Nr. 204 Zweites Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 1« September 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Zamllienblötter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Sberheffen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5l. Redaktion: 112. Tel.-Adru Anzeig erGießen. Englische Vorwürfe gegen Sir Edward Grey. £ London, 30. Aug. Der „Daily Graphic" greift auf Grund des nunmehr veröffentlichten Textes des Einverleibungs- ■■ Vertrages, durch tnelcken Korea zu einer japanischen Kolonie wird, Sir Edwaro Grey wiederum sehr scharf an : und - rvirst ihm vor, daß er die britischen Interessen sehr wenig gewahrt habe. Lord Salisbury, den Sir Edward früher so angegriffen habe, würde niemals seinen Namen unter ein Dokument gesetzt Haben, welches so wichtige öri- j tische Interessen ohne alle Ursache aufgebe. Die ganze Mandschurei und ganz Mongolien seien heute von Ruß- .land und Japan bedroht, und es scheine, daß die wichtigen Märkte künftighin für den britischen Kaufmann ganz geschlossen bleiben würden. Lucien Wolf behandelt in einem längeren Artikel die Lage eingehend. Er meint, der Vertrag hätte noch viel ungünstiger lauten können, aber immerhin sei er auch so schon schlimm genug. Der Handelsvertrag mit Korea habe Großbritannien dauernde Vorteile gesichert, die nunmehr hinfällig geworden seien, man habe nur gewisse Vorteile * für die beschränkte Zeit von zehn Jahren gesichert. Sonst werde das Ausland von nun ab ganz davon abhängig sein, wie Japan es behandeln wolle. Dabei habe Är Edward. .Grey sich in einer so glücklichen Laae befunden, wie selten ein britischer Minister bei der Einverleibung eines Landes an welchem Großbritannien ein besonderes Interesse habe, denn er habe diese bestimmten Verträge in der Hand ge- habt, was bei Lord Salisbury zum Beispiel nicht der Fall war, als es sich um Madagaskar und Tunis handelte, wo I er beinahe garnichts in der Hand hatte, was er gegen [ Frankreich ausspielen konnte. Nun hätte man von dem gegenwärtigen Minister so viel erwartet, weil er in der Opposition die Minister des Auswärtigen immer so gern angegriffen habe. Jetzt habe er zugegeben, daß der Handelsvertrag mit Korea einfach aufhören mußte, ohne daß man auch nur die geringste Entschädigung verlangte oder auch nur protestierte. Das offene Tor, von welchem Sir Edward immer so gern gesprochen habe, habe er sich in Korea vor der Nase zuschlagen lassen, und außerdem habe er auch nichts getan, um dafür zu sorgen, daß es wenigstens in der Mandschurei offen bleibe. Aus S o e u l meldet man: Den Konsuln «der auswärtigen I Mächte wurde amtlich mitgeteilt, daß, soweit die Fremdenniederlassung in Betracht kommt, in denlVerwaltungs- angelegenheiten, mit Ausnahme des Polizeiwesens, vorläufig keine Aenderung eintreten wird. Marc Sangnier unterwirft sich. O Paris, 31. August. Diese Mitteilung überrascht aus den ersten Blick, wird aber verständlich, wenn man die Erklärungen liest, die der Führer des „Sillon" persönlich den Zeitungen gibt. Sie | ,ollen vorbehaltslosen Gehörs am den Wei- i Zungen des Papstes gegenüber erkennen lassen, i'irtb aber trotzdem recht eigenartig gefaßt, so daß die ersten 1 Würdigungen dieser neuen Kundgebung des Papstes gegen I dk.n modernen Geist ihre volle Kraft behalten. Man ur- j teile selbst: „Seit einigen Monaten hatte sich die Bewegung des „Sillon" endlich eine Verfassung durch die Schaffung des demokratischen j Aktionskomitees und der Union pour l'Education civique gegeben; । ich gehöre nur als gewähltes Mitglied, wie alle anderen, den Verwaltungsräten dieser Verbände an. Ich bin selbstverständlich । der Ansicht, daß diese neue Organisierung nicht mehr den An- | gaben der Enzyklika entspricht und somit in meinen Augen kein i Existensrecht mehr hat und sich auflösen muß. Was mich be- . trifft, so werde ich in meiner Zeitung „La Democratie" wie bei meinem gesamten öffentlichen Auftreten mit größter Sorgfalt Alles vermeiden, was selbst durch gesuchte Auslegungen den Lehren der Kirche zu widersprechen scheinen könnte. Ich weiß. Die Schlacht bei Sedan. Vier Jahrzehnte sind seit jenen welterschütternden Vor- i gängen verflossen, die in den beiden ersten Septembertagen des Jahres 1870 nach langen, blutigen Kämpfen gegen das kriegs- | geübte und tapfere französische Heer auf Frankreichs Boden den Grundstein legten zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reichs unter dem Zepter des Herrscherhauses der Hohenzollern. „Kaiser Napoleon und sein Heer gefangen . . . Welch eine Wendung I durch Gottes Fügung!" so brauste es durch alle deutschen Gaue ! vom Meeresgestade bis an die Alpen, vom Memelstrom bis zum alten Vater Rhein, zuerst ein wortloses Erstaunen, dann einen unermeßlichen Jubel hervorrufend. Gaben sich schon alljährlich ' bei der Wiederkehr des Gedenktages dieses für ewige Zeiten als ' Markstein in der Geschichte unseres Volkes dastehenden Ereignisses ! laute Begeisterung und das Bedürfnis kund, den 2. September ’ als patriotisches Fest zu begehen, so ist dies im Jahre 1910, welches einen äußeren Zeitabschnitt darstellt und daher Scharen alter Krieger auf den blutgetränkten Stätten ihres unverwelk- ,liehen Ruhms zu erhebenden Gedenkfeiern versammelt, naturgemäß in erhöhtem Maße der Fall. Nicht mehr allzu viele sind es, die von den damaligen Streitern auf Frankreichs | Fluren noch heute unter den Lebenden weilen. Ihnen, die bereitwillig ihr Leben für des Reiches Größe eingesetzt und in zähem Ringen den stolzen Feind mit wuchtigen Schlägen zu Boden geworfen haben, gebühren unser Dank und unsere Hoch- ; achtung. An ihrem Beispiel soll sich das heutige Geschlecht zu gleichem Opfermut und ebenso glühender Vaterlandsliebe begeistern, soll es den Wert kriegerischer Tugenden erkennen lernen, i damit, wenn es nottut, die Söhne das ihnen überkommene Erbe mit derselben Einmütigkeit und heldenhaften Hingabe verteidigen, mit der es vor vierzig Jahren die Väter erstritten haben. Wohl ; angezeigt ist es, an diesem hochpatriotischen Festtage einen Blick auf die Ruhmestaten unseres Heeres zu werfen, welche den in f der Weltgeschichte nicht wieder aufzuweisenden Erfolg, die Ge- ' fangennahme eines Herrschers und seiner ganzen Armee im freien Felde, herbeigeführt haben. Der Zustand des französischen Heeres, genannt die Armee von Chalons, war bei dem abenteuerlichen Zuge, welchen Marschall Mac Mahon in den letzten Augusttagen auf Drängen der Pariser ■ Machthaber auf Metz zu, nahe an der belgischen Grenze entlang, zum Entsatz seines Waffengefährten Bazaine unternahm, ein recht bedenklicher geworden. Durch andauerndes Marschieren bei Tag und Nacht, schlechtem Wetter und mangelhafter Verpflegung waren die Truppen aufs äußerste erschöpft, ihr Vertrauen auf sich selbst uird die höhere Führung hatten sie durch eine Reihe unglücklicher Gefechte und zuletzt noch durch die schwere Nieder- , Iaa« von Beaümont .am 30. August völlig eingebüßt, so daß daß meine Haltung gewissen Antiklerikalen eine Enttäuschung verursachen wird, aber vielleicht mehr noch gewissen katholischen Reaktionären, die auf eine Empörung meinerseits rechneten. Aber ich bedauere nicht, für meinen Glauben leiden zu müssen, und ich hoffe, Gott wird das Opfer meiner Leiden hinnehmen; ich bin glücklich, durch dieses Opfer noch der Sache dienen zu können, der ich mein Leben geweiht habe, und dazu beizutragen, der Republik eine moralische Eingebung und der Demokratie eine christliche Seele zu geben. Da ich vor allem Katholik bin und bleiben will, so wird schon die Frage gegenstandslos, ob ich mich der katholischen Disziplin unterwerfen werde oder nicht. Folglich werde ich, ohne einen formelleren Befehl des Papstes abzuwarten, der in der Enzyklika versichert, er wende sich an mich, wie ein Vater an sein Kind, aufhören, die Bewegung der Volkserziehung zu leiten, die unter dem Namen „Sillon" die jungen Katholiken für das bürgerliche Leben heranbildete und den Zweck verfolgte, in ihnen die moralischen Tugenden und den religiösen Glauben zu entwickeln. Es wäre das eine Versuchung für mich, überhaupt auf jede öffentliche Tätigkeit, selbst auf politischem Gebiete, zu verzichten; denn nichts ist schmerzlicher, als, sich mit wachsender Gehässigkeit von den verschiedensten Parteien angegriffen zu sehen, die trotz ihrer sonstigen Unversöhnlichkeit untereinander sich in dem Wunsche zusammenfinden, mich zu zermalmen. Aber ich glaube, das ist eine Versuchung der Feigheit, und ich gedenke zum Wohle meines Landes tpeiter zu arbeiten, solange mir irgend ein Mittel dazu bleibt." Einem „Temps"-Mitarbeiter setzte Marc Sangnier noch hinzu, er gedenke seine soziale und politische Tätigkeit schon deshalb fortzusetzen, damit man nicht die Worte des Papstes als ein Verbot an die Katholiken auslege, Repu-« blikaner und Demokraten zu sein. An dieser Auslegung wird aber Marc Sangnier beim besten Willen nichts ändern können. Uebrigens hat sich Marc Sangnier trotz seines „kindlichen Gehorsams" dem Papste gegenüber noch dazu in einem Interview mit einem Mitarbeiter eines nationalistischen Mattes, der „Patrie", eine ganz offene Re- spettwidrigkeit zu Schulden kommen lassen. Er sagte diesem nämlich, der Papst werfe ihm vor, nicht die richtigen französischen Gefühle zu haben. „Mir will aber scheinen," sagte Sangnier, „daß der Heilige Vater den französischen Charakter ganz und gar nicht versteht." Der auswärtige handel Deutschlands. Heft II des Bandes 232 der Statistik des Deutschen Reichs behandelt den Außenhandel Deutschlands im Jahre 1909 mit Italien mit Einschluß von San Marino. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen: Die Einfuhr 1908: 235,9, 1909: 287,7; die Ausfuhr 1908: 311,3, 1909: 288,9. Die wichtigsten Einfuhrwaren hatten int Jahre 1909 im Spezial handel folgende Werte in Mülionen Mark: Ungefärbte Maulbeerspinner-Rohseide 126,6, Hanf 13, getrocknete Mandeln 9,3, Aepfel 8,2, Tafeltn.ben und Marmor je 6,1, Eier 6, frische Zitronen, Feigen usw. 5,5, Apfelsinen, Schwefel usw. je 4,1. Die Werte der Hauptausfuhrwaren betrugen in Millionen Mark: Maschinen 44,3 (D ampflo ko Motiven 9,1, Metallbearbeitungsmaschinen 8,3, Nähmaschinen für Handbetrieb ohne Gestell 3,4), Wolltuche 13,2, Overleder 8,3, Anilin und anderweit nicht besonders genannte Teerfarbstoffe 8,2, Dynamomaschinen, Elektromotoren usw. 5,4. Der Edelmetallverkehr im Spezialhandel belief sich im Berichtsjahr in der Einfuhr auf 7,0 Millionen Mark (1908: 5,7 Millionen Mark), in der Ausfuhr auf 11,0 Millionen Mark (1908: 7,2 Millionen Mark). Heft III enthält die Ergebnisse des Handels zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn und Liechtenstein im Jahre 1909. Gegenüber dem Vorjahre haben Ein- und Ausfuhr zugenommen. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hatte die Einfuhr einen Wert von 753,7 Millionen Mark (1908: 751,4) und die Ausfuhr einen solchen von 767,3 Millionen Mark (1908: 736,8). Die bedeutendsten Einfuhrwaren im Spezialhandel des Jahres 1909 hatten in Millionen Mark folgende Werte: Braunkohlen 77,6, Bau- ünd Nutzholz 62,5 (hiervon Nadelholz, unbearbeitet oder querbearbeitet 32,8, längsgesägt, nicht gehobelt usw. 16,3), Eier ihr Oberbefehlshaber es als notwendig erachtete, ihnen eine kurze Rast zu gönnen, die gleichzeitig zur Versorgung mit Lebensmitteln und Schießbedarf ausgenutzt werden sollte. In dieser Absicht hatte er die Versammlung der Armee bei der kleinen Festung Sedan angeordnet, nicht um sich dort zu schlagen. Aber der Kampf wurde ihm dort von den Deutschen aufgezwungen^ deren Maasarmee unter dem Kronprinzen von Sachsen im Osten und deren 3. Armee unter dem Kronprinzen von Preußen int Süden so dicht an die Franzosen herangerückt waren, daß ein entrinnen ausgeschlossen blieb und die Entscheidung fallen mußte. Die Stellung bei Sedan war im Rücken durch die Fesytng gedeckt; die Maas und die Täler des Givonne- Nnd Floingbaches waren gute Hindernisse, tief ein geschnittene Schluchten und schwer durchschreitbare Waldstücke erschwerten das Vordringen des Angreifers und begünstigten die Verteidigung. Trotz eines dichten Nebels hatte der Kampf schon beim Morgengrauen am 1. September begonnen, indem General von der Tann eine Brigade seiner Bayern auf Pontonbrücken über die Maas gegen Bazeilles vorschicktc, wo schon am Nachmittage vorher ein Gefecht stattgefunden hatte. Nunmehr fanb man den Ort zur hartnäckigen Verteidigung eingerichtet. Aller Hindernisse und des feindlichen Feuers ungeachtet, drangen die Bayern in das Dorf ein, und es entspann sich ein stundenlanges, heftiges Gefecht, in welchem Haus für Haus genommen werden mußte. Auch die Einwohnerschaft beteiligte sich lebhaft am Kampfe. Ein Uebel- stand war es, daß die am linken Talrande der Maas stehende starke Artillerie gegen das bald in Flammen ausgehende Bazeilles nicht wirken formte, da der Ort mit Kämpfern beider Parteien angefüllt Ivar. Auf dem rechten Flügel der Bayern traten die Sachsen in der Richtung auf Moncelle ins Gefecht, an die sich weiter nach rechts hin das preußische Gardekorps anreihte, während das 4. Korps die Bayern und Sachsen direkt unterstützte. Auf der andern Seite von Sedan fochten das preußische 5. und 9. Armeekorps. Sie hatten morgens um 6 Uhr bei Donchery, wo die Württemberger zur Beobachtung gegen Mözieres stehen blieben, auf drei Pontonbrücken die Maas überschritten und schlossen den Ring von dieser Seite, um ein Ausweichen des Feindes über die belgische Grenze zu verhindern. Die zuerst aufntarschierten Batterien hatten eine Zeit lang einen schweren Stand gegen die in guter Stellung befindliche französische Artillerie. Nur durch wenige Kompagnien und etwas Kavallerie gedeckt, boten sie ein verlockendes Attackenziel für die in der Nähe haltende feindliche Kavalleriedivision. Diesen Augenblick nutzte der kühne französische Reitergeneral Galliset zu einem Angriff mit drei Regimentern Chasseurs d'Asrique und zwei Ulaneneskadrons ans, der aber an dem Schnellfeuer der preußischen Infanterie zerschellte und unter großen Verlusten wieder zurückslutkü^ Immer enger zog M von; Stunde zu 62,0, 'Rindvieh 38,6 (hiervon Ochsen 26,9), Kalbfelle 24,1, Malz-' gerste, 23,3, Malz 13,4, Hopsen 12,0, Steinkohlen 11,8. In der Ausfuhr des Spezialhandels ragten hervor (mit Werten in Millionen Mark): Steinkohlen 123,6, Maschinen 53,9 (hiervon zur Bearbeitung von Metallen 10,3), Kammzug 31,0 (hiervon Merinokammzug 22,6), rohe Baumwolle 23,3, Bücher 22,3, Steinkohlenkoks 16,1, Oberleder 13,1. Der Edelmetallverkehr hatte 1909 einen Wert von 10,6 Millionen Mark in der Ein- und von 23,7 Millionen Mark in der Ausfuhr gegen 9,9 lHw. 11,7 Millionen Mark im Jahre 1908. Heft IV behandelt den auswärtigen Handel Deutschlands mit Rumänien und Serbien im Jahre 1909. 1. Rumänien. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen: Die Einfuhr Die Ausfuhr 1908 73,7 70,8 _____________1909 64,5_________________________57J2___________ wonach 1009 weniger 9,2 — 12,5 v. H.; weniger 13,6 — 19,2 v.H. Die wichtigsten Einfuhrwaren aus Rumänien erreichten im Jahre 1909 im Spezialhandel folgende Werte in Millionen Mark; Weizen 23,0, Mais 12,7, weiches Bau- und Nutzholz, gesägt usw. 4,9, Hafer 4,5, Gerste 4,2, Eier 3,3, Roggen 2,1, gereinigtes Erdöl (Brennerdöl) und Rohnaphta, Rohbenzin je 1,8. In der Ausfuhr hatten die höchsten Werte (Millionen Mark): Maschinen 7,3, Baumwollwaren 6,2, Wollenwaren 6,0, eiserne Röhren 3,4, schmiedbares Stab- und Bandeisen 2,8, Eisenblech 1,7, Oberleder 1,2, eiserne Pflüge 1,0. Der Edelmetallverkehr belief sich auf 2,2 Millionen Mark in der Ein- und 5,8 Millionen Marck in der Ausfuhr gegen ,4,9. bezw. 2,1 im Jahre 1908. 2. Serbien. Im Spezialhandel ohne Edelmetalle hat in Millionen Mark betragen: Die Einfuhr 1909: 15,4 (1908: 15,4)/ die Ausfuhr 1909: 16,5 (1908: 16,2). Die Werte der hauptsächlichsten Einfuhrwaren im Spezialhandel des Jahres 1909 sind in Millionen Mark folgende: Mais 4, getrocknete Zwetschen 3,2, Futtergerste 1,7, Weiznt 1,5, Schweineschmalz 1,3, Eier 1,1. Die Werte der bedeutendsten Ausfuhrwaren betrugen im Jahre 1909 im Spezialhandel: Wollene Kleiderstoffe 1,5, Eisenbahnschienen 1,3, gefärbte, bedruckte usw. Baumwollgewebe 1,0, schmiedbares Stab- und Bandeisen 0,8, Maschinen: 0,7, Rindshäute 0,6 Millionen Mark. Ein Edelmetallverkehr fand 1909 nur in der Einfuhr statt. Er belief sich auf 208 000 Mark gegen 65 000 Mark im Jahre 1908. Die Wunderdoktoren von Hartenrod. (Nachdruck verboten.) II. h. Marburg, 31. Aug. Heute wurde mit her Beweisaufnahme fortgefahren. Einü Frsu C l o o s aus Wilsbach, begab sich auch in die Behandlung der Heilkünstler. Diese stellten Lungen- und Magenmunderweiterung, sowie Dünndarmverschleimung fest. Der Sachverständige Prof. Dr. Hildebrand hat nur das letztere Uebel festgestellt, eine Magenmunderweiterung kennt er nicht. Dikomeit weigertL sich heute, eine Diagnose festzustellen und gab auch sonst keine Auskunft. Beim Landwirt Cloos aus Wilsbach stellte Dikomeit^ Magen- und Brustrheumatismus fest, als er ihn wegen eines Kopfaus schlag es besuchte. Dikomeit habe ihn völlig kuriert und ihm nur 2 Mark abgenontmen, well er ein alter Kriegs Veteran sei. Landwirt Koch aus Endbach rief Dikomeit zu Hilfe, als sein kleiner Junge Leibschmerzen bekam. Bei der Augenunber- suchung wurde Blinddarmentzündung festgestellt und bei Zimmermann Arznei und Pulver geholt. Es ist das der Fall, bei dem Dikomeit eine Typhus-Erkrankung nicht angemeldet haben solü Ter Kreisarzt, der damals Typhuserkrankungen kontrollierte, hatte den Verdacht ausgesprochen, daß es sich um diese Krankheit handelte. Prof. Hildebrand und Dr. Tennbaum stellen fest, daß es sich um Typhus gehandelt habe. In Endbach habe damals eine ziemlich starke Typhus-Epidemie geherrscht; außerdem habe die Untersuchung von Blutkörperchen des Kindes in Wiesbaden den Verdacht bestätigt. Tie Mutter des Kindes, Ehefrau Koch aus Endbach, hielt mehr zu Dikomeit wie zum Kreisarzt, was diesen zu der Bemerkung veranlaßte, daß sie wohl schlauer sei wie er. „So sehe ich doch gar nicht aus," meinte sie unter allgemeiner Heiterkeit. Eine Frau Becker aus Endbach, die von Dikomell mittels Baunscheidtscher Methode behandelt worden war, bekundete groß« Befriedigung über die Kur. Früher sei Gallenstein bei ihr vermutet worden. Dikomeit habe Leberkrankheit festgestellt. Prof, Stunde der Ring der Umklammerung um die französische Armee, die sich wacker wehrte und kein Mittel unversucht ließ, an irgend einer Stelle durchzubrechen. Noch ein zweites Mal versuche die Kavallerie in aufopfernder Weise und wiederum unter Generah Gallifets Leitung, die andrängenden Deutschen zurückzun^rfen> aber vergebens; ganze Strecken weit war das Feld mit toten, und verwundeten Reitern und gefallenen Pferden bedeckt; jedoch das Schicksal des Tages war nicht mehr zu wenden. Schon am Morgen um 6 Uhr war Marschall Mac Mahon durch einen Granatsplitter verwundet worden, und an seiner Stelle hatten nacheinander General Ducrot und dann Generali Wimpfsen die Führung übernommen. Für den Marschall und seinen militärischen Ruf war diese Verwundung ein Glück, denn sonst wäre er, obwohl er nur die ihm aus Paris zugegangensv Weisungen befolgt hatte, sicher der Unterzeichner der von ganz Frankreich mit einem Sturm der Entrüstung Begleiteten Hu»- tulation geworden und sein Name untrennbar mit dieser verknüpft gewesen. In den Nachmittagsstunden erlahmte der Widerstand, die Tatkraft der Gegner war erschöpft und der Dirchbruchsversnch^ der zuerst von Duerot in der Richtung auf Msziöres angesetzt, dann von Wimpffen nach der entgegengesetzten Seite unternommen! wurde, um die Bayern und^Sachsen zu überrennen und Anschluß nach Metz hin zu gewinnen', endgültig als gescheitert anzusehewi In regellosen Massen drängten die Franzosen von allen Seiten nach Sedan hin, verfolgt von den Granaten der deutschen Batterien, die in mächtigen Linien an beiden Ufern der Maas auf gefahren waren. Bald stiegen die Feuersäulen aus der Stadt auf, und ulm Vsd Uhr nachmittags wurden weiße Fahnen, das Zeichen der Ergebung, auf den Türmen sichtbar, womll der Kampf sein Ende sand. Kaiser Napoleon hatte den General Wimpffen auf- gefordert, in Unterhandlungen mit dem deutschen Hauptquartier zu treten, und hatte für seine Person an König Wilhelm seinen Generaladjutarllen mit einem eigenhändigen Schreiben gesandt> durch das er seinen Degen in die Hand des Königs legte. Vlm nächsten Morgen, Freitag dem 2. September, wurde dann die Kapitulation abgeschlossen, nachdem die Vcrl-andlungen während der Nacht abgebrochen worden waren,weil die französischen Be- vollmächtigten erfiärt hatten, die geforderten Bedingungen als zu hart nicht annehmen zu können. General Moltke aber blieb fest, er forderte Waffenstreckung der ganzen Armee und bran^ durch; die Franzosen sahen wohl auch das Aussichtslose eines weiteren Kampfes ein, der ihnen am 1. September 17 000 Mann gekostet hatte, ein Verlust, der auf die volle Entwicklung der deutschen Artillerie zurückzufül)ren ist. Die Einbuße der Deut- ichen belief sich etwa auf die Hälfte. Schon während de§ Kampfes waren 21 000 Franzosen in Gefangenschaft geraten, denen bind) die Waffenstreckuna noch 83 000 Mann hinzutraten, so daß ins' gefamt 104 000 Mann ifl feie Hände den Deutschen fielen, welche Hildebrand bezeichnete die Frau als etwas wunderlich veranlagt. Eine Bemerkung von ihr erregte solche Heiterkeit, daß der Vorsitzende wiederholt mit Räumung des Zuschauerraumes drohte. Bei Frau Wagner aus Oberweimar hatte Dikomeit chronische Blutstockung festgestellt. Dikomeit verweigerte Prof. Hildebrand gegenüber die Aussage. Ein junger Manu namens Schnabel aus Niederweima« begab sich aus der Behandlung der Aerzte in die Dikomeits. Letzterer stellte Milzerweiterung und Milzkrebs fest. Prof. Hildebrand bemerkte, daß von Milzkrankheit keine Rede sein könne; es handle sich um Folgeerscheinungen eines fPferdetrittes. Das Kind des Landwirts Kuhl in Lohra war schwerhörig, als es Dikomeit zugcführt wurde. Es wurde mit dem bewußten Apparat hinter den Ohren, gestochen. Die Krankheit sei keine Gehörgang-Verdickung, wie sic Dikomeit bezeichnet, gewesen, meinte Prof. Hildebrand. Eine Frau Wilhelm aus Gladenbach, jetzt in Frankfurt, hatte Druck im Halse. Sie ließ sich erst von Aerzten und dann von Dikomeit behandeln. Auch sie wurde mittels Baunscheidtscher Methode behandelt. Sie gab an, schwer gelitten zu haben, denn sic sei wochenlang mit Eitergeschwüren geplagt gewesen. Später sA sie in der Klinik operiert worden. Bei diesem Falle kam auch der Angeklagte Zinrmermann in Betracht, der bei dieser Gelegenheit durch allerhand Redensarten seine und Dikomeits Kunst in ein hohes Licht gesetzt haben soll. Er gab an, daß er die Frau nur auf ausdrücklichen Wunsch mit dem Apparat behandelt hätte. Die Tochter der .Frau bekundete, daß Dikomeit ihr versprochen hätte, mit dem „Lebenswecker (d. i. der Baun- scheidtsche Apparat) die Halskrankheit ihrer Mutter zu heilen. Es sei auch Stropalpulver verschrieben worden. Sie schilderte den Zustand ihrer Mutter bis zur Operation und erzählte auch, daß ihr Dikomeit ein Glas mit Käfern gezeigt hätte, die er angeblich einem kranken Kinde abgetrieben habe. Ein junges Mädchen aus Erda im Kreise Wetzlar war augenkrank. Es war in der Gießener Klinik und auch bei anderen Aerzten gewesen. Dr. Kuffler aus Gießen und Dr. Tilger aus Hohensolms traten in diesem Falle als Sachverständige auf. Das Mädchen führt den bessern Zustand seiner Augen auf die Behandlung durch Dikomeit zurück und gab dem Wunsche Ausdruck, daß dieser nicht verurteilt würde. Es folgten Patienten aus Ellnhausen, Römershausen, Wolfgruben, Fronhausen usw., die von allen möglichen Krankheiten, u. a. auch „Rheumatismus im Magen" durch Dikomeit befreit sein wollten. Die ärztlichen Sachverständigen stellten meist fest, daß die Krankheiten meist gar nicht vorhanden waren, teils noch bestanden. Ein Arzt aus Gladenbach namens Haun machte einen Versuch, Dikomeit durch eine Urinprobe hineinzulegen. Der Abgesandte hatte die Sache augenscheinlich etwas ungeschickt angefangen, denn der Angeklagte merkte die Geschichte. Ein Mädchen aus Kirchoers soll _üon Dikomeit von der Schwindsucht geheilt worden sein. So folgten eine ganze Reihe von Fällen, die ähnliche Heilerfolge betrafen. Interessant war die Aussage des Landwirts Wüstefeldj aus Binzhausen bei Göttingen, dessen Sohn, nachdem er alle Aerzte vergeblich konsultiert und sogar die Göttinger Klinik in Anspruch genommen hatte, durch Dikomeit von etwa 20 lebendigen Käfern (sog. Kellerasseln), die er int Leibe hatte, befrei! wurde. Die ärztlichen Sachverständigen bezeichneten diese Sache als völlig unmöglich. Der Zeuge sagte, daß sogar der Wunderdoktor Ausmeier in Westerode hier nicht habe helfen können. Um 8 Uhr abends wurde etwa 30 heute übrig gebliebenen Zeugen mitgeteilt, daß sie morgen wieder erscheinen möchten. Sport. D. Mainz, 30. Aug. Die am Sonntag in Mainz abgehobene 15. (Kaiser-) Regatta des Süddeutschen Ruder-Verbandes hatte sich bei schönem Wetter eines großartigen Besuches zu erfreuen. Der Kaiserpreis im Vierer ohne Steuermann und die Rheinmeisterschaft im Einer bildeten eine große Zugkraft. Im Kaiserpreis starteten, da Offenbacher „Germania" nicht erschienen war, 6 Boote, immerhin noch eine recht stattliche Zahl. Ohne eine Kollision konnte dies Rennen durchgefahren werden. Die siegreiche Mannschaft des Mainzer R.-Kl. 1903, lauter Leute von 18 bis 20 Jahren, leistete vorzügliches, denn sie stand erstklassigen Mannschaften gegenüber. Nur die Gießener „Hassia" und die Frankfurter „Alemannia", die kurz zuvor ein heißes Rennen im 1. Vierer ausfochten, zeigten Ermüdung. In C. Joedt besitzt die Gießener „Hassia" einen vielversprechenden Skuller, der in der Rheinmeisterschaft bei besserer Steuerung dem Sieger Meier gefähr- luch hätte werden können. Tas Resultat der einzelnen Rennen war folgendes: Einer (Rheinmeisterschaft): 1. M. Meier (Frankfurter „Alemannia") 9:01, 2. E. Lechtolf (Frankfurter „Arnicttia") 9:042lä, 3. E. Joedt (Gießener „Hassia") 9:05s/s, 1 Länge zwischen dem 1. und 2. und 1/4 Länge zwischen dem 2. und 3. Boot. — Ermunterungsvierer: 1. Mainzer R.-Kl. 19 0 3 8 : 00, 2. Mainzer R.-Kl. „Fortuna" 8:17; überlegen gewonnen. — Senior-Vierer: 1. Frankfurter R.-Kl. „Alemanni a", 2. Mainzer R.-Kl. „Fortuna", 3. Frankfurter R.-Sp.-V. „Amicitia", 4. Gießener R.-Kl. „Hassia". Bei fast geschlossenem Rennen im überdies als Siegestrophäen neben einer Unzahl von Waffen verschiedener Art, Fahrzeugen und 6000 brauchbaren Pferden 419 Feld- und 139 Festungsgeschützc aufzuweisen hatten. Ein Stück Weltgeschichte, erschütternd in seiiren Folgen und bedeutsamer als ein Jahrhundert ruhiger Entwickelung, hätte an dem denkwürdigen 2. September 1870 seinen Abschluß gefunden. Niemals hat das deutsche Volk einen größeren Triumph gefeiert, einen größeren Freudentag erlebt. Der französische Kaiserthron brach unter den Siegen der deutschen Heere zusammen, deren Frucht die Aufrichtung des Deutschen Kaiserreiches wurde. Frevelnd hatte Frankreich den Frieden gebrochen, ungenügend vorbereitet war es in den Kampf gezogen, prahlerisch lärmend, als könne ihm der Erfolg nicht fehlen. Stolz berauschte man sich an der Erinnerung alten Ruhmes und verlangte, eifersüchtig auf die von. Preußen int Jahre 1866 erfochtenen Siege, die man als eine Herausforderung ansah, „Rache für Sadowa". Das Ergebnis dieses Strebens verkörperte sich in den Ereignissen des Sedantages 1870, welche Frankreich wie ein furchtbares Strafgericht trafen. Ein Richterspruch des Allerhöchsten lvar es, denn „die Weltgeschichte ist das Weltgericht". Zio. * — Ein Heilserum gegen die Lepra? Nachdem eben ein Mittel gegen die Syphilis gefunden worden ist, kommt jetzt eine Nachricht, die auch eine Heilmöglichkeit für die furchtb-arfte und unheiyrtichste aller Krankheiten, für die L e p r a, in Aussicht stellt. Nach Berichten a m e r i -i kanischer Aerzte, der Doktoren Euril, Brinkerhoff und Hollimann, dieimLeprahospitalderAus- sätzigeninsel Motokai im Hawaiurchipet arbeiten, ist es gelungen, den Leprabazillus zu entdecken und in Bouillonkultur zu züchten. Man hofft, damit eine Möglichkeit zur Herstellung eines Heilserums zu haben. — Kurze Nachrichten ausKunst u. Wissenschaft. Der diesjährige Berbandstag des Deutschen Schrift st eller- Verbandes wird vom 10. bis 12. September in Koblenz abgehalt-'n werden Für die Festsitzung am 11. September in der Koblenzr Festhalle haben u. a. Vorträge zugesagt: Rudolf Herzog, Victor B l ü t hg e n und Obervegisseur Max Grube. - Tu Geschäftsstelle der 82. Naturforscherversamm lung in Königsberg i. Pr. macht darauf aufmerksam, daß Meldungen für den am 17. September abends von Berlin abgehenden Sander zu g ^Ersparnis ungefähr 45 Proz.) spä testens am ' plan brr bei der Geschäftsstelle der Naturforscher^ Versammlung appenstraß 25/26- eintreffen müssen. — Der Du n d deutscher Fra nennet eine wird seine 9. ( rla mmlu < Oktober, tu HAdelberg ab halten. Endkampf mit Luftkastenlänge gewonnen. — Einer: L. Schmalz (Gießener .Hassia"), der sich sehr verbessert hat, ging, da K. Beyer (Mainzer A.) am Start kenterte, allein über die Bahn. — K a i s e r p r e i s : 1. M a i n z e r R. - K l. 1 9 0 3 7:13, 2. Frankfurter „Alemannia" 7 :22, 3. Frankfurter „Amicitia" 7: 24, 4. Frankfurter R.-G. „Borussia", die anfänglich führte. Hochinteressanter Endkampf. Gießen und „Fortuna" aufgegebeu. — Den Junior- Vierer gewann „Fortuna" (7:46) leicht gegen Mainzer Kl. (8:00) und Gießener „Hassia" (8:34); im Achter blieb Frankfurter „Amicitia" sicherer Sieger über -Fortuna" (6:49 und 7:07). Die Cholera. Keine Cholera in Berlin. Berlin, 31. Aug. Wie das Wolff'sche Depeschenbureau von zuständiger amtlicher Stelle erfährt, bestätigte sich bei sämtlichen Krankheitsfällen im Landespolizeibezirk Berlin der Choleraverdacht nicht. Auch bei dem Charlottenburger Fall scheint — wie mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden kann — keine Cholcraerkrankung vorzuliegen. Im übrigen wird jeder Meldung von einer choleraähnlichen Erkrankung sofort und auf das peinlichste nachgegangen, so daß zur Beunruhigung nicht der gering st e Anlaß vorliegt. Unbegründeter Choleraverdacht. Wien, 31. Aug. Bei der heute vormittag im Allgemeinen Krankenhause zur Behandlung aufgenommenen Frau Anna Cha- lupski aus Tulln stellte sich bald nach ihrer Einlieferung heftiger Brechdurchfall ein. Es wurden deshalb zur Beobachtung der verdächtigen Krankheitserscheinungen sofort alle entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Die bakteriologische Untersuchung ergab, daß es sich nicht um Cholera handelt. Wien, 31. Aug. Unter verdächtigen Erscheinungen wurden gestern drei Personen in das Franz-Josef-Spital eingeliefert. Sie wohnen in weit auseinander liegenden Bezirken. Das Befinden aller soll besorgniserregend sein. Die bakteriologische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Wien, 31. Aug. Wie das Stadtphysikat mitteilt, haben sich die Erkrankungen der gestern ins Franz-Josef-Spital mit IMagen- und Darmkatarrhen eingelieferten Personen als v o l l - ständig unbedenklich erwiesen. Heute wurden wieder an Magen- und Darmkatarrh erkrankte Personen eingeliefert. Rom, 31. Aug. In den letzten 24 Stunden sind in Barletta fünf Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera festgestellt worden, in Trani ein Todesfall, in Molfetta zwei Erkrankungen und ein Todesfall, in SPina z z o l a eine Erkrankung und e i n Todesfall, in Bitonto eine Erkrankung, in Margherita bi Savoia eine Erkrankung und vier Todesfälle, in Trinitapoli zwei Erkrankungen und ein Todesfall, in Ceriguola zwet verdächtige Erkrankungen und zwei Todesfälle. Petersburg, 31. Aug. In den letzten 24 Stunden sind 59 Personen an Cholera erkrankt, 19 gestorben. Der Stand der Erkrankungen ist nunmehr 651. Newyork, 31. Aug. Die Gesundheitsbehörde des Ncw- yorker Hafens hat als Maßnahmen gegen die Cholera die Untersuchung sämtlicher aus Italien, Deutschland und Rußland einlaufenden Schiffe angeordnet. vermischtes. * Ein Geheimnis der Berge. Ein tragisches, bisher in Dunkel gehülltes Schicksal hat nun auf einem einsamen Berggipfel des schottischen Hochlands seine Aufklärung gefunden: Lady Marjorie Gladys Stuart Erskine, die schöne Tochter des Earl von Buchan, die seit einem Monat verschwunden war, wurde an einem entlegenen Fleck des berühmt n Craigellachie Hill tot aufgefunden. Wochen hindurch hatte man sie vergebens gesucht. Auf einem einsam unternommenen Ausfluge war sic eines Tages von dem schottischen Städtchen Aviemore aufgebrochen und erst vor wenigen Tagen fand sie zufällig ein Arbeiter, der hinauf gestiegen war auf den Berg, um weiße Heideblüten zu suchen. In der stillen, blühenden Wildnis sah er plötzlich einen jungen Frauenkörper in den Heideblüten liegen, das Gesicht nach unten gekehrt. Er holte Hilfe und brachte den Leichnam nach Aviemore herab. Hier faitd man aus den Papieren ihres Tagebuches, unter denen sich noch eine auf ihren Namen ausgestellte Hotelrechnung befand, heraus, daß es sich um die lang vermißte Lady Marjorie handelte. An dem Körper fanden sich keine anderen Verletzungen als ein gebrochener Fußknöchel. Daraus läßt sich die furchtbare Tragödie, die sich in der einsamen Höhe des .schottischen Hochlands abspielte, herauslesen. Lady Marjorie war augenscheinlich auf einem wenig betretenen Fußpfade den Berg hinangestiegen, war oben ausgeglitten und hatte den Fuß gebrochen. In ihrer völligen Hilflosigkeit lag sie nun da; in dem weiten Heidew- blütenteppich waren noch Spuren zu erkennen, daß sie versucht hatte, von dem Fleck fortzukriechen, an dem sie hingestürzt war. Aber es gelang ihr nur, sich wenige Schritte zu bewegen. So mußte sie langsam ihr Ende erwarten, wie ein angeschossenes Reh, das einsam verendet. Das rauhe, stürmische Wetter, das in den ersten Tagen des August wütete, wird ihre Qualen verkürzt haben. Lady Marjorie, die zu den Mitgliedern der höchsten englischen Aristokratie gehörte, war ein schönes Mädchen mit 'chwarzen Augen und schwarzem Haar, das in der Gesellschaft die größte Beliebtheit genoß. Allgemeines Aufsehen hatte es erregt, als sie im Jahre 1904 ihren Entschluß erklärte, Krankenpflegerin zu werden. Mit schöner Begeisterung war sie vier Jahre lang in diesem Beruf tätig. Dann aber fühlte sie ihre Gesundheit angegriffen und verließ das Londoner Kinderhospital, in dem sie segensreich gewirkt. Sie war im Jahre 1908 verlobt gewesen; aber schon nach zehn Tagen war dies Verlöbnis wieder gelöst worden. So lag bereits Über dem Leben der schönen Earlstochter eine gewisse Tragik, die in ihrem Ende einen ungeahnten: Abschluß gefunden. Kleine TnaeSchronik. In Ob tzrl ahn stein wurde ein Mädchenhändler verhaftet, als er mit mehreren jungen Mädchen, die sich 'als seine Nichten ausgaben, nach Argentinien abreisen wollte. Sie sollten angeblich in der Ausstellung von Buenos-Aires Stellung nehmen. In M o d de r w i e s e bei Driesen in der Neumark. wurde die Witwe Glosinsky im Armenhause ermordet. Der Mörder setzte darauf das Haus in Brand. In ihrer Villa in Ohrdruf wurde gestern abenb die etwa 38 jährige Frau des Rentiers Boschröter während der Abwesenheit ihres Mannes durch Beil hiebe schrecklich zuge- richtet. Vom Täter fehlt jede Spur. In Priebus wurde ein Mann verhaftet, auf den das Signalement des lange gesuchten Raubmörders Sternickel passen soll. (?) In den Kohlenbergwerken von T r i f a l (Steiermark) wurden 10 Arbeiter durch eine niedergehende Wand ver- chüttet. Einer wurde als Leiche geborgen, die übrigen liegen noch unter dem Gestein. Nach einem Telegramm des Oberleutnants Filchner aus H a m m e r f e st ist die Vorexpedition nach dem Pol dorthin zurückgekehrt, nachdem sie Spitzbergen von Ost nach West, von Tempelbay bis Wichbay durchquerte. Die Teilnehmer der Expedition befinden sich bei guter Gesundheit. Der französische Poftdampfer „Ma gell an" hatte auf der Fahrt nach Buenos Aires eine ernste Havarie. In der Nähe der Insel Palma brach eine Schraubenwellc und das Wasser drang in den Laderaum ein Die „Magellan" wurde in den Hafen von Santos geschleppt. Die Passagiere und die Besatzung sind wohlbehalten, .Ein grober Tck fees Latzung gilt M verloren, > In London legte ein Riese nbr and ein großes Geschäftshaus in der Oglestraße, das sogen. „Oglehaus", das 150 Fuß Fassade hat, in Asche. Durch bie Arbeit mit 20 großen Dampfspritzen gelang es, das daneben stehende Hospital zu retten. Das „Oglehaus" ist total abgebrannt. 10 0 Menschen sind arbeitslos. Der Schaden ist bedeutend. Beim Bau des neuen Pennsylvania-Bahnhofes in New - Y,o r k stürzt e ein Gerüst mit 38 Anstreichern in die Tiefe. Sechs von ihnen wurden schwer, alle anderen leichter verletzt. handel. Dortmund, 31. Aug. In der Gläubigerversammlung des Dortmunder Brauhauses teilte der Verwalter mit, daß die Masse etwa 330 000 Mark beträgt, die Schulden belaufen sich auf 3 567 000 Mark; darunter iy2 Millionen Mark in Gefälligkeitsakzepten, die an die Niederdeutsch c Bank gegeben sind. Davon werden 400 000 Mark ungültig sein, da die Unterschriften nicht in Ordnung kommen. Mit diesen 400 000 Mark Abzug liegen 16 Prozent, andernfalls nur etwa 12- 3 Prozent in der Masse. Dortmund, 31. Aug. In der heute im Konkurse des Architekten Maiweg, Aufsichtsratsmitglied der Niederdeutschen Bank, anstehenden Gläubigervcrsammlung teilte der Verwalter mit, die Verbindlichkeiten beliefen sich auf i 586 000 Mark, die Aktiven hingegen auf 1793 000 Mark, so daß ein Ueberschuß von 207 000 Mark bleiben würde, wenn Maiweg der Niederdeutschen Bank gegenüber nicht Bürgschaften und Wechselverbind- lichkeiten in Höhe von 3 Millionen übernommen hätte. Der Bankier Ohm hat Maiweg stets versichert, er werde wegen dieser Verbindlichkeiten niemals in Anspruch genommen werden. Für sämtliche Bürgschaften besteht Rückbürgschaft an die erwähnte Bank, lieber die Höhe der zu erwartenden Dividende aus diesem Koir- kurse konnten noch feine genauen Angaben gemacht werden. Märkte. td. Gieße», 1. Sept. Der gestrige Schm ein emarkt war wiederum schwach versorgt. Ter Vorrat belief sich aus 300 bis 350 Ferkel und Läufer, es stand ihm eine stärkere Nachfrage gegenüber. Trotz etwas höherer Preise als am letzten Markt wickelte sich das Geschäft schnell und glatt ab. Erzielt wurden für das Paar Ferkel, 6—8 Wochen alt, 48—60 Mk., 10—13 Wochen alt 70 - 80^Mk., leichte Springer 90—100 Alk., schwerere Ware bis 130 N!k. Schlachtreite Schweine (sogenannte Fleischivare) werden mit 68—69 Mk., fette Tiere mit 66—67 Alk. per Zentner Schlachtgewicht offeriert. Nächster Markt 13. und 14. September, am zweiten Markttage auch Krämermarkt. '^September-Märkte in Oberhessen und Nachbarschaft. 6. September Kirchhain und Usingen, 13. Driedorf, 13. und 14. Gießen, 14. Homberg, 15. Butzbach, 20. Gedern und Kirchhain, 20. und 21. Ulrichstein, 21. Wetzlar, 22. Weilmünster, 27. Laubach, Dreihausen und Marburg, 27. und 28. Gießen, 28. Alsfeld und Friedberg, 29. Fulda und Marburg, 3 >. Gladenbach. L. Friedberg, 31. Aug. Ter heutige Markt war mit Schweinen recht gut befahren, an 1300 Stück waren auf- getrieben. Während der Augustmarkt sonst zu den besten des Jahres zählt, war der Handel diesmal flau. Es fehlte an Käufern, infolgedessen gingen die Preise zurück. Tas Faulen der Kartoffeln schreckt die Landwirte vor dem Aufziehen der Ferkel zurück. Tas Paar ivurde mit 40, 48, auch 50 Mk. bezahlt, Einleger kamen höher, 60 und 70 Mk. das Paar. Viele Tiere gingen ungekauft wieder zurück. Limburg a. d. Lahn, 31. Aug. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 17,10 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorte) 16,65 Mk., Korn 10,65 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 'Ulf., Braugerste 00,00 Mk., Hafer, alter, 7,50 Mk., neuer 7,00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln, neue, 6,00-0,00 Mk. fc. Frankfurt a.M. Viehhof-Marktbericht vom 1. Sept. Auftrieb: Ochsen 27, Bullen 2, Kühe 92, Kälber 747, Schafe 103, Schweine 747, Ziegen 4. Tendenz: Kälber bei lebhaftem, Schafe bei ruhigem Geschäft ganz geräumt, Schweine mäßig rege, nahezu geräumt. Preis pro 100Pfd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. , Mk. ~ Mk. Feinste Mast-(Vollmilchmast) u. beste Saugkälber 60—64 100—10t Mittlere Mast- und gute Saugkälber .... 55—59 92 — 98 Geringere Saugkälber . . 53—54 89—91 Schaf e. Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . 37—00 78—00 Aeltere Masthammel und gut genährte Schafe 31—00 75—00 Schweine. Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht 56.00—57.00 70.00—71.00 Vollfleischige Schweine über 2*/, Zentner LebendgewiM 56.00-57.50 70.00-73.00 Fettschweme itoev 3 Ztr.Lebendgeiv. . 56.00—57.50 72.00—74.0g Fleischige Schweine 56.00—57.00 72.00—73.00 Uirehliche Nachrichten Israelitische ßehgionsgemcinOe. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag den 3. September 1910: Vorabend: 6.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schrifterklärung. Sabbatausgang: 7.55 Uhr. Israelitische tteligionsgeseüschast. Gottesdienst. Sabbatfeier am 3. September 1910: Freitag abend 6.40 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 7.55 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, abends 6.30 Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Aug. Sept. 1910 Barometer auf 0° reduziert Temperatur bei Luit Absolute Feuchtigkeit Relative fteucbtiafeit Windrichtung ___i Windstärke I (Brob bei BetJÖIhung in gehnrel der fichlb tzimmelsfl. Wetter 31.1 2” 752,9 17,8 10,7 70 W 4 10 Bed. Himmel 31.; ö’6 753,2 15,2 10,4 81 w 2 10 1?” 753,7 11,9 9,1 89 SW 2 9 Beiv. Himmel Höck Nied Nie sie Tei vigfte derschl nperatuc am ig: — 0.0 m 30. 30. m b iS 31. „ 31. August — + 18,7 0 3. 4- 11,1 tiC. Foulard - Stä