160. Jahrgang 9 General-Anzeiger für Gberhessen Erster Blatt STCÄ notaOonrtrafl ent Dtrtog 6a VMCIchkv Unlo..vuch. en» Sitinörttierti ll. langt. Beöaftlon, (ErpeöUloe unö bis vormiuags »iU)t tTPeMtion für Büdingen: vahnhosftrabt (6a. - Celephon Nr. 50. Nr. 261 Der -letzener TCwylm erscheint täglich, mb« Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -letzenerFamilienblötter; »wennal w öch en tl^l reit» blatt für den llretr-ietzen (Dienstag und Freitag); zweimal nnmatl. Land» wirlschosttiche Lettfraoe, fternlprech • Anschlüsse: für die Redaktion 118, Verlag u. ExpedUton 61 Adresse für Depeschen: Anzeiger Lietzen. Montag, T. Vooember W VezngSprei-r monatlich7LPs^ vierteljährlich 9JIL 2J3O; durch Abhole- n. Zweigstellen monatlich 66 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf^ auLwärtS 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz, verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und »Gerichtssaal^: K. Neu- Datieret: Zchnlstratze 7. u?b r u Land^: L.Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten. 1--Fi~ ----Hw ' - Die deutsch-türlischeu Verhandlungen über die Anleihe. Konstantinopel, 6. Nov. Direktor Helsferich ßatte gestern nachmittag eine längere Beratung mit dem Finanzminister. Nach den Erklärungen de§ 'Ministers an den Vertreter de- Korr.-BureauS wurde bereits über die Hauptpunkte der Finanzoperation ein Einvernehmen erzielt. Die Anleihe soll 11 Millionen Pfund betragen; hiervon sollen sechs Millionen für dieses Jahr, der Rest für daS nächste Jahr, der Zinsfuß auf vier Prozent unb der EmissionsvreiS auf 84 festgesetzt sein. Die Banken gruppe gewährt oiS zur Emission der Anleihe je nach Bedürfnis Vorschuß gegen 5t/rprozentige Schahscheine. Morgen wird die Beratung fortgesetzt, worauf der Vertrag dem Ministerrate unterbreitet wird. Die Unterzeichnung deS Vertrages dürste zu Anfang nächster Woche erfolnen. Der Pariser „Matttr* ist offenbar amtlich angewiesen worden, der türkischen Regierung bange zu machen. Er schreibt u. a.: Falls die französische Regierung bis zum Verfalltermin der von den österreichischen und deutschen Banken der P'orte gewährten Vorschüsse der Türkei eine Anleihe bewilligen sollte, so ist es für jetzt eine auSgemachte Sach«, daß diese Anleihe nicht, zur Rückzahlung dieser Vorschüsse dienen dürfte. Im Interesse der französischen Sparer ist eS wünschenswert, daß nunmehr auch onbere Länder sich mit Frankreich in die Last der türkischen Geld- bedürfntsse recken. Wir sind ferner zu folgender Erklärung ermächtigt: Fall« d.ie Türket von neuem mit Frankreich in Anleiheverhandlnngen einzutrelen wünsche, so wird bereits jetzt darauf htngewiefeu, daß die kürzlich von der französischen Regierung für die Zulassung der türkischen Anlethe zur Dotierung aufgestellten Bedingungen das Mindestmaß darslellen. Selbstverständlich werden im Falle einer Verschlechterung der türkischen Finanzen die von Frankreich geforderten Bürgschaften noch b e • sttmmter und wirksamer sein müssen. Der Zarenbesuch. Neues Palais, 5. Nov. Die beiden Kaiser und die Jagdgesellschaft sind mit dem kaiserlichen Sonder- zuge um 8/<5 Uhr in der Station Wildpark wieder einge- trosfen und begabeu sich nach dem Neuen Palais. Kaiser Nikolaus fuhr im späteren Nachmittag im Automobil nach dem Mausoleum, um an den Sarkophagen deS Kaisers und der Kaiserin Friedrich Kränze niederzulegen. Den Tee nahm der Zur bei der Kaiserin. Um 8 Uhr sand in der Jaspisgalerie deS Neuen Palais eine Tasel beim Kcrijerpaar statt, bei welcher an einzelnen Tischen gespeist wurde. Dann fand eine Lichibitder- vorführung im Theatersaal des Neuen Palais ftatt Das Programm war folgendes: L Danziger Festtage, 2. Bilder während deS Aufenthalts des Kaiser- in Ungarn, 3. Nordlan d s reis e des Kaisers, 4. Ehavez Flug über die Alpen, 5. Steingutsabrikation und Kunsttöpferei in Ungarn, 6. Empfang des Kaisers Nikolaus. Wildpark, 6. Nov. Der Zar ist um 11 Uhr 15 Min. vb gereist. Der Kaiser und die Prinzensöhne geleiteten ihn zur Bahn. Der Abschied der Kaiser war sehr herzlich. Berlin, 6. Nov. Der Reichs kanzler empfing heute nachmittag den Verweser des russischen Ministeriums deS Aeußern, Sasonow und hatte eine Unterredung mit ihm. Wien, 5. Nov. In Besprechung des Zarenbesuches führt daS ,,F r e m d e n b l a t t" aus: Wir befinden uns mitten auf dem Boden unserer Politik, wenn wir die Kaiferzusammenkunft in Potsdam mit aufrichtiger freudiger Genugtuung im Interesse der von uns gewünschten und jederzeit geförderten Konsolidierung der allgemeinen europäischen Lage begrüßen. Bei unseren so innigen Beziehungen zu Deutschland Tarnt es unS nur höchst willkommen sein, wenn die Entrevue für die Gegenwart und die Zukunft eine Handhabe bietet, die bei der vielfältigen Durchdringung der verschiedenartigen weltpolitischen Interessen -wischen Deutschland und Rußland immerhin möglich wären, in fteundschaftlicher und kulanter Weise auszugleichen. Darüber hinaus erachten wir die Entrevue als ein auch im all gemeineren Sinn durchaus erfreuliches Ereignis, von welchem die wohltätigsten Wirkungen ausgehen werden. m btefen Sitzungen Beschluß über einzubringende Anfragen gefaßt werden, die auch bald zur Besprechung gestellt werden sollen, weil die erste Dezemberhälfte für die erste Etcttslesung und die erste Lesung des Schiffahrtsabgabengesetzes Vorbehalten bleiben soll. Eine Anfrage über das Weilburger Zeppelin-Un- glücf dürfte nicht mehr eingebracht werden, wie kurz vor der Vertagung beabsichtigt war, da die Regierung über die Ursachen dieses Unglücks und die Schuldfrage dem Reichstage eine Denkschrift zugehen lassen will. Drohbriefe zum Moabiter ttrawallprozek- Man sckweibt uns aus Berlin: Der Moabiter Krawallprvzeß, der am Mittwoch dieser Woche vor der dritten Strafkammer des Berliner Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landaerichtsdirektors Lieber seinen Anfang nimmt, hat ein bemerkenswertes Vorspiel gezeigt. Der Riesenprozeß kommt vor die 3. Strafkammer, wo Landgerichtsdirettor Lieber als ein fogenatrnfer schneidiger Richter bekannt ist und auch die Beisitzer seiner Kammer immer scharfe Urteile zu fallen pflegen. In den letzten Tagen erst hat Herr Lieber dadurch von sich reden gemacht, daß er einen Ausdruck deS Rechtsanwalts Alsberg in dem von ihm geleiteten Schieberprozeß Glaser und Genossen als unangemessen rügte und mit 50 Mark Ordnungsstrafe bedachte, worauf der Verteidiger sein Amt niederlegte. Wie wir erfahren, find Herrn Lieber in den letzten Tagen zahlreiche Drohbrrefe ^gegangen. Die Briese sprechen sich übereinstimmend dahin aus, daß Herr Lieber mit der Uebernahme des Moabiter Krawallprozesses sein Leben aufs Spiel setzen würde. Man werde, wenn er nicht vorher zurücktrete, das Krtminalgerichtsgebäude demolieren, bezw. sogar in die Luft sprengen. Landgerichtsdirektor Lieber hat sämtliche Briese sofort dem Königlichen Polizeipräsidium übermittelt und die Polizei hat daraufhin folgende Vorkehrungen getroffen: Vom ersten Tage der Verhandlungen des Moabiter Prozesses ab wird das neue Kriminalgerichtsgebäude in seiner ganzen Ausdehnung durch Polizei abgesperrt werden. Alle 8 Portale des imposanten Baues werden mit je 3 Schutzleuten in Uniform und mehreren Kriminalbeamten in Zivil besetzt werden. Der Eintritt zu den Verhandlungen ist nur den Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern oder den mit Zeugenladungen oder besonderen Eintrittskarten versehenen Personen aeftattet Eine besondere Aufmerksamkeit wird die Polizei außerdem den 4 2 6 Zeugen zuwenden, die zu dem Prozeß geladen sind und unter denen viele bisher unentdeckt gebliebene Teilnehmer cm den Krawallen vermutet Werdern (Eine Reichstags-Ersatzwahl. Posen, 5. Nov. Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis wurden bei der gestrigen Reichstags-Ersatzwahl im 4. Posener Wa hl kreis (Neutomischel-Grätz, Kosten- Schmiegel) im ganzen 22 178 Stimmen abgegeben; davon entfielen auf v. M orawski (Pole) 16 476, Schwartzkopff (Deutschkonservativ) 5648 und Sremski (Soz.) 43 Stimmen; zersplittert waren elf Stinnnen. v. M orawsk ist gewählt. Neue Reichstagsvarlagen. Dem Reichstage sind drei kleine Gesetzentwürfe zugegangen: 1. ein Entwurf betreffend die durch die neue Straßprozeßordnung veranlaßten Aenderungen der Gebührenordnung (der Entwurf regelt die Gebühren für Vormundschafts- und Jugendgerichte), 2. ein Entwurf betreffend den Schutz desfürReichsbank- noten verwendeten Papiers (seine Bestimmungen sollen die Nachahmung falscher Banknoten erschweren), 3. ein Entwurf betreffend die Be s e i t i g u n g von Tier- kadavern (der Entwurf will die bisher zutage getretenen Mißstände beseitigen). Die nächste Sitzung des Reichstaas ist vom Präsidenten Dr. Grasen Schwerin-Löwitz auf den 22. November 1910, nachmittags 2 Uhr, angesetzt worden. Auf der Tagesordnung stehen die ersten Lesungen der drei oben genannten kleinen Vorlagen. — Die Fraktionen des Reichstages werden, wie wir hören, am 22. und 23. d. M. ihre ersten Sitzungen abhalten. Voraussichtlich wird Aus Hessen. Eine Wahlkreiskonferenz der fortschrittlichen Volkspartei in Offenbach, die, wie man uns schreibt, am Sonntag vormittag in Offenbach abgehalten wurde und zu der sämtliche im Wahlkreis bestehenden Organisationen Vertreter gesandt hatten, faßte nach eingehender Erörterung der politischen Lage, sowie auch der Finanzfrage einstimmig den Beschluß, selbständig in den bevorstehenden Reichstagswahlkampf einzutreten. Als Kandidat wurde ebenfalls einstimmig Rechtsanwalt Carrier-Seligenstadt ausgestellt. Das vom Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Eulau-Ofsenbach, ausgearbeitete Organisationsstatut wurde gleichfalls einstimmig en bloc angenommen. Nach diesem Statut ist in jedem Orte des Wahlkreises, in dem sich zehn Anhänger der Fortschrttttichen Volkspartei befinden, ein Verein zu bilden. Deutscber lldd>» Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden sind Sonntag vormittag in Berlin eingetroffen und begaben sich nach Potsdam. Sie wurden bei ihrer Ankunft auf der Station Wildpark vom Kaiser, der Prinzessin Vittoria Luise, den Prinzen Adalbert, Oskar und Joachim empfangen und nach herzlicher Begrüßung nach dem Neuen'Palais geleitet Die „Voss. Ztg." meldet aus P f o r z h e i m: In den meisten hiesigen Kettensabriken kündigten sämtliche im Deutschen MetallarbeiterverbandorganisiertenArbeiter. Teilweise legten auch Nichtorganisierte Arbeiterinnen die Arbeit nieder. Der Metallarbeiterverband erklärt sich bereit, in Verhandlungen mit den Arbeitgebern zu treten. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" antwortet aus nn Rechtsgutachten des RechtslehrerS Profesior La band über den Verkauf des Tempelhofer Feldes mit einem längeren Artikel und erklärt: Labands Beweisführung beruhe auf dem Außerachtlassen entscheidender Momente und tatsächlichen Irrtümer. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" weist daraus hin, daß die gesetzgebenden Körperschaften von den im Etat nicht vorgesehenen Verkäufen zum erften Male erst mit der Haushalts- Übersicht Kenntnis erhalten haben. Die Genehmigung der Grund- stücksverkäufe würde also mindestens ein Jahr, meist aber viel langer auf sich »barten lassen. Wetter macht die „Norddeutsche Allg. Zeitung" darauf aufmerksam, daß, solange das Deutsche Reich besteht, auch nicht zu einem einzigen, von den nach Hunderten zählenden Grundstucksverkäufen des Deutschen Reiche- die Genehmigung des Reichstags für erforderlich gehalten oder nad>- gesucht worden sei. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" schließt den Artikel mtt einem Beispiel aus neuester Zett. Von dem Tempelhofer Feld sei ein Tett an die Stadt gemeinde Berlin verkauft worden, ohne daß der Reichstag bisher seine Zustimmung dazu erklärt habe. Was Berlin recht ift, dürfte aber Tempelhof billig fein. Die badische Regierung gestattete, der „Allgemeinen Fleischerzeitung" zuftlge, unter Zustimmung des Reichskanzlers die kontingentierte Einfuhr von Rindvieh und Schweinen aus Frankreich nach den Schlachthöfen von Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg zur sosorttgen Abschlag tung. Tie „Karlsruher Zeitung" bemerkt dazu: Die Nachricht ist richttg. Die Maßnahme kann aber erst vollzogen werden, wenn Elsaß-Lothringen, dessen Gebiet der Transport durchlaufen muß, zugestimmt hat. Da diese Zustimmung noch aussteht, tonnte die Nachricht bisher amtlich mcht veröffentlicht werden. Die „Karlsruher Zeitung" schreibt: Außerbadische Blätter haben in den letzten Tagen in sensationellem Tone Maßnahmen der Regierung in Sachen der Reichs - und Handelspolitik auf außerhalb der Regierung stehende Einflüsse zurück- geführt. Diese Artikel entsprechen nicht den Tatsachen. Derartige Einflüsse haben nicht stattgefunden. Uebrigens sind auch die (Siebener Aonzertvercln. Liederabend von Fran SusanneDessoir -Berlin. Gießen, 6. Nov. 1910. Duch hn letzten Winter hatte der Konzertverein einen Liederabend veranstaltet; es war ein schöner Abend, mit einem kunstvollen und interessanten Programm, mit einer ausgezeichneten Künstlerin, und der gewissenhafte Chronist konnte ehrlich berichten, was, unv loben, wie es gewesen sei. So komme ich heute der Sache nicht bei; da will ich lieber versuchen, ein Märchen zu erzählen. Es war einmal eine schöne, gütiae, kluge Frau, die trat ttnter die Menschen und sagte zu rhnen, sie wolle ihnen einmal sagen und singen von allem, was auf der Erde und im Himmel und zwischen Erde und Himmel sei, und vor allem von den Menschen, ihrem Sehnen und Hoffen, ihrer Lust und ihrem Leid, ihrem Leben und ihrem Tode; vom Walde und vom Meere, von der Rosenzeit und der Juninacht, Von dem Jesukind in der Wiege und seiner Mutter, der Jungfrau Maria mit ihrer schlohengelwnßen Hand. Und sie begann: es war einmal . Lieder aus alter Zeit, mtt leiser Uiü) doch so süßer Stimme, und die Menschen lauschten atemlos und traurig hörten sie die trostlose K.age vom Verblühen des Lenzes und der Schönheit und dem Entfliehen des Lebens. Da lächelte sie mit einer weichen, vornehmen Geberde, vnd streifte alle Traurigkeit ab und sang ein schalkhaftes Menuett sur le sujet des amourS. Noch einmal ein Aed vom irdischen Entsagen, dann aber heller Frohsinn und Scherzen. Und immer weiter fang sie, Lied auf Lied, ernste vnd heitere, zartinnig und „jetzt wie zornige Brandung grollend wächst die Flut des Liedes kühn"; kunitvolle Weisen und schlichte Melodien, Volksweisen, des Volkes Seele weisend. Jedes Lied ein Kleinod in seiner Art, die restlos in dem Gesang sich gibt; ohne Kunst und doch höchste Kunst. Und die Menschen lassen sich von dem Gesang führen, wohin die schöne, gütige, kluge Frau sie führt, sie sind ganz in ihrem Banne, nur Auge und Ohr und Träumen. Ein uraltes, man meint fast abaesungenes Volkslied: „Ach, wie ist's möglich dann . . .!"; ist das wirklich dasselbe Lied? Und dann steht man auf der Straße und das Märchen ist aus. Ja, nun sott ich, ja — ich wollte es ja auch — von Frau Susanne Dessoir sprechen, von ihrer Stimme, ihrer Technik, ihrer glänzenden Aussprache, ihrer Kunst. Und von Johann.Wraham Peter Schulz, von Padre Martini, von Luise Reichardt, der Tochter des berühmten Vaters und all detl anderen. Von der Liederkvnrposition in „alter Zeit", im 18. Jahrhundert, vom modernen Lied und von Volksweisen. Nein, es geht heute wirklich nicht; Frau Susanne Dessoir hat's zu verantworten. Und auch das, wenn ich ihres unermüdlichen Begleiters, des Herrn Bruno HinzEeinhold aus Berlin, nur ganz burz gedenke, so sehr er für seine hervorragende Leistung als Solist und feine feinfinnige unübertreffliche Begleitung eine eingehende Besprechung beanspruchen könnte. Ich will's lieber offen gestehen, daß ich seinen Vorträgen nur mit halbem Ohr gelauscht habe; der Bann war zu stark, um andres daneben auftommen zu lassen. Es war einmal . . m. ♦ Lritz Heulers hundertster Geburtstag. Fritz Reuters, des gemütvollen plattdeutschen Dichters hundertster Geburtstag, wird heute allerorten festlich begangen Alles, was mit Reuter zusammenhängt, hat einen eigenen Ton, der tief im .verzen naanXingt. Trs.e, warme (impiinbung umgibt alles Reutersche mit goldenem Schimmer. Unb p ist es nicht verwunderlich, daß selbst aus einigen feiner zahlreichen Denkmäler etwas von jenem Gemütston zu uns spricht, der ihm zu Lebzeiten eigen war. Drei sind es besonders, die durch ihre Sinnigkett „Fritzings" Herz erfreut haben würden, hätte er sie noch gesehen Man entfümt sich jener eindrucksvollen Stelle in der „Festungstrd", die davon erzähtt, wie Fritz Reuter seine Freihett wieder gewann. Sieben schwere Jahre lagen hinter ihm, als er das rosige Licht wieder atmen durste; aber für ihn war die Luft nicht roffg. Die Wett war ohne ihn ihren alten „scheiwen Gang gähn", und er, sand sich nicht mehr m chr zurecht. Ohne i-lnssicht, ohne Mittel sieht er sich in eine trjflofe Gsgend verbannt r— ringsum eanb und TanneiwüMe uno aue Heroe. Getzemist wirft er sich ajn den Grabenrand . . . viele Wege sind vor ihm, ,Lwer weker was de reckfte?" Diesen Augenblick im Leben des Dichters hält ein Denkmal von schlichter, imposanter Größe feft Es steht an derselben Stelle, wo Fritz Rcuter jene Worte gesprochen hat, hinter der Fengirschen Mühle bei der Festung Dömitz. Auf einer hoch aufgeschichteten Gruppe unbehauener Feldsteine erhebt sich ein mächtiger Block, auf dessen Vorderseite die Worte stehen; Je, äwer weker Weg was de rechte? Und auf der Rückseite: „Fritz Reuter, 25. August 1840.* Noch lange tönte in dem Unglücklichen die bange Frage nach, „wat nu ?" Mer er, dessen ganzes Wesen auf Freundschaft und Liebe gestimmt war, fanb treue Freunde, die ihm sein Leid tragen halsen. Unter ihnen war vor allen Fritz Peters, Pächter von Thalberg, derselbe, dem der erste Band der „Läuschen un Rimels" gewidmet ist. Bei ihm und seiner trefflichen Frau Marie Peters hat Reuter in der Uebergangszeit zwischen der Festungshaft und der Vermählung oft Wochen- und monatelang gewellt, hier ist er allmählich gesundet; und auch als Peters nach Siedenbollerttin als Gutsherr übersiedelte, hat ihn der Freund dott oft besucht. Im Park Don Siedenbollentin steht eine kleine Grotte aus Feldsteinen In den größten Stein ist eine Tafel aus weißem Marmor eingelassen mit den Worten: „Dem lieben Freunde Fritz Regter . von M. und F. P eterD Juli 12. 74." Tas Datum ist das von Reuters Todestag. Tas drttte Denkzeichen führt uns nach Thüringen Reuters Grab. Mit schier fürstliche Ehren war Reuter zu Grabe getragen worden, ein äßalb von Kränzen zierte die Gruft, Schriftsteller hatten seinen Sarg getragen. Wenige Wochen spater, als die Pracht der Blumen vermodert war, fand man eines Morgens einen Kranz aus Buchenlaub, vom deutschen Walde ftisch gepllücft„ ßuf dem Grabe liegen, daran hing ein Zettel: „En armen Handwerksbnr^eu is hier weseo^ Dei hell Tinen Hanne 9Üitie lesen" Ter Kranz ist längft zerfallen, aber der Zettel totrb ftoch pietätvoll bewahrt im Reuterhause in Eisenach, wo der Dichter und sein Lowismg chren Lebensabend in Liebe uni) Gluck genossen haben. Am hündettsten Gebuttstage Fritz Reuters mag auch die ^ürneuuifl bauui aufgesrllM MrchM, &r bpAfrrjfe Heer und Flotte. Fu Trebnitz wurde am Samstag mittag ein Srhdlitz- Denkmal enthüllt. Der Feier wohnten als Vertreter des Kaisers General der Kavallerie z. D. Freiherr v. Vissing, Angehörige der Familie Sepdlitz und der kommandierende.General des sechster: Armeekorps v. W o h r s ch bei. Aus Stadt und Land. Gießen, 7. November 1910. ** Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat den von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Bir- ' Uein auf die evangelische Psarrstelle zu Geinsheim, Dekanat Groß-Gerau, präsentierten Psarrassistenten Edwin Mar- sguth zu Osthofen-Mein-Dürkheim für diese Stelle be- i stätigt. j ** Ruhestandsversetzung-. Der Großherzog hat den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Ober- srealschule in Gießen Prof. Dr. Bernh. Schädel auf sein ; Nachsuchen, unter Anerkennung seiner, langjährigen Dienste, ‘in den Ruhestand versetzt. ** Zur. Stadtverordnet en Wahl wird uns mit- ,geteilt, daß der Hausbesitzerverein bis jetzt noch lerne Stellung zu der bevorstehenden Wahl genommen und »also auch noch keinen Kandidaten vorgeschlagen hat. -Stadttheater. Zur Erinnerung an Fritz Reuters 100. Geburtstag (7. November) wird in dec Dienstag- Abonnementsvorstellung eine von William Schirmer her- rührende Beardeitung von des Dichters ,Ut mine Strom- iifc* aufgeführt werden. Die Inszenierung leitet Oberregisseur Bakos, der auch die Einrichtung des Werkes für unsere Bühne übernommen hat. Den Abend eröffnet ein kurzer Prolog, gesprochen von Direktor Steingoetter. *• Das Museum für Völkerkunde ist am zweiten Sonntag seines Offenseins von 200 (197) Personen besucht worden. — Mittwochs ist das Museum von 3 bis 5 Uhr Kreis Alsfeld. § Hainbach, 6. Nov. Hier fand heute die Einweihung unseres neuerbauten Schulhauses statt. Trotz des trüben Herbstwetters hatte sich eine große Schar von Festgasten eingefunden. Das Dorf prangte in reichem Festschmucke. Am alten Schulhaus eröffnete Schülergesanq dre Abschiedsfeier. Lehrer S t r a ck von hier nahm in kernigen Morten Abschied von der alten Stätte der Berufstätigkeit Dann bewegte sich der Festzug nach dem neuen, schön gelegenen Schulhause. Hier leitete wiederum Schülerqesana die Weihe mn. Pfarrer Heuser, Rieder-Gemünden hielt die Wechcrede, der er das Schriftwort zugrund legte: Wo der Herr nicht das Haus bauet, da arbeiten umsonst die daran bauen. Mit Gebet schloß der Redner. Rach dem Gesänge der Festgemeinde: Lobet den Herren überreichte ein Schulmädchen unter entsprechender Deklamation dem Reaie- rungsassessor Dr. S e y f e r t h den Schlüssel. Unter herzlichen Dankesworten für die opserwlllige Gemeinde und für die kunstsinnige Bauleitung übergab Herr Seyferth den Schlüssel dem Baumeister Kreisbauinspektor Fischer, der den Bauleuten, den Bauhandwerkern seinen Dank bezeugte Der Ortsburgermeifter Musch schloß den Neubau auf, in den ich nun der Strom der Festgäste ergoß. Das neue Schul- haus macht in seiner Anlage dem Kreisbauinspektor alle Ehre. Bei aller Einfachheit und Prunklosigkeit praktisch, be- techend in seinen Räumen und Fluren, das ist der Eindruck des Neubaues.^ Der Weihe folgte ein Festessen in der Decherschen Gastwirtschaft. Regierungsassessor Dr. Sey- .e.rth toastete auf den Landesherrn, Kreisbauinspektor Fischer Reals chuldirektor Dr. Pitz-Alsfeld namens der Kreisschulkommrssion aus die Gemeinde und Lehrer Strack auf die Kreisbehörde. eh. Nidda, 5. Nov. Der Landwirtschaftliche Bezirksverein sür den Kreis Büdingen hielt heute nachmittag hier im Gasthaus zum Gambrmus seine H aup tv e r sam mlun g unter Leitung seines Vorsitzenden Kreisrat B o eckm ann-Büdingen und in Anwesenheit des Präsidenten des. Provinzialvereins Oekonomierat Schlenke- Friedberg bei sehr zahlreicher Beteiligung der Vereins- mitglleder ab. Der Vorsitzende erstattete einen Bericht über Entwicklung der Landwirtschaft im Kreise Büdingen wahrend der Jahre 1905—1909, worauf Landwirtschafts- le^rer Wagner- Büdingen einen Vortrag über Liebigs Gesetz vom Nährstoffminimum der Pflanzen hielt und im Anschlliß daran über die Wiesndüngungsversuche der land- wirffchaftlichen Versuchsstation auf dem Finndörferhofe be- richtete. Weiter sprach er über den Stand der Ziegenzucht im Kreise Büdingen, worauf sich die Versammllmg dafür aussprach, daß die bisher vom Kreis dem Kreisziegenzucht- verern genxihrtl! Unterstützung von jährlich 200 Mk. auch m r n bewilligt werden möge. Mit einer ausgedehnten Besprechung über die Ausführung des Körgesetzes schloß sodann die Versammlung. (Mherer Bericht folgt.) Hessen-Nassau. )( Marburg, 6. Nov. Die Immatrikulationen zum Winterfemefter an der hiesigen Universität haben aestern abend ihr Ende erreicht. Wenn auch eine genaue Mer noch nicht gegeben werden kann, so steht doch fest, daß rund 2 00 0 Studenten (ohne die Hörer) da sind. Die Zunahme von Winter- zu Winter- und von Sommer- zu Sommersemester b.eibt demnach bestehen, denn im letzten Winter waren es 1871 und im Sommer 2192 tmmatrikuliQttc Studierende. Marburg, 6. Nov. Akademische Gesell- chastsfahrten zum Besuche des Hoftheaters in Kassel sind von der hiesigen Universität geplant. Die erste der. artige Fahrt soll am Sonntag, 27. d. M., erfolgen und zwar unter der Voraussetzung, daß sich etwa 400 Teilnehmer finoen. Zu der Vorstellung in Kassel, für die MozartZ „Figaros Hochzeit" vorgesehen ist, soll um 11.40 früh ein ©onbe^ug hier absahren. Die Rückfahrt erfolgt um 7 26 abends. — In einer gestern hier abgehaltenen Versamm- ung des l andwirtschastlichen Kreisvereins beschäftigte man sich in ausführlicher Weise mllder Mäuse- LßÄ?/' oer Dekämpfungsmaßregeln immer noch anhalt. Mehrere Landwirte bezeichneten die Füchse und Bussarde als die besten Helfer in dieser Not, deshalb müßten diese Tiere geschont werden. Es wurde auch empfohlen wegen der Ratte den Gifthafer geschützt zu legen, z. fr in Drainagerohren. ö ' * ** gegen 50 Psg. Eintrittsgeld zu besichtigen. Von 3 bi§ 4 Uhr werden dort allgemein verständliche Vorträge über Völkerkunde abgehalten. ** Maul- und Klottenseuche Reue Abbrüche der Seuche sind gemeldet aus Stadtbezirk.Bamberg. Kreis Büdingen. *T* ® üdingen, 5. Rov. Unser Gaswerk geht seiner Vollendung entgegen und dürfte anfangs Dezember H! ®.ctgesetzt werden. Die Zahl bet HauSanschlüsse ist über Erwarten groß, so daß die Rentabilität des> Werkes gesichert erscheint. Auch die Abnahme von Gas für Kraft- bedarf verspricht rege zu werden. --- Büdingen, 6. Rov. Unsere landwirtschaftliche Winterschule eröffnet morgen ihren diesjährigen W^nterkurs. Es liegen 33 Anmeldungen dazu vor. == Büches, 5. Nov. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister M ä s e r zum vierten Male einstimmig wiedergewählt. Abends versammelte sich der Singverein „Liederkranz" in der Hof- reite des Ortsoberhauptes. Nach Vortrag des Liedes „Gott grüß dich" hielt der Präsident des Vereins eine Ansprache, worin er die Verdienste des Bürgermeisters feierte. Nachdem der Bürgermeister für die ihm erwiesene Ehre gedankt hatte, ging es in einem Lampionzug durch das Dors und die Einwohner verteilten sich in die verschiedenen Wirtschaften, um den .Abend mit Humor, Tanz und Gesang zu verleben. 0 Waldmichelbacher Mühlbauern', das' brave „Liß'l" durchwachen muß, bevor es ihr gelingt, gegen den Willen des eigensinnigen Mühlbauern ihren Schatz, den „Chrischd'l", als Gatten heim- Mführen. Der Alte hatte sich nämlich den reichen „Päitt", den recht beschränkten Sohn seiner Jugendliebe, der „Margräit vunn Haaschdaboch" zum Eidam auserkoren, und erst, als es beim Aufsetzen des „Hoch^igverttags" wegen des dem Mühlbauer zu gewährenden „Ausgedinges" zu einem großen Streit zwischen den beiderseitigen Verwandten kam, entschlossen, zur „Hochzig" mit dem „Chrischd'l" seine Zustimmung zu geben, der sich obendrein Noch als ein Sohn von „hoher" Abstammung und Millionärs- eltern entpuppt. Die einzelnen Personen des Stückes, besonders neben der Titelrolle der Mühlbauer, das Bäsl Kathrin, die „Margräit", die „Dreid'l", Liß'ls Patin, der „Jockl vunn der Rauboch", der Mrgermeister, der Schullehrer, der „Schröpp'r" (Baroier) Und der Polizeidiener, sind vom Verfasser mit köstlichem Humor und feiner Charakteristik gezeichnet und wurden sehr wirksam dargestellt. Herr Schmalbach war an der Aufführung dreifach beteiligt: Als Autor, als Spielleiter und als Darstüler des alten Mühlbauern und hat sich somit ein dreifaches Verdienst um das schöne Gelingen des Volksstückes erworben. Um die mit großem Beifall aufgeTumunene originelle Bauernkomödie auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen, sand heute nachmittag im Saalbau bei ermäßigten Preisen eine Wiederholung statt. Rach der Aufführung begann in den zahlreichen Nebensälen ein luftiges Jahr- martttreiben, Erfrischungslauben aller Art, eine Tombola zurr Besten armer Kmder in Süd-Tirol, eine odenwälder Spinnftuk mit Gelängen und Tänzen und zahlreiche sonstige Kurzweil sorgten für die allgemeine Uitterhaltung, wahrend im großen Saal Tau-, vergnügen stMfand Das wohlgelnngene Fest dürst- mehrer« Tausend Mark Ueberschuß ergeben. X Aus dem Odenwald', 6. Rov. In der Oden- Walder Granitindustrie ist es zu einem Konflikt gekommen. Nachdem in Kirschhausen, Sonderbach und Laudenbach etwa 160 Brecher mü> Steinmetzen in den Ausstand getreten sind, haben die Unternehmer 180 Arbeitern die Arbeit gekündigt. ! Mainz, 6. Nov. Die vor einiger Zeit von Truppen des Fußartillerie-Negiments Nr. 3 begonnene Feldbahn ist am Sonntag vollendet morden. Die Bahnstrecke, die Mom- bach mit Finthen verbindet und 7 km lang ist, wurde durch Offiziere des Kriegsministeriums besichtigt. Der Erfolg soll vollauf befriedigt haben, wie auch das neben dem Geleife im Boden hinführende Telephon tadellos gearbeitet hat. Als die Soldaten zum Bau ausrückten, wurde ein Mann von der elektrischen Bahn umgefahren und schwer am Kopfe verletzt. Em anderer wurde durch das Versagen der Bremse eines MunitionswagenS mit dem Wagen umgeworfen und durch die auf ihn stürzenden Granaten an den Beinen schwer verletzt. Hellte wurde schon wieder mit dem Abbruch der Bahn begonnen. Kreis Wetzlar. r. J- Wißm ar, «. Rov. Die H erb ftk.)^rvllver sammt- Donnerstag, 10. Nwember, vormittags w Bahnhöfe statt Es haben sich hier zu stellen die Mannschaften aus den Orten Gleiberg, Krofdorf, Lnunsbach, Oden- Hausen, Salzboden, Vetzberg und Wißmar. . - Berleburg, 7. Nov. In unserer Gegend fiegt, tote uns von dort berichtet wird, fußhoher Schnee Dcrimjchrc». ' Unglückliche Heimkehr. Als am gestrigen Sonn- tag abend ein Ehepaar mit ihrem Kinde in seine in der Potsdamer Straße zu Berlin belegen- Wohnung zurück, kehrte, wurde es von einem Einbrecher angegriffen «l, d,e Frau die Wohnung aufschli-ßen wollte, trat ,hr d-,' Embrecher entgegen und streckte sie durch einen Revolver- schuh 'N d,e St-rn nieder. Als auf ihr Geschrei der Mann, der sich auf der Straße noch von Bekannten verabschiedete herbeieilte, wurde er van dem Einbrecher durch e,nen Schuß 'n den Mund schwer verletzt. Der Einbrecher ist ent. kommen. Der be, dem Dtordanschlag schwer verletzt- Manu >!t dec Damenschneider Robert Tetzke, der nach seiner Ein- lieferung >n das Krankenhaus starb. Tas Besinden der Frac E 1° ^lt, daß d.e Aerzte ,hc Ableben jeden Augenblick be- ^°l^p^'dium setzte eine Belohnung vor ltlüO Mk. aus die Ermittelung der unbekannten Täter. Ob das Verschwinden des Dienstmädchens mit dem Mordanschtag >n irgend welchem Zusammenhang steht, konnte noch nicht ermittelt werden. } * . Franzö s ische Geburts- und „ Statistik. Aus Paris wird berichtet- toorte?6™ £yclIe Don .Angst und Kümmernis. Mit Spannung en Sie Ra^hSe/P^CbCf?i€m^9cbrti^ der newt StZsttk jtie Zvhlen für die ersten sechs Monate des ‘-VnFirpä i q । n n ? .^buizer, über die kleinsten Syniptome, die ine 4^st^n wachhalten können. Im Vergleich mit her enb MMsxZEKLNW-T genommen, 503 mehr als im Vonabre Weselttlicü^ns^^ Scheidungen, ine um 150 gewachsen knb' günstiger icdoch haben sich die Sterbezisfern gestattet- 48 4Z d-s 1910 Ä Zeit des ^S«d”Ut 1115 in ?ct entsprctoe^n tatsächlichen Vvraussessimgen 6er Mttkel sticht zutreffend. Der Minister des Innern hat sich nicht getoenbti, sondern verfolgt lediglich die Polittk weiter, welche er von seinem Dienst^ antritt an vertreten hat. In Sachen der Recchsfinanzreform hat die ReFsierung trotz schwerer Bedenken zugestimmt, weil sie feinen ankeren Ausweg aus der mißlichen Finanzlage des Reiches vor Der Reichstagsab'geordnete Domkapitular Pichler wurde zum Dvmprvpst in Passau ernannt Die christlich-soziale Arbeiterschaft Berlins veranstaltete am gestrigen Sonntag im Zirkus Busch eine große Kundgebung gegen die Zusammenpferchung der Arbeiterschaft in den Mietskasernen der Großstädte. Sie sprach die lieber- zeugnng aus, daß eine Reichszuwachssteuer wirksam sein ivürde und protestierte dagegen, daß das letzte große Feld in der Umgebung der Reichshauptstadt, das Tempelhofer Feld, dem Miets- kasernensyftem ausgeliefert werde. Ansprachen hielten Professor AdolfWagner sowie die Bvdenreformer Behrends, Damaschke und Lizentiat Mumm. Achter, der nicht fertig brachte, sich zum Doctor. utrrusque Iums aulzuschwingen, im Mter von saft 53 wahren, als sem Ruhm sich längst durch alle deutschen Gaue verbreitet hatte von der Universttät Rostock durch Verleihung der philosophilchen Ehrendvktorwürde ausg^eichnet wurde Als Reutm^ der ,c^n un Jahre 1862 in Bad Elgersburg bei Ilmenau eine Kur durchgemacht, nach dem Tode seines Schwiegervaters den Entschluß faßte, nach dem chm von seiner Jenenser Stu- dentenzeit in gutmi Crinnerung verbliebenen Thüringer Lande uberzunedeln, beschloß die, philosophische Fakultät der mecklen- burgischen Landesunwersitat auf Antrag des Germanisten Karl Bartsch eine Ehrung des scheidenden Dichters in derselben Weise, wie dies jefron 7 Jahre vorher seitens der Universität Bonn gegmuber Klaus Groth geschehm war. Das in lateini eher Drache abgefaßte Diplom das Reuters Gefühls- und Denkart und ,eme glückliche Fahigkeck rühmt, Ernstes mit Heiterem zu mucken, nimmt besondns Bezug auf die,F)lle Kamellen", als das Deutschland lobe. Reuter, der nicht wenig über- ttastht und erfreut war, ging bald nach Eingang des Diploms r-UnwtC? dvofessor Maaß, der damals noch als Gymnanallehrer m Neubrandenburg wohnte und den Besuch wie folgt in einem an Profefior Gaedertz gerichteten Briefe beschreibt: '7^2 - s^uem Nachmittag ruhig in meiner Stube und ^^brheftL Da klopft es und herein tritt Fritz Reuter, / pudern mit den richtigen, breitspurigen „Entspektor-Brasigschrttten". Ich lade ihn auf das Sofa l^^^ welckes er mtt entsprechendem Aplomb niederfällt, und dann überreicht er mir ein Dokument und sagt halb verschämt Iungftau: „Herr Doktor Maaß, ich wull Sei dat /ewen. ^ci hewwen mi in Rostock taun Tottor und Ma- gifter matt von wegen mine „Olle Kamellen", denken Sie ob Müßt^"' LUe ^amelle^ Wenn bat de olle Cicero ivutzt. meinem treuen freunde, dem Kapitän, meldet er die Pro- 'motion nut den Worten: „Tenke Dir, alter Junae dast die zäheste oakultät in deutschen Landen Deinen dämlick>en Charles douze (ein Spitzname Reuters aus seinen J^genchahren) zum berwa a gemacht hatt'. Seinen Dankbrief an Groß- Friedrich Franz II. als Kanzler der Universität Rostoik er folgendermaßen: „Denken Sie sich, ftönigläe Aoristen in einer Doktorrobe! wie er das gewohnte Gewcmd nicht zu tragen weiß, bald es der Würde iveacn S Ssuns Fnb und Cta W. Sen Avktvr M’SS&ff. rlusland. Die „Preffe Coloniale" will wissen, daß die ftanzSfische Regierung die Stadt ChandernagorinFranzösisch- Jndien an England abtreten wolle und dafür eine V ergr ö ß erung des Gebiets von Pondichery erhalten solle. Der Abgeordnete von Französisch-Indien, Bliessen, kündigt an, daß er über diese Gerüchte eine Anfrage an den Kvloniab- minister richten wolle. Chaudernagor, die „Mondstadt", liegt cm Hugly in der indobritischen Präsidentschaft Bengalen, nördlich von Kalkutta, ist 9,4 Quadratkilometer groß und hat rund 11500 Einwohner. Es besitzt einen Hafen und treibt lebhaften Handel. Die ftanzösische Besitzung Pondichery liegt innerhalb der indobrittschen Präsidentschaft Madras, im Msttitt ©übatCDt, ist 290,69 Quadratkilometer gr^ß und hat rund 273 000 Einwohner ; die Hauptstadt dieses Gebietes, die gleichfalls Pm- dichery heißt, liegt an der Mfte Kor^mandel, hat über 47 000 (Anwohner, eine sichere Reede, einen Leuchtturm und eine bettachtlickw Baumwoll-Spinnerei und -Weberei. Rach einer amtlichen Mitteilung aus Madrid herrschte sowohl in Barcelona wie in Sabadell am gestrigen Sonntag Ruhe. Die Pforte richtete an die persische Regierung eine Rote, in der die persischen Beschwerden über 11 eher griffe der türkischen Truppen in persischen Gebieten widerlegt werden. Der Botschafter in Petersburg wurde beauftragt, eine ähnliche Erklärung der russischen Regierung abzugeben. Der frühereSchahvonPersien ist, wie aus Odessa gemeldet wird, am Sonntag ins Ausland abgereift. Er beabsichtigt, ungefähr zwei Monate an der Küste des Mittelmeers zu verwetten und kehrt dann nach Odessa zurück. Starkenburg und Rheinhessen. R. B. D arm stad t, 6. Rov. Der Kaiser v on Ruß- ist h^ute vormittag 10i/4 Uhr aus Potsdam wieder in Egelobach-Wolfsgarten eingetroffen und vom Großherzoas- )aar begrüßt worden. Heute abend besuchten der Zar mit den beiden ältesten Großfürstinnen mrd das Großber- zogspaar im Hoftheater die Aufführung der Oper „Samson und ^alila". Am Mittwoch findet eine Aufführung des Schauspiels „Bonisazius" statt, zu der auch die Zarin Alexan- dra bestimmt ihren Besuch zugesagt hat. Der Autor ,,E. < etn Pseudonym des Großherzoas. R.B. Darmstadt, 6. 9Lov. Für die Stadtver- in 1 ’2>armftab^ burch die am Donnerstag, 10. i>. JJL, 18 Mandate erneuert werden müssen, ist aestern unter allen bürgerlichen Parteien eine erfreut icheEini- to°rrken* Die vereinigten Bezirksvereine yatten eine gemeinsame Kandidatenliste aufgestellt, die weder die Freisinnigen, noch die Nationalliberalen recht beftiediate. oesv9hV”*** vorgeschlagenen Kandidaten aus- ber fortschrtttlichen Volkspartei sind, !0^^-^e'e Partei nach einigem Besinnen der Liste zu, lieber h^r1116 Parfe, ^mung innerhalb der Partei angeschtosfen hätte. Die Partei hat sich vor allem daran gestoßen, • ^Nahrrges und verdientes Mitglied, Stadtv. man au^ bic gesetzt worden war und fcdrittfirfi^^6 un^er Streichung eines der fort- n Äw?" die dieses Stadtverordneten nm hna . Nachdem NUN aber Herr Rockel selber, —r das Zustandekommen der gemein» lamen &|te äst beselligen, von seiner Wiederwahl Abstand h?Cr^lt ^a£'. h^en auch die Nationalliberalen dem Kompromiß zugeftimmt. Es wird also bei der Stadt- s a m'p^ bnwah den Sozialdemokraten eine g em ein UeÄeto^r Sartin 9e3en, t u Mi m ta," f‘ S V ;,6- Der Verein, sür das Deut sch. ein^>e7iiichcs a-6cit6 städtischen Saalbml ’tts «ä sse* ÄSrrts Volks uüäes aus der FebVd^c^ die Aufführung eines hespichen ein ttcffllcheS Bil^?dem^V°ll"cb°n .9,efci,ricbcne Stück gibt orte im vorigen Jahrhuiwert und ^sckittdert^a?p"^^ Odenwald- Familicnszenen und ^lebm.se, bte während sie in der Provinz lvu'chsen: bäS ttfte Halbjahr 1910 beraeidjnei 26 Scheidungen weniger als das erste Halbiahr 1909. — Die spinnluftigen Badnerinnen. Um die Erhaltung imb Wiederbelebung der alten Spinnkunft bemüht sich — und zwar erfolgreich — der Badische Frauenverein. Wie aus seinen: 50. Jahresbericht hervorgeht, haben im Laufe des leisten Jahres 20 Zweigvereine des Badischen Frauenvereins in verschiedenen Dörfern des Großherzvgtums „Spinnkurse" ab halten lassen. Diese Spinnkurse werden häufig mit dem Schulunter« richt verknüpft. So wurde z. B. in Ehrenstetten die oberste Mädchenklasse der Volksschule in die Kunst des Spinnens einge- weiht, und in Linx führt man regelmäßig die Konfirmanden dieser alten, weiblichen Tätigkeit wieder zu. Aber auch schulentlassene Mädchen vereinigen sich gerne zu „Spinnkursen", die oft von einer bejahrten „Spiunmutter" geleitet und meist mit großer Lernfreudigkeit besucht werden. Damit auch Unbemittelte ihren Spinneifer betätigen konnten, gab der Badische Frauenverein tnt Berichtsjahr 310 Mark zur Anschaffung von Hanf her. Außerdem gewährte er allen Kursen eine Unterstützung von 10 bis 50 Mark. Auch die Gemeinden bewilligten Unterstützungen, und eine Gemeindebehörde stellte den lugendlichen Spinnerinnen Raum, Feuerung und Beleuchtung zur Abhaltung der Kurse im Gerneinde- hause unentgeltlich zur Verfügung. Die Zahl der Teilnehmerinnen schwankte je nach der Größe der Dörfer zwischen 6 und 30. Den Abschluß der Kurse bildeten im April hübsche „Spinnfeste", die jin nicht weniger als 20 Dörfern abgehallen wurden. Bei diesen Veranstaltungen überreichte man den gewandtesten Spinnerinnen die von der Großherzogin Luise gestifteten Preise: Spinnräder, Kunlelbänder oder Spruchbstder. Auch konnte an 27 Personen die gleichfalls von der Großherzogin gestiftete silberne Spinnbrosche (für mindestens zehnjähriges Spinnen) verteilt werden. — Immanuel Kants Gehalt. Mit welch geringen »Einkünften sich der Schöpfer der „Kritik der reinen Vernunft" begnügen mußte, lehrt eine Urkunde vom Jahre 1804, die in dem eben erschienenen 2. Band der „Kulturkuriosa" von Max Kemmerich ans Licht gezogen wird. Danach erhielt Immanuel Kant folgendes Gehalt: 1. als Professor der Logik und Metaphysik: 1. Solarium 166 Taler 60 Groschen. 2. Zulage 86 Taler k73 Groschen IbVs Pfg. 3. Accise 26 Taler 50 Groschen (quartaliter zahlbar). 4. Mühlengefälle (als annum fällig den 1. April) .4 Taler. 5. Thalheimsche GefäUe (als annum fällig den 19. Juli) 17 Taler 53 Groichen 3 Pfg. 6. an Getreyde 44 Schffl. Roggen, quartaliter zu berechnen, aber gewöhnlich erst im letzten Quartal zu empfangen. Diese sind im Etat ß 40 Groschen p. Schffl. angeschlagen auf 19 Taler 50 Groschen. 7. Aus dem Stipendio Gerhard Janseniarw (als annum fällig den 31. Dezbr.) .75 Groschen. 8. An Zinsen aus der phstosophischen Fakultät (halbjährig in Ostern und Michael fällig) 10 Taler 88 Groschen IVs Pfg. 9. Ex signis Jnitiationis (halbjährig in Ostern und Michael fällig) nach der Fraktion 27 Taler 17 Groschen 15 Pfg. 10. An Zensur gebühren nach der Fraktion 6 Groschen. 11. Am Holz 5/s, welche von der König!. Holz-Cämmerey im ersten Quartal des Etatjahres pränumerando geliefert werden. Diese sind im .Etat ä 5 Taler per Achtel angeschlagen auf 25 Taler. Insgesamt erhielt Kant als Professor 385 Taler 43 Groschen 17 (1713/*o) Pfg. Dazu kommt sein Gehalt 2. als Senator, der sich in ähnlicher Weise zusammensetzt, in Höhe von 43 Talern 59 Groschen 117 Pfg., ferner der als Senior der philosophischen Fakultät jin der Höhe von 100 Talern und endlich eine außerordentliche jgiilage aus der Königl. Ober-Schulkasse im Betrage von 220 Talern. Mithin stand sich der größte Denker, den Deutschland, vielleicht die Erde, am Ende des 18. Jahrhunderts besaß, auf 749 Taler, 23 Grosc^n und 10 Pfg. im Jahre! • Sängertaunen. Ruhm und Erfolg bedeuten für viele Künstler eine Geiahr, und die Theatergeschichte ist reich an Anekdoten, .in denen besonders Primadonnen und große Tenore durch die Be- *rouni)erung und den Jubel des Publikums dazu verleitet wurden, dte Launenhaitigkeit des großen Künstlers über das Pflichtgefühl gegen die Zuhörer triumphieren zu lasten. Der Moskauer Korrespondent des .Piccolo" berichtet von einem nicht alltäglichen Zwischenfall, der sich kürzlich im Rt o s t a u e r Kaiferl. Theater nbipielte. Seit etwa einer Woche entzückte EHalia p ine, der berühmte russische Bassist, der auch in Deutschland wohlverdiente Lorbeeren erntete, das Publikum durch die Macht seines Spieles kmb die Gewalt seiner Stimme. Eines Abends, mitten in der Vorstellung, eilte C h a l i a p i n e plötzlich wütend m seine Garderobe, erklärte, daß das Orchester ihn schlecht begleite, und will nicht !wei1ersingen. Gesagt, getan. Der Künstler zieht sich um und ungeachtet aller Bitten des Direktors und Regisseurs verläßt er zehn Minuten später in Straßenkleidung das Theater. Was tun? Das Theater war ausverkauft, das Publikum harrte ängstlich^ daß sem Liebling sich beruhigen und gütigst wiederkehren möge. Schließlich begibt sich eine Abordnung, bestehend aus dem Theaterdirektor und einigen einflußreichen Herren aus dem Publikum, in die Privat- wohitung des Sängers, um ihn zu bitten, die Vorstellung zu Ende zu führen. Man fleht und beschwört den Bassifteil, aber der Künsler grollt und will nicht. Endlich, nach zwei Stunden, ist er milder gestinimt, willigt ein, kehrt ins Theater zurück und singt ferne Rolle in .Rustalka" zu Ende. Mit echt slawischem Fatalisnius hat das Publikum inzwischen geduldig im Theater ausgeharrt, und als der Haid versöhnte Sänger nach zweistündiger Pause endlich wieder auf der Bühne erscheint, bereitete man ihm eine äußerst herzliche Aufnahme. «leine DageSchronU. Im Stadtviertel Alt-Brüssel ber Ausstellung ist Hegen 5 Uhr früh Feuer ausgebrochen. Drei Häuser find piedergebrannt. Weitere Gefahr besteht nicht. Der Brand in Alt-Brüssel wird auf Brandstiftung zurückgeführt. Es wurden Reste von Stearinkerzen entdeckt, die auf Stroh gebrannt haben sollen. In Neuengamme bei Bergedorf wurde bei Boh- ।rungen in einer Tiefe von 200 Metern eine Erdgasquelle nbohrt, die in Brand geriet und mit stundenweit hörbarem Geräusch brennt Es ist Gefahr vorhanden. Ein Zyklon richtete in bet portugiesischen Provinz Algarve großen Schaden an. Die Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Mehrere Fischerboote scheiterten. Ein größeres Schiff ist gesunken. Zehn Mann der Besatzung sind ertrunken. Das Luftschiff „P. VI", das auf seiner Fahrt von Kiel in Hamburg glatt gelandet ist, wird am heutigen Montag, wenn das Wetter gut ist, die Fahrt nach Berlin antreten und in Johannisthal landen. Aus Winnipeg in Manitoba kommt die Meldung, daß die Staatsirrenanstalt brennt; es wird befürchtet, daß viele Insassen verbrannt sind. wie Zigeuner überwintern. Auch die Zigeuner sind — so entnehmen wir einer Plauderei der von I. Landau herausgegebenen Zeitschrift Die Welt auf Reisen" — unter sich verbunden, betrachten sich als eine Nation, die in verschiedene Stämme cingeteilt ist, und jeder Stommes- älteste wacht über die Reinerhaltung seines Stammes und handhabt ungeschriebene Zigeunergesetze. Jene Zigeuner, die zur Zigeunergemeinschaft gehören, ziehen gegen Ende des Jahres in weniger bewohnte Gegenden (Galizien, Bukiwina, Ungarn), um dort in Erdhöhlen zu überwintern. Jeder Zigeunerstamm hat einen bestimmten Sammelpunkt; denn die Ueberwinterung geschieht stammesweise. Alle Angehörigen des betreffenden Stammes strömen, sofern sie nicht durch P^lizeiaewalt aufgehalten werden, diesem zu. Ist ein Stamm ziemlich vollzählig geworden, fo beginnt er mit dem Bauen von Erdhöhlen. Diese werden von allen Stammesangehörigen gemeinsam gebaut, und zwar für jede Sippe eine. Solch eine Sippe besteht aus mehreren Familien, da alle Schwiegersöhne zur Sippe gezählt werden, immer also drei Generationen dazu gehören. Bis zur Fertigstellung der Höhle kampieren die Zigeuner im Freien oder in Zelten. . Bevor die Höhle bezogen wird, findet eine eigenartige Abwehr- Zeremonie statt. Der Ansicht der Zigeuner zufolge gibt es Menschen, die durch Fernwirkung anderen Schaden zufügen können. Dieser Einfluß muß also unschädlich gemacht werden, und zwar geschieht dies, indem ein Feuer von Stechapfelftauden angezündet wird, in das die Zigeuner Alaun schütten. Von diesem Abwehrfeuer wird in jede einzelne Höhle etwas getragen. In früheren Zeiten, als die Wanderzigeuner in Deutschland noch nicht so sehr in ihrem ft eien Umherziehen durch die Wachsamkeit der Polizeiorgane behindert waren, bezogen sie Winterquartiere auch an den Südabhängen deutscher Gebirge, z. B. am Spessart und in den Vogesen, im Odenwald ufw. Man findet dort bei der Landbevölkerung hin und wieder noch den Glauben, daß der Stechapfelstrauch eine den bösen Blick bannende Wirkung habe, und dieser Glaube läßt sich bestimmt auf den Einfluß der Zigeuner zurück- führen. Tas Stechapfelfeuer ist für sämtliche Zigeunerstämme der Bukowina, Galiziens unb der Slowakei unbedingt vor Einrichtung der Winterquartiere erforderlich. Erst nach diesen Vorbereitungen bringen die Zigeuner ihre wenigen Habseligkeiten in den Höhlen Unter. Mit einer Emsigkeit und einem Arbeitsfleiß, den man bei diesem Volk gar nicht vermuten sollte, werden die Höhlen zrun nach Möglichkeit wohnlich zu machen gesucht Sämtliche Vorbereitungen zum Bewohnen der Höhlen müssen in einem halben Tag vollendet sein, da die zwecke Hälfte deS Tages einem Stammes-Festgelage gewidmet ist Der Stamm versammelt sich zu einem gemeinschaftlichen Mahl, das aus gefangenem Wildbret, erbettelten oder gestohlenen Gemüsen, Wein oder Branntwein besteht und bei dem, wenn eben möglich, auch gebratene Igel, der Leckerbissen der Zigeuner, nicht fehlen bürfen. Während des Mahles spielen die Männer ihre stürmischen Weisen, die, um mit Liszt zu reden, doch eine Veredelung der primitiven Jnstintte des Wesens der Zigeuner hervorgerufen haben. Als Stamm und Nation zum Mahle vereint, fühlen sich alle Zigeuner ganz ,fn>m" (d. h. Zigeuner) und geben sich angesichts des drohenden Wmterelendes noch einmal ihrer ausgelassenen, aber harmlosen Freude hin. Der Abend des Festtages sieht den Zigeuner nicht mehr beim Feiern. Er hat Wichtigeres zu tun. Mit dem Einrichten der Höhlen ist die Tagesarbeck noch nicht getan. 9kach seiner Vorstellung hat er noch gegen mancherlei geheime Mächte vorher Maßregeln zu treffen. Hat die Zigeunersippe vor dem Dtahl die Einflüsse fremder Personen bannen müssen, so hat sie nach dem Mahl mck dem Tod zu tun. Es ist eigentümlich, daß die Zigeuner in unmittelbarem Anschluß an eine Stammesfteuden- feier des Todes gedenken, so ^war, daß nach einer stürmischen Musik gleich das Memento man erschallt Kaum ist das Festmahl beendet, so wird zur Verbrennung einer mit Tannengrün und Efeu geschmückten Strohpuppe geschritten, deren Asche die Kraft hat, den Tod zu bannen, weshalb sie auch zunächst in die Höhlen gestreut wird, um dadurch den Sensenmann für den Winter vom Lager fernzuhalten. Außerdem füllt jede Sippe des Stammes ein Säckchen mit dieser Asche, das sie auf allen ihren Fahrten im nächsten Sommer mitnimmt, um nötigenfalls die Füße todkranker Familienangehöriger damck einzureiben. Vüchertijch. — Der Bank-Kontokorrentverkehr ist für den Kaufmann zu einer wichtigen geschäftlichen Einrichtung geworden. Als ein praktischer und unparteiischer Ratgeber in diesen Fragen erweist sich da die neueste Schrift von Julius ChenauL-Repond: Kaufmann und Bank im Kontokorrentverkehr. Einfühning in die Praxis des Rechnungsabschlusses mit den wichtigsten Bedingungen für den Bankkontokorrentverkehr," Muth'sche Verlagshandlung, Stuttgart — Cavalleria rusticana, das Meisterwerk Pietro Mascagnis, das auf allen Bühnen der Welt mit ungeschwächtem Erfolg seinen Siegeszug fortsetzt, bringt das im Verlage Ullstein u. Co erschienene neueste Heft der „Musik für Alle". Tie melodiöse Oper hat wohl für jeden, der sich mck Musik befaßt, Interesse, und namentlich in der Form, wie sie zum Abdruck gelangte, wird sie eine willkommene Gabe sein. Das Heft beginnt rnft hem Vorspiel, dem sich Turiddus Ständchen „O Lola, rosengleich blühen deine Wangen" anschlleßt, es folgt die große Eingangsszene der Oper, die den Ostermorgen schildert. Wir hören das Fuhrmonnslied Alfios. Zu einem ruhigeren breiten Strom der Melodie führt uns dann dec Chir der Kirchgänger, „Laßt uns preisen", in dessen Verlauf Santnzza mit ihrem Sologesang einsetzt. Das Duett „Santnzza reize mich nicht" bildet einen der Höhepunkte des Werkes. Ein scharfer Kontrast ist L^las Lied „O holde Lckie" mit seinem Unterton des italienischen Volksliedes. Tas „Intermezzo sinfonico" ist vollkommen zum Abdruck gelangt. Im zwecken Teil finden wir das Trinklied Turiddus „Schäunck der fuße Wein im Becher". Die Schlußszene wird mit dem rührenden Abschied Turiddus von der Mutte, eingeleitet, wonach sich die Katastrophe schnell abspielt. Während er davoneilt, dem Zweikampf entgegen, schildert Mascagni in grandioser Melodie die ganze bedrückende Trostlosigkeit, die Turiddu durch seinen Leichtsinn heraufbeschworen hat. Amtlicher wetleroencht. Oefsentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlaus der Witterung feit gestern früh: Eine gestern int Westen erjchienene Zyklone ist oslivärts nach Schottland gezogen und febr kräftig geivorden. Nach vorübergehendem Llachlassen der sJltebeijd)lüge sind über Nacht wieder weit verbreitete Regelt eingetreten. Im Gebirge ist Schnee gefallen. Tie Temperaturen lagen in der Nacht nahe dem Gefrierpunkt. Im Gebirge herrscht ärost. Die Zyklone bringt vor. Wetterausiichten in peffen am Dienstag dem 8. Novbr. 1910; Niederfchläge, teilweise Schnee, besonders tm Gebirge, stark windig, kühl. Letzte Nachrichten. P. 6 zerstört. Hamburg, 7. Nov. P. 6 ist heute nacht infolge böiger Winde unterhalt) der Hülle beschädigt und undicht geworden. Der Ballon wurde ftbgerüftet, verpackt und nach Berlin ge- schasst. rm. Darmstadt, 7. November. Landgerrchtsdirektor Bücking in Gießen wurde in den Ruhestand versetzt. ,An seine Stelle tritt Oberlandesgerichtsrat Schmeckenbecher in Darmstadt. Köln, 7. Nov. Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin gemeldet, daß sich der Verkehr zwischen dem Zaren und dem Kaiser sehr herzlich gestaltet habe und in der angenehmsten, verwanoocha,llichen Werse verlaufen Jci. — Bei den Unterredungen zwischen dem neu ernannten Minister des Auswärtigen L a s o n o w mit dem Reichs kanzle r und Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter wurden alle Punkte berührt, bei denen deutsche Interessen in Frage kommen Es wurde beschlossen, bei allen Vorkommnissen, die zu Meinungsverschiedenheiten führen könnten, eine offene Aussprache herbeizusühren Berlin,?. Nov. Ter Verweser des russischen Ministeriums des Aeußern, Gasonow, ist gestern abend 11»/, Uhr nach Petersburg abgereist. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhofe waren Äaatssekretär von Kiderlen-Wächter, der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtales, und. das gesamte Personal der russischen Botschaft erschienen. Wien, 6. Nov. Heute nachmcktag fand hier eine große Protestverfammlung der Katholiken Wiens gegen die Rede des römischen Bürgermeisters Nathan statt. Anwesend waren mehrere Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, die aus Anlaß der Bischofskonferenz hier versammelt waren, sowie zahlreiche Reichsräte und Landtagsabgeordnete. Die Versammlung nahm eine Eittschließung an, in der sie scharf gegen die Rede Nathans protestiert. In einer zwecken, von der Versamuckung angenommenen Erttschließung wird den Brüdern im Reiche für die zahllosen und herzlichchi Ermuickerungs- undZustimmungskundgebungen gedankt. Eine britte Entschließung protestiert gegen die österreichischen Hochschulen wegen des Ausschlusses der Lttholischen Studentenschaft vom Rechte des Farbentragens. Rom, 7. Nov. Auf Veranlassung der Vereinigung zur Hebung des Fremdenverkehres fand heute hier eine Versammlung statt, um gegen die im Auslande verbreiteten Gerüchte über den öffentlichen G e su n d h eit s hei ts z u st and in Jta-f lien zu protestieren. — Unter den Teilnehmern befanden sich Deputierte, Munizipalräte und. Vertreter von Handel und Industrie. Ko n stantinop el, 7. Nov. Wie verlautet, hat der Ministerrat die Bedingungen des Anleihevertrags für günftig befunden und den Entwurf genehmigt. Der Finanz Minister hatte abends darauf eine neue Beratung mit dem Direktor Helfs erich. Serajewo, 7. Nov. An der bosnisch-türkischen Grenze kam es gestern ftüh zwischen Uvao und Rudo zu einem Zwischenfall. Bosnische Gendarmerie und otwmanische Grenzwächter wechselten mehrere Schüsse; von den Gendarmen wurde keiner verletzt. Den Anlaß bildete vermutlich eine aus Unkenntnis der Grenzlinie erfolgte Ueberschreitung der Grenze. VtirhiiiffAnri Duell zeigt sich die günstige Wirkung der veruiuiionu Myrrholinseife auf bte Haut, sie macht den Teint zart, sammetweich, reinigt ihn von allen Unreinheiten. — Sollten Sie die Li y r r h o l i n s e i f e noch nicht kennen, so mache« Sie gefälligst einen Versuch, welcher Sie gewiß überzeugen wird. Statt besonderer Anzeige. Heute nacht verschied vlötzltch unsere liebe, treu sorgende Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Lanie Fanny Stern, gell. Lchck, tm Alter von 73 Jahren. Um scklle Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: LouiS Stern und Familie. W i e s e ck, Wetter, Schmittew den 5. November 1910. Die Beerdigung findet DienStag den 8. November, nachmittags 2V» Uhr, vom Sterbehause in Wieseck aus statt. 6146 Bezirksverein Nord - Ost. Dienstag den 8. November, abends Sl/2 Uhr findet im Hotel Einhorn eine antzerord. Generalversammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Stadlverordnetenwahl; 2. Verschiedenes. Wir bitten um zahlreiches Erscheinen. ^6129 Der Vorstand. Museum für Völkerkunde. Mittwochs 3—5 Uhr: Eintritt 50 Plg. Sonntags geöffnet von 11—1 Uhr, Eintritt frei. D7/u Versteigerung. Dienstag de» 8. Novbr. L nachm. 2 Uhr, versteigere idj Neustadt 56 dahier gegen Barzahlung: L 1 Lederwalze, 2. 1 Break, 1 HalbverdeL eine Registrierkasse, 8 Kassenschr., 30 Lorbeerbäume, 1 Fahrrad, 1 gold. Damenuhr, 6 Handtaschen, 2 Bierüehalster, eine Ladeneinrichtung, 2 Soias, 1 Vertiko, 1 Schreibtisch, mehr. Betten u. a. S. Die Versteigerung -u L findet bestimmt statt. 16143 Born, Gerichtsvollzieher in Gießen. Mittwoch den 9. Nov. 1910, nachm. 2 Uhr, versteigere ich tm Biekerschen Saale 9teuftabt 55: L Möbel aller Arten, Betten, 1 Himmelbett, 1 hochf. Herren- schieibtisch,l Ladeneinrichtung, 1 Partie Stroh' u. Ftlzhüte, 20 Hühner, 8 Faß Weißwein, 120 Flaschen Champagner, ein Grammophon mit 28 Platten, 1 Polyphmunstrument, 1 gr. Partie Schuhwarett, 1 Laden« thele mit 3 Glaskasten u. a. m. IL 10 Mannen Lack, zwei goldene Ringe, 1 Uhr mit Kette. Die Versteigerung unter 11. findet bestimmt statt. (6150 Geißler, Gerichtsvollzieher Familienabend des vberhesfischeu Vereins für innere Mission Dienstag den 8. November, abends 8VS Uhr, in Sterns Garten unter Mitwirkung des Ev. Kirchengesangvereins. Vorträge von Pfarrer Glock aus Nieder-Ramstadt über „D. von Bodelschwingh", und von Pfarrer Gros aus Esch über: „Was lesen unsere Kinder, und was sollen sie lesen?" Zur Tecknahme laden herzlich ein: (v7„ Adolph. E. Kausfmann. Lang. D. Schian. ______O. Schlosser. Schwabe. O. Stamm. Vortrag Freitag den 11. November, abends b1/, Ubr im großen Hörsaal der Universität Pastor Rambaud aus Lüttich über „die Songofrage oil die proteslanliscbe Mission" Eintritt 50 Pfennig Eintritt 50 Pfennig Es laden dazu ein: (D6/^ Die Ortsgruppe des Evangelischen Bundes, der Baseler Frauenmissionsverein, der Frauemmsslonsverein der Lukasgememde, bte Gemeindefrauenoereine» der Gustav'Adolfsftauenvereln. Obcrlebrer Schmoll. 1>. Schlosser, Pfarrer Bechtolsbcimer, Pfarrer Schwabe, Pfarrer LlnSfeld, Fräulein L- Wortmanv Kolosseum Glenes. Dir. Th. Rösch, WslHorwtr. Familien-Variete ersten Ranges. Vom L bia 15. November: Täglich brillante Vorstellungen tbeadi 8 Uhr, eiit 8 erstklaiai^en Schaummnifrn and am SchJas* der Vorstellung: 034dl Msriö Vorgeschichten. Burleske in 1 Akt gespielt vom Hartinas* Ensemble, 10 Personen. Im Restaurant daa österr. Dainenorchester Bernt 6 Damen I Herr. Fr i edri c h‘K rogmanh z Ul' ft CO » □V ) i ) ) XV) ri_ iF 5 5 ! to i; w : m z । > | 2 Zimmer | 2 Zimmer. Küche, Keller rc., I. 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Meldungen werden an unseren Borsitzenden Sekretär Loh, Grafte Mühlgasse 43, bis 20. dsS. 3Rteer beten, der auch weitere Aus- tunft gibt Alldeutscher Verband. Freitag. 11. November. S»/4 Uhr. in Stein» «arten Vor trag mit Lichtbildern. Unkv.-Prof. Dr. A. Körte: „Deutsche Arbeit in Kleinasien“. Deutschgesinnte Männer und Frauen sind freundlichst emgeladen. Zur Deckung der Lichtbilderunkosten usw. wird ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. erhoben. D,/n Ä Wochentags 8 Uhr 40 Dienstmädchen, Köch., Stützen, |h Knechte, Burschen f. Stellung 1U 'm-Centralblatt", Heiligen- v stadt, Elchsfeld.__________[6149 Suche für eine ältere Witwe, sehr erfahren in allen HauShal- tungSarbeiten, fleißig, sauber und bescheiden eine Stelle als Haus- baltenn gegen freie Station. Etwas eigene Möbel, Bett-, Tisch» und Kllchenwäsche sind vorhanden. Schriftl. Angebote unt. 5901 an den Gieftener Anzeiger erb. ftur Mädchen, im Nähen be- wandert, paffende Stelle für Per- vollkommnung im Haushalt gesucht. Aus Lohn wird nicht gesehen. Schriftl. Angebote unter 09304 an den Gieftener Anzeiger erb. Mittwoch den 9. November, abends 9 Uhr --------- im Hotel Kaiserhos --------- Ordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnung: y’/u 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Vorstandswahl. 4. Handelskammerwahl. 6. Stadloerordnetenwahl. 6. Geschäftliches. Um rege Teilnahme bittet „ Der Vorstand. Heute zum letzten Male Der blaue Diamant großer Detektivfilm, Lange 490 m. W kW Ich! kMWckin großartiger amertkunischer Kunslfilm. Ferner die tadellose» Humoresken und die übrigen Programmnummern. TUchtige [hv5u Spengler ililii Zilstiilliitcure, welche schon aus Kanatisationen und Abott > Anlagen gearbeitet, suchen E. Schien & Söhne, Hanau g.M^ SteinheirnerStr.7. ßinige türfitige Ziimiittleiitk können noch eintreten bei {(113 Schubecker & Bechtboid.^ 093ffi: Suche für ein HerrschaftSH. 1 beff. Hausmädchen, welch, nähen, bügeln u. serv. kann, geg. gut. Lohn durch die Stellenvermittlung von Fr. 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