Nr. 211 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 14.Ottober 1910 Der Olehener Anzeiger __ __ smä v/ IV11V BIV > 44 |11V |M V 4 sprech-Anschlüsse: UM W V Chefredakteur: A Goetz, ür die Redaktion 112, Verantwortlich für den ZM Seneral-Anzeiger für Sberhessen g$g ,i6r =onmaag5n9"iib” Notatlonrdnick unfe Verlag derVrühl'schen Unlv.-Vuch- und Stelndruckerel R. Langt. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulstratze 7. Ej Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Der Eisenbahn-Ausstand in Frankreich. Paris, 13. £*Ft. Nach verschiedenen Erkundigungen rgfbt sich, daß der Aus stand der Eisenbahnangestellten ei weitem kein allgemeiner ist. Zahlreiche Ange- ellte der Nordbahn nahmen den Dienst wieder aus. Mehrere lngestellte wurden wegen Beeinträchtigung des freien Rechts uf Arbeit verhaftet. Etwa fünfzehn Beamte der verschie- eneu Bahnen erhielten die Kündigung. Die Passagierzüge uf der Nordbahn verkehren in größerer Zahl. Aus der ;stbahn ist der Dienstbetrieb normal. Auf der staatlichen gestbahn ist der Verkehr der großen Linien sichergestellt, irinisterpräsident Briand ließ dem Bureau des Munizipal- ats die Erklärung tzugehen, daß die Verpflegung von Paris .chergestellt sei. Die Ablieferungen in den Hallen und auf em Schlachtviehmarkt vollzögen sich in normaler Weise nd werden sich ebenso fernerhin vollziehen. In Regierungskreisen macht sich eine beruhigtere Auf- issuna bemerkbar, insbesondere wird ein von dem Aus- andsromitee an Briand gerichtetes Schreiben, in welchem ieses seine Bereitwilligkeit zu einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten und den Bahndirektoren bekanntgibt, ls ein Anzeichen dafür angesehen, daß die Eisenbahnange- eNten selbst Mnmehr wenig Hoffnung auf einen Erfolg er Ausstandsbewegung haben. Ministerpräsident Briand r. klärte einem Berichterstatter, das Ministerium wisse, daß ie ungeheure Mehrheit der Bahnbediensteten für die gegen» Artigen Vorkommnisse nicht verantwortlich gemacht w-er- en könnte und er sei nach wie vor bereit, alle Versuche u einer gütlichen Lösung des Zwischenfalls zu fördern. Die Direktion der Ostbahn erklärt in einer öffentlichen Bekanntmachung unter anderem: Das Publikum wird nicht egreifen, warum es das Opfer der üblen Laune der Eisen- ahner geworden ist. Es wird noch viel strenger jede Aus- andsbewegung auf dem Ostvahnn etz verurteilen, das as Grenznetz ist, auf dessen Bediensteten die größte ierantWortung dem Lande gegenüber lastet. Zum Schluß wird erklärt, daß alle Eisenbahner, die den Dienst erweigern sollten, unverzüglich entlassen werden sollen Die radikalen Blätter verurteilen den isenbahnstreik auf das schärfste. Die „Lanterne" hreibt: Der Ausstand der Nordbahn-Bediensteten ist eine ngehörigkeit, aber der Gesamtstreik der Eisenbahner ist nner Wahnsinn Die „Action" meint: Die Eisenbahner ab en das Vaterland in eine große Gefahr gestürmt. Um eine rhöhung ihrer Löhne zu erlangen, haben sie oie Nord- nd Ost grenze der deutschen Invasion geöffnet. Aus Algier wird gemeldet: Das dortige Syndikat er Heizer und Lokomotivführer hat beschlossen, ch dem Eisenbahnstreik anzuschließen, sobald vom Pariser üreikaus chuß der Befehl hierzu eingegangen sein würde. Paris, 13. Okt. Das Syndikat der Angestellten und lrbeiter der Untergrundbahn beschloß, ebenfalls so- ?rt in den Ausstand einzutreten, um seine Forderungen urchzusetzen. Auch die Bediensteten der Orleansbahn eschlossen, sich dem Ausstand anzuschließen. Die Verhaftung der Führer. Die fünf Führer des Eisenbahn st reiks, Le- roine, Renault, Teffin, Leguenic und Antout sind um Vs Uhr in den Geschäftsräumen der „Huma- nit 6" ohne Zwischenfall verhaftet worden. Ein sechster, namens Chalaiz, weigerte sich, mitzugehen, weil sein Name auf dem Haftbefehl falsch geschrieben war. Die Lage war um 91/2 Uhr folgende: Auf der Orleans-Bahn verlief der Dienst normal; nur ganz wenige Angestellte traten den Dienst nicht an. Auf dem Orsay-Bahnhof der Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn wickelte sich der Verkehr abends und während der Nachtstunden in normaler Weise ab; einige Maschinisten fehlten. Alle Schnellzüge wurden abgelassen; drei Vorortszüge fielen aus. Auf dem Bahnhof St. Lazare sind seit 11 Uhr abends neun Züge eiw- getrofsen. Das Versagen des elektrischen Lichtes. Paris, 13. Okt. Um 61/2 Uhr abends beganit auf den Boulevards das elektrische Licht zu versagen. Infolge einer Versammlung des Syndikates der Untergrundbahn und der elektrischen Industrien wurde heute abend 6 Uhr der Befehl zur Niederlegung der Arbeit an die einzelnen elektrischen Stationen gegeben, woraus, wie bereits gemeldet, an verschiedenen Punkten der Boulevards bas elektrische Licht versagte. Um 7 Uhr abends versagte das elektrische Licht im Elyseepalaste und im Ministerium des Innern. Die elektrische Station auf dem linken Seineufer arbeitet nich-t mehr. Viele Läden ,im Quartier Latin haben ihre S ch a u f e n st e r g e s ch l 0 s s e n. In den Cafes dagegen ist die Verwirrung nicht groß, da diese infolge der letzten Ausstände der Elektriker mit Lampen versehen sind. Die Boulevards St. Martin und St. Germain liegen teilweise vollständig im Dunkeln, so daß der Wagenverkehr sich an diesen Punkten schwierig gestaltet. Von 61/2 Uhr abends an war der Justizpalast ohne elektrisches Licht. Kurz nachher versagte es auch im Made- leine-Viertel, in den Champs Elysee, im Faubourg St. ho- nore, auf dem Boulevard St. Michel, in der Avenue Clichy, in der Avenue St. Ouen und im Poissy-Viertel. Einige Straßenbahnlinien haben den Betrieb e i n ft e H e n müssen. Das Personal der Straßenbahn nach Nogent und der Straßenbahn Paris-Ost ist heute abend in den Ausstand getreten. Um 9 Uhr abends versagte das elektrische Licht tm Theater Clugny und im Odeon-Theater. Die Untergrundbahn hielt heute abend den Betrieb noch aufrecht. Schlimme Folgen Paris, 13. Okt. Die durch den Eisenbahn-Ausstand verursachte Unordnung hat bereits mehrereschwereUn- glücksfällezurFolge gehabt. Drei Eiseubahnarbeiler, die in der Nähe von Rennes mit dem Ausbessern eines Gleises beschäftigt waren, wurden von einem Expreßzug erfaßt und zermalmt. Ein Soldat, der den Eingang eines Tunnels bei Rouen zu überwachen hatte, wurde von einem Zuge erfaßt und tödlich verwundet. Energische Maßnahmen der Regierung. Paris, 14. Okt. Der Ministerpräsident, der Justizminister und der Staatsanwalt hatten gestern nachmittag eine Besprechung wegen der Maßregeln, die zu ergreifen sind, um die ftrcnge und unverzügliche Bestrafung aller 23er* gehen herbeizuführen, die aus Anlaß des Ausstandes begangen Zur Geschichte des voktortitels. Des Kaisers feierlich eDoktorpromotion, de einen der Höhepunkte der Jubiläurnsfeste der Berliner lniversität bildete, stellt die Bedeutung dieser akademischen Mrde, der höchsten, die die Universität verleihen kann, n ein Helles Licht. Freilich hat der Doktortitel im Laufe 'er Jahrhunderte manches von dem Glanz ,unb der Hoheit ingebüßt, die früher seinen Träger umstrahlten. Heute oird man nur noch dem Ehrendoktor das Merkmal >er besonderen Auszeichnung zu schreib en dürfen, das in >en Anfängen der Universitätsgefchichte jedem zum Doktor ßcontooierten anhaftete. Wir begegnen dem Doktortitel unächst int Mittelalter als schmückendem Beiwort her- wrraaender Lehrer, vor allem der Kirchenväter. Das Wort, ms gleichbedeutend ist mit dem biblischen Ehrennamen der Zchristgelehrten „Rabbi", erscheint als das schmückende 8ein?ort der großen christlichen Lehrer; Thomas von Aquino st der Docbor angelieus oder universalis, Bonaventura der öoetor seraphicus, Roger Baeo der Doetor mirabilis usw. Die ersten Hochschulen zu Bologna und Paris, die man als )ie „Wiege unserer Universitäten" bezeichnet hat, nahmen chon im 12. Jahrhundert diesen höchsten Ruhmestitel christ- lch. 2Dissenschaft auch für sich in Anspruch. Der Doktor von Bologna war die bedeutendste Würde, die diese Universität verlieh, hatte aber mit wissenschaftlicher Tüchtigkeit und «urückgelegtem Studium wenig zu tun; so verlangten z.'B. >ie mächttgsten Bürger der Stadt, daß ihnen von der Doktoren ko rporation dieser Rang verliehen würde. Wichttger, und auch für die deutschen Universitäten naßgebend, war die Ausgestaltung, die die akademischen 8rabe an der Pariser Universität empfingen. Das Stu- üum war hier durchaus in der Weise der mittelalterlichen Kunsterziehung eingerichtet. Wie das Handwerk den Lehr- ing, Gesellen und schließlich den Meister unterschied, so oar es auch in den einzelnen Fakultäten. Unter diesen Fakultäten war die a r t i st i s ch e, aus der sich dann später )ie philosophische entwickelte, die unterste, in ihr beaann ;eber Lehrling oder Scholar seinen Studiengang. Der Lehr- ina schloß sich an einen Meister oder Magister an, in dessen Hause er zumeist 'lebte, und stieg nach einer zwei- )is fünfiähriben Lehrzeit zum Gesellen oder Baccalar empor. Nach einer weiteren Uebungszeit von zumeist zwei Jahren wurde er Magister und erhielt die Lizenz, das Meisterrecht, fein Handwerk als Lehrer auszuüben. Nun gab es aber außer der untersten, der artistisch Fakultät, noch drei andere gelehrte Zünfte, die medizinische, juristtsche und theologische. Nur ein Magister der untersten Zunft wurde gewöhnlich in diesen höheren Fakultäten als Lebr- ling angenommen. Erst wenn er hier wiederum feine Leyr- und Gesellenzeit zurückgelegt hatte, konnte er den höchsten Meistergrad der Universität erreichen, den des Doktors. Erst als Doktor schied er gänzlich aus der artistischen Zunft aus, hörte zu lernen auf und hatte damit die oberste Würde in der Gelehrtenrepublik der Universitäten erreicht, die in der Freiheit des Lehrens und Unterrichtens ungefähr der eines heuttgen ordentlichen Professors gleichkam, sie aber an sozialem Rang weit übertraf. Ein Doktor war einem Ritter gleich und stand über dem Landadel, obwohl er kein Adelsprädikat besaß. Im faltigen Talar und Barett trat er auf; die Anreden, die ihm gebührten, waren „Maxime reverendus, nobilissimus, expenenttssimus" u. a. m. Der Adligs zog den Doktor seinem ursprünglichen Stande vor; der Mönch durfte nicht mehr mit „Frater" angeredet werden. Die Doktoren waren wie einst die Gelehrten der römischen Kaiserzeit von allen Reallasten und Einquar- tierungen befreit, als Zeugen durften sie nur in ihrem Hause vernommen werden. Von den ftrengen Kleiderordnungen wurden sie nicht betroffen: „es sollen und mögen die Doctores und ihre Weiber auch Kleyder, Gefchmuck, Ketten, gülden Ring und anders ihrem Stand und Frey- heit gemäß tragen". Der Doktor, der bereits auf eine lange Studienzeit zurücksah, war fcfyon ein Mann in gesetzteren Jahren. Er mußte bei seinem Doktoreid ein Alter von mindestens 30 Jahren beschwören, außerdem den Grad an feiner anderen Universität zu wiederholen und bei der Feier seiner Promotton nicht mehr als 3000 Turoneser (8000 Mk.) auszugeben. Diese Promotionen bildeten den Höhepunkt aller gelehrten Feierlichkeiten. Sie dauerte stets mehrere Tage: Im festlichen Zuge wurde der Kandidat von den Doktoren seiner Fakultät nach der Stätte geleitet, wo der feierliche Akt vor fid) gehen sollte. Es war dies fast stets eine Kirche. Au der Spitze des Zuges ritten die Pedelle gravitätisch mit ihren Szeptern- danach wurden prunkende Kleinodien getragen. Beim Klang der Glocken werden. Bttand hatte ferner eine Unterredung mit den Direkt toren der Ostbahn, der Orleansbahn, der Paris^Ll>on-Mittelmeer* Bahn und der Nordbahn. Die Direktoren erklärten, daß dep Dienst auf der Ostbahn, der Orleansbahn und dep Paris-Lyon-Mittelmcerbahn fast normal sei, und daß die Störungen auf der Nordbahn weniger zahlreiche seien. Neue Züge seien wieder eingestellt Die Direktoren en klärten ferner, sie seien bereit, wegen der Forderungen des Per-, sonals durch Vermittelung Briands zu unterbanbeÜL — Dem Vernehmen nach wurde gegen P a t a u b, den früheren! Sekretär des Syndikates der Elektriker, ein Haftbefehl en lassen. Im Laufe des Nachmittags wurden die Telephon drahte, die das Ministerium des Innern mit der Polizeidirektion ven binden, durchschnitten. — Die Redakteure der Ztt* tung „la Guerre sociale", Amlereyda und Merle, wurden nach einer in den Geschäftsräumen des genannten Blattes vorgenome menen Haussuchung verhaftet. Ferner wurden zwei 'Eisenbahnarbeiter wegen Belästigung Arbeitsivilliger verhaftet. Eine, große Anzahl weiterer Haftbefehle wurde erlassen. Gestern abend hatte der Ministerpräsident eine Unterredung mit dem Kriegsminifter und mit dem Militärgouvemeur von Paris. Die Garnison von Paris wurde durch Kavallerie und Infanterie beträchtlich verstärke In die elektrischen Stationen, in denen das Personal streikt, wurden Pioniere gesandt, ebenso in die Druckluftanstalt, wv das Personal im Ausstande ist. Die Maschinen dieser Anstalt sind durch Sabotage für 48 Stunden außer Betrieb. Der 29ctrieb auf der St recte Paris-Brüssel wurde heute abend wieder ausgenommen. In allen Theatern, außer im Theater Cluny, wo das elektrische Licht versagte, wurde; gestern abend gespielt; man behalf sich mit Lampen, Kerzen und berg!. Line Festtafel beim ttaiserpaar. Berlin, 13. Oft. Der Kaiser und die Kaiserin trafen im Laufe des Nachmittags vom Neuen Palms hier ein. Um 7 Uhr begann im Weißen Saale große Tafel aus Anlaß der Universitäts-Jubelfeier. Die Fürstlichkeiten nahmen zur Seite der Majestäten an der Tafel Platz, den Majestäten gegenüber der Reichskanzler. Ferner nahmen teil zahlreiche hohe Militärs, Hoscharaen,- Staatssekretär von Kiderlen-Wachter, der Kultusminister, die Professoren der Universität sowie die zur Jubelfeier! der Universität hier eingetroffenen namhaften deutschen und ftemden Gelehrten in ihren Amtstrachten und die Mitglieder des studentischen Ausschusses- welche in vollem Wichs erschienen wirren. Löährend der Tafel tränt der Kaiser mehreren ihm nahesitzenden Persönlichkeiten zu, so dem Prinzen Rupprecht von Bayern, dem Reichskanzler und dem Rektor Professor Dr. Emch Schmidt. Nach der Tafel hielten die Majestäten in der Bildergalerie Cercle, wobei sie viele der deutschen und fremden Gelehrten ins Gespräch zogen. Brüssel, 13. £)tt Wie verlautet, ist nachstehendes Pro* gramm für den Besuch des deutschen Kaisers festgesetzt: Ankunft am 25. Oktober 3 Ubr nachmittags auf dem Nordbahnhof. Abends Galadiner nach dem Empfang des diplomatischen Korps, am 26. Oktober Besuch der Ausstellung für alte Kunst, sowie des Rathauses. Abends Diner bei der Gräfin von Flandern, anschließend Galaoper. Am 27. Oktober Besuch des Parkes Laeken, nachmittags Empfang der deutschen Kolonie. Hierauf Diner in der deutschen Gesandtschaft. Hiernach Abreise nach Berlin. erfolgte die Verleihung der Insignien: Doktorhut, Ring, geschlossenes und aufgeschlagenes 28uch, Kuß und Segen. Disputationen schlossen sich an, bei denen gegen den Doktoranden seine Partner, die „Kampfhähne", auf traten. Hell schmetterten die Fanfaren am Schluß. Die Doktvrdiplome, die sich stattliche und lang als wahre Micher präsentierten, flössen über von dem Ruhm des neuen Meisters der Wissew- schaft; das älteste, auf uns gekommene deutsche Doktor d i p l 0 m ist am 12. Juni 1359 in Prag ausgefertigt, stammt also gleich aus der ersten Zett der de?ttschen Hochschulen. Der letzte, aber durchaus nicht unwichtigste Tell der Promotton war der Doktorschmaus, bei dem die gelehrten Herren Erstaunliches im Essen und Trinken leisteten. Hatten schon bei den Prüfungen die Examinatoren Wein und Konfekt erhalten, bei der Promotion die anwesenden Magister allerlei Geschenke, ein paar Handschuhe, einige Ellen Tuch oder Geld bekommen, so tafelte man nun nach Herzenslust. Die Gelage und Umzüge, die Dtusik und Geschenke verschlangen viele hundert Dukaten. Allmählich aber verblaßte der Ruhm des Doktors und mit chm der Glanz der Promottonen. Wehmütig erzählt Luther aus seiner Studentenzett, welch „sehr groß Gepräng und Wesen" man dabei hielt. „Da rett man in der Stadt urnbher, dazu man sich sonderlich kleidete und schmückte; welches Alles dahin ist und gefallen. Wer ich wollte, daß man's noch hielte". Bei der Vereinfachung der Grade blieb der Doktor- titel als einzige akademische Würde übrig; aus der Disputation über die gedruckten Thesen entwickelte sich die Dissertation, und unsere Formen des Doktorierens wurden üblich. e In bem Ehrendipl om für den Kaiser, das wir gestern veröffentlichten, muß es in dem lateinischen Text selbstverständlich heißen: doctorem creo, creatnm renuncio, renuntiatum proclamo. — Eine neue literarische Gesellschaft ist in Berlin von Paul Cassirer, Wilhelm Herzog, Heinttch Mann und Thomas Mann, Julius Meier-Gräfes F-rank Wedekind und Karl und Robert Walser ins Leben gerufen worden. In einem Aufruf, den die neue Vereiniquna erläüt stellt sie sich die Aufgabe, Werke von Dichtem des In- und Ülus- landcs auf die Bühne zu bringen, deren Stücke selten oder nch uic Jituuigiu I lang kommt. Darmstadt, 13. Ott. Zur Verwaltungsgeseh- revision. Nachdem Abg. Dr. Gl äs sing bereits vor mehreren Wochen als Äusschugberichterstatter seinen Bericht über den Gesetzentwurf, betr. die Städteordnung fertiggestellt hat, ist heute in der Zweiten Kammer von den beiden Berichterstattern, Abgg. Stöpler unb Uebel, auch der ziemlich umfangreiche Bericht über die Ausschußberatung inbetreff der Land gemein d e o r d n u n g zum .Abschluß gebracht worden. Der Son- der ausschuß für die Revision der Berwaltungsgesetze wird nun! in der zweiten Hälfte des Oktober noch zu einer Schlußberatung zusammentreten und die druckfertigen .Berichte genehmigen, so daß alsdann das Kammerplenum im nächsten Monat mit Muße die beiden wichtigen Gesetzentwürfe durchberaten kann. Lotttifche Lagerscharr. Die Gewerkschaften und der sozialdemokratische Parteitag. lieber den letzten sozialdemokratischen Parteitag bringt das Korrespondenzblatt der Gewerkschaften einen bemerkenswerten Artikel, in dem das Vorgehen der Radikalen scharf mißbilligt uni) die Ansicht ausgesprochen w-ird, daß dadurch die Gefahr einer Spaltung herbeigeführt worden sei. Es heißt darin wörtlich: Wir wollen durchaus nicht bestreiten, daß durch den unglückseligen Nürnberger Beschluß die Bugetverweigerung zu einer! Frage der Disziplin gemacht worden ist. Eben deshalb erschien: uns schon damals dieser Beschluß so gefährlich. Aber so hoch wir auch die Disziplin achten, die auch wir von jedem, ob hoch, ob niedrig, verlangen, — höher steht uns doch die Selbsterhaltung der Partei, die Einheit der Partei, die durch die blinde Durchsetzung eines nicht für alle Verhältnisse passenden Beschlusses in Stücke zu gehen droht. Auch die Gewerkschaften haben schon der Disziplin Konzessionen machen müssen, wenn die Verhältnisse andere und stärkere wurden, als vorauszusetzen war. Deplaziert ist auch der Vergleich der Budgetbe- willigungsfrage mit der Episode der Lokalorganisierten. Die Lokalorganisierten wollten nichts von einheitlicher Organisation wissen, I sie verhinderten das Zustandekommen einer Einigung der Arbeiter. Deshalb verlangten die Gewerkschaften, daß sie außerhalb der modernen Arbeiterbewegung gestellt würden. Die barschen Genossen stehen durchaus auf dem Boden der Parteieinheit; sic verlangen nur etwas mehr Aktionsfreiheft auf dem Gebiete der Landesgesetzgcbung. In diesen Dingen schadet sicherlich ein üb er-l triebener Zentralismus der Partei weit mehr als den Gewerkschaften, obwohl die letzteren auch der Aktionsfreiheit der einzelnen Gaue schon recht weftgehende Konzessionen gemacht Haden. In den Gewerkschaften ist man gewöhnt, alle diese Dinge wein nach taktischen Gesichtspunkten zu behandeln.! Das schließt Konflikte wie diejenigen, von denen die Partei seit einem Jahrzehnt durchwühlt wird, glücklicherweise aus. Auch die Partei wird zu einer Behandlung der politischer Fragen gelangen müssen, die mehr den Tatsachen in den einzelnen Gebieten als den Ansichten der einen oder anderen Richtung Rechnung trägt. Sie wird durch die unausbleiblichen schädlichen Folgen ihrer gegenwärtigen Haltung dazu gedrängt werden. Zu wünschen bleibt allerdings, daß diese Einsicht bald Platz greift, ehe die Partei darüber in die Brüche ge-1 gangen ist. Deutsches Ucicb. Das Dolffsche Bureau meldet: Von den wegen des Aus- l.$rci*unßCrt in Mo abit der Staatsanwaltschaft vorae- 7 7 Personen gehören 40 den sozialdemokra- 'l*'chen Gewerkschaften und von diesen wieder 26 sozialdemokratischen Wahlvereinen: an; acht Verhaftete gehören zu den Streikenden der Firma Kupfer & Co. und auch die Verletzten sind zum großen Teil politisch und gewerkschaftlich organisiert. In Stuttgart fand am Donnerstag abend aus Anlaß oer .Tagung des Deutschen Schu l s ch i f f v e r e i n s im Königlichen Hoftheater eine Festvorstellung statt, der der König m Begleitung des Großherzogs von Oldenburg beiwohnte. Im Anschluß daran veranstaltete die Stadt einen Begrüßungs- a b e n d, M dem auch der Großhcrzog von Oldenburg erschien. Wäh- rend des Mahles brachte Gemeinderat Dr. Rettich ein Hoch au: den Deutschen Schulschiffverein und seinen Vorsitzenden, des Groß- Herzogs von Oldenburg, aus. Der Großherzog erwiderte mit einem Hoch aus die Stadt Stuttgart. Deutsche Kolonien* K a p st a d t, 12. Okt. Ein aus Lüderitzbucht eingetroffener Reisender erzählt, in Wilhelmsthal seien Unruhen entstanden, die damit begonnen hätten, daß 250 bis 300 bei dem Eisenbahnbau beschastigte Kaffern das Hotel angriffen, in dem ihnen Getränke verweigert seien. Sie warfen die Fenster ein und wollten das Hotel stürmen, als ein Dutzend Soldaten auf fte mehrere Salven abgab, wodurch 12 Kaffern getötet wurden. Die übrigen entflohen. o r/* bic Stelle des ForstwartS der ^orstwartei Lorsch, Oberförsterei Lorsch. _ Hessischer Staatsbau be a m tenoerein. Am L-amStag findet zu Frankfurt der ordentliche VerbandS- tag dec höheren hessischen Staatsbaubeamten stau aus dem als wichtigster Punkt der Tagesordnung auch die jieuorQani|Qiio» des hessischen Bailwesens zur Verhandlung fmnmt' ' " Die Verkehrs.Einnahmen auS dem Per- sonen. und Güter-Verkehr betragen nach vorläufiger Feststellung für die EisenbahndicektionSbezirke Fraukfurt a. M. und Mainz: tm August 12 684 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 418 000 Mk. = 3,41 Proz., in der Zeit von, Beginn des Rechnungsjahres 59 116 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 3 038 000 Mk. = 5,42 Proz.; für die Preußisch-Hessische Eisenbahngeineinschaft: im Monat August 1910 177 587 000 Mk. oder gegen das Vorjahr mehr 115 235 000 Mk. = 9,38 Proz., in der Zeit vom Beginn des Rechnungsjahres 850 483 000 Mk. oder gegen das Vor- jahr mehr 52 920 000 Mk. = 6,64 Proz. " Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den evang. Pfarrer Kirchenrat Wilh. Zentgraf zu Eberstadt auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste und unter Verleihung der Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- | mutigen in den Ruhestand versetzt und den evang. Pfarrer Izu Bedenkirchen Lio. theol. Gaul zum Oberlehrer an deni 2ehrersenrinar zu Beiisheim ernannt. I eeu Lehrerpersonalien, llebertragen wurde dem Lehrer Ioh. Hch. Schwarz zu Rieder-Modau eine Lehrer- Uelle an der Gemeindeschule zu Egelsbach. — Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichenbach. **In Oberhessen approbierten 1908—09 als ^rzte Franz Allendorf von Schotten, Karl Dickorß von Lollar, Hch. Luft von Steinbach, HanS Ohnacker von Butzbach, Karl Staudinger von Vilbel und Emil Voltz ! von Langenbergheim; als Zahnarzt Ludwig Möller von Lauterbach; als Veterinärärzte Herrn. Buttron von Hungen, Wilhelm Hohmannn von Friedberg und Karl Ohly von Gießen; als Apotheker Otto Rosenberg von Gießen und Reinhold Welcker von Allendorf a. d. Lumda. „** Neue katholische Kicchengem einden. Der Großherzog hat die Erhebiing des dermaligen Seelsorgebezirks e fs^^nkirche zu Offenbach zu einer selbständigen katholischen Kirchengemeinde, und die Errichtung einer selbstständigen katholischen Kirchengemeinde Nieder-Wöllstadt genehmigt. gespielt werden. Die neue Vereinigung nennt sich „Theater- gesellschaft Pan". ' ~ ® i n e~ nr a g n e t i j # e Aufnahme quer durch dlfrrka von S. nach N. von der Kapstadt bis Kairo, ist glücklich zu Ende geführt worden, hauptsächlich auf Kosten der - Earncgw-^nstttution ui Washington und mit Unterstützung der Royal oocietb tu London und von mehreren Privatpersonen- die Regierung der Kapkolonie und von Deutsch-Südwestafrika sowie die meisten Eisenbahngesellschaften in Süd- und Dftafrih ini Sudan und in Aegypten unterstützten das Unternehmen durch Gewährung, freier Fahrt. Nach dem „Geogr. Anzeiger" schloß ftch die Aufnahme unmittelbar an die magnetische Aufnahme von! Brttlsch-^udafrfta nördlich von Sambesi an, die Pros. I C Beattie in den Jahren 1898—1906 aus geführt hatte. Von ihm ging auch der Plan zur Ausdehnung des Werkes quer durch! Afrika aus; er übernahm selbst die Leitung, während Prof. Jos jj£ 0 5J < i © n» der schon in hervorragender Weise an der Ausnahme von Südafrika mitgewirkt hatte, sich wieder deteftigte. / l'W aldmann, der Dichter-Komponist zahlreicher wieder im Volkston, ist am 30. Juni d. I. 70 Jahre alt geworden. Von seinen bekanntesten Schöpfungen erwähnen wir! nur: „Tenn so wie du, so lieblich und so schön", „Die alten Götschen tranken ja auch", „Wer weiß, ob wir uns wiederseh'n?", I „Fischerin du kleine", „Tas goldne Mainz am Rhein". Nicht minder populär ist neuerdings seine Vertonung der Paul Heyse- !, en Dichtung ,,©ei gegrüßt, du mein schönes Sorrent" geworden. Um dem anspruck)sloien Künsller, der in seinem hohen Alter noch immer den schweren Kampf ums Dasein für sich und seine zahl- reche Familie kämpfen muß, haben sich eine Anzahl seiner Freunde zuiammengetan, um eine Jubiläumsspende für ihn aufzubringen. Lcittage smd an das Bankhaus Mendelssohn u. Eo., Berlin W 56 ;u richten. - Kurze Nachrichten aus Kunstu. Wissenschaft, wer Kunstaus schuß für das Bismarck-National- en km al ber Bingerbrück teilt bezüglich des Wettbewerbs mit, baß der Ablieferungstermin für die T e n k m a l s - E n t- würfe auf den 30. November festgesetzt sei. Alle anders lauteii- : en Meldungen beruhten aus eurer Verwechselung mit dem Plakat- ^^bewerb. - Ter Aefteste der Breslauer medizinischen '^aku-tat, Professor der Ehirurgre, Geh. Med.-Rat Tr. .^erniaiin- - i'cher begeht am 14. d. M. seinen 80. Givurtstag. — In SiLV B b£5 Bakteriologe und Physiologe, Pro- sessor >zosef Forster, un Alter von 66 Jahren gestorben. Aus Hessen. Die Lage der hessischen Bftuaspi ran t e n. Wir erhalten eine Zuschrift, der wir folgende Stellen entnehmen : Wie verlautet, beabsichtigen die kn diesem Jahre entlassenen B a u a s p i r a n t e n gegen den hessischen Staat eine gemeinsame Entschädigungsklage anzustrengen. Die Beamten, die in ihren besten Jahren für einen spärlichen Gehalt dem Staate gedient und zu Gunsten der Staatsstellung jede andere Lebensstellung ausgeschlagen haben, sehen sich nun nach 5—8jähriger Dienstzeit — npch in den dreißiger Lebensjahren — unverschuldet vor ein Nichts gestellt. Man hat mit der Andryhung der Streich ! ung von der Ancieimitätsliste die Leute gewissermaßeii zum Ein- trftt in den Staatsdienst gezivungen, sie hier für ein geringes Entgelt ausgenutzt und schickt sie nun — gleich dem Mohr, der seine Sckmldigkeit getan — auf die Straße. War nicht durch die Annahme als Staatsdienswnwärter die Beamteneigenschast und hierdurch nach dem Gesetz der „Vertrag auf guten Glauben" gegeben? Wer konunt fttzt für die entgangene Invalidenversicherung auf? Und wer entschädigt die Betreffenden für den eingetretenen Vermögensverlust? Von jedem Einzelnen dürfte der Nachweis leicht zu erbringen sein, daß der Ausfall an Gehalt während seiner staatlichen Verwendung ganz bedeutend ist. Tie Erbitterung in den Greifen der Baubeamten ist groß, umsomehr, als die Eiftlassungen nicht etwa aus Mangel an Arbeit, sondern durch die Erschöpfung des „allgemeinen Diälenfonds"^ ans welchem bekanntlich alle nicht drekretmäßig angestellten Beamten der Bauabteilung bezahll werden, erfolgt sind. Warum bestehl bei den Baubeamlen nicht die gleiche Einrichtung wie bei den übrigen Beamten, das Hftfspersonal, wie dort, aus dem laufenden Budget zu bezahlen? Hierdurch erklärt sich auch die Entlassung von nur Bauaspiranten, wäl-rend in allen anderen Ressorts eine solche harte Maßnahme nicht eingetreten ist und! auch niemals eftttreten wird. ** Ein neuer moderner Laden ist durch den Umbau des Stammschen Hauses Ecke Marktplatz und Schul. Itraße entstanden. Der Umbau wurde nach Plänen des Architekten Meyer von hiesigen Geschäftsleuten ausgefuhrt, die damit eine recht hübsche Probe ihres Könnens gegeben haben Der große Helle Verkaufsraum ist mit seinen geräumigen Schaufenstern in moderner Eisenkonstruktiön ausgefuhrt unt gibt in seiner einfachen vornehmen Ausstattung ein red hübsches Bild ab. Mit dem Umbau des Hauses wurde and- eine wesentliche Verkehrsverbesserung erzielt. Dank des Enl» gegenkommens des Herrn Stamm wurde die Ecke abgerundet und damit der Bürgersteig an der sehr belebten Ecke so verbreitert, daß keinerlei Verkehrsstockungen mehr zu be, fürchten sind. efßränf ung beratet ö er felir Smit $ ranf- Terd). Wegen Unterbrechung der regelmäßigen Eisenbahnverbin- düngen infolge des Streikes der Angestellten der ftanzösischen Nordbahn ist der gesamte Postpaket- und Poftfrachi uua-Verkehr von unb nach den im Bereich dieser Eisenbahii gelegenen Statwnen am 11. Okt. eingestellt worden Pakete nach diesen Stationen einschließlich der nördlichen Swo' teile und Vororte von Pans werden daher von den Postanstaltm ? 6- kf-5lT cn angenommen. Die bereits untertoeqj befindlichen Pakete werden an die Absender zurückae- leitet. ** Von der Straßenbahn. Mit dem 15. Oktober treten ctHtge u nn? e f e n t Htfc c Aenderungen im Fahrplan ein. ®ie Frühwagen fallen au? bnben hinten aus. Tie ersten Wagen fahren an Werktagen & /^...^arftptaB zum Schützenhaus bezw. Wieseckci- Schutzenli-rus zum Bahnhof, 6.23 ab Wiesecker-Weg durchgehende 15 Mimiten-Betrieb zum Neuen Fnedhof fft auf nachmittags von 2—5 Uhr beschränkt, ebenm Sonntagen der 7i/2 Minutenverkehr zuin Schützenhaus atf r1ra£^lltt“90 ■ ^0" 2—6 Uhr. xer sonstige Verkehr der Wagen bleibt lote un Sommerfahrplan. Bei besonderen Gelegenheiten vorheriger Bekanntgabe ist bei genügender Beteiligung die bereit, Sonderwagen verkehren zu lassen. Mn« b * b e a t e r. Tie beiden Vorstellungen des Sonn' ÄJHeinen Prerfen statt. Hermann Bahrs reizende» Lustspiel „Das Konzert , das am Ende der Dergangemm Spielzeit so außerordentlichen Erfolg errang und das am kommenden Sonntag zum letzten Male gegeben wird, dürste bai gegenwärtig meistgegebene Werk auf deutschen Bühnen sein unt wird hier in einer anerkannt vorzüglichen Besetzung gegeben - Sonntagabenboorftellung bringt im „Kaufmann »o» 9 s bas allem schon duÄ seine Ausstattu^ eine Sehenswürdigkeit bildet. ** Maßnahmen gegen die Maul- und uenseuche. Die hessischen Kreisamter und Kreft- veterinaramter wirrden vom Ministerium des Innern unter Hinweis aus das Auftreten der Maul- und Klauenseuch Nachbarschaft der Landesgrenze darauf aufmerksam ^r Anordnung und Ausführung der verschärften Desinfektion der Eisenbahn. Viehwagen in gefährdeten Bezirken Sorge zu tragen l ?te und Klauens e uche ist aus> rochen rn. Hemmen, Kreis Westhavelland, 3tc- ä^-^^bezirk Potsdam; Rosen und Kochelsdors, Krett> KTeuzburg, Regierungsbezirk Oppeln; Walters- am 11 Okwber^^ Regierungsbezirk Frankfurt a. £, Dr: Bewegung der Werftarbeiter. r, ° mb u r g , 13. Okt. In den heutigen Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern gaben beide Parteien ihren guten Willen zu einer baldigen Lösung des Greftes zu erkennen und sind üi den hauptsächlichsten Punkten einig. Es ist demnach zu hoffen, daß die Verhandlungen bis zum Sonnabend nrit gutem Ersolge abgeschlossen sind. M A^emen, 13. Okt. Tie Verhandlungen zwischen den Werftarbeitern emersefts und der Norddeutschen Armaturenfabrik und der Aktiengesellschaft Weser anderersefts füllten zur Beilegung aller Differenzpunkte. Die Arbeit der Armaturenfablik wird nwrgen wieder ausgenommen. Die Aktiengesellschaft fordert morgen durch Anschlag die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit aus. Aus Stadt und Land. Gießen, 14. Oktober 1910. Ausland. . Pest fand infolge politischer Angriffe zwischen dem srnheren Abgeordneten Barnabas B u z a und dem Obergespan ^s Zemplener Komitats ein Säbelduell unter schweren Bedingungen statt. Bei dem dritten Gange erhielt der erste eme tiefe Stirnwunde und wurde kampfunfähig. Aus Madrid wird gemeldet: Am heutigen Jahrestage des Todes Ferrers wurden zahlreiche Versammlungen veranstaltet. Der Gouverneur von Barcelona genehmigte jedoch die meisten dort geplanten Versammlungen nicht und verbot alle Massenkundgebungen in der Nähe des Grabes Ferrers. Nach amtlickfen Mitteilungen wurde bis abends in ganz Spanien die Ruhe nirgends gestört. Aus Peking meldet das Reuter-Bureau: 500 Mann Grenztruppen meuterten und besetzten mit Parteigängern des Lama Tschungtien im nordwestlichen Teile der Provinzen 2)unnan. Truppen zum Entsa tzder Stadt sind abgesendet; man erwartet feinen ernsten Widerstand. Nus Buenos-Aires wird gemeldet: Der neue Präsi- bent ber Republik Argentinien Saenz Pena und der Vizepräsident de La Plata nahmen heute in feierlicher Weise bon ihren Aemtem Besitz und leisteten in der gemeinsamen Sitzung der Kammer und des Senats den Eid. Der Präsident verlas alsdann eine Botschaft, in der er erklärte, die interna» twnale Politik der neuen Regierung würde eine Politik der Freundschaft für Europa und der Brüderlichkeit für Amerika fein. Der Präsident kündigte an, daß er Aenderungen im Wahlgesetz Vorschläge, das Los der Arbeiter verbessern unb den Preis ber notwendigsten Lebensrnittel herabzusetzen suchen werde; er sei ein Anhänger der progressiven Erbschaftssteuer. ** Der Hilfsverein für Geisteskranke der. sendet gegenwärtig seinen Jahresbericht für 1909/10. Der so segensreich wirkende Verein wurde von dem in biefetn Frühfahr gestorbenen Geh. Medi-inalrat Ludwig gegründet und der Verein erfüllt nur eine Ehrenpflicht, wenn er seinem Jahresbericht an erster Stelle Georg Ludwige gedenkt, dessen vorbildliches Wirken für die hessische Irren, pflege allezeit ein Ruhmesblatt in der Geschichte Hessens bilden wird. Ter Verein hatte 42075.72 Mk. Einnahmen darunter 4042.25 Mk. von 216 öffentlichen Kassen unb 22 934.87 Mk. von 70 512 privaten Gebern. Oberhessen hm dazu aus 70 öffentlichen Kassen 829.90 Mk. Beiträge und von 30 256 privaten Gebern 7707.49 Mk. Beiträge. U, Zahl der Geber übertrifft Oberhessen die beiden anderen Provinzen wesentlich. Von den 42075.72 Mk. Ausgaben entfielen 28 440.91 Mk. auf die Unterstützung Hilfsbedürs tiger. Das Vermögen des Vereins betrug 79 053.66 Mk es nahm um ntnb 1200 Mk. zu. 3?* ** EinBismarckdenkmalinOberhessen. $C1 dem am Fuß des Vogelsberges gelegenen altheffischen Städl- chen Nidda hat auf dem westlich das Niddatal begleitenden Höhenzug die Bürgerschaft zum ehrenden Gedächtnis an den Altreichskanzler, Fürsten Otto von Bismarck, in patriotisch, dankerfüllter Gesinnung ein eigenartiges, ganz aus Natur steinen ohne weitere Bearbertung bestehendes Denkmal errichtet. Es ist in seinen Formen von den vielen Denk- mälern, die zu Ehren des eisernen Kanzlers in Deutscher' Landen sich erheben, insofern abweichend und beachtenswert^ als architektonische Formen hierbei gänzlich gemieden und das Ganze nur aus den Materialien (Basaltiindlinge Blöcke von Basaltlavatuff), die der Boden, auf dem es steht hergab, zusammengruppiert ist. Wie die Gesamtanlage aip urwüchsigem Material, so ist auch der Aufbau in urwüchsigen Formen gehalten. Zum ungeschmälerten Genuß der nach allen Richtungen sich bietenden redenden Aussicht sind zwc' Plattformen mit Treppen angegliedert. Auch der gürt' nerische Schmuck ist auf solches P,lanzenmaterial beschran!> das auf dem Basalthügel gedeiht. (Die im Schaukasten unserer Geschäftsstelle ausgestellte photographische Aus- nähme zergt die Vorderansicht des Denkmals von der Stadt aus, dessen Entwurf und Ausführung in den Händen de- Leiters der Niddaer Gewerbeschule, Architekten Höhn lagen.) ? ©rojen.ßinben, 13. Oft. In unserem Städtch-r herrschte auch m diesem Jahre wieder eine recht rege Bau- tatigkeit. Es entstanden 12 neue Wohnhäuser, wahren! ™ hre sogar 13 Neubauten errichtet wurden Die im Sttbaan-S 3“ anbe«n In der Näh- Gießens liegenden Orten fefc k^afte bauliche Entwicklung ist nicht zuletzt der rroed' nmßtgen Bodenpolitik unserer Gemeindeverwaltung zu- zuschreiben. ä ö SÄ ■ S*«. SS ?.cr Maul- und Klauenseuche gespielt ^ud)ter der übrigen Orte sich den Gallusmarkt sozusagen mit Gewalt erzwungen und ihre SBaTC auch gut vertäust haben, sind die hiesigen der s4kx- te? Es^b, zu Hause geblieben, und sitzen nun in der Patlche. Es sind nämlich hier ellva 100 erfttla'siae Ferkel b h Ä*etn S°lden-S Geichäi-SiubU m ™eru. gesellige und das Bereinsleben verdient gemacht. Er ist Mitbegründer des ersten Kaufmännischen Vereins und hervorragender Förderer einer Anzahl Sportvereine, auch der Turrrgemeinde und jetzt deren Ehrenmitglied Er feiert gleic^eitig auch sein 25 jähriges Jubiläum als Narhalla-Präsident, in welcher Eigenschaft er sehr viel zur Hebung und Belebung des Karnevals in Darntstadl beigetragen hat. -d Mainz, 13. Okt. Im Juli hatte sich hier in der Nähe des Hauptbahnhofs in einem Hotel ein angeblicher Ritter v. Ahrenberg einlogiert, der sehr gewandt auftrat. Er behauptete, er reise für ein bedeutendes Londoner Theater, um berühmte Künstlerinnen zu engagieren. Der Herr Ritter zahlte, was er verzehrte. Eines Tages sagte er dem Hotelier, daß er Rheumatismus bekommen habe und fragte, ob er dafür nicht ein Mittel wisse. Der Hotelier empfahl ihm Wiesbaden, v. Ahrenberg wollte aber nach Wildbad gehen. Er habe aber nicht mehr so viel Barmittel und möge ihm der Hotelier 400 Mk. geben, er werde ihm einen Scheck auf eine Londoner Bank ausstellen. Seinen Koffer werde er zurücklassen, bei der Zurückkunft aus Wildbad nehme er ihn mit. Der Hotelier gab dem Schwindler das Geld, die Londoner Bank existierte, aber der Schwindler hatte dort kein Depot. Der Koffer enthielt schmutzige Wäsche. Ten Nachforschungen der Polizei gelang es, den „Ritter v. Ahrenberg" in der Person eines Richard Blumenthal aus Graz zu ermitteln. Er konnte dieser Tage in Wien verhaftet werden. Er wird hierher ausgeliefert. ( ) Marburg, 13. Ort. Am nächsten Sonntag wird die nerrrestaurierte Kirche in Michelbach ernge- weihü Die dort Vorgefundenen romanischen Wandmalereien, welche zu den ältesten in Deutschland gehören, lind durch den Marburger Kirchenmaler Nil. Duuber wieder hergestellt worden. Mein Höhenrekord. Henri Wynmalen, der jüngst den Weltsieg mit über 2700 Metern bei Mourmelou-le-Grand aufstellte, erzählt von seinem „Flug" im Matin: Die Höhe lockte mich an. Seit drei Tagen wartete ich auf den günstigen Augenblick, der aber niemals kam, weil die Militärbehörde jeden Flug vor 5 Uhr abends verboten hatte. Doch Samstag endlich, beim Anbruch des Tages sah ich, daß es schönes Wetter wurde; die Sterne, die entschwanden, der Mond, der verblaßte, schienen mir das Feld zu räumen. Auf den Weg also! Rasch eine Tasse Tee; nicht weniger rasch eine letzte Prüfung des Motorbetriebs durch Farman, und der Apparat wurde hinausgeführt. Die Schraube ist sofort im Gang und ich fahre dem Azur entgegen. Fünfhundert Meter, das ist gewöhnlich. Aber ich komme 1500 Meter hoch und die Erde beginnt sich zu entfernen; die Formen fangen an zu verschwimmen, die Nuancen verlieren sich in einer schönen Farbenskala, die harmonisch von Wolken verschleiert wird und von Nebeln, die im Strahlenspiel der majestätisch aufgehenden Sonne weiß schimmern. Der Biplan richtet sich gerade auf die Sonne zu, als wollte er ihr das Königreich des Raumes entreißen. Er ist tapfer, der Biplan, und er steigt hartnäckig. In drei Viertelstunden hat er mich 2000 Meter emporgetragen. Die Kälte ist so heftig, daß ich in der Vorderzelle Eis sehe. Der Gasentwickler ist bereift, aber der Motor — ach, der ausgezeichnete Motor! — arbeitet, als ob er wüßte was von ihm verlangt wird. Mein Barometer zeigt an, daß ich über 2500 Meter gekommen bin. Die Kälte wird immer größer. Ich spüre das Blut, das unter den Fingernägeln in warm gefütterten Handschuhen zurückrollt und auf meinen Lippen erscheinen rote Perlen. Ich fühle die leichte Wärme auf meinem erstarrten Mund. Sehr kalt ist mir, aber ich bin so zufrieden! Es ist ein so wunderbares Schauspiel, eine so außerordentliche und herrliche Sensation! Ich bin ganz allein da oben, mehrere Hundert Meter über den Wolken. Ich fliege hierhin, dorthin. . ., wohin ich will. Noch einmal blicke ich auf das Barometer: 2700 Meter! Der Rekord ist geschlagen! Ich will noch höher hinauf, ich will meinen Traum noch mehr ausleben ... Da! — der Motor steht plötzlich still. Also kommt der Abstieg im Gleitflug. Dreizehn Minuten ohne Motor. Und wie der Biplan glitt! Er stieg majestätisch ab; dann, wie ein Vogel, Ließ er sich sanft auf dem Flugfelde triebet. Es war aus: ich war ein Weltrekordmann. Doch welch ein Genuß war es auch, mir die Handschuhe ausziehen zu lassen, zu fühlen, wie man mein Schuhwerk durch warme Pantoffeln ersetzte, mich in eine Decke einzuwickeln, eini Tasse glühenden Tee zu trinken . . .! „Prächtig meneer!" Mein Mechaniker ruft es, Holländer so wie ich; er kommt mich beglückwünschen. Etwas von meinem Vaterlande fehlt nicht in meiner Freude. vermischtes. * Dynamitanschlag auf einen Eisenbahnzug. Aus Beuthen Öberschlesien wird unterm 13. Oktober amtlich gemeldet: Gestern aberrd 8 Uhr 57 Min. erfolgte in Kilometer 81,150 der Strecke Beuthen-Oberschlesien-Cherzow unweit der Blockstelle Reßberg unter der Lokomotive des Eilzuges 32 rechtsseitig der äußeren Schiene mit weit vernehmbarem heftigen Knall eine Explosion. Die Fensterscheiben des Führerstandes der Lokomotive, sowie der folgende Packwagen wurden an der rechten Seite durch heranfliegenden Steinschlag und die Gleisbettung gleichzeitig zertrümmert. Der Lokomotivführer wurde durch Glassplitter am Kopfe unerheblich verletzt, sonstige Verletzungen der Reisenden und des Zugpersonals, sowie Beschädigungen am Zuge sind nicht entstanden. Da das Gleis noch betriebsfähig befunden wurde, fuhr der Eilzug, der vom Führer sofort wieder zum Halten gebracht wor den war, nach etwa 2 Minuten weiter. Die auf die Meldung des Blockwärters der Blockstelle Roßberg sowie des Lokomotivführers vom Eilzuge seitens der Eisenbahn sofort angestellte weitere Untersuchung ergab unzweifelhaft, daß ein Attentat auf den Erlzug mit einer Dynamitpatrone beabsichtigt war. * Wildtauben und Feldhühner! Es ist noch tzar nicht so lange her, daß unsere heimischen Wildtauben: Ringel-, Hol^-, Felsen- und Turteltaube, clls für die Landwirtschaft schädlich charakterisiert tour bett Es ist Ktoeifelhaft, ob dies ernste Meinung oder nur verdächtigender Vortoand gewesen sei, sich in möglichst ergiebiger Weise ihres schmackhVrahtmelvungen. Der Ausstand in Frankreich. Paris, 14. Okt. .Ans der Provinz werden mehrer^ Fäl.le von Sabotage bekannt. In Maison Al fort wurden 6 Signaldrähte durchschnitten. In 2 der 5 hiesigen elektrischen Stationen wird gestreikt, jnan hofft aber, daß der Betrieb morgen durch Genietruppen wieder ausgenommen werden wird. Der Eisens bahnausstand macht infolge der Energie der Regierung keine Fortschritte. Die radikale Presse ermutigt die Regierung zu weiteren energischen Vorgehen. Gegenwärtig wird in Regierungskreisen die Möglichkeit erwogen, die Streikführer vor den Staatsgerichtshof zu stellen, unter der Anklage, daß sie die Sicherheit des Staates bedrohen. Der Streikausschuß beschloß, durch Maueranschlage gegen die geplante Tariferhöhung Einspruch zu erheben. Man will damtt die öffenlliche Meinung zugunsten der Streikenden beeinflussen. * Bukarest 13. Okt. Der Kriegsminister Crainician» und seine Famllie erlitten einen schweren Automobilunfall. Den Minister brachzwei Rippen und wurde am Kopfe verletzt. Die Verletzungen sind jedoch ungefährlich. Seine Gemahlin erlitt ebenfalls zwei Rippenbrüche, die Tochter einen Armbruch und der Chauffeur einen Beinbruchs Newyork 13. Okt. Der Antiquitäten- und Kunsthändler Benjamin Duveen wurde unter der Beschuldigung verhaftet, in den letzten Jahren Zollhinterziehungen int Betrage von einer Million Dollars begangen zu haben. New York, 13. Okt. Die Kohlenfirma Thomas Natkins stellte die Z ahlungen ein. Die Verbindlichkeiten bex laufen sich auf 1 275 000 Dollars. Der Herbst mit feinen vielen Erfordernissen ist da, und die Hausfrau prüft, was von den vorigjährigen Kleidungsstücken auch letzt wieder gebraucht werden kann. Sie findet dann fo manches Stück, das im Stoff wohl noch ganz gut erhalten ist, dessen Farbe aber zu sehr verblichen ist, und da überlegt sie, auf welche billigste und bequemste Weife sie diese Gegenstände wieder in einen guten, brauchbaren Zustand bringen kann. Hierzu können den Hausfrauen- die beliebten und bekannten „Heitmann's Farben" auf das Wärmste empfohlen werden. 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