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Mai 1S1O Ter Lietzener Anzeiger ZSE7K*7 Ä erscheint täglich, außer /EyÄj V W SS A A Jkdk 4 AA A ▲▲ ^UW AA A A A, A 44 GiebcnerZamNienblättcr, M «Mk « MM M^ HS MM MM W jT MM monatlich 65 Pf.s durch MGleyener Anzeiger =SE Gemral-Mzelger für ©berufen -MS Annahme von Anzeigen tz 1 I f I u. Land" und.Gericht-- bis Dom%agdni9miii)” Rotafiottsbrud UN- Verlag -er vröhVschen Univ.-Vuch- UN- Zteindruckerei TL Lange. Bcbottion, Expedition UNS Druckerei: Zchulstratze 7. ^°!eigente?l°?^Beck'. Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. Der Thronwechsel in England. Tie Urteile in der Presse dec ganzen Welt über den Heimgegangenen Stint iß sind dieselben: überall wird er als ein hervorragender Herrscher gepriesen. Ter neue König, Georg V., ist noch ein unbeschriebenes Blatt, aber die Ansprache, die er bei der Königsproklamation im Geheimen Mtc gehalten hat, ist schlicht und sympathisch; er hat offenbar die Rede Eduards VIL, die dieser bei seiner Thronbesteigung gehalten hat, sehr genau studiert. Wahr- scheinlich bleibt der Kurs in England unverändert, wobei wir Haffen wollen, daß Georg V. weniger Abneigung und Vorurteile gegen die Deutschen hegen möge als sein Vater. König Georg V. von England. Ter neue König des „vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland", Kaiser von Indien usw. ist zu Marlboroughousc am 3. Juni 1865 geboren. Am 9. Juli 1893 heiratete er die Braut seines verstorbenen Bruders Albert Viktor, die Prinzessin Viktoria Marie von Leck (geb. am 26. Mai 1867). Der verstorbene König ließ seinen beiden Söhnen eine andere Erziehung angedeihen, als er selber genossen hatte. Beide wurden als Kadetten auf einem Schulschiff erzogen und unternahmen bald weite Reisen. Tie Ehe Königs Georgs ist mit sechs Kindern ge- seanet; der älteste, der gegenwärtige Thronfolger Prmz Eduard Albert, ist am 23. Juni 1894 geboren. AlS Prinst von Wc^es hat König Georg 1903 seinen Vater bei der silbernen Hochzeitsfeier des ermordeten Königs Humbert und der Königin Margherita in Rom vertreten 1907 besuchte er Irland. Welche Bedeutung riefe Reise für „Home rule" haben wird, steht noch dahin. In derartigen Fragen entscheidet allein das englische Parlament Im Jahre 1901 unternahm er eine große Reise nach den Kolonien. Für das Ausland ist König Georg V. noch ein „unbeschriebenes Blatt". Und ob er stch so „nach außen hin sichtbar" an der englischen Auslandspolitik beteiligen wird, wie sein Vater, das muß abgewartet werden. Anzunehmen ist es kaum. Seine Friedensliebe hat der gegenwärtige König 1908 in einer Ansvrache in Quebec an den französischen Admiral Jaursguiberrh und den amerikanischen Vtzepräsidenten Fairbants betont. U. a. sagte er damals: „Van dem Geiste der Freundschaft zwischen den Nationen hängt der Fortschritt der .'oumanü.ät ab, und ich hoffe und glaube, daß darin mehr und mehr in künftigen Jahren der wahre Fort- fdiritt seinen Ausdruck finden wird. Tas hoheiJdeal eines Welt- 1 11 e b c n 3 und der Verbrüderung mag noch weit von seiner Verwirklichung sein, aber jeder Akt, der die Harmonie unter den Nationen herbeiführt, zeigt den Weg, auf dem das Ziel zu erreichen ist." Es verdient Erwähnung, daß der jetzige König schon im Jahre 1908 in die Staatsgeschäfte erngeführt wurde und im folgenden Jahre unter direkter Aufsicht des verstorbenen Königs im Buckinghampalast arbeitete London, 7. Mai. Ter König teilte die Nachricht vom Tode seines Vaters allen Herrschern und Staatsoberhäuptern persönlich mit. Er erledigte im Marlboroug- house Regierungsgeschäfte. Bis zum frühen Nachmittag war er nicht im Buckinghampalast erschienen, um nach seiner Mutter und seinen Schwestern zu sehen, ließ jedoch oftmals Erkundigungen einziehen, wie sie den schweren Verlust tragen. Tie Börsen sind geschlossen, die Gerichtshöfe vertagten sich. Trotz Gewitter sturm s mit Hagelschauern sammeln sich an verschiedenen Punkten der Stadt große Menschenmengen, um Zeuge der Proklamation des neuen Königs zu fein. Ter König nimmt den Namen Georg V. an. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß wegen des Hinscheidens des Königs nicht, mie ursprünglich geplant, der Prinz und die Prinzessin von Wales, sondern der Herzog von Eonnaught zur Eröffnung des neuen Parlam ents nach Südafrika geht. London, 8. Mai. Nach einer amtlichen Kundgebung von heute abend wird die neue Königin „Königin M a r y" genannt. Des Königs Antrittsrede. London, 7. Mai. Die Mitglieder des Geh. Rats begannen sich um l/»4 Uhr nachmittags im St. Jamespalast zu versammeln. Unter ihnen befanden sich Minister Windston Ehruchill, Earl of Erewe, Burns, Buxton und Morley, ferner Balfour, Rosebery und der Erzbischof von Canterbury. Ter König fuhr am nachmittag in Admiralsuniform ohne Estorde vom Marlboroughhouse nach dem St. Jamespalast, ehrerbietig von der nach Tausenden zählenden Menge begrüßt. In der Ratshalle erwartete ihn eine glänzende Versammlung. Nach den gebräuchlichen Zeremonien unterzeichnete der König eine Proklamation. Darauf hielt er eine Ansprache, die folgenden Wortlaut hat: My Lords, Gentlemen! Mein Herz ist zu voll, als daß ich heute mehr als wenige Worte an Sie richten könnte. Es ist meine schmerzliche Pflicht, Ihnen den Tod meines inniggeliebten Vaters mitzuteilen. Bei diesem unersetzlichen Verlust, der mich und das ganze Reich so plötzlich getroffen hat, tröstet mich das Gefühl, daß ich die Sympathie meiner zukünftigen Untertanen besitze, die mit mir trauern werden um den geliebten Herrscher, der sein eigenes Glück darin fand, das Ihrige zu teilen und zu fördern. Ich habe nicht nur des Vaters Liebe verloren, sondern das herzliche und innige Verhältnis za einem teuern Freund und Ratgeber. Nicht weniger zuversichtlich bin ich in der allgemeinen liebenden Sympathie, die meiner teuersten Mutter in ihrem Überwältigenden Kummer gesichert ist. Als unser geliebter König vor wenig mehr als neun Jahren hier stand, erklärte er, so lange ein Atemzug in seinem Körper wäre, würde er für das Wohl und die Verbesserung der Lage des Volkes arbeiten. Ich bin sicher, die Meinung der ganzen Nation ist, daß er diese Erklärung voll ausgeführt hat. Mich zu bemühen, feinen Fußtapfen zu folgen und zu gleicher Zeit eine konstitutionelle Regierung im Reiche aufrecht zu erhalten, soll das ernste Ziel meines Lebens sein. Ich bin mir der schweren Verantwortlichkeit, die mir zugefallen ist, tief bewußt. Ich weiß, daß ich mich auf das Parlament und das Volk dieser Inseln und überseeischen Besitzungen verlassen kann, sowie auf ihre Hilfe bei der Erfüllung dieser schweren Pflichten und ihre Gebete, daß Gott mir Stärke verleihen und mich führen möge. Dabei gibt mir die Ueberzeugung Mut, daß ich in meiner lieben Frau eine treue Gehilfin in jedem Streben für das Wohl unseres Volkes habe. Tie Trauer in England. Die Londoner Zeitungen veröffentlichen lange Artikel, in benen sie dem nationalen Schmerz und der Bestürzung über den plötzlichen Tod des Königs Ausdruck verleihen. Von allen Sedni rref'en Syrnpathielundgebungcn ein; bie aus Deutschland werden in Aufrichtigkeit voll gewürdigt. Alle Blätter betonen die politische Bedeutung und die Regierung des Königs, die mag- netifdte Kraft in seiner Persönlichkeit und seine außerordentliche Popularität. — „Taily News" sagt: Der König galt allen in Wesen, Geschmack und Interesse als typischer Engländer. — „Daily Telegraph" schreibt: Es sc: zu wenig gesagt, daß der König populär in gewöhnlichem Sinne gewesen sei. Die Art der Verehrung, die ihm schon als Prinzen von Wales die Herzen von Hoch und Niedrig gewann, ging loeit darüber hinaus. Er war in dm verschiedensten Lebenstagen tolerant, versöhnlich und weise. Er war eine familiäre Gestalt in der Phantasie des Volkes und wal;rte dort die Würde des historischen Thrones. „D a i 1 y Telegraph" rühmt das politische Wirken des Königs, weist auf das Bündnis mit Japan und die Beziehungen zu Frankreich und Rußland hin. Das aufrichtige Eintreten des Königs für Wohlwollen unter den Nationen wurde auch von Teutlchland und Oesterreich anerkannt. — „M orning P o st" führt auS: Ter König wurde im Zmith seines Ruhmes plötzlich dahingerafft: seine Thronbesteigung bedeutete den Beginn einer neuen Epoche Bei Beginn seiner Regierung war England in Europa isoliert; er hinterläßt England und sein Reich glücklicher, stärker uiid einiger. Ihm verdankt Englaiid seine jetzigen guten Beziehungen zu Frankreich und Rußland. — Tas Blatt fährt fort: Niemand wünschte aufrichtiger und erstrebte es ernstlicher als er, die Beziehungen zu D eu t s ch 1 a n d zu verbessern. Von König Eduards Regierung ist ein bebeutenbed Erstarken des nationalen Bewußtseins und der staatlichen Organisation zu datieren; unter ihm wurde der Verband des Reiches fester gefügt. — „D aily Chronicle" sagt: Das bemerkenswerteste seiner Regierung ist die Stellung, die die Krone in der auswärtigen Politik einnahm. Ter Einfluß der Königin Viktoria blieb größtenteils verborgen. König Eduard übte seinen Einfluß offen, aber stets konstitutionell aus. 'Die Popularität des Königs wird durch eine Rede gekennzeichnet, die der sozialistische Führer Will Brocks am 6. Mai in einer Versammlung hielt und wobei er seine Zuhörer ausjordcrtc, die Nationalhymne zu srngen. Tann sagte er: Ich fühle und weiß aus dem Grunde meines Herzens, daß der König der größte Staatsmann ist, den die Welt gegenwärtig besitzt. Ter Weltfrieden in seinen Händen ift vollkommen und sicher. Ich weiß, er sorgt für das gemeine Volk, sowie für die Behaglichkeit des armen Mannes; er ist in der Tat der Vater von uns allen. Ich bete aus dem Grunde meines Herzms, daß er uns erhalten bleibe. Das Leichenbegängnis. London, 8. Mai. Die neuesten, noch nicht offiziellen Bestimmungen sind folgende: Tas Leichenbegängnis König Eduards soll am 2 0. Mai stattfinden. Auf die Aufbahrung der Leiche im Thronsaal des Bucking- hampalastes, zu der nur Mitglieder des Haushaltes und bevorzugte Persönlichkeiten zugelassen werden, folgt die öffentliche Aufbahrung in der Westminsterhalle. Petersburg, 8. Mai. Die Kaiserin-Witwe Maria und Großsürst Michael Alexandrowitsch sind abends nach London abgereist. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Heinrich von Preußen halten vorher bei der Kaiserin-Witwe im Anitschkowpalais diniert und gaben ihr dann bis Zarskoje Sselo das Geleite. Rom, 7. Mai. Wie die Blätter melden, wird der Herzog von Aosta den König bei den Beisetzungsfeierlich leiten in London vertreten. Lissabon, 7. Mai. König Manuel wird sich zu den Beerdigungsfeierlichkeiten nach London begeben. — Alle Blätter sprechen ihre Teilnahme an dem Tod des Königs Eduard aus. Kaiser Wilhelms Trauer. Berlin, 7. Mai. Der Kaiser erließ nachstehende Order an den Staatssekretär des ReichS m arineamts: Wiesbaden, den 7. Mai 1910. Um das Andenken meines am heutigen Tage entschlafenen geliebten Oheims, des Königs Eduard VII. von Großbritannien und Irland, des Kaisers von Indien Maiestät zu ehren, bestimme ich hierdurch: 1. die Offiziere Meiner Marine legen auf acht Tage Trauer an, 2. die in der Heimat im Hafen beiinblidjcn Schiffe haben am Tage nach der Bekanntgabe diejer Order unter Hetzen von Tovpflaggen Halbstock zu flaggen, die englische Flagge im Großtopp. Die in englischen Häfen oder mit englische» Kriegsschiffen zusammenliegenden Schiffe schließen sich dem örtlichen Zeremoniell an, 3. mit dem Halbstockflaggen ist ein um 12 Uhr mittags beginnender Trauersalut zu verbinden. Wegen Entsendung einer Abordnung zu den Beisetzungsfeierlichteitcn behalte ich mir die Bestimmung vor. Sie haben diese Order meiner Marine sogleich telegraphisch bekannt zu geben. Der Präsident des Reichstages, Graf von Schwerin-Löwitz sandte an den Kaiser folgendes Telegramm: .Euer Kaiserlichen und Königlichen Majestät habe ich die Ehre, die innige Teilnahme des Reichstages an der tiefen Trauer auszusprechen, welche Eure Majestät und das ganze Kaiserliche und Königliche HauS durch das Hmscheiden Seiner 'IHajcftät des Königs Edward von Großbritanien und Irland betroffen hat.* Auf daS Beileidstelegramm ist folgende Antwort ein» gegangen: .Ich spreche Ihnen und dem Reichstage meinen wärmsten Dank für die Anteilnahme an meiner tiefen Trauer über den unerwartet schnellen Heimgang meines teuren Onkels, deS Königs von Großbritanien und Irland, auS.4 Berlin, 8. Mai. Der Ka iser erließ einen Armee - befehl, in dem er, um daS Andenken des Königs Eduard zu ehren, bestimmt, daß sämtliche Offiziere der Armee acht Tage Trauer anlegen und baß bei dem erneu Garde-Dragoner- Regiment Königin Viktoria von Großbritanien und Irland und oem Husaren-Regiment Fürst Blücher Wahlstatt (Pom- merschcn) Nr. 5 die Trauer drei Wochen dauert. Der Kaiser behält sich weitere Bestimmungen wegen der Entsendung von Aborbnungen zu den Beisetzungsfeierlichkeiten vor. Der Reichskanzler stattete am Samstag dem englischen Botschafter einen Besuch ab, um das Beileid der Kaiserlichen und der preußischen Regierung auszusprechen; ebenso sprach Staatssekretär Freiherr von Schön auf der Botschaft sein Beileid aus. — Der deutsche Botschafter in London wurde beauftragt, der englischen Regierung das Beileid der Kaiserlichen 'Regierung zur übermitteln. Graf von Wolff-Metternich, der sich in Urlaub befindet, ist sofort auf seinen Posten zurückgekehrt. Die „Norddemsche Allg. Ztg." schließt ihren Nachruf für König Eduard: In Deutschland gedenken mir des Heimgegangenen in auf richtiger Anerkennung seiner persönlichen Vorzüge und großen Eigenschaften als Beherrscher eines Weltreiches. Wie er bk Deutsche Sprache von Jugend auf beherrschte, so zog cs ihn immer wieder nach deutschen Gegenden, die er liedgcnwnnen hatte. So nimmt das deutichc Voll aufrichtigen Anteil an den schmerzlichen Empfindungen, die der Heimgang des Königs vor allein in unserem Kaiserhause weckt. Wenn sein Volk mit fteicr Dank barkeit seiner gedenken wird, wird in der Geschichte die Erinnerung an diesen Monarchen in hohen Ehren fortleben. Stuttgart, 7. Mai. Ter „Staatsanzeiger" schreibt anläßlich des Ablebens des Königs von Großbritannien und Irland ist Hoftrauer von heute an auf drei Wochen, die erste Woche in dritter, die weiteren Wochen in vierter Abstttfung der Hofttauerordnung angeordnet roorbcit. Trauerkutidgedungen im Ausland. O Paris, 7. Mai. Die Hiobsposten über König Eduard riefen in Paris eine fieb erhafte Aufregung hervor. Die Stimmung ist ausgesprochen b c sorgt. Jetzt tritt klar hervor, wie sehr man hier in dem Könige den Eckstein der Entente Eordrale erblickte und wie verhältnismäßig schwankend das Vertrauen ift, das man auf die Freundschaft des eng> IrschenVolkesunddesenglischenParlamentS setzt. Tie Entwicklung im Balkan läßt ein vereintes Gegen gewicht der Westmächte und Rußlands gegen dtze germanischen Zenttalmächte den Franzosen geradezu als Not wendigkett für ihr Prestige in der Zukunft erscheinen. Und andrerseits genügte es in Persien nur einer geringen Verschiebung der Tirektionsverhältnisse in England, um einen Wiederausöruch des Antagonismus des Elefanten und des Walfisches herbeizuführen. Aber ohne beide Stützpunkte im Westen und im Osten ist nach französischer Auffassung die germanische Hegemonie über Europa un - abwendbar. Mit dem König Eduard persönlich hängt für die Franzosen trotz der parlamentarischen Herrschaft tu England die Entente Eordiale so innig zusammen, daß sie jedenfalls an Festigkeit verlieren muß, da er nicht mehr seine schützende Hand über sie halten kann. Und bann war König Eduard auch von jeher den Franzosen ein so Vertrauter, daß ihre Teilnahn.e für ihn auch aufrichtigen, nicht politischen Freundschaftsgefühlen entspringt. Paris, 7. Mai. In einem Telegramm an den eng lisch en Staatssekretär des Aeußern, Sir Edward Grey, erklärt Minister Pichon, daß er als Minister des Aeußeren ganz besonders die Trauer Frankreichs teile. Frankreich sei mit England durch Freundschaft verbunden, die innig zu gestalten König Eduard so mächtig beigetragen unb die nicht aufgehört habe, an für ben Frieden glücklichen Ergebnissen reich zu sein. Präsident Fallieres richtete au die Königin - Witwe unb ben Prinzen von Wales ein Telegramm, in dein er seine Teilnahme an bem unerwarteten Verlust bes Sou veräns aussprach, der Frankreich so viele Beweise ber Freundschaft gegeben habe. Das Elysee, die Ministerien unD die öffentlichen Gebäude haben Hatbstock geflaggt. In Paris rief bie Tobeskunbe große Bewegung hervor. Tie Zeitungen ließen Sonberausgaben erschetnen Viele Einwohner vom Zentrum ber Stabt steckten mit Trauerflor umhüllte Fahnen in den ftanzösischen unb englischen Farben aus. Fast die gesamte Pariser Presse widmet dem ver storbenen König Eduard überaus warme Nachrufe, in denen er als großer Souverän unb insbesonbere als teurer und herzlicher Freund Frankreichs gefeiert wirb. Der „Figar o" schreibt: Ebuard VIL war in ben Augen ber ganzen Welt ein großer König und aus diesem Grunde muß man seinen Heimgang auf bas tiefste bedauern. Et- war in den schwierigsten Augenblicken der große Werkmeister internationaler Beziehungen, welcher auf gefahrvolle ehr geizige Bestrebungen und Zornesausbrüche mäßigend und auf erregte Nationen versöhnend eintoirfte. Seiner klug blickenden imb kraftvollen Weisheit ist so ziemlich die Wohltat dieses allgemeinen Friedens zu danken, von dem man wünschen muß, daß er den Völkern lange erhalten bleiben möge. Der „Eclair" sagt: Die vielen gerechtfertigten Besorgnisse, von denen das englifdjc Volk gegenwärtig erfüllt ist, werden durch das Hinscheiden des Königs beträchtlich vergrößert. Eduard VII. hat vielleicht nicht jenen ungeheuren Platz eingenommen, den wir ihm mit Unrecht in der Leitung seines Landes zugeschrieben haben, aber er bedeutete eine einflußreiche moralische Macht. Zein unerwarteter Tod wird für die meisten seiner Untertanen eine schmerzliche Trauer und die Ursache begründeter Besorgnisse bilden. Petersburg, 8. Mai. Die offiziöse „Rossija" widmet dem König Eduard einen Nachruf, in welchem sie darauf hinweist, daß er den Weltfrieden befestigt habe. Sein besonderes Verdienst bestehe darin, daß er einen jähen Umschwung in der äußeren Politik Englands zu Gunsten einer Annäherung von Frankreich und Rußland herbeigeführt habe. Rußland betrauere den Tod des hervorragenden Freundes und wünsche, 'daß dessen Andenken in den Herzen seiner Nachkommen ewig fortlebe. . . Die „N o w o j e W r e m j a" sagt, die Politik des Königs Edward sei von größter Bedeutung für die russisch-japanischen Beziehungen. Etwaige Kriegsgelüste Japans würden Dank dem englisch-japanischen Abkommen schnell äbgekühlt werden. Rom, 7. Mai. In der Ka m m e r machte der Minister des Auswärtigen di San Giuliano von dem Ableben des Königs Eduard Mitteilung. Er gedachte der hervorragenden persönlichen Eigenschaften des Verstorbenen und dessen großer Verdienste um sein Land und die ganze Welt. Di'e Trauer Englands sei auch die Trauer Italiens, insbesondere feines Herrschers. Auf Antrag des Präsidenten Mareora, der sich'im Namen der Kammer den Worten des Ministers anschloß, beschloß diese einstimmig, die Sitzungen zum Zeichen der Trauer bis Mittwoch au s fa l l e n zu lassen, für diesen Zeitraum auf dem Parlamentsgebäude die Trauerfahne z,u hissen und dem Sprecher des englischen Unterhauses über den Verlauf der heutigen Sitzung einen Bericht zu übersenden. Der Senat, in dem in ähnlicher Weise wie in der Kammer des Ablebens des Königs gedacht wurde, beschloß, sich ebenfalls bis Mittwoch zu vertagen, sowie dem englischen Oberhause und der Regierung und dem Volke Englands Beileidskundgebungen zu übermitteln. Rom, 7. Mai. Aus Anlaß des Todes des Königs von England beauftragte der M in i st e r d es A eu ß e r e n den italienischen Geschäftsträger in London, der tiefen Anteilnahme der italienischen Regierung und des italienischen Volkes Ausdruck zu geben. Wien, 7. Mai. Der Kaiser fuhr heute vormittag bei der englischen Borschaft vor und drückte dem englischen Botschafter fein Beileid aus. Die Blätter widmen dem Könige sympathische Nachrufe, in denen sie die ausgezeichneten Eigenschaften des ritterlichen Königs hervorhebeu, dessen Verdienste um das Gedeihen seines Landes und um die Erhaltung des Weltfriedens würdigen und versichern, daß alle Völker Oesterreichs sich der Trauer Englands aufrichtig anschließen. Infolge des Ablebens des Königs sagte der Kaiser das Diner am 10. Mai zu Ehren des Königs von Schweden ab. Der deutsche Botschafter, Graf v. Tschischky, drückte dem englischen Botschafter sein Beileid zu dem Tode des Königs Eduard aus. Ter M i n i st e r des Auswärtigen erschien heute mittag in der englischen Botschaft, um sein Beileid auszudrücken. Auch der sächsische und bayerische Gesandte sprachen in der Botschaft vor. Tas „F r e m d e n b l a t t" würdigt eingehend die. hervorragende Persönlichkeit des Körrigs Eduards, sowie die ungewöhnlich bedeutsamen Erfolge seiner Polrtik und schließt: Wir in Oesterreich-Ungarn betrauern aus vollem Herzen das Hinscheiden dieses hochbegabten Herrsch c r 5, den eine aufrichtige, innige und langjährige Freundschaft mit unserem Kaiser verband. Konstantinopel, 7. Mai. Der Sultan, die De- putiertentammer, die Minister und Abordnungen der Deputiertenkammer und des Senats haben dem englischen Botschafter ihr Beileid übermittelt. Die Deputiertenkammer und der Senat haben Trauerkundgebungen veranstaltet. Ter Sultan, die Regierung und die Vorsitzenden des Parlaments haben dem Königshause und der englischen Regierung telegraphisch ihr Beileid ausgesprochen Madrid, 8. Mai. Der Tod König Eduards rief im ganzen Lande tiefen Eindruck hervor. Tie Blätter weisen auf die bedeutende Rolle hin, die der Verstorbene in der europäischen Politik spielte. ________________________________________________________________________ Die Revision der hessischen verwaltungrgcsetze. RB. Darmstadt, 7. Mai. Tie Verwaltungsrechtspflege, die in dem neuen Gesetzentwurf den Landständen vorgelegt worden ist, umfaßt im Gegensatz zu den in der Kreis- und Provinzialordnung zu behandelnden Verwaltungsbeschlußsachen alle Verwal- tungsstreitsacherr, also alle im Verwaltungsstreitverfahren zu erledigenden Streitigkeiten. Wie in der Begründung näher dargelegt wird, sind im Verwaltungsstreitoersahren alle zur Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden gehörenden Rechtsstreitigkeiten, sowie bie übrigen, ihnen zugewiesenen Streitigkeiten zu erledigen, bei denen mehrere Beteiligte sich als Parteien gegenüberstehen. Im Ver- waltungsstreilverfahren sind ferner, soweit nicht ein anderes bestimmt ist, diejenigen Angelegenheiten zu erledigen, in denen es streitig ist- ob eine Verwaltungsbehörde oder ein Organ der Selbstverwaltung durch Nichtachtung oder durch unrichtige Anwendung des Gesetzes die berechtigten Interessen eines Dritten verletzt hau Ter ganze Gesetzentwurf ist in vier Abschnitte eingekeilt, deren erster die allgemeinen Bestimmungen, der zweite die Vorschriften über das Verfahren selbst in erster Instanz und vor dem Verwaltungsgericht, die Rechtsmittel usw. enthält. Der dritte Abschnitt betrifft die Vorschriften über die Anwendung der anderen Gesetze und der letzte Abschnitt enthalt die Schlußbeslimmungen. Wie schon im ersten Artikel erwähnt, sollen die Verwaltungsgerichte fein: 1. Tie Kreisausschüsse, 2. die Provinzialausschüsse und 3. der Verwaltungsgerichtshof. Ta nach dem neuen Gesetz das Ministerium des Innern als Berwaltungsgericht in Wegfall lommt, tritt an dessen Stelle der Verwaltungsgerichlshof und zwar in Fätlerr, in denen das Ministerium zurzeit in der weiteren Rekursinstanz zu entscheiden hat, als Revisionsinstanz, und in Fällen, in denen es als Rekursinstanz zuständig ist, als Berufungsgericht. Der Verwaltungs- gerichtshos hat seinen Sitz in Darmstadt und bepeht aus einem Präsidenten und der erforderlichen Zahl (in der Regel vier) Mitgliedern. Der Präsident wird im Hauptamt ernannt und muß, wie die Mitglieder im Hauptamt, die Fähigkeit zum Richteramt oder zur Anstellung im höheren Verwaltungsdienst erlangt haben. Zu Mitgliedern im Nebenamt können auch Personen ernannt werden, welche das Amt eines Professors der juristischen Fakultät oder der staatswissenschaftlichen Fächer an der Landesuniversität bekleiden. Ferner sollen mindestens vier Mitglieder im Nebenamt aus den Mitgliedern des Oberlandesgerichts entnommen werden. Sowohl der Präsident, wie die Mitglieder werden auf Vorschlag des Staatsministeririms vom Großherzog ernannt, und zwar auf Lebenszeit, auch die Mitglieder im Nebenamt, falls sie ein anderes Amt nicht bekleiden. Der Verwaltungsgerichtshof besteht aus fünf Mitgliedern, übereinstimmend mit den Verwaltungsgerichts- höfen in Preußen, Sachsen, Bayern, Württemberg und Baden. Die Artikel 12 u. ff. behandeln die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte. Es wird darin u. a. bestimmt, daß den Provinzialausschüssen neben den ihnen gesetzlich zugewiesenen Verwaltungsstreitsachen erftcr Instanz auch oie Verhandlung und Entscheidung über das Rechtsmittet der Berufung gegen die Urteile der Kreisausschüsse zusteht. Der Verwaltungsgerichtshof entscheidet als Verwaltungsgericht erster und letzter Instanz in den Fällen, in denen er durch gesetzliche Vorschriften für zuständig erklärt ist und icmer steht ihm die Entscheidung über das Rechtsmittel der Berufung zu gegen die von den Provinzialausschüssen in erster Instanz erlassenen Urteile, sowie in bestimmten Fällen für Volksschulwesen und Steuerangelegenheiten- Nach Artikel 19 ist er ferner Revisionsinstanz gegen die von den Provinzialausschüssen in der Berufungsinstanz erlassenen Urteile; weiter ist er Revisionsgericht in Steuer- und Stempelsachen nach den hierüber bestehenden Vorschriften. Nach Art. 24 beraten und beschließen die Verwaltungsgerichte in geheimer Sitzung. Die Verhandlung und Verkündung der Urteile erfolgt dagegen öffentlich; nach Art. 28 stehl Dem Vorsitzenden der Verwaltungsgerichte insofern eine Strafbefugnis zu, als er Jemand, der sich in Eingaben einer ungebührlichen Schreibweise bedient, in eine Ordnungsstrafe bis zu 30 Mk. nehmen kann. Für die mündlichen Verhandlungen gelten die Vorschristen des Gerichtsverfassungsgesetzes. Im zweiten Teil des Gesetzes wird zunächst in den §§39ff. das Verfahren in erster I u stanz näher präzisiert. Die Erhebung der Klage har beim zuständigen Verwaltungsgericht schriftlich zu erfolgen, sie kann jedoch beim Kreisausschuß auch mündlich zu Protokoll gegeben werden. Ist eine Klage bei einem unzuständigen Verwal- tungsgerichr angebracht, so muß sie unter Benachrichtigung des Klägers unverzüglich an das zuständige Gericht abgegeben werden. Wenn sich der erhobene Anspruch der Klage ,osort als rechtlich unzulässig oder unbegründet herausstellt, so kann nach Art. 45 die Klage ohne weiteres durch einen mit Gründen zu versehenden Bescheid zurückgewiesen werden. Gegen einen derartigen Bescheid muß einem Antrag auf mündliche Verhandlung stattgegeben werden. Der Vorsitzende hat, wie in den folgenden Artikeln bestimmt wird, der Gegenpartei eine Abschrift der Klage zuzustellen mit der Aufforderung, diese binnen einer bis vier Wochen zu beantworten. In den Art. 53 ff. werden nähere Bestimmungen über den Gang der mündlichen Verhandlungen getroffen, die ebenso, wie die vorerwähnten Vor- ichristen, im wesentlichen der bisherigen Praxis entsprechen. Ucbcr die Beweiserhebung im allgemeinen nach dem Grundsatz des geltenden Rechts bestimmt, daß das Gericht nach seinem Ermessen den zur Auftlärung des Sachverhalts erforderlichen Beweis ohne Rücksicht darauf erhebt, ob ihn die Beteiligten angetreten haben oder nicht. Es kann zu diesem Zweck Untersuchungen an Ort und Stelle veranlassen, Zeugen und Sachverständige laden, sowie das persönliche Erscheinen der Beteiligten anordnen. Ein Beweis durch Eid im Sinne der §§ 445 ff. der Zivilprozeßordnung ist dagegen ausgeschlossen, ebenso wie in Preußen, Sachsen und Baden. Die Zeugen und Sachverständigen erhalten ihre Gebühren nad) Maßgabe der für die Prozeßordnung erlassenen Vorschriften der Geb.chrenordnung. Die Verkündung des Urteils har am Schluß der Verhandlung oder in einem sofort und nicht über eine Wod>e hinaus anzusetzenden Termin zu erfolgen. Wenn ein von einem Beteiligten geltend gemachter Auspruck) oder der Kostenpunkt in dem Urteil ganz oder teilweise übergangen ist, so ist es aus Antrag zu ergänzen. Der folgende Abschnitt dieses Teils enthält die Vorschriften über die Rechtsmittel, die Berufung, Revision und Beschwerde, ferner über die Wiederaufnahme des Verfahrens, über das Verfahren bei Kompetenzwnflikten, bei Vorentscheidungen, bei Di s zip linar s ach en in der Berufsinstanz und eirdllch über die Kosten des Verfahrens und über die Zwangsvollstreckung. Nach Art. 119 soll anstatt des seitherigen Aversionalbetrags im Verwalrungsstreitverfahren an Gerichtskosten Yine Pauschgebühr, die im Höchstberrag beim Kreisausschuß 200 Mk., beim Provinzialäusschuß 400 Mk. und beim Berwaltungsgerichtshof 600 Mk. nicht übersteigen darf, und ferner die Auslagen nach Maßgabe des hessischen Gerichtsrostengesetzes erheben werden. Die erhobenen Kosten ,ließen in die Kasse des Kreises, der Provinz oder des Staates je nachdern das Verfahren stattgesunden hat. Falls der unterliegende Teil durch Vorlage eines Armutszeugnisses sein Unvermögen besd>einigt, kann er von der Zahlung der Geridftslosten „insolange befreit werden, als er ohne Beeinträchtigung des für ihn und feine Familie notwendigen Unterhalts nidjt imstande ist, die Gerickftstosten zu be- st eiten." -ter dritte Teil des Gesetzentwurfs enthält eine Reihe von Vorschriften bezüglich anderer Gesetze. Das wichtigste ist, daß im Gegensatz zu dem früheren Entwurf jetzt für alle Gewerbekonzessionssachen, in denen em Ver- waltungsstreitver,cchren pattfindet, der regelmäßige Jn- stanzenoUg: K.eisa.-sschuß, Provinzialäusschuß und Verwal- tungsgeiftcytsbos vorgejetzen wird, so bay das Ministerium des Innern als oberste Spruchinstanz in Gewerbetoitzessrons- s ach en nicht mehr in Betracht rommt. Der vierte Teil des Gesetzentwurfs enthält die üblichen Schlußbestimmungen, wie das Außerkrafttreten mehrerer Gesetze und die Vorschrift im letzten (145.) Artikel, daß der Zeitpunkt des Inkrafttretens des vorliegenden Gesetzes durch Verordnung bestimmt wird. Die letztere Vorschrift wird damit begründet, daß für das Ge.etz umfassende Vorarbeiten notwendig sind, die natürlid) so weit, wie möglich, beschleunigt werden. Eine ähnliche Bestimmung ist aud) in den übrigen revidierten Verwaftungsge,etzencwür,en en. halben, da natürlich für das Jntrafttre.en aller sechs remitierten Gesetzentwürfe der gleiche Zeitpunkt festgesetzt werden muß. Hoojevelts 2lgitation$reife. Der Tod König Eduards wird den Roosevelt-Rummel wohl etwas einschränken. Roosevelt ist jetzt in der schwedischen .Hauptstadt ängekommen, wo er auch miedet eine Rede halten ntirb^ Wem jetzt der Spektakel noch nicht genug ist, dem ist nicht zu Helsen. Glücklicherweise hat der Berliner Hos sich jetzt auch eines Besseren besonnen, der Amerikaner wird jetzt wenigstens nicht wie ein Monarch vom Kaiser an der Bahn abgeholt. Freilich, um die Frühstücke und Tiners sowie um die Vorlesung in der Universität kommen auch wir Teutsche nicht herum. Stockholm, 7. Mai. Heute abend..fand zu Ehren Roosevelts ein Festmahl statt, bei dem Ministerpräsident Lindmann einen Trinkspruck; auf den Gast cuisbrachte, in welchem er zunächst des Todes des Königs Edward gedachte. Roosevelt dankt? in einer Erwiderung für den l-erzlichen Empfang und schloß mit einem Hoch auf das Wohlwollen Schwedens. Berlin, 8. Mai. Ter K aifter hat im Einvernehmen mit Roosevelt foegen der durch den Tod des Königs Edward ein getretenen Trauer das Programm für den E m v s.a n g Roosevelts eingeschränkt. Roosevelt wird mit Familie bei dem amerikanischen Botschafter Mr. Hill absteigen und alsdann mit Frau Roosevelt und seinen Kindern einer Einladung des Kaiserpaares nach dem Neuen Palais zum Frühstück folgen. Für den nächsten Vormittag ist eine militärische Uebung in Dö- beritz in Aussicht genommen. Für den 12. Mai hat der Reicks- kanzler ein Diner in kleinerem Kreise zu Ehren Roosevelts geplant. Tie Vorlesung in der Universität findet programmäßig statt. Aus Hessen. ** Die Wahl in Friedberg-Büdingen. Aus Friedberg wird uns berichtet: Eine hier in den „Tret Schwertern" abgehaltene sozialdemokratische Wahlkreiskonferenz beschloß, für die bevorstehende Reichstagsersatzwohl im Wahlkreise Friedberg-Büdingen den Parteisekretär des Wahlkreises, Busold in Friedberg, als Kandidaten der sozialdemokratischen Partei aufzustellen. Ter jungliberale Landesverband für das G r o b her z o g t u m Hessen hielt nm gestrigen Sonntag vormittag in Darmstadt seine ordentlich? Vertreterversammlung ab. Tie Versammlung genehmigte zunächst verschiedene Satzungs änberungen. Nach dem dann vom Kassierer, Kaufmann Ritsert, vorgetragenen Kassenbericht betrug die Einnahme 348, die Ausgabe 119 Mark. Ta der bisherige erste Vorsitzende, Finanzamt- mann Bangel, sein Amt nieberlcgtc, weil er die im Verband vorgeschriebene Altersgrenze von 40 Jahren erreicht hat, wurde Tiplomingenieur Ritsert zum ersten und Lehrer 2 d;. m e tz l e r - Worms 8um_ zweiten Vorsitzenden gewählt. Finanzamtmann Bangel erstattete danach einen Bericht über die gegenwärtig? Politische Lage. Ter Redner erwähnte dabei auch die bevorstehend? Reichstagswahl in Friedberg-Büdingen und betonte, daß die Jung- liberaleu die von den Nationalliberalen ausgestellte Kandidatur des Professor .Dr. van E a l k e r-Straßburg eifrig unterstützen würden. Zum Schluß nahm die Versammlung die bekannte, bereits ün Dezember v. I. veröffentlichte Entschließung an, die sich gegen die Einführung des Pluralwahlrechts in Hessen ausspricht. Ter Tagung wohnte aud) Reichstagsabg. Tr. Osann bei. — Am Sonntag vormittag sand auch im Hotel Heß in Darmstadt die FrühjahrS-Vorstandssitzung des R e i ch s v e r b a n d e s d e r B e r - eine der national! i beraten Jugend statt. Die Ver- handlmigen waren jebod) vertraulich. Am Abend vorher hielt der Darmstädter Jungliberale Verein eine öffentliche Versamnn lung ab, in welcher der Vorsitzende des ReichSverbandes, Herr Dr. Fi scher -Köln sprechen sollte. Ter Redner war jedoch am Erscheinen verhindert. Deutsches Reich. Der Bundesrat stimmte dem „Reichsanzecher" zufolge dem Gesetzentwurf über die Haftung des Reichs (für ferne .Beamten in der vom Reichstage beschlossenen Fassung zu. Die Ausstellung des Volksbnndes zur B e» Dämpfung des Schmutzes in Wort und Bild im Fcff- saale des preußischen Abgeordnetenhauses hat, so schreibt man uns aus Berlin, große Beachtung gcfuubeu. Ausgestellt sind die Schund-Druckerzeugnisse, die in erster Linie bekämpft werden, die Nick-Carter-Literatur und das „Kleine Witzblatt", die vielfach von der Jugend verschlungen werden und leider auch vom Bahn hossbuchhandel bevorzugt werden. Auf der anderen Seite zeigt die Ausstellung die vorgeschlagene E r s a tz l i t er a t n r, die einen gediegenen Durchschnitt darstellt, empfohlen werden die Wies vadener Volksbücher, Teutsche Jugendbücherei imb verschiedene Unternehmungen von Lehrervereinen. Es soll dahin gestrebt werden, diese Ersatzliteratur durch Kolporteure direkt den Familien zu- gänglid) zu machen, aud) sollen bei Neuverpachtungen von Bahn Hofsbuchhandlungen in die Verträge Bestimmungen aufgenommei; werden, statt der ;2d)unbütcratur die empfohlene Ersatzliteratur feilzubieten. \ Aus Heidelberg wird berichtet: Die am 8. Mai durch ihren Vorsitzenden Herrn Daler-Karlsruhe eröffnete Hauptversammlung des Landesverbandes b a b i i d) c r Schlosser- meister nahm nad) den verschiedenen Begrüßungsansprachen und nach Erledigung der reichhaltigen Tagesordnung cinfrimmig eine Entschließung an, welche den Vorstand beauftragt, die gesetzliche Einführung einer 3'4) äh eigen Lehrzeit, sowie eine Abänderung der Bestimmungen über die Zahl der zu haltende)! Lehrlinge im Sinne der Vorichlägc der Mannheimer Handwerkskammer in die Wege zu leiten. Aus Ulm wird gemeldet: Tie Vorstände der statistischen Zentralstellen des Reiches unb der Einzel stauten sind hier zu einer mehrtätigen Tagung zusammengetreten. Zu den rvichtigsten Fragen, die zur Verhandlung gelangen, gehört die Verein sachung der kostspieligen R e i ch s z ä h l u n g e n. Nad) dein Vorschlag des Reichsamts des Innern sollen die alle fünf Jahre ftattfinbenben Volkszählungen in der Weise mit den in größeren Zeiträumen vorzunehmenden Berufs- und Betriebszählungen Der bunden werden, daß alle zehn Jahre (und zwar in den auf Null endeitden Jahren) anstelle der Volkszählung eine Berufszählung erfolgt; in den auf fünf enbenben Jahren finden dann die üblichen sogenannten kleinen Volkszählungen statt. 2lti5lanfo. Aus Teheran wird gemeldet: Ter Plan sür die R e f o r m des Kriegsmini ft eriums ist abgesd;lossen. Es werden demnach Infanterie- und Kavallerie-Jnspettoren gesdiafsen. Tie Zahl der Truppen wird auf 40000 festgesetzt, von denen 10000 in Aserbeidshan untergebradjt werben sollen. Aus Peking wirb gemeldet: Nach einem noch unbestätigten Bericht s o l l e n t a u s e n d C h i n e s e n d e rG a r ir i s o n L h a s a bei einem plötzlichen Ausstand der Tibetaner getötet war den sein. Aus Stadt und Land. Gießen, 9. Mai 1910. ” LandeSbaugewerkschule. Der Großh erzog hat den Architekten und Hauptlehrer an der Landes-Ban- gewerkschule zu Darmstadt Ernst Blau m auf sein Nachsuchen auS dem Staatsdienste entlassen. "Bahn Butzbach — Oberkleen. Die ursprünglich für den 1. Mai geplante Eröffnung der Strecke, die wegen der Verzögerung von einzelnen baulichen Ausführungen verschoben werden mußte, frndet nunmehr am 13. Mai statt. " Stadttheater. Das Personal der Emser Operette, das die erste Serie der Operette»i-Gastspiele hier beslrei'en wird, beiteht zum größten Teile aus den vorjährigen Mitgliedern, die der ersten Emser Spielzeit Direktor Stein- goetters zu so außerordentlichem Erfolge verhalfen haben. Dazu kommt als Charakterkomiker und Regisseur Herr Richard Heising vom Hoftheater in Oldenburg, der dem Gießener Publikum von den Nauheimer Gastspielen her bestens bekannt KSÜ ’s? N in ED ; ‘ in scisiks ? U der ftnstei". • jj$ vr>n i sigamlche C L-l-Angu tag n*1 der Fad"!' iid) em der Landes von Prol-ß im Teogr. Erdbebens Nachdem -> Zeiß-g' Qi in dec Tech erfolgte am Acsichtigung logü'ch'l" bes §emest< ,nehme Erk in den Spe tägige in de **. £ it Ein Frem! manche Bel über die teste auf di geschädigt l zwei Fallet Ritten sich tuar völlig und überze in Witkliä w Oq selbst ein K mittag wie fiel ein 5 ‘ Wann nam. nad), allein sondern gcrif Keschers Wa! unter MW ling ans A nicht erlitte, scheint sehr nomnien se **Sdl einem Shib offener Stri orztes jertri Monunluffigc " öil Lberhessen i flau Mathi Tübingen, । jufammenbi tfn. Die Vc r. E lx Manöoerzcit Poller I, Dieser unser die den bad, Jubilar kcit imb fani b,e ihn s. 3, △ her ÖQ§ an Sie! erbaut wirb tch'nucken Bl vorteilhaft Ql ölügel bas Rathaus mi neuen Stabil • △ Mefc '"dustrjx i -n eine, cai gröberes S iieine La Messen m ,.A Feld son oflt -i> nN Qin Sh! l. Liefet £ M J ä>n» k b jnnb =Ä, 011 «MSv* MtnfÄ' Lwa gebens. 9 un® Itfjioj, «.&*, J6r i, „^«tbce Al absteiae? ^'lu- ^dern T"und Q1. L.ium »LÄS "««ZL gSK j. ^lafeiil'tn °te 'SM ilit ta&ife1“» «MF •i'usfta ÄSK ,nö betonte, baß bic %?, °u'gMteKanbL7 hiJ^k u,nteritbfeen wütbti ^ bekannte, bereits u euung an, bie sich gege vn Wn ausspricht. J(! tr. Ljann bei - n 2ormftabt ö1 ^evbaiibcsbetSci 5 u g e n b statt. Die $a Um Menb vorher Ijitr eine öiientlidK Bersamv Es Aeichsverbanbes, Ha « ih'cbncr war jeboeh t- cicb. „ReichSanzei^er" zusv!- 3 Reichs ssür jemc Heamtr ■aiiung zu. lksbunbeS zur B, iort unb Bild im W uf& hat, so schreibt m? 'iunbeii. Xnsgeftcllt sir er ßinic bekämpst toetbei ne Witzblatt", ine viclsae ib leider auch vorn &■- ! der anderen Seite jeigt atzliteratur, die einen Sohlen werben bit Aiv Müdicrc: imb UerstzMv iS soll dahin gestrebt werb« c direkt den Familien a euverpachtungen von dützr Kimmungen auigenomr-i : empsohlene ErsatzlilrM. ct: Die am 8. Mai hure Ischhe erössnete öaupniv 5 babiid)etSrf)hii:: men BcgrüßungsansMlV' ii Tagesordnung einstmv rstand beauftragt, bie geh" en Lehrzeit, i°m 5 Verluste und die Koro servativen und Liberalen 4 Gewinne und 9 Verluste. Tie neue Kammer wird aus 79 Republikanern, 262 Radikalen und Sozialistisch-Radikalen, 26 unabhängigen und 76 geeinigten Sozialisten, 72 Progressisten, 16 Nationalisten unb 62 Konservativen und Liberalen bestehen. Paris, 9. Mai. Brisson wurde in der Stichwah in Marseille wiedergewählt. Köln, 9. Mai. Noch einer Meldung dcr »Köln. Ztg.^ auS Madrid werden die Gebr. Mannesmann bei Melilla den Bergwerksbetrieb im größeren Maßstab wieder aufnehmen. Sie finden bei der Bevölkerung das größt« Entgegenkommen. 1-MAI-16OKTOBER Giessener Konzertverein Zehntes Konzert Dritter Kammermusik-Abend am Dienstag, dem 10. Mai 1910, abends 71/, Uhr, — in der Neuen Aula. -------— N ovitäten-Abend Ausführende: Herr Herr Herr ALFEED STEPHANI, Hofopernsänger aus Darmstadt ADOLF EBENER (Violine) JOHANNES HEGAR (Violoncell) aus Frankfurt a. M. Herr Prof. G. TRAUTMANN (Klavier). PROGRAMM V’/6 1, Trio 3. Sonate op. 1 In fis-moll für Violoncell und Klavier Hans Pntzner 4. Lieder am Klavier: „ a) Naturfreiheit ......... ......... G. Trautmann b) »Gesegnet sei14 ) H. Wolf c) Der Musikant............. 1 „ o , d) Lied eines Schmiedes . ........Schumann 5, Trio op. 17 in a-moll für Klavier, Violine und Violoncell Paul Juon Eintrittskarten : I. Platz Mk. 4.—, II. Platz Mk. 3.50, III. Platz Mk. 2.50, IV. Platz Mk. 2.—, in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier (Rudolphs Nacht), Telephon Nr. 671, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Bitter und abends an der Kasse zu haben. ■1 Oeffnung des Saales abends 7 Uhr. .. - Schluss der Saison 1909/10. 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(D% Heute Montag den 9, Mai: Hebung pünktlich 81 /. Uhr. Da/j______TaS Kommando^ Der Stadlauflage der heutigen Äiummer Uegt ein Prospekt der Firma WUh. Herbert, hier, uuet Coasalla-Normat-Ltiefel bei. 2LS4