Nr. 265 Zweiter Blatt 160. Jahrgang tiWhti tö-Nch mV Vutnaftmc bei Sonntag«. T*t „Otetzeuer FamMeidlLtter" »erben btm ,8lnAeioer* viermal wöchentlich beigelegt, bai „Krelsbiati für bei Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ^Laodwirtschaftltche» Lett- trage»" erjchemen monatlich zweimal. Giehener Anzeiger Eeneral-Anzeiger für Gberhessen 5rettag, y. November (910 -Rotationsdruck unb Verlag der vr üblichen Umversuäi« - Buch- imb 6tetnbructerei. R. Lange, Siegen. Redaktton, Expeditton und Druckerei: Schick- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ^^112. Tell-AbruAnzeigerGteßen, Der Reichrhcmrhall für fyg. Daß der deutsche Reichstag bei seinem Wiederzusammentritt am 22. November den ReichShauShaltSetat für 1911 vorfinden würde, wußte man bereits seit längerer Zeit. ES war dies auch um so notwendiger, als die Dauer der letzten Session deS im Januar 1907 gewählten Reichstages in Rücksicht aus die schon setzt einsetzende Waßlbewequng nur knapp genug bemessen sein kann, und gesetzgeberische Aufgaben, roie die Erledigung deS Arbeitskammergesetzes, des Reichs-Wert» zuwachSsteuer-GeseheS, der SchiffatzrtSabaaben, der Versicher- ungS- und Justizreform, dringend der Lösung bedürfen. Man wird daher annehmen können, daß der Reichstag die erste Lesung deS neuen Reichshaushalts bereits vor den WeihnachtS- fenen abschließt. ' »Gute Finanzen find auch ein Programm^, so soll sich Herr v. Bethmann-Hollweg kürzlich, alS man von ihm ein Programm forderte, im Hinblick auf den neuen RcichshauShalt geäußert haben. Diese Erklärung ist voll und ganz zu unterschreiben in einer fiert, wo wir uni anscheinend in einem politischen UebergangSstadium befinden, das erst durch die Reichstags-Neuwahlen im November 1911 überwunden fein wird. Nur wird man fich klar machen müßen, daß auch der neue NeichShauShaU den Charakter eines UebergangS-HauS- haltS trägt, weil man alle Ausgaben vermieden hat, die nicht geradezu unabweisbar notwendig waren. Diese Verschiebung aber wird eS wohl mit sich bringen, daß die große Rechnung für die jetzigen Versäumnisse dem neuen Reichstag auf- gemacht wird. Sieht man sich den Reichshaushalt für 1911 daraufhin an, so berührt es natürlich angenehm, daß Herr Wermuth mit einer Anleihe in Höhe von 97 755 930 Mark auszukommen gedenkt, und auch die von den Bundesstaaten einzufordernden Matrikularbetträge nicht über 48 512 000 Mark hinanSgehen, also an dem Satze von 80 Pfg. pro Kopf der Bevölkerung festgehalten wird. ES ist auch durchaus anzuerkennen, daß ein etwaiger Ueberschuß m den eigenen Einnahmen deß Reiches, sowie ein da- Soll übersteigender Betrag an Ueberwelsungß- steuern zur Abrundung deS Fehlbetrages auS dem Jahre 1909 verwendet, bie EchuldentilgungSquote von B51/, Millionen Mark auf rund 90 Millionen angewachsen und der Schatz- anweisungSkrebit von 450 auf 376 Millionen M«.k herab» gegangen ist. Das sind an sich erfreuliche Zeichen einer gesundenden Finanzwirtschaft. Aber wenn auch im allgemeinen der neue Haushalt alle Ausgaben vermeidet, für die rechnungsmäßig feine Deckung vorhanden ist, so ist doch diese Deckungsfrage, was die durch das QuinquennatSgesetz veranlaßte Steigerung der ordentlichen HeereSauSgaben (7 903 717 Mark) an betrifft, nur oberflächlich gelöst. Man hat diese Mehrsorderung, sowie bie 6 Millionen, welche die erweiterte Veteranenfürsorge beansprucht, einfach auf die Er- trägniffe der ReichS-WerlzuwachSsleuer abgewälzt, also emeS Gesetzes, das der Reichstag noch gar nicht angenommen hat und dessen Wirkungen sich — sie sind mit 13 Millionen in den Voranschlag aufgenommen — noch gac nicht überblicken laßen. Die persische Krage. London, 10. Nov. Wie das Reillersche Bureau erfährt, stellt sich die gegenwärtige Lage betreffs der persischen Anleihefrage folgendermaßen bar: England und Rußland sind keineswegs, wie von verschiedenen Seiten wieder- holl mllgeteill wurde, bemüht gewesen, Persien zu hindern, für Reformen die erforderlichen Geldmlltel zu. erlangen. Nachdem Persien die englisch-russischen Bedingungen für einen Vorschuß im letzten Frühjahr zurückgewiesen Halle, wurde ihm, um seine Lage zu bessern, zu verstehen gegeben, daß es von England und Rußland 400 000 Pfund ohne politische Bedingungen erhallen tönnte. Das Anerbieten ist noch offen. Persien machte aber von der Gelegenhell bisher keinen Gebrauch, sondern trat mit führenden Londoner Instituten in 53er» handlungen, denen England wohlwollend gegenüber» steht. Wie berichtet wird, sind die Verhandlungen zur Regulierung der Konsolidierung der bei Rußland gemachten Anleihe eröffnet und nehmen aus der Grundlage des vor kurzem zwischen der taiserlich-p erfisch en Bank und bei persischen Regierung geschlossenen Abkommen einen besrie- oigenden Fortgang. Was die politische Lage betrifft, so hat England die persische vtote, worin die wegen der Lage in Südpersien erhobenen Vorstellungen behandell werden, noch nicht er» joidert und nnxb sie wahrscheinlich nicht ernnoern, bevor nicht der Text in London eingebL Mit Bezug auf bie Konzessionen, welche Rußland dem Vernehmen nach als Vorbedingungen für die Abberufung seiner Truppen aus Persien verlangt hat, wird die Ansicht ausrechlerhalten, daß es sich nicht um Konzessionen handele. Bezüglich des M o t o r w a g e n d i e n st e s wird nichts wellereS verlangt, als daß die von Pferden gezogenen Fuhrwerke, die gegenwärtig den Post- und Frachtdienst auf der russischen Straße versehen, durch Automobile ersetzt werden und es hat sich nun eine Frage über bie für Automobile zu entrichtenden Zölle erhoben. Eine andere von Rußland nachgesuchte sogenannte Konzession be|tei)t nur in der Forderung auf Erneuerung des Reujrs auf Mineralien zu schürfen, das Rußland bereits früher einmal zustand, aber in Verfall geraten war.____________________________________________ Die kieichsoerficherungrordllling. :: Berlin, 10. November. Der Reichsversicherungsausschuß begann am Donnerstag nachmittag unter dem Vorsitz des Abg. Schultz (Rp.) nach vier- zehntägiger Pause die zweite Lesung. Man hofft, diese bis Weihnachten erledigen zu tonnen. Im Hinblick au, bie zahlreichen ficitiigen Fragen, von denen eine ganze Reihe von größter Bedeutung hl, will man die Dauer der Sißungvzcilen ablürzen, um Zeit zu Besprechungen innerhalb und zwischen den Frat- twnen zu lassen. Die Beratung beginnt mit dem dritten Buche „Unfallversicherung". Die Regierung überreicht ein Bündel Antröge. § 560, mit dem das Buch beginnt, zählt die Gewerbe und Betriebsgruppen auf, die der Gewerbe-Unfallversicherung unterliegen. In der ersten Lesung hat der Ausschuß diesen Paragraphen nur darin geändert, daß auch der Binnenfischereibetrieb versicherungspflichtig gemacht wird. Vom Zentrum, Nationalliberalen, Fortschrittlern und Sozialdemokraten werden, wie schon in erster Lesung, eine Reihe von Anllägen gestellt werden, die den Kreis bn versicherungspflichtigen Gewerbe und Betriebe erweitern wollen. Dies betrifft in erster Linie die Bühnenbetriebe, dann die Hotels unb Apotheken, bie Schankwirtschaften mit regelmäßig mehr als zehn beschäftigten Personen, die Dienstleistungen zur Rettung aus Fenersgesayr, die offenen Ladengeschäfte auch ohne Lagerei, die kleinen und kleinsten Be- ttiebe der Gerbereien und chemischen Industrie n. a. Gegen alle diese Anlläge wendet sich entschieden Ministerialdirektor Dr. Caspar. Die Erweiterung des Kreises der Unfallversicherung sei sehr bedenklich. Die kleinen und kleinsten Betriebe, und darum handle es sich bei der Mehrzahl der Anträge, seien durch das Umlageverfahren schwer zu fassen, man müßte da schon das Kapitaldeckungsverfahren einführen. Die Versicherung des Theaterpersonals im Rahmen dieses Gesetzes sei nicht gut möglich, well ehe ganze Anzahl der beteiligten — man denke an bie Artisten usw. — als selbständige Gewerbetreibende aufzufassen seien. Auch aus dem Ausschuß heraus wurde die Einbeziehung des Bühnenpersonals in die Unfallversicherung für undurchiühr- bar erklärt und die Lösung dieser Frage dem zu schaffenden Theatergesetze Vorbehalten. Ein Mitglied der Reichspartei empfahl, sich auf eine Entschließung zu beschränken und für das kleine Gewerbe vielleicht territoriale Verbände zu schaffen. Der reichsparteiliche Abaeordnete bringt einen formulierten Antrag, der besondere Vorschriften für territoriale Unfallversicherungsgenossenschaften gibt. Die grundlegenden Bestimmungen gehen dahin, daß diese territorialen Genossenschaften alle der Unfallversicherung unterstehenden Betriebe umfassen, in denen nicht mehr als zehn Arbeiter regelmäßig beschäftigt werden, mit Ausnahme der Bergwerks- und Schiffahrtsbetriebe. Der Bundesrat kann nach Anhörung der beteiligten Berufsgenossenschaften und Betriebsunternehmer beschließen, daß die Vorschrift auch auf gewisse andere Gewerbszweige nicht Anwendung findet; von dieseu Beschlüssen ist dem Reichstage Kenntnis zu geben. Zur Begründung dieser Anträge führte der Antragsteller aus, daß es eine ganze Reihe von Berufsgenossenschaften gebe, z. B. die Fleischer, Schmiede, Kellereien, Schornsteinfeger, die die Zwecke der Berufsgenossenschaften in ihrer Zentralisation gar nicht erfüllen könnten. Die Berufsgenossenschaften in ihrer jetzig en Gestalt seien notwendig für bie Großindustrie. eS sei aber verfehlt, bie Kleinen mit den Großen in einer Genossenschaft zusammenzuwerfen. Die Landwirtschaft hätte sich Derartige Schikanen, wie sie sich aus der Organisation der Berufsgenossenschaften für die Kleinbetriebe notwendig ergeben, nicht lange gefallen lassen. Die ganze ReichsversicherungSordnung, wie sie bie Regierung vorgelegt habe, bringe kaum einen neuen Gedanken, hier fei ein neuer Gedanke, der auf allen Seiten Zustimmung finden könne. Der Antrag joll einem Unterausschuß überwiesen werden. Der Antragsteller ist überzeugt, daß dadurch dem ganzen Gesetz eine ganze Reihe von Freunden gewonnen werde, daß man bie kleineren Gewerbetreibenden von ben Lasten und Schikanen bä Strafen usw. nach Möglichkeü befreie. Ministerialdirektor Caspar glaubt, daß der Antrag G a m p gerade daS Gegenteü von seinem Zwecke, die neinen Gewerbetreibenden besser zu berücksichtigen, erreichen werbe. Die freiwillige Arbeit, bie heute in großem Maße geleistet wird, laste namentlieh auf ben Vertretern der Großbetriebe. Von einem sozialdemokratischen Redner wird der Antrag zwar in der eingebradgen Form abgelehnt, aber seiner Richtung nach sympathisch begrüßt; wenn Die gesamte Unfallversicherung territorial gegliedert werde, würden feine Freunde gern dafür stimmen. Der Antrag wurde einem Unterausschuß überwiesen. Die Abstimmung über den grundlegenden § 560 wurde ausgesetzt. Von konservativer Seite wurde empfohlen, die Binnenfischerei, die zu einem großen Teile ein landwirtschaftliches Neben- gemerbe fei, aus der gewerblichen Unfalloersicherung heraus und in bie landwirtschaftliche zu bringen. Dem wurde von einem Mitgliede der wirtschaftlichen Vereinigung lebhaft widersprochen. Frellag vorrnittckg treten Mitglieder der Fraktionen mit Re» gierungsvertreteru zu einer internen Besprechung zusammen. Der Ausschuß setzt feine Beratung Freitag mittag fort. Aus dem Ltrasprozetzalisschiitz. :: Berlin, 10. Nov. Der Strasprozeßausschuß behandelte beute zunächst den Abschnitt von der Privat klage. Nach den Beschlüssen der ersten Lesung sollten die Fälle der gefährlichen Körperverletzung auf dem Wege der Prwatklage verfolgt werden, sofern nicht im öffentlichen Jntereffe die Staatsanwaltschaft Antlage erhebt. Auf Zentrums» a u t r a g wurde trotz lebhafter Warnung der Regierung die Ver,oiguug der gefährlichen Körperverletzung, auch der Bagatellfälle, ausnahmslos der Staatsanwallsckst überwiesen, also ihr Anklagemvnopol verstärkt. Den Ausschlag gab die Stellungnahme der Sozialdemokraten, die glaubten, im Jnterefje der Wirtsck-njtlich Schwachen die Bn- reaukratie stärken zu müssen. Die bürgerlichen Parteien waren gespalten. Voraus, ichllich tvirb bie Vollversammlung des Reichstags diesen Beschluß rückgängig machen. lieber- raschend war, daß bei § 387 die Regierung spontan für Abänderung ihrer eigenen Vorlage eintrat unb es jetzt verhindern will, daß im Privatllageversahren der Amts» richter auf Antrag des Privatklägers oder des Angeklagten durch Organe des Polizai- und Sicherbeitsdienstes Ermittlungen anstellen kann. Begründet wuroe das mll der Rücksicht auf die Ueberloftung der Polizei; der Ausschuß war aber hierfür nicht zu haben. Der folgende Abschnitt handelt vom schleunigen Verfahren. Die Sozialdemokraten beantragen bie Besertignng dieses ganzen Abschnllts; der Antrag wird abgelehnt. Sowohl dieser Abschnitt a^s auch die folgenden Ädichnllte des vierten Buches: Strafverfügung und Strafbescheid, Verfahren geuen Wehrpflichtige, Einziehung und Vermügens- deschlagnahme werden mit einigen Aeudernngen, die im wes en rächen formeller Art sind, nau) den Beschlus, en der ersten Lesung erledigt. Es steht jetzt nur noch bie Beratung des Buches über bie Vollstreckung und die Kosten ans. Freitag vormillag Weirerberatung. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 10. Nov. Anwesend: Oberbürgermeister Mecum; die Beigeordneten Keller unb Heyllgenstaedt; die Stadtverordneten Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Grünewald, Habenicht, Dr. Haberkorn, Helfrich, Helm, Duhm Fann, Jughardt, Krumm Leib, Löber Loos, Petri, Plank, Dr. Schäfer, Schoffstaedt, Simon Troß, Wallenfels, Wimr Mitteilungen. ^dierm er, d.c wie mitgetdlt wurde, mit m ^hres sein Mandat niedergelegt hat, hat ein Schreiben an die Versammlung gerichtet, daß er seiner beruflichen Tätigkeit wegen beit Sitzungen schon jetzt sembleiben müsse und wünscht der Stadt, die m der letzten Zeit unverkennbare Fortschritte gemacht habe, weiteres Blühen und Gedeihen. Der Vorsitzende spricht die Hoffnung ans, daß Pros. Dr. -oiermer noch Gelegenheit nehmen werde, sich von der 23er JanwnUung yu verabschieden und spricht ihm für seine eifrige» Mitarbeit am Wohle der Stadt herzlichen Dank aus. Weiter begrüßt der Vorsitzende den Stadiv. Dr. Sck)äfer, der nach seiner Genesung wieder zum erstenmal der Sitzung beiwohnt. Stadt». Dr. Schäfer dankt für die frenndliche Bearützmm und bittet, ihn im Januar bei ben Ausschußwahlen nicht zu schonen, da er nach seiner Wiederherstellung nid Zeit habe, um für bte Stadt zu arbeiten. $er Vorsitzende fuhrt dann aus, in der Handwerker- OCTfaminrung am letzten Mittwoch habe nach dem Bericht des Gieß. Anr. Weißbindermeister L. Petri III. geäußert, die Stadt vergebe ihre Arbäten an den billigsten, einerlei ob er Schund llefere ober nicht. Der Oberbürgermeister betrachtet es als seine Pflicht, diesem ungeheuerlichen Vorwurf ent^egenzutreten und er be- bauere nur, daß dies nicht schon in jener Versammlung von dem dort anwesenden Stadtv. Petri geschehen sei In ben letzten -^vren seien von der Stadt für Neuaufwendungen jmolf Millionen Mark ausgegeben worden und er könne sagen, baß man dafür durchweg gute, teilweise sogar vorzügliche Arbäten geliefert bekommen habe. Die Städteordnung sehe die Vergebung an den Mindestfordernden vor, soweit nicht besondere Umstände eine Ausnahme zulasfe. Die Versammlung habe stets Ausnahmen gemacht,. wenn der. Mindestfordernde nicht vertrauenswürdig gewesen sd oder zu niedrig kalkuliert habe, ebenso innerhalb gewiffer Grenzen zugunsten hiesiger Meister, wenn ihre Forderung die auswärtigen überstiegen hätte. Man habe aber auch auf den Steuersäckd Rücksicht zu nehmen, denn es sä das Geld der Bürgerschaft, das man zu verwalten habe. Stadtv. Petri fuhrt ans, er habe auf die Bcschwerdär in der Versammlung nicht erwidert, toeil sie verknüpft worden säen mit den Gesuchen über die Regelung der Vergebung lausender Arbeiten der Stadt. Ueber die Behandlung dieser Angelegenheit, bie feit zwei Jahren schwebe, herrsche in Handwerkerkräsen große Erbitterung. Bis heute sei ben Handwerkern auf ihr Gesuch ferne Antwort erteilt worden. DA Vorsitzende bemerkt dazu, vor zwä Jahren sä in enter Versammlung eine Eingabe beschlossen worden, diese Arbeit s Vergebung en wie bä den staatlichen Hochbauämtern zu regeln. Er habe die Sache im Bauausschutz vorlegen lassen, habe aber aus seine Aufforderung hin die dazu erforderlichen Unterlagen nur für bie Weißbinderarbeiten erhalten. Man habe ihm gesagt, bie übrigen solle er sich vom staatlichen Hochbauamt geben laffai, was er aber abgelehnt habe. Stadw. W i n n bestätigt, daß in Handwerkerkreisor ziemliche Erbitterung herrsche imb spricht ben Wunsch auS, daß man den Hanbwerkern möglichst entgegenkommen solle. Der Vorsitzende bemerkt, das tue man schon jetzt, aber m erster Linie säen die Interessen der Mgemeinheit zu berücksichtigen. Stadtv. Krumm stellt fest, daß ät erster Linie Mchener Handwerker berücksichtigt würden, oft sogar geschehe dies Schaden der Steuerzahler. Wäßbindermeister Pelli werde jebat» salls seine Behauptung nicht bewäsen können. Stadtv. Troß hätte gewünscht, daß die heute wegen der Emgabe der Handwerker gegebene Erklärung schon früher hätte gegeben werden können, damit man Fragen aus Handwerkerkrästm entsprechend hätte beantworten können. Der Vorsitzende demertt, lvenn sich Handwerker danach hätten erkundigen wollen, sä es richtiger genxfeii, wenn sie zu ihm gekommen wären., Baugesuche. Hdnrich Nicki ans will Seltersweg 61 anstelle des abgerissenen Hauses einen Neubau errichten, dessen Frontlänge, Zufahrt und Hofraimi geringer werden soll, als zulässig ist. Da es sich um einen Wiederaufbau handelt, der Verbäf^rungen bes seitherigen Zustandes bringt, wird das Gesuch befürwortet. Geh. Kommerzienrat G a i l will in der Neushrdt einen Neubau errichten, an dem ein Erker angebracht werden soll. Außerdem! soll ein Stockwerk in Fachwerk mit Schieferbekleidmig errichtet unb ein hölzernes Hoftor angebracht werden. Auch für dieses Gesuch wird Befürwortung beschlossen unter der Bedingung, daß der Erker nicht mehr als 40 Zentimeter Ausladung erhält. Peter Kronenberg will m der Lonpstraße zwischen Bismarck- mrd Goethestraße ein Doppel Wohnhaus erridjten. Da bie Straße noch nicht eröffnet ist und nicht an als bebaut zu betrachtendes Gelände anschließt, beantragt der Bauausschuß Ad- lehrumg. Scadtv. Winn unb Stadw. Huhn sprechen sich für Genehmigung bes Gesuches aus, da der Bauplatz unmittelbar an bebautes Gelände anstoße. Stadtv. Wallenfels spricht für Rückverweisung deS Gesuchs an ben Bauausschuß aus, zumal es nicht auf der Tagesordnung stehe. Ter Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß die Entwässerung des Hauses in der Richtung des Wiesecklaufes erfolgen müsse und zurzeit nicht durchführbar sä, da dn weiterer in Frage kommender Grundbesitzer weder bas Sllaßenland abtreten noch bie Durchführung bes Kanals durch fein Befitztum gestatten wolle. Tas Gesuch gcht an bat Bauausschuß zurück. Ein Baugesuch von 0-ran* Schmidt und Karl Küchel wird aus prinzipielien Gründen abgelehnt, da das Gebäude außerhalb des genehmigten Bebauungsplanes zu stehen kommen würde. Dagegen wird beiden die Anlage von Lauben in ihrem auf bemi Nahrungsberg liegenden Garten gegen Nevers gestattet, ebenso bie Anlage eines dahinführenden Weges gegen Zahlmig einer jährlichen An er kennurngs gebühr von 3 Mart und Ueber» nähme der Haftpflicht. Städtische Straßen« und Gruudstücksangelegenheiten. Tie Bahnverwaltung bcaO|icytigt, eine Fernsprechter t u n g vom Bahnhof nach der Wohnung des^ Betriebs- Ingenieurs Entzeroch, Goethestraße 54, anzulegen. Die Versammlung stimmt der Ueberfd/remuig der Alice- unb Bleichftraßc gegen Zahlung einer jährliä^en Anerkenn ungsgebühr von 50 Pfennig zu. Ein Gefmp bes landwirtschaftlichen Instituts um Genehmigung zur Anlegung von Grabenüverbruckmigen im Neu Itäbtei Feld zunächst des Versuchsfeldes wirb genehmigt. Eine bereue früher gründ,ädl ich gutgeheißew llenderung des Bebauungsplans Mifchcn Frankfurter Straße, Leihgesterner Weg, Aulweg und Wartweg wird gutgeheißei^ *■■«11 Ml t — erhältlich Auergesellschaft, Berlin 0.17 Oberbügrermeister Mecum kennt keine wichtigere städtische Ängelegeicheü als die Ernährungsfrage der städtischen Bevölkerung. /Die hohen Produktionskosten seien durch die Futterzölle und die länderen Hochschntzzölle erllart. Um die hohen Preise aufrecht zu erhalten, verhindere man das Wachsen des Angebots durch die Erschwerung der Einfuhr. Damit würden Zustände geschaffen, 'die auf die Dauer unhaltbar seien. ' Stadtv. Grünew ald führt aus: Der Satz, daß die Politik nicht in die Stadtverordnetenversammlung gehöre, könne in dieser .Allgemeinheit von ihm nicht als richtig anerkanirt werden. Poli- tisch reife Leute, zusammengeführt durch das Amt, für das Wohl einer Stadtbeoölkerung zu sorgen, .seien wohl berufen, besonders über wirtschaftspolitische Dinge die Meinungen auszutauschen und wenn ein Mißstand bestehe, auf ihn aufmerksam zu machen bei -der zuständigen Stelle, die Symptome eines Notstandes, an dem 'die Nation leide, deutlich und laut zu bezeichnen. In diesem i Smne dürfe man sich wohl mit der Politik befassen, denn es sei wie ein französischer Staatsmann gesagt habe, „nicht gut, sich nicht mit Politik zu befassen, denn die Politik befaßt sich jeden ^Tag mit uns". Die Reichsregierung möge den besten Willen -haben, daß sie agrarischem Einfluß gehorche, stehe außer Zweifel. Die Großgrundbesitzer werden künstlich erhalten und bereichert, ^erklärtermaßen, weil aus dieser „Oberschicht" sich die Besetzung der hohen Stellen in Armee, Marine, Staatsdienst und höfischem Dienst rekrutiere, weil die Vertreter dieser Klasse vorzugsweise igeeignet seien für diese Aernter. Daß eine Kalamität bestehe, könne nicht bestritten werden, das Fleisch sei zu teuer. Arbeiter mit einem Tagesverdienst von 3 Mk. 50 Pf. könnten nicht das Quantum von Fleisch beschaffen, das für ihre Familie nötig sei. Aber der ganze Mittelstand, auch pekuniär gut stehende Familien, klagten mit Recht über die hohen Fleischpreise, man brauche nur sie Laus fr au en zu fragen, und die Männer, die die Fleisch- leuerung leugnen, würden bald verstummen. Stadtv. Eichenauer ist ebenfalls der Ansicht, daß die Versammlung die Pflicht habe, für eine ausreichende Lebenshaltung der Bürgerschaft nn^utreten. Stadtv. Simon übersehe, daß die hohen Produktionskosten des Viehes durch die hol^n Futtermittelpreise hervorgerufen seien, die durch die Beschlüsse des Reichstags vor einigen Jahren eingetreten feien. Die Futttr- mittelzölle kämen niemals den kleinen Bauern zugut, da diese darauf angewiesen.seien, Futter zu kaufen. Stadtv. Wallenfels hält es für einen Irrtum des Stadtv Simon, die Fleischteuerung zu einer Parteifrage zu machen. Es sei lediglich eine soziale Frage, die alle Schichten der Bevölkerung treffe ^ie Rechnung Simons scheine ihm mangelhaft, zumal man dieses Jahr feine Futternot habe. Zur Llbhilfe des bestehenden Notstandes gebe es nur ein Mittel, die Städte müßten einmütig entsprechende Beschlüsse fassen, daß sich die Regierung von dem Stotfland überzeugen könne. Angesichts der Wichtigkeit der Sache beantrage er namentliche Abstimmung über den Antrag Stadtv. Krumm meint, die Beschäftigung mit politischen rzragen fei ganz hübsch und nett. Wenn die Rechnung des Stadtv Simon richtig fei, müßten alle Viehzüchter schon bankerott fein (Stadtv. Simon: Sie werden es noch'). Anders als unsere Agrarier dächten die dänischen Landwirte, die im Interesse ihrer Vieh- und Getreid^ucht vor 2 Jahren gegen Getreidezölle pro- teiliert hätten. Die kleinen Landwirte hätten nichts von den Getreidezöllen als das Vergnügen, statt wie früher 3 jetzt 5 Mark ausgeben zu können, ohne mehr dafür zu bekommen. Vom Reichstag und Landtag erwarte er nichts, da hier alles nach den Wünschen der großen Agrarier gehe. Auch die Regierung sorge für die Interessen der 72 Prozent nicht Landwirtschaft treibenden Bevölkerung nicht. Zu der Fleischnot komme die Teuerung aller übrigen Gegenstände. Die Gießener Stadtverordneten gehe mehr an, wie bte Gießener Bevölkerung leben könne, als die Lage der Viehzüchter. Durch die hohen Preise der landwirtschaftlichen Produkte werde blos der Vodenpreis gesteigert, das habe kein anderer als der frühere preußische Landwirtschaftsminister von Arnim anerkannt. Wenn die Agrarier das jetzige System aufrecht erhalten wollten, mußten fie in ihrem Interesse selbst für die Beseitigung der schlimmsten Härten sorgen. Die bei uns geübte Verschärfung der veterinärpolizeilichen Maßregeln sei blos eine Ergänzung des > SchuAollshftemS. Aus Preußen könnten die Lenke ihr Vieh wohl als Zugtiere nach Hessen benutzen, nicht aber unsere Märkte damit beschicken. Gegen wirklich notwendige Maßnahmen habe niemand etwas. Er habe allerdings nicht das Vertrauen, daß die verpreußte Regierung in Darmstadt etwas tun werde, um dem Notstand abzuhelfen, aber man solle die Eingabe dennoch abschicken. Stadtv. Helfrich sieht den Hauptgrund der Teuerung darin, daß in der letzten Zeit der Preis des Zuchtviehes so sehr gestiegen sei. Dies rühre daher, daß Mangel an Zuchtvieh vorhanden sei. Stadtv. Plank ist für die Eingabe und macht darauf aufmerksam, daß man durch die Negierung gelungen worden fei, für Rinder und Kühe dieselbe Schlachtgebühr zu nehmen, wie für Ochsen, Es sei doch Unrecht, für Tiere mit 250—300 Pfd. nutzbarem Fleisch dieselbe Schlachtgebühr zu nehmen wie für solche mit 1000 Pfd. Das Verbot des hiesiaen Marktes fei lediglich auf die übergroße Aengstlichkeit der Veterinärpolizei zurückzu- führen, man solle dagegen energisch protestieren. Der Vorsitzende bestätigt, daß die Regierung die Stadl zu der gleichmäßigen Schlachtgebühr für Ochsen, Kühe und Rinder gezwungen habe. Für sie sei lediglich der finanzielle Gesichtspunkt maßgebend gewesen, während fie die soziale Seite der Sache ganz außer Betracht gelassen habe. Stadtv. Plank bezweifelt das Recht der Regierung, ein solches Verlangen zu stellen. Stadtv. Troß führt die Ursache der Teuerung z. T. auf die hohen Anforderungen zurück, die das Publikum an die Metzger stelle (Ladenausstattung, Kundenabfragen usw.). Sonst wären Dis- serenzen zwischen 68 und 96 Pfg., wie sie heute zwischen Eiw kaufs- und Verkaufspreis beständen, nicht zu erklären. Die hier bestehenden Konsumvereine sollten doch einmal ein Gut kaufen und Viehzucht treiben. Auch der Fall Morgenstern in Berlin, wo ein Schlachtergessele, der drei blaue Montage nicht bezahlt bekommen habe, die Ursache eines Lissabon en miniature geworden sei, gebe zu denken. Man solle sich mit der Eingabe nicht lächerlich machen, denn ans dem Ausland könne gar kein Vieh zum Gießener Schlachthof eingeführt werden, da man keinen Gleisanschluß habe. Das Oktroi habe man einfach bei seiner Aufhebung auf die Schlachtgebühren geschlagen. Von Unterernährung könne keine Rede sein und es gebe namhafte medizinische Autori-- täten, die den Fleischgenuß überhaupt für schädlich hielten. Er bestrefte das Bestehen einer Unterernährung, solange der jetzige Aufwand in der Bevölkerung andaure. Töchter von Arbeftern gingen in Pelzen und Federhüten und im Kolosseum säßen die Leute bis tief in die Nacht hinein. Man solle die Eingabe ab- lehnen und erinnere daran, daß schon einmal eine ähnliche Ge- chichte eine große, nicht beabsichtigte Wirkung gehabt hätte. Die Versammlung habe vor einigen Jahren eine Eingabe wegen der Brotpreise beschlossen und die Folge sei gewesen, daß Stadtv. Heyligenftaedt fein Reichstagsmandat verloren habe. Der Vorsitzende erklärt, die Versammlung mache sich nicht lächerlich, wenn sie die Einfuhr von Vieh nach Hessen verlange und davon auch die Verbilligung der hiesigen Preise erhoffe. Stadtv. Iann spricht sich ebenfalls für die vorgeschlagene Eingabe aus, wenn er sich auch von den darin vorgeschlagenen Mitteln keine Abhilfe verspricht. Er führe die Teuerung hauptsächlich auf den vom Publikum verlangten Mehraufwand der Metzger und den Mehrverbrauch an Fleisch zurück. Mit der Eingabe tue man seine Schuldigkeit und wenn die Regierung einen Weg zur Abhilfe finde, werde fie ihn wohl auch betreten. Stadtv. Jughardt macht darauf aufmerksam, daß nicht nur das Fleisch, sondern auch Butter, Eier und Milch feit 30 Jahren roei entlief) teuerer geworden seien. Es sei die Frage erlaubt, wie die Großgrundbesitzer zurecht kommen könnten, die chre Güter fortgesetzt vergrößern. In Hessen habe kürzlich ein Pächter, der 1900 Mark Einkommen versteuert habe, für das von ihm bewirtschaftete Gut 300 000 Mark gebot wollen, das gebe doch zu denken. Die Guten der gst raße soll demnächst jitm Ausbau gelangen. Um ein Aufreißen des Bürgersteiges zu verhindern, soll gleichzeitig das elektrische Kabel gelegt fverden, wofür 1700 Mark bewilligt werden. Stadtv. Krumm, bringt dabei die Mangelhafte Straßenbeleuchtung vor den Eisenbahnhausern in der Frankfurter Straße zur Sprache. .Ter Vorsitzende sagt Prüfung der Angelegenheit zu. , , w Ein bereits früher genehmigter Pachtvertrag mit Gcbr. Kahl wegen Geländes, zunächst der Kläranlage liegt nunmehr fm Wortlaut vor und findet Genehmigung.. Tie Fleischteueruvg. Von Adam V o l z ging einen Tag nach der letzten Sitzung der Stadtverordneten eine Eingabe ein, in der Kenntnis von einer »in einer Versammlung im Gewerkschaftshaus beschlossenen Entschließung wegen der Fleischteuerung gegeben wird und die Versammlung um entspreck)ende Maßregeln gebeten wird. Außer SckMtten bei der Staatsregierung wird um Ermäßigung dev Schlachtgebühren ersucht. Der Vorsitzende teilt mit, daß die Ermäßigung der Schlachtgebühren selbst um die Hälfte noch nicht einen Pfennig auf das Pfund Fleisch betragen, also den Konsumenten nicht zugute kommen werde. Der sozialpolitische Ausschuß habe deshalb von der Stellung eines Antrags in dieser Richtung Abstand genommen. Er erkenne aber die bestehende Fleischteuerung an und schlage entsprechend dem Vorgehen anderer Städte eine Eingabe an die hessische Regierung vor, in der diese unter Hinweis auf die anhaltende Fleischteuerung, die die Lebenshaltung des Mittelstandes und der Arbeiterschaft schwer beeinträchtige, gebeten wird, im Bundesrat auf die Einrichtung weiterer geeigneter Einfuhrstellen für Vieh an den Greben unter tunlichster Erleichterung der Quarantäne,hinzuwirken, weiter entsprechmd dem Vorgehen Badens und Elsaß-Lothringens die Einfuhr von Schlachtvieh nach Hessen zuzulassen und für Ermäßigung bezw. Aufhebung der Futt^rmillelzölle einzutreten. Stadtv. Wallenfels hatte die ^Absicht, heute dasselbe anzuregen, und tritt warm für die Eingabe ein. i Stadtv. Simon hält die Eingabe nicht für geeignet für die Versammlung, da diese sich damit auf das politische Gebiet begebe. Er wolle aber, um der Versammlung ein richtiges Bild geben, ihr die Produktionskosten für ein dreijähriges Rind emmal vorrechnen. $in ßalb -fofa im Ankauf durchschnittlich 50 Mark, für die 30 ersten Tage brauche man zum Füttern durchschnittlich 8 Liter Milch, die zum Preise von 15 Pf. gerechnet, rnadje 36 Mark. Für weitere 1070 Tage brauche man für das Tier durchschnittlich für 60 Pf. Futter, aber selbst wenn man nur 40 Pf. rcid>ne, komme man, auf 428 Mk., für Versicherung, ! Arzt, Stallbenutzung usw. wolle er nur 75 Mk. und für War- jtung und Pflqge täglich nur 10 Pf., also 110 Mk. rechnen. .Das mache zusammen rund 700 Mk. Produktionskosten oder !nach Abzug der Dnngpvoduktion (75 Mk.) 625 Mk. Ein drei- Ijähriges Rind besitze^ 6 Zentner Schlachtgewicht, erbringe also nach dem bis jetzt erzielten Höchstpreis von 85 Pf. 510 Mk., so chaß sich ein Fehlbetrag von 115 Mk. ergebe. Er könne daher dem Antrag nicht zustimmen und bitte um dessen Ablehnung. bau einer Turnhalle und eines MortgebäudeS vorgesehen. DaS 1 Schulhaus an der Ludwigsstraße wird das Realgymnasium auf* nehmen, für das über der Turnhalle Physik-, Chemie- und Zeichensaal eingerichtet werden. Die Baukosten sind auf 384 000 Mk. veranschlagt, wozu noch die Kosten der Zentralheizungsanlage für die ganze Anlage kommen, so daß ohne die innere Einrichtung mil 400 000 Mark Baukosten gerechnet werden kann. Die Schuldeputation und der Finanzausschuß empfehlen einstimmig Genehmigung. Eine Eingabe von Pros. Clemm, der durch die Nähe des Gebäudes eine Beeinträchtigung seines Hauses befürchtet, kann, wie eine Prüfung ergeben hat, nicht berücksichtigt werden. Stadtv. Huhn spricht dem Stadtbauamt ferne Anerkennung für den schönen Plan aus, welcher Anerkennung sich der Vorsitzende anschließt. Stadtv. W i n n ist nach reiflicher Uebertegimg immer noch der Ansicht, daß man den Neubau besser auf das früher dafür vorgesehene Aktienbrauereigelände gestellt hatte. Damit wäre die dortige Gegend rasch bebaut worden, während so die Stadt noch lange ihre Bauplätze feilhalten könne. Auch fei in der Stephan- straße eine spätere Vergrößerung des Gebäudes unmöglich. Man solle deshalb, die Sache noch einmal prüfen, zumal der Platz ai der Stephanstraße gut verwertet werden könne. Der Vorsitzende bittet, an dem jetzigen Projekt festzuhalten. Eine Vergrößerung sei hier allerdings ausgeschlossen, könne aber aus schul technischen Gründen niemals in Frage kommen. Stadtv. Dr. Ebel spricht sich ebenfalls gegen eine no& malige Prüfung der Platzfrage aus und fragt, ob nicht eine Aenderung des Vertrages mit dem Staat in der Richtung erzielt werden könne, daß die Kosten der Stadt in ein besseres Verhältnis mit den Rechten der Stadt gebracht werden. Zurzeit habe die Stadt nur die Pflicht zu zahlen, aber keinen Einfluß auf die Schule. Der Vorsitzende glaubt, daß diese Sache von selbst in Fluß käme. Stadtv. Eichenauer ersucht, der Anregung des Stadtv. Winn keine Folge au geben, damit die Sache nicht weiter hinaus- geschoben werde. Tas liege namentlich auch im Interesse des Bauhandwerks. Stadtv. Wallenfels ist derselben Ansicht. Stadtv. I a n n unterstützt die Anregung des Stadtv. Dr Ebel und verspricht sich in dieser Hinsicht Erfolg von einem gemeinsamen Vorgehen der hessischen Städte. Nachdem Stadtv. Winn nochmals für seinen Vorschlag, bei durchaus vorteilhaft für die Stadt sei, eingetreten ist, wirb der Antrag auf Errichtung des Oberrealschulgebäudes in der Stephan- straße gegen eine Stimme angenommen. Kinematographenbesuch durch Schulkinder- Auf Anregung des Schulvorstandes hat das Polizeiamt eine Verordnung ausgearbeitet, die den Besuch der KinematographLN- theater in ähnlicher Weise wie in anderen Städten regelt. § 1 sieht vor, daß schulpflichtige Kinder derartige Unternehmungen nur in Begleitung eines Ellernteils, des gesetzlichen Stellvertreters der Eltern ober eines Lehrers besuchen dürfen. § 2 besagt, die Besitzer von Kinematographentheatern hätten dafür zu sorgen, daß sich schulpflichtige Kinder nicht allein in ihren! Anstalten aufhalten und § 3 sieht für den Fall von Zuwider Handlungen Geldstrafen bis zu 30 Mark oder entsprechende Haft- strafen vor. Der sozialpolitische Ausschuß beantragt Annahme mit der Abänderung, daß statt „schulpflichtige $int>er", „Kinder unter 14 Jahren" gesagt wird und außerdem besondere Schülervor- ftellungeii gestattet werden, wenn das Programm hierfür von der Polizei im Einvernehmen mit den Schulen genehmigt wird und die Vorstellungen bis 7 Uhr abente beendigt sind.. Dieser Antrag findet Annahme. Verschiedenes. Tie Holzhauerlöhne werden alt dieselben Leute unH zu denselben Preisen wie seither für 1910/11 freihändig vergeben. Tie Stadtverorrdnetenwahlen finden entweder am 22. oder am 29. November statt. Ter Termin kann erst genau festgesetzt werdens, toenn es fest steht, ob gegen zwei von der Bürgermeisterei erfolgte Einspruchszurückweisungen Rekurs an das Kreisamt erfolgt. Als Beisitzer werden die Stadtvv. Dr. Ebel, Habenicht, Krumm, Löber, Plank, Schäfsstädt, Simon und Troß gewählt. Tie Volkszählung, die nach dem Gesetz von der Gemeinde zu leiten ist, wird hier von der Polizei durchgesührtt weshalb der Oberbürgermeister jede Verantwortung dafür ablehnt. Die Kosten hat die Gemeinde zu tragen. Da ftch nicht genud freiwillige Zähler gemeldet haben, find hierfür 2500 Mark erforderlich, die bewilligt werden. Die bezahlten Zähler erhalte^ 20, bezw., soweit es städtische Beamte sind, 10 Mark. Tas Gesuch des Will). Schmid zu Amstetten um Erlaubnis Zum Schank Wirtschaftsbetrieb im Hause Sonnenstr. 13 wird befürwortet. ..............- " 1 *.Die Naturalisierung in Frankreich zeigt nach der lüngflen Statistik im vergangenen Jahre einen Rückgang^ Während noch im Jahre 1908 2914 Ausländer die französische Staatsangehörigkeit erwarben, sank im letzten Jahre die Zahl) auf 2807. >Die Mehrzahl lvar bereite mehr als zehn Jahre in Frankreich fest ansässig. An der Spitze dieser „neuen" Franzosen stehen die Italiener mit 594, die Belgier folgen mit 552, die Deutschen mit 173 (darunter 142 Elsaß-Lothringer), die Russen mit 127 und bann die Spanier, Schweizer, Rumänen und Luxenburger. ______________________ (tuungeniu/e vkhkhivc. L5. Sonntag nach Trinitatis, den 13. November Gottesdienst. Jn der Ztaottirche. Vormittags 6'/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthauZgemeinde« „ Piarrer D. Schlosser. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Aiatthäusgememde. Dienstag den 15. November, nachmittags 4 Uhr im Matthäus- aal: Frauenmissionsverem. Mittwoch den 16. November, abends 8 Uhr: Vereinigum der fonficnuerteii weiblichen Jugend der Markusgemeinde. Donnerstag den 17.9looember, abends 8 Uhr, im Malthäussaal: Bibelftunde. (Bilder aus dem Lebe>i der Apostel.) Piarrer D. Schlosser. 3n der Johanneskirche. Vormittags 91/, Uhr: Pros. D. E cf. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die LukaSgemeinde. P'arrer Bechtolsheim er. Abends 5 Uhr; Pfarrassistent Sch orte m mer. Abends 7'/, Uhr: Versammlung der kotlfirmterten weibliches Jugend der Lnkasgememde. — Um dieselbe Zeit versammelt sich die konfirmierte männliche Jugend der Joyannesgemeinde im Johannessaal. Mittwoch den 16. November, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Lukassaul. Pfarrer B e ch t y o ! ö h e i m e r. Freitag den 18. November, abends 51/, Uhr: Versammlung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgememde. Stadtv. Dr. Ebel unterstützt die Ausführungen der Stadtv. Grünewald und Krumm. Die Annahme des Stadtv. Helfrich, daß die Produktionskosten so hoch seien, weil Mangel an Vieh bestehe, sei wohl richtig. Er glaube ihm umso eher, da H. als 3rt>eiftimmmmann_ gerade nach Ansicht der Agrarier mehr Verstand besitzen müsse, wie Stadtv. Simon. Man müsse also die Vieheinfuhr zulassen. Die Gesellschaft „Hibemia", die selbst Vieh züchte, mache noch ein gutes Geschäft, trotzdem sie das Fleisch ihren Arbeitern sehr billig abgebe. Die von den Metzgern gemachten Aufwendungen seien durch die Konkurrenz hervorgerusen, sie könnten vielleicht durch einen einmütigen Beschluß wenigstens bas Kundenabfragen befertigen. Tie Nachfrage nach Fleisch 'sei größer geworden, weil das jetzige Erwerbsleben höhere Anforderungen an den Einzelnen stelle. Wenn das Bürgertum in ganz Deutschland aufwache, woll er sehen, ob sich auf die Dauer eine Reichstagsmehrheit finde, die ihm widerstehe. Stadtv. Grünewald führt aus, auf die vegetarische Ernährung, wie Herr Troß es tue, dürfe man die Bevölkerung nicht verweisen. Er wolle die Berechtigung der vegetarischen Lehre nicht leugnen, aber sie eigne sich nicht für die Ernährung der arbeitenden Klassen, die auf möglichst kräftige und möglichst billige Ernährung angewiesen seien. Die Fleischteuerung sei verschuldet — wie die Teuerung aller Lebensmittel und der gesamten Lebensführung — durch die H o ch s ch u tz z ö l l e, nach deren Einführung die Preise der Güter ungeheuer in die Höhe gegangen seien. Diel Pachtpreise in der Wetterau z. B. seien in fortgesetztem steigen,, die Herrschaften verlangten und erhielten bei jeder Auflösung eines Pachtvertrags viel höhere Revenuen. — Wenn die Regierung den Notstand leugne, so beweise dies, daß sie auch an dieser Angelegenheit mit Scheuklappen vorübergehe. Erscheinen aber Kundgebungen solcher Gremien, wie die städtischen Vertretungen, die mitten im Volke stehen, so müßten sie ihre Wirkung äußern in dem Sinne, daß die Negierung sie als Material verwenden und beachten müsse. In dem Ausschuß habe seinerzeit er mit dem Stadtv. Heichelheim beantragt, zwischen der Schlachtgebühr für Ochsen und für geringeres Großvieh zu differenzieren, aus der Erwägung, daß das bessere Ochsenfleisch teurer sein dürfe; das Ministerium habe dies nicht genehmigt. Er befürworte aufs entschiedenste die Annahme der Entschließung des sozialpolitischen Ausschusses, er hoffe auf einmütige Annahme, die beiden agrarischen Redner (ganz schlimme Agrarier seien sie ja nicht) sollten Entsagung üben und der Kundgebung zustimmen. Stadtv. Eichenauer führt dem Stadtv. Troß gegenüber aus, daß kein Stand die Fleischteuerung mehr beklage und größeren Schaden davon habe, wie die Metzger. Der prozentuale Fleischkonsum sei zurückgegangen, in diesem Sinne könne allerdings von einer Unterernährung gesprochen werden. Es sei durchaus berechtigt, daß an der verbesserten Lebenshaltung auch die unteren Klassen Anteil hätten. Nach weiteren Ausführungen der Stadtv. T r o ß und K r u m m wird die Absendung der vorgeschlagenen Eingabe gegen die stimmen der Stadtv. Simon und Troß beschlossen. Neubau für die Lberrealfchule. Tie vom Stadtbauamt auSgearbeiteten Pläne für den Neubau eines O b e r r e a l s ch u l g e b ä u d e s, dessen Errichtung schon früher beschlossen wurde, liegen vor. Danach kommt der Neubau an die Stephanstraße im Anschluß an das vorhandene Physik- und Chemiegebäude zu stehen. Außerdem ist der Neu- fl. ßolferhoff Söhne Unterfertigter erfüllt hiermit die traurige Pflicht, seine hochverehrten E. M. E. M., lieben A. H. A. H., A. M. A. M. u. K. B. K. B. von dem am 9. Nov. erfolgten Ableben seines lieben V. B. Eduard Schtorinn, stud. theol. geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Samstag, 12. November, nachmittags um 3 Uhr, in Lang-Göns statt. Dn/n Cer Akad. Theo!. Verein zu Giessen. L A. f\ UI W >•< ■ E 1 M G O' M B N 'M WV,y.' H B I 'KB erbeten. 6201 W WMr! Müller. 6200 Städtischer Arbeitsnachweis giessen futtcptüerfaub, SkuH a. 9V 1 k: •V * Von heute an kommen in meinem Geschäft zirka für Jünglinge entsprechend billiger. Ein grosser Teil obiger Garderoben ist in meinen Schaufenstern ausgestellt Meine Riesenauswahl ist für jeden Kunden eine Sehenswürdigkeit Diese Artikel bestehen aus den modernsten Stoffen, allemeucste Macharten, und sind garantiert gut im Tragen. für Herren, Jünglinge und Knaben zum Verkauf. Von diesen ofleriere ich zwei Serien auffallend preiswürdi. für Herren Ulster u. Paletot Jeder für Herren Serie H Mk. Ulster u. Paleto Serie I Mk. Ecke Bahnhofstrasse und Neustadt url 'Vf1-