MB ^end. unier Ofö) V Anzeiner erb. iJä?c; Mrü« hn ww e i Wa^cr- l alsbald 2tcllunfl J m der Geschäils. ^Anzeiger.-. M mt guter Handschuk ur ichrikl. Arbeilen. igebote unt 04552 an ! Anzeiger erb. .'vkniifcn icn Mist zu verlaus. rkmrter Snaft L . Fabrrad für 20 M. Rittrrgasie 161. Pferd Walltoritraxc 19. ger wachs, schnauze: u vcrtauien. rlcr Lirahe /ovari t einactodn. Sintrt billig abgegeben. helmt'iw üvtv- isrnochneuegr-gubeis. WichetmittM 12. tew* „ oelspäirn.ÄagenMtt : schwer, alles gut eck-. .nerf. Edernr-R- zunSbalb-zu verkauf ieiderschranLl-slMw rische, swble, E tslamoe. SuchcmnM! »tcinrtWjlLL- ÄS« .OtT 5j—— ^eu qefii*. y?T'- ätzL« leben intn auch Hq^ Sorbett ((oitbe, eLL"'bevor ^Rau sofort QDr^~5tah*^ üW-, HW —dicmtadl 13. b, Stahle .Bsckräiske irscbräüke bschräske loden, Sols 1 und ,, gene bei liW i'enen^ff" / 1 erfragen ibiA »tebneritrafee 34 l. QÖtfjin, tsausm. s. Ji. Dülser, -Jieuitabt .H, n iuchl aus soior! u ober 15. Juni in ne Stellung. (M560 lteubergerTal60v. 26 I., in Kucke und labt, wünscht Stellg. iamilic, auch ausw. Angebote unter 0ßl4 Anz. erb. ci***1 '."sövs Ditncnl^ '^saii» n»11* ABb. Nr. 126 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 2. Juni 1910 D-r «iktzex-r »n;ey« nm» D» "WjT O m^naitt»7SM'vierte- Afe Ait AV HttlAtAi>T^2 zuijviflvi WZ WA General-Anzeiger für Oberhesien gif für bte Tagesnumtner Roteüonsörvck und Verlag der Brühl'schen Umv.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulstratze 7. Anzeigenteil: H. Beck. bis vormittags 9 Uhr. 3 _____ Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Der belgische ltönigsbesuch. Berlin, 1. Juni. Die heutige Parade wurde^ wie bereits gemeldet, in Vertretung des Kaisers durch den Kronprinzen abgenommen. Sic wurde kommandiert von dem kommandierenden General Generalleutnant v. Löwenfeld. Die Kaiserin, die fürstlichen Gäste und der Kronprinz trafen in Automobilen in Potsdam ein Nach der Parade fuhren die Kaiserin und die Königin der Belgier, begleitet von der Leibgarde des Kaisers, zum Berliner Schloß; auch der König der Belgier begab sich direkt ins Schloß zurück. Der Kronprinz setzte sich an die Spitze der Fahnen und Standarten. Nach der Paradetasel begab sich das belgische Königspaar nach dem Lehrter Bahnhof und reiste nach Brüssel ab. Den König geleitete der Kronprinz, die Königin die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise zum Bahnhof, wo auch die sämtlichen Prinzensöhne, der Ehrendienst und die belgische Gesandtschaft sich zur Verabschiedung einfandcn. Line Belästigung des »ronpiinzen. Berlin, 1. Juni. Als der Kronprinz heute mittag nach Schluß der Parade über beit Schloßplatz durch den Lustgarten zum Schloß ritt, wurde von einem Manne eine Konservenbüchse gewor-scn, die vor die Füße eines Schutznvanns fiel.' Der Mann wurde festgehalten. Wie sich herausstellte, war die Konservenbüchse mit Perlbohnen gefüllt Der Mann, der sie geschleudert hat, ist der Polizct schon seit längerer Zeit als Geisteskranker bekannt. Er heißt Abraham Ei er weiß, ist geborener Russe, betreibt hier in der Kaiser-Wilhelmstraße ein Partiewarengeschäft und wohnt in der Meyerbeerstraße. Er wurde in einer Anstalt untergebracht___________________________ Die Reichstagrerfatzwahl in Zauer-Solkenhain- Landshut. Landshut, 1. Juni. Bei der heutigen Reichstags-, ersatzwahl im Wahlkreis ^auer-BolkenHain-Landshut erhielten Büchterm a nn lFortschr. Bolksp.) 6410, Pro ll ,Soz.) 6475, Stroßer (Kons.) 3876, Herschel (Zentr.) 3819 Stimmen. Ein Ort fehlt nock). Es wird Stichwahl zwischen Büchtcrmann und Proll stattfinden. Der Wahlkreis wird also der Fortschrittspartei erhalten blechen. Dr. Hermes war bekanntlich der letzte Vertreter des Bezirks. Im Jahre 1907 hatten 20109 Personen gewählt, davon erhielt Dr. Hermes 5728, der Reichsparteiler 5050, der Sozialdemokrat 5019, das Zentrum 1307 Stimmen. In der Stichwahl siegte Dr. Hermen gegen den Reiä>spartciler mit 9340 gegen 7495 Alumnen. Baiser graus Zosef in Bosnien. Serajewo, 1. Juni. Beim gestrigen Empfange des Offtzierkorps im RegierunaSgebäudc richtete Kaiser Franz Josef folgende Ansprache an die Offiziere: „Es gereicht mir zur hohen Befriedigung, Sie hier um mich versammelt zu sel>en. Sie erscheinen als Vertreter meuter braven Truppen, welche diesem Lande die Sicherheit nach außen, bte friedliche Ruhe im Innern gewährleisten. In Hochhaltung Ihrer militärischen Berufspflichteii^haben Sie sich nicht allein Ehrern engeren Dienste hingcgeben. Sie haben auch emsig zugegriffen, wo es gali, dem öffentlichen Wohle förderlich zu sein. Mit freudigem Stolze darf das Heer zurückblicken auf seine 32 jährige Tätigkeit in Bosnien, welche ich mit dem wärmsten Danke und mit dem Wunsche anerkenne, daß der Geist, der Sie beseelt, fortleben möge zur Ehre und zum Wohl unserer Wehrmacht." Heute früh wurde in den Straßen eine vom 31. Mat datierte Entschließung des Kaisers angeschlagen, nach welcher 200 Sträflingen der Strafarrest erlassen wird; darunter befinden sich 31 Militärsträflinge, sechs wegen Hochverrats Verurteilte und andere wegen politischer Verbrechen Verurteilte. Der Kaiser nahm heute vormittag die Parade über die Truppen der Garmson ab. Eine zahllose Menschenmenge bereitete ihm stürmische Sympathiekundgebungen. Nach der Truppenbesichtigung huldigte die Jugend von Serajewo dem Kaiser. Tausende von Kindern in festlichen Kleidern, viele in Landestracht, zogen in Reihen zu Vieren unter Musik und Zioiorufen an dem Kaiser vorüber. Die Kundgebung, die den Kaiser tief rührte, schloß damit, daß etwa 200 Knaben und Mädchen die Volkshymne sangen. Serajewo, 1. Juni. Die Eröffnung deS bosnischen Landtages wurde auf den 15. Juni festgesetzt. Aus Hessen. Der Zweiten Kammer der Stände ist folgende Anfrage der Abgeordneten Ulrich und Genossen zugegangen: Ist der Großh. Regierung bekannt, daß der Notar Hubert in Oppenheim in seiner Eigenschaft als Notar bedeutende Unterschlagungen verübt, und ist sie geneigt, die Betrage, welche der Notar Hubert in Oppenheim als Notar unterschlagen hat, den Geschädigten zu ersetzen? Zum Wahlkampf in Frted b erg - Büdingen. Der bündlertsche Kandidat Dr. v. Helmolt veröffentlicht folgende Erklärung: „Ich erkläre, daß ich nach wie vor Gegner der Ausdehnung der Erbschaftssteuer atü Kinder und Ehegatten bin. Ich halte mich durch die von mir dem Bunde der Handwerker gegenüber abgegebenen Erklärung verpflichtet, im Falle der Annahme der Erb- an'ällstetter zugleich eine erhöhte Besteuerung des mobilen Kapitals, wie Werkpapiersleuer usw. zu fordern. — Diesen Standpunkt würde ich im Falle meiner Wahl mit Entschiedenheit vertreten." — Assessorenverwendung. Nach dem Darmstädter „Tägl. Ainz." hat die Regierung auf die M^aae, daß Gerichts'assessorcn o h n e j e d e B e r gü lu n g mit Wahrnehmung verantwortlicher Dienststelle beauftragt werden, Rücksicht genommen. Man ist jetzt zu der früheren, allein richtigen Hebung, geleistete Dienste auch mit Gehalt zu vergüten, zurückgekehrt. R. B. Darmstadt, 1. Juni. Der Sonderausschuß f ür die V e r w a l t u n g s g e s e tz r e v i s i o n erledigte heute nach dem Bericht des Abg. Dr. Glässing bic Arritel 154—202 des Gesetzentwurfs über die Städte- ordnu ug vorbehaltlich einer näheren Aussprache mit der Regierung über mehrere wichtigere Difserenzpunkte. Die Artikel behandeln die Vorschriften über die Verwaltung des siüdtischen Vermögens, den städtischen Voranschlag und die städtische Rechnung; ferner die Verwaltung und Verwendung des Vermögens von Stiftungen, dann die Beitreibung der Gemeindeeinkünfte, die besonderen Ausschläge, Gebühren und Abgaben. Die Vorschriften über die disziplinarische Bestrafung der städtischen Beamten, den Stadtrechner, den städtischen Voranschlag und die städtische Rech- 'nung haben eine neue Fassung erhalten im Sinne einer Vereinfachung der staatlichen Tätigkeit und der städtischen Verwaltung. Hinsichtlich der städtischen Rechnung wurden die Anträge des Berichterstatters, Abg. Dr. Gläfirng, angenommen, die dieser im Februar d. I. zur Vet^insachung des städtischen Rechnungswesens gestellt Hatto, totem ad) kann angeordnet werden, daß die Stadtrechnung nur ote Rubriken: Summen der Einnahmen uni» Ausgaben, den Abschluß, den Nachweis über Vermögens- und «chulden- stand enthält und daß fernerhin mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde auch die Rechnungsrevision unbeschadet des Revisionszweckes eine bedeutende Vereinfachung erfährt, xie Autonomie der Selbstverwaltung soll auch im Gebiete der indirekten Abgaben, der Ausschläge und Gebühren eine Haltung erfahren. In der morgigen Sitzung steht noch» die Einrichtung der Magistratsverfassung und tue staatliche Oberaufsicht über die städtische Verwaltung zur Beratung. Der Ausschuß hofft morgen die Beratung zu Ende fuhren und dann in der nächsten Woche in gemeinsamen Atzungen mit der Regierung die Difserenzpunkte erlebrgen zu tonnen. Deutsches Reich. Die „Deutsche Medizinische Wochenschrift" bringt beit folgenden authentischen Bericht über die Mr a n U) eit de s Kaisers: Der Kaiser bemerkte am Abend des 24. Mai auf der Rückreise von Vlissingen eine kleine S? a u t a d s ch ü r - f u n g an der radialen Seite des rechten .Handgelenks, wahr- scheinlich entstanden durch Reibung der Manschette. Die Umgebung zeigte einige Rötung und Schwellung, sofortiger sachgemäßer Pflege und Ruhehaltung entwickelte sich in den nächsten Tagen ein Furunkel von ansehnlicher Größe mit leichter Beteiligung der Lnmphbahnen des Armes, jedoch ohne wesentliche Störung des Allgemeinbefindens uno ohne Temperatursteigerung. Am 26. Mai wurde Geheimrat Professor Dr. Bier hinzugezogen, welcher am 28. Ttai unter lokaler Betäubung mit Chlorätyn den Furunkel öffnete. Vor diesem Tage wurde ein Eingriff nicht gemacht. Die entzündeten Erscheinungen gehen in der erwünschten Weise zurück, so daß über die Gutartigkeit des Verlaufes kern Zweifel besteht. Ter Kaiser ist außer Sott, .nimmt die Mahlzeiten in gewohnter Weise und geht an die Luft, muß sich jedoch in der Betätigung diejenigen Schranken auferlegen, die sich aus der Notwendigkeit ergeben, bic rechte Hand zu schonen. , 2er KönigderBelgrer stattete am Mittwoch nachmittag dem Reichskanzler einen halbstündigen Besuch ab. . r f Die Blätter melden aus Hagen in Westfalen: Am Mittwoch wurden wiederum 12 00 Gi e ß e r e i arb e i ter und Former entlassen, außerdem wurde 1100 Gießereiarbeitern gekündigt In den Steifen Hagen und Schwelm liegen sämtliche Gießereien still. Aus Ulm wird gemeldet: Der Lordmayor von Birmingham ist in Begleitung von sieben Herren hier eingetrofsen. Er hat heute die städtischen Wohlfahrtsein- richtungen besichtigt. Island. Aus O fenpest wird über die Reichstags wallen gemeldet: Bis 91/- Uhr abends waren 157 Ergebnisse bekannt, darunter 102 Mitglieder der nationalen Arbeitspartei, 18 der .Kossuthpartei, 10 der Iusthpartei, 2 der klerikalen Volkspartei, 12 Parteilose 67 er, 4 Parteilose 48 er, 2 Demokraten und 3 Vertreter der Nationalitäten. In vier Wahlbezirken sind Stichwahlen nötig. Unter den Gewählten Kriegsgetangen in Japan Von WladimirSsernenowr. Während Rußland kraftvoll an dem Wiederaufbau seiner Flotte arbeitet und auss neue eine achtunggebietende Stellung unter den Seemächten anstrebt, werden aus den Reihen ictner höheren Marineoffiziere schwere Anklagen gegen die jetzigen Leiter und das System der qcgeitiuärtigen Leitung der rusitschen Kriegsflotte erhoben. Der mit flammenden Worten, an der Hand von Tatsachen und Beweisen sich gegen die führenden Manner leme-5 Heimatlandes rnendet, ist tot — es ist der vor einigen ragen verstorbene russische Kapitän Wladimir öfcmcnolc. Als Fort- setzung imd Schluß seiner Kriegserlebnisse, deren beide ersten Bände „Raßplata" und „Die Schlackt bei Tsuschima" io große-.» Aufsehen erregt und weite Verbreitung gefunden haben, erlcheuü soeben her dritte Band unter dem Titel „U n s e r L o h ü (Berlin, E S Mittler u. Sohn). Ssemenow erzählt hier von seiner Gefangenschaft in Japan, von der Heimreise, dem Empfang in Rußland und von den russischen Unruhen. Wie ein schwermütiger Hauck von Trauer und Entsagung zieht es durch dieses Buch — es sind Worte der Verzweiflung und der Entmutigung, die ein Mann auäspricht, der durch seine Verwendung auf dem Geschwader vor Port Arthur unter Makarow und auf der Fahrt von Libatt bis Tsuschima mit dem Admiral Rojestwenski wohl Gelegenheit hatte, einen tiefen Einblick in das Gefüge der russischen Seemacht zu gewinnen. Nack der unglücklichen Schlacht von Tsuschima war Ssemenow schwer verwundet in die Gefangenschaft der Japaner geraten. „Die beständige, argwöhnische Beaufsichtigung," so erzählt der Verfasser, „die die Japaner ausübten, wirkte niederdrnckend. ^n dem Lazarett, in dem mir untergebracht waren, befanden sich fünf Stabsoffiziere, 12 Subaltern Offiziere, Fähnriche und Deckosfiztere, zusamnieii 20 Mann, und alle lagen gememsam in eurem eaal. Das Hospital war durchaus nicht überfüllt, aber^dennoch wurden häufig japanische Gemeine zu uns gelegt. Nackts foimtc man ruckt schlafen, weil die Schwerverwundeten in ihren Fieberphantalien schrien und sprack/en. Am Tage schwatzten die Leichtverwundeten so viel, daß die Sckwerkranken, die eben vom Operationstych tarnen, nicht einen Augenblick Schlaf finden konnten. Wir wurden — ich sage es frei — wie die Verbrecher behandelt, wie Verbreck)er, die bic Regierung aus irgendwelchen geheimnisvollen Gründen nickt bestraft, sondern sogar gut behandeln läßt." Nach der Ratifizierung des Friedensvertrages konnten die Gefangenen frei in ihren Aufenthaltsorten in Japan umhergehen. ,,Die Japaner," so berichtet Ssemenow, „haben uns mitgeteut, oer Posten vor dem Tempel, in dem wir bisher unterge6raü)t waren, werde von jetzt ab nur noch stehen, um die „früheren" Kriegsgefangenen gegen eventuelle Angriffe der mit den Friedens- bedingungen unzufriedenen Massen zu schützen. Wir seien im übrigen gänzlich frei, würden aber gebeten, bei längeren Ausflügen außerhalb der Stadt die Aufsichtsbehörde zu benachrichtigen, damit diese, die für unsere Sicherheit verantwortlich sei, entsprechende Maßnahmen treffen könne. Unser japanischer Leutnant erschien bei mir und händigte mir mit strahlendem Gesicht cm Stückchen Papier von der Form einer großen Visitenkarte aus. Aus ihr stand in japanischer Sprache, ein gewisser X irnem Vor- unb Zuname) habe die Erlaicknis, nach seinem Belieben Tret umherzugehen. Das ganze war unterschrieben und abgestempelt unb stellte eine Art Legitimationskarte vor. Ich dankte und wollte mein Recht sofort benutzen, mußte aber die Erfahrung machen, daß unsere Vorgesetzten uns noch eine Schwierigkeit in ben Weg gelegt hatten. Wenn man ausging, sollte man nämlich die Karte dem Gendarmerie-Unteroffizier vorzeigen und ihm mit- teilen, wann man zurückkommen wolle. Fiel diese Zeit nach Sonnenuntergang, so mußte man die Erlaicknis des Kommandanten der Garnison einholen. Das Recht, sie zu erteilen, hatte dieser natürlich dem Major, der Major dem Leutnant, und der Leutnant dem Gendarmerie-Unteroffizier übertragen., Man mutzte sich dann von dem Unteroffizier allerlei Fragen gefallen lauen, weshalb man erst so spät zurückkehren wolle, wo man die Zeit zu bleiben beabsichtige und so weiter. Natürlich verzichtete ich aus meinen Spaziergang. Ich rief ben japanischen Leutnant und gab ihm meine Karte zurück. Dabei erklärte ick ihm, baß es sich nach unfern Begriffen für einen Stabsoffizier nicht schicke, einen im Range unter ihm ftehenben Mann um die Erlaubnis zum längeren Ausbleiben zu bitten. Ich möchte mich nicht der Gefahr einer abschlägigen Antwort aussetzen, wenn sie von dem Gutdünken eines Unteroffiziers abhängig gemacht sei. Ein beratiger Fall passierte noch an demselben Tage. „Weshalb wollen Sie erst um zehn Uhr zurückkommen ?" fragte der Gendarm einen russischen Offizier. „Ich will im .Hotel essen und Billard spielen," antwortete der nicht sehr empfindliche Russe. „Dazu haben Sie bis 9 Uhr genug 3eit! Ich schreibe 9 Uhr!" Auf dem Handelsschiffe, auf dem der Rücktransfwrt der gefangenen Russen nach dem Ausgangspunkt der sibirischen Eisenbahn erfolgte, ereigneten sich schwere Unruhen und Disziplinlosigkeiten unter den Mannschaften. Während der Abendmahlzeit entstaub unter der Mannschaft Lärm aus Unzufriedenheit über bas Essen. Einer der Leute, kletterte auf ein Gestell und hielt eine Brandrede. Sein Thema lautete: „Die Herrn Offiziere tun nichts, als daß sie uns Bauern bestehlen. Sie halten unfern Schweiß unb unser Blut für nichts wert." Die Sache wurde beigelegt, die Rädelsführer aber gaben ihre Sache iroch nicht verloren. Ein Unteroffizier eines Eisen- bahnbataillons kam auf die Brücke unb sprach als Bevollmächtigter „aller" mit dem Kapitän über den soeben erledigten Vorfall: Er fragte unter anberm: „Für ben Unterhalt jedes Soldaten werden jährlich 600 Rubel ausgeworfen. Bezahlt merben aber nur 50. Wer stiehlt bic übrigen 550?" Man sah, daß der Mann eine eingelernte Phrase herunterplapperte unb sich gar nicht Rechenschaft über sie ablcgtc. Ssemenow ist nun der Ansicht, baß die revolutionäre Propaganda unter ben Kriegsgefangenen von den Japanern in jeder Art und Weise protegiert worden war. „Als wir," erzählt Ssemenow weiter, „in Petersburg ein- ttafen, wurde es uns klar, daß man uns ganz anders aufnahm, als damals in der Garnison von Wladüvostok, als wir von dem zerstörten Geschwader von Port Arthur dahin gekommen waren. Hier hatte man keine Ahnung, was es heißt, sein Blut für das Vaterland zu vergießen und behandelte uns dementsprechcnb. Die Feinde des Admirals Rojestwcnskh in Petersburg merkten, daß er das Fortfahren in dem alten Schlendrian für ein bewußtes Verbrechen hielt, daß er sich daran machen wollte, keinen Stein mehr auf dem andern zu lassen. Sofort bildete sich eine mächtige Koalition gegen ihn. Es war eine Koalition der Leute, die die Vkarine von jeher für eine Domäne gehalten haben, die eigens für ihre Versorgung geschaffen ist." Die kriegsgefangen gewesenen Seeoffiziere wurden vor ein Kriegsgericht gestellt. „In bezug auf den Ausfall des richterlichen Spruches war ich," schreibt Ssemenow, „ganz ruhig." Kein Gericht der Welt konnte gegen ben Beweis der Wahrheit urteilen. Aber die Tatsache, daß ich vor ein Gericht gestellt wurde, schien mir rätselhaft. Ich dachte an die ersten Tage im lavanischen Hospital, wo ick jeden Augenblick meinte, die Japaner würden mich vor ein Gericht schleppen. Dann malte ich mir aus, wie es geworden wäre, wenn das russische Gericht schon im vorigen Jahre stattgefunden hätte. Man hätte uns bann auf blutbefleckten Tragbahren in ben Sitzungssaal bringen und auf die Anklagebank legen müssen. An dies und mancherlei airderes habe ich denken müssen. Und plötzlich schrie es in mir auf: „Haden wir deshalb unser Blut für das Vaterland vergossen? Ist. bas unser Lohn?" * — Der 1000. Student in Greifswald. Die alten , gleichzeitig aber auch kleinste preußische Universität hat endlich wieder einmal die runde Zahl an Musensöhnen erreicht. Bereits vor vier Semestern — im Sommersemester fühlen sich erfahrungsgemäß mehr Wissensdurstige von der dortigen alma mater angetotft als im Winter, sollte die Sehnsucht nach dem kühlen Ostseestrande eine Art Badestudenten erzeugen? — war die Immadrikulations - ziffer beinahe auf diese Höhe gebracht worden. Große Empfangs- Vorbereitungen erwarteten damals schon den heißersehnten Tausendsten. Aber durch nichts ließ er sich heranlotjen, setzst Astht befinden ft cf) Mirrrster Hrcrvnymi, ferner Julrus Jüsih'. Däe ÄVffuthpartei gemrmtt 5 imi> verliert 21, dir Fufthpartei verliert 28, die Boli^pvrtei 10, die NutioucklLILten 5, die Demv- traten verlieren 1 Sitz. Das ^Ritzcrufche Bureau, in Kopen hag en teilt mit: Da uirter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen die Bildung eines neuen Kabinetts auf Schwierigkeiten gestoßen ist, forben-c der König den Ministerpräsidenten iArhlc arrf, die Denrission des Ministeriums z-u- x ü. ek z u z i e h e n , was darauf geschah. ^Aus Saloniki wird gemeldet: Die Division Tor gn t Schefket Paschas hat auf den Höhen von Ra h o w i tz a die V er ein ig n ng m i t d e rDi.v isio n O sm a n Pa s ch a s vollzogen und mit dreißig BataÄlvneu D j a k o v a und ^eine Umaedung besetzt. Die Truppen haben auch mit der Ent- waschrung der dortigen 'Arnauten begonnen, die bereits, ohne Widerstand zu leisten, zweitausend Gewehre abgeliefert lstckeu. Ans Tanger wird gemeldet: Das diplomatische Korps, das dem Sultan den 1. Juni als Frist für den B e- gin n der Tätigkeit des Schulden- Ausschuss es gesetzt l^atte, erhielt von Guebbas ein Schreiben, in dem er initteilt, daß er von Fez keine Instruktionen erhalten habe, die ihm gestatteten, in dieser Beziehung etwas zu fun. Der ganze Zolldienst sei von heute ab der Verwaltung der marokkanischen Anleihe angegliedert, da alle Einnahmen als Garantie für die neue Anleihe in Betracht kämen. Die „Agencc Havas" meldet aus Kanca: Tie Ueber- reichung der kretischen Note an die Mächte scheint der kretischen Frage ein anderes Aussehen geben zu sollen. Es handelt sich nicht mehr um die Zulassung der muselmanischen Abgeordneten zur Nationalversammlung ohne Eidesleistung, da man hier eine definitive Regelung der Stellung der Insel wünscht. Die Machte werden sich daher verständigen müssen, um an das Problem als solches heranzurreten und die Initiative der provisorischen Regierung wird in den europäischcn Kreisen nicht als geeignet angesehen, die Beruhigung zu erleichtern. — In Ana Loiren meldeten sich 15000 Freiwillige für den Fall des Ausbruchs eines Krieges um Kreta. Aus St. Louis wird gemeldet: Beim Gerichtshöfe in Hannibal (Missouris wurde ein Antrag der Regierung eingebracht, eine Verfügung zu erlassen, um die Eisen - bah neu, welche eine westliche Verkehrsvcreini- g u n g bilden, zu verhindern, eine allgemeine E r - Höhung her Frachtraten in Kraft treten zu lassen. Das Gericht in Hannibal erließ das verlangte Verbot. Das Verbot trifft 25 Eisenbahnen, welche die Kontrolle des Passagier- und Warenverkehrs in acht Staaten und Teilen sechs anderer Staaten haben. Ans stKdt und Lund. Gießen, 2. Juni 1910. •* Tageskalender für Donnerstag, 2. Juni: Nachmittags 4 Uhr: Abschiedsvorstellung des Zirkus Charles. * •• Vom Groß herzoglichen Hofe. Die Großherzoglichen Herrschaften sind heute vormittag 8 Uhr 10 Min. mit Sonderzug ab Frankfurt a.M. von Wernigerode in Jagdschloß Wolfsgarten wieder eingetroffen. ** Ordensverleihung. Der König von Preußen hat dem Oberstleutnant ä la suite der Armee Alfred Prinzen zu Psenburg und Büdingen den Kronen- orden 2. Klasse mit Schwertern am Ringe verliehen. ** Die erste Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat gestern vormittag im Landessynodalgebäude zu Darmstadt ihren Anfang genommen. Es beteiligen sich daran 9 Examinanden, von denen 7 mt§ Starkenburg sind, 1 aus Oberheffen und 1 aus Bayern ist. •* Die Evangelische Konferenz für das Groß- herzogtum Hessen gedenkt ihre Hauptversammlung am Mittwoch, 22. Juni, zu Friedberg abzuhalten. W wurde dafür folgende Tagesordnung aufgestellt: Vormittags: Geschlossene Mitgliederversammlung (Jahresbericht des Vorsitzenden und Besprechung, Rechnungsablage, Anträge). Nachmittags: Mitgliederversammlung (Stellung zur Organistenfrage, Referent Pfarrer D. Dr. Dtehl aus Darmstadt) und Ocffentliche Versammlung (Vortrag des Pfarrers Zurhellen durch die Aussicht auf lüer weiß welche Stipendien, denen ein betriebsamer Studentemvirt nad) dem Muster des seligen ^enenier Kämmer Karl für das ganze Semester Freitisch mit je einer halben Flasche Wein hinzuzufügen sich bereit erklärte. Der letzte Fuchs bekam damals die Nummer 993. Jetzt endlich ist er da, und große Freude herrscht nun innerhalb der alten Wälle. Wie jede besondere Begebenheit, mußte diese einen Anlaß zu intensiven Feierlichkeiten bieten, und wie zum Empfang des Halleyschen Kometen sogar eine Art Fackelzug zur Bismarcksäule auf dem acht Meter hohen Epistelberge — kein höherer Berg stört die schöne Fernsicht — veranstaltet sein soll, so mußte der „runde" Fuchs gebührend empfangen und begossen werden. Nach feierlicher Immatrikulation, in der ihm in besonders schönem, mit dem Bilde der llniversität geschmücktem Umschläge die Matrikel ausgehändigt wurde, wurde er in feierlichem Zuge auf festlich geschmücktem Rollwagen vom Universitätsgebäudc abgeholt. Aus einem mit rotem Tuch ausgeschlagenen Lelmstuhl thronte dar Jubelfuchs, ans dem unbemoosten Haupte eine Ehrenkrone. Um ihn herum und out einem zweiten an profanen Tagen als Rollwagen bezeichneten Gesäprt gaben viele Kommilitonen, insbesondere die Burschenschaften, dem Keilfuchs das Ehrengeleit. Dabei stellten sie verschiedene mit dem Greifswalder Studentenleben in innigem Zusammenhang stehende Thpen dar, bei denen natürlich die unvermeidlichen Polizisten, Dieiistmänner, Leierkastendreher, Straßenfeger usw. nicht fehlen durften. Ebenso war auch eine Deputation „studierender Frauen" erschienen, die ihren Musenbruder zur Kneipe geleiteten. Die Stadt Greifswald hatte ebenfalls etwas übrig für den geehrten „Herrn Doktor", in feierlicher Magistratssitzung überreichte der Polizeidirettor, glcMeitig Universitätsrichter Geheimrat Dr. Gesterding ihm einen )ebenen Versatzgegenstand, eine kostbare goldene Kapseluhr mit entsprechender Inschrift und dem Stadt- wappen, einem Greifen. — Ein Denkmal für d i e unbekannten Genies. Eine eigenartige Idee will der französische Unterrichtsminister verwirklichen: es soll ein Denkmal für die unbekannten Genies im Pantheon errichtet werden, dessen Enthüllung in etwa 2 Jahren stattfinden soll. Alle die großen Männer, die von ihrer Mitwelt gariiicht oder nur zu spät in ihrer Bedeutung erkannt wurden, deren Name der großen Wenge unbekannt geblieben ist, sie sollen hier ihr Ehrendenkmal erhalten ebenso wie die Künstler, die von ihrer Zeit verkannt wurden und als Märtyrer ihrer neuartigen Kunst starben. — V o m Nährwert der Pilze. Der vielfach gehegten und namentlich von vegetarischer Seite immer wieder verbreiteten Behauptung, daß die eßbaren Pilze „an Nährwert dem Fleische gleichzustellen" seien, iebenfalls aber alle anderen Vegetabilien an Nälnckraft übertreffen, tritt Prof. Dr Hans Schi uz, der Direktor des .Botanischen Gartens in Zürich, im Jahresbericht aus Frankfurt a. W. Sur: „Die neuesten Angriffe auf die Existenz Jesu und die Ausgaben der evangelffchen Kirche*). ** Bnrffch e n s chaf tsjubiläurn. Die Gießener Burschenschaft „Arminia" feiert vom 11. bis 13. JUni ihr 25. (ÄiftungSfest. Die Festlichkeiten umfassen eine Kaffeetafel im Grvfcherzog von Hessen, einen L-estkommers auf der Lieb-igshöche, ein Fest auf dem Gleiberg, einen Frühschoppen und eine italienische Nacht auf der .Pulvermühle. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Burschenschaft werden am Vorabend des Festes der Hofrat Universitätsprv- feffor W. Pfaff aus Leipzig über „Die deutsche Burschenschaft vor 25 Jahren und heute" und stud. Phil. Zorn über „Das allgemein-studentische Ehrengericht an der Universität Gießen" sprechen. An diese Vorträge schließt sich eine freie Aussprache an. ** Die m ei ft en Gewitter in Hessen (mehr als 30 Tage im Jahr) treten auf an der nordöstlichen Grenze Oberhessens zwischen Reimenrod und Lauterbach, in einem Heinen Teil der Wetterau zwischen Bad-Nau-^ heim und Echzell und in der Gegend von Worms. Von diesem nur wenige Stunden entfernt, in der Gegend von Mainz bis Nieder-Saulheim und in der Mainspitze, sind im Gegensatz hierzu die wenigstens Gewitter in Hessen zu verzeichnen (weniger als 15 Gewittertage im Jahre'. Die Rheinebene hat überhaupt im Durchschnitt die wenigsten Gewitter (18 Tage) aufzuweisen, bann folgen das nordwestliche O b e r h e s s e n mit 19 Tagen, die Main- ebene und Ausläufer des Odenwaldes mit 21 Tagen, das Rheinhessische Hügelland mit 22 Tagen, der hohc^ Vogelsberg mit 23 Tagen, die Wetterau und der Odenwald mit 25 Tagen, die Sndab hängc des Vogelsbergs mit 26 Tagen und die N o r d o st a b h ä n g e d e s V o g e l s - bergs mit 28 Tagen. Die meisten Gewitter im Jahre fallen in den Mai, die wenigsten in den November. Die gewitter reichsten Tagesstunden sind die von 1 bis 6 Uhr nachmittags, wovon besonders die Zeit von 3 bis 4 Uhr gewittergefährlich ist. Tie tvenigsten Gewitter fallen in die Zeit von 4 bis 5 Uhr morgens. Die Zahl der durch Blitzschlag verursachten Brände steigt stetig an; 1897 waren 57 Brände durch Blitzschlag zu verzeichnen, 1906 jedoch 195. Menschen verlieren n. d. Darm st. T. A. etwa jährlich 5 auf eine Million durch Blitzschlag ihr Leben. •• Glückliche Gewinner. Bei der gegenwärtigen Ziehung der preußischen Klassenlotterie ist ein Gewinn von 30000 Mk. hierher gefallen. Die glücklichen Gewinner sollen in Gießen, Wieseck und Krofdorf wohnen. Mainz, 2. Juni. Das Begnadigungsgesuch des zum Tode verurteilten Selz er, der den Lehrer Krug in Worms ermordete, ist vom Großherzog abgelehnt worden. Selzer wird morgen früh y26 Uhr im Hofe des Provinzialarresthaufes durch den Scharfrichter Brandt von Chemnitz hingerichtet. r. Rodheim a. d. Bieber, 1. Juni. Die neuerbaute Schule gehr ihrer Vollendung entgegen. Nach den Entwürfen und unter Leitung des Kreisbaumeistcrs Achenbach- Biedenkopf erbaut, bildet der stattliche Ban einen sreuud- lichen Schmuck des Dorfes. In seinem Aeußern geschmackvoll und anheimelnd, ist er im Innern praktisch und den Anforderungen her Neuzeit entsprechend eingerichtet. Vier Schulsäle, dazu ein Zeichensaal für die Gewerbeschule und vier geräumige Lehrerwohnungen finden in dem Schnlhans genügende Räume. Sämtliche Schreinerarbeiten kommen durch Schreinermeister Karl Schlierbach zur Ausführung. Dampfheizung und Badeeinrichtung werden nicht fehlen. s. Hohensolms, 1. Juni. Zum drittenmal soll in den Gemeinden des Hohensolmser Landes eine Ferienkolonie während der Sommerferien für erholungsbedürftige Kinder von Köln eingerichtet werden. Im vorigen Sommer waren 101 Kinder in ländlichen Familien auf die Dauer von vier Wochen untergebracht. w. Frankfurt a. M., 1. Juni. In den „Adler- Werken^ stürzte heute früh der 58 Jahre alte Maurer Heinrich Stern ml er an§ Dieburg 10 Meter tief durch ein Glasdach. Er trug einen Schädclbruch davon, an dessen Folgen er bald darauf starb. Stennnler hinterläßt eine Fran und 10 Kinder. w. Wiesbaden, 1. Juni. Durch die Explosion einer Petroleumlampe gerieten gestern abend gegen 11 Uhr in dem Hause Bingertstraße 13 die Kleider des 20 Jähre alten Dienstmädchens Almä Hektor in Brand. seines Instituts nachdrücklich entgegen. Er stellt die bisher bekannten chemischen Untersuchungen zusammen, aus denen u. a. hervorgeht, daß der Steinpilz mir einen geringen Nährwert besitzt, weil der hohe Wassergehalt den wirklichen Eiweißgehalt auf ein Minimum herabdrückt. Aehnliche experimentelle Feststellungen wurden hinsichtlich der Ausnutzbarkeit des Champignons gemacht. Dazu kommt noch als weiteres Hindernis für eine sehr ausgebreitete Anwendung von Pilzgerichten, daß es — nach Ansicht des Hygienikers R. H. Sait et — „den meisten Menschen unmöglich sein dürfte, öfters eine nur einigermaßen ins Gewicht fallende Menge von Schwämmen bei einer Mahlzeit zu verzehren." Augenblicklich sind wieder im Züricher Polytechnikum neue Untersuchungen über den Nährwert der Pllz- arten im Gange. In jedem Falle aber ist nach Prof. Schinz die Ueberzeugung begründet, daß den Pilzen nur die Rolle eines Genußmittels, aber nicht eines Volksnährmittels zuerkannt werden kann. — Einblicke in die g e s chä ftliche Moral der Amerikaner gewähren Tagebuchauszüge Daniel Drews, des ersten Beherrlchers der Wallstreet, die ob der Persönlichkeit des Verfassers dieser Aphorismen Sensation verursachen. Nach den Veröffentlichungen in der Newyorker Staatszeitung sagt Drew u. a.: „Gefühl ist ganz gut „Uptown", wo du wohnst. Aber „Downtown? Nie?" (Downtown ist das Geschäftsviertel New- Yorks.) — „Ein empfindliches Gewissen (bei einem Wallstreet- Mann) ist wie eine weißseidene Schürze für einen Schmied." — „Manchmal bekommt man schmutzige Hände, aber das heißt nicht, daß das Geld, welches du so erworben, auch schmutzig ist. Schwarze Hühner legen weiße Eier." — „Geschäft ist die Jagd nach „Cash". Niemand fragt nach Manieren beim Eßtrog." — „Das liebel mit Vanderbilt war stets, daß er geglaubt hat, daß das Gesetz die höchste Autorität im Lande fei. Er sah später seinen Irrtum ein. Gesetze sind wie Spinneweben, in denen sich Fliegen und kleine Insekten fangen. Brummer brechen durch. Mit Geld in der Hand haben wir neun Zehntel des Gesetzes; ich konnte Vanderbilt dann leicht das zehnte Zehntel lassen." — „Es ist ganz gut, sein Vaterland zu lieben, aber was ein rechter Kerl ist, muß sich selber sehr lieben." — „Meine Gaben zu religiösen Zwecken sind nicht durchaus Geschenke. Sie sind eine Art von Kapitals- anlage. Ich habe immer gedacht, daß man das, was man dem Herrn gibt, wiederbekommt. Gott hat ein gutes Gedächtnis." — „Wenn man damit Geld machen kann, daß man dem Vieh 50 Pfund Wasser eintrichtert, wieviel mehr kann man da machen, wenn man Eisenbahuaktien nach Belieben druckt und sie wie die Originale verkauft?" — Als er mit einem an Vanderbilt begangenen Börsenraub fron 7 Millionen nach New Jersey floh, das Geld im Boote, sagte er lächelnd: „Nichts ist verloren als die Ehre " Me llngDckklche raunte in ihrem Schmerz mehrmals die Treppen auf und ab und stürzte sich bann aus dem zweiten Stock auf den asphaltierten Hof herab, wo sie mit einer klaffenden Stirnwände, am ganzen Körper brennend, liegen blieb. Sie starb bald darauf. (5crid)t5iaaL B vnn, 1. Juni. Xie Strafkammer verhandelie heute gegen 13 Kv rpsstu de n te n wegen am 4. Dezember auf der Rückfahrt vom Bierbock in Rüngsdorf begangenen Ausschreitung. Drei Angeklagte wurden wegen Sachbeschädigung zu je 80 Mk. Geldstrafe, einer zu 50 Mk. und zwei wegen Uebertretung der Polizeiverordnung zu je 30 Mk. verurteilt. Fünf Angeklagte wurden freigesprochen, zwei waren nicht erschienen. Berlin, 1. Juni. Tie Strafkammer verurteilte heute den aus dem Lewandowskiprozeß bekannten Reichs graf en Arzu V a s e g g , welcher nach der Verbüßung der einjährigen Gefängnisstrafe sich neue Hochstapeleien zu Schulden kommen liefe, wegen Betrugs und schwerer Urkundenfälschung^ zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis. Sein Mitschuldiger Skaczak wurde zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt. LMchiffahrt. Newyork, 1. Juni. Die „Newport World" und die „St. Louis DiSpatch" setzten gemeinsam einen Preis von 30000 Dollars für einen Flug von Newport nach St. Louis mit einer Flugmaschine ans. Die „Newyork Times" und die „Chicago Eoening Post" wollen einen Flug von Newyork nach Chicago mit 25 000 Dollars stiften. Dcrmifd?6cs. * Die Bretterwand um das Heidelberger Schlo ß. Die badische Regierung machte nach dem Berichte der „Neuen Badischen Landeszeitung" Mitteilung von einem von der Firma Dyckerhofs u. Widmann ein» gereichten Vorschlag zur Erhaltung des Otto-Heinrichbaues. Dieser Vorschlag sieht einen im Innern angebrachten Eisenbeton- bau vor, durch die der Bau vor dem Einsturz geschützt werden, soll. Das fron der Regierung von der Oberbaubehörde eingeholte' Gutachten spricht sich gegen den Tyckerhoff-Widmannschen Vorschlag ans. Auf Grund dieses Gutachtens lehnt die Regierung den Plan ab und bleibt bei ihrem Vorschlag bestehen, der bekanntlich die Abiragmrg der schadhaften Teile ber' Fassade und ihren Wiederaufbau vorsieht, wofür int Haushalt eine erste Rate ßon 300 000 Mark angefordert ist. Ter Berichterstatter bespricht ausführlich das Gutachten des Oberbaurats Warth, der zu ganz anderen Schlußfolgerungen kommt, als das Schloßbaubureau. Er glaubt, J)nfe die technischen Mittel noch nicht erschöpft seien und daß zu einer Aendernng bet bisherigen Stellungnahme kein Arckaß vorliege. Demgegenüber verteidigt die Regieriurgi ihren Standpunkt, der sich ans die Gutachten der hervorragenpsten Sachverständigen stützt. Werde der jetzige Vorschlag der Regierung: abermals abgefeimt so werde ein weiterer Vorschlag fron der Regierung nicht mehr gemacht, sie lehne alle Folgen, die sich daraus ergeben, ab. Es werde bann schließlich nichts übrig bleiben, als, um größeren Gefahren vorzubengen, am Otto- Heinrich bau mit einer Bretterwand Ab- fperrungs maßregeln zu treffen. * Sind bic faulen Schüler Kranke? Wenn die Kinder in der Schule nur schwer ihre Pflicht erfüllen, wenn der Junge oder das kleine Mädckwn zu Haufe lieber tatenlos l«sitzen und dem Fluge einer Stubenfliege nachstarren, als ihre Aufgaben zu erledigen, bann schließen die Eltern in der Regel aus Faulheit, und sorgenvoll greifen sie zu Zwangsmaßregeln, um den kleinen Nichtstuer zu seinen Büchern und Heften zu treiben. Aber in der Schar dieser kleinen Faulpelze ist die Zahl derer, die an ihrer Trägheit unschuldig sind, viel größer, als man gewöhnlich annimmt. Der französische Arzt Dr. Lau monier hat sich in einer Reihe langwieriger Studien und Versuche, deren Ergebnis in der Nature gewürdigt wird, mit dem Problem und den Ursachen der _finb liehen Faulheit beschäftigt. Er hat dabei fc.ftgcftcllt, daß die Faulheit bei einem großen Teil der trägen Schüler krankhaften Ursprungs ist, ja die Mehrzahl der kleinen Faulpelze sind in Wirklichkeit Kranke, die auch als solche behandelt merben müssen. Die Untersuchungen haben gezeigt, daß der Gesundlwitszustand der Eltern und der Vorfahren nicht nur für die Gesundheit der Kinder, sondern auch für deren geistige Regsamkeit von einschneidendev Bedeutting ist. Dr. Laumonier hat bei 27 faulen Schülern mit großer Sorgfalt den Stammbaum geprüft und dabei gefunden/ daß bei nicht weniger als 22, also bei 80 von 100, die Eltern, leidend waren; Fettleibigkeit, Gicht, biabctifdK Krankheiten, Adern- Verkalkung und viele andere Krankheiten, insbesondere nervös« Leiden, üben auf den Gesundheitszustand der Nachkommenschaft entscheidenden Einfluß ans. Die. Kinder sind nicht faul, sie sind einfach krank und bedürfen einer sorgsamen Pflege, körperlicher Bewegung und frifd>cr Lust, um die ererbten Schwaden zu überwinden und dann ebenso leistungsfähig zu werden, wie ihre glücklicheren Kameraden. In vielen Fallen konnte man den ursächlichen Zusammenhang zwisdsen der kindlichen Trägheit und der unrationellen Ernährung feststellen. Genau wie erwachsene starke Esser, die gewöhnlich auch sehr schnell essen, unmittelbar nach den Mahlzeiten fron einer gewissen Müdigkeit u. Trägheit befallen werden, so leiden auch die Kinder, die in der Regel die Neigung zum schnelleir Essen haben, an verminderter Leistungsfähigkeit und an Ueber- crnäbmng. Die Störungen und die Schwierigkeit der Verdauungstätigkeit wirken auf das Allgemeinbefinden, und es ist ein Fehler, die entstehende Trägheit auf bösen Willen zurückzuführen. Dazu kommen die Behinderungen der Atemtätigkeit bei vielen Kindern. Man hat beobachtet, daß Kinder, die nachts schnarckwu und unruhig schlafen, fast immer träge und faul sind. Gewöhnlid) sind da krankhafte Verengungen der Atemwege die Ursache; die Erfahrungen haben gezeigt, daß solche Kinder nach entsprechender ärztlicher Behandlung in kurzer Zeit sowohl körperlick) wie oud) geistig die natürliche Regsamkeit wiederfinden und ihre Kameraden wieder einholen. Erst dann, wenn die Eltern den Gesundheitszustand ihrer Kinder genau beobachtet haben, wenn Atemorgane und Verdauung vollkommen in Ordnung sind, erst dann wird man an eine wirkliche Faulheit glauben dürfen,-die'pädagogische Zwangsmaßregeln rechtfertigt. * König Georg V. als Kind. Aus den Kindheitstagen des neuen Herrschers von Großbritannien erzählte die (H:zieherin, die jahrelang den kleinen Georg unter ihrer Obhut hatte, allerlei Interessantes. „Er ist der herügfte, fröhlichste, lustigste Keine Mann, den ich je gesehen habe; in seinem Köpfchen ist nicht einen einzigen Augenblick Ruhe, unausgesetzt sinnt er auf lustige, lose Streiche. Dabei gerät er in allerlei Konflikte, aber er lacht sich aus allem wieder heraus. Wir beton den Jungen an, anders kann man das nicht nennen." Ein Kinderbild zeigt den jetzigen; König auf den Schultern seiner Mutter rcitenb, wobei er übet* mutig die Haare der Königin als Zügel benutzt. Er war das Lieblingskind seiner Mutter, die jeden freien Augenblick benutzte, um in das Kinderzimmer zu eilen. „Tie Prinzeß strahlte immer, wenn sie einen Augenblick sich frei machen formte, um zu ihrem Jungen zu eilen. Dann badete sie ihn selbst und ihre größte Freude iwar es, wenn sie ihn selbst zu Bett bringen tonnte1 und neben ihm stehen blieb, bis er eingcschlafen war." Aber trotz alledem herrschte im Kinderzimmer eine strenge Zucht. Ter kleine Georg mußte mehr als einmal früher zu Bett gehen, als sein Bruder, als Strafe für den Uebcrmut, nut dem er bisweilen die Ordnung auf den Kops stellte. Die Kinder führten ein sehr einfaches Leben, früh au fliehen,_ früh zu Bett, einfache Kost und Bewegung in frischer Luft. Schon als kleines Kind lernte Georg Französisch und Deutsch. Das waren noch glückliche Tage für ihn und seinen Bruder, als sie in den schattigen Gärteü von Sandringham oder Marlborough-House sich sorglos im Freien tummeln konnten, sie spielten Soldaten ober Matrosen. Wer früh nahm dies ein Ende, Prinz Georg mar kaum 12 Jahrs alt, als er mit seinem Bruder aufs Sd)ulschifs mußte und. bic .Etz'/lck l^Acrl'd) jp La> KÄ ho bic Nolo" wv Viren n-o* gaben baiurbi bflÜ die D_crii Jon wenigs * Wald Beröllcluilg sich auf ungel Vermüllung m> einen Gegend । ter Wald ungc gfllöbränbc r Hinten von d Satiren mede und svroßtt in Laldreichluin die schlimmste [Ironien der l Me, die |id) Schon der al io IC« er cs v trat ihm 1« Valdkllltur iv ober, im Juirc fant ans teilte ter ungeahnte die Art nicht hieb den befiel damit zu treil Muffen gatt; wirklich ein '5 und wenn lui Pflichtgefühl zu haben. A Wenn er den mit dem Abh Stimmen uni Barnaul di: herrlichste fiedler haben Ltevpen gev Stevve auf. wo die liebt Hoch vor i einziger ma Akrnolinsk i mälber beti örtliche mui;. &tiutu Äalö/aMM . ' Zciig der und) inim >ch nun deshr strafe frerurte war ein Polh liebei Pu beinern ja oben am 5 * $cmü •Wen fertig! beulen?.’" - gedacht. Zch rhc ich alles Tie vor ni Mbachpi-o B, wie aus braun t. . . 3n Berl dem v j x x feiern gclc; r1. "lu9 von Newyorl M&5 n de« -y 5 "Ar jt l’d. 3^, pilM ^eibelberqer 'Ä' dm Berichic ■Wittciluitg von ?sdmann cin- )einnd)bauK. Sititr tcn Eisenbeton- !ieichützl werden "Ulbchordc emgeholte "Widmannilden $or> lchnt die Rc- ’hrcni Porschlag bc; habhaften Teile der tooiür m tzaushali ert ist, Ter Berickt- en bei Lberbamat? mgcn kommt, als da» iien Älittcl noch nichl : bisherigen Stellung, rteidigt die ficgiaung der hervoiragcndften Mag der Negierung r Vorschlag von der ine alle Folgen, die chlichlich nichts übrig ibeugen, am Otto- tterwand Ab- n. ranke? Benn du hl erfüllen, wenn der icbcr tatenlos dasitzcr. en, als ihre Ausgaben f r Regel aus Faulheu, igeln, um den kleinen , zu treiben. Aber ir l dl derer, die an ihre getoöljnlidi luutnnnv. f sich in einer Weibe gcbnis in her Nature i Ursachen der lind Stellt, das-, die H> jülti lranlhasten Ui ndW sind in Lm t werden iniissen. xtf lieiundlieitszusland dci 0)eiundl)eit der Muiiw- it von einichneldenoeo i jaulen Schülern mN iuiö dabei geiuiihcn. i von 100, bic Atem j)e Krankheiten, Aderw insbesondere nervös ber Rachlommenichan iS nicht sank, ne unb m Pslege, körperlicher I eu LM'ächen ^ uba-1 werden, wie i g" I teman den ur,achl'-M L igheit und der nn^I ZM L"-)SL $tt5 den i ,Ä bull »“',,1»^ äsxS •( W^Lfilid beiu^' en&’fj rfeS Lri'th Tod^s-^siseägi©. Wir erfüllen die traurige Pflicht, das plötzlich erfolgte Ableben unseres lieben Kommilitonen Hm stud. phil. Friedrich Vogel anzuzeigen. Seit Beginn seiner Studien hat er der freistudentischen Sache immer ein warmes Interesse entgegengebracht und in fleissiger, gewissenhafter Führung von Ehrenämtern allzeit tätig mitgearbeitet. D’/6 Wir werden ihm stets ein gutes Angedenken bewahren. Das Präsidium der Giessener Freien Studentenschaft. KM W M VrcS ■ te- M /■ r | M PH M Danksagung. (Statt Karten.) Für die vielen und herzlichen Beileidsbezeugungen bei unserem schweren Verlust sagt innigsten Dank im Namen der Hinterbliebenen: Mam SaEiick, Pfarrer. Heuchelheim, am 1. Juni 1910. Kondolenzbesuche dankend verbeten. QOOOOOOOOOD Prima Speise- md Uattln, sowie neue Sommer-Malta-Wein liefert zu billigsten Tagespreisen frei Haus (2979 W. Hantel, Telephon 612. ” Neuen Baue 7. QOOOOOOOOOD Lergessen Sie nikht bei eintretendem Bedarf in MfataiiMslricb meine Lvezial-Preisliste zu verlangen. (3086 Ludwig Lazarus, Asterweg 53. Fernspr. 505. Fernspr. 505 @e@@®e®®ee 3091 Fussbodenlackfarben, Oelfarben. Pinsel,Parkettwachs. stahlspäne in bester Qualität empfiehlt (2257 Central-Drogerie Emil Karn, Schulstr. 04559) hunger wachs. Schnauzer preiswert zu verfaulen. Frankfurter Straße 75 pari. 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Juni bei dem Amtsgericht Main; anzumelden. — lieber das Vermögen des Schuhmachers 6> e o r q I o st in Kostheim, Diene Winter- Aetlere Masthanmiel und gut genährte Schake...........34—36 Schweine. pro 100 Psd. schnittspreis Lcbcnö» Liblachl. pro 100 Psd. geioidit Lebend-Schlacht. grwichk Bns Uhlenhorster Zöhrhaur. Den Hamburgern wurde kürzlich ein Schrecken durch die Glieder gejagt mit der Nachricht, baß das Uhlenhorster Fährhaus abgerissen und an seiner Stelle eilt Hotel gebaut werden sollte. Inzwischen verlautete nichts über die weiteren Verhandlungen^und jo ist man in Hamburg ziemlich in Unruhe darüber, wie die Sache ausläuft. Tas Uhlenhorster Fährhaus gehört ebenso zum Stadtbild Hamburgs, wie der immer mehr seiner Vollendung entgegengehende Turm der großen Sankt Michaelskirche, die im Juli 1906 von den Flammen vernichtet wurde. Tas alte Uhlenhorster Fährhaus wurde int Jahre 1894 abgebrochen und an dessen Stelle ein Orchesterbau nach dem Entwurf der Architekten Jürgensen und von Melle errichtet. Tie Uhlenhorit selbst, die erst in ber Mitte des vergangenen Jahrhunderts der Bebauung erschlossen wurde, mit der ihr gegenüberliegenden Harvestehude gehört beit exklusivsten Hamburger Kreisen. Wundervolle Gärten schmiegen sich um vornehme Villen, die sich hier die Hamburger Kaufherren errichtet haben, unb nachdem man mit vielen Moiten auf der Harvestel)uder Seite eine prächtige Promenabe geschaffen hat, fängt man an, von einer Hamburger Riviera zu reben. Tas Uhlenhorster Fährhaus, so wie es sich heute präsentiert, fügt sich dem glänzenden Bilde der Alster, bas sich hier bietet, organisch au. Wenn an lauen Sommerabeitden die Musik von ihm herübertönt, wenn die Konturen ber Gebäude eingefaßt find von tausend leuchtenden Glühbirncii, bann fönittc man denken, es sei ein aus beit Wellen emporgestiegenes Märchenschloß. Hunderte von Booten wiegen sich bann um das Fährhaus, bic jnnicife borec verdient sich hier im Flirt bic ersten Sporen, und wenn allwöchent- lid) am Mittwoch) auf dem Wasser ein Feuerwerk abgebrannt wird, bann umsäumen die User zahllose Menschen. Hier int Uhlenhorster Fährhaus war auch der Kaiser schon oft zu Gast, und hier war es auch, wo vor vier Jahren, als man von einem Krieg zwischen Frankreich und Teutschland munkelte, bic kühlen Hanseaten ihrem Kaiser eine spontane Huldigung barbrachten und ihm, ber auf bie Veranda hinaustrat, ihr „Teutschland, Deutschland über alles" entgegeniaugen. Längs der User brannten tausend Girandolen, über den Wassern leuchteten ungezählte Flambeaus, mehr als tausend Boote, die sich zu einem Korso zusammengefunden hatten, lagen vor dem Fährhaus: und die Menschen am Ufer na hüten die Melodie, die in irgend einem Boot angcftknnit worden war, auf. An diese brausende unb rückhaltlose .Huldigung dachte der Kaiser, als er einige Tage später sagte: „Tic Hamburger und ich, wir verstehen uns." Mail wirb es begreiflich) finden, daß in Hamburg nur eine stimme des Widerspruchs ist, ivenn davon geredet wirb, baß bas Uhlenhorster Fährhaus eine Umwandlung in ein Hotel erfahren soll. Wir haben in Hamburg in ben letzten Jahren neue Hotels genug bekommen, und ein moberner „Prachtbau" würde an ber Stelle des Uhlenhorster Fährhauses nur das gewohnte Bild stören. Wag es in manchem unmodern fein, es hat Dafür den Zauber des Gewohnten ait sich, nnb das sollte uns Menschen von heute, die wir etwas darin suchen. Hergebrachtes und Ueberliefertes zu bewahren, bestimmen, unser Veto gegen die unüberlegte Nieder- reißerei crinnerltngsumsponnencr Gebäude einzulegen. Tie Außen- elfter, die mit ihrer Lieblichkeit Hamburg zu einer der schönsten Städte Teutschlands macht, verträgt einfach nicht einen ncu- ncitigcn Pomp bau, es würde fein, als wenn sich ein ickstichtes Bürgermädchen mit kostbaren Steinen behängt. Tie Binnenalster wird schon genug von stillosen unb stilwidrigen Häusern eingefaßt; setzt die Verfchalldclung auch an der Außenalster ein, baiut freilich wirb bic Behauptung, daß in Hamburg kein Sinn für Schönheit und Kunst ist, Bestätigung finden. Gestern wurde ein Futtermeister von einem Stier aufgespießt und so schwer verletzt, daß er in der Nacht gestorben ist. In der oderschlesischen Ortschaft D o m b drangen geitcrn zwei unbekannte Männer in die Wohnung des Viehhändlers K o l i - ba i n. Sie verlangteil von der allein anwesenden Frau mit vor gehaltenem Revolver Geld. Tie Fran gab ihnen 60 Mark. Darauf bcgoüen sie die Frau mit Spiritus und drohten, sie an zu'linden. Tie erschrockene Frau gab den R ändern nun 1500 M a k Tao Gauner sind unertannt entkommen. Während einer nächtlichen Hebung ber eng lochen -porpebo- bootssloltc fuhr bas Torpcbobost „Quail" auf ein Fischerboot und schnitt es mitten entzwei. Drei Mann aus dem Boote gingen mit den Schiffstrümmern unter, den anderen beiden gelang es, sich zu retten. In dem russischen Tone Kuchorzew verbrannte eine sechsköpfige Schmiedefamilic. An ben Leichen entbedte man Spuren eines Mordes. Eine verdächtige Person wurde ver- haftet. Vorige Nacht wurde das Postamt von ^ournau (Teparte- ment Seine et Oise) von Einbrechern aus geplündert, bic, wie die Nachforschungen ergaben, in einem Kraftwagen aus Pans eingetroffen waren. Tie Pariser Polizei, bic ein genaues Verzeichnis der gestohlenen Wertpapiere erhalten hatte, konnte veretts gestern zwei Frauen, bic einen aus diesem Diebstahl berrüljrcnben Scheck einem Bankhause zur Auszahlung vorlegten, in Haft nehmen. Die Frauen weigerten sich, ihre Namen zu nennen. Der Brooklyner Schäbische Sängerbund trat am 1. Juni mit einem starken Sängerchor unb zahlreichen Angehörigen eine längere Reise nach T e u t f d) 1 a n b an, Vollsieischige Schweine über 2'/, Zentner Lebendgewicht........ 52.50-55 67.00-69 Fettschweme über 3 Ztr.Lebendgew. 54.00-55.00 67—70 00 Fleischige Schweine..... 52.50-54.00 67.00-6 • 00 Nactzriehten. Jzraetinlche iielioionsgefetlschast. Eotlerdleilst. i ©nbbat’eier am 4. Juni 1910: Freitag abend 8.00 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 9.30 Uhr. Wocheugottesbieust: Morgens 6.00 Uhr, abends 9.30 Uhr. ♦ Zeitgemäß. „Bor drei Wochen habe ich einen Hund, der mich immer anbellte, ein „Pich" geheißen, und ich nun deshalb (wegen Beamtenbeleidigung^zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt." „Unmöglich!" — „Tvch möglich — es Drucksachen aller Art liefert In Jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witterung feit gestern früh: Ucbcr Ost- und Sndenropa lagert hoher Truck, so daß bei südlichem Winde das heitere unb trockene Wetter anhält. Tabei ist merkliche Erwärmung eingetreten; die NachmittagStemperatnren erheben sich bis 20 Grad und darüber. Von Westen her ruckt ganz langsam tiefer Druck vor, dessen östliche Auslällfer morgen strichweise einzelne Gewitter ^Wetteraussichten in Hessen am Freitag beut 3. Juni 1910: Vielfach heiter, mir vereinzelt Gewitter, sehr ivarrn. Braße 49, wurde am 25. Mai bas Konkursverfahren eröffnet. Anwaltsvureanvorneber Page in Mainz wurde z»im Konkursverwalter ernannt. Konknrsfordernngen sind bis zum ls. Ium bet dem Amtsgericht Mainz anzumelden. -- lieber das Vermögen des Metzgermeifters F r i e b r l ch S ch l ö r b in A l s f e lb würbe am 31. Mai das Konkursverfahren eröffnet. Nechlsamvalt Berg- heimer in Alsselb würbe jmn Konkursvenvalter ernannt. Konlnrsfordernnqen sind biS zum 22. Juni bei bem Amtsgericht Als'elb anzumelden. — Ucbcr das Vermögen des G eo rg W l ch t. Ganwirl in Häh lein, wurde am 30. Aiai das Kouknrs- oerfahren eröffnet. Rechtsanwall H e m m e ü in Bensheim würbe zum Konknrsvcrivalter ernannt. Konkursfordermigen sind bis zum 2. Juli bei bem Amtsgericht Zwingenberg anznmelben.' Uiurlte. . fc. Frankfurta.M. Vi e h hoi-M a rkt b e ri ch t vom 2. Ium. Auftrieb: Rmber 16 Ochsen, 2 Biillen, 90 Kühe, 1067 Kalber, 110 Schate, 678 Schweine, 4 Ziegen, 7 3iegeniäinnier. Tenbenz: Rinber flaute ab, nicht geräumt, Halber lebhaft, Schafe bei stillem Geschäft ganz geräumt, Schweine geringer Ueberftanb. Preis -turd)- war ein Polizeihund!" * Ur ber fluffig. Mutter: „Flickst du denn bteicn Jhort bon beinrm Mann nicht?" — Tochter: „Ach wo, der Riß ist ja oben am Kragen, der wird durch den Bark verdeckt!" G e m ü t s voll. Mutter: „Heini, du hast^also den ganzeil Sud-en uerligi, ohne and) nur einmal an dein Schwesterchen zu denle.it^'" Heini: ,,Tock), Mama! Ick) habe immerzu an sie gebadt. Ich hatte die ganze Zeil Angst, sie Tö.njttc kommen, ehe ich alles a u f g e g e s s e n hält e." Kleine Taflesküronik. Die vor mehreren Jahren vom Kronprinzen angekauste Borbachsa-e Besitzuna in Kaltvorwerk im Kreise Oels ist, wie aus Breslau gemeldet wird, vollständig nied er g et- brann t. In Berlin erciancte stck) ein schlverer Bauunfoll, bei dem vier A r b c i t c r verschüttet wurden. Den übrigen Arbeitern gelang es, alle vier Verschütteten noch vor Eintreffen der Feuerwehr zu befreien. Zwei haben schwere und zwei leimte Verletzungen erlitten. An) dem Gelände der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Hamburg wurde ein Landwirt beim Ausladen von Schweinen von einem Eber anaefallett, der ihm den Oberschenkel a u f r t tz. goldene Freiheit mit milüärischer Jucht und harter Pslicht- erfülhnig vertauschte. * Der Kampf gegen bie Heuschrecken. Die verschiedene Kolonien Südafrikas haben in letzter Zeit ein „Central Loen st Bureau" errichtet, das den Auftrag bat, alle Kräfte im Kampfe gegen die Heuschrecken zufammenzusossen, die sich in den letzten Jahren außerordentlich vermehrt haben. Einige wollen die Ursache dieser Zmiahme der Heuschrecken in der Aus rottung verschiedener Vogelarten durch die Jäger erblicken, und so hat die Negierung von Natal mehrere fremde Vogelarten mit Erfolg im Lande anzusiedeln versucht, die sich ausscyließlich von den .Hcui'chrecken nähren. Transvaal ist diesem Beispiel gefolgt: man Irtit i*n der Tat beobachtet, daß die Einführung dieser Vögel ebenso viel zu der Vernichtung der Heuschrecken beigetragen hat wie die Tätigkeit der Eingeborenen, die man ausschließlich für diese Aufgabe angestellt hat. Besonders" die Perlhühner haben einen seinen Spürsinn bei ber Auffindung der Hcuschrcckcneier beiniefen. Ein von dem Bureau veröffentlichter Bericht schätzt ben Sckmden, den die braune Heuschrecke während der letzten vier Jahre in Transvaal angerichtet hat, am 16 Millionen Mark. Um sich gegen diese Geißel zu wehren, hat die Kolonie ein besonderes Korps von 117 „loenst osficers" gebildet, die mit Hilfe der Kolonisten und Eingeborenen in vier Jahren 8287 „Schwärme" haben zerstören können. Die Ausgaben dafür beliefen fick auf etwa 180 000 Mark, aber man schätzt, daß die vernichteten Schwärme dem Ackerchau einen Schaden von wenigstens 40 Millionen zugcftigt hätten. * WaldverWüstung in Sibirien. Früher, als die Bevölkerung Sibiriens noch wenig zahlreich vertreten war und sich auf ungeheure Strecken verteilte, hatte die räuberische Wald- verwüstung nodi keine erhebliche Bedeutung. Während man in der einen Gegend die Wälder ausrottete, wuchs an zehn andern Stellen der Wald ungestört weiter. Nur die großen, immer wiederkehrenden Waldbrände richteten gewaltige $crl}ecrungen an; doch auch sie wurden von der rastlosen Schöpferin Natur in ein paar Tutzend Jahren wieder quittgcmail)t: auf den kahlen Flächen grünte und sproßte junger Anwuchs. Eine große Bresche in den sibirischen Waldreichtunt würbe durch den Bau der großen Bahn gelegt; die schlimmste Zeit aber für ben Wald brach mit dem Herein- strömen der Uebersiedler an. Tas war eine vernichtende Flutwelle, die sich über den jungfräulichen Garten der Natur ergoß. Schon der alte eingeborene Sibirjak verwüstete ben Wald — so war er es von Geschlecht zu Geschlecht gewöhnt —, ber Schaden trat ihm ja nicht eben greifbar vor Augen unb ber Begriff Waldkultur war ihm völlig fremd. Ter russisck>e Uebersiedler aber, im Innern des Reichs ebenfalls in Waldverwüstung erzogen, fam aus seinen entholzleu Gegenden und gebärdete sich angesichts der ungeahnten Baumfülle wie ein sinnloser Zerstörer. Er legte bic Art nicht nur an, um sich selbst Holz zu schaffeii, sondern er ])icb den besten Bestand nieder, um für einen Spottpreis Handel damit zu treiben. Ter mühselige Fleiß des Koloiiiften geht dem Russen ganz ab, für Urbarmachung seines Bodens ist er nicht wirklich ein Waldschutzgesetz durch. Aber cs blieb auf dem Papier und wenn wirklich einmal ein Beamter eine Anwandlung von Pflichtgefühl zeigt, io wird er einfach geschmiert. Im Kreise zu haben. Auf mächtigen Flößen schafft er das Holz fort und wenn er ben Gewinn vertrunken hat, so beginnt er von neuem mit dem Abholzen. Es fehlte in Petersburg nicht an warnenden Stimmen und die Kaiserlich Geographische Gesellschaft setzte auch B a r n a n t gibt es jetzt große Strecken, wo nod) vor Jahren di? herrlichsten Wälder das bergige Land bedeckten. Tie lieber siedlcr haben alles zerstört, bic ebenen Flächet sind zu richtigen. Steppen geworden und weisen die charakreristischte Flora ber Steppe aus. Jin ganzen Gouvernement Tomsk ist es ebenso: wo die Uebersiedler sich festsetzen, wächst bald kein Baum mehr, -l.'och vor 10 15 Jahr.-n war das tioupcrnement Tom st cm einziger mächtiger Wald. Ter Kreis Ischim im Gebiet von Akinolinsk war noch vor kurzem durch seine prächtigen Nadelwälder berühmt. Jetzt ist er derart von Wald entblößt, daß die örtliche Bevöllerung nach Holz über hundert Werst weit fahren muß. Genau so ist es am Baikal: früher eine wundervolle Walblandschaft, ist das Gebiet jetzt eine starre, öde Felsenstrecke. GrZginaL-Drahtineldungen. Berlin, 1. Juni. Der italienische Minister des Ä c u ft e r n Gau Giuliano trat heute vormittag; 8 Uhr die Rückreise nach Rom an Auf dem Bahnhöfe fanden sich zur Verabschieduiig der italienische Botschafter Pansa mit dem Personal der Botschaft und Staatssekretär Freiherr v. Schoen. Marseille, 2» Juni. Hier kamen mit einem "Post- dnmpfer 3 4 anamitische Gefangene au, die als Gefährten des Piratenführers Beta zu ledensläuglichem Zucht- l)aus verurteilt mürben. Auch eine der Frauen Betas befindet sich darunter. Tie Gesangetlen werden nach Eayenne gebracht. Tanger, 2. Juni. Entsprechend den Bedincpingen. der neuen Anleihe erhalten die französischen Zoll-- ton trollen re 95 Proz. der Zolleinnahmen zurück. Dio übrigen 5 Proz. werden zur Bezahlung der Gehälter gewisser marokkanischer Beamten verwendet. N e )v h o r t, 2. Juni. Bei den im Juni in EHattonvaga stattsindenden Heeresübunge n soll sestgestellt werden, ob Aviatiker iinstande find, 200 bis 300 Pfund Sprengstoff in die Höhe zu nehmen und aus einer Höhe von einer Viertelmeile herabfallen zu lassen. ,\di empfehle zu ben bevorstehenden Festlichkeiten ------ wasserdichte ZeBtdecken = zum Verleihen; ä 2 Pfg. pro Tag und O.uadratmeter. so® Ludwig Lazarus, Äft verkaufe. 3090 -V -81 -a -Ä Die glückliche Geburt eines kräftigen Töchterchens zeigen hocherfreut an Hauptmann Koettschau und Frau geb. Kempff. Glogau, 1. Juni 1910. Alldeutscher Verband» Freitag, 3. Funi, 8^ Uhr in Stein S Garten = Vertrag isait Lichtbildern. == Univ.-Prof. Dr. W. Sievers: „Meine Heise in Pern n. Ekuador“. Deutschgesinnte Männer und Frauen sind freundlichst eingeladen. Zur Deckung der Pressekosten usw. wird ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben. Mitglieder frei. (D80/ Mnd fr tatatai falBlpfcä Abteilung Giessen illgßnee iatoFim* W. Hieb Dienstag den 7. 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