। «lA »Hk, Ng 8 Nerlckis, n Vorftavd. ictt in burt deck. irrn Lieht» statt chvv UL ib Pension« len. NM H. Ruvv. i Sem'1«' inte ili * 01 Nr. 55 Erstes Blatt 160. Jahrgang Montag März 1010 Ter Gitficncr Anzeiger T Ä Bezugspreis. -r'cfjcint rdfllid1, iiuyet WP jCmf xSBBfck hä TnonatlidiTöw.,viertel- 5anntags. — Bciiapcn: L. n|P a jk A A. A jährlich Mk. 2.20; durch ^inwwItW IWirtW^ agssWIvflvIlvt 44111 vlwlvi sss ^erihvrech - Anschlüsie: N M WIff Verantwortlich für den nir bie Redaktion 112. IVeUF a <• w- aa politischen Teil: August SS General-Amelger für Oberhe fen MM Annahme von Anzeigen ’ ’ ’ itSanb im&„®eucbt5- Jg vomüV^uh? Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Buch- und Steindrnckerei R. Lange. Redaüion, Expeditton und Druckerei: Zchulstraße 7. Anzeigentell?'HÄck. Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten. platz. Die Hütten öilbcn nxi.br c Musterbeispiele afrifa bischer Architektur. Sie sind ost mit reichen Schnitzereien versehen oder durch prachtvolle Flechtmuster verziert, wie sich überhaupt ein ausgeprägter Sinn für Betätigung im Kunsthandwerk feststellen läßt Hübsch geformte und verwerte Töpfereien, selbstgeschmiedete Dchlverter, kunstvolle Thronsessel u. ähnl. legen Zeugnis ab dafür. Die einzelnen Ortschaften stehen durch die Trommelsprache im Fernverkehr miteinander. Aber auch musikalisch betätigen sich die Bantu. Mit Hilfe des Phonographen führte der Vortragende mehrere „Musikstücke" vor, die teil» Tanz- weisen, teils Ruhmesyymnen einer Sängerin aus ihrenHerrn, den Häuptling, teils auch kriegerische ftUingc darstellten. Der Norden Kameruns wird von dem -Lnltanat. ?lda maua eingenommen, dessen Bewohner, die Haussa, von den eingedrungenen Fulla den Islam angenommen J&ßjm. Diese haben auch das Pferd eingeführt, so das; öic^nieber^ der Rindvieh- auch Pferdezucht getrieoen wird^ Tw Hütten der Haussa sind ungewöhnlich einfach. Dagegen zeigt dieser Voltsstamm große Geschicklichkeit in der Herstellung von Flechtereien und Webereien, die sie mit Indigo blau zu färben verstehen. Eine deutsche Lüdpolarexpedition. Berlin, 5. M ärz. In der Geographischen Gesellschaft entwickelte heute abend Oberleutnant Filchner vom 1. bayerischen Infanterieregiment, zurzeit zum großen Generalstab kommandiert, einen neuen Plan zur Erforschung der Antarktika. Die Expe- dition soll mit zwei Schiffen unternommen werden, die vom Weddelsee und vorn Roßsce ausgehen sollen. Ter Plan erfordert zwei Millionen Mark uno soll, falls die Mittel zur Verfügung gestellt werden, bereits irn Oktober ausgeführt werden. Nach Oberleutnant Filchner sprach Otto Norden s k j o e l d, um Teufichland zu dernMeiner Ansicht nach, wichtigsten Plane zur Erforschung der Südpolargegcnd zu beglückwünschen; er freue sich, daß der rühmlichst bekannte Forscher 9kord- tioets die Führung dieser Expcdckron übernehmen wolle. Zmn Schluß wies Geheimrat Penck darauf hin, daß nicht sowohl das Problem vorliege, den Südpol zu erreichen, als vielmehr das, die Beziehungen zwischen Ost - und W e st-A nt a rcti c a^fest- zustellen. Ter Expedition wurden bereits von privater Seite 360 000 Mark zur ^Verfügung gestellt. gezwungen, 150 bis 160 Millionen Mark für Palmöl an das Ausland abzugeben. Nur durch den Bau von Eisenbahnen, wovon das Land außer der bereits genannten kurzen Strecke noch nichts besetzt, kann hier Wandel geschaffen werden. Ebenso stellt der Holzreichtum weiter Strecken (Mahagoni und Kamerun-Eiche) Werte dar, die noch der Erschließung harren. Tie Nähe von Ansiedlungen verrät sich durch das Auftreten der Mehlbananen. Sie bildet die Hauptnahrung der eingeborenen Dualla und hat diese durch ihre Anspruchslosigreit zu ihrer bekannten Faulheit erzogen. An der Grenze des innerafrtkanrschen Hochlandes gedeiht dre Busch- oder Weinpalme (Raphra), ine nicht nur Bast zu Flechtarbeiten, sondern auch den vielbegehrten Palmwein liefert. Im Urwaldtiefland ist eine landwirtschaftliche Station „Johann Albrechtshöhe", angelegt worden, die Anbauversuche macht. Auch die Kaut- chukliane wird jetzt, nachdem der seither betriebene Raubrau das vorhandene Material nahezu vernichtet hat, von einer besonderen Aufsichtsbehörde für Kautschukgewinnung unter staatlichen Schutz genommen. Nach Ueberwindung des Urwalds erreicht man ein Tafelland, das von einer Savannenlandschaft, hauptsächlich mit dem etwa 3 Meter hohen Elefantengras bestanden, in unabsehbarer Ausdehnung eingenommen wird. Kennzeichnend für den Baumwuchs ist der Trachenbaum (Tracaene). Die Bewohner gehören zum großen Stamm der Bantu und gliedern sich in viele Einzelstämme, die von teilweise kriegerisch gesinnten Häuptlingen beherrscht werden. Ein solcher Häuptling vermag oft tausende von Kriegern aufzubringen unt> stellt, im Gegensatz zu den Königen" des Küstenlands, eine wirkliche Macht dar. e-o erlitt Zintgrasf im Jahre 1891 durch die Bafur eine emp- f in Miel) c Niederlage, die noch lange schädigend auf das Ansehen der Weitzen zurückgewirkt hat. Im übrigen aber ist Der Bewohner des Graslandes als unvcroorbener Wilder um vieles sympathischer als der Küstenoewohner. Ackerbau und Viehzucht bilden die Hauptbeschäftigung. Während im Westen die Hütten länglich sind und in Reihen stehend lange Straßen bilden, sind sie hier rund und ordnen sich um einen großen freien Platz, den Markt- beantragt. Es kann z. B. der Fäll eintreten, daß die Parteien ein Interesse daran haben, bis zur Erledigung eines anderen Rechtsstreites den hier anhängigen nicht weiter fortzusetzen, ruhen zu lassen. Für derartige Fälle ist die obige Be- sliinmung gegeben. Sie bedeutet allerdings eine erhebliche Durchbrechung der Regel des Amtsbetriebes, und die Parteien werden aus diese 'Weise immer Herren des Pro- " ' " " Andererseits kann aber eine einseitige des amtsgerichtlichen Rechtsstreites nicht zesses bleiben. Verschleppung mehr stattfinden. 3. Dem deutschen Zivilprozeß völlig neu ist die Bestimmung, daß das Gericht schon o o r der ersten mündlichen Verhandlung Anordnungen treffen tonn, die zur Aufklärung des Sachverhällnisses dienlich erscheinen. Insbesondere tann das Gericht schon vorher a) den Parteien aufgeben, in ihren Händen befindliche Wanderungen und Forschungen in Nord-Uamerun. Vortrag in bet Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Gießen. Im Jahre 1907 unternahm Prof. Tr. Haase auf Veranlassung des Reichskolonialamts eine Forschungsreise nach Kamerun. Begleitet wurde er von Prof. F. Thorvecke, wählend der Kiltmandscharo-Bezwinger, Geheimerat Hans Meyer, in Leipzig, wissenschaftlicher Berater war. lieber Die Ausführung der vom Kolonialamt gestellten Aufgabe berichtete am Samstag abend Prof. Thorbecke in der „Ge- sellschast für Erd- und Völkerkunde". Ausfallen muß es, daß unsere Kenntnis von Kamerun, abgesehen vom Küsten- land, so dürftig ist, trotzdem die Geschichte dieser Kolonie mit den Namen unserer berühmtesten Forscher, wie Barth, Aohlfs und Nachtigal, verknüpft ist. Allein der schmale Küstenstrich wird östlich vorl einer 150 bis 200 Kilometer breiten, stetig ansteigenden Urwaldzone begrenzt, deren üppige Vegetation dem Vordringen die größten Hindernisse entgegensetzt. Tie Expedition begann deshalb ihre Reise in der >)auvtstadt Viktoria und benutzte bis zu ihrem Endpunkt die 160 Kilometer lange Pflanzerbahn Viktoria—Sopo, um von hier aus die Gouvernementsresidenz Buea zu erreichen. Von dort aus wurde zunächst eine Besteigung des Kamerun- terges (400" Meter) ausgeführt. Ter Fuß des mächtigen Bergstocks ist bis zu einer Höhe von 2000 bis 2500 Meter Mt dichtem Urwald bedeckt, lieber diesem erhebt sich eine Steilwand unverwitterter Lavamasse, die in eine öde Hochfläche aus geht, auf der mehrere Krater aufgesetzt sind. Der bedeutendste derselben ist .der Fako, 'd. i. Götterberg. An dessen Ostfeite sand Ostern 1909 am Robert Meyer Krater der letzte bedeutende Ausbruch statt. Ter charak- . leristische Bäum der Urwaldregion ist neben der Oelpalme ' her mächtige Vollbaum (70—80 Meter hoch). Während iüefer Baum aber seines nassen Holzes wegen völlig un- stauchbar ist, bildet die O-elpaime in der wirtschaftlichen Entwicklung der Kolonie einen Hauptteil. Ihre Früchte, t>ie Palmkerne, und das daraus gewonnene Palmöl, bilden schon einen wichtigen Ausfuhrartikel. Immerhin sieht litt) die deutsche Seifen- und Kerzenindustrie heute noch Die Reform öes sioilprozetzrechte;. Von einem Juristen erhalten wir folgenden Aufsatz: Am 1. April d. I. tritt das „Gesetz, betreffend Aendc- iimgen des Gerichtsverfassungsgesetzes, der Jivilprozeß ordnung, des Gerichtsko.stengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte" vom 1. Juni 1909 in Kraft. Es bringt für das rechtsuchende Publikum zum Teil sehr erhebliche und einschneidende Aendernngeu. iveiche das Verfahren — insbesondere vor den Amtsgerichten — abweichend von Dem bisherigen Rechte regeln. Da es sich in der Hauptsache um solche Prozesse handelt, in denen die Partei nicht gelungen ist, einen Anwalt zu nehmen, sondern sich selbst vertreten kann, so soll hier kurz auf die hauptsächlichsten die Allgemeinheit interessierenden neuen Beä immungen ein- flegangnt werden. 1. Von der größten Bedeutung ist zunächst, daß die Zu- jränbigteit der Amtsgerichte von 300 auf 600 Mark erhöbt wird. Tie Partei hat afio für die Prozesse von über 300 Mk. dis einschließlich 600 Ml., welche bisher unter Anwaltzwang vor das Landgericht gehörten, nicht mehr nötig, sich einen Anwalt zu nehmen. , Die Berufung geht wie bisher an das Landgericht. Eine Neuerung ist aber, daß auf Antrag der einen oder anderen Lartei in Handelssachen (§ 101 des Gerichtsversasiungs- gesetzesi die jammern für Handelssachen als Berufungsgerichte zuständig sind. Im Beruiungsverfahren herrscht nach wie vor Anwaltszwang. Zu der Zuständigkeit der klammern für Handelssachen irerten in Zukunft auch noch gehören: Rechtsstreitiglei.en, die auf Grund des Reichs- stempelgefetzes uom 7 Juni 1903 in Beziehung auf die Verpflichtung zur Entrichtung der in diesem Gesetze leslgestelllen Abgaben sowie auf Grund des Gesetzes gegen den un laut ercu Wettbewerb vom 7. Zuni 1909 entstehen, Zerner" tann derjenige, welcher auf Grund eines nn- richtigen Prospektes beim Kchlf von Wertpapieren Schaden erleidet (§§ 15—48 diw Börsen gesetz es vom 27. Mai 1908), diese Schäden vom 1. "April ab vor den .Wammern für Handelssachen geltend machen. — In allen Fällen selbst- verständlick, in erüer Znstanz nur, wenn der einzuklagende Betrag 600 Mk. übersteigt Aach dem Vorgänge des Gewerbegercchtsgefetzes und des Geietzcs über Die wnufinannsgerichte ist der Selbst- tetricb des mntsgerichilicben Prozesses durch die Parteien beseitigt und an die Stelle des Parteibetriebes der Amtsbetrieb getreten. Nachdem also einmal der Prozeß von dem Kläger anhängig gemacht in, wird er von dem Richter bis zur Fällung des ITrjcto in Gang gehalten. Die Parteien brauchen nicht jede einzelne Prozeßlüyrung besonders zu beantragen. Zusbesondere geschehen jetzt die Zustellungen und Ladungen von Amts uegen, während früher die Parteien hierfür sorgen mußten. Nur die Urteile »oerden wie früher durch die Parteien zugestellt. „ Diese neuen Bestimmungen dienen der Bequemlichteit des rechtsuchenden Publikums. Es soll den Parteien Zeit und Arbeit erspart werden unb anderseits soll durch sie das Verfahren vor den Amtsgerichten beschleunigt und ver- bitligt werden. Verbilligt insofern, als die Ladungen und Zustellungen — mit Ausnahme der Urteile — gebührenfrei sind, während sie früher den Parteien zur Last fielen und für diese daher eine verhältnisnräßig große Belastung bildeten. Damit nun aber die Parteien nicht gelungen lverden können, wider ihren Willen den Prozeß fortzusetzen, so ist die Bestimmung getroffen, daß beim Nichterscheinen beider Parteien zur mündlichen Verhandlung das Verfahren ruht, bis eine der Parteien einen neuen Verhandlungstermin Gerichtsstand des ErsüllunAsortrs zuständig, was in>be- sondere für Geschäfte mit einem Kundenkreise in allen Ge genden Deutschlands eine große Erleichterung bedeutet, da diese gewöhnlich den Zitz ihres Geschäftes als Erfüllungsort vereinbaren. Regelmäßig — ohne Rücksicht auf die Höhe der Summe — ist das Amtsgericht, zuständig. Nur auf Antrag erfolgt Verweisung an das Landgericht. Termin wird nur auf Parteiantrag angesetzt, um einer unnötigen Vermehrung der Prozesse vorznbeugen. 6. Es würde zu mett führen, hier sämtliche Aenderungen des Gesetzes aufzuführen. Es sei aber noch darauf hinge- wiesen, daß die Beeidigung vvn'Zeugen setzt erst nach der Aussage erfolgen muß, während es bisher nur zulässig war. Auch ist die Eidesformel abgeändert und zwo.'.' sind die Worte „und nichts hinzugesetzr habe" fortgefallen, so daß der Eid jetzt lautet, daß der Zeuge „nach bestem Wissen die reine Wahrheit gesagt ünp nichts verschwiegen habe". Neu ist and), daß mehrere Zeugen'g leid) z c 11 tg beeidigt werdett können. Bon besottderer Wichtigkeit für viele Prozesse, insbesondere auch für Versicherungsgesellschaften ist die Bestimmung, daß derjenige, welcher den im Rechtsstreit geltend gemachten Anspruch abgetreten hat, also z. B. der Ver- icherte polieemäßig an die Versicherungsgesellschaft, als Zeuge unbeeidigt zu vernehmen ist, aus dem nahe- Legenden Grunde, weil er an dem Ausgange des Prozesses ebhaft interessiert ist, 7. Vom Publilum nttd dem Gerichtspersonal wird es gleichmäßig freudig begrüßt werden, daß bet der kosten^ rechnung von dem Einzelansatze der schreib- und Postgebühren in der Regel abgesehen werden joll und statt dessen Pauschsätze erhoben werden, die 10 Proz. der zum Ansatz gelangenden Gebühr für das Gericht und 20 Proz. der Gebühr für den Anwalt betragen. Dieses wird durchweg eine Verbilligung bedeuten. Die Gebührensätze sind die alten geblieben. 9hir erhöhen sich für die Anwälte in der Be- rufungs- und Revis io nsinstanz die Gebühren um drei Zehn teile. Staben die Parteien baue Auslagen zu vergüten, welche nicht unter die Panschsützp falten, z. B. Schreibgebühren für Abschriften, welche besonders beantragt sind, fo erhöht ‘]id) der Preis der Seite, welcher bisher 10 Pfg. betrug, auf 20 Pfg. Die Partei kann verlangen, daß die Seite mindestens 20 Zeilen von durchschnittlich 12 Silben enthält. 8. Wie werden nun die Prozesse behandelt, welche am 1. April d. I. schon anhängig sind? Da ist zunächst zu sagen, dai; die beim Landgericht anhängigen Sachen von über 300 bis einschließlich 600 Mk. vor dem Landgericht mit Anwallznxtng anhängig bleiben und die Berufung gegen das landgerichtliche Urteil an das Oberlandesgericht geht. Im übrigen finden aber die Bestimmungen, welche den Krei> der Ferien fachen erweitern, sowie in der Hauptsache die Aenderungen der Zivilprozeßordnung auf die bereits anhängigen Rechtsstreitiglei.en Anwendung. Nur eine Frist, die am 1. April bereits läuft, wird nach den bisherigen Vorschriften berechnet. (Zu vgl. insbesondere §§ 499, 604, 697 ,8-' P- O.) Schreib- und Postgebühren find in den vor dem L Avril anhängig gewordenen Rechtssachen bis zur Beendigung der Instanz nach den bisherigen Vorschriften in. Ansatz zu bringen. Hiermit haben wir die wichttgsteu Aenderungen der genannten Gesetze zusammengestellt und wir wollen hoffen, daß sie den erwarteten Erfolg der Verbilligung, Verein-- fachung und Beschleunigung des Verfahrens auch haben werde». Dr. Gr. Urkunden vorzulegen, b) amtliche Auskünfte einziehen, c) Zeugen, auf welche eine Partei sich bezogen hat, sowie Sachverfiändige zur ersten mündlichen Verhandlung laden, d) das persönliche Erscheinen der Parteien anordnen, e) die Einnahme des Augenscheins sowie die Begutachtung durch Sachverständige anordnen. Eine Anordnung der unter c—e bezeichneten Art soll allerdings nur dann ergehen, wenn der Beklagte in einem vorbereitenden Schriftsätze dem Klagantrage widersprochen hat. Reicht der Bcltagte also keine schriftliche Klagbeantwortung ein, sondern behält sich das Vorbringen feiner Gegengründe bis zur mündlichen Verhandlung vor, jo ist der Richter nicht berechtigt, Anordnungen wie unter c—e bezeichnet, vorher zu treffen. Dieie Bestimmung ist dem österreichischen Verfahren nachgebildet und soll die Möglichkeit geben, daß in Fällen, bei denen die Verhandlung streitig ()u werden veripricht, die Verhandlung durch Bereitstellen von Beweismitteln so vorbereitet wird, ^aß sie mwglichswin einem Termin zu Ende geführt werden kann. 4. Um den Richter wirksam von mehr oder weniger mechanischer Arbeit zu entlasten, soll in Zukunft die Festsetzung, welche soften die eine oder andere Partei zu tragen beziv. dem Gegner zu erstatten hat, der Gerichtsschreiber elb ständig vornehmen. Ist eine Partei mit der Ent- cheidung des Gerichtsschreibers nicht zufrieden, so kann ie binnen 2 Wochen feit Zustellung „Eriirnerungen ergeben", über welche dann der Richter entscheidet. Demselben Zweck der Entlastung des Richters dient auch die neue Vorschrift, daß ein Versäumnis- ober Anerkenntnisurteil in abgekürzter Form auf die Klagschrift gesetzt werden kann. Es imrb in Zukunft genügen, trenn auf die Klagschrist, vorausgesetzt, daß der Klagantrag alles nötige enthält, der Vermerl gesetzt wird: „Ter Set lag tc wird dem Klagantrag entsprechend verurteilt." Auch die Ausfertigung an die Parteien erfolgt in gleicher Weise. 5. Die Bestimmungen über das Mahnverfahren (Zahlungsbefehl) sind zugunsten des Rechtfuchenden straffer gestaltet, damit von dem Zahlungsbe,ehl häufiger Gebrauch gemacht wird und dadurch den Parteien die größeren Kosten einer förmlichen Klage möglichst erfpart werden. Dieser Zweck soll dadurch erreicht werden, daß die Zustellung des Zahlungsbefehles an den Schuldner von Amts wegen erfolgt unb daß das Amtsgericht zuständig ist, bei dem die en ent. Klage zu erheben iit Hierdurch wird auch der Vic wahlrechtzknn-gebungen. Berlin, h. Mär;. Infolge des von den Sozialdemokraten ongcli'mdigten Wahlrechtsspazier- q a n g s fluteten Tausende nach dem Treptower Park, der aber durch eine starke Polizciniacht zu Fuß und zu Pferde vollständig ab gesperrt war. Die Menge brachte Hochrufe ans da,- freie Wahlrecht aus und sang die Arbeiter- marseitlaise. Die Nordringziige und die Straßenbahn brachten immer neue Menschenmassen herbei. Zu ernsten Konflikten .isr c>3 bis 2 Uhr nirgends gekommen. Berlin, 6. Mär;. Durch die Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten war die Sozialdemokratie vor dem Massenspaziergmig nach dem Treptower Park gewarnt worden: cs begab sich ein großer Teil von vornherein nach dem Tiergraten, wo man sich nach der an den Zahlstellen ausgegebenen Parole „am großen Stern" treffen sollte. Immerhin fanden sich in Treptow etwa 6000 Personen ein; am Bahnhöfe Treptow wurde die Menschenmenge wiederholt von der Schupmannschaft und der Gendarmerie mit blanker Waffe au S c i u a u d e r g e tr i e b e n , wobei einige 40 Beteiligte sistiert wurden und ein Schutzmann durch einen Steinwurf am Kopfe erhheblich verletzt tvurde. Bei der Räumung von .Schanklokalen tvurden auch einige Personen verletzt. Als die Menge die Unmöglichkeit der Kundgebung im Treptower Park erkannt, begab sic sich größtenteils mir der Stadt oder Hochbahn nach dem Tiergarten, wo inzwischen, trotz der erfolgreichen Bemühung der Schutzmannschaft, einzelne Trupps abzndrängen, große Men- schenmassen sich zusammcugcfunden hatten; im ganzen .dürften 300 0 0 Pe r s o n c n im Tiergarten berg' ammeltgewese n s e i n. Mehrfach tvurden rote Fahnen Tntfaltet und Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht; auch sang man .Arbeiterlieder und trug Plakate mit den Aufschriften: „Hoch das allgemeine Wahlrecht." Wiederholt kam es zu einem Einschreiten der berittenen Schutzmannschaft; es wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. In der .Siegesallee versuchte ein Mann, eine .Ansprache zu halten, wurde aber sistiert. Mehrere Versuche, zu reden, wurden verhindert, an verschiedenen anderen Stellen aber trotzdem Reden gehalten. Auch auf den Rampen des Reichstagsgebäudes wurden unter Entfaltung einer roten Fahne Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht und eine kurze Ansprache gehalten. Dann zog die Menge durch die Torotheeußraße. Ein anderer Teil war durch Charlottenburg nach dem Grünewald abgezogen. Von anderer Seite erhalten wir aus Berlin noch folgende Mitteilungen: Der Treptower Part war durch eilten Polizeikordon, an dem sich auch die gesamte Gendarmerie des Kreises Teltow und die Kammunälpolizei der östlichen Vororte bis Köpenick beteiligten, vollständig abgefperrt. Auf der, Südseite des Parkes waren in einer Laubenkolonie mehrere Kompagnien des 3. Gardcrcgim ent s für alle Fälle in Bereitfcha ft gehalten. Trotzdem konnten die Zehntauseitde von Protestlern, die mit den Stadt- und Ringbahnzügen auf dem Bahnhof Treptow an lauten, natürlich nicht von der Polizei zurückgehaltcn werden. Es galt nun hauptsächlich, diese Menge, die gegen 2 Uhr, wohl 100 000 an Zahl, die Zugänge zum Parke besetzt hielt, zu zer- .streuen intb nach Berlin uirüäzuwerfen. Dies gelang nur unter Anwendung von Gewalt. Die Polizei ritt verschiedene Attacken, io daß es auch zu Blutvergießen laut. In der Elsenstraße wehrte sich die Menge gegen einen derartigen Reiterung riss durch einen Steinhagel, mit dem sie dü Gendarmen begrüßte, wodurch einer der Berittenen durch). Schemverden des Pferdes abgeworfen und nur mit Wt lutb Miche wieder in den Sattel gesetzt werden konnte. Tie Gendarmerie ging dapcntfhin rücksichtslos "vor. Sie säuberte die Straßen, räumte die Vorgärten der benachbarten 'Bierlokale rmd wies sogar die Gäste unter dem Protest dec ^okal- inhober aus den Inneuräuuien der Wirtschaften. Auf der Straße gab es für die, die nicht sso schnell icü die galoppierenden Gendarmen laufen Sonntet, Püffe und etäfec, flache und scharie "Säbelhiebe, -so daß die Sanitätsmannschaften verschiedentlich eingreifen mußten. ■Ein Manu würde dal>ei durch erneu Säbelst.ich schwer verletzt. Gtner Frau sollen zwei Finger abgeschlagen worden fein. Tie (ÄesamtzaKl der Verwundungen läßt sich natürlich nickt ftststellen, da viele aus verständlichen Gründen die Verletzungen nicht zur sAnzeige brütgen. Eine ganze Anzahl Verhaftungen wurde. vor- 'genommen. Tie Polizei würde, wo sie erschien, von der erregten Menge mit st ü r in i s ch e n Pfuirufen und dem Ruf „B Tut Hunde!" begrüßt Um 4 Uhr war es den Polizeiorganen endlich gelungen, die Massen so weit zu zerstreuen, daß, die Absperrung^- nrannschasteu truppweise abrücket und die Absperrungen nach tutb «nach aufgehoben werdet lomchep. Verl in, 7. März. Die Berliner Mcorgenblätter beziffern die Zahl der Teilnehmer an den gestrigen Wahlrechts- lundgebungeu in Berlin auf mindestens 150 000. Am großen Stern sah mau die Rcichstagsabgeordnetcn Ledebon.rn.nd Stadthagen sowie den Landtagsabge- ordneten Liebknecht. Dckm „Vorwärts" zusolge schlug lein berittener Schutzmann mit einem Säbel gegen Stadthagen und traf ihn am Paletot. Durch das Pferd tzes hinterher galoppierenden Schutzmanns wurde Stadthagen zu Boden geworfen. Gegen 7 Uhr abends kam es am Schlesischen Tor noch einmal zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen etwa 200 Schutzleuten zu Fuß, 30 berittenen und Ruhestörern. Da dem Gebot des leitenden Polizeihaüptmanns, auseinanderzugehen, feine Iolge geleistet wurde, zogen die ^Beamten blank und hieben auf die Nächststehenden ein, von denen etwa 10 Kopf- und Armwunden erhielten. Die Mahlrechtskundgebungen in der Provinz sind infolge der Zurückhaltung der Polizei und der Tätigkeit der sozialdemokratischen Ordner fast sämtlich ohne Zwischenfälle rrrtsnfen. ftoYiJ-r 6. März. Die für heute angetündigte Wahlrechts-Ku n d g ebun g auf dem Sportplatz ist ruhig ver- lar.fen. Nach Beendigung der Versammlung gingen die Teilnehmer, bereu Zahl etwa 15000 betrug, auseinander, ohne daß ein Eingreifen der Polizei nötig gewesen wäre. Solingen, 6. März. Heute fanden hier Wahlrechts- t undgebungen statt, bei denen rote Fahnen im Zuge getragen wurden. Vor dem Rathause tarn es zu einem Zu - j a m m c n ft o ß mit der Polizei, die von der Waffe Gebrauch machte. E i n e P e r s o n wurde schwer,mehrere andere k i d) t verletzt, viele verhaftet. geführt, daß der Staat nach den jetzigen Berechnungen einen mehr wie doppelt so hohen Betrag von den Städten einziehen würde, als ihn dre Revision selbst kostet. Deutsches Neich. Der Kai s er ist am Sonntag abend um 11 Uhr 15 Min. vom Lehrter Bahnhof nach Oldenburg ab gereist. Eine Verordnung der baherischen Regierung verfügt, irric wir der „F. Z." entnehmen, daß im bayerischen Justiz- und Verwaltungsdienst künftig nur diejenigen Kandidaten, welche die zweite Staatsprüfung mit )er Gesamtnote.„Eins" ober „Zwei" bestanden haben, die Fähigkeit zum Amte eines Richters, Staatsanwalts, Notars owie zur Rechtsanwaltschaft erlangen. Kandidaten mit 5 er Gesamtnote „drei" können höchstens noch zu Gcrichts- chreiberm ernannt werden. Wie Straßburger Blätter melden, hat der Bund land- wirtsdiaftlicher Korporationen in Elsaß- Lothringen in einer am Freitag abgehaltenen Versammlung, die sehr stark besucht war, und in der Interessenten aller für die Oktroitarifsatzc in Betracht kommenden Waren vertreten waren, einstimmig beschlossen, für gänzliche Abschaffung des Oktroi vom 1. April 1910 ab einzu- treten und biesbezüglid)c Schritte sofort einzuleiten. Eine öffentliche Versammlung wirb in der nächsten Woche stattfinden. Ausland. Ans Wien wird gemeldet: Der König und die K ö n i g i n von Bulgarien sind am Samstag nachmittag aus Petersburg hier ein getrosten. Der f r a n z v s i s ch e M i u i ft e r des A e u ß c r n P i chon und El Mokri haben am Freitag das fanzösisch-maroka- ntickc Abkommen unterzeichnet. In der russischen R e i ch s d u m a bestätigte bei her Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern der Direktor des Polizeidepartements, die von mehreren Rednern ausgesprochene Ansicht, es sei unwahr, daß die Regierung ihr Versprechen betreffend die .administrative Verbannung nicht erfüllt habe. Am 1. Februar 1902 habe die Zahl der nach den entfernt liegenden Gouvernements Verschickten 17 120 betragen, am 1. Februar 1910 12 200. Im Jahre 1906 waren 7 677, im vorigen Jahre 1 991 und in den ersten zwei Monaten des Jahres 1910 171 Personen verbannt worden. Gegen die ersten zwei Monate des Vorjahres beträgt die Abnahme 50 Prozent. Aus London wird gemeldet: König Eduard ist am Sonntag abend abgereist, um sich über Paris nach Biarritz zu begeben. Der serbische Kr i e g s m i n i st e r Mariuovie, der in letzter Zeit wiederholt darüber klagte, daß der Ministerrat eine, auf Heeresangelegenheiten bezüglichen Forderungen nicht die nötige Beachttmg schenkte, hat um Enthebung von feinem Amte nackgcsucht. Aus K o n st a n t i n o p c q wird gemeldet: Der Sultan empfing am Samstag den serbischen Minister des Aeußern, Dr. Milow auowit s ch, der nachher längere Unterredungen mit dem türkischen Ministre des Aeußern und dem Großwesir hatte. Aus Philadelphia wird gemeldet: Die Streikend en haben sich bereit erklärt, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen, wenn sie vorher wieder eingestellt werben. Es ist aber unwahrscheinlich, daß die Arbeitgeber diese Bedingung annehmen werden. Es geht das Gerücht, Vie Streikenden bc- abjichtigten, beu Präsidenten Taft nm seine Vermittelung zu bitten. Bei den Tumulten am Samstag bewarfen Männer, Kranen und Kinder die Straßenbahnwagen und die Polizei mit steinen. Die Schutzleute machten von ihren Stöcken Gebrauch, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. keichsragrabgeordneter vr. Slresemann in Wetzlar. Aus Wetzlar wird uns berichtet: Nachdem der Laudtagsabgcordiieti vom Rat seinen Wählern über beit Stand der Wahlrschtsvorlagc in Preußen Bericht erstattet hatte, sprach am Samstag der Reickstagsabgeordnet«^ Tr. Stresemann vor einer zahlreichen Zuhörerschaft im saale des Schützen gattens in nahezu zweistündigenc Vortrag über die Ziele und Aufgaben der imtumalLiberalen Partei. Zunächst wies der Redner die Ansicht zurück, als ob sick die Ideen, die zur Gründung der Nation alliberaleu Partei geführt haben, überlebt hätten. Tie zwei großen Weltanschauungen, die konservative und die liberale, seien im Verlauf der.Jahre infolge stärkerer.Betonung wirtschaftlicher Interessen und konfessioneller Absonderungen vielfach durchlöchert worden. An Werbekratt habe deshalb der national- liberale Gedanke nichts verloren, er müsse nur noch mehr Ins Volk getragen und Gemeingut her Natron werden. Welch ungeheuer wichtige nationale Aufgaben sind, so führte der Redner aus, itod; ui erfüllen. Zunächst auf dem Gebiet der Weltwittschaft. Urtiere Zukunft liegt in Kleina s i e n und C1} i u a. Es muß uns daran gelegen sein, diese zur Kultur früher ober später auf- wachenden Völker zu unseren AbnelMern zu haben. Tas ist aber nur baiut möglich, wenn wir als Volk geachtet bastelten, wenn hinter der wirstchastlichen Entwickelung eine politische Macht steht, gestützt auf Heer und Flotte, lederzeit bereit, dem Mort die Tat folgen zu lassen. Von ähnlicher Bedeutung für unser wirtschaftliches Vorwärts kommen sind unsere viel- ge schmäht en Kolonien. Ein großer Teil des deutschen Volkes, besonders die Arbeiterschaft — allen voran die Textilindustrie — hangt von der Entwickelung unserer Kolonien ab, die unter zielbewußter, kaufmännischer Leitung sicher ebenso ertragreich werden als beispielsweise auch die englischen'sind. Ter Arbeiter in 50 Jahren werde nicht verstehen, wie man gegen Kolonien sein konnte. Saturn muß auch der geschützt werden, der als Pionier hinauszieht und den deutschen 'Namen durch deutschen Fleiß und klugen, kaufmännischen Geist hochbringt. Was aber der Nationalliberalismus nicht will, bas ist, so fuhr der Redner fort, die Liebdrenerei fremden Nationen gegenüber, die leicht als Schwäche ausgelegt wird, wie per Fall Mannesmann zeigt. Ferner kann es unmöglick) im Interesse einer wirksamen Vertretung der äußeren Angelegenheiten deS deutschen Volkes liegen, wenn die diplomatischen 91cm ter einzig und allein in den Händen des Adels liegen. Nicht Abstammung, sondern die geistige und moralische Tüchtigkeit macht den Mcwchen und befähigt ihn, unser Ansehen zu heben. So habe die nationalliberale Partei jederzeit, zuletzt auch bei der Reichsfinanzreform, bewiesen, daß sic in Abwägung aller berechtigten yjrbennigeit sich nur von dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und edlen Menschlichkeit leiten läßt. Sie habe ihre Anhänger in allen Schichten des Volks und weise es wett von sich, Klassen- oder Interessenvartei zu sein, sie arbeitete stets mft an ‘einer- gesunden Sozialpolitik und lucke jedem der deutschen Staatsbürger die Stellung erringen zu helfen, Vie ihm gebührt. Nach einem Hock auf das deutsche Vaterland und dein Gesang des Liedes: „Deutschland, Deutschland über alles", schloß der Vorsitzende die Versammlung, an die sich feine Aussprache anschloß. Aus Hesse«. — Gegen den Beschluß des Landtags, die .stoncn bei Revision burd) die Oberrechnnngskammer den Gemeinden cutfzuerlegeii, wollen, mic man uns aus D a r m stabt berichtet, auf Anregung des Bürgermeisters Dr. Dullo-Osfenbach die größeren Städte des Landes gemeinsam Widerspruck) erheben und dahin arbeiten, daß man die Oberrechnungskammer überhaupt „los wird" und die Rechnungen, wie in Preußen, burd) einen selbstgewählten Sachverständigen vornehmen lasse. Als Grund wirb an2lus Stadt und Land. Gießen, 7. Mürz 1910. ** TageSkalender für Montag, 7. März: Oeff. Vortrag von Tr. Bruno Wille aus Fricdrichshagen: Wie uns die Kunst befreit. Abends 8,/2 Uhr im Einhornsaal. Kolossen m. Hegtet Tag des Gastspiels von Otto Rentier (ermäßigte Preise). ** In Audienz empfangen mürbe vom Groß- Herzog am Samstag u. a. Kreisrat Dr. Heinrichs von Alsfeld und Professor Dr. von Franque, Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Gießen. — Es wirb batan erinnert, daß für die Audienzen bet dem Großherzog im Darm- stad ter Schloß die Zeit von 9 Uhr 30 Min. bis 11 Uhr festgesetzt ist. *• Bundesratsbevollmächtigter. Der Groß - Herzog hat den bisherigen stellv. Bevollmächtigten zum BundeSrat, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Preußischen Hose, Wirkt. Gcheimcrat Maximilian Freiherrn v. Gagern in Berlin, zum Bevollmächtigten zum Bundesrat des Deutschen Reiches ernannt, sowie die Erteilung des Kommissoriums als stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat an den Minister des Innern Friedrich v. Hombergk zu Vach genehmigt. ** Territorialkommissär. Der Groß Herzog hat dem zum Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen und Kreisrat des KreiseS Dtainz ernannten Provinzialdirektor der Provinz Oberhesien und Kreisrat des Kreises Gießcn, (3c- heimerat Dr. Breideri den Auftrag zur Vcrsehung der Funktionen eines landesherrlichen Tcrritorialkommissars bei der Festung Riainz erteilt. "Aus dem Militär-Wochenblatt. Der Pottepee- Unteroffizier v. Grolmann, Ablturient der Hauptkadettenanstalt, wurde im Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116 als Fähnrich angeslellt. " Justizperson al re n. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden die Referendare Dr. Hans Andres aus Darmstadt, Otto Böck n er aus Heuchelheim, Wilh. Clemm aus Bübingen, Jak. Ernst Günther au$ Mainz, Karl Korn aus Atzet), Aug. Nuß aus Gernsheim, Ebuarb Rompf aus Lang-Göns, Ernst Seid aus Gießen, Otto Steiner aus Schwanheim unb Dr. Gottl. Storck au§ Mainz zu Gerichtsassessoren ernannt. — In bcn Rttl hesta nd versetzt würbe am 2. Aiärz ber Oberaufsehec an der Zcttenstrafanstalt Butzbach Ebuarb Moritz auf sein Nachsuchcn unter Slnerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, bis zur Wieberherstellung seiner Gesnnbheit, unb unter Verleihung bes Silbernen Kreuzes bcS VerdienstorbenS Philipps des Großmütigen. ** Postpersonalnachrichtcn. Versetzt wurden die Telegraphengehilsinncn Heß von Bad Nauheim nad) Darmstadt unb Schmidt von Darmstadt nach Bad Nauheim. ** Erledigt ist eine mit einem kathol. Lehrer zu be« setzende Lehrerstelle an der Gcmcmbeschule zu Heusclist a m m. " Eine Polizeikonferenz ber hessischen Poli- zeiverwaltungS -Vorstände findet am Dienstag in Frankfurt a. M. statt. "Die hessische L a n d e s f y n o d e wirb vom Donnerstag, 10. b. Mts., an eine voraussichtlich fünf Tage bauerubc Beratung abhalien. " Sta btt he ater. 9iochmals sei auf bas morgige Benefiz des Negisftnrs Hermann Norden hingewiefen. Do Herr Baumeister vom Darmstädter Hofthcater erst für Mittwoch, 16. März, zu einer „TantriS^-AiZfführung hier frei ist, so war die Direktion genötigt, „Kl«in Doritt" für kom- menbeii Mittwoch als Abonnements-Vorstellung anzusetzen, was ursprünglich nicht beabsichtigt war. Die Niittwochs- Abonnenten, die „Klein Doritt" bei bei Bcnefizoorstcllung füi Herrn Bakos besucht haben, erhalten deshalb auf Wunsch für kommenden Mittwoch einen Gutschein umsonst. ** Feldbergsest-Tnrutag. Gestern vormittag 10 Uhr sand in der Turnhalle des S a ch s e n h ä u f e r Turnvereins der 71. Feldbergfest-Tumtag statt. Nach den üblichen Berichten unb verschiedenen Beschwerden und Mitteilungen erfolgte die Entlastung der Rechner; inan vci> fügt jetzt über etwa 916 Mk. Vermögen. Nachdem die Anwesenheitsliste 106 Vereinsvertretei und 7 Aus schuß Mitglied er, insgesamt 113 Stimmen festgestellt hatte, würbe bas biesjährige Fest auf bcn 19. Juni gelegt; es findet toieberum ein Fünfkampf statt, beftchenb in Scabhoch, Frei weithoch, Steinstoßen, 100 Meter Lauf (diesmal bergan) unb einer Freiübung; diese wurde in namentlicher Äl>- ftinnnung nur mit 59 gegen 54 Stimmen genehmigt. Ilm oic zu große Beteiligung sowie besonders and) die Sicgcr- zahl zu vermindern, wurde dem Wunsche des Ausschusses Rechnung getragen und die Puntlzahl, die zum Siege berechtigt, "nut großer Mehrheit von 31 auf 56 erhöht, nach' dem weitergehende Anträge Mainzer und Frankfurter Vereine auf Erhöhung auf 60 bz-w. 58 Punkte zurückgezogen ober abgelehnt worben waren. Weitere Mainzer Anträge betreffend Sporthosen unb Nagelschuhe fanden keinen An klang. Von allen Seiten würbe es als wünschenswert bezeichnet, den Verkauf der offiziellen Festtarten zu heben; es sind von diesen nur 2000 Stück ab gesetzt worden bei einer Gesamtcmslage bei ber Post von 35 000 Stück. Nach dem Ausschuß unb Rechner burch Zuruf einstimmig wieber gewählt Wvrden waren, konnte die Verfmumlungum Uhr geschlossen werden. Otto Reutter, Deutschlands boltStünttichfter und be liebteftcr Humorist, dessen origüiclle, geiftwruhende Vortrags- kunft seit Jahren überall außerordenttiche Triiuupl>e feiert, ist seit Samstag auch wieder einmal bei uns eckigelchrt. Im Kolosseum gibt der beliebte Künstler ein brcitägigcs Gastspiel, das eine große Anziehungskraft ausübt und dem Vortragenden ftürmiidjcii Beifall sichert. Mau kennt die außerordentliche Vor tragskunst Rcutters, die bcn Hörer so angenehm unterhält und die doch des tieferen Gedankens nicht entbehrt. Lächelnd, nachlässig fast erscheint die Art seiner Gestaltung, die ihm seit Jahren weniger beanadetc Kollegen vergeblich uaehzumad;en versuckt haben, aber alles Leben drängt sich in dem jovialen Gesicht zusam men und schleudert seine Witze mit unnachahmlicher Grazie in das Publikum, das mit ofsencn Augen und Ohren wie seftgebanm. lauscht. Von der großen Anzahl ber von ihm mngetragenen Stücke ist wohl: Immer korrekt und auch In dem Moment am originellsten, aber auch ber Geburt stagsoiikel mit seiner großen Anzahl ulkiger Gesd-enke, und die vielen an deren Vorträge fanden sehr aufnahmefähige Zuhörer und sdftugen mächtig ein. Wohl mancher hätte gern noch weiter zugehört aber alles hat eben ein Ende. Von dem übrigen Programm, das wir ja bereits ausführlid) besprochen haben, siiid als neu die beiden Wiels und Steowas zu nennen, die sich als außerordentlich geschickte Turner erweisen, wobei es nicht das geringste ist, daß beide ohne jede Stütze einander aus dem Kopl flehen, und dabei uod) allerhand Kunststücke machen, die höchlich erstaunen. " Silberne Hochzeit feiern heute Bäckermeister Balthascr Schombcr und Fran Margarethe, geb. Stohr. — Wicscch, 7. März. In der am SamStag abgehaltencu Versammlung des Kriegervereins wurde beschlossen, an dem im Sommer d. I. in Londorf ftattfiubttldeu Jubiläums fest des dortigen Kciegervereins teilzuuetmeu. Außerdem gelangte ein Antrag zur Aimabme, wonach ieoeu Montag abend in der Wrrl- schaft des .Herrn Adam Ziegler eine xwangloft Zniag-in iisnnfl der I ?|, * i' I y. Zehrer« H JrffiÄCI Dglieder- | Korten ! ,^eibcnben öciegel ll- X ®‘ ; iines Land, :!ochbars u das Schwt »treten un (IStzlich ste I ftm banebe | i.ffc Wun! j öch anwese R.Od Mag kon j verflog di ssnderc tat ■überquerte i lausen. U mKchmn j »ach link«, j fthen-Mll | litt Zallor 1 aud) die Z I Zuge 7.50 । toi Amer mann gefü lz. Al 1 rage eine Z I tt- ftrei 1 raten 'Sortn | lerberich I uii den Ä 1 Interesse, t I ichi zahlrci vörtragenb 7. Alsselb iurfus Plzing war sehr s! auf Roflci m. V | n arben i>, 2aluic bui b’ilen amu Mei der & IÄssen cii Irinc Reihe || Mi tu me Ipe Oelber I hielten zi | 'ürner nm I jtit 150, bei I idt 8(1 Mi | !Je 3u(aget ] ^taat ipati I sBecke vmh | ’itiigte in Itaiüber : || --Ictcr Lnnc sollte b ||dernrii » er Plan || Steiner hab || Äbung ( || W 'Dieter ! Glosser- test J'n8?böt§ De | Tie A iut hs* | •'Jr 3 Mete |M|eu( men M in letzt |Matutb : pefcoube in s-- daß ber •1® -iinaic | Ungern,i k* in bn lötoit b Et W letn Stith erzog h.. Wen ucv dlcektor Men, fc, ieh'ing '«ißärs btt 'r Portep«. upikadklttr, ANniz ießung bj! e §Qr! öeuchelhtiii! nthcr ql; ®ernSbei«r. qu§ ©iegtr ■tt(. 6to[(< — In bi- Dberaufjebt: 6 aus (tig igcn treutü ndheit, w,! cbien|lorbtti löurbtn K d) Tamslck: i. ehrcr zu bt. i Heuseii- ihcn Poli. Dienstag c om Sonnei:- age bauern): das morgig! eroieien. 2? rsi füt Ml- hier frei iii, t" fii: loifr j anjuie^ littrooty- WUÜum i s Wunsche ii vomitttj iuserTm Ilacli den ri en und S -r: man W* idem die fr Asschußnv! hatte, !vuM gt: es slM mbhoch, 5ri: ,öl bergan entlichcr iehnugt- 11= i) die a AsschuitkS nni Dege ■■ erhöht, M mksurterA rnrückgezo^ Lzcr W >n seine» s scheiisiverl^ tcn zu W; ii mordens Ltülk. Linntifl jejj* jnphe orde'^L * M ’ ieW -jj ,r öraz^ 7^ »i- 'S '-S W ' ' Mr II* ; icn, Sackes -lirf - - rtfl (IW -'H’h'-' flL bÄ pfi ncrre^KS' spräche dauert fort. * sollen an Ort an, 186 Stämme mit 13 Stämme mit -A« [1395 [1358 Württemberger Hof Fritz Rosenbaum - u" Löwcngassc 20. Telephon 692. iT.^a^rn H. Ruhl 01865 zu sich Das Ein ereignete stra ße. Frankenbach, den 4. März 1910. Der Bürgermeister: Schneider. der Bestattungsgenosscnfchaft der freien Tchreincrvereinigung Gießen Zusammenkunft im Distrikt Fichtenberg. Fronhausen am 4. März 1910. Der Waldvorstand: Gerhardt. (ßcricbtsiaal. Straßburg, 5. März. In dem Urkunden- unb Zeugnis- sälschervrozeß Richard Kluschak und Gen., der in der vorigen Woche vor ber. Strafkammer zur Verhandlung stand, erhielten der Eisenbahnsupernumerar 2iick)ard Kluschak 4 Jahre Gefängnis gegenüber 5 Jahren Zuchthaus, die der Staatsanwalt beantragt hatte. Tie Angeklagten Student Frits cb 4 Monate und der Handlungsgehilfe Boyer einen 9Jlonat Gefängnis gegenüber den vom Staatsamvalt beantragten Gefängnisstrafen von 9 bczw. 2 Monaten Gefängnis. Schuhmacher Gelzenleuchter lief in dem Moment über die Schienen der Straßenbahn, als gerade ein vom Marktplatz kommender Wagen durch die Schulstraße fuhr. Frau Gelzenleuchter wollte das ftmb noch vor dem Wagen wegholen, wurde aber ebenso wie das Kind umgefahren und eine kurze Strecke geschleift. Während das Kind nur eine Hautabschürfung am Kopfe erlitt, wurde der Frau die rechte Hand vollständig abgequetscht und sie trug auch noch eine Kopfwunde davon. Sie wurde zunächst in ihre nahegelegene Wohnung gebracht, mit Notverband versehen und dann m die chirurg. Klinik aufgenommen. Es wird uns mitgateilt, daß die Mutter des geretteten Kindes während des Vorkommnisses im Gespräch mit der verunglückten Großmutter auf der Straße ges.andcn habe. Tas Unglück gibt wieder Veranlaisung, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Eltern ihre Kinder besser beaufsichtigen sollten. Wie ost wird darüber geklagt, daß kleine Kinder, die kaum das Gehen gelernt haben, in engen Straßen auf den Geleisen der Straßenbahn sich herumlrciben. Diamenb- lrch in der Neuenbäue Haden die Bewohner und Passanten sehr oft solch gefährliche Situationen mitansehen müssen. Aber auch für die Wagenführer der Elektrischen möge der Unfall eine Warnung sein. Ten Führer soll im vorliegenden Zull keine unmittelbare Schuld treffen, aber noch immer wird über zu schnelles und unvorsichtiges Fahren lebhaft geklagt. Bei dieser Gelegenheit ist es angebracht, auf einen Uebelstand hinzuweisen, der sich aus mancherlei Ursachen unangenehm bemerkbar macht. Wir meinen, daß das Ein- und Anssteigen vorn, beim Wagenführer, unpraktisch und lästig ist. Zwar wird es vielleicht dabei erreicht, daß einem oder dem anderen „Durchbrenner" das Handwerk gelegt wird und täglich ein paar Groschen mehr vereinnahmt werden, als es beim Ein- und Aussteigen durch die Hintere Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, dem 8. ülcäij 1910: Vorwiegeno heiter, trocken, noch wärmer, auch nachts milder. U>riversitäts-Na o^med-una icmtcrabid-artHtfier Ang.legenheiten. 1 " — Garbentcich, 6. März. Entern abend hielt die hiesige Spar- und Da rlc hnskafse ihre Generalversammlung in der Wirtschaft von Peter Becker ab. I Die Kasse, die sich in ihren.: Geschäftsverkehr auf Garbentcich und Hausen beschränkt, wurde vor 11 Jahren auf Anregung be5 Lehrers Weife mit 25 Mitgliedern gegründet. Sie er- freut sich eines steten Zuwachses und hat gegenwärtig 164 Mitglieder. Der Geschäftsverkehr war im abgelanfenen Jahre r-cht flott, es wurden 220 000 Mk. umgesetzt. Demzufolge war das Geschäftserträgnis auch ein recht günstiges. Die Hälfte des Reingewinnes gelangte als 6prozentige Dividende zur Verteilung, die andere Hälfte imirbe den Reserven über» wiesen. Die Kasse hat auch den Kartengelderverkauf in ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen, um einesteils den Sparfinn der Jugend zu wecken und andernteils der geringeren Be- völkerung die Zinszahliing zu erleichtern. Hiervon wurde denn auch reichlich Gebrauch gemacht, indem Mk. 7000 an Karten zum Verkauf gelangten. Die statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Balthasar Hainer und Jakob Briegel IL wurden fast einstimmig wiedergewählt. X Ettingshausen, 6. März. Der 7jährige Sohn emc5 Landwirts war gestern nachmittag in der Hofreite eines Nachbars und sah 511, während Häcksel geschnitten wurde. Das Schwungrad wurde nicht mit der Hand gedreht, sondern getreten und mittels eines R,e,nenS die Bewegung hcrgestellt. Plötzlich fiel der Riemen herab und ein Haken daran ging dem danebenstehenden Knaben in den Oberarm, wodurch eine tiefe Wunde entstand. Zum Glück ivar Dr. Schaad von Lich anwesend, der gleich zu Rate gezogen rourbc. R. Odenhausen (Rabenau), 6. März-. Heute nachmittag konnte mail zwei Luftballons beobachten, der eine überflog das Lumdatal in der Gegend von Mainzlar, der andere kam zwischen 3—4 Uhr von Reinhards Hain und überqueric das Lumdatal zwischen Geilshau,en und Odenhausen. lieber dem Tal stand er lange stille, wurde in der Richtung nach Nieder-Lhmen abgetrieben, wendete dann 11 ad) links, überflog den höchsten Waldpunkt hier, den sog. 5^ohen-97oll und landete nahe bei R ü dd i n g s h a u s e n. Der Ballon wurde auf dem Bahnhof Odenhaufen verladen, aud) die Inf aff en, 2 Herren und 1 Dame, fuhren mit dem Zuge 7.50 Uhr nach Frankfurt a. M. Der Ballon führte den Namen „Hansea" und wurde von einem Herrn Landmann geführt. lz. Alsfeld, 6. März. In der „tone" fand dieser Tage eine Versammlung von Gei st lichenundLehrern bes Kreises statt, in welcher Pros. D. Eger aus Friedberg einen Vortrag hielt über bas Thema: „D ic biblischen Wun- berderichte unö ber Religionsunterricht". Die nuf den Vortrag folgende rege Aussprache zeigte das lebhafte Interesse, welches ber Stoss gesunden hatte. Im Namen dec sehr zahlreich erschienenen Zuhörer dankte Dekan Sauecwein dem Vortragenden unb wünschte, Pros. D. Eger balb einmal wieber :n Alsfeld begrüßen zu können. ;\ Grog- Felda, 6. März. Ein Fortbrldungs- turfuö für Sattler wurde hier von Herrn Louis ÄWlzing abgehalten. Dee Llursus dauerte 21/, Monat und war sehr stark besucht. Auch ein Ungar und ein Bulgaren ahmen ans Kosten ihrer Regierung teil. m. Bad N a 11 h'e i 111, 6 .März. Kurz vor Weihnachten nurben die Arbeiter unb Angestellten des Bades und der Saline burd) die Betriebsleitung aufgefordert, ihre Dienst- zelten anzugeben. Es war geplant, den länger als 20 Jahre lei der Babeanstalt Beschäftigten aus ben Betriebsüber- schüsfen eine befonberc Zuwenbung zukommen zu lassen. Eine Reihe Personen mit 20, 25, 30, 35, 40, 45 und 50 Jahren meldeten sich. Tieser Tage nun wurde bekannt, daß bic Gelber verteilt werden sollien. Bei der Auszahlung erhielten zwei Leute die Zulage: der Obergradierer Anton Reimer am Schwalheimer Rab erhielt für 50jährige Dienstzeit 150, der tirabierer Iran Hartmann für 42^äyrigeDienstzeit 80 M t. Auf eine Anfrage, warum denn bic anberen die Zulagen nicht erhielten, wnrbe ihnen bcbcuret, baß ber Staat sparen müsse, es seien keine Gelder für derartige Zwecke vorhanden. Ein amerikanisches Kvnsortiuni beabsichtigte im vergangenen Jahre in ber Britanniastraße gegenüber bem Kurhause ein Riefenhotel von ca. 65 Meter Länge und ca. 30 Meter Höhe zu errichten; außerdem sollte bas .votel eine eigene Waschanstalt erhalten, trotzdem derartige Gebäubc in dem Villenviertel untersagt sind. Ter Plan soll jetzt Wirklichkeit werden. Sämtliche An- grenzer haben gegen den beabsichtigten Neubau mit der Be- grünbung Einjprud) erhoben, weil nur ein Borgarten von 6,50 Meter vorgesehen ist unb der Abstand von den Grenzen nur 3 Meter beträgt. Der Einspruch wird aber nicht viel helfen, wenn sich bic Stabtoerorduetenversammlung nicht nocli in letzter Stunde entschließt, eine Aenderung des Lrts- tmistatuts herbeizuführen, bic insbefonbere die Höhe ber Gebäubc in diesem Viertel festsetzt. Sehr zu bedauern ist es, baß brr Fremdenverkehr immer mehr in die Riesenhotxls und Sanatorien der Aerzte geleitet wird. Die einzige Industrie Nauheims, das kleine Vermietgeschäft, wird immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Es ist bekannt, daß in ulen Lagen trotz der sich steigernden Frcaucnz Hunderte von Zimmern während der.Saison nicht ein einziges Mal besetzt waren! — Friedberg, 6. März. Auf ber Tagesordnung der am nächsten Donnerstag stattfindenden Sitzimg der Handelskani- m er stehen mehrere wichtige Bahn anträge: Das Bahnproiekt Friedberg—Ranstadt, Antrag wegen Herridstung eines britten Gleises auf ber Strecke Frcuiksurt—Gießen, Ztlmrag^wegcn ber Durchführung des zioeiteii Gleises aus ber Strecke Friedberg— FriedrickBbors, Antrag der Handelskammer Altona wegen Vermehrung der Eilzüge auf der Strecke Hagen—Gießen—Frank- ürt. . . L HochWeisel, 5. März. xJ'iadhbent nn).er seitheriger Bürgermeister mit Rücksickst auf sein Alter sein Amt niedergelegt hatte, fand gestern die ,W a h l eines n euen Bü r - zermeisters statt. Gewählt wurde mit 131 Stimmen Phil. Diehl. Sein Gegner, Fleisd)beschauer Jmbescheid, erhielt 24 Stimmen. Unser neues Ortsoberhaupt gilt als ein ruhiger, besonnener Mann, der fein Amt zum Wohl und Besten der ganzen Gemeinde führen wird. = Odenha.ufen a. d. Lahn, 6. März. Vom 18. bis 20. Juni findet hier das5. B u n d e s f c st des Turner- bundes Lahn-Dünsberg statt. Gleichzeit.g feiert ber hiesige Turnverein sein Fahnenweihfest. Tie Vorbereitungen finb bereits in vollem Gange. Die Lieferung der Fahne, sowie die Festmusik wurde der Firma H. 5bißgen in Lich übertragen. * Biedenkopf, 6. März. Gestern nackmrittag ivurdc der FuhruntecnelMer Louis Köhler aus Eickeujeio bei Nieder- ichelden von seinem eigenen Wogen üversahren unb getötet. — Beim Alstaden von Holz von eurem Wagen der Ei,ern-Siegener Eisenbahn Mg sich der Arbeiter Atzmann aus Römershau.eii im hiesigen Kreise so idjimne Verletzungeii zu, daß man für.sein Leben fürchtet. K.. Hanau, 6. März. Im Ostbahnhofe geriet in der verflossenen Nacht der Rangierer Aibert Wiesmann aus Hanau beim Kuppeln zweier Wagengruppen durch Aus- gleiten unter die Räder, die ihm über den Unterleib gingen und ihn schwer verletzten. Auf dem Transport nach dem Krankenhaufe verschied er. to. Frankfurt a. M., 5. Äiärz. Der erste Tag des P r e i s- reitens des Frankfurter Rennklubs im Hippodrom ging bei ausoerkauftem Haufe von statten. In der Fürstenloge waren anwesend, u. a. der Kronprinz unb die Kronprin- zefsin, das G rv ßhe r z 0 g s pa a r von Hessen, bic Kronprinzessin von Griechenland, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz und Prinzessin Albert von Schleswig-Holstein, Prinzeisin Sibylle von Hess Qi, Herzog Franz Jvjeph in Bayern. Tie Haupt- konlurrenz, die Staatsprelsreitkonkurreuz, gewann Major v. Eicke, Husaren-'Regt. 9h:. 7, den Elsrenpreis des Großherzogs von .Hessen in der Sprsiigkonkurrenz gewann A. Becker-Frankfurt. Währ^id ber Teepause nal)m die Kronprinzessin an bic mitreitenben Tarnen ber ReitkonkurrQiz bie Preisoerteilung vor. In ber Staatspreis- reitkonkurrenz hatte ein Pierb des KronprsiizQi mitkonkurriert, bas von Leutnant v. Zabeltitz geritten wurde und den vierten Platz belegen konnte. Medizin, und tcchn. Trogen, Chemikalien, Materialwarcu, Cbemifche SveziaUtäten eigener Fabrikation. V' Otto Tchaaf, (SiCßCtt, ScltcröTOcg 38. Ä Klein- und Großhandel. Auskunft über ehern, rechn. Fragen. Vergebung von Banarbeiten. Die für die Erbauung eine6 Lchulhauscs in Steinbach nebst 9lborlgebäude und Einfriedigung, 'foipie für die Verlängerung des Kanals in der Kirchslraße erforderlichen Arbeiten und Lieferungen, wie Erd- und Maurer-, Steinmetz- iLimgstejn), Zimmer-, Dachdecker-, Spengler-, SchloFer-, Glaser-, Schreiner-, Weißbinder-, Tapezier- und Kanal-Arbeiten, die Blitzableitcraulagc, Eisen-, Röhren- und Zementlicferung sollen im Wege öffentlich. Angebots vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten, Zwimer Nr. 18, während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind verschlossen und postfrei bis spätestens Freitag den 18. März 1910, nachmittags 1V5 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Steinbach cinzüreichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bewerber ersolgt. Freie Wahl unter den Bewerbern bleibt Vorbehalten. Gießen, den 5. März 1910. Der Großh. Krcisbaninspektor des Kreises Gießen. I. 23.: Knüll. b% Kaplansgasse 10. Morgen Dienstag Metzelsuppe Stlcuic Tageschronik. Oskar Jäger, der berühmte Geschichtsschreiber, dessen vierbandige Weltgeschichte nun schon in 7. Auflage vorliegt, ist am Samstag int Alter von 80 Jahren ge ftorben. Er war am 26. Oktober 1830 zu Stuttgart ge boren, zuerst Gymnasiallehrer (u. a. 1859 auch in Wetzlar und dann von 1865—1901 Direktor in Köln. Dann siedelte er als ordentlicher Honorarprofessor nach Bonn.über. Audi als namhafter Pädagoge genoß Jäger ein großes Ansehen. Beim Rogers-Paß im Selkirrgebirge ereignete sich ein Lawinen st urz, wobei 92 Mcnsd)eu nmgekommen finb. Zur Vorbereitung von Zeppelings Norbpolfahrt sollen am 1. Juli nach Spitzbergen Vorstöße in das Polar eis gemacht werden. ' handel. L. Friedberg, 6. März. Ter Vorschuß- unb Krebitv crcin, eingetragene Geiwssenschast mit beschränkter Haftpflidst (3000 Mk.), Hal heute feinen Jahresbericht veröffent licht. 9?ad) demselben zählt ber Verein 1278 Mitglieder mit einem Gefarntguthaben von 574 833 Mk. Die Haftsumme der Mill glieder a 3000 Mk. betrug zu Ansang des Jahres 3 834 000 Mk. Dec Hauptreieroesvnbs i)i 233 000 Ml. L'ie M>usionskasse der Beamten ist ans 60 000 Mk. migewachsen. Ter Gesamtumsatz betrug 1909 39 633 415 Mk. gegen 37 967 000 Mk. im Vorjahr, ist also in stetiger Fortentwicklung begriffen, wenn auch bei Gewinn in diesem Jahre gegen das Vorjahr etwas zurückgegangen ist, veranlaßt durch die srnanzielle Lage aus allen Gebieteii. Tje Dividende ist mit 7°o der Generalversammlung vorgeschlagen. und Stelle versteigert werden: A. Nadelholz: 65,53 Fstm., 8 bis 16 in lang, 12 bis 42 cm Durchmesser. B. Eichen: 9,96 Fstm., 4 bis 10 m lan^/^oSsä 61 cm Durchmesser. 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