Nr. 159 Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, nutzer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKamstienblätter; zweimal wöchentl.Areis- blatt für den Kreis Lietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. £anb- wirlfchaftliche Zeilfragru Fernjprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnuminer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag 11. Juli 1910 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der Vrubl'schen Unw.-Vuch- und ZteindruSerei R. Lange. Redaltion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokallöPs^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für ^Feuilleton" und.Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt ruLand" und „Gerichts- faal": E. Hetz; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Zum Rücktritt des Erbprinzen Hohenlohe vom Reichstagspräsidium schreibt die Ncrllib. Korrespondenz: „Wir können die Beweggründe, die ihn zu dem Rücktritt veranlaßt haben, Wohl verstehen und geben unserer großen Achtung AuSdruck für einen Mann, der in einer Zeit wie der unserigen, die so reich ist an öffentlicher und politischer Heuchelei, den Mut findet, seine politischen Ueberzeugungen konsequent durch»- zudenken uni) das Ergebnis seiner lieber zeugung en auch praktisch zu verwirklichen. Wir haben vorausgesehen, daß der mit ehrlichem Wollen unternommene Versuch des Erbprinzen, durch seinen Eintritt in das Präsidium einer Wiederannäherung der Blockparteien vor- zuarbeitQi, werde scheitern müssen. Wir ersehen wieder aus diesem umsonst gebrachten Opfer, daß jeder Versuch, parteipolitische Situationen zu verschleiern oder notwendige Konsequenzen einer parteipolitischen ^Neuorientierung zu hemmen, vergeblich bleiben muß. Das legiere muß, mit untauglichen Mitteln unternommen, immer scheitern. .Es sei denn, daß ein wirklich großer Staatsmann die Lösung einer solchen Aufgabe übernähme. Wir haben oft in den hinter uns liegenden Monaten die Frage immer banger und immer zweifelnder sich erheben hören: Haben wir in der gegenwärtigen politischen Lage, die sich — darüber wollen wir uns nicht täuschen — nicht nur zu einer augenblicklichen, in absehbarer Zeit zu überwindenden, innerpolitischen Krisis gestaltet hat, sondern die uns in Zustände hineintreibt, bei denen vielleicht die Grundlagen unseres Staatswesens und die wirtschaftliche Zukunft unseres Volkes auf dem Spiele steht — — wir fragen: haben wir in dieser Lage den Staatsmann, der mit großen Mitteln, und nur solche kommen noch in Frage, den Bürgerfrieden im Lande wieder Herstellen kann? Wir haben volle Sympathie mit dem aufrichtigen.Bestreben des Reichskanzlers, den jetzigen Parteihader zu überwinden. Wir haben auch volles Verständnis dafür, daß seine so ungemein schwierige Lage durch den Rücktritt des Erbprinzen Hohenlohe sich noch weiter verschlechtert hat. Diese Verschlimmerung einer an sich schon fast aussichtslosen Lage würde einen kleinmütigen, seinem eigenen Können mißtrauenden Staatsmann zur Resignation bringen. Wir wollen hoffen, und unser ehrlicher Wunsch spricht aus dieser Hoffnung, daß der leitende Staatsmann eine solche Resignation nicht in sich aufkommen läßt. Der Reichskanzler muß sich dann aber gleichzeitig auch darüber klar sein, daß eine Politik wohlwollender, passiver Neutralität unser Staatsleben nicht mehr zur Gesundung führen kann. Das Volk, in allen seinen Schichten von Unzufriedenheit und Mißmut erfüllt, will Endlich und muß endlich wissen, wohin die Fahrt geht. In Zeitläuften, wie den unserigen, bedarf es mehr denn je eines energischen Willens, der durch Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte der großen Gefahr einer erschreckend anwachsenden Sozialdemokratie einen wirksamen Damm entgegen zu setzen imstande wäre. Wir wollen hoffen, daß die Erkenntnis dieser Gefahr und die Ueber- zeugung von der schweren historischen Schuld, die die bei der Erledigung der jetzigen Reichsfinanzreform beteiligten Faktoren auf sich genommen haben, in allen Kreisen und auch bei den Personen wachse, die an verantwortlicher Stelle die Geschicke des Vaterlandes zu leiten berufen sind. Einer energischen und zielbewußten Regierung, die von ihrer Autorität den rechten Gebrauch macht, die diese Autorftät einsetzt, nicht zur Konservierung unhaltbar gewordener Zustände, sondern zu gunsten einer gesunden Fortentwicklung des Staatsgedankens, einer solchen Regierung wird unser Volk gern .Vertrauen entgegenbringen, und die ihrer Verantwortlichkeit bewußten Parteien werden sich der Mitarbeit an einer solchen Gesundung unseres politischen Lebens nicht entziehen können. Die neue preußische Einkommenfteuernovelle. Unter den bedeutenderen Entwürfen der neuen Session des preußischen Landtags wird an erster Stelle der Entwurf zur Neuregelung der Einkommen-und Ergänzungssteuer stehen. Der Entwurf ist in seinen Grundzügen noch vom Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben entworfen worden und dürfte im allgemeinen auch in dieser Gestalt vom neuen Finanzminister übernommen werden. Der Entwurf sieht neben neuen Steuerstufen auch eine Neuregelung des Veranlagungswesens vor, um die Steuerhinterziehungen auf ein Mindestmaß zu beschrän- k e n. Die Einführung eines neuen Steuertarifs erfolgt nicht, um die Steuerschraube zum Schaden der Steuerzahler mehr anzuziehen, sondern um die durch die Novelle von 1909 geschaffenen Härten auszu gleich en. Bekanntlich hatte der Landtag im Frühjahr 1909 zur Deckung der Mehrbedürfnisse aus der Beamtengehaltsvorlage eine Steuernovelle verabschiedet, die eine sehr willkürli.he Erhöhung der Einkommensteuer vorsieht, die auf die Dauer sehr belästigend wirkt. Es wurden Zuschläge vorgesehen von 5, 10, 15, 20 und 25 Proz. ohne alle Zwischenstufen, so daß bei einer geringen Ueber- schreitung der Grenzsummen sofort eine höhereSteuerleistung hervorgerufen wurde. Diese Zuschläge sollen nicht abge- schafft werden, denn die Vorbedingung für ihre Schaffung besteht nach wie vor fort, der Tarif soll aber in den Zwischenstufen reichhaltiger ausgestattet werden und dadurch auch in den einzelnen Steuerleistungen ausgleichender wirken. Beabsichtigt ist auch, den früher vom Landtage nicht befolgten Grundsatz, die unteren Steuerstusen bis 1800 Mk. möglichst nicht durch Zuschläge zu belasten, wieder aufzunehmen. In der Regierungsvorlage von 1909 soll erst von 7500 Mk. ab ein Zuschlag erhoben werden, während der Landtag bereits ein Einkommen von 1200 Mk. mit Zuschlag belegte. Die herrschenden Teuerungsverhältnisse belasten die unteren Steuerklassen schon so erheblich, daß eine kleine Entlastung durch Steuerverminderung wünschenswert erscheint. Eine Mehrbelastung der Steuerzahler wird die Neuregelung in keinem Falle bringen, doch hofft man, durch das neue Veranlagungsverfahren den Ertrag aus den Einkommen- und Eraänzungssteuern zu erhöhen, mdem vielfache Mängel der Selbsteinschätzung fortfallen Einrichtungen getroffen werden, die eine reelle Einschätzung des Einkommens und des Vermögens bedingen. Das Finanzministerium steht im allgemeinen auf dem Standpunkt, daß die Höhe der Steuerhinterziehungen nicht so groß sei, wie man annehme, doch wird zugegeben, daß bei dem bisherigen Verfahren Verschleierungen möglich sind und auch gemacht werden. Die Novelle wird auch ein altes Recht der Kommunen wiederherstellen, das ihnen die Novelle von 1909 genommen hatte, nämlich das Recht, die gleichen Beträge wie der Staat für die Kommunalsteuern zu erheben, wahrend zurzeit die Zuschläge von den Kommunen nicht erhoben werden dürfen. Auch die Berechnung der Zuschläge für Wahlzwecke bleibt jetzt außer Betracht, dies ist nicht zulässig, denn der Einfluß des gesamten Steueraufkommens auf das Wahlrecht ist verbürgt. politifdic Tagesschau. Majestättbeleidigung. In dem Entwurf des Strafgesetzbuches, betreffend die Bestrafung von Majestätsbeleidigungen, hatte der Reichstag seinerzeit eine Aenderung vorgenommen, die auf den ersten Blick nur redaktioneller Natur zu sein schien. Wie die Regierungsvorlage bestimmte, sollte eine Bestrafung der Majestätsbeleidigung nur dann eintreten, wenn die Beleidigung böswillig und mit Vorbedacht begangen würde. Das Reichsparlament änderte jedoch letzteren Begriff in „mit Ueberlegung" ab, weil man keinen neuen Begriff einführen, sondern den in Wissenschaft und Praxis schon bekannten Begriff der Ueberlegung verwenden wollte. Man war der Ansicht, daß sich „Vorbedacht" und „Ueberlegung" begrifflich deckten, keineswegs wollte man aber die Strafverfolgung gegenüber der Regierungsvorlage erleichtern. Letzteres ist nun in der Tat, wie die „Deutsche Juristenzeitung" bekannt gibt, nach einer Reichsgerichtsentscheidung vom 8. März 1910 eingetreten: Eine Strafkammer hatte als erwiesen erachtet, daß eine von dem Angeklagten getane Aeußerung eine gegen den Kaiser gerichtete ehrverletzende Kundgebung enthielt. Sie hat aber sreigefprochen, weil die Aeußerung nicht in der Absicht der Ehrverletzung, böswillig und mit Ueberlegung erfolgt sei, weil der Angeklagte sie nicht „prämeditiert", sondern nur gelegentlich eines langen, freien Vortrages, in,dem er nicht jedes Wort erwog, gebraucht l>abe. Das Reichsgericht hat dies Urteil ausgehoben, well die Novelle vom 17. Februar 1903 eine „prämeditierte" Tat nicht voraussetze. Denn Vorbedacht erfordere, daß der Täler die Aeußerung „vorher bedacht" habe; das Vorherbedenken und Vorausberechnen bilde aber fein Begriffsmerkmal der Ueberlegung, die nur eine im Augenblick der Tat vorhandene, genügend klare Erwägung über die zur Herbeiführung des gewollten Erfolges erforderliche Tätigkeit, sowie über die zum Handeln drängenden und von diesem abhaltenden Beweggründe verlange, und zwar gleichgültig, ob ein etwa schon vorher gefaßter Entschluß zur Tat ebenfalls auf einer derartigen Erwägung beruhe ober ob der Entschluß zur Tat im Affekt gefaßt war. Tie Strafkammer habe deshalb zu viel verlangt, wenn sie em vorbedachtes Handeln als Voraussetzung der Strafbarkeit ansehe. Tatsächlich hat also hiernach die vom Reichstage vorgenommene Aenderung einer Regierungsfassung eine Erleichterung der Strafverfolgung bewirkt. Diese Wirkung hat aber niemals im Sinne des Parlaments gelegen und die praktischen Erfahrungen werden hoffentlich dazu dienen, die eigenartigen Wirkungen eines terminologischen Schönheitssinnes für die Zukunft unmöglich zu machen. Eine neue französische Skandalasfäre. Un. Sachen der Roch ett e-Ang e leg enheit hat der französische Justizminister die Staatsanwaltschaft aufgefordert, eine Untersuchung gegen jene Richter und Beamten einzuleiten, die im Verdachte stehen, von der im März 1908 geplanten Verhaftung des Bankdirektors Rochette Kenntnis gehabt zu haben. . Anzeichen weisen darauf hin, daß mehrere Richter ihre .Mnntnis i in eigennütziger Weise ausnützen. Zahlreiche Pariser Blätter beschäftigen sich mit dem anläßlich der Rochetteaffäre gegen den früheren Ministerpräsidenten Clemenceau erhobenen Angriffe. — Die „Lan- terne" schreibt: Die von einem Blatte veröffentlichte Behauptung, daß der Polizeipräsident Lspine bei der Verhaftung Rochettes nur einen vom damaligen Ministerpräsidenten Clemenceau erteilten Befehl ausgeführt habe, kann nur vom Polizeipräfekten selbst ausgehen. Wenn das wahr ist, dann muß der Polizeipräsekt den von der Hayd Clemenceaus geschriebenen und unterzeichneter, Haftbefehl vorzeigen, denn ein Beamter übernimmt eine derartige Rolle erst dann, wenn er einen ganz bestimmten Auftrag dazu erhalten hat. Selbst in diesem Falle hätte der Polizeipräfekt aber eher seine Entlassung geben sollen, als daß er eine Maßnahme ausgeführt hätte, die geradezu einer Gesetzesverletzung gleichkam. — Die „Action" meint, die öffentlich erhobenen Anklagen sind so ernst, daß das öffentliche Gewissen um jeden Preis eine Genugtuung erhalten muß. Die gegenwärtige Regierung hat nichts zu befürchten und ihr kann nur gedient sein, wenn sie volles Licht über diefe Angelegenheit verbreitet. — Der royalistische „Soleil" behauptet: Rochette stand Clemenceau im Wege, nicht weil er Unternehmungen gründete und Geschäfte machte, sondern weil er die Idee hatte, ein Werk zu Unterstützen, für das der frühere Ministerpräsident Combes sich interessierte. — Das „Paris Journal" teilt mit, daß die Brüder Clemenceaus versucht hätten, dem gegenwärtig auf einer Fahrt nach Argentinien befindlichen früheren Ministerpräsidenten mittels Funkentelegramms von den gegen ihn erhobenen Angriffen zu verständigen, doch besitze das betreffende italienische Schiff keinen Telefunkenapparat. — Dor Ingenieur Paul Clemenceau und der Advokat Albert Clemenceau Sprachliches zur Brüsseler Weltausstellung. (Um Nachdruck wird gebeten!) Deutsche, redet in Belgien Deutsch! Das sei, allen gesagt, die da meinen, dort könne man nur mit Französisch durchkommen. Man wird staunen, wie viel Berkehrsbeantte, Dienstleute, Kellner, Friseure, Verkäufer und Verkäuferinnen Hochdeutsch verstehen, wenn es gewünscht wird. Erreicht man in einem Laden mit deutschen Fragen nichts, so gehe man ins nächste Geschäft, und in kurzer Zeit wird auch in jenem Laden jemand angenommen sein, der Deutsch bedienen kann. Treten wir so in belgischen Städten auf, so werden wir zahlreichen Landsleuten, sowie anderen, die Deutsch können, das Fortkommen erleichtern, aber auch französisch gesinnten Belgiern zum Bewußtsein bringen, wieviel sie an Reichsdeutschen verdienen. — Wer Plattdeutsch versteht, mag es in Belgien damit versuchen, ehe er zu Französisch greift, falls Hochdeutsch nicht ausreicht. Denn die Mehrzahl der Belgier sind Niederdeutsche, so gut nrie Holländer, Westfalen, Holsteiner, Mecklenburger u. a.: Vlamen nennen sie sich, und als Büchersprache gilt ihnen das Niederländische, in gleicher Gestalt irrie bei Holländern und Buren. Die Wallonen, der romanische Bestandteil der Belgier, bedienen sich als Sckfristsprache des Französischen. Die räumlichen Gebiete beider Stämme sind durch eine deutliche Linie geschieden, die in ostwestlicher Richtung von Aachen zwischen Waterloo und Belle Alliance hindurch nach Kortrijk (Conrtrai') zieht; Brüssel liegt also im vlämischen Belgien, etliche Meilen nördlich dieser Grenze. Im Jahre 1900 zählte man in Belgien über 2 800 000, die nur Vlämisch, und 2 570 000, die nur Französisch konnten. Unter den 900 000, die beide Sprachen beherrschten, waren gewiß Vlamen, die auch Französisch verstehen, viel zahlreicher als Wallonen, die auch Niederländisch sprechen: und so ist das ziffermäßige Uebergewicht der Vlamen ganz beträchtlich. Warum trotzdem im öffentlichen Seb en das Französische den ersten Platz inne hat, erklärt sich aus Belgiens Geschichte. Daß es aber in den letzten .30 Jahren der vlämischen Bewegung gelungen ist, der lange verachteten Muttersprache die amtliche Gleichberechtigung zu erringen, das wird jeder Rcisenoe gewahr, der es nicht schon von den Freimarken fNiet bestellen op Sonbag — Ne Pas livrer le dimanche) her weiß: an Eisenbahnen und Straßenschildern, an Staatsgebäuden und städtischen Anstalten sieht er zweisprachige Inschriften. So liest man auf der einen Münze: Leopold deux, roi des Belges, aber auff der anderen: Leopold de Tweede, Koning der Belgen. —- Wenn wir trotz dieser Sachlage bem Französischen ohne Not den Vorzug geben, so hemmen wir die vlämische Bewegung, die jene alten urdeutschen Landschaften Flandern und Brabant, deren Bewohner vor 2000 Jahren die ersten waren, die den Namen Germanen trugen, vom französischen Firnis wieder befreien will. Darum die Bitte: Redet in Belgien Deutsch! * Vas Recht auf Lust. Im überfüllten Speisesaal eines aus Holz gebauten Luftkurhotels herrscht an einem glühenden Sommertag eine unerträglich Schwüle und schwere Atmosphäre. Einer der unter der Hitze und Uauarbeit stöhnenden Gäste kommt endlich auf den erlösenden Gedanken, einen schwarzbefrackten Jüngling herbeizuwinken und ihm den Auftrag zu geben, eins der zahlreichen luftdicht verschlossenen und verhängten Fenster zu öffnen. Ein allgemeines Aufatmen der Erleichterung geht durch den Saal. Aber die Freude währt nicht gar lange. Dort in einem dem geöffneten Fenster gegenüber liegenden Winkel sitzt eine alte, in einen Schal gehüllte Dame (es kann auch ein älterer oder sogar jüngerer Herr mit seidenem Halstuch sein), deren gewohnheitsmäßiges Hüsteln, sobald sie den Vorgang nicht sowohl gespürt als gesehen hat, sich in bedenkliches Husten verwandelt, und die mit dräuenden Geberden einen anderen Kellner zu Hilfe ruft, ihm den energischen Gegenbefehl erteilend, das Fenster unverzüglich wieder zu schließen. Nun verlangt der ungeschriebene internationale Höflichkeitskodex, daß sich ein paar hundert Willen dem einzelnen Willen unweigerlich, wenn auch murrend unterordnen. Warum soll die — meist eingebildete — Erkältungsgefahr einer einzelnen Person schwerer ins Gewicht fallen als unbehagliche Nervenzustände, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle und dergleichen, die bei Dutzenden durch die Luftentziehung herbeigcftihrt werden können? Wari m? Man sage uns, warum'! Der Schnellzug saust zur Hundstagszeit durch die Ebene. Der Himmel ist bedeckt, aber der ersehnte Regen will sich nicht ein- stellen. Auf einer Zwischenstation steigt zu den sieben Insassen eines Coupss zweiter Klasse eine hochnoble Dame mit rinem Schoßhündcben ein. Nun hat jeder wenigstens das Gefühl der Sicherheit, daß alle Plätze besetzt find und kein weiterer Passagier mehr eingelassen werden kann. Kaum hat sich die Dame zurechtgerückt, als sie etwas H albverständlich es von Rheumatismus murmelt und die offenen Fenster zuzumachen ersucht. Es geschieht widerspruchslos auf der Windseite, wie es die Eisenbahnvorschriften wollen. Aber die Dame ist nicht damit zuftieden. Sie bittet, auch das andere Fenster zu schließen, und als sich die Na- bant zunächst einmal taub stellen, wird sie immer dringender und setzt eine Miene auf, als ob es sich für sie um Tod und Leben handle. Was beginnen? Ritterlichkeit verpflichtet. Mit einem unterdrückten Fluche und einem hörbaren Ruck zieht der unmittelbar am Fenster Sitzende es hinauf. Nun ist das Coups hermetisch verschlossen, und die darin zusammengepferchten Menschen auf ihren verstaubten Plüschpolstern mögen zusehen, wie sie ohne Leibesschaden wieder herauskommen. Und dies alles um des einen Rheumatismus willen, dessen Besitzer vielleicht gar nicht die Dame selbst, sondern nur ihr Hündchen ist! — Um es kurz zu machen — in welchen Räumen und zu welchen Zwecken immer Menschenherden zusammengespcrrt werden: eine noch so kleine lustscheue Minderl>eit vermag die lustbedürftige Mehrheit zu tyrannisiere::. Ist das unabloendbares Schicksal? Und warum? Da wir ja im Zeitalter der literarischen Rundfragen leben, entschließt sich vielleicht jemand dazu, bei medi- zinischen Autoritäten über diesen merkwürdigen Fall Erhebungen anzustellen und sie dem neugierigen Publikum mitzuteilen. ♦ Prof. Galle t- Potsdam, 11. Juli. Der Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Johann Gottstied Galle, der Entdecker des Planeten Neptun, ist geftern nachmittag int Alter von 98 Jahren gestörten. Galle war am 9. Juni 1812 in Pabsthaus bei Grasen, hainchen geboren. Er studierte von 1830 bis 1833 in Berlin Mathematik mtb Naturwissenschaften, wellte bann als Gymnasiallehrer kurze Zeit iit Guben autb in Berlin und wurde 1835 zum Observator an der Berliner Sternwarte ernannt Im Jahre 1851 wurde er Professor der Sternkunde und Direktor der Stern- warte in Breslau, an der er bis zum Jahre 1895 tätig war Außer einer fruchtbaren s.christstellerischen Tätigkeit hat Galle sich durch die ^Entdeckung dreier neuer Aomete große Vertuenste um bre Sternkunde erworben. e Jedenfalls mußte es aber sehr auffallen, daß Don sämtlichen Vereinen nicht einer ein eigentliches Volkslied Dortrug, obwohl doch gerade die hiesige Gegend durchaus nicht arm an Volks- nächst zugehen. den Wert des Vollsliet Bundespräsidenten Le Großen-Linden versctz reicht; zugleich erncri? Aus Konstantinopel wird gemeldet: Mehrere Blätter veröffentlichen eine Darstellung der Polizewirekkion, in bcr die seit einigen Tagen umlaufenden Gerüchte von der Aufdeckung eines geheimen reaktionären Bundes der „Parteigänger gründlicher Reformen" und die Verhaftung Don 63 Personen, vorwiegend entlassener Beamten, bestätigt werden. Es verlautet, daß die Verhafteten nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Als ihre Führer werden einige höhere Persönlichkeiten des alten Regimes vermutet. Achteten an die Blätter ein öffentliches Schreiben, indem sie entschieden gegen die Behauptung protestieren, daß ihr Bruder George tzlemanceau irgendeine Rolle in der Angelegenheit Röchelte gespielt habe. Man habe offenbar erst Clemenceaus Abreise nach ^Argentinien aügewartet, um gegen ihn Anklagen zu erheben. Diejenigen, die George Clemenceau kennten, wüßten, daß er /niemals in eine gerichtliche Angelegenheit eingegriffen habe. Seine 'Verleumdungen würden noch rechtzeitig die richtige Antwort er- - halten, die einen Beweis für ihre Lügen bilden werden. liedern ist. wie sich jeder bei einem abendlichen Gang durch die Dörfer überzeugen kann. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, das ewig junge, jederzeit schöne Volkslied auch in den Gesangvereinen mehr einzubürgern. Nach Schluß der Gesangsvorträge folgte ein Tanz, der die Teilnehmer bei frohem Zusammensein bis tief in die Nacht hinein festhielt. = Leihgestern, 11. Juli. In der gestrigen Generalversammlung de§ Gesangvereins „Eintracht" wurde beschlossen, das 50jährige Vereindjubiläuin, verbunden mit einem nationalen Gesa n gs - W e tt st re it, am zweiten und dritten Pfingstfeiertage 1911 (5. und 6. Juni) festlich zu begehen. Die ersten Rundschreiben werden den Vereinen dem- Dcuthches 2Xcid>» In Bremen erfolgte die Enthüllung des Don Prof. Adolf Hildebrand-München geschaffenen R e i t e r st a n d b i l d e s für den Fürsten Bismarck. Im Namen des Denkmalkomitees übergab Franz Schütte das Denkmal dem Vertreter des Senats. Bürgermeister Dr. Pauli führte aus, daß dank des Patriotismus, der Pietät und der Opferwilligkeit von Bremens Bürgern zum Gedächtnis an jene große Zeit Mittel dargeboten worden seien, daß nacheinander die Standbilder Kaiser Wilhelms I., des erhabenen Gründers des Reiches, Kaiser Friedrichs, des Schlachten* denkers Moltke und nunmehr als würdiger Schluß dasjenige Bismarcks in Bremen erstehen konnten. Am Fuß des Denkmals, das den Fürsten Bismarck in Kürassieruniform zu Roß auf einem sechs Meter hohen Sockel zeigt, wurden zahlreiche Kränze nieder- gelegt. Im sächsischen Reichstagswahlkreis Zschopau-Marienberg hat der von Nationalliberalen und Fortschrittlicher Volkspartei für die Ersatzwahl aufgestellte freisinnige Landtagsabgeordnete Roch aus Gesundheitsrücksichten seine Zusage zur Kandidatur zurückgezogen. An seine Stelle wurde von der fortschrittlichen Volkspartei Landgerichtsrat Brodaus- Chemnitz als Kandidat aufgestellt. Aus Odde, 10. Juli wird gemeldet: Der Kaiser hielt heute vormittag G o t t e s d i e n st auf der „Hohenzollern" ab und erledigte dann Geschäfte. Nachmittags unternahm der Kaiser । einen längeren Spaziergang in die nähere Umgebung. Der Geheime Obermedizinalrat Dr. Paul Ehrlich, Direktor des Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M., zugleich ordentlicher Honorarprofessor in der Göttinger medizinischen Fakultät, wurde Dom Bundes rat zum Mitglied des Meichsgesundheitsrats gewählt. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, ist der Reichskanzler nach Hohenfinow zurückgekehrt. Der Gesandte Rosen in Tanger, der nach Bukarest geht, wird durch den kaiserlichen Gesandten Frhru. v. Seckendorfs ersetzt. Dem Reichskolonialamt und der Diamantenregie wurde Don VriDater Seite die Anzeige erstattet, daß für mehr als zwei Millionen aus den Feldern Südwestasrikas geschürfte Diamanten aus Lüderitzbucht hinausgeschmuggelt worden sind, und daß der Landesfiskus um die ihm zustehenden Zollgebühren im Betrage Don mehr als 700000 Mark betrogen wurde. Die Verfolgung der Schmuggler ist bereits eingeleitet. Das Oberoerwaltungsgericht wies die Berufung des sozialdemokratischen Gewerkschaftsführers Ernst, wegen Versagung der Genehmigung zu Versammlungen unter freiem Himmel und Umzügen in Berlin, gegen den Polizeipräsidenten ab. Die w ü r t t e m b e r g i s ch e Zweite Kammer hat einem Nacht ragsetat Don 335 000 Mark zugestimmt, die dazu ver- wendet werden sollen, die durch die früheren AmtsDerletzungen der seitherigen Schultheißen und Gruudbuchbeamten Don Stockheim und Löchgau vom Staat zu ersetzenden Schäden zu decken. Die Kretafrage. C a n e a, 9. Juli. Die Nationalve r sammln ng ist um 5 Uhr nachmittags .zusammengetreten. Bon 114 Abgeordneten tvar en 59 erschienen, davon ftinfmten 55 für die Zulassung der Muselmanen. Daraus vertagte sich die Ver- samrnlnng auf 4 Monate. — Der Mim Führer der Opposition erwählte Michelidakis und seine Anhänger weigerten sich, zu gestatten, daß die kretrschen und mohammedanischen Abgeordneten an denSitznngen ohne Eidesleistung teilneh'men tonnen. Michelidakis macht sich nur anheischig, dafür zu sorgen, daß ‘feine Unruhen stattsinden, wenn die Majorität sich dem Wunsch der Mächte geneigt zeigen sollte. Er und seine Freunde nahmen an der Nationalversammlung nicht teil. Konstantinopel, 9. Juli. Die Pforte beauftragte ihre Botschafter, bei den Kabinetten der Kretaschutzmächte gegen die Einmischung des Königs der Hellenen und der griechischen Regierung' in die inneren Angelegenheiten der Türkei durch die den Kretern erteilten Ratschläge, den Wünschen der Mächte nachzukommen, zu p r o t e st i'e - r en. — Auf die neuerliche Vorstellung der Türkei wegen der Kriegs Dorbereitung en er riberte Griechenland, es handele sich um gewöhnliche Militärübungen. Uebrigens würden dieser Tage 7000 Mann entlassen. Der türkische Kriegsminister beauftragte die Behörden Don Janina und Jlassona, die Herstellung bezw. Ausbesserung der Straßen und Brücken, die nach der griechischen Grenze führen, mit allen Kräften zu beschleunigen. Von der griechischen Grenze laufen Meldungen über gewisse Verteil) i g u n g s-- maßregeln ein. — Wieseck, 10. Juli. Der Gesangverein „Kon- k o r d t a" feierte heute sein s gch z i g j ä h r i g e s Jubiläum. £nl)on am Vorabend fanden nach einem Umzug durch die Straßen des Festortes auf dem Festplatz Gesangvorträge und Konzert statt. Auch der Himmel Derschloß endlich seine Schleusen, wenn auch üeicwaues Gewölk am eigentlichen Festtag vorhielt. So konnte sich denn das von langer Hand vorbereitete Fest ohne Störung abwickcln. Es begann damit, daß in aller Frühe eine passende Morgenmusik die Bewohner aus ihrem Schlafe weckte und ihnen auf diese Weise die Eigenartigkeit des Tages zum Bewußtsein brachte. Nachmittags langten die auswärtigen Vereine zu Wagen und zu Fuß und die übrigen Festgäste au. Außer 12 hiesigen Vereinen, deren Beteiligung gewiß als ein Beweis für das friedliche Verhältnis der hiesigen Bürgerschaft angesehen werden darf, waren noch 10 auswärtige Vereine erschienen. Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich der Festzug unter Vorantritt der Becker'schen Musikkapelle durch das festlich geschmückte Dorf nach dem Festplatze. Dort begrüßte das Vereinsmitglied Seuling die Festteilnehmer. Er wies darauf hin, wie in der Zeit von sechzig Jahren der durch Lehrer Hansult gegründete Verein Freud und Leid erfahren, wie die Vereinsmitglieder aber treu zusammengehalten hätten. Der Radfahrerverein Wieseck, sowie der Gesangverein Jugendgrund hefteten mit entsprechender Widmung eine für den Verein Konkordia gestiftete Fahnenschleife an das Vereinsbanner, wofür der Präsident des festgebenden Vereins herzlichen Dank aussprach. Es folgte nun ein Begrüßungslied des Jubelverems. Der Gesangverein Liederkranz-Odenhausen er- inctc die Reihe der Gesangsvorträge, die in flotter Aufeiuander- olge etwa zwei Stunden in Anspruch nahmen und im allgemeinen von fleißiger Schulung zeugten, wenn auch Harmonie und Ansprache, sowie Auffassung mitunter zu wünschen übrig ließen. 2htslanfc. Einer amtlichen Mitteilung zufolge richtete der Geschäfts- träger des Heiligen Stuhls im Namen des Papstes am 6. Juli ein Schreiben an den Minister des Aeußern, in welchem dieser gebeten wird, der Königin mitzuteilen, der Papst habe mit Bedauern die irrtümliche Auslegung der Enzyklika m ben Niederlanden vernommen. Er lasse der Königin versichern, daß er darin keineswegs die Fürsten des Hauses Öranien, noch ihre Vorfahren und die nichtkatholischen holländischen Untertanen im Auge gehabt habe. Zur Feier der vor 50 Jahren erfolgten Einverleibung von Nizza und S a v o p e n in Frankreich fand heute ein Bankett statt, woran mehrere Minister teilnahmen. Minister Pichon erinnerte in seiner Rede an die Waffenbrüderschaft der Italiener und Franzosen und pries die Entente und Freundschaft zwischen beiden Völkern. Die Zeitung „ABC" meldet aus Paris, daß der spanische Botschafter rn Paris, Marquis del Muni, durch den früheren Minister des Aeußern, Perez Caballero, ersetzt werden soll. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht eine Note, die hervorhebt, daß, seitdem die Frage dec juristischen Lage der religiösen Kongregationen in Spanien onsgeworfen sei, mehrere Blätter zu unrecht den Heiligen Stuhl einer unversöhii- Iid)cn Festigkeit beschuldigten, wenn er jedem vernünftigen Ueber- cinkommeu eine systematische Weigerung entgegensetze. Der „Osservatore Romano" wird ermächtigt zu erklären, der Heilige Stuhl habe sich bezüglich wichtiger Konzessionen dem gegenwärtigen Kabinett gegenüber ebenso wie dem früheren gegenüber günstig disponiert gezeigt. Das Blatt zählt einige dieser Konzessionen auf uno schließt, dies zeige, wie unkorrekt und ungerecht es von Seiten der Regierung sei, einseitige Maßnahmen in einer religiösen Frage zu ergreifen, die gegenwärtig Gegenstand der Verhaut'.mg zwischen beiden Mächten sei, wie wenn die Haltung des Heiligen Stuhles jeden billigen Vergleich unmöglich mache. Der Senator Neidhardt hat 75 Personen, darunter 11 Stabsoffiziere wegen Erpressungen und Bestechlichkeiten dem Warschauer .Gerichte übergeben. Auf Befehl bcr griechischen Regierung ist der rumänische /'Mcrtcur dem Kapitän des Dampfers „Jmperatnl Trajon" n b ergeben worden. Damit ist der rumänisch-griechische Zwi- schcliwll endgültig erledigt. Wie die^Blätter aus Tanger melden, hat die Marok- kani'che Staatsbank die Bezahlnng gewisser (Gläubiger 1 sie angeblich keinen Auftrag da;u habe. Der eigentlich« Grund sei der, daß die Liquidation-anlet« zur Bezahlung bei 93 Millionen betragenden Schulden nicht ausreiche. i. Linden struth, 10. Juli. Das 3. Bundesfcst be^ Volkssängerbunbes „C hattia" vereinigte heute hier 24 Gesangvereine des Wicsecktals und der Nachbarorte zwischen Gießen und Grünbcrg. Von 11 bis 12 Uhr fand das Wertungssingen der neuen Bundesvereine statt, es wurde von Musitlehrer Geller-Gießen gewertet. Um 12 Uhr wurden unter Leitung des Herrn Geller die Massenchöre urr Schulhof geprobt. Ein stattlicher Festzug marschierte um L 11 ur durch das herausgeputzte Dörfchen nach dem Festplach au der Bahn. Der Vorsitzende Map Sch epp begrüßte die Nachbarvereine. Eine besondere Bedeutung erhielt das Bundessest durch die Weihe der Fahne unseres Gesangvereins. Fräulein Schepp übergab die Fahne, während'Pfarrer Hofmann-Winnerod die Fest- und Weiherede hielt, er hob den Wert der Gesangvereine als Volksbildner hervor und toastete aus das "•* Lied. Bundesvorsitzender i-c^rer Wolf - Bersrod ich über die Bedeutung und in wurde an den seitherigen .ier, der von .Hattenrod nach 1 ist, ein Ehrendiplom über- üer Bund zum Ehrenmitglied. Ans Statt und Land. Gießen, 11. Juli 1910. ** Tageskalenber für Montag, 11. Juli: Vortrag von Lic. M u in m - Berlin : Die entscheidende Bedeutung der christlichnationalen Arbeiterbewegung in unserem Volksleben. Abends 87a Uhr im Cass Ebel. ** Ordensangelegenheiten. Der Groß - he r z o g hat der Krankenpflegerin des Aliee-Frauen-Vereins für Krankenpflege im Großherzogtum Hessen, Schwester Emilie Ferber in Bad-Nauheim das Dienstauszeichnungs- kreuz für Krankenpflege in Gold verliehen. — Der König vo Preußen hat die Erlaubnis zur Anlegung des Ritterkreuzes erster .Klasse des Hessischen Verbienstordens Philipps des Großmüligeu dem Rechuungsrat Kieselbacy» bisherigen Proviantamtsrirektor bei der Armeekonservensabrik in Mainz, erteilt. * * Das Sommerfest deZ Kaufmännischen Vereins, das gestern in Steins Garten stattfand, war sehr zahlreich besucht und hat in seinem Verlaus die Teilnehmer sehr befriedigt. Der Nachmittag war dazu bestimmt, der zahlreichen Kinderschar der Mitglieder und Gäste Vergnügen zu bereiten. Die Kinderspiele fanden gegen 8 Uhr ihren Abschluß durch eine Lampionpolonaise. Dann kam im Saale die tanzlustige Jugend zu ihrem Recht. • * Die Wormser Lutherdenkmal-Stistung vergibt in diesem Jahre an acht Kandidaten der evangelischen Theologie deutscher Nationalität, die ihr Examen mit Auszeichnung bestanden haben, Stipendien im Betrage von je 900 Mk. auf ein Jahr zum Zwecke der Erlangung eines höheren Grades wissenschaftlicher Ausbildung durch einjähriges iveiteres theologisches Studium an einer deutschen Universität. Bewerbungsgesuche mit amtlich beglaubigten Abschriften (nicht Originale) sind spätestens bis zum 1. September d. I. porto- rei an „die Verwaltungskommission der Lutherdenkmal- Stistung in WormL^ einzusenden. Die Benutzung des Stipendiums kann beliebig in der Zeit vom 1. Oktober 1910 bis 1. Oktober 1913 stattfinden. * * Konkurs Hubert. Verschiedene Blätter brachten ji einem Bericht über den Verlauf der Gläubiger-Versammlung, die im Konkurse über den Nachlaß des Notars Hubert in Oppenheim letzten Mittwoch beim Großh. Amtsgericht daselbst Itattgefunden hat, die Ntitteilung, daß eine staatliche Hilfs- tätigkeit für die Depotgeschädigten gesichert sei, deren Existenz infolge ihrer Verluste gefährdet erscheine. Die „Darmst. Ztg." ilt ermächtigt, zur Vermeidung von Mißverständnissen diese Mitteilung dahin klarzustellen, daß zwischen der Großh. Regierung und dem hessischen Notarverein Verhandlungen im Gange sind, welche die Gründung eines Hilfsfonds bezwecken, zu deni die Regierung einen Zuschuß zu leisten ich schon jetzt bereit erklärt hat. Für Mcfe Ehrung sprach Lehrer Römer Da.n.k aus. ES wurden bann mehrere Massenchöre von den etlva 250 Sängern vorgetragen, darunter „Wo ein Altar steht" und „Brüder reicht die Hand zum Bunde". Daran schlvssen sich die Einzelgesange der Gastvereine. Den Abend verschönerte noch ein Feuerwerk. Die Zahl der Festgäste war so stark, daß der geräumige Festplatz sie kaum zu fassen vermochte. Das Fest selbst nahm einen recht harmonischen Verlauf. P. Schotten, 10. Juli. Die Vorbereitungen zu der am 17. und 18. Juli ds. Js. hier stattstndenden Wanderversammlung des „Oberhessischen Bienenzüchtervereins" sind nahezu beendet. Die Ausstellung wird gut beschickt. Von heute ab treffen die Ausstellungsgegenstände, ivie Bienenvölker, -Wohnungen, Honig, Wachs und Jmkec- gerätschaften aus den übrigen Bezirken hier ein. Sehr stattlich wirkt der Eingang zur Ausstellung. lieber dem Tore erhebt sich ein mächtiger Bienenkorb, ein altertümliches Modell mit Strohdach, an welchen sich weitere Körbe perspektivisch anreihen. Da die Ausstellung auch für Kinder recht viel Lehrreiches bietet, werden die Schulen der Umgegend sie am Montag besuchen. An beiden Tagen findet Militärkonzert statt. th. Niddg, 10. Juli. Gestern vormittag fand vor dem hiesigen Amtsgericht eine Gläubigerversamm- lung wegen des in Konkurs befindlichen Vorschuß- und Kreditvereins in Ober-Mockstadt statt, um nachträglich! stoch angemeldete unbedeutende Forderungen zu prüfen. Konkürsverwalter Rechtsanwalt Sandmann -Hungen gab den zahlreich versammelten Interessenten ein Bild über ben derzeitigen Stand der Angelegenheit und deren voraussichtliche Abwicklung. In der nächsten Zeit wird auf eine weitere Abschlagszahlung an die Gläubiger nicht z-u rechnen sein. Weiter berichtete Rechtsanwalt Sandmann, daß ein Hilfskostsortium gebildet werden solle, um die wirtschaftlich nachteiligen Folgen des Konkurses durch eine auf geschäftlicher Grundlage beruhende Tätigkeit zu mildern. Eine derartige Regelung der Sache liegt im' Interesse der Gläubiger der Masse, wie auch in dem der Genossen der Kasse, coind die Forderungen an diese in der.Hand eines zu diesem Zwecke gebildeten Konsortiums, so kann dieses besser Erleichterungen bewilligen, als dies heute möglich ist. Für die Gläubiger bilden augenblicklich ihre Forderungen an die Masse eine vollständig unwirtschaftliche Anlage, die zurzeit nicht verfügbar ist und auch während der Dauer des Konkurses nicht verzinst wird. In der Erwägung, daß die Abwicklung ,des Konlurses noch mindestens sechs Jahre Zeit in Anspruch nehmen wird, ist es für die Gläubiger von Vorteil, wenn diese ihr Geld alsbald erl-alten. Das Hilfskomitee bietet nun ben Gläubigern sofortige Befriedigung an, luenn sie sich sämtlich bereit er- ilären, 25 Proz. ihrer Forderungen nachzulassen. Ein vorbereitender Ausschuß hat sich bereits gebildet und besteht aus Professor Dr. Stein-Frankfurt a. M, Direktor Diehl- Offenbach a. M. und Kreisrat Dr. Böckinann-Büdingen; er hat bereits ein Zirkular an die Gläubiger gesandt. Oäach dem Inhalt des Rundschreibens handelt es sich darum, daß die Gläubiger 66-/3 Proz. ihrer derzeitigen Forderungen sofort oder spätestens bis 1. Januar 1911 gezahlt erhalten. Das Jnslebentreten des 5Mstönsortiums hängt davon ab, daß alle Gläubiger 25" Proz> Nachlaß einräumen. + Reichelsheim i. d. Wctterau, 10.Juli. Ein Krieger- f c st verbunden mit der Einweihung eines Denkmals für die Kriegsteilnehmer von 1866 und 1870/71 fand heute hier statt. Gestern abend wurde bereits eine Vorfeier veranstaltet, an der die hiesigen Vereine und die Spielleute des Kaiser Wilhelm-Regiments teilnahmen. Heute waren 29 auswärtige Militärvereine erschienen. Im Festgottesdicnst predigte Pfarrer Vogel. Um 2 Uhr zog der Festzug durch das schön geschmückte Städtchen nach dem Denkmal. Pfarrer Vogel gedachte in begeisterten Worten der Heldentaten des deutschen Heeres und der Wiederaufrichtung eines einigen Reichs 1871. Dann fiel die Hülle vom Denkmal. Das stattliche Ehrenzeichen ist von Bildhauer Zimmer-Kreuznach und I. Dullsteiu-Reichelshcim angefcrtigt, es trägt die Namen der Veteranen und kostet 2600 Mk. An dem Denkmal legte Apotheker Hempel namens des neu gegründeten Vereins ehemaliger 116 er Regimentskameraden, der in etwa 20 Orten der Wetterau Mitglieder zählt, zu Ehren der gefalleneir Krieger einen Kranz nieder. Auf dem Festplatz begrüßte der Präsident die Vereine und Pfarrer Vogel hielt noch eine Ansprache. Der Gesangverein trug ein Begrüßungslicd vor. Montag sind Jugendspielc mit Preisverteilung vorgesehen. ä. Mainz, 10. Juli. Der Hessische Hauptverein des Evang. Bundes hielt heute sein Jahresfest (21. Landes- versaminlung) hier ab. Am Vormittag um 7 Uhr fand Geläute der evangelischen Kirche statt, von bcr Christuskirche herab wurde ein Choral geblasen. In sämtlichen Kirchen hier und der Umgegend sanden Festgottesdienste statt. Nachmittags 2 Uhr fand im Gemeindesaal der Christuskirche eine Sitzung der Vorstände des Hauptvereins, des Ziveigvereins, der angeschlossenen Vereine und des Festausschusses statt, am Nachmittag 31/., Uhr in der Stadthalle eine von 6000 Personen besuchte Volksversammlung. Tausende konnten wegen Ueberfüllung keinen Platz mehr finden und mußten sich nach der Christuskirche begeben, woselbst Reden gehalten wurden. In der Stadthalle teilte Pfarrer D. Waitz - Darmstadt mit, daß an den Großherzog nach England ein Telegramm abgegangen sei, worin mitgeteilt wird, daß die 10 000 in Mainz versammelten Evangelischen gegen die ibnui widerfahrene Unbill (Borromäus-Enzyklika) Protest erheben Nachdem verschiedene Redner gesprochen, wurde eine Erklärung gegen die Enzyklika angenommen. Die vereinigten Kirchengesangvereine der Stadt und Umgegend, sowie ein Bläserchor hatten vor Beginn und zu Ende der machtvollen Kundgebung Vorträge gehalten. Abends sand im Evangelischen Vereinshaus eine stark besuchte Festversammlung statt, die unter der Leitung des Medizinalrats Dr. Balser stand. Morgen sind geschlossene Abgeordneten- und Mitgliederversammlungen, nachmittags wird eine Nheinfahrt nach Nieder-Walluf veranstaltet. d. M^crinA, 10. Juli. Als heute früh um 3 Uhr bcr 31 jährige Küfer Jack. Schmitt in betrunkenem Zustande tu seine iin der Weintorstraße 1 telegene Wohnung kam, wwrs er seine schlafende Frau aus dem Bette heraus aus den Boden und trat so lange auf dem Körper der Fra^i herum, bis ihr die Därme aus dem Leibe tarnen Auf.wrs entsetzliche Jammern der Frau holten .Hausbewohner Polizei herbei; bis diese herbei kam, war der brutale Mensch gefluchtet. Die Frau wurde auf dem Boden in einer großen Blutlache gesunden, ein herbeigeholter Arzt legte einen Not- Vcrbanb an, woraus die Schwerverletzte ins Rochushospital gebracht mürbe, dort wurde sofort eine Operation an ihr vorgenommen. Die Frau ist nicht vernehmungsfähig, sie dürste schwerlich mit dem Leben davonkommen. ' Der Taier wurde am Sonntag morgen ans einer Bant in der Rh^n- Promenade sitzend crrtbecft und verhuftet. Er kam ins Untersuchungsgefängnis. -X- Rod he im a. d. Bieber, 10. Juli. 'Der Kreis- Krieger-Verbandstag ist aufs fünfte verlaufen. Ein- geleitet wurde er gestern abetib durch einen Kommers, zu dem । alle hiesigen Vereine erschienen waren. Lehrer Höhn hielt eine Ansprache, die besonders den Veteranen galt. Die Gesangvereine „Eintracht" und „Liederkranz" brachten einige schöne Lieder zum ' Vortrag. Heute morgen tagte die Vertretervcrsammlung des Krcis-Krieger-Verbandes unter dem zweiten Vorsitzenden Hauptmann a. D. Jung- Biedenkopf. Begrüßungstelegramme waren i eingegangen vom früheren Verbands-Vorsitzenden Landrat von i Heimburg-Wiesbaden und vom Bezirksrommandeur Major von : Roos-Marburg. Der Kreis-Verband zählt jetzt 81 Vereine mit | 3373 Mitglieder, darunter 347 Kriegsteilnehmer. Weigel- Bicdenkopf trug den Kassenabschluß vor, der in Einnahme 2893,34 | Mark und an Ausgaben 2857,86 Mark ergab. Zum Besuche der Schlachtfelder aus Anlaß der vierzigjährigen Wiederkehr der Siegestage ist den Veteranen eine Unterstützung von 20 Mk. bewilligt. Die geplante Krankengeld- und Arbeitslosen-Versichc- rung des Deutschen Kriegerbundes wurde von allen Vereinen abgelehnt. Auch im Kreise Biedenkopf ist die Gewinnung der schulentlassenen Jugend für Sport und Spiel durch die Krieger- vereine angeregt, hierzu äußerte sich ausführlich Kreissekretär Münscher-Weilburg. Im abgelaufenen Jahre wurden 899 Mk. Unterstützungen vom Deutschen Kriegerbund an bedürftige Kameraden des Kreises gewährt. Der Nachmittag galt vor allem dem Festzug. Auch die Kricgervereine Gießen und Krofdorf waren der Einladung gefolgt. Unter den Klängen der 116. Jnfanterie- kapelle bewegte sich der Zug durch die jetzt neu kanalisierte, schön geschmückte Ortsstraße. Auf dem herrlich gelegenen Festplatz wies der Vorsitzende auf die Bedeutung der Kriegerfeste hin und forderte zur Treue für Fürst und Vaterland auf, worauf die Kaiserhymne gesungen wurde. Es folgte nun Konzert und Tanz, dem bic Jugend fleißig zusprach. sj Marburg, 10. Juli. Gestern nachmittag sprang eine unbekannte männliche Person in der Nähe der Elisabcth- kirche in den dort sehr tiefen Mühlgraben und ertrank, noch ehe die hinzu eilenden Passanten es hindern konnten. Die Leiche war bis heute noch nicht gelandet. Emser Regatta. Gießen, 11. Juli.- Bei der gestrigen Regatta in Ems mußten sich unsere einheimischen Mannschaften trotz großer Anstrengung und trotz guter Zeiten mit zweiten Plätzen begnügen. In den Borrenneir schnitten sie sogar ausgezeichnet ab, denn sie schlugen den Mainzer Junioren-Achter mit drei Längen. Im Hauptrennen war die Gießener Ruder-Gesellschaft insofern gegen die Offenbacher im Nachteil, als sie den schlechteren Startplatz hatte, der sie durch die größere Kurve zu einer längeren Strecke zwang, nachdem sie 1200 Meter geführt hatte. Interessant ist es, daß dieselben Mannschaften am nächsten Sonntag auf der Gießener Regatta zusammentreffen, wobei dann die hiesige Mannschaft zeigen kann, ob sie auf ihrem gewohnten. Wasser nicht nur schön zu fahren, sondern auch zu siegen versteht. Den Vierer verlock die Gießener Ruder-Gesellschaft nach scharfem Rennen an Ems. Im folgenden geben w-ir die einzelnen Ergebnisse wieder: Junior-Achter. Preis uo-in Rhein. Staalspreis. 1. Ruderverein Hellas-Offenbach 6 Alm. 20 Sek., 2 Gießener R g. 6:25. Mit 1% Längen gewonnen. — Zweiter Vierer. Preis der Stadt Ems. 1. Offenbacher Rndergesell- schalt Undine 6:54%, 2. Wassersportverein Düsseldorf 7:5%. Basteler Rg. gab auf. — Junior-Einer. Tamenpreis. 1. Kölner Klub für Wassersport (93. Sanguinello) 8:32. Rv. Ems (W. Wiese- manu) abgestoppt. — Kaiser-Vierer. Wanderpreis. Ehrenpreis von Kaiser Wilhelm I. 1. M ainzer Ruderverein 6 :54%, 2. Wassersportverein Düsseldorf 7:33. Nach Belieben gewonnen. — Vierer. Emser Quellenpreis. 1. Ruderverein Ems 6:55%, 2. Gießener R g. 7:00, 3. Weibiirger Rv. 7 :14%. — Doppelzweier ohne Steuermann. Malderg-Preis. 1. Frankfurter Ruder- gesellschast Germania (O. Müller und H. Vogt) 7:15%, 2. Ha freier R g. 7:19%. Kölner Klub für Wassersport wegen Kollision ausgeschlossen. Sicher gewonnen. — Zweiter Achter. Preis von Nassau. 1. Offenbacher Ruder- Gesellschaft Undine 6:18, 2. Kölner Rg. 6:18%. Nach Kampf gewonnen. — Vierer. Hochschulprcis. Kölner Nuder- vereiu geht in 7:23% allein über die Bahn. — Vierer für Junioren. Preis der Kurverwaltung. 1. Wassersporwereiu Düsseldorf 6:55%, 2. Rv. H e l l a s - O f f e n b a ch 7:10, 3. Rv. Em? 7:21%. Mit 1% Längen gewonnen. — Senior-Einer. Preis von der Bäderlai. 1. Frankfurter Nudergesellschast Germania (C. Müller) 7:31%, 2. Kölner Klub für Wassersport (P. Roßkath) 7 : 36%. Frankfurter Ng. Germania (H. Vogt) abgestoppt. Sicher gewonnen. — Vierer. Preis von der Lahn. 1. Nuderoerein Ems 6: 56%. Kölner Rv. wegen Kollision aiisgeschlossen, Offeiibacher Rg. Unbine ab« gestoppt. — Wanderpreis-Achter. Preis des Deutschen Ruder- verbaiids. 1. Mainzer Ruderverein <>: 11%, 2. Rv. Hellas-Offenbach 6:16%, 3. Wassersportverein Düsseldorf. 6:22. Ueberlegen gewmuien. Luftschiffahrt. Gent, 10. Juli. Bei den Flugversiichen blieb der Apparat des Fliegers K i u e t in einer Baumkrone hängen. Kinet sprang herab und zog sich s ch iv e r e V e r l e tz u u g e n zu. Betbeu y, 10. Juli. Ter Flieger Olieslagers legte heute 392% Kilometer in 5 Stunden 31 Minuten 5 Sekunden zurück. Betheny, 9. Juli. Der Flieger L a b o u ch e r e hat heute mit seinem Apparat 340 Kilometer in 4 Stunden 38 Minuten 45% Sekunden zurückgclegt. Kleine Tngescbronie. Auf dem Gipfel des Ve su p sah mim am Samstag eine gewaltige Helle Rauchwolke; feit vormittag fiel rötliche Asche auf die Dörfer San Giuseppo und Ottanjano. Die Einwohner verließen ihre Häuser und flüchteten in die Kirchen. Der Aschenregen dauert an. Hierzu bemerkt der „Mattino", daß es sich nicht um' einen Ausbruch handele, sondern lediglich um Verwehungen alter Asche. Heute früh r a n n t e ein aus Odessa kommender Dampfer gegen den Personendatnpfer „Lowly", dessen Dampfkessel explodierte. Der „Lowky" ging unter; viele Menschen sind ertrunken. Nach einer neueren Meldung sind 50 Personen schwer verletzt und ein Manu getötet worden. Das Schiff sank 2 Stunden nach der Explosion in eine Tiefe von 212 Fuß. Wie ein Rat hervorragender Architekten ermittelte, ist der schiefe Turm in Pisa ernstlich bedroht. Zunächst foHen die schweren Glocken beseitigt werden, die den Turm beim Läuten täglich erschüttern. Die Leichen der sieben bei der Bergli-Hütte verunglückten Bergsteiger wurden am Sonntag abend nach Grindelwald gebracht. Die Bergung, die durch 42 Bergführer vollzogen wurde, war äußerst schwierig und gefährlich, da den ganzen Tag über Lawinen niedergingen. Auf der Sekundärbahnlinie Paris-Arpajon ent» gleiste in der Nähe von M o n t h 6 r y ein Zug, wobei 1 5 Reisende zumeist l eichte Verletzungen erlitten. In der Gasfabrik von M e a u x (Departement Seine et Marne) wurden durch eine Explosion sieben Arbeiten verletzt, unter ihnen fünf lebensgefährlich. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 12. Juli 1910: Meist heiter, trocken, nach kühler Nacht tagsüber warm. Grig«na!-DrahLmelSnngen. Wien, 11. Juli. Die „Neue Freie Presse" meldet: Erzherzog Joseph Ferdinand, der Neffe des seit 1890 verschollenen Erzherzogs Johann Salvator, des nachmaligen Jo Hann Orth, ist bei dem Wiener Oberhofmeisteramt um die Todeserklärung Johann Orths eingekommen. Während die Todesfallerklärung sonst nach 30 jähriger Verschollenheit ohne weitere Beweisaufnahme möglich ist, muß einer früheren Todeserklärung der Beweis für den Zob erbracht roerden. Erzherzog Franz Ferdinand ließ nun durch den Wiener Advokaten Dr. Bachrach bei dem zuständigen Amt ein diesbezügliches Ansuchen einbringen. Das Amt gab diesem Ansuchen insofern statt, als es eine Frist von sechs Monaten anordnete, innerhalb der Gegenbeweise zulässig sind, widrigenfalls Johann Orth für tot erklärt wird. Küsseäsheim Main 18 Man verlange Preisliste. WW Todes-Anzeige. Heute morgen entschlief sanft nach langem, schwerem, in Geduld ertragenem Leiden, mein lieber Gatte, unser lieber Vater, Großvater, Schwieger- vater, Schwager, Bruder und Onkel HerrJohamesBeckerl. im 70. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Becker geb. Klös Katharine Rohrbach geb. Becker Ludwig Becker und Frau Wilh. Becker und Frau Johannes Becker Heinrich Becker Otto Becker. Bersrod, den 10. Juli 1910. 3823 Die Beerdigung findet Dienstag mittag 2 Uhr statt. £ Lang-Göns, den 10. Juli 1910. 3827 Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag um 3 Uhr statt. Statt besonderer Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Vater, Großvater, Schwiegervater und Onkel Herrn Johannes Bergt Förster i. P. im 67. Lebensjahre nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen. W Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei Er dem Hinscheiden unseres lieben Gatten und Vaters Herrn Jakob Henkelmann W sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Glück W sagen wir allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: kM Familie Henkelmann. Heuchelheim, den 10. Juli 1910. 3824 ibaum Telephon 692. Löwenaasse 20. --XM. „Warm zu empfehlen ist der Gebrauch von Zucker'ö Patent- Medizinal Seife bei Rauhigkeit und Schuppungen der Haut, bei leichter Ichthyosis, ganz befonb. bei Unreinheiten ders.,wenn Mit- esscr und deren Jolgczustände, Ficte!s Knötchen, Pusteln usw. daö bekannte, unschöne Gesichtsbild Hervorrufen." Das ist das Urteil des Dr. med. W. über Zuckers Patent Medizinal Seife, ä Stck. 50 Pf. (156/oig) u. 1.50 M. (35°/oig, stärkste Form). Dazugeh. Zuck°^- Circmc 75 Psg. u. 2 Mk., ferner Zuck°?b-Scise(mild>50Ps.u.l.50M. In der Universität^-, Engel- u. Hirsch-Apotheke, bei Aug. NoU, (5. Seibel, W. 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Juli er. verkehren aus Anlaß des Lahntal-SängcrbundeS-Fcstes zu Butzbach folgende Sonderzüge: Sonderzug I Butzbach Stbhf. ab ll^vorm., Lich an ll^oporm. „ II Lichab 12^nachm.,ButzbachStbhf.anl^^nachm. , III ButzbachStbhf. ablO^^nachm.,Lichanll^nachm. „ IV Lich ab9^2^achm., ButzbachStbhf. an 10"nachm. „ V Butzbach Stbhf. ab 954 nachm., Steinfurth an 1028 nachm. , VI Steinfurth ab IO83 nachm., Butzbach-Ost an ll08 nachm. Die Züge halten auf allen Zwischenstationen. Alles Nähere ist auf den Stationen zu erfahren. du/7 Die Bahnverwaltung. Mitgli Babnbosstrastc au/7 Fernsprecher 231 O W W w * Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Befestigungsarbeiten werden die Brand- uni) die Schloßgasfe von heute an bis auf Weiteres für jeglichen Fuhrwerks- und Radfahrverkehr gesperrt. Gießen, den 9. Juli 1910. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Gebhardt. Bekanntmachung. Die Lieferung des zu 6400 Zentner veranschlagten Bedarfs an Nußkohlen II. Größe für die städtischen Anstalten sür das Rechnungsjahr 1910 ist zu vergeben. Die Bedingungen liegen auf unserem Sekretariat — Zimmer 15 — zur Einsicht osten. Mit entsprechender Ausschrift versehene Angebote sind bis 16. dS. Mts., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen Gießen, den 8. Juli 1910. B11/? Großherzogliche Bürgermeisterei Gießert. ______________Mecum______________ Bekanntmachung. In das Handelsregister Abt. A. wurde eingetragen bezüglich der Firmen: 1. Baruch Bauer in Leihgestern, 2. Rudolf Göbel in Gießen: Die Firma ist erloschen. Gießen, den 6. Juli 1910. Bl% ______________Großherzogliches Amtsgericht.______________ Bekanntmachung. Die Ehefrau des Eisenbahnaushelfers Karl Schwan, Käthe geb. Kreiling zu Gießen ist durch Beschluß Großh. Amtsgerichts Gießen wegen Trunksucht entmündigt worden. Gießen, 9. Juli 1910. Bn/r _______________Großher.roqlickies Amtsgericht. Bekanntmachung. Die Holzversteigerung vom 7.1. Mts. ist genehmigt. Ausgabe der Absuhrscheine am Mittwoch den 13. l. Mts. Ucberroeifung und erster Fahrtag nm gleichen Tage. Gießen, den 8. Juli 1910. . B11/? Großherzogliche Oberförsterer Schtst'enberg. ___________________________ T raut iv c i n. __________________________ Forellen-Fischerei-Verpachtung. Die Fischerei in der Wetzbach (Gemarkung Oberwetz, Niederwetz, Nauborn) wird Donnerstag den 14. Juli l. nachmittags 6%» Uhr, int »Hotel Luy* zu Wetzlar auf weitere 12 Jahre öffentlich verpachtet. Braunfels, den 7. Juli 1910. D8/» Fürstliche Rentkannner. In der letzten Woche meines Inventur- Ausverkaufs bringe ich 379S Teppiche, Linoleum Gardinen u. Decken aussergewöhnlich billig zum Verkauf. "Reste s weit unter Preis. ---—..... Ernst ßloedner jMachf. Seltersweg. Telephon 172. Ecke Plockstr. Heinr. Krevert Blockstrasse 11 Telephon 323 Feine Mass-Schneider ei Engi. 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