Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. ., Ar- :en. Die Arbeit der Parlamente im nächsten Winter. Von gutuuterrichteter parlamentarischer Seite wird rruZ geschrieben: ziert hatte. Es enthielt eine sehr reiche Galerie von Porzellan, alle Zimmer waren mit den schönsten Spiegeln verziert, und da dieses Haus ein wirkliches Kleinod war, trug es auch den Namen Monbijou. Der Garten war prächtig und erhielt von dem an ihm vorbeifließenden Fluß große Mnehinlichkeit, Was den preußischen Landtag anbetrifft, so wird! keine Tagung weniger arbeitsreich sein und cutch nicht vor! Anfang Januar 1911 beginnen. Seine Hauptarbeit wird die Erledigung des Voranschlags sein, lieber weitere Vorlagen stehen noch jähere Bestimmungen aus, vorbereitet sind ein Zwecksverbandsgesetz für größere Gemeinden, ein Feuerbestattungsgesetz, ein Entwurf über die Schulpflicht' Taubstummer, ein Entwurf über die Neuregelung der Ein^ kommen- und Ergänzungssteuer und der Dektarationspslicht, ein Entwurf über den Fortbildungsschulzwang in Gemeinden über 10000 Seelen, ein Entwurf über ländliche Pflichtfortbildungsschulen, einige Eingemeindungsvorlagen, eine Vorlage über die Einführung des Schleppmonopols auf preußischen Wasserstraßen, ferner ein Startstromgesetz, ein Fischereigesetz und ein Wassergesetz. Indes steht noch nicht fest, welche von diesen Vorlagen dem Landtage unterbreitet werden sollen und welche Vorlagen zurückgestellt werden müssen Tage, wo der Zar und seine Gemahlin die Königin besuchten., Diese empfing sie in den großen Zimmern des Schlosses und ging ihnen bis in den Saal der Wache entgegen, sie gab der Zarin die Hand Und führte sie zu ihrer Rechten bis in ihr! Audienzzimmer. Ter König und der Zar folgten ihnen: sobald der Zar mich sah, erkannte er mich, da er mich vor fünf Jahren gesehen hatte, er nahm Mich auf den Arm und schund mir das ganze Gesicht mit feinen Küssen. Ich gab ihm links und rechts Ohr- feigen, sträubte mich aus Leibeskräften und sagte, daß er mich beschimpfe. Der Einfall machte ihn sehr lachen, und er sprach lange mit mir. Man hatte mich meine Lektion gelehrt: ich sprach von feiner Flotte, von seinen Siegen, worüber er so entzückt war, daß er mehrmals sagte, er gebe gern eine seiner haben. Auch die Zarin! HUQHUI I V 14 L , UU|) V L Illi 1 11 l U i » I u y LU' V Provinzen, um ein Kind, wie ich sei, zu machte mir viele Liebkosungen, die K "ig'in und sie selten sich unter beit Thronhimmel auf Armsen e. ich stand neben der Königin, die Prinzessinnen vom Geblüt standen ihr gegenüber. Der besuch eines Zaren in Deutschland im Jahre mz. Ich habe im vergangenen Jahre vergessen (so erzählt die Markgräfin von Bayreuth, die Schwester Friedrichs des Großen, m ihren Denkwürdigkeiten, die unter dem Titel „Eine preußische Königstochter" bei W. Langewiesche-Brandt in Ebenhausen erschienen sind), der Ankunft des Zaren Peters des Großen in Berlin zu erwähnen. Dieser Fürst, der sehr gern reiste, kam aus Holland; im Klever Lmrde mußte er sich aufhalten, die Zarin hatte dort eine vorzeitige Niederkunft. Da er weder Gesellschaft noch Förmlichkeiten liebte, bat er den König, ihn in einem Gartenhaus, welches die Königin in den Vorstädten von Berlin besaß, wohnen zu lassen. Dieses war ein sehr niedliches Gebäude, das die Königin mit Vorliebe auf das prächtigste ver- Beide Fragen sind vorläufig schwer zu beantworten. Die Liberalen werden kaum Lust verspüren, auf das verschlissene Gewand der doch verfehlten Reichsfinanzreform noch einen neuen Flicken aufzusetzen, und Konservative und Zentrum können doch schwerlich jetzt alles, was sie im vorigen Sommer gegen die Rerchserbschaftssteuer gesagt haben, de- und wehmütig zurücknehmen, ohne bei ihren Wählern den größten Anstoß zu erregen. Neue Steuern sind überdies, wo in fünfviertel Jahren die Reichstagsneuwwhlen bevorstehen, ein sehr zweischneidiges Schwert. Selbst wenn die bürgerlichen Reichstagsfraktionen sich über eine Reichserb- schaftssteuer in irgend einer Form einigten, wer sicht dafür, daß nicht diese neue steuerliche Belastung zahlreiche Wähler ins sozialdemokratische Lager triebe? In Zeiten allgemeiner Verärgerung, wie wir sie jetzt haben, bedarf es nur eines kleinen Anstoßes, um das Faß der Geduld zum Ueberlaufen zu bringen. So glauben wir nicht, daß die Reichserkschaftssteuer schon in diesem Herbste kommt. Trotz aller Finanzmisere wird es einstwellen noch bei der weiteren Schuldenwirtschaft des Reiches sein Bewenden haben müssen, bis die Neuwahlen im Herbst 1911 unserer ganzen inneren Politik das Urteil gesprochen haben und so auch der Reichserbschaftssteuer. Dann wird man ganze Arbeit machen und unter teilweiser Beseitigung der bisherigen Finanzreform eine Zoll- und Steuerpolitik einleiten müssen, die dem Reiche sichere und ständig wachsende Einnahmen gewährleistet, ohne Handel, Industrie und Gewerbe, die doch die Hühner sind, die dem Reiche die goldenen Eier legen, wie bisher aufs schwerste zu belasten und zu beunruhigen. Reichsfinanzlage und Reichserbschastssteuer. Die Auskunftsstelle des Hansabundes hatte kürzlich eine Berechnung über die jüngste Reichsfinanzreform ausgemacht und dabei nachzuweisen versucht, daß die neuen Steuern, deren Gesamtergebnis im Etatsjajhre 1910 nach dem Willen der Gesetzgeber sich auf 428 Millionen beziffern sollte, nur mit 229,4 Millionen Mark in den Etat eingestellt seien — ein Zeichen dafür, daß man auch im Reichsschatzamte den Wirkungen der Steuerreform nur das halbe Vertrauen entgegenbrachte. Die offtziösen ^Berliner Politischen Nachrichten" haben darauf an der Aufstellung des Hansabundes eine Korrektur dahin vorgenommen, daß sich das Soll des Mehrertrags der neuen Steuern nur auf 413 Millionen beliefe, der Etatsansatz aber um 50 Millionen höher an- genonrmen werden müsse, so daß sich damit die Differenz zwischen Steuersoll und Etatsansatz um 65 Millionen ermäßige, mithin nur 136 Millionen statt der vom Hansa- bund berechneten rund 199 Millionen betrage. Das ist nach den Darlegungen des Reichsschatzsekretärs Wermuth vom ' 9. Dezember 1909 auch unzweifechaft richtig, ändert aber nichts an der Tatsache, daß man auch in Regierungskreisen den Wirkungen der neuen Steuern von vornherein nicht allzuviel zutraute. Wenn nun noch wenigstens die neuen Steuern dieses Mehr von 279,4 Millionen Mark im Jahre 1910 ergeben würden, könnte man zufrieden sein. Aber obgleich der Abschluß der Reichshauptkasse für 1909 infolge der Neuordnung der Branntweinsteuer, infolge der starken Voreinfuhr und Nachverzollung und infolge einer Reihe von Minderausgaben ein Mehr von 1131/2 Millionen gegenüber dem Etatsansatze ergab, so wird man an eine ähnliche Mehreinnahme beim Abschluß der Reichshauptkasse für 1910 schon deshalb nicht denken können, weil im Jahre 1910 die starke Vor ein fuhr und Nachverzollung ausbleibt, und, mögen auch die neuen Steuern erst in diesem Jahre ihre volle Wirkung äußern, sie doch, wie die bisherigen Veröffentlichungen beweisen, im ersten Drittel des Jahves um 12 Millionen hinter dem Etatsansatze zurückgeblieben sind, so daß angenommen werden darf, daß der Abschluß des Reichshaushaltsetats für 1910 mit einem Defizit von 36 Millionen schließen wird. Da der Anschlag für Zölle, Steuern und Gebühren im Etat für 1910 sich auf 1441,5 Millionen Mark belief, so wird man ihn, was die Erträge der neuen Steuern an- ! langt, nach den bisherigen Ergebnissen des Jahres 1910 zum mindesten um diese 36 Millionen für das Jahr 1911 geringer annehmen müssen, während die Ausgaben des Jahres 1911 sich durch die weitere Abbürdung der Mätri- kularbeiträge (42 Millionen), durch die verstärkte Schulden- : tilgung (50 Millionen), den Zuschuß zum Reichsinpaliden- fonds (25 Millionen), die Achöhung der Reichszuschüsse zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung (1 Million), die Steigerung der Beamtengehälter und Pensionen (5 Mill.) und durch die kommende Quinguennatsvorlage (50 Mill.) ganz ohne weiteres um 173 Millionen Mark erhöhen, das Defizit für 1911 also 209 Millionen Mark betragen würde. Freilich vermindert es sich durch den Fortfall der einmaligen Beamtenbeihilfen (27 Millionen) und der ij^rbschaftssteuer- rückzahlungen an die Bundesstaaten (133/4 Millionen) noch um 403/4 Millionen, beträgt aber doch immerhin noch I681/4 Millionen Mark, ohne daß ersichtlich ist, wie dieses Defizit, wenn die Reichsfinanzreform von 1909 selbst hinter dem bescheidenen EtatsansaHe dauernd zurückbleibt und an das Reich immer neue Aufgaben herantreten, aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden soll. Bezugspreis: monatlich 75Pß, vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Psi auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwottlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton" und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u. Land" und „Gerichts- Es ist ja nun freilich möglich, daß die im Reichs- schatzamt rum Glaubensbekenntnis erhobene Sparsamkeit dieses Defizit des Etats für 1911 noch um, sagen wir einmal, 50 Millionen verringert. Aber auch daran darf doch wohl kein Zweifel bestehen, daß darunter verschiedene sehr berechtigte Interessen des Reiches bei seiner Verkehrspolitil, seiner Sozial- und Wehrpolitik leiden müssen, ganz abgesehen davon, daß der erbitterte Kampf, den Staatssekretär Wermuth im Zeichen seiner Sparsamkeitspolitik gegen die einzelnen Ressorts führt, nicht gerade dazu beiträgt, die Kollegialität unter den Staatssekretären zu fördern. Es ist in Berlin offenes Geheimnis, daß sich um einzelne Posten des kommenden Reichshaushaltsetats hinter den Kulissen ein sehr heftiger Kampf abspielt, der wohl kaum ohne bedeutsame Peyonalveränderungen zu Ende gehen dürfte. Die große Frage ist nur, wer weichen soll: der sparsame Reichssäckelmeister oder einige der auf der Aufrechterhaltung ihrer Ressortforderungen bestehenden Staatssekretäre. Es ist deshalb wohl nicht zufällig, wenn jetzt wieder mehr denn je bie Rede davon ist, daß Staatssekretär Wermuth schon für die Herbstsession des Reichstages eine Neuauflage der im Sommer 1909 abgelehnten Rcichserbschasts- steuer beabsichtige, um aus der ewigen Finanzkalamität und aus dem Streit mit den Ressortämtern herauszukommen, und daß der Reichskanzler Herr v. Bethmann- Hollweg diesen Plan gutheiße, weil er mit einer solchen Konzession hoffe, wenigstens einen Teil des Liberalismus an seine Fahnen zu ketten und so die vielumstrittene Sammlungspolitik der bürgerlichen Parteien für die nächsten Reichstagswahlen wenigstens vorzubereiten. Die Frage ist nur, sieht der Liberalismus in der Reichserbschastssteuer wirklich ein Entgegenkommen, wenn nicht gleichzeitig ein Teil der Industrie, Handel und Gewerbe aufs äußerste belastenden Steuerreform vom Sommer 1909 beseitigt wird? lind wie stellen sich Konservative und Zentrum jetzt zu der von ihnen vor einem Jahr abgelehnten Reichserbschastssteuer? Endlich setzte man sich zu Tische, der Zar setzte sich neben; die Königin. Bekanntermaßen ist dieser Fürst in seiner Jugend vergiftet worden;, seine Nerven haben eine krankhafte Reizbarkeit davon behalten, so daß er oft von einer Art von Konvulsionen befallen wird, die er nicht verhindern kann. Bei Tisch Befiel ihn ein Anfall, er machte allerlei gewaltsame Bewegungen, unds da er ein Messer hielt, focht er damit so heftig ganz nahe neben der Königin, daß sie sich fürchtete und ein paarmal von der Tafel aufstehen wollte. Der Zar beruhigte sie, versicherte, daß er ihr nicht wehetun würde, und bat sie, ohne Furcht zu sein- zugleich nahm er ihre Hand mrd drückte sie so gewaltsam zwischen den seinen, daß sie um Barmherzigkeit schrie, worüber ev wacker lachte und meinte, sie habe zartere Knochen wie feinet Katharine. Alles war zum Balle vorbereitet, aber er stahl sich: gleich nach Tisch fort und kehrte allein zu Fuß nach Monbijou zurück. Am folgenden Tage zeigte man ihm alles Merkwürdige? von Berlin, unter anberm auch die Medaillen- und Antikensammlung. Unter dieser letzteren befand sich, wie man mir gesagt; hat, eine heidnische Gottheit in einer sehr unanständigen StA- lung; in den alten Römerzeiten bediente man sich dieser Sinnbilder, um die Hochzeitskamnrern zu verzieren. — Man hielt dieses Stück für sehr selten und für das schönste, welches vor-« Härchen sei. Ter Zar bewunderte es sehr und befahl der Zarin, es Zu küssen; sie widersttebte, woraus er ungehalten ward und in schlechtem Deutsch zu ihr sagte: Kopab, welches so viel hieß als: ich will dich köpfen, wenn du mir nicht gehorchst. Darauch fürchtete sich die Zarin dergestalt, daß sie alles tat, was er wollte. Ohne das geringste Bedenken verlangte er diese und nach einige andere Statuen vom Könige, der sie ihm nicht abschlagen konnte, ebenso machte er es mit einem Schrank, der ganz mit Bernstein ans gelegt war. Dieser Schrank, der einzigy in seiner Art, der König Friedrich dem Ersten ungeheure Summen gekostet hatte, hatte zum allgemeinen Leidwesen daH Schicksal, nach Petersburg geführt zu werden. Dieser barbarische Hof reifte endlich nach zwei Tagen öS* Tie Königin eilte sogleich nach Monbijou, wo es wie bei der Verwüstung von Jerusalem aussah. Nie sah ich etwas Aehnliches! Alles war dergestalt zu Grunde gerichtet, daß die Königin genötigt war, fast das ganze Haus neu ausbauen zu lassen. ^n der Presse ist jüngst die Meinung vertreten worden, daß der bis zum 9. November vertagte Reichstag wahrscheinlich erst Ende November zusammentreten werde, weil der aus dem Sommer vorliegende Stoff nur ganz vereinzelt plenarreis fei und der November größtenteils noch den Ausschüssen zur Vorberatung der Reichsversicherungsordnung und der Strafprozeßordnung Vorbehalten werden; sollte. Wie wir hören, trifft diese Vermutung nicht zu. Ueber den Zeitpunkt des Wiederzusammentritts des Reichstags liegen allerdings noch keine Entschließungen vor, doch hegt die Reichsregierung den Wunsch, daß die Zeit int November nicht unausgenutzt verstreicht und das Wertzuwachs st e u e r- und das Arbeits kämm er gesetzt möglichst bald verabschiedet werden. Der Bundesrat hat die Absicht, seine Arbeiten so zu beschleunigen, daß das neue Material zum Teil noch im November dem Reichstage zugehen kann, damit die Tagung mit Rücksicht auf die nächste jährigen Reichstagswahlen recht erfolgreich und nicht zu spät abgeschlossen werden kann. Im nächsten Winter und Frühjahr stehen höchstens 6 Monate dem Reichstage fürs seine Arbeiten zur Verfügung. Neben den vier großen, Vorlagen aus dem Sommer (Wertzuwachssteuergesetz, beitskammergesetz, Reichsv er sicherungsord n u n g, Strafprozeßordnung) sind dem Reichstage eine große Reihe neuer Vorlagen zugedachk, die in der nächsten Tagung noch vor den Neuwahlen zum Abschluß gebracht werden, sollen. Neben dem S ch i f s a h r t s a b g a b e n g.e s e tz , das vom Bundesrat bereits verabschiedet ist, kommen zunächst der neue Reichshaushalt und das neue Friedens- Prä s e n z ge s e tz in Betracht. Vor Weihnachten soll auch das Gesetz über die Privatbeamten-Versicherung vom Bundesrate noch verabschiedet werden. An sonstigen Vorlagen befinden sich in Vorbereitung der Entwurf einer elsaß-lothringischen Verfassung, eine Novelle zum Gesetze über die Staatsangehörigkeit, eine Novelle zum Patent gesetz, ein Kurpfuschereigesetz, ein Abdeckereigesetz, eine Novelle zur Regelung der Sonntagsruhe im »H a n d e l s g e w er b e, das mit der Reichsversicherungsordnung zusammenhängende- Hilfskassengesetz und der neue d e u t s ch-s ch w e- dische Handelsvertrag. Ob es gelingen wird, bett reichen Stoff zu erledigen, will zweifelhaft erscheinen, namentlich betreffs der bei den großen sozialpolitischen, Vorlagen: Reichsversicherungsordnung und Privatbeamten- Versicherung werden schon jetzt Zweifel laut. Um die Unordnungen zu vermeiden, welche die Herren Russen überall, wo sie sich aufhielten, angerichtet hatten, ließ die Königin das ganze Haus ausräumen und alles Zerbrechliche beiseite schaffen. Einige Tage darauf traf der Zar, seine Gemahlin und ihr ganzes Gefolge and) wirklich zu Wasser in Monbijou ein. Der König und die Königin empfingen sie am Ufer des Flusses; der König bot der Zarin bie Hand, um sie ans Land zu führen; sobald der Zar gelandet war, reichte er dem König die Hand und sagte: Ich freue mich, Bruder Friedrich, Euch zu sehen: darauf näherte er sich der Königin, die er umarmen wollte, allein sie stieß ihn zurück. Die Zarin begann damit, der Königin bie Hand zu küssen, welches sie oftmals wieberholte; sie stellte ihr darauf den Herzog und bie Herzogin von Mecklenburg vor, die sie begleitet hatten, und vierhundert sogenannte Damen, die ihr Gefolge ausmachten. Tie meisten waren beutfdje Mägde und taten Hofdamen-, Äanunersinnen-, Köchinnen- unb Wäscherinnenbienste. Beinahe alle diese Kreaturen hatten reichgekleidete Kiirder auf den Armen, und wenn man sie fragte, ob sie ihnen gehörten, antworteten sie mit einem russischen .Kratzfuß: Ich habe dieses Kind durch die Gnade des Zaren befommen . Die Königin wollte diese Geschöpfe nccht grüßen, dafür behandelte die Zarin sogar die Prinzessürn.eni vom Geblüt mit vielem Stolz, und bet König bewog sie nur mit Viel ex Mühe, daß sie sie grüßte. Ich sah diesen Hof am folgenden Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch 7. September 1810 erscheint täglich, außer Z3x Sonntags. - Beilagen: a Xjf Eichener Anzeiger i für bie Redaktion 112, WU General-Anzeiger für Oberheffen . bis vormittag?9^UH^ Roiation§drnck und Verlag der yruhl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulftratze 7. ® ; _____ 1 ' u Anzeigenteil: H. Beck. Die Zarin war llein unb breit, braun, ohne allen Arista nb nod) Ansehen. Man brauchte sie nur zu sehen, um ihre niebrige Herkunft zu erraten. Ihrem Aufputz nach hätte man sie für eine deutsche Schauspielerin gehalten. Ihr Kleid war auf dem Trödel getauft, altfränkisch, mit Silber und Flitter überladen, ihr Schnürleib war vorn mit Edelsteinen nach einen wunderlichen Zeichnung geschmückt, sie stellten ehren doppelten Adler dar, dessen Flügel mit sehr kleinen und schlecht gefaßten Steinen besetzt waren. Sie trug ein Dutzend Orden unb ebenfo= viele Heiligenbilder und Reliquien, die am Besatz ihres Kleides angebracht waren, unb, wenn sie ging, ein Geklingel machten, als höre man einen geputzten Maulesel. Auch bie Orben, die gegeneinanderklopferten, machten ebensolches Geräusche Ter Zar hingegen war groß unb wohlgewachsen, schön von Gesicht, aber seine Physiognomie hatte etwas Rohes, bas Furcht einslößte. Er trug ein ganz einfaches Matroserrkleid. Seine Gemahlin, bie sehr schlechtes Deutsch sprach und die Königin nur wenig verstand, rief ihre Hofnärrin zu sich, um sich mit ihr russisch zu unterhalten. Das arme Geschöpf war eine Fürstin Galizin unb hatte sich zu diesem Handwerk entschließen müssen, um ihr Leben zu retten, denn sie war in eine Verschwörung gegen den Zaren verwickelt gewesen und hatte zweimal die Kmrte. erhalten., Was sie der Zarin sagte, weiß Ich nicht; aber cs. ließ sie ein helles Gelächter aufschlagen. politische gagcsfcba«, Äranfenfaffeu und Aerzte in der Aeichsversicherungßordnung. Der Reichstagsausschuß für die Reichsversicherungsordnung ist bekanntlich zu der Ansicht gekommen, daß die in denl Entwurf vorgeschlagene Regelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten nicht besonders befriedigend sei. Landgerichtsrat Kulemann, Bremen, eine Autorität auf dem Gebiete der Berufsorganisationen und des Sozialrechts, also eine der berufeirdsten Persönlichkeiten, unterbreitet den gesetzgebender! Aktoren im Zentralblatt der Reichsversicherung .Vorschläge, die einnral der öffentlich-rechtlichen Stellung der Kranlenkassen und dann der Machtstellung der Aerztekoalition Rechnung tragen. Diese Vorschläge scheinen einen geeigneten Weg zu zeigen und verdienen daher die Beachtung weitester Kreise: Mit Staunen lese man die Beschlüsse des Aerztcverbandes, die ohne Umschweif den staatlichen Anordnungen, falls sie den erhobenen Forderungen nicht entsprechen, den Gehorsam aufkündigen. Das revolutionäre Vorgehen der Aerzte fetze diejc moralisch ins Unrecht und müsse dahin führen, daß sich die Sympathien für sie in den unbeteiligten Kreisen vermindern. Arbeitseinstellungen berührten in erster Linie das persönliche Interesse der zunächst davon Betroffenen, aber doch auch stets das Interesse der gesamten Volkswirtschaft. Die Rückwirkung auf die Volkswirtschaft könne nun einen Grad erreichen, bei dem es nicht mehr angängig ist, die Austragung des Kampfes den Beteiligten zu überlassen, sondern ein staatliches Eingreifen notwendig wird. Tiefes Eingreifen sei unbedingt geboten, wenn es sich um Betriebe handelt, die, wie Eisenbahnen, Post, Telegraph, Gas-, Was- ser- und Elektrizitätswerke, nicht still stehen können, ohne tiefgreifende Schädigungen der Gesamtheit herbeizuführen. Dies müsse auch für die Aerzte gelten; auch die ärztliche Hilfe fei mindestens dann, wenn es sich um Massen handelt, eine Angelegenheit, an der die Gesamtheit in demselben Maße interessiert ist, wie au den Leistungen der bezeichneten öffentlichen Betriebe. Den Behandlungszwang habe man 1869 aufgehoben. Soweit die Privatpraxis in Betracht kommt, sei ein Bedürfnis für feilte Wiedereinführung nicht IjecDorqetreteit. Aber ganz anders stehe es mit den Kassen Tiefe sind vom Gesetz gezwungen, ihren Mitgliedern ärztliche Hilfe zu gewähren, find aber, um diese Verpflichtung zu erfüllen, auf die Mitwirkung der Aerzte angewiesen, denen es freisteht, ob sie diese gewähren wollen. Das sei ein Widersinn, denn das Gesetz lege den Kassen eine Leistung auf, die vielfach unmöglich werden kann und ohne Zweifel die Kassen den Aerzten auf Gnade oder Ungnade ausliefert, sobald diese geschlossen vorgehen. Für Streitfälle müsse eine neutrale Instanz geschaffen werden, die berufen ist, Entscheidungen zu treffen. Es müßte dann dafür gesorgt werden, daß diese Entscheidungen durchgeführt werden. Leider Jci bei den Anhängern des Aerzteverbandes die Voraussetzung nicht gesichert, daß sie anerkennen, was man von jedem Staatsbürger fordern darf, nämlich, daß er sich dem bestehenden Gesetz fügt und insbesondere die im geordneten Rechtsverfahren ergangenen Entscheidungen än- erkennt und befolgt. Tas Mittel, das der Staat ui der ^egel anwendet, um die Befolgung der Gesetze zu erzwingen, ist die Androhung und nötigenfalls Vollziehung von Geld- und Frerhettsstrafen. Bei den Aerzten spreche manches dagegen, zu solchen Maßregeln 'zu greifen. Eine erzwungene ärztliche Leistung würde niemals denselben Wert haben, wie eine freiwillige. Ein Weg, der unmittelbaren Zwang ver- meidet, ist die Anstellung von öffentlichen Aerzten.' Die Kretafrage. Tie Botschafter der K r e t a s ch u tz m ä ch t e teilten am Montag nachmittag dem türkischen Minister des Aenßern mündlich die Antwort ihrer Mächte betreffend die Frage der Wahl von Kretern in die griechische Nationalversamm-' lung mit. In der Antwort erklären nach Informationen aus Kreisen der Pforte die Schutzmächte, der Fall dreier Delegierter, die unzweifelhaft Kreter seien, sei. durch deren Rücktritt endgültig erledigt. Bezüglich Venizelos und Polo- georgis, die Hellenen seien, sei Griechenland nichts Vorzug werfen; nur werde Venizelos von seiner Stellung als Chef der Kretaregierung zurücktreten müssen und sich nicht mehr in die kretischen Angelegenheiten einmischen dürfen. In Pfortekreisen wird erklärt, die Pforte werde die Staatsangehörigkeit, Venizelos und Polo- g e o r g i s untersuchen und nach deren Ergebnis ihre Haltung einrichten. Bei der Mitteilung der Antwort hatten die Botschafter lange Besprechungen mit dem Minister des Aeußern. Wie verlautet, erneuerten sie ihre früheren F r i e d e n s r a t s ch l ä g e. Die Kretaschutzmächte wiesen die Pforte darauf hin, daß bisher alles mögliche zur Wahrung der Rechte der Türkei geschehen sei. Die Mächte ver-, sprachen dies auch für die Zukunft und drückten die Hoffnung ans, daß die Türkei die Aktion der Mächte nicht erschweren werde. Diese Erklärung wurde im Ministerrate beraten. Gs verlautet, sie sei nicht ganz für befriedigend befunden worden. Die Pforte wird weitere Schritte unternehmen, um eine genauer gefaßte Antwort der Schutzmächte ru erlangen. Wie in Pfortekreisen verlautet, wird die Pforte in der griechischen Nationalversammlung die Gelegenheit ergreifen, eine endgiltige Lösung der Kretafrage Ku verlangen. — Ter griechische Gesandte über-, reichte der Pforte eine Note, in der die Forderung betreffend zwanzig Millionen Francs Schadenersatz für den Boykott griechischer Waren er* neuert wird. Deutsches Hetcb. Der Kaiser traf Montag nacht nach IU/2 Uhr auf der Haltestelle Proekelwitz ein. Er wurde vom Fürsten zu Dohna-^Schlobitten empfangen. Heute ftüh fuhr der Kaiser in die Proekelwitzer Heide zur Jagd. Gegen den Redakteur des „Wahren Jakob", Landtags- abgeordneten Hey mann, schwebt laut Beschluß des Stuttgarter Landgerichtes vom 3. September ein Verfahren wegen Vergehens gegen die §§ 166 und 184 Absatz 1 des Strafgesetzbuches, begangen in den Nummern 624 und 628 des „Wahren Jakob", deren Beschlagnahme verfügt wurde; sie erfolgte in den Räumen des Verlages und der Redaktion, wobei von der Nummer 624 noch hundert Exemplare gesunden wurden, während die „Katholikentag- Nummer" vollständig vergriffen ist. Der Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen trat in Budapest zu seiner Jahresver-^ s a m m lu n g zusammen. Nach Eröffnung durch den Präsidenten der Eisenbahndirektionen Berlin Behrendt begrüßte in Vertretung der Regierung Honvedminister Hazai die Versammlung Na^ch weiteren Begrüßungsansprachen wurde in die Beratungen eingetreten. In der Gemeinde Celna bei Karlsburg (Siebenbürgen) kam es zu einem blutigen Z u s a m in e n st 0 ß zwischen Gendarmen und rumäniichen Bauern. Die Gendarmen hatten den Austrag, den Bauern die nationalen Abzeichen abzunehmen. In dem dabei entbrannten Kampfe wurden zwei Bauern getötet, zwei andere wurden schwer verletzt, ebenso zwei Gendarmen. In der Nachbargemeinde wurde ein Gendarm von einem Bauern erschlagen. Von englischer amtlicher Seite wird die Blättermeldung von der Verhaftung eines jüngeren d e u't s ch c n Ossi- ä 1 eres in Portsmouth wegen Spionageverdachtes nunmehr bestätigt. Heber die Einzelheiten wird Stillschweigen beobachtet. Die Arbeiterorganisationen von Madrid sprachen sich gegen die Proklamierung des Generalstreikes in Madrid aus, da sie sich von einer solchen Kundgebung keilten Erfolg mehr versprechen, nachdem der Streik in Saragossa und Bilbao beendet ist. Unter der U eher sch r ist „Die Bedürfnisse der Schwarzmeer- Hotte" säsreibt die „Hiossija", der Marineminister sei verpflichtet, dem Ministerrat Vorlagen zu unterbreiten über die Hmbe - jy a f fnung und Neupanzcrung der Linienschiffe des ^chw^arzen Meeres, über den ilmbau der Marineanlagen in Sewastopol und Nikolajew und über die Durchführung ue£ ausgearbeiteten Planes zur Verstärkung der Schwarzmeer- flotte durch eine moderne Panzerbrigade. Dem „Temps" zufolge will die Regierung von Brasilien vorläufig keine fremdländischen Jnstruktionsoffiziere mehr berufen und eine größere Anzahl eigener Offiziere als bisher zur Ausbildung nach Europa entsenden. Zur Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit der Re- bj1 b Li t Chile treffen zahlreiche ausländisckse Abordnungen in Santiago ein, die von dem Minister des Auswärtigen empfangen werden. Die fremländischen Missionen wohnen zum großen Teil in von vermögenden Privatleuten zur Verfügung gestellten Palästen. Mitten während den Festvorbereitungen ist übrigens der stellvertretende Präsident Fernandez in Albano an einem Herzschlag gestorben. 2?ms Staöt rind LcyrrH. Gießen, 7. Sept. 1910. Vom Manöver. Die Besichtigung der 50. Brigade (117er und 118er) and am Montag in dein bisherigen Uebunasgelände von Homberg und Buchberg, östlich Alsfeld zwischen den Orten Rainrod, Eifa, Hopfgarten und Altenburg statt. Ter Be- sichttgungstag begann Montag früh mit einem Alarm; von 2 bis 3 Uhr sammelten sich die Regimenter zum Ausmarsch. In das Gefecht griff auch die Maschinengewehrabteilung der l18er und ein Teil des bei Maar und Wallenrod liegenden Artilleriercgiments Nr. 61 ein. Das Regiment 117 hat Alsfeld verlassen und ist südöstlich weiter gerückt gegen Lauterbach. Ter Stab liegt in Lauterbach, das Regiment in Maar, Liederbach und Lauterbach Die 118er rücken erst Donnerstag aus ihrem bisherigen Standquartier um Alsfeld-Romrod. Die drei Regimenter der 49. Jnsanteriebrigade (115er, 116er,168er) rückten vorgestern zu einem Nacht-; gefeebt aus. Ihr Uebungsbelände wird nach Tann, Gersfeld, ^ahrbach verlegt. Für die Brigademanöver sind ihr das Dragoner-Regiment Nr. 24, das Artillerie-Regiment Nr. 25 und 25er Pioniere zugeteilt. Am Samstag sammelt sich die ganze Brigade bei Fulda. Die Stadt erhält an 6000 Mann Einquartierung. Die Aufklärungsübungen der Kavallerie-Regimenter sind beendet. Die 23er Dragoner sind heute zur 50. Brigade gestoßen. Ter Stab der preußischen Kavallerie-Brigade befindet sich in Schotten. Tie 6er Dragoner liegen in Rainrod, Ulfa, Kölzenhain. Das Train-; bataillon Nr. 18 ist angefommen und liegt in Eichelsdorf und Ulfa. Die 41. Infanterie-Brigade verläßt ihre drei- wöchiaen Standquartiere, die 87er kommen nach Steinbach, Albach, Garbenteich, Hausen, Annerod, Leihgesterii. Gießen erhält zwei Kompagnien Unteroffizierschüler aus Biebrich und zwei Kompagnien Pioniere Nr. 21. Tie 27er Artillerie kommt nach Watzenborn, Burkhardsfelden, Oppenrod. Tie 88er kommen in die nördliche Wetterau. Im höchsten Vogelsberg treffen die Regimenter der 42. Brigade (80er und 81er; ein, nud zwar um Schotten, Ulrichstein, Ulfa, Engelrod Stumpertenrod, Helpershain. Damit ist dann das ganze 18. Armeekorps im Manövergelände angekommen. ** Ordensverleihung. Dem praktischen Arzte Dr. Fritz Berni u s in Mainz wurde die russische Note Krenz- medaille verliehen. Dr. B. war während des russisch-japanischen Krieges Arzt auf einem Schiffe des Norddeutschen Lloyd und hatte sich damals um die Pflege verwundeter Krieger verdient gemacht. — Der König von Preußen hat die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nicht- preußischen Orden erteilt: der Hessischen goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft dem Geh. Jntendanzrat Barnay in Hannover; des Ritterkreuzes 1. Klasse des Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberstabsveterinär Schneider im Ulanen-Negiment Gras Haeseler (2. Brandenburgischen) Nr. 11. " Forstverein für das Groß herz ogtu m Hessen. Die diesjährige Versammlung des Forstvereins für das Groß- Herzogtum Hessen findet vom 15. bis 17. dss. Mts. in Jugenheim a. d. B. statt. Der Waldausflug führt in die Oberförstereien Jugenheim und Eberstadt und endet auf Burg Frankenstein. Das Hauptthema der Verhandlungen wird die forstliche Bewirtschaftung deS Flugsandgebietes in den besuchten Obersörstereien bilden. Die anmutige Lage des Versammlungsortes, die Schönheiten des zu berührenden Waldgebietes und die interessanten Verhandlungsgegenstände werden sicherlich nicht verfehlen, eine große Anziehung auf die Vertreter der grünen Farbe und die Freunde des Forstwesens auszuüben. ** Die hessischen Schulen bleiben am 17. Sept. — dem Geburtstag der Großherzogin — geschlossen. *' Ein Getreidemarkt in Gießen. In hiesigen Interessentenkreisen sind Bestrebungen im Gange, hier einen größeren Getceidemarkt zu errichten. Die Vorarbeiten sind bereits so weit gediehen, daß wahrscheinlich schon in der nächsten Woche die endgültige Beschlußsassimg erfolgen kann. Die in Frage kommenden Behörden, besonders die Handelskammer, haben möglichste Förderung des Unternehmens zugesagt. Bei der Ausdehnung des hiesigen Getreidehandels und der günstigen Lage Gießens ist ohne weiteres anzunehmen, daß die Gießener Getreidemärkte auf ihrem Gebiete bald dieselbe Bedeutung gewinnen werden, wie sie die Gießener Viehmärkte schon längst besitzen. "*Das Gießener Stadttheater beginnt (eineSpielzeit am Dienstag, 4. Oktober. " Das M ü n ch ' sch e Solo-Quartett a u s W e tz l a r gibt am 15. ds. Mts. im großen Saale von Steins föarten ein Konzert. Tie vortrefflichen Leistungen deS QuarteltS sind vom Januar d. Js. noch bekannt, so daß ein genußreicher Abend vorausgesagt werden kann, zumal der Leiter des Quartetts, Herr seit längerer Zeit auf dem Raff'schen Konservatorium in Frankfurt ist, wo er seinen schonen Tenor erheblich vervollkommnet hat. Nach dein Programm, welches uns vorliegt, iverden in reicher Ab- ; wechslnng heitere und erliste Männerchöre 511m Vortrag gebracht; 'erner Tenor- und Banton-Solis und ein Duett für Tenor und | Bariton, sowie ein Quartett („Ein Sonntag auf der Alm") mit Klavierbegleitung. ** Die Sawinlun g für die hilfsbedürftigen Mitglieder des ehemaligen V 0 r s ch u ß - u n d Kredit- ver ei ns Ober-Mockstadt ist geschlossen worden. Die j Sammelstellen werden gebeten, die eingegangenen Geldspenden, soweit dies noch nicht geschehen ist, tunlichst bis zum 15. Sept, an die Hauptsammelstelle, die Kreiskasse des Kreises Büdingen, abznführen. Uebcr den Eingang und die Anlegnng der Gelder wird demnächst ein Ausweis veröffentlicht werden. Die Maul- und Klauenseuche i ft au§- gebrochen in Friedeberg, Regierungsbezirk Frankfurt ! a. d. Oder, bei Händlervieh am 3. September. = Sßiefecf, 6. Sept. Die 40jährige Gedächtnisfeier der Schlacht bei Sedan im Kriegerverein nahm einen recht schönen Verlauf. Der Präsident Vogel brachte ein Hurra auf Kaiser und Großherzog aus. Hierauf hielt Lehrer B rau n ew el l einen Vortrag über den Gang und Verlaiis der Schlacht bei Sedan, der mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß. — Lollar, 6. Sept. Die Generaldirektion bei Buderus' schen Eisenwerke in Wetzlar überwies anläßlich der 40jährigen Wiederkehr des Krieges 1870/71 ihren j sämtlichen Angestellten und Arbeitern, die die Feldzüge ' von 1864, 66, sowie 70/71 mitmachten, je einen Geldbetrag von Mk. 50.—. Gewiß für sämtliche Beteiligte eine recht schöne unverhoffte Freilde. — Saasen, 6. Sept. Das im vorigen Herbste an- gefangene zweite Schul haus ist soweit fertiggeslellt, daß am Sonntag, 18. d. M., die Einweihung stattfilidet. An demselben Tage wird die am alten Schulhans zu Veitsberg i angebrachte Gedenktafel zur Erinnerung an den alten ft'a lenzer mann Justus enthüllt und feierlich geweiht. Bei gutem Wetter wird dies für Saasen ein schöner Festtag , werden. Die Feier beginnt um 1 Uhr mittags. = Weickartshain, 5. Sept. Tas Sedans fest , wurde vom Kriegerverein unter Mitwirkung der Schuljugend in schönster Weise gefeiert. Wegen der ungünstigen Witterung mußte die Feier im Saale des Gastwirts Hock abgehalten werden. Sie wurde eröffnet durch eine An- • spräche des Präsidenten Schmidt, der dabei seine persönlichen Erlebnisse in der Schlacht bei Sedan schilderte. Vorträge und Gesang wurden von den Schulkändern geboten, wofür Lehrer Velte besonderer Tank gebührt. Am Wend gab es einen Fackelzug unter Begleitung einer Musikkapelle. Feuerwerk und Tanz bildeten den Schluß der Veranstaltung. L. Bad-Nauheim, 6. Sept. Der Bau des Emp- fangsgebäudeS unseres Bahnhofes schreitet rüstig voran. In ihm wird auch eine Nebenstelle des Postamtes eingerichtet. Von dieser neuen Filiale werden dann die Häuser vom Bahnhofe bis zur Ufa ihre Postsachen erhalten. X. Altenstadt, 7.s Septbr. (Privattelegramm.) Ein Personenzug der Strecke Stockheim—Vilbel fuhr bei Eichen in eine Schafherde, wobei 50 Schafe getötet wurden. = Offenbach, 6. Sept. Der frühere Verleger der Offenbacher Zeitung, Sigismund D 0 h a n y , ist heute vormittag in Dresden gestorben. — Hier starb der Werk- ! führer Joh. Jak. Wenzel, der bei der Eingemeindung Bürgels in Offenbach 1907 zum Stadtverordneten gewählt wurde. ! Ma i n z-M 0 m b a ch, 6. Sept. Eine hier von ihrem Manne getrennt lebende Frau, die seit längerer Zeit mit ! einem Arbeiter zusammenlebt und böse von sich reden macht, drohte in einer Wirtschaft einem hiesigen Geschäftsmanne mit einer Anzeige wegen Vergewaltigung, wenn er ihr nicht eine bestimmte Summe bezahle. Der Mann verstand die Sache falsch, oder vielmehr recht, und zeigte die Frau, die von dem Arbeiter angestiftet war, wegen Erpressung an. — In Mainz-Gustavs bürg überfielen einige Mainzer „Herren" mit „Damen* den Polizisten Krug und mißhandelten ihn, da er ihre Personalien feststellen wollte. Die saubere Gesellschaft hatte nämlich „Aeppel gestrenzt" und einem Bäcker ein Brot gestohlen, wobei Krug sie erwischte. Nachdem sie ihn mißhandelt hatten, gingen sie flüchtig, wurden jedoch von der Ginsheimer Polizei gestellt. R.-B. Lampertheim, 6. Sept. Auf dem hiesigen Friedhöfe, der während der letzten Jahre schon wiederholt durch solche Roheiten heimgesucht worden ist, wurden heute abermals niedere Grabkreuze nm gerissen und beschädigt. Bis jetzt fehlt jede Spur von dem Täter, wie auch bei dem letzten derartigen Fall vor etwa einem halben Jahre der Täter nicht ermittelt werden konnte. — Oberursel, 6. Sept. (Privattelegramm). Heute . früh 7 Uhr begann hier die Tierschau der Ausstelliing. Für das beste selbstgezüchtete Fohlen erhielt den ersten Preis des Ministeriums für Landwirtschaft Amtsrat Güngerich, Domäne Mechtilshausen bei Kastel, den ersten Staatspreis des Minifteriums für Landwirtschaft Jakob Will). Heckel mann aus Nauheim bei Limburg. Um 12 Uhr trafen Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und die Kronprinzessin von Griechenland zur Besichtigung der Ausstellung hier ein. W Frankfurt ia. >M., 6. Sept. Infolge des un* gleichen Wachstums her einzelnen Stadtteile hat der Magistrat eine neue Abgrenzung der Wahlbezirke für dieStadtverordneten wählen vorgenommen. Die neue Einteilung wurde in der heutigen Stadtverord-» netenfitzuna von dem Stadtverordneten Zielowski (Soz.) j lebhaft bekämpft, 'weil sie nach seiner Ansicht nur dazu dienen solle, ein ferneres Anwachsen der Sozialdemokratie in der städtischen Vertretung zu verhindern. Dieser Auf-, sassung wurde vom Magistrat und von den bürgerlichen Parteien nachdrücklich widersprochen. Die Vorlage selbst ging an den Organisationsausschuß. 3ur Bekämpfung des vorgunwesens. Die Hess. Handwerkskammer zu D a r m st a d t hat an die gewerblichen Korporationen ihres Kammerbezirks ein sehr zeitgemäßes Rundschreiben betr. Bekämpfung des Borgumvesens gerichtet. Aus dem Inhalt des Schreibens heben wir folgende wesentlichen Punkte hervor. Das in Teutschland übliche ungebührlich lange Kreditfordern und Kreditgeben wird in den Kreisen der Gewerbetreibenidon und Handwerker bereits seit längerer Zeit als ein drückender Mißstand auf das lebhafteste emphmben und beklagt. Trotzdem wird der Kampf gegen diese Unsitte von den Handwerkern selbst immer noch gemieden oder doch ohne besonderen Eifer und Nachdruck geführt. Infolge dieser Lauheit hat sich bedauerlicherweise im kaufenden Publikum, auch in zahlungskräftigen Kreisen, die falsche Anschauung eingebürgert, als könne man gerade beim Handwerker den Kredit am längsten in Anspruch nehmen. Die Folge hiervon sind Außenstände, die nur langsam und schwer einzuziehen sind. Wenn aber die Außenstände schlecht eingehen, wird es in der: meisten Fällen dem Handwerker unmöglich gemacht, seine Lieferanten pünktlich zu bezahlen; die Folge davon ist, daß dem Handwerker die Lieferanten nicht mehr die günstigen Ein- kaufsbedingungen einräumen, und daß dadurch manchem kleinen, sonst aber tüchtigen Handwerker die Existenz vernichtet, oder doch erheblich erschwert wird. Den Handwerkern kann daher gar nicht energisch genug zugerufen werden: Schreibt rechtzeitig Rechnungen und brecht mit dem alten, verrotteten Gebrauch, dem Kunden erst am Jahresschluß oder halbjährlich Rechnung zu übersenden! Am empfehlenswertesten ist es jebenfalls, sofort nach Fertigstellung der Arbeit die Rechnung zuzusenden und für Barzahlung innerhalb 4 Wochen einen angemessenen Rabatt oder Skonto zu gewähren, um auf diese Weise auf die Kunden einen Anreiz auszuüben, die Rechnung bald zu regulieren. Die durch das Borgunwesen bedingten Mißstände wirken zweifellos auf die Konkurrenzfähigkeit des Handwerkerstandes im allgemeinen und sie gefährden vielfach 'die Existenz des einzelnen Gewerbetreibenden im besonderen, sie haben vor allen .Dingen wegen des langsamen Umsatzes des Geschäftskapitals eine Ver- reuerung der Handwerkerlichen Gewerbeerzeugnisse unausbleiblich im Gefolge. Es ist selbstverständlich, daß jemand, der sein Betriebskapital nur einmal im Jahre umsetzt, viel teurer produziert als derjenige, der sein Betriebskapital vier- und fünfmal umzusetzen vermag. Die große wirtschaftliche Ueberlegenheit des mit dem Handwerk in Konkurrenz tretenden Handels und der Industrie beruht in der Hauptsache doch auch darauf, daß diese immer mehr zur Barzahlung übergehen und dadurch in der Lage sind, bei gleichen Leistungen durch ihren mehrfachen Kapitalumsatz billiger zu produzieren als der Handwerker, der wegen der Borgwirtschaft sein Kapital womöglich nur einmal im Jahre umsetzt. Ein großer Teil der Handwerker hat diese Schäden, die durch das Borgunwesen entstehen, erkannt, fürchtet sich aber, von der bisherigen Gewohnheit abzugehen, weil er glaubt, die Kundschaft dadurch zu verlieren. Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet oder übertriebe::, zumal bei einem gemeinsamen Vorgehen aller Handwerker. Die Handwerkskammer wendet sich deshalb an den Handwerker- und Gewerbestand, sowie an jedermann, dem an der Besserung dieser Zustände gelegen ist, und fordert zu gemeinsamem energischen Wirken zwecks Abkürzung und sachgemäßer Regelung der Kreditfristen, sowie zur Regelung der Barzahlung die Innungen und Handwerks- und gewerblichen Vereine hiermit auf. Die Möglichkeit der Durchführung eines prompten Zahlungsverkehrs zeigt das Beispiel Englands unb Frankreichs, wo jetzt bereits in kleingewerblichen Kreisen fast allgemein Barzahlung oder verhältnismäßig kurze Kreditfristen üblich sind. Es wird daher auch hier in Deutschland an der Möglichkeit der Beschränkung dieser Mißstände bei ernstem Willen der Jnter- ressenten nicht gezweifelt werden können. .Hierzu ist aber dringend geboten, daß von allen Handwerksorganisationen, seien es nun Innungen, gewerbliche Vereine oder sonst gewerbliche Organisationen, ungesäumt energische und zusammenhängende Maßnahmen zur Bekämpfung des Borgunwesens ergriffen und durchgeführt werden. Als Waffen in diesem Kampfe gegen das Borgunwesen sind folgende Mittel empfohlen: Die Rechnungsstellung der Handwerker hat tunlichst sofort unter genauer Angabe der Zahlungsbedingungen, oder sofern dies nicht angängig erscheint, am Ende eines jeden Monats, spätestens aber am Ende dreier Monate zu geschehen. Zu dem Zwecke empfiehlt sich: a) Für die einzelnen Gewerbezweige einheitliche Zahlungsbedingungen auf einheitlichen Rechnungsformularen einzuführen. Bei Ablieferung oder Fertigstellung jeder größeren Bestellung bezw. Arbeit ist dem Auftraggeber sogleich bei der Ware eine Begleitrechnung zuzustellen. b) Diese Begleitrechnungen sind mit einem gedruckten Vermerk zu versehen, daß Reklamationen nur binnen 14 Tagen (4 Wochen) nach Zustellung der Rechnung geltend gentadjl werden können. c) Im Falle sofortiger oder innerhalb von 4 Wochen nach Zustellung der Rechnung erfolgender Zahlung ist ein Skonto von 2 Prozent (4 Prozent) zu gewähren, um auf diese Weise einen Anreiz zur Barzahlung zu bieten. d) Für alle nicht innerhalb 3 Monaten nach Zustellung der ersten Vierteljahrsrechnung berichtigten Beträge sind auf Mahnung Verzugszinsen m Höhe von 4 Prozent in Rechnung zu stellen, die dem Betrage der Rechnung zuzufügen sind. e) Aus den Rechnungsformularen sind die obigen Zahlungsbedingungen ausdrücklich zum Ausdruck zu bringen. f) Da, wo in Gegenrechnung gearbeitet wird, ist möglichst am Schlüsse jeden Vierteljahrs Abrechnung zu halten. Durch, regelmäßige öffentliche Bekanntgabe solcher Vorschläge, durch Aufforderungen an das Publikum, die ausgeschriebenen Rechnungen auch zu bezahlen, durch Uebertragung der Forderungen an Kreditinstitute (Kreditgenossenschaften) zur Einziehung, durch Errichtung und Beitritt zu Kreditanstalten und zu Kreditschutzvereinen ist die Wirksamkeit der ergriffenen Maßregeln zu sichern. Diesem Rundschreiben ist ein Musterbeispiel für ein Rech- nungssormular beigefügt und es würde weiterhin dringend gebeten, energisch und geschlossen den Kampf gegen das Borgunwesen aufzunehmen, das noch vielfach durch die herrschende Nachlässigkeit in der Buch- und Rechnungsführung unterstützt wird; darum wird es eine weitere wesentliche Ausgabe der handwerkerlichein Korporationen sein müssen, die Handwerker durch Einrichtung von Buchführungskursen für sich und auch für ihre Frauen und Töchter zu einer regelmäßigen Buch- und Rechnungsführung zu erziehen. Tie Handwerkskammer wird nicht unterlassen, die Bestrebungen der Handwerker hinsichtlich der Bekämpfung des Borgunwesens auf jede Weise zu unterstützen und auf diese Weise mit ihrer Autorität das Vorgehen der einzelnen gewerblichen Vereinigungen decken. TCircbe und Schule. * Evangelischer Verein der Gustav-Adolf- Stiftung. Die 62. Hauptversammlung findet vom 19. bis 22. September in Stralsund statt. Für das gemeinsame Liebeswerk werden vom Zentralvorstand die Gemeinden Hüningen im Ober-Elsaß, Pfarrkirchen in Nieder-Bayern und Wiener-Neustadt in Nieder-Oesterrerch vorgeschlagen. Den Schluß der Versammlung bildet die Vorführung des Oratoriums „Gustav Adolf" von Bruch. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Antrag des Leipziger Hauptvere'ins, sämtliche Haupt- und Zweigvereine möchten schon von jetzt an durch jährliche Zurücklegung einer ihren Einnahmen entsprechenden Summe einen Jubiläumsfonds schaffen, aus dem bei dem Reformationsjubiläum 1917 eine größere Anzahl von Kirchen oder Bethäusern in der Dffaspora gebaut werden kann. wandern und Reisen. — Der Verband Deutscher Gebirgs - und Wandervereine hielt in Neustadt a. d. H. seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der zweite Verbandsvorsitzende Dr. Schneider-Fulda leitete die Verhandlungen. Nach dem Jahresbericht zählt der Verband 62 Vereine mit rund 200 000 Mitgliedern. Als nächstjähriger Ort des Verbandstages wurden B ü - dingen oder Bad Wildungen in Vorschlag gebracht. Die Rech- nungsablage ergibt einen Barbestand von 1950 Mark. Ter Verbandstag faßte unter anderem folgende Beschlüsse: Der Verband soll sich, wenn es die Mittel gestatten, an der Internationalen Ausstellung für Reise und. Touristik in Berlin 1911 beteiligen. Der Verband wird alle Bestrebungen zur Hebung der Wanderlust in der deutschen Jugend tatkräftig fördern. Er soll eine Austauschstelle für touristische Publikationen der Verbmws-Vereine und ferner Auskunftsstellen im Auslande zur stärkeren Heranziehung des Auslandes in die deutschen Mittelgebirge schaffen. Deutsche Gebirgsvereine in Böhmen dürsen in den Verband ausgenommen werden, wenn sie sich, weder politisch noch konfessionell betätigen, Tie Anregung des Pfälzer Waldvereins, bei den Eisenbahndirektionen zu beantragen, daß die Altersgrenze für die Schülerfahrkarten von 10 auf 16 Jahre hinaufgesetzt werden möchte, soll statt- gegeben werden. — Zur Begrüßungsfeier im großen Saal des Saalbaues hatten sich mehrere Tausend Teilnehmer eingesunden. — Von den Vereinen des Verbandes waren 34, darunter auch der Odenwaldklub und der Vogelsberger Höhenklub, durch etwa 200 Personen vertreten. Gerichtrsaal. Prag, 6. Sept. Der Bahnbeamte Zeis, welcher am 25. Dezember 1909 den bei Uchersko erfolgten Eisenbahnzusammenstoß, bei dem 13 Personen umkamen, durch Fahrlässigkeit verschuldet hatte, wurde heute vom Krtzisgericht in Chrudim zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt. Luftschiffahrt. Berlin, 6. Sept. Das Kriegsministerium stiftete für die vom 9. bis 16. Oktober in Berlin stattfindende nationale Flug Woche einen Preis von 25 000 Mark unter der Bedingung, daß sich jemand findet, der einen zweiten Preis von 10000 bis 15000 Mark spendet. Dieser Preis soll ungeteilt zuerkannt werden. Außerdem stellte das Kriegsministerium weitere 9000 Mark für die Flugwoche zur Verfügung. Straßburg, 6. Sept. Wie aus Oos gemeldet wird, ift „L. Z. 6" um 4 Uhr 15 aufgestiegen und in südwestlicher Richtung nach dem Rheintal gefahren. Für morgen ist eine Zielfahrt nach Pforzheim geplant. Baden-Baden, 6. Sept. Die Fahrt des Luftschiffes „L. Z. 6" nach Frankfurt ist für den 15. oder 16. September festgesetzt. Für diese Fahrt sind sämtliche Fahrkarten bereits vergeben. Der „L. Z. 6", der heute nachmittag 4 Uhr' 10 zur Fahrt nach Straßburg aufgestiegen war, änderte unterwegs seinen Kurs und nahm die Richtung nach Weißenburg und Wörth, von wo er gegen 6 Uhr nach Baden-Baden zurückkehrte und um 6 Uhr glatt in Baden-Oos vor der Halle landete. München, 7. Sept. Nach längerer Pause unternahm gestern Parseval trotz ungünstiger Witterung vom Münchner Ausstellungsplatze aus einen Aufstieg. Auf dem Flugplätze Puchheim, wohin sich das Luftschiff wandte, stieg mit seinem Aeroplan der dort übende Flieger Lindpaintner empor, um 300 Meter hoch in den Lüften den Pmffeval zu begrüßen. Lindpaintner fuhr dann unter dem Luftschiff durch, das mehrere Schleifen machte und landete nach fast zlveistündiger Fahrt, während deren es anhaltend gegen Wind und Wetter kämpfte, glatt bei der Ballonhalle in München. Paris, 6. Sept- Bei den gestrigen Schauflügen zu Havre erhielt der Deutsche Wiencziers den Passagierpreis. Er war nahezu 61 Kilometer in einer Stunde und einer Minute mit einem Passagier an Bord geflogen. Die Lhotera. Lemberg, 6. Sept. Die bakteriologische Untersuchung der in Kamionka-Strumilowa vorgekommene:: Todesfälle schließt jeden Choleraverdacht aus. In der Einbruchsstation Stojanow ist Sanitätsrevision für alle russischen Passanten angeordnet. Rom, 6. Sept. In dem apulischen Cholera-Gebiet sind während der letzten 24 Stunden 14 Erkrankungen und 12 Todesfälle an Cholera zu verzeichnen. Neapel, 6. Sept. Mehrere hier vorgekommene Fälle von Dysenterie sind genau untersucht worden. Nach dem Ergebnis befand sich kein C h o l e r a f a 11 darunter. verrnrschtes. * Ein hervorragenderDeutschamerikaner. Wie aus Newyork gemeldet wird, ist in St. Paul '(Minnesota) Heinrich August Haupt, einer der deutschen Pioniere des amerikanischen Nordwestens, im Alter von 82 Jahren gestorben. Geboren in Sieglingen im Nassauischen, kam er beretts in jungen Jahren nach Amerika, wo er einer der Vorkämpfer des Deutschtums wurde. Haupt, einer der Gründer des nordamerikanischen Turnerbundes, gehörte zu den markantesten Gestalten des Westens. * Sehr schmeichel haft. Im „Handbuch des größeren Grundbesitzes", herausgegeben vom Bayerischen Landwirtschaftsrat, findet sich auf Seite 387 bei Beschreibung der Besitzungen der Freiherren August und Oskar v. Feilitzsch folgendes: „Der V i e h st a n d zählt 2 Pferde und zirka 16 .Stück Rindvieh (so lange dieBesitzernichtselbstaufdemGute wohnen)." Kleine Tngeschronik. Wilhelm Schmidtbonn, Verfasser des „Grasen von Gleichen" stürzte im bayerischen Hochgebirge bei einer Hochtour ab und erlitt einen Beinbruch. Er befindet sich in Starnberg in ärztlicher Behandlung. In Troppau fällt seit heute nacht ununterbrochen ein wolkenbruchartiger Regen. Die Oppa, die Ostrawitza, die Weichsel und die Olsa steigen rapid. In den Bergen fällt, wie aus Zürich gemeldet wird, Schnee. Gleichzeitig schwellen die F1 ü s s e nördlich vom Gotthard unheimlich an. Von der Südseite des Gotthards dagegen wird prächtiges.Sommerwetter gemeldet. Aus der Station Altenbrunslar der Main-Weserbahn wurde die S t a t i o n s k a s s e in dem Augenblick a.uS geraubt, als der Stationsbeamte einen Nachmittagspersonenzug abfertigte. Der Kieler Dampfer „Narual", von Stettin nach Rotterdam mit Getreide unterwegs, ist heute früh bei Helgoland von dem einkommenden Hamburger Dampfer „Zelia" in den Grund gerannt worden. Die Mannschaft wurde gerettet und in Cuxhaven gelandet. Aus Constantine (Algerien) wird gemeldet, daß der Mühlendirektor Bacheley, als er mit seiner Gattin auf der Veranda seines Landgutes zu Mohuna beim Mittagessen saß, erschossen wurde. Man vermutet, daß das Verbrechen von Eingeborenen aus Rachsucht verübt worden ist. Handel. — Weizen im Welthandel. Nach einer Schätzung des. ungarischen Ackerbauministeriums wird sich die Welternte an Weizen für das laufende Jahr auf 991,36 Millionen dz beziffern,, ö. i. auf 22,29 Millionen dz, mehr als im Vorjahre. Der Em- fuhrbedarf an Weizen wird geschätzt für England auf 57 Millionenl dz, für Deutschland auf 22, Oesterreich und Belgien auf je 13, Frankreich und Italien auf je 12 Millionen dz. Das wäre für diese sechs Länder zusammen ein Bedarf von 129 Millionen dz. demgegenüber kommen mit einem Ernleüberschuß für die .Ausfuhr in Betracht: Rußland mit 56, Ostindien mit 25, Ungarn mit 20, Rumänien mit 19, die Vereinigten Staaten mit 18, Argentinien mit 16, Australien mit 14,50 Millionen dz, was zusammen 168,50 Millionen dz ergibt. In dieser Aufstellung fehlt indessen Kanada, das z. B. im Jahre 1908 für 168 Millionen Mark Weizen exportiert hat. Kanada dürfte, nachdem ihm der Mitgenuß des deutschen Vertragszolls zugestaiwen worden ist, als Weizenlieferant auch für Deutschland wesentlich in Betracht kommen. In den letzten Monaten sind aus Kanada bereits 80 000 dz Weizen nach Deutschland eingeführt worden, während vorher eine Einfuhr von dort, wenigstens auf direktem Wege, überhaupt nicht stattgefunden hat. Unter den Ländern, die Weizen nach Deutschland einführen, steht Kanada zurzeit an sechster Stelle, nämlich hinter Rußland, Argentinien, Australien, den Vereinigten Staaten und Rumänien. Im Jahre 1908 hat England für 772 Millionen Mark Weizen aus dem Auslände bezogen, Deutschland (nach Abzug der Ausfuhr) für 307, Belgien für 196, Italien für 141, Holland und die Schweiz für je 63 Millionen Mark. — DeutscheKolonialgefell schäft für Südwest- afrika Berlin. Die Ausbeute der deutschen Diamanten G. m. b. H. ist auch im August erheblich hinter den Erwartungen! zurückgeblieben, ohne daß eine Erklärung hierfür vorliegt. Märkte. ko. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 7. Sept. Aufgetrieben waren 1354 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Ztr. Lebendgew. 00.00-00.00 DU., Schlachtgewicht 00-00 Mk. Vollfleischige Schweine über 2 Ztr. Lebendgewicht 55.00—56.50 Mk., Schlachtgewicht 68—70 Mk. Vollfleischige Schweine über 2*/2 Zeickner Lebendgew. 55.0t—57.00. Mk., Schlachtgeivicht 69.00—72 Mk. Jett- schweine über 3 Ztr. Lebendgewicht 55.5«)—57.50 Mk., Schlachtgew. 72—74 Mk. Fleischige Schweine Lebendgewicht 54.00—57.00 Mk., Schlachtgewicht 70.00—73 Mk. Sauen Lebendgewicht 00—00 Mk., Schlachtgewicht 00—00 Mk. Markt mittelmäßig, nicht geräumt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlaus der Witterung seit gestern früh: Ein gestern über Ungarn lagerndes Tiefdruckgebiet ist nordwärts nach Ostdeutschland gezogen und ruft dort starke Regenfälle hervor. Westlich der Oder ist das Wetter dagegen meist trocken unter den: Einfluß eines großen von Schottland bis Finnland reichende»: Hochdruckgebietes. Der hohe Druck ruckt langsam vorwärts. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag dem 8. Sept. 1910: Zunächst strichweise einzeln Regen, dann wieder trocken und langsam weitere Besserung, Nordwind, kühl. Besserung von Bestand. GrigirraL-DrahtmelSrrirgerr. Frankfurt a. M., 7. Sept. Im Städtischen Krankenhause berichtete Geheimrat Ehrlich über weitere erfolgreiche Behandlungsfälle durch Präparat 606. Bisher seien 5700 Fälle bekannt, die fast alle gut verliefen. Die seither gemeldeten Todesfälle, auch der jüngste in Kopenhagen (Siehe Feuill., 2. Bl.), beträfen Kranke mit schwerer Störung im Zentralnervensystem. Bei diesen allerschwersten Fällen sei von einer Injektion mit Präparat 606 dringend abzuraten. W Kinder- mehl Krankenkost. Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. Gicht vollständig geheilt. Der Nestor der deutschen Jrren-Aerzte, Herr Geh. Med.- Rat Dr. L. in H. schreibt: „Ich verwende Ihre St. Georgs- guelle seit einigen Jahren für mich und einige Patienten, da ich an chronischen Verdauungsstörungen und Gicht leide. Ich . habe es jedenfalls außer der eingehaltenen Diät der St. Georgs- guelle mit zu verdanken, daß ich von meinem chronischen Leiden, sowie der Gicht vollständig geheilt mürbe. Ebenso sprechen mir meine Patienten das größte Lob aus über die Heilwirkung der St. Georgsauelle bei harnsaurer Diatbese, womit ich die besten Erfolge erzielte. Nadi solchen Erfolgen kann ick) aus eigener Wahrnehmung na di Pflicht und Gewissen attestieren, daß ich die St. Georgsguelle in Bis« kirchen a. d. Lahn als eine hervorragende Heilguelle allerersten Ranges bezeichnen muß." Preis für 25 Flaschen Mk. 9.— „ „ 50 „ „ 1/. hv6A>) inkl. Verpackung ab Station Stockhausen a. d. Lahn. 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