Nr. 56 fettcM mV et*tefrrif M General-Anzeiger für Sberheffen „Gtetzen« KamMendtatter- werbe* dem „Anzeiger^ etetmo) wöchentlich betgdegt, b Druckerei! (Mn* strotze 7. tzxpevtNo» und vertag: esg@ 5L Sleöattttiiuefl® 112. Tel.-Adr^ An-etgerGretzea. 160. Jahrgang Dienstag, 8. Marz 1910 Z/" X X. KA A AA Aä AA A A a >A Aa ÄsteftenAntif *t> Verla, la vr«ök^-« (DtCnCUCi ollivlüvt Deutscher Reichstag. ■ 56. Sitzung, Montag, den 7. Marz 1010. Am Tische des Bundesrats: v. Schoen, ft&raetfe, Wackerzopp, b. Tirpitz. Präfident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Der Gotthardbahn-Bertrag. Staatssekretär des Auswärtigen Amts u. Schoen leitet die erste Lesung des Vertrages Zwischen Deutschland, Italien und der Schweiz über die Gotthard bahn ein. Es ist davon gesprochen worden, daß Italien und Deutschland die Schweiz Lei den Verhandlungen übervorteilt haben. Man habe sogar in ihre Tarifhoheit eingegriffen. Ein weit verbreitetes, viclgeleseues, nichtschwcizerisches Blatt ist sogar soweit gegangen, zu schreiben, die Schweiz habe pour le roi de Prasse gearbeitet. Ich lege diesen Uebertreionngen und Entstellungen gegenüber Wert darauf, zu erklären, daß die Reichsregierung, ebenso wie die italienische Regierung, bei den Verhandlungen über den Vertrag sich von dem Geiste der Freundschaft und Billigkeit habe leiten losten, wie das seinerzeit beim Abschluß der Verträge über die Subventionen der Fall ioar. Wir haben von der Schweiz nichts Unbilliges verlangt, und sie hat uns nichts Unbilliges zugestanden. Insbesondere hat uns nichts ferner gelegen, als in ihre Tarifhoheit einzugreifen. ES ist unS gelungen, eine durchaus befriedigende Wahrung der d e u t s ch e n I n t e r e s s c n durch Maßnahmen, die insbesondere dem deutsch-italienischen Transitverkehr zugute kommen, die Meistbegünstigung der deutschen Waren in deutsch-italienischen Verkehr, ferner die Beteiligung der deutschen Industrie bei allen zu- kunftiaen Lieferungen und Investitionen der Gotthardbahn her- beizuführen. Ebenso darf auch die Schweiz mit dem Erreichten voll zufrieden sein. Sie ist in vollem, uneingeschränktem Besitz des überaus wertvollen und bedeutungsvollen Unternehmens gelangt, das seinerseits vom deutschen Kapital ins Leben ge.rufen rst, und an dem Deutschland und Italien mit wertvollen Subventionen sich beteiligt haben. Es ist zu hoffen, daß auch in der Schweiz die. jenigen Kreise, die heute noch unzufrieden sind, sich überzeugen, daß ein billiger Ausgleich der Interessen stattgefunden hat. Der Staatssekretär führt weiter aus, daß eine Rückzah- I u n g der an die Gotthardbahn geleisteten Subventionen nicht erfolgen werde. Präsident des Reichseifenbahnamt- Wackerzapp legt die bei dem Vertrag in Betracht kommenden Verhältnisse eingehend im einzelnen dar. Abg. Fürst Hatzfeld (Rp.): Der Staatssekretär hat bereits mitgeteilt, daß die gegebenen Zuschüsse nicht zurückgezahlt werden sollen. Um so wünschens- werter ist es, Latz bei der bevorstehenden Verstaatlichung der Gott- hardbahn die Aktionäre eine entsprechende Entschädigung erhalten. Daö Aktienkapital der Gotthardbahn beträgt ■0 Millionen und hat gegenwärtig gewiß den doppelten Wert. Weit über die Hälfte ist'in deutschem'Besitz. Ich selbst besitze, wie ich hier ausdrücklich erklären möchte, keine Aktien; ich bitte aber den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, tunlichst seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Aktionäre eine angemessene Entschädigung für ihren Aktienbesitz erhalten. Abg. Dove (Vp.): (iS hmrdelt sich ja bei diesem Vertrag lediglich darum, die deutschen VeükehrSinteresseu zu vertreten. Der Wunsch des Vorredners wird tm Rahmen dieses Vertrages und auch sonst sich schwer verwirklichen lasten. ES ist selbstverständlich, daß die deutsche Diplomatie die Jnteresten b-.r Aktien, die in deutschen Händen sich befinden, wahrzunehmen hat. Wie aber eine an sich fxembe Macht auf die Höhe der Entschädigung, die den Aktionären gezahlt werden soll, hinwirken soll, ist mir nicht ganz klar. Die Bemerkung des Vorredners darf nicht unwidersprochen bleiben, weil sonst bre Aktionäre in den Glauben versetzt werden, die deutsche Regierung werde für sie schon sorgen und sie hätten eS nicht nötig, rnnerhalb deS Rahmens der Organe, die das Gesetz anordnet, ihre Interessen zu vertreten. Staatssekretär von Schoen: Die Frage der Abfindung der Aktionäre dec Gotthardbahn wird vom Auswärtigen Amt forgsam beachtet; es wird sorgsam darauf gesehen, daß die deutschen Interessen nicht vernachlässigt werden. Die Verhandlungen zwischen den Aktionären und dem Schweizer Bund find zurzeit noch in der Schwebe. Daher hat die Reichsregierung gurpeit keine Veranlassung, ihre amtliche Vermittlung eintreten zu lassen, und ich kann hinzufügen, daß diese Vermittlung auch in den Kreisen der Aktionäre zurzeit nicht gewünscht wird; sie haben uns wissen lasten, daß sie die Wahrung ihrer Jnteresten in den besten Händen misten. Es ist selbstverständlich, daß das Auswärtige Amt auch fernerhin die Angelegenheit aufmerksam bcrfojgett wird. Wir hoffen, daß es in nicht zu ferner Zeit eine alle Teile befriedigende Erledigung finden wird. Äbg. Scheidcman» (Soz.): Wir werden dem Vertrag zustimmen und uns darin auch nicht dadurch irre machen lasten, daß etwa die deutschen Aktionäre dabei zu kurz kommen. Abg. Schwabach (Natl.): Wir stimmen dem Vertrag zu. Es wird in die zweite Lesung eingetreten und der Ver- traggenehmigt. .... Der Marineetat. (Zweiter Tag.) Abg. Dr. Sirupe (Vp.)k . _ So sehr wir die innere Politik des Reichskanzlers bekämpfen, w ^ehr freuen wir uns seines offenen ehrlichen Bekenntnisses, daß ore V e r st ä n d i g u n g mit England planmäßig gefördert werden soll. Solche Bestrebungen deö Kanzlers werden wir mit Freuden unterstützen. Wir werden uns bemühen, Schäden auszudecken. Wenn der Berliner Polizeipräsident b. Jagow erklärt hat, die äußerste Linke habe „übergenug" Gelegenheit, hier ihre Wünsche vorzubringen, so raten wir ihm dringend, solche Provokationen zu lasten. (Zustimmung links.) Och warne den neugierigen Herrn Polizei- 1 identen, sich in die Vorgänge im Parlament zu mischen, lSehr gut! links.) Ter Redner fordert größere Uebersichtlichleit Uat» und eine Havarie-Ordnung. Er bedauert die schwere Konkurrenz, die den Geschäftsleuten durch die Offiziers- vereme bereitet wird. Wünschenswert wäre es, daß die Vorgesetzten verpflichtet werden, auf den Gruß des Untergebenen zu oaafen. Die Deckoffiziere sollten länger im Dienst gehalten werdas ;en icn den. Em neuer Antrag der Konservativen fordert Wiedereinstellung von 271 574 Mark, die von den Berpflegungszulagen gestrichen werden. Wo bleibt da die viel gerühmte Sparsamkeit? Man hat unS Irrtümer vorgeworfen. Die schlechten Informationen haben sich bisher nur beim Staatssekretär gefunden. (Beifall links.) wenn er in feinen Offizieren einen convent of Brothers, eine Gemeinschaft von Brüdern sieht, so muß er das tun. Mit den Landverhältnisten kam: man das Leben zur See nicht vergleichen. Unsere Leute bei der Marine find in einen eisernen Kasten ein- gesperrt und haben unter den klimatischen Verhältniffcn zu leiden. Jetzt stellen wir die Schiffe sogar im Winter in Dienst. Das habe ich selbst eingeführt. Berücksichtigt muß auch werden, daß die Seeoffiziere außerordentlich schnell verbraucht iverden. Sie stehen kaum 15 Jahre im Dienst. Das Leben auf den Schiffen ist eben kein normales Leben. Warten Sie bitte mit der Entscheidung über die Verpflegungsgelder, bis ich die geforderte Denkschrift vorgelegt habe. so liegt für mich fein Anlaß vor, darauf weiter einzugehen. Die Ausführungen deö Abg. Leonhart waren eine Polemik gegen die Tatsache, daß wieder ein Flottenorganisationsgesetz gemacht werden soll. So viel mir erinnerlich ist, haben doch aber die Freisinnigen selbst für das Flottengesetz gestimmt. Dem jetzig, Staatssekretär kommt das Verdienst zu, daß er die unerquicklich Streitigkeiten, die wir seinerzeit über die Art und da? Tempo desFlottenbaus durchgekämpft haben, ein Ende echt hat. Vom Abg. Südekum haben wir wieder denselben nken, den in früheren Jahren bet Abg. Bebel wiederholt auS- Sesprochen hat, gehört, daß die deutschen Flottenrüstungen Eng- and zu weiteren Rüstung.n treibt und daß der Krieg unvermeidlich sei. Das Rezept, das uns empfohlen wird, ist: Ihr müßt Euch mit England verständigen, respektive das Flottenprogramm abändern. Demgegenüber muß ich namens meiner politischen Freunde der Meinung Ausdruck geben, daß wir nicht daran denken, unsere Flott enorganisatron und unfern Flöt- Abg. Basscrmann (Natl.): Den Ausführungen des Abg. v. Gamp, daß überall Sparsamkeit eintreten müsse, kann ich mich nur anschlleßen. Wir sind auch in der Kommission in dieser Richtung tätig gewesen. Aber wir sind der Meinung, daß der in der .Kommission vorgenommene Abstrich in dieser Höhe nicht ausrecht erhalten werden kann. Da der Abg. Erzberger festgestellt hat, daß die Ausführungen des Grafen Oppersdorfs die^prinzipiell wichtige Bedeutung, die Ihnen mein FraktionLgcnotze Semler beigelegt hat, nicht haben sollten. Staatssekretär v. Tirpitz: Der Abg. Struve hat eine Reihe von dankenswerten Anregungen gegeben, denen die Marinevepwaltung nach Möglichkeit nachkommen wird. Es ist den Deckoffizieren in keiner Weise verwehrt, sich außerhalb der Garnison in Zivilkleidung zu bewegen. Was die Frage des regelmäßigen Verkehrs zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel anbelangt, so ist es richtig, daß ein solcher Verkehr besteht. Die zuständige Stelle hat mir aber berichtet, daß die Dampfer sich nicht zur Beförderung von Offizieren und Beamten eignen. Es geht nicht an, Unteroffiziere mit Dienstknechten und allem möglichen zusammenfahretl zu lasten. Tafelgelder werden an die Torpedoboote nur dann gezahlt, wenn sie 24 Stunden unterwegs sind. Diese ganze Reserveformation erhalt keine Tafelgelder. Die Tafelgelder sind keine Stellenzulagen, wie ich wiederholt betonen mochte. An den Stellenzulagen sind die Offiziere keineswegs in erheblichem Maße beteiligt. 80 Proz. entfallen auf das Maschinen- und Unterpersonal, 6 Proz. kommen auf das übrige untere Personal, 7 Proz. kommen auf die Ingenieure, 3 Proz. auf die Zahlmeister, 1 Proz. auf die Aerzte und nur 3 Proz. auf die Seeoffiziere. Man kann also nicht behaupten, daß in der Marine eine Stellenzulagenwirtschaft für die Offiziere eingeriffen ist. Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.). Herr v. Putlitz hätte hier Herrn Säble nicht erwähnen sollen. Damit tut man dem Herrn zuviel Ehre an. Warum hat Graf Oppersdorfs sein Material nicht her Budgetkommission borge» tragen? Wir sind mit vielem einverstanden, was er über die Lieferungen gesagt hat, wenn aber jetzt die Dinge falsch auslaufen, bann trägt Graf Oppersdorfs die Schuld. Krupp hat nur den dringenden Wünschen der Marineverwaltung nach- gebenb, sich der Panzerplattenfabrikation zugewendet. Jetzt haben wir die besten Panzerplatten der Welt. Graf Opersdorff hätte eine Firma ausfindig machen sollen, die die Fabrikation über- nimmt. Herr Thyssen hat sich als hervorragender Geschäftsmann natürlich die Situation zunutze gemacht und weitgehende Fladerungen gestellt. Auffällig war, baß Graf Oppersdorfs vielsach genau dieselben Ansichten äußerte, wie Thyssen in seinen Briesen, obwohl Graf OvperSdorff doch nicht selbst im Betriebe steht. (Hört! Hört!) Der Redner weist durch Vergleich nach, daß die Kruppschen, Bedingungen viel vorteilhafter für den Staat sind als die Thyyens. , Was hätte unserer Marine geblüht, wenn sfe sich mit Thyssen eingelasten hätte? Sie wäre im Falle der Erfindung beyerer Platten ungeheuer im Nachteil gewesen. Wie waren auf dem besten Wege. Da kommt Graf Oppersdorfs und schlägt dem Staatssekretär die Waffen aus der Hand. Wenn Krupp hört, was Thysten alles gefordert hat, wird er uns was Husten, aber nicht mit den Preisen heruntergehen. Das haben Sie erreicht, Graf Oppersdorfs! (Hört! Hört!) Hätten Sie nur den Staatssekretär wirken lasten, er ist ein gerissener Kaufmann. (Heiter- kert.) Jetzt sind wir die Leidtragenden. Nun zur Geschützfabrikation. Ihr Protege, Gras Oppersdorfs, Herr Ehrhardt, ist doch noch sehr rückständig. Auch eine Reichsanstalt wäre eines der - bedenklichsten Experimente. Ich warne den Staatssekretär davor und appelliere an das Neichs- schatzamt. (Heiterkeit.) Der Redner bespricht die Werstverwaltungen und fordert das Eindringen kaufmännischen Geistes. Erfreulich ist, baß die Marineverwaltung die Reparaturen selbst ausführt. Wir verlangen eine sachgemäße Kontrolle, keine formalistische von ein paar Rechnungsbeamten. Das ist ja eben ber Hauptkrebsschaden unserer Verwaltung, daß alles bureaukratisch gehandhabt wird. Man soll nicht bloß nach dem Examen sehen, sondern auf die persönliche Tüchtigkeit. Der Präsident unseres Materialbeschaffungsamtes ist z. B. ein sehr tüchtiger Mann ohne akademisches Studium. Ich bezweifle, ob er so tüchtig geworden wäre, wenn er studiert hätte. (Heiterkeit.) Die Freisinnigen haben die Bedeutung der Flotte früher erkannt als manche andere Partei. Denken Sie an Rickert. Und nun kommen die Herren mit so kleinlicher Kritik und so kleinlichen Wünschen. (Zuruf links: Was geht das Sie an!) Jeder Preuße bat doch das Recht, seine Meinung frei zu äußern. (Heiterkeit.) Die Vorwürfe gegen bie Budgefkommission weise rch als deren Vorsitzender zurück. Wir haben uns möglichst nach der Decke gestreckt. Wir brauchen daher keine neuen Steuern Der Redner stimmt ber beantragten Wiederherstellung des Abstriches bei den Messegeldern zu. Staatssekretär v. Tirpitz: tenbau Englands wegen z u ändern. Alle Mächte sehen sich genötigt, auf bet eingeschlagcnen Bahn ber Flotten- rüftungen weiter zu schreiten. Wenn man auf die Entwicklung des deutschen Handels sieht, so wird man sagen müssen, daß die Entwicklung unserer Flotte im richtigen Verhältnis zur Entwicklung des deutschen Gejamthandels steht, ber 1900 10 000 Millionen und 1908 schon 14 000 Millionen Marl betrug. Wir sind auch nicht schuld daran, wenn man zu immer größeren Typen übergeht, sondern wir folgen bärirt nur dem englischen Vorbild. Wir mußten England auf diesem Wege folgen, toenn wir verhindern wollten, daß unsere Flotte vollständig minderwertig tocr.be. Man muß bedauern, daß der Artikel des früheren Oberst Gädke in einer weitverbreiteten Zeitung erschienen ist, ein Artikel, der in ferner Weise geeignet ist, bte friedliche Politik des deutschen Volkes zu unterstützen.^ Die Forderung über den Rahmen oeS FlottengefetzeS hinaus Schiffe zu bauen, hat sowohl ber Flottenverein als auch ein Teil meiner Freunde fallen gelassen, da man auf die finanzielle Lage bes Reiches Rücksicht genommen hat. In den „Sozialistischen Monatsheften" wurde geschrieben: „Der Äo- rüstungsvertrag bedeute nichts anderes als die Aufhebung des Selbstbestimmungsrechts ber Nation". DaS sind Ausführungen aus sozialdemokratischem Munbe, wie toir sie nicht bester Vorbringen könnten. (Abg. Dr. Südekum: der Mann, der das schrieb, steht isoliert!) Wenn er isoliert stünde, so könnte ihn doch eine so gut redigierte Zeitschrift, wie die „Soz. Monalsb." nicht zu Worte kommen lassen. Wir wünschen gute Beziehungen mit England, aber nicht auf Kosten des Selbstbestimmungsrechtes übet die Größe unserer Flotte. (Lebhafter Beifall bei den Natl.) Abg. Ledebour (Soz.): Herr Bassermann hat wohl selbst das Bedürfnis gefühlt, daß die außerordentlich dürftige Fünfminutenrede des Reichskanzlers dringend eine Ergänzung nötig hatte. (Unruhe rechts.) Den guten Willen erkenne ich an. aber geholfen hat es Herrn v. Beth- mann nicht viel. Manche Ausfiihrungen des Abg. v. Gamp waren mir sehr sympathisch. (Abg. v. Gamp winkt ab. — Heiterkeit.) So als er von dem jedem Preußen zustehenden Recht der freien Meinungsäußerung sprach. Nächstens sehen wir ihn wohl bei unserer Straßen demonstratio n. (Heiterkeit.) Herrn Gädke brauche ich gegen die Attacke der Patrioten dieses Hauses nicht zu schützen. Er ist selbst Manns genug. Aus den Angriffen gegen Herrn Gädke klang wieder einmal der Aerger heraus, daß ein früherer Offizier solche Ansichten äußert. Die Rede des Herrn v. Bethmann enthielt nur Selbstverständlichkeiten. Solche Reden werden gehalten, aber die diplomatischen Auguren lgchelnd einander zu. (Heiterkeit.) Womit nicht gesagt fein soll, daß sich Herr v. Bethmann schon als Diplomat qualifiziert hat. (Heiterkeit links.) Man darf die Herren nicht beurteilen nach ihren Reden, sondern nach ihren Taten. Der Gedanke der Abrüstung scheint ja jetzt auch in den bürgerlichen Parteien Freunde gefunden zu haben. Unsere Flotten- politik muß Mißtrauen im Auslande erregen. Zur Verteidigung unserer Küsten brauchen wir keine so starke Flotte. Die deutschen Küsten verteidigen sich selbst, wie Herr v. Hollmann erklärt hat. Im vorigen Jahre hat die Regierung bestritten, daß England jemals mit Abrüstungsvorschlägen an Deutschland herangetreten sei. Tatsächlich hat aber England solche Anregung gegeben, wenn auch in unverbindlicher Weise. Was muß das für einen Eindruck in England machen, wenn die eigene Regierung Lügen gestraft wird! Man glaubt den leitenden Männern bei uns nichts mehr. Die Regierung tritt dem Reichstag mit Hinterhältigkeit entgegen und sieht in ihm genau so eine feindliche Macht, wie Herr von Jagow in der Berliner Bevölkerung. (Heiterkeit links.) jifcficfe"" Regierung diskreditiert im Auslande das Ansehen Deu^flfands. (Unruhe rechts.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Das dürfen Sie von unserer Regierung nicht sagen Abg. Ledebour (Soz.): Unsere Regierung (ft sogar schon so weit gegangen, daß der Berliner Polizeipräsident Herr v. Jagow es sich herausnimmt, aus fiiedliche Spaziergänger mit dem Säbel einbauen zu lassen. (Oho-Rufe rechts.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich bitte, bei der <5 L. Ter L Jirb, am '1 Werst ui Tiii. in « Grotzh, Mojien ij pe techni ^ienaitiQq «eist mit t giCfteni Rltüd; Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes........ vollflerschige, jüngere. Färsen, Kühe. Votlfleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtwertes .... ,. . Lollfleischige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Fahren. . 'Heitere ausgemästete Kühe und ^venig gutentwickeliejüngereKühenndFärsen Mäßig genährte Kühe und Färsen. . Gering genährte Kühe und Färsen. . Kälber. Feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber * * • Mittlere Blast- und gute Saugkälber . Geringere Saugkälber ..... Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel 50 Kg. Schlachtgewicht 41—46 Mk. 1 „ Kg. Schlachtgew. 54—57 Pf. 7, , » 547,-66 69 s-S-'s: £ft slki Mvnal Hdtfur6' /jiensinr ßirlsW für die 3 Aeckg u- Meße ii «»zeig Wahme. für oie ’J bis oorm gebend--Lch!ach'.< gcwichr (In einem Teil der Auflage wiederholt.) fc. Frautsurt a. M., 7. März. i.Ortfl.-^eiegr. des „Gieß: 91m.-) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtnrarktpreis e. Welzen Alk. 22.25—00.00, Kurhessischer Äik. 22.25—22.50, La Plata Kansas Alk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Alk. 16.40 bis Mk. 16.50 Gerste (Wetterauer) Alk. 16.00—16.50, Gerste Franken Psälzer Ried Mk. 16.50-17.00, Kleie Alk. 00.00- 00.00, Hafer 16.00—17.00, Mais Mk. 16.25—16.60, Weizenmehl 0 Alk. 31.75 bis 00.00, 1. Qualität Alk. 32.00—00.00, 3. Qualität Alk. 00.00 bw Alk. 00.60, 4. Qualität Mk. 00.00 - 00,00, Roggenmehl 0 Mk. 24^0—00.00, 1. QualitätMk. 21.50—00.00, 2. Qual. Alk. 21.75 bis 00.00, Weizenkleie Alk. 10.20 bis Alk. 10.50, Weizenschale Mk. 00.00—00.00, Roggenkleie Alk. 10.50 bis Alk. 11.00, Malzkeime Att. 00.00—OO.jO, Biertreber 13.25—14.00 Alles per IM Kg. ab V;- jffl fynije-3 i. kgtoc’ite Frch [brüte Les I nächster ( 1 werden, beginnen °Gge zk M Sten; dieser Lrn ' die Tahir es-»-. ^en Gle Sjljbi an We öe^ ?»Hn. K i», &ilf» 9* und M $Urf SH« ?’«« ÄtU Ncii Hi S| Kriege zu rüsten, s „ sich-rn. D-r .ahme/d-s I Hebend- Schlacht- pro 100 Pw, ’ gewicht - ■ ---- ■ uon-bis von-bis Tendenz: Ochsen ruhiq, bleibt Ueberitand, Kälber und Schaie glatt aeräumt, Schweine lebhajt, nahezu geräumt. Preis gehen brauchen. Abg. Dr. Lconhart (Vp.)' bedauert den unvornehmen Ton, den Abg. Frhr. u. Gamp in Polemik angeschlagen' habe. Nach, kurzer weiterer Erörterung wurde das Gehalt Staatssekretärs bewilligt. Morgen, 1 Uhr: Weiteriberatung. Schluß nach 7% Uhr. Abg. Herzog (Wirtfch. Vp : Auch ich kann es nicht für richtig halten, daß die Mitteilung von Vorgängen in den Staatsbetrieben an Abgeordnete zu einem System ausgearbeitet wird; höchstens dürften Arbeiter, nicht aber Beamte, feststehende Tatsachen eine ^rlamentorter Mitteilen. Unsere Marine muß so ausgebaut Iverben, daß sie ganz auf der | Höhe steht. Wir sehen ein, daß e5 der Ilarineverwaltung bisher Dic Voauürfe des Abg. v. Gamv sind unbegründet. Das roird die -Zukunft zeigen. Meine Ausführungen basieren auf den Mitteilungen de-2 Marineamts und bett Erkundigungen bei den Industriellen, die ich natürlich zu Rate zog, ebenso wie z. B. andere Herren sich über die Kaliindustrie bei den Industriellen er. kimdigen. Wir halten natürlich am Flottenprogramm scsi. Vfbcr waS geschieht denn, wenn das'Programm erledigt ifr? Tas muß doch jetzt schon Zur Diskussion gestellt ioerben. Ich richte auch gar keine Frage an den Herrn Staatssekretär, denn ich will die Vertantwortung einer Antwort gar nicht tragen. Der Herr Staats sekretär hat es selbst für wünschenswert erklärt, wenn Krupp eine Konkurrenz geschaffen würde. Damit fällt das letzte Stück aus der Rede des Abg. b. Gamp. Wir täten gut, beizeiten im Jnlande eine Konkurrenz zu schaffen, damit wir nicht ins Ausland O ch s e n. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 41—46 Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 37—40 Mäßig genährte junge und gut genährte ältere 34—36 B ul l err. nehmen gehabt. Unsere Flotte richtet sich in keiner Weise gegen England und auch m keiner Weise gegen irgend eine andere Nation." Ich toar also völlig berechtigt, den Vorwurf des Abg. Ledebour nachdrücklichst zurüazuweisen. (Beifall rech.s.) Abg. v. Ocrtzcn (Np.): Auf das Gebiet der preußischen Verwaltung kamt ich Herrn Ledebour nicht folgen. EL gehört die ganze Elastizität des Geizles des Abg. Ledebour dazu, hier noch einen Zusammenhang nut dem Marine-Etat herzustellen. Abg. Ledebour ruft: Ich habe ihn aber hergestcllt! — Heiterkeit.) Wir haben keinen so elastischen Geist. Wenn von einem Mitglied der sozialdemokratischen Partei der Regierung vorgeworfen wird, sie baue die Flotte, um euren Seekrieg mit England führen zu können, so muß das tm Ausland und besonders in England ein ganz falsches llrieil Hervorrufen. Tenn dort hält man die Sozialdemokratie für eine grohe und einflußreiche Partei, die auf dem Boden der dortigen ülrberterpartet steht. Ich kann es nicht billigen, daß Beamte ohne Erlaubnis ihrer Vorgesetzten Mitteilungen an Parlamentarrer machen. (Beifall rechts.) Die Doti Ms Diei Meordr I zO ft I gelten, l : gemacht: : ziegierun „Alturti hineusiul mte in , 12 Jahre „heben". . der Lhlen : daraus le Lorschrifl Bedenken Tie! handwerl iverben V Lijsteigei aber mit besiher, t Seftimmu ganzlick < Uek smd die Tie gejai Haupt m ablehnen fehler sti vative u öjfeniiid fügt üb tiatitien MW Wahlre worden. Brotpreise in Gießen Werßbrot 2 5tg. 62 Pig. Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pig. Opernhaus. Aciltwoch den 9. Alärz, abends 7-8 Uhr: „Die geschiedene Frau." Tonuerslag bcu 10. Alärz, abends %7 Uhr: „Lohengrm/ Freitag den 11. Marz, abends 7-8 Uhr: „Undine." Samstag den lv. Nlärz: ^Alignon." Sonntag den 13. Alärz, nachm. 373 Uhr: „Die Geisha." Abends 7 Uhr: Zum ersten Male: ^Gnntram." Montag den 14. März: „Der fliegende Holländer." Trenstag den 15. Alärz: „Tosco." Alittwoch den 16. März, abends 728 Uhr: „Die geschiedene Frau." Lchanspielhaus. Alittwoch den 9. März ): „Des Pfarrers Tochter von Strehla- dorf." Donnerstag den 10. Alärz, Staatssekretär von Tirprtz: Der Abg. Ledebour ist auf einen Ausspruch des verstorbenen Aba. Richter zurnägekommen, der der Regierung einmal Hinter- imüigkeit vorgeworfen Hai. ES handelte sich damals um einen Erlaß des Reichsmarineamts. Diesen ^Erlaß hatte der ter so verstanden, als ob er ein» Beschleunigung der Indienststellung unserer Schisse beabsichtigte. Diese Absicht aber hat uw- mal--, vorgelegen nnd es lag um M^Verständnis de» Abg. Achter vor. Den Beweis dasür habe ich m der Tatsache, daß Wir da 2 B a u D t o (i r n in m unsererFlott c streng emgehallen haben. Damit ist der Vorwurf der Hinterhältigkeit vollständig zuruckge- wiesen. (Beifall rechts.) Der Abg. Ledebour hat ferner dem Fürsten Bülow und mir Hinterhältigkeit vorgeworfen m bezug auf unsere Ausführungen, die wir über eine etwaige Verein- h a r u n gmit England gemacht haben. Ich Mutz dreien Vorwurf auf das nachdrücklichste gurückweisen. Ich kann ied-.'s Wort aufrecht erhalten, ba-5 ich in dieser Angelegenheit gesagt habe. Ich habe liier das Protokoll der Budgetkommission, in dem der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes namens des Reichskanzlers folgende Erklärung abgegeben hat: „Die cnaliscge Regierung bat zwar ihre Bereitwilligkeit zu einer Leutsch-englNchen Verständigung über den Umfang und die Kosten des ylonenbaus tn allgemeiner Weise zu erkennen gegeben (Zurufe bei den Soz.: Ra alsol), hat aber keinen dahingehenden formellen Antrag gestellt. In den unverbindlichen Gesprächen über diese ^rage.bje von Messina." Freitag den 11. Alärz, abends 7,8 Uhr: »Tor dnnkle Punkt." Samstag den 12. Alärz: Zur rzerex des 80. Geburtstages von Paul Heyse: „Hans Lange." «chausplel m vier Akten von Paul Heyse. Soiintag den 13. Alärz, nachmittags 3'/ Uhr: „Buridans Esel." Abinds 7 Uhr: „Hans Lange." Alontaa den 14. Alärz: „Iran WarrenS Gewerbe." Dienstag den 15. Alärz: „Hedda Gabler." MMwoch den 16. Alärz: »Der dunkle Punkt." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gicsiencr Fleisch- und Brotpreise am 7. März 1910. Getreidepreise in Mannheim Welzen 100 Kg. 22.75— 26.00 Alk. Roggen 100 Kg. 16.75-17.00 Alk. Sport. — Fußball. Am Sonntag fanden auf dem Trieb bei sehr gutem Welter vor einet äußerst großen Zuschauerinenge die beiden letzten G n t s ch e i d u n g s s p i o l e um die Ale l st er - i chail dtiS 8. Bezirks in der AI und AIII Klasse statt. In der AI Klasse traten die ersten Alailnschaflen des Gießener r;utz- ballklilbS von 1900 und des Fußballklubs Siegen Jahn zusammen. Beide Mannschaften sind saft gleich stark. Nachdcm^slch die an- sänaliche 2lusgeregtheit etwas gelegt hat, findet gch liegen zuerst zusammen und stattet dem Gießener Tor verschiedene gefährliche Besuche ab, die jedoch infolge des ruhigen und sicheren Spiels der Gießelier Teckmig erfolglos bliebeu. Tie hiesigen Stürmer machten mm auch scharfe Angriffe aus das Siegener Tor, die immer sehr ge'ährlich werden, jedoch vorerst feinen Erfolg bringen. Endlich kurz vor bet Pause läuft der Diittelstürmer durch und schiestt das erste Tor, dem kurz darauf durch einen gut emgedrehten Ball des Halbrechten Stürmers das ziveite Tor folgt. In der zweiten Spielhälste ist Siegen anfangs überlegen und kann auch bald die beiden anSgleichenden Tore erzielen. Tann drückt wieder Gießen etwas und 10 Almuten vor Schluß fällt das liegbrmgenbe -tor. — Auch in der AIII Klaffe konnte die dritte Mannschaft des Gießener Fußballklubs von 1900 einen Sieg ^über den Verein für Bewegungssviele Gießen mit 4:0 Toren erzielen. Ter Gietzener Fußballklub errang somit in diesem Jahre in allen drei Klaffen die Meisterschaft. Bon den 18 zum AuSlrag gekommenen Spielen ivurben 14 gewonnen, drei verloren und eins unentschieden. Tie e-weichte Torzahl beträgt 85:28. Nächsten Sonntag muß die erste Mannschaft m der Vorrunde um die westdeutsche Meisterschaft gegen Kaffel spielen. Spitfplan der vereinigten zranksutter Stadttheater. zwischen den niatzgebenden deutschen und englischen Persönlich- Unsere 2Vti Men ftattaefunben hat, ist niemals ein englischer Vorschlag her. Hohe steht. Wir lenen em, oay m voraetreten, ber nach unserer Auffassung als Basis für amtliche, nicht möglich war, öessere Panzerplatten und Kanonen zu dem- B-rbandlunaen hätte bienen können. Im Verkehr zwischen de- selben Preise wie von Krupp zu erhalten. freundeten Regierungen pflegt es vermieden zu werden, formelle Anträge zu stellen, deren Berücknchtrgüng zweifelhaft erichemt. lAbg. Ledebour: Sie bestätigen ja alles, was ich gesagt habe!) to 9. O 5 °(s) ßlo. Co Z CO 2 ~Csy Z- s? SS h »3 .. 7 % XXb «m« m» 74—80 00 00 68—73 00 00 63-67 00 03 64-68 00 00 55-58 00 00 65—72 00 w 65—70 00 00 54—65 00 00 50—54 00 00 34-45 00 00 90-95 00 CO 84-90 00 00 76—82 60 00 78-82 00 00 69-70 64 78 0 69—71 00 00 ) 67—70 00 00 xff-Z. ff- 5 n = — co HZZL Tie Strafe i> Fuhrwerk wieder Gießen, de Gr a E rt. Gresieu, bc Gr Bete. : Wassertvi Wegen Vormst Unterführung nut Station Langgöns Leihgestern—Lang cinschl. Freitag d gesperrt. Dieser Langröns zu leite = er - =<2 —* — D-‘5 2-'~* coS-^a.-s?^ o =: । ~ —- 1 vom 30. März bis 20. April t Kreisstraßenstrecken int Kreise Gies ydtüfh* Kurse über nachstehende -ge unter Leitung des Kreisvb" 2. *■* 2 ZZ!* Ä i Fron hausen nach Gladenbach ist sahrbar. n 3. März 1910. oßherzaglichcs Kreisamt Gießen. I. V.: Welcke r. Sekannlmiiklrung. ituitß Frvtthauscn; hier: Spernm ittd) Gladenbach. n 5. März 1910. oßherzoglichcs Kroisaint Gießen. I.B.: Weicker. KeluniiMnachnng. :rk Langgöns. hme von Wasserleitungsarbeiten in er der Bahn Gießen—Frauksurt lucrbeu die Straßen Holzheim—L göns von Mittwoch den 8. ds. eit 10. ds. Mts. für sämtlichen ist über Leihgestern und Große H. Dr. U fing er. -M fx •— - — c/ C. =, 2-5 -5:., ’B'r-S CS z?ZS- J? cS «-» »z- öS 3. 5 ' 0 — @ tT C 2 — S,0 ’Srt-S'' CT» S WM ■ r- । «=* 1 Z W — co >Ä> »ZU für sä g der er - S 3 ‘ ^•5T ^3© o7. 2 „ Ä're" oc §,2 « • =>: S ü 5 s s "■ mtlichrs -Haupt- S ™»3'E cyci •2'.c< S> o*S ■? - 7 über )cn cr- wungs- unberf,