«r. SIS Zweites Blatt 160. Jahrgang Montag IS. September 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Siebener FamittendlStter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdtflott für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitsragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberhejjen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«« 112. Tel.-AdruAn-eigerGießen. Der Zarenbesuch und die Sozialdemokratie. L. L. Da r m st a d t, 11. September. Die heute nach- rittcrg in Langen an Stelle der verbotenen Wid er- pruchsversammlung gegen die Anwesenheit des taten im Garten des Anthes'jchcn Lokals anbe- aumte Versammlung war von 3000 bis 4000 Teilnehmern besucht. Das Hauptkontingent stellten die sozäal- emokratischen Turn-, Gesang», Nadfahr- usw. Vereine, doch larcn auch viele harmlose Spaziergänger aus der Umgegend nit Frau und Kindern zugegen. Die zahlreich erwarteten (rankfurter Genossen waren fast gänzlich ausgeblieben. Der Versammlungsleiter ermahnte einleitend die Genossen, vor- ichlig zu sein, da anscheinend viele „Lockspitzel" zugegen den, nach denen man sich jedoch vergeblich umsah. Als rster Redner sprach Abg. Ulrich über das „Vereins- und >ersammlungsrecht im freien Hessenland". Er führte aus, aß die erste Versammlung ordnungsmäßig angemeldet gewesen und das Verbot gesetzwidrig sei. Man werde den reisrat und die Regierung im Landtag dafür zur Rechen- chaft ziehen. Das Verbot widerspreche den Art. 79/80 er Kreis- und Provinzialordnung, wie Art. 1 des Reichs- ereinsgesetzes. Der ihm auf seine telegraphische Beschwerde om Minister des Innern erteilte Bescheid, daß den Ber- nstaltern der Rekurs beim Provinzial ausschuß zustehe, sei berslüssig. Die Behauptung, daß schon die Einladung ur Versammlung die Aufreizung der Massen zu Gewalt- ätigkeiten zur Folge habe, sei eine unerhörte Unterstel- ung. Das Ministerium Ewald, der noch bei Beratung des Vereins- und Versammlungsrechts in der Kammer eine iberale Handhabung zusicherte, habe mit dem Verbüt gezeigt, aß es zu den reaktionärsten im ganzen Deutschen Reiche ehöre; es müsse Aufgabe der Partei sein, das Ministerium ävald zu beseitigen. Der zweite Redner war der „3 e h n -- G e b o t e - H o f f - rann" aus Berlin, der das Verbot der Versammlung scharf ritisierte und dann ein grelles Bild von den in Rußland errschenden Zustande gab. Den Schluß beider Reden bil- ete eine eindringliche Mahnung an die Zuhörer, der sozial- emokratischcn Organisation 'beizutreten und natürlich mr sozialdemokratische Blätter zu lesen. Die Versamm- ung nahm schließlich folgende Entschließung an: Die heutige öffentlicl>e Versammlung von mehr als 4000 Personen erbebt energischen Protest gegen das Verbot der zu- rst beabsichtigten Versammlung, in welcher Stellung zum Besuch >es russischen Zaren genommen werden sollte, 'öie sieht in »iesem Verbot eine Verletzung des Reichsoereinsgesetzes, welches n § 1 das Recht des Reichsbürgers, Versammlungen abzuhalten, gewährleisten will. Sie sieht aber auch in der Behauptung, daß »iese Versammlung eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit efürchten lasse, eine Verdächtigung der Arbeiter des Kreises Dffenbach, die durch nichts gerechtfertigt ist und von der Ver- ammlung energisch zurückgewiesen werden muß. Die Versamm- uug protestiert auch dagegen, daß der Ton der Einladung zu nefer Versammlung die Annahme rechtfertigen soll, daß der- elbc die Aufreizung der Massen zu Gewalttätigkeiten zur Folge inbat könnte. Nichts berechtigt zu dieser Annahme. Die Arbeiter des Kreises haben es stets verstanden, ihre Einsichten über 'ffentliche Fragen in Formen auszusprechen, die sich im Rahmen >er gesetzlich) gegebenen Verhältnisse bewegten. Nur der völlig Unkundige der Arbeiterverhältnifse unseres Kreises konnte eine derartige Auffassung aufkommen laffen. Die Versammlung sieht n diesem Verbot einen Versuch zur Russifizierung Messens, gegen die sie im Namen der Arbeiter dieses Landes Verwahrung einlegt. Sie ersucht die Landtagsfraktion, mit aller LntschiÄr-enheit im Landtag dagegen Stellung zu nehmen, um fu verhindern, daß diese Praxis Schule macht. Die Versamrn- ung überläßt es schließlich dem Kreisvorstand, zu erwägen, ob -s sich lohnt, gegen das Verbot den/Provinzialausschuß an» iurufen. Sie gelobt aber, noch energischer als bisher an der Sefreiung der Menschheit aus den Fesseln der Tyrannei zu wirken. Trotz allen Russenverboten der hessischen ■Regierung .aber nimmt die Versammlung sich aus eigener Macht >as Recht, gegen den Aufenthalt des Zaren als des Repräsentanten iUer Unkultur lauten Protest zu erheben und zu diesem Protest >aK ganze freiheitlich gesinnte Volk Hessens aufzurufen." * r:‘: Fra nkfu rt, 11. Sept. Die internationale sozialistische Massenversammlung, die heute hier statt- ^and, war von etwa 20 000 Personen besucht. Es sprachen Faures (Paris), Keir Hardie (London), Vandervelde Brüssel), Klöppel (Wien) und Klara Zetkin (Stuttgarts gleichzeitig von fünf in dem Riesengarten des Tivoli verteilten Tribünen über die „Kulturgemcinschaft des internationalen Proletariats". Jaures verurteilte scharf den Krieg von 1870. K e i r Hardie wies auf das gute Einvernehmen zwischen der deutsch)^ and englffchen Arbeiterschaft hin, und zwar in englischer Sprache und gab dann ein Bild von der Entwicklung der englischen Arbeiterpartei. Seine Ausführungen wurden zum Schluß von Frau Zetkin übersetzt, die darauf sehr heftig gegen die letzte Kaiserrede polemisierte. Widerspruchsversammlung gegen die lkaiserreden. 4 Berlin, 11. Sept. Im Namen der drei freisinnigen Parteien hatte die Freisinnige Volkspartei für heute mittag eine Volksversammlung nach der Brauerei Friedrichshain einberufen, um zu den letzten Kaiserreden Stellung zu nehmen. — Der Vorsitzende Abgeordneter Rektor Kopsck legte den Zweck der Versammlung dar und erteilte bann das Wort dem Reichstags-undLandtagsabgeordnetenWiemer, der mit einem Hinweis über die politische Lage begann. Der Redner kam auf die Steuerpolitik zu sprechen und führte dazu aus, bat bie angeblichen Besitzsteuern in Wirklichkeit Verkehrssteuern seien, bie nur ben Mittelstand treffen. Die Freisinnige Volkspartei werbe auch in Zukunft herauf halten, daß bie Steuerpolitik aufgcbaut wirb auf bem Fundamente der steuerlichen Gerechtigkeit. „Alle Lebensmittel, in erster Linie bas Fleisch, werden teurer. Dagegen kann nur helfen die Steigerung der Produktion durch die Vermehrung der mittleren und kleinen Besitzer. Gegenwärtig ist aber bereits der fünfzehnte Teil des Besitzes fibeikornmiff arisch gebunben. Die Elsaß-Lothringer sollen jetzt bas geheime unb birefte Wahlrecht bekommen, wir Preußen sinb bafür noch nicht reif. Der Kronprinz mahnte uns, bie völkische Eigenart zu wahren: ich weiß nicht, ob er barunter etwa bas Dreiklassen-Wahlrecht versteht. Dann hat er bavon gesprochen, baß den internationalisierenden Bestrebungen entgegengetreten werden müsse. Was er damit meinte, ist nicht recht klar, vielleicht kommt später ein Kommentar dazu. Wir geben der Türkei Schisse und Gelb, tonnten wir von der Türkei dafür nicht etwas Dehp Verständnis für konstitutionelle: Staatsformen austaujchen? Die Königsberger Gottesgnabenrebe hat mit Recht in den weitesten Kreisen Mißvergnügen hervorgerufen. Die ganze Gottesgnaben-Theorie gehört in bie Rumpel- k a n| m e r, der König ist der erste Diener des Staates. (Stürmischer Beifall.) Wir gedenken des Wortes von Engen Richter: Auch du deutscher Bürger bist, was du bist, von Gottes Gnaden. Der Kanzler will letzt hinterher die Verantwortung übernehmen, er soll aber dafür sorgen, daß solche Kundgebungen überhaupt nicht Vorkommen. Der Kaiser hat gesagt: Ich führe euch herrlichen Tagen entgegen. Nur sind die herrlichen Tage leider ausgeblieben. Heute scheint es, soll ein neuer Kurs eingeschlagen werden. Wir werden aber auf bie Reden zur Sammlung wenig geben, wenn nicht die Politik gänzlich verändert wird." (Stürmischer Beifall.) Stadtrat Fischbeck: Zufrieden mit ben letzten Kaiserreden sind nur wenige Kreise, die Junker, die sich an ben König heranbrängen und bie Herren vom Zentrum, bie, um Stimmen im Lanbc zu fangen, für das' gleiche, geheime unb birefte Wahlrecht eintreten. Es sollte eine Reform der Verwaltung kommen. Was ist babei herausgekommen? Die Rechte bes Landrats sollen noch erweitert werben. Wie weit bie Ansprüche bes Zentrums gehen, zeigt ein Artikel aus römischen Kreisen bes Auslanbes, ber sich darüber wundert, baß bie preußische Regierung zu dem Katholikentage in Augsburg nicht ihren Gesandten in München entsandt^ habe (Große Heiterkeit.) Wenn es den Nationalliberalen ernst ist mit dem Kampfe gegen bas herrschende Spstem, dann wollen mir ihnen gern die Bruderhand reichen. Wir wissen, was wir den Hohenzollern verdanken, wir wissen, daß ein Hol>enzoller es war, der an der Spitze ber Berliner unb Kölner gegen bie Junker auszog. Aber unsere prinzipielle Stellung können wir nur ändern, wenn eine liberale Politik Platz greift. (Lebhafter Beifall.) Geheimer Justizrat Abgeordneter Dove führt sich als Vertreter der alten Lutherstadt Witteirberg ein. Kein Schwarzseher in .des Wortes schwärzester Bedeutung hätte die Entwicklung Voraussagen können, die wir seit 1870 genommen haben. Die ausschlaggebende Partei ist das 3entrum mit Hilfe ber Konservativen. Der quietistischen Philosophie des Reichskanzlers mit "einen gottgewollten Abhängigkeiten stellen wir das Wort des frommen Patrioten Arndt entgegen: Der Gott, ber Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte! Wir sollen uns unsere völkischen Eigenarten bewahren. Die Chinesen fangen allmählich an, ihre völkische Eigenart, ben Zopf, aufzugeben. Nur ein guter Christ soll ein guter Deutscher sein können. Da denken wir an das Wort Kaiser Friedrichs III., ber gesagt hat, daß 1870 alle ihre Schulbigkeit .getan haben. (Lebh. Beifall.) Konrad Haußmann (Reichstagsabgeordneter aus" Stuttgart, mit stürmischem Beifall empfangen): Die politische Saison ist eröffnet durch eine königliche und kaiserliche Thronrede, die aber keine Gegenzeichnung trägt. Die politische Lage, bie burch die Schuld ber Regierung schon reichlich verwirrt ist, wird mm noch durch die Königsberger Rede beschwert. In ihr ist das Gottesgnadentum proklamiert worden für bie Königs- und für bie Kaiserkrone, und dieser Grundsatz steht im Widerspruch zu bem Mitbesttnunungsrecht des deutschen Volkes, das in ber Verfassung verbrieft ist. Wir müssen daher Stellung nehmen zu dem konstitutionellen Problem. Bei bien nächsten Wahlen werden alle Wähler Veranlassung haben, ihre Kandidaten zu fragen, wie sie sich zu dem Grundsatz des Gottesgnaden- tums stellen. Der leitende Staatsmann hat sich bisher einer Stellungnahme zum konstitutionellen Prinzip überhaupt entzogen, er hat sogar eine Stellung gegen den Konstitutionalismus eingenommen. Das ist das Gegenteil normaler politischer Verhält- msse. Es ist nicht schwer, zu der Kniserrede Stellung zu nehmen, ruhig unb ernst, wie es der hohe Redner beanspruchen darf. Das Zentrum lehnt sich eben immer ba an, wo es die größte Unterstützung finbet unb versteht es vortrefflich, bie schwarze Kleidung unter ben iveißen Hermelin zu stecken. Der nächste Wahlkampf wird der schärfste werben, den wir gehabt haben, aber ich fretue mich auf diesen Kamps, wo wieder einmal große Fragen im deutschen Volk lebendig' werden. Der Reichskanzler wird auch jetzt twch für eine gute Wahlparole jeden Preis zu zahlen bereit sein. Der Kanzler scheint zu glauben, daß bie Nationalliberalen unter bem Vorwande des Schutzzolles sich als Vorspann für das Weiterregieren des schwarzblauen Blocks gebrauchen lassen werden. Ich hege nicht große Hoffnungen zu der Prinzipientreue ber National- liberalen, aber für so gutmütig halte ich sie doch nicht, daß sie sich dazu gebrauchen lassen werden. Das Volk wird sich seine Wahlparole selbst schaffen: konstitutionelle Anwendung der Reichsverfassung, weg mit der Friedensrüstungs-Verblutung, eine Gesetzgebung des sozialen Wohlwollens! Der Inbegriff aller Forderung aber lautet: Systemwechsel. Vor allem muß das Reichstagswahlrecht allen Angriffen entzogen werden. (Stürm, minutenlanger Beifall.) In seinem Schlußwort kam Abgeordneter Rektor Kopsch auf den Ausspruch des Kaisers zurück, daß nur ein guter Christ ein guter Soldat sein könne. Hannibal, Cäsar und Napoleon waren gute Soldaten, aber keine guten Christen, und ob der Hohenzollernkönig Friedrich ber Große, der ein guter Soldat mar, auch als guter Christ bezeichnet werden könne, erfdjtcino ziemlich zweifelhaft. Der Redner dankte den Erschienenen; nachdem von so vielen Seiten gesprochen worden sei, war es an der 3eit, daß auch einmal das Volk sprach. Die Versammlung wurde dann ohne Beschlußfassung über eine Entschließung für beendet erklärt. Hauptversammlung des Alldeutschen Verbandes. >* Karlsruhe, 11. Sept. Unter bem Vorsitz des Rechtsanwalts Dr. C l a ß (Mainz) sand am Samstag und Sonntag hier die diesjährige Hauptversammlung des Alldeutschen Verbandes statt, die aus allen Teilen des Reiches zahlreich- von Gästen unb Delegierten be? sucht war. Die Tagung begann mit einem bemerkenswerten Zwischenfall. Aus Bordeaux war eine Nummer der dort erscheinenden „La France" eingegangen, die in einem Leitartikel die Absicht des Alldeutschen Verbands tag es, am Montag nachmittag einen Ausflug auf das Schl acht selb von Weißenburg zu unternehmen, als eine „Provokation" bezeichnet und davon spricht, daß die dort abiuhaftenbe Feierlichkeit eine Kmrbgebnng gegen bie Feier des Vorjahres bei der Errichtung des französischen Kriegerdenkmals in Weiße-nburg sein solle. Der Artikel meint zum Schluß, die Alldeutschen sollten den Weißenburger Sieg lieber bei Bier und Würsten feiern als auf ben Gräbern ber französischen Helden. Unter bem Beifall ber Versammlung forderte Reichs- tagsabgeorbneter v. Liebert die gesamte Karlsinther Bürgerschaft auf, dies' französische Provokation mit einem Mastnv- ausfluge nach Weißenburg zu beantworten, wo das Verbandsmitglied Generalleutnant v, Wrochen (Berlin) eine Ansprache halten wird. In Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten des Ver- bandstages berichtete an erster Stelle Direktor Lutz-Korodi (Friedenau) über die Lage des Deutschtums in Ungarn nach den. letzten Reichstagswahlen. Er teilte mit, daß bie Siebenbürger Sachsen bei biefen Wahlen ihren bisherigen Besitzstand mit 13 Mandaten behauptet haben und daß durch bie Teilnahme ber Schwaben im Banat eine Aufwärtsbewegung des Deutschtums in Ungarn sich bemerkbar machte, die zu den besten Hoffnungen; berechtigt. Auch die akademisch'e Jugend bet Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben habe in neuester Zeit Fühlung miteinander gefunden, wodurch bem Deutschtum in Ungarn, neue;' Kräfte zugeführt werden. Ueber völkische Gefahren der Reichsversicherungsordnung "prach Rechtsanwalt Dr. Stade-Dresden. Er beschäftigte sich einleitend mit der Ausländerfrage in Deutschland, das von allen europäischen Ländern infolge der raschen Industrialisierung des deutschen Volkes die meisten Ausländer beherberge. Auch die Landwirtschaft in Preußen arbeite mit reichlich eineinviertel aus- ländischen ^Arbeitern. Hierzu treten auch noch bie vielen taufenbe von Ausländern auf unseren Hoch- unb Fachschulen. Die Haupt- gefahr bieser unausgesetzten Zunahme auslünbischer Arbeiter liege neben der Lohndrückerei, ber Unzuverlässigkeit und ber Kriminalität der Ausländer in der fortschreitenden nationalen Zer- 'etzung und Bastardisierung des deutschen Volkes. Weber bie! Arbeiter-Versicherungsgesetze, noch der Entwurf der Reichsver- sicherungsorbnung trage alledem .Rücksicht. Vielmehr werbe an> dem Grundsatz der Gleichstellung ausländischer mit den inländischen Arbeitern auch in der Reichsversicherungsordnung fest- gehalten. ^em gegenüber empfiehlt der Redner die Annahme einer Entschließung, in der es heißt: Der Verbandstag erachtet es für unbedingt geboten, dast bie Auslänber nichtdeutschen Stammes, die oft genug zuM Schaden ber beut sehen Arbeiter im Deutschen Reich ihr Brod erwerben, burch bie neue Reichsversicherungsordnung nicht in einem "solchen Maße begünstigt werben, wie es ber vorliegende Entwurf leider vorsieht, daß ihnen vielmehr aus ben Versicherungen nur das unerläßlich Notwenbigfte gewährt werde unb baß bie Vorteile des Gesetzes einer bauernden Festsetzung" von Ausländern uichtdeutscheni Stammes ftnsReiche nickst Vorschub leisten. Nach längerer Aussprache wurde die Entschließung einstimmig angenommen unb ferner ein Antrag des Dr. H änsch (Leipzig): „Die Hauptleitung wolle Schritte tun, daß in die Reichs- verlicherungsordnung eine Bestimmung ausgenommen werde, wonach bei Krankenkassen nur Aerzte deutscher Volksangehörigkeip zur Behandlung der Kranken zugelassen werden dürfen." Ueber „Deutsche Forderungen in der Polenpolitik" sprach Prof. S a m a s s a, über den Ausbau derbeutschen We hr-^ macht zu Lanbe General Keim, Super int,enbent Klinge^ mann (Essen) behanbelte bie „elsaß-lothringische Verfassungs- frage" unb Gras R ev entlow wanbte sich gegen die Abrüstungs-* beftrebungen. Alle entsprechenden .Entschließungen wurden pin* stimmig angenommen. < ttaisermanöver WO. Am Oberländer Kanal, den 9. Sehl. (Von unserm O, v. L.-Sonderberichterstatter.) Auch der Soldat, der in den Wolken schlvebt, ist nicht unsehlbar. Die neue Art der Erkundung aus lustiger 800- und 900-Meter-Höhe kann, wie der Ausgang des gestrigen ersten, und der Beginn des heutigen Manövertags gezeigt hat^ zu Trugschlüssen führen, gegen die allerhand negative Aufklärungs-Erfahrungen aus dem großen Kriege von 1870/71 zu wahren Waisenknaben werden. Der blaue SenbbareM 3 (des Majors Groß), dessen allzu intensive Neugierde gestern bei Pr.-Holland von den neuen, aus einem mächtigen Autotnobil-Chassis montierten Luftschiff-Abwehrkanone energisch emgebänuntf worden war, hatte in seinem langen Fluge über die rote Stellung hin Scheinanlagen — Jnfanterie-Deckunben und Geschützstände —, die von 147ern und lolern 6 Kilometer westlich von Pr.-Holland gebaut worden waren, f ü r bittern Ernst gehalten. Dementsprechend war eine Meldung an das blaue Oberkommando in Christbura zurück- gesuntt worden, die Exz. v. M a ck e n s e n den Angriff seines, von der bei Elbing stehenden 36. Division und der Reiterdivision v. Rauch durch den Drausensee getrennten, rechten Flügels in nordö st licher Richtung auf P r.-H o l - land, nicht aber gegen ben in Wirklichkeit eine deutsche Melle südlich des alten Ordensstädtchens verschanzten xotew Feind ansetzen ließ. Durch biefeu Luftstoß, dessen Möglichkeit sehr lehrreich leicht, wie wenig doch die sphärische Rekognoszierung imstande ist, den Mverlässigeren Patrouillenreiter ganz zu ersetzen, ist, von dem Kaiserlichcm Oberleiter des Manövers an bis zu den mit dem Schreckgespenst zweier Nachtgesechte und verlorenen Schlafgelegenheiten beunruhigten Bemcht- erstattern, männiglich z>u einer ungehosften ausgiebigen Nachtruhe gekommen. Hatte der Monarch doch sagen lassen, er stände zu jeder Zeit als oberster Sck)icdsrichter zur Verfügung, wenn nur immer die Lage es erfordern würde, und es solle alles, ob bei Tage oder bei Nacht, ohne Rücksicht auf seine Bequemlichkeit zum wirklich kriegsmäßigen! Verlauf gebracht werden. Daß solcher Nachtbetrieb nun. erst heute, von etwa 2 Uhr morgens, einsetzen wird, dafür sei der Schivan dort oben, heiß bedankt! Es standen noch heute um 8 Uhr vormittags die blaucnr und roten Vortruppen auf durchschnittlich 15 Kilometer auseinander, und nur auf dem linken, an die rote Hauptarmee an gelehnt en Kluckschen Flügel kam es um diese Zeit bei Grünhagen, im Südeic von Pr.-Holland', zu einigem Geschieße und einem kurzen 'Abwehrgefecht gegen Kavallerie. Die hier von blau engagierten Teile gehörten zur 41. Division v. Westernhagen. Die 35. Division unter dem Generalleutnant Oldenburg, dessen martialisch- bärtige Germanenerscheinung eine Art militärischen Wahrzeichens des garnisonenreichen Ostens ist, marschierte unterdessen gegen den Oberländer Kanal und die listigen Blend- und Schanzwerke seines roten Gegners auf den in nordöstlicher Richtung führenden Chausseen nach Pr.-Hol- land und Mühlhausen i. Pr. hin vor, lvührend auf der großen Chaussee Elbing—Pr.-Holland, bie weißkollerigen Riesenburger Kürassiere unb bas 59. Infanterie-Regiment in der Vorhut, die 36. Division unter OKmeralmajor von Quast, östlich daneben die Kavallerie-Division E, zur Umgehung der roten rechten Flanke ausholten. So zog sich das blaue Ungewitter unter — dankbar- lichst» ei'y gesagt tn blauem Himmel pnd toomumfd)Ci.u Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. /2 Uhr im vofznge in Königsberg cinJ getroffen und begab sich im Automobil nach Schloß Prenls Kurz nach 10 Uhr kehrte der Kaiser vom Besuch der Gräfin Lehndorsf zuruck und bestieg alsbald den auf bem Ost-, bahnhof haltenden Hofzug. Bei seiner Ankunft und Ab- sahrt waren der Polizeipräsident von Wehrs und Eisenbahn-, direktwnsprasrdent Krüger auf dem Bahnsteig anwesend Ber der Durchfahrt durch die Stadt wurde der Koisevsjedes^ mal von einem zahlreichen Publikum herzlich begrüstt Der Kaiser gedenkt in Nautzken im .Hofzuge zu übernachten und morgen ftuh 8 Uhr in Mehlauken cinzutrefsen. I Mit dem heißen Schweißtropfen, den über das Ringen a ^ote befestigte Feldstellung am Trautenwatde der blaue Angreifer, bis zum Manöverschluß vergießen sollte, hat es der oberste Kriegsherr gar gnädig gemacht. Gerade so gnädig nämlich wie der Wettergott, der einen herrlichen wolkenlosen Sonnenhimmel 'über das grandiose Schlachtgemätde spannte, das um 6 3l? Uh-r Mfe „Das Ganze halt" sich südlich von Pr-Holland brs an die Dörfer Köllming und Grün- Hagen dem auch zrviliter entzückten Blicke bot. Für kurze Zeit war sogar die „Leere des Schlachtfeldes", diese neueste und ach. so nüchtern-kriegsmäßige Forderung an eine Frie- verwischt, und was die schiedsrichterliche Ent- scheidung nicht außer Gefecht gesetzt hatte, lief gar ficht» bat und rtef gar hörbar .Hurra für Rot und Blau .hinter den ineinander geschobenen, im Laufe eines 1 7ftünbigcn 31 a chtgesechtes durch die Verlustansagen teilweise Lrem- Uch dünn gewordenen Schützenlinien standen, hinter Terrainwellen und Seniungen, die Geschütze der Feldartillerie ■ mancher eherne Mund freilich, nur von noch einem Storno» mec bebtent, war ganz verstummt und niederqekärnvft- rnauche Protze mir noch mit zwei Pferden bespannt und in' 1) l?tcreil ^°^cn ^k'^cgungsunsähig, während loeiter nach Westen hin, am Ostcroder Bahndamm, vier blaue schwere Morserbattericn (der 15. Artillerie) mit Elftem Baß in das rattelnde Gewehrseuer der Infanterie das „Katzcngelächter" der Maschinengewehre und den hel- leren Kstall der 7,.> Zentimeter-Feldkänone einstimmten, lieber dem Ganzen schwebte und zog seine Kreise um den Standort des Kaisers bei Grünlingen der Groß ball on der einzig Ueberlebende der Vertikalen, denn sein roter Gegner, der „P. 2" des Bayern Parsevat, war, nachdem er sich von der vorgestrigen Havarie erholt hatte, heute in den ersten Morgenstunden aus seinem luftigen Bereich — ^^omegemäß —- von einem Ballongeschütz heruntergcholt schwer voll. Besonders die Aepfelbäume sind zum Brecher ' voll behangen und ihre Zweige beugen sich trotz Stützen uni Bänder bis aus den Boden unter der Last der lachende, " Früchte. Mit dieser Obstanlage hat die Stadt ohne Zweifc etwas Vorbildliches geleistet, und es wäre im Interess unserer obstliebenden Jugend nur zu wünschen, daß diese Beispiel zahlreiche Nachahmer finden möchte. Wenn einma ein menschenfreundlicher Stifter in Verlegenheit ist, in welche Weise sein Andenken am besten der Nachwelt erhalten werde, soll, so möchten wir ihm zu folgendem raten. Er hinterlass 0er Stadt Gießen ein Kapital, das zur Anlage einer Obst plantage Verwendung fände und knüpfe daran die Be öingung, daß der Ertrag alljährlich an kinderreiche Familie, nut geringem Einkommen verteilt werden solle. Das gab einen Jubel! . ^^^ensanstelegenheit. Der Grostherzog ha Oberstaatsanwalt Franz v. Hessert in Da.rm.stad 1 die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm voi ! meiner Majestät dem König von Spanien verliehene! I Kommandeurkreuzes 1. Klasse des Ordens Isabella de Katholischen erteilt. m ** ic fi e f f ifen Weine auf der Brüssele: o l t a us st e llun g. Wie wir erfahren, hat hie vor L ^^uftterium des Innern veranstaltete Sammel Ausstellung hessischer Weine auf der Weltausstellung ir I Bruftel die höchste Auszeichnung, den Grand Prix, er ^?lten. An der Ausstellung sind beteiligt die Grvßh Weinbaüdomanenverwaltung in Mainz, die Wein- und Obst bauschule in Oppenheim mit eigenen Erzeugnissen und Er zeugmfsen der unter ihrer Leitung gebauten Musterwein, berge von Wilh. Ärug und Gg. Wolf in Elsheim, 2Ht bur gern elfter Sch ätz el in Ober-Ingelheim und Bürgermeister sieben in Zoriiheim, ferner die Stadt Bingen der Binger Winzerverein und die A. Froweinsche Gutsverwaltung in Oppenheim. " Eine Sitzung des Provinz ial.AuSschusse- der Provinz Oberhessen findet am SainSiag bei 17. September 1910, vormittags 9 Uhr beginnend, mi folgender Tagesordnung statt: 1. Aufnahme des taubstummer Heinrich Lenhardt von Petterweil in die Taubstummenanstalt 2. Gesuch des August Bindewald zu Schwalheim um Er- IniibniS zum Betriebe einer Schankwirtschaft. 3. Besetzune der Gemeinde.Einnehmerstelle für die Gemeinde Lollar 4. Tie Kreisstrahe Friedberg-Staden km 8,4—8,8 in Nieder- Florstadt. 5. Beschwerde des Heinrich Haas III. in Brüchen- brücken gegen einen Gemeinderatsbeschluß, Brunnenanlaqe betreffend. ’* Zstr Unterstützung der Ober-Mockstädter Ka sse n m i t g li e d er. Die Sammlung für die hilfsbedürftigen Mitglieder des ehemaligen Vorschuß- und Kreditverein- Ober-Mockstadt ist geschlossen worden. Die Sammel- !tellcn werden daher gebeten, die eingegangenen Geldspenden, soweit dies noch nicht geschehen ist, alsbald und tunlichst bis zum 15. September ds. Js. an die Hauptsammelstelle, die Kreiskasse des Kreises Büdingen, abzuführen. Ueber den Eingang und die Anlegung der Gelder wird demnächst ein Ausweis veröffentlicht werden. T". 2ang -Gön§, 11. Sept. Ihre goldene Hochzeit feiern dieser Tage die Eheleute Anton Henrich VIII. Jubelpaar, das sich der allgemeinen Achtung erfreut ist noch recht rüstig; 3 Kinder, 6 Enkel und 2 Urenkel umgeben es an seinem Jubeltage. ™ nachmittags hatte General von Mackensen gestern seinen Angriff begonnen und vor Einbruch der Dunkelheit mit seiner Infanterie beinahe überall bis auf 800 und 1000 Meter an die roten Verhaue hcrangctragen. Dann war unter dem Druck der h o h e n V e r l u st e die Vorivärtsbemegung zum Stehen gekommen und der Angreifer halte sich, durch schnell aufgeworfene Wehren geschützt und an das Gelände geschmiert darauf eingerichtet die Dunkelheit seinen Bundesgenossen für den erhofften schließlichen Erfolg sein zu lassen. Die Truppenverteilnng zeigte um diese Zeit von Süden her die blaue 41. Division (von Westernhaaen) der 2. Infanteriebrigade, davon nördlich die 35 Division der Koxpzreserve dahinter, der 1. Brigade gegenüber JBciter stand bei der alten Ordensstadt die 36. Division in einer gegen Süden und Osten gerichteten vorgebogenen Flanken,tellun.g. Rot hatte dort die unermüdliche 73 In- fanterie-Brigade aufgebaut, die Unter ihrem Führer dem bernerrftenahp,rhB' n uMe' rerf,t c'9enttW) bie Gesamtkosten b n Uebungstage getragen und dabei geradezu of>ne nennenswerte Ausfälle durch- Jat cinc volle deutsche Meile zurückge- hie 2 flcnau östlich von Pr...Holla?id e ., bisher noch nicht m Aktion getretene (rote) Division J&ejjner zusammen, der mit der 1. Divis ton s.hasse) in- zwrschen eine ausgedehnte, vorbereitete Stellung eingenommen und mit allen Mitteln der feld- und !festungsmäßigen Pionierkunst ausgebaut hatte. Der linke, 'an ein — angenommenes — II. (rotes) Korps angelehnte Flügel reichte bis zu dem Torf Grünhagen, 9 Kilometer südlich von Pr.-Holland. Das Zentrum der Stellung bildete der Trautenwald. Tie nördliche Flanke ging bis Ro- gehnen, 5 Kilometer ostsüdlich der Stadt. Hinter diesem Dorf stand in einiger Entfernung die 2. Division (Freiherr v. Hügel) in Reserve. Bls auf 3000 Meter vor die ^eigentliche Stellung vorgeschoben, lagen Infanterie- und Feldartilleriedeckungen, die jedoch nur flüchtig aufgeworfen und, wie sich später zeigte, nicht für ernsten Widerstand bestimmt waren. Hinten freilich hatte man ganze Arbeit gemacht und sogar bombensichere Unterstände gebaut. Schwere Eichenbohlen und 7-Träger deckten dort die Mu- nrtionsräume und Mannschaftsstände der schweren Artillerie des Feldheeres, zum Teil auch die der Infanterie. Bis gegen 1 Uhr dauerte bei Blau die Entwick- i u n g. Die über den Oberländer Kanal hinaus eingehaltene wstlichc Marschrichtung wurde bald nach der durch Pontonbrücken und Behelfsübergänge bewerkstelligten Ueberschrei- tung dieses etwa 50 Meter breiten Hindernisses nach Süden geändert, und es trat mit dieser Schwenkung das blaue Armeekorps erst und endlich in das ihm zugedachte Augrisss- iseld ein. Martte. r Marburg 11 Sept. Am nächsten Dienstag wird hier der Herbst-Pferde markt, verbunden mit Verlosung, ab* geyallen. «£L?$Drb über dem roten, an Stärke unterlegenen |geftaffeft, während gan^ tm Osten die auS den vier roten ”,f----- k----- k" ' • ■ Divisionskavallerie-Regimentern (1., 10., 11. Dragonern und den Wrangel-Kürassieren) gebildete schwache Reiterdivision Brecht gegen Nordosten beobachtete, wo die blaue Kavallerie- Tivision E. bei Göttschendorf Rücken und Flanke von Rvt im Schach halten sollte und zu einigem Eingreifen (gegen Bagage-Kolonnen) kam. 5taum deckte gestern die hier im preußischen Norden auch jetzt noch erst spät einbrechende Dunkelheit das wellige Gelände um den Trautenwald, als schon ein Artilleri e- t a m p f begann, der trotz seines Manoverkartuschen-»Cha- rakters ein recht artiges Brummerkonzert bot und in dem nafyen %>r.*fyotlanber Quartier jegliche Nachtruhe illusorisch machte. Die Batterien hatten im Tageslicht und an der Hand von Eingabelungen die gegnerische Stellung erkundet und die Entfernungen so festgelegt, daß vornehmlich die blauen, angreifenden Santa-Barbara-Jünger, mit guter Treffsicherheit, ihrer Schutzheiligen alle Freude gemacht haben sollten. Ganze Melodien wurden da heruntergeorgelt, und in dem stunden- und stundenlang dauernden Duell mag gut und gern überall fast der letzte Schuß aus Protze und Munitionswagen verfeuert worden sein. Wie riesige Tiebeslaternen schoben dabei die Scheinwerfer! ihre Lichtkessel hin und her und wo besonders die großen, bei Rot festeingebauten Apparate wirkten, da war auf Kilo- ineter weit hin die Leuchtwirkung so stark, daß man sich in Tageshelle wähnen mußte. Weniger intensiv und nur kurz vorübergehend war dagegen der Effekt der L e u ch t ku g e l n, die bei Blau von den vorgeschickten Sturm-Vorkolonnen in die dunkele Nacht geschossen wurden und auf nur wenige hundert Meter eine rasche Unschau gestatteten. Unter dem Schutze von 21 leichten, drei vorzüglich bedienten Feldhaubitzen des Danziger 36. Regiments und. jener vier schweren Batterien unter dem Obersten Hirsch! arbeiteten sich^ die langen, dünnen, mehrfach in die Tiefe gegliederten Schützenlinien nach vorn. Nicht etwa sprungweise, wie das am Tage Brauch ist, sondern robbenartig, rollend, hüpfend, jede Ackerscholle und jede Kuschel benutzend, ein mühseliges Stück Arbeit in der vom Spätnachmittagregen aufgeweichten Erde. Strich der »Lcheinwerfer suchend über das Gelände und kam an einen I solchen krabbelnden Ameisenhaufen heran, um ihn feinen roten Schützen zum Ziel zu bieten, so kroch der feldgraue Ntusketier in eine Art von Hasenlager und war mehr denn schwer zu treffen. So allein konnte es gelingen, daß bei I dem er ft en morgendlichen Büchsenlicht Blau in noch immer stattlicher Stärke auf 200 bis 300 Meter an das rote Fort sich herangeschoben hatte und einbruchs- b er eit war. Daß dieser Einbruch allerdings bei Tage hatte gelingen können, wird füglich zu bezweifeln sein, umsomehr, als um diese Zeit der gesamte rote rechte Flügel, mit drei Infanterie-Brigaden und vierzehn Batterien gegen die 3 6. Division losbrach, ihrem Angriff mit wuchtigem Gegenstoß Halt gebot und das Kriegsglück durch Aufrollen der Mackensen scheu linken Flanke entschieden für Rvt wendete. Gerade abeb, als die roten, ganz frischen Bataillone d^r Regimenter 4, 44, 33 und 45 bei Rogehnen den 18ern und . 59ern mit Hurra und Bajonett zu Leibe gingen, erscholl, von Süden her ausgenommen, das willkommene Manöver- ! schlußsignal und machte aus ostpreußischem Fein-d und ' westpreußischem Gegner wieder friedliche all-preußische ' Waffenbrüder, denen gemeinsam dies interessante Kaiser- 1 manöver eine lange schöne Erinnerung fein wird. Spielplan der vereinigten frankfurter Staüttdeater Opernhaus. Montag, 12. Sept., abends 7ft, Uhr: »Ein Waftertramn - DlEag, 13. Sept^ abends 6 Uhr: »Siegfried." Mittwoch Sept. ): «.Der Freischütz." Donnerstag, 15. Sept.: „Maur?r 11 Herauf: „Cavalleria rusticana.“ Freitag, 16. Sevt. abends 7/, Uhr: „Der Graf von Luxemburg." Sarnstag, 17 Sevt " abends 6 Uhr: „Götterdämmerung." Sonntag, 18. Sept.: "jebelei Montag, 19 Septbr., abends 7'/, Uhr: Salome." Diens^a 7°/,^hr:' eroiCa'" Mittwoch, 21. S-pt., aber.bä Schauspielhaus. Montag, 12. Sept."): /Dieben." Dienstag, 13 Sevt • tbealev Gatte Mittwoch, 14. Sept.: „Rose Bemd." Donnerstaa abends 7-/, Uhr: „Das Konzert.' Jreitaq, 16. Sern' abends 7/, Uhr. „Der große Name." Samstag, 17. Sept.: Der große Name." Sonntag, 18. Sept., nachm. 3'/, Uhr: Ter dnntt- d^nkt." Abends 7 Uhr: „Ein idealer Gatte." Montag" 19. Sept • b?.r Sabmerlnnen." Dienstag, 20. Sept.: .Der Grät von Gleichen." Mittwoch, 21. Sept: Ter Graf von - Donnerstag, 22. Sept., abends Uhrft°L'der mu^Wein *) Ansaug, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Septbr. °- -4- 18,5 ° c. „ = + 7,7 *C. Gießen, 12. Sept. 1910. Vom städtischen Obstgarten. südöstlichen Seite der neuen Kasernen, zwischen der Siechenanstalt, hat die Stadt Gießen tm “ ' . 5 -5'" borgen großes, mit 467 Säumen, vorzugsweise Apfelbäumen, bepflanztes Baumstück angelegt Die tn gedeihlicher Entwickelung stehenden Bäume, die neben^ bei bemerkt, sämtlich vom Sladtgärtner vom Samenkorn an selbst herangezogen worden sind, stehen nun tm Beginn ihrer vollen Ertragsfähigkeit. Der erste reiche Obstsegen, welcher der Stadt über 2000 Mk. Einnahme brachte, war vor zwei Jahren. Auch in diesem Jahre hängen die Bäume tvieder! Höchste Temperatur am Niedrigste , 10 11 Niederschlag: = 0,0 nun. ' *