-rr. «10 Zweites Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 8. September 1910 Gießener Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags. General-Anzeiger für Oberhefsen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Die „Siebener Familienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „llreirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. j)oLitLsche LagesschLM. „Wichtige Zugeständniffe" der .OLirie. Durch bic Blätter läuft eine Depesche aus Rom über nne offizielle Stotc des „Ofservatorc 91»mano", wonack) icr Heilige Stuhl zu Unrecht beschuldigt werde, in seinen Verhandlungen mit der spanischen Regierung eine „un- lersöhnliche Festigkeit" bezüglich Behandls ng der religiösen Kongregationen bewiesen zu haben. Im Gegenteil, der -Osftrvatore Romano" sei ermächtigt zu erklären, daß sich >er Heilige Stuhl wie den früheren Kabinetten Spaniens, o auch dem gegenwärtigen gegenübe/: auf das wohl- oollendste zu sehr „gewichtigen Zugeständbtissen" habe bereit urden lassen. Die Depesche schließt die/sen Brief mit den Worten: „Zum Beweise werden einige dieser Zugeständ- ttsse aufgezählt." " Sieht man sich nun im „Osser- ,atore Romano" (Nr. 188) diese angerblichen Zugeständ- lisse etwas näher an, so muß man ftesunen, daß die Er- üllung derartiger, .für ein geordnetes? Staatsleben, wie nau meinen sollte, völlig unerläßlicher Forderungen seitens >er Römischen Kurie als Erweis eines gütigen Wohlwollens gezeichnet werden darf. Man ersieht 'daraus, welche Zu- täude in Spanien bisher geherrscht habandlung in £cip$ig. 8° 32 Seiten. In regem Wetteifer arbeitet seit einigen Jahren die Stadtverwaltung mit dem Geschichts«- und Altertumsverein zu Friedberg daran, die Denkmäler der ehenraligen Reichsstadt zu erhalten und nutzbar M machen. Das 1902 gegründete, von Professor Helmke verwaltete Wetterauer Museum enthält in 5 Räumen eine recht stattliche Reihe wertvoller und kostbarer Stücke aus den verschiedensten Zeiten, dtiln sind nach dreijähriger opferreicher und freudiger Tätigkeit des Oberlehrers F. Dreher auch die Archivbestände der Stadt geordnet u^rd der Forschertätigkeit zugänglich gemacht. Sie enthalte« in 4427 Bänden und Heften (1448 ff.) Ratsprotokolle, Gerichts-, Hypotheken- und Lagerbücher, Aufzeichnungen über sj.ente, Kämmerei, Schatzung, Kontribution, Kirchen, Altäre, Brüderschaften, Schulen, Hospitäler, Zünfte u. a. Außerdem lassen zählreiche Desta^ mente, Hausinventare und Verschreibungen für die Fami- lienforschung große Ausbeute, erhoffen. Die Pergamenturkunden (1318 ff.) sind in 7 'großen Kästen untergebracht. Mein noch rund 20000 lose Äkten (15.—18. Jahrhundert) harren der Sichtung und Eiireeihuna. Die von M Foltz im „Urkundenbuch der Stadet Friedberg I. (1273—1410)" verarbeiteten Stücke des GroM. .Haus- und Staatsarchivs in Darmstadt hofft man demnächst, so weit sie Eigentum der Stadt Friedberg sind, dadurch wieder ihrer alten Heimat zuzussthren, daß geeignetere .Miäumtid)feiten geschaffen werden. Das jetzige stimmungsvolle Archivgemach im Liebfrauenkirchturm genügt nicht mehr den erforderlichen Ansprüchen. Der verdienstvolle. Neubegründer deö Friedberger Archivs gibt in seiner Broschüre über all dies genaue Einzelangaben, die für jedermann lesenswert, dem For^- scher ein willlommenes Hilfsmittel find. Nur der Eingeweihte weiß die Fülle der Arbeit zu werten, die hier bereits geleistet ist und noch bevorsheht. — Der Verein für l^rz iehung, Unterricht und Pflege G.erstesjchwach'kr hält vom 13.—16. September in Wiesbaden seine 13. Konferenz ab, die wie ihre Vorgängerinnen einer vielseitigen Durcharbeitung der Fragen eines wichtigeir humanen Fürsorgegebietes gewidmet ist. Von den verschiedensten Seiten her ist die menschlick-e Gesellschaft in wachsendem Maße dazu gedrängt worden, den „Stiefkindern der Natur" nicht nur aus Mitleid, sondern auch im eigenen wohlverstandenen Interesse eine nachhaltige Aufmerssarnkeil zu scheirken: man braucht z. B. nur an die im Gange befindliche Neugestaltung der Strafiechts- pflege zu denken, in der die angegebene geistige Minderwertigkeit eine bedeutende Rolle spielt. Die hier einfchlagenden Fragen behandelt der im Jdivtenanstalts- wie im Gefangnismesen erfahrene Oberarzt Dr. Meltzer-Waldheim. Daneben richtet sich die wissenschaftliche Forschung immer energischer auf die noch vielfach im Dunkel liegenden pathologischen Gncndursachen pnd körperlichen Begleiterscheinungen der geistigen Defektzustände. Rtit diesem schwierigen Gebiet beschäftigt sich ein Vortrag des Oberarztes Dr. Kellner von der Hamburgischen Jdiotenanstalt in Alsterdorf, der durch Vorführung charakteristischer Typeir der Schwachsinnigen in Lichtbildern illustriert wird. Ein Hauptstück förderlicher Behaicdlung der Geistesschlvachen ist von jeher der Unterricht gewesen, der von dem Unterricht normaler Kinder in mancher Hinsicht abweichend gestaltet werden muß.' Dem entspricht es, da-ß aus der Praxis der Anstaltsarbeit heraus drei pädagogische Redner (Direktor Pastor Broistedt- Neuerkerode, Lehrer Gürtler- Ehemnitz-Altendorf, Lehrer Schlegel- Dalldorf) verschiedene Themata aus diesem Gebiete erörtern werden. Die Notwendigkeit und die heilsamen Erfolge der Vereinigunig ärztlicher und pädagogischer Maßnahmen veranschaulicht in besonderer Weise das Referat des Dr. phil. Cron, Direktor des „Jugendheims" in Heidelberg: „Zur Technik heilpädagogischer Spezialübungen". Zum Vergleich der deutschen Schul- u:cd An- staltseinrichtungeu für Geistesschwache mit dem Auslande wird der Vortrag des Hilfsschuldirektors E l t e s - E l l e u b a ch aus Budapest über die Verhältnisse in Ungarn Gelegenheit geben. Durch Veranstaltungen zur Erholung und Erftischung wird die ernste Arbeit der Verhandlungen angenehm unterbrochen werden. Für den letzten Konferenztag ist außer den: Besuch der sechsklassigen Hilfsschule in Wiesbaden eine Fahrt nach Id st e in geplant. — Ein modernes Forum. Aus Rom wird uns gc^ schrieben: Seit Rom sich so außerordentlich bevölkert und erweitert hat und besonders seit die elektrischen Trams eine Neugestaltung der Verkehrsadern erzwangen, hat das ehemalige Herz von Rom, die von Goethe ihres Lebens und Treibens wegen bestaunte Piazza Colonna, ihr vibrierendes Leben an die Piazza Venezia abgeben müssen. Jahrzehnte hindurch dauert bereits die Neugestaltuns dieses weiten Platzes, schon schien sie endgültig erledigt, da erhoben sich, gerade in diesen Tagen, neue Fragen. Bekanntlich sollte der reizvolle, an den mächtigen Palazzo Venezia angebaute Palazzetto abgetragen und an anderer Stelle neu aufgebaut werden und schon war die Demolierung weit vorgeschritten, als Corrado Ricci, der unermüdliche Kämpfer für die Schätze der alten Zeiten, ein Veto einlegte und einen letzten Vorschlag machte, um wenigstens cinert Teil des bezaubernden Baues zu retten. Es handelt sich um die vierte auf die Piazza S. Marco hinausgehende Seite des Palastes — die anderen drei sind bereits zerstört —; sie besteht aus einer doppelten Ordnung offener Loggien und soll nach Riccis Vorschlag erhalten bleiben. Sie könnte das um so eher, als sie ja, da sie nicht auf der Piazza Venezia gelegen ist, den Durchblick vom Korso zum Monument nicht ftört. Sie würde dann eine Art von Aula! an dem mächtigen Block des großen Palastes bilden. Statt ihrer müßte dem auf der Piazza S. Marco wiedererrichteten Palazzetto eine vierte Seite, die im Stil der drei anderen zu halten wäre, an- gebaut werden. Auf diese Weise bliebe der zierlichste Teil des kleinen Palastes erhalten, ohne die Systematisierung der Piazza Venezia zu stören. Eine anscheinend glückliche Lösung, mit der sich zurzeit das ganze künstlerisch interessierte Rom und speziell eine zu diesem Anlaß zusammengetretene Kommission beschäftigt und die auch die Billigung jener Leute findet, die behaupten, der Heine Palazzetto fei mehr wert als das Riesendenkmal, dessen Ausführung bereits 10 Jahre, etliche zwanzig Mlllionen und die Harmonie eines der großartigsten und erinnerungsreichsten Plätzei RomS und Italiens gekostet hat. — Eine Papier-Kolonie. Das größte Zeitungs- Unternehmen Europas, die „Amalgamated Preß", die etwa 40 Zeitungen und Magazine in England herausgibt, darunter „Dally Mail" und „Daily Mirror", hat vor nicht langer Zeit mit einem Stammkapital von 24 Millionen Mark eine riesenhafte Papierfabrikanlage auf der waldreichen Insel Terranova im Diorben Amerikas begründet, um ihr eigener Papierlieferant zu sein. Sie hat 800 000 Hektar Wald erworben unb hydraulische Papiermühlen mit 30 000 Pferdekräften aufgestellt, die demnächst auf 80 000 erhöht werden sollen. 2000 Tonnen Papier, genügend, um 40 Millionen Exemplare einer zwölfseitigen Zeitung darauf zu drucken, sind jüngst als erste Ladung nach London ab- gegangen. Amerikanischem Brauch gemäß i|t bei der gewaltigen Fabrikanlage im Nu eine kleine Stadt entstanden, die bereits 3000 Kolonisten zählt. Das "Fällen her Bäume besorgen die auf der Insel ansässigen Kabeljaufischer den Winter über, während die Fischerei pes Eises wegen ruht, II Handel Der Aufsichtsrat der Hanauer Weiter s Ssf 6. bis 7. Septbr. 7. Meteorologische der Station Giesren. 9 10 9 + 16,0 11 D. 4- 8,8 X »snenbe Gründe angeführt, wurde derselbe in folgender Fonn einstimmig angenommen: Der Allgemeine Genossenschaftstag erklärt, daß der durch die Reichsfinanzreform non 1909 ci»geführte Scheck- und Quit- tungüstrmpel und die Erhöhung des Stempels für Wechsel mit einer drei Monate übersteigenden Benallzcit von den Mitgliedern der Kreditgenossenschaften als eine Last empfunden werden, die die Ausbreitung des Scheckverkehrs hemmt, den Gebrauch des Wechsels zum Nachteil der Gewerbetreibenden beeinträchtigt, die notwendigen Kontroll-Einrichtungen schädlich beeinflußt. Der Allgemeine Gcnofsenfchaftstag erkennt dankbar die Bestrebungen der Reichsrcgierung an, die Kreditgenossenschaften vor den nachteiligen Wirkungen des Ouittungsstcmpels nach Möglichkeit zu schützen, und spricht die Erwartung aus, daß Scheck- und Osiitttungsstempel keine Erweiterung erfahren werden, vielmehr möglichst bald wieder beseitigt werden. Ein weiterer Antrag des Verbandes der Erwerbs- und Wirt- schaftsgcnossenschaften am Mittelrhein beschäftigte sich mit der Errichtung elektrischer Zentralen und der Beteiligung von Genossenschaften daran. Verbandsdirektor Justizrat Dr. Alberti- Wiesbaden, der über dieses Thema referierte, empfahl die Air- nahme folgender Entschließung: 1. Die Form der Genossenschaft ist nicht geeignet für die Errichtung und den Betrieb einer elektrischen Zentrale. 2. Genossenschaften mit dem Zweck der Zuleitung elektrischer Kraft von der elektrischen Zentrale an die Abnehmer erscheinen zulässig. Denselben ist anzuraten.- a) daß sie sich nicht an der Beschaffung des Kapitals für die elektrische Zentrale beteiligen und b) daß sie für das zur Herrichtung der eigenen erforderlichen Anlagen nötige Kapital feste lange Zahlungsfristen erwirken und durch entsprechende Rücklagen die Innehaltung dieser Zahlungsfristen sicher stellen. feiten überschätzt hat. Auch lehrt die Erfahrung, baß Menschen das, was sie anderen zur Ueberzcugung bringen, schließlich auch selcht glauben. Alles aber hat Dikomcit sicherlich selbst nicht geglaubt. B a d c n - B a 8'e n , 7. Sept. „L. Z VI" stieg um 11 Uhr mit zwölf, Pforzheimer Passagieren zur Fahrt nach Pforzheim auf. Um 11 Uhr wurde der Luftkreuzer bereits in Pforzheim gesichtet. Er überflog die Stadt in großer Schleife und nahm dann did Richtung nach Karlsruhe. Tie Residenz wurde um 12Vs Uhr überflogen. Kurz nach I Uhr landete das Luft- schrfs wieder tn Baden-Oos vor der Luftschisfhalle. rs. ö 0-.n' 0 Moisanl mar MU 17. Anglist 1)0HI Flug- .clbe Jssy les'Moulineaux bei Paris ausgestiegen und nacf) einer Zwischenlandung i n Calais am selben Tage bis Til- manstone bei Dover ^geflogen. Am 18. August war ec dort wieder auigestiegen, mußte alber iiocf) an diesem Tage in Ramham bei ok aYvm MotvrschaTen lanben. Heule liachmittag 5 Uhr 2a Mrn. traf er oon dort hier beim Kristallpalast ein, uinfreifte otejen und landet- dqrrn in dem Vororte Beckeiiham. g>k.tS- E sl C - ©gS-o-'-P 4 ! wunöerdottor und Publikum. (Nachdruck verboten.) Der Prozeß des Harteiirodcr Wunderdoktor bedeutete für die Bewohner Marburgs eine Sensation, mehr noch für die nächstliegenden Ortschaften, am meisten für die Bevölkerung des Hinterlandes, da dies das größte Kontingent der Patienten des Wunderdoktor Dikomeit stellte. Den Wendepunkt des Prozesses bildeten die Verhandlungen vom verflossenen Samstag: der Antrag des Staatsanwaltes, die Ausführungen der Sachverständigen, die Plädoyers der Verteidiger. Wie bei der letzten Fortsetzung eines fpannendcn Romans der Leser den Schluß zu erraten sucht, so beschäftigte nach der vorletzten Verhandlung das Urteil und dessen Begründung das der Verhandlung beiwohnende Publikum und die Leser der umfangreichen Berichte enthaltenden Blätter. Fast durchweg begegnete man der Ansicht, daß das Strafmaß des Staatsanwalts zu hoch gegriffen sei. Man „taxierte" ein sehr erheblich geringeres Strafmaß und ein weit milderes Urteil, dessen Beratung das Richtcrkollegium fünf volle Stunden in Anspruch genommen hat. Und doch konnte der endgültige Urteils- fpruch den eingeweihten Beobachter nicht zu sehr überraschen — von juristischen Schlüssen ganz abgesehen. Kam doch in der Verhandlung nur ein Bruchteil der von Dikomeit behandelten Patienten in Betracht (100 an der Zahl), während tatsächlich nach Mkomeits mehrfach betonter Angabe ca. 4000 Leute von ihm mit Erfolg behandelt sein wollen. Demnach hat das Publikum nur seine Schlüsse ziehen können aus den im Prozeß aufgetretenen Zeugen — daran, welches Ergebnis eine Vernehmung der übrigen 3900 Personen hätte haben können, dachte man weniger. Daß nur einwandfreie Ergebnisse herausgekommen wären, ist nicht an- zunehmen — und deshalb wird wohl auch der Urteilsspruch des Landgerichts Marburg nicht zu hoch erscheinen. Gelehrt hat der Prozeß, daß Heilanstalten vom Schlage Diko- metts sehr schwer beizukommen ist, daß die Möglichkeit einer wetteren Betätigung des Vlannes für später keineswegs ausgeschlossen erscheint und daß sich endlich auch weiter eine Menge „Gläubige" finden wird. Landwirtschaft. _ X P o m vorderen Vogelsberg, 7. Sept. Jetzt wird es Ernst mit der M äu f e v e r t i l g u n g. Zeit ist es auch, denn dem Mäuseheer ist ein Drittel der' diesjährigen Ernte zum Opfer gefallen. Nun zehrt das Ungeziefer an Kartoffeln und Hackgewäcbsen. eelbft ui den Grummetwiesen treten zahllose Mäuse auf. Besonders haben sie sich jetzt, nachdem das Feld geräumt ist, in die Chaussee- rainen und Bankette hineingezogen. Bei dem bevorstel^nden Mäusekrieg dürfen diese Mäuseburgen nicht vergessen werden. Von der Landwirtschaftskammer äst den anfragenden Gemeinden die Mitteilung geworden, daß der Vernichtungskampf gegen die Mause mit vergütetem Weizen geführt werden müsse. Die Gemeinden beginnen bereits mit den nach Maßgabe ihrer Feldergroße bemessenen Bestellungen. § Aus dem Ohmtal, 7. Sept. Der Getreideaustausch hat begonnen. Er geht viel rascher von statten wie im vorigen Jahr, da sich die Sveicherböden bogen von dein ungewöhnlich reichen Fruchtsegen. In diesem Jahr gibt es nur die Halste der vorjährigen abnorm reichen Getreideernte. Das Gleiche gilt von den Hackgewächsen. AtrehUche Zlad?rict?tcn. Jsraclitifdje Äeligioiisgemcinüe. SottesSieiijl in Oer Synagoge (Süd-Anlage). Samstag den 1-0. 'September 1910 • Vorabend: 6.30 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schrifterkläruna. Sabbatausgang: 7.40 Uhr. 3sraelitiid)e tt^igionsgesellschast. Gottesdienst. Sabbatf ei er am 10. September 1910: Freitag abend 6.25 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 7.40 Uhr. Wochengottesdienst: MorgenL 6.30 Uhr, abends 6.30 Uhr. X. Hanau, 7„ Sept. 2« ucl ..-uuuuti ©trQBenbabn^ItftiengcfeHfrf)flit bringt der am 23. b. Mts. stattfindenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von Proz. (im Vorj. 4 Proz.) in Vorschlag. Hochwasser. Die neuerlichen Regenfälle haben wieder in den östlichen Be- ziicken des Reiches und in den österreichisch-ungarischen Ländern! bedeutendes Hochwasser hervorgerufen, das vielfach große Ueber- schwemmungen verursacht hat. An manchen Orten sind Häuser eingestürzt: 10 Menschen sind seither umgekommen. Wir haben folgende Meldungen erhalten: Breslau, 7. Sept. Das Hochwasser der Oder ist infolge des andauerndeii Regens weiter im Steigen begriffen. In Ratibor ist der Wasserstand von 4 Meter 16 auf 5 Meter 96 gestiegen. Glatz, 7. Sept. Die Neiße ist gestern nm 13/t Meter gestiegen ünd über die Ufer getreten. Tie unteren Stadtteile von Glatz sind überschwemmt. Dort stehen viele Häuser unter Wasser. Eine Menge Vieh mußte aus den Ställen geschafft werden. Auch ein großer Teil der Promenade am Garnisonlazarett und der gesamte Exerzierplatz sind völlig überschwemmt. Tie dortigen Bewohner können die Häuser nur auf Kähnen verlassen. Der Verkehr zum Stadtbahnhof, der von Wasser umgeben ist, toi.rb durch eine Laufbahn aufrecht erhaltcm. Auch hie Nebenflüsse der Neiße verursachten große Ueberschwemmungen. Brünn, 7. Sept. In allen östlichen Seitentälern her March ist infolge mehrtägigen Regenwetters Hochwasser eingetreten, das vielfach Ueberschwemmungen verursacht. In Ungarisch-Brod sind viele Häuser eingestürzt. In Kunowitz bei Ungarisch Hradisch sind etwa hundert Häuser zerstört: auch Menschenleben sind in Gefahr. — Das Bad Luhat- schowitz ist unter Wasser; auch mehrere Gemeinden des Kremsierer Bezirkes sind überschwemmt. Brünn, 7. Sept. Infolge des Hochwassers in Kunowitz sind 120 Hauser eingestürzt. 6 Personen sind umgekommen. Die Stadt Goedrng ist gefährdet. — Aus Mährisch- Ostrau wird gemeldet, daß die Verbindung mit Preußisch-Schlesien unterbrochen sei. In Oderfnrt sind 50 Häuser überschwemmt. Wien, 7. Sept. Im Bezirk Prerau sind infolge Hochwassers vier Personen ertrunken, 32 Häuser sind eingeftürät und viele andere dem Einsturz nahe. Das Wasser fällt. — Aus Troppau wird gemeldet, daß in ganz Oesterreichisch-Schlesien große Ueberschwemmungen vorgekommen sind. Das Wasser das v iel e Brücken weg gerissen hat, gebt feit gestern zurück. Tokio, 6. Sept. Die Städte Osaka und Kobe sind von Ueberschwemmungsgefahr bedroht. für einen Rundwettflng Aurch Frankreich: PariK^ Bordeaux—Toulouse—Lyon—Paris einen Preis von einer Viertel- Million zu stifte«. Der Rundwettflug soll ein internationales fein und alljährlich stattfinden. Weymanns Pastagierflug. Paris, 7. Sept. Ter Flieger Weymann, der mittags! 11,45 Uhr von dpm Flugplatz Bue mit einem Passagier aufge* stiegen war, um zur Bewerbung um den Michelinpreis nach Clermont-Ferrand. zu fliegen, ist um 5,45 Uhr nachmittags in Chaiitenay - S*t. 3 mb er t (Tep. Niövrc) gelandet. C l e r m o n t - t$faaL Offenbach, 6. Sept. Der Redakteur der Leipziger Volkszeitung, B a h r d t, wurde wegen Beleidigung des Amtsrichters Seibert tn Offenbach zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt. Bahrdt hatte einen Artikel der Frankfurter Volksstimme abgedruckt, in dem die Maßnahmen des Amtsrichters in der Konkurssache des Offenbacher Konsumvereins einer scharfen Kritik unterzogen wurden. Auch die Frankfurter Volksstimme wurde wegen dieses Artikels s. Zt. zu der gleichen Geldstrafe verurteilt. Jefferson City (Missouri), 7. Sept. Ter Spezial- Kommissar im Verfahren gegen die International Harvester Company of America Erstattete Bericht, in welchem die Beklagte für schuldig befunden wird, die Antitrustgesetze von Missouri verletzt zu haben. Der Spezialkommissar empsiehlt, der Gesellschaft die Konzession Ku entziehen. Es ist nicht zu bestreiten, daß der Wunberdaktar „Universal"- Tinktur, -Tee und -Pulver eine gewisse erleichternde Wirkung bei einzelnen Gesundheitsstörungen, bei denen diese Medikamente auch ärztlich verordnet und auch als Hausmittel von altershep geschätzt werden, erzielen. Das haben auch die Sachverständigen zugegeben. Auch einzelne Erfolge durch Anwendung der Baun- scheldt-Methode sind durchaus erklärlich. Diese Behandlung hat stets eine starke Reaktion des Gesamt-Organismus zur Folge die bei manchem eine Heilung verursacht, besonders in Fällen, wo vielleicht b'tc einfachen Mixturen nicht ausgereicht hätten — und le nach _bcr Individualität des Patienten. Aber auch hier ist zu beanstanden, daß Dikomeit ohne Ansehen der Person und der Krankheit ganz willkürlich den Apparat anwandte — er mußte eben nach seiner Theorie helfen. Daß es aber eine große Anznhl Harmloser gegeben hat und nod) gibt, die sich von solchen bekannten Mixturen eine Heilung von Krebs, Gehimvereiterung, Blinddarm-Entzündung usw. versprachen und sich auch eingebildet haben, diese Krankheiten zu besitzen, mutz doch Wunder nehmen. Gewiß, die Suggestion zeitigt gewisse Erfolge. Wenn auch — so setzt die Leichtgläubigkeit der Leute in Erstaunen, zumal es den vielen Patienten, die sich über ihre .Krankheiten im Wirts- haus M Hartenrod unterhielten, nicht ausfiel, daß sie alle dieselben Medikamente bekamen, obwohl sie nach Dikomeit an den verschiedensten Krankheiten, Gebrechen gelitten haben sollten. Doch tast feiner kam auf dw Idee, sich die einfachen Medikamente, z. B. die in der Mehrzahl der Falle verordnete ttnet. baldriana, für em paar Nickel ans einer beliebigen Drogerie zu holen Und doch gibt es für das alles eine Erklärung. Einmal hatten die Leute zu Dikomeit Vertrauen. Das war die Hauptsache — eine sordernde Lluto-^uggestion. Der Arzt kann sich nur auf ferne Untersuchung an Hand der ihm gemachten Angaben stützen die in vielen Fallen keine ernste Gesundheitsstörungen ergab.' Der Wunderdoktor fragte wenig oder gar nicht — er erkannte eben etwas, er kannte seine Leute; sie wollten eben krank Win, selbst wenn sie es nicht waren, d. h. vielleicht nicht in dem Matze, wie sie sich einbildeten: erst von Dikomeit erShren wai ihnen fehlte. Viele erfuhren es auch nicht. Sie nehmen in unerschütterlichem Glauben ihre Arznei — und sind gesirnd Bei solchen Leuten handelt es sich meist nm kleinere Magenverstimmungen, wo ein beruhigendes und blutreinigendes Mittel seine Treuste tut. 1 , Der Arzt, der bei einem ihn aufsüchenden Patienten und nach eingehender Untersuchung mit Rücksicht auf die ihm an> gegebenen Beschwerden etwas „Unbedeutendes" feststellt und demgemäß einen Rat gibt, macht keinen Eindruck. Aber der W n n d e r- doktor, der den Leuten Krebs in der höchsten Potenz, Dünn- darmverfchleimung, Gehirnvereiterung, Lnngenerweitemng, Blinddarmentzündung, Magen-Rheumatismus und was nicht noch alles nicht zu vergessen „ohne Operation heilbaren Star" usw. usw., mit einem Blick aus den Kopf zusagt — er mußte ja imponieren. .. Also, an solchen^schweren .Krankheiten litt man — und man tst geheilt worden. So etwas macht Schule. Das war der Trick so einfach und doch nicht erkannt. Bisher wußte man gar nicht, daß unsere so gesunde Landbevölkerung an so schweren Krankheiten litt, daß Geknrnvereiterung und Krebs so weitverbreitete Krankheiten waren. Den Leuten eine Krankheit einreben, sie daran glauben machen ihnen Heilung versprechen: in hoc figno Vinces!! Unbemittelte wurden umsonst behandelt und „kuriert" — und „Dikomeit war ein ehrenwerter Mann" — da mußte man Herzensgüte ober Reklame?! Einerlei, der Effekt ist da' .Bei der Urteilsverkündung ist auch die vielversprechendei ttnkünbigung in den Flugblättern des Heilkünstlers und in Jn- leraten m Betracht gezogen worben. Dadurch soll er die Leute angezogen haben. Mag sein. Tn„ Angaben der Mehrzahl der Zeugen ging doch zweifel- rriAM?!01, b*15 oft wieberholte Wort „Ei, die Leut' habbcn's erzählt bem ©unberboftor bic Patienten brachte. /^^outhropen Ditomett" mag man nicht so recht glaub n. Er hat so manche .Krankheit zu offenkundig „er f ann t". oü JUte mag ihm gehalten werben, baß er feine Fähig- ' . ^Deutsch u ni.p r u s s i s ch er H a n b e l s v e r k e h r. Im deutsch-russischen Handelsverkehr sind im letzten Jahre, wie berichtet wirb, Summen umgesetzt worben, wie sie Teittschlanb inr ! Verkehr mit feinem mttberen Lande erreicht bat. In der Ein- 1 und Ausfuhr zusammeil ergab sich im Außenhandel Deutschlands ’ einschließlich Finnlands für 1909 ein Betrag von < Io9w,b0 Millionen Mlark, während der Warenhandel mit den Bereinigten Staaten tio-Ti Amerika sich auf 1866,86 Millionen Mark i ftellte. An dritter Stelle folgte dann Großbritannien mit einem Unsiatz von 1735,74 Msillionen Mark. Die Bewegung der Ein- und Ausfuhrmengen läß^t darauf schließen, daß im lausenden Jahre bic Umsätze im deutsch-russischen Warenverkehr noch eine weitere Steigerung ,aufweisen. Denn in den ersten sieben Monaten diesesi Wahres hat sowohl unsi:re Ausfuhr nach Rußland, als auch die ; Einfuhr von dort äußerlt kräftig zugenommen: nur in wenigen Warengruppen wurden die Vorjahrsmengen nicht überholt. Märkte. >< Nidda, 7. Sept.. Als erstmalige gemeinsame Veranstal-« - tung ber Landwirt sch af t slkammer mit der Stadt fand hier gestern ein Fasel- und P r»ümii e ru n g sma r kt statt. Bei der Prämiierung ber ziemlich zahlreich vertretenen Tiere, crfyidtai die Tiere den Vorzug, die den Zuchtzielen ber Kammer entsprachen und als reingezüchtet gekennzeichnet waren. Auf dem Markte sanden unentgeltliche Körüngen von Zuchttieren für das Herdbuch L.att. Der Markt bot eine güntfifae An- und Verkaufsgelegenheik für die Landwrrte. An Preisen wurden nahezu 400 Mark aus- gegeben. Limburg a. d. Lah«, 7. Sept. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen lnassauischer) 17,10 Mk, weißer Weizen (angebaute Fremdsorte) 16,65 Vkk., Korn 10 65 Mk' Gerste: Futtergerste 0,00 Mk., Brauaerste 00,00 Mk.. Hafer' alter, 7,50 Mk., neuer 7,00 Mk., Erbsen 0,00 NU., Kartoffeln 5,GO—6,00 9)1 fe ' Die Frankfurter Obstmärktc. In der letzten Vorstandssitzung der Zentralstelle legte man die Daten für die im September abzuhaltendew Märkte fest; man einigle sich auf die beiden letzten Donnerstage, 22. und 29. Die Bekanntgabe der Markttage für Oktober und November wird kürzlich tolgeu. Dieser Tage sind die Marktordnungen und die „Anleitungen zum Beschicken' der Obst- märkte- erschienen, die alles Wissenswerte enthalten und eingehend besprechen. Dtan hat eine Geschäftsstelle (ülbreffe: Zentralstelle für Obstverwertung, Frankfurt a. M., Battonnslraße 4-8) errichtet die jederzeit mit Auskünften und Vorschlägen unentgeltlich zur Verfügung steht. Weiter erscheinen im Anfang Oktober jeden Mittwoch die „Atitteilungen der Zentrnlstelle für Obstverwertung". Sie enthalten die Preisangaben unter besonderer Berücksichtigung der frankfurter wie der allgemeinen Marktlage, ferner Angebot und Nachfrage, sowie die Transporlsätze von den Hanptproduktio s- gebieten nach Frankfurt a. M. Die Amtsblätter der Landwirtschaftskammern für die Regierungsbezirke Wiesbaden und Kassel und das Grotzherzogtum Hessen veröffentlichen ebenfalls, und zwar alle oainStage, die Preisnotierungen, so daß diese zweimal tn der Woche bekannt gegeben werden, einmal mitten in der Woche, vor dem Hauptmarkttage, und ferner einmal am letzten Wochentage Interessenten können jetzt schon bei obengenannter Geschäftsstelle ihre Adresse anmelben. Lustschiffahrl. Verschiebung der schweizerischen internationalen Flugwoche. Zürich,, 7 Sept. Der Aufsichtsrat der schweizerischen Flugvlatzgesellschaft beschloß die Verschiebung der Internationalen Flug w oche auf einen späteren, noch lu be- da. wegen der ungünstigen Witterung ber \ ^uebenborf auf Anfang Oktober nicht her? gerichtet werben kann. Französische Luftschiffmanöver' ~ 7- Sept der Nähe des Dorfes Briot im .^urbe anläßlich ber großen Manöver ein Lnst- ^r. ilpei . Schuppen für Lenkballons, drei *mn sirr Flugmaschinen, eine Fabrik zur Wasserstofferzeiignng und mehrere Cssenz- unv Oelmagazine umfaßt: dieser Luftschiff- untersteht dem Letter der Manöver, General M i ch e l ^nk^CIr wDir^ nod) f und in einem noch zu bestim- menbm Orte je ein Luftschiffpark errichtet werden, deren einer na^anlm Picard, der mrdere dem Äorpsköm^ Mandanten Neunter zur Verfügung stehen wird. Internationaler Nundwettflng durch Frankreich. , d a {: ,7- Der Stabtverorbnete Quentin Bau- sEundtgt an, daß er im Pariser Gemeinberat unb tm ^eneraIrat bes. Serlie-Departeweisis Pen Antrag Men würbe. Drucksachen aller Ar t dieBrühl’scheUniv.-Druckerei. Höchste Temperatur am Niedrigste , e g. Niederschlag: = 0,0 mm. Sept. 1910 i auf 0° reduziert c 8 E <5 bei Luft » Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 1 Wind- nchtung i 7 2>» 748,7 16,0 11,0 81 W 7. 9“ 749,0 13,2 10,5 94 w 8. 749,7 12,U 9.3 90 ,N