechtS ansehen: das sozial versöhnende Moment. (Sehr richtig! links.) Herr von Bethmamt hat zwar gesagt, in dieser Streitfrage, ob geheime, ob öffentliche Wahl, würden wir einanber nicht überzeugen. Aber rch hoffe, daß gerade bei einer so eminent lauteren Persönlichkeit, wie unser Ministerpräsident es ist, die ethischen Gründe für die geheime Wahl doch nicht ganz verhallen werden. Freilich spielen auch bei der geheimen Wahl mitunter niedrige Motive mit hinein, so ist das doch das kleinere liebel. Wir hoffen, V. ü sich in diesem Hanse eine Mehrheit für die geheime Wahl finden wird, und ivenn Dann die Regierung auf die Seite dieser Äiehrheit sich stellt, wird das .Herrenhaus sich sicherlich nicht ablehnend verhalten. Es handelt sich ja nicht um die Zusammen- letzuug des Hauses, sondern um di« des Abgeordnetenhauses. Wir Nationalliberalen und auch diejenigen weiter linksstehenden! Parteien, die nicht unter allen Umständen jetzt das Reichswahl- rc.dü durchsetzen wollen, gehen mit ihren Forderungen vielmehr auf ein aristokratisches Wahlrecht als auf ein demokratisches aus. Die Sozialdemokratie ist allerdings nicht nur demokratisch, sie ist aud) aiitinwnarchisck, und sie ist auch — darüber können uns auih die längsten, stundenlangen Reden nicht Hinwegtäuschen — antinational. Mit aller Schärfe muß aber betont werden: die Sozialdemokratie ist antinational, aber nicht die deutschen und preußischen Arbeiter. ' (Lebhafte Zustimmung. > Auch hier halte id) es für notwendig, dieser Fiktion Entgegen zutreten, als ob Arbeiterschaft und Sozialdernotratie identisch seien. ('Sehr richtig!) Wir haben zahlreidw Arbeiter, die gut national und gut monarchisch sind. Was der Abg. Ströbel als national hinstellt, das ist nicht national, dann kann man im letzten Ende als eine Freude ein Wohlgefallen -an ben deutschen Wäldern und Feldern ansehen. Aber wir verstehen unter national noch etwas ganz anderes. Wir verstehen darunter den Stolz auf eine wunderbare große Gr schichte (Lebhafte Zustimmung, wir verstehen darunter, daß das ganze Volk in voller Einmütigkeit in ben Jahren 1870 und 1871 zur Ehre seines Königs und des Landes zusammengestanden hat. (Lebhafter Beifall.) Wir verstehen darunter, daß, wenn einmal wieder trübe und ernste Zeiten heraufbe.schnwren werden, dann wieder ohne Rücksidst auf Stand und ohne Rücksicht auf politische Gesinnung und Parteiungen wir alle wieder zusammenhaltenj werden. Diese nationale Gesinnung, die die deutsche Sozialdemokratie nicht kennt, bet dieser Vorlage mitsprechen ;u lassen, ist unsere patriotische Pflicht. (Stürmischer Beifall links.) Abg. Dr. v. W o p n a (Freikons.): Es ist nicht zu verkennen, daß in unferm össentlickien und politischen Leben sich scharfe Gegensätze herausgebildet haben. Im Gebiet der Verwaltung liegt die stärkste Möglichkeit, diese Gegensätze auszugleichen. Durch untere Verfassung ist darin wenig zu erreichen. Aber in der Verwaltung können selbst die Sozialdemokraten Mitarbeiten, um vernünftige Zustände zu schaffen. Zurufe.) Wir Hannoveraner in meiner Fraktion sind für die öffentliche Wahl. Unsere Bauern würden es gar nicht verstehen, daß man nicht die Courage hat, für seine Ueberzeugung offen einzutreten. Man behauptet, bte ganze Verwaltung wäre konservativ. Such nicht die Richter größtenteils liberal? Die Presse, die einen so großen Einfluß auf das öffentliche Leben hat, ist liberal. Mit vielen Vorrednern sind wir der Meinung, daß die Desinitionen der Vorlage über den Begrui Bildung keine glücklichen find. So solUen mehr reife und erfahrene Arbeiter in eine höhere Klasse aufrücken können. In her Kommission muß auch geprüft werden, oh nicht die Gewerbe treibenden gegen den Terror der Sozialdemokraten geschützt wer den können. (Beifall rechts.) Abg. Fischbeck (Fr. Vp.): Die Regierung Beruft sich auf die Wahlstatistik zur Empfehlung ihrer Vorlage. Die Wahlstatisti, hat aber nur wenig Wert. Erne Statistik nach Berufsständen sollte man uns vorlegen. Unsere Gorlitzer Parteigenossen haben eint solche Statistik bei den dortigen Stadtverordnetenwahlen aus gemacht. Da hat sich lferausgestelll, daß beim öffentlichen Wahl recht gewählt haben über 60 Prozent der Arbeiter und der Hand roerfer und annähernd ebensoviel Beamte. Von den Gastwirten den Heinen Kaufleuten und Gewerbetreibeirden, von Bäckermeister! und den Fleifchermeistern haben nur 10—20 Prozent gewählt Das zeigt doch, wie abschreckend die öffentliche Wahl gerade au den Mittelstand wirkt. Herr v. Wedell-PieSdorf hat im Herren hause nackt herausgesagt, die Entscheidung, ob öffentliche oder ge Heime Wahl vorzuziehen sei, richte sich |ür ihn danach, welchem von beiden Wahlvcrjahren ihm größeren Vorteil verspreche. Wei es ehrlich meint mit dem Mittelstand, der muß für das geheinn Wahlrecht emtreien. Wollen bte Konservativen die Rechte bei Beamten wahren, so müssen sie für das geheime Wahlrecht em-- treten. Das viele Herumdoktern an dem Wahlrecht führt zu nichts, das geheime, direkte und gleiche Wahlrecht ist die einzige Lösung. (Lebhafter Beifall links.) .. Ein Schlußantrag wird angenommen. Damit tft bic erste Lesung der Wahlrechtsoorlage beendet. Die Vorlage geht an eine besondere Kommission von 28 Mitgliedern. Das Haus vertagt sich auf Montag 11 Uhr: Nationalliberale Interpellation tetr, die Maßregelung von Beamten in Pofen. Fortsetzung' der zweiten Lesung des Etats: Zölle und indirekte Steuern. Schluß 33/1 Uhr. * M- Berlin, 12. Febr. Der Ausschuß des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Wahlrechtsreform wirb aus folgenden 28 Mitgliedern bestehen: Konfervativc/9^ Ahrens (Klein-Flöthe, v. Blankenburg, v. Boelpi, v. Geschcr, Melkewitz, v. Oldenburg, Frhr. v. Richthofen (stellvertretendev Vorsitzender), Sielermann, v. Treskow: Fr ei ko ns er v ati-ve (4) : Frhr. v. Zedlitz, .Ki'ause (Waldenburg), (Vorsitzender), Re- woldt, Johannsen; Zentrum (6): Herold, Linz, Kirsch, Zimmer, Bell, Giestert; N ati 0 n a llib e r a le (4): Dr. Friedberg, Schiffer, .Krause (Königsberg), Dippe: Freisinnige (31$ Träger, Pachnicke. Fischbeck; Sozialdemokraten (l); Ströbel; Polen (1): Korsanty. ———■11 - । ■ ■■ - > >— -a £uftfd|iffa6rt Ln fischisslinien in der Schweiz. D'evLnz^rnee ANrhauÄrnsschuß teilt amtlich mit: „Nachdem im vorigen Fichhjahr die Unterhandlungen des K'nrkomitees in Luzern mit der deutschen Luftschiffcchrtgesetlschaft Zeppelin, betr. Schaffung eines Luftschisshafcns in Supern, zn keinem befriedigenden Ergebnis geführt hatten, hat nun das Kurkomitee mit der Compagnie Transavrienne in Paris nnlernt 7. d. M. einen Vertrag abgeschlossen, der die Veranstaltung regelmäßiger Lustschifsexkursionen von Luzern aus um ben Rigi herum und sonst in Gebiete der Zentralschtveiz schon für den Sommer 1910 garantiert." Vermischter. ** Der Kaiser und ber Organist. Als Organist bet Kaiser Wilhelm-Gedächttriskirche erfreute sich Herr Walter Fischer in ben Kreisen, die gute Kirck>enmusik zu schätzen ttessen, eines nohlbegründeten Ansehens. Es war einige Tage vor Kaiser» Geburtstag, als die Gattin Walter Fischers vormittags gegen 10 Uhr vvm Hofmarsd>allamt die tclephonisdfe Auftage erhielt, ob ihr Gatte abkömmlich sei: der Kaiser wünsche mit dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Rumänien die große Orgel zu besichtigen. In größter Eite würbe nun Herr Fischer, der im Nebenamt im einem Wilmersdvrser Gymnasium Unterricht erteilt, benachrichtigt. Eine Droschke nehmen, sich in einen schwarzen Rock werfen und nach der Kirche eilen, war eins. Kaum hatte er Zeit gesunden, die Kirchentüre aufzuschließen und fidj zum Empfang in Positur zu stellen, als auch ichun das kaiserliche Automobil nebst einem Begleitwagen vor dem Portal vorrollle. ,,Hof- ierrtlicb halten wir Sic nicht allzulange auf," meinte der Kaiser nach der Begrüßung. „Ater wenn cs Ihre Zeit erlaubt, möchten wir wohl gern etwas von Ihnen auf der Orgel hören." — Auf der Empore angekommen, intonierte Fischer zuerst ein Präludium, ging dann zu der markigen und ergreifenden Melodie des nietet ländischen Volksliedes: „Wir treten zum Beten" über unb endigte schließlich mit dem „Großer Gott wir loben Dich" Während die Damen Platz genommen hatten, stand her Miser während des ganzen Spiels tief in Gedanken versunken neben dem Organisten. „Wie herrlich sind doch diese alten Melodien, wenn, sie so intev- pretiert merben", meinte er dann, als der letzte Orgelton bct> Liang. „Ater, nun, Professor, müssen. Sie uns noch etwas von Bach Vorspielen, wenn ich diesen Wunsch noch äußern darf." Und erst als auf Bach, abermals auf Wunsch des Monarchen, iwch Saint Saöns und Händel gefolgt waren, rüstete sich die kaiserliche Gesellschaft zum Aufbruch. — „Meinen aufrichtigen Dank für den großen Genuß, den Sie uns bereitet, haben, Herr Professor", sagte der Kaiser, dem Organisten die Hand brückend. — „Verzeihung, Majestät", versetzte der Ltngeredete, „darf ick 5uer Majestät gleichfalls meinen untertänigsten Dank für die Troße Auszeichnung aussprechen?" — „Welche Auszeichnung denn, lieber Professor?" — „Nun, Majestät redeten mich beständig mit „Professor" an, obgleich. ." — „Jh, das ist ja gut", unterbrach ter Kaiser hellanflack>end, und sich mit der Hand vor die Stirn scküagend, „so vergeßlich zu sein! Sie sind also noch garnicht einmal Prof es) or! Na, was nicht ist, kann ja nod) -uerben, —, was ich gesagt hab«:, habe ich gesagt. Adieu, lieber! Herr Professor!" . . . und damit testtegen der Käriser und seine Begleitung^ die draußen harrenden Automobile. Am Mchmittag oesselten Tages hatte der geistesgegenwärtige Organist sein Patent als wvhlteftallter Prosessor ter Musik in Händen. * Auf dem Balle. „Gnädige Frau, ich kann mich an Ehrern Fräulein Tochter gar nicht satt sehen!" — „Nun, so beiden e>ie doch an, Herr Fluntermeier!"