Man hat das plötzliche Auftreten Cavours als Staatsmann int Jahre 1848 mit der Geburt der Athene verglichen, die nod)? der griechisä-en Sage völlig gerüstet aus dem Haupte des Zeus sprang. Seine dominierende Begabung, sein ungeheures Können, trat plötzlich zu Tage, als er in der von ihm mit einigen Freunden begründeten Zeitschrift „Risorgimento" den Erlaß cin^r Konstitution für das Königreich Sardinien und Piemont foriXTtc, um die gewaltige Erregung der Massen zu dämpfen, aac fassung wurde ganz nach seinen Vorchlagen emaefuhrt, und von nun an trat seine Persönlichkeit immer deutlicher als md führende hervor, zunächst in seinem Vaterlande, dann ur dem ganzen zerrissenen, in Ohnmacht und Knechtung fchmachtenden Italien Jede neue GeltendmaäMNg seines wachenden ^nsluf^ war ein weiterer Erfolg für ihn: im Parlament entwickelte sich allmählich seine geniale Beredsamkeit, die im hitzigen ^dortkampt, in der scharfen Aussprache ihre größten Wunder vollbrachte. Ohne jeden Schwung, ohne alles Pathos wußte er mit seinem zerhackten Vortrag, seiner schneidend Hellen Stimme reden Widerspruch durch die unerbittliche Logik feiner ^^uude, durch die kristallene Klarheit seiner Darstellung zu befiegen. 18j)O muß tW König Viktor Emanuel, der nach der Abdankung des unglücklichen Karl Alberts den Thron bestiegen hatte auf das Drängen der Allgeineinheit hin zum Minister machen und er sagte dabei: „Das Kerlchen wird Euch alle aus dem sattel heben." 1852 ist seine Prophezeihung eingetroffen und Cavvmr wurde Ministerpräsident. Seine Politik ging nun zunächst dahin, Piemont zu dem unvermeidlichen Kampf mit dem Unterdrücker Italiens, mit Oesterreich, zu stärken, in- dem er in einer.glänzenden inneren Reform die Kräfte des Volkes stählte. Tann bewirkte er die Allianz mit Frankreich und England und die Beteiligung am Krimkrieg. Nun erhielt des kleine Königreich Sardinien auf dem Pariser Friedenskongreß Sitz und Stimme; sein Ansehen unter den Großmächten stieg. Damals gab Cavour seinem „Schüler" Napoleon III. die erste Unterrichtsstunde, die in ihm den Gedanken befestigte, „etwas für Italien; zu tun", und isolierte Oesterreich diplomatisch vollständig. Und bald folgte die zweite entscheidende „Leftion" in der geheimen Zusammenkunft Cavours und Napoleons \in Plombiores (August 18581 Tie Befreiung und Nationalisierung Italiens war nun als Programm aufgeftellt; sie fand ihre teilweise Verwirklichung in dem Krieg gegen Oesterreich, der durch die Konvention von Vlllafranca einen überraschend jähen, von den italienischen Lavour. (Zu seinem 100. Geburtstag, 10. August.) Von Dr. Georg Kuhn. Daß Italien seinen größten Staatsmann, den Schöpfer seiner Einheit Tentschland verdankt, hat schon sein Vetter und Biogravh De la Rive hervorgehoben. Die ^enft, deren Geschlecht Camillo Bonso di Cavour cnnProssen ist, sind fachsische Adlige gewesen, die mit Friedrich Barbarossa nach Italien kamen und ihre ghibollinische Gesinnung treu bewahrten: ihr Wappen behielt die deutsche Devise: „Gott will Recht". Für uns wird w stets Bismarck das Ideal des genialen Tatmenschen verkörpern, der das gleiche Wunder der Einigung Deutschlands vollbrachte; neben chui suh- Cavour, obwohl von deutschem Stamm, doch als das typtfch romanische politische Genie, beweglicher, geschmeidiger, blendender, über die Menschen herrschend, indem er sich ilfnen anpaßte, eine durchaus aufs Praktische, Reale gerichtete Natur, dabei ein heiterer Sinnenmensch, deni mächtigen preußischen Hünen auch im Aeußern entgegengesetzt mit seiner behäbig rundlichen, kaum mittelgroßen Erscheinung; gleich ober dem deutschen Reichsfcvmied in der Bedeutung seines Wirkens, in der Größe seiner Erfolge, m der Stellung, die er im Mittelpunkt der modernen Geschichte Italiens einnimmt. .... „ r_ . k Cavours Unterricht war ziemlich mangelhaft; in der Ncilitar- akademie interessierte er sich hauptsächlich für Mathematit und nationalökonomische Fragen. Die phantastischen Schwärmereien und romantischen Träume der anderen italienifchen Patrioten, die sich in einer gestaltlosen Welt der Ideen bewegten, blieben ihm stets frevid. Tie Gedichte Dantes, in denen ein Manzoni und Alfteri das Evangelium der Befreiung und Einigung fanden, hat er nie gelesen; er behandelte „die Fragen der Politik wie Probleme der Integralrechnung". Tie Briefe und Aufzeichnungen ans Cavours Iünglingszeit, die er als Leutnant int Geniekorps (von 1826 18311 verbrachte, zeigen eine erstaunliche Klarheit, Festigkeit und Reife der Gedanken. Er betonte schon als Zwanzigjähriger . 1830>, daß Italien sich nur durch eine Politisch, industrielle, kommerzielle, ökonomische Wiedergeburt nach Znnen und Außen erneuern könne, daß einer politischen Befreiung die wirtschaftliche Erhebung und Reorganisation vorangehen muffe und daß dies nur in liberal-demokratischen Formen durch allmähliche Umwandlungen und Umformungen möglich sti Hier ^scheinen bereits die Grundsätze, die der Minister befolgte, als Ausstand und Aussperrung in der deutschen Schiffsbaulsldustrie. Die Leitungen der deutschen Privatwersten haben am 6. August den Ausstand der Hamburger Schiffsarbeiter und die StreikdroHungen aus Bremen, ^Rostock, Kiel, Stettin und so weiter mit der Erklärung beantwortet, daß sie am Donnerstag auf allen deutschen Werften Betriebseinschräw- kungen vornehmen und 60 Prozent der organisierten Arbeiter aussperren würden, falls nicht die Hamburger Schisssarbeiter bis dahin die Arbeit wieder zu den alten Bedingungen ausgenommen hätten. Diese Drohung ist nicht nur erfolglos geblieben, nein, sie hat es sogar bewirkt, daß in Hamburg noch weitere Arbeiter- kategorien, wie die Schiffsreiniger, die Schiffsmaler, die Dockarbeiter der Hamburg-Amerika-Linie usw. in den Ausstand eingetreten sind. Und daß in den Arbeitnehmer- lreisen Stimmung dafür vorhanden ist, die Aussperrung der 60 Prozent Arbeiter mit einem Ausstand der noch, übrigen 40 Prozent zu beantworten. Man muß vorläufig abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln. Eins aber scheint nicht völlig ausgeschlossen zu sein, daß, wenn eine allgemeine Arbeitsniederlegung im Schiffsbaugewerbe erfolgt, noch weitergehende Beschlüsse des Verbandes der Eisenindustriellen zu erwarten sind, so daß damit die Arbeiterbewegung nicht auf das Schisfsbaugewerbe beschränkt bliebe, sondern auch die Fabriken der Eisenindustrie erfaßte. Denn wenn man die Schiffsarbeiter zwingen will, möglichst bald zu Kreuze zu kriechen, so muß man die Kassen des Metallarbeiter-Verbandes so schnell wie möglich leeren, ihnen also durch Aussperrung so viel Unterstützungsberechtigte aushalsen, daß ihnen in kurzer Zeit der Atem ausgeht. Welchen Umfang dann der jetzt vom Schiffsbäugewerbe ausgegangene Kampf annehmen wird, läßt sich bis heute noch gar nicht ermessen. Und wenn er auch miT kurze Zeit dauern und wahrscheinlich mit einem Siege der Arbeitgeber endigen würde — was wäre damit gewonnen? Ungezählte Werte sind dann verloren gegangen, wieder sind tausende von Arbeitern in die sozialdemokratischten Organisationen hineingetrieben worden, und das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat eine weitere Verschärfung erfahren, so daß, wenn die sozialdemokratischen Kriegskassen erst wieder gefüllt sind, ein neuer Streik mit Sicherheit zu erwarten wäre, dessen Ausgang umso unsicherer ist, als die Arbeiter ihn wohl zu einer für sie günstigeren Zeit beginnen wurden, als heute, wo die Schifssbauindustrie nicht voll beschäftigt ist. Von den Arbeitern in Hamburg wird das freilich bestritten, weil auf den dortigen Werften mit Ueberstunden gearbeitet würde. Und diese, nach ihrer Meinung günstige lokale Konjunktur gab ihnen auch den Mut, am 2. August mit Forderungen an die Arbeitgeber heranzutreten, die diese nicht bewilligen konnten oder wollten. Diese Forderungen gipfelten in einer allgemeinen Lohnerhöhung, besonders ftir Ueberstunden und Sonntagsarbeit, in einer Verkürzung der Arbeitszeit um täglich 1 Stunde (am Sonnabend um 2), in der Einführung fester Einstellungslöhne für die einzelnen Berufe, in der Zusicherung eines Mindestverdienstes von 33y3 Prozent bei Akkordarbeiten, sowie einer früheren Auszahlung dieses Verdienstes, auf die die Arbeiter jetzt oft vier bis fünf Monate warten müßten. Mmntt man noch hinzu, daß die Hamburger außerdem noch die Anrechnung der Zeit der Lohnzahlung auf die Arbeitszeit, und zwar zum Ueberstundentarife, verlangten, so muß man diese Forderungen als maßlos be- .zeichnen und kann ihre Ablehnung den Hamburger Werftbesitzern nicht verdenken. _________ er in Piemont „eine der gründlichsten Zollresvrmen ' durchführte, „die je Europa gesehen", als er seine „Gedanken über die italienischen Eisenbahnen" glänzend verwirklichte unb eine geordnete Finanzwirtschast schick; hier sind auch schon die Leitmotive ferner Staatskunst angebeutet, seine echte Humanität, feine tiefe Abneigung gegen iede gewaltsame Revolution und die feste Ueber- zeugung, daß dem Politiker „das Gefühl für das Mögliche' ausschlaggebend fein müsse. Ein so selbständiger freier Geilt konnte nidit anders, als mit seiner freien Kritik Anstoß erregen: der 21 jährige Ofstzier nahm seinen Abschied unb verbrachte nun 17 Jahre in stiller Zurückgezogenheit, um in harter Arbeit und Selbstzucht seine Erfahrung zu bereichern, ferne ^deen zu befestigen und die tiefe Menschenkenntnis zu gewinnen, die er für sein Amt brauchte. Tenn dies Amt schwebte ihm beständig in seinen Träumen vor, von denen er 1832 lächelnd einer Freundin erzählt: „Ich würde es ganz natürlich finden, wenn ich eines Tages als leitender Minister des Königreichs Italien auswachte.' Cavours Lehr- unb Wanderjahre vollzogen sich in bedeutsamen Reisen nach Paris, wo er besonders die, Entfaltung des demokratischen Gedankens kennen lernte und fleißig Vorlegungen hörte nach der Schweiz unb vor allem nach England, das für ihn eine Zeit lang zum Idealbild eines freiheitlich regierten Staates, einer wunbervoll ausgebildeten Gesellschaft wurde. Das Studium des landwirtschaftlichen und industriellen Lebens in Großbritannien trug ihm bann in der Heimat tausendfältige Frucht. Der Vater gab dem nachgeborenen Sohne, der am das große Familienerbe feinen Anspruch hatte, eins seiner Landgüter Lori zur Bewirtschaftung und nun erprobte Camillo iw kleinen die organisatorischen und schöpferischen Fähigkeiten, die er später zum Wohle des Staates offenbarte. Er schuf ein Mustergut, das gewaltige Ertrüge abwarf, beteiligte sich bann auch an großen inbuftriellen Unternehmungen, die zum Teil, mie. die Bank von Turin, erst durch ihn ins Leben gerufen wurden, und so ward der wenig bemittelte, abhängige Graf allmählich zum Millionär. Nun erschien er auch in den Klubs und Salons von Turin, gern gesehen als liebenswürdiger Plauderer, geistvoller Spötter unb humorvoller Lebemann. Niemand ahnte in dem anglomanifmen „Mylord Camillo", in dem lebhaften untersetzten Landjunker, der stets ein behagliches Lächeln auf dem breiten Gesicht zeigte und eine unverwüstliche gute Laune hatte, den Retter aus der schwierigen, gefahrvollen Lage, in der sich schon damals die Politik Piemonts und die Situation ganz Italiens befanb. Die Hamburger Schisssarbeiter haben darauf am । 4. August mit dem Ausstand geantwortet. Es traten nach ' unb nach ihrer etwa 10 000 in den Ausstand, doch wird es der Aussperrungsbeschluß der Werstbes^er mit sich bringen, daß an den übrigen Werftplätzen noch 14 500 wei- . tere Arbeiter brotlos werden, zu denen sich dann noch etwa 10 000 gesellen, die wegen ^des Aussperrungsbeschlusses in den Ausstand eintreten. Denn daß dieses geschieht, daran kann nach den Nachrichten, die aus Bremen, Rostock, Kiel, Stettin usw. vorliegen, wo die Arbeiter das Vorgehen der Hamburger Verwaltungsstelle des Metallarbeiter-Verbandes einstimmig gebilligt haben, kein'Zweifel ein. Erfolgt am Donnerstag tatsächlich die Aussperrung in dem oben bezeichneten Maßstabe, so haben wir nicht mehr, wie jetzt, mit 10 000, auch nicht mit 25 000, sondern mit rund 40000 brotlosen Arbeitern, die sich auf 37 Wersten verteilen, zu rechnen, oder unter Hinzu- zählung ihrer Familien mit etwa 120 000 darbenden Menschen. Allerdings wird ja nun versichert, daß den Arbeiterorganisationen 10 Millionen Mark zu Streik- und Aus-» sperrungsunterstützungen zur Verfügung ständen. Aber was bedeutet das unter so viele, felbst wenn die sozialdemokratische Parteikasse und das Auslandndie brotlosen Schifss- ar beit en auch noch so sehr unterstützten? XDie Werftbesitzer können mit ihren reichen Mitteln diese Zeit der Arbeit^ einstellung viel besser aushalten, wenn sie natürlich auch mit allerlei Unzuträglichkeiten und Verlusten zu rechnen haben. Denn, wie gesagt, vollbeschäftigt ist unsere Schisfs- industrie zurzeit nicht. ?tur auf den Hamburger Reparaturwerkstätten, sowie bei der Abfertigung der Schiffe macht sich der Ausstand schon jetzt unliebsam bemerkbar; beim Schiffsneubau selbst dagegen kommen, da für die Fertigstellung von Handelsschiffen keine festen Lieferungsfristen ausgemacht sind, nur die Bestellungen der Kriegsmarine in Betracht. In Hamburg sind augenblicklich drei Panzerkreuzer im Bau, auf den ^stseewerften sieben Linienschiffe und vier kleine Kreuzer, deren rechtzeitige Fertigstellung nun wohl verzögert werden dürfte. Ob die jetzt ausgebrochene Lohnbewegung unter den deutschen Schiffsarbeitern einen politischen Hintergrund! hat, wird sich schwer feststellen lassen. Das Maßlose der Hamburger Forderungen scheint allerdings darauf hinzudeuten, daß die Sozialdemokratie mit der Beunruhigung des Schifss- baugewerbes agitatorische Zwecke verfolgt. Und die Worte des Bevollmächtigten des deutfchen Metallarbeiter-Verbandes, Otto Franz, „daß der Kampf durchgefochten werden müsse, mögen auch viele Arbeiter über seinen Ausgang enttäuscht werden", scheinen diese Auffassung zu unterstützen. Aber mag es sich nun um einen aus politischen oder ivirtschaftlichen Gründen entfackften Streik handeln — das eine ist wohl nicht zu bestreiten, daß. man in Hamburg in jedem Falle äußerst frivol vorgegangen ist. Denn man war sich in den führenden Greifen der sozialdemokratischen Gewerkschaften der Ungunst der Konjunktur für die Arbeiter voll bewußt und reizte sie doch zum Ausstand auf. Würde es im Leben der Nationen auch nur eine Regierung wagen, einen Krieg heraufzubeschwören, von dem sie bestimmt weiß, daß er mit einer Niederlage endigen muß? * lieber die gegenwärtige Lage des Schiffbaues schreibt die „Deutsche volksw. Korresp.": Wer mit der gegenwärtigen Lage des deutschen Seeschiffba.ues <7iich nur einigermaßen vertraut ift, wird wissen, daß die Werkten diese Forderungen gar nicht bewilligen können. Jahrelang hat : die deutsche Schiffbauindusttie mit dem schwersten Mangel an 1 Aufträgen gekämpft. Die Werften haben, soweit sie Aktiengefell- 1 schäften sind, ihre Dividenden beträchtlich heruntersetzeu munen. Vielfach sind Verdienste überhaupt nur durch andere Beschäftigung als durch den Schiftbau ermöglicht worden. Tie Folge waren Zusammenbrüche im Schiffbau, wie sie in solchem Unftauge vorher niemals vorgekommen sind. Die Veckuche, notleidende Werften durch Zufammenlegungen zu sanieren, werden noch in stftcher Erinnerung sein. Endlich, gegen Ende des wahres 1909, schien eine Besserung im Schiffbaugewerbe einzutreten. Der allgemeine uuft chwung in Handel unb Industrie, das Zustandekommen einer Verkündigung zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika, das deuftch-kanadstche Handelsabkommen crftillten die Reeder mit neuer Zuversicht und veranlaßten Aufträge bei den deutschen Werften. Tie Preise waren zwar noch sehr gedrückt ; aber es war doch ein Anfang. Nur zu bald ist diese kleine Beftemng wieder verschwunden. Wer den Berichten über die Sage des Schiffbaues, die im Reichsarbeitsblatt erscheinen, wer den Aeuße- tungen der Werften und der Reeder nicht traut, der besuche die deutschen Schiffbaustätteu. Aus den meisten Helgen wird ihn trostlose Leere angähnen; was von Schiften auf Stappel liegt, verspricht keinen oder nur geringen Verdienst. Es ist eben immer noch zu viel Schiffsraum zur Verfügung; er reicht mehr als aus, um das vorhandene Bedürfnis zu decken. Zum Personalwechsel in der hessischen Zchulabterlnng wird uns von unterrichteter Seite geschrieben: Nach dem ersten Eindruck der Ueberraschung und des Unmuts, den die Ernennung eines Juristen zum Letter der Schulabteilung hervorgeruseu hatte, ist jetzt in den Kreisen der Lehrer wieder eine allgemeine Beruhigung ein- qetreten. Sie stützt sich vor allent auf die Tatsache, daß der langjährige bewährte Mitdirigent in der Schulabtei- lung. Geh. Oberschulrat Dr. No d nagel, auch weiterhin auf seinem Posten verbleibt und daß auch sonst keine V^r- sonalveränderungen erfolgen werden. Damit ift den Zehrern die Gewähr dafür gegeben, daß sich in der anerkannt vortrefflich bewährten Leitung des hessischen Schulwesens keinerlei Umgestaltung vollziehen, das Schifflem vielmehr ganz im Sinne des verewigten Dr. Eisenhuth weiter gesteuert werden wird. Wenn man hier und da die ^rage aufwirft, warum denn da nicht einfach Herr Nodiiagel zum Nachfolger berufen worden sei, so mag daran erinnern werden, daß dieser Herr bereits im 66. Lebens)ahre steht und in diesem Mer wohl kaum iwch große Lust zur Uever- nahme eines so schwierigen und arbeitsvollen Amtes verspüren konnte. Doch dürfte die Ernennung des Geh. Rat Süffert erst erfolgt sein, nachdem Herr Nodnagel fein Verbleiben int Amte zugesichert hatte und die sofortige amtliche Dementierung der Nachricht, in der sein Rfticktrttt angekündigt wurde, beweist, welchen Wert man an maßgebender Stelle aus die weitere Tätigkeit dieses hochverdienten und allgemein geschätzten Beamten legt, ^chon int Jahre 1904 war, als Herr Eisenhuth von seinem Amt zuruck- treten wollte, Herr Nodnagel zu seinem Nachfolger ausersehen worden; er lehnte aber damals schon ab^und es gelang, unter Erteilung eines längeren Urlaubs im Sommer 1905, Herrn Eisenhuth auf seinem Posten zu erhalten. Das Amt eines Dirigenten der Wteilung für Schulangelegenheiten ist auch viel umfangreicher und schwieriger, als man gemeiiihin im Publikum anzunehmen scheint Es umfaßt ein vielfach größeres Personal, als z. B. der ähnliche Posten im Justtzministerium, denn es kommen hier außer ca. o400 Volksschullehrern und -Lehrerinnen auch noch ca. 47.) akademische Lehrer und etwa 200 provisorisch angestellte Kräfte in Betracht. Im Hinblick auf dieses große Heer von ^>chul- angestellten sind schon früher Bestrebungen dahm gegangen, das Unterrichtswesen in Hessen einem besonderen Minifte- rium zu unterstellen, was ja zweifellos für die Beteiligten manche Vorteile zur Folge haben wurde^ Man ift aber auf diese Anregung schon damals aus Sparsamkettsruck- sichten nicht näher eingegangen und hat jetzt durch die : Uebertragung des Vorsitzes in der Abteilung an einen Juristen noch einen Schritt weiter getan. In der Sache selbst wird dadurch, wie wir besttmmt annehmen können. Nr. 185 Erstes Blatt ISO. Jahrgang Mittwoch lO.Attgnft 1910 Ameicm ssääS:V1 MLIlV9Lvl 411llvLllL4-sso >irIIchast!icheS«i>sragei, W W W W W V 8S W W 'V 'V CH°Ir-->ak,-ur:A. Goetz. Kr . ... ee^ General-Anzeiger für Oberheffen h"n dik*T^a"snumE Rofafionsörttd und verlaa der vrM'scken Univ.-Vnch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuiftrahe I. fZ^igenieU? H." B^. bis vormittags 9 Uhr. —■ wm ■ 3 ** D i e Är o ß h erKo g in traf am Montag nachmittag Uhr int Auto in Darmstadt ein, besichtigte das Säualings- eim und nahm bei der Prinzessin Franz Joseph von Batten- erg den Tee. Später erfolgte die Rückkehr nach Jagd- chloß Wolfsgarten. Aus Stcrdt und Gies;en, 10. August 1910. Ausland. . Wie bas Journal des Tebats" auf Grund einer Anfrage Der^der Pariser türkischen Botschaft mitteilt, hat die türkische .Botschaft keine Mitteilung erhalten bezüglich der gemeldeten LVS9--r?!$e n Vorbereitungen Bulg artens. Das Blatt lugt hinzu, aus dem Fehlen jeglicher offizieller Bestätigung k^l.iä/lietzen, daß die Nachricht von einer demnächstigen Mobil i; ter un g bulgarischer Truppen unter dem Vorwande denkt, daß diese Strecke von ihnen fast immer nur in Bruch, teilen einer Sekunde durcheilt wird (denn die meisten Stcrn- schniippen sind doch nur einen Moment sichtbar, manche hinterlassen allerdings noch eine leuchtende Flugbahn), so kann man sich ungefähr einen Begriff von der Geschwindigkeit ihres Fluges machen. Den Laurentiusstrom hat man inbezug auf seine Bahn mit dem Kometen 1862 III in näheren Zusammenhang gebracht, da die Elemente beider Bahnen sich sehr ähnlich sind; wahrscheinlich ist der Komet als Urkörper des Meteocstromes zu betrachten, was auch bei verschiedenen anderen periodischen Sternschnuppenströmen der Fall zu sein scheint; die Beobachtung dieser Sternschnuppen reicht, soweit zuverlässig, bis 830 nach Ehr. zurück. — Das Sternbild des Perseus ist links unter dem bekannten oder leicht aufzufindenden W der Kassiopeia sichtbar, je nach dem Standpunkt des -Beobachters zwischen Osten und Norden. Wenig bekannt ein dürfte wohl die Tatsache, daß die astronomische Wlssenschaft auf die Beobachtung der Sternschnuppen, deren Wesen usw. noch ziemlich unerforscht ist, großen Wert legt und jederzeit Mitteilungen über besonders auffällige Erscheinungen auch von Laien gern entgegennimmt. Die Sternschnuppenfälle dauern an, so lange die Dunkelheit herrscht, d. h. sind so lange zu 'ehen, und zwar ist die Zahl der Meteore gegen Morgen stets größer als abends. * ** D aS G r o ß h e rz. o g S p a a r trifft schon am Montag nachmittag im Mainzer Schlosse ein. Erbgroßherrog Georg und Prinz Ludwig kommen nicht nach Mainz. Ta's Gefolge )er Fürstlichleiten besteht aus der diensttuenden Ehren- !)ame Freiin von Betlersheim, dem Hofmarschall Major a. D. Jrhrn. v. Nngern-Steruberg, dem Oberstallmeister Major a. D. Riedesel Frhr. z-u Eisenbach, dem diensttuenden Kammerherrn Dr. Fehrn. von Leonhardi, dein General- Adjutanten Rittmeister Frhrn. von Massenbach und Oberleutnant von Schröder. Sternschnuppen. . In der Zeit vom 9. bis 13. dieses Monats macht sich wieder cm periodischer Sternschnuppenfall bemerkbar: aus dem sog. Laurentiusstrom (die Tränen des hl. Laurentius). Man pflegt diese Meteore auch „die Perseiden" zu nennen, 'veil ihr Hauptradiationspunkt im Sternbild des Perseus liegt, d. h. die Meteore aus diesem Sternbilde hervorzu- sthwßen scheinen. In Wirklichkeit ist dies aber nicht der denn die uiiserer Erde am nächsten stehenden Fixsterne sind über 31 Billionen Kilometer oder etwa 200 000 mal weiter als die Sonne von uns entfernt, und die Sterne des Perseus gehören durchaus nicht zu den uns nahe stehenden! Tw Sternschnuppen, denen man nach den bisherigen Beobachtungen und Berechniingen aber selten ein Gewicht über 3000 Gramm, meistens aber ein solches von nur Bruchteilen eines Gramms zuschreiben muß, sind also ganz verschwindend kleine Körperchen in Anbetracht solcher Entfernungen und würden daher auch gar nicht für uns zu sehen sein, wenn sie dort ihren Ursprung hätten. Die „Pcrseiden" gehören vielmehr einem Sternschnuppenstrom an, welcher die Sonne in einer sehr lang gestreckten Ellipse umkreist und jedesmal, wenn er die Erdbahn durchschneidet, von unserem Planeten einen Teil seiner Bestandteile entrisien bekommt. Wenn dann diese, die schon ihre Bahn mit einer großen Geschwindigkeit zurücklegen, mit einer sich stets vergrößernden Geschwindigkeit unserer Erde zusausen, so werden die einzelnen kleinen Körperchen bei ihrem Fluge durch die Erdatmosphäre zu einer solchen Hitze gebracht, daß sie schnell vollkommen zerstäubt werden, also erlöschen. Die Grenze, bis zu welcher Höhe die Sternschnuppen sich der Erde nähern, liegt zwischen 90 und ^Kilometern über der Erdoberfläche; die Höhe, in welcher sie in unserer Atmosphäre sichtbar werden, beträgt nie mehr als 180, meistens aber nur 120 bis 110 Kilometer. Wenn man be- k. Maar, 9. Aug. Am Sonntag wurde hier ein Missionsfest für den Kreis Lauterbach abgehalten, bei deut Pfarrer Lenz-Stockhausen die Festpredigt über die Bedeutung der Mission und ihre jetzige Ausbreitung hielt. Bei dem anschließenden Gottesdienst im Freien predigten Dekan Schmidt-Schlitz und Missionar Hoffmann. r. Rain rod, 9. Aug. Zum Besuch des Veteranen- Appells wurden den 8 Veteranen vom hiesigen Krieger- verein und von der Gemeinde jeweils 4 Mk. bewilligt. L Fr-iedberg, 9. Aug. Tie Bürgermeisterei erhielt jetzt die offizielle Mitteilung Dorther Ankunft der russisä)en Zarenfamilie, der Familie des Großherzogs, sowie der wahrscheinlichen Ankunft des deutschen Kaisers im hiesigen Schlosse. Für die sofortige Erweiterung der Straßenbeleuchtung in der Burg bewilligte die Stadtverordnetenversammlung 800 Mk. — In dein von Oberlehrer Dreher dahier geordneten städtischen Archiv befinden sich 4427 Stadtbücher vom Jahre 1148 bis 1830 und 20 000 Akten aus dem 15. Jahrhundert. Friedberg, 9. Aug. Tie Arbeiten für die Erbauung der neuen staatlichen Blindenanstalt (Lehrgebäude, gewerbliche Anstalt und Direktorialhaus) wurden einer hiesigen Firma übertragen. Die Anstalt, deren Bau nächstens begonnen werden soll, kommt in den neuen Stadtteil zu stehen. Friedberg, 9. Aug. Heute sand eine Felddienst- Übung zwischen dem in Bad Homburg garnisonierenden 3. Bataillon Nr. 80, sowie dem in Butzbach stehenden Bataillon der 168 hier statt. Zwei Feldküchen waren bis hierher gefolgt, die für die Mannschaften abkochten. = Aus der Wetterau, 9. Aug. Iw Rod heim verbrannte durch Blitzschlag die Hofreite des Landwirts Gg. Zipperlein IV. — In Wölfersheim entstand am Sonntag abend eine blutige Schlägerei, bei der ein Bursche durch Messerstiche schwer verletzt wurde. —- Die Bahnhofsanlagen der Station Berstadt werden gegen- wärttg erheblich erweitert. Gleise und Rampe sind umgebaut worden, da der Güterverkehr für landwirtschaftliche Produkte ständig ft eia t. — Der Schul haus Neubau zu Eberstadt bei Lich ist mit einem Kostenaufwand von Ü?“ 2 ’V-1 ^l.nf°.T Sfalsch ist. Bulgarien wisse auch kte -Lurfei feit zwei Jahren bedeutende mili- -ft M.aHrbgeln getroffen habe, um der Eventualität eines intens seiner Grenznachbarn zu begegnen. Ein Krieg zwischen der Türkei und Bulgarien würde für Bul - WufLrL™ $ rnr? tollkühnsten Abenteuer sein. ■ait^' lEches schon wiederholt Bulgarien Mawgung und Klugheit angeraten habe, zweifellos von neuem §egebenensal s die Minister des Königs Ferdinand von beunruhigenden Planen abzubringen, die man ihnen vielleicht mit Unrecht zuschreibt. Aus Salonik wird gemeldet: Eine 15 Mann starke Ab- teilung griechischer Soldaten überschritt bei Domenikon die türkische Grenze; daber wurden sic von der türkischen Grenz- wcichc in em brciltunbigeä Gefecht verwickelt. Tie Türken er- yielten erstarkiingen. -Lie Griechen zogen sich mit einem Ber- lust von fünf -toten über die Grenze zurück. Aus türkischer Sette wurden zwei Mann leicht verwundet -ne „Times" meldet aus Newport: Von dem Streik im Mantelnahgewerbe wurden bisher 70 000 Personen crgriifen Es ist das die größte Zahl, die je ein Ausstand innerhalb eines einzigen Gewerbes in Newport erreichte. Auch 210 0 0 ecrjneibcr befinden sich im Ausstand. Man erwartet, daß Mi ~iuife der Woche weitere 45 000 hinzu kommen werden. In den hiesigen Zuckerrafsinerien sind 2000 Mann ausständig. Deutsches Aerch. / 2" ka: Presse wurde gemeldet, daß bereits eine Ein- la^ung des Kaisers von Japan an den Kron- vorliege, in der dieser zu einem 14tägigen Aus- entyalt^ in ^apan als Gast des Mikado ein geladen wird Wie wir ersahrrn, ist dies nicht zutteffend, da man bisher in Japan nichts Von mner Reise des deutschen Thronfolgers offiziell ge- wutzt Ohne.Zweifel wird der Kronprinz in Japan mit großer iVerzlichLeit Erlangen werden, und es ist cmzmichmen, daß der rfiLdie getroffenen Dispositionen es gestatten, als Gast in )einem Schlosse in Tokio sehen wird. Be- tannmch war vor kurzem erst der Herzogregent von Braun- r»öohann Albrecht, auf einem kaiserlichen -chloffc in -Lotio und hat sich über die Gastfreundschaft der Javaner sehr anerfennenb geäußert. bähe*ische Kammer der Reichsräte nahm die ^Vorlage betreffend das Kraftwerk Walchensee mit großer Mehrheit an. Heer und Flotte. . ,^^.^.par-Ausschnß" zur Bereinfachung v cv Mili turhaus h al ts. >Die Besttebungen der Militärverwaltung Mr Erzielung von Ersparnissen und zur Vereinfachung der Verwaltung hatten, wie uns mitgeteilt wird, bereits vor längerer Zeit zur Herbeischaffung sehr umfangreichen Materials geführt, das zunächst einem Voraus schuß zur Sichtung übergeben wurde. Der entsprechende Bericht wurde bereits vor einiger Zeit erstattet und ließ erkennen, daß die verschiedensten Gebiete durch die Vorschläge berührt wurden. Infolge der Schwieriq- leiten, die durch die Fülle des Materials und durch die event. Aenderungen, die seit langer Zeit bestehende Einrichtungen betreffen würden, hervorgerufen werden, bedarf es längerer Zei-, um zu bcsttmmten Ergebnissen zu gelangen, die sich auf die Vereinfachung des Haushalts der Vermattung und auf die Erzielung von Ersparnissen beziehen. Infolgedessen hat sich die Beendigung der Arbeiten des hierzu berufenen Ausschusses bis zur Aufstellung des jetzt dem Rerchsschatzamt bereits vorliegenden Militärhaushalts für 1911 nicht erzielen lassen. Der Ausschuß, der zu obigem Zweck zusammengctreten ist, ist auch gegen» warttg noch an der Arbeit und wird vorläufig diese auch noch nicht beendigen können. Soweit als möglich, sind bereits Vereinfachungen und Neuerungen beim vorliegenden Militärhaushalt entsprechend den Arbetten des Ausschusses zur Anwendung gelangt. Im übrigen kann nur betont werden, daß der Haushalt mit außerordentlicher Sparsamst aufgestellt worden ist. Aus diesem Grunde ist es auch nicht möglich gewesen, die Aufbesserung der Löhne der Mannschaften bereits anzufordern. rund 25 000 Mk. nahezu vollendet. Er enthält einen Schulsaal nebst Fünszimmerwohnung für den Lehrer. Die Einweihung erfolgt voraussichtlich im September. — Von der Gemeinde Hoch-Weisel wurde die Erbauung eines einklassigen Schulhauses beschlossen. 8. Os send ach, 9. Aug. Dafür, daß die vom Staate oder von den Gemeinden in eigener Regie ausgeführten Arbeiten erheblich teurer sind als die durch Unterbietung vergebenen, liefert die Stadtverwaltung Offenbach einen neuen, geradezu klassischen Beweis. Die durch die Einlage des Grundbuches notwendig gewordene Neuvermessung der Gemarkung Offenbach mar vom Grv'dh. Katasteramt in Darmstadt auf 80 000 Mk. veranschlagt worden. Auch ein Privatgeometer hatte dasselbe Angebot gemacht. Die Stadtverordneten-Vcr- sammlung beschloß jedoch am 29. März 1906, die Arbeit in eigener Regie auszuführen. Es wurde ein Kataslergeometer aus die Dauer von 4 Jahren mit einem Gehalt von 4500 Mk. vertraglich angestellt und ein Bureau eingerichtet, in dem außer dem leitenden Katastergeometer noch sechs Geometer und fünf Geometergehilfen beschäftigt sind. Nach den im Rechenschaftsbericht der Bürgermeisterei für 1908 und im Voranschlag für 1910 enthaltenen Erläuterungen werden sich die Kosten am Ende deö Rechnungsjahres 1910 auf 179 000 All. belaufen; das sind rund 100 000 Mk. mehr, als nach dem ^Voranschlag des Großh. Katasleramtß angenommen worden war. Da die Grundbesitzer zum 9iück- ersatz der Kosten verpflichtet sind, ist es begreiflich, daß sie ** Psarrpers onalien. Ter Großherzog hat den evangelischen Pfarrer Konrad Franck von Merlau nach Steinbach, Wilhelm Fresenius von Sellnrod nach Rodenbach und Gg. Becker von Hopfgarten nach Mörfelden versetzt. ** Erledigte Le h r e r st e l l e. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeinde- chule zu Bin d s ach s e n , Kreis Büdingen. ** 70jühriges Militärjubiläum. Den siebzigjährigen Gedenktag seines Einttitts in das Heer beging am 9. d. M. der Generalleutnant z. D. August Graf zu So ! mS-Wi ld en s e ls in D a rm sta dt. Am 7. September 1823 in Potsdam geboren, kam der Graf am 9. August 1840 aus dem Kadettenkorps als Portepeesähnrich in das Garde-Kürassicr-Olegiment, dem er bis zum Jahre 1866 angehörte. Er lvurdc dann als Major Kommandeur des Ulanen-Regiments Nr. 11, das er nach Beförderung zum Obn-sten im Kriege gegen Frankreich mit Auszeichnung ührie, )o daß ihm das eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen wurde. Im Juli 1873 wurde er unter Stellung ä la suite des Regiments zum Kommandeur der 29. Kavallerie-Brigade in Mülhausen i. E. ernannt u.id ein Jahr darauf zum Generalmajor befördert. Im Februar 1880 wurde der Graf als Generallcutnanl zu den Offizieren —U vLrrJ^rmee ^setzt und am 15. September 1881 auf fein Abschiedsgesuch zur Disposition gestellt. ** Alldeutscher Verband. Die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hielt vor kurzem ihre Jahresversammlung ab. Der Verband entfaltete feit seiner ^pten^aup^rsarmnlung $eßrUGr 190g e^ne reße xätia* leit. Gegenstände der auswärtigen Potttik wurden in den Ao^Wcn des Geheimrats Fischer-Marburg über Marol.o und des Rechtsanwalts Elaß-Mainz über den AlldeutsÄen Verband im Februar 1909, dem Vortrag des Professors Sommer über die Balkanländer im Juni 1909 und des Pro,essors Schwally über die Jungtürlen 1910 behandelt. ~en! ^ebwt der inneren Polittk gehörte der Vortrag von Vrofessor Biermer im November 1909 über die Ostmarken- frage an. Bon entern Zukunftsland deutscher Betätigung sprach Professor Sievers im Juni 1910 in dem Bericht über seine Rerse in Peru und Ecuador. Geschichtliche Rückblicke gaben Professor Strack anläßlich der Feier der Hermannsschlacht in dem Vortrag über die Weltpolitik 'der ersten Kaiser Roms im Dezember 1909 und Professor Urloff ^.„?^,^ortrag über die Gründung des Deutschen Reichs anläßlich der Reichsgründungsfeier am 18. Januar 1910. Letzterer war im allgemein vaterländischen Sinne gehalten und nahm unter großer Beteiligung aller Kreise einen glanzenden Verlauf, der die Ortsgruppe ermutigte, die Feier orefes Gedenktages auch für die kommenden Jahre in die Hand zu nehmen. Besonders festlich wird sich' die in wei- estem Rahmen abzuhaltende Feier der 40jährigen Wieder- bAele§ Tages im nächsten Jahre gestalten. Für die alldeutschen Abende im Wintersemester sind wieder eine Neihe hervorragender Redner gewonnen. sT3 "Elektrische Abruf'ewerke sollen nun in den Wartesalen eingesichrt werden. Man setzte heute (9 Aug ) in den Mainzer Wartesälen 3. und 4. Klasse zwei solche Apparate in Betrieb. Es sind schrankartige Behälter, die an der Wand befestigt sind. Für jede Fahrtrichtung befinden sich dann Glasfensterchen, hinter denen 10 Minuten bor .Aogang eines Zuges ein Schild sichtbar wird mit dem Warnen der betreffenden Station, wobei gleichzeitig ein elektrisches Läutewerk ertönt. Dieses Klingelzeichen wiederholt sich noch einmal drei Minuten vor dec Abfahrt. Das Ausrufen durch den Pförtner fällt weg. — Eine neue stimmung der Eisenbahndirektion Frankfurt schließt die Schornsteinfeger im Arbeitsanzuge von der H-ahrt in Triebwagen aus, gestattet jedoch ihre Beförderung in den anderen Zügen, falls sie mit der Fahrt im Packwagen zufrieden sind. Lauterbach, 9. Aug. Im hohen Alter von 81 Jahren starb hier nach äOjähriger Dienstzeit einer der ältesten Lehrer Hessens, Ludwig S a l z m a n n. Er verließ das Lehrerseminar Friedberg i. I. 1852. -g. Saasen, 8. Aug. Der Landwirt A. vom Veitzberg erhängte sich gestern in seiner Scheuer. Man nimmt an, daß ein Prozeß, der diese Woche zum Austrag kommen sollte und der ungünstig für ihn stand, ihn zu der unseligen Tat veranlaßte. für die Lehrer keinerlei Nachtell erwachsen, zumal die Referenten in der Schulabteilung dieselben bleiben. Die Regierung hat sich mit dieser Ernennung durchaus nicht zur Anwendung eines anderen Systems bekannt, sondern ist l^dlglrch nach Maßgabe der gegenwärtigen Verhältnisse ver- indem sie Geh. Rat Süffert von der inzwischen ziemlich belanglos gewordenen Abteilung für Eisenbahn- tnesen und Finanzwirtschaft hinwegnahm und ihm die Schulabteilung überwies. Die erstgenannte.Abteilung wird vermutlich dem Referenten für das Steuerwesen, Herrn Geheimrat Dr. Becker, mit übertragen werden, dem alsdann auch in erster Linie die Haushaltsaufstellung mit obliegen würde. Vielleicht hat auch die Ernennung des Geh. Rat Süffert die Zurückziehung eines der beiden jetzt in der Schulabteilung beschüfttgten Juristen zur Folge, ^m übrigen sei bemerkt, daß die Forderung nach Anstellung von Fachmännern fiir die einzelnen Abteilungen neben der schulabteilung bisher nur in der Forftabteilung durch- gesührt ift. In der Abteilung für Gesundheitspflege, der Bauabteitung uff. sind ebenfalls ältere Herren als Vortragende Räte tätig. Die Ständekammern werden jedenfalls diesen neuen Schritt zur Vereinfachung der Staats- verwattung und Herbeiführung von merkbaren Ersparnissen mit Befriedigung begrüßen. Und auch die hessischen Lehrer haben, so glauben wir, nach der vorstehenden Darlegung keinen Grund zu ernster Beunruhigung: Sie können der am 1. September erfolgenden Uebernahme der Geschäfte der Schulabteilung durch den als tüchttgen, umsichtigen und gerechtdenkenden Beamten bekannten Geh. Rat Süffert mit Ruhe entgegensehen! Patrioten tief betrauerten Abschluß erhielt. Cavour opferte da- mals schweren Herzen- das Stammland seines Königs Savoyen und Rizza an eutigen Sitzung gegen den Musketier Sch. der 12. Kompagnie des Regiments nnb gegen den Landwehrmann T. vom Landwehrbezirk Gießen. Ter Musketier hatte sich wegen Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft, der Landwehrmann wegen Beharrens im Ungehorsam, einfacher Achtungsverletzung in drei Fällen uni) wegen Achtungsverletzung vor versammelter ^Mannschaft in einem Falle zu verantworten. Der Musketier Sch., der unter Aussicht seines Kolporalschaftsführers zum Gewehrreinigcn angetreten mar, Ixittc den Schaft seines Gewehres schlecht gefirnißt. Er erhielt deshalb den Befehl, den Schaft .nochmal zu firnissen. Diesem Befehl kam der Angeklagte mir zögernd, pabei vor sich brummelnd, nach. Auf den Befehl seines Korvoralschaftsführers, ruhig zu sein, widrigenfalls er ihn melden würde, entgegnete der Angeklagte: „Tas ist mir egal, wer mich melden tollt, der mag mich melden!" Der Vertreter der Anklage beantragte, den Angeklagten wegen Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft zu 18 Tagen strengen Arrest zu verurteilen. Tas Gericht erkannte auf die Mindeststrafe von 14 Tagen strengen Arrest. Eine Erklärung über Annahme der Strafe gab der Angeklagte nicht ab. Ter Wehrmann D., im Zivilberuf Lehrer, mar am 2. Juni zum Aushebungsgeschäft nach Lich beordert. Ter Gestellungsbefehl enthielt den Befehl, die Militärpapiere mitzubringen. Diesem Befehl kam D. jedoch rücht nach: angeblich hatte er seinen Paß vergessen. Er erhielt den mündlichen Befehl, seinen Militärpaß dem Äauptmeldeamt einzusenden. Auch diesem Befehl kam der Wehrmann nicht irach. Nach seiner Angabe wollte er den Patz, wenn er gelegentlich nach Gießen käme, auf dem Bezirkskommando abgeben. Er ist auch angeblich in Gießen gewesen, um den Paß abzugeben, fand aber das Bezirkskommando verschlossen, da es bereits nach 6 Uhr abends war. Auf einen dritten, schriftlichen Befehl sandle der AngeNagte dann seinen Militärpaß ein. hierbei machte sich nun der Angeklagte einer Achtungsverletzung schuldig, da er bei dem Rückschreiben an den Bezirksfeldwebel, seinem militärischen Vorgesetzten, absichtlich das Wort „Sjerr'^ in der Anrede wegließ, da er glaubte, daß ihm in dienstlichen schreiben die Anrede „Herr" ebenfalls zustände. Ter Angeklagte wurde nun wegen dieser beiden '.Vergehen zur Vernehmung aufs B^irks- kommando beordert. .Hier begegnete ,er nun einem Unteroffizier auf dem Flur, den er .mit den Worten, „Sie, ist hier eine Kantine?" anredete. Als diese Frage, verneint wurde, ging er leise vor sich hin pfeifend an dem Unter» offizir vorüber. Nach diesem Vorfall begab er sich in den Hof und fetzte sich zu anderen Uebungs- leuten in die dort befindliche Laube, die dem Besitzer des Hauses gehörte. Ein Unteroffizier, der fcrie Leute in der ^Laube sitzen lab, rief ihnen zu: „Wollen Sie machen, daß Sie aus der Gartenlaube kommen." — Gleichzeitig wurden die Leute darauf hingewiesen, daß die Laube nicht zum Bezirkskommando gehöre. Ter Angeklagte D., der sich durch den Ton, mit dem die Leute aus der Laube gewiesen wurden, verletzt fühlte, erwiderte, daß ihm dieses hätte vorher gesagt werden müssen. Ferner, daß der Sergeant das auch in einem anständigen -Lorig hätte sagen können, er lasse sich einen solchen Ton nicht gefallen, er würde sich darüber .beschweren. Durch eidliche Bekundung eines Zeugen wurde jedoch erwiesen, daß der Sergeant in einem sehr ruhigen Tone sprach, wahrend der Angeklagte ein krankhaft aufgeregtes Wesen zur 5cbau'trug. Als der Angeklagte nun von dem Bezirksoffizier vernommen werden füllte, benahm er sich ebenfalls in einer die .Achtung verletzenden Weise. Auf die^Aitt- sorderung, zu warten, setzte sich T. ohne weiteres auf einen L>tuhl, da er glaubte, eine Aufforderung zum Platz nehmen erhalten zu haben. Auf sein unmilitärisches Benehmen aufmerksam gemacht, trat er ganz erregt an den Schreibtisch heran, deutete mit den Hand auf die darauf liegenden Akten und sagte: „Ich kann verlangen, daß ich hier mit Herr angeredet werde, denn ich stehe auf einer bedeutend höheren Bildungsstufe als ein Bezirks,eld-- webel und deshalb habe .ich —." Hier brach der AngeNagte plötzlich ab, da er wohl bemerkte, daß er anfing, sich zu belasten. Ter Vertreter der Anklage, der darin, daß der AngeNagte die beiden erhaltenen Befehle, seinen Paß vorzulegen, nicht befolgte, ein Beharren im Ungehorsam erblickte, beantragte, den Angetlagten deswegen zu der'Mindeststrafe von 14 Tagen strengen Arrest zu verurteilen. Wegen her Achtungsverletzung, begangen durch absichtliche Weglassung des .Wortes „Herr" bei der Rückschritt an den Bezirksfeldwebel wurden 8 Tage mittleren Arrest, wegen Achtungsverletzung, dadurch begangen, daß er sich auf dem Bezirkskommando gegen einen ihm begegnenden Unteroffizier in immilitärischer Weise benahm, 4 Tage ^mittleren Arrest und wegen der Achtungsverletzung dem Bezirlsadiutanten gegenüber 6,Tage mittleren Arrest beantragt. Für hie Achtungsverletzung auf dem Hose des Bezirkslommandos beantragte her Anklagevertreter, da sie vor versammelter Mannschaft begangen sei, ebenfalls auf die Mindeststrafe von 14 Tagen strengen Arrest zu erkennen und diese fünf Einzelstrasen zu einer Gesamtstrafe von 28 Tagen strengen Arrest zusammenzuziehen. Der Angeklagte bat hierauf, jhn freizusprechen, da er alle diese Handlungen unbewußt begangen hätte und seit 3 Jahren leidend sei, da er vor drei Jahren an einer Oberkijeserknock)en-> eiterung operiert sei. Auch sei er schon verschiedentlich an einer Mittelohrentzündung krank gewejen. Infolge dieser Leiden und seines Berufs sei er etwas nervös veranlagt und leicht erregbar, Tas Gericht kam zu der Ansicht, daß im ersten Falle nur ein einfacher Ungehorsam vorliegt .und erkannte hierfür ans drei Tage mittleren Arrest. Wegen der ersten Achtungsverletzung wurde auf 5 Tage und wegen oer zweiten und dritten Achtungsverletzung. ivorin das Gericht nur eine fortlaufende Handlung erblickte, auf 5 Tage mittleren .Arrest erkannt, da daS Gericht bei der brittcn Achtungsverletzung den Begriff der „versammelten Mannschaft" nicht für vorliegend .hielt. Wegen der letzten .Achtungsverletzung erfannte das Gericht teuf 3 Tage mittleren Arrest. Diese 4 Einzelstrasen wurden in eine Gesamtstrafe von 12 Tagen mittleren Arrest zusammengezogen. x Ter Angeklagte behielt sich .eine Entscheidung über die Annahme der Strafe vor. Luftschiffahrt. u 6 b e r l a N d s l u g Frankfurt, Mainz, M a n n h e i NI. Die Höhe der Preise zu diesem Fluge ist nun auf 41 000 Mark gestiegen, und zwar haben gestiftet: Krupp von Bohlen-Halbach, Freifrau von Rothschild, Baron von Schen, Walter von Rath, Frau Theodor Stern, Dr. Karl Lanz und Graf Thiele-Winkler; außerdem stellten die Städte Mainz und Mannheim Preise zur Verfügung. Tie Preisverteilung gehl in Mannheim vor sich: das Preisgericht besteht au§ fünf Herren unter dein Vorsitz des Oberst von Ilse. Die Fahrllinie folgt dem Blain und Rhein. Tie Veranstaltung soll rein sportlichen Zivecken dienen und zur Hebung des Flugsports. Das Betreten des abgesperrten Frankfurter Exerzierplatzes kostet für Person und Tag. 3 Mark, für Automobile 20 Mark, wobei die Leitung jedoch keinesivegs die Garantie übernimmt, daß an diesem Tage ein Flieger aufsteigi. — Auch Lindpainlner hat nun zu dem Ueberlandslug fest gemeldet, v. Alumni hat die Strecke, an deren Endpunkten, auf dem Mainzer Sande und dem Mannheimer Exerzierplätze zur besseren Ueber- icht Drachen und Fesselballons aufgelassen werden, im Automobil abgefahren. Johannisthal, 9. Aug. Nationale Flugwoche. Heute flogen Behrend (Behrendtyp' acht Minuten, Wiencziers iAntoinetteapparat) mit einem Passagier 41 Min., Brunhuber (Sommerapparat) 18 Min., Keidel lWrightapparat) allein eine, mit einem Passagier neun Min., Thelen (Wrightapparatl 40 Min., Heim (Wrightapparat) 27 Min., Laitsch lVoisinapparat) 27 Min., Torner (Dornerapparatt mit einem Passagier 29 Min, Jeanin (Farmanapparat) 10 Min.: Engelhard ^Wrightapparat! log eine Minute, lanbete wegen eines Motordefekts und brach das Fahrgestell. Der „Räuberhauptmann" Karl May als Kläger. < Hohenstein-Ernstthal, 9. August. Vor dem hiesigen Schöffeirgericht stand heute ein interessanter Beleidigungsprozeß zur Verhandlung, den der in letzter Zeit vielbesprochene Reiseschriftsteller Karl May gegen den Waldarbeiter Krügel angeftrengt hat. Bekanntlich wird der Kläger Karl May von dem Führer der „Gelben" Gewerkschaften, Redakteur L e b i u s beschuldigt, daß er seine zahlreichen Reifewerke nicht auf Grund eigener Anschauungen geschrieben habe, wie Mav behauptet, sondern diese rein erfunden seien, da er überhaupt noch nicht über die Grenzen Deutschlands hinausgekommen sei, daß Moy ferner wiederholt schwer bestraft wordcn sei, u. a. weil er in früheren Jahren der Führer einer regelrechten Räuberbande in erzgcbirgischen Wäldern gewesen sei und sich an zahlreichen Einbrüchen und Diebstählen beteiligt habe. Als Redakteur Lebius diese Anschuldigungen in seinem „Bund" niederlegte, strengte May die Privatklage an, doch wurde Lebius freigesprochen, nachdem Map zugegeben hatte, daß er wiederholt bestraft sei. Aus welchen Gründen die Bestrafungen erfolgten, wollte er aber nicht angeben. Map stellte nun in der Folgezeit fest, daß Lebius sein Material von dem Waldarbeiter Richards Krügel in Hohenstein erhalten habe und strengte nun gegen diesen die Privatklage an. In der heutigen Verhandlung erklärte der Beklagte, daß er die Mitteilungen, die er Lebius gemacht habe, vo.n feinem verstorbenen Bruder Louis erhalten habe. Dieser habe ihm u. a. erzählt, daß er von Karl Mav unterstützt worden sei und zwar regelmäßig an seinem Geburtstage. Er habe aber nur alle vier Jahre Geburtstag gehabt, denn er war am 29. Februar geboren. Der Bruder habe ihm weiter erzählt, daß May ihm einmal 500 Mk. geschickt habe, daß er und Map in Niederwinkel und in einen Uhrmacherladen eingebrocheit seien, daß sie den sie verfolgenden Feldjägern ein Schnippchen schlugen und daß die Turnerschaft und Feuerwehr ausgerückt sei, um ihn und Karl Man zu sangen. Der Beklagte gibt weiter an, daß er auch diesen Erzählungen nicht viel Gewicht beigelegt habe und sie Lebius nur mitteilte, loeÜ dieser ihm gesagt habe, die Sachen sollten in humoristischer Weise in einem Kaleitder behandelt werden. (£ine Reihe von Zeugen bekunden, daß der verstorbene Louis Krügel ein Mann war, dem nichts zu glauben war. Er habe viel renommiert und allerlei phantastische Geschichten erzählt. Als der Vorsitzende die Strafakten Mahs verlesen will, protestiert dessen Rechtsbeistand. — Der Vorsitzende stellt fest, daß die Strafurteile gegen May wichtig seien, wenn die Anklage in vollem Umfange ausrechterhalten werde. Darauf zieht der Rechtsbeistand Mays die meisten Anklage- Punkte zurück und es bleibt nur die Anklage wegen der mitgctciltcn inkriminierten Punkte bestehen. Nach weiterer Beweisaufnahme kommt schließlich ein Vergleich auf folgender Grundlage zustande : „Der Beklagte bedauert, dem Schriftsteller Lebius diejenigen Tatsachen über den Privatkläger erzählt zu haben, die den restlichen Teil der erhobenen Privatklage bilden. Er erklärt toeiter, daß er diese Angaben ungeprüft toeitergegeben habe und nicht aufrechterhalten könne. Er nimmt infolgedessen diese beleidigenden Angaben zurück." Ter Privatkläger May erklärt hierzu, daß er mit dem Vergleiche einverstanden fei, zumal er eine gerichtliche Bestrafung des Beklagten nicht wünsche, da dieser nur in Unkenntnis der wirklichen Tatsachen gehandelt habe. Bezüglich der Kosten einigen sich die Parteien dahin, daß der Beklagte die Gerichtskoften übernimmt, während die außergerichtlichen Kosten gegeneinander ausgewogen werden. Darauf zieht der Privatkläger seinen Strafaittrag zurück. Der Schriftsteller Lebius war als Zeug'e geladen worden und an Gerichtsstelle auch .erschienen, doch wurde auf sein Zeugnis allseitig verzichtet._________________________________________________________ (Ein Revolveranschlag ans den Bürgermeister von Newyork. Newyork, 9. Aug. Ter 'Bürgermeister Gaynor von Newyork wurde, als .er auf dem Lloyddampfer „Kaiser Wilhelm der Große" nach Europa adreisen Ivollte, durchweinen Revolverschuß schwer verwundet: der Täter ist verhaftet. Sein Name ist Jules Gallagher. Er war Wächter des städtischen Hafenamtes und gibt als Grund an, der Bürgermeister habe ihn um fein Brot gebracht. Ein Lloydbeamter schlug den Angreifer nieder. Gaynor war wegen seiner durchgreifenden Reformen wiederholt Drohungen ausgesetzt. In dem Augenblick, wo das Attentat erfolgte, stand Gaynor auf dem Oberdeck des Dampfers in Unterhaltung mit mehreren Freunden. Tie Kugel drang in die linke Kopfseite ein. Gaynor beabsichtigte auf einen Monat zur Erholung nach Nordeuropa zu reifen. Er erlitt eine Verwundung am Halse, die nicht lebensgefährlich erscheint, und wurde ,inö Krankenhaus gebracht. Sein Zustand ist ernster pls zuerst angenommen wurde. Es wurden drei Schüsse auf ihn abgegeben, von denen zwei fehlten. Auch der neben Gaynor stehende Kommissar Edwards wurde durch eine Revolverkugel leicht verletzt. Ikrmiicbtes. * Tie Untersuchung gegen den Rektor Bock zieht, wie aud Berlin gemeldet wird, immer weitere Kreise. Dem Rektor Bock ist einer seiner Lehrer in das Unter-, suchungsgefängnis gefolgt, und auch sein eigener Sohn, ein Junge von noch nicht ganz 16 Jähren, hat sich nach dem bösen Beispiel seines Vaters mit Schülerinnen zu schaffen gemacht. Der Lehrer war gerade von einer Lllpemeise zurück- gekehrt. Er spielte den Schöngeist, trieb viel Musik und vraljUe viel mit vornehmen Liebschaften. Seine Sangeskunst soll, wie er behauptet, eine Schülerin zu der Bitte veranlaßt haben, ihn in seiner Wohnung besuchen zu dürfen, damit sie. sich dort rav seinen Vorträgen erfreue; ionnc. Die Seche liegt aber anders. Er hat auch ost ehemalige Schülerinm.i nach .feiner Wohnung mitgenommen pnd ihnen unsittliche Anträge genyacht- ReLor Dock unterhielt zwei feste Wsteigeauarticre, die er auch bcfreutU beten und bekannten Herren überließ, nachdem er ihnen Schülo rimien zugeführt hatte. Tas geschah im Amtszimmer, wohin er die Mädchen kommen ließ, damit sie vor seinem Gaste (^dichte aufsagten. Er verließ bann scheinbar gezwungen das Zimmer auf ein Weilchen. Tie .Bekanntschaften, die auf diese Weise vermittelt wurden, sanden nach der Schulentlassung ihre Fortsetzung. Nicht bloß in feinem Amtszimmer führte Bock Kinder mit feinen Freunden zusammen, sondern auch in Cafss und verschwiegenen Zimmern gewisser Wirtschaften. x Zu geeigneter Zett verschwand er dann und .überließ es seinen Freunden, die Mädchen betrunken zu machen'.und hierauf nach den Absteigequartieren zu verschleppen. Es ist auch uotgetoinmcn,_ daß der Rektor die Kinder unmittelbar nach einem Quartier bestellte, um mit ihnen Schokolade zu trinken und seine Freunde zu erwarten. Dieses ganze Treiben ist schon fange ruchbar gewesen, aber es blieb immer bei Anspielungen und Andeutungen.^ Jetzt gehen der Kriminalpolizei tagaus, tagein von ehemaligen Schülerinnen Briefe ohne Unterschrift zu. Ihre Verfasserinnen behaupten, daß ihnen noch unendlich viel mehr Material, als bis jetzt der Oeffentlichkeit übergeben worden ist, bekannt sei. Kleine Tagcschroniik. Aus Wilhelmshöhe meldet man: In der Gemarkung deS Vorortes Heckershausen wurde der 68 jährige Landwirt Krebs er s cho ssen aufgesunden. Er hielt einen Revolver in der Hand, doch wird Mord angenommen. Ein Polizeihund verbellte ben eigenen Sohn bes Erschossenen, mit dem dieser in Un- frieben gelebt hat. In Laub st n h l wütet, wie die „Pfälz. Presse" meldet, eit Dienstag 6 Uhr in der Sickingerbrän ein Großfen er. Ein Teil des Gebäudes brannte nieder. Tas Feuer sprang bann auf die gegenüber liegenden Häuser der Straße über und setzte auch hier sein Zerstörungswerk fort. Ter Schaden ist sehr bedeutend. Ganz ungewöhnlich starke Regengüsse verursachten in den letzten Tagen in I a p a n 11 e b e r f ch w e m ni ungen , insbesondere in der Provinz Shizuoka. Hunderte von Häusern sind unter Wasser gesetzt; Eisenbahnzüge wurden zur Entgleisuna gebracht. Zwischen San Francisco und Santa Rosa ist ein P e r s o n e n z n g mit einer Lokomotive zusa m m enge st o ß e n. Dreizehn Personen wurden getötet, zwölf verletzt. Märkte. fe. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht üom 10. 9lng. Aufgetrieben waren 1211 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgew. 00.00-00.00 AU., Schlachtgewicht 00—00 Mk. Votlsteischige Schweine über 2 Ztr. Lebendgewicht 54.50-56.50 Mk., Schlachtgewicht 68—71 Mk. Vollsleischige Schweine über 2'/z Zentner Lebendgewicht 56—57.53 Mk., Schlachtgewicht 72.00—78^Mk. Fetisch weine über 3 Ztr. Lebendgewicht 56.00—57.50 Mk., Schlachtgew. 72—78 Mk. Fleischige Schweine Lebendgewicht 56.00—57.00 Mk., Schlachtgewicht 72.00—73 Mk. Sauen Lebendgewicht CO—00 Mk.: Schlachtgewicht 00—00 Mk. Geschält langsam, bleibt Ueberstand. Amtlicher Wetterbericht. O e f f e n t l i ch e Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 11. August 1910: Heiter, trocken, mäßig warm. GrsginaL-DraktrncLdrrugen. Offenbach, 10. Aug. (Privattelegramm.) Bei der Kirchweihe in Oberrad, die am 17. Juli stuttfcmd, war ein Schutzmann von vier Burschen überfallen und verletzt worden. Ter Offenbacher Kriminalpolizp! g-elang es nun, die Täter KU ermitteln. Es find vier Kerlchen im Alter von 19—22 Jahren. Dortmund, 9. Aug. Oberbürgermeister Schmr-e- ding erlitt heute nachmittag einen Schlaganfall. Sein Zustand ist ernst. Berlin, 10. August. In der Nähe von Sadowa stieß gestern abend um 91 2 Ühr der P er s o n e n d a rn p f e r „K Y f f - 1) ä u f c r I" so heftig mit dem P i i v a t m o t o r d o o t „A g n es" zusammen, daß dieses sofort sank. Eine in der Kajüte des Bootes befindliche Dame kam ums Leben, während die anderen vier Insassen, zwei Damen und zwei Herren, gerettet werden konnten. Der Dampfer wurde am Vorderteil unerheblich beschädigt. Wen die Schuld an dem Unglück trifft, konnte nicht festgestejlt werden. Einesteils wird behauptet, daß eine Unvorsichtigkeit des Führers des Motorbootes die Ursache des Zusammenstoßes gewesen sei, andererseits wird behauptet, der Dampfer habe viel zu stark seillichen Kurs genommen. Berlin, 10. August. "Nach Unteridjlqgungen bon 3 0 0 0 0 Mark flüchtete der frühere Inhaber einer Möbelfabrik in Eharlottenburg, der verheiratete 45 Jähre alte Möbelfabrikant B r a u n f i s ch. In seiner Begleitung soll sich die Freundin seiner ältesten Tochter, die als Verkäuferin in einem Juweliergeschäft tätig gewesene 17 Jahre alte Gun Hilde Brolin befinden. Diese zeigte ihre Ankunft Bekannten in Kopenhagen an. Man nimmt an, daß die Geflüchteten sich dorthin begeben haben. Bremen, 10. August. Eine gestern abend vom Verbände der S t a a t s a r b e i t e r einberufene Versammlung erhob Wider- spruck) gegen die Art der Behandlung ihrer Anträge auf Ver- . besserung der Lohn- und Arbeitsverhältnifse in den Staatsbetrieben und beschloß, über sämtliche Staatsbetriebe die Sperre zu verhängen, also den Zuzug von ihnen fernzuhalten. London, 10. Aug. Ter Sta h ltrustpr eis für Stahlschienen ist von 28 Doll, auf 261? Doll, herabgesetzt worden. Diese Maßnahme wurde dadurch bedingt, daß die deutschen und englischen Kaufleute ihre Schienen trotz des hohen Zolles in San Franzisw zu billigerem Preise einzufuhrcn vermochten. Konstantinopel, 10. August. Die Blätter veröffentlichen eine Depesche des Mali von Svrien, nach welcher bet dem am 3. August gemeldeten Angriff von Drusen gegen drei Dörfer des Hauran 69 Personen, darunter sechs Nicht-Mohammedaner und 12 Frauen ermordet wurden. Die in Konstantinopel befindlichen Drusen-Beys forderten die Drusen mtt, sich den Regierungstruppen zu unterwerfen. Nach einer Depesche des Wali von Koisowo oesübte der BifchoWikar IPid <^dbftmotb, da er das der Regierung gegebene Versprechen, Wastendepots anzugeben, infolge eines früheren dem bulgarischen Komttee geleisteten Eides nickt halten konnte. N e u y o r k, 10. August. Der Präsident von Ehile, Mont, ist an Bord des Lloyddampfers „Kaiser Wtthelm der Grotze" nach Europa abgereist, wo er Bad-Nauheim zu besuchen gedenkt. Buenos-Aires, 10. Aug. A. Rodrrguez ,e>ao wurde zum Präsidenten gewähll. _________ Rüsselsheim M»m [Man verlange Preisliste. Haiisfraneii in allen einschlägigen Geschäften WM Nicht zu übertreffen! bequemer Passform und angenehmem schmerzlosen Tragen sind. Otto Schaaf. (81«/t Normalstiefel Machen Sie einen Versuch! Alleinverkauf für Giessen und Umgegend Mitglied der Babatt-Sparvereinignng. billig verkäuflich. (6831 Eberl Wetzlar. Spaziersföcfce -u verkaufen. (4353 Süd-Anlage 22 Hth. Tische, StüMe Küchenschräöke Kleiderschränke Waschschränke Kommoden, Sofas Betten und getragene Kleider Carl Herbert Telephon 741. mit Brut vernichtet radikal Rademachers Goldgelat Patentamtl.gesch. No.75198. Geruch- u. farblos. Reinigt d. Kopfhaut von Schuppen, befördert d. Haarwuchs, verhütet den Zuzug v. Parasiten. Wichtig f. Schulkinder. Flaecho SOPig. Erhält! In Drogerien und Apotheken. Wo nicht erhältlich gegen Eins. v. 50 Pf. direkt v. all. Fabrik. Rademacher 4 Co., Siegburg wünscht kNkl. ZmAntemcht bet gebild. 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