Nr. 178 Erstes Blatt 1««. Jahrgang Dienstag S. August 1810 Gießener Anzeiger» =sss General-Anzeiger für Sberheffen EÄ Annahme von Anzeigen ? 6 M u. Land" und «Gerichts- bis oornütTgTö’u^ Roiationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und ZteindruSerei B. Lange. Redaltion, Expedition UNS Druckerei: Zchulstraße 7. !2^eifle»tede:B:^.üVerf. im <5üben von Nyong, im Westen von der Straße von Atok nach Ngelernendake und im Osten von der Straße gefallen wäre. Stimmung in die Ferien gehen, wenn nicht das Budget mit I nördlichen Zweig dieses Stammes bewohnte Gebiet, das seinem ganzen Komplex von Flotten- und Sozialversiche- " ~-c — <*'■- r rungsfragen erst die erste Lesung im Unterhaus passiert hätte und in der Vetofrage noch immer keine Entscheidung 3 Zur Vertagung des englischen Parlaments. Das englische Parlament hat sich ant Freitag vertagt, um seine Arbeiten erst am 15. November wieder aufzunehmen. Zu der Kampfpause, wie sie zwischen Lords und Gemeinen in ihrem Streit um die Oberhaussrage durch den Tod König Eduards herbeigeführt wurde, tritt die Ferien- pause, und man hofft, daß während der Ferien die Einigungsarbeiten der Betokonserenz einen solchen Fortgang nehmen werden, daß der Streit zwischen Ober- und Unterhaus in beiderseitigem Einvernehmen geschlichtet, das Bridget erledigt und deshalb von Neuwahlen abgesehen werden kann. Ueberblickt man die Arbeiten des im Januar dieses Jahres neugewählten und am 22. Februar zusammengetre- tenen Unterhauses, so nahmen nach Erledigung der sich nach englischem Brauch an die Thronrede König Eduards anschließenden Adreßdebatte die Erörterungen über das Budget, namentlich hinsichtlich der Marinefragen, und die Kämpfe um die Stellung des Oberhauses zum Unterhaus ganz naturgemäß den Hauptteil der Zeit in Anspruch und ließen an Heftigkeit nichts zu wünschen übrig. England stand im März und April vor einer schweren inneren Kickse, bei der es sich um Sein oder Nichtsein des Kabinetts Asquith handelte, weil dieses nicht nur in der konservativen Opposition die schärfsten Gegner fand, sondern sich auch bei Iren und Arbeiterparteilern Sonderwünsche geltend machten, insofern diese ihre Zustimmung zum Budget von der vorherigen Erledigung der Homerule und der Oberhaussrage abhängig machten, die Krone es aber in beiden Punkten an einer deutlichen Stellungnahme fehlen ließ. Das änderte sich, als am 7. Mai KöniH Eduard die Augen schloß und sich eine Nation al trau er über England breitete, wie sie das Jnselland selten gesehen hat. Unter ihrem Zeichen hielten am 8. Juni die beiden Häuser des Parlaments sehr merkwürdige Sitzungen ab, bei denen man sich, nachdem das Unterhaus noch vor den Ferien die Entschließungen gegen das Oberhaus angenommen hatte, auf einen scharfen Zusammenprall der gegensätzlichen Anschauungen, ja, bei der voraussichtlichen Ablehnung der Vetoentschließungen durch das Oberhaus schon auf die Auflösung des Unterhauses und auf Sommerneuwahlen gefaßt machte. Aber nichts von alledem. Im Unterhause eine rein geschäftsmäßige Sitzung über einige Marineforderungen, dafür aber ein um so eifrigeres Tuscheln und Beraten draußen in der Lobby über das Schweben von Kompromißverhandlungen in der Oberhaussrage, über deren tatsächliche Einleitung man nach dem Rededuell des Regierungsvertreters Lord Erewe mit Lord Rosebery in der Lordskammer nicht mehr im Zweifel sein konnte. Der Tod des ersten britischen Staatsmannes gerade in dem Augenblick, wo er, wie kein anderer, zu der wichtigsten Entscheidung über die Neuordnung der Verfassung berufen war, hatte die Gemüter versöhnlich .gestimmt. Man überließ die weitere Erledigung der Oberhaussrage mit der ausdrücklichen Absicht, zu einer Einigung zu gelangen und dadurch Neuwahlen zu vermeiden, der bald darauf" zusammentretenden Vetokönserenz und wandte sich mit um so größerer Friedfertigkeit denjenigen parlamentarischen Arbeiten zu, die die Thronbesteigung König Georgs V. nötig gemacht hatte. Es waren dieses insbesondere neben der Erledigung der Adreßdebatte an den neuen König das Regentschafts- gesetz, die Neuordnung der Zivillifte und die Abänderung des Krönungseides, dessen bisherige Form vor allem die Katholiken aufs ärgste verletzen mußte. Das Parlament hat diese Aufgaben gelöst und könnte daher in sehr befriedigter Asquith hat nun zwar in der letzten Sitzung des Unterhauses vor den Ferien mitgeteilt, daß es den Bemühungen der Vetokonferenz gelungen sei, einen großen Teil der Differenzen zwischen Oberhaus und Unterhaus zu beseitigen, so daß es wünschenswert sei, die Einigungsverhandlungen während der Ferien fortzusetzen, aber er hat gleichzeitig auch fein Hehl daraus gemacht, daß, wenn keine Aussicht auf eine endgültige Verständigung sei, die es ermöglichte, dem Parlament noch während seiner Herbstsession von dem Ergebnis her -Petokonferenz Kenntnis zu geben, die Verhandlungen abgebrochen werden müßten. Das bedeutet natürlich nichts anderes, als Auflösung des Parlaments und Neuwahlen im Winter. Es ist nun eine große Frage, ob die Vereinbarungen der Vetolonferenz, wenn sie wirklich zustande kommen, die Iren und Arbeiterparteiler so befriedigen, daß sie ihre Zustimmung zum Budget geben. Und eS ist eine weitere große Frage, ob, wenn die Verhandlungen der Vetokonferenz scheitern, der Kampf zwischen Ober- und Unterhaus also in voller Schärfe einsetzt und in Neuwahlen zum Austrag kommen muß —- die jetzige liberale Regierung, wie bei den letzten Wahlen, noch eine, wenn auch schwache Majorität im Lande hinter sich hat, selbst unter Zurechnung der Iren und Arbeiterparteiler. Denn diese standen den Verhandlungen der Vetokonferenz von vornherein mißtrauisch gegenüber, sie haben an der Flottenpolitik Asquiths, wie auch an der Sozialversicherung allerlei auszusetzen, ganz abgesehen davon, daß die Iren der Bereitwilligkeit der Krone, ihnen die langersehnte Homerule zu gewähren, nicht trauen. Aber selbst wenn man annimmt, daß Arbeiterparteiler und Iren mit den Liberalen bei den nächsten Wahlen zusammengehen, um den Kampf gegen das Oberhaus durchzufechten — der Einfluß der Konservativen ist anscheinend im Lande gestiegen und hat sich auch auf gewisse liberale Kreise ausgedehnt, nachdem auch der jetzige Tagungsabfchnitt des neugewählten Parlaments sich ziemlich unfruchtbar gestaltet und die Asquithsche Flottenvorlage mit ihren vier neuen Dreadnoughts die Furcht des Durch- schnittsenaländers vor einer deutschen Invasion nicht völlig beseitigt hat. So befindet sich augenblicklich in England eigentlich alles in der Schwebe: Vecofrage und Budget, Ministerium und Parlament. Erft die Wintersession wird darüber Klarheit schaffen. London, 1. Aug. Im Oberhause gelangten die dritte Lesung der die Regentschaft regelnden Gesetzvorlage unbbie zweite Lesung der die Erklärung bei der Thronbesteigung betreffenden Gesetzvorlage einstimmig zur Annahme. Ernste Unruhen in Kamerun. Endlich erscheint auch ein amtlicher Bericht über die Erhebung der Makka in Kamerun. Die ernsten Nachrichten, die wir vor einiger Zeitz qviedergaben, werden darin vollauf bestättgt: Merlin, 1. Aug. Nach inzwischen hier eingegangenen Berichten des Gouvernements von Kamerun beschränkt sich die mit der Ermordung des Kaufmannes Bretsch neid er in Zusammenhang stehende Bewegung der Makka im Südosten der Kolonie auf das von dem von Abong nach Mbang Dume begrenzt wird. Die nach dem Morde von der Station Dume sofort eingeleiteten Ope- rattonen werden vom Major Dominik mit zwei Kompagnien Schutz truppen fortgesetzt. Ein vergeblicher Angriff der Makka auf die Station Dume, wobei Unterzahlmeister Arnold durch einen Pfeil- schuß am Unterschenkel verwundet wurde, machte die Abkommandierung eines Teiles der Truppe unter Hauptmann Marschner zum Schutze der Station erforderlich. Major Dominik glaubt, daß die militärische Ak - tionbisMitteAugustdurchgeführtist. Erst dann werden voraussichtlich genauere Feststellungen über die näheren Umstände, unter denen Kaufmann Bretschueider ermordet wurde, erfolgen können. Sieben beteiligte Häuptlinge wurden bereits abgeurteilt und gehängt. politische Tagesschau. Noch eine Ausfragung des Herrn von Kiderlen-W'ächter. Auch vor seiner Abreise von Marienbad ist der neue Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von einem Mitarbeiter der „Dienen Freien Presse" ausgesiagt worden. Ueber das Ergebnis dieser Aussiagung teilt das genannte Blatt folgendes mit: „Wie ich die politische Situation beurteile? Ich kann mich nur günstig über die Weltlage äußern. Ich sehe keinenj schwarzen Punkt. Ich sehe nirgends einen Krieg im Anzuge. Heutzutage überlegt man sich ernstlich, Krieg zu führen. Tas ist nicht wie früher, wo man auch Frieden schließen tonnte, ehe noch der Zustand völliger Erschöpfung bei einem Teil ein- getreten war. Die steigenden Machtmittel erschweren den Krieg. Wer möchte sich heute bis zu einer völligen Erschöpfung besiegen lassen? Und brauchte nicht bei den heutigen Verhältnissen auch der Sieger Zeit, um sich zu erholen und sozusagen auszuschnausen?" Auf die Frage nach dem Verhältnis Deutschlands zu England erwiderte Herr v. Kiderlen-Wachter: „Da sage ich, man soll über unsere übrigens guten Beziehungen zu (Hrgland nicht allzuviel sprechen. Mit diesen Beziehungen ist es wie mit schönen Frauen. Je weniger man von ihnen spricht, desto besser." „Ob sich eine völlige Uebereinstimmung zwischen mir und dem Grafen Aehrenthal betrefss der schwebenden Fragen ergeben hat? Gewiß. Wir^haben uns gut verstanden. Nur in einem Punkte gibt es einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen uns' Graf Aehrenthal hat dunkles, ich Helles Bier getrunken. Aber ich gestatte dies dahin zu deuten, daß der Graf die Eourtoisie. hatte, dem deutschen dunklen, und ich das Entgegenkommen, dem Hellen österreichischen Bier meine Huldigung darzubringen. Das ist aber bie einzige Kontroverse, die zwischen den Ministern der beiden Staaten besteht." * Ein deutscher Bischof gegen den Hirtenbrief? Der „Köln. Ztg." wird aus Freiburg geschrieben! Gewiß hätte die Germania und die übrige deutsche Zentrums- Presse und sicherlich auch Geistlicher Rat Wacker ihre abfällige Kritik an Dr. Feurstein und dessen Vorgehen unterlassen, wenn sie vorher davon Kenntnis gehabt hätten, auf welche Hintermänner sich Dr. Feurstein zu berufen in der Lage ist. In einer Zuschrift an den Badischen Beobachter erklärt Feurstein heute mit Namensunterschrift, daß sein Kronzeuge, der überhaupt erst das von ihm über die Enzyklika abgegebene Urteil in ihm befestigt habe, ein hoher kirchlicher Würden- $rantfnrter Kunftschau M0. Gießen, 1. August. Der Frankfurter Kun st verein hat eine Auswahl von Werken zeitgenössischer Künstler zusammengestellt, von denen uns die im Vordergründe stehenden Gemälde besonders interessiert haben. Gibt die in Frankfurt ausgestellte kleine Sammlung natürlich auch kein vollständiges Bild vom Stande der heutigen Malerei, so führt sie uns doch einigen Grundlinien der Entwicklung nahe. Die Häupter der Impressionisten, Liebermann und Uhde, sind durch einige Bilder vertreten, aber sie erscheinen weder als Führer, noch überzeugen sie recht von der überragenden Höhe ihrer Leistungen. Liebermann gibt ein Strandbild „Badende Junge n". Die kühne, flotte Technik, das sichere Auge, haben damit auch hier wieder eine interessante Wirkung erreicht, ob aber durch solche geniale Nachlässigkeit in der Behandlung der Linien eine volle Befriedigung gewonnen wird? Es fehlt das Abgerundete, Ge- rlärte. Wir empsinden keine zwingende Notwendigkeit, daß auf der immerhin großen Fläche diese nackten Halbwüchsigen mit gar so gering sch ätz end er Hast dahingeworfen wurden. Tie Bewegung der sich auskleidenden Knaben ist lebendig und von Humor, aber man schaut eben bei den groben Formen, den im Pinselstrich hölzernen Gliedern, fast wie in eine Karikatur, nicht wie in ein ruhiges Bild von satter Schönheit. Etwas behagliche Anschaulichkeit liegt dann wieder in dem schäumenden Weiß des kleinen Brandungsstriches und in der tiefblauen Horizontlinie des Meeres. Uhde erweckt mit einer ihm eigenen gemütvollen Komposition, „Der barmherzige Samariter", die alte Wertschätzung. Dieser Einzug durch das braune Mauertor enthüllt fesselnde Studien der Lichtwirkung und ist etwas dramatischer als die sonst vielfach gesuchten Stellungen in den Uhdeschen Bildern. Volles Licht fällt auf den Oberkörper einer den Einziehenden entgegenkommenden Frau, die, wie sie teilnahmvoll betroffen die Hände erhebt, ein charakteristisches Gegenstück zu dem Manne abgibt, der in der Tür seines Hellen, bescheidenen Hauses bereits die Gebärde gastlicher Aufnahme macht. Das Gemälde erzählt Dann noch von einigem Federvieh, Haustieren und ähnlicher zerstreuender Staffage, aber es fehlen ihm die rein anschaulich bezwingenden Eigenschaften, wie sie besonders in einer abgewogenen Farbenbehandlung liegen. Das Ganze bleibt nach dieser Richtung matt und nüchtern. Der Münchener Maler Schramm-Zittau hat ein kleines Bildchen mit Enten ausgestellt, das in der impressionistischen Art Liebermanns äußerst frisch und anmutig ist. Auch der Münchener v. Zügel war im flotten Hinwerfen von Tieren auf bem Gang zur Weide, aus dem Heimweg oder am Wasser sehr glücklich, alle drei Bildchen sind lobenswert. Im übrigen lieferte die süddeutsche Künstmetropole Beispiele der bekannten Landschafterschule, die mit dünnen Farben fein und sauber, aber auch leblos arbeitet, Bilder, über die das Auge wohl hingleitet, die es aber nicht umfaßt. Adolf Hengeler, Toni Stadler, Joseph Wenglein, auch der Genfer Ferdinand Hodler, von denen solche Landschaften zu sehen sind, erheben sich immerhin über einige andere Münchener, die eigne Wege gehen wollten, aber befremdend wirken, z. B. Walter Püttner, mit seiner gräßlichen Schneiderstube, einem großen Gemälde mit Plunder und Farbendurcheinander, oder Leo Putz, mit einer eintönigen Pikanterie, die er „Das Strumpfband" nannte. Da ist Th. Th. Heine mit seiner „Schloßdame", einer feinlinigen, spöttisch überspannten Komposition, doch interessanter. Tiefere und packendere Künst aber treffen wir bei Franzv. Stuck, der in phantastischen Motiven mit leuchtenden Farben in den Bahnen Böcklins wandelt. „Nixenraub": lachend, mit grünschillernden Augen und sinnlichem Munde, sitzt die „Geraubte" auf den Schultern eines zottigen Bockmenschen, der mit gespreizten, groben Händen die blau, grün und rot geperlten Fischschwänze seiner Beute packt. Hell durchleuchtete Wolken, zwischen Felsen dunkles Wasser, sind meisterlich gemalt. In durchdachtem Gegensätze steht zu den leuchtenden Augen, Mund und Zähnen des Fischweibes dessen mattes, glanzloses Haar. Weit mehr Rhythmus und Weichheit spricht daneben aus Stucks neuestem Werke „Sommernacht": ein südländischer, blauer, fternen- befäeter, noch mehr von grünlichen Wolkenschwaden durck)- hellter Nachthimmel, über niederem, dunklem Tropenbuscy-- werk weiter Raum, der sich in schwarze Ferne verliert. Dorthin wandeln in lustigem Reihen drei abenteuerliche Paare, die Weiber in blendender, feuchter Nacktheit, die mit blauen. roten oder grünen Fetzen bekleideten Südländer stürmisch vorwärts eilend. Ein Neger drunter, der grinsend den Kopf wendet, zeigt sein Gebiß. So kühn die Laune des Künstlers ist, er zieht uns mit seiner sicheren Farbenkomposition in seinen Bann. Die Linien der dahinziehenden Gestalten sind fein abgestimmt, es liegt, beinahe an Feuerbach erinnernd, ein musikalischer Ernst über dem Ganzen. Wie nüchtern macht sich zwischen diesen Stuckschen Gemälden Eduard v. Gebhardts (Düsseldorf) dramatischer Entwurf: „Der Tod des Moses"! Hier ist Abkehr von der Natur, denn diese bildet keine so blutig zerronnenen Wolkenfetzen, und wir lieben an ihr auch nicht solch grobe Perspektiven. Moses hat wahrscheinlich in einem anmutenderen Land seine Seele verhaucht. HansThomas „Wasserfälle bei Tivoli" braucht man nicht mehr zu loben. Bei ihm ist schlichte Natur, fromme Versonnenheit. Wie friedlich schreitet wieder unten im Tale der Packesel, welches Idyll träumt der einsame Knecht! Auch Friedrich Kallmorgens sonnige Kunst durfte nicht fehlen. Von ihm sieht man ein flottes Bildchen vom „Hamburger Hafen", er heißt es: „Grauer Tag", und doch sehen uns die großen, roten Schiffskörper so vertraut an, ist alles Tak'elwerk, Rauch und Elbwasser, so lebensfrisch voneinander abgetönt. Schoen le der, der größere und ruhigere Bilder zu mülen pflegt, hat ein neblig verschleiertes Fi scher bild „Italienische Marine" genannt; es ist, wenn es auch über die meisten Werke der Frankfurter Ausstellung hinausragt, dennoch nicht eines seiner besten. Bon Wilhelm Trübner fesselt besonders fein „Schloß Lichtenberg im Odenwald", das jedoch nur mit einem feiner Re- naissaneegiebel über den grünen Hang hinausragt; ein prächtiger Ausschnitt aus der reizvollsten Odenwaldgegend. Ludwig Dill gibt mit einem vornehmen Temperagemälde „Silberpappeln" eine gute Probe malerischer Empfindung. Die Porträtkunst ist durch zwei Münchener gut vertreten. Ludwig v. Zumbuschs entzückendes Kinderbild wird den Meisten noch besser gefallen als Fritz Erlers gleichfalls sehr feines Porträt eines sitzenden Knaben, örter ernüchtert durch zuviel unwesentliches und steifes Beiwerk. -z. fr3ger war, der nicht int Hillen: Kämmerlein, sondern vor einer größeren Korona dieFafsungderEnzyklika, den mangelnden Einfluß der deutschen Katholiken bei der Kurie und die von Feurstein berührten spanischen Mißstände genau so bedauert habe, wie Feurstein selbst, zum Teil sogar mit Worten ehrlicher Entrüstung. Tr. Feurstein nennt den Namen des hohen Würdenträgers nicht. Nach i'aflc der Verhältnisse kann aber kein anderer gemeint sein, als der hiesige W e i h b i s ch o f Friedrich Justus Knecht, päpstlicher Thronassistent und comes Romanns, seit 48 Jahren Priester, seit 28 Jahren Domkapitular, int Jahr 1894 vom Papst Leo XIII. zum Titularbischof von Nebo ernannt. Von ihm kann man also 'am wenigsten behaupten, daß er die leitenden Kreise der Kirche überhaupt nicht kenne. Dr. Feurstein geht sogar noch weiter; er teilt mit, daß derselbe Würdenträger ihm vor vielen Zeugen und mit dem Nachdruck eines politischen Bekenntnisses erklärt habe, seine (Flursteins- Stellungnahme zur Neichsfinanzresorm, d. h. seine abfällige Kritik an der Haltung des Zentrums in der Reichsfinanzresorm sei die einzig richtige gewesen! Wir sind gespannt darauf, welche Erwiderung darauf aus der Zentrumspresse erfolgen wird! Die „Germania" hat bisher nur folgende kurze Bemerkung gemacht: Wir haben dem nichts mehr hinzuzufügen, was wir zu der Angelegenheit schon gesagt haben: Etwas mehr Korpsgeist tut Herrn Dr. Feurstein dringend not. Hoffentlich wird^er eingesehen haben, daß es für einen katholischen Geistlichen sehr leicht ist, in der „antiklerikalen" Presse Furore zu machen, aber daß es auch höchst unangenehm ist. Die vom „Badischen Beobachter" veröffentlichte, einem Rückzug ähnliche Erklärung des Pfarrers Feurstein, lautet: Gestatten Sie mir ein allerletztes Wort, zu dem ich von Freunden und Gegnern gedrängt werde. Wohlmeinende Freunde sagen mir, daß der Ausdruck „tadelnswert", von der Enzyklika gebraucht, nicht mit den Gefühlen der Ehrfurcht vereinbar sei, die ein Priester seiner obersten Behörde zu zollen habe. Ich sehe das ein, nehme den Ausdruck mit Bedauern zurück. Ich schäme mich ferner ausdrücklich, in der ersten instinktiven Abwehr persönlicher Verdächtigungen meine 11 Priesterjahre, Jahre eines werdenden Menschen, die im Gesamtbilde der Menschheitsentwicklung ein Nichts bedeuten, in die Wagschale geworfen zu haben. Ich stehe auch keinen Augenblick an, falls mein Gewährsmann, führender katholischer Akademiker Badens mit römischen Beziehungen, sich nicht entschließen sollte, mit seiner Zeugenfchast hervorzutreten, den ersten Punkt meiner Behauptungen in Sachen der spanischen Monsignori für die Oesscntlichkcit preiszugeben. Im übrigen halte ich meine Ausführungen vollinhaltlich ausrecht, da ich meine Ueberzeugung nicht verleugnen kann und mich außerdem durch einen hohen kirchlichen Würdenträger gedeckt fühle, der vor einer größeren Korona die von mir berührten spanischen Mißstände, die Fassung der Enzyklika und den mangelnden Einfluß der deutschen Katholiken bei der Kurie genau so bedauert hat, wie ich selbst, zum Teil sogar mit Worten ehrlicher Entrüstung. Es war dieselbe hohe Stelle, die mir vor vielen Zeugen spontan und mit dem Nachdruck eines politischen Bekenntnisses erklärt hat, meine Stellung zur Reichsfinanzresorm sei die einzig richtige gewesen. Arns Hessen. Die „Franks. Ztg." brachte in ihrer Samskagsnummer (3. Morgenblatt) folgenden Artikel: Gießen, 28. Juli.. Die nationalliberale Partei beabsichtigt, für die nächste Reichstagswahl beit Landwirtschaftsprofessor Dr. Gisevius von der hiesigen Universität als Kandidaten aufzustellen und verhandelt mit dem Bund der Landwirte und der Fortschrittlichen Volkspartei wegen Unterstützung dieser Kandidatur. Tie Fortschrittliche Volkspartei des Wahlkreises hält am nächsten Sonntag eine außerordentliche Hauptversammlung ab, in der über die Stellungnahme der Partei bei der nächsten Reichstagswahl beschlossen werden soll. Voraussichtlich kommt es zu einer eigenen Kandidatur, da man bei 'einer Unterstützung einer ausgesprochen agrarischen Kandidatur mit einem Links- abmarsch der freisinnigen Wählerschaft in Stadt und Land zu rechnen hat. Zu diesem, der „Franks. Zig." aus Gießen eingesundten Artikel wird uns von nationalliberaler Seite geschrieben: k Es ist richtig, daß man in nationalliberalen Kreisen des 'hiesigen Reichstagswahlkreises in Herrn Pros. Gisevius den Mann gefunden zu 'haben glaubt, der auf Grund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit und seines politischen Bekenntnisses in hervorragendem Maße geeignet erscheint, die leider bestehenden Gegensätze zwischen Stadt und Land auszugleichen und die Interessen beider im Reichstag ganz besonders zu vertreten. Es ist dagegen unrichtig, daß die n a t i o n a l l i b e - r a l e Partei mit dem Bund der Landwirte und der Fortschrittlichen Vollspartei „wegen Unterstützung dieser Kandidatur verhandle". Es ist seitens der nationalliberalen Partei nach keiner Seite hin eine Initiative zu Verhandlungen ergriffen worden. Richtig ist, daß Mitglieder des Wahllreisvorstandes auf eine Einladung der Freisinnigen hin eine unverbindliche Besprechung mit diesen gehabt haben, in der die durch die Freisinnigen vorgeschlagene Kandidatur Rade abgelehnt wurde. Auf Anfrage wurde ihnen dann durch die nationalliberalen Vertreter mitgetcält, daß man beabsichtige, Herrn Pros. Gisevius als nationalliberalen Kandidaten aufzustellen. Deutsches Hctcb. Der Kaiser wohnte, wie aus Swinemünde gemeldet wird, am Montag vormittag von 10 Uhr ab dem Besichtigungsschießen des 1. Bataillons des Fußartillerie-Regiments von Hin- bersin, Pommersches 2. in Osternothafen bei. Nach seiner Rückkehr an Bord der „Hohenzollern" empfing er den Reichskanzler, der um 11 Uhr 12 Min. enigetroffen war. Am Bahnhof war der Gesandte von Treutler zur Begrüßung erschienen, er geleitete den Reichskanzler zur „Hohenzollern", wo dieser Wohnung nahm. Später traf Staatssekretär v. K i d e r l e n - W ä ch t e r ein, der ebenfalls aus der „Hohenzollern" Wohnung nahm. Ter Kaiser unternahm nachmittags mit sämtlichen an Bord befindlichen Herren eine Ausfahrt in Automobilen bis über Bansin hinaus mit anschließendem Spaziergang. Im ersten Automobil hatten mit dem Kaiser Platz genommen der Reichskanzler und Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter. Der Vorsitzende des deutschen Krieger du n des, General der Infanterie z. D. Alexander v. Spitz, ist in Berlin gestorben. Die bayerische Kammer der R e i ch s r ä t e ist bei der Beratung der S t eu e r g e s e tzr e f o r m in dem letzten, noch strittigen Punkte dem Beschlüsse der bayerischen Kammer der Abgeordneten, durch den der Höchstsatz des Einkommensteuertarifes auf fünf Prozent festgesetzt wird, beigetreten. Damit ist die Einführung der allgemeinen' Einkommensteuer in Bayern gesichert. Ausland, ... Zu Paris sind infolge eines am Sonntag gefaßten Be- Ichlustes die Dachdecker, sowie die Blei und Zinkarbeiter in den allgemeinen Ausstand getreten. In Frage kommen mehr als 12 000 Arbeiter bei 1200 Unternehmern. Die Streikenden verlangen eine Lohnerhöhung von zwei Francs pro Tag und 50 pro- zentigen Zuschlag für 111 verstunden. Sie üben eine strenge Kontrolle der Arbeitsstätten aus. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Minister des Innern^ ist am Montag abend nach Mazedonien und Albanien abacreiH. Ter Reise, welche von einem außerordentlichen Mi- mfterrat beschlossen wurde, wird die größte Bedeutung beige- .nessen. sicherem Vernehmen nach soll der Minister in erster Linie den Uebergriffen der Behörden bei der Entwaffnung (Einhalt gebieten. Ferner soll er der Anwendung des Kirchengefetzes und der Frage der mohamedanischen Einwanderung, sowie den Straßenbauten feine Aufmerksamkeit widmen. Ter Internationale Friedenskongreß wurde am Montag in Stockholm feierlich eröffnet. 600 Delegierte von 24 Ländern und das diplomatische Korps waren anwesend. Der Saal zeigte die Flaggen der verschiedenen Nationen und war mit dem Bildnis Nobels geschmückt. Deutsche Kolonien* Als künftigen Unter st aatssekretär im Kolo n i a 1 a m t e nennt die „Deutsch-Südwestafrikanische Zeitung" ben Generalkonsul in Mexito, Bünz, die „Teutfche Tages- zeitung" den Geheimen. Legationsrat Schmidt- Targitz. Ans Stadt und Land. Gießen, 2. August 1910. Das Zarcnpaar in Oberhcsscn. Das Zarenpaar wird am 24. August in der hessischen Heimat der Zarin eintreffen. Die Zarin, deren Gesundheits- zustand sehr notgelitten hat, soll aus Wunsch ihrer ärztlichen Berater eine sechswöchentliche Kur in Bad-Nau- h e i nt genießen. Das Zarenpaar sowie das Großherzogspaar werden vom 25. August ab in dem Großh. Schlosse in Friedberg Wohnung nehmen. Da diese Räume seit dem Tode des Großherzogs Ludwig IV. nicht mehr bewohnt wurden, werden sie zurzeit einer gründlichen Neuherstellung unterzogen. Seither waren schon über 100 Zimmer in dem herrlich gelegenen Schloß bewohnbar; ihre Zahl wurde jetzt mit Rücksicht auf das große Gefolge auf 115 erhöht. Der Minister des Innern, der Hofmarschall sowie Polizeirat Dr. Kranzbühler-Darmstadt, dem der Sicherheitsdienst übertragen wurde, haben das Schloß in den letzten Tagen wiederholt besichtigt und heute wird der Großherzog dort eintreffen, um die vorgeschlagenen Anordnungen zu prüfen. Auch in Bad-Nauheim sind für die Badekur der Zarin schon Vorbereitungen getroffen. Vorerst ist der Aufenthalt in Friedberg auf 6 Wochen berechnet, doch wird es darauf ankommen, wie die Zarin die Bäocr verträgt; hiernach wird sich der Aufenthalt in Darmstadt und Wolfsgarten bemessen. * '* Tageskalender für Dienstag, 2. Ang. Stadt- t h e a t e r: „D i e F ö r st e r ch r i st e l". Anfang 8 Uyr. L. U. Landes Universität. Dem Hilfsbibliothekar an der Groß herzoglichen Universitäts-Bibliothek Dr. Phil. Hugo i.H c p d i n g wurde die venia legendi bei der philosophischen Farultät sür das Fach der klassischen Philologie erteilt. ** Titelverleihung. Der Großherz og hat dem Sekretär bei der Brandversicherungskammer Ludw. Scriba den Charakter als Regiernngsrat erteilt. "Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlnng am Donnerstag 4. August, nachiu. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt worden: 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch Flick für die Bismarckstraße. 3. Bau- gcsuch Hofmann bei der Veterinärklinik. 4. Hostor Kaplaiiei- gaffe 7. 5. Ortsbausatzung für die Lonystraße. 6. Eigentum am Stadtkirchturm und der Friedhofskapelle aus dem Rahrungs- berg. 7. Haltestelle der Straßenbahn an der Braugasse. 8. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen undAusgabcn des Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1909. 9. Anlage eines israelitischen Friedhofes. 10. Volksbad für Frauen. 1!. Gesuch des Ernst Heinrich Beutner um Erlaubnis zum Schankwirtschastsbetnebe Plockstraße 13. ** Die 55. Vor standssitzung der Laudwirt- schaftskammer am Montag befaßte sich mit Fiagen der Verwaltung, Gesetzgebung, Bodenkultur usw. Ein Antrag Dehlinger, betr. die Unterstützung der Wetter-Beschädigten in Oberroden, wurde angenommen und der Voranschlag zur Beschickung der Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Kassel 1911 genehmigt. Die Verlängerung des Amwncenpachtoertragcs mit der Firma Rudolf Masse bis 31. Dezember 1913 wurde gutgeheißen. Eine Preisstiftung für die Braugerstenausstellung für 1910 wurde genehmigt. Die Schaffung einer Zentralstelle für Tarifwesen soll unter- stützt werden. Genehmigt wurde ferner die Drucklegung der Bestimmungen für die Prämiierung landwirtschaftlicher Buchführung. Besprochen wurde weiter die Einrichtung eines Obstmarktes in Frankfurt a. M., sowie ein Schreiben der Intendantur Frankfurt, betr. die frühere Abschätzung der Manöver-Flurschäden. Eine Reihe von Gegenständen mußte zurückgestellt werden. ** Wirten großen Erfolg hat der Turnverein Gießen auf dem Kreisturnfest in Kreuznach zu verzeichnen. Bei dem gestrigen Emzelwettumen (Sechskampf) errang Turner Ludwig Bep l er den ersten Preis. Bei den großen Anforderungen, die gerade bei diesem, dem hauptsächlichsten turnerischen Wettkampf gestellt werden, und der sehr starken Beteiligung der besten Turner des weit über 100 000 Turner zählenden Mittelrheinkreises ist das ein ganz außerordentlicher Erfolg, der fiel) den vor Jahrzehnten errungenen Erfolgen von Haustein und Nehmeyer gleichwertig aureiht. Besonderen Wert gewinnt Beplers Sieg dadurch, daß es einem geborenen Gießener Kind vergönnt war, seine Vaterstadt so würdig zu vertreten. Herr Bepler gehört Dem Turnverein seit feinem 14. Lebensjahr fast ununterbrochen als treues tätiges Mitglied an und nur wenige Jahre, in denen er fern von hier weilte, turnte er nicht in Gießen. Es ist daher verständlich, daß der Turnverein ihm und den ebenfalls ausgezeichneten Turnern der beiden Nlusterriegen einen besonders herzlichen Empfang zu bereiten gedenkt. Der Verein empfängt die heute abend 843 wieder hier eintreffenden Turner am Bahnhof mit Musik und geleitet Jie im fest- liehen Zuge in die Stadt. Daran anschließend findet im Einhornsaal Kommers statt. ** Vereinigung selbständiger Buchbinder. Vom 30. Juli bis 1. August sand hier der 4. Verbandstag der Vereinigung selbständiger Buchbinder in Hessen statt, der durch einen Kommers auf der Liebigshöhe eingeleitet lvurde. Aus allen Teilen Hessens waren die selbständigen Buchbindermeister erschienen, um über das zu beraten, was denr Buchbinder-Handwerk nützlich und förderlich ist. Die gesamten Verhandlungen standen unter der Erlenntnis, daß dem Handwerk nur 'dann Besserung seiner Lage erwachsen kann, wenn seine Vertreter sich einmütig zusammenschließen, um für die Jnteresseu des Handwerks nützliche Arbeit zu leisten. In diesem Sinne gab auch der Gast der Verhandlungen, Stadtv. L. Petri, der als Vertreter der Handwerkskammer zu Darmstadt er- ichieneu war, der Versammlung beachtenswerte, nützliche Fingerzeige. Nach den Verhandlungen fand ein Spaziergang nach Textors Terrasse statt. Am Montag früh besichtigten die auswärtigen Teilnehmer die Ilniveriitätsbiblio- thek, in der eine Auslese der prächtigsten Einbände ausgestellt war, und deren Erläuterung, sowie die Führung durch die einzelnen Räume der Bibliothek Mblrothelar Tr. Fritzsche vornahm. Ter Montagnachmittag vereinigte die Teilnehmer zu einem gemeinsamen Ausflug auf den Gleiberg, der bei gutem Wetter angenehme gesellige Stunden bot ** Die 55er, die in 1855 Geborenen, hatten sich am Sonntag nachmittag zu einer Familienfeier im! Schützen Hans hier zusammengefunden. Die Beteiligung war sehr groß. Zunächst gab es Kaffee und Kuchen, bann wurde der lieben Kleinen gedacht und Geschenke an sie verteilt. Tie Stunden gingen bei Gesang und Ansprachen rasch vorüber, bis um 7i/2 Uhr.ein gemeinsames Men dessen statt- sand, an dem 120 Personen teilnahmen. Hierauf folgte ein Tanzvergnügen, das die heitere Gesellschaft bis abends 11 Uhr zusammenhielt. Tie Kosten für Speise und Trank wurden aus der Kasse bestritten. •* Nachahmenswert. Eine hiesige Firma überwies der frciiu. S a n i t ä t s k o l o n n e v o m Roten Kreuz unt» dem Säuglingsheim je 25,— Mk., da eine andere Firma gerichtlich verurteilt worden war, 50,— Mk. an sie zur Verfügung für gemeinnützige Zwecke zu zahlen. ** Fahrraddieb stahl. Gestern nachmittag wurde vor einer Wirtschaft in der Rod Heimer Straße ein Fahrrad geitohlcn, während sich der Eigentümer im Lokal befand. Der Dieb wurde alsbald in der Person eines wegen Dieb- Itahls bereits mit Zuchthaus vorbestraften Arbeiters ermittelt und verhaftet. Das Rad hatte er an einen anderen Arbeiter verkauft. Verhaftet. In den letzten Wochen trieb sich im Philosophemvald und auch in anderen Stadtteilen ein junger 'Mensch zeitweise umher, belästigte vorübergehende Damen und nahm dabei unsittliche Handlungen vor. Heute morgen gelang es denselben zu ermitteln und s e st z u n e h m e n. 4- Klein-Linden, 1. Aug. Gemeinderat und Kirchenvorstaud haben die Renovierung unserer Kirche beschlossen und die Arbeiten bereits an hiesige Meister vergeben. -r- Heuchelheim, 1. Aug. Der Turnverein hielt am Sonntag sein Ab turn en ab. Die Feier verlies in der schöistlen Weise. Den Höhepunkt biloete ein von Turnwart.Schmidt mit hiesigen Damen eingeübtev Reigen. Die glänzenden Kostüme und die bengalische Beleuchtung gaben dem ganzen einen feenhaften Zauber. — Nach langem Hin- und Herreden ist endlich die Kirche weihe auf übernächsten Sonntag verlegt worden. Aus- schlaggebend wird wohl die zu erhoffende Einquartierung lein. Die hiesige Kirchweihe bilderhowohl für Heuchelheim, als auch für die Umgegend ein rechtes Volksfest. — Trotz, des unbeständigen Wetters schreiten die^Ebntearbeiten täglich fort. Auch die Schule hat heute ihre dreiwöchigen Ernteferien angetreten. r. Treis a. Lda., 1. Aug. Ein seltener Genuß wurde uns gestern abend in Benners Saal hier durch ein in allen. Teilen wohlgelungenes Vollskonzert geboten, das Fräulein Bätz, Lehrer. Eberle, Opernsänger Will und der hiesige Mä n n c r g esan g v e r e i n veranstaltet hatten. Nur edle Musik wurde zum Vortrag gebracht Zwei- und vierhändig« Klavierstücke unserer besten Meister .vechselten mit Violin und GcsangSvorträgcn; alles war auss beste eingeübt und wurde geradezu meisterhaft vorgetragen, so daß es die Anwesenden an dem nwhl verdienten Beifall nicht fehlen ließen. Der Ertrag des Konzertes, der bei dem von Zuhörern geradezu vollgestopften. Saale gewiß ein erklecklicher gewesen ist, soll, loic wir hören, nach Abzug der Unkosten einem wohltätigen Zwecke zugute lammen. Bon vielen Zuhörern wurde der Wunsch nach möglichst öfterer Veranstaltung derartiger Konzerte geäußert, die gengnei sind, in unserem Landvolk den Sinn und Geschmack für gute Musik zu wecken und zu pflegen. Birklar, 1. Aug. Die Kültiiriuspeltiou Gießen läßt in unserer Gemarkung größere Feldbereini- gungsar beiten aussühren, die die beträchtliche Summe von rund 12 000 Mk. erfordern. Dieselbe Behörde führt auch in der Nachbargemeinde ViUingen Trainagearbeiten. aus, die zu 15 000 Mk. veranschlagt sind. d. Hungen, 1. Aug. Von zwei gestern in Frankfurt aufgestieaenen Luftballons landete der eine gestern abend in der Nähe der Jungviehweide Tiergarten. In dem Ballon befanden sich ein Herr und eine Dame. Der Ballon war beim Landen an einem Baum hängen geblieben und nachdem er von cherbeigeeilten Leuten befreit worden war, wurde er verpackt und mit Fuhrwerk hierher gebracht, von wo ans er mit der Bahn nach Frankfurt zurückgesandt wurde. Der andere Ballon landete bei Unter* Schmitten. A Hangen, 1. Aug. Vom 1. Oktober an sollen auf der Bahnlinie Hungen—Laiibach—Mücke e l c kt r i s ch e Triebwagen verkehren. Gegenwärtig wird hier hinter dem Maschinenschuppen die Kraftstatiou erbaut. 9luch die Bahnbeamten sind schon für 1. Oktober nach hiesiger Station beordert. Unser Personenbahnhof und Güterschuppen sollen wegen des fortwährend wachsenden Verkehrs abermals eine Erweiterung erfahren. )( Ruppertsburg, 1. Aug. Am Mittwoch findet hier Bürg er meist er wähl statt, da die Amtszeit .des Bürgermeisters Lehr abgelauseu ist. Dieser hatte das Amt seit 27 Jahren inne. Jetzt hat sich noch ein Kandidat auf- gestellt. R. Babenhausen II., 1. Aug. Bei der heute vor- genommenen Gemeinderatswahl wurden die seitherigen Mitglieder Heinrich Roth I., Johannes Merz wieder- und Heinrich Haman neugewählt. Die Wahlbeteiligung war sehr gering; von 135 Stimmberechtigten wählten nur 70. -o- Oppenheim, 1. Aug. Zum Hnbert' schen Konkurs ist zu melden, daß sich nun die wirtschaftlichen Folgen der Riesenunterschlagungen des Notars bemerkbar machen. Es ist nicht gelungen, den Zusamvienbruch verschiedener Geschäfte zu verhindern, die durch Hubert schwer geschädigt wurden. Wie mir vernehmen, steht eine Reihe von Konkursen unmittelbar bevor und als erstes Opfer siel bereits das Maurergeschäft von Heinrich Windisch in Dexheini, dessen Konkurs angeineldet ist. tq. Kirchhain, 1. Aüg. Auf etwas leichtsinnige Weise zog fich der Gastwirt F. Schick int benachbarten M ardv r ss eine B l u t v c r g t f t u n g zu. Er hatte sich einen kleinen Schnitt in der rechten Hand bcigebracht und untivickeltc das verlcAte! Glied, um die Blutung zu stillen, mit einem Zigarrenbändcben Bald darauf stellten sich heftige Schmerzen ein, Arm und Hand fckiwollen an und schließlich mußte der Arm abgcnonimcn werden, um das Leben des Erkrautten zu erhalten. - Gegenwärtig finden wieder Vorarbeiten zur Ncg ulierun g der O h m statt Im allgemeinen Interesse wäre es, wenn die seit langen Jahren erwogenen Arbeiten endlich zur Ausführung gelangten; in diesem ^zahrc find durch die häufigen Ueberschwemmungeu wieder groß' Werte vernichtet worden. — In cnrzelnen Gemarkungen des ^reife-5 treten die Feldmäuse massenhaft auf und beeinträchtigen die sonst recht gute Ernte stark. Es ist keine Seltenheit, daß man unter einem Kornhaufcn 15—20 Mäuse findet. Die bisher unternommenen Vertilgungsversuche zeigen keinen großen Erfolg. Lin Eisenbahnunglück in Algier. Dran, 1. Aug. Im Bahnhofe von Le Tletat stieß ein Personenzug mit einem Güterzuge zusammen. Dabei wurden, wie nunmehr feststeht, 20 Personen getötet und 40 verletzt. Paris, 1. Aug. Die Abendblätter bringen weitere Einzelheiten über daß Eisenbahnunglück bc Le Tletat in Algier. Die Opfer sind meist Eingeborene oder spanische Erntearbeiter. Der Abgeordnete Tronin, der sich in einem Wagen erster Klasse befand, entkam nur dadurch dem Unfall, daß er kurz vor dem f Zusammenstoß aus dem Wagen springen tonnte. Präsident Fal - ' l i e r e s und der Minister der öffentlichen Arbeiten .sandten B c i- leidstelegramme an den Generalgouverneur. Ter Zusammenstoß dürfte dadurch verschuldet worden sein, daß infolge der Steigung des Terrains und infolge der durch den Regelt glatt gewordenen Schienen die Bremse nicht schnell genug wirkte. Vie Rassenkämpfe in Texas. £. London, 1. August. Au den gestern kurz gemeldeten Rassenkänrpsen in Texas erhalten wir folgende Mitteilungen aus London: In dem Andersondistrikt des Staates Texas ist ein Kampf zwischen Weißen und Negern ausgebrochen, wie man ihn seit Jahren nicht in den Vereinigten Staaten erlebt hat. Tie ganze Gegend befindet sich in dem Zu stand einer reinen Schreckensherrschaft. Bisher, sind 30 Neger und 6 Weiße getötet worden. Es heißt aber, daß noch Diele, Leichen auf den vereinzelten Farmer: seien. Ter Streit entstand dadurch, daß ein weißer Pflanzer namens Alford von einem Neger namcns Graves eine Summe G el d e s in beleidigender Weise verlangte, die dieser ihm für ein Pferd schuldete. Ter Neger w-ar reich und wollte offenbar nicht zahlen. Als Graves in unve r s chämter Weise antwortete, erschoß ihn Alford auf der Stelle. Tie Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Negern, die sich sofort mit Heugabeln u n b dergleichen bewaffnet aufmachten, um alle Weißen in dem Distrikt zu töten. Die Weißen waren weit besser bewaffnet und verfügten über mehrere Gewehre, so daß die Neger leicht zurückgetricben werden fonnten. Der Kampf breitete sieh aber schnell auö, und die Negierung entsandte sofort drei Kompagnien Infanterie, die die Neger auseinandertrieben. Es wurde den Weißen befohlen, ihre Hauser nicht zu verlassen, und man hofft, daß die Neger sich nunmehr beruhigen lassen werden. Dallas (Texas), 1. Aug. Aus Anlatz der Rassenkämpfe in dem Distrikt von Andersohn mürben mehrere Weiße verhaftet. Tie Behörden erklären, der Angriff der Weißen ans die Neger sei gänzlich ungerecht gewesen. Kleine Taaeschronik. In Essen a. d. Ruhr wurden in der Wohnung des Stukkateurs K o r n a p p eine vollständig eingerichtete Falschmünzerwerk st ä t t e entdeckt. Es handelt sich um eine weitverzweigte Bande. Der Antrag des Direktors der Niederdeutschem Bank Ohm, ihn gegen eine Kaution von 100 000 Mk. aus der .Haft zu entlassen, wurde von der Beschlußkammer des Dortmunder Landgerichts abgelehnt. Der Vertreter Ohms hat gegen den Beschluß Beschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht. Tie „Neue Freie Presse" meldet aus Gmunden: Bei einem Gewittersturm sind gestern 14 Personen, Holzarbeiter mit ihren Mädchen, welche auf einem Floß nach Traunkirchen übersetzen wollten, verunglückt. Sämtliche Personen fielen ins Wasser: nur vier konnten gerettet werden. Aus Stuttgart wird gemeldet: Der Ingenieur Mensch aus Baden-Baden, der mit seiner Gattin in Feurbach in einem Hotel abgestiegen war, durchschnitt feiner Frau den Hals. Tie Frau war sofort tot. Der Mörder flüchtete, wurde aber auf dem Bahnhof tc ft genommen. Er gestand die Tat ohne weiteres ein. Aus Kiel meldet man: Wegen größeren Metalldieb- stählen auf der Neichswerft wurde ein Magazinaufseher und wegen Hehlerei ein Althändler verhaftet. In Thor n wurden der Feldscher Martirosjanz und dessen Ehefrau als Mörder Dr. Adamalows verhaftet. Die Verhafteten leugnen sowohl den Mord, als auch ihre Zugehörigkeit zur sozialrevolutionären Partei. Im Waadtländer und im Neuenburger Wein- g.elände hat der f a l s ch e Mehltau furchtbare Verheerungei: angerichtet und fast die ganze vielversprechende Ernte vernichtet. Die Blätter melden aus N e w h o r k: Ein Zug der Delaware- unb Hudson-Bahn wurde bei Seteneetady durch Ausständige, die aus den Schienenstößen die Laschen herausgezogen hatten, zur Entgleisung gebracht. 3 0 Personen wurden verletzt. Plan der Fusion mit der Dortmunder Union wieder ausgegriffen. Es ist vorgesehen, den Umtausch von 6000 Mk. Dortmunder Unionaktien Lit. C. gegen 3000 Mk. deutsch- luxemburger Aktien mit Dividendenberechtiguna ab 1. Juli 1910 und von 10 500 Mk. Dortmunder Unionaktien Lit. D. gegen 6000 Mk. deutsch-luxemburger Aktien mit gleicher Tividendenberechtigung anzubieten. Die Aufsichtsratssitzungen beider Gesellschaften, in'welchen zu dieser Frage Stellung genommen werden soll, sind auf den 10. August nach Berlin einberufen worden. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brorpreise _____________am 1. August 1910. Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber- Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 87—92 Mk. h,Kg. Schlachtgew. 95—100131 7, „ 68-71 „ 7, Kg. 80-88 Pfg. -/, 86-88 , V, „ 80-96 „ Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 21.50-21.75 Alk. Roggen 100 Kg. 15.50—00.00 Mk. Weißbrot 2 Kg. 62 Pfg. Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pfg, Märkte. fc. Frankfurt a. M., 2. Aug. Heu- u n d Strohmarkft Angeiahren ivaren 19 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh. Man notierte : Heu (neues) 3,30—4,00 3)1 L, Stroh (Kornlangstroh) 0,00 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,00-0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft gut. Tie Zufuhren waren aus Oberhessen und dem Kreis Dieburg. Handel. Mülhausen, 2. Aug. Gestern nachmittag fand hier die Konstituierung der Oberrheinischen Kraftwerke, Aktiengesellschaften mit einem Aktienkapital von zwanzig Millionen, statt. Gründer sind die Stadt Mülhausen, die Elektrische Licht- und Kraftanlagen-Aktiengesell- schaft in Berlin, die Bank für elektrische Unternehmungen in Zürich, forme Justus Breul-Grunewald-Berlin und Karl Zangler-Zürich. Der Zweck der Gesellschaft ist die Erze u g u n g u n d V e r t e i l u n g e l e k t r i s ch e r E n e r g i e in Els a ß-Lo th r i ng en und Baden, zunächst gestützt auf die von der Stadt eingebrachten Mülhauscr Elektrizitätswerke. Zum Programm der Gesellschaft gehört die Ausnützung der Wasserkräfte des Rheins unterhalb der Reichsgrenze bei Basel. Berlin, 2. Aug. Gutem Vernehmen nach hat die Verwaltung der deutsch-luxemburgischen Berg- w e r ks-H ü tt en-Akt.-G es. in Bochum den früheren' Verlauf der Witterung seit gestern früh: Am Südrand eines nördlichen Hochdruckgebietes bildeten sich gestern kräftige Nandwirbel, die in vielen Gegenden starke Gewitterregen brachten (Worms 26, Berlin 64 Mm., wolkenbruehartig). Toch blieben andere Gegenden, vor allem Oberhessen, gewitterfrei. Ein neuer Wirbel im Westen bringt ausgedehnte liegen und Gewitter. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch dem 3. 3lugust 1910: Wolkig, ausgedehnte Gewitter und Regen, warm. Tie Weiterfahrt des P. 6 nach München. 'Bayreuth, 2. Aug. Das L u f t s ch i f s P. 6 ist heute vormittag gegen 9 Uhr zur W e i t e r f a h r t nach München aufgestiegcn. * Paris, 2. Äug. In dem B u d g e t a u s s ch u ß der Kan: m er wurde der Antrag gestellt, die zur Bestreitung der Hin richtungskost en eingestellten 25 000 Franken Zu streiche n. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Wir tzöMn nickt Mrbcti nähme 14181 Reese Gesellschaft, Hameln. Gratis 1 Dow ff. CakcS für 5V Gutscheine. s ferner 3856 per Pfund M. 1.24 1.64 New Kartoleial RechtrMMSe ÄÄ16enb'liekrt 3US "und" Auskunft Butzbach erbeten. [89 Gießen 2895 weil uns die erfahrene Hausfrau mit Neeses Salicyl eingemacht hat. 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