Nr. 187 Zweites Blatt 160. Jahrgang Freitag IS. August 1S1V Erscheint tü-lich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Sietzener Kamlliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwlrtschafttichrn Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UniversitätS - Buch- und Cteindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* ftraße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion:«^ 112. TeU-Adru AnzeigerBießen. 4?oltti?che Tagesscharu Heeresverwaltung und neue Milit'ärluftfchiffe. Me wir erfahren, sind wegen Er werb s eines neuen Zeppelin-Luftschiffes durch die Heeres-i Verwaltung jetzt bestimmte Vorschläge von der Zeppelin- Gesellschaft bei der zuständigen Behörde eingegangen, und es schweben gegenwärtig Verhandlungen. Die vor kurzem durch die Presse gegangene Nachricht, wonach das Kriegs- ministerium ein Zorn-Luftschiff subventionieren werde, ist nicht zutreffend. Der Verkehr zwischen der Behörde und der betrefsenden Luftschiffahrts-Gesellschaft hat sich bisher daraus beschränkt, daß ein Gesuch um Subventionierung durch 'die Heeresverwaltung bereits im Jahre 1909 dahin beantwortet wurde, daß zunächst der praktische, Beweis für die Brauchbarkeit eines solchen Luftschiffes für Heereszwecke zu erbringen sei, bevor eine Subvention in Frage kommen könne. Im Februar 1910 wurde dann seitens der Gesellschaft der Antrag auf Subventionierung einer Luftschifshakle gestellt, worauf der Bescheid, erteilt wurde, daß der Nachweis einer guten Fundierung des Unternehmens zunächst notwendig sei. Der nächste Lenkballon, der voraussichtlich von der Heeresverwaltung übernommen werden wird., dürfte ein n e u e r „P a r s e v a l" sein, dessen Fertigstellung bevorsteht. Das neue Luftschiff soll einen Rauminhalt von nur rund 5 700 Kubikmeter besitzen, ist also ca. 1000 Kubikmeter kleiner als der zuletzt gelieferte Lenkballon. Er wird nach seiner Uebernahme die Bezeichnung „P. III" erhalten. In Unterhandlungen steht die Heeresverwaltung ferner wegen Lieferung eines Lenkballons nach dem System Clouth. Es handelt sich aber nicht um das Luftschiff, das zur Ausstellung nad) Brüssel geflogen ist. In Betracht kann nur ein neuer Lenkballon dieses Systems kommen, der auch einen größeren Rauminhalt als die bisherigen Clouth- Lenkschiffe besitzt. Was ferner das Interesse der Armee- Verwaltung an dem Siemens-Schuckert-Luftschiff anbetrifft, so hat man bei der Konstruktion des nun fertig gestellten Ballons die bereits gesammelten Erfahrungen der Gesellschaft zur Verfügung gestellt und hat außerdem die nötigen Gasflaschen hergeliehen, was eine nicht bedeutende Ersparnis bedeutet, da ^ur Füllung ca/4000 Gasflaschen notwendig sind. Man geht bei der Erprobung des neuen Luftschiffs sehr vorsichtig zu Werke, hält die Proben in der Halle ab und macht entsprechende Verbesserungen. * Relseplane des Kaisers. Nach den letzten Bestimmungen wird, wie uns aus Berlin mitgeteilt wird, der Kaiser zunächst am 14. d. M. in Kassel ein treffen und die Weihe von Regintentssahnen vornehmen. Am 16. ist die Parade auf dem „Großen Sanoe" in Mainz vorgesehen. Es folgen dann die Posener Maisertage vom 20. bis 23. d. M. Am 24. ist in Königsberg die Parade über das 1. Korps angesetzt, und vom 26. bis 29. August nimmt der Monarch in Da nzig Aufenthalt, wo am 26. d. M. die Uebergabe von Fahnen an das 128., 129., 141. und 142. Infanterie-Regiment erfolgt. Am 27. soll die Parade über das 17. Korps ab- nefyalten werden und am 29., an welchem Tage die Hochseeflotte in der Danziger Bucht liegen wird, findet gegen Abend Zivildiner auf dem Remter der Marienburg statt. Abends erfolgt die Abreise nach Berlin, wo der Kaffer am 1. September die große Herbstparade abhalten wird. In Aussicht genommen ist dann ein Besuch C a d i n e n s, dessen Dauer noch nicht bestimmt ist. Am 5. September hat der Herrscher sein Eintreffen in St olp zur Jubiläumsfeier und Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu- gesagt. Anschließend hieran ist ein Jagdaufenthalt in Sch loh bitten und Prökelwitz in Aussicht genommen und es folgt dann die Abhaltung der Kaisermanöver, die vom 8. bis 10. in der Gegend von Elbing ftattfinden sollen. Festgesetzt ist ferner ein Jagdbesuch beim Erzherzog Friedrich in Bell Ye vom 17. bis 19. September. Am 20. September soll dann, wenn die Dispositionen nicht geändert werden, der Besuch beim Kaiser Franz Josef in Wien stattfinden. ♦ Zentrumswünsche für die Polen. Die Zentrumspresse zeigt sich anläßlich der Eröffnung des Posener Königsschlosses am 20. August um ihre lieben Polen sehr besorgt. Nicht nur, daß die „Germania" besonders hervorhebt, wie viel Peinliches diese Gelegenheit für die Polen haben müsse, stellt sie bereits auch ein Programm auf für die Rede, die der Kaiser dabei zu halten >hat. Friedliche, freundliche und versöhnliche Worte will das Zentrumsblatt hören, Negierung und Kaiser müssen es als ihre Aufgabe betrachten, die Polen trotz allem, was vorgegangen ist, zu gewinnen und zu versöhnen, die Gegensätze zwischen den Nationalitäten zu mildern und auszugleichen, selbst auf die Gefahr hin, daß freundliche und versöhnende Worte heute noch bei den Polen ungehört und ohne entsprechendes Echo verhallen sollten. „Vielleicht erinnern sich die Polen doch noch einmal gern ihrer und lassen sich an sie dann verbindende Fäden zwischen Deutschen und Polen knüpfen." Dieser Trost in die Zukunft ist nicht minder ergötzlich, wie das „Regierungsprogramm", das die „Germania" bereits auch für einen etwa in Posen residierenden Prinzen fertig hat. Für diesen befürchtet das Zentrumsblatt, daß ihm das Leben dort w-iro sauer gemacht werden, nicht durch die Polen, sondern durch die Deutschen: „Wenn er nun einmal für das Deutschtum, Staat und Monarchie wirken soll, so muß er sich doch auch Mühe geben, die Polen zu gewinnen. Er muß also mit den vornehmen Polen Fühlung suchen, sie zu Festlichkeiten ins Schloß laden, bei öffentlichen Gelegenheiten mit ihnen verkehren usw., kurz, den Liebenswürdigen gegen sie herauskehren .... Wollte er aber nach den Rezepten der Hakatisten unnahbar für die Polen sein, sie zurückstoßen und verletzen, immer den Herrn gegen sie herauskehren, was wäre dann groß gewonnen für das Deutschtum und den Reichsgedanken? Die Polen sollen doch umgestimmt werden. Es genügt doch nicht, daß eine Anzahl deutscher Beamten durch die Anwesenheit eines Prinzen in Posen in ihrem Selbstbewußtsein gegenüber den Polen gestärkt, und ein Häuflein von Hoflieferanten bei deutsch-nationaler Laune erhalten werde." Hoffentlich gibt die Posener Kaiserrede auf diese Um- schmeichelung der Polen die richtige Antwort. * Kanadische Freihandelsbewegung. Unter den Farmern Westkanadas macht sich seit einiger Zeit eine lebhafte Agitation für die Aufhebung des bestehenden Zolltarifs und die Niederlegung der Schutzzollgrcnze bemerkbar. Deputationen aus den dortigen Farmerfteisen sind wiederholt bei dem Premierminister Sir Wilfried Laurier in diesem Sinne vorstellig geworden. Daß die Bewegung speziell der Regelung der deutsch- kanadischen Handelsbeziehungen günstig sei, wie deutsche Blätter meinen, ist indessen sehr zweifelhaft. Die west- kanadischen Farmer setzen sich zum großen Teil aus Einwanderern aus den Vereinigten Staaten zusammen, und ihnen scheint es hauptsächlich um den Llbschluß eines Handelsvertrags mit der Union und um Erleichterungen für die Einfuhr amerikanischer Fabrikate zu tun zu sein. Bekanntlich ist es den Vereinigten Staaten nicht gelungen, auf Grund ihrer neuen Zollgesetzgebung zu einem befriedigenden handelspolitischen Verhältnis zu Kanada zu gelangen. Das seit April d. I. bestehende Handelsabkommen stellt nur einen Notbehelf, ein Provisorium dar, bei dessen Abschluß die amerikanische Regierung, nur um den Zollkrieg zu verhüten, sehr weit nachgegeben hat. Der Plan, einen endgültigen, für Amerika günstigeren Handelsvertrag mit Kanada abzuschließen, ist aber in Washington noch nicht aufgegeben worden, und wahrscheinlich wird von hier aus die Agitation in den kanadischen Farmerkreisen geschürt' und unterhalten. 2lu» Stadt und Land. Gießen, 12. August 1910. ** Assistenzärztin. Seit dem 1. August d. Js. wirkt an der Kinder-Poliklinik von Professor Dr. Koeppe zum erstenmal eine Dame als Assistenzärztin, nämlich Fräulein Dr. med. Ruth Plöger aus Berlin. "Nach der Säuglings st ati st ik von Knöpfel ist die Totgeburtenzifser seit den letzten 5 Jahren wenig Schwankungen unterworfen. Immerhin ist es bemerkenswert, daß die Zahl der Totgeborenen von 4,4 in den 6Oer Jahren auf 3,1 im Jahre 1908 gesunken ist. Die Häufigkeit dec Totgeburten ist bei den unehelichen Geburten etwaä größer, als bei den ehelichen. Die Zahl der unehelich Geborenen ging während der Errichtung des Deutschen Reiches, also 1870/71, über ein Drittel zurück. Als Ursache hiervon gilt das Wegfällen gesetzlicher Ehehindernisse. In naturgemäßem Gegensatz hierzu wurden 1866/70 33,5 Proz. dec unehelich Geborenen von den Vätern anerkannt, jetzt nur noch 20 Proz. Mit großer Regelmäßigkeit stellen sich die Mehr- lingskinder (Zwillinge rc.) ein. Zwillingsniederkünfte gab es 500, Drillingsgeburten sind nur selten, Vierlingsgeburten wurden in den letzten Jahren in Hessen nur dreimal verzeichnet. ** Sonderzüge zum Veteranenappell in Darmstadt, die nur 3. Klaffe fahren, gehen in Gießen ab: am Samstag den 13. d. M. nachm. 1234 (Ankunft in Darmstadt 305) und am Sonntag den 14. d. M., norm. 641 (Ankunst in Darmstadt 910). In Darmstadt fährt der Sonderzug am Sonntag dem 14. um 826 abends ab und trifft um 1056 in Gießen ein, wo der Zug nach Mücke die Ankunft abwartet. Die Züge halten auf allen oberhessischen Stationen. ** Hessenabend in Metz. Tie Mitglieder des »Hessenabend", der in Metz seit langen Jahren jeden ersten Donnerstag im Monat seine Zusammenkunft hat, laden alle Hessen, die bei den 4Ojährigen Gedenkfeiern nach, Metz kommen, ein, sich an den Abenden des 15., 16., 17. und 18. August im Hoffbräu in der Bank st raße zu einer gemütlichen Zusammenkunft alter Kriegskameraden und Landsleute einzufinden. ” Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgang ein Annahme buch mit sich, das zur Eintragung der von ihm angenommenen Telegramme, Wert- und Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Pakete, Nachnahmesendungen und Zeitungsbestellungen, sowie der zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellung der Zeitungen und zur Beschaffung von Wertzeichen ihm übergebenen Beträge dient. Ein gleiches Annahmebuch führt jeder Inhaber einer Posthilfstelle für die bei dieser niedergelegten Wertsendungen usw. Es ist zweckdienlich, daß die Aufgeber die Eintragung der Sendungen usw. in die bezeichneten Annahmebücher eigenhändig besorgen oder sich wenigstens von der Buchung durch den Landbriefträger oder den Posthilfstelleninhaber überzeugen. Da diese Bestimmungen noch immer nicht ausreichend bekannt sind, werden sie erneut zur öffentlichen Kenntnis gebracht. ** Manöversendungen. Aus Anlaß der bevorstehenden militari)eben Herbstübungen machen wir auf die Wich- tigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Aufschriften bei den Manöver-Po st sendungen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (mög- vor zehn Jahren in China. Die Augusttage dieses Jahres rufen die Erinnerung an jene bangen Wochen zurück, die vor einem Dezennium in China mit der Belagerung der europäischen Gesandtschaften in Peking und der Ermordung des deutschen Gesandten Freiherrn von Ketteler begannen und am 14. und 15. August zur Erstürmung der chinesischen Hauptstadt und Befteiung der in höchster Lebensgefahr schwebenden Europäer führten. Nachdem schon Ende 1899 in der Umgebung von Peking und Tientsin Unruhen ausgebrochen waren, begann Ende Mai 1900 der Boxeraufstand so bedrohlich zu werden, daß auf Aufforderung Kettelns alsbald eine Schutzwache von 50 Mann vom 3. Seebataillon aus Kiautschou über Taku und Tientsin nach Peking ging, das dort am 3. Juni eintraf, während in Tientsin eine Matrosenwache von 120 Mann gelandet wurde. Zwei Wochen später war die europäische Kolonie in Peking, deren Gesandtschaftswachen nur 18 Offiziere und 389 Mann zählten, zu denen noch einige Hundert als Gäste oder Ansiedler in Peking wellende Europäer kamen, von der Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten und am 20. Juni wurde der deutsche Gesandte auf offener Straße in der europäischen Stadt ermordet. Außer diesen spät in die Außenwelt dringenden Nachrichten fehlten alle Einzelhellen über das Schicksal der Eingeschlossenen, von denen abwechselnd verlautete, daß sie mit Frauen und Kindern umgevracht seien, bald' aber auch hieß, daß sie noch um ihr Leben kämpften. Ein Versuch des ältesten vor Taku anwesenden Geschwaderchefs, des englischen Admirals Lord Seymour mit einer 2000 Mann starken, aus Engländern, Deutschen, Amerikaner, Oesterreichern, Italienern, Franzosen und Russen zusammengesetzten Abteilung den Rückzug der in Peking weilenden) Europäern zu sichern, war 40 Kilometer vor Peking bei Liang-Fang vor der Uebermacht der Chinesen und wegen der Zerstörung der Bahn zum Stillstand gekommen und Ende Juni kehrte das Expeditionskorps mit einem Verlust von 371 Mann nach Tientsin zurück, wo schon vorher die kriegerischen Operationen auf dem Peihoflusse begonnen hatten. Erst als nach gründlicher Zerstörung der Takuforts und des chinesischen Arsenals bei Hsiru die Chinesenstadt Tientsin am 16. Juli vollständig und dauernd erobert war, tonnte an die Befteiung der in Peking Ein- geschlosseneu gedacht werden, von denen immer dringendere Hilferufe herüberdrangcn. Am 18. Juni hatte ihre Belagerung durch die Chinesen begonnen, am 16. Juli war ein bis zum 9. August dauernder Waffenstillstand eingetreten, dann war von den Chinesen die Beschießung wieder ausgenommen worden, der die mit nur geringen Munitionsvorräten Versehenen nur ein schwaches Feuer entgegensetzen konnten. Obwohl nun ein großer Teil der Verstärkungstruppen, darunter auch die beiden deutschen Seebataillone aus Kiel und Wilhelmshaven auf offener See schwammen, wurde von dem russischen General Lenewitsch angesichts der verzweifelten Lage der 'Gesandtschaften mit einem gemischten Expeditionskorps von 1600 Mann der Vormarsch auf Peking am 5. August angetreten, bei dem es schon an demselben Tage 12 Kilometer nördlich von Tientsin bei Peitsang zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Chinesen kam. Am 8. August folgte die Eroberung von D a n g s n n und.am 11. August die Besetzung von Hohsiwu, halben Wegs zwischen Tientsin und Peking. Von dort an fanben die Verbündeten feinen wesentlichen "Widerstand mehr, so daß sie schon innerhalb von drei Tagen vor die Tore der Hauptstadt gelangten. Am 14. August früh morgens begrüßten die in die stark befestigte englische Gesandtschaft geflüchteten Europäer den von ferne herüberschallenden Kanonendonner als Zeichen der naben Befteiung, und am Nachmittag desselben Tages erschien als erstes ein indisches Regiment, vor dem die Belagerer der Gesandtschaftsstraße die Flucht ergriffen. Tags darauf aber war die Millionenstadt im Besitz der Verbüirdeten. Um auch deutsche Truppen an dem improvisierten Vormarsch teilnehmen zu lassen, war Kapitän Pohl am 9. August mit 4 Offizieren und 107 Mann von Tientsin nachgeeilt, er konnte aber erst noch am 18. August in Peking eintreffen, wo ihm und Kapitänleutnant Hecht die Aufgabe zufiel, die nordwestlichen Staditeile zu besetzen. Die deutsche Gesandtschaftswache hatte während der täglichen Kämpfe von Sauf ent) en von Belagerten nut einen Verlust von 11 Toten inwd 16 Verwundeten erlitten. Als die beiden deutschen Seebataillone am 23. bezw. 31. August eingetroffen waren, konnte General von Höpfner schon am 10. September bei Lianghiang, 10 Kilometer südwestlich von Peking, einer zehnfach überlegenen Streitmacht ein Gefecht liefern, bei dem 500 Boxer und Soldaten fielen. O. K. * — Kurse für Lehrer über Schwachsinn Und Geisteskrankheiten des jugendlichen Alters. Die „Münch. Mediz. Wochenschr." meldet: Einem Wunsche der Hilss- schullehrer Dresdens enffprechend wurden im Laufe dieses Sommers an der städtischen Heil- und Pslegecmstalt zu Dresden ärzlliche Vorträge und Vorführungen von schwachsinnigen Kindern und Jugendlichen zur Belehrung für die Hilfsschullehrer abgehalten. Sämtliche Formen des Schwachsinnes und von Geistes- krankhell des kindlichen und jugendlichen Alters wurden besprochen. — Virgils Denkmal. In Mantua, der Geburlsstadt Virgils, wird dem Dichter der „Aeneide" demnächst ein Denkmal geweiht. Es ist bereits nahezu fertig und zeigt das Bronzestandbild des römischen Klassikers in einem antiken Marmortempel, den Mosalldarslellungen von Bildern aus den „Georgica" und den „Bucolica" schmücken. Es. war auch die Rede davon, Virgils Asche, die sich in seinem angeblichen Grabe am Posilipp bei Neapel befinden soll, nach Mantua überzuführen. Aber die Zweifel an der Echtheit dieses Grabes erwiesen sich doch als zu stark, und die Tatsache, daß einst Petrarca dort zum Gedächtnis seines großen Vorgängers einen Lorbeerbaum gepflanzt hat, vermag an diesen Zweifeln nichts zu ändern. Uebrigens beabsichtigt der Munizipalrat von Mantua, die höheren Lehranstalten Europas einzuladen, Abordnungen von Professoren und Schülern zu der Denkmalsfeier zu entsenden. — E i n neues Meisterwerk der griechischen Kunst im Britischen Museum. Die unvergleichlichen' Schätze antiker Plastik, die das Britische Museum birgt, sind, wie aus London berichtet wird, durch eine soeben ausgestellte Neuerwerbung auf das glücklichste ergänzt worden. Es handelt sich um ein griechisches Grabrelief jenes schönen, strengen attischcm Stils, der bisher in der Sammlung noch nicht so gut vertreten war. Die herrliche Arbeit, die auf dem Pariser Antigullätenmarkt erworben wurde, bestand bei dem Ankauf aus lauter einzelnen Stücken, ist aber nun vorzüglich wiederhergestellt worden und nimmt nun einen hervorragenden Platz in dem Saal der Funde von Phigalia ein. Drei Figuren sind auf dem Grabrelief dargestellt, die nach der griechischen Inschrift einen Mann namens Epichares, sein Weib, deren Name fehlt, und seine Tochter Ari- stöis darstellen. Die Frau ist sitzend gegeben, die Tochter steht neben ihr, die Hand der 9)hitter haltend, und zwischen beiden erscheint der Vater. Das Relief, in dem nur unwichtige Stücke fehlen, stammt aus der klassischen Zeit der griechischen Gradplastik aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.; es ist größer und vollständiger als alle anderen Stücke dieser Art im Britischen Museunn, Außer dem Museum von Athen, das die herrlichsten Werke dieser Art besitzt, werden wohl mir wenige europäische Sammlungen ein ähnlich großartiges Stück aufweisen. — Französische Uni der sitäts st atistik. Ueder die Zahl der Studierenden an den französischeii Universitäten! macht eine neue Statistik interessante Angaben. Anr 15. Januar waren an den 16 Universitäten Frankreichs! insgesamt 40 001 Studenten immatrikuliert. An erster Stelle stehen die Juristen mit 16 915; das medizinische! Studium haben 9721 erwählt, der Philologie widmeten sich 6363 und den Naturwissenschaften 6287. Deutschland weist dagegen 54 845 Sttldenten auf, doch stehen hier die Philosophen, Philologen und Historiker mit 15 475 an der Spitze. Den 9721 ftanzösischen Medizinern stehen 9462 deutsche gegenüber, den 16 915 französischen Juristen jedoch J13^3' •-?a an. den deutschen Universitäten die Zahl der ^>urr!ten zuruckgeht. Bei diesen Zahlen darf man me geringe Bevölkerung Frankreichs nicht außer acht lassen, lichst auch Vorname, unter Umständen Ordnungsnummer), Dienstgrad und Truppenteil Regiment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Abteilung, Batterie, Kolonne usw.) und der ftönbige Garnisonsort, eintretendenfalls mit dem Zusatz „oder nach- sendcn". Die Angabe eines Marschquartiers als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht. ** In der Erpressergeschichte des Schrciner- gehilfen Heck wird uns von seinem Bruder geschrieben: „Mein Bruder ist kein Gauner, sondern ein geistig nicht normaler Mensch. Er ist nicht arbeitslos, sondern steht bei mir in Arbeit. Allerdings ließ ich ihm wegen seiner krankhaften Veranlagung ziemlich viel freie Zeit, die er aber zum größten Teil zum Lesen von Schundromanen benutzte. Mein Einfluß vermochte leider nicht, ihn von diesen Büchern zurückzuhalten. Im übrigen aber ist mein Bruder ein harmloser Mensch und sein „Bombenanschlag" sicherlich vielmehr ein unüberlegter Streich, als eine verbrecherische Absicht." Diese Angaben werden uns von verschiedenen Seiten bestätigt, wie denn auch das ganze Vorgehen des jungen Mannes schon von vornherein den Schluß auf verminderte Zurechnungsfähigkeit zuließ. ** D i e s p a n i s ch e n S ch a tz s ch w i n d l e r sind wieder an der Arbeit. Herr Balthasar O p p c r in Mendorf a. Lahn hat uns einen an ihn gerichteten Bries dieser Spitzbuben tzur Verfügung gestellt, den wir im folgenden wiedergeben: Madrid, den 2. August 1910. Sehr geehrter Herr! In sehr unglücklicher Lage, im hiesigen Militärgefängniß, lasse ich Ihnen durch eine Vertrauensperson nachfolgende Zeilen schreibeit. War Zahlmeister in der spanischen Armee, vcr- wikelte mich in eine politische Verschwörung und mußte flüchten. War s. Zt. persönlich in Ihrent Wohnorte und habe in der dortigen Umgegend 240 000 Mark verborgen. Im Besitze meiner Tochter (ich bin Wittwer) befinden sich gewisse Papiere, ohne welche es unmöglich ist die genannte Summe wieder aufzufinden. Wenn Sie bereit sind mir die Reisekosten für meine Tochter und meinen früheren vertrauten Diener ( circa 500 Mark) bis nach der Nähe Ihres Wohnorten vorzustreken, so trete ich Ihnen als Belohnung den dritten Teil der obengenannten Summe ab. In diesem Falle senden Sic sofort beiliegendes Telegramm an die angegebene Adresse nach dessen Empfang ich Ihnen ohne Zeitverlust eigenhändig in einem ausführlichen Briefe meine ganze Angelegenheit eingehend schildern und Ihnen auch meinen vollen Namen bekannt geben werde! sprechen Sie bitte mit absolut Niemand über die Sache und bewahren Sie strengste Verschwiegenheit! Geben Sie das Telegramm nicht in Ihrem Wohnorte auf, sondern in einer nächstgelegenen größeren Stadt, wo man Sic nicht kent. Bitte keinen Brief, nur Telegramm senden. Ihrer geschätzten Rückantwort entgegensehcnd zeichne bis auf Weiteres ergebenst E. A. Spanien Lorenzo Bernet 14 Trafolgar 14 piso cuarto derecha Madri d. -j- Alsfeld, 10. Aug. In unserem Kreise herrscht auf allen Gebieten der Tierzucht eine rege Tätigkeit. Der Bestand der eingetragenen Zuchttiere wird von keinem anderen Kreise erreicht. Insbesondere nimmt die Rindviehzucht eine hervorragende Stelle ein. Die Zahl der im Kreis gehaltenen Rinder beträgt etwa 37 000, also die höchste Zahl in den sechs oberhZ'sischen Kreisen. 670 Landwirte gehören mit rund 1700 eingetragenen Tieren Zuchtvereincn an. Die Pferdezucht ist die umfangreichste in Oberhesscn, gegen 600 Stuten werden alljährlich gedeckt, eine Zahl, die andere Kreise mehrfach übertrifft. Der Kreis Alsfeld übt die Ziegenzucht von den drei Vogelsberger Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Schotten am stärksten; der Kreisziegenzuchtverein setzte 1909 für rund 5000 Alk. Zuchttiere ab. Die Tiere blieben meist in Obcrhessen, doch sind seit den letzten Jahren auch zahlreiche Tiere nach den preußischen Kreisen Fulda, Hcrsfeld, Kassel, Ziegenhain, Hünfeld und nach Thüringen verkauft worden. ? Mainz, 11. Aug. Auf Ersuchen der österreichischen Behörde wurde in einem hiesigen Gasthof ein Kellner festgenommen, der als Offizier in einem österreichischen Regiment gestanden hatte und fahnenflüchtig geworden war. Durch einen Bries wurde sein Aufenthalt in Mainz entdeckt und seine Verhaftung veranlaßt. — Ein mit fünf Personen besetzter Nachen kam unterhalb der Eisenbahnbrücke durch die Ankerkette eines Schiffes zum Sinken. Die Leute hielten sich an der Kette fest und konnten durch Matrosen gerettet werden. — Dec baufällige Helm des Finther Kirchturmes mußte abgetragen werden, da er sich bedenklich zur Seite neigte. Das alte morsche Holz- und Steinwerk ist beseitigt und man beginnt den neuen, schöner gestalteten Helm aufzuschlagen. —g. Gladenbach, 9. August. Die Herbbuch - g e s e l 1 s ch a f t des Kreises Biedenkopf für das Vogelsberger Rind hält am Montag, 15. August, in dem „Vallbrachtscheu wodurch sich für Frankreich ein höherer Prozentsatz Akademiker ergibt. — Das Londoner Stadtsiegel. Der Gemeinderat von London geht ernstlich mit der Absicht um, für seine amtlichen Urkunden ein neues Siegel anzuschaffen. Man wird diese Anschaffung nicht als Verschwendung bezeichnen können, wenn man hört, daß das jetzige Siegel bereits feit dem Jahre 1381 im Gebrauch ist. Es wird gegenwärtig unter etwa 1400 Urkunden alljährlich gedrückt und dient speziell dazu, die Unterschrift des Lord-Mayors zu beglaubigen, was der Stadt jedesmal eine Stempelgebühr von zehn Schilling einbringt. — Die Ara pacis. Als im Jahre 1904 die letzten Neste der berühmten Ara pacis (Altar des Friedens) in ber V i a in Lucina zu Rom ans Licht kamen, erkannte die ganze wissenschaftliche und künstlerische Welt die Notwendigkeit, das geschichtlich wie künstlerisch hochbedeutsame Denkmal wieder herznstellen, aber auch die Schwierigkeiten, die sich angesichts der großen Menge der schon irüher gefundenen Bestandteile der Ara dem Unternehmen entgegenstellten. Viele der im Lause der letzten Jahrhunderte ans- gefundenen Bruchstücke sind seit langem im Besitz üoit Museen, die bedeutendsten und schönsten aber sind in die Rückseite der Villa Medici auf dem Pineio eingelassen, die, Eigentum der französischen Akademie ist. Diese den Besuchern der schönsten aller römischen Paläste wohlbekannten Basrelieis und dekorativen Fragmente wurden nun zur Ergänzung der Ara von der italienischen Regierung erbeten und von der französischen Akademie großherzigerweise be- willigt; sie iverden also binnen kurzem herausgebrochen und zusammen mit anderen von den vatikanischen und anderen Museen herausgegebenen zur Ergänzung der ara pacis dienen. Im nächsten Jahre wird man das großartigeDenkmal des Augilstus im Thermen- museum bewundern können. — Eier von Saugwürmcrn in ägyptischen Mumien. Eine interessante Entdeckung gelang dem Forscher -PJarc Armand Ruffcr. Schon früher konnte man in ägyp- ttfa/n Mumien Lungenentzündungen, Nicrenabszessc und Ent- Aünbungen der Leber nachweisen. Jetzt teilt ber oben erwähnte Forscher in dem British mebieal Journal mit, baß es ihm gelungen ist, verkalkte Eier der Bilharzia, einem endoparasitischen Egelwurm, in zwei Nieren nachzuweisen. Die Eier maren leicht itnb sicher zu erkennen Außer ihnen sanden sich in Nieren- anszeisen auch noch färbbare Bakterien. Die Mumien flammten, flUÖ bn *roa”*l?’ten Dynastie, haben also ein Alter von etwa 3000 Jahren. Garten" eine Bezirksschau ab. (Zs werden nur reinrassige Vogelsberger Tiere .zugelassen. 400 Mark sind für die Preisverteilung vorgesehen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tic Wahl des Stadtrats und Baumeisters zu Höchst a. M. Ernst Hermann Jochrcns und des Stadt- rats und Domänenrentmeisters Adolf M o o ck daselbst als unbesoldete Beigeordnete der Stadt Höchst wurden bestätigt. — In Mannheim versuchte gestern morgen der 23 Jahre alte Schlosser Roman Grupp der 25 jährigen ledigen Schneiderin Hör ne ff in seiner Wohnung den Hals zu durchsetz n e i ö c n , aber er brachte ihr nur unbedeutende Verletzungen bei, dann schoß sich Grupp eine Kugel in die rechte Schläfe. Er war sofort tot. Zuchtvichmarkt Butzbach. Auf Veranlassung des La n d wi r't s ch a f t s kämm er- Ausschnsses fand in Gemeinschaft mit Vertretern der Stadt Butzbach und der Zuchtvereine aus den Kreisen Friedberg, Gießen und Büdingen eine Besprechung wegen Abhaltung des Butzbacher Zuchtviehmarktes statt. Den Vorsitz führte in Verhinderung des Vorsitzenden des Landwirt- schastslammer-Ausschusses Friedrich Fenchel-Griedel, als Vertreter der Geschäftsstelle war Sekretär Schwarz, anwesend. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der im März stattfindende Prämi'iernngs- und Fa'selmarkt bleibt in der seitherigen Form bestehen, und wird als städtische Veranstaltung ohne finanzielle Unterstützung des Landwirtschafts- lämMer-Ausschusses abgehalten. Dessen Zuchtoiehmarkt soll nach vorausgegangener Verständigung mit den Interessenten des Alsfelder Marktes in Zukunft int Monat Juli statt- sinden, während die Verlegung des Alsfelder Marktes im Monat Mai beantragt wird. Für die Veranstaltung wird die Form der Versteigerung gewählt, zu deren Geschäftsordnung einige Abänderungsvorschläge gemacht werden. Mit Rücksicht auf die in den Monaten September und Oktober stattfindenden Fasel- und Prämiierungsmärkte zu Hungen, Friedberg und Nidda, die in diesem Jahre erstmalig mit Unterstützung des Landwirtschaftskammer-Ausschusses durchgeführt werden, wird von der Veranstaltung einer Auktion für Simmentaler Bullen in diesem Herbste abgesehen, dagegen soll am 15. September eine Versteigerung von Edelschweinebern und Ziegenböcken, für welche um diese Zeit eine besonders starke Nachfrage vorhanden ist, stattfinden. Beschickt wird diese Versteigerung von den Mitgliedern der Schweinczuchtvereine Lang-Göns, Nieder-Weisel, Ostheim und Ober-Hörgern und von den Kreisziegenzuchtvereinen Friedberg, Gießen und Büdingen, sowie von der Auszuchtsstelle Bad-Nauheim. Es wird mit einem Auftrieb von 30 Ebern und 50 Ziegenböcken gerechnet werden können. Nähere Mitteilungen werden noch gemacht werden. Landwirtschaft. — Landes-O bst- und Gartenbau-Ausstellung zu Frankfurt a. M. Tie Vorarbeiten für die Landes-Obst- unb Gartenbau-Ausstellung zu Frankfurt a. M. vom 7.—16. Oktober bs. Js. schreiten schnell vorwärts. Es liegen in allen Abteilungen zahlreiche Anmeldungen vor. Vom M i n i st e r für Landwirtschaft, Domäne und Forsten wurden bereitwilligst 13 Staatsmcdaillen zur Verfügung gestellt. Ebenso wurde der Ausstellungsleitung in entgegenkommender Weise durch die Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden eine größere Anzahl Medaillen in Aussicht gestellt. Der Landesvercin wird eine Anzahl goldener, silberner nnd bronzener Medaillen zur Verfügung stellen. Es sind auch bereits eine Anzahl recht wertvoller Ehrenpreise, sowie ansehnlicher Geldpreise von Behörden und Privatpersonen gestiftet worden, so daß den Ausstellern die Zusicherung gegeben werden kann, daß gute Leistungen auch durch Preise gebührend, gewürdigt werden. Sämtlichen Ausstellern ist von der königl. Eisenbahndirektion freie Rückbeförderung der Ausstellungsgüter gewährt worden. Gericht-saal. Leipzig, 11. Aug. Das Reichsgericht verwarf die Revision der Arbeiterin Agnes Tenzer. Diese war von den Geschworenen des Landgerichts 2 Berlin am 30. Juni zum Tode verurteilt worden, weil sie am 16. März 1907 in Schöneberg ihre einige Wochen alte uneheliche Tochter ermordete. Ebenso verwarf das Reichsgericht die R e v i s i o n der Näherin Valeska Bunzel. Diese war am 20. Juni wegen einfachen Mordes zum Tode und lvegen Diebstahls im Rückfall zu drei Jahren Zuchthaus vom Schwurgericht in Breslau verurteilt worden. Tar-es-Salaam, 11. Aug. Der verantwortliche Redakt e n r der „Deutsch-Ostafrikanischen Zeitung", v. Roy, wurde vom hiesigen Bezirksgericht wegen Beleidigung durch die Presse zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten verurteilt. Loftschisfahtt. Schießübungen auf Luftschiffe. Stolp i. Pommern, 11. Aug. Unter der Leitung des Majors Groß finden am Rügenwalder Strande Schießübungen auf Ballons statt; hierbei wurden glänzende Ergebnisse erzielt. Ein vom Kreuzer „Udine" weit ins Meer hinausgeschleppter Ballon wurde bald durch einige Schüsse heruntcr- geholt; ein anderer großer Ballon ist durch ein im Ballon explodiertes Geschoß auf dem Meere verbrannt. Die Flüge in Ostfrankreich. Nancy, 11. Aug. Für die dritte Etappe der Flicgcr- inndfahrt durch Ostfrankreich sind Leblanc um 5,32 Uhr, Aubrnn um 5,45 Uhr und Lindpaintncr um 5,50 Uhr abgebrochen. Leblanc ist als Erster um 7,30 Uhr in Mezc- jeres cingetroffen. Lindpaintncr ging sechs Kilometer von Nancy entfernt auf einer Wiese bei Ehampignuelles nieder, fuhr dann wieder einen Kilometer weiter, aber das schlechte Funktionieren des Motors zwang ihn, aufs neue zum Landen. Lindpaintner will noch einen Versuch machen und dann eventuell die Fahrt aufgeben. Paris, 11. Aug. Die dritte Etappe des Eircuit-de l'cst, Nancy-Mczieres (1 60 Kilometer), wurde von Leblanc nach der offiziellen Klassifizierung in 2 stunden 5 Minuten 20Vö Sekunden, von A u b r ii n in 3 Stunden 42 Minuten SS4/.-, Sekunden zurückgelegt. Tic Gesamtzeit dieser beiden Aviatiker für die drei ersten Etappen ist folgende: Leblanc 5 Stunden 57 Minuten 29 Sekunden, Audrun 7 Stunden 47 Minuten 45 Sekunden. Dcrmifcbtcs. * Zu den Untaten des Berliner Rektors Bock. Das Berl. Tgbl. hat auf seine Anfrage bei dem Vertreter des für die katholischen Schulen Groß-Berlins zuständigen, zurzeit beurlaubten fürstbischöslichen Delegaten Prälaten Kleineidam, Erzpriester Dr. Alcch folgende Mitteilnngen bekommen: „Ich brauche wohl kaum besonders zu betonen, wie peinlich wir Geistlichen durch die ganzen Vorgänge bei der 40. katholischen Gemeindcschule berührt find, uni) ich sann nur kent Wunsche Ausdruck geben, daß, nachdem diese traurigen Zustände glücklicherweise ans Tageslicht gekommen sind, mit eiserner Faust in diesen Sumpf hineingegriffcn werde, damit alles liebel mit Stumpf Und Stiel ausgcrodet wird, bevor noch größeres Aergernis? entsteht. Wenn Sie mich fragen, ob nicht im Wege .ber Beichte bie Kugel s ch o n längst hätte ins Rollen kommen müssen, so kann ich dazu nur wenig sagen; eben wegen des mit ihr unzertrennlich verbundenen Beichtgeheimnisses. Selbst wir kirchlichen Vorgesetzten können und dürfen von dem Beichtiger niemals erfahren, ob und was das Beichtkind ihm über etwaige Fehltritte, die es begangen, mitgcteilt hat. Selbst vor Gericht hält bekanntlich der Beichtiger bestimmungsgemäß das Beichtgeheimnis aufrecht, und wer unsere Kirchcn- gesctzc kennt, der weiß auch, daß auf dieser strengen Aufrechterhaltung des Beichtgeheimnisses um jeden Preis, selbst wenn eigene Verurteilung zu schwerer Strafe droht, das unbedingte, blinde Vertrauen unserer Pfarrkindcr und Seelsorgebefohlenen beruht. Ich betone also, daß ich gar nicht wissen kann, ob dem für die 40. Gcmcindcschulc speziell zuständigen Pfarrer im Wege der Beichte Mitteilungen über sittliche Verfehlungen von seinen Beichtkindern gemacht worden sind. Wäre dies vielleicht hier und da geschehen, was ich leider nicht glaube, so hätte er vielleicht den Weg wählen können, dem Beichtkindc, bei Verweigerung der Absolution, aufzugeben, daß es sich seinen Eltern offenbare und die Ungehörigkeiten, die ihm widerfahren, zur Meldung bringe. Leider, leider scheint aber alles geschwiegen oder doch niemand von den Eltern oder sonst Verpflichteten den moralischen Mut besessen zu haben, aufzutreten und diesen Untaten ein Ende zu machen. Ich möchte zum Schluß betonen, daß der zuständige Geistliche nur das Recht hat, den Religionsunterricht; hier und da zu tontrollieren; eine Kontrolle des Schulbetriebes und cin^ Recht zur Uebcrwachung in anderer Richtung hat er nickst. Im übrigen muß zur Erklärung dessen, wie das alles möglich war, noch erwähnt werden, daß keiner von uns und' von allen, die den Rektor Bock als scheinbar durchaus glücklichen Ehemann und Familienvater gekannt haben, ihm so Unerhörtes zugetraut hätte." * Ter Prozeß Tichborne. Der Tod des Sir Douglas Tichbornc, der aus England gemeldet wurde, ruft die Erinnerung an einen ber längsten Sensationsprozesse wach, ber vor vierzig Jahren ganz England in Atem hielt. Tichborne, ber einem ber ältesten englischen Adelsgefchlechter angehörte, sah 'sich damals durch eine Verkettung romantischer Umstände gezwungen, seinen Namen und sein Erbteil gegen bie Ansprüche eines Abenteurers ^namens Arthur Orton zu verteidigen. Ter Prozeß in diesem Streit dauerte acht Jahrc und erforderte 291 Verhandlungstage. Tie Zahl der vernommenen Zeugen betrug 262; ber Anwalt Ortons sprach Insgesamt 53 Tage lang, ber Lord- Oberrichter brauchte 28 Tage, um das Ergebnis ber Verhandlungen zusammenzufassen. Ter Verhandlungsbericht nahm im ganzen 1500 Riescnspaltcn der „Times" ein, und die Kosten des Prozesses beliefen sich auf S1/* Millionen Mark. Er endigte im Jahrc 1874 mit der Verurteilung Ortons wegen Betruges zu 14 Jahren Zwangsarbeit. Handel nnd verkehr, Volkswirtschaft. — Passagierfahrten rings um Afrika. Die Union Castle Company eröffnet, wie ans London gemeldet wird, am 14. Oktober einen monatlichen Passagier- und F r a ch t d i e n st r i n g s um Afrika durch den Suezkanal. Die Passagiere können in London ober Marseille an Bord gehen und erreichen Mombassa in 17 Tagen. Tie Fahrt um Afrika wird weniger als zwei Monate in Anspruch nehmen. Tie Dampfer sollen alle bedeutenden Häfeii ber Ostküste anlaufen. Köln, 11. Aug. Tie Versammlung der Siegerländer Hochofenwerke hat den Beitritt zum Roheisensyndikat beschlossen ohne bie drei abseits stehenden Hütten, der Bremerhütte, ber Charlottenhütte und der Gciswcrder Eisenwerke. Man hofft besttmmt, daß jetzt der Anschluß ohne diese drei möglich wird. Märkte. X Marburg, 11. Aug. Dem heutigen Schweinemarkt waren rund lütO Ferkel und Läufer zugefahren. Die Preise gingen, besonders für kleine Ware, etwas zurück. Man bezahlte für 4 — 6 Wochen alte Ferkel 38 bis 42 Mk., für kleinere Läufer 60—80 Mk. und für 3—4 Monate alte Lauser 90—120 Mk. pro Paar. Das Geschäft ging flott. fc. Wiesbaden, 11. Aug. Heu- u n d Strohmarkt. Angesahren waren 34 Wagen Heu und Stroh. Man notierte: Heu, neues, 4.80-6.00 Mk., altes 0.00-0.00 Alk., Stroh (Richt- stroh), neues, 5.00—6.00 Alk. — Fruch 1 markt. Hafer 16.60 bis 16.80 Alk. 'Alles für 100 Kilo. ^kirchliche Nachrichten. Lvanaejljche wenieiiiöe. i2. Sonntag n a ch Trinitatis, den 14. August: Kollekte zum Besten ber kirchlichen Versorgung ber evangelischen Deutschen im Auslanb unb in ben überseeischen Ländern. Gottesdienst. 3n der Ztadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Zugleich Christenlehre für bie Neukonfirmierten aus der Alatthäusgemeinbe. Vormittags 9l/2 Uhr: Prof. D. E ck. Jn der Iohannerkirche. Vormittags 8 Uhr: Psarrassistent Haustein. Zugleich Christenlehre für bie Neukonfirmierten aus ber Lukas- gemeinde. Vormittags 9'/r Uhr: Pfarrer A u § s e l d. Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- unb Johannes« gemeinde gemeinsam. Anmeldung für beide Gemeinden bei Parrer Ausfeld, Süd-Anlage 8, erbeten. Vormittags ll'/. Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer A u s f e l b. Abends 8 Uhr im Konfirmandensaal der Johanneskirche: Ver- ammluug und Bibelbesprechung. UathoUsche Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 13. August: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 14. Aug., 13. Sonntag nach Pfingsten: Vormittags von 61/? Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe. „ um 8 Uhr: Aiisteilimg der hl. Kommunion. , um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. „ um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Andacht. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Montag den 15. August: Fest Mariä Himmelfahrt. Vormittags von 6'/., Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Alesse. „ nm 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. , um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. „ um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt. Militargottesdienst. Nachmittags um 2 Uhr: Fest-Andacht mit Segen. Verantwortlich für „Aus Stadt unb Land" unb „Gerichtssaal" i. V.: Karl Neurath. I-UNgSNlLI-SnI