Nr. 190 Zweites Blatt 100. Jahrgang Dienstag 16. August 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener Familiendlätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Stemdruckereu R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzetgerGießen. (Ein österreichisches verbot der Schlachtviehaursuhr? Die „Allg. Fleischer-Ztg." schreibt in einem Artikel: „O österreichisch es Verbot der Schlachtviehausfuhr" u. ci. folgendes: „Eine ungeheure Verschärfung der Schlachtvieh- und Fleischnot droht dem Deutschen Reiche durch die beabsichtigte Sperrung der Grenze für die Ausfuhr von Schlachtvieh und Fleisch aus Oesterreich. Der österreichische Handelsminister Weißkirchner hat aus ein bezügliches Ersuchen des Wiener Gemeinderats telegraphisch aus Tirol, wo er sich zurzeit aufhält, den Auftrag erteilt, unverzüglich Verhandlungen über ein Ausfuhrverbot von Schlachtvieh und Fleisch einz-uleiten und den Ministerpräsidenten ersucht, idem Leiter des Ackerbarnninisteriums entsprechende Weisungen zukommen zu lassen. Die gänzliche Sperrung der österr. Grenze für die Schlachtviehausfuhr wäre ein furchtbarer Schlag für die deutsche Fleischversorgung; mehr als 1000 Stück Ochsen wurden jede Woche aus Oesterreich nach Deutschland eingeführt. Sehr hart würden vor altem die Märkte von München, Nürnberg-Fürth und Augsburg, in weiterer Reihe von Frankfurt a. M., Dresden, Köln und anderen süd- und westdeutschen Plätzen betroffen werden. . . Bei der ungeheuren Wichtigkeit der Sache für die deutsche Volksernährung ist dringend geboten, daß die ganze Bevölkerung sofort die deutsche Reichsregierung anruft, sie möge alles aufbieten, um bei der österreichisch-ungarischen Regierung die drohende Sperre zu verhindern." Wien, 15. August. Eine von Vertretern des Handelsministeriums und des Ackerbauministeriums abgehaltene Konferenz am 13. August beschloß, eine Reihe handelspolitischer Maßnahmen behufs Li n d e r u n g d e r Fleischteuerung in Vorschlag zu bringen. Diese Vorschläge dürften voraussichtlich schon in dem demnächst stattsindenden Ministerrat zur Besprechung gelangen Inzwischen erteilte übrigens der Handels Minister Dr. Weißkirchner dem Sektionschef Riedl telegraphische Weisungen betreffend die weiteren Maßnahmen gegenüber der Fteischteuerung. Die Weisungen beziehen sich insbesondere auf unverzügliche Einleitungen von Verhandlungen mit den kompetenten Ressorts wegen Herabsetzung der Frachtsätze für Schlachtvieh und Fleisch. Ferner soll der K'ommunalver- waltung, insbesondere der Gemeinde Wien, nahegelegt werden, auch ihrerseits zur wirksamen Durchführung der Aktion beizutragen und zwar hauchsächlich durch zeitweilige Herabsetzung aller jener städtischen Abgaben, durch welche der Verkehr mit Vieh und Fleisch belastet wird. Die Besprechung in der Fleischfrage wird unter dem Vorsitz des Handelsministers schon am Mittwoch den 17. August im Handelsministerium stattfinden. Deutsche Kulturarbeit im Osten. Aus der Feder des Direktors des Königlichen Staatsarchivs in Darrz-ig, M. Bär, ist kürzlich als 83. u. 84. Band der Publikationen aus den Königlich preußischen Staatsarchiven ein Werk „Westpreußen unter Friedrich dem Großen" erschienen, das viele bemerkenswerte Beiträge über den damaligen Tiefstand der jetzigen deutschen Ostmark und die Bildung und Gesittung fördernde Arbeit enthält, die bereits Friedrich der Große dort geleistet hat. Die Besitzergreifung des Landes durch den König von Preußen nach der Teilung Polens ist im allgemeinen ohne Schwierigkeiten erfolgt; selbst an der Eidesleistung und an der Huldigung beteiligte sich der größte Teil des polnischen Adels freiwillig. Wo das nicht der Fall war, schritt Friedrich der Große mit großer Entschiedenheit ein, so zum Beispiel gegenüber dem Fürsten Sulkowski in Lisscr, der sich selbst zur Eidesleistung nicht eingefunden und den Angestellten seiner Güter die Teilnahme an der Huldigung untersagt hatte. Er ließ dessen Besitz Witkowo mit Beschlag belegen und chrieb eigenhändig an den Rand der Kabinettsordcr, die diese Maßregel verfügte: „Mit den Polen muß man durchgreifen oder man richtet nichts aus." Unter den Verwattungsgrundsätzen des Königs stand obenan: die allmähliche Germanisierung (Verdeutschung) des Landes, die Zurückdrängung des polnischen Adels, den der König für unverbesserlich hielt und die Förderung des Schulwesens. Die Bestallung evangelischer und katholischer Schullehrer war eine seiner ersten Regierungshandlungen bei seiner ersten Anwesenheit in Marienwerder. Auch sonst drang der König auf Gründung deutscher Schuten, „um den gemeinen Mann um so eher von der polnischen Sklaverei zurückzubringen und zur preußischen Landesart anzuführen". In einer schrecklichen Verfassung befand sich, durchgehends der Bauernstand. Auf ihn waren alle Lasten abgewälzt. Hat doch ein polnischer König, Stanislaus Leszcynski, einmal selbst über den Bauernstand das Wort gesprochen, Polen sei das einzige Land, wo die Masse des Volkes aller Rechte der Menschheit entbehre; man betrachte hier die Bauern als Geschöpfe anderer Art und verweigere ihnen fast die Lust zum Atmen. Friedrich der Große griff sofort mit umfassenden Maßnahmen ein, unter denen die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft die bedeutendste war. Ferner war er bemüht, der Menschenarmut des heruntergewirtschafteten Landes zu begegnen; er ließ sofort hundert Knaben aus dem großen Waisenhause in Potsdam gegen Kostgeld nach Westyreußen schicken und bei guten deutschen Wirten unterbringen, wo sie gleichzeitig Schulunterricht genießen konnten. Außerdem, zog er zahlreiche Kolonisten aus allen Teilen des deutschen Landes an sich und siedelte während seiner Regierungszeit nicht weniger als 3221 Kolonistenfamilien mit rund 12000 Köpfen an. Diese Kolonisation begegnete jedoch den größten Schwierigkeiten. Uni seine Bauten ausführen zu können, mußte Friedrich der Große Maurer aus dem Thüringischen und Ziegelstreicher aus dem Gebiete von Lüttich kommen lassen, da in dem industriearmen Lande die Ziegel einen außerordentlich hohen Preis hatten. Ten Kalk für seine Bauten bezog er aus Rüdersdorf bei Berlin. Was sich an Industrie in dem Gebiete vorfand, wurde ebenfalls aufs kräftigste gefördert, so besonders die Tuchmacherei, die bereits bei der Besitzergreifung vorhanden war. Elfmal hat der König seit dem Jahre 1773 seine neue Provinz besucht und jahrelang regelmäßig im Juni auf der großen Ebene bei dem Dorfe Mockrau in der Nähe von Graudenz eine große Revue abgehalten, zu der sich die höchsten Zivilbeamten einfindcn mußten, um ihm über die Fortschritte zu berichten. Die größten Verdienste um das Land hat sich der König wohl durch die Steigerung des Bodenanbaues erworben. Wenn heutigen Tages jene Gebiete zu den fruchtbarsten und ertragreichsten des Deutschen Reiches gehören, so hat die preußische Verwaltung unter Friedrich dem Großen den ersten Grund dazu gelegt. Die Steigerung des Bodenanbaues bezeichnet der König selbst als „das erste Hauptstück einer jeden Provinz." Ein Niederschlag seiner Mahnungen und Weisungen ist die im Jahre 1780 erlassene Dorfordnung für die Aentter, die viermal im Jahre den Insassen von neuem eingeschärft und sogar den Schullindern zu Anfang jedes Vierteljahrs von den Lehrern vorgelesen wurde, damit „schon die Jugend den Begriff von einer ordentlichen Wirtschaft und Polizei erhalte". Ein Teil des Inhalts dieser beiden umfangreichen Bände war schon bekannt; doch bieten sie daneben zahlreiche neue, bisher unbekannt gewesene Einzelheiten. Sie sind ein überzeugender Beleg dafür, daß Preußen nach der Besitzergreifung diese Landesteile nicht ausgesaugt und verkommen lassen hat, wie das die Polen mit dem alten, aufblühenden Besitz des deutschen Ritterordens nach der Schlacht bei Tannenberg getan haben, sondern daß der preußische Staat stolz sein kann aus die dort von ihm geleistete Arbeit. politifcbe Tagesschau. Regelung des Luftverkehrs. Ueber die Regelung des Verkehrs mit Luftfahrzeugen in Preußen sind im preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten Beratungen gepflogen worden, die am Donnerstag zu Ende geführt wurden. Sie bezweckten eine Regelung des Verkehrs mit Luftschiffen auf dem Verordnungswege. Be- teiligt waren an der Konferenz die preußischen Ministerien,- das 'R e i ch s a m t des Innern, die brandenburgischen Provinzialbehörden und sämtliche Luftschiffahrtvereine. Daß man für die Regelung der Frage nicht den Weg der Gesetzgebung, sondern der Verordnung wählt, findet, so schreibt die F. Z., seine Erklärung darin, daß die letzten Unglücksfälle auf dem Gebiete der Luftschiffahrt eine schleunige Regelung sowohl zum Schutz von Passagieren der Luftfahrzeuge wie zur Sicherung der überflogenen Gegenden angemessen erscheinen lassen. Außerdem schweben gegenwärtig auch internationale Verhandlungen über eine gesetzliche Regelung, und die Ausführung derartiger Vereinbarungen wäre natürlich der Reichsgesetzgebung Vorbehalten. Bei den Beratungen wurde von allen Seiten der Wunsch zum Ausdruck gebracht, die zu erlassenden Bestimmungen so zu gestalten, daß unbeschadet der Wahrung aller Verkehrsinteressen doch eine Beschränkung der Luftschiffahrt in ihrer weiteren Entwickelung vermieden wird. Die neuen Verordnungen dürften schon in naher Zeit erlassen werden. Das vom Polizeipräsidenten erlassene Verbot der Ueber- landflüge soll gemildert werden, indem von den Polizeibehörden unter gewissen Voraussetzungen Ausnahmen zugelassen werden dürfen; eine Beseitigung der das Verbot aussprechenden Polizeiverordnung vom 29. Juli, von der in Flugtechnikerkreisen die Rede war, ist demnach nicht zu erwarten. Wie in der letzten Jnteressentenversammlung berichtet wurde, ist eine ganze Reihe von Flugtechnikern in der Sitzung des Ausschusses zur Vorberatung einer Verordnung betreffend die Regelung des Luftverkehrs gehört' worden. Der Ausschuß hat bereits Grundsätze ausgear- beitet, die Normativbestimmungen für den Luftverkehr enthalten und später in Form eines Erlasses den sämtlichen Regierungsbezirken der Monarchie zugehen werden. In diesen „Grundsätzen" wird auch das Kapitel „Schau- und Ueberlandflüge" behandelt, das insofern keine geringen Schwierigkeiten bietet, als die genehmigende Behörde wohl die Verantwortung für Unglücksfälle übernehmen müßte, die sich bei solchen „ausnahmsweise" zugelassenen Veranstaltungen ereignen können. ♦ Der 80. Geburtstag Kaiser Frau; Josefs. Der ehrwürdigste unter den Herrschern Europas, das kaiserliche Oberhaupt der uns seit einem Menschenalter in treuen verbündeten Donaumonarchie, vollendet an diesem Donnerstag das 80. Lebensjahr. Mit den Völkern unter dem habsburgischen Zepter rüsten sich auch die reichsdeutschen Stämme, dem greisen Fürsten in Dankbarkeit und Verehrung ihre warme Sympathie zu bekunden. Und wenn der deutsche Kaiser als Dolmetsch dieser Gefiihle in Wien persönlich seine Glückwünsche zum Ausdruck bringen wird, so wird wieder eine jener historischen Stunden ge-. schlagen haben, welche der übrigen gesitteten Welt die unlösliche Gemeinschaft des Doppeladlers mit dem Hohen- zollernaar dartun. Franz Joses hat sich als neunzehnjähriger Kaiser den Wahrspruch „Viribus unitts" gewählt; Brandenburg und Preußen sind mit dem „Suum cuique"- lleues über den Blitz. Von Jahr zu Fahr mehren sich die Nachrichten über Unglücksfälle und Brandschäden, die durch Blitzschlag verursacht worden find und besonders im diesjährigen Sommer waren diese Meldungen überaus zahlreich. Es ist nun eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß wirklich die Blitz - gefahr von Fahr zu Jahr zu nimmt, was zuerst die Versicherungsgesellschaften zu ihren Schaden erfahren haben. Genaue statisttsche Berechnungen haben unzweideutig erwiesen, daß Brandschäden infolge von Blitzschlägen sich im Verlauf der letzten 50—60 Jahre mehr als verdreifacht haben. Während in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts auf eine Million Gebäude nur 89 Blitzschläge kamen, betrug diese Zahl im Jahre 1880 schon 189 und ist jetzt sogar bis auf 320 gestiegen, also eine ganz erschreckende Zunahme. Diese bedenkliche Vermehrung der Blitzgefahr, deren Ursachen noch nicht ermittelt werden konnten, hat die Forscher veranlaßt, sich mit erhöhtem Eifer der Ergründung der so häufigen Naturerscheinung zu widmen und es find dabei bis jetzt sehr interessante Ergebnisse herausgekommen. Zunächst ist die Farbe des Blitzes festgestellt worden. Der Blitz ist keineswegs, wie in allen alten Lehrbüchern verzeichnet ist, „schwefelgelb", sondern seine Farbe ist sehr verschieden, sie hängt von der Beschaffenheit der Luft ab, die der elektrische Funke bei der gewaltsamen Entladung durchschlägt Die Luft ist erfüllt von äußerst fein verteilten, milroskopisch kleinen Bestandteilen unorganischer und organischer Natur. Wenn der Blitz durch die so erfüllte Luft hindurchfährt, dann verbrennen eine Menge dieser Bestandteile und geben dem Blitz eine bestimmte Farbe. So sind die Blitze in einer mit schwebenden Kohlenteilchen erfüllten Luft gewöhnlich rot, was von den verbrannten Kohlenteilchen herrührt, wie man durch Versuche Nachweisen kann. Läßt man nämlich starke elektrische Funken einer Elektrisiermaschine durch Kohlenstaub schlagen, dann erscheint er ebenfalls rot. Aus diesem Grunde sind die Blitze in Gegenden mit großer Eisenindustrie ganz weiß infolge des verbrannten Eisenstaubes, in anderen Gegenden ist die Farbe eine andere, meistens aber rötlich oder bläulich. Dann hat man Mch setzt die G e s ch w i n d i i,t des Blitzes, gemessen mit Hilse von Blitzphotographien auf rollenden Platten. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Dauer eines Blitzes unendlich llein ist. Die kurzen Blitze haben nur eine Vierzigtausendstel-Sekunde Dauer, während die längsten, die unserm Auge als lange Feuerlinie erscheinen, auch nur höchstens eine Fünfzigstel-Sekunde dauern. Welche Temperatur hat nun ein Blitz? Man weiß ja längst, daß ihm eine ungeheure Hitze innewohnt, da er imstande ist, grüne Bäume mit einmal in Flammen zu setzen, Metall zu schmelzen usw. Aber wie hoch der Hitzegrad war, wußte man nicht und weiß es auch heute noch nicht genau, wenn man auch näheres darüber erforscht hat. Platin schmilzt bei einer Hitze von 1690 Grad uni) da der Blitz schon Platinaspitzeu auf Blitzableitern geschmolzen hat, so ist seine Temperatur also höher. Ja er ist noch viel heißer, denn auf dem Observatorium von St. Cloud bei Paris hat der Blitz die Spitze eines Blitzableiters geschmolzen, die aus Jridiummetall war, dessen' Schmelzpunkt erst bei 2100 Grad liegt. Wie groß der Höhepunkt der Hitze ist, die ein Blitz erreichen kann, wissen wir nicht, jedenfalls aber liegt er sehr hoch; die T e m p e r a t u r der Blitze wird verschieden sein, je nach dem Widerstande, den sie aus ihrem Wege finden. — Eine Ausstellung für Frauenkunst. Die erste internationale Frauenkunst-Ausstellung soll Ende dieses Jahres in Italien stattfinden. In Turin hat sick) soeben ein Ausschuß gebildet, der alle künstlerisch tätigen Frauen der Welt einladet, sich an der „Prima Esposizione Intern nazionale Femminile di Belle Arti" zu beteiligen, die im November in Turin eröffnet werden soll. Die Ausstellung wird keinem Gebiet, auf dem sich Frauen künstlerisch be- tätiaen, verschlossen sein ; es werden sowohl Bildhauerei und Maierei wie angewandte Kunst zu Wort kommen. Der vorbereitende Ausschuß, dem die bedeutendsten Namen Nord-- italiens, sowohl Männer als Frauen, angehören, erteilt auf alle Anfragen Auskunft; sein Sitz und seine Adresse ist Tu^jn, via Robilanti 3, presso la Rivista „Donna". — Eine neue Erfindung. Aus Cherbourg wird gemeldet, daß ein Angestellter der Maschinenwerk ftätten des hiesigen Arsenals namens Edouard Debrix einen Apparat konstruiert hat, der es ermöglicht, Telephon drähte mit dem Morse-Telegraphen zu verbinden. Ein toon einem auf See befindliche Dampfer aufgegebenes drahtloses Telegramm würde mtttelst des neuen Apparates von jedem telegraphischen Bureau, auf der Erde automatisch und ohne Unterbrechung auf« genommen werden können. Der Marine-Minister wird die. Prüfung der neuen Erfindung veranlassen. — Eine uralte Brücke. Aus Neapel wird uns geschrieben : „Tein Bogen, grauer Zeit entstammt, — Steht manch Jahrhundert außer Amt: — Ein neuer Bau ragt über dir: — Dort fahren sie! Du feierst hier/ Diese Worte, mit denen einst Konrad Ferdinand Meyer eine alte Brücke besang, werden demnächst auch auf die uralte Römerbrücke über den Osanto zutrefsen, den „vio 1 ens Aufidus“, wie Horaz ihn gelegentlich genannt hat. Entgegen dem Vorschlag des Technikums zu Bari, das eine vollständige Niederlegung der alten Arkaden zur Erleichterung des Verkehrs befürwortete, hat der „consiglio superiore per le anti- ehitä“ beschlossen, entweder eine Erweiterung der alten oder den Bau einer neuen Brücke vorznnehmen, wobei die alte stehen bliebe. Diese hat fünf mächtige Bogenöffnungen von unregelmäßiger Werte und Höhe; ganz in ihrer Nähe, in der Verlängerungslinie ihrer Achse, liegen die Ueberreste zahlreicher antiker Grabmäler, die den Lanf der alten Via Trajana — der Weitersührung der Via Appia bis Brindisi — begleiten. An die Via Trajana, die über die Aufidus-Brücke lief, erinnern außer dem Triumphbogen von Bene- vent (aus dem Jahre 114) noch zahlreiche römische Denkmünzen. Die Brücke selbst war noch älter als diese große Militär- imb Handelsstraße; das geht aus den Nachrichten hervor, die von Modernisierung d. h. Erweiterung im Anschluß an die Weiterführnng der Trajanischen Straße reden; sie muß also damals schon dem steigenden Verkehr nicht mehr genügt haben. Eine weitere Veränderung erfuhr sie iin 13. Jahrhundert, als die seitlichen Pfeiler, die auf großen Massen Mauerwerks aus ältester Zeit ruhten, fester verankert wurden. Im Laufe der letzten Jahrhundcrtg haben sich nun die beiden mittleren Arkaden immer mehr gesenkt, so daß die Mitte der Brückeirbahn um 75 Zentimeter tiefer liegt als ihr Anfang und Ende. Dieses Alterszeichen •_ gewährt einen außerordentlich romantischen Anblick, ist aber just kein Vorzug für die Zwecke des Verkehrs, der zwischen den betriebsamen Provinzen Bari und Foggia immer^mehr anwächst. Giacomo Boni, der bedeutendste archäologische Sachverständige Italiens, dem die beiden Vorschläge des Ausschusses zur^Prüsung unterbreitet wur^ den und der sich bereits an Ort und Stelle begeben hat, ist denn auch dafür, nicht halbe Arbeit zu machen, sondern eine neue Brücke über den Osanto zu führen, die alte aber stehen zu lassen und die zahlreichen alten Grabmäler der Via Trajana, die um die Brücke zerstreut liegen, systematisch auszugraben. Gerichrsfaal. so das; er an den Folgen am und Automobil überfahren, Samstag gestorben ist. ** A u f freier Erfindung beruhen die durch Berliner M org e n b lä tte r verbreiteten Mitteilungen, daß der Zar mit Fa milie am 13. abends von Eydtkuhnen Verini-chte-. * Fürstliche K o st b a r k e i t e n. Ter kleine Schah von Verfielt besitzt eine Pfeife, die sein verstorbener Vater bei offiziellen Anlässen zu rauchen pflegte und die derart reich mit Brülanten, Rubinen und Smaragden besetzt ist, daß ihr Wert auf etwa 2j/2 Millionen Franks geschätzt wird. Sie übertrifft damit an Kostbarkeit noch weit seinen schönsten Ehrensäbel, der nur einen Wert von 200 000 Franks darstellt. Dagegen ist wohl der teuerste Säbel der Welt der des berühnkten Gackwar > Fürsten) von Baroda in Vorderindien, dessen Wert sich auf volle fünf Millionen Franks beläuft. Ein anderer indischer Fürst, der Maharadschah von Ghened besitzt einen Wagen, der vollständig aus reinem» Silber angefertigt ist, mit Ausnahme der .Handgriffe an den Kutschenschlägen, die von massivem $olbc sind. Demgegenüber erscheint es fast bescheiden, wenn sich der jetzt entthronte Sultan Abdul Asis von Marokko, der gegenwärtig Frankreichs Gastfreundschaft genießt, ein Pianoforte für 100000 Franks bestellte, das größtenteils aus echtem Sandelholz hergestellt, reich mit Perlmutter und Silber besetzt und mit echt goldenen Leuchtern und Seitenhaltern geziert war. Als das kostbare Instrument in Tanger ausgeladen wurde, wagte man nicht, es dem Rücken eines Kamels anzuvertrauen; es wurde deshalb in so viel einzelne Teile zerlegt, alü Träger zu seiner Beförderung erforderlich waren. Aber als es dann glücklich in Fez eintraf, hatte Abdul Asis nicht mehr nötig, es zusammenfetzen zu lassen, weil er .ausgehört hatte, Herrscher zu sein. Tie Lust am Klavierspielen wäre ihm wohl auch mittlerweile vergangen gewesen. * Ein neuer Schnapslieserer. Bekanntlich wächst in Mexiko und den angrenzenden Gegenden die amcrUanifdje Agave, der vor der Blütezeit die Schastknospe ausgebrochen, wirb, woraus sich in bet Höhlung zwischen dem Blätterschopf geraume Zeit hindurch ein Saft sammelt, der gegoren als „Pnlque" eine Art Nationalgetränk der Mexikaner bildet. Wichtiger noch ist es, daß die Agavesasem ein wertvolles Material für Seilerwaren, Packtücher, Kaffeesäcke, Tcpvicke uird andere Geflechte liefern. Neuerdings hat sich herausgestellt, daß sich aus dem Rückstand der Blätter, die nach Ablösung des Faserstoffs früher rvcg- geworfen oder als minderwertiges Viehfutter nerwenbet wurden, Alkohol gewinnen läßt. Ta die Masse der zuckerhaltigen hene- auenbagasse, wie dieser Rückstand genannt wird, sehr beträchtlich ist, läßt sich der neuen Industrie eine große Ausdehnung geben. Tie von einem Großgrundbesitzer Vukatans, Moliua, eingerichtete vollständige Brennerei, die vor kurzem in Betrieb "gesetzt wurde, soll den Erwartungen völlig entsprochen haben, so daß die Einrichtung weiterer Brennereien und die Entwicklung eine« ganz gewinnreichen Industriezweiges bevorsteht. * Ein geschüchtert. „Ah, das ist eine gute, fette Milch! Wo holen S' denn die?" — „Traben beim Bachholzerbauenr. Bei dem wohnt a Staatsanwalt in der Sommerfrisch'n!" * Ein rücksichtsloser Kellner. Gast: „Gemeiner Kerl, der Jean, geftern abend habe ich in meinem Dusel nicht anschreiben lassen, sonder^'bar bezahlt, und jetzt will er das Geld nicht wieder herausgeh^n!" kleine Tagec-rin-vuik. Bei deiz sgi^chweihfestlichkeiten in G r i m l i n g h a u s e n wurde ein P^tz^i zjst, her zwei Leute, die auf einer Dampfsähre Re- HÄDerschüsse abfeuerten, verhaften wollte, von diesen durch Wandern und Reisen. ** V. h. E. Eine überaus genußreiche Wanderung (5. Vereinswanderung 1910 11* 1 unternahmen am Sonntag, unterstützt vom herrlichsten Wanderwetter, rund 40 Mitglieder des Vogelsberger höhen-Elubs, Zweigverein Gießen. Von Caldern begann zunächst der Aufstieg auf den etwa 500 Meter hohen Rimberg, der in etwa einer Stunde erklommen wurde. Leider war die । Fernsicht durch den herrschenden Frühnebel sehr beeinträchtigt, doch bot gerade die nähere Umgebung des Berges, namentlich die benachbarten Hinterländer Berge und die in den Tälern liegenden Dörfer und Gehöfte, sowi? das liebliche Lahntal einen reizvollen Anblick. Nach eingenommener Erfrischung ging eS wieder bergab und zwar auf sehr mäßig markierten Wegen über den in anmutiger Waldlandschaft liegenden KarlShof, einer ehemaligen Försterei, die leider dem Verfall entgcgengeht. Nach Ueberschreiten eines Höhenrückens erreichte man Elmshausen, wo die Wanderer Gelegenheit hatten, die Dorfbewohner in ihren eigenartigen malerischen Trachten beim Kirchgang zu bewundern. Auf guter Landstraße ging es weiter nach Buchenau, wo Frühstücksrast gemacht wurde. Abwechselnd durch schönen Laubwald und über blumige Wiesen ging cöi hierauf vorüber an dem in stiller Wald- cinfamleit liegenden Oertchen Katzenbach, von wo ans man noch einen hübschen Rückblick auf den in der Ferne grüßenden Rimberg genau, dem Endziele Biedenkopf, der Perle des Hinterlandes, zu. Auch dem Schloßberge mit seinem noch gut erhaltenen Schlosse würbe ein Besuch abgestattet. Nach einigen Stunden würbe die Heimfahrt angetreten. I Ziegelmeister, Finthen: 2. PH. Bost, Polizeidiener, Pfeddersheim; 3. Jak. Eller, Küfer, Ober-Ingelheim. — Gau-Obernheim, 15. Aug. Straßenraub. Gestern abend wurde auf der Landstraße Köngernheim— Framersheim der Knecht Heinr. Busch von hier von drei nu- I bekannten Männern überfallen und feiner Börse mit 45 Mk. I Inhalt beraubt. Als er sich zur Wehre setzte, wurde er mißhandelt. In den Straßenräubern vermutet man drei Handwerksburschen. ; [] Marburg, 15. Aug. Der in Berlin verstorbene Patentanwalt und Zivilingenieur Geh. KommissionSrat Friedrich Karl Glaser wurde heute in feiner Familiengruft au: dem hiesigen Friedhöfe beigesetzt. Der Verblichene zeichnete stch im Feldzuge gegen Frankreich als Chef-Ingenieur der Eisenbahn-Abteilung der Maas-Armee in hervorragender Weise aus. x Gladenbach, 15. Aug. Die heute hier ab» !gehaltene Tierschau der Herdbuch-Gesellschaft für das Vogelsberger Rind lieferte den Beweis, daß auch im südlichen Teile des Kreises Biedenkopf die Viehzucht in hoher Blüte steht. An Aufzuchtprämien gelangten insgesamt 1500 Mk. zur Verteilung. X. Hanau, 15. August. Das dritte Eiscnbahuregi- inent, das am 1. Oktober d. I. von Berlin nach Hanau verlegt wird, und bisher ohne Regimentsmusik war, erhält am 1. April u. I. nun eine eigene, 26 Mann starke R e g i m e n t s k a p e l l e. Sport. Radfahren. Das vorn Gau IXa Lahn-Sieg des Deutschen Radfahrer-Bundes veranstaltete 100 Kilometer Mannschaftsfahren über das wir schon berichteten, hatte folgendes Ergebnis: 1. Preis Radfahrerverein 1885 Gießen, 3 Std. 26 Min. (Fahrer: Unverzagt, Kronenberg, Maurer und Boller.) 2. Preis Rad-Club Germania" Gießen, 3 Std. 26 Min. 21 Sek. (Muhl, Linker, Reich, Lauer und Eberle.) 3. Preis Radfahrverein Marburg von 1891, 3 Std. 27 Min. 43 Sek. (Wernik, Aumüller, Rösser und Müller.) Aufgegeben Radfahrverein Kirchhain von 1904. Der Rad-Club „Germania" Gießen kam dadurch zurück, daß der Führer den Fehler beging, auf die Ersatzleute, die das Tempo nicht recht halten konnten, zu warten. Er wurde mit 21 Sekunden geschlagen. Tie Auszeichnungen bestehen ans wertvollen Ehrenpreisen und für die Fahrer aus silbernen Medaillen. 13. Aug. Die Erziekierin E. D. Feier des .jO. Stiftungsfestes im nächsten Fabre wirb bas Der» bandsrest des Hesiisch-Nasfauiscl-en 'Main-Rheingau- Verbandes verbunden sein. nach Darmstadt abgereist lei.. Wir können auf Grund unzweifelhafter Nachrichten mitteileu, daß die Ankunft des Zarenpaares weder in Friedberg noch in Wolfsgarten vor dem 24. d. Mts. erwartet wird. *• Von der Kleebachtal-Bahn. Die Frage der schon viel besprochenen Kleebachtal-Bahn scheint wieder in greifbare Nähe zu treten, nachdem sie seither scheinbar verschwunden war. Erfreulich ist die Tatsache, daß die führenden Persönlichleiten im stillen wirksam weitergearbeitet haben, so daß die Hoffnung nicht unberechtigt erscheint, daß doch einmal Ernst gemacht werden wird. Vorläufig ist es noch fraglich, ob Gießen oder Dutenhofen der Ausgangspunkt der Bahn wird ** Die vorn Männer-Turnverein Gießen am' Samstag im Philofophenwald veranstaltete Abendimterhaltung war sehr zahlreich besucht. Nach der Begrüßung durch den ersten Sprecher, Rechtsanwalt K. Kaufmann, würdigte der zweite Sprecher, Kaufmann K. Schwarz, in längerer Rede die außer- ordeullicheii Erfolge der Turner und Fechter auf dem Mittel- rheinischen Kreisturnfest in Kreuznach. Er gedachte zunächst der Vereinsriege am Reck, die, trotzdem sie im strömenden Regen turnen mußte, in ihrer Stärkeklafse mit 49 Punkten in den zweiten Rang kam; er dankte den ausübenden Turnern, die im abgelaufenen Jahre durch das hiesige und die auswärtigen Feste sehr in Anspruch genommen waren. Die noch nicht lange bestehende Fechterriege habe über Erwarten gut abgeschnitten, ba I fie mit 531 _> Punkten in den ersten Rang kam und damit an erste stelle unter den Fechterriegen. Beim Dreikampf habe unser Turner Heinrich Möller als alt einiger unter sämtlichen mit-1 turnenden Gauangehörigen einen Preis, beit 19., mit 48 Punkten erhalten, während fast 7/s aller Dreikämpfer durchgefallen seien. Dies sei ein ebenso großer Erfolg wieder des ersten Sprechers beim Einzelfechleu, der als einziger Sieger unter neun mit-1 fechtenden Gamnitgliedern Preise errungen habe: unb zwar in I loser Stellung ben 10. mit 45\6, in fester Stellung den 15. mit 46-/,; Punkten. Der Redner sagte alsdann den unterlegenen drei Turnern beim Sechs kämpf Dank, die sich vielleicht dadurch getrottet iüblen könnten, baß nahezu 2 t ber Angetretenen nicht Itt-rausgekommen seien. Er betonte dann, baß er sich über die Erringung des ersten Preises durch einen Gießener Turner, L. B e p l c r T.-B., freue, was im Verlauf des Abends noch Mehrfach zum Ausdruck kam. Am Festabend führte der Verein seine selbstgewählte Freiübungsgruppe 'Stützhanteln- in der Festhalle vor und errang nicht nur sehr starken Beifall, sondern auch 26 Punkte von 30 erreichbaren). Der Redner erwähnte dann noch, daß beim Festessen der Trinkspruch auf die Damen nicht von „Professor Milan" .wie es in der gesamten Presse hieß, sondern durch den Vorsitzenden des M.-T.-V. Gießen gesprochen sei. Er er- Wähnte noch den Erfolg des Mitgliedes Karl Müller aus dem Spicherer Bergfest und schloß mit einem „Gut Heil" auf die Sieger. In deren Namen dankte der erste Sprecher: er schilderte bann den Verlauf des Kreuznacher Festes unb gab verschiedene humoristische Stückchen zum besten. Er erwähnte die freundliche Aufnahme der beiden Gießener Turnvereine und dankte den beiden TurnWarten für ihre mühevolle Arbeit. Der erste lurnwart, Kaufmann W. Weis, sprach auf die ausübenden Turner. In fröhlichster Stimmung verlief bei gemeinschaftlichen Liedern der Abend, der seinen Schluß in einem Tanz der jüngeren Teilnehmer fand. ** Der .Gabelsberger Stenograp hen-Ve rein feierte am Samstag unb Sonntag sein 49. Stiftungsfest durch einen Kommers und einen Ausflug nach Kloster Arnsburg. Beide Veranstaltungen hatten sich eines sehr guten Besuches zu er* freuen. Nach dem von dem Vorsitzenden gegebenen kurzen Bericht über öi: Tätigkeit in Bund, Verband, Bezirk und Verein ist im abgciau-eiieii Vereinsjahre fleißig unb mit ben schönsten Erfolgen gearbeitet worben. Mit besonderer Befriedigung konnte er hervorheben, daß durch die vor einigen Wochen in Berlin ab= gehaltene Vorberatung von Regiernngsvertretern der (Vieb.uitc tut schiffitng einer beut) chc n E inheits-S teno g r a Ph i e wieber cni gut Stück weiter gefördert sei, so daß man die schon ! gciahrbct geglaubte Einheit auf stenographischem Kebiete-, wennI auch noch nid,1 in Kurze, so aber doch in absehbarer Zeit er-11 warten Jdnne. Ter Verein zahlt jeßt 273 Mitglieder. Mit bet': sc. Wiesbaden aus Hallenberg wurde groß und mächtig geword-cn: schwer läßt sich ein besserer, ein an Inhalt reicherer Wunsch am Thron des Achtzigjährigen zu solchem Tage niederlegen, als daß der Einklang dieser beiden dynastischen Sinnspruche auch fernerhin Lester reich-Unaarns und Deutschlands Geschicke beherrschen möge. Sofern die beiden Kaiserreiche auch in Zukunft jedes dem anderen geben, was des anderen ist, und mit vereinten Kräften auftreten, sobald feindliches Gelüst ihren Interessenbereich bedrohen, dann ist nach menschlicher Berechnung der, Friede Europas gesichert, und mit dem Frieden die Blüte und die Wohlfahrt ber Völler von der Nordsee bis zur Adria. Und noch ein anderes Wort ruft uns den Tag in Erinnerung, da Kaiser Franz Josef nach 62jähriger Regierung sich anschickt, die Schwelle des neunten Lebensjahrzehnts zu überschreiten, das Wort, das Bismarck einst auf Kaiser Wilhelm I. amvandte: Quis tot sustinuit, gnis tanta Perieula svlns.' Tic Geschichte kennt kaum einen Monarchen, der solches durchgemacht, der unter so wechselvollen Fährnissen standhaft blieb und sich nicht beugen ließ Der Blick schweift zurück auf die stürmischen Rcvolutionstage von 1848, da die Abdankung Kaiser Ferdinands den kaum dem LufLschiffahri. ^Die Entwickelung der Hohentekords im Flugapparat. Der jüngste Höhenrekvrd von 2050 Meter, den der amerikanische Millionär und Flugkünstler Trerel bei dem Wettbewerb in Lanark erreichte, ist, gemessen an den bisherigen Flugleistungen, ein ganz ungewöhnlicher Re- tnn mx nDr^ nso lange her, daß ein Flug von juo Metern schon eine bedeutende Leistung darstellte Den ersten Hohenrekord erreichte nämlich Wi'lvur Wright am 18. Dezember 1908 in Auvours, indem er an diesem -tage eine Höhe von 115 Meter erflog. Der erste Höhen- rekord mit dieser verhältnismäßig geringen Leistung ist alfo noch nicht 2 Jahre alt. Nun wurde dieser Rekord Est-'ere Monate lang nicht geschlagen. Erst am 18. Juli IJbJ gelang es dem bekannten Flugkünstler Paul hau, diesen Reiord zu schlagen, indem er am 18. Juli 1909 in -touai eine Höpe von L)0 Meter mit seinem Flugapparat erreichte. Gerade 3 Monate später wurde dieser Rekord von dem Grafen Lambcrg auf seinem Wrightapparat verdoppelt, mit dem er am 18. Oktober 1909 'seinen berühmten Flug um den Eiffelturm ausführte und dabei eine Hohe von 300 Meter erreichte. Am 19. November 1909 ich lug Paulhan , der den Rekord von 150 Meter aufgestellt hatte, den Rekord des Grafen Lamberg um weitere 100 Meter, indem er in Bouh 400 Meter hoch flog. Ani selben Tage stellte am gleichen £rt der Flugkünstler La- tham, der auch in Berlin bekannt ist, einen Rekord von 425 Meter auf. Er schlug selbst einige Tage später diesen Rekord um 50 Meter, indem er 475 Meter hoch flog Nachdem Latham diese beiden Rekords aufgestellt hatte, bemühte er sich, der Welt zu zeigen, was man mit dem Flugapparat leisten könne. Er flog in derselben Stadt am 7. Januar 1910 auf und hatte dabei die Msicht, zum ersten Mal eine Höhe von 1000 Meter zu erfliegen. Er führte seine Absicht auch aus und stellte einen Weltrekord öon 1000 Meter auf. Genau 6 Monate später flog er sogar 1400 Meter hoch, während der Flugwoche in Reims. Am 30. Juli 1910 wurde auch dieser Relorö gedrückt u. zwar durch Olieslag er, der in Stöckel 1500 Meter hoch. flog. Die nächsten Etappen sind Höhenflüge von 1700 Meter, die gleichfalls in Stöckel von Tyck am i. August 1910 zweimal geleistet wurden und ein Höhenflug von 1800 Meter, die Ehavez am 3. August 1910 in Blackpool erreichte. Nun war ein Flug von 2000 Meter Höhe das nächste Ziel, das, wie schon erwähnt, Drexel am 11. August erreichte und sogar noch um 50 Meter übertraf. * Amiens, 15. Aug. Bei herrlichem Wetter sind heute früh m D o u ai'bie Flieger Audrun, Leblanc und Legagneux 5u der Fahrt nach Amiens aufgeftiegen. Leblanc landete nach einer Fahrt von einer Stunde und 11 Minuten, Aubrun nach einer Fahrt von einer Stunde 28 Minuten wohlbehalten unter dem Jubel der Menge auf dem Flugplätze Amiens. ,e. Wiesbaden, 13. Aug. Wegen sittlicher Verfehlungen, begangen an minderjährigen Schulmädchen, wurde der noch nicht vorbestrafte, am 30. November 1863 geborene Schuhmacker und ^andwcrt x>. aus Niederstüters zu 1 Jahr Gefängnis und -Ibmcnnung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Teuer von a Jahren verurteilt. L. bestritt bis zuletzt jegliche Schuld. , rpS.i S, i5. Aug. st. Hastpslichtderelcktrischen -0 a h n. Ecne Frau, die aus einem Wagen ber Straßenbahn geilten war, um in eine andere Linie u m zusteig c n , siel als sie bereits auf der Straße gestanden hatte, unb der Wagen schon weitergefahren war, in einen Kabelgraben und zog sich Per' letzungen zu. Das Reich s gerich t nahm eine Haftung aus 1 des vaftpflichtgesetzes an, da die Frau nicht aus dem Wagen ttreg um auszusteigen, sondern nur. um in eine andere Linie umzusteigen, har das Reichsgericht angenommen, daß die bis zur llmsteigestelle zurnckzulegende Strecke, ohne die der Umsteigevcrkehr Nicht mogliü) tft, noch in den OkmhrcnbcrcTd) des Bahnbetriebes 'alle, ^ouach wurde die Hast n n g der B a h n festgestellt. L a u b a ck), 15. August. Gestern nachmittag hielt der Zwcigvcrein des cv angel. Bundes sein' Jahresversammlung bei starker Betcickgung auf dem R merberg ab. sprachen als Redner Missionar Gsell ans Frankfurt a. M. über die Neger unserer Kolonien. Lehrer Tollinger aus ^ber-Glcen verbreitete sich über bi2 Kirche und unsere Fugend unb Pfarrer Schlosser aus Rodheim sprach über die Jugendarbeit in England. Dec Posaunenchor aus Wet- terseld verschönte die Feier durch Vorträge religiöser Lieder. L. Friedberg, 15. Aug. Da vom Großh. Schlosse aus nur eine Fernsprechverbindung nach dem Postamte her- gestellt war, so hat man heute fünf weitere angelegt. —. Während der Anwesenheit des .jarcnpaarcs fallt der G o t t e s d i e n st in der B u r g t i r ch c aus. rm. Darmstadt, 15. Ving. Am Freitag wurde der Landwirt und Kaufmann Ehr. Kern II. aus Dietzenbach bei Langen auf der Landstraße in der Nähe seines Heimatdorfes, als er auf bas Feld fahren wollte, von einem Knabenalter Entwachsenen auf einen ber mächtigsten Throne berief; auf Magenta und Solfermo, den Verlust ber Lom- “ barbei unb Venetiens: auf bie ruhmreichen Waffentaten I ' C L, orli Verunglück en begegneten bei Custozza, ben Seesieg Tegethofss bei Lissa; auf König- l -uitomobile der Didier-Fahrradwerke, als er an dem grätz, bcn Frieden von Prag unb ben Abschluß des Dreibund- ersten vorbei war, ivotlte er dem Staub ausweichen und fuhr Vertrages; auf bcn tragischen Tod des Kronprinzen O?uboff I ^nfcijcinenb mehr nach der Mitte der Straße, da er nicht und die Ermordung der Kaiserin Elisabeth; auf die Annexion 'visscu konnte, daß noch ein ziveites Auto folgte. Tiefes Bosniens und der Herzegowina und endlich auf jene August- zweite ?luto, von dem Chauffeur Karl Oehler gelenkt, sah tage des Jahres 1908 in Ischl, wo der Kaiser die Versuche jedenfalls durch ben Staub auch nichts und überfuhr den Komg Eduarbs auf Lostrennung von bem bentschen Biinb- ahnungslosen Kern, der cme auou unb brei Kinder auch das deutsche Volk mit den deutschen Fürsten und bringt D, wngciicaten Ermittelungen schcmt den seiner ausrechtcn Persönlichkeit, seinem wettererprobten l^hollsteur die schuld zu treuen, da er trotz der -staub- Charalter und nicht zuletzt feiner schlichten Menschlichkeit I utwickelung des ersten i)llitos, die den Ueberblick über von Herzen lommende Huldigungen dar. die Fahrbahn unmöglich machte, in starkem Tempo fuhr ---------"""----------■-----' ------- ;= Mein Signal gab. Oehler wurde vorerst auf freiem Fuß Ans Staöt und Land. belassen. Gießen, 16. August 1910. I — Mainz, 15. Aug. Heute morgen fand auf dem ** Bestätigung. Der Großherzog hat die durch bie ®r°Bcn Sande die Vorparade zur Truppenschau statt, bei Stadtverordnetenversammlung vollzogene Wiederwahl des ^r alle beteiligten Regimenter vertreten waren. Von den Kommerzienrats Ludwig Georgi in Gießen zum un-1auswärtigen Truppen, die erst morgen früh hier eintreffen, besoldeten Beigeordneten ber Provin'ialhauptstabt Gießen waren nur die Flügel Unteroffiziere anwesend. bestätigt. - I d. Mainz, 16. Aug. Die Wahl für den Ausschuß ** Versetzungen. Der Großherzog hat den Ober-1 u d esv c rsich er un g s a nstal t sand am Samstag lehrer um Wolsgang-Crnst-Gymnasium zu Büdingen Dr. vormittag unter dem Vorsitz des Regierungsrates Krug von Nidda Otto Sch Midi gen zum Oberlehrer am Realgymnasium I Yn t sgebä u d e )tntt. Es wurden gewählt: Arbeitgeber: z,u Mainz und den cvanaclifchen Pfarrer Arichrirfi I Kneghoif, Kausmlann, Worms; ... ^oh. Baptist Tuleius, t&aaLa. » SandcszuchthaUS -Carlen chloß ernannt. 2. Adam Schott I., Landwirt u. Beigeordneter, Essenheim; 3. Reinh. Aus dem Mtlitarwochenblatt. H a a s e, Scheurich, Möbelfabrikant, Alzey. II. Ersatzmänner: 1 Ernst Lt- tm ^nf.-Regt. Hessen Homburg Nr. 166, auf fein Gesuch Finger, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, Pfeddersheim; ausgcschiedcn und zu den Res.-Offizieren des genannten >2. Alois Richardt, Fabrikant, Hechtsheim: 3. Ph. Merkel, Fabri- Regts. ubergeführt. kant, Talsheim. Arbeitnehmer: 1. An ton Sander III., Winzer, •* Unser R egiment reifte heute nacht um 2 27 Uhr Agstein; 2. Jak. Weis, Polizeidiener, Hohen-Sülzen: 3. Jak. -ur Kaifervarade nndi Main- ^^tz, Gemecndeernnehmer, Framersheim. I. Ersatzmänner: 1. ,ur 3ta ijerparaoe nact) JJCamö. ILorenz Weis, Werkmeister, Worms: 2. Joh. Krehbühl, Wasser- meister, Bretzenheim. 3. Karl Jak. Beutel, OrtskrankenkafsDn- rechner, Oppenheim. II. Ersatzmänner: 1. Ludw. Tremmel, „ ------_ wegen versuchten Vergehens gegen das reimende Leben zu 45 Tagen Gefängnis verurteilt, aber zur bedingten Begnadigung empfohlen. Tic Angenagte war völlig geständig. Messerstiche schwer Verlebt uni) ins Wasser geworfen. Einen der Uehcltätci zog der Polizist mit sich in den Rhein. Während der Polizist gerettet wurde, ertrank dec Verbrecher, ein 28 jähriger Mann aus Hamm. In Niederbonsfeld bei Hattingen stürzte Montag nachmittag die Giebelwand eines 'Neubaues ein uild begrub einige Arbeiter. Bis vier Uhr wurden drei Schwerverletzte geborgen: ob sich weitere Opfer unter den Trümmern befinden, ließ sich iwch nicht feststcllen. Am Sonntag früh gegen 3 Uhr beging, wie der „Vogtländische Anzeiger" meldet, der 21jährige Max Schädlich aus Radewisch an dem Handarbeiter Josef Gruber aus Mül grün im Walde an der Falkensteinerstratze einen Raubmordversuch: er betäubte ihn durch Hammerschläge, schleppte ihn dann in den Straßengraben und versetzte ihm schließlich fünf Stiche. Der Täter, der , erst kürzlich wegen guter Führung aus dem Gefängnis entlassen worden war, wurde verhaftet. vüchertisch. — Dem 80. Geburtstag des Kaisers Franz 3 o s e p h I. ist die Nununer 3502 der „ I l l u st r i e r t e n 3 e 11 u n g" gewidmet (Verlag von I. I. Weber, Leipzig). Sie bringt die neuerte große Bildnisaußmhme, einen Leitartikel, eine I Originalzeichnung von M. Sonnenschmidt: „Kaiser Franz Joseph begibt sich in Ischl auf die Jagd" und die zum 80. Geburtstag entworfene Plakette von Prof. Rud. Marschall. Von ionstigeu zeik- aeschichtlichen Bildern seien genannt : Die Grundsteinlegung zum Mozarthause in Salzburg, Kaiser Wilhelm und der Reichskanzler in Swinemünde, das neue Residenzschloß in Posen, vom Freilust- theater in Zovvot, die Toten und neuen Denkmäler der Woche und sehr interessante Sportbilder. Von Kunstblättern heben wir hervor : „Kriegerball in der Schwalm" von H. Arnold, „Gewitterschwüle" von I. Valla. Em reich unb bunt illustrierter Aussatz von W. F. Brand gibt einen Uederblick über die Frauenkunst nn Londoner Tl'eatern, und die Reize deutscher Wald- und Flnß- roinantif schildert ein Beitrag „Die Burgen an beiden Mulden", Text und Bilder von Heribert Bahndorf. 'Auch der literarische Teil ist stets aufs beste besorgt. Getreide-Wochenbericht her Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 9. bis 15. August 1910. Tie umfangreichen Anschaffungen, die Frankreich auch in der Berichtswoch? vornahm, lassen faunt noch einen Zweifel daran zu, daß man es dort mit einem bedeutenden Erntedefizit zu tun hat. Gehen die Ansichten über die Höhe des erforderlichen Jmport- zuschnsses auch noch sehr auseinander, und liegt in bem' Eingreifen der SpetUlation immerhin eine gewisse Gefahr, so neigt man in Fachkreisen .andererseits zu der Auffassung, daß die bisherigen Erwerbungen erst einen kleinen Teil des zu deckenden Bedarfs dac- stellen. Vorläufig bilden die französischen Käufe jedenfalls eine wichtige Stütze für den Weltmarkt und in ihnen ist auch die Hauptursache für die in der Berichtswock>e allgemein zu Tage getretene Festigteit zu erblicken. Ter Umftanb, daß die Ernte Amerikas sich nach dem neuesten Regierungsbericht weniger ungünstig darstellt als man bisher annahm, vermochte bi: feste Tendenz umsoweniger zn beeinträchtigen, als andererseits wieder sehr ungünstige Meldungen über die russische Ernte Vorlagen und Rumänien, das einzige Exportland, das sich einer guten Ernte erfreut, seine Forderungen wesentlich höher geschraubt hat. Taß sich diese Verhältnisse besonders auf dem deutschen Markte zur Geltung bringen, erklärt sich ans dem Umstande, daß di: Preise hier wesentlich unter Weltmarklsvarität stehen unb dem Ans lande daher zu Bezügen unb zu Arbitragekäufen Veranlassung bieten. Dazu kommt, daß bas landwirtschaftliche Angebot infolge drängender Feldarbeiten gering bleibt unb die Exportfirmen gegen ihre Verkäufe zunächst int Lieferungsgeschäft Teckung suchen müssen. Während Weizen infolgedessen int Verkaufe um 5—Bi Mark an ziehen konnte, war Roggen meist vernachlässigt unb hat seinen Werlstand seit der letzten Woche auch kaum sonderlich verändert. Tas Au gebot ist zwar auch hierin nicht sehr groß, aber bei dem Mangel ernsterer Exvortnachfragc verhaften sich die Mühlen umso zurückhaltender. .Tem gegenüber machte sich diesmal'auf dem Hafermarite' etiic festere Stimmung bemerkbar, denn es zeigt sich immer mehr, daß die Ernte dieser Frucht sowohl in quantitativer als auch in Qualitativer Beziehung nicht unerheblich hinter den vorjährigen Ergebnissen zurückzubleiben scheint. Die Folge davon ist, daß man in letzter Zeit wieder stärker auf alten Hafer zurückgreist. Auf dem Liefeningsmartte wurden die Preise dagegen durch Abgaben von russischer Sette unter Druck gehalten. Es stellten sich bie Preise tzir inlanbisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei Klammern () Königsberg Danzig Stettin Posen Breslau Berlin Magbelmrg Halle Leipzig Dresden Braunschweig Rostock Kiel Hamburg Hannover Düsse ldori Franksurt a.M. Mannheim Straßburg München iu. üvi iiiget ügt ist, wie Weizen 208 (+ 4) 210 ( + 8) 200 ( + 6) 192 (4- 4. 196 (-- 2) 204 (-t- 5) 200 (- - 3) 202 (+ 2) 2U0 (+ 2) 202 (4- 2) 196 (— ) 192 (- ) 196 (4- 6) 203 (+ 1) 204 (— 2) 210 (— 2) 210 ( + 1) 2H1;, (+7 M 215 (4- 5) 220 (4- 2) folgt: Roggen 144 ( + 17.) 146 (4- 1) 146 (+ 2) 140 (4- 4) 140 (- ) 147 (— 1) 145 (- ) 152 (+ 2) 153 (4- 1) 153 (4- 1) 148 (- ) 143 (- 1) 145 (- ) 149 (— 3) 150 (- ) 155 (- 3) 151 (4- 37,) 157^(4- 27,) 167' /',( + 2%) 156 (- ) er Vorwoche m Haier 154 (-4- 2) 154 (- ) 152 (- ) 148 (4- 2) 154 (4- 1) 170 (- ) 160 (- ) 170 (- ) 172 (4- 2) 165 (- ) 169 (4- 2) 150 (- ) 165 (- ) 173 (- ) 172 (- ) - (- ) 1611/, (+ 17a) 155 (— 5) 175 (- ) 160 (— 2) We l t m a r k t v r ei s e : Weizen: Berlin Sept. 263 00 t -s- 5.00). Budapest Skt. 163.15 (4- 2.10). Paris August 228.60 8.55), Liverpool SDftbr. 173.30 (4- 3.30), Elsteago Sept. 159.90 (4- 1.95). Roggen: Berlm Sept. 151.00 (— O.2ö). Haier: Berlin September 153.50 (- 0.75) Mk. tzallde!. Dortmund, 15. Aug. lieber das Vermögen des Anssi ch t s r a t s m i t g l i e d e s der 9? i c t) c r b c u t) dj e n Bank, des Architekten M a i in c g , wurde das Konkursverfahren eröffnet. Die erste Gläubigerversammlung findet am 81. August statt. In dem Bestreben, den kleinen Gläubigern der Niederdeutschen Bank nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen, hat die zu diesem Zwecke zusammengekommene Bantengruppe den Beschluß gefaßt, die den Betrag von zehntausend Mark nicht übersteigenden, vom Kontürsverwalter erkannten Forderungen, sofern sie nicht den Banken oder Bankiers zusteheu, s e l b st zu übernehmen und dafür den Gläubigern, die bis 100 Mark zu fordern haben, 75 Prozent ihrer Forderung, die über 100 bis 500 Mark zu fordern, 40 Prozent ihrer Forderung, jedoch mindestens 75 Mark, die über 500 bis 3000 Mark zu fordern haben, 30 Prozent ihrer Forderung, jedoch mindestens 200 Mk., die über 3000 bts 10 000 Mark zn fordern haben, 25 Prozent ihrer Forderung, jedoch mindestens 900 Mark schon jetzt ohne Aniechnmtg von Zinsen auszuzahlen. Sollte die Kontürsdividende den gezahlten Betrag überschreiten, so würde der Mehrbetrag nachträglich unverkürzt den Gläubigern vergütet werden. Dagegen wird, falls die Konkursdividende den gezahlten Betrag nicht erreicht, von den Banken auf die Anforderung des zuviel Gezahlten verzichtet. Die Gesamtzahl der für den Beschluß in Betracht kommenden Gläubiger beläuft stch auf nahezu 10000, bie insgesamt etwa 8,5 M i lli onen Mark zu f o r berit haben unb unter benen sich runb 3700 Gläubiger bis 100 Mark mit einer Gesamtforderungssumme von 105 000 Mark befinden. Mit der Durchführung der beschlossenen Maßnahmen ist die Deutsche Treuhandgesellschaft in Berlin betraut. — T i e deutsche C i n s u h r belief sich im Juli aus 675,4 Millionen Mark, die Ausfuhr aus 599,6 Millionen Mark. Im Vorjahre betrug die Einsuhr 751,7, die Ausfuhr 556,7 Millionen Mark. Außerdem wurden für 42,8 Millionen Mark Gold unb Silber eingeführt, für 11,6 Millionen Mark ansgesührt gegen 24,3 resp. 5,1 im Vorjahr. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Eisenbahnanleihegesetz. Märkte. F.C. Wiesbaden. V i e h l) o s -M a r k t b e r i ch t vom 15. Ang. Auftrieb-. Rinder »8, Kälber 51, Schafe 44, Schweine 375. Tendenz: Rinder mittelmäßig, Kälber flott, Schate und Schweine mittelmäßig. Preis D'^-ch» pro 100 Pfd. schmtispreis UbCn»ro 10O Pfund O chs e ii £ L . e-eoeud, Lchlachc» m r , - 1 C1rL , „ , r. von-bls von-bis reivitfit Vollflelschrge, ansgemastete, höchsten c ld): Schlachtivertes, höchstens 6 Jahre alt 46—50 84—89 48 86 Junge, fleischige, nicht ansgemäslele und ältere ausgemästete 42—45 79—82 43 80 Mäßig genährte junge unb gut genährte ältere 37—40 74—77 38 73 Färsen, K ü h e. Bollsteischige ailsgemästete Färsen höchst. Schlachtivertes 44 -47 80—85 45 82 Pollsleischige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtivertes bis zu 7 Jahren . . 39—44 75—80 41 77 Aellere ailsgemästete Kühe unb wenig gut entwickelte stmgereKühe u. Färjen 33—36 64—68 34 65 Kalber. Feinste Mast- (Bollmilchniast) unb beste Saugkälber 60-64 100—105 62 102 Mittlere Al ast- und gute Saugkälber . 52—55 87—94 53 90 S cb a te. Mastlämmer unb jüngere Masthammel 39—41 78-82 40 80 Schwein e. Bollfleifchige Schlveine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht 56—57 70—73 56 72 Pollfleischige Schlveine über 2 Zentner Lebendgeivicht 56—57 70—73 56 72 Vollfleischige Schlveine über 27, Zentner Lebendgelvicht 56—57 70—73 56 72 Fleischige Schweine 54—55 69—71 54 70 Sanen 49—51 63 — 66 50 64 Verantwortlich für „Aus Stadt und Land" und „Gerichtssaal" i. 23.: Karl Neurath. Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen. Ang. Wetter 1910 -5^ 2 Ä b# 15. 745,9 23.4 12 7 59 8 4 1 Sonneilschem 15. .46.6 18,4 14,8 94 W 2 9 Bed. Hintmel 16. 7" 750,0 15,9 12,0 89 w 2 9 u n Höc 1 1 äste Temperatur am 14. b is 15. August — 4- 24,4 ° 0. Niedrigste ■ M 14. „ 15. M e= 4- 7,5 °c. Niederschlag: — 14,3 nm Leistet vorzügliche Dienste! Ehrenfriedersdorf b. An naber g, 1. Febr. 1910. Seit einem halben Jahre batte ich über Herz- u. Nervenschwache au klagen, konnte dabei wochenlang nicht schlafen und mein Körper verlor immer metjr an Kraft. — Ich versuchte daher Ihr Kräftigungsmittel „Bioson" liild habe es nun auch seit 3 Monaten im Gebrauch. Schon nach dem Verbrauch des ersten Paketes stellte sich mein Schlas nach u. nach wieder ein und wem Körper begann sich wiederzu erholen; ich nahm an Gewicht au unb auch mein Aussehen wurde besser. Ich nehme Ihr „Bioson" tag' lich 2 Tassen mit 'Milch und Zucker gekocht vorschristsutäßig, habe das 4. Pakel im Gebrauchund werde es noch einige Zeil sorn'ühren, da es mir iebrgut bekommt und vorzügliche Dienste leistet. Mit aber Hochachtung! Frau Anna Kreisel, Kirchstraße 11. Unterschrift beglaubigt: Karl Player, Molar. Bioson ist das beite und billigste Kräsligungs- mntel. Paket 3 M. in Apotheken, Drogerien. b24/«