160. Jahrgang Nr. 159 Zweites Matt Erscheint täglich mit Ausnahme deL Sonntags. Die „Hfehener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Lreirdlatt für -en Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. retzever Alyeigeß General-Anzeiger für Gberhesfen Montag i r.Juli 1910 Rotationsdruck und Verlag der BruhLfchen Universitäts - Buch- und Stemdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: e=s*fr5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adru AnzeigerGießen. Die neugeschaffene Lage in Gftasren. Rußland und Japan haben eine Freundschaft geschlossen, bie lediglich der Einigung über das „einem Dritten gehörige Fell" entspringt. Aus der Haut Chinas sollen die Riemen geschnitten werden, die das Bündnis zwischen den beiden Staaten befestigen müssen. Der neue Vertrag, der schon lange angelündigt wird, soll also einmal Klarheit über die .Machtfphären Rußlands und Japans bringen. Richt minder wichtig dürfte dann für Japan die Einverleibung Koreas mit russischer Zustimmung sein, und für die gesamte diplomatische Welt liegt die Bedeutung klar auf der Hand, die eine engere Verständigung zwischen den beiden Staaten über ostasiatische Fragen verursachen muß. Zwei derartige Machtfaktoren sind nicht zu übersehen, und man muß gegebenenfalls mit ihnen rechnen. Unbedingt zielt ein Einvernehmen Rußlands und Japans vor allem darauf hin, den Gnfluß der Union in China mit allen Mitteln zurückzudrängen. Im Jahre 1905 hatten die Chinesen wegen der schlechten Behandlung ihrer Volksgenossen in der Union einen Boykott gegen nordamerikanifche Waren und Kaufleute erlassen, der mit auffallender Strenge aufrecht erhalten wurde. Dabei waren die Chinesen so klug gewesen, zu erklären, daß der Boykott sich nicht gegen die amerikanische Negierung, sondern nur gegen die nordamerikanischen Arbeiten)erbände richte, da diese wiederholt für das Verbot der Zuwanderung chinesischer Kulis eingetreten wären. Als die Unionsregierung in Peking ein Einschreiten gegen die Anstifter des Boykotts verlangte, erließ man wohl einige Verordnungen, die nicht viel halfen, und verwies im übrigen auf die Absicht der Boykotterklärer, die gegen die nordamerikanische Regierung nichts unternehmen wollten. Die Union lenkte dann auf Betreiben Roosevelts ein, worauf der Boykott aufhörte. Es fiel damals auf, daß die Union schärfere Gegenmaßregeln nicht ergriff, aber man sah bald, daß hierfür besondere politische Gründe maßgebend waren. Den Amerikanern war die Wichtigkeit des chinesischen Absatzgebietes nicht entgangen, und schon lange ist die Union lebhaft und nicht ohne Glück bemüht, in China, und nicht zuletzt in der Mandschurei, festen Fuß zu fassen und als scharfe Konkurrentin Japans und auch Rußlands, sowie namentlich Englands, aufzutreten. Rian kann daher wohl mit Sicherheit annehmen, daß das bevorstehende Abkommen zwischen Japan und Rußland seine Spitze gegen die handelspolitische Ausbreitung der Union in Ostafien richtet. Da China bei einer Verständigung über die Mandschurei unbedingt der leidende Teil sein würde, so liegt es nahe, daß das Reich der himmlischen Mitte zu Amerika mehr als bisher hinneigen wird, während gleichzeitig der Gegensatz zwischen Japan und Amerika, der nie recht beseitigt worden ist, größere Dimensionen annehmen kann. China selbst ist am meisten zu bedauern. Im Süden des Reiches, am Iangtsekiang, droht eine gefährliche Revolution, die, wenn sie ausbrechen sollte, ganz- erhebliche Machtaufwendungen der Regierung notwendig machen würde. Die Reorganisation der Verwaltung und der Wehrmacht ist erst int Werden begriffen, die Schulden wachsen bedenklich und Japan, Rußland^und England wachen mit Argusauaen über alles, was im Riesenreiche voraeht, wobei sie alle Schwächen ausspähen, und die politische Lage sich zu ihren Gunsten nutzbar zu machen suchen. Bisher hat China fast immer das Gluck gehabt, daß sich die ernsthaften Rivalen in Ostafien in den Haaren liegen. So konnte es sich bei seiner geringen positiven Kraftentfaltung noch am besten wehren, wenngleich es natürlich Gebietsverluste nicht verhindern und unbefugte Eindringlinge, wie besonders die Japaner, nicht mit Erfolg abwehren konnte. Mit einer wirklichen Einigung der beiden Hauptrivalen, die sicher über den Kopf Chinas hinweg sich über die Mandschurei und andere chinesische Interessen berührende Fragen verständigen werden, ist China gegenwärtig am schlechtesten gedient, und wenn die chinesische Diplomatie einmal zeigen will, was sie durch Intrigen und Geschicklichkeit vermag, so kann sie jetzt ein Meisterstück liefern. Sie muß und wird versuchen, die ehemaligen Rivalen wieder aufeinander zu hetzen, vielleicht mit Hilfe Englands und Amerikas. Im übrigen ist es ja überhaupt die Frage, ob das zwischen Rußland und Japan geplante Abkommen wirklich von langer Dauer sein wird. Der bedeutendste Staatsmann,^ den Japan hatte, Marquis Ito, hatte lange vor dem osta iatischen Kriege eine formelle Verständigung mit der russischen Regierung geplant. Die damals kurzsichtige russische Diplomatie (unter dem Grasen Lamsdorf) hatte alles abgelehnt, und bald darauf brach das Unglück für das Zarenreich herein. Man hat wenig Grund zur Annahme, daß Rußland sich in Wirtlichkeit mit den japanischen Erfolgen, die eine Demütigung sondergleichen bedeuteten, gusgesöhnt hat. Im Innern besteht der alte Gegensatz fort und wird sich vermutlich stärker erweisen als Bündnisse, die der jeweiligen politischen Lage entsprechen und sicherlich auch gegenwärtig nach dem Herzen Englands sind, dem damit gleichfalls gedient ist, da sie zunächst Ruhe in Ostafien schaffen und den Tätigkeitsdrang Japans ein- jchränken. Schließlich brauchen auch die beiden alten Gegner Ruhe, teils um ihre Rüstungen weniger energisch zu betreiben und die Finanzen gesunden zu lassen, teils um die Wehrkraft wieder auf die alle Höhe (und darüber hinaus) zu bringen und innerlich sich zu festigen. Die Relchsverstcherungsordnung. Berlin, 9. Juli. Der Ausschuß für die Reichsversichcrungsordnung verhandelte heute zuerst über den § 407, wonach die Landesregierung beftinunt, inwieweit die §§ 337 bis 406 für Betriebs- krantenkassen des Reichs und der Bundesstaaten gelten. Ein. fortschrittlicher Redner erllärte, daß mit diesem Paragraphen gewohnheitsmäßig Mißbrauch getrieben werden würde. Die Negierung legte großes Gewicht auf die Erhaltung des Paragraphen. Er wurde trotzdem mit 19 Stimmen a b g e - lehn t. Dafür stimmten die Konservativen, die Reichspartei, die Nationallrberalen und ein Zenrrumsmitglied. Die folgenden §§ 408—443 von der Aufsicht und der Aufbringung der Mittel und den Kassenverbändeir sind bereits früher erledigt worden.. Der nächste Abschnitt behandelt besondere Berufszweige. !Äie §§ 444 und 445 erfahren nur geringfügige Veränderungen. § 446, wona chdie oberste Verwaltungsbehörde für rhr Gebiet oder Teile davon Bersicherungspflichtige, btc in ländlichen Handwerksbetrieben beschäftigt sind, den in der Landwirtschaft Beschäftigten gleichstellen kann, wurde abgelehnt. § 447 besagt, daß das Recht, die Befreiung von der Ver- sicherungspslicht nach § 186 Rr. 2 (Anspruch an den Arbeitgeber, der die volle Unterstützung decken muß) zu beantragen, anstelle des Versicherten dem Arbeitg-eber zusteht. Die Konservotiven beantragten folgende Fassung: Au- Antrag des Arbeitgebers wird von der Versicherungspflicht befreit, wer bei Erkrankung an diesen einen Anspruch aus eine den Leistungen der zuständigen Krankenkasse gleichwertige Unterstützung hat, wenn der Arbeitgeber die volle Unterstützung aus eigenen Mitteln deckt und seine Leistungsfähigkeit sicher ist. Damit nahmen die Konservativen den seinerzeit abgelehnten § 186 Rr. 2 wieder auf. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Damit fiel auch § 447 gegen die Rechte und die Rationalliberalenl Bei § 448 wurde hinzugefügt: Dauert die mit Erwerbsunfähigkeit verbundene Krankheit über die Geltungsdauer pes Arbeitsvertrages hinaus, so tritt für den Versicherten der Anspruch auf Krankengeld wieder ein. Die §§ 449 und 450 wurden unter Ablehnung sozialdemokratischer Anträge angenommen. Rach § 451 kann die Satzung einer Landkrankenkasse bestimmen, daß Versicherte kein Krankengeld erhalten, denen aus Grund der Reichsversicherung eine dauernde jährliche Rente mindestens im 150 fachen Betrage des satzungsmäßigen täglichen Krankengeldes gewährt ist. Der Mindestsatz wurde auf Antrag der Sozialdemokraten auf den 300 fachen Betrag erhöht. Die §§ 452 und 453, wonach unter Umständen das Krankengeld der ländlichen Arbeiter gekürzt werden kann, wurden gegen die Stimmen der Konservativen g e st r i ch e n. Die §§ 454 bis 458 blieben unverändert. Darauf beschloß der Ausschuß, am 15. Juli in die Ferien zu gehen und seine Arbeit am 20. September wieder aufzunehmLN. Nächste Sitzung: Montag nachmittag. Aus dem Ltrafprozetzausschch. :: Berlin, 9. Juli. Ter Ausschuß für die Strasprozeßordnung setzte heute die Beratung über die Wiederauinahme des Verfahrens fort. § 354 will die Wiederaufnahme auch baut zulassen, wenn neue Tatsachen beigebracht werden, die die Unschuld des Verurteilken ergeben oder doch dartun, daß kein begründeter Verdacht gegen ihn weiter vorliegt. Der Paragraph wurde unter Ablehnung fast aller Abänderungsanträge nur unwesentlich abgeändert. § 355 blieb unverändert. Auch die weiteren Paragraphen des Kapitels werden nach der Vorlage angenommen. Damit ist das dritte Buch erledigt. Der Wortführer der fortschrittlichen Volkspartei legte Verwahrung ein gegen einen Artikel der „Berliner Volkszeitung" vom 8. Juli, der ebenio unwahre wie tendenziöse Mitteilungen über Abstimmungen der fortschrittlichen Bolkspartei in der Strafprozeßkonunlssion enthalte. Der Vorsitzende des Aus- chuffes erklärte, daß er wohl im Sinne des ganzen Ausschusses spreche, wenn er das Bedauern über derartige Zeitungsartikel zum Ausdruck bringe. Nächste Sitzung Dienstag. Generalversammlung der Gbechess. Gbstbanvereinz. K. Alsfeld, 10. Juli. .Heute waren die Obstzüchter aus allen Teilen Oberhessens hier zusammen, um eine inhaltsreiche Tagesordnung zu erledigen. Da der erste Vorsitzende Graf Oriola gestorben ist und der 2. Vor- itzende Oekonomierat Spieß durch Krankheit verhindert war, eröffnete Dr. Hoffmann-Friedberg die Versammlung, und au' einen Vorschlag wurde Kreisrat Dr. Heinrichs mit der Leitung der Verhandlungen betraut. Anwesend waren die Vertreter der Regierung und Kreisämter, der Bürgermeister Dr. Völsing-Als- eld, der Vertreter der Landwirtschaftskammer Abg. Bähr, die Vertreter des Kammerausschusses für Oberhessen Korell und Sekretär Schwarz, der Vorsitzende der Frankfurter Obstzentrale Sauer- roetn, der Vorsitzende des Nassauischen Obstbauvereins, Regierungsrat Dr. Langermann-Gießen u. a. Kreisrat Dr. H einrichs erwähnte die Verdienste des Grafen Oriola um den Verein und um die Herstellung guter Beziehungen zur Landwirtschaftskammer. Die Versammlung erhob sich zur Ehrung des Verstorbenen von den Sitzen. Bei der Vorstandswahl wurden als Präsident Kreisrat Schliephake-Friedberg und als Vizepräsident Landtagsabg. Breidenbach-Dorheim gewählt. In den Ausschuß wurden eben» alls durch Zuruf gewählt Bürgermeister Nispel-Gedern, Bürgermeister Repp-Homberg a. d. Ohm und Landwirt Grünewald- Bad-Nauheim. Den Jahresbericht 1909/10 erstattete Dr. Hoffmann. Er bedauerte besonders den Austritt des Kreises Büdingen, durch den der Weiterbestand des Hauptvereins nicht gefährdet sei, die Mitgliederzahl in den Kreisen außer Büdingen habe um 56 zu- genommen. Die Orte um Berstadt seien dem Verein treu geblieben. Zum Vertrauensmann wurde Herr Reitz-Echzell gewählt. Die Mitgliederzahl ist jetzt 3609, davon befinden sich 149 außerhalb Oberhessens, auf den Kreis Friedberg entfallen 1551 (4- 45), Gießen 927 (+ 27), Alsfeld 381 (— 55), Lauterbach 323 ich- 42 , Schotten 278, Büdingen noch 79 (— 721). (Im Schlitz erlaub und in Bad-Nauheim wurden besonders zahlreiche Mitglieder gewonnen.) Bei den letzten Gratisverlosungen gelegentlich von Versammlungen kämen am Mitglieder int Kreise Gießen 115 Bäume. Die Verlosungen werden weiter beibehalten. Das Vereinsorgan ist besser ausgestattet worden. Die Techniker John und Wenk-Friedberg und Koch-Alsfeld entfalteten in Vorträgen usw. eine rege Tätigkeit. Der Edelreiserversand betrug 20 000 Stück. Mit der Landwirtschaftskammer wurde zusammeit- gearbeitet in Obstverwertungskursen und ht den Ausstellungen zu Gießen, Friedberg, Nidda und Homberg a. d. Ohm. In Alsfeld ist ein Versuchsgarten angelegt worden. Mit dem Bienenzüchterverein wird Hand in Hand gearbeitet. 'Der Obstbauverein Pflegt auch den Blumenschmuck, Vogelschutz, Gartenbau und Obstbaumschutz. Die Einnahme betrug 9935,60 Mk., darunter Mitgliederbeiträge 4372 Mk., Zuschuß der Kreise 1450 Mk., die Ausgaben 9880 Mk. (für Vorträge usw. 2494 Mk., Zeitschriften 2935 Mk., Techniker 2020 Mk.). Das Vermögen beträgt 1000 Mk. Der Voranschlag für 1910/11 wird mit Einnahme und Ausgabe in Höhe von 7840 Mk. genehmigt. Er ist über 2000 Mk. niedriger als 1909/10, da Kreis Büdingen fehlt. Eine lange Besprechung erfolgt über den Antrag von Bad-Nauheim, den § 8 der Satzung dahin zu ändern, daß die Ortsgruppen ntit über 100 Mitgliedern ein Drittel ihres Beitrags für eigene Zwecke behalten können. Die kleinen Ortsgruppen sprechen gegen den Antrag, Schildwächtei- Bad-Nauheim kündigte für den Fall der Ablehnung den Austritt Nauheims an. Gegen den Antrag sprechen auch die Abgg. Bähr und Körell, die Annahme könnte als eine Bevorzugung der großen Ortsgruppen der Austritt kleiner Ortsgruppen im Gefolge haben und somit den Fortbestand des Vereins gefährden. Schließlich wurde der Antrag von der Tagesordnung abgefetzt und der Ausr schuß erhielt den Auftrag, die Angelegenheit weiter zu prüfen und mit Bad-Nauheim zu verhandeln. fieber die Unternehmungen des Landwirtschastskaulmer-Aus- schufies für Oberhessen und des oberhessischen Obstbauvereins berichtete Dr. Hoffmann-Friedberg. Beide planen in diesem Jahr die Bezirks-Ausstellung in Grünberg 15. und 16. Oktober, Groß-Karben 1. und 2. Oktober und Echzell und die Kreis- ausstettung zu Lauterbach 24.—26. Oktober. Auf den Kteis- schauen wird von jetzt ab nach Zonen prämiiert, d. h. die Orte werden nach Art und Güte des Obstes eingeteilt. Obstverwertungs- kurse finden statt in Rockenberg, Rendel, Hungen, Großen- Buseck, Arnshain, Crainfeld und Ruppertsburg. Eine neue Arbeit ist die Prämiierung von Obstpflanzungen, sie ist var- gesehen in Schlitz und Ortenberg. In Gießen findet ivieder im Herbst ein Obstmarkt statt. Obstverwertungskurse werden in Echzell und Grünberg ad-' gehalten. In 1911 ist eine Bezirksschau im Kreis FrietLerg geplant, Bad-Nauheim soll berücksichtigt werden. Die Versammlung beschließt sodann, einen Ausflug des Vereins nach Frankfurt zu unternehmen, die Jubiläums-Ausstellung (6 —17 Ott.) SU besuchen und zugleich die Versuchsgarten bei Sachfenhauseu zu besichtigen. Nach 'ben Ausführungen des Vertreters von Nassau, Junge-Geißenheim, werden auf der Ausstellung in der Festhalle zu Frankfurt alle Gebiete des Obstbaues, (öart^nbaueS Gemüsebaues, der Blumenzucht, des Vogelschutzes usw vertreten sein. Dre Gemüsegärtner von Nieder- und Ober-Rad, Vog^- schutzverein u. a. haben ihre Beteiligung zugesagt. — Der Vor-- fitzende Sauerwein von der O b st v e r w e r tu n g s ze n tra.Le) Frankfurt berichtete über die Frankftrrter Obswermittluüg. Sie wurde 1893 auf Anregung Leopold Sonnemanus eingerichtet und bewährte sich gut, der Umsatz stieg bis 1905 auf etwa 33 Millionen Mark. Nach Eingreifen beS deutsck-en Pomvlogen-, Vereins ging der Absatz sehr zurück. Die Stadt und ein Komitee treffen jetzt Vorbereitungen für eine neue Obstzentrale. Es ist ein dauerndes Geschäftszimmer eingerichtet worden, die Märtte finden in der städtischen Halle wöchentlich einmal statt. — Ein Antrag vom Bezirksverein Gießen, daß die Tättgkeit der Baumwärter vom Obstbauverein überwacht werden soll, findet An- rmhme. Ebenso ein Eintrag der Baumwärtervereinigung, die Kreisämter möchten _ die Gemeinden ersuchen, daß die Baum- wärter zu Ehrenfeldschützen angenommen würden. Im Interesse btt? Obstschutzes wird dies besonders Daraufhin erschien die Angeklagte damals nicht zu dem Verhandlungstermin, konnte es jedoch nicht verhindern, daß sie in einem anderen Beleidigungsprozeß in zwei verschiedenen Terminen eidlich über ihre Beziehungen zu Scheuer vernommen wurde. Sie leugnete beide Male ihren Verkehr mit Pfarrer Scheuer und auch dieser stritt ab, daß er mit ihr zu tun gehabt habe. Im zweiten Termin will sie durch Winke und Handbewegungen des Pfarrers noch besonders darin bestärkt worden sein, die Unwahrheit zu sagen. Trotz dieser eidlichen Aussage ging das Gerede gegen die jetzige Angeklagte und den Pfarrer weiter, und in der Folge befaßte sich auch die Staatsanwaltschaft mit der Sache. Pfarrer Scheuer, der hiervon Wind bekommen hatte, verschwand alsbald aus Kolbermoor und tauchte nach einiger Zeit in Illinois in Nordamerika wieder auf, während die Angeklagte Trautsch in Haft genommen wurde. — Die umfangreiche Zeugenvernehmung ergab, daß der Pfarrer Scheuer bis zuletzt mit großer Entschiedenheit jede Schuld in Abrede gestellt hatte und auch bei anderen Zeugen bemüht gewesen mar, sie zu falschen Aussagen über sein .Verhältnis zur Angeklagten zu verleiten. Der psychiatrische Sachverständige Frhr. v. Schrenk-Notzing meinte, daß der Angeklagten mit Rücklicht auf ihren wahrscheinlich hysterischen Zustand und ihre leichte Beeinflußbarkeit mildernde Umstände würden zugebilligt werden müssen. Das Schwurgericht nahm nur fahrlässigen F a l s ch e i d an, worauf die Angeklagte wegen dieses in zwei Fällen begangenen Deliktes zu 8 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten und 10 Tagen auf die erlittene Untersuchungshaft verurteilt wurde. (9cr$d?tsjaaL Heilbronn, 9. Juli. Das Schwurgericht verurteilte den Schultheißen und Grundbuchbeamten Karl Benz aus Löchgau wegen Fälschung privater und öffentlicher Urkunden, sowie wegen Fälschung im Amte und wegen Betrugs zu sechs Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, wovon zwei Monate für die Untersuchung in Abrechnung kommen. Leipzig, 9. Juli. Im Spionageprozeß ist die Kommissionärin Anna Z a r l e n g a (Straßburg) zu seck)s Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden, Kaufmann Albert Luck unb Geschäftsagent Alois Weiskopf, beide aus Straßburg, erhielten je vier Jahre Zuchthaus und sechs Jahre Ehrverlust, Kaufmann Karl Luck (Straßburg) wegen Beihilfe zwei Jahre Zuchthaus nnd fünf Jahre Ehrverlust. Bei allen wurde außerdem auf die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. Untersuchungshaft wird teilweise angerechnet. Die Kellnerin Josephine M auch in Lahr ist f r e i g e s p r o ch e n worden. Stuttgart, 9. Juli. Die Strafkammer hat den früheren Hostheater-SekretärEhristian Böhringer wegen Unterschlagung und Untreue zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteiü unter Anrechnung von einem Monat und 15 Tagen Untersuchungshast. Böhringer hatte der Hostheaterlasse, der Kasse der Witwen- und Waiscn-Pensionsgescllschaft der Hostapelle, sowie der Unterstützungstasse der Bediensteten des Hoftheaters Geldbeträge in Höhe von 6600 Mark entnommen und für sich verbraucht. Wien, 9. Juli. Das Schwurgericht hat nach sechstägiger Verhandlung C o l p i wegen des Bankdiebstahls in Trient einstimmig für schuldig erklärt und ihn zu sechs Jahren schweren Kerkers mit Verschärfung durch vierteljährlichen Fasttag, sowie zur Rückzahlung von 14 476 Kronen an die Banca kooperative in Trient verurteilt.__ Universitäts-Nachrichten. — Frankfurt a. , 10. Juli. Nach bem Vorlesungs- Verzeichnis für das nm -5. Oktober beginnend Winter- Seme st e r hat die Zahl der an der Akademie wirkenden Lehrkräfte abermals eine Zunahme erfahren; sie beträgt 54 gegen 48 in den vorausgegangenen Semestern und wird sich durch einige bevorstehende Neuberufungen weiter vergrößern. Die Gesamtzahl der bis jetzt angekündigten Vorlesungen beläuft sich auf 132; hiervon entfallen 24 auf die Gruppe Volkswirtschaftslehre, Völkerkunde und Wirtschaftsgeographie, 9 auf Rechtslvissenschaft, 6 auf Versiebernngswissenschaft, Statistik und soziale Medizin, 16 auf Handel?,, issenschatten im engeren Sinne, 47 auf Philosophie, Geschichte, inslgeschichte, Literaturgeschichte und neuere Sprachen, 30 auf Amthemalik, Naturwissenschaften und Technik. Wie bisher ist bet der Zusammenstellung des Stundenplans durch Mittag- und Abendvorlesilngen nach Möglichkeit den Bedürfnisjen der kaut- niänmsch Angestellten, der Lehrer und anderer beruflich tätiger Personeii Rechnung getragen worden.___________________________ Arbeiterbewegung. Nürnberg, 9. Juli. Nachdem die heutigen Verhandlungen vor dem Gewerbegericht mit den Vertretern der seit einigen. Tagen wegen LohÄifferenzen streikenden Arbeiter der Aleistift- fabrik vormals Johann Faber Aktiengesellschast ergebnislos verlaufen sind, wurden heute abend sämtliche Betriebe der vier größten B le i st i f t f a b r i k en in Nürnberg geschlossen. Von der Aussperrung sind über 1500 Arbeiter betroffen^ Handel. — Die Darmstädter Bank beantragt die Zulassung für 6 Mill. Mk. neuer eigener Aktien an der Berliner Börse. — Deutsche Reich sbank. Die Rückflüsse haben sich doch etwas besser gestaltet, als es anfangs schien. Der Status der Bank hat eine Gesamtbesserung um 202,2 Mill. Mk. er- ahren gegen 198,5 Mill. Mk. in der korrespondierenden Woche des Vorjahres. Der steuerpflichttge Notenbetrag ist von 351,9 Mill. Mk. in der Vorwoche auf 149,6 Mill. Mk. zurückgegangen. Der Metallbestand konnte sich um 11,4 Mill. Mk. gegen 10,7 Mill. Mk. bessern. Der Goldvorrat weist eine Zunahme um 17,7 Mill. Mk. auf 751,9 Mill. Mk. aus. Interessant ist noch, daß die Abhebungen auf Girokonto mit 99,3 Mill. Mk. gegen 57,2 Mill. Mk. im Vorjahre ausgewiesen werden und sich auch im Wechselkonto ein Rückgang um 151,5 Mill, eingestellt hat. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 11. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise: Wetzen Ntk. 20.50—21.00, Kurhessischer Mk. 21.25—00.00, La Plata Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 14.75 bis Mk. 15.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 14.75—15.00, Gerste Franken Pfälzer Ried Mk. 16.50—17.00, Kleie Mk. 00.00-00.00, Hafer 15.25—16.00, Mais Mk. 15.50—15.75, Weizenmehl 0 Mk. 28.00 bis 29.00, 2. Qualität Mk. 23.75—00.00, 3. Qualität Mk. 22.25 bis Mk. 00.00, 4. Qualität Alk. 00.00 — 00.00, Roggenmehl 0 Mk. 22.00—22.25, 1. QualitätMk. 19.00—19.50, 2. Qual. Mk. 00.00 bis 00.00, Weizenkleie Mk. 8.50 bis Alk. 9.00, Weizenschale Mk. 00.00—00.00, Roggenkleie Alk. 9.00 bis Mk. 9.50, Malzkeime Mk. Ou.OO—00.J0, Biertreber 12.40—13.00 Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 11. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anzeigers".) K a rt o f f e l m a r k t. Man notierte: Kartoffeln m Waggons Mk. 5.75—6.00, un Kleinhandel Mk. 6.50—7.00 für je 100 Kg. fc. Frankfurt a.M. Viehhof-Marktbericht vom 11.Juli. Auftrieb: Rinder: 1630 (darunter 546 Ochsen [36 aus Oesterrerchh 92 Bullen, 992 Kühe), Kälber 111, Schate 289, Schweine 1569. Tendenz: Rinder schleppend, Ueberstand unbedeutend, Kälber glatt geräumt, Schafe ruhig, Schiveine mäßig, nicht ganz geräumt. Preis pro 100Psd. Ochsen. Vollfleischige, ausgemästele, höchsten Schlacht- ivcrles, höchstens 6 Jahre all .... . Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mäßig genährte junge und gut genährte ältere Bullen. Lebend- Schlachtgewicht Mk. Mk. 47—54 85-94 43—46 78-83 40—42 74—77 Vollflei sch ige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 44—46 73—77 vollfleljchige, jüngere 39—43 65—71 Färsen, K ü h e. Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachttv. 43—48 76—84 Vollfleifchige ausgemästeteKühe höchsteuSchlacht- wertes bis zu 7 Jahren . 40—44 72—76 Aeltere ausgemästele Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen .... 34—40 66—74 Mäßig genährte Kühe und Färsen 25—30 50—60 Gering genährte Kühe und Färsen 20—22 45—49 Kälber. Feinste Mast-(Dollniilchmast) u. beste Saugkälber 50—60 Mittlere Mast- und gute Saugkälber .... 53—55 Geringere Saugkälber 50—51 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthamniel . . . 37—39 Aeltere Masthammel nnb gut genährte Schate 35—37 93—100 89-92 84—87 78—82 73-00 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Ze,itner Lebendgeivicht 53.00—00.00 Vollfleifchige Schweine über 2 Zentner Lebendgeivichl 54.00—56.00 Vollfleifchige Schiveine über 2^, Zentner Lebendgewicht 54.00—56.00 Fettjchwelne über 3 Ztr.Ledendgew. . 52.50—53.50 66.00-70.00 68.00—70.00 70.00—71.00 67.00-70.00 2. Ziehung 1. KL 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 9. Juli, vormittags. Nur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 9 218 41 98 358 84 476 819 992 1 433 519 30 31 600 [200] 42 835 2003 508 70 619 928 43 84 3 089 209 79 345 406 7 4 560 7 2 79 4321 445 58 874 959 5024 [200] 655 6250 91 324 515 709 41 851 977 79 7014 31 153 223 51 78 79 439 [100] 554 9 64 8 015 100 4 55 519 21 31 65 7 9519 2 7 96 6 32 [10j 861 86 957 83 10043 428 602 708 865 941 [200] 11016 64 221 66 467 564 69 75 872 12012 80 273 (200] 304 5 9 4 66 87 520 [100] 904 18 13163 232 322 75 443 [ 300] 515 52 856 1 4105 281 446 5 9 525 67 76y 15458 756 877 16152 293 1 6 710 1 7064 109 851 [200] 960 18227 47 437 [100] 93 583 [100] 770 820 [100] 940 [300] 84 19249 452 86 724 53 807 20003 27 113 55 206 25 513 18 21115 95 246 516 606 862 64 2 2269 [100] 307 656 92 714 [100] 868 2 3205 423 537 605 37 2 4174 239 5 6 313 73 491 514 650 774 869 927 2 5070 77 278 419 60 72 627 734 4 7 26117 25 [100] 219 401 84 2 7113 399 406 600 874 907 2 8033 127 267 519 23 706 [400] 29172 665 825 30064 77 116 93 96 223 3 1 326 570 749 826 969 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Ziehung 1. KL 223. Kgl. Preuss. Lotterie. .. Ziehung vom 9. Juli, nachmittags. Kur die Gewinne über 50 Mark sind den betreffenden 5-ummern in Klammern beigefliirt (Nachdruck verboten ' 34 2Do 7 429 70 709 926 1319 609 740 floo Oikc a-tk 519 919 3137 [100] 299 820 928 58 74 4m [iJS S ® J 5075 821 68 918 [100] 6026 64 97 241 302 461 521 M ™ 7205 87 431 [100] 75 691 720 904 36 8 254 357 "^1 nRnf5ca028 763 808 914 9182 401 793 [100] 823 10601 68 90 825 47 58 999 [100] 1 1270 [100] 94 ^3 619 7.39 1 2015 62 136 489 538 1 3081 '70 79 362 419 85 515 807 «4 15027 101 474 854 [300] 16011 109 91 231 359 82 495 611 52 835 17(11 e 98 235 484 [100] 692 703 82 831 [100] 37 1 8033 215 408 62 937 10169 542 784 841 96 „„„ 20214 [200] 460 673 969 21145 86 300 19 24 33 533 766 899 966 2 2064 125 419 54 [100] 555 [100] 669 23135 44 783 917 31 56 2 4003 125 72 98 226 496 7n [100] 8<7 25097 199 235 461 849 [300] 79 2<3349 87 477 551 92 778 2 7016 2 04 337 458 842 2 8131 84 »'2 3I5 ZT 809 20140 88 334 [100] 96 81 69 377 608 93 713 3 1 073 405 [3)0] 43 724 824 306 471 313 792 948 33090 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