General-Anzeiger für Oberhessen Tie „Sterner LamtNendlätter" werden dem ,Anzerger^ viermal wöchentlich beigclegt, daS „Kretsblati für den Kreis Sietzen" zweimal wöchewttch. Die „Landwtrtschastllcheo Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Samstag 7. Mai 1910 Rotationsdruck und Verlag der Dr 2Hachen UnwersuätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Liehen. fall links.) Abg. v. JazdzewSki (Pole): Es müssen Sfautclen geschaffen werden, daß unter Aufrechterhaltung der Ordnung des Laufes Die Würde des Laufes und der einzelnen Abgeordneten nicht leidet. Wir find Vertreter des ganzen Volkes: einen Abgeordneten mit Polizeischergen aus dem Lause hinauszuschleppen, würde dem Ansehen des Laufes außerordentlich schaden. (Sehr richtig! links.) Damit endet die Aussprache. Auf Antrag des Abg. von Lctidcbrand (Zions.) und ebenso des Abg. Jazdzewski (Pole) ist die Gesamlabstimmung namentlich. In der Einzelabstimmung werden die Absätze des Antrages des >Geschästsordnungsaus>chus>es mit der Abänderung des Antrages Roeren angenommen. Danach kann im Falle besonders grober, die Würde des Laufes schädigender Verletzung der Ordnung, der Präsident einen Abgeordneten für den Rest eines Tages von der Sitzung ausschließen. Er kann insbesondere hierzu die Sitzung auf bestimmte Zeit aussctzen, den Sitzungssaal und die Tribünen räumen, den ausgeschlossenen Abgeordneten aus diesen Räumen entfernen lassen, sowie seinen Wiedereintritt verhindern, lieber den Einspruch des Abgeordneten entscheidet das Laus ohne Besprechung frühe,lens in der nächsten Sitzung. Eine Abstimnrung, bei der die Stimme des abwe,enden Abgeordneten hätte den Ausschlag geben können, wird wiederholt. Gegen die einzelnen Absätze der Ausschußfassung wie auch gegen den Antrag Roeren stimmten die große Mehrheit der Nationalliberalen, die Volkspartei, die Polen und die Sozialdemokraten. Die namentliche Abstimmung ergab die Annahme der Ausjchutzbe,chlu„e mit den durch den Antrag Roeren bedingten Abschwächungen mit 218 gegen 74 Stimmen. Mehrheit und Minderheit setzten sich eben so zu,ammen wie bei der Einzelabstimmung. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:«-^ 112. Tel.-Adr.: Anzeig erLiehen. Der albanische Ausstand. Konstantinopel, 6. Mai. Der Kriegsmi. nister ist heute abend nach Saloniki und Kossowo abgereist, um, wie in Kreisen der Regierung erklärt wird. Der Uaiser in Wiesbaden. Wiesbaden, 6. Mai. Heute nachmittag wurde au Allerhöchsten Befehl im großen Saale des Kurhauses ein Galalonzert veranstaltet. Es gelangte die preisgekrönte Cantate „Weihe der Künste" von Elsen Heimer zur Aufführung nach dem Gedicht von Dr. Brühl. Der gemischte Chor war vom Cecilienverein und dem Wiesbadener Mannergesangverein zusammengesetzt. Als Orchester wirkte das städtische Kurorchester mit. Die Leitung hatte Herr Afferni. Ms Solisten waren erste Kräfte hinzugezogen, nämlich die Damen Hensel-Schweitzer, Frankfurt a M. und Ottilie Metzger-Hamburg, Paul Schwedes-Wien, Adolf Müller-Frankfurt a. M. und Hans Vaterhaus-Frankfurt a. M. Ter Kaiser, welcher sein.Erscheinen in Aussicht ge- steNt hatte, sagte ab. .Er verblieb Heute nachmittag un Königlichen Schlosse. Der Kaiser hat auch der heutigen ^estvorstellung un hiesigen Königlichen Theater nicht beigewohnt. Wie es heißt, gaben den Anlaß dazu die im Saufe des Tages eingegangenen ernsten Nachrichten über das Befinden des Königs von England. Die Verschärfung öer Geschästtordnung im preußischen Abgeordnetenhaus. Im preußischen Abgeordnelenhause stand am gestrigen Freitag die geplante Verschärfung der Geschäftsordnung auf der Tagesordnung. Es handelte sich ursprünglich um den Antrag Ahrens (Llem-Flöthe, Kons., und Gen. auf Aenderung der Geschäftsordnung in bezug auf die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Einschränkung von langen Reden. Der Geschäftsordnungsausschuß hat den Antrag dahin adge- ändert, daß im Falle besonders grober, die Würde des Hau,es schädigender Verletzung der Ordnung der Präsident das Recht erhält, den Abgeordneten für den Re st d es Tage s von der Sitzung auszuschließen. Auch kann auf Vorschlag des Pra,r- denten das Laus ohne Besprechung den Abgeordneten aus dem Sitzungssaale und von den Tribünen ausweil en, und zwar brs zur Dauer von sechs, imWiederholun g s 1 alle wahrend derselben Session bis zur T a u e r v o n z w ö l s S i tz u n g s - tagen Dem Präsidenten wird weiter das Recht gegeben, den ausgeschlossenen Abgeordneten aus dem Sitzungssaal und von den Tribünen entfernen zu lassen sowie seinen Wtederemtrttt zu verhmderm bct Tauer der Ausschließung eine Abstimmung, bei der die Stimme des abwesenden Abgeordneten den Ausichlag hätte geben können, so wird die Abstimmung m der ersten Sitzung nach Ablauf der Ausschließung wiederholt. Der Antrag Ahrens auf .Aufschränkung der Reden wurde ab- 0ClC*&. Dr. Zimmer (Zentr.) erstattete den Ausschußbericht. Abg. Borgmann (Soz.): Die sozialdemokrattichen Mitglieder sind sich bewußt, daß sie trotz aller Provokationen Niemals Veranlassung zu einem derartigen Vorgehen gegeben haben (Lebhafter Widerspruch rechts und int Zentrum, ^ehr richtig! bei den Soz.) Daß die Antragsteller in Wahrheit vielmehr nur den Zweck verfolgen, die wenigen wirklichen Volksvertreter im Abgeord- nclenhause Lautes Lachen rechts) niederknüppeln zu können. Abg. d. Ditfurth (Kons.): Namens meiner politischen Freunde habe ich zu erftären, daß wir dem ersten Teil der Kommissionsbeschlüsse vollständig zustimmen, und daß wir auch nach wie vor eine Einschränkung der Rededauer — nicht der Redefreiheit! — für dringend wünschenswert halten und diesen Antrag eventuell aufrecht erhalten werden. Es handelt sich in keiner Weise um Maulkörbe, noch um ein Ausnahmegesetz, sondern um ein Gesetz, das für uns alle ohne jede Ausnahme gilt. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Von „Ausnahmegesetz" kann nur in dem Sinne gesprochen werden, als wir hoffen, daß seine Anwendung nur ausnahmsweise nötig sein wird. (Sehr gut! rechts.) Die Aenderung richtet sich auch nicht gegen eine politische Partei, ,andern nur gegen die Partei der Ruhestörer, der Verächter von Sitte und Anstand. Daß die Ordnungsrufe nicht bei allen Abgeordneten ihren Zweck erfüllen, haben wir ja leider zur Genüge erlebt, hat doch vor kurzem int Reichstag ein Abgeordneter gesagt: ich pfeife darauf. Tie 32 Sozialdemokraten int Reichstage haben an einem Tage 29 Ordnungsrufe erhalten. (Hört, hört!) Darm teilen sich diese Herren ziemlich brüderlich; sie haben leben Rekord feit Jahren geschlagen. Wir müssen Vorbeugungsmatzregeln schaffen, die eine abschreckende Wirkung haben. Wir lassen uns dieses widerwärtige Auftreten nicht länger gefallen. Die Verhöhnung und Beschimpfung dieses Laufes als eines „Irrenhauses" als einer „Schacher- und Trödelbude", muß endlich ein Ende nehmen. Inzwischen ist ein Antrag Roeren (Zentrum) etngegangem wonach die Bestimmungen gestrichen werden sollen, durch die eine Ausweisung eines Abgeordneten bis zu 12 Sitziingstagen aus dem Lause und von den Tribünen verfügt werden kann. Die Ausschließung darf nur für den Rest der Sitzung erfolgen. Abg. Roeren (Zentr.): Man hat von einem Attentat au den Parlamentarismus gesprochen, von einer Knebelung der freien Meinungsäußerung, ja, man hat gesagt, dieser Beschluß stehe im Widerspruch mit den Geschäftsordnungen anderer Parlamente. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Wir haben solche Bestimmungen in fast allen Parlamenten. Nach alledem wird meine Fraktion für die Durchführung der Beschlüsse stimmen mit der Einschränkung durch meine Anträge. Man sollte es dabei bewenden lassen, daß der Störenfried durch den Präsidenten ausgewiesen und daß er bei der Weigerung entfernt werden kann. Eine Ausschließung für längere Dauer halten wir nicht für notwendig. AUL den Hcid)stagsausfdiüffen. :: Berlin, 6. Mai. Der Budgetausschuß des Reichstags verhandelte heute über zwei zurückverwtesene Eingaben von Postbeamten. Der Verband von Zivilanwärtern des Deutschen Reiches bittet um Gewährung einer pensionsfähigen Zulage an die durch die Personalreform vom Zähre 1900 geschädigten älteren Oberpost- und Obertelegraphenassistenten und deren Gleichstellung mit denjenigen preußischen Beamten, denen sie früher in ihren Gehaltsbezügen gleichgestanden haben. Es soll ein schriftlicher Bericht zur ergiebigen Jnformatwn des Reichstages verfaßt werden. Der Verband mittlerer Reichspost- und Telegraphenbeamten bittet um Wiederbewertung der Stellung der Oberpost- und Obertelegraphenassiftenten als Beförderungsstellung. Der Vertreter des Reichsschatz- amtes erklärt: Daß zwei Beamtenklassen zusammengelegt werden, geschehe sehr häufig. Daraus irgendwelche rechtlichen Folgerungen zu ziehen, sei unberechtigt. Statt daß die obere Klasse degradiert sei, könne man sagen, die untere sei gehoben; also liege kein Anlaß zur Beschwerde vor. In anderen Verwaltungen seien viele Beamte, die ein Examen gemacht hätten und doch nicht in die Beförderungsstelle kämen. Hier sei das Examen nicht einmal gemacht. Man wolle nur etwas Besonderes herausschlaaen. Man müsse über die Bittschriften zur Tagesordnung übergehen. Hierzu wird ausgeführt, das Plenum werde sich jetzt nicht mehr mtt der Sache befassen können. Es lägen mehrere entgegengesetzte Gutachten vor, die man so schnell nicht beurteilen könne. Man müsse daher die Beschlußfassung bis zum Herbst aussetzen. Die Absicht der beteiligten Beamten war, eine Aeußerung der Regierung zu erhallen. Diese sei jetzt erfolgt. Es wird beschlossen, die Erllärung der Regierung als Beilage zum Protokoll zu geben. Dann könnte sie der Oessentlichkell mllgeteilt werden. Im Wahlprüfungsausschuß stellte der Wortführer der Fortschrittlichen Volkspartei den Antrag, sämtliche, noch im Ausschuß zur Prüfung befindlichen Wahlen en bloc ohne wettere Prüfung für gültig zu erllären. Der Antrag wurde abgelehnt, zugleich aber beschlossen, in weitere Verhandlungen vorläufig nicht einzutreten, sondern bis nach der Vertagung des Reichstages zu warten und dann von neuem zu beraten, was in Zukunft zu geschehen habe. nur herabicben. QÖciiaU luitsj --- _ hängnisvolles Pröindiz; wenn wir der Regierung die Tür zum Parlamente öffnen, so wird das schwere Folgen nach sich ziehen. 3ebenfalls muß das Volk dadurch erbittert werden. Denn dadurch, daß die Polizei die Schwelle dieses Laufes übertritt, wird die Würde des Laufes nicht gewahrt, fonbern aufs tiefste verletzt. (Lebhafte Zustimmung links.) Unb entspricht es vielleicht der Würbe der Abgeordneten, wenn an Stelle des Präsidenten ein Diener die Polizei telephonisch Herbeiruff? Das ist eine L er ad- würdigung des Ansehens des Hauses unb des Präsidenten selbst. Wenn einmal die Meinungen scharf aneinanbergeraten unb der gute Ton verletzt wird, so liegt das an der Unvollkommenheit der menschlichen 'Matur. Kehren wir von der Voreingenommenheit und Meruofität zur ruhigen Anschauung zurück. (Lebhafter Sei- Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 6. Mal. Anwesend sind: Dberbiirgevmcifler Mecum, die Beigeordneten Heller, Heyligenslaedt; die otaoioeroibneten: Bruck, Dr. Ebel, tttchenauer, (xmineliue, Faber, Grünewald, Dr. Gulstcifch, .'pabcmdjt, Dr. Haberkorn, Haubach, Helm, Huhu, Zaun, Jughardl, Krumm, Vöber, Orbig, Petri, Plank, Schafsstaedt, Simon, Troß, Wallenfels, Dr. Wimmenauer und Wtnu. Mitteilungen. Der Vorsitzende teilt mit, daß der von der oberhessischcn Werkstätte liach der Klingelbach führende Graben gegenwärtig sehr oft durch Abwässer stark verunreinigt sei und diesem Mißstand balbigft abgehoben werde. Im Anschluß an zwei der Versammlung zugegangenen gaben der Firma Ioh. Ba11h. No11 und des Lommerzreirrats Schafsstaedt berichtet der Vorsitzende über die wegen des Ver» faui5 von städtisck^m Gelände hinter der Ost-Anlage gepflogenen Verhandlungen. Die Firma Noll wollte das hinter ihrem Grundstück in der Wiesenstratze gelegenen Gelände von 40 Meter Breite unb 27 Meter Tiefe erwerben und die Verhandlungen führten auch soweit, bis auf die noch ausstehende Zustimmung der Ver - ämmlung, am 18. Januar zu einer Einigung. Herr Schafsstaedt, der seit 1908 mit der Stadt in Verhaitdlungen wegen Ankauf des hinter seinem Garten in der Ost-Anlage liegenden Geländes steht — die Verhandlungen zogen sich wegen des an den Staat ab' zutretenden Bauplatzes für das Amtsgerickstsgebäude hin — er klärte aber, daß er diese 4000 Quadratmeter zu 6 Mark für den Quadratmeter kaufen werde, wenn das angrenzende Grund- stück, das die Firma Noll erwerben wollte, unbebaut bleibe. Gegebenenfalls fei er, dezw. Prof. Leutert bereit, dieses mitzuerwerben. Die Stadtverordnetenversammlung beschloß daraus, an den Verkauf des Geländes die Bedingung zu fnüpfen, daß es unbebaut bleibe. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde diese Bedingung wie folgt gefaßt: Auf dem Grundstück dürfen nicht errichtet werden: Fabrikbauten, Niederlagen unb Aittagen, die gewerblichen Zwecken dienen oder zu dienen bestimmt find. Bauten unb Anlagen, die der Heilung oder Pflege von Krauten, Irren oder den Zwecken der Eiitbindung dienen sollen, Bauten, Niederlagen unb Anlagen, die durch die örlliche Lage oder ihre Beschaffenheit für die Besitzer der Nachbargrundstücke oder Tür das Publikum überhaupt Nachteile, Gefahren oder Belästigungen herbeiführen können. Diese Bedingungen mürben gestellt, um für jene Gegend, besonders auch für die hinter der Ost-Anlage geplante «Ltraße nur villenartige Bauten zuzulassen. Die Firma Noll, die dort eine Zigarrenfabrik zu errichten beabsichtigt, erklärt, auf diese Beschränbtngen nicht eingeben zu können unb richtet an die Versammlung das Ersuchen, ihr das bei ihrem Grundstück liegende Gelände zu den früher vereinbarten Bedingungen abzu treten, und erklärt, daß sie bereit fei, nur jroei Drittel bei Grundfläche mit '^stückigen Gebäuden zu bebauen, die weder der Heilung unb Pflege von Kranken oder Irren oder den Zwecken der Entbindung bienen sollen, also nur mit Gebäuden, die ihren geschäftlichen Zwecken zu dienen bestimmt sein können. Der Aus schuß beantragt, das von Herrn Schafsstaedt gewünschte Gelände mit der oben gewünschten Beschränkung zu verkaufen, da es sehr fraglich sein werde, das Gelände später nach Anlage der neu.'n Sttaße noch zu einem entsprechenden Preis verkaufen zu lönnen. Wenn die Firma Noll das von ihr gewünschte Gelände nicht mit den Beschränkungen verkaufen motte, habe man immer noch zwei Käufer dafür. Die Firma Nott motte rund 1170, Herr Schafsstaedt rund 4170 Quadratmeter kaufen. Also schon vom rein finanziellen Standpunkt aus empfehle sich dieser Vorschlag für die.Stadt am meisten. Stadtv. Lober hält es für zweifelhaft, ob die Versammlung die Beschränkungen in der Tat beschlossen habe. Jedenfalls sei Herr f)ioll der Ansicht gewesen, daß das Gelände an ihn verkauft fei. Die neue Sttaße, in der das Arresthaus, eine Schreinern usw. zu stehen kommen, sei nicht als VUlenviertel zu bezeichnen, und man solle froh sein, wenn dem Stadtviertel durch die Anlage von Fabttken ufro. wirtschaftlich geholfen werde. Stadtv. Wallenfels meint, durch den Bau ihres Stall gebäudes sei die Firma Nott der Ansicht gewesen, dort auch ihre Fabttk hinverlegen zu können unb er sei überzeugt, daß sie die Fabttk schön bauen werde. Man solle alles tun, daß Gießen nicht noch mehr in die Länge gebaut werde. Wenn man dort nur SBillenbauten zulasse, könne es noch 50 Jahre dauern, bis dort roirfiid) gebaut werde. Stadtv. Winn hält es nicht für gut, toeitn die Stadt überall mit Fabrikbauten überschwemmt wird. Die neue Sttaße sei für offene Bauweise vorgesehen. Wenn man früher ein Stattgebäude dort habe errichten lassen, solle man den gemachten Fehler jetzt nicht vergrößern. Man solle an Noll verkaufen, aber mit der vorgeschlagenen Beschränkung. Stadtv. Grünewald ist der Ansicht, man solle so loyal, sein, den mit Noll abgesprochenen Verkauf nicht aus formellen Gründen als nicht erfolgt zu betrachten. Es sei nicht, Sache der Stabt, bei Verkäufern irgendwelche baupolizeiliche Bestimmungen zu fordern unb man habe hier genügenb Villengelänbe. Der Industrie solle man entgegenommen. Da man dis jetzt keine Bei bindlichkeitcn nach der einen ober anderen Seite habe, solle, man das Gelände versteigern und er sei überzeugt, daß dann daraus viel mehr gelost werde als durch den jetzt beabsichtigten, Verkauf. Stadtv. Haubach hält es im Gegensatz zu dem Vorredner für richtig, daß man derartige Beschränkungen auferlege, das geschehe überall. Der Beschluß, daß man jene Gegend non Fabttken freihalten wolle, sei auf eine Anregung von ihm zurückzuführen. Ihn habe die Rücksicht auf die geplante neue Sttaße dazu veranlaßt, für die offene Bauweise — ein Abstand von 12 Metern zwischen den Häusern — und eine bestimmte Gebäude- höbe vorgeschttebcn sei, sowie die Erwägung, daß man den sckwnen Blick nicht zerstören dürfe, den man vom Trieb aus auf diesen Teil der Stadt habe. Wenn man an Noll jetzt ohne Beschränkung verkaufe, verliere unzweifelhaft das übrige Gelände an Wett., llebttgens habe Herrn Noll seither sein Besitz für den Fabrikbau' genügt, anscheinend habe er jetzt andere Dispositionen getroffen ’ Stadtv. Petri ist durch die Darlegungen des Herrn Noll nicht davon überzeugt worden, daß schon verkauft sei. Man habe' aber leider versäumt. Herrn Noll bei seinem früheren Btmaesuch (söie Khanen damit ein ver-1 das dritte rirmeewrps zu rn,vtzteren. Wie ferner vertäutet. • *--- *-■— — 'oll der Krieasminister die Lage rn Albanien unb bte cr- orderlichen Resormmaßnahmen studieren. Saloniki, 6. Mai. Die Rebelten aus dem Lu möge bi et ziehen gegen Prizrend vor, wo Verstärkung der Garnison verlangt wurde. Aus Smyrna sind vier Rebif- bataillone hier eingetroffen, die nach Uesküb weitergehen. Tie Nachricht, daß in Binca auch Frauen und Kinder katholischer Albanesen von den Truppen getötet wurden, wird von den Behörden entschieden dementiert. Saloniki, 6. Mai. Nach einer amtlichen Meldung übt die Verengung des Belagerungszustandes über die Qrtschajten des Aufstandsgebieres eine beruhigende Wirkung in Ober-Albanien aus. Die Vorhut der gegen Pre- chowo bei Gilhan vorrückenden Truppen stieß bei Budakoiva auf die Rebellen, mit denen es zu einem heftigen Ge- echt kam. Nähere Einzelheiten stehen noch auS. (Beifall im Zentrum.) . Aba. Boisl h (Natl.): Die Vorgänge, die zur Einbringung des vorliegenden Antrages geführt haben, beflagen auch wir aufs äußerste. Auch werden Sie mit solchen Bestimmungen Ausschreitungen nicht verhindern. Im (Gegenteil, wir fürchten, daß gerade durch die neuen Bestimmungen Zwischenfälle ernsterer Art hervorgerufen werden. Sind denn schärfere Maßregeln überhaupt notwendig? Bisher sind wir mit der Geschäftsordnung gut ausgekommen, auch in recht aufgeregten Letten. Ich erinnere an die Konfliktszeit, den Kulturkampf unb ähnliche Epochen. Immer waren die Präsidenten in der Sage, die Ordnung des Hauses zu wahren. Die Beschimpfungen durch einzelne Abgeordnete ,allen dock) nicht auf das Haus, sondern auf das Laupt derjenigen, die sic Vorbringen. Wir Mitglieder des Hauses sind auch nicht hier aus Grund der Geschäftsordnung, sondern auf Grund der Verfassung, unb wir können niemals dem Hause das Recht zu- gestehen, Mitglieder auch nur vorübergehend auszuschließen. Die Rechte hat auf das Ausland hingewiesen. Sonst pflegt sie aber Hinweise auf das Ausland mit großer Entrüstung zurückzuweisen. Die Polizeigewalt kann nur ausgeübt werden infolge königlicher Uebertragung, infolge Ernennung ober infolge Gesetz, eine andere Polizeigewalt gibt es nicht. (Sehr richtig! links.) Ich fürchte, die sozialdemokratischen Abgeordneten werden bei der ersten Gelegenheit einen Beschluß des Hauses provozieren, daß sie ausgewiesen werden. Sie werden ihm nicht Folge leisten, sie werden hier bleiben. (Zustimmung bei den Soz.) Wenn dann die Polizei gerufen unb wenn Widerstand geleistet wird, bann werden sie Anzeige erstatten bei der Staatsanwaltschaft. Tas Kämmergericht wirb entscheiden müssen. Was ist das bann für ein Triumph für bic Sozialdemokraten? (Lebh. Zustimmung links.) Abg. Viereck (Freikons.): Wenn wir wünschen, daß das Mgeorbnetenhaus auf der Höhe seiner Bestimmung bleibt, so müiieü wir auch die Mittel schaffen, die auf die Dauer die Auf- rechterhallung der Würde und Ordnung des Hauses verbürgen. Ter Ordnungsruf ist ja an sich wohl ausreichend für gewöhnliche kleinere Entgleisungen. Aber mancher Abgeordnete empfindet ihn nicht als Makel, sondern geradezu als Ornament seiner Reden. (Sehr richtig! rechts.) ES ist die moralische Pflicht des Hauses, Ausschreitungen seiner Mttglieder gegen Außenstehende m gebührenden Schranken zu halten. Es ist aber crnstllch zu prusen, ob wir nach der Verfassung eine zeitliche Ausschließung der Abgeordneten für zulässig erachten können. Deswegen wollen wir uns heute mit der Ausschließung für den Tag der Sitzung begnügen, behalten uns aber die Ausdehnung auf wettere 2.agc für eine spätere Ergänzung der Geschäftsordnung vor, falls bie jetzigen Maßregeln nicht ausrttchen sollten. 23ir stimmen allo dem Anträge Roeren zu. Abg. Träger (Vp.): Wir lehnen den Anttag ab, wett er eine verfassungswidrige Beschränkung der Rechte der Abgeordneten bringt Das Haus hat gar nicht bas Recht, irgenb einen '2£b- georbneten von ber Mitattiett auszuschließen. Der Antrag .oird Nicht die Würde des Parlaments erhöhen, er wird bas Laus Nr. 105 Zweites Blatt 160. Jahrgang Beschränkungen anfzncrlegen, weshalb es vielleicht besser fet, daß man durch den Berkaus an N. Einfluß auf die Bebauungsweise gewinne, da man vl;ne den Verkauf keinen Einfluß auf die Bebauung des Platzes besitze, den N. schon habe. ' Stadtv. W i n n spricht sich für die Auferlegung von Beschränkungen aus, zumal man sie auch anderwärts schon gemacht habe. Auch gegen die Versteigerung des fraglichen Geländes habe er nichts. . m r . Ter Vorsitzende erwartet von eurer Verstcrgerung nicht viel. Stadtv. 'Dr. H a b e r k o r n ist der Ansicht, daß der erste Verkauf an Noll groß genug sei, um den Bau der Fabrik zu ermöglichen, und schließt sich im übrigen den Llusführungen des Stadtv. Hau- bach an. , . Stadtv. Dr. Ebel meint, ob es nicht besser sei, wenn N. auf einem größeren Grundstück seine Fabrik baue als auf_ dem, das er schon besitze, da dann die Gebäude nicht so hoch würden. Vielleicht tönue man das Gelände abtauschen, um ihm anderwärts den Fabri^au zu ermöglichen. Man solle N. entgegenkommen, ohne die anderen Grundbesitzer allzusehr zu benachteiligen. Stadtv. Löber spricht die Hoffnung aus, daß an der neuen Straße reckst bald und viel gebaut werde, damit dem darniedev- liegenden Nordviertel geholfen werde. Ten schönen Blick vom Trieb auf die Stadt liebe er auch, aber man dürfe ihn nicht kn Kosten eines Einzelnen erhalten wollen. Stadtv. Troß ist der Ansicht, daß er als Nachbar, wenn er die Wahl zwischen einem Pferdestall und einer Zigarrenfabrik habe, letztere oorziehen werde. Man solle N. keine weitere Beschränkung auserlegen, als daß er die Fabrikgebäude im Wohnhausstil zu errichten habe. Ta verschiedene Käufer für das Gelände da seien, sei eine Versteigerung am zweckmäßigsten. Stadtv. Wallenfels hält den Preis von 6 Mark für den Quadratmeter für mäßig, zu diesem Preis könne man das Terrain jederzeit verkaufen. Stadtv. Krumm ist der Ansicht, daß man dem verkaufen solle, der die Einschränkungs-Bedingungen eingeht. Eine Stadt wie Gießen müßte besondere Villengegenden für Leute haben, die ruhig wohnen wollen und es sei gerade für Hausbesitzer gefährlich, nenn man derartige Beschränkungen nicht habe. Tenn weirn niemand davor sicher sei, eine Fabrik vor seiner Nase gebaut zu bekommen, werde niemand mehr ein solches Haus kaufen wollen. Wenn mau bei dem Verkauf keine Beschränkungen mache, werde das städtische Gelände an der neuen Straße entwerft. Man könne vielleicht nochmals mit Noll verhandeln: and) mit der Versteigerung sei er einverstanden, aber mit den Beschränkungsbedingungen. Stadtv. Grünewald hält es für natürlich, daß man für .gewisse Gegenden Beschränkungen in der Benutzungswcisc vor- fchreibc. Aber das müsse statutarisch und nicht erst auf Wunsch von Interessenten gemacht werden. Tie Versteigerung solle man mit und ohne Beschränkungen vornehmen und dann entscheiden, wem der Zuschlag zu erteilen sei: ev. solle man an Noll mit Beschränkungen bezüglich der Bauweise verkaufen. Stadtv. H a b e n i ch t meint, was Noll beabsichtige, beeinträchtige niemand. Man solle nochmals mit den Interessenten verhandeln oder das Grundstück versteigern. Nach kurzer, inerterer Aussprache stellt Stadtv. Grünewald den Antrag, die fraglichen Geländeteile ganz und geteilt, sowie mit und ohne die Beschränkungen öffentlich zu versteigern und der Versammlung die Genehmigung der Versteigerung vorzu- behalten. Falls dieser Antrag abgelehnt wird, beantragt er weiter, an Noll mit der Beschränkung zu verkaufen, daß er nicht höher als 15 Meter bauen darf, den nördlichen Teil von 10 Meter Tiefe unbebaut läßt uni) nach Norden zu keine Fenster anbringt. Tie Abstimmung ergab Annahme des Antrags Grünewald auf Versteigerung, doch soll vorher nochmals eine Einigung der Interessenten auf der Grundlage des zweiten Antrags Grünewald versucht werden. Baugesuche. Die Firma Ab er mann u. Kling will an ihrem Neubau in der Ludwigstraße Erker anbringen. Ter erforderliche Dispens wird befürwortet. Hermann Hofmann will an der Straße nach der Vetcrinär- llinik ein einstöckiges Wohnhaus errichten, dessen Giebel in Holz- fachwer! gebaut werden soll. Hierfür wird der Dispens befürwortet, dagegen nicht für die einstöckige Bauweise. Wilhelm Seipp III. baut an der Roonstraße ein Haus, an dem Erker angebracht werden sollen. Ter Dispens wird befürwortet. Befürwortung findet auch das Tispensgesuch von C. Buderus für Ecke der Ludwigstraße und des Leihgesterner Weges. Fr. Wilh. Schmidt (Hotel Viktoria) will in dem nach der Liebigstraße zu gelegenen Vorgarten eine Glasveranda anlegen, die Wirtschaftszwecken dienen soll. .Ter Bauausschuß beantragt Ablehnung, da das hübsche Bild, der Vorgärten in der Liebig- ftraße hierdurch zerstört werde. Stadtv. Eichenauer sprach sich für die Genehmigung des Gesuches aus, da die Ausübung des Wirtsckwftsbetricbes in einer Glasveranda immer noch ein schönerer .Anblick sei wie in einem offenen Vorgarten. Stadtv. Grünewald spricht sich für Versagung der Genehmigung aus, damit den vom Bahnhof kommenden Leuten an dieser Ecke nicht der Anblick eines Wirtschaftsbetriebs geboten iverdc. llebrigens werde Herr Schmidt durch die Versagung nicht benachteiligt, da er ja nach der Bahnhofstraße zu genügend Gartengelände für den Wirtschaftsbetrieb habe. Nach kurzen werteren Bemerkungen von Oberbürgermeister Mecum und Stadtv. Zughardt fand der Ausschußantrag Annahme. 'Der Firma Abermann u. Kling wird für ihre Neubauten Keplerftraße 9 ynb 11 die Anbringung von Baikonen befürwortet. Straßen» und Grundstücksaugelegenheiten. Gegen die Ortsbausatzung der Bebauung für die Lony- straße, die offene Bauweise vorsieht, hat Peter Krvnenberg Einspruch erhoben, da er Verzögerung eines Baugesuches befürchtet. Ter Einspruch wird zurückgewiesen. Bei dem Bebauungsplan für das sämtlich der Stadt gehörige Gelände zwischen Landmann st raße und Lärchenwäldchen hat das Ministerium einige Abänderungen der beschlossenen Ortsbausatzung gewünscht, die von der Versammlung teils gut- geheißen, teils für nicht zweckmäßig gesunden werden. Ter Platz an der Friedrichstraße zwilchen der Bahn und dem Wetzlarer Weg ist in den Besitz der Stadt übergegangen. Man beschließt, für das dort befindliche Wasserhäuschen eine Jahrespacht von 30 Mark zu erheben. Stadtv. Simon wünscht Verbesserung der jetzt sehr schlechten Zufahrt von der Ebelstraße zum Leihgesterner Weg. Stratzenbahnangelegeuheiten. Die Versammlung hat früher beschlossen, sämtliche Wagen der roten Linie bis zum Schützenhaus durchlaufen zu lassen. Um dies auszuführen, bedarf man zweier neuen Wagen, die für Betrieb, Amortisation usw. jälfrlich 8000 Mark erfordern. Da es ungeroiü und sehr fraglich ist, ob durch die Neueinrichtung eine entsprechende Mehrcinnahme erzielt wird, hat der Ausschuß mit Stimmengleichheit beschlossen, die Sache zunächst nochmals der . Versammlung vorzulegen. ES entsteht hierüber eine längere Besprechung, an der sich die Stadtv. Löber, Dr. Ebel, Wallenfels, Haubach, Schaffstaedt, Troß und Emmelius beteiligen, die sämtlich unter diesen Umständen für eine abwartende Stellung ein» traten. Es wird beschlossen, zunächst es bei dem jetzigen Zustand zu belassen und feine neuen Wagen anzuschafsen. Auf Anregung des Stadtv. Schaffstaedt sollen aber die nur bis zur Moltke- straße fahrenden Wagen besser gekennzeichnet werden. Oberbürgermeister Mecum teilt noch mit, daß er voraussichtlich schon in nächster Zeit den Antrag stellen werde, die Linie durch die Frankfurter Straße zu bauen. Stadtv. Habe nicht wünscht bei der grünen Linie eine / Fahrplanänderung. Tie Wagen sollen von morgens 8 bis etwa 1 Va 10 Uhr und nachmittags 3—8 Uhr nach dem Friedhof fahren, 1 während sie jetzt nur. von 2—7 Uhr fahren. Der Vorsitzende will Erhebungen über die fetzige Frequenz usw. zu den einzelnen Tageszeiten anstellen lassen. Rechnnngsangelegenheiteo. Die Rechnungen des Elektrizitätswerks und des G a s - und Wasserwerks für 1908 sind von den Stadtv. Heichelheim und Huhn geprüft und richtig befunden worden. Sie werden genehmigt. Eine Rechnung für die freihändige Anschaffung eines Wiesen- pflnges für 73,50 Mark wird gennehmigt. Ter Kaiserbesuch hat 1000 Mark Kosten verursacht. Ta bei einer vom Oberbürgermeister vorgenommenen Umfrage sich niemand gegen die Straßenschmückung usw. ausgesprochen habe, sand damals keine Sitzung statt. Ter Betrag wurde bewilligt. Tie Stadtv. Krumm und O r b i g erklären, gegen die Bewilligung zu stimmen. Stadtv. Troß führt aus, die Nichtbewilligung durch Stadtv. Krumm liege nicht im Interesse der Stadt, sondern im Interesse der sozialdemokratischen Partei und geschehe anscheinend blos pro forma, da Stadtv. Krumm vorher sich nicht geäußert habe. Er habe früher Herrn Krumm zum Stadtverordneten gewählt in der Annahme, daß er die damit verbundenen Verpflichtungen auf sich nehmen werde. .Tie Stadt habe von dem Kaiserbesuch unzweifelhaft großen Vorteil und der Tag sei jedenfalls schöner verlaufen als die sozialdemokratische Maiprozession. Stadtv. Krumm hält es für unnötig, auf diese Ausführungen zu antworten. Für die H e n s e l st r a ß c, die von Kommerzienrat Gail als Privatstraße gebaut wurde, würde bei einem Verkauf jetzt Wertzuwachssteuer zu erheben sein. Man beschließt, sie niederzuschlagcn. Ebenso erfolgt die Niederschlagung von Kanalgebühren, die irrtümlich der Bahn für das ganze Gelände bis zum Klein- Lindener Viadukt, anstatt nur für die an die Entwässerung an- geschlossene Fläche, berechnet worden sind. Verschiedenes. 'Die Miete für einen der Häute- und Fettverwertungsgenossenschaft überlassenen Raum wird auf 100 Mk. festgesetzt. Ein Gesuch des Männerturnvereins um Ueberlassung des Triebs zur Feier seines 25 jährigen Bestehens wird gutgeheißen mit der Einschränkung, daß der zum Philosophenwald führende Weg nur an den eigentlichen Festtagen gesperrt wird. Ebenso findet ein Gesuch des 1. Gießener Stemm- und Ringklubs um Ueberlassung des Triebs für seine Hebungen Genehmigung, insoweit nicht bereits früher erteilte Genehmigungen dem entgegenstehen. Tie Einführung des A ch t u h r l a d e n s ch l u s s e s für die Lederhandlungen, Parfümerie- und Toilette- Handlungen, die auf Wunsch der Interessenten erfolgen soll, findet Befürwortung. Gegen das Gesuch des Gg. Ehrhardt um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb hat die Versammlung nichts einzuwenden. Canöwkh'diaft )( Hungen, 6. Mai. Diese Woche land der A u f t r i e b aus der Jungviehweide Tiergarten statt. Es wurden 36 Fohlen und über 80 Rinder auf die Weide gebracht. In nächster Zeit sollen noch 9 Fohlen und auch noch einige Rinder hinzukommen, so daß sich daun im ganzen 45 Fohlen und etwa 100 Rmder auf der Weide befinden. Auch ein Zuchtbiille ist da- elbft untergebracht. Mit dieser Zahl hat die Viehiveide Tiergarten dell stärksten Austrieb an Jungvieh von den oberhessischen Weiden zu verzeichneii. Tie Weldeverhältnisse sind aber auch denkbar günstig, besonders ist der Fullersland in diesem Jahre ganz vorzüglich. Vermischtes. * Wegen Dumm heil fr ei gesprochen. Aus Hamburg wird der,,Köln. Ztg." berichtet: Taß ein Mensch vom Gericht lediglich wegen übergroßer Dummheit frei- gesprochen wird, ist jedenfalls ein erwähnenswerter Vorgang. Der Glückliche ist ein Musketier M. von der 11. Kom- lagnie des 31. Jnsanterie-Regiments. Eines Tages hatte >er RekrutenunteroffiKier seinen Leuten die erhebende Ge- chichte erzählt, daß ein Soldat die Schmerzen eines zerquetschten Fingers mit großer Heldenhaftigkeit ertragen habe und deshalb zum Gefreiten befördert worden sei. Der Musketier M. wollte auch gern Gefreiter werden, obgleich er erst seit dem vergangenen Herbst beim Militär steht, chnitt sich deshalb auf dem Abort mit K'altblütigteit selbst )en kleinen Finger der linken Hand ab und meldete seinem Vorgesetzten, ihm sei der Finger durch ein Versehen bei der Schießübung abgeschossen worden. Im Lazarett wurde )ieses Märchen sofort durchschaut, uno die Folge war eine Anklage gegen den Musketier wegen Selbstverstümmelung, um sich dadurch vom Militär freizumachen. Vor dem Kriegsgericht blieb er dabei, daß er fick) nur eine bessere Charge beim Militär habe erringen wollen, da er mit Leib und Seele Soldat fei. Alle Vorgesetzten schilderten ihn als einen Ausbund von Dummheit, und sein früherer Lehrer agte aus, M. habe bei seiner Entlassung von der Schule intellektuell auf dem Standpunkt eines neunjährigen Jungen gestanden. Tas Kriegsgericht folgte dem Anklagevertreter, )er den M. als ein großes Kind bezeichnete, das für seine Tat nicht verantwortlich gemacht werden tonne, und sprach den Angeklagten frei. Börsen-Wocheubericht. — Frankfurt a. M., 6. Mai. Obwohl die Newyorker Börse wieder stark schwankende Haltung erkennen ließ und die übrigen Auslandsmärkte feine be- öndere Anregung gaben, zeigten die deutschen Börsen einen stark ausgeprägten Willen zur Hausse. Die Erklärung dafür liegt vielleicht darin, daß diesmal die Banken und die Berufsspelulatiow mit den außenstehenden SVreifen einträglich zusammenwirken. Bei dem Zusammenarbeiten aller Faktoren ist es naturgemäß, wenn die Haussebewegung an Kraft zunimmt und störende Einflüsse die Stimmung £aum beeinträchtigen können. Einen Halt hatte die feste Tendenz in verschiedenen ytomenten. Aus vielen Gebieten der Industrie hat eine Belebung von inner heraus stattgesunden, besonders verspüren die gemischten Montanwerk kein Nachlassen ihres Beschäftigungsgrads, der Reedereiverkehv entfaltet sich kräftig und die Elektrizitätsindustrie steht vor großen Aufgaben, die ihr eine weitere Hebung der Rentabilität in Ansicht stellen. Dazu kommt, daß dieinternationalenGeld- verhältnisse eine wesentliche Besserung erfahren haben, so oaß mit einem leichteren Geldmarkt und stärkerem Geldangebot für produktive und spekulative Zwecke zu rechnen ist. Man sollte aber nicht übersehen, daß viele Geschäftszweige noch abseits der besseren Konjunktur stehen und vielfach Elemente tätig sind, die ich an Aufgaben heranwagen, die chre Kräfte übersteigen. Die Börse hat angesichts der Erfolge, die sie erzielt, keine Lust, ich durch kritische Betrachtungen die Laune verderben zu lassen. So streben denn die Kurse zahlreicher Werte einem Niveau zu, bei dem eine gewinnbringende Anlage schon fraglich erscheinen muß. Es gilt dies vor allem für die in den letzten Wochen stark in die Höhe getriebenen Elektrizitätswerte, namentlich für Schuckert-Aktien, die seit längerer Zeit im Mittelpunkt der Börsenbewegung stehen und auch in dieser Woche wieder eine beträchtliche Avanze erzielten. Nack)dem die Verwaltung erflärte, daß „nichts Besonderes" vorliege, was die auffällige Kurssteigerung erklären könnte, aud) die Dividendentaxe der Börse von 8 Prozent unbedingt zu hoch erscheine, fanden allerdings einige Gewinnrealisationen und Blankoabgaben statt, wodurch der Kurs etwas zurückgedrängt wurde. Andere Elektrizitätswerte gaben daraufhin ebenfalls nach, doch stellen sie sich gegen die Vorwoche immer noch höher. Von anderen Jndustriepapieren,blieben chemische Aktien, Maschinen- und Zuckerfabriken lebhaft gefragt bet steigenden Kursen. Wittener StahlröhreA, Bast-Preßhefe und. Zcllstoff-Waldhof litten unter Verkäufen. Montan werfe zeigten vorübergehend festere Tendenz, neigten jedoch später zur Schwäche, obwohl man für die industrielle Lage eine langsame und stetige Besserung in Aussicht nimmt. Bankaktien blieben vernachlässigt. Mehr Interesse zeigte sich für Transport- ansta 11en, von denen die Aktien der Schantungbahn weiteren bedeutenden Kursgewinn erzielten. Auch Orientalische Eisenbahn, Henri und Warschau-Wiener wurden vielfach gekauft bei höheren Kursen. Amerikaner stellen sich etwas niedriger, Schiffahrtsaktien Jagen dagegen fest, da man erwartet, daß das lausende Jahr bei unseren großen Gesellschaften einen starken Verkehrsausschwung zeitigen wird. Deutsche Anleihen, namentlich 3 prozentige Werte, konnten sich im Zusammenhang mit dem leichteren Geldstande befestigen. Von. fremden Renten waren Mexikaner bo günstigt, auch Türkenlose zogen an. Privatdiskonto 3Vi Prozent. Märkte. Gießen, 7. Mai. Marktb erichf. Aus heutigem Wochenmarkte kostete: Butter pr. Psd. 1.25—1.30 Mk., Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., Enteneier 1 Stück 8 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Erbfen p. Pfd. 00—00 Pfq., Linsen v. Psd. 00—00 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80-1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Gänse pr. Pfd. 60—70 Pf., Enten vr. Stück 1,80 bis 2,20 D!k., Ochfenfleisch pr. Psd. 76—84 Pfg., Kuhfleisch pr. Psd. 60 Pfg., Rindfleisch pr. Pfund 70—74 Pfg., Schweinefleisch vr. Pfund 80—96 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psd. 96 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 60—84 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6.00—0.00 Mk., Zwiebeln per Ztr. 9,00—10,00'JliL, Milch per iJiter L0 Pfg., Weißkraut per Stück 10—15 Pfg., per Zentner Alk. 0.00—0.00., Aepfel per Ztr. 10—18 Mk» Birnen per Ztr. 10—15 Alk. Nüsse 100 Stück 40—50 Pfg., per Ztr. 0—00 Alk Marktzcit von 7—1 Uhr. Die nach- Appnfa sind am Sonntag dem 8. Mai stehenden Ävl £ilv nur von 12 < hr mittags bis 12 cür nachts für dringende Fälle sicher anzutreffen: [D 7/6 Dr. Kipper, Wilhelmstr. 2. — Dr. Mneller, Liebigstr. 47. Auszug a. d. Stanöcsamtsregiftern 6er Stadt Siebe». Aufgebote. April 30. Johann Wilhelm Alöller, Former in Lollar, mit Anna Elisabeth Klobes in Lendorf. — Mai 3. 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Tein Weißbinder nnd Lackierer Heinrich Lndwig Hellmold eine Tochter, Katharine Charlotte. — Deni Former Ludwig Ott eine Tochter, Ottilie Margarete. — 4. Dem Lokomotivheizer Ernst Heinrich Karl ein Sohn. — 5. Dem Bergwerksarbeiter Heinrich Weber ein Sohn. Gestorbene. April 29., Elisabeth Wasserschleven, geb. Gail, 62 Jahre alt. Wilhelmstr. 25. — 30. Therese Birnbaum, geb. Groppe, 66 Jahre alt, Liebigstr. 17. — Minna Alker, 51 Jahre alt, Süd-Anlage 3. — Mai 2. Elise Schmehl, geb. Wettläufer, 56 Jahre alt, Bismarck» traße 28. — 3. Helene Leinweber, 4 Alte, alt, Schützenstr. 8. — August Wieber, Superintendent i. P., 76 Jahre alt, Henselstr. 8. —. 6. Paul Scheibe, Schriftsetzer, 37 Jahre alt, Asterweg 46. Werter § Regen Emulsion Meteorologische Beobachtungen der Station Eiehen. 4 2 2 Nur echt mit dieser Marke-dem Fischer — dem ©aranlie« be6 Scott» lchen LersahreaLI 10 10 9 e ä j» = X= w Bs-ßÄ CQjä S51 Mai - + 10,9 °0. „ =4-6,3 “C. 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