Nr. 157 Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerFamilienblütter; zweimal wöchentl.rlleis- blatt für den Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag) ; zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seitfrage« Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gieße«. Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag 8. Juli 1910 O TBjjF A Bezugspreis: Gießener Anzeiger Seneral-Snzeiger für «derheffen ZW bis vorrnittags 9 Uhr. ^^Eationzöruck und Verlag -er Vrühl'schen Univ.-Buch- und Stemöruderei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: §chulstrake 7. faaI".: Heß; für^den ———— ‘ ’ D Anzeigenteil: H. Beck. ten politische Tagesschau. Der nächste Reichshaushaltsetat. Aus dem Strafprozetzausschutz. :: Berlin, 7. Juli. Deutsches Reich. Der Posten eines Vizepräsidenten dtzs p-reu- ßischen Staatsminifteriums, der seit einigec Zeit unbesetzt ist, dürfte, wie wir hören, auch vorläufig nicht besetzt werden. Die Frage ist durch die Neuernennungen von Ministern hinausgeschoben worden. Bei der starken Inanspruchnahme des Ministerpräsidenten wäre die Besetzung des Postens wohl angebracht und war einige Zeit letzthin auch geplant. Wie es heißt, sollte Frhr. von Rheinbaben für diesen Posten ausersehen gÄveserl sein, als das große Revirement begann. Der preußische Gesandte beim Vatikan, Dr. von Mühlberg, geht in nächster Woche in Sommerur taub. In acht von der Sozialdemokratie einberufenen Versammlungen in Berlin wurde die Reform der Arbeiterversicherung diskutiert und gegen die angebliche Verschlechterung der neuen Reichsversicherungsordnung protestiert. Die Versammlungen nahmen alle einen ruhigen Verlauf. Der Vorstand des konservativen Wahlvereins für den Reichstagswahlkreis Frankfurt a. O. — Lebus hat beschlossen, für die bevorstehende Ersatzwahl den Arbeitersekretär Dunkel als Kandidaten der konservativen Partei in Vorschlag zu bringen. — lieber die Person des sozialdemokratischen Kandidaten ist bisher noch nichts bekannt. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg ist gestern vormittag 1/2W Uhr in Karlsruhe eingetroffen und vom Großherzog und der Großherzogin empfangen worden. Abends 7 Uhr fand zu Ehren des Reichskanzlers ein Diner statt. Der Großherzog hat dem Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg den Hausorden der Treue und dem Unterftaatssekretär der Reichs- kanzlei Wahnschaffe das Kommandeurkreuz 1. Klasse des Zähringer Löwenordcns verliehen. Bald nach seiner Ankunft hatte der Reichskanzler eine Besprechung mit Staatsmmister Freiherr v. M a r s ch a l l in der preußischen Gesandtschaft. Heute nacht ist der Reichskanzler wieder nach Berlin zurückgereist. Aus Hessen. R.B. Darmstadt, 7. Juli. Der Sonderausschuß der Zweiten Kammer für die Verwaltungsgesetz- re v i s i 0 n war heute zu seiner Schlußberatung vor den Sommerferien zusanlmen, cm der auch der Minister des Innern von Hombergk und Geheimerat Best teilnahmen. Die Sitzung galt der Fertigstellung der beiden vom Ausschuß durchberatenen Gesetzentwürfe über die Städteordnung und die Laud- genreindeordnung, bei denen noch über eine Anzahl zurückgestellter Punkte nach Anhörung der Regierung Beschluß gefaßt wurde. Die beiden Regierungsvorlagen sind somit vom Ausschuß vollständig erledigt worden und den Ausschußberichterstattern für die Städteordnulig Abg. Dr. Glas sing, für die Land- gemcindeordnung die beiden Abgg. Stöpler und Uebel, liegt nun die Aufgabe ob, die umfangreichen Berichte darüber für den Drucksertig zu machen, was noch verschiedene Wochen Zeit und Mühe kosten wird^ Die Zweite Kammer wird danach voraussichtlich Das Ende der kretischen Urisjz. Der „Köln. Ztg." wird ans Kanea vom 7. Juli gemeldet: Tie Krisis ist durch Nachgeben gelöst. Tie schon im Frühherbst wieder eine Reihe von Plenarberatungen abhalten und die beiden Gesetzentwürfe endgültig beraten und erledigen, so daß sie, wenn ihnen die Erste Kammer keine weiteren Schwierigkeiten bereiM, mit Schluß der gegenwärtigen 34.Kammer- tagung Gesetzeskraft erlangen dürften. Die neue Wahlrechtrvorlaae. L . . p deutsche Genossenschaftswesen mYiirn Tmf h^r f.x - lsi rn einem ständigen Wachsen begriffen. Das Reichsarbeits- wÄilÄJättkl?1 *" s“ W8eti” ÄfaffiSi.ESt.l oder kommt sie nicht? fragt der „Vorwärts"; und die „Berl. Pol. VLachr." antworten mit einem „Sie kommt." Des Blatt des Bundes der Landwirte dagegen sieht chr mit Unbehagen entgegen. Es hat darum nichts Eiligeres zu tun, als an die Regierung die Mahnung zu richten, die Frage der Wcchlreform schlafen und sie nie wieder den Tag der Auferstehung erleben zu lassen. Die Angst, die aus diesen 3,eilen spricht, nimmt im Munde der „Deutschen Tagesztg." Mitangeklagte erstrecken muß, die die Berufung nicht eingelegt haben. Die Fraae soll noch in zweiter Lesung erörtert werden. Bei § 328 wurde hinzugefügt: „Ist auf Einstellung erkannt, weil die Tat nicht verfolgbar ist, so hat das Gericht das Urteil auszuheben und die Sache an das Gericht zurückzuweisen, dessen Urteil aufgehoben wird." Der Abschnitt über die Revision blieb unverändert Fortsetzung Freitag. ein Unding ist. Alle Mehrforderungen der Einzelverwäl- tungen, die bis zum 1. Llugust dem Reichsschatzamt ihre, . -----— Etatsau fftellung ein reichen sollen, müssen eine eingehende betont, daß bei der Berufung eine Bestimmung fehlt, nach Begründung erfahren, und nur die dringlichsten Forde- ber ein Urteil, soweit es aufgehoben wird, sich auch aus rangen können berücksichtigt werden. IM ganzen genotm prwt-rprfp-n mnfi s;« ----- men kann man die Einnahmen des Reiches aus den Steuer- und Zollerträgen usw. nicht als günstig bezeichnen, und besonders ungünstig fällt für das neue Jahr rns Gewicht, daß die immer noch nicht gedeckten Ma- trikularumlagen für 1909 zum Teil Berücksichtigung finden müssen. .Es kommt ferner die Reichs- schuldentilgung hinzu, die durch das Etatsgesetz von 1906 geregelt wurde. Danach sollten vom Jahre 1908 ab nrindestens ’/5 vom Hundert des vorhandenen Schuldbetrages getilgt werden, wobei eine Absetzung vom Anleihesoll einer Tilgung gleichzuachten ist. Durch das neue Finanzgesetz ist die Schuldentilgung jo geregelt worden, daß die jetzt bestehende Schuld mit jährlich 1 vom Hundert neue Anleihen für werbende Zwecke mit 1,9 vom Hundert, und für nichtwerbende Zwecke mit 3 vom Hundert getilgt werden j sollen. Für 1910 ergab si chhieraus eine neueinzustellende Summe von rund 45 Millionen und für 1911 dürfte ein entsprechend höherer Betrag in Betracht kommen. Abgesehen hiervon kommen u. a. noch die Ausgaben lftnzu, I die bisher durch den Reichsinvalidenfonds gedeckt ivurden, und dann die steigenden Flotten- und Heeres- Lusgaben. Man kann daher mit Sicherheit damit rechnen, daß außer den Neuausgaben, die auf Grund bereits bestehenderBeschlüsse nicht zu umgehen sind, wesentlich hohe Neuforderungen im neuen Voranschlag nicht ent- c Aeg isch e n St 0 rthing erklärte der Minister des Aeußern ^rgons mbezug aus die Spitzbergenfrage macn zu. vorläufigen besonderen Verhandlungen mit -schweben und Rußland geschritten sei, ohne eine Sicherheit dafür zu haben, daß dce übrigen Länder, die ein Interesse an der qlück- uchen Lowng dieser ytcige haben könnten, diesem Schritte ku- stimmen werden Aus die Bemerkung des früheren Ministerpräsi. denten Konow, daß aus Spitzbergeii keine gemeinsame Institution irgend welcher Art seitens verschiedener Länder eingerichtet werden dürfe, erwiderte Jrgons, wenn von den beteiligten Staaten eine Regelung vereiiibart wird, die auch für Norwegen annehmbar selbstverständlich, daß Norwegen dieser Regelung ttch anschlofte, selbst wenn damit eine Jnstitutton geschaffeii würde hielte emC ein’dne Ländergruppe einen sichtbaren Einfluß er' Ein Zirkular >es türkischen Ministeriums des Innern fordert die Provnrzialbehörden neuerdings auf, dem Bov E?.^brzüglich ein Ende zu setzen und gegen Zuwiderhandelnde gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen. Wie^das „Wiener Korr.-Bureau" .mÄdet, überraschte ^^.lürknche Grenzwache auf itürkisck;em Gebiet zwei grie chNcke Soldaten, die einen Waffentransport ae- jetteten. Da die Griccheir auf Anruf nicht hielten, feuerten die Türken und verwundeten die Griechen, tvelck>e flüchteten. Die bv ladenen Pferde und zwei Treiber fielen in die Hände der Gre»- wache. Die „Nowoje Wremja" bezeichnet als Zweck der russisch- I a p a n i s ch e n Konvention vom 4. Juli ein Zusammen wirken der Berttagsmächte zur .Verbesseriiug des Betriebe^ her mandschurischen Bahnen unb zur Erhaltung des Statusauo in Mandschure. D,e Zesstnrg sagt hinzu, dir StotoeS f i Grundlage eines dauernden Friedens int fernen Osten befreie hie V°rt.r°hsm°chtu vom Zwang. Mer Krieasdarertschast daselbst nnd ermögliche eine ruhige Vollendung der Amurbahn — pH-h- schreist, der Vertrag sei augenscheinlich gegtm Mua gW Man sollte meinen, diese Worte seien deutlich genug, um jeden Zweifel von einer Mchtwiedereinbringung der Vorlage von vornherein auszuschließen. Eine andere Frage ist freilich, wann ein neuer Gesetzentwurf zur Aenderung des Wahlrechts dem Abgeordnetenhause vorgelegt werden wird. Die fr eikonservative „Post' meint, im Gegensatz zu Herrn Schmedding, der in einer Zentrumsversammlung in Münster kürzlich eine neue 'Wühlresormvorlaqe schon für die nächste Session in stellt, in der nächsten Tagmig würde der Versuch einer Wcchlreform nicht wiederhott werden, und fügt zur Bekräftigung an, ihre Auffassung beruhe nicht aus Vermutung, sondern auf sicherer, tatsächlicher Unterlage. Aus welcher .Quelle sie ihre Weisheit ge-I schöpft hat, verrät sie natürlich nicht. Aber rnrmerhin mag sie, mit ihrer Vermutung nicht ganz unrecht Haden In unserem parlamentarischen Leben ist es Brauch, einem neuen Minister eine bestimmte Schonzeit zu gewähren, und es ist anzunehmen, daß Herr v. Dallwitz, der die neue Wahl- Ätnit seinem Namen zu decken haben würde, wenig! , sich gleich mitten in den Strudel erregter Parla- Opposition hat schriftlich Venizelos erklärt, daß sie sich der Ansicht der Mohamedaner anschließen wolle. Sie halte aber chas Recht einer über die Mehrheit verfügenden Regierung aufrecht, erkenne dagegen auch den Schutzmächten das Recht zu, die Zulassung der Mohamedaner zuzusagen. Tie Oppo- fition werde der Regierung helfen, die Ordnung zu erhalten, bewillige vier Zwölftel des Budgets und wünsche eine Kammertagung bis zum 14. September. Nach der Sitzung der Kammer am nächsten Samstag wird Venizelos die Schutzmächte benachrichtigen. Die Stimmung ist hier ziemlich ruhig. Der Ausschuß für die Strafprozeßordnung setzte am Donnerstag die Beratung über die Berufung und di e B e ru f un g san t rä g e fort. Allgemein wurde die Vorschrift des Regierungsentwurfs angegriffen, wonach der Verurteilte, der Berufung einlegen will, zu erklären hat, . ,------- — v----... v Urteil festgestellten Tatsachen er ganz oder zum Lust hat, sich gleich mitten in den Strudel erregter Parla-1 ^tl bestreiten will, oder welche Tatsachen er rechtlich mentsdebatten zu stürzen. Me dem aber auch sein mag: daß ani>e^ beurteilt sehen will, oder ob er nur die erkannte die Wahlvorlage wieder auflebt und wieder aufleben ntug, I ^;^afe anfechten will. Verschiedentlich wurde gefordert, untersteht keinem Zweifel. Und wenn man auf konservativer Vorschriften ihrer zwingenden Natur zu entkleiden und Seite die neue Form des Entwurfs als einen Prüfstein nur als fakultative aufrecht zu erhalten. Es lagen für den „neuen Kurs" des Bethmannschen Regiments be- Ererche Abänderungsanträge vor. Schließlich erhielt trachten will, so i^t ihnen zu erwidern, daß, mag die Reform A 3,16. ersten Absatz folgende Fassung: „Die Berufung nun früh oder spat kommen, Herr v. Bethmann sowohl wie U* bet o-ein Gerichte, dessen Urteil angefochten wird, binnen fein Minister des Innern genug Gelegenheit haben wird, A?er Woche nach Bekanntmachung des Urteils einzulegen, die Richtung seines Kürses zu entschleiern. I Wird die Berufung beim Berufungsgericht eingelegt, so *-- 1 genügt dies zur Wahrung der Frist." — § 318 wurde folgendermaßen gestaltet: „Die Berufung kann auf bestimmte Punkte beschränkt werden. Ist dies nicht geschehen oder eine Rechtsertiaung überhcmpt nicht erfolgt, so gilt der Wie die „Inf." erfährt, soll der Reich sh au s h al t ganze Inhalt des Urteils als angefochten. " für 1911 noch sparsamer ausgestellt werden wie berl Infolge dieser neuen grundsätzlichen Be- sür 1910. Diese Absicht soll in den Einzelvoranschlägen aller 1 Uffe wurden die §§ 316 bis 327 des Entwurfs der Aemter und Ministerien zum Ausdruck kommen, aus welchem Redaktionskommiffion zur Neuformulierung überwiesen. Es Grunde auch die in der Presse angekündigte Mehrforderung wurde außerdem im § 320 die Bestimmung ausgenommen, von 40 bis 50 Millionen Mark allein für den Heeresetat ^uß die Berufung auch dann als unzulässig zu verwersen ~ - ^- rst, wenn auf sie verzichtet ist Bei Z 328, der bestimmt, daß . [ ein Urteil nur crufHuhäben ist, solveit es angefochten ist, wurde ganzen 28 173 eingetragene Genossenschaften gegen 26 851 bzw. 25 714 in den beiden Vorjahren. Nach der Hastsorm bestanden Genossenschaften mit unbeschränkter Hafchflicht 18542 bzw. 17 840, 17 319, mit unbeschränkter Nach sch uß- pflicht 157 bzw. 157, 159, mit beschränkter 5>aftpflicht 9474 bzw. 8854, 8236. Die Zahl der Genossen cfyaf:' sowohl mit unbeschränkter wie mit beschränkter Ha tpflicht hat demnach erheblich zugenommen, während die Rechts- bet dem faserigen Wahlmodus nicht schlecht gefahren, und Die Zahl der Kreditaenossensckmften überraat weit hi? ^ü^en wird ihnen eine Bor- aller anderen Genossenschaften zusammen. Es bestehen l ge auch rn neuem Gewände jetzt ebensowenig willkonnnen 116 655 Kreditgenossenschaften gegenüber 11 518 anderen Ge- kann aber für die Regierung keines- nossenschaftem Von diesen 3583 tanWW ^mae^Tuacb^i festen duktengenossenschaften, 2222 Konsumvereine, 1928 Unbtoirt» Bsl schaftllche Rohstoffgenossenschasten, 848 eigentliche Woh- Abgeordneten- nungs- und Baugenossenschaften, 494 landwirtschaftttche und ^ufe mit aller Deullrchkert .ausgesprochen, daß die An-1147 gewerbliche Werkgenossenschatten, 356 landwirtschaftliche den^Reso?n7^L beseitigen- Magazingenossenschasten. 345 gewerb iche Rolstoffgenossen- fel? ^eres Wort schäften, 290 gewerbliche Produltivgenossenichaften, 171 gemeiert rst Herr v. Bethmann 5^ollweg sagte damals' Zuchtgenossenschaften usw. Man wird daher kaum zu hoch „Man hat cs so dargestellt, als sei es gar nicht die wirkliche greifen, wenn man für das Jahr 1909 die Zahl der @e^ das Wahlrecht geändert nossenschaftler im Reiche auf nicht weniger als 4i/2 Mill. 5^ven soll, als habe sre drese Vorlage nur erngebracht, werl sie febäht ' durch jenen Passus der Thronrede in eine Zwangs- und 1 * v ‘ Lage versetzt worden sei. Man hat zwischen den Worten der Thronrede und der Ueberzeugung der Staatsregierung, ja des Königs, einen Widerspruch konstatiert. Meine Herren, daran ist kcui Wort wahr. Was die Thronrede änkündigt, ist die W i l l e n s- meinung Seiner Majestät des Königs, und für diese Willensmeinung tritt die Königliche S t aat sre gi er un g geschlossen mit Ihrer Verantwortung ein." ArtlsLcrnd. Nach einer amttichen Meldung wurde Lord Roberts mm Z?^^2Esandten ernannt, um den Höfen in Berlin, Dresden, Konstanttnopel, Sofia, Bukarest und Petersburg den Tod Komg Eduards VII. und die Thronbesteigung q £ ro9 rX." Anzeigen. Zum Spczialgesandtcn für Wien wurde ernannt und der Marauis von Northampton zum Äpezialgesandten Mr München, Stuttgart, Paris, Rom und Athen. ?u der französischen Kammer brachte Sixte Quenin ^ialift) einen Amnestieantrag ein. Der Ministerpräsi- bat dre Kammer, den Antrag abzulehnen, weil die wieder- Amnestien der letzten zehn Jahre nur den Erfolg gehabt hatten, ine Wirksamkeit der Strafgesetze abzuschwächen, anstatt die erhoffte Beruhigung zu bringen. Schließlich wurde der Antrag Quenm nnt 420 gegen 108 Stimmen abgelehnt. Ein Beamter des französischen Arbeitsministe- 1WI11^nem Berichterstatter, die Regierung sei darauf gefatzt, daß em teilweiser, ja aänzlickter Ans stand der Eisenbahner Ende der nächsten Woche oder zu Anfang August ausbrechen könne Die Eiscnbahngesellschaften hätten sich geweigert, mtt den Syndikaten in Verhandlung zu treten, da letztere käum ? Personals umfaßten, und da die Gesellsckjaften die Versicherung erhallen hätten, daß die ungeheure Mehrheir der Angestellten dem L-treikplan feindlich gegemiberstehc Ab- von den militärischen Maßnahmen habe die Regierung beschlossen, alle Sabotageverfuche mit der äußersten Entschiedenheit zu verhindern und die Gleise und Signale von Truppen überwachen zu lallen. Für den Postdienst würden Automobile reuui- nert werden; der Streik werde nicht länger als sechs bis sieben Aus Stadt und Laird. Gießen, 8. Juli 1910. ** Ordens an Gelegenheiten. Der Könia von .Preußen hat dem Oberstabsarzt a. D. Dr. Paul Radünz Gießen, bisherigem Regimentsarzt des 7. Lothr. J-nf.- Äiegts. Nr. 158, den Roten Adlerorden 4. Klasse verliehen. Der König von Preußen hat den nachbenannten Personen die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nichtpreußischen Orden erteilt, und.;rvcrr: des Reußischen Ehren- kreu-es 2. Klasse: dem Gräflich Aserrbur gisch en Kammerdirektor Heuser in Meerholz, des silbernen Kreuzes des Lippischen Leopoltwrdens: dem Landgräflich hessischen K anzleisekretär Staab in Herleshausen. ** Lehrerpersonalien. lieb ertragen wurde dem Lehrer Herm. Donderhcid zu Eckcrrtshausen eine Lehrerstelle an der Schule zu Gustavsbnrg (Gemeinde Ginsheim), dem Schulamtsaspiranten Aug. Merz aus Lang-Göns eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Fränkisch-Crmnbach, denr Schulamtsaspiranten Gg. Sch am p aus Nieder-Saul-- 1 heim eine Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Bischofsheim, denr Schulamtsafpiranten Hch. Simon aus Tarm- stadt eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Dieburg, dem Schulamttzaspiranten H-ch. Stix aus Bischofsheim eine Lehrerstetle an der Gemeindeschule zu Kelsterbach. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Münster (.'kreis Dieburg) präsentierte Schulamtsaspirant Friedr. Kü l lisch aus Dieburg, der von dem Grafen zu Erbach- Erbach auf die 3. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reichelsheim i. O. präsentierte Schulanrtsaspirant Otto, Schwanrb aus Undenheim. ** Stadttheater. Für das Operettengastspiel am kommenden Dienstag gibt sich lebhafteres Interesse kund. Johann Strauß' „Wiener Blut" gilt mit Recht als eine der melodiösesten und liebenswürdigsten Operetten und dürfte um so mehr Anziehung ausüben, als das Werk für Gießen so gut wie Novität ist. Die Aufführung ist die siebente im Operetten-Abonnement. Bei dieser Gelegenheit wird gebeten, Vorbestellungen nur an die Kasse des Stadttheaters und nicht an die Direktion zu richten, da die letzteren von der Post nach Enis geleitet werden. ** Der neue Sp o rtp l a tz des „Gießener Fußballklubs von 19 0 0" geht seiner Vollendung entgegen und wird iin Laufe nächster Woche fertiggeftellt sein. Von einer vollständigen hohen Umzäunung des Platzes, wie sie ursprünglich vorgesehen war, ist mit Rücksicht auf die Landschaft, die hierdurch verunstaltet worden wäre, abgesehen worden. Jedoch sind Vorrichtungen angebracht, die das vollständige Abfchließen des Platzes bei sportlichen Veranstaltungen möglich machen. Auch die innere Einrichtung des Platzes ist beendet. Die größte Fläche beansprucht der Fußballplatz, der eine Länge von 100 Meter und eine Breite von 70 Meter einnimmt. Ferner ist eine 130 Meter lange und 20 Meter breite Fläche für kurze Laufstrecken vorgesehen, sowie eine zirka 400 Meter lange Bahn zum Laufen über lange Strecken. Auch Anlagen zwecks Ausübung aller Spring- und Wurfarten sind vorhanden. Durch Anlage dieses neuen Sportplatzes ist es dem Klub nunmehr möglich, den gesamten Rasensport eingehender zu betreiben, als seither. Die Leichtathletik, die in ganz Deutschland in so hoher Blüte steht, hat der Klub bereits in diesem Jahre ausgenommen und es zu guten Erfolgen gebracht. Im kommenden Jahre beabsichtigt der Klub außerdem noch den Hockey-Sport hier einzuführen. Die Eröffnung des Platzes wird am 23. und 24. Juli 1910 anläßlich des 10jährigen Bestehens des Klubs stattfinden. •• Die vom Radklub „Teutonia" in Wismar am 12. Juni und in Alsfeld am 3. Juli errungenen Preise sind im Schaufenster des Herrn Bramm, Marktplatz, ausgestellt. ** Von: Männer-Turnverein Gießen wird uns geschrieben: Bei dem am letzten Somrtag in Grünberg veranstalteten Gauturnfest hatte unser Verein ganz außerordentliche Erfolge aufzuweifen, indem er beim Einzelturnen am Morgen vier Preise in der Oberstufe und 11 in der Unterstufe, sonne drei Preise beim Einzelfechten errang. Die Vereinsriege der Aktiven am Reck kam wiederum wie voriges Jahr an erste Stelle und die Zöglingsmusterriege am Pferd erhielt den neunten Platz unter allen oder den ersten unter den Zöglingsriegen; auch die Fechterriege, die wenig Gelegenheit zum Neben hatte, errang einen) Preis. Es sind diese so günstigen Ergebnisse, ebenso wie die 18 Siege, die der Verein auf der Gauturnfahrt in Münzenber'g errang, ein Beweis, daß int Männer-Turnverein fleißig und wacker geturnt wird. Den Turnern ist der Erfolg in Grünberg um so höher anzurechnen, weil sie durch die kurz vorher abgehaltene Jubelfeier sehr in Anspruch genommen waren. Zu Ehren der Sieger findet am Samstag ein Festkommers statt (vergl. Inserat). ** Bo n den Wundernden. In der Herberge zur Heimat kehrten im Juni 1094 Gäshe (gegen 1244 im gleichen Monat des Vorjahrs) ein. Davon erhielten Herberge gegen Arbeitsleistung 533 (687). Die Zahl der Herbergsgäste im 2. Quartal betrug 3885 (3885). Im Arbeitsnachweis waren 113 offene Stellen angemeldct und zwar 63 für Handwerker und 50 für Arbeiter. Untergebracht wurden 37 Handwerker und 37 Arbeiter, so daß im ganzen 74 Stellen besetzt wurden. Die nicht besetzten 49 Stellen erledigten sich: durch Fristablauf 27, durch anderweite Besetzung 11, so daß 11 Stellen für Juli offen blieben. ** Vom Heumachen. Nach 15 Tagen Regenwetter hatten unsere Landwirte gestern endlich einen regenlosen, sonnigen Tag. Man konnte auf den Wiesen des Wieseck- und Lahntales ganze Scharen fleißiger Mäher und Heumacherinnen ehen. Am Nachmittag sah man zahlreiche Heuwagen das Futter nach Hause bringen. Leider hat es so gelitten, daß es sehr minderwertig ist. 4 Lich, 7, Juli. Heute abend brachten die Stadt und amtliche Vereine Pfarrer Frey tag, der hier schon mehrere Jahre als Pfarrassistent tätig ist und dem kürzlich die zweite hiesige Pfarrstelle endgültig übertragen wurde, ein Ständchen in Form eines Fackelzugs, ein Beweis für die reichen Sympathien, die sich Herr Freytag in der gesamten Bevölkerung erworben hat. Die Gesangvereine „Cäcilia" und „Männerquartett" trugen einige Chöre vor. Herr Heinrich Schmidt hielt eine kurze Ansprache, für die Pfarrer Freytag mit warmen Worten dankte. r. Gründer g, 7. Juli. Der Schmuck, den die Stadt und die Häuser über das Turnfest trugen, ist entfernt, die @tabt trägt das gewohnte Aussehen zur Schau. Alt und ehrwürdig liegt der Marktplatz da, ein paar Häuser sind zu dem Fest neu herausgeputzt worden, natürlich glatt vn Heller Farbe. Was darunter steckt, ist alles glatt verputzt; ein trauriges Bild für ein so schönes altes Städtchen, das eine Vergangeuheic hat. Nur einem Haus, das altersschwach und schief steht, hat man sein schönes Hotzwerk frei gelassen. Das Rathaus in seiner unbestimmbaren Fowbenmirkung, mit seinen schämen Bildwerken, wird doch wohl hoffentlich bei seiner demnächstigen Aufarbeitung sein natürliches Holizsachwerkkleid erhalten und dann werden Wohl auch die llntliegec ihre schönen Häuser in eben solch schöner Weise wieder zeigen. Damit wird unser altes Städtchen eine neue Anziehungskraft erhalten. Bad-Rauhe im, 7. Juli. Wie die „Oberhessischen Volksblätter" melden, soll der hessische Staat mit einer Berliner Gesellschaft einen Vertrag abgeschlossen haben. Danach fauft die Gesellschaft Gelände am Ernst-Lu dwig- Ring zwischen Post und Usa zum Preise von 102 Mk. für den Quadratmeter und errichtet darauf ein Hotel mit 300 Betten. Der Staat leitet seine Quellen in dieses Hotel und verkauft ihm den Kubikmeter Quell - maffer für 12 Mark. Bedingung bleibt dabei, daß bit Bäder im Hotel so viel kosten sollen, wie in den staatlichen Badehäusern. Der Staat verpflichtet sich aber iveiterhin, dem neuen Hotel diese Vergünstigung 30 Jahre zu gewähren und in den ersten 15 Jahren ai niemand anders Badewasser abzugeben. Nach Ablauf von 15 Jahren soll dagegen ein weiteres Hotel mit Staatsquellen- zuleitnng auf dem siskalischen Gelände in der Nähe des Konitzkystiftes erbaut werden. (Wir geben diese Nachricht nur unter Vorbehalt wieder, da wir nicht annehmen können, daß der Staat selbst seinen mit großem Aufwand erbaute- Badehäusern eine private Konkurrenz schafft. Red.) -^Bad-Nauheim, 7. Juli. Der frühere Ministerpräsident und jetzige Kultusminister Exz. Dr. Rovakovic von Serbien und der frühere Kriegsminister Exz. Georgern ltzsch von Serbien sind im Sprudelhotel zur Kür abgestiegen. A Nidda, 7. Juli. Ihre diamantene Hochzeit konnten heute August Carl I. und seine Ehefrau Karoline, geb. Volz in Bellmuth feiern. Beide sind trotz ihrer mehr als 80 Jahre noch recht rüstig. d. Mainz, 7. Juli. Das neue Justrzgebäude wurde heute nachmittag vom Mittelrheinischen Architekten- und Jngenieuren- verband und den Vertretern der Presse besichtigt. Die Fassade und den Grundriß hatte Prof. Bonartz-Stuttgart entworfen. Bauinspektor Beck weilte ein Jahr in Stuttgart und arbeitete er in Gemeinschaft mit Prof. Bonartz die Außenarchitektur und den Grundriß durch. Der anfänglich eingezeichnete Turm fiel in den neuen Plänen hinweg, wodurch 60 000 Mk. erspart wurden. Das Justizgebäude mit dem anschließenden Provinzialarresthausgebäude nebst der inneren Einrichtung erforderten einen Kostenaufwand von 3 300 000 Mk., der Platz ist dabei nicht mitgerechnet. Die Bauzeit betrug Pier Jahre. Das Justtzgebäude entspricht 27 fünfstöckigen und das Provinzialarresthaus 16 fünfstöckigen Wohnhäusern! Unter der Führung des Bauinspektor Beck wurde die Besichtigung der beiden Gebäude vorgenommen. Die Fassade des Justizgebäudes nach der Ernst-Ludwigsttaße zu schmücken die Initialen des Großherzogs, es reihen sich rechts und links das hessische Wappen und das der Städte Mainz, Worms, Bingen, Alzey, Oppenheim und zwei Sinnbilder für Architektur und Kunst an. Die Eingangshalle im Haupteingcmg des Justtzgebäudes weist herrlick^eu Schmuck an Säulen auf, im unteren Erdgeschoß befindet sich das Amtsgericht, der Schöffengerichtssaal, die Bureaus der Amtsrichter, die Amtsgerichtskanzlei und geräumige Wartezimmer. Geschmackvolle Treppenhäuser mit reich verziertem Geländerschmuck führen in die oberen Geschosse, in denen die Landgerichtssäle, Strafkammersaal, Schwurgerichtssaal, (der letztere ist sttlvoll eingerichtet), die Anwaltszimmer mit Bibliotheksälen, das Zimmer des Landgerichtspräsidenten mit seiner einfachen gediegenen Einrichtung, die des Oberstaatsanwalts und der Staatsanwälte usw. liegen, weisen eine große Flucht von Zimmern. und Sälen auf, so daß 550 Zimmerräume vorhanden sind. — Das Provin- zial arr esthaus zeichnet sich durch große Helligkeit aus. Es sind 188 Zellen für Einzelhaft und 154 für mehrere Gefangene^ davon sind 251 Zellen für männliche und 71 für weibliche Gefangenen vorhanden. Das Justizgebäude und das Provinzialarresthaus sind mit Zentralheizung und elektrischer Lichtanlage eingerichtet. Die Keller unter dem Justizgebäude werden von der Weindomänenverwaltung benützt, mit ihren Kellern unter der Domänenverwaltung können zurzeit 1200 Halbstück gelagert werden. Oppenheim, 7. Juli. Dieser Tage fand hier in Anwesenheit von etwa 150 Teilnehmern aus allen drei Provinzen der 5. Verbund st ag des Landesverbandes hessischer Fleischbesch auer und Trichinen- s ch-a u e r statt. Auch die Regierung und die Bürgermeisterei waren vertreten. Nach der Erledigung des geschäftlichen Teiles kamen verschiedene Anträge zur Beratung. Daran schloß sich ein Vortrag des Kreisveterinärarztes Dr. Kn e ll- Gießen über „Fleischbeschau und Veterinärpolizei". Als Ort des nächsten Verbandstages wurde Nidda bestimmt. Die Versammlung schloß mit einer Vorführung des Trichinoskops durch Herrn Tamer-Offenbach. -o. Oppenheim,?. Juli. Die Unte rschlagungen des Notars Hubert beschäftigten nun die erste Gläubigerversammlung. Es waren etwa 80 Geschädigte erschienen, im ganzen sind 111 Personen geschädigt. Die Depotunterschlagungen belaufen sich auf rund 138 000 Mark und die Verwandten werden zur Deckung nichts tun. Wie der Konkursverwalter mitteilte, ist es sicher, daß der hessische Staat die Depot- Geschädigten entschädigen wird, die sonst ruiniert würden. Die Konkurs-Bilanz weist in Aktiva 40 000 Mark auf. Davon sind 24 000 Mark gar nicht bezeichnet, weshalb eine Reihe Rechtsstreite um das Eigentum in Aussicht steht. An persönlichen Schulden Huberts sind 18 3 0 0 0 Mk. festgestellt, es ergibt sich also eine Gefamtpafstvensumme von 3 28 0 0 0 Mk., wovon 75 000 Mk. durch Hypotheken gesichert sind. Die Leute, die Hubert teilweise ihr ganzes Vermögen anvertraut haben, können aus der Masse soviel wie nichts erhalten, denn nach dem jetzigen Stand der Sache wäre mit 5—10 Proz. zu rechnen, davon sind aber noch die Kosten abzuziehen und event. Kosten für Prozesse zu bestreiten, die infolge des allgemeinen Dirrcheinanders in der Hinterlassenschaft des Notars entstehen müssen. Den Leuten wird empfohlen, sich in Gruppen einzuteilen, um so auf billigere Weise durch Prozeß die verworrene Rechtslage klären zu helfen und in den Hauptfällen zu ermitteln, wer eigentlich den Schaden ßu tragen hat, der Schuldner, der Gläubiger oder die betr. Kasse. s. Bieber bei Rodheim, 7. Juli. Die Buderusschen Eisenwerke lassen jetzt eine Drahtseil-Bahn vom „Roten-Strauch" nach Bahnhof Wetzlar anlegen. Durch den neuen Förderschacht (150 Meter Tiefe) auf der Höhe unweit Rodheim kommt „Grube Morgenstern" wieder in flotten Betrieb. Der Transport der Erze geschah früher mit der Achse über Waldgirmes, Nauheim, Niedergirmes nach Station Wetzlar, war aber seit Jahren eingestellt. ][ Mürb ur g, 7.Juli. In einer säst mir von Studenten besuchten Versammlnng der alädem. Ortsgruppe Marburg des evangelischen Bundes sprach der nationalliberale Landtagsabgeordnete Amtsrichster Dr. Lohmann-Weilburg über die Frage: „Was lehrt uns der Streit um die Bor o - m ä u s - E n z y k l i k a?" Der Redner fordert schließlich zaim Eintritt in den evangelischen Bnnd auf. Gerichtssaall. Leipzig, 7. Juli. Vor dem vereinigten 2. ünd 3. Strafsenat des Reichsgerichts fand heute der Prozeß gegen die Kaufleute Albert Alfons und Karl Luck, die Kommissionärin Anna Maria Theresia Zarlenga, geb. Rübreckst, den Ge- schäftsagenten Al. W e i ß k o p f und die Malerin Josesine M auch wegerr Verrats miLitärischex MehaiU^isse statt. Nach der Verlesung des Erösfnungsbeschlusses stellte der Reichsanwatt den Anttag, die Oeffentlichkeit dis zur Urteilsverkündiguug aus- zuschließen. Es kämen Sachen zur Sprache, deren Geheimhattung unbedingt im Interesse der Sicherheit des Deutschen Reiches notwendig sei. Ter Gerichtshof beschloß dem Anträge gemäß. Der Eröffnungsbeschluß legt den Angeklagten Albert Alfons und Karl Luck, Zarlenga und Weißkopf zur Last, daß sie in der Zeit von 1907 bis 1909 und zwar besonders in Sttaßbnrg, Kiel, dtancy und Paris sich dadurch des Verrats militärischer Geheimnisse im 3hmc der Paragraphen 1 und 3 des Gesetzes vom 3. Juli 1893 schuldig gemacht haben, daß sie sich Abschriften von Zeichnungen und Signalbüchern der deutschen Marine verschafst und diese an das französische Nachrichtenbnreau in Nancy gelangen ließen. Die Angeklagte Mauch wird der Beihilfe dazu beschuldigt. Zarlenga wird noch beschutdigt, den Versuch gemacht zu haben, sich Pläne und Uebersichtstärten von der Westgrenzc sowie von Geschoßteilen zu verschaffen. Dortmund, 7. Juli. Tas Schwurgericht verurteilte heute abend nach zweitätiger Verhandlung den Hauptmann a. D. Gutsbesitzer Möllenhoff ans Wenies bei Hamm wegen Körperverletzung mit Todeserfolg und versuchten Totschlags unter Zubilligung mildernder Umstände zu 3l/2 Jahren Gefängnis. Der Verurteilte erschoß am 3. Juni den Gutspächter Jürging, und versuchte dessen Bruder zu erschießen. Orleans, 7. Juli. Das Appellgericht verurteilte bnt Staatsanwalt Dur and des Gerichtshofes von Moutargis wegen eines an dem Landwirte Boivin verübten Gelderpres.-- sungsversuchs zu 6 Monaten Gefängnis. Barcelona, 7. Juli. Der Gerichtshof verurteilte einen gewissen Villanueva als Hauptanstifter der Feuersbrunst, durch die während der vorjährigen Unruhen das Kloster de los Escolopios eingeäschert wurde, zu 14 Jahren Gefängnis und 1 700 000 Pesetas Schadenersatz. Sport. D. Mainz, 7. Juli. Auf der Sonntag, 10. Juli, nachmittags 3 Uhr, in Mainz stattsindenden 14. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes, an der sich die „H a s s i a"-Gießen mit ihren in Offenbach am 12. Juni siegreich gewesenen, jetzt noch bedeutend verbesserten Mannschaften, sowie ihrem aussichtsreichen Skuller L. Schmalz in drei Rennen beteiligt, werden folgende 9 Rennen mit beigefügter Besetzung ausgefahren: Begrüßungsvierer (Mainzer Bürgerpreis): Offenbacher „Germania", Frankfurter „Amicitia", Mainzer „Fortuna". Junior-Einer: Flörsheimer R.-Kl., Offenbacher „Germania", Mainzer „Fortuna", Gießener „Haffia", Mainzer R.-Kl. 1903. 2. Senior-Vierer (Preis des Mainzer R.- V.): Offenbacher „Germania", Frankfurter „Amicitia", Mainzer „Fortuna". Anfänger-Vierer: Mainzer Kl. 1903, Flörsheim, Mainzer „Fortuna", Limburger R.-Kl. 1907. Junior- Vierer: Limburg, Mainzer R.-Kl. 1903, Mainzer „Fortuna" „Haffia", Frankfurter „Borussia", Offenbacher „Gernrania". Großherzogs-Achter: Frankfurter „Amicitia", Niaiuzer „Fortuna", Franks. „Borussia", Offenb. „Germania". Ermunterungsvierer: Mainz. „Fortuna", Flörsheim, Mainz. Kl. 1903, Limburg. 1. Senior-Vierer (Verbandspreis): Frankfurter „Alemannia", Offenbacher „Germania", „Haffia", Mainzer „Fortuna", Frankfurter „Borussia". Tro st vierer: Meldungen 1 Stunde vor dem Rennen. Nicht zustande kamen der 3. Vierer, Senior-Einer und 2. Achter. Flörsheim fährt als Gast mit. London, 7. Juli. In den Entscheldlmgskämpien der großen englischen Rilderregatta zu Henley sind sowohl der Vierer des M a i n j e r Ruderklubs als auch Lukas ihren Gegnern unterlegen. wandern und Reisen, Bäder und Zommersrischen. — Bad-Nauheim, 7. Juli. Der 4. Juli als Tag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gilt in allen internationalen Bädern als Gesellschaftstag erster Ordnung. Ein ganz besonders festliches Gepräge zeigte Bad-Nauheim an diesem Tage. Am Nachmittage fand im neuen Konzerthause ein sehr stark besuchtes „mecting" statt, zu dem ein amerikanisches Lokalkomitee eingeladen hatte. Der amerikanische Generalkonsul Günther, seither in Frankfurt a. M., sowie der Redakteur des American Agriculturist New Bork Mr. H. Myrick hielten längere Ansprachen. Zugegen waren auch Bürgermeister Dr. Kayser und der Kurdirektor Freiherr v. 'Starck. Letzterer begrüßte die Versammlung namens der Verwaltung. Am Abend fanb in denselben Räumen ein Ball statt, sowie vor der Terrasse ein sehr beifällig aufgenommenes Feuerwerk, dessen Glanzpunkt ein im Brillantfeuer erstrahlendes Sternenbanner bildete. Das „Boston-Quartett" fang als Einlagen im Konzert der Kurkapelle vornehmlich englische Lieder. Zu gleicher Zeit hatte in den oberen Räunten des Kurhauses der Kurdirektor eine zahlreiche Gesellschaft zum Tee versammelt. — Wenngleich zurzeit durch die Ungunst des Wetters jedermann mehr denn je unter dem Regenschirm zu leben gezwungen ist, so empfindet man in Nauheim doch weniger alZ an anderen Plätzen die ungemütliche Situation. Dazu besitzt das Bad zu viel Schutzeinrichtungen und gedeckte Hallen im Freien, die Spiel- und Lesesäle, die Terrasse mit der großen Glashalle, das Tenniscafs mit seinen behaglichen Räumen, so daß man auch bei schlechtem Wetter nicht auf das Hotelzimmer angewiesen ist. Um einen Ersatz für die Unterhaltung im Freien zu bieten, findet am nächsten Donnerstag, 14. Juli, im Konzerthaufe ein großes Ballfest mit karnevalistischem Charakter — Cotillon. und Blumentouren — statt, an den es der Phantasie jedes Teilnehmers überlassen bleibt, sich mit karnevalistischen Attributen zu schmücken. — Ein treuer Kurgast, Herzog Paul von Mecklenburg, wird in den nächsten Tagen wieder zur Kur hier eintreffen. — Allgäu, Vorarlberg und Westtirol nebst den angrenzenden. Gebieten der S ch weiz. Mit besonderer Berück- sichtigung des Bodenseegebietes, Bregenzerwaldes nub der Arlbergbahn. Von A. Waltenberger. Zwölite, bis auf die allerjüngste Zeit ergänzte Auflage, bearbeitet voir Eugen Waltenberger. Mit einer Uebersichtskarle und 17 Spezialkarten. Wien, A. Edlinger's Verlag. Tie Vorzüge dieses Spezialführers find in den Kreisen der illlpensrennde und Bergsteiger so allgemein anerkannt, daß es keiner Lobpreislmg mehr bedarf. Walteilberger schildert alles, was den Alpenfreund interessiert und was an seinem Auge vorüberzieht. Tie neue Auflage ist in allen ihren Teilen aufs gründlichste durchgesehen unb ergänzt, alle in den letzten Jahren neu geschaffenen Verkehrslinien, Hütten- und Wegbauten und alle wichtigeren Verpflegstätten sind darin aufgenommen. Ein besonderes Augenmerk wurde wie bisher auf eine möglichst etn- gehende und dabei prägnante Beschreibung der beliebtesten Stand- guartiere und Sommerfrischen in den behandelten Gebieten gelegt. Aber nicht nur der Sommerlrischier, Talwanderer und Berg^ bummler wird alle geivünschte Auskunft finden, sondern auch der Hochtourist, denn auch alle Hochtouren sind, von ganz aufeer- gewöhulichen Anstiegen abgesehen, ausführlicher wie m allen anderen Reiseführern behandelt. Allch alle wichtigeren Gelegenheiten zur Allsubung des Wintersports finb in der neuen Auflage erwähnt. Eme Vermehrung unb Verbesserung hat auch das Kartenmatenal erfahren durch die neuen, der österreichischen Generalkarte (1:20u 000) entnommenen Ausschnitte, die im militär- geographischen Jnstitilt in Wien hergestellt wurden. 1 ■' 1 1 " ------ 1 ■ .............1 _D Dermijd)tc5, * Eine vergessene Fruch t. Zu den großen Seltenheiten auf unseren Obstmärkten gehört heute die früher viel- verbreitete Mispel, die Frucht des Mispelstrauches (Mespilus germanica), der zu derselben Familie gehört wie der Weißdorn. Seine kleinen, gelbbraunen Früchte — man unterscheidet lang- gestielte Birnmispeln unb kiirzgestielte Apfelmispeln — sinb allerdings, ähnlich der Schlehe und Quitte, im gewöhnlichen Reife- znstand wegen ihrer Herbheit nicht genießbar, gewinnen aber einen angenehmen säuerlichen Geschmack, tvenn sie durch längeres Liegen auf Stroh oder durch den Frost teigig getvorden sind. ‘ Außerdem aber sind sie zctin Eimttachen sowohl wie zn>n Einkochen als Mus uub Gelee sehr geeignet, und werden darum von bei: Hausfrauen, die damit Bescheid wissen, geschätzt. Das zähe Holz des Aiispel- strauches, der schon im frühen Mittelalter au5 Vorderasieu in Europa eingeiübrt nmrbe, dient zu Drechflerarbeiten. Leider wird die Kultur des Mispelstrauches immer mehr vergessen und vernachlässigt. „Es wäre gut," schreibt Wilhelm Wöltetting in der „Landwirtschaftlichen Umschau", „meim sich Förster, Landwirte imb Gärtner dieses mißachteten Gewächses annähinen; denn seine jetzige Vermehrung ist immer nur von verschiedenen Zufälligkeiten abhängig und beschränkt sich stets bloß auf ein kleines Gebiet. Zur Kultur des Mifpelstrnuches eignet sich jeder Boden in feucht schattiger Lage. Die Kerne liegen jedoch zwei Jahre in der Erde, ehe sie aufgehen, weshalb es sich empfehlen dürfte, wenn einem Edelreiser zur Verfügung stehen, die Verinehrung durch Pfropfen auf Weißdorn, Birnen-, Apfel- oder Quittenbäumen vorzunehmen. Meine Tageschronik. Die Ahr führt infolge der andauernden Regengüsse wieder Hochwasser und ist bisher um 2X/S Meter gestiegen. (Änige der von den Pionieren errichteten Notbrücken wurden fortgerissen. Im v--Zuge Paris—Köln ist eine Kölner Dame kurz vor Lüttich ihrer Juwelen im Werte von 15 000 Franks sowie ihrer Wertpapiere im Werte von mehreren tausend Franks gewaltsam beraubt worden. ________________________________ Handel. — Reichs st empelabgaben. Nach der Uebersicht der Einnahmen an Zöllen, Stellern imd Gebühren vom 1. April 1910 bis zum Schlüsse des Monats Mai 1910 hat die Jsteinnahme von Wertpapieren Mk. 8 576 752, von Gewinnanteilscheiuen und Zins- boqeu Mk. 927 115, von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäiteli Mk. 1194 002, von Vergütungen an Mitglieder von Aussichtsräten Mk. 1 981 839 und von Schecks Mk. 585 554 betragen. Für das ganze Rechnungsjahr 1910 sind veranschlagt die Abgaben voii Kauf- llnd Wertpapieren und Gervinnanlellfrtzelnen mit 49 Millionen Mk., von Kani- und sonstigen Anschaffungsgeschäfteii nut Mk. 13 520 000, voll Vergütlmgen an Aufsichtsratsmitgkeder mit Mk. 3 920 000 und von Schecks mit Akk. 7 350 000. Markte. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) fc. Frankfurta.M. V i e l) h of- M a rkt b e r l ch r vom 7. Juli. Auftrieb: Ochsen 23, Bullen 8, Färsen und Kühe 151, Kälber 733, Schale 108, Schweine 887, Ziegen 3. Tendenz: Kälber glatt, Schafe und Schweine ruhig, aus- verkaufl. Preis pro 100Pfd. Lebend- Schlacht- Kälber. Feinste Mast-(Vollmilchmast) u. beste Saugkälber Mittlere Mast- und gute Saugkälber . . . . Geringere Saugkälber Schafe. gewicht Mk. Mk. 58—62 96—104 53-57 90-95 48—50 82—85 Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . 37—38 78—80 Aeltere Masthammel und gut genährte Schafe 35-00 76—00 Schweine. Vollfleischige Schweine über 21/, Zentner Lebendgeivicht 53.00—55.00 67.00—69.00 Fettschweme über 3 Ztr.Lebendgew. . 54.00—55.00 68.00—70.00 Fleischige Schweine..... . 52.00—54.00 66.00—69.00 Briefkasten der Redaktion. Bor vierzig Jahren. Angenommen. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentließe Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witteruiig seit gestern früh: Ter hohe Druck im Westen ist auch heute ivieder vorgedrungen. Trotzdem steht unser Gebiet noch immer imter dem Einfluß des östlichen Tiefdruckgebiets, jedoch ist mit einer geringen Ausbesserung zu rechnen. Wetteraussichten in dessen ain Samstag dem 9. Juli 1910; Wolkig, geringer Regen, kühl. DrrgLnaL-VrahLmeLdnngEo Mannheim, 8. Juli. Der Wasser st and des Rheines und des N e ck ars ist bedeutend gewachsen. Der Rhein ist hier von 6.75 Meter auf 7.15 Meter, der Neckar bei Heilbronn von 1.67 Meter auf 3.05 Meter gestiegen. Paris, 8. Juli. Die Seine ist infolge der starken Regengüsse wieder bedeutend gestiegen und hat die Kais der Vororte bereits üb er schwemmt. Auch die M ar n e, Saone und Aisne sind bedeutend gestiegen und haben schon großen Schaden angerichtet. Madrid, 8. Jüli. Die tz-andelsvereinigung hat an den M in ist e r p rä s id en t e n eine Eingabe gerichtet, in der darauf hingewiesen wird, daß die Kaufleute durch die Konkurrenz der Kongregationen, die steuer- und abgabefrei seien, derart geschädigt würden, daß die meisten vor dem Ruin stawden. Am Schluß wird dann um entschiedene Maßnahmen gebeten, die diesem unhaltbaren Zustand ein Ende bereiteten. B 9088 C8/7 Statt besonderer Anzeige Fra ÄV Bücking geb. Gross im 82. Lebensjahre. 3761 (Süd-Anlage Giessen 14), 8. Juli 1910. findet dem Wunsche der Verstorbenen gemäss in der Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen bittet man abzusehen. Ministerium. <01270 Ich gewähre, um mit meinen Sommer-Beständen zu räumen, auf 9. 0 0 Giessen. Rabatt a 7t Willi. Berber! Marktplatz 2 fichtigt die.Hausaufgaben. 8 M Perl-chiedMcH Samstag Juli 1910: den (05677 I. Cüsters. 05665) Geschickte Schneiderin, die ins Haus kommt, gesucht. ___________Löoerstrafte 19 v Vorjährige und zurüdzgesefzfe Artikel noch erheblich billiger! Tabletten haben einen sehr angenehmen Geschmack und sind völlig unschädlich, so daß sie selbst Kindern ohne Bedenken gegeben werden können. Die günstigen Erfolge, die mit Formamint-Tabletten erzielt worden sind, rperden von mehr als 10 000 Aerzten, unter denen sich die bedeutendsten Professoren befinden, irr wissenschaftlichen Verösfcntlichungen, brieflichen und mündlichen Mitteilungen bestätigt. Gerade in der jetzigen Reisezeit ist ein Schutz gegen die drohende Ansteckungsgefahr besonders geboten. Schon wiederholt hat man die ungeheure Menge von Bakterien, die sich in dem Staube der Eisenbahn-Eoupes trotz aller hygienischen Maßnahmen immer noch findet, nachweisen können. Eine neue Veröffentlichung über die große Verbreitung der Bakterien in der Eisenbahn, auf der Straße usw. und. über ihre wirksame Bekämpfung und Vernichtung durch Formamint wird jedem Interessenten auf Wunsch völlig kostenlos zugesandt von der Firma Bauer L Eie., Berlin SW. 48, Friedrichstraße 231. 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