Nr» 58 fflsfi® rrti Hu4r?rtb”tii M kennte$1. Die .Stetzeaei tfaittthenblättef Verden den, „Slfiiciger* »^rmai roödieniltd) betgelcgt, da- ^Kretsblat) tü» Kreis Sichen" »roeima! lödjc-nthd). Di. «LanbwirNKaftltchev Lett» fragen** »riehernen mnnatlid? eroeimaL Donnerstag, 10 März 1910 160. Jahrgang HoKrttenebnid <*l Verlag 6ev «r»bliche» UnuserjuäfS - Buch- und €tetnö ruderet. 9t Menge, ©keßen. Redaktion, Exvedttron und $)ruderet: Cdhii» Praße 7. (Srpebthon und tßerlaq; ÖL 8teöartwit:esS112. Tet.-2W^AnzetgerGregen, Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejjen Deutscher Reichstag. 52 Sitzung, Mittwoch, den 0. März. Am Tische des BundeSratS: v. Tirpitz. Präsiden! Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min. Der Etat für Kiautschou und das ostasiatischc Marinedctachemcnt. Eine Resolution der Budgetkommission fordert im (Stat für 1911 die Aufstellung einheitlicher Grundsätze für die Unterhaltung der Gebäude unter Berücksichtigung möglichster svarsam'cit; eine weitere Resolution wünscht eine Ber. Minderung der JaT)! der Sanitätsoffiziere und die Einstellung entsprechender Zuschüsse für Zivilärzte. Abg. Erzbergcr (Zentr.): Gewiß, es ist in Kiautschou viel geleistet, aber die Geschichte fiat uns ja auch eine Menge Geld gelastet. Im vorigen Fabre hieß cs hier allgemein: Kaufleute vor und da» Militär hinter 0 i c Front! Leider ist in dieser Beziehung noch nicht viel erreicht worden. Tie Selbstverwaltung m Kiautschou muß gehörig erweitert lverden. Tie jetzigen Zustände sind nichts als eine Farce. Unsere Kausleute in Kiautschou müssen mehr gehört werden. Ter Redner verweist auf Beschwerden deutscher Bürger in Kiautschou in der „Kiautschon-Post". beider ist fein Abgeordneter jemals in Kiautschou gewesen. Im vorigen Reichstage hatten wir einige, die bir Verhältnisse aus eigener Anschauung kannten. Sic sind aber bei den letzten Wahlen durchgefallen, fyeitcrfcit.) Man sollte also nur Herren hinschicken, die Hochburgen ihrer Partei innchabcn. (Heiterkeit.) Wenn Herr Görckc durchaus hin fahren will — meinetwegen. Tie Zahl der B e - amte n in Kiautschou muß in fast allen Betrieben herabgesetzt werden. Tie Kräfte der Beamten können viel mehr ausgenutzt werden. Auch bei den Bauten muß gespart werden. Das Gouvernementsgebäude ist viel zu luxuriös eingerichtet. Es herrscht in ihm eine Pracht, wie sie selbst die indischen Regierungsvertreter nicht kennen. Ter Gouverneur ist mit den Reichsgeldern sehr leichtherzig umgegangen. In bezug auf die Regelung der Iustizpflege geht Kiautschou allen anderen Kolonien voran. Ein selbständiges Konsularreckt würde gute Dienste tun. Es sollte endlich eine ordentliche Professur für Konsularrecht an einer deutschen Universität eingerichtet werden. Wenn Preußen durchaus nicht will, dann müssen wir eben nach Straßburg gehen, wo ein Reichszuschuß gezahlt wird. Tie Ausgestaltung des Schulwesens in Kiautschou und Umgegend ist notwendig. Unsere deutsche Großindustrie sollte sich der Sache annehmen. Sie werden nur den Vorteil haben. Unsere Ziele in Ostasien Ustmen natürlich nur erreicht werden, wenn wir Hand in Hand mit der Chinesenschaft arbeiten. Darum müssen alle Reibungen vermieden werden. Schon einmal ist unser Hafer von den Chinesen boykottiert worden. Staatssekretär v. Tirpitz: Die Entwicklung von Tsingtau hat sich in den letzten Wochen nach Erscheinen der Denkschrift außerordentlich gehoben. Der Ausfuhrhandel hat im letzten Quartal einen ganz überraschenden Aufschwung genommen. Er hat sich bei einzelnen Produkten verzehnfacht. Tie Schiffahrt iü außerordentlich belebt worden, so das; skeptische Stimmen, die bisher von Tsingtau nickt viel erhofften, ihre Ansicht völlig geändert haben. Selbstverständlich legen wir ja den größten Wert auf die Ausfuhr von Deutschland nach Tsingtau. Die läßt allerdings noch zu wünschen übrig. A n Eisen bahn material haben wir von Tsingtau aus nach China für 50 Millionen Mark eingeführt, ohne Tsingtau wäre eg nicht möglich gewesen, in dieses Enenbahngesckäft nach China hcreinznlommen, da bisher der Einfluß der anderen Rationen viel zu groß war. Bedenkt man nun, daß die Entwicklung des chinesischen Eisenbahnwesens eine außerordentlich rasche ist, und daß gegenwärtig 7000 Kilometer im Bau sind, so kann man wohl sagen, das; wir auch in ZulinEr auf eine W e i t e r e n t w i ck - I u n ij unserer Geschäftsverbindungen mit China in bezug auf Eisenbahnmaterial rechnen dürfen. Tas ist auch der Grund, weshalb wir darauf hingearbeitet haben, den Hafen rasch zu bauen. Wir hielten es für wichtiger, ein Jahr zu gewinnen, und beizeiten in die wirtschaftliche Entwicklung Chinas mit eingreifen zu können, als eventl. ein vaar Tausend Mark zu spüren. Wir haben ab'o dabei weniger als Seeoffiziere als vielmehr a l s Kaufleute gehandelt. Für ganz besonders wichtig halte ich cs, daß die Reichsverwaltung die Industrie und Schiffahrt und unsere Banken sich zusammenschließen zu einem deutschen B I o ck, der ein Gegengewicht sein soll gegen den Zusammenschluß anderer Nationen. Ter Staatssekretär verliest sodann eine Reihe chinesischer und javanische r Blätter st i mm e n, um den Nachweis zu führen, daß man dort die Bedeutung des deutschen Schutzgebietes sehr hoch einschätze. In einem dieser Blätter heißt es unter anderem, daß die deutsche Niederlassung auf chinesischem Gebiet die größte Wohltat sei. die China je erwiesen wäre. Jedenfalls weist unser Geschäft in Tsingtau eine erhebliche Chance auf. Es liegt nun an uns, zu beweisen, daß wir fähig sind, sie auszunutzen. Gewiß, der Kaufmann soll mehr in den Vordergrund treten, aber es wird niemand leugnen, daß wir die wirtschaftliche Entwickluna -forciert und vorwärts getrieben haben Wir werden alles tun, um die Selbstverwaltung zu fördern. Aber ich muß auf dem Prinzip bestehen bleiben, was ich bei der Uebec- nahme von Kiautschou, die uns gar nicht so angenehm war, ausgesprochen habe: Selbstverwaltung und Selbst- erhaltungTas ist die Pointe. Nun verlangt man einen noch übersichtlicheren Eta! Tie Bürgerschaft in Tsingtau wünscht aber, daß Militär-' und Zivilverwaltnng scharf getrennt werden. Darunter leidet die Uebersichtlichkeit. Ick werde, aber einige prominente Mitglieder der Kommission um ihre Ratschläge bitten. Nun ist angeregt worden, daß einer der Herren hinausreisen und sich an Ort und Stelle informieren soll. Die Marineverwaltung würde eine solche Reise nur begrüßen. Manche Anschauung würde bann gcände. t werden. ;. B. die, daß wir zu viel Beamten haben. Wir können auch im Beamtenwcseu nicht einseitig vorgehen, wir sind selbst in einer Zwangslage. Wir haben aber auch nicht zu viel Beamten, den» der Etat ist sehr sparsam aufgestellt. Wir können beim Beamtenpersonal weiter 'eine Abstriche machen, sonst würde der Beamtenapvarar nicht mehr richtig funktionieren. Beim Bau d e s Gd h ve r n e in eu ts g eb ä n d e s wurde der Voranschlag überschritten, schuld daran soll die Steigerung der Löhne und der Matcrialpreise sein. Ich habe eine Untersuchung eingeleitet ntiL werde die eventuell Schuldigen zur Verantwortung /ziehen. T'7 Sommerwohnung für den Gouverneur, die keinen «roßen Aufwand erforderte, mar notwendig. Ich war selbst in Kiautschou im Gouvernementsgebäude in der «ommerszeit. Ich kann Ihnen versichern, daß in der Nacht nach einer Stunde, es war im August, durch die Feuchtigkeit der Luft das ganze Bettzeug durchnäßt war. Sicherlich ist es auch besser, der Gouverneur bleibt in der Sommerwohnung im Lande, als daß er nach Japan auf Urlaub geht. Die Anzapfungen, die wegen deS HafenbaueS in einer Zeitung gegen uns gerichtet wurden, sind unberechtigt. Wir haben nichts zu verbergen. Unser Hafen ist der beste Hascn von China, der für 28 Millionen gebaut wurde. Der Baumeister hat damit eine Leistung vollbracht, die in der ganzen Welt anerkannt wird. Der Reichszuschuß ist von Jahr zu Jahr heruntergegangen, denn wir haben — nehmen Sie mir das nicht übel — das dringende Bestreben, vom Reichstag loszukommen. (Heiterkeit.) Ter Zuschuß betrug 1906 noch 13 Millionen, er ist Jahr für Jahr um eine Million bis auf 7.8 Millionen herabgegangen, weil wir möglichste Sparsamkeit geübt haben. Der Justizpflcge haben wir uns besonders eifrig angenommen. Die Chinesen haben großes Vertrauen zu unserer Justizpflege. Wir werden fortfahren, die Entwicklung unserer kolonialen Rechtspflege nach Kräften zu fördern. Die Industrie hat den lebhaften Wunsch, daß eine Mustersammlung in Tsingtau veranstaltet wird. Tas ist ein sehr vernünftiger Gedanke, den wir unterstützen. Die Förderung Der Missionsschulen erscheint der Marineverwaltung außerordentlich wünschenswert. Wir werden der Bürgerschaft in Tsingtau in bezug auf ihre Vertretung soweit entgegenkommen wie möglich, und von dem Augenblick, wo sie sick selbst erhalten kann, werden wir die Verwaltung gern in ihre Hände legen. Aber wir können nicht das ganze Geld, das das Reich gegeben hat, der Verwaltung der Bürgerschaft anvertrauen. Hoffentlich wird sich zwischen den Auffassungen der Bürgerschaft und der Marineverwaltung eine mittlere Linie finden lassen, die den richtigen Weg für die Zukunft dar stellt. (Beifall.) Abg. Dr. Pansche (Natl.): Was wir in den 12 Jahren in Kiautschou geschaffen haben, darauf können wir a ls Deutsche st o l z «ein. Wir habe» diese Kolonie unter ganz anderen Gesichtspunkten erworben, und vor allen Dingen ganz anders verwaltet, als alle anderen Kolonien. Von Anfang an sind wir noch einem großen Plan zielbewußt vorgegangen, um einen Stützpunkt für deutsche Kultur und deutsche Interessen zu schaffen. Der Redner macht in einem Rückblick auf die erste Denkschrift einen Vergleich mit den damaligen Zuständen: Eine Bevölkerung, die sich in dürftigsten und kümmerlichsten Verhältnisse» von Fischfang und Ackerbau ernährte, mit einigen wenigen chinesischen Kaissleulen ohne alle europäischen Artikel, mit Ausnahme von etwas Baumwolle und Streichhölzern, kaum etioas von handwerksmäßigen Anfängen, Gestrüpp von den Gräben als Feuerungsmatcrial usw., und nun das Bild, das sich uns heute darstellt! Es ist etwas Großes geschaffen, eine neue deutsche Kultur, eine Stätte, von der deutsche Kultur, deutsche Gesittung und Bildung Eingang in die weiten chinesischen Gebiete finden soll. Der Redner erörtert die zu erwartenden segensreichen Wirkungen der Hypothckarbank, unterstreicht die anerkennenden Worte Erzbergers über unsere Rechtspflege und die Entwicklung des Kolonialrechts -m direkten Zusammenhang mit Kolonialwirtschaft und Kolonialpolitik durch ordentliche Lehrer mit Seminaren und Bibliotheken. . Aber es muß sparsamer gewirtschaftet werden alö bisher. Für die Beamten geben wir beinahe eine halbe Million an Gehältern aus, auf einem Gebiet, nicht, viel größer als ein preußischer Landratskreis, mit einer chinesischen Bevölkerung, die sich selbst verwaltet Der Redner gibt eine drastijche Schilde- runa des Beamtenapparats. Keine deutsche e-taht Mit zehnmal so großer Einwohnerzahl könnte sich -uch nur entjernt cmen Ten dieses Luxus gestatten: für den kleinen sogenannten Tiefbaubetrieb wie Wasserwerke und Kanalisationen emen Betriebsleiter mit 10 500 Mk., einen Leiter für das Wasserwerk, einen Leiter für die Kanalisation, je einen Araschinenmeistcr für das Wasserwerk und für die Kanalisation, 20 Schreiber, einen MaschmenauMer, einen Rohrmeister und einen Straßenrnelster, 2o0 Mt. Gehaller ohne Wohnunosoeld ustv. während im Ertroormnarium nur 150 000 Mk. für Tiefbau stehen. Jrn Erat steht kem Hockbauten, aber der Beamtenapparat dapur erfordert 49 000 Mk. an Gehältern ohne Wohnungsgeldzufchutz. (Hort!, Hom.) Wollen wir die Freude an der Kolonie erhalten, dann muß endlich mit der Fülle von Beamten aufgeräumt locroen. 70 $ureaubeamte, darunter 17 Zahlmeister, für diejen kleinen !andratlick>n KreisI Tie Forstwirtschaft muß in eigene Regie übernommen werden denn sonst kommen uns die Anlagen hundert und tausend Mal so teuer wie in der Heimat. (Beifall.) Abg. Dr. Dröscher (Äons.): Wir haben schon in der Budgetkommission eingehend über diese Kolonie gesprochen. Nun hat auch Dr. Paasche m besonders g.au- -ender Darstellung die Entwicklung d c r Kolonie geschildert, ick fann mich daher daraus befchranien, dem etaatS- i'circtär unsere volle Anerkennung für das auszusprechen, wa^ er erreicht l)ar. Niemand wird der Ansicht fern, baß Kiautfchou iin Falle eines Konflikts von großer Tragweite zu halten ist, aber mn dieser Kolonie beeinflussen wir China, erschließen mir un» ba-_> große chinesische Absatzgebiet. Kiautschou muß er n e M uster- ko I o n i e werden, eine Stätte deutscher Kultur, deutfcher Gründlichkeit und doutschen Fleißes, wo die Chinesen lernen können. Diese Bedeutung steht für uns an erster -stelle Zielbewusst ist die Marineverwaltung vorgegangen auf dem Gebiete des Hhpo- thekenwefens und in bezug auf die Schulverhältnipe. ajc- ajine» nfdie Akademie wird kulturell wirken. In die Klagen über aiv geblieben Luxus stimme ich nicht ein. Unsere auswärtigen Vertreter müssen auch repräsentieren. Wir müssen für sie e in e offene H and haben. Zehntausend Mark spielen jur das Deutsche Reich feine Rolle. Auch in der Rechtspflege hat sich die Verwaltung als mustergültig gezeigt. Wir wünschen dringen., dass die preussische Unterrichtsverwaltung endlich einmal für Professuren für Kolonialrecht forgt. Die Zahl der Beamten kann wohl vermindert werden. Im allgemeinen wünfchen wir, daß der Staatssekretär die bisherigen Bahnen weiter wandelt. (Beifall rechts.) Staatssekretär v. Tirpitz: Ich bin besonders erfreut über die anerkennende» Worte des Abg. Tr. Troefcher, Die nach der scharfen Kritik des Abg. Pausche um so pchhler tu». Tas Elektrizitätswerk ist eine gewaltige Anlage, die die Stadt, den Berg und de» Hafen versieht. Es bringt von ö Proz. Tie Eleitrizitätsbcamten sind also nicht einfach überflüssig. Dasselbe gilt vom Wasserwert. Es ging nicht anders, Wir mußten das Wasser von den Bergen herabholen. Wir mußten auch Dafür forgen, Daß die Anlage wachsenden Bedürfnissen Rechnung iräflt Tr. Paasche ist scharf gegen die Ueberfülle von Beamten vorgegangcn. Ich wünschte wirklich, dass er einmal hinausgeht. Er werde eine andere Ansicht bekommen. Wir können die dortigen Verhältnisse nicht einfach mit den heimischen vergleichen. Dort fungieren Arbeiter im Etat als Beamten. Tie Zahl her Aerzte ist nicht zu groß. Für dieselbe Truppenzahl sind in der Marine 19 Aerzte vorhanden, im Heer und in Tsingtau nur 12. Unser Lazarett in Tsingtau hat auch gewöhnlich den doppelten Be stand, der in Deutschland üblich ist. Auch die Aerzte werden vielfach krank. Es muß also Ersah da sein. Weiter laden die Schiffe ihre Kranken aus. Auch die weiße Bevölkerung benutzt dos Lazarett. Die Aerzte lehren auch an der Akademie. Kurz, es ist eine große Propaganda für die deutsche medizinische Wissenschaft. Tie Hauptsache ist aber, daß wir die Marineärzle aus- suche» und kommandieren können. Wir Haden hier eine Kapitalsanlage, die für Deutschland sehr günstig iü. Auch die Aufforstung kann man nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichen. Wir hatten mit riesigen Schwierigkeiten zu kämpsen. Ter Morgen Aufforstung kostete 220 Marl. Während in der Heimat der Forst erst nach 40 Jahren Ertrag bringt, so draußen schon in 10 Jahren. Der Forst wird dort bald rentabel sein. Wir haben etwas geschafscn, was mau für unmöglich hielt. Ganz Oslasien i st zusammen gelaufen. (Heiterkeit.) Jehl will man überall unsere Forslbeamten haben. Tas Beamtenpersonal werden wir nach Möglichkeit zusainmenstrcichen. Abg. Starz (Fortschr. Vp.): Im Namen der neuen Fortschrittlichen Volispartci (Aha- Rufe rechts und im Zentrum) begrüßen wir die günstige wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete. Tic grossen Gesellschaften dirigieren immer mehr ihre Schiffe dorthin. Manche Komplimente m den chinesischen und japanischen Blattern sind nicht ernsi gemeint. Leider sollen bei der Akademie konfessionelle Schwierigkeiten sein. Erfreulich ist die immer wachsende Ver breititng der deutschen Sprache. Ohne ausreichende Selbstverwaltung ist kein Gedeihen möglich. Tie Rechtspflege bedarf noch mancher Besserung. Tie Stellung dec Rechtsanwälte muß gesichert werden. Ein Redakteur in Berlin, der die Verhältnisse in Tsingtau kritisierte, erhielt eine Privatklage von Bezirksgericht in Tsingtau zugestellt, soll sich also dort verantworten. Tas muß geändert werden. Staatssekretär v. Tirpitz teilt mit, dass die Entscheidung über einige projektierte Bahnen in der Kolonie Den Provinzialbehörden unterliegt. Eine ^-icher- stellung der Verhältnisse der Rechtsanwälte wünscht auch die Marineverwaltung. Abg. Noske (Soz.): Alle Erwartungen sind kläglich zusammengebrochen. Ein kaufmännisches Leben gibt's dort überhaupr nicht. Wäre der große Beamtenapparat nicht da, so wäre überhaupt nichts los. Die deutschen Rhedereien wissen das sehr gut. Daher schicken sie auch feine Schiffe hin. Es wäre am besten, wenn wir uns überlegten, wie wir uns am besten aus Kiautschou rückwärts tonzentrieren, ehe wir dort hinausgeworfen werden. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Gürcke (Natl.): Dr. Paasche hat keine abfällige Kritik geübt, sondern nur Ratschläge zur Besserung gegeben. Auch bei der Einstellung von '3eam.cn müssen kaufmännische Prinzipien berücksichtigt werden Vielleicht können allmählich chinesische Arbeiter herangebildet werden. Nun ist davon gesprochen worden, daß ich eventuell nadi Kiautschou reisen solle. Wenn man mir das Vertrauen schenkt und mich für geeignet hält, draussen Die Augen für die Budget- kommission aufzumachen, so bin ich dafür dankbar, und i ck wäre bereit, bie Reise zu machen. lSckhr girtl) Tas Verbot religiöser Propaganda an der Hosischule ist berechtigt. Aber benachteiligt dürfen die Christen nicht werben. Wir hoffen, daß schliesslich unsere Betrübe -rantzeir soviel cinbcingen werden, daß ein Reichszuschuß überflüssig wird. Abg. Nacken (Zentr.) bespricht die Erwerbsverhältnisse der Kolonie, bei denen .auf- mä uni scher Geist mehr in den Vordergrund treten müsse. Die Einnahmen Kiautschous sind tatsächlich sehr gering, und eine Steigerung Wäre dringend zu wünschen. Wenn der Staatssekretär sagt, Kiautschou wolle vom Reichstag löskommen, so kann ich wohl im Namen des Reichstags erklären: Das berühr auf Gegen- feiligfeir. Man sollte zum kaufmännischen Prinzip übergehen und eine Gewinn- und Verlustrechnung aussiellen. Nur bann wird sich bald eine Rentabilität Herausstellen. (Beifall t. Zentr.) Staatssekretär v. Tirpitz: Nach den Bestimmungen des Etats konnten wir die Ausstellung der Einnahmen und Ausgaben gar nicht anders vornehmen, als mir es jetzt tun. Wir möchten ja am liebsten ba-5 kaufmännische Prinzip einführen, wenn wir dürften. Wir kämpfen gegen jen Burcamratismus, wir können aber nicht einseitig Vorgehen. Ten gegebenen Anregungen werden wir nach Tunlichkeit zu entsprechen suchen. . _ Die beiden Resolutionen werben angenommen. Der Etat wird erledigt, ebenso das Eratsgesetz für die Schutzgebiete. Ter Postetat. Nack 6 Uhr beginnt eine allgemeine AU§ spräche beim Gehalt des Staatssekretärs. Berichterstatter ist Abg. Beck- Heidelberg (Natl.). Eine Resolution der Budgetkommission fordert Erwägungen, ob die Postverwaltung in den Schutzgebieten an die Verwaltung der Schutzgebiete anzugliedern ist. Eine andere Resolution wünscht. Daß die Herstellung von Telephon-Nebenstellen der Privatindustrie mehr als bisher erleichtert wird. Eine Resolution Basser m a n n (Natl.) empfiehlt die Schaffung eines „Ständigen Beirats für Post- und Telc graphen-Angelegenheiten" aus Vertretern des Handels, der Industrie, der Landwirifchaft und des Handwerks. Abg. Kaempf (Vv.) Wünscht im Interesse des Geschäftsverkehrs die Wiedereinführung des A nkunfiSstempels auf Briefen und Postkar^u!" Scheckverkehr hat die erwarteten Ueberschüfse gebraut/ Sie wer- den aber nicht, wie cs versprochen war, für Verbesserungen verwendet, sondern fließen in die Reichskasse. Trotzdem mutz der Scheckverkehr weiter gefördert werden, Der allerdings noch Wesen! - \JI kicher Verbesserungeii bedarf. Handel und Industrie verlangen nach wie vor ein niedriges Orts- und Weltpostporto. '"W Abg. Lüttmann (Wirtfch. Vg.): Mehr kaufmännischer Geist, das ist der Schlachtruf, unter dem jetzt gegen die Reichsbetriebe vorgegangen wirb. Nun sind wir die Letzten, die einen verknöcherten Bureaukratismus nicht zum Teufel wünschen. Aber die Wünsche der Handelskreisc auf eine ganz einseitige Zusamensetzung des Postdeirats gehen doch zu weit, da kommen Landwirtschaft und Handwerk unter die Räder. Staatssekretär Kractkc wendet sich gegen die Forderung eines Postbcirats. Weiterberatung Tonnerstag 1 Uhr. Schluß nach V/z Uhr. hessisch« Zweite Kammer. Darmstadt, 9. März Am 9te(nernufl-3tifdK: Staatsminister Dr. Ewald, Mmiste, deÄ Innern u Bravo! Abg. Ulrich -So.;. : Mit der Beseitigung der Untererheber stellen werde ein grosser Fehler begangen Die Bezirkskassen, die dann neu errichtet werden müssten, kämen viel teuerer zu stehen. Bei dem Antrag sehe man, das; die I n t er c s senken gruppen an der Arbeit gewesen seien, und -wenn die Sache so weiter gegangen wäre, hätte man schliesslicl „bewiesen", das; mit Hilfe dieser Aufhebung Heil Hessen die ganze Finanzmisere geregelt sei. DieStcuer- gesetzgebiing bedürfe einer Aenderung, die Einkommen von unter MOOO .Mk. sollten von der direkten Steuer frei bleiben, die Ein kommen polt 1000 bis 2600 Bik. von einer Erhöhung Der Ausfall soll von den Leistungsfähigen gedeckt werden, besonders durch die Progression der Vermögen-.-stener. Durch die Erhöhung der Steuer um 15 Prozent solle die Misere beseitigt werden für 1.910; Ido5 aber nachher? Die Erhöhung sei ein Ihtredit an den Armen und Beamtin. Dagegen solle man die Vermögensteuer auf 1,10 erhöben. Das bringe eine Mehreinnahme von 700 000 Ml. Tie -Gefahr, das; die reichen Leute dann wegzögen, sei nicht so gros;, dal? sie den Webner von der anderweitigen Regelung der Stenern abbringen könnte. Außerdem werde man in-Preußen über kurz »der lang ebenfalls zu einer Progression kommen. Wenn die Erste Kammer bereit sei, bei einer anderen Deklarierung für eine mäßige Erhöhung der Vermögenssteuer zn stimmen, so bc deute, das nur eine Entlastung der Schlotbarone, die bann für ihre .Iagdgninbe, Villen usw. überhaupt keine Steuern mehr bc zahlen würben. Geheime Rat Becker beschränkt sich aus einige Bemerkungen. Abg. Ulrich fyabc_ richtig erwähnt, das; die Seiitp beim Wegziehen auch nackt der Stenergeseßn-bung der anderen Staaten fragen. Die Gefahr, die aus dem ’.'.'ii über er trag der Erbschaftssteuer droht, solle man nicht unlerschänen. Ti- er belaufe sich auf über 500000 Mk Wenn man die erzielten Ersparnisse für die Ansbessernng der Beamten verwenden wolle, verb iiere man das Budget nid)l: ebenso werde dieses nicht verbessert durch die Organisatiqns? änderungen des Abg Reinhart Ter 9iebner bezeichnet cs als erfreulich, das; den Aussührungen des Abg. Lutz zu entnehmen gewesen sei, bas; niemand im Hause -ich einer Steuererhöhung widersetze. Dagegen sei mit seinen Einzelvorschlägen nicht viel zu machen. Tie Olrünbc, das; die llntererheberstellen beibehalten werden müßten, habe er im Ausschüße bereits genügend dargelegt. Bon den Bezirlslassen können mir einige wenige beseitigt werden. Den dadurch frei werdenoen Beamten löinic man BeförderungS Möglichkeiten tauf anderen Gebieten geben. Rach kurzer Pause spricht Abg Brauer lBb.i zur Erhöhung des Iminobilienstempets Tie Einnahmen seien im Jahre 1908 hinter dem Hanptvoranschlag nm 803,000 Mk. zurückgeblieben, die durch die Steuererhöhung ausgebracht werden müßten. Seine F-raltion werde für 1911 eine weitere Steuererhöhung nicht mit machen; man möge versuchen, ohne eine solche durckizukommen intb für die Folge dauernde Ausgaben erst beschließen, wenn Unten dauernde Einnahmen entgegen stehen Die Aushebung der Untererbeberftellen sei ein großer Fehler, der im Interesse bc sonders der ländlichen Bevölkerung vermieden werden müsse. Abg. Eibach -sortschr. Bp. schließt sich betr. der Unter erheberstellen dem Vorredner an. Tie Revisionen könnten erheblich vereinfacht werden. Abg . 11 cP e I (Zentr, Die gemachten Vorschläge, besonders tuV -Abg. ZUrich ans andere Regelung der Stenersrage feien] eine Theorie, bV sich bei AgitationSreden gut verwenden lasse; in der Pro ist-.' seien sie nicht tauglich. T urch Aushebung der llntererheberstellen erziele man lange nidjt die ausgerechnete Er fparnis; er protestiere dagegen. Betreffs de-S großen Einnahme- ansfalleS bei der ErtragSlalkulatioii bei Stempel gebühren könne bem Ministerium ein Vorwurf nicht erspart werden. Ter Ein ualmleausfall des Kap. 12 im Betrage von 4 975 21-1 Ml. taste fduoer beionders ans der Landwirtschaft und dem Mittelstand. Merkwürdig und ein Mißstand in der Finanzgebarung fei es, i>iß, trotzdem die Technische Hochschule in Darmstadt eine Minder Annahme an Kollcgiengcldern zu verzeichnen habe, die Bauver waltung sich nicht an die vorgesehenen Mrcbite gehalten, son dein sie toescntlich überfdfritte 11 habe. Auch bei anderen Stellen, Belwrden usw. solle man innerhalb des Rahmens des Vor anfchlags bleiben. Wenn Abg. Brauer betreffs der Finanzlage in Beziehung auf die Hammer ein mea culpa ausgesprochen habe, so könne die Regierung sagen; mea minima culpa. Der Ernst b'i Lage erfordere eine offene Finauzpoliick Der 3. Präsident Schmitt macht darauf aufmerksam, daß mir zu Map. 12 gesprochen werden soll und nicht zum ganzen Budget. Abg. Schönberger (natl.) ist bei Meiming, man solle das Verhältnis zwischen Vermögens und Einkommensteuer nicht "Uzuschr verschieben, denn burdj die Eintonuneustcuer würden auch die höhcttu NermLMN qttnxfh», da sie rtu bafoetes (öttfötranm haben Man müsse aber bcrlangtit, daß sic beim F-incmzanrt auch in ihrer richtigen Höhe angegeben werden. Dieses Amt messe vielfach mit ungleichem Maße. Die Stellen der Untererheber müßten berbeffert werden. Abg. Finger inatL) äußert einige Bedenken zur Frage der Untererhcbcr, stimmt aber im übrigen für die Beibehaltung. Es spreclren noch die Abgg. Stöpler, Bähr, der für die Mobiliarsteuer ein tritt, und Ministerialrat Becker, der Erklärungen zu den Mindereinnahmen aus den Stempeln gibt Tas Haus habe fick) seinerzeit mit den Zahlen der Regierung einverstanden erklärt. Tie 2ache liege au dem starken Rückgang der wirtschastlichen Konjunktur. Der Vorwurf des Abg. Schon berg er, die Finanzbehörde messe bei den großen Vermögen mit anderem Maße wie bet kleinen, müsse er entschieden zurückweisen. Schluß 1 y« Uhr; nächste Sitzung 3 Uhr. (Fortsetzung im 2. Blatt.) Landwirtschaft. A A u s bem Vogelsberg, 9. M iez. Die seitherigen Frilhlitlgstage. ermöglichten dem Imker die ^ontiolle über die llcbeiivmteniug feine 1 Völker. Wie ein m Ibn Winter wenig Vi'ennmaterial crfoiberl, so in anch der Fmieiverbranch bei den Bienen geringer wie tu lallen Wintern. Die Tuichwinlernng der Völker war mithin bezüglich bei Wetterlage recht günstig. Tesseu- nngeachtei sind Völker ans Nahrungsmangel eingegangen. Ter vorjährige Sommer nnd Herbst brachte fast gar (eine Tracht, es herrschte wirklicher Honigmangel. Wer feilten jungen Böllern, also Den Schwärmen, nicht reichlich Winlervorrcu znkonnnen ließ, bc- flihii jetzt ihren Verlust. Tas überaus schöne Borirühlingsivetter veiunlaßl jetzt die Bienen zu frühem Brnlansatz, eine Hauptsache icnfablei Bienenzucht. Hierzu bedürfen lic aber reiches Futter. Das muß jetzt den Böllern gereicht werden, und bas geschieht am üllerbcflcti und billigsten durch Den Fruchtzucker Frankfurt a. Bi. Mil Hilfe dieses beiten Ersatzmittels für Bienenhonig überwinterte ich fünf 6oller aufs vollkommenste, worunter ein nacktes Heidevoll sich befindet, das erst im Oktober v. I. bezogen wurde. IDinterfport — B 0 in militärischen Skilan f. Der praktische Nutzen des Skilaufes für den Winterdienst des Militärs ist allgemein anerkannt. Lischt nur Norwegen und Schiveden und die schneereichen Länder Mitteleuropas, anch Rußland, Japan, England, Nordamerika nnd Anstialien besitzen inner halb ihrer Armeen größere nnd kleinere Skilänfer--Äbteilnngen Welch bedeutender Wertschätzung sich der nnlitrirische Skilauf besonders in Norwegen erfreut, und welcher Art seine Verwendung und seine Vorteile sind, lesen wir in einem hochinteressanten Artikel über den „Skilauf in der norwegischen Armee" in der soeben erschienenen Nummer 18 der bekannten illustrierten Wintersport Zeitschrift „Ter Winter". Ter Artikel ist mit so interessanter, als er u.c Uebersetznng des unnangrelchen Be- nchtes eines französischen Offiziers ist, der int vergangenen Winter die Verhältnisse an Ort nnb Melle studierte uitb, feine Beobachtungen mm mit den Verhältnissen Frankreichs und den Ländern Mitteleuropas in Beziehungen bringt. Auch der übrige Inhalt der vorliegenden Nummer des „Winter" ist militärischer Art. Ter 'Artikel „Patrouitlenlauf in (Prindelwold" eiilhült eine eingehende Schilderung des henrigen ilark beschickten Militär-Wettlaufes beim grollen Skliennen der Schweiz. Einen Patrouilleiikurs im tirole- risehen Hochgebirge behandelt der Artikel „Vom Skilauf in der österreichischen Armee". Im Artikel „Patrouillenlaui in den Pyrenäen" schildert em Teilnehmer des noriveglschen Skiläufer- Kommandos seine Emdrückc beim heurigen Internalionalcn Plititär-Wettlausen in Frankreich. Alle Jllustrationeii sind dem Skilauf in der iiorwegischen, deutschen, österreichischen und schweizerischen Armee entnommen. Luftschlsiadrt. — Erfolg eines deutschen Fliegers. Auf deut Flugfeld Mars in Bork gelang et- Cornelius Hin tu er einen.Dauerflug von 7 Kilometern in 6 Mauten in 20 Meter Höhe mit feinem Flugapparat „Eoeur darne" zu unter- nahmen. Die Landung erfolgte glatt. Auf dem gleichen Fsligpiatze begann ßcftmi Hans Grade mit dein Unterricht seiner beiden ersten Schüler. Das G0 rb0 it B e n il e tt-Rernt en.ber Süf t c wirb, wie in einer Borstandssitzung des. Amerikanischen Aeroklubs beschlossen wurde, von St. Louis ans Ende Oktober, abgehalten werden. Das amerikanische Ausschei- duugsrennen wird am 1 7. September von Indianvpvlis aus stattfiubeu. Der vorjährige Sicgep Mix wird auch für den Fall, daß er in dem Ausscheibungsrennen keinen Platz erhält, als einer der drei amerikanischen Vertreter an dem Bennett Rennen teilnehmen. P ar i s, 10. März. R0ugier stieg geslcru nachmittag in Mouaev aus, erreichte, über das Meer hinweg setzend, das Kap Martin, über dem er wendete. Er erhob sich dann bis zu 1000 Meter Höhe und landete nach 29 Minuten wieder auf dem Hasenkai von Monaco. veernischter. * Der letzte Türmer am Rhein. Aus Marnz wird dein B. T. geschrieben: .In den nächsten Tagen wird der letzte Türmer am ganzen Rhein vers ch w i n b e 11. Die StadtveroibnetenversanmNnng,iu Mainz Hal nämlich be schlossen, den Step h an s t u r m als „Wehrschausiatiou" aufzugebcn. Der Stephanstürmcr wird demgemäß seine hohe Turmivohnung verlassen. Sein HauptgcschÜst, bei einem ausbrechenden Brande die große Lturmglocke zu läuten, wird für die Folge durch die Polizei mit einen elektrischen .Leitung erfolgen. Der allen Rheinreisenden bekannte Mainzer Stephausturm spielte während der Re- volutiouskriege vei den zahlreichen Belagerungen von Mainz als Beobachtungsturm eine große Rolle. Aber anch im bürgerlichen Leben hatte er eine eigentümliche Bedeutung. In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, als die H 0 ch z e i t s r e i s c 11 immer mehr Mode wurden, mieteten sich solche Paare, die nicht hinreichende Mittel für eine Hochzeitsreise hatten, aber gern als abwesend von Mainz gelten wollten, bei dem Stcphanstürmer ein Zimmer, das sie dann mehrere Wochen hindurch nicht verließen. Dem Türmer, der absolutes Stillschlveigen über die Gäste beobachten mußte, erwuchs durch dieses Zimuterveruncleu eine bedeutende Neb'eneinnahme. Dieses sonderbare,„Flitter- wochenhcim" hat Simrock in seinen Rheingeschichlcn verherrlicht. t Der P f a r v e r von G r ü n w e t t e r s b a ch a 1 s Pr 0 p H e t. Unter dieser Spitzmarke hatten wir in Nr.-10 unseres Blattes mit vielen anderen Zeitungen eine lA'vliz des Mainzer Tageblattes wiedergegeben, nach der der katholische Geistliche von G'bach in einer Predigt gesagt haben sollte, das; ihm Gott in einem Träum drei Lästerer des Ortes gezeigt habe, die wegen ihres Lebenswandels einein scharfen Gottesgericht verfallen würden. Wie nun das Mainzer Journal mitteilt, ist in Grünwettersbach kein katholischer, sondern ein protestantischer Pfarrer, da die Gemeinde fast ganz protestantisch ist. Die Seelsorge der dortigen Katholiken besorgt der Nachbarpfarrer Dr. Brom mer in Bnsenbach, A. Ettlingen Co oben). Au Silvester hat er aber überhaupt nicht gepredigt und weder in der Predigt am Neujahrstag noch auch sonst bei irgend welcher Veranlassung im Sinne der Zeitungsnotiz gesprochen. * Der Verband der Kriegsfreiwilligen u • 18 7 0/71 feiert am 22. März d. I. in Berlin fein 11. Iah? fest. Ferner wird er Mitte August d. I. 'eine 7. Wanderecrjcimm (ung in Bingen abhalieu, von wo bann bic Slamciabcn nad- den durch den Krieg geweihicu Ställen loetterpil.gern wollen, um an den in Metz geplcmien Eiimicruugsseiern tciljunchmen. Tcu Verbaiid zählt gegen 1500 Mitglieder. Außc-e Den Iuhresfesteii unb den Wanberveiiamnilungeii Dienen Die vierteljährlich er fcheinenden „Dlutcilungen des Verbandes Der Kricgsfreiwilligeii von 1870/71" dazu, die Piilglieder in nähere Beziehungen zu bringen unb btc Erinnerung an die große Zeit von 1870 unter ihnen lebendig zu erhalten. k.-k. EI) e m i s d) e r W a 1 b. Ini K 0 stn 0 shandlveis er, der seit einiger Zeit auch itber interessante einfache Versuche berichtet, schreibt Dr. P. Msaz hierüber • Eine ganz e-gen- artige, äußerst interessante Vegetation durch Einwirkung verschiedener Chemikalien aufeinander kann man sich auf folgende Weise Herstellen. Man bedeckt den Boden eines klaren, weißen Glases (am besten Becherglas, mit einer ca fingerdicken Schicht reinen Sandes, den mau vorher ausgewaschen und wieder gctroctncl hat und drückt hü Schicht ein wenig fest, jedoch fo, daß sie noch etwas Lust enthält. Darüber ftrciit man feine und gröbere Kristalle von einfack; chrornfaurern Kali und einige Kristalle verschiedener Größe von reinem Eisen und Kupsersulfat. lieber das Ganze gießt man vorsichtig, um den Sand nicht auf zurühren, verdünntes Wasserglas. Bald beginnt ein überraschender scheinbarer Pslanzenwuchs sich von den Kristallen aus zu entwickeln, der je nach der verschiedenen Größe der Kristalle und der Verdünnung des Wasserglases vor- fd)leben mannigfaltig ist. Dian sieht grüne, blaue und braune baumartige Gebilde mit gewundenen Aesten und Zweigen, nnd betrachtet man das Schauspiel durch eine Die Kr. - Sensing tsü «erlog"-, Urck 11 «»zeig 3niühi'i'er für o>e j bis oorm Frank 1 niigsge ^spiele K liguibutorc B üt u"ter H slerschlag ■ Zlarb Der 5 an,;umclbcn. y. 2”/ D,< 10. 4,8 83 Niedrigste 8. 3« schnelles um Meteorologischeveobachtungen der Station Gießen. 8 8 0 0 12,1 "9. 1,0 “C. 57 39 lieber das Vermögen des Kaufmanns Karl Svnnenfchein 1 Klarer Hnninck Bcw. Himnul Lnpc, so glaubt man sich in einen Marchenwalb versetzt. Bedingung ist, daß das Glas an einem vollständig ruhigen Orte stehl. Hat man den „Wald" wochenlang stehen gelassen, so kann man vorsichtig hie Flüssigkeit ab gieß en oder absaugen, um dann die Gebilde näher chemisch und mikroskopisch zu untersuchen. Es ist ein allerliebster chemischer Scherz, den id) jedermann empfehlen kann. Viel leicht gelingt cs aud), dieses eigenartige chemische WachS- titni photographisch zn sirteren In den Entwicklimgsjahren beginnen Knaben unb Mädche.' oit so schnell unb stark zu wachsen, daß bic aufs äußerste in An sprach genommenen SlÖrpevttäiic bringend einer vermehrten Nab limgszu'iihr in Form eines Stärkmigsmittel-. bedürfen. Nichts i'l hiev mehr am Platze als Die altbcivahrte Scotts Emulsion. treotte Cnnullton mirb von u;ie au»)dJuctjliit uu tliuiiC.. ocrtauiL uuo rite lo|c nacb lÄcwichi oder Wla|j, lonbern mir tu ueiiteyelteu OrtgtnalflalLc > In Sfaiton mit umevei Lchuvmarkr itiUdjex mit öeiu Dvr>ch> Lcou u. Äowne, ü>- 0 £> . ßrantfuri a. '6)1 Bkliandirtle. ,;rtnjtex DlfCmiialtL'ebevtiin ibo.o. onma «Lliijertn iintnriliogunoCTflfaurn Kalk 44. umerodosphortt, aurc» yiutron pulo Trasai ü,0. leimtet müb (Dummi pul» L" Deflill 2Lusiei 189.0 -?([teb»l 1L0 uromanlrbe <5"mulfton nitt Stmt=. -SUtndel- unb lüaitltbenaöl |r S Tropfen. ____ Höchste Temperatur am 8, bis U. Biärz I llorsten i | Senate hi die Einer gregation Etnennui ickeinlich man, roe oickl eicht f'itor gk tigunger leicht. 1 nangene I bö?toilli ' ichlägtgi M 5]nad) i vung /ro, 1 Maßregel. I Was |in ungl luntreuten |Cn hat ni I Damlos t I 'wen lass I cksst. handel. ** K o n f n r f c 1 n 'Hesse n. lieber bas Vermögen be-.- Georg Friedrich Die h l, alleinigen Inhabers ber Firma Karl Diehl vlachfolger in Dar m ft a b t, und dessen Ehefrau Flora geb. Etvald bafelbst würbe nm 25. Febr. das KoulurSvenahreu eröffnet, da die Gemeinschulduer zahlungsunfähig sind und bie Konkurseröffnung beantragt haben. Kaufmann Karl 2 e ch e r t tu Darmstadt wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforder- imgcn sind bis 511111 2. April bei dem Amtsgericht Tarmstabt J K W M ’ungett 1,1 I cn die ha £ jnifltor 1 ■ Ergebnisse 1 Schüsse I äbcr nach, r ogar a1 M ironisch, t H Dm nicht .. idt. An |t noihdent d II Aefälli H treffen H dm sind. 1! nur durch L Sntrauen | dm er iui I dauscgc S gründe rö I tignibatio Schneider zu S e l i g e n st a d t wurde am 26. Febr. das Konkursverfahren eröffnet. Zum Konkursverwalter wurde Rechtsanwalt S. Löb zu Seligenstadt ernannt. Tie Anmeldefrist lauft bU 30. Marz 1910. -- lieber bas Vermögen ber Eharlotte Sprech- m an n, Ehefrau des Kaufmannes Ionas Sprechmann in Mainz, Inhaberin ber Firma ((har(ottc Sprechmaiw daselbst, wiirde am 1. 'März das Konkursverfahren eröffnet. Bücherrevisor N eid- 11 n g c r in Blainz wurde zum Koul'uisverwaller ernannt. Konkurs- forberungen finb dis zum 1. April bei Dem Amtsgericht Mainz anzumelden. — lieber bas Vermögen des Schuhmachers Jakob Späth und feiner Ehefrau 'Margarethe, geb. Gerstenfchläger tu Rodau, ist am 1. 'März bn5 Konkursverfahren eröffnet worben. Rechtsanwalt Dr. Eckhard in Reinheim ist zum Kontnrsverwalter ernannt worben. Konkursforderungen sind bis zum 20. März bei dem Amtsgericht Reinheim anzrnnelben. Die deutschen A f 1 1 c 11 g e f e I l f d) a f t e h im Jahr e 1909. Nack) den Ermittelungen des Kaiserlichen S-tattstisd)cn Amtes auf Gründ der Bekanntmachungen bei Gerichte im „Rcichsanzeiger" ivnrbcn im Jahre 1909 179 Gesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital von 230,8 Millionen Marl neu gegründet, gegenüber 151 Gc sellschaften mit 162,5 Mill. Mark im Jahre 1908. Die Gründungstütigkoit des vergangenen Jahres ist somit erheblich stärker gewesen als im Jahre 1908. Von den 179 neuen Gesellschaften des Jahres 1909 wurden 73 Gesellschaften mit 93,1 Millionen Mark Aktienkapital unter Einbringung bestehender llntcrnchniuugen gegründet; für bic S ad) ein lagen mürben hierbei 72,3 Millionen Mark in Aktien gewährt. Im Jahre 1908 war bie llmmanbiung bestehenber Unternehmungen in Aktiengesellschaften wie bie gesamte Grnnbnngstätigkctt geringer gewesen ; es waren int Wege ber Unnuanblurtß 72 Geseklschastcn mit 82,0 Millionen Mark Nominalkapital gegrüiibet. Vücherlifch. Chainiss0s Werk c. Auf Grund Der Hcinpclsckien Ausgabe neu herausgegeben, mit Bwgraphic, Einleitungen unb sJ(umerTungcn versehen bon Max Sobow Goldene Klafsiler- Bibliothcl, Deutsches Vcrlagshaus Bong 11. Eo., Berlin W. 57. Max Subow hol btefc billige nnb vorttesslichc Ausgabe sämtlicher Werke Abolbcrt bon Ebamissos mit großer Liebe unb Sacki- kcnutnis besorgt: in einem sehr .umfangreichen Lebcitsbilb schil- bert er fesselnd bic seltsamen Schicksale bcs iuimbcvlid)cn Manuel unb kommentiert bic Werke selbst bnrck; Einleitungen unb Anmerkungen. Einband, Papier unb Druck sind non jener Ge» biegeubeit, bic mir an ben Ausgaben ber „Goldenen Klassiker- Bibliothek" schätzen. 1 lonjlifte ) "°ch im Gi daß die bi teügen uu 'chen flieg- daraus he; Sitien in; gleich d ytSuijite Sribatt Mumm " Kö hnopef m",als w Stirn J’Jthen for Mrnenk beizj ferner llifin B Mstn b Wa bei !r butz die Sekten V^nft St Sj> e Silbe Sie; Märkte. Limburg <1. ö. Lahn, 9. Biärz. F ruck) Inrarkt. Turck)- sdinittSpreis pro Bialter. Roter Weizen inasiauischer) 18,30 Vil., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 17,90 Bll'., Korn 12,00 Mk., Gerste: Futtergerslc 0,00 Ail., Brauacrstc 00,00 Mk., Hafer 7.65 Ml., (yrbleit o,00 Karlofselii 0,00-0,00 Bit. 751,8 11,-1 750,3 4,8 747,8 3,3 März «V ~ ?o.S M c S ute gkest ive j gfeii ! . 0 •2 = arte i.-gsuwi Gunujfl H______S 0 S e ~ .5 C »7,?, Wetter 1910 v- - /Ei c c p 5? w = Z w Abf Fenck piug l’lß Wirtz COj» 2^1 ---------------------------.