Nr. 187 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag IS. August 1910 Annahme von Anzeige« 'ur Notatisnsdruck und Verlag -er vrühl'scken Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Redaltion, Expedition und Druckerei - Schuistratze 7. bis vormittags y ltgt. J ‘ 1 • * Der »tetzeuer Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SichenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Areir- blatt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); -weimal monatl. Land- >irischaf1liche Zeitfragea steriisprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. ieheMAnMger General-Anzeiger für Oberhessen vezugSpretS: monatlich 75Pf., vierteljährlich M. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf„ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton" und.Vermischtes" K. Neurath; für.Stadt u.Land" und „Gerichtssaal": E. Heß; für den Anzeigeiiteil: H. Beck. Nachdem die Der außerordentlich große Schaden, den die Landwirte Die Bekämpfung der Möujeplage durch Maujewphurkulturen Wir haben in diesem Jahre bereits mehrfach Gelegenheit gehabt, auf die Mäuseplage und ihre Beseitigung durch MäusetyphusbWillen hin^weisen. Im Nachstehenden geben wir nun die zusammenfassenden Ausführungen eines Sachverständigen wieder, in der auch das in Nr. 180 des Gieß. Anz. besprochene Verfahren nochmals eingehend gewürdigt wird. Die Red. Chinas, die ihre Genugtuung , v „ russisch-japanischen Vertrag ausürückte, in allen Ländern (Il/inas Erwachen. jüngst wiedergegebene amtliche Note ttnugtuung und Befriedigung über den Brotstückchen anz-unehmen. Empfehlenswert ist es, die Me- thode zweimal im Jahre anzuwenden; es wäre die Plage bei weitem nicht so bedenklich geworden, wenn mtni wohlgemeinten Ratschlägen rechtzeitig Folge gegeben hätte. Fiir die Praxis geeignet erwies sich folgende Methode: Man schwemmt in abgekochtem Wasser oder in gelochter Kvchsah- lösung (auf 1 Liter Wasser 1 Teelöffel voll Kochsalz) oder in Milch nasch dem Erkalten die Kulturrasen, dre man mit einem keimfreien Spatel entfernt, auf. Auf 1 Liter dieser Flüssigkeiten konnnen 1—2 Agarröhrchen. Die Aufschwemmung muß in einem sauberen Gefäß hergestellt werden, alsdann werden würfelförmige, etwa haselnußgroße Brotstückchen gut durchfeuchtet. Das Auslegen darf nur von Erwachsenen vorgenommen werden, die sich nach vollbrachter Arbeit einer gründlichen Händedesinfektion unterziehen müssen. Vor dem Gebrauch sind sowohl Kulturen als Brotstückchen dunkel auszubewahren. Dr. Sch. in unserer Gegend durch das massenhafte Auftreten von Feldmäusen in diesem Sommer erlitten, veranlaßte den Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen, in einigen Gemeinden durch Auslegen von Mäuse- r typhuskulturen der Plage zu steuern, ermuntert durch die günstigen Ergebnisse, die vor z-oei Jahren im Kreise Friedberg durch diese Methode erzielt worden sind. Versuche, schädliche Tiere durch Auslegen von Kulturen pathogener Bakterien auszurotten, sind bereits iin letzten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts mit Erfolg an- gestellt worden. Im Kampf gegen schädliche Tiere durch Bakterienkulturen handelt es sich fast ausschließlich um Nagetiere (Kaninchen, Mäuse), welche &. T. durch massenhaftes Auftreten zu einer wahren Landplage werden können, z. T. durch Verschleppung und Verbreitung parasitärer Krankheiten und gefährlicher Seuchen eftic gefährliche Rolle spielen (Ratten: Trichinenlrantheit und Pest). Während die Versuche zur Vertilgung der Ratten und zur Beseitigung der Kaninchenplage 'durch geeignete Seuchenerreger bis jetzt wenig befriedigende und zuverlässige Ergebnisse geliefert haben, hat die Bekämpfung der Mäuseptage nach derLöfiler- schen Methode mit dem von ihm entdeckten Bazillus sich fast ausna. .n los als sicher unb prattisch bewährt. Im Jahre 1590 brach unter den im Institut gehaltenen Vorratsmünsen ein Massensterben aus, dem in ganz kurzer Zeit C9 Proz. erlagen. Die Gewohnheit der Mäuse, ihre toten Genossen anzufressen und zu verzehren, begünstigte in hohem Grade das Umsichgreifen der Seuche. Beim Zerlegen der eilige- 0an0cne.ii Tiere wurden die. Avweichungen eines hochgradigen Magendarmleidens ermittelt; die bakteriologi.che Untersuchung der Seuche ergab als Ursache ein kurzes, genommen habe, weil die angestellten Ermittelungen ergeben haben, daß auch nicht der geringste Anlaß zur Einleitung eines solchen vorliegt. Die vom Wirtschaftsinspektor Kasten abgegebene eidesstattliche Versicherung vom 29. Mai 1910 ist, soweit sie die Höhe des von Freiherrn v. Nichthofen angeblich deklariertes und veranlagten Gesamteinkommens betrifft, völlig falsch. Die vom Frhrn. v. Richthofen in seiner Steuererklärung für 1910 angegebenen Beträge für die einzelnen Einkommensquellen entsprechen im wesentlichen den Zahlen, die Kasten hierfür angegeben hat; soweit sie davon abweichen, sind sie jedoch völlig aufgeklärt. Dagegen sind aber die sämtlich nachgewiesenen Schuldenzinsen und abzugsfähigen dauernden Lasten erl>eblich höher, als Kasten behauptet hat. Tie Tagegelder als Mitglied des Hauses der Abgeordneten, als Kreisausschuß- und Provinzial- ausschußmitglied, als Provinziallandtagsabgeordneter unterliegen nach Artikel 22 4c der Ausführungsanweisung zum Einkommensteuergesetz nicht der Besteuerung. Als Kreistagsabgeordneter bezieht Frhr. v. Richthofen keine Diäten. Taxator der Liegnitz- Wohlauer Fürstentumslandschaft ist er seid fast zwei Jahren nicht mehr. Ein beträchtlicher Teil der auf Frhrn. v. Richthofen veranlagten Steuer kommt gemäß § 71 des Einkommensteuergesetzes bei ihm nicht zur Hebung, weil er auf Gewinnanteile einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt, die einer besonderen Besteuerung unterliegt. Hiernach ist die von ihm selbst im Veranlagungsbezirk Liegnitz-Land wirklich zu zahlende Einkommensteuer bedeutend niedriger als der tarifmäßige Satz, der dem veranlagten und dem von ihm deklarietten Einkommen entspricht. I. A. gez.: v. B er trab, Regierungsassessor/' Gegen diesen Bescheid soll, so teilt eine Berl. Kvrresp. mit, sofort Beschwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft Breslau eingelegt worden sein, und'zwar soll dies u. a. auch damit begründet werden, daß das Verfahren der Staatsanwaltschaft Liegnitz auch aus dem Grunde nicht ernwands- frei erscheine, weil sie keinerlei Haussuchungen oder Beschlagnahmungen bei Frhrn. v. Richthofen angeordnet habe, obwohl dies in anderen Fällen und zwar in ziemlich rigoroser Weise zu geschehen pflege. Uns scheint aus dieser Anklägerei eine merkwürdige Verbissenheit hervorzuleuchten, die überall höchst unsympathisch berühren toirb. — Lift und Kakes. Zwei hübsche Beiträge zur Fremdwörterei las man kürzlich im Briefkasten der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. — Em Beweis daftir, wie dehnbar und infolgedessen bequem das Fremdwort i|t, — hieß es da — bietet die Meldung eines Frankfurter Blattes, die besagt, daß ein sechzehnjähriger Junge, der hungernd am Hauptbahnhose einem Polizeibeamten in die Hände gefallen sei, sich vorher benmht habe, in Frankfurt eine Stelle als Hotellift zu linden. Man sieht, der Verfasser der Anzeige hat sich den Begriff des srcmdcn Wortes niemals ganz .klar v.orgestellt, sonst könnte er nicht die Person mit der Sache verwechseln. — Und weiter: Wenn man in einem kleinen Einsiedlerhause der Lüneburger Heide Kinder statt des unverstäiidlichen Fremdwortes „Kakes" den Ausdruck Flachkuchen gebrauchen Höri, so ist das allerdings ein Beweis dafür, wie sich der Volksmund eines schwierigen Fremdausdrucks zu erwehren sucht. Das böse Fremdwort, von deni niemand recht weiß, wie er die Einzahl bilden soll (oder wenn er es als Ein zahl nimmt, bringt ihn die Mehrzahl in Verlegenheit), bat man schon längst zu beseitigen versucht, sogar durch ein Preiscms- schreiben. Es ergab und zwar mit merkwürdiger U cbfteinftinummg das anheimelnde Wort „Knusperchen", das ans Märchen an klingt. Aber, obgleich Stratmaun und Meyer in Bielefeld ihre „Knusperchen" in Versen und Märchen empfehlen, hat man es leider nicht erreicht, das deutsche Wort durchzusetzen. „Keks" hat ja auch einen gar zu lieblichen Klang für die Mehrzahl der Deutschen. politische Tagesschau. Das antirevifionistische Bekenntnis des Herrn Krumm. In seinem sozialdemokratischen Organ bestättgt der Gießener sozialdemokratische Führer, Herr Krumm, daß er kein Revisionist sei, sondern sich ganz auf den Boden 'des Erfurter Parteiprogramms stelle, das er „auch heute noch für durchaus ganz vortrefflich und der Sachlage angemessen erachte". Er fährt dann wörtlich fort: Daß auch 'hier die Zeit ihren Tribut fordett und daß man einzelne Abschnitte, die an sich nicht grundlegend sind, den heutigen Verhältnissen anpassen muß, wird Aufgabe eines Parteitags der nächsten Jahre sein. — Ja, ich warne davor, sich fortwährend den Liberalen anzubieten. Diese fortwährenden Versicherungen, daß man „Positives" nur durch Arm-in-Armgehen mit dem Liberalismus erreichen könne, gibt ein ganz falsches Bild der politischen Lage. Für mich scheiden die Nationallibcralcn ganz ohne weiteres bei einem Zusammengehen aus; kommt noch der Freisinn in Bettacht, mit dem man, wie ja die letzten hessischen Landtagswahlen zeigten, ganz gut zu einem b e ft i m m t e n Zwecke zusammen arbeiten kann. Muß man aber um diese einfachste Sackte von der Welt jahrelang dem Publikum sagen, daß es gar nichts wichtigeres zu tun gäbe, wie diesen Block der Linken zu bilden? Ich bin bei der Landtagswahl ohne weiteres zugunsten des Herrn Tr. Gutfleisch zurückgetteten, als eine nationalUberale Kandidatur dorhte. Was braucht man da jahrelang zu reden und zu schreiben! Kommt ein Moment, wo es gilt, einen waschechten Reaktionär hinauszubefördern, wird sich das, was wirklich liberal ist, schon ganz von selbst mit uns zu- sammensinden. Ällzuviele werdens ja nicht sein. Aber das gelegentliche Zusammenarbeiten kann mich nicht im geringsten hindern, auch den Freisinn vor wie nach zu bekämpfen und vor allen Dingen mitzuhelfen, daß nicht Anhänger eines sagenhaften Blocks, sondern Sozialdemokraten gewonnen werden. Ob mir das in der Stichwahl schadet oder nutzt, ist gleichgültig, ich treibe keine Stimmenfängerei und bin bemüht, über meine Stellung gegenüber den Gegnern Klarheit zu schaffen. Nicht was die „o r t h o d o x e n O b e r g e n o s s e n" in Berlin vorschreiben mache ich mit, sondern unsere Grundsätze, die in gemeinsamer Arbeit Kollektivprodukt aller Parteigenossen sind, erkenne ich als meine Richtschnur an. Haut die „orthodoxe Richtung" über die (Stränge, ist s i e disziplinlos, bekämpfe ich das genau so, wie jetzt den badischen Vorstoß. Ohne die freiwillige Unterordnung aller Parteigeirossen unter die Beschlüsse der auf demokratischer Grundlage zustande gekommenen höchsten Parteiinstanz vermag keine Partei zu existieren. Der Liberalismus ist ja das lehrreichste und auch abschreckendste Beispiel dafür, wie die Disziplinlosigkeit auch die größte und stärkste Partei ruiniert. Was ich seither von „Fortschttttsgedanken" im Revisionismus gesehen habe, war minimal. Es wird viel gegackert, aber Eier kommen keine ins Nest. Was der Gießener Anzeiger untei „Mauserung" versteht, mache ich nicht mit, dann wäre ich lieber gleich nationalliberal geworden und hätte mir dne jahrzehntelange sozialdemokratische Parteitätigkeit sparen können. Mit der Absicht, Klarheit im Gießener Wahlkreis zu schaffen, geben wir auch diese Ausführungen wieder. Herr Krumm wird also die linksliberalen Stimmen gern mitnehmen, das wird ihn aber nicht hindern, den Freisinn vor wie nach zu bekämpfen und ohne revisionische Skrupel, nach dem vom „Vorwärts" empfohlenen Rezept, „den Gegnern aufs Dach zu steigen". Herr Krümln bestätigt es auch hier nochmals, daß auch im eigenen Lager ihm die Disziplin über die Meinungs- und Geistes fr eih eit geht, daß er dem Streben nach vorurteilsfreier Forschung den unbedingten Machtzweck voransetzt. Unser heutiger vielgeschmähter „Klassenstaat" ist toleranter, der verbittet sick) nicht die Viel- schreiberei und die Aufklärungsarbeit. Wenn nun das sozialdemokratische Endziel erreicht wäre und es einige Genossen plumpes Stäbchen, das Löffler „Baeillus typhi murium" nannte, da es in Gestalt und krankmachenden Eigenschaften eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Erreger des Typhus beim Menschen hatte. Zwei Jahre später, im Jahre 1892, hatte Löffler Gelegenheit, den von ihm entdeckten Bazillus bei der Feldmausplage in Thessalien praktisch zu verwerten. In Abkochungen aus Gersten- und Haferstroh mit den für Bakterienzüchtung erforderlichen Zusätzen stellte Löffler Massen- kulturen her, durchtränkte damit Brotstückchen, die in bte Mäuselöcher gesteckt wurden. Der Erfolg bestätigte vollauf die Erwartungen. Nach einigen Tagen hörte die Zerstörung in den Feldern auf, und überall fand man tote und halb- tote Mäuse, welche bei der Untersuchung die für Mäusetyphus charakteristtschen Veränderungen zeigten. Die Züchtung von Reinkulturen aus dem tzerzblute der gefallenen Mause gelang in allen Fällen, die Jnfektton mit den ausgelegten Brotstückchen war also deutlich dargetan. Die nächsten Jahre brachten eine Reihe von Veröffentlichungen über glänzende Ergebnisse; aber auch Mißerfolge blieben nicht aus. Sucht man nach den Ursachen der schlechten Resultate, so kann man in allen Fällen eine unzwecknräßiße Behandlung und Verwendung der Kulturen ermitteln. Entweder hatten die Kulturen ihre krankmachenden Eigenschaften durch die Einwirkung von Tages- und grellem Sonnenlicht eingebüßt, oder bei der Herstellung der Aufschwemmung sind Fehler unterlaufen (heißes Wajser), oder die infizierten Brotstückchen waren bei ungünstigen Witterungsverhältnissen ausgelegt worden (trockenes heißes Wetter, viel feuchte Meder- schläge). Unangenehme Fehlergebnisse lassen sich leicht vermeiden, wenn man aus obigem naheliegende Schlußfolgerungen zieht. Es dürfen nur junge, vollvirulente Kulturen, deren kranlmachenden Eigenschaften genau von Sachverständigen kontrolliert werden, benutzt werden, die schädliche i Wirkung des Sonnenlichtes läßt sich ausschalten, wenn man die Dro'tstückchen nur bei bedecktem Himmel, am Morgen oder Abend auslegt. Daß ein richtiger Erfolg nur dann erzielt werden kann, wenn zu gleicher Zeit auf einer möglichst großen zusammenhängenden Fläche Kulturen ausgelegt werden, leuchtet ein. Das schönste Ergebnis wird illusorisch, wenn aus der Nachbarschaft immer wieder Mäuse zulaufen. Man wird ferner eine Zeit wählen, in der die Mäuse gezwungen sind, infolge eintretenden Nahrungsmangels die Deutsche Beschwerden bei der Türtei. Köln, 11.'Aug. Der „Kölnischen Zeittmg" wird aus Berlin telegraphiert: Bei Haifa haben neuerdings wieder Unordnungen stattgefunden, unter denen die deutschen Kolonisten insoferrr zu leiden hatteu, als Eingeborene Ueberfälte gegen oeutsches Eigentum versuchten; insbesondere handelt es sich um den Versuch, deutsches Vieh zu rauben. Es ist jedoch dabei zu keinem Blutvergießen gekommen. Immerhin sind diese Angriffe ein neuer Beweis dafür, daß die eingeborene Bevölkerung von Haifa sich in einer aufgeregten Stimmung befindet, der gegenüber Schutzmaßregeln ergriffen werden müssen. Die deutsche Regierung hat auch sofort Anlaß genommen, die Aufmerksamkeit der türkischen Regiernng! nachdrücklich aus diese Vorgänge hinzuweisen und die Forderung zu stellen, daß Schutzmaßregeln ergriffen werden, die ihre Wiederholung unmöglich machen und die Schuldigen der Bestrafung zuführen. Die Berechtigung dieser Forderungen ist von der türkischen Regierung anerkannt, und es sind entsprechende Maßregeln in Aussicht gestellt worden. im Staate immer noch nach Verbesserungen und Revisionen gelüstete, würden sie wahrscheinlich mit allen Zwangsmitteln zur Ordnung gerufen werden. Im „Zukunftsstaat" würde es wahrlich mehr von Ketten rasseln, als es in irgend einem historischen „Klassenstaate" bisher verspürt wurde. Karlsruhe, 11. Aug. Der am 21. August in Offenburg stattfindende Parteitag der badischen Sozialdemokratie wird unter anderem über einen Antrag des Hornberger Vereins abzustimmen haben, wonach in Anbettacht der auf dem Magdeburger Parteitage der deutschen Sozialdemottatie zu ^erwartenden lebhaften ^lussprache über die Budgetbewilligung eine Vertretung aller Kreise entsprechend'ihrer Stärke für unbedingt erforderlich erachtet wird. Die Kosten der Vertretung der schwächeren Kreise sollen durch die LandeSkasse ausgebracht werden. Ferner wird die badische Landesorganisation aufgefordert, gemeinsam mit den übrigen süddeutschen Landesorganisationen auf dem Magdeburger Parteitag die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses bezüglich der Budget frage und Ueberlassung ber, Regelung dieser Angelegenheit San die einzelnen Landesorganisationen zu beantragen. . c . lieber die Revisionisten in Baden vnrd der „Köln. Zeitung" aus Karlsruhe folgendes mitgeteilt: Seit Schluß des badischen Landtags, also seit drei Wochen, finden landaus, landab sozialdemokratische Versammlungen statt, in denen zur Budgetbewilligung der sozialdemokratischen Fraktion Stellung genommen wird. Wie wir schon kürzlich bemerkt haben, findet die Haltung der Fraktion mit ganz verschwindenden Ausnahmen im ganzen Lande Zustimmung. Die drei Radikalen Geck, Monsch und Stockiuger sind sogar von ihren eigenen Wählern im Stich gelassen worden. Jedenfalls steht fest, daß der radikale Flügel der sozialdemokratischen Partei in Baden nur noch aus wenigen Leuten besteht, während sich die große Maste der sozialdemokratischen Wähler zu Kolb, F.rank und Willi hält. Der erste, der aus diesem Umschwung der politischen Anschauungen innerhalb der Sozialdemokratie die Folgerungen zieht, ist der Reichstagsabgeordnete Emil Eichhorn, bisher in Pforzheim, seit 2i/s Jahren in Berlin, wo er das Sekretariat der Sozialdemokratischen Presse übernommen hat. Das Reichstagsmandat für Pforzheim hatte Eichhorn beibehalten. Vor mehreren Wochen hatte einer der Freunde Eichhorns den Versuch gemacht, letztem wieder als Reichstagstandidaten aufzustellen; aber Eichhorn war klug genug, auf die Ehre, in Baden aufgestellt zu werden und höchst wahrscheinlich durck>zufallen, zu verzichten. Wie wir hören, soll Eichhorn in einem Berliner Bezirk, wo die rMkalen Genossen noch das Regiment führen, aufgestellt werden. Wir halten es nicht für ausgeschlossen, daß auch Adolf Geck dem Beispiel seines Freundes Eichhorn folgt ’»ub entweder auf die parlamentarische Tätigkeit un Reichstag verzichtet ober sich einen norddeutschen Bezirk sucht. Im Rdchstagswahlkreise Karlsnche-Bruchwl, in dem Geck gewählt ist, hat er unseres Erachtens nicht mehr die geringste Aussicht auf Erfolg." Tie angeblichen Steuerhinterziehungen des Freiherrn v.Rlchthosen. Gegen den tonserlMtiven Abgeordneten und Landrat a. D. Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz war von dem bekannten Detettiv der Gräfin Pfeil, Karl Gr ä g er (Wilmersdorf), beim Preußischen Justizminister eine Eingabe mit dem Ersuchen um Strafverfolgung des F-reiherrn von Richthofen wegen angeblicher großer Steuerhinterziehungen eingereicht worden. Der vom Vorsitzenden der Einkommen- steuer-Veranlagungskommission des Landkreises Liegnitz fl.n den Antragsteller ergangene Bescheid lautet: „Auf Ihre an den Herrn Jnstizmmister gerichtete und an mich zur zuständigen Entscheidung abgegebene Anzeige gegen den Freiherm v. Richthofen auf Mettschütz gereicht Ihnen zum Bescheide, daß ich im Einvernehmen mit der Königlichen Regierung von der Einldtung eines Verfahrens gegen Genannten Abstand Wohl mit Heiterkeit ausgenommen morden ist, meldet heute ent Londoner Blatt, das allerdings oft in Sensation macht, daß China ernstliche Maßnahmen getroffen habe, um seinen Besitz zu wahren: London, 11. Aug. Tie „Morning Post" meldet aus Schanghai: Der Staatsrat erwog mit Rücksicht auf den russisch-japanischen Vertrag Maßregeln, um die Integrität der Mongolei sicherzustellen und beschloß, zwei Divisionen moderncrTruppcn dorthin zu verlegen und den Unterricht nach chinesischem System zu reorganisieren, ferner eine Eisenbahn von Peking aus durch die Mongolei zu bauen. Der Armeerat ist mit der Ausarbeitung eines Projektes für die Reorganisation und Vermehrung der chinesischen Armee beschäftigt. Der Ausstand der Werftarbeiter. Rostock, 11. Aug. Die Neptun werft sperrte heute abend um 6 Uhr ungefähr 800 Arbeiter aus. Stettin, 11. Äug. Die Gesamtzahl der bei den drei Schiffswerften Vulkan, Oderwert und Nüske & Co. ausgesperrten Arbeiter beträgt etwa 3765. In der Nüsleschen Schiffswerft erklärte sich der Rest der Arbeiter, etwa 175, mit den Ausgesperrten solidarisch. Bremen, 11. Aug. Auf der Werft des Bremer Vulkan in Vegesack wurden beute mittag etwa 900 Arbeiter, in der Norddeutschen Maschinen- und Ärmaturenfabrit-Bremen etwa 700, auf der Werft von Tecktenborg-Geestemünde etwa 800, auf der Werft Seebeck-Bremerhaven etwa 400 und auf der Werft von Rickrners-B rem er Haven etwa 280 Mann aus- gesperrt. Auf der Aktiengesellschaft Weser-Bremen erfolgt die Aussperrung heute abend; sieumfaßt 2400 Arbeiter. Deutsches Kcicb. Aus W ilhelmshöhe wird gemeldet: Der Botschafter Frhr. Mumm v. Schwarzenstein und Botschafter Graf v. Bernstorff sind hier eingeiroffen. Zur Frühstückstafel bei dem >1 a i s e r p a a r waren geladen die beiden genannten Botschafter und Regierungspräsident Graf von Bernstorff mit seiner Schwester. 2hi5laitö. Der „Temps" meldet aus Nimes: Der Generalsekretär des nationalen Syndikates der Eisenbahnarbeiter berichtete heute in der Arbeiterbörse über die Organisation des eventuellen Eisen bahn -Aus-< stand es. Er forderte die Eisenbahnangestellten aus, falls sie die Mobilisierungsovder erhielten, rhr nicht sofort Folge zu leisten, sondern erst drei bis vier Tage später, was große Unordnung im Ei s e n b ah n d ie n st zur Folge haben würde, ohne daß sie wegen Desertion belangt werden könnten. Me Versammlung nahm eine Tagesordnung an, in der die Teilnehmer sich verpflichten, der Aufforderung des Syndikates zum Ausstande sofort Folge zu leisten. Eine Depesche aus P e n a n g de la G o m e r a über Paris meldet, daß Angehörige der Stämme BeniUriarel und der B e n i Baeaya die Beni Ufra.angegriffen und ihre Duras in Brand gesteckt haben. Nach fünfstündigem Kampfe zogen sich die Angreifer zurück und ließen fünf Tote aus dem Kampfplatze; eine Anzahl Verwundeter nahmen sie mit sich. Aus Darjiling eingelaufene Nachrichten besagen, daß sich die Lage in Tibet bessert. Da die chinesischen Truppenbewegungen abnehmen, so wird jetzt, wie aus Sim la gemeldet wird, zweifelhaft, ob es nötig ist, daß die britischen Truppen, welche kürzlich den Befehl erhielten, sich für den Abmarsch nach Tibet bereit zu halten, die Grenze überschreiten. Die p e r s i s ch e R e g i e r u n g erklärte sich bereit, sämtliche Verluste zu ersetzen, welche die r u ssis ch e n U n t er- tanen bei der am vergangenen Sonntag durch die Bach- tiaren erfolgten Plünderung ihrer Häuser erlitten haben. Aus Stadt und Land. Gießen, 12. August 1910. Vom Großh. Hofe. Der Großherzog traf gestern vormittag von Romrod im Residenzschloß ein und begab sich hierauf mit der Großherzogin im Auto nach Schloß Heiligenberg. Nachmittags trafen auch der Erb- großherzog und Prinz Ludwig in Begleitung der Oberhofmeisterin dort ein. Abends erfolgte die Rückkehr nach Jagdschloß Wolssgarten. ** Die Erlaubnis zum Tragen fremder Orden erteilte der Groß Herzog dem Direktor des hygienischen Instituts der La ndesun iversi 1ät Gießen Professor Dr. Neumann für den ihm von dem König von Siam verliehenen Orden vom Weißen Elefanten 4. Klasse und dem praktischen Arzt Professor Dr. med. Groedel zu Bad. Nauheim für den ihm von dem Kaiser von Rußland verliehenen St. Stanislaus-Orden 3. Klasse und des ihm von dem Fürsten von Montenegro verliehenen Offizierkreuzes des Danilo-Ordens. Zum Rektor der Technischen Hochschule in Darmstadt hat der Großherzog den ordentlichen Professor Geh. Hofrat Dr. Heinrich Schenck für die Zeit vom 1. September 1910 bis 31. August 1911 ernannt. Lehrerpersonalien. Übertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Hofmann aus Heuchelheim eine Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Lang- GönS. *’ Erledigte Lehrerstellen. Die mit evangelischen Lehrern zu besetzenden Lehrerstellen an der Gemeindeschnle zu Landen Hausen, Kreis Lauterbach, mit der Organistendienst verbunden iverden kann, und *an dec Gemeindeschule zu Röthges, Kreis Gießen, sind erledigt. Mit der Stelle in Röthges ist Organilten- und Lektordieiist verbunden. Dein Fürsten zu Solms-Braunfels steht das Präsentationsrecht zu. ** 811 m Schreibgehilsen ernannt wurde Karl Knierim aus Alsfeld bei dem Finanzanit Darmstadt I. ** Zur Truppenschau in Mainz. Der Kaiser irnrd wie alljährlich um 8 Uhr morgens am Bahnwärterhaus 39 eintreffen und zu Pferde steigen. Der Großherzog und leine Gemahlin, die anderen Fürstlichkeiten und Gou- verneur von Schlieffen mit Stab sind dort zum Empfang des Kapers versammelt, wo sich der zum Ordonnanzoffizier befohlene Oberleutnant von Pentz vom Infanterie-Regi- ment Nr. 116 beim Kaiser meldet. — Die Aufstellung der Truppen und der Verlauf der Truppenschau ist bis auf die • 't.01?. G^'I^ctcn kleinen Aeuderungen der gleiche wie all- sahrlich. ü-en Schülern der höheren Lehranstalten werden bei der Truppenschau besondere Plätze angewiesen, falls sie in Klassenverband hingeführt werden: ebenso erhielten die absperrenden Mannschaften die Weisung, die Zuschauer in einer ihrer Art entsprechenden Freundlichte i t zu behandeln. (Mehr kann man wahrhaftig nicht verlangen.) Die Vorparade zur Truppenschau findet am Samstag den 13. August statt. □ Lauterbach, 11. Aug. Im Saalbail zum Johannisberg tagte die Kreislehrerkonferenz unter dein Vorsitze des Kreisrats v. Bechtold. Es nahmen über 100 Lehrer teil., Vorträge hielten Kreisarzt Dr. He in riet über die Schutzpockenimpfung, Hauptlehrer Dr. Köhler über Iugendschrlften und Bekämpfung der Schundliteratur durch die Schule, Lehrer Rinn er erstattete Bericht über die Kreislehrerbücherei. Schulrat Andres gab an§ der Statistik der Volksschulen des Kreises befannt, daß in den 63 Schularten 110 Lehrkräfte wirken. Nur Herbstein besitzt KonfessionS- schlilen. 47 find einklassig, 10 zweiklassig, 2 dreiklassig, 3 vierklasstg, 2 mehrklassig. 63 Schulen siiid ohne Schill- geld. Die Schülerzahl ist rund 5300, davon sind 340 katholisch und 45 israelitisch. Die Zahl der Fortbildiiiigsschüler ist 750. A Bleichenbach, 11. Aug. An Stelle des jüngst verstorbenen langjährigen Beigeordneten I. H. Heß V. wurde heute der Landwirt und Genieinderat Wilhelm Kraft mit 65 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Gg. Graiilig II. erhielt 61 Stimmen. Es herrschte ein reges Wahlgetriebe. n. Schlitz, 11. Aug. Am vergangenen Mittwoch fand das S ch l i tz e r I a n b e r Missionsfe st in Uetzhauscn statt. Trotz der Erntearbeiten waren einige Hundert Mis- sionssreunde von nah und fern zusammengelommen. Im Vormittagsgottesdienst predigte Stadtpfarrer Schlösser Lauterbach. In der Nachver,ammlung, die bei herrlichem Wetter im Freien stattfand, sprachen noch Pfarrer Türck- Frischborn und dann Missianslehrer Happ ich von der Leipziger Mission. In anschaulicher Weise wußte er von seiner Tätigkeit und seinen Erlebnissen unter den Dschaggas am Kilimandscharo zu erzählen. Eine Heine ethnologische Sammlung, die er aus Deutsch-Ostafrika mitgebracht hatte, erregte das größte Interesse. Zahlreiche Missionsschriften wurden verlauft und 126 Mark für die Leipziger Mission gesammelt. x Bad-Nauheim, 11. Aug. Die neue Friedberger M i l i tä rm iis i ke rschii l e gab gestern nachiiiittag auf Veranlassung der Kurverwaltung erstmalig ein Konzert und zwar auf dem Johannisberg. — Von prächtigem Wetter war heilte abend die im Park veranstaltete italienische Nacht begünstigt, nachdem die früheren derartigen Veranstaltimgen dieser Saison fast alle zu Wasser geworden ivaren. — Die Polizei ließ in diesen Tagen die Vermieter anfforbern, vom 15. August ab jeden an kam inenden Kurgast innerhalb dreier Stunden anzumelden. Es geschieht das wohl im Interesse einer genaueren Kontrolle anläßlich des Zaren- b e such es. Seither betrug die Anmeldefrist gewöhnlich drei Tage. D. Friedberg, 11. Aug. Die Hauptarbeiten an dem Gcoßh. Schlosse müssen bis zum Sonntag den 14. ds. beendigt fein. Vom 15. an wird das Hofmarschallamt in den Kavalierbau verlegt werden. Das Militärkommando wird in Massenguartiere untergebracht, man spricht von 200 Mann und 5 Offizieren. L. Friedberg, 11. Aug. Das Fernsprechzimmer im Postamt wurde vom ersten Stock in die Schalterräume verlegt. X Salzschlirf, 11. Aug. Daß der Neubau einer Brücke über die Schlitz beim benachbarten Uetzhausen im Interesse eines ungehemmten Verkehrs auf der Staatsstraße Schlitz-Salzschlirf ein unabweisbares Bedürfnis ist, davon diirfte sich der Kreisrat von Lauterbach in vergangener Woche selbst überzeugen. Er mußte nämlich am Donnerstag dein 4. d. MtS., als er mit einem Wagen nach Schlitz wollte, bei Uetzhausen umkehren, da die Brücke völlig überschwemmt war. Man ist allgemein gekannt darauf, wie lange es noch dauert, bis ein völlig ungestörter Verkehr auf der Staatsstraße zivischen hier uiid Schlitz möglich ist. + Homberg a. d. Ohm, 10. Aug. Ihren 90. Geburtstag feierte die älteste Einwohnerin von Deckenbach, die Witwe K. Reis, im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. R.B. Darmstadt, 11. Aug. Eine zweite Ober- realschule! Die hiesige Stadtverordnetenversammlung faßte heute nachmittag nach eingehenden Verhandlungen den Beschluß, die im Bau begriffene neue höhere Knaden- fchule auf dem Gelände der früheren Gasanstalt an der Wendelstabtstraße nicht, wie s. Zt. geplant, als Realschule, sondern als weitere O b e r r e a 1 s ch u l e zu eröffnen, ba bie schon bestehenbe Oberrealschule überfüllt ist unb schon weit über 900 Schüler zählt. Berichterstatter in ber Angelegenheit war ber Stabtverorbnete Geh. Oberschulrat Nod nagel, ber in Uebereinskimmung mit ber Bürgermeisterei bie Errichtung ber zweiten Oberrealschule in Darrn- stabt sehr warm befürwortete unb u. a. bie interessante Tatsache mitteilte, baß sich auf Grund einer Rundfrage bei den beteiligten Einwohnern 92 v. H. für eine weitere Oberrealschule ausgesprochen haben. Von freisinniger Seite wurde verlangt, die Schule als K n a b e n - M i 11 e l s ch u l e zu beschließen, um damit einen Schritt weiter zur Schaffung der Einheitsschule zü gelangen, doch wurde, da die Notwendigkeit einer weiteren Oberrealschule in überzeugender Weise als erbracht galt, mit großer Mehrheit die zweite Oberrealschule beschlossen. Auch die Regierung hatte erklärt, baß sie den Staatszuschuß von etwa 42000 Mk. jährlich nur für eine Oberrealschule bewilligen würde. Die neue Knabenschule ist gleichzeitig mit einer umfangreichen höheren Mädchenschule auf dem vorerwähnten Grundstück errichtet worden und wird nm 1. April 1911 eröffnet werden. S. Offenbach, 12. Aug. (Pnoattelegramm.) Zu einem Kampfe zwischen städtischen unb privaten Interessen hat die geplante Anlage eines Friedhofes bei Bürgel geführt. Das in Betracht kommende Gelände wurde noch kürzlich von, dem Ausschuß für die Wertzmvachssteuer auf 30 bis 50 Pfg. für den Geviertmeter geschätzt und war bis vor einiger Zeit zu diesem Preise auch verkäuflich. 9?un verlangen die Eigentümer 2 Mk. bis 2,50 Mk., während die Stadtverwaltung höchstens 1,20 Mk. bezahlen will. Ta die Besitzer hartnäckig auf ihren Forderungen bestehen, will )ie Stadt ein anderes Gelände erwerben. Sollte sich diese Absicht verwirklichen, dann wäre ber von ber großen Frieb- hofsanlage erwartete Aufschwung Bürgels auf Jahre hinaus in Frage gestellt. 8 Offenbach a. M., 11. Aug. Ter heilige Bnreau- kratlus scheint auch in ber hiesigen Stadtverwaltung oas Regiment zu führen. Tasür lieferte die heutige S t adtv er o rd- netenfifcung gleich zwei Beweise. Beim Bau einer Walzenhalle war eine Neberschreitung des Voranschlags um 212 Mark 15 Pfennig entstanden. Ter Vertreter des HlÄbauamtes, Bürgermeister Tr. T u 11 o unb der des Tiefbauamtes, Beigeordneter Walter, der z. Zt. in Urlaub ist, haben sich nun, wie Bürgermeister Tr. Tulio heute ausführte, einen ganzen Monat nicht darüber einigen können, wer für diese 11 e b e r s ch r c i t u n g eige n t lichdieVerantwor tu ngzu übernehm en hat, da die Halle zwar ein Hochbau ift aber für die Bedürfnisse des T i e f b a u a m t e s erbaut wurde. Schließlich übernahm der Bür- germeitter die Verantwortung. Denselben bureaukratischen Geist zeigte der Beigeordnete Walter in der Zweiten Sache. Tie Zierbrunnen am Alice- und Schillerplatz sollten nach dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung während der Nacht ab- gestellt lücrbeit. Ta das Abstellen der Brunnen außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit erfolgte, toiirbe eine besondere Bezahlung verlangt und es entstand ein Streit zwischen den beteiligten Abteilungsvorstehern, dem Beigeordneten Walter als dem Vertreter des Wasserwerks und dem Beigeordneten Eißnert als dem für die öffentlichen Anlagen, zu wessen Lasten diese Bezahlung gehen soll. Auf Antrag des Stadtv. Ulrich beschloß die Stadtverordnetenversammlung, daß das Wasserwerk die Abstellung ber Brunnen zu besorgen habe. Bei der vor einigen Monaten in der Stadtverordnetensitzung stattgehabten Beratung des Antrags, den Fronleichnamstag auch in Offenbach wie im katholischen Stadtteil Bürgel als gesetzNchen Feiertag zu erklären, weil sich aus der verschiedenen Behandlung dieses katholischen Feiertags in All-Offenbach und in Bürgel allerlei Unznträglich- teiten ergaben, war auch auf die Seltsamkeit hingewiesen worden, baß in dem Oehler-Werk ber Chem. Fabrik Griesheim -Elektron! die G e m a r k u n g S g r e n z e mitten durch den Fabrik- s a a 1 geht, so daß in dessen südwestlicher Hälfte am Fronleichnam gearbeitet werden darf, während in der nordöstlichen Feiertag ist. Damals hatte Beigeordneter Porth vorgeschlagen, bie Gemarkungsgrenze zu verlegen. DasNeuvermefsungs- amt hat 2tun einen entsprechenden Antrag gestellt, der auch von der Stadtverordnetelwersammlnng einstimmig angenommen wurde. sj Marburg, 11. Auq. Der Verein „PhilippshauS" erwarb zur Erbauung eines evangelischen VereinS- hauses im Südviertel ein großes Baugelände. I] Marburg, 11. Aug. Ter Ballon ^Marburg" stieg gestern abend um 1/28 Uhr auf unb landete um 12^ Uhr am Laacher See. Kleine Tncrr«r«iroutt. In dem Eisen- und Stahlwerk Hösch in Dortmund zcr-- sprang int Drahtwalzwerk ein Schwungrad. Durch bie umherfliegendeit Madteile wurden, lüe Arbeiter Rüppert und Speuer- mann getötet, fünf andere wurden verletzt, darunter einige schwer. Aus Lechenich bei Köln meldet man: Als am Mittwoch zwei elegant gelleidete Herren bie hiesige «Kirche besichtigtem unb unter Führung des 12 jährigen Sohnes des Küsters die ^alristei betraten, schlugen sie den Knaben zu Boden und gaben ihm ein Betäubungsmittel, worauf sie sämtliche Schränke beraubten und entflohen. In dem Benediktinerkloster in Andechs Mber- baliern) vergifteten Zwangszöglinge, die aus ber Anstalt ausgebrochen sind, vor ihrer Flucht bett .Klosterbrunnen mit ungelöschtem Kalk unb Kunstdünger. Der verbrecherische Anschlag wurde noch rechtzeitig entdeckt. Wie ber Münchener Polizeibericht melbet, würbe dort bie 67 jährige Kaufmannswitwe I b a'Fe l b me i er in ihrer Wohnung an der Frauenhoferstraße am Donnerstag mittag ermordet aufgefunben. Der Morb bürste bereits abenbs um 7 Uhr ausgeführt worben sein. In ber Wohnung waren bie Kästen und Tische durchwühlt, so daß ein Raubmord anzunehmen ist. Als Täter kommen das bei ber Ermordeten eingetretene' Dienstmädchen aus Landshut bezw. deren Geliebter in Betracht. Beide sind seit der Tat verschwunden. Bet der Kreiskommunalkgsse in St. Wendel wurden Unterschlagungen in bedeutender Höhe aufgedeckt. Ter Kassenrenbant Wilke würbe verhaftet unb dem Amtsgerichts-' gefängnis zugeführt. Tie Verhaftung erregt großes Aufsehen. Der Schaden wird aber voraussichtlich durch die Kaution und das Vermögen Wilkes gedeckt sein. Aus Zürich wird gemeldet: Die letzten 48 Stunden brachten ein fürchterliches Unwetter, das durch ein starkes Erdbeben eingeleitet wurde. Am oberen Züricher See und anti Fuß des Rigi traten alle Bäche aus, die Wiesen und Gärtenl zerstörend. Ueberall wurde die Feuerwehr aufgeboten. In Gohfeld erregt der finanzielle Zusammenbruch des Bauunternehmers Rosche großes Aufsehen. Der Schuldenlast von nahezu einer halben Million Mark stehen nur l1/» Prozent Aktiven gegenüber. R. hat seit Jahren umfangfangreiche Weckselreitereien betrieben; unter den betrogenen befinden sich mehrere Geistliche. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienst stelle Gießen. Verlauf der Witterung feit gestern früh: Flache Randwirbel der östlichen Zyklone brachten gestern ganz vereinzelt (Frankfurt) Gewitter. Sonst blieb das Welter heiter und trocken, lieber Nacht aber hat sich die Wetterlage stark geändert, da von Nordwest her Zyklonen einzudriugen im Begriffe stehen. Das bedingt wieder keuchte südwestliche Winde. Welteraussichteu in Hessen am Samstag dem 13. dlugust 1910: Zunehmende Trübung unb später — vor allem im nördlichen Gebiet — Regen, auffrischender Südmest, mäßig warm. Griginat-Drahtmelduttgen. Der Ausstand der Werftarbeiter. Bremen, 12. Aug. 'Von heute ab ruht die Arbeit auf ber Werft Aktiengesellschaft Weser-Bremeu-Eröpelingen. Die Arbeiter mürben gestern gegen 5 Uhr entlassen. Die Lohnzahlungen erfolgten zwischen vier unb sechs Uhr ohne Störungen. Ausschreitungen unb Unruhen sinb nicht vor- gctommen. Die Meister unb Lehrlinge bleiben weiter beschäftigt. Stettin, 12. Aug. Nach bem „Vorwärts" beschloß bie Konferenz ber Werftvertrauensleute in Stettin, falls eine Aussperrung erfolgt, überall bort die Arbeit niedere zulegen, wo es im Interesse ber Gesamtbewegung liege unb örtliche Verhältnisse es geboten erscheinen lassen. Betriebs- unb Gruppenversammlungen dürften das Ergebnis haben, baß von ben Nichtausgesperrtcn folgenbe Gruppen in ben Sympathiestreik treten: Im Vulkan her Turbinen- bau, bie Dreherei un,b die Gießerei, auf bem Oberwerke: Schiffsbaugießerei, Nieter, Schwiebe unb Tischlerei, bei Nüske bürste es zum allgemeinen Ausstand kommen. Die Ernteausfichten in Rußland. Petersburg, 12. August. Nach telegraphischen Berichten vom 28. Juki beurteilt bie „Hanbels- unb Inbustrie- zeitung" bie Ernteaussichten allgemein gut, mittel. Für Wiuterweizen unb Roggen gilt bie Ernte als gut-mittel, für Sommerweizen, Hafer unb Gerste als mittel. Währenb bes letzten Monats verschlechterte sich ber Saatenstanb, be- sonbers bezüglich ber Qualität im Süben unb Sübwesten, sowie im Zentralrayon wegen Reg en fälle unb im Mittelwolgagebiet, einem Teil bes nörblidicn Kaukasus unb bem Hinterwolgagebiet wegen Trockenheit. Eine Besserung ist bemerkbar teilweise im Norbosteu, dem oberen Wolgagebiet und im Nordosten. hv’|3 V'. L werden jetzt sämtliche Restbestände (01270 Ministerium. in farbigen u. leichten Sommer-Schuhwaren liii Willig verkauft a’ Für die Reise Sandalen, Berg- und Touren-Stiefel nach §anz besonders preiswert Etal-IM auswärts. Herren - Stiefel Einheitspreis für Damen- und Betten M1550 Schuh-Haus Lieferung hv"/s 3 etwa (06654 alten Schlok Karl Riibl, Vang Göns. Nr. 0 INeincs Zlvetschenmus lose, das Pfund 35 Pfg. onserer Lit. 26. Brcnnspiritus95°/oig.„ 5000 13. Weizengrützc Achtung Achtung! Frau Zimmer. 06668) tOOOMk. 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August, abends lli/a Uhr, wurde durch den Persouenzug HO bei der ft a I) r t von Memel nach Insterburg auf dem mit Schranken versehenen Niveauübergange der Chaussee Krau pi schkcn—I nster- burg das Biersuhrwerk des Brauereibesitzers Roese in Insterburg überfahren, dessen Führer anscheinend geschlafen hat und dessen Pferde, nachdem sie auf der Ehaufsee- kreuzung etwas nach der Seite hin zur Gleisstrecke abgefahren hatten, stehen geblieben waren. Da der Wagen nicht beleuchtet und die Nacht finster war, wurde das Fuhrwerk von dem Schrankenwärter beim Schließen der Schranke nicht bemerkt und einge- schlosscn. Der Wagen wurde mit seiner Ladung zertrümmert und d i e beiden Pferde getötet. Ter lebensgefährlich verletzte Führer ist in der Nacht vom 10. zum 11 August in Insterburg gestorben. An Eiscn- bahnbetriebsmittcln ist Schaden nicht entstanden. Reisende und Personal wurden nicht verletzt, bis auf den Heizer der Loko- Grösste und bedeutendste Spezialfabrik für Gas-Badeöfen. 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Ein zu Hilfe eilender Posten schoß auf die Angreifer und tötete seinen Kameraden. Die Landstreicher entkamen. Amsterdam, 12. Aug. Tic Dampfer „Carl Lehnkering" und „Rcpublic", von Petersburg nach Amsterdam bczw. Rotterdam bestimmt, wurden in Fcuiden bczw. Maaßluis wegen choleraverdächtiger Fälle an Bord unter Quarantäne gestellt. Bilbao, 12. Aug. Die Minenbesttzcr werden morgen die Gruben wieder öffnen und fordern die Bergleute auf, die Arbeit wieder aufzunchme n. Darmstädter Möbel - Einrichtungshaus £iiwig MÄM Kunstgewerbliches Etablissement für Innenausstattungen Telephon 1441 DARMSTADT Bßinrichstr. 67 Portofreie Zusendung meines Prachtkataloges. 1. Roggenmchl etwa 166 Dz. 2. Weizenmehl Nr. 3 Nr. 1 Seltersweg 53 GIESSEN Telephon 754 Prima MrÄickin pro Ztr. Mk. 4— mit Sack ab Station Frankfurt a. M. ab zugeben, solangeVorral. 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