I&ö. Jahrgang 2ldi esse tot Tepeschenr Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten. ftellenrodfm Geaenstößen gegen den den bayerischen Truppen ausgefühtt^ M. 263 Der fflrfcrtft grifft erictieint täglich, nutzer SonMagS. — BeÜagen: viermal wöchentlich GletzeuerKamlUenblütter; n’.ueiinal luöchentl.Kreit« l-ratlslirdenNrelr Stehen (Dienstag und Freitags zweimal monoiL Land« wirtschaftliche -eitfraaeH flernfprech • A»,schlüge: für die Redaktion 118- Verlag u. Expedition 51 wurde, bis schließlich durch die vom rechten französischen FMgel abkömmlich gewordene Unterstützung der linke Flügel verstärkt imh der Rückzug der Deutschen gefährdet wurde. Um 4 Uhr erteilte daher General von der Tann den Beseht, daS Gefecht abzubrechen und — vom linken Flügel beginnend — den Abmarsch auf Artenah zu anzutreten. Dieser Befehl wurde in bester Ordnung und unter stellenweisen Gegen stützen gegen den Ausland. „Tanin" begrüßt den Abschluß der türkischen Anleihe mit großer Befriedigung und hebt hervor, daß die Anleihe weder nckt politischen, noch mit wirtschaftlichen oder mit Bedingungen verbunden sei, die mit der Würde oder der Unabhängigkeit der Türkei unvereinbar seien: sogar Bestellungen für die Industrie seien nicht verlangt worden. Das Blatt rühmt die korrekte Haltung der deutschen Diplomatie, die bemüht gewesen sei, allem vorzubeugen, was die guten Beziehungen der Türkei zur Tripelentente hätte schädigen können. Die Ottomanen würden den freundschaftlichen Akt Deutschlands nicht Der* g essen. AuS Liverpool wird gemeldet: Infolge deS Aurstan- deS der Fuhrleute, die eine kürzere Arbeitszeit verlangen, ist der Verkehr im Hafen und in den Docks lahmgelegt. Kwa 4000 Mann und 5000 Pferde feiern. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur ist In Schiras der Belagerungszu stand erklärt worden. vergarbelterunruhen in Süd-Waler. In England ruft ein großer Bergarbeiterausstand, der schon in die" schwersten Ausschreitungen aus gearbeitet ist, das größte Aufsehen und atlaemeine Beunruhigung hervor. In Cardiff eingetrofsene Telegramme melden, daß im C l y d a ch t a l e große Unruhen ausaebrochen sind. Polizeimannschaften wurden von Ausständigen vielfach mißhandelt, viele von chnen wurden niedergeschlagen und schwer verletzt. Man hegt Befürchtungen wegen der Sicherheit LlewellynS, des Generaldirektors der Cambrianbergwerke, Coulmiers. (Zum 9. November.) Der Name Coulmiers bildet für die Frar^osen einen Sonnenstrahl in der Erinnerung an den Krieg 1870—71: mit diesem Wort ist das Gedenken des einzigen nennenswerten Erfolges der französischen über die deutschen Waffen verknüpft! Zwar war dieser Erfolg weder vollkommen, indem die errungenen Vorteile nicht ausgenutzt wurden, noch dauernd, da bald darauf deutscherseits energische Gegenstöße erfolgten, die mit einem vollständigen Siege endeten — aber die Erinnerung der Franzosen klammert sich heute noch mit ebensolcher Begeisterung an das Treffen (ober wie sie es nennen: die Schlacht) bei Coulmiers, wie vor 40 Jahren das Ereignis einen unbeschreiblichen Jubel hervorrief. Daß der Erfolg außerdem auch nur einer fast vierfachen Uebermacht zu verdanken war, konnten den aus ihm entstehenden Hoffnungen keinen Abbruch tun. Um für den Fall einer Einschließung von Paris durch die Deutschen nicht von der Außenwelt abgeschnitten zu werden, hatte die in der Hauptstadt gebildete Regierung der nationalen Ver- teüngimg um die Mitte des September eine Delegation von zwei Mitgliedern nach Tours entsandt. Nach der erfolgten Einschließung predigte diese den Volkskrieg und es gelang ihr, bis anfangs Oktober zwei neue Heere, die Loire-Armee und die Nordarmee, aufzustellen, deren Hauptzweck der Entsatz von Paris sein sollte. Die Loire-Armee unter General de La Motterouge war aber durch das 1. bayerische Armeekorps rntb die 22. Division des 11. Armeekorps, sowie die 2. und 4. Kavalleriedivision unter dem Oberbefehl des bayerischen Generals von der Tann in dem Gefechte bei Artenay (10. SD Ft.) und dem Treffen bei Orleans (11. Oft.) geschlagen und über Orleans zurückgedrängt worden. Diese Stadt selbst war bann durch das 1. bayerische Armeekorps und die 2. Kavallerie-Division besetzt worden, während die 22. Infanterie-Division und die 4. Kavallerie-Division zur 3. Armee zurückkehrten. Seitdem Gambetta, der Paris in einem Luftballon verlassen hatte, an der Spitze der Delegation in Tours stand (9. Okt.), wurden die Massenaushebungen in dem Lande mit rastlosem Eifer betrieben, so daß allmählich eine Streitmacht von etwa 600 000 Mann mit 1400 GesäMen zusammenkam, welche hinter dem deutschen Einschließunasheer von Amiens bis Orleans stand. Westlich von Orleans befanden sich das 15. Korps unter General d'Aurelle de Paladiers und das 16. Korps unter General Chanzy; diese beiden Korps — ungefähr 70000 Mann mit 150 GesMtzen — wurden unter dem Oberbefehl d'Aurelles zu einer (Loire-) Armee vereinigt und erhielten am 24. Oktober den Auftrag, gegen Orleans vorzugehen, dieses zu besetzen und ein verschanztes Lager für 200 000 Mann zu errichten, welches als Ausgangspunkt für die Operationen gegen bas beutsche Ein- schliebungsheer und gegebenenfalls zur Aufnahme der aus Paris brechenden Truppen dienen sollte. Die Stärke der dem Genera! von der Tann in Orleans zur Verfügung stehenden Kräfte belief sich auf rund 20 000 Mann mit 112 Geschützen. Als nun tm Laufe des 8. November der Gegner soweit herangerückt war, baß es wahrscheinlich schon am nächsten Tage zu einem entscheidenden Zusammenstoß kommen mußte, traf von der Tann abends die nötigen Maßregeln. Er gab die Stadt Orleans preis, da das dortige Gelände ihm zur Entfaltung seiner starken Artillerie und Kavallerie hinderlich war — die Infanterie war im Verhältnis zu diesen beiden Waffen ziemlich schwach vertreten —, und nahm eine Stellung westlich von der Stadt ein, deren Hauptstützpunkt das Dorf Coulmiers (daneben noch La Nenardiere) bildete Infolge der Ausdehnung der Stellung konnte die Linie nur schwach besetzt werden, doch hatte sie den Vorteil, daß der Feind nur von einer Seite — von Westen — her angreifen konnte und daß im Falle eines ungünstigen Ausganges der Rückzug nach Norden gesichert war. In Orleans selbst verblieben mir bas Jnfanterie-Leib-Regiment (von der 1. Brigade), die 1. und 3 Schwadron des 3. Chevauxlegers-Regiments und 2 Geschütze der 1 Batterie des 1. Artillerie-Regiments, zusammen 2142 Mann mit 2 Geschützen und 250 Pferden (Offiziere usw. sind nicht mitgezählt: diese Abteilung hatte den Zweck, den Bentz der Stadt zu sichern, außerdem die Trains und die in Orleans verbleibenden Kranken und Verwundeten zu schützen. An dem Treffen nahmen teil: 14 683 Mann (ohne Offiziere usw.) mit 110 Geschützen und 4695 Pferden. Tie vorgesehenen Stellimgen wurden noch im Laufe der Nacht vom 8. auf den 9. November eingenommen. Auch telegraphierte Der General an die bei Chartres (nördlich von Orleans) stehende 22. Infanterie-Division um Unterstützung, erhielt aber den Bescheid, daß diese am 9. erst bis Noves, die 4. Kavallerie-Division bis Orgeres (beide Orte etwa in der Mitte zwischen -Orleans und Chartres) vordringen könnte. Die von Metz im Anmarsch befindliche 2. Armee erreichte am 9. erst Troyes, so daß auf Hilfe von dieser Seite überhaupt nicht gerechnet werden konnte. Somit war von der Tann -uiuichst ganz auf sich selbst angewiesen. Früh morgens begann denn auch der Anmarsch des Gegners in breiter Front: der linke Flügel (16. Korps) gegen Coulmiers, der rechte (15. Korps) gegen La Renardiere. Vor der Uebermacht mußten sich' die Deutschen allmählich bis in die Hauptaufnahmestellung La Renardiere—Coulmiers zurückziel>en: um Mittag standen sich die Truppen auf der ganzen Linie dicht gegenüber. Um 1 upe etwa schritten die Franzoien dann zum entscheidenden Angriff. Zuerst brachte ihr rechter Flügel den linken der Bayern bei La Renadiere zum Weichen, während im Zentrum und aus dem anbereu Flügel (bei Couturiers) mit wechselndem Erfolg gekämpft nachdringenden Feind von ------- .. _ . . bis die Rückzugsstraße erreicht war; die Nachhut bildete Überall Artillerie und Kavallerie, die den Feind m angemessener Entfernung hielten und schließlich ganz von einer Verfolgung ab» stehen ließen. Auf schlechten Wegen gelangten die einzelnen Abteilungen nach Artenay, wo am 10. früh borgend daS ganze Korps wieder versammelt war. Auch die Besatzung von Orlens traf dort ein, nachdem sie einem am 9. nachmittags 4V» Uhr anlangenden Befehle gemäß Orleans verlassen, vorher aber, für die Zurückschaffung sämtlicher Trains, namentlich der Proviant" Monn en und Eisenbahnfahrzeuge, auf der Bahn nach Toury gesorgt hatte. Nur die nicht transportfähigen Kranken und Verwundeten zweier Feldlazarette — etwa 450 Mann — blieben in der Stadt zurück und gerieten so in Gefangenschaft. Am 10 November vormittags erfolgte dann der Weitermarsch bc5 Korps nach Toury, wohm sich daher auch die von Chartres ausgerückten Unterstützungstruppen (die 22. Infanterie-Division und die 4. Kavallerie-Division) wandten. Die nunmehr dort zwischen Pithiviers und Chartres versammelten Streitkräfte der Deutschen hätten bis zum Eintreffen der 2. Armee genügt, um den Feind in einem weiteren Vordringen aufzuhalten. Doch kam dieser mit feiner Spitze nicht über Artenah hinaus und begnügte sich, nördlich von Orleans eine ausgedehnte Stellung zu beziehen. Der Kampf hatte ihn über 1500 Mann gekostet — nach Angabe des Generals Chanzy verlor das 16. K^ps allein etwa 1250 Mann—, während der Verlust der Deutschen sich auf 47 Offiziere und Offizierdiensttuende, 736 Mannschaften und 177 Pferde belief, und zwar waren tot: 16 — 88 — 73, verwundet: 30 — 456 - 83 und vermißt: 1 — 192 — 21. Die Zahl der Vermißte» erklärt sich hauptsächlich daraus, daß auf dem Rückzüge ant 10 morgens bei St. Peravy eine Munitionskolonne mit 83 Mann, 110 Pferden, 11 Wagen und 2 Reservegeschützen und *uf Nachtmarsche vom 9. zum 10. bei Cereotes 74 Mann des Leib- Regiments, die erschöpft liegen geblieben, in die Hande der Franzosen gefallen waren. Ter militärische Erfolg der Franzosen war also^Mr gering, dagegen stellte sich der moralische bald als um so großer heraus- ganz Frankreich jubelte auf, wurde mit neuer Hoffnung beleb! und mit frischem Mut beseelt, so daß die schönen Worte Gambetta^ mittige Ohren fanden und seine Werbungen und Rüstungen tatkräftigerer Unterstützung teilhaftig wurden Auch in roch Mllrvoch, 9. November W 9l0er«g4preis: monatlich 75 UL, vierteljährlich TtL 3*20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pst; durch Das 5chll!wesen Italiens. Der Italiener von heute, der sich für politisch und kulturell ungemein fortgeschritten, uns Deutsche für mittelalterliche Barbaren halt, ist in Wirklichkett rückständig und nur schwer zum Aufgcben der Tradition zu bewegen. Die Schuld trägt die ganze vernachlässigte BvllSbildung. Nach offiziellen Er- Narungen auS den sechziger Jahren mußte man die fremden Souveräne der italienischen Mittelstaaten verjagen, weil sie als Ausländer — dem Volke klingt das Wort noch heute gleich „Barbaren" — kein Herz für die alte hehre nationalitalienische Kultur baden konnten. Seit der Einigung ist der Prozentsatz der Analphabeten aber keineswegs gefallen, im Gegenteil. Nicht allein, weil beim Großmachtspielen einem so armen und gleichgültigen Volke das Geld für Kulturaufgaben fehlte; die Schwerkraft deS Herkommens fand zwei gleich allmächtige Verbündete, Kirche und — Regierung. Bon dieser, bet so oft die besten und vorurteilsfreiesten Köpfe der Nation angehörten — es sei nur auf Quintius Sella und Guido Vaccelli, aus Orlando und Luzzatti von den Neueren hingewiesen —, nimmt das fast Wunder, aber die Seele der Geschichte heißt Macht! In Lombardei und Emilia, wo das Schulwesen noch seiner österreichischen und Varmeser Traditionen würdig ist, sind die Massen gegen die unwürdige soziale Gliederung aus- gestanden, die nur Signori und arbeitendes Volk, doch keinen Mittelstand kennt; in diesen Provinzen werden hauptsächlich Sozialisten, daneben Republikaner und Radikale gewählt. In den Analphabetenlanden des Südens, wo der unzusriedene kleine Mann vom Wahlrecht ausgeschlossen ist, gehen unter mehr oder weniger sanftem Druck oes Präfekten und der in der städtischen Selbstverwaltung herrschenden Clique, die mit einem arabisck-en Ausdruck Camorra heißt — so alt sind diese Zustände und so innig berühren sich Orient und Adendlaiü —, durch häufig recht unverhüllte Wahlbeetnslussung die Schlachtreihen der „Ministeriellen" aus der time hervor. Nur die des Lesens und Schreibens kundige Minorität besitzt daS Wahlrecht. Jener meridionale Kern der liberalen Gruppen nun ist eine merttvürdige Einrichtung, die es fertig bringt, früh für ihr Kabinett zu stimmen, das sich durch irgendein parlamentarisches Mysterium ein Mißtrauensvotum holt, nachmittags aber in die neue Mehrheit der früheren Opposition einzutreten, die jeneS Kabinett gestützt haß Sie bilden also für jede Regierung, gleichviel, welches Programm sie hat, eine ständige Schutztruppe und werden deshalb „As- karis" genannt Und die Regieruna der „liberalen" Gruppen — liberal abwechselnd etwas mehr oder weniger — wird sich durch Schulreform doch nicht den Ast absägen, auf dem sie sitzt Der Parlamentarismus hat demnach doch auch seine Auswüchse. Vie Thronrede der Königs der Belgier und sozialdemokratische Zwischenrufe. Brüssel, 8. Nov. Der König eröffnete gegen 2 Uhr das Parlament mit der Verlesung einer Thronrede, die mit der Ehrung des Andenkens König Leopolds beginnt, dessen Sorge es gewesen sei, Belgien schöner zu gestalten unb ihm durch Schaffung einer Kolonie neue Absatzmöglichkeiten zu eröffnen. An seine eigene Throlkbesteigung erinnernd, dankt der König für die Sympathiebeweise des Volkes und stellt weiter fest, daß er und die Königin an den ausländischen Höfen herzliche Aufnahme gefunden haben. DaS belgische Volk habe seinerseits dem.Kaiser Wilhelm einen herzlichm Empfang bereitet Tie Thronrede kündigt an, daß die zwischen Deutschland, England und Belgien getroffenen Vereinbarungen Über die Grenze im Kongogebiet demnächst der Kammer zugehen werden. Sie hebt bent großen Erfolg der Weltausstellung hervor und betont, daß immer mehr daran gearbeitet werden müsse, auf dem Gebiete der Kunst, der Literatur und der Wissenschaft das Niveau der nationalen Erziehung zu heben. Auch der gelungenen Ausstellung aller Kunst des 17. Jahrhunderts wird gedacht Die Tlfronrede ersucht, die Sprachen- tämpfe mit Mäßigung zu führen, den Mittelstand durch die Förderung des Fachunterrichts zu heben und den Kindern den Schulbesuch durch gesetzliche Maßnahmen zu erleichtern. Dem Familienvater müsse durch gesetzliche Vorkehrungen das Recht gewährleistet werden, den ihm aenebmen Unterricht für sein Kind auszusuchen Auch die soziale Fürsorge müsse erweitert werden durch die Vervollständigung der Gesetze über die Altersrenten, Kinderschutz und durch der mit fünfzig Mann in dec Hauptstation der Glamorgan Kohlenbergwerke eingeschlossen sei Llewellyn und die Mannschaft halten die Maschinen in Betrieb, um einer Ueberslutung der Mine vorzubeugen London, 8. Nov. Dreitausend Ausständige der Stadt Aberdaregriffen dieGrube an, wurden aber von der Polizei zurückgetrieben. Als sie darauf die Schutzleute mit Steinen bewarfen, wurden sie von diesen mit Stöcken zurückgeschlagen, wobei sechzigAusständige schwerverletzt wurden Viele Streikende, darunter Frauen, wurden in den Aberdare- Kanal getrieben, den sämtliche durchwateten Truppen sind jetzt in Cardiff eingetroffen. Das 10. Husarenregiment und 200 Mann Infanterie sind in Sonderzugen nach dem AuSstandsgebiet abgesandt worden, ebenso 300 Mann von der Londoner Polizei. Während der Ruhestörungen in der vergangenen Nacht wurden die Venttlationsanlagen zweier Schächte unbrauchbar gemacht. Man fürchtet, daß infolgedessen 4 00 Pferde in diesen Sck)ächten erstickt sind. Der ganze Bezirk bildet ein Bild der Zerstörung. Mehrere Polizeibeamte sind schwer verletzt. Handelsminister Churchill hat an die Bergarbeiter von Süd-Wales ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt, ihre besten Freunde in London seien sehr betrübt über die Unruhen, die ausgebrochen seien und wollten ihr Bestes daran wenden, den Bergleuten zu helfen. Er wünsche als Präsident des Handelsamts, morgen nachmittag die Vertreter der Bergarbeiter zu empfangen, aber die Unruhen müßten sofort aufhören, so daß die Untersuchungen nicht beeinflußt werden. Im Vertrauen auf den aejmiben Sinn der Bergleute halte er die Soldaten vorläufig zurück und sende an ihrer Stelle Polizeimannschaften. diePost M.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., auswärts 20 Pfennig. Cheftedakteur: A Goetz. Verantwortlich für den General-Anzeiger für Gberheffen votaN««drilS Md Virlag der vrÜHNchka U-lv^vuch. inb Steindrucke«! U. taugt. vedoMou, LspedMoa and vntcktrtl- Stzulstratze 7. beu bis vormittag- 9 Uhr. ^Petition für Bübingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 60. An-eig'entell: 'h. Beck. die Schaffung von Handels- und Jndustrieräten. Endlich werde die Regierung die Heimarbeit regeln. Nach der Ankündigung einiger Gesetzentwürfe über MiNtärpen- sionen erörtert die Thronrede die Abnahme des Alkohol- geimsses und das günsttge Ergebnis des neuen Militär- zesetzes. Die Finanzlage des Landes sei gut, jedoch ei Sparsamkeit geboten. Zum Schluß gedachte der König )cr Reformen in der Kongokolonie, die in diesem Jahre vervollständigt werden sotten. Vor dem Verlesen der Thronrede Tant eZ zu lärmenden Kundgebungen. Ms nämlich der König die Kammer betrat, riefen die Sozialisten: Auflösung! Allgemeines Stimmrecht!, wurden aber durch die Ruse: „Es lebe der König!" übertönt. Der Zwischensatt dauerte eine Viertelstunde, während welcher der K ö n i g a u s dem Thron den Tumult verfolgte. Ocutiche» Ueich. Am Dienstag fand im Exerzierhaufe an der Plantage ifl Potsdam die Vereidigung der Rekruten der Potsdamer Garnison statt. Zugegen waren: der Kaiser und seine Familie sowie viele auswättige Gäste. Die Ausgabe neuer Neichsbanknoten xu 100 Mk. ist in Aussicht genommen. Zu ihrer Herstellung wird besonders präpariertes Papier verwendet werden, um unbefugte Nach- ahmtimgen besser verhindern zu können. Neben der Pflanzenfaser werden die neuen Banknoten ent sehr schwierig nach-u- ahnuondes Wasserzeichen aufweisen, das ein anderes Bild als dasjenige der ReichSkassenscheine zeigen wird. Der wirtschaftliche Ausschuß ist am Dienstag unter dem Vorsitz des Staatsministers Dr. Delbrück zusammengetreten, um über die deutscherseits an Japan für den Abschluß eines Handclsvettraaes zu stellenden Forderungen zu beraten; gleichzeitig wurden die von S ch w e d e n übergebenen Forderungen zum deutsckfen Tarif zur Erötterung gestellt, lieber den Inhalt der Derl>andlungen wird, wie dies nach der Natur der Sache selbst- verständlich ist, Stillschweigen beobachtet. Tie Einführung von französischem Schlachtvieh ist, wie die „Allgemeine Fleischerzeitung" mitteilt, auch von der Regierung von Elsaß-Lothringen mit Zustimmung des Reichskanzlers beschlossen worden. Ueber die Höhe des ein* zu führend en Kontingentes schweben noch Verhandlungen. Nach dem amtlichen Wahlergebnis bei der Reichs- tagsersatzwahl im 4. Posener Wahlkreis Neu- tomischel-Grätz-Kosten-Schmiegel am 4. November wurden im ganzen 22 149 Stimmen abgegeben. Davon erhielten der Schristsetzer M o r a w s k i (Pole) 16 413, der Rittergutsbesitzer Schwartz köpf (deutschkons.) 5678, Redalteur S r e m s k i (So-.) 46, zersplittert waren 12 Stimmen. III der Klinik starb. Kreis Alsfeld. △ — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft Die Akademie der Medizin zu Paris wählte den Bakteriologen Löfs l e r (Greisswalde) und den Histologen Retzius (Stockholms zu wirklichen auswärtigen Mitgliedern. — Einem Mitarbeiter des „Neuen Wiener Lagblattes" erklärte Prozessor v. Noorden die von Frankfurter Blättern veröffentlichte Nachricht, daß er Wien verlaße mrd nach Frankfurt zurückkchren wolle, sei völlig unrichtig. Die Noyal Society in London verlieh dem Professor der PMk in Berlin Rubens, für seine Radiumforschungen die Rumford-Medaille. Heer und Flotte. ' AUS Anlaß der Heeresverftä rkungen tm Rechnungsjahre 1911 sollen neu errichtet werden: Eine General- Inspektion des Militär-Verkehrswesens, eine Inspektion des Mili- lär-Lustschiffahrts- und Kraftwesens, 107 Maschinen-Gewehr-Kom- pagnien, ein Fußartillerie-Regiment, ein Kraftfahr-Bataillon und zwei Luftschiffahtt-Vataillone. Me hierzu erforderlichen Unteroffiziere intb Mannschaften werden zu einem großen Teil durch Etalherabsetzungen bei den bestehenden Truppenteilen und durch Abrcchmmg an bestehenden Formationen gewonnen. Myrechenv ttnrö mrerenoni waren die gehaltvollen Ansprachen deS Vereinsgeistlichen G l o ck - Nieder-Ramstadt und des Pfarrers Gros-Esch. Ersterer war durch seine persönlichen Berührungen mtt Pastor p. Bodelschwingh vorzüglich befähigt, ein getreues Bild von dem Leben des turnten Mannes der inneren Mission zu geben. Pfarrer Gros, der über die Frage reden wollte: „Was lesen unsere Kinder und was sollen sie lesen", hatte in Anbetracht ^rückten Stunde ;_ur noch wenig Zeit, doch hinterließ auch fern kurzer Vortrag den Eindruck, daß hier eine für Emus, Familie und Volk überaus wichtige Frage vorliegt; besonders sollen die Eltern und Erzieher daran denken, daß nicht nur die Spielkameraden Freunde ihrer Kinder sind, sondern auch die von den Kindern gelesenen Bücher. _ Alsfeld, 8. Nov. Von Ober-Breidenbach traf bei einbrechender Dunkelheit ein Wagen mit Gerichtsbcamten und Anwälten vor der Stadt ein. An der Straßenkreuzung nach Liederbach trat em Mann Hütter dem Baum hervor und dab Revolverschüsse gegen den Wagen ab. Zum Glück wurde niemand verletzt. .wischen Frankreich und England Vor-- gewisser afrikanischer Gebiete, lluwlvn4il_u/ __________ . Die englische Regierung habe damals angeregt, daß Frankreich zur Erleichterung einzelne Gebiete austausche und Jschandernagor ab trete, doch habe Frank» reich diesen Gedanken als unannehmbar bezeichnet und der Vorschlag sei dann fallen gelassen worden. o — Die Schiller-Lolterie. Die größte Waren- ^Oitene, die wohl temals in Deutschland veranstaltet wurde, wurde Dor einem halben Jahrhundert, am 10. November 1860 mögen. Die Lotterie hat em Jahr lang die Gemüter der neulichen lebhaft bewegt. Major Serie, ein kunst- und literatur- freundlicher Mann, der in Dresden lebte, hatte die Veranstaltung ^um Besten der Tiedge- und der Schttlerstiftung inszeniert, und vieler Mann hatte unglaubliche Mühen und ebensolchen Aerger von der Dache. Da auf jedes Los, das einen Taler kostete, ein Gewinn satten sollte, waren vorher bereits Streitigkeiten über den angeblichen Minderwert der Gewinne entstanden, und selbst Prozesse blieben nicht aus Den Hauptgewinn bildete eine Villa m Eisenach, die der Großherzog von Sachsen-Weimar für die Zwecke der Lotterie erworben und gestiftet hatte. Man kann sich vorstellen, mit welch' lebhaftem Interesse von allen Seiten der Lotterie entgegengesehen wurde, die im alten königlichen Valerie* gebäude in Dresden stattsand. Interessant war diese Ziehung auch noch dadurch, daß Karl Gutzkow als Reprä cntant der Schttler- stiftung eine Rede dabei hielt, luajoem Ritter von Pfotenhauer der Oberbürgermeister von Dresden, eine Ansprache gebalten Schiller-Lotterie brachte der Schillerstistuug allein etwa den Betrag von 900 000 Mark ein. Major Serie, dem die Aerger- nifse der Schiller-Lotterie die letzten Lebensjahre stark getrübt hatten, starb im Jahre 1864. k 77 Eine neue Pacificbahn. In absehbarer Zeit werden die Vereinigten Staaten eine neue Rieseneisenbahnlinie «- , halten, die das Festland in einer Länge von 60J0 Kilometern durch- wird. Wie die Zeitschrift „Technik und Wissenschaft" rklrche und Schule. B. Gießen, 9. Nov. Das 32. Jahresfest des Oberhessischen Vereins für innere Mission wurde am Dienstag morgen 10i/2 Uhr im oberen Saale des Gemeindehauses Kirchstraße 9 mit einer Versammlung der Dekanats-Synodalvertreter für innere Mission eröffnet. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen wurde über die Notwendigkeit der Einrichtung von Volksbibliotheken auf dem Lande verhandelt und allseitig der Hobe Wert dieser Büchereien hervorgehoben. Die Mittel zur Anschaffung sind durch Gründung von Lesevereinen und durch Unterstützungen aus öffentlichen Kassen zu erlangen. Hierauf berichtet Kirchenrat D. Schlosser- Gießen über die Tätigkeit des Evangelischen Nachrichten- Verbandes für Hessen, dessen Organisation weiter ausgebaut werden soll. In der Nachmittaasversammlung, die um 3y2 Uhr von dem Vorsitzenden, Geh. Schulrat D Stamm- Gießen eröffnet wurde, führte Kirchenrat D. Schloss er Mittwoch den 9. Nov. im Kaiserhos eine außerordentliche Generalversammlung ab, um über seine Vorschläge für die Stadtverordnetenwahlen zu beraten. ** Zur Stadtverordnetenwahl. Gestern abend fand im Einhornsaal eine außerordentliche Hauptversammlung des Nordostoereins statt, die sehr gut besucht war. Nach dem von dem Vorsitzenden und dem Schriftführer erstatteten Bericht über die bi8 jetzt bezüglich der Stadtverordnetenwahlen erfolgten Schritte erklärte sich die Versammlung mit dem Anschluß an dem BürgerschastS- ausschuß einverstanden. Dem Ausschuß soll der Verems- vorsitzende Rentner M. Friedberger als Kandidat vorgeschlagen werden, während man im übrigen der vorn Bürgcrverein vorgeschlagenen Liste sich im allgemeinen anschloß. ** Ein hesfisch es Flurnamenbuch. Diehessi- sche Vereinigung für Volkstunde plant, wie wir s. Zt. pe- richteten, die Herausgabe eines Flurnamenbuches, zu einer umfassenden Sammlung aller irgendwie erreichbaren heimischen Ortsbezeichnungen. Alle Ortsbezeichnungen innerhalb unserer Feld- und Waldgemarkungen, einschließlich der Straßen-, Gassen- und Häusernamen sollen gesammelt werden. Dazu ist aber die freiwillige Hilfe weiterer Kreise nötig. In den Provinzen Startenburg und Oberhejsen ist bereits die Hälfte in Bearbeitung genommen. Bedeutend erleichtert wird die Sammelarbeit dadurch, daß das erste Heft des Flurnamenbuches bereits im Druck vorliegt. Es enthält die Flurnamen von Schlitz, gesammelt von Pfarrer Wilhelm Hotz, und kann als Musterbeispiel einer solchen Sammlung jebent, der an dieser Arbeit teilnehmen will, vortreffliche Dienste leisten, zumal da eine von .Staatsarchivar Dietrich verfaßte Einleitung zugleich eine genaue » R 0 h r b ach bei Büdingen, 8. Novbr. Oberhalb der Finndörfer Mühle bei Düdelsheim fand man in einer sehr tiefen stelle des Seemenbaches die Leiche des 19jährigen Emrich von hier nach langem Suchen. Der Bursche hatte sich am Sonntag vom väterlichen Hause entfernt. Seinen Hut hatte er am Ufer abgelegt und man fand den Vermißten auch an dieser Stelle. Die Grunde, die ihn in den Tod trieben, sind nicht bekannt. Im vorigen Jahre verlor die Familie schon einen Sohn, der in der Klinik starb. * Kleine Mitteilungen aus dem Kreise Alsfeld. Zu dem Bericht über die Schulhauseinweihung in Heimbach sei mttgeteilt, daß die Abschiedsrede am alten Schulhaus Lehrer Naß hielt. Kreis Lauterbach. 5. Lauterbach, 8. Nov. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung dec Bezirkssparkasse Lauterbach wurde aus Vorschlag des Bürgermeisters Löfsler-Ilbeshausen ein- ttnnmig beschlossen, den seitherigen Sparkassengehilfen Konrad Peter hier an Stelle deZ verstorbenen Rendanten Wahl in feine Vorschläge über die Organisation des evangelischen Nachrichtenverbandes, der die Aufgabe hat, die hessische Presse mit evangelisch-kirchlichen Nachrichten zu versorgen, weiter aus. Die Versatnmlung stimmte den Ausführungen des Referenten allseitig zu, wünschte aber, daß alle in ^unserem Lande verbreiteten Blätter ohne Unterschied der politischen Richtung mit solchen Nachrichten versorgt würden. Da der Berichterstatter über den zweiten Punkt der Tagesordnung über Fortschritte in der Landkrankenpflege, Pfarrer Schwabe-Gießen durch Kran'cheit am Erscheinen verhindert ist, teilte Kirchenrat D. Schlosser mit, daß die getroffenen Einrichtungen mit der Ausbildung von Land- i-rankenpflegerinnen sehr guten Ersolg gehabt und beabsichtigt ist, die Kurse fortzusetzen. Sodann berichtete der 'als Fachmann wetthin bekannte Pfarrer Gros-Esch im .Taunus über „Die Befriedig ung des Lese- up,d Bücherbedürsnisses auf dem Lande". Die «geistige Regsamkeit auf dem Lande, so führt der Redner aus, kommt zum Ausdruck in dem Lesebedürfnis der Landbevölkerung. Dieses Lesebedürfnis wird gestillt durch Kalender, Sonntagsblätter, Tagespresse, aber auch durch die Schmutz- und Schundliteratur. Letztere ist zu bekämpfen durch Voltsbibliotheken und Kolportage guter, dem Ge- schmacke des Volkes entsprechender Schrijten. Diese Kolportage lann geschehen durch Anstellung von Bücherboten; dieser Weg ist aber wegen der damit verbundenen hohen Un- fkosten und gar mancher Unannehmlichkeiten nicht zu empfehlen. Empfehlenswerter ist der Massenbezug guter Schriften von der Buchhanblung durch den Pfarrer, der sie dann durch einen Vertrauensmann im Dorfe vertreibt. In der sich an den Vortrag anschließenden sehr regen Besprechung weist u. a. Oberstaatsanwalt Lang-Gießen auf die Einflüsse hin, die die Schmutz- und Schundliteratur auf die Kriminalität hat. Kirchenrat D. Schlosser wünscht, daß in jedem Dekanat ein Versuch mit einer Be- zirtskolportage gemacht würde, ein Wunsch, den Pfarrer Gl0ck-Nieder-Ramstadt dringend empfiehlt, da solche Versuche bereits in mehreren Letanateu guten Erfolg gehabt haben. 1 n Um 6y2 Uhr fand in der Stadtkirche der übliche F e ft g 011 e s- dienst stall, der ziemlich gut besucht war. Der Festprediger, Pfarrer Schuster-Hering L O., verstand es ausgezeichnet, mtt feinen tiefgehenden Ausführungen über Joh. 9, 1—5 das Interesse feiner Zuhörer zu fesseln, indem er zeigte, wie das maimigsuchen Elend in der Welt nur durch die Liebe Christi siegreich überwunden werden könne. Die Feier wurde durch Mitwirkung des hiesigen Kirchengesangvereins und des Knabenchors verschönert. Auch in dem am Abend in Steins Garten abgehattenen ösfent- lich en Familienabend, der aus Teilen unserer Gemeinden gut besuäst war, legte der Kirchengesangverein bedeutende Proben seines Könnens durch mehrfache Gesangsvorträge ab. Ebenso Paris machten sich die Folgen deS Treffens bei Coulmiers bemerkbar: während die Bevölkerung noch kurz vorher trotz Favres 1 imt) Gambellas Erklärung: Krieg bis zum Aeußersteu! sich i geneigt gezeigt Halle, einen Waffenstillstand, auch ohne Ver- | Proviantieruug der Stadt, einzugehen, um den Frieden einzuleiten, wollte sie nach dem 9. November nichts mehr von Unter- I Handlungen und Einstellung der Feindseligketten wissen; sie hoffte ' nun auf eate Fortdauer des Glücks der franzüsisck)eu Waffen, auf ( eine baldige Befreiung der „heiligen" Stadt aus der eisernen I Umttammerung der deutschen Barbaren und auf eine vollständige j ^ermchtung dieser germanischen Horden; der Gedanke, doch noch i siegreich ins Berlin em-uzicheu, lebte überall wieder auß i Der London« Kvrrefpondenl vev „Tortur* bezeichnet baS V«ücht, wonach Frankreich die Stadt Jschandernagor m Französisch-Indien an Eng la n d abtreten wolle, als n - begründet. Es sei em Augenblick die Rede davon gewesen, nls im April b. I. -wische F— öespreckningen bftr. die Begrenzung namentlich Gambiens stattfanden. AttS Stadt und Land. Gießen, 9. Nov. 1910. ** Ordensangelegenheiten. Der König von Preußen hat dem Hauptmann a. D. Klinger zu Groß-Lichterfelde, bisherigem Kompagniechef im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, den Roten Adlerorden 4. Klasse verliehen. Der König von Preußen hat ferner den nachbenannten Personen die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen hessischen Orden erteilt, und zwar: des Komturkreuzes zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen: dem Fürstlich Stolberg-Wernigerödcschen Kammerpräsidenten, Geh. Oberregierungsrat Lohmann in Wernigerode; des Ritterkreuzes erster Klasse desselben Ordens dem Münzdirektor Brinkmann in Berlin und dem Fürstlich Solmsischen Oberförster K u n tz e in Hohensolms; des silberner Kreuzes desselben Ordens: dem Haushofmeister Kuhn und dem Wagenmeister S t i l k e, beide in Diensten des Fürsten zu Stolberg-Wernigerode; des Hess. Allgemeinen Ehrenzeichens: dem Lakai Schilling, dem Portier Martini, dem Kutscher W i e n k e, dem Schloßwachmann Hoppe, dem Leibjäger Heise, sämtlich in denselben Diensten. ** Bei der Lanbesversicherungsanstalt Großh. Hessen sinb im Oktober 245 Rentengesuche (217 Jnvaliben- unb Krankenrentenanträge, sowie 28 Altersrentenanträge) eingegangen. Unerlebigt würben in ben Monat übernommen 235 Rentengesuche, so baß 480 Gesuche in Bearbeitung stanben. Es fanben Erlebigung: 135 burch Rentenbewilligung (120 Jnvaliben-, 4 Kranken- unb 11 Altersrentengesuche); 47 burch Ablehnung, weil unbegrün- bet (45 Invalidenrenten- und 2 Altersrentengesuche), 22 durch andere Weise —Zurücknahme usw. — (19 Jnvaliben- und 3 Altersrentengesuche), zusammen 204, so daß 276 Gesuche als unerledigt auf November übernommen werden mußten. Ferner wurden 272 Anträge auf Beitragserstat- lung gestellt, und zwar 227 infolge Heirat weiblicher 23er- icherter (H.), 43 infolge Todes versicherter Personen (T.) und 2 wegen Bezugs von Unfallrente (U.). Unerledigt wurden übernommen 69 Erstattungsanträge, so daß zu bearbeiten waren 341 Gesuche. Bewilligt wurden 226 Anträge (191 H. und 35 T.), abgelehnt würben 21 Anträge (12 H., 8 T. unb 1 U.). Unerledigt blieben 94 Erstattungsanträge (74 H., 18 T. unb 2 U.), bie auf November übernommen würben. — In welchem Umfange bie Laubes- Versicherungsanstalt Heilver^ahrenskosten übernimmt, ergibt sich baraus, baß Enbe Oktober 1910 in Anstalten 335 versicherte Personen untergebracht waren. "Der Nationalliberale Verein Gießen hält mitteilt, ist ber Ausgangspunkt bieser großen Linie Boston, ihr Endpunkt Prince Rupert. Der größte, östliche Tett ist bereits fertiggestellt und schon einige Jahre im Betriebe. Der bisher schon beträchtliche Verkehr wird erheblich zunehmen, da besonders im letzten Teile fast noch jungfräuliche Gebiete ausgeschlossen werden. Der Reichtum an Bodenschätzen, Getreide, Wild und fischen ist hier besonders groß. Fast überall wird zu beiden Seiten der Linie fruchtbares Getreideland berührt, das in Verbindung mit dem großen Waldbestande gute Verkehrsgrundlagen für die Bahn ergeben wird, ganz abgesehen von der Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung in dem Teile von Kanada, der durch Erwärmung des Klimas mittels des gigantischen Planes der Eissprengung im nördlichen Teile des Atlantijchen Ozeans nach dem Plane von MacLonan erschlofsen werden soll. Objchon ein eigentlicher Wettbewerb mit den anderen Pacisicbahnen wegen der Entfernung der Linien und der besonderen zu befördernden Güter kaum in Frage kommt, so ist die Bahn den etwa mitbewerbenden Strecken gegenüber im Vorteile, da fie einmal kürzer ist als die anderen und sodann auch günstigere Steigungsverhältnisse auf- wetst. Infolgedessen sollen Züge mit der fast unglaublich klingenden Nutzlast von 2000 Tonnen befördert werden, obschon die Wasserscheide 1100 Meter über dem Meere liegt Eine ganz besondere Bedeutung erhält die Bahn noch durch die Hafenanlage an ihrem Endpunkte bei Prince Rupert, von wo aus die Entfernung nach Asien geringer als die der übrigen Häfen ist. Es wird daher auf einen lebhaften Verkehr dorthin, insbesondere auch mtt Japan, gerechnet, da außerdem die geschützte Lage des Häsens, feine utiefe und sonstige günstige Verhältnisse eine gute Benutzung ermöglichen. : Anleitung dazu Das Heft wird ai5 Werbeschrift ait ! alle bie geschickt, bie ein Interesse an ber Sache haben unb sich an ben Sammlungen zu beteiligen wünschen. Eine ' möglichst große Beteiligung, insbesonbere ber Lehrer, Bürgermeister unb Pfarrer, ist bringenb erwünscht •• Der Verein Großh. Hess. Geometer zweiter , Klasse hält seine Hauptversammlung am 2 7. November jn Frankfurt a. M. ab. **DieGießener freiw. Feuerwehr begeht am Samstag ben 12. b. M. ihr 55jähriges Stiftungsfest in der Turnhalle bes Turnvereins. An biefem Abenb werben den Kameraben, bie seit Jahrzehnten ber Wehr angehören unb sich um sie verbient gemacht haben, von ber Stabt unb ber Wehr besonbere Ehrungen zuteil werben. Da auch von^ Mitgliebern bes Stabttheaters ein Theaterstück zur Aufführung gelangt unb von ben Herren Goll unb Gühne einige Darbietungen ernsten unb heiteren Inhalts zum Vortrag kommen, bürste ber Abenb eine reichliche Unterhaltung bieten. Eine große Anzahl eingelabener Fest- gäste, Behörben unb Vorstänbe ber benachbarten Wehren haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. ** U t b e Franzosentib, bie köstliche Erzählung aus Fritz Reuters Ollen Kamellen, würbe gestern in einer ganz willkürlichen, possenhaften, nur aus die äußerlichen Effekte berechneten „Bühnenbearbeitung", die ctll s Nebensächliche herbeigezogen hat, zum Andenken an des Dichters 100. Geburtstag auf unsrem Stadtlheater aufgeführt. Armer Fritz Reuter, der so bearbeitet wird! Glücklicher Fritz Reuter, der diese Verballhornung nicht mit anzusehen brauchte! Und selbst dies beiseite. Die Aufführung! Fränzi Koch, Salondame im Bauernkostüm, reinstes Hochdeutsch! Ueberhaupt diese Mundarten. Berlinisch, Sächsisch, Münch- nerisch — alles, alles, — nur kein Plattdeutsch — wenn man von Hermann Bakoss prächtigem Möller Voß a&* sieht und von Lore S ch 0 l z e n s köstlicher Westphalen.' Auch Friedrich Timians Friedrich sei dankbar gedacht. Sehr gut war Rolf Gunolt als Chasseur und Rudolf Goll in einer charakteristischen Napoleonmaske als Oberst Toll. Famos in seiner Art war auch Hermann Norden als Herse in der Erzählung vom richtigen Mann. Dem Spiel voraus ging ein schönes Festgedicht, das Direktor Stein- go ette r warmherzig und wirkungsvoll vortrug. — Die Zuschauer, die Fritz Reuter nicht kennen, haben mächtig geklatscht. Einzelne Abonnenten, feinfühlige, empfindunas- fähige Menschen, waren weggeblieben. Armer, glücklicher Fritz Reuter! — „Wer oewer kann em Help en?" -h. ** Eine sangesfrohe Zeit wird der Vorsommer 1911 für die Vereine unserer Gegend werden, finden doch Gesangs- Wettstreite in Klein-Linden, Leihgestern, Lang-Göns, Londorf, Ilbenstadt und Wetter statt ** Zwei Geflügel-Aus ftellungen sind en am nächsten Sonntag in unserer Gegend statt und zwar in Hungen und in Kirch-Göns; am 27. November steht eine wellne Geflügelschau in Oberhörgern bevor. *' Erweiterung der Festung Mainz. Der Großherzog hat dem Reichs-(Nlilitär-)FiSkuS, vertreten durch das Gouvernement der Festung Niainz, das bereits früher verliehene Enteignungsrecht auf die Gemarkungen Schwaben- Heim a. S., Ginsheim, Bauschheim unb Bischofsheim ausgedehnt. Die Frist zur Stellung des Antrags auf Enteignung wurde bis zum 1. Dezember 1912 erstreckt ** Baumfällen. In d« Zeit des 23mrmf2llens werdcn all den Straßen unb in den Ortschaften die Reichs-Telegraphen- und Fernsprechleitungen burcf) umftüczcudt Bäume ob« durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil bie Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung ber Tclegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht ob« in ungenügendem Rtaße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt rechtzeitig Mittettung zu machen. Da auch fahrlässige BeMbigungen der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mtt Strafe bedroht sind, wird den Baumbesitzern empfohlen, die nächste Postanstall von ber bevor- stehenden Baumfällung so zellig zu benachrichtigen, daß die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werden kann. Dadurch erspart sich der Baumbesitz« Uw annehmlichkeiten; alle Kosten für die Sicherung der Tele- graphenlettungen trägt außerdem in diesem Falle die Telegraphen- v «waltung. Kreis Büdingen. X Tübingen, 8. Nov. Heute wurde uns eine Anzahl reifer Himbeeren und gut entwickelte Feuerdorn« bluten aus einem Garten ber Bahnhofstraße (Nr. 30) als Seltenheit vorgezeigt. = Lorbach, 7. Noo. Zu dem in Nr. 259 des Gieß. Anz. veröffentlichten Bericht über die Gemeindecatswahl sei mitgeteilt, daß der neugegrundete sozialdemokratische Wahlverein sich nicht an der Gemeinderatswahl beteiligt und sonach auch feine eigenen Kandidaten ausgestellt hat. Also kann keine Rede davon sein, daß Kuhl die ganze Sache geleitet hat. Bleichenbach, 7. Nov. Heute wurden hier vier Gemeinderäte gewählt, nämlich Gg. Granting ll. mit 86, H. JohS. Kraul mit 85, Heinr. Kröll I. mit 87, H. Karl Naumann mit 83 Stimmen. Stimmberechtigt waren 183, abgestimmt hatten 166 Wähler, also 91 Proz., woraus ersichtlich ist, daß die Wahl das Zeichen größter Erregung trug. Zwei seitherige Gemeinderäte verloren ihre Sitze. -t Rommelhausen, 6. Nov. Bei der gestrigen Wahl wurde Maurermeister Gustav Wilhelm Hensel mit 31 Stimmen zum Beigeordneten der Gemeinde Rommelhausen gewählt. bet am 28. b. MtS. ftatlfinbenben Generalversammlung als Rechner vorznschlagen. — Die ErqänzungSwa hl zum Gemeinberat findet am 15. b. MtS. statt. ES scheiden auS die Herren Ludw. Sandmann, Hch. Stöhr II. und E. Th. Hclsendein. Da außerdem zwei Mitglieder gestorben sind, sind fünf GemeinberatSmitglieber zu wählen. Kreis Schotten. - Schotten, 8. Nov. Mit dem elnbrechenden Winter macht sich wieder der alte, vielfach beklagte Zustand bemerkbar, in dem sich unser B a h n h o s durch die äußerst m angel hafteBeleuchtung befindet. Es ist geradezu eine Kunst, an- den Abendzügen die Klassenbezeichnung zu erkennen und in den Zügen selbst ist es auch nicht besser. Ein Fremder muß sich langsam auf oem Bahnsteig entlang lasten, wenn er seine Knochen nicht zu Markte tragen will. 58ieüeid)t erleuchtet gelegentlich einmal ein guter Geist die verantwortliche Stelle, damit sie den Bahnhof ordnungsgemäß erleuchten läßt, anstatt den dunkelsten Winkel unseres Städtchens daraus zu machen. Wenn einmal ein Unglück geschehen ist, dünn kostet das mit einemmal wohl mehr, als eine richtige Beleuchtung im ganzen Jahr. Und ist es denn nicht auch die Pflicht der Hausbesitzer jeder. Art, die Zugänge zu ihren Anwesen zu beleuchten^ Kreis Friedberg. L. Friedberg, 7. Nov. Das Lehrerseminar wirb zu GroßherzogS Geburtstag eine Festfeier veranstalten, bei der der Sängerchor und das an 30 Mann starke Orchester der obersten Klasse Mitwirken werden. Ebenso wird die Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) ihre Fest- feier haben. Ihr Sängerchor wird SchillGrS Glocke (Gesang und Deklamation) mit Klavier- und Harmoniumbegleltnng zur Aufführung bringen. — Seit einigen Tagen ist die Zuleitung zu unserem ElSteich bewerkstelligt und der Teich gefüllt, so daß bei eintretendem Froste bie entstehende Schlittschuhbahn unseres EiLlausvereinS benutzt werden kann. Im vorigen Jahre wurde der Teich erst nach dem 20. November gefüllt, da erst an diesem Tage die BeriejelungSanlage fertiggestellt war. Nur einen Tag konnte die Eisbahn benutzt werden. Für diesen Winter hat man wieder einen PreiS-Wett- und Kunstlauf in Aussicht genommen. — Gegen Ende dieses Monats wird die Wahl zur Stadtverordneten-Ber- sammlung stattfinden. Vom 9.—16. November hegt die Liste der Stimmberechtigten offen. Sechs Mitglieder sind zu wählen, davon zwei neu. Die Sozialdemokraten, die einen Sitz mne haben, beanspruchen noch einen zweiten Vertreter. Von einer Wahlagitation ist bis zur Stunde keine Rede. — Der Vorstand unseres städtischen Schwimmbades hat beschloßen, für die Mitglieder des neu sich gebildeten Schwimm- klubs eine Preisermäßigung im Abonnement des VolkS- badeS eintreten zu taffen. □ Butzbach, 8. Nov. Einen Ueberschuß von 169 0 Mark hat daS Lahntal-Sängerbundesfest ergeben. Bad-Nauheim, 8. Nov. Durch den Zentralvorstand der Maurer Deutschlands in Hamburg ist hierher mitgeteilt worden, daß der Streik in Friedberg und Bad- Nauheim beendet sei. 12 Ockstadt, 8. Nov. Für eine neue Orgel in unserer Kirche sind bedeutende Geldspenden eingegangen. Auch geht man mit dem Gedanken um, eine Heizungsanlage einzurichten. Starkenburg und Rheinhessen 9t B. Darmstadt, 8. Nov. Der Kaiser von Rußland, der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen folgten heute abend einer Einladung des O,fi- zierkorpS des Leidgarde-Drag.-Rgts. Nr. 24, dessen Ehes der Zar ist, zu einem F e st m a h l im Kasino des Regiments. Die Fürstlichkeiten trafen um Va6 Uhr im Automobil vor dem festlich geschmückten ftafinoemgang an der Holzhofallee ein. Vom Eijenbahnübergcmg bis zum Kasino bildeten die Mannschaften des Regiments mit Fackeln Spalier. Als der Zar am Portale das Auto verließ, meldete sich Major Erbgcaf v. Eastell-Rüdinghausen und Leutnant Willich, gen. v. Pöll- rritz (der beim jüngsten Rennen auf dem Griesheimer (5£er* zierplatz den Ehrenpreis des Zaren gewonnen hatte) zum Dienst. Rechts vom Eingang stand die Regimentskapelle, die die russische ^rationaihymne spielte. Kurz vor 7 Uhr war die Lasel beendet und die Herrschaften begaben sich ins Hostheater, um der Ausführung der „Aida" von Verdi beizuwohnen; auch der größte Teil der Offiziere des Regiments war im Theater. Der Zar und der Großherzog trugen die Uniform des Regiments, Prinz Heinrich die des 25. Artillerie-Regiments. — Der Zar und der Großherzog statteten Leute vormittag in Begleitung zweier Großfürstinnen dem Landesmuseum einen längeren Besuch ab. Zarin Alexandra und die Großherzogin besichtigten am Nack)mittag die Zentralstelle für Säuglingspflege und Mutterschutz. Der gelegentlich der Fahrt Kaiser Wilhelms nach Süddeutsck)- land angeFünbigte Besuch beim russischen Kaiser in Schloß Wolssgarten ist sicherem Vernehmen nach aus Freitag den 11. November festgesetzt worden. rm. Darmstadt, 8. Nov. Aus Anlaß deS Geburtstags deS Crbgroßherzogs Georg fand im Schloß Wolfsgarten Fa- mllientafel im engeren Kreise statt. Das Geburtstagskind er- hielt von allen Seiten Geschenke. — Die Königin-Mutter Emma von Holland ist auf der Rückreise von ihrem Besuche bei dem Fürsten Erbach-Schönberg heute vormittag 12 Uhr zu einem kurzen Besuche in Schloß Wolssgarten eingetrofsen. — Zu der morgen, Mittwoch, im Kranichsteiner Park statlfindenden Hofjagd auf Sauen sind ca. 50 Einladungen ergangen. Ter Zar, Prinz Heinrich von Preußen sowie der Großherzog werden teilnehmen. Nach Beendigung der Jagd findet Picknick im Kranichsteiner Schlosse statt. cb. B ingen, 10. Nov. Die Fortschrittliche Volkspartei, das Zentrum und die National- li berat en haben heute einen Aufruf erlassen, in dem sie auffordern, die bisherigen Stadtverordneten Karl Ludwig Bretz, I. B. Eck, Jos. Hagemann, Rich. Pennrich und Georg Racke wieder zu wählen. Ter gemeinsame Vorschlag wird mit dem .Interesse des Friedens m der Bevölkerung und zur Vermeidung eines Wahlkampfes^ begründet. Hessen-Nassau. = Wetzlar, 8. Nov. Bei den Wahlen der 2. Klasse wurden bie seitherigen Stadtv. Aug. H ö l b a u m mit 227, Aug. Staub mit 139 und 5erb. Ger l ach mit 139 Stimmen wiebecgewahll. Auf Agent Protz sielen 102 und auf Ingenieur .Derlich 78 Stimmen. w. Limbuca. 8. Nov. Haute morgen zwischen 6 unb 7 Uhr würbe ber ledige 23 jährige Streckenarbeiter Karl Reinhardt von Freiendietz in Der Nähe des Kalkwertes Schäser von einem Triebwagen, ber 6.37 Uhr hier eintrifft, über* fahren unb getötet. Er war auf bem Wege zu feiner Arbeitsstätte unb kun Ueherschresten der Gleise eriaut worden, da kr bei dem Tnirrrn enrnn da? verannayen des Wagens nicht hören konnte. Obwohl der Triebwagenführer den Wagen sofort zum Halten brachte, tonnte der Verunglückte nur als gräßlich üer- stümmelte Leiche hervorgezogen werden.___________ Landwirtschaft. Wien, 8. Nov. Das Ergebnis der Obsternte ist sehr befriedigend, das der Olivenernte hat infolge Umsichgreifen der Olivenfliege sich verschlechtert. Der heimische Weinbau hat ein mäßiges Jahr gehabt; im allgemeinen ist die Qualität schlecht mittel.____________________________________________ Zum Schiffbruch dcr „Preußen".^ Dover, 8. Nov. Um 10 Uhr vormittags war der Wind stark abgeslaut unb bas Wetter verhältnismäßig ruhig. Die Lage ber „Preußen" ist noch immer gefährlich. 20 Mann ber Besatzung wurden heute nachmittag in D o v e r gelandet. Es verlautet, die übrigen 28 würden am Spätnachmittag ebenfalls an Land gebracht. London, 8. Nov. Nach einer Meldung der „Evening News" sind die beiden Fahrgäste der „Preußen", ein Arzt und ein Professor, die sich auf dem Wege nach Südamerila befinden, gerettet Der Sturm hat nachgelassen, der Schleppdienst wird weiter fortgesetzt. Man bemüht sich, die „Preußen" nachmittags flott zu bekommen. Hamburg, 8. Nov. Der Firma E. Laeiß ging folgendes Telegramm aus Wolssgarten (Jagdschloß zu: „Ich spreche Ihnen meine aufrichtigste Teilnahme zu Dem Unglück, welches die jahrelang bewahrte „Preußen", deren Kapitän und die Besatzung betroffen hat, aus. Dars ich um Drahtmitteuung bck.en über den augenblicklichen Stand der Havarie? Heinrich von Preußen." WeitereSchiffbrüche. Auf der Nordsee herrscht frit gestern nacht wieder schwerer Sü dost sturm. Aus dem Scharuhorstrisf ist ein Zweimaster gestrandet. Weitere Unfälle sind nicht bekannt geworden. Die Schisse lausen zahlreich Schutz suchend hier ein. Im Hasen von Cadiz sind mehrere Fischerboote gekentert. Zehn Fischer ertranken. Eine größere Anzahl wurde verletzt. i'crnitiu’rc». * Ein Nachspiel z u dem Koppiusprozeß! Der Vcrlagsduchhänbler Weber in Leipzig erhielt in voriger Woche wieder einen Erprefserbries, dessen Schrift mit den beiden Briefen große Aehnlichkeit zeigt, deren Urheber zu sein die Brüder KoppiuS bis zuletzt Beitritten hatten. Weber wurde in diesem Briefe aufgeforbert, an einem bcilimmten Orte i m Museum einen größeren Geldbetrag niederzulcgen. Die Polizei steckte eine Anzahl Beamte in Uniformen von Museumdienern. Unter einem glaubwürdigen Vorwand würben bie Besucher des des Muieums um bie Angabe lyies Namens im Bureau gebeten. Es würbe so eine Liste geführt unb es stellte sich dann heraus, baß ein Mufeumsbesucher im Jahre 1909 von Berlin aus als gefährlicher Erpresser gerne!bet worden war. Man entdeckte seine Wohnung unb verhaftete ihn. Ob ber Verhaftete mit bem fragwürdigen Rudolf aus bem Koppiusprozeß identisch ist, muß die Untersuchung ergeben. * Erschießung russischer Auswanderer. Wiederum sind den bruiaien iu||i|U|eii Grenzvor, Christen zwei Menfchen- lebcn zum Opfer gefallen. Vor einigen Tagen versuchten einige russische Auswanderer — ein Mann und eine Fran mit zwei Kindern — bei Soury heimlich die Grenze ihrer Heimat zu überfchreften. Ms sie bereits den Szeszuppesluß überschritten, und das preußische Gebiet erreicht hatten, wurden sie von dem russischen Grenzposten bemerkt, der wiederholt auf bie Leute schoß unb sowohl ben Mann wie bie Frau zu Boden streckte. Die Unglücklichen blieben währeiid der ganzen Nacht mit den kleinen und 5 Jahre alten nindem am Ufer liegen. Erst am Morgen rief ein Offizier ber Grenzsolbaten einem preußischen Gutsbesitzer zu, baß an jener Stelle zwei erschossene Russen liegen müßten. Der Mann fanb bie beiben Leute noch lebenb vor und schaffte sie samt den Kindern ins nächste Dorf. Dort angetommen war ber Alaun, ber einen Schuß in bie Brust erhallen hatte, jedoch bereite tot, während man die Frau, die gleichfalls einen Brustfchuß erhalten hatte, am Leben zu erhalten hofft. Ter Erschossene war ein Bekannter von ihr, mit dem zusammen sie sich nebst ihren Kindern zu ihrem in Amerika, lebenden Manne begeben wollte. Einige Einwohner des Dorfes hoben sich der armen Menschen angenommen und für ärztliche Hilfe usw. gesorgt. Zur Untersuchung des Falles ist das Gericht und ber Königliche Landrat hier eingetroffen.. * Das ostasiatische Helgoland. Wenn man in Tsingtau vom Babestranb zu ben Jltisbergcn geht, erblickt man eine Insel, bie in mancher Beziehung Aehnlichkeit mit Helgoland hat. Die Insel Sck;ui ling schau (fälschlicherweise auch oft To lo san) genannt, ist ber süblichste Teil unseres Schutzgebietes unb zugleich besten schönstes Eiland. Sie liegt 35 Sri lo Meter südlich von Tsingtau, ist 5 Kilometer lang, 3 Kilometer breit und steigt in ihrem höchsten Teil 482 Dieter hoch an. Vor allem ist cs bie steil ins Meer abfallende Sübfpitzc, die stark an Helgolaiid erinnert. Auf ber Insel liegen an ber West- und Ostseite 17 Dörfer, zum Test mit malerischen Baum gruppen, Hsüi tschuang ist ber süblichste Hafen ber Insel. Von dort aus führt ein Weg mit herrlicher Aussicht, zum Teil unter über häng enden. Felswänden in großer Höhe nach Süden, während sich auf der anderen Seite ein bequemer Fußweg durch bie verschiebenen, sämtlich am Stranbe liegenben Dörfer nach diorben bis zum nördlichsten Dorfe T'ang tfch'üen zieht. Von diesem Orte aus sieht man im Süden eine Felsbilbung, die an einen Elefantenrüssel erinnert. Der Weg geht bann über einen 88 Meter hohen Paß zu ben östlichen Dörfern. Ohne Weg kann man auch über bic Höhen südlich um die Insel gehen. Die Insel ist geologisch ber bei weitern interessanteste Teil bes Schutzgebietes. Tre Basis besteht aus Karbonschichten, barübet liegen Diabas- unb Porphyrbecken. An interessanten Konglomeraten, Faltungen und Gang- bilbungen ist Schm ling schau reiche Stlcuie Lageschronik. Der Frauenrnorb an ber Lutherbrücke z n Ber- I i n fanb jetzt Aufklärung. Als Täter kommen vier Männer in Betracht, von benen die Kriminalpolizei drei festgenommen hat. Einer von ihnen ist geftänbig, bei bem gemalt- lamen Tode des Mädchen, das alS eine Straßenbirne vom Hum- boldthafen ermittelt würbe, zugegen gewesen zu fein. Nach seinen Bekunbungen vergingen sich die bret anöeren an bem Mädchen, wobei bicic umgetommen ist. Die Leiche wurde dann ins Wasser geworfen. Tie bei bem Einbruch in ber Potsdamerstraße zu Berlin burch einen Schuß hi ben Kopf schwer verwundete Frau Letzte ist gestorben. Die Bauers-Eheleute Kicsenebner aus Gmunden hielten ihre Stieftochter 14 Jahre lang in einem Keller gelangen, da sie deren (Erbteil im Betrage von 4000 Kronen an sich gerissen hatten. Die Unglückliche wurde durch euren Zufall entdeckt. Sie hatte die Sprache verloren unb konnte weber gehen noch stehen. Das Vorkommnis erregte bie Bevölkerung aufö äußerste. In Magbeouig wurde am Hellen Tage ein Angestellter einer Petroleumgesellschaft von zwei jungen Bursck-en ange- f a l le n, bic ihm feine Geldtasche mit zweitaufend M k. a b s ch n i 11 e n. Die Läler entkamen. Ein in Norbhausen gcoürtiger Eilenbahnzugführer würbe flüchtig, ba feine Verhaftung beöoiftanb. Er steht in bem Verbucht, leit Monaten in Den ^ugen Die Hoffer von Reisenden mit Nachschlüsseln geöffnet unb geplüubert zu haben. In Diedenhofen verhasietc bic Polizei einen Bergmann im ZuiauimMaug mit sbicr .Sl"»>plgejchichte, die im Lothringer githufTrieort Fen sch spielt. Ter Verhaftete soll Mädchen M unsittlichen Zwecken angeworben haben. Im Altöttinger Stadtsorst entdeckte ein Forst- assistent eine regelrechte Falschmünzerwerk statt mit Gußformen zur Herstellung von Einmarkstücken und Zehnpsennigstücken. Die Falschmünzer selbst, die bereits eine große Zahl von falschen Geldstücken in ber Umgegend verausgabt hatten, sind noch nicht ermittelt. Auf der Strecke K r a l u P-P rag ist ein gemischter Zug von einer größeren Anzahl Personen überfall en worden. Mehrere Kohlenwagen wurden eines Teils ihrer Ladung beraubt. Nach der Weiterfahrt des Zuges wurde er abermals angegrif* f en und beraubt. Das bedrohte Bahnpersonal war machtlos. Auf dem Bahnhof von Bressana-Bottarone ist infolge falscher W eichen stellung der Schnellzug Genua-Mai la nfc mit einem Güterzug zusammengestoßen. Zwei Personen sind tot. »wei tödlich und mehrere leichter verletzt. Wie es heißt, sind Die Toten zwei beutsche Damen, bie von Mai. lanb kamen. Ter Schaben ist groß; bie Strecke ist unterbrochen. Tie Nachricht von bem Untergänge bes hollän bi scher Dampfers „G a m m a" ist unrichtig. Ter Dampfer würbe von einem beutschen Fischdampfer in Varboes eingeschlcppt. Ter „Gamma" war im Sturme baS Steuer gebrochen worben<- auch hakte sie den Vordermast verloren. Menschenleben sind nicht verloren gegangen. Während eines Streites, den zwei Kvsakenoffiziere mit Pferde» Händlern auf dein Jahrmarkt des Tonbezirkes batten, wurden fie, wie aus Nowvt sch ertast gemeldet wird, von der Volksmenge überfallen. Bei ihrer Verteidigung erschossen die Ofiiziere einen Bauern und verwundeten zwei Polizisten unb drei Bauern. Die Volksmenge erschlug einen Offizier und verwundete den anderen schwer. Lingesanvt. (Für Form und Inhalt aller unter Dieter Rubrik stehenden Artikel übernimmt Die Redaktion dem Publikum gegenüber [einerlei Verantwortung.) Gießen, 8. Nov. Nach einem sozialdemokratischen Zeitungsartikel sagte der hiv« sige Stadtverordnete Krumm am letzten Sonntag in Wetzlar etwa folgendes betr. die Aufstellung von Kandidaten für bie Gemeinbewahlen: „Diejenigen, welche immer ängstlich ve» sichern, die Politik müsse vom Rathause bleiben, treiben in ihre? Art krasse Kiasfenpolitik. „Unpolckisch" find immer die Tintensiiche, die im Trüben arbeiten und die Streber, die etwas werden wollen." — Diese Aus.ührungen stimmen zu dem ganzen Verhalten der Sozialdemokratie bei den Gemeindewahlen. Büchertisch. — Der Winter, Zllunrierie Zeitschrift für den Wintersport, amtl. Zeitschrift des deutschen und deS österreichischen Schioerbandes. Verlag ber Deutschen Alpenzeitung G. m. b. H. Dtünchen. Iahrg. V, Nr. 3: Schilauf im Vogelsberg von Karl Neurath, — Kleinigkeiten von C. I. Luther, — Schifahrten in der Ortlergruppe von Franz Barth, — Tamenkleidung von C. I. Luther, — AmundS neue Schl von Hans Aanrund, — Davoser Bobmeislerschast 1910, — Wie der Schlittschuh in die bayrischen Berge kam von I. I. Hi bl er, — Eine günstige Prognose von Pros. Tr. Dta urer. Die Unfallversicherung deS Wintersportes. Bekannlinochungen und Nachrichten. Wintersportkalender, Literatur, Ausrüstung. Kunstblatt; Am Cevedale bei Sonnenaufgang. AirchLzcye Nachrichten. Evaug<»l|ü|r KDCHituwe. Die Bibel st unde un MarkuLsaale lallt morgen auS. Amtlicher iveueroenqt. Deffentliehe Wetterdienststelle Gießen. Verlaus der Wltlerung feit gestern früh: Tie Zyklone ist unter Veiflachung nordiyarts gezogen unb hat besonders in der Nacht starke Niederfchläge gebracht. Ta aber auf ihrer Südseite besonders über Frantrelch noch Teilwirbel entwickelt sind und wettere von Westen her anzuzlehen scheinen, so sleyen immer noch neue Niederschläge bevor. Dabei werden die Temperaturen nur noch wenig sinken. Welterausstchten in Hessen am Donnerstag dem 10. Novbr. 1910; Fortdauernd trüu und noch Regen, em wenig kälter, windig. Letzte Nachrichten. Die Aroeiteruaruhea in Süd-WaleS. London, 8. 9tov. Im Laufe des Avends begingen die Ausständigen auch an den Orten Tonypandy u.nd Ä b e r - am an mehrfach Ausschreitungen. In Tonypandy wurden zahlreiche Läden geplündert, Fenster, scheiben erngeworjen und großer Schaden angerichtet. Es tarn zuhestigenZusammenstößenmitderPoli- zei, wobei auf beiden Seiten zahlreiche Verwundungen vorkamen. In Pentypridd, wo sich die Unruhen wiederholten, ist eine Schwadrvii Kavallerie eingetroffen, eine zweite wird morgen folgen. Außerdem sind dort gestern abend 270 Polizeibeamte aus London eingetroffen, die sich unverzüglich nach Tonypandy und Aberaman nrciter begeben. Heute vormittag werden weitere 200 dort erwartet. ♦ Köln, 9. Nov. Aus Newyork wurde ber Köln. Ztg. gemelbet, daß in Honburas eine Revolution ausgebrochen sei. Ter Präsibent Davillo habe sich nach Wajhing^ ton um Hilfe getoanbt. Mannheim, 9. Nov. Vom Oberlauf des Rheins imbi des Neckars wird weiteres rasches Steigen gcinclbet So stieg z. B. in Hüningen der Rhein heute nacht von 2,40 Meter auf 4 Meter. Newyork, 8. Nov. Im Staate Newyork wurde der demolrotische Gouverneurskandidat Dix mit einer Mehrheit von etwa yunderUaujend Stimmen gewählt. Im Staate Connecticut, bisher republikanifch, scheint nach den vorläufigen Wahlergebnissen der Gouvertieurskandidat Baldwin gesiegt zu Haden. Ebenso scheint im Staate Massachusetts, der bisher eine Hochburg der Republikaner war, die Wahl des demokratischen GouvemeurVkandi- baten Feß sicher. In U tica, der Hetmatsstadt des Vize- präsibenten Syerman, erhielten bie Demokraten gleichfalls die Mehrheit. Newyork, 9. Nov. Bei der Gouverneurs wähl im Staate M ass ach u kettS, der seither als republi- t'anische Hochburg galt, siegte der demokratische Kandidat Foß. nn wirnerKuriu Nena 8 Sanatorium im Taunus. \Ä/m*nrUnr flir Kranke. Wanne geaohntrte HR n inierKUr IUP SüdabU. kaslig, edle xlere, Eltern höchst orämitert, hat abzugeben. Tlcan ^Vnber, Groften-linden. Äeylchiedenek Lahnsieiner lorilni vorzüglich tm Geschmack, liefert zu bill. Preisen Ins Haus wöchentl. 2moL Wiederverkäus. erb Rab. fBefteQungen werden entgegengenommen Plockftrafte 7 Hth. p. und Niegelpsad 17 II_____(6182 < geyon Exypfkchaxppcm gegen Hasuravafidl Jtonsllsiers dein Hxar \ JmldasBesto Wascht < mit Schwan Mefallu.Glas M. F 7Tr< Cbemtoche Fabrik Düsseldorf 14 Düeeeldorf Q0000000000 Hospiz^T srang. Schwesterniau, Nlessaa. msusimp i ' • 000000000 )a ro Wvand.-Hühner Ht. Sylt Junge Pekingenteu St. 4 Mk. Jud. Laufenten St. 2.r>o ML yphermüble 094®)_______bei Groften -Bukeck. Pckfll'Mittflgßtisch, ö* Gliche, für 2 Personen gesucht. 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