drr. 191 Der Lietzener Anzeiger erschein l täglich, außer Sonntags. -- Beilagen: viermal wöchentlich KiehenerKamiliendiälter; zweimal wöchentl.Ureis- dlatt für den Areis Stehen (Dienstag und Freitag); weimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfrage« (vcnifprcd) - Anschluffe: für die Redaktion J12, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger «leben. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 169. Jahrgang Mittwoch 17. August 1919 Mchemr Anzeiger Gmersl-Mzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der Vrühfschen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulftratze 7. vezugspretS: monatlich 75 Pf^ vierteljährlich M. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährt, ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal I5Pf^ auswärts 20 Pfennig, Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton" und.Vermischtes^ K. Neurath; für .Stadt u. Land" und „Gerichtssaal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Zum Brand in der Brüsseler Weltausstellung. Berlin, 16. Ang. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet: Der Kaiser sandte an den König der Belgier ein Beileidstelegramm nach Possenhofen. Der belgischen Regierung ließ er durch ein Telegramm des Gesandten Freiherrn von Jenisch an den belgischen Minister- prästdenten seine Teilnahme an Belgiens nationalem Unglück ausdrücken. Der kaiserliche Geschäftsträger in Paris wurde gleichzeitig angewiesen, der französischen Regierung die Teilnahme des Kaisers zu übermitteln. Brüssel, 16. Aug. Die Ausstellung der alten Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts ist nicht zerstört worden, weil sie außerhalb des Ausstellungsgeländes in dem großen Jubelpark untergebracht ist, der weit entfernt von der Avenue Solbosch liegt. Der Reichskommissar derengtischenAusstellung hatte heute vormittag eine längere Unterredung mit dem Vorsitzenden des Ausstellungskomitees Baron Jenssen; es scheint, daß die englische Regierung die Absicht hat, die zerstörte englische Ausstellung vollständig wiederherzu- stellen. Die sranzösiche Abteilung auf der Ausstellung wird wieder hergestellt. Das Militär verläßt die Ausstellung, deren sämtliche Abteilungen von morgen ab wieder zu besichtigen sein werden. Belgien will seine Ausstellung wiederherstellen und die neue Ausstellung im Pavillon für zeitliche Ausstellungen unterbringen, wo 6000 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die Leiden, nach dem Brande der Weltausstellung vermißten Personen sind nunmehr wieder aufgefunden worden. Paris, 16. Aug. Nach dem amtlichen Bericht des Kommissars der französischen Abteilung der Brüsseler Weltausstellung, Capsal, an den Handelsminister sind von der französischen Ausstellung nur die 'Galerie für Nahrungsmittel und der Pavillon der Stadt Paris zerstört worden. Die übrigen Galerien und Pavillons '"-er französischen Ausstellung, sowie alle Kunstgegenstände ünb intakt geblieben. Es sind nur in den Sälen der Bijouterien und Bronzen einige Verluste zu verzeichnen. München, 16. Aug. Das Königspaar von Belgien ist heute abend hier eingetroffen, um sich nach Brüssel zu begeben. Eine amtliche deutsche Darlegung. Der deutsche Reichskommissar Geheimer Regierungsrat Albert hat den: Brüsseler Vertreter von Wolffs Telegraphischem Bureau folgende Mitteilungen gemacht: Tie deutsche Abteilung ist in vollem Umfange unversehrt geblieben. Obwohl sich die getroffenen Maßregeln vollstcnrdig bewährt haben, sind jetzt die Sicherheitsmaßregeln noch verstärkt worden. Tie nächtlichen Patronillengäuge und die 'Bewachung mnerhalb der Hallen während der Nacht sind vermehrt und verstärkt worden. Im übrigen ist das Feuerrisiko der gesamten Baulichkeiten von dem Syndikat der deutschen Feuerver- s i ch e r u n g s g e s e l l s ch a f t e n gedeckt. In gleicher Weise haben die deutschen F-euerversicherungsgesellschaften, sowie eine Reihe englischer Gesellschaften das Feuerrisiko der sämtlichen deutschen Ausstellungsgegenstände übernommen. Der Zugang zur deutschen Abteilung ist nicht unterbrochen gewesen. Trotz des augenblick- licli erforderlichen Umweges hat der Besuch der derttschen Abteilung eher zugenommen als ab genommen. In wenigen Tagen werden die Trümmer, welche zurzeit die Avenue Solbosch bedecken, beseitigt fein, so daß die Hauptzugangsstraße zur deutschen Abteilung bald wieder dem Verkehr geöffnet fein wird. Die Gesamtausstellung bleibt ununterbrochen geöffnet. Die Juryarbeiten werden am nächsten Montag fortgesetzt, nachdem sich herausgestellt hatte, daß Duplikate der Protokolle der ersten Instanz im Stadtbureau des belgischen Kommissars vorhanden waren. Bei diesem traurigen Anlaß hat sich gezeigt, daß es ein glücklicher Gedanke war, die deutsche Abteilung als ein geschlossenes Ganzes in einem getrennten, einheitlichen Gebäude unter- z u b r i n g e n. Wenn die ganze Weltausstellung in einem einheitlichen Bau zusammengefaßt gewesen wäre, so würde sie höchstwahrscheinlich insgesamt ein Raub der Flammen geworden fein. Leider sind vollständig vernichtet die englische Abteilung mit ihren unersetzlichen Kunstschätzen und Wertobjekten, sowie derjenige Teil der belgischen Abteilung, der hinter der Hauptfassade liegt. Der Architekt der belgischen Ausstellung, Acker, wird bereits in wenigen Tagen Pläne vorlegen, in welcher Weife die Brandstätte künstlerisch verkleidet wird. Man hofft, die neue Fassade in 14 Tagen fertigzustellen. Ter Kostenaufwand hierfür wird sich auf eine V i e r t e l m i l l i o n Franks belaufen. Eine Schädigung des architektonischen Gesamtbildes der Ausstellung wird nur in geringem Umfange eintreten. Kaifcr und Erotzherzog in Mainz. N. Mainz, 16. Aug. Die Mainzer feierten von jeher gerne Feste, und die alljährliche Anwesenheit des Kaisers und des Großherzogs wird denn auch seit zwölf Jahren jedesmal recht gründlich ausgebeutet. Diesmal aber gings ganz besonders hoch her. Was versprach man sich nicht alles. Außer den zahlreichen Fürstlichkeiten erwartete man auch noch die Flieger, die den Mainzern einmal ein ganz besonderes Schauspiel bieten sollten. Die Mainzer wurden aber von den Flugfahrern schmählich im Stiche gelassen, denn die ließen ohne jede „Rücksicht auf die Art der Bevölkerung", die den Absperrungsmannschasten anempfohlen war, warten wer da warten wollte. Die Ungunst der Witterung ließ einen derartig bedeutungsvollen Flug unangebracht erscheinen,^ obwohl hier in Mainz, wie immer, wenn etwas los ist, das prächtigste Wetter war. Gestern abend allerdings tobte sich der Wettergott noch einmal tüchtig aus und riß sogar in seinem Grimme eine der Ehrenpforten auf dem Aliceplatz zusammen. Der Schaden wurde aber Übernacht rasch behoben und heute früh erstrahlte der Weg nach dem Schlosse mit seinen ragenden Masten, Wappen, Blumengewinden und bunten Fähnchen in herrlichstem Sbnnenjchein. Der gestrige Regen feint zwar unerwartet, aber —i program mäßig; denn seit Jahren hat der Mainzer Himmel die Gepflogenheit, am Tage vor der Parade den Sand tüchtig zu begießen, damit sowohl die Soldaten als auch die neugierigen Mainzer, die das besonders Übelnehmen tonnten, von übermäßigem Staube verschont bleiben. Auch dem Blumenschmuck hatte der Regen keinen Schaden getan. Nur die Schaulustigen, die am Montag, der hier Feiertag war (Mariä Himmelfahrt), zahlreich erschienen waren, um die Ankunft des Großherzogs zu erwarten, waren tüchtig getauft worden. Dafür war am Vormittag das Vergnügen umso größer gewesen. Begünstigt durch den Feiertag, hatte sich eine große Menge Leute, besonders Landbewohner, zur Vorparade eingefunden, um das prächtige militärische Schauspiel zu sehen. Bäume und Hügel waren sofort von Jung-Moguntia besetzt; aber auch die Erwachsenen belegten jedes günstige Plätzchen mit Beschlag. Häufig wurde die Absperrungslinie durchbrochen, aber vor den ansprengenden Reitergefchwaderre zog man sich schleunigst in den sichernden Wald zurück, ber die Soldaten weder vor den Riesenhüten der Damen itody vor den photographischen Apparaten Respekt hatten. Nach, dem Gefechte trat eine Ruhepause ein, während der die „fliegenden Händler" Selterswasser und „Vorparadeschinkenbrötchen" verkauften. Bei der anschließenden Parade waren von den auswärtigen Regimentern nur div Flügelunteroffiziere beteiligt. Die Kaiserparade. Heute morgen traf der Kaiser, wie schon telegraphisch- gemeldet, mit großem Gefolge hier ein und verließ an dem bald unter die Sehenswürdigkeiten eingereihten Bahnwärterhaus Nr. 39, dem Mainzer Kaiserbahnhof, der viel> leicht noch einmal unter Denkmalschutz gestellt wird, den Sonderzug. Nach der Begrüßung unterhielt sich der Kaiser sehr angelegentlich mit dem Lord Willingdon, der mit der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen am Morgen von England gekommen war. Der Kaiser 'begrüßte dann die zum Spaner ausgestellten Schüler in sichtlich bester Laune und begab sich im Galopp nach dem Uebungsplatz. Hier exerzierte zunächst das Leibdragonerregiment Nr. 24. Nach der Kritik begann das Gefecht, zu dem Generalleutnant Scholz die Aufgabe gestellt hatte, und an dem diesmal nur preußische Truppen teilnahmen. Die Hebung, die etwa iy2 Stunden dauerte, wurde auf besonderen Wunsch des Kaisers unter einer außerordentlich starken Feuerentwicklung durchgeführt und endete mit dem Sieg der „Rh ein arm ee". Während der Kritik stellten sich' die Truppen zum Parademarsch auf, der zuerst in Kompagniefront, dann in Regimentskolonne, bei den be- rittenep Truppen im Schritt und dann im Trab ausgeführt wurde. Der Kaiser führte wie stets dem Großherzog serw Leibregiment (116) vor. Der Großherzog, die Großherzogin und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen führten ihre Regimenter (115, 117, 80) dem Kaiser vor. Die Kronprinzessin von Griechenland wohnte der Parade im Wagen bei. Im ganzen waren 25 Bataillone, 9 Schwadronen und 9 Batterien mit ihren Stäben zur Truppenschau herangezogen. Nach der Parade hielt der Kaiser abermals Kritik ab und setzte sich, nachdem er die zum Spalier ausgestellten Truppen im Galopp abgeritten hatte, hinter der Gastelb- scheu Wagenfabrik an die Spitze der Fahnenkompaanie, zu der die 8. Kompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 116 befohlen war. Einzug in die Stadr. Unter dem lebhaften Jubel der Bevölkerung und dem Geläute der Glocken ritt der Kaiser kurz nach Mittag durch die dicht besetzten Straßen nach dem Schloß, wo er von Oberbürgermeister Dr. Göttelmann im Namen der Stadt begrüßt wurde. Der Kaiser unterhielt sich mit ihm über die reichen Spenden, die von den Mainzern für den Kreuzer „Mainz" gestiftet worden waren und besichtigte dann den Siwerschatz und eins der Oelge- mälde, die Ansicht der Stadt vom Nheinufer au§r die für die Offiziersmesse des Schiffes bestimmt sind. Besonderes Interesse bekundete der Kaiser für das jetzt im Druck vorliegende Verzeichnis der Schiffsbücherei, die ebenfalls von der Stadt gestiftet wurde und 1000 Bände umfaßt. Zur Tafel, an der die Spitzen der Behörden teilnahmen, waren 42 Gedecke aufgelegt. Nach dem Frühstück besichtigte der Kaiser in Begleitung des Großherzogs das schloß. Sie aber keine Heimat gewährt. Kaiserin Eugenie in Esmpiegne einst und jetzt. Der schaulustige Reisende, den am vorletzten Sonntag sein Weg vielleicht nach Eompiegne führte, wo er in der Den Duft des Gewesenen, der heute über Compiegne liegt, nahm sie mit sich, verrauscht sind die fröhlichen Klänge von einst, längst erstorben das Echo der sorglosen Scherze, die damals den „Kreis von Compiegne" erfüllten. Denn Compiegne, das hieß das Abstreifen des starren Hofzeremoniells, das waren-die Tage, wo das Kaiserpaar nur den auserwählten nahen Freunden lebte und wo alle Sorgen verbannt waren. Nach Compiögne geladen zu werden, das war der höchste Ehrgeiz jedes französischen Hosmannes. Wenn am 1. November Napoleon und Eugenie in das anmutige Schloß zogen, da begannen die Tage der Freude und der ungezwungenen Geselligkeit. In Gruppen von 70 bis 80 Gästen kamen die Freunde des Kaiserhauses und verlebten eine Festwoche, bis die Stunde der Abreise schlug und eine neue Schar von 80 Gästen sie ablöste. Am Tage der Ankunft war Tafel im Schlosse, am Abend dann fröhlicher Tanz; kein Orchester, keine Streicherkapelle, ja nicht einmal ein Flügel; im Tanzsactl stand ein mechanisches Klavier, dessen Kurbel von den Herren abwechselnd gedreht wurde, um den anderen die Freuden des Tanzes zu ermöglichen. Es war nicht 'unter "leicht, dieses Orgelklavier zu meistern, nicht jeder hat ein natürliches Empfinden für die Gesetze des Rhythmus, und oft erschallte heiterer Widerspruch, und lustige Vorwürfe, wenn irgend ein hochstehender Würdenträger in seinem Eifer unregelmäßig spielte und durch seine Temposchwankunaen die Tänzer in Verwirrung brackte. Am zweiten Tage herrschte das Jagdgewehr; während die Damen in duftigen Kleidern auf grünem Rasen mit der Kaiserin Wettkämpfe im B o g e n - schießen veranstalteten, zogen die Herren zum Weidmannswerk in Park und Wald. Am Wend war dann Vorstellung in dem entzückenden kleinen Theater, das Louis Philippe, der Bürgertönig, erbaut und das das Kaiserpaar durch eine prachtvolle Erneuerung verschönert batte. Hier spielten abwechselnd die Größen oer Comödie, oes Odeon, des Gymnase, oes Vaudeville und des Palais Royal, die abwechselnd von Paris nach Compiögne befohlen wurden. Im Theater wurden die männlichen Gäste sehr stiefmütterlich behandelt, nie hat ein Herr in einer vorderen Reihe Platz nehmen dürfen, der erste Rang, der zu einer mächtigen, 200 Personen fassenden Loge ausgebaut war, blieb dem Juwelengeschmückten schöneren Geschlechte Vorbehalten; die Herren mußten oberhalb der kaiserlichen Loge aus Hintersingenden Tonfall seines Berufes gelangweilt die eingelernte Litanei heruntermurmelte, „dies ist das Gemach, in dem Kaiser Napoleon III. zu arbeiten pflegte", „Hier gewahren Sie das Zimmer, wo die Kaiserin Eugenie ihre Gäste empfing" usw. Jedes Zimmer, jeder Raum des Schlosses wurde besucht, durch die Gemächer, in denen einst das Familienleben des letzten unglücklichen Kaiserpaares von Franlreich waltete, zog die plaudernde,- sorglose Karawane der Schaulustigen, Lorgnetten klapperten und hier und da stellte eine wissensdurstige Dame eine besondere Frage an den Führer, um allerlei „Interessantes" aus der Vergangenheit zu erfahren, wo in Compiegne noch Glanz, Freude und heitere Geselligkeit herrschten. Niemand hatte der stillen Greisin in dem Zuge besondere Aufmerksamkeit geschenkt; er stjetzt, da die Schar der Besucher das Arbeitszimmer des Prinzen Lulu verließ, als die schwarzgelleidete Gestalt einige Augenblicke einsam in dem Gemache zurückblieb, während die eintönige Stimme des Führers bereits in der Ferne verklang, da erkannten einige Nachzügler die Tunkelverschleierte: es war die Kaiserin Eugenie, die unglückliche Mutter, die hier in dem Zimmer ihres einzigen Kindes stand und der Zeiten gedenken mochte, da die Zukunft noch hell und sonnig vor ihr zu liegen schien und ihrem geliebten Sohne ein Leben voll Glanz und Ruhm verhieß. Tie Besucher traten still zur Seite und ließen die Kaiserin allein mit ihren Gedanken. Erst eine Weile später trat sie heraus, verließ schweigend mit ihren beiden harrenden Begleitern das Schloß, um von der Stätte ihrer schönsten Erinnerungen wieder hinauszueilen in die Welt, die der Witwe und der trauernden Mutter wohl Raum, Schar von Globetrottern und Ausflüglem durch die Gemächer des berühmten Schlosses wandeln wollte, konnte Zeuge eines ergreifenden Auftritts werden. Inmitten der Besucher, die unter Führung eines alten Beamten den Rundgang durch das Schloß antraten, sah man eine schwarzf- gekleidete, ehrwürdige alte Dame, die sich in Begleitung zweier Herren dem bunten, fröhlich plauderten Zug an- ' folgte schweigsam dem Führer, der mit dem >nfall seines Berufes gelangweilt die einge- bänken Platz suchen, so gut es ging. Am dritten Tage kam dann die Hetzjagd zu ihrem Rechte. Napoleon selbst war zwar kein großer Jäger, und der Jagdritt reizte ihn wohl wenig. Was ihm Freude urachte, das war das" Einherjagen hinter den Hunden; ob die Meute die Spur verloren hatte und sich verirrte, blieb ihm dabei herzlich gleichgültig. Man wußte das, und so gab es auch zwei Meuten. Die eine, von rein englischer Zucht, raste gewöhnlich sinnlos dahin, gefolgt von dem Kaiser und dem Gros seiner Gäste. Die Jäger aber, die Freunde des Weidwerks, folgten gewöhnlich der Heineren, französischen Meute, die der Fährte des Wildes treu blieb und möglichst schnell von der oahinbrausenden kaiserlichen Kavalkade ab wich. Diese kleine Schar war es auch gewöhnlich, die am1 Schlüsse Halali blasen konnte,.lwährend der größere Trupp nach wildem, langem Ritte, den Kaiser an der Spitze, in der Regel beutelos, aber mit geröteten Wangen und in bester Laune, heimkehrte. — Die Entdeckung wertvoller Quattrocento-Fresken wird aus Perugia berichtet. In der alten Kirche von Santa Maria N u o v a hatten Arbeiter zum Zweck von Ausbesserungen ein Gerüst aufgestellt, als sie beim Klopfen gegen eine Mauerwand feststellt^n, daß sich dahinter ein hohler Raum befinden müßte. Man brach die Wand ab und entdeckte eine große Nische, die vollständig mit Fresken ausgemalt ist. Die Bilder, die noch ganz gut erhalten sind, stellen eine Kreuzigung dar: neben Christus am !Kreuz stehen San Bernardino und Santo Stefano; zu .ihren Füßen sieht man einen Totenschädel. Die Wände der Msche und die Decke sind reich geschmückt und tragen die Bilder der vier Evangelisten, die in geometrische Formen eingeschlossen sind. Das Fresko, eine ausgezeichnete Arbeit, trägt alle Merkmale der Malerei des Quattrocento. Jur weiteren Verlauf der Arbeiten wurden noch zwei übereinander liegende Nischen aufgedeckt; während die obere von der Feuchtigkeit fast zerstört ist, ist die untere ausgezeichnet erhalten und hat ein Fresko mit der Darstellung der gekrönten Jungfrau und zweier Heiligen. Dieses Bild trägt die Jahreszahl 1587. — Der Allgemeine deutsche Sprachverein, der sich die Pflege der Muttersprache und ihre Reinigmig von entbehrlichen Fremdwörtern zum Ziele gesetzt hat, feiert vom 10, bis 12. September £>- I. das Fest seines 25 Mrigen Bestehens. tflntifdjpgermarrifchc Museum im kurfürstlichen Schloß unter Führung des Direktors Prof. Sch n m acher und des Oberbürgermeisters. Darauf kehrten die Fürstlichkeiten nach dem großherzoglichen Schlosse zurück. Die Abreise des Kaisers nach Friedrichshof er folgte um 4 Uhr im Auto. Das Großherzogspaar fuhr um 4.40 ebenfalls im Kraftwagen nach Wolfsgarten zurück. Der Kaiser verlieh eine Reihe von Auszeichnungen, u. a. den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub dem Generalmajor von Grumbkow (50. Infanterie Brigade) und dem Generalmajor von Repp er t (2. Pionier- Inspektion); den Kronenorden erster Klasse: Generalleutnant von Stranp (25. Division) und den Kronenorden zweiter Klasse dem Obersten Dreßler (21. Fuß-Artilleri e-i Brigade) und dem Obersten von Ru Ville (Kommandant von Mainz). Kronberg, 16. Ang. Der Kaiser ist mit seinen Schwestern, der Prinzessin Margarethe von Hessen und der Kronprinzessin von Griechenland nebst dem Lord und der Ladt) Willingdon sowie den Prinzen Philipp und Wolfgang von Hessen um 4 Uhr 50 Minuten auf Schloß Friedrichshof eingetroffen. Kronberg, 16. Aug. Auf Schloß Friedrichshof sind heute zur Mendtafel außer dem Gefolge des Kaisers eine Anzahl Gäste geladen. Derrtscbes Heicb. Tas „Berliner Tageblatt" meldet: Sir Ernst Easscl machte, um das Andenken des Königs Eduard zu ehren und dem deutschen Kaiser seine Verehrung auszudrücken, eine Stiftung, die englisch-deutschen Eharakter tragen soll und für die vorläufig vier Millionen aus geworfen sind. Es soll ein Fürsorgesystem geschasfen wer- den, das gleichzeitig minderbemittelten Engländern, die in Deutschland weilen und dort ihren Erwerb suchen, und Deutschen in England, die in gleicher Lage sich befinden, zugute kommen soll. Der König und die Königin, die Königin-Mutter von England, der deutsche Kaiser und die Kaiserin sollen das Protektorat übernehmen. Tie Polen sind wieder rege bei der Arbeit, sogar im Kerzen des Deutschen Reiches. Die polnisch-nationale Erziehung der o b e r s ch l c s i s ch e n Mädchen fordert der „Kuryer Slaski", indem er schreibt: Während sich der Oberschlesier für die polnische Kultur begeistert, die varerländische (polnische) Geschichte lernt, polnische Zeitungen und bedeutsame Werke der polnischen Kultur lieft, hält sich die schlesische Frau m einer geroiffen Reserve allem gegenüber, was polnisch ist. Darum bedeuten die Schlesierinnen cm nicht geringes Hindernis in der Entfaltung des volinschnationalen Lebens auf der Piastenerde. Die unausgeklärte Mutter flößt dem Kinde kein poltiischnationales Genihl ein, das sie häufig selbst nicht besitzt, ■'bier droht der polnischen Geinemschafl die Gefahr der Entnationa- tisierunq der Jugend. Diese Gefahr ist um so größer, als die ausgeklärten nationalen Faktoren diesem Teile unseres nationnlcn Lebens keine Aufmerksamkeit zuwenden. Die polnischnarionale Gleichgültigkeit der Schlesierinnen ist eine Folge unserer Saumseligkeit. Wir haben uns wenig oder gar nicht darum bekümmert, ihnen das Begegnen mit der polnischen Kultur zu ermöglichen. Wollen wir die nationale Wiedergeburt Schlesiens beschleiinigen, so müssen wir die schlesische Frau zunr polnischnationalen Leben wecken. In die Arbeiterversammlnngen müssen die Frauen mitgenommen werden, damit sie die Bedürfnisse des polnischnationalen Lebens kennen lernen. Man muß für sie Bibliotheken und AufklärungS- vereine begründen. Erst önnit, wenn die polnische Frau m imlio- naler Hinsicht wiedergeboren wirb, werden wir von einer Wieder- belebnng der schlesischen Erde reden könne,i. 2luslaitö. Aus 97?arient»ab wird gemeldet: Ter Minister des Aeußern Graf v. A e h r e n t h a l machte am Dienstag mit dem türkischen Großwesir .Hakki Pascha eine längere Ausfalwt. Der türkische Finanzminister besuchte Hakki Pascha und reiste abends weiter. Aus Bern wird gemeldet: Präsident Falliöres, der den ganzen Vormittag auf der französischen Botschaft zugebracht halte, stattete am Dienstag nachmittag dem Bundespräsidenten Eo m t es s e einen Besuch ab und unternahm sodann mit dem Bundespräsidenten und den verschiedenen Bundesräten eine Automobilfahrt in die Umgebung England, Rußland und Frankreich' lenkten durch ihre Vertreter die Aufmerksamteit der griechischen Regierung aus die Gefahren hin, welche die Kandidaturen der Kreter .in sich schließen. Die Regierung aut- wartete, daß sie für diese Frage nicht zuständig sei, versprach aber nichtsdestoweniger, bei den kretischen St an bi* Er wurde 1885 von dem verstorbenen Museumsdirektor Hermann Riegel in Braunschweig gegründet. Aus kleinen Anfängen hat er sich in den 25 Jahren mächtig entwickelt. Er zählt gegenwärtig über 30000 Mitglieder. Ein Retz von 324 Zw-ngveremen spannt sich übet das ganze deutsche Gebiet: auch im 2lusland haben sich Zweigvereine gebildet, in Italien, Belgien, Rumänien, England, -Amerika, Afrika und Australien. Der Londoner Verein hat 600 Mitglieder, der Rewhorkcr über 1000. Das Jubelfest des Vereins soll in Dresden gefeiert werden. In Dresden trat 1885 der erste Ztveigverein ms Leben: boruni ist der Gründungstag des Dresdener Zweigvereins zugleich her Stiftungstag des Gesamtvereins. In Dresden wurde auch 1887 die 1. Hauptversammlung des'iungen Vereins gehalten. Man erwartet zn der Fünsundzwauzigjahr- seier zahlreichen Besuch aus allen Teilen des deutschen Gebietes. Gegen 100 Zweigvereine haben bereits ihre Vertreter angemeldet. Auch aus Amerika werden Abgeordnete der dortigen Zweigvereine erscheinen. Ter Dresdener Zweigverein, rüstet eifrig zu dem Feste. Ein Begrüßungsabend mit allerlei künstlerischen und dichterischen Unterhaltungen wird die Feier cinleiten; die Festrede hält der bekannte Germanist Geh. Hofrat Prof. Tr. Behaghel aus (Hießen: eine Dampfschin'ahrt nach der schön gelegenen alten Markgrafenstabt Meißen mit Besichtigung des Domes, der Atbrechlsburg und der Fürsienschulc wird den Abschluß bilden. — 3t. B ureau kratiuS. Wir lesen in der Beilage der Halberstädter Zeitung und Tageblatt «Vürger - Zeitung): Ein Fräulein S., Tochter achtbarer Eltern, gedachte und gedenkt auch noch, mit einem feschen Kavallerie Wachtmeister in den heiligem Ehestand zu treten. Bekanntlich lverden nun bei Heiraten chargierter Militärs zur Erlangung des Konsenses neben andern Dmgcn auch über die Führung der Braut die nötigen Atteste verlangt, und di" Ellern der jungen Dam" hatten demgemäß über die einzelnen Lebensstadien ihrer Tochter die historisck-en Dokumente, als da sind: üfcburtßurfunbc, Taufschein, Schulzeugnisse, p onfirmationsattest usw., ihrer natürlich unmaßgeblichen Ansicht nach lückenlos beigebrachtz Nun war Familie S. früher einmal in Benneckenstein ansässig, wo auch die jetzige ^raut des Wachtmeister) das Licht der Welt erblickte. Als die Kleine aber erst wenig über 1 Jahr „alt" war, siedelten ihre l-lltern bereits nach Hallvrstadt über In diesem llmfianb hat nun der mit Der Prüfung und Ordnung der Führungsatteste und LegilimationSpapjcre betraute Beamte ein dickes Haar ge- timDkn n vermißte über den Lebens wandel der Braut r Lebenszeit, also für die Zeit kur» nach dem vollendeten ein Führungszeugnis und Eltern die nachträgliche Beibringung n befindlichen Ältestes an. Ob der at, daß tu Benneckenstein ziemlich viel baten ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß diese, entsprechend dem Wunsche der Mächte, auf ihre Kandidaturen verzichten. Das Pariser „Journal" meldet aus Baveux: Am Montag abend wurde der Versuch gemacht, den E h e r b o u - ger Expreßzug zum Entgleisen zu bringen. Der Mechaniker des Güterzuges bemerkte kurz vor Bayeux, daß die Strecke gesperrt war. Da er wußte, daß der Expreßzug von Cherbourg füllig war, hielt er seinen Zug an und brachte durch Schwingen einer roten Fahne auch den Expreßzug zum Halten. Die Angestellten beider Züge machten das Gleis frei, das mittels 31 schwerer Holzbalken gesperrt worden war. Untersuchung ist eingebettet. Aus Bilb a o wird gemeldet: Infolge verfchiedencr von ausständigen Grubenarbeitern unternom- mencr Versuche, Arbeitswillige von der Arbeit abzuhalten, kam es zu mehrereu Zusammenstößen. Bei einem Bergwerk wurde ein Arbeitszug von 200 Ausständigen mit Steinen beworfen und beschossen. Die Streitenden durchzogen mit Waffen und Stöcken das Grubengebiet, um die Wiederaufnahme der Arbeit zn verhindern. Umfassende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Lrdnung sind getroffen worden. Aus Kalkutta meldet man: Die Polizei hielt eine nächtliche H a u s s u ch u n g bei einem ehemaligen Deportierten ab. „Empire" sagt, die Haussuchung bezog sich aus das Gerücht von einer Waffeneinfuhr aus London und Paris. Der Polizei ist eine Anzahl Dokumente und Briefe mehrerer englischer Anhänger der nationalistischen Bewegung in Indien in die Hände gefallen, darnnter ein Brief eines Unterhaustnitglieds. Waffen wurden keine gefunden; Verhaftungen sind nicht erfolgt. Die chinesische Regierung sandte dem deut- ch e n K r o n p r i n z e n ein Telegramm, in dem sie ihn willkommen heißt. Seer unö Flotte. Berlin, 16. Aug. Das erste Gardcdragoner-Rc- gimcnt feierte heute Donnittag die 40jährige Erinnerung an Mars-la-Tour. Der Verein ehemaliger erster Garbedragoner, darunter 33 alte Krieger und Teilnehmer an dem Todesritt;, wohnten der Feier bei. Der Regimentskommandeur und der Vcreinsvorsitzenbe hielten Ansprachen. Dann wurden am Kriegerdenkmal Kränze nicdergelegt. Das e r ft e feldgraue Regiment. Tas am 1. Oktober neu zu errichtende sächsische Husarenregiment Nr. 20 erhält dauernd und allein, sür alle Frieoenc-, also auch Paradezwecke, die feld- graiie Uniform. Nur die Stiefel werden, vovlnuftq wenigstens, nicht feldbraun, sondern schivarz sein. Die neue Uniform besieht, io entnehmen wir den „Neuen niilitärischen Blattern", die jetzt vom Verlage der „Grenzboten' übernommen worden sind, aus einer feldgrauen Attila nut dunkelgrüner Verschnürung und feldgrauer Reubose. Die Knöpfe, Oliveii und Nummern sind mattsilberfarbig gehalten: die Abzeichen au der Pelzmütze und Mütze sind Koru- bluinenblau.^ Bandolier, Säbeltasche, so>vie alle gläiizenden Beschläge nm Sattel- und Zaumzeuge siub wegqesallcn. Tie Uniform ieht trotz ihrer Einfachheit sehr kleidsam und flott aus und hat dabei den Vorteil wesentlicher Billigkeit im Vergleich mit den bisherigen Husaren-Unnoriuen. So soll u. a. die Offizierseguipierung des neuen Regiinenis sich um etwa 1000 Mk. niedriger stellen als die der beiden sächsischen Husarenregimclilcr 18 und 19. Ans Stadt nird Land. Gießen, 17. August 1910. Ein Sonderfriedhof für die Israeliten? Auf die gestern veröffentlichte Zuschrift betreffend: die Anlage eines ifracUtifd^u Friedhofes sendet uns der Vorstand der israelitischen Religionsgesellschaft folgende Erklärung : 1. In her Generalversammlung vom 7. Mai 1908 wurde ci it ftituntig die Anlage eines eigenen Friedhofes beschlossen. 2. Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der israelitischen Religionsgesellschaft jemals von irgend einer Seite eine Sclfcnkung hierfür angeboten oder auch nur in Au^s- ftcht gestellt worden ist, im Gegenteil, die Mittel für die Anlage eines Friedhofes werden von den Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft selbst aufgebracht. 3. lieber eventuelle Abgabe von Gräbern an Nichtmitglieder der israelitischen Religionsgesellschaft ist bisher noch keine offizielle Beratung gepflogen worden. 4. Tem beregten Artikel im „Israelit" steht der Vor stand der israelitischen Religionsgesellschast vollständig fern. 5. Tie Verwahrlosung des israelitischen Friedhofes in Großen-Linden, der in früheren Zeiten, soweit uns bo ohne Jagdschein gepürscht wird, oder ob er das friedlich? Harz- städtchen jür eine Festung gehalten hat und ermitteln .wollte, ob Frl. \n der fraglichen Zeit sich vielleicht einmal im Belagerungszustände besunden habe, wer kann das je ergründen? — Was sollte aber Familie S. beginnen? Ihr blieb nichts übrig, als an das Standesamt ;u Benneckenstein zu schreiben und in aller Form um ein Attest über die Führung ihrer Tochter ivährend der xaiicr ihres Aufenthaltes dortselbst ganz gehorsamst zu ersuchen. Ter Beamte m der kleinen Bergstadt hatte, als er aus Den RegNtern festgestellt ltatte, daß es sich für Frl. S. um die Zeit vom Tage der (Geburt bis etwa zur Vollendung des dritten Semesters handelte, den guten Humor, den verzweifelnden Eltern die beruhigende Auskunft zu erteilen, daß die Führung besagter Jungfrau während der fraglichen Zeit in Anbetracht ihrer damaligen kindlichen Unbeholfenheit darin bestanden habe, sich willig jeder Führung zu überlassen; im übrigen habe die p. S. sich zu der sraglic! ?u Zeit genau so betätigt, wie alle andern P^sonen sich zu oer fraglichen Zeit zu führen pslegten. — Der Fall steht Übrigens keineswegs vereinzelt da, auch aus dem preußischen -Schulwesen läßt sich ein artig Stücklein vermelden, das allerdings schon einige Zeit zurückliegt, aber bis jetzt nur wenigen 2?ntJ1croort>rn c*ncr hiesigen Volksschule war für den (Gebrauch des Kastellans ein Hammer nebst Zange angeschasft worden. Eines schönen Tages kam nun von der Oberrechnungs kammer ein gronmächtiges Scluciben an den Rektor, in dem um Aufklärung darüber ersucht wurde, wozu diese Gegenstände gebraucht würden und was der Grund ihrer Aitschaffung sei In der Seele des Rektors mag wohl die nicht ganz unberechtigte Gegenfrage auigetauchl sein, ob denn ein chmmgß* kammer zu Berlin wirklich nichts Wichtigeres zu tun habe, als der- gleichen Lappalien auf deu^Grund zu gehen. Tie Antwort lautete übrigens ebenso trockenen Tones, wie die Anfrage gewesen war: Die Zange ruerb zum Herausziehen und der Hammer' zum Ein schlagen von Nägeln gebraucht Die Cb rung kam m nun eigentlich auf Grund der lleberzeugung, daß sich die Verwendungsart besagter liegen stände gegenseitig ansgleiche, die Unimasfung des Hammers und der Zange beanstandc'ii müssen. Da n dach bis dato „diesseits" ein Rücksclireiben noch nicht erfolgt ist, so ist wohl anzunehmen, daß sich eine hohe Ober- rechnungskammer mit der gemeldeten Rechtsertigung „voll und ganz' zufrieden gegeben hat. -- Kurze N a ch r i rb t e n au« Kunst n. W i fse n fcha f t 3n Grgz wurde am Montag brr 8. Internationale Zoologenkongreß eröffnet Am 19. b. Mts. vollendet Fakultät, Erzeltcnz Projessor Dr. IulüiS Arnold das 75 Lebensjahr. kaunt, BeefrabmMatz der r'sr a eli t i sch e n ReN- grons gemeinde Gießen war, bedeutet für unseren Beschluß gar nichts. D i e S t e m p est a b g a b e n tm Großherzogtnm Hessen betragen nach der amtlichen Statistik bei den Kreisämtern im Jahre 1909 Mk. 927 273 gegen Mk. 931 736 i. I. 1908. Den Hauptanteil machen die Erlanbnisscheine für die Wirtschaften mit Mk. 223 953 an§ gegen Mk. 229115 im Vor- iahre. Dann folgen Jagdwaffenpässe Mk. 147 121 (145 732), Radsahrkarten Mk. 145 286 (145 286), Tanzbeliistigungen besonderer Art Mk. 108 230 (106 938), Tcmzbelnstigungen bei Kirchweihen Mk. 77 746 (75 831), Automaten und Musik, iverke Mk. 51 440 (54 858), Wandergewerbcscheine Mk. 28 874 (27 767), Sion- und Umbauten Mk. 26371 (24213), ßegi-4 tmiationskarton für Reisende Mk. 22 011 (21825). Auf die zehn größten Städte verteilen sich die Stempelabgaben in folgender Weise: Mainz Mk. 122 939, im Vorjahre: Mk. 133 164, Offenbach Mk. 73 239 (77 525), Darmstadt 71 590 (67 791). Worms Mk. 50 583 (38 503), Gießen Mk. 24 624 (34 505), Bingen Mk. 11 739 (10 633), Bad. Nanheim Mk. 10358 (11 477), Friedberg Mk. 7496 (6754), Alzey Mk. 6215 (7996), Bensheim Mk. 4899 (6780).i ** Von der Straßenbahn. Die Benutzung der Straßenbahn betrug in der ersten Hälfte des Monats: i>l 942 beförderte Personen, darunter 791 städtische und 390 Postbeamte. Die Personenzahl, die im Durchschnitt täg* lich befördert wurde, stellt sich auf 3463. Die Bahn wird noch im Laufe dieses AtonatL die 1. Million Fahrgäste er. reichen, eine Zahl, die gewiß alle gehegten Erwartungen übertrifft. x Bad-Nauheim, 16. Aug. Einen wissenschaftlich interessanten Vortrag hielt hente abend im Kurhaus Dr. £gon Kirschenstein, der als Geologe den Herzog. Friedrich Adolf zu Mecklenburg auf seiner Asrrkareise 1907/08; begleitete, über die Vulkangebiete in Zentralafrika:. D-eH Vortrag Nmrde durch zahlreiche Lichtbilder erläutert. Der" Vortragende hat als erster Europäer die Forschungen übet das iuuerafrikanische Vullaugebiet zu einem Mschluß gebracht. I. Fauerbach v. d. H., 16. Aug. Ein schweves, Unwetter zog gestern abend gegen 8 Uhr über unser Tors. Ter Blitz schlug in einen aus'dem Felt^e befindlicher^ F r u ch 11) a n f c tt, der verbrannte. — Bei der kürzlich vollzogenen Gemeinderatswahl wurden gewählt^ 1. Konrad Philipps I., 2. Georg Becker, 3. Johanuesl Werner X. R. B. Darmstadt, 16. Ang. Ein neues schweres Antomobilnnglück wird aus Kelsterbach gemeldet. Tort wurde gestern nachmittag das 6jährige Söhnchen deS Weichenstellers Rohrbach durch ein Lastautomobil der dortigen Seidenfabrik überfahren und auf der Stelle gc* tötet. Der Vorfall ist utu so erschütternder, als die Eltern erst vor 14 Tagen ein anderes Kind durch ein Herzleiden verloren haben. Tas Kind soll hinter einem auf der Straße haltenden Eiswagen gestanden haben imb von da, heraus- lanfend, unter das, angeblich in mäßiger Gangart befindliche Automobil gekommen sein. Der ivegen einer anderen Unter- suchimg anwesende Vertreter der Darmstädter Staatsanwalt, fchaft, Genchts-Affessor Gros, hat sofort die Untersnchung. eingeleitet, um festzustellen, ob den Lenker des 91 utomobilst den 29jährigen Chanfseur Karl Frick die Schuld trifft. rm. Darmstadt, 17. Aug. Zwei Großfen er brachen, gestern nachmittag hier aus. Kurz nach 2 Uhr wurde Feuer in der Großh. Hofmeier ei gemeldet. Dort war eine Scheune mit Frucht in Brand geraten. Sämtliche Züge rückten aus, konnten aber nur die Nachbargcbäudc retten, was mit großer Anstrengung gelang, da die mächtige Glut des Feuers die Umgebung sehr gefährdete. Die Löschungsarbeiten bauerten’ bis zum 9lbeiit>. Kurz vor drei Uhr traf eine weitere G r o ß^ f e u e r m e l d n it g von der Darmstädter D a m p f m ü b l c ein. Tort war im Tachstock anscheinend in der Entstaubungsanlage Feuer ausgebrochen. Auch die Feuern>ehr der Zentralwerkstütte wurde alarmiert. Hier gelang es ebenfalls, den Braud auf feinen Herd zu befchräuken, so daß außer dem ausgevramUeu Dach kein wesentlicher Schaden ent flank ch. Bingen, 16. Aug. 91achdem gestern abend die Mitglieder deö Verbandes der Kriegs-Freiivilligen von 18 70/7 1 hier eingetroffen waren, sand eine Begrüßungs- Versammlung statt, in der die alten Krieger und Veteranen ein frohes Wiedersehen feierten. Die Teilnehmerzah! beträgt über 230. Am heutigen Vormittag fand eine Besichtigung der Stadt Bingen und ihrer Sehenswürdigkeiten statt, der sich ; ein gemeinsames Frühstück anschloß. Am 9lachmittag erfolgte i die lleberfahrt nach NüdeSheim und Anfstieg nach dem : Nationaldenkmal auf dem 91iedenvald. Dort hielt Pro- 'essor Dlüller-Hannover eine kurze Huldigungsrede und legte einen Kranz nieder. Nach dem Absingen der »Wacht am 9ihein" erfolgte die Rückfahrt nach Bingen, wo sich em | Festessen anschloß. ch. Bingen, 16. Aug. Ein schweres Untocttät ! ist gestern abend wieder über unsere Stadt nieder gegangen Bon den Höhen des Rochusberges nnt> Scharlachkopfes schoß das Wasser I in Strömen in die Stadt hinein, brachte eine Menge Schutt und I Grund mit und überschwemmte die Straßen mit schnell dahin- \ schießenden Fluten, so daß der Verkehr unmöglich war. Dabei - herrsschte schwerer Hagelschlag, der im Feld draußen er- 1 l) c b I i d) c n Schaden angerichtet hat. In der Umgebung hat 1 das Unwetter in der gleichen Weise gehaust. ch. RüdeSheim a. Rh., 16. Aug. Ganz fürchterlich I waren hier die Wirkungen des gestern abend hier iliedergegMigenen, Unwetters. Im 9tu ivurden die abschüssigen Straßen unserer Stadt von den mit großer Wucht nnb Sdntelligkeit bergabn>ärt5 i chießenden Wassermengen — der Regen und Hagel ging gleich ] einem Wolkenbruch nieder — überschwemmt und stauten sich dann an den tiesergelegenen Häusern. Dabei brachte d dem der 72er. An der Stelle, wo die Brigade Bredow so scharf ins Gedränge kam, hielt Graf H ä s e l e r ebenfalls eine Ansprache, in der er das heldenmütige Verhalten der Brigade hervorhob. Später wurde das Denkmal des Leib- und Garde-Regiments Nr. 8 bei Reconville e i n g e w e i h t. Ein neuer Eisenbahnunfall in Frankreich. Paris, 17. Aug. Bei Craponne fuhr ein Personenzug auf einen haltenden Zug von hinten auf, wobei 10 P er- fönen, verletzt wurden. ! 1 l i i i ! I n ! § I II ♦ a t n i h / i i n i i b i i r r i e n n i ». r c it l Amtlicher Teil. Bekanntmachnng. B e t r.: Schweineseuche unter dem Bestände des Heinrich Weber II. zu Grünberg. In dem Gehöft des Heinrich Weber II. zu Grünberg ist die Schweinepest (Schweineseuche) ausgebrochen. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, den 15. August 1910. Großherzogliches Kreis amt Gießen. I. V.: Langermann. VergebW non Melimtiönsttbeiten. Für die Feldbereinigung Obbornhosen sollen haben in Prozenten des Voranschlages zu erfolgen und sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen nachstehende Arbeiten unb Lieferungen durch schriftliches Angebot vergeben werden. 1. Rodungsarbeiten veranschl. zu 3442,00 Mk. 2. Brechen u. Liefern von Steinen „ w 300,00 w 3. Anfahren von Steinen „ , 165,00 e 4. Liefern u. Anfahren be§ lieber* gründungsmateriales r „ 440,00 n 5. Chaussierungsarbeiten , w 300,00 w 6. Pflasterarbeiten „ v 1480,00 u Die Verdingungsunterlagen liegen auf Großh. Bürger- meisterei Obbornhofen zur Einsicht offen. Die Angebote bei Großh. Bürgermeisterei Obbornhofen einzureichen, woselbst deren Eröffnung Mittwoch den 24. ds. Mts., vormittags 101/2 Uhr, in Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfindet. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 12. August 1910. bit/8 G roß h. K u l t u r i n s p e k t i o n Gießen. H. Steinbach. Verdingung von Kanalisationsarbeiten und Lieferungen. Für die Kanalisation der Stadt Lauterbach sollen die Arbeiten und Lieferungen für die Hintergasse, eine Teilstrecke der Bahnhofstraße, den Marktplatz, Spittelberg und am Graben durch schriftliches Angebot vergeben werden und zwar: Los 1. Liefern von Zementröhren I. Wahl in Lichtweiten von 15—60 cm, zusammen 930 lfd. Mtr. Los 2. Erd-, Rohrverlegung^- und Malirer-Arbeiten. Los 3. Liefern von Eisenteilen. Pläne und Bedingungen können bei der unterzeichneten Behörde eingesehen werden. Angebotsoordrucke sind für den Preis von 0,50 Mk. für jedes Los erhältlich. Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Donnerstag den 1. September, vorm. 10i/2 Uhr, auf unserem Bureau, Frankfurter Straße 29 (Zimmer Nr. 4), einzureichen, wo die Eröffnung in Gegenwart erschienener Bieter stattfindet. Freie Auswahl bleibt ausdrücklich Vorbehalten. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 13. August 1910. B% Großh. Kulturinspektion Gießen. H. Steinbach. Gebäudeabbruch. Mehrere, zwecks Durchführung der Sandgasse, abzubrechende alte Gebäulichkeiten, im Besitze des Herrn Geh. Kommerzienrat W. Gail, sollen auf den Abbruch verkauft werden. Bedingungen, Angebotsformulare und Pläne liegen im Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen. Die Angebote sind verschlossen und portofrei bis Montag den 29. August, abends 6 Uhr daselbst einzureichen. 4452 Gießen, den 17. August 1910. Der Architekt: H. Meyer. Haiit-Mchcreme „Chloro“ bleicht Gesicht und Hände in kurzer Zeit rein weiß. 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Angebote haben in Prozenten des Voranschlags zu erfolgen und sind verschlossen, postfrei und mit entsvrechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin bei Großh. Bürgermeisterei Hausen b. Gießen einzureichen. Die Eröffnung der Angebote findet Freitag den 19. August 1910, nachm. 3 Uhr, auf dem Nathause zu Hausen in Gegenwart erschienener Bieter statt. Zuschlagssrist 3 Wochen. B1S/S Gießen, den 10. August 1910. Großh. Kulturinspektion Gießen. H. Steinbach. Vergebung. Im Wege des schrisllichen Angebots sollen die nachbenannten Gegenstände zur Lieferung in der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 31. März 1911 vergeben werden, ungefähr: 1. 2800 kg Bohnen iweiße), 2. 2800 kg Erbsen (geschälte), 3. M00 kg Linsen, 4. 50 kg Pfeffer (ganzen), 5. 500 Liter Essig, 6. 1200 kg Gerste «geschälte», 7. 1700 kg Reis, 8. 1200 kg Gersten grütze, 9. 1400 kg Hafergrütze, 10. 2000kg Weizengries, 11. 1000 kg Bohnen- und Malz-Kaffee, 12. 30 kg Jadennudeln, 13. 300 kg Bandnudeln, 14. 30 kg Makkaroni, 15. 3 kg Majoran, 16. 30 kg Kümmel, 17. 100 kg gedörrte Zwetschen, 18. 60000 kg Roggen, Weizen und Staubmehl. Die Gegenstände unter Ord.-Nr. 1—3, 4—11 und 15—17, 12—14 werden zusammen vergeben und find zu Ord.-Nr. 1—17 Muster — von Angeboten getrennt — vorzulegen. Kostenfreie Angebote werden bis zur Eröffnungsstunde Dienstag den 6. September 1910, vormittags 10 ttbr erbeten. Dieselben müssen verschlossen sein und die Aufschrift tragen: „Lieferung für die Zellenstrafmistalt". Bezüglich der Bedingungen für die Bewerbung um die Lieferungen wird auf den Ministerial- erlaß vom 16. Juni 1893 verwiesen. Derselbe kann nebft den übrigen sestgesetzten allgemeinen und besonderen Bedingungen an den Werktagen vormittags zwischen 10 und 11 Uhr und nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr aus der Geschäftsstube des Oekonomen eingeseben, auch gegen Erstattung der entsprechenden Schreibgcbühr abschriftlich bezogen werden. nrhh)fllbhdiiien. nach Hochwaldbaufeu. Abfahrt 547 Uhr früh nach Lauterbach. (hv,7/e Frankfurt a. M. (SS15/b Daö Kommando. Vl7/a) 6 Oavans 39121 MvliuS. billig zu verkaufen. 4446 SelterSmeg 2 III. | JLflden etc? stelle des Gieb Anz. «.06801 Knüf-Geftichr UUUHWs WWWNW Zü vermieten Zn verkaufen Mietgeiuche Offene StrW Vrau E. (6roh, Kirchstraste 13. Abteilungen t. Maschinenbau, Elektrotechnik, Architekturu. Bedingenleurwoeen Programm d. d, Sekretariat. Absolventen von Fachschulen finden Aufnahme» Hesliiuranl Cale Leib Tftgl. grosse Künstler Konzerte. Anfang Vi8 Uhr. (*nu) Eintritt frei. Am Abend vorher Besprechung int Cafü Ebel. Donnerstag den 18. August Hauptübung. 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