monatlich 75 M«. vierteljährlich Mk. 2L0- durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschb Bestell^ Zeilenvreis: lokal I5Ps^ auswärts 20 Pfennig 9lv. 234 Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 6.Oktober 1910 Ter Aiehrner sazetarr ___ u eddxint täglich, außer MWE W 'WT' @ Gletzener Anzelger Ferniprech - Anschlüsse r N M ~ Chefredakteur: A Goetz, für die Redaktion 118, Verantwortlich für den Verlag u. Expedition bl /V . A f politischen Teil: August MA Seneral-Anzelger für Oberhessen MM m oonnittofl# 9 Uh" Rotattonrdruck mid Verlag -er vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei R. rangt. Redaltio«, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 1. ®;ef[e5:$ü’®beecf Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten. die am ?an bei denen die den Aufständischen 'n «wuycn, ui Jjcui | uuj uiw jtviiLyx5yu.u.i, u.iiu uic uuuvcn . strinKen befanden, von einer bewaffneten Schar überfallen I ster tatsächlich der Keim des Stückes, und es wirkt recht er- ift Vie Revolution in Portugal. , das fick soeben erst von -er Bluttat erholte, bruar 1908 in Lisscwon an der Ecke der Praca ft werden, weil nach den Neu- v , .es Jahres über die Gültigkeit )ber Ungültigkeit zahlreicher Mandate erst das Gericht ent- cheiden mußte. patriotische Geist im Heere erstarkt. Endlich erklärte der Kriegs- minister, daß er mit einer Reorganisation des Heeres und Der Manne in patriotischem Sinne beschäftigt sei. Im Kriegsrnini- sterium finden schon seit einiger Zeit Konferenzen mit einflufr» * Ernst v. Leyden Berlin, 5. Okt. Wirk!. Geheimrat Professor v. Lev den gestorben. da Lommercio und der Rua do Arsenal den König und den Kronprinzen dahinraffte, ist schon wieder Mm einer neuen revolutionären Bewegung beunruhigt. Seit dem letzten Känigsmord hat die revolutionäre Bewegung in Portugal unstreitig weiteren Boden gewonnen. Denn wenn auch Joao Franco gestürzt wurde, so war es bei der Zerklüftung des portugiesischen Parteilebens in siebzehn einander mehr ober minder befehlende Parteien dem jugendlichen König Dom Manuel II. nicht möglich, dem Lande vie durchgreifenden Reformen zu geben, die ihm die Schrecken einer Revolution erspart hätten. Kabinett folgte auf Kabinett, und auch ,bas jetzige unter Texeira de S o u z a rar weder imstande, dem Anwachsen der Republikaner einen emeinsame Sache gemacht haben sollen. Auch scheinen ie das könial. Schloß bombardiert und dort ihre grünblaue flagge gehißt zu haben, wahrend es noch einigermaßen un- ewiß ist, ob es dem 'Wnig Manuel gekungen ist, aus dem Schlosse, vielleicht nach Cintra, wo sich seine Mutter und götzlich, wenn der arme, ermüdete Boullais beständig aus dem Bett geholt und wegen seiner Liebesgeschichten zur Rede gestellt wird. Rudolf Goll zeigte sich in der tragenden Rolle des unentschlossenen Boullais wieder von seiner besten Seite und brachte die liebenswürdige, treuherzige Art des vielgeliebten Mannes mit feinem Humor brillant hervor. Karl Marx, der sich in glücklichster Entwicklung befindet, gab dem Lucien eine schlichte Wärme des Gefühls und des Ausdrucks, doch hätte neben der vornehmen Lebensart des Weltmannes die des weitherzigen Lebemannes etwas mehr betont werden dürfen. Hilde Engel offenbarte als Micheline eine weit stärkere Begabung für das zeitgenössische Drama als vorgestern für das klassische, und wenn sie im letzten Auszuge auch etwas geziert schien, die ungestümen Regungen des impulsiven Mädchens gelangen ihr recht gut. Mit Hilfe der Regisseure wird sie sich wohl rasch zu einer schätzbaren Kraft im modernen Schauspiel entwickeln. Auch Olga Rietzschmann hinterließ als Fernande einen günstigeren Eindruck als bei ihrem ersten Auftreten, aber eine größere Sorgfalt in der Behandlung der Sprache dürfte unerläßlich sein. Lore Scholz, die schon manche köstliche Gestalt geschaffen hat, tat gestern des guten etwas zu viel. Wenn auch der Diener an dem Gebaren der Chansonettensängerin Anstoß nimmt, weise Mäßigung soll den schönen Schein der Bühne wahren. Franzi K o ch gab der unbedeutenden Rolle der Heinen Odette ein gefälliges Aeußere. Auch die übrigen Mitwirkenden, die unter Rudolf Golls Leitung an der erfolgreichen Aufführung beteiligt waren, entledigten sich ihrer kleinen Ausgaben in anerkennenswerter Weise. N. Siebener Stadttheater. Buridans Esel. Von R. de Flers und ßfc A. de Caillttvet. Gießen, 6. Okt. Tie beiden Lustspietdichter Flers und Caillavet sind eine unbekannten Größen mehr, seit ihr anmutiges Lust- Piel „Die Liebe wacht"', das sogar von der Pariser Akademie neisgekrönt worden ist, seinen Siegeszug über die deut- chen Bühnen gemacht hat. Das neue Werk mit dem 'sinnigen" Titel: Buridans Esel, unter dem sich wohl rur wenige Leute etwas greifbares vorstellen können, ist licht nur der Vaterschaft nach mit dem früheren Stück, das oir im vorigen Jahre hier sal)en, eng verwandt, sondern auch n jedem einzelnen .Zug. Die Jacqueline in „Die Liebe pacht", die gutmütige, etwas unbesonnene kleine Person, >ie wilde Hummel, wie wir wohl sagen, die seit Dumas des jüngeren Francillon eine beliebte Schwankfigur geworden ist, wird hier Micheline genannt; das ist der Interschied. Neben ihr finden wir den verhältnismäßig reuen Typus des Unentschlossenen, den Tristan Bernard in einem „Triplepatte" beschworen hat und der seitdem eine ttoße Anzahl von Doppelgängern gesunden hat. Er gibt >em neuen Stück den Namen, Denn er ist unentschlossen wie üuridans, des scholastischen Philosophen, Esel, der zwischen Avei Bündeln Heu — oder, wie es in dem Stücke heißt: fischen Heu und Wasser — zugrunde geht, weil er ich nicht entschließen kann, welches er zuerst verzehren oll. So müßte auch Georges Boullais im Zweifel zwischen Odette und Fernanoc schließlich leer ausgehen, wenn ocr olle, fixundsertige Schlingel von Micheline, ihn nicht W erlösen und schließlich für sich zu ergattern verstünde. Mit Geschmack und Geschick ist die vielfach verästelte Handlung erfunden und durchgeführt, der Dialog ist flott and witzig, und das mit kundiger Hand eingestreute Quentchen Sentimentalität, die raffiniert glückliche Verwendung ?er Musik täuschen angenehm und unterhaltend über die ^eere des dritten .Aufzuges hinweg, der die drei Neben- ouhlerinnen zu einer vergnüglichen Szene zusammen führt. Am besten unb humorvollsten ist der auf die Schadenfreude De$ Zuschauers berechnete zweite Auszug, anscheinend auch Großmutter befinden, zu entkommen, oder ob ex in die )ände der Revolutionäre gefallen ist. — Köni^Manuel int nur zwei Jahre und acht Monate die Königskrone ge- ragen. Am 1. Februar 1908 wurden sein Vater, der König, tnb der Kronprinz ermordet und auf ihn, den jüngeren vvroß des Königlichen Hauses, ging die königliche Würde loer. Die ganze königliche Familie war Ende Januar nach »em Lustschlosse Villa Vicosa an der spanischen Grenze geeist und kehrte am ersten Tage des Februar nach Lissabon urück. Auf der Fahrt vom Hafen nach dem Schlosse wurde »er Wagen, in dem sich das König s paar ^und die beiden Damm entgegenzusetzen, noch sie durch eine Reformära zu lersöhnen. Denn die Deputiertenkammer, in der Texeira voyl unter Umständen trotz der Vermehrung der revubli- 'anischen Mandate um das Doppelte eine Majorität gehabt hätte, mußte gleich nach ihrem Zusammentritt wieder nif unbestimmte ....... occhlen vom 28. und mit Kugeln überschüttet. König Carlos und der Kronprinz Louis Philipp wurden tödlich getroffen ins Marien- hospital gebracht, auch Prinz Marmel blutete aus mehreren Streifwunden; nur die Königin Amalie, eine geborene Prinzessin von Orleans, blieb unverletzt. Der ganze Vorgang spielte sich, obwohl auf offener Straße und am Hellen Tage, so schnell ab, daß die Attentäter unbekannt geblieben sind. Die Untersuchung konnte später keine genauen Anhaltspunkte bieten, trotzdem gewisse Persönlichkeiten von der öffentlichen Meinung der Anstiftung zu dem Attentat beschuldigt wurden. Was zunächst erwartet wurde, blieb aus. Auf den Königs- mord folgte keine allgemeine Erhebung. Der sofortige Rücktritt des bestgehaßten Mannes des Landes, des Diktators Franco, der zwei Jahre als Ministerpräsident mit eiserner Faust in die verworrenen Verhältnisse des Landes und in seine zerrütteten Finanzen Ordnung zu bringen versucht hatte, schien die (Erregung zu beruhigen. Franco verließ Portugal und am 3. Februar erließ der neunzehnjährige König Manuel eine Proklamation, in der er feinen Regierungsantritt anzeigte. Am folgenden Tage wurde ein neues Ministerium unter Ferreira do Ama- r a l gebildet, das die Aufgabe hatte, eine Versöhnung der Parteien herbeizuführen. Verfügungen über die Beschränkung der Preßfreiheit unb gewisse .Härten des Untersuchungs- Prozesses wurden aufgehoben. Die Beisetzung des ermorl deteu Königs und des Kronprinzen fand am 8. Februar ohne Störung statt und am 5. April ergaben die Kammerwahlen eine Mehrheit für die Partei der monarchischen Konzentration, worauf die Cortes am 29 April vom Könige eröffnet wurden. Am 6. Mai leistete König Manuel den Ecd aus die Versassung. Der portugiesische Kriegsminister über das revolutionäre Heer. Die portugiesische Zeitung „Diario de Notizias" bringt in einer ihrer letzten Nummern eine Unterredung mit dem portugiesischen Kinegsminister über die revolutionäre Stimmung des portugiesischen Heeres. Der Minister sagte ungefähr folgendes: Der einzige Truppenteil, auf den die Monarchie sich unter allen Umständen verlassen kann, ist die portugiesische G u a r b a munizipale, die sich bisher stets als köniastreu erwiesen hat. Die Gnarda munizipale erhält als königliche Leibgendarmerie einen höheren Sold als die übrigen Truppen. Die anderen Truppenteile dagegen erscheinen stark mit revolutionärem Geiste durchsetzt. Wenn es sich nur um einzelne Truppenteile handeln wurde, dann würde ich nicht zögern, die betreffenben Truppen nach den Kolonien zu senden, um sie von dem Lande fern zu halten. Es scheint aber, als ob die Bande der Disziplin in einem sehr gefährlichen großen Umfange stark gelockert sind. Der Kriegsminister forderte zugleich auf, in den Zeitungen und im persönlichen Verkehr für die monarchistische Gesinnung der Truppen zu werben. Er bezeichnete es als eine Schmach, daß mehrere Kommandeure zur Zeit der Ermordung des Königs erflärt hätten, im Falle eines energischen Vorgehens der Truppen nicht sicher zu sein. Das revolutionäre Gift wird schon den jungen Leuten einyeimpft, bevor sie zum Militär kommen. Es ist traurig, wenn in der Hauptstadt des Landes die revolutionäre Partei so große Macht hat, daß die ganze Stadtverwaltung revolutionär gesinnt sei. Er verwies daraus, baß eine Feier und eine festliche Ausschmückung des Rathauses am Geburtstage des Königs von der Stadtverwaltung beharrlich abgelehnt wurde unb erst auf gewaltsamem Wege erzwungen werden mußte. Heber die Marine muß das Urteil ganz ähnlich lauten. Hier sind die unzuverlässigen Elemente noch einflußreicher als im Heere. Eine Gesundung der Monarchie kann nur dann eintreten, wenn der Augenscheinlich ist die Ermordung eines hervorragenden 1 Mrers der Republikaner, des berühmten Psychiaters B o m- )arba, durch einen, wie die Republikaner sagen, von der Regierung gedungenen, nach anderen Meinungen irrsin- ligen Offizier am Montag für die Republikaner und Pro- pessisten das Signal zum Aufruhr gewesen, der, wie die rleußerunb eines in Paris lebenden Republikaners, Ma- plhaes Sima, in der Nacht zum Dienstag: „Was kommen mißte, ist geschehen!" beweist, von den Revolutionären vohl vorbereitet war. 21m Dienstag früh hatten die Revo- utionäre jedenfalls schon alle Telegraphenleitungen durch- chnitten, um den Kampf gegen die Anhänger der Monarchie rufnehmen zu können, ohne ihre Unterstützung von den Provinzen aus befürchten zu müssen. TLas sich dann an Ereignissen in Lissabon abgespielt hat, entzieht sich in den lmzelheiten, da wir diese Nachrichten recht auseinander- lehenden Meldungen zu verdanken haben, vorläufig aller maueren Kenntnis. Man weiß nur, daß es in Lissabon u blutigen Straßenkämpfen gekommen ist, flotte und zum Tell auch das Heer mit der Ernst v. Leyden, einer,der bedeutendsten Aerzte auf dem Gebiete der inneren Medizin, ist über 78 Jahre alt geworden. Er flammte aud Danzig, studierte auf der Militärakademie in Berlin, trat 1854 als Militärärzten die Armee ein, kam 1857 als Oberarzt unb Stabsarzt ins Fricdrich-Wilhelm-Institut nach Berlin und war in dieser Stellung von 1860 bis 1862 Assistenzarzt Trau des, Er wurde daun BataillonAarzt. nahm am Kriege reichen Politikern unb Generälen statt, die barauf fyinarbeiteit, ein Programm für die Förberung des nationalen Geistes in Heer und Marine auszuarbeüen. Die Kampfe. Lissabon, 5. Okt. Während der Nacht dauerte ba£ Gewehr- unb Geschützfeuer nnausaesetzt fort unb verstärkte sich mit Tagesanbruch noch mehr. Alle Zugänge zur inneren Stadt sind gesperrt. Die Ausständischen, welche in der Nähe der Avenida de Liberdade gelagert hatten unb benen man die Zugänge zum Innern der Stadt durch die Avenida ab schnitt, nahmen einem anderen Weg. Die aufständischen Schiffe beschießen andauernd bestimmte staatliche Gebäude, besonders das Marinearsenat. Die Zahl ber Toten aus der Nack^ ist groß. Allenthalben werden Rufe: „Es lebe die Repu- blick!" laut. Nachrichten aus der Provinz kommen nicht in die Stadt. . Lissabon, 5. Okt. (12,5 Uhr früh.) Vom Balkon des Rathauses hielt der republikanische Führer Rnsebie Leao eine Ansprache, in der er der Bürgerwehr die Polizei unb bie Aufrechterhaltung der Ordnung anvertraute. „Schon t," so rief der Redner, „das öffentliche unb private Eigentum; schont das Leben eines jeden, wer er auch sei. Ich wiederholie, wer er auch sei. Die Republik ist großmütig unb großherzig." Eine gewaltige Menge stimmte ihm stürmisch bei. Lissabon, 5. Okt. (12,20 Uhr früh.) Um 11 Uhr versuchten bie Aufständischen, welche oben in der Avenida de Liberdade lagerten, in die innere Stadt einzubringen, wurden aber von königstreuen Truppen zurückgewiesen. Abenbs herrschte üt der Stadt Ruhe. Man hört aber andauernd Geschütz- und Gewehrschüsse. Die elektrische Beleuchtung ist unterbrochen. — Der verabschiedeteAdmiral Carlos Reis befehligt die Aufständischen. Die Kreuzer „Wa- mastar" und „Sao Rafael", sowie die Matrosenkaseme Alcantara: habm noch immer eine roteFahnegehißt. Wagen vom roten Kreuz und von der Feuerwehr sammeln allenthalben Verwundete und Tote. Die Volksmenge hißte auf den Gebäuden des Arsenales unb dem Rathause die republikanische Flagge; die meuternden Kriegsschiffe schossen Salut. Tie Nachrichten über die Königsfamilie. London, 5. Okt Wie die Blätter aus Paris melden, erhielt die dortige brasilianische Gesandtschaft die Nachricht, daß König Manuel sich an Bord des brasilia- nischen Kriegsschiffes „Sao Paulo" befinde. Berlin, 6. Okt. Der ,^okalanz." meldet aus Siffa* * bon: Außer dem König Manuel begab sich auch bie Königin-Mutter Amalie an Borb des brasilianischen Kriegsschiffes „Sao Paulo". Es heißt, baß bas Revoli> tionskomitee diese Flucht stillschweigend billigte. Mit bem heutigen Mittagszuge verließen der portugiesrsche Gesandte und zahlreiche Mitglieder der portugiesischen Kolonie Paris. Dias Bombardement des königlichen Palastes war gestern nachmittag 3 Uhr zu Ende. Der König, die Königin und deren Umgebung hielten sich inzwischen in den Kellerräumen auf. Von den königlichen Gebäuden Lissabons wurden außer dem königlichen Palast keine beschädigt. Lissabon, 5. Okt. (3 Uhr 22 Min. nachm) Der König sowie die Königinnen Amalie und Pia haben sich in aller Eile nach Masra begeben. Auf allen öffentlichen und auf vielen Privatgebäuden, ebenso auf der Bank vcm Portugal weht bie r epublikanische Fahne. Der spanische Gesandte hat in Uniform und in Begleitung eines Sekretärs den republikanischen Führern im Rathause einen Besuch abgestattet. Paris, 5. Okt. Aus Nachrichten, bie im Ministerium des Aeußern eingetrossen sind, ergibt sich, daß sich der Herzog von Oporto mit der königlichen Fa- von 1864 teil, wurde 1865 o. Professor der Pathologie und Therapie unb Direktor der meb. Klinik in Königsberg, stellte sich im Kriege von 1870 in den Dienst der Krankenpflege, ging 1872» nach Sttaßburg unb wurde 1876 als Nachfolger Traub es o. Professor unb Direktor der propädeutischen Klinik in Berlin. 1885 Übernahm Leyden die Direktion der ersten medizinischen Klinik an der Berliner Universität. Im Jahre 1907 trat er in den. Ruhestand und wurde zur Exzellenz ernannt. Die Arbeiten Leydens behandeln die Nerven- unb Rückenmarks-, sowie Herz- unb Nierenkrankheiten. Sie finb vielfach in Zeitschriften, vor allem in bet 1879 von ihm mit Frerichs gegründeten „Zeitschrift für klinische Medizin", in der „Deutschen Medizimschett Wochenschrift" unb der „Zeitschrift für Tuberkulose" niedergelegü. Von Leydens größten Werken sind zu nennen: „Die graue Degeneration der hinteren Rückenmarksstränge" (63), „Klinik der Rückenmarkskranlheiten" (72—76). In den letzten Jahren widmete Leyden seine Kraft der Tuberkulose- und Krebsbekämpfuns unb veröffentlichte mit Peter Vergelt zahlreiche Arbeüen über die Heilung des Krebses. — Ein kaiserlicher Prinz als Asket. Prinz Kitashirakawa Teruhisa, ein naher Verwandter des Vtikado, ist in diesem Sommer mit aller Feierlichkeit auf seinen Wunsch seines Ranges als Prinz entkleidet worden. Der Prinz hatte es vor einigen Jahren allen Hindernissen zum Trotz durch- gesetzt, daß er die Erlaubnis zum Eintritt in die von Marquis Jnouye gegründete Schule Jishusha in Tokio erhielt. Diese Anstalt wird nach denselben Grundsätzen geleitet, die gegenwärtig in Japan auch eine größere Zahl von Schüler- und Studentenvereinen befolgt. Tie Mitglieder verpflichten sich zu strengstem, asketischstem Leben, stehen früh auf, arbeiten hart, essen mäßig, fahren nie in einer Jinrikisha ober Straßenbahn und benutzen aus der Eisenbahn stets die dritte Wagenklasse. Sie müssen auch mit sehr geringem Taschengeld haushalten. Diesen Grundsätzen ist der kaiserliche Prinz treu geblieben, als er in die Marmeakademie eintrat und sich dann auf dem Schulschiffsgeschwader einschiffte. Da er von seiner Rangstellung als kaiserlicher Prinz zu große Hinderniffe für seine sittlichen Grundsätze fürchtete, hat er es jetzt erreicht, daß er\ von einer einfachen Familie an Kindesstatt angenommen und a us- dem kaiserlichen Haus entlassen wurde. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Der 4. intcrnationalefiongrefe zur Fürsorge für\ Geisteskranke wurde am Mittwoch Abend im Berliner Rathaus festlich empfangen. ILU-lXf U l L JVWV LIV ^UHL 1 L 4. U V f 4.4A p U4 LJJ^ __. 30. Mai 1908 dieser Wohnsitz nach ein- n einem Platz erworben wird. Um fr jährigem Wohnen an einem Platz erworben id § Nieder-Ohmen, 5. Okt. Zwischen Bernsfeld und D 2luslcrnd. öi Df Ans Stabt und Land vei Ml Ion art bai Gr die ein bei ich öa Tr wo toa Ibi ta boi Ab Ze ein Le an bei Die t et )ta eit Ul m wr beut Kil Gk foi ai 80 aff An ion ,.3 roe Hai PCI ml die an nel litt ita: feil (eil ein lm Madrid, 5. Okt. Die „Correfpondenria bt Espana^" Hat durch Transparent folgende Depesche bekanntgegeben.- Lissabon ist in der Gewalt der Revolutionäre. Die könig- ÄLche Familie befindet sich an Bord eines Kriegsschiffes auf dem Wege nach England. Der Minister des pimem hat auf Befragen erklärt, er wisse nicht, ob die Meldung der Correfpondenria wahr sei; er wisse nach den- Letzten Telegrammen des von der Grenze telegraphierenden Spanischen Militär-Attache in Portugal nur, daß die Bewegung von einem Admiral, und wie man glaubt, auch von -einem General geleitet werde. Der größte Teil des Heeres sei dem König treu geblieben, dagegen Habe fast die ganze Flotte mit den Ausständischen g em ern f am e Sache g e ma ch t. Der König sollte sich an Bord eines Kriegsschiffes befinden, aber dieses ankere noch immer im Tajo. Geschicke Aegyptens ausüben'werde, sei durch die Haltung des.Kbedwc unvermeidlich geworden, welcher stets eine zweideutige Politik befolgt mW wwohl den ägyptischen Nationalisten, wie den Engch^ern und Türken gegenüber ein Doppelspiel getrieben habe, da Aegypten unter dem neuen die langersehnte Verfassung erhalten werde. Ter Erbprinz Abdul vmineun stehe vollständig unter dem Einfluß seiner von liberalen Ideen erfüllten Mutter. ist erklärlich, weil nach der Novelle zum Unterstützungs- wohnsitz-Gesetz vom ‘' ~y' Die provisorische Regierung. Madrid, 6. Ott. Nach einem Telegramm aus Bajadoz ist in Portugal die Republik erklärt. Die provisorische Regierung setzt sich folgendermaßen zusammen: Theo- philo Braga Präsident, Bcrnadino Machdoado Minister des Aeußern, Antonio Jose-Almeida Minister des Innern, Alfonso Costa Unterrichtsminister. Pari s, 5. Okt. Ein Freund von C o r t a, dem Führer der portiigiosischen Revolutionäre, teilte einem Bericht-! erftatter mit: Er sei überzeugt, daß Corta jede grausame Ausschreitung verhindern werde. Er habe ihm efft kürzlich gesagt: Es werden vielleicht Straßenkampfe stattfinden, au er man wird ckiemanden ermorden. Sechs zuverlässige Männer seien schon lange dazu ausersehen, sich im gegebenen Augenblicke des Königs zu bemächtigen, aber nur um sein Leben gegen die Wut der Exaltierten zu schützen. Die Börse und die Revolution. Sowohl an der Londoner, wie an der Pariser, Berliner und Frankfurter Börse haben die bekannt gewordenen Nachrichten vom Ausbruche einer Revolution zu Gunsten einer portugiesischen Republik keinen besonders großen Eindruck hervorgerufen. Die portugiesische Finanzlage ist durch Jahre eine sehr verworrene gewesen, jedoch ist feit acht Jahren ein festes Nebereinkommen mit den Gläubigern der auswärtigen Staatsschuld in Kraft. Seit dem vorigen Jahre hat sich diel Regierung auch mit einer Sanierung der Staatsschuld und zuletzt selbst mit dem Plan einer Währungsreform beschäftigt. Dies zeigt, daß man ernstlich mit einer vollständigen Kon- solidierung der Verhältnisse deö Landes auf wirtschaftlichem Gebiete beschäftigt ist, und es darf wohl auch angenommen werden, daß, wenn in der Regierung des Landes eine Aende- rung ein tritt, gerade auf diesem Gebiete mit Eifer weiter- gearbeitet wird, damit die bösen Scharten, welche der Staats-! bankerott von 1892 dem Kredit des Landes geschlagen hat,! ganz ausgewetzt werden. a-3 ^" Geschichte der Revolutionen in Portugal. nrnHnn^r das klassische Land der ausschuß in Offenbach aus Anlaß der dortigen Stadtverord. neteuwahleu entschieden. ** „Sichere Boten" kündeten gestern, Mittwoch nach, mittag, über die Lahn ziehend, die bevorstehende kaü Jahreszeit an, nämlich ein großer Zug Kraniche. Ihr Wegzug erscheint diesmal äußerst früh. Ma d rid, 5. Okt. Hier Aeht das Ger üch t, in Lissabon seien 8000 bewaffnete Dauern eingezogen. Die Verbindung mit Lissabon. ""Pfarr Personalien. Der Großherzog hat be» Pfarrer Ernst Siebeck zu Wirberg die eoang. Psarrste^ zu Merlau, und dem Pfarrer Wilh. Roo8 zu Schornsheim die zweite eoang. Pfarrstelle zu Lampertheim übertragen. — Erledigt ist je eine Steueraufseherstelle zu Büdingen und an der Zuckerfabrik „Wetterau" zu Friedberg. ""Veränderungen im 18.Armeekorps, v. Obernitz Oberstlt. und BatS.-Kommandeur im 1. Kurhess. Jnf.-Re^ Nr. 81, zum Stabe deS Füs.-RegtS. General-Feldmarsch^ Graf Blumenthal (Magdeburg) Nr. 36, v. Sell, Major be^ Stabe des Jnf.-Leib-RegtS. Großherzogin (3. Großh. Hess. Nr. 117, als BatS.-Kommandeur in daS 1. Kurhess. Inf.. Regt. Nr. 81 — versetzt. Oberstleutnant v. Rauchhaup beim Stabe deS 1. Kurhesi. Jns.-Regts. Nr. 81, zum Oberster, befördert. Die Betriebsleiter: Dr. Bodewig bei der Pulver, fabrif in Spandau, zur Pulverfabrik bei Hanau, v. d. Bech bei der Pulverfabrik bei Hanau, zur Pulverfabrik in Spanda. — versetzt. snilte auf der Jacht „Amalie" eingeschifst hat. Marr trimmt an, daß sich König Manuel ebenfalls an Bord befindet. Ilh 15 Ion Di, Br bu S itiii rck jjli oe on Äb .ufi p d» V faii vor dtO *♦ I st vierjähriger oder dreijähriger Wohnsitz in Gießen notwendig, um bei der Stadt- verordne tenwahl wählen zu können? lieber diese Frage scheint man sich vielfach im Irrtum zu befinden. Ta- '' Gib r altar, .5. Okt. (Reuter.) Die Kreuzer „New- t a st l e" und ,,M inerva" sind gestern abend in See gegangen, um sich so schnell als möglich nach Li s s a b o n zu begeben. London 5. Okt. Der englische Kreuzer „New- .C ast le" ist in Lissabon eingetrosten. P a r i s , 5. Okt. Zahlreiche Portugiesen sind heute mittels Expreßzuges nach Lissabon abgereist, unter ihnen die Gattin des Ministers des Aeußern, Castello B r a n c a. Deutsche Kolonien» . c r,.jn Jej t un 9 bcö. ft'o to nia11ong r cf f e£, der mim 6. bis 8 Dftober im Reichstage tagt, fand am Mittwoch Ti Reichstages ein Begrüßungsabeich gatt U. a. hatten sich erngesunden: Der Herzogregent von Brauwchweig Johann Mbrecht. mit seiner Gemahlin, Prinzessin n trillere Botschafter von Holleben die Mmstt«: von Dallwitz und ^ydow, Staatsminister Dr. Moeller der frühere Kolomaldirektor Dr. Stübel. Deutsches Reich. Landgerichtsdirektor Dr. Obkircher hat mit Rücksicht darauf, daß er kem Mandat mehr bekleidet, das Amt des Vorstandes der Nationalliberalen Partei Badens niedergelegt. Aus Crefeld wird gemeldet: Nach einer Besprechung, die Oberbürgermeister Dr. Oehler mit sechs Vertretern der ausständigen Arbeiterschaft der Seidenfirm aEisfender hatte mEe der Oberbürgermeister, der von den Arbeitern um seine Vermittelung eriucht worden ist, um die für den 28. Oktober angekündigte Gesamtaussperrung von 15000 Seidenwebern zu verhüten, folgenden Vorschlag: Die Ausständigen sollen die Arbeit wieder aufnehmen worauf die gemaßregelten Arbeiter in den Betrieb von Eiffender wieder eingestellt werden sollen, jedoch nur so lange, als sich anderwärts feine Arbeit bietet, die aber dann nicht ausg^ schlagen werden darf. Mit diesen Vorschlägen erklärten sich die Arbeiter einver- standen; der Arbeitgeberverband lehnte jedoch den Vor f ch l a g a b. Daraufhin beschloß eine Versammlung, der Ausständigen in geheimer Abstimmung, die Arbeit erst dann wieder aufzunehmen, wenn der Vorschlag des Oberbürgermeisters an- genommen wurde. Aus Prag wird gemeldet: Der nationale Aus- gleichs aus schütz hat die Hauptaussprache über den natio- LKn Ausgleich beendet In den Reden der Deutschen und Tschechen traten die friedlichsten Absichten zu Tage. Die besonderen Beratungen sollen am 7. Oktober beginnen. ilchenAbgeordnetenhaus begründete der Abgeordnete Polonyi eine Anfrage betreffend die 500- lJn°»n ern a n J •ilt) e ' toobeT tt die Anleihepolitik des Kabinetts Wekerle verteidigte, das den französischen Markt habe gewinnen wollen, und sich in Ausfällen gegen den Dreibund erging. -- Bezüglich der Gerüchte über die Abdankung des Nidda, 5. Okt. Unsere Stadt hat 3000 Mk. für Obst gelöst. In unserer obstreichen Gegend kostet bei Zentner Tafeläpfel 5—7 Mk., für Kelterobst zahlen die Händler für baS Malter 5 Mk. — DaS BiSmarck- Denkmal auf der Beunde ist jetzt soweit vollendet, daß die Einweihung am 16. Oktober erfolgen soll. △ Gonterskirchen, 5. Okt. Um die TyphuSgefahi für die Zukunft zu beseitigen, hat die Gemeinde endgiltig bic Errichtung einer Wasserleitung beschlossen. Dic Kulturinspektion Gießen hat daS Projekt ausgearbeitet; noch in diesem Herbst kommt es zur Ausführung. Die Leitung ist eme Frestalleitung, die Rohrlänge beträgt fast 5 Kilometer. - n' - Obgleich unfer Städtchen noch abs^s der Bahn.|trange liegt, ist doch die B a u t ä t i g k e i t darin sehr rege. Das ist um so auffallender, als die Herbeischaffium ^°ßer Mühe und großen Kosten Der Fiat. ^Ä^werden die neuen >Bauplätze in unmittel bare Nahe der Ohmtalsti-aße verlegt. Nach dieser Seite ist ein ganj neuer Crt^teil entftanben. Zu den zwei neuen, an der Tal ftratze, im Villenstil erbauten Häusern, tritt jetzt ein drittes hinzu, das seiner Vollendung entgegengeht. Diesen Neubauten gegenüber erhebt sich die ebenfalls neuerbaute Molkere'' So ist btt alte Stadtteil ietzt unmittelbar an die Ohmtalstraße ange- r * gleicher Zug tn dem Häuserbauen an dieser Sttaße n hm ?? J|nter- ”, Offenbach, widmete bei Eröffnung der Versammlung dem ver torbenen Vorstandsmitglied Rektor Backes-Darmstadt einen war “ men Nachruf. Lehrer Link-Rudingshain wünschte namens des Bezirksvereins schotten den Verhandlungen besten Erfolg. Dein Jahresbericht des Vorsitzenden sei entnommen, daß das ab gelaufene Geschäftsjahr eines der günftigften war, die das Hem zu verzeichnen hat. Es hat dank des letzten Aufrufs des Rektor Backes innerhalb kaum zwei Jahren 290 neue Mitglieder erhalten Die Mitgliederzahl ist damck einschließlich der Aktionäre aus rund 2000 gestiegen und das Heim kann gettost in die Zukuan eben. Die Schuld hat sich um 1000 Mark verringert, außerdem wurden größere bauliche Verbefferungen vorgenommen. Im ab gelaufenen Sommer 1910 war der Besuch des Heims trotz des chlechten Wetters gut. Rechner Lehrer H e l d - Schotten erstattrü den Rechnungsbericht; die Gesamteinnahmen betrugen 373539 Mark, die Ausgaben 3698,88 Mark, der Barvorrat stieg au' 3353,80 Mark. An Mitgliederbeiträgen gingen ein 1167,85 Mark, an Wirtschaftspacht 860 Mark; die baulichen Veränderunacn erforderten 893,61 Mark und die Tilgung 1370,75 Mark Nack der Vermögensübersicht besitzt das Heim einen Wert von 37 963,65 Mark, dem eme Schuld von 33 670,40 Mark entgegen steht, da- Vermögen ist demnach 4293,25 Mark. Der Voranschlag fm 1910/11 schließt mit 2475 Mark ab. Das Ähindeln des Heims auf der 2B et ter) eite ist geplant und kommt vielleicht nod) m biefem Jahre zur Ausführung. Es erfolgt bann die Beratung ?’ über bre Satzungen für die Stiftung „L ehrerfrauendanl U a n V a t e r B a ck e s". Die unter diesem Namen auf Anregung S der Frau Lehrer Clarins-Langen ins Leben gerufene Sammlung ? bat einen Betrag von 1045,47 Mark ergeben. Diese Summe K wrrd dem Lehrerheim unter der Bedingung als Vermögen über wiesen, daß sie so lange feftliegt, als das Heim besteht. Tic Zinsen sollen dem Kapital beigeschrieben werden, bis sie 50 Mari ergeben, diese Summe soll zur Auslosung von Anteilscheinen benutzt werden. Bei Schuldenfteiheit des Herms sollen die Zinsev zur Unterstützung von erholungsbedürftigen Lehrerheimsmitgliederv verwandt werden. Der Satzungsenlwurf wird einstimmig an genommen. L-odann wurden die bewährten seitherigen Vorstands- mttgliedern wiedergewählt. An Stelle des Rektors Backes nrurix Hauptlehrer Bach-Mainz in den Vorstand gewählt Das Mädchen vertagt. Das Erpresser- und Mörderpaar Koppius vor Gericht. hatte bei dem Ueberfall schwere Verletzungen erlitten, da Fritz Koppius auch von seinem Messer Gebrauch gemacht hatte. Um die Spur von sich abzulenken, schrieb Karl Koppius einen anonymen Brief an das Leipziger Tageblatt, in dem er u. a. von „blödsinnigen Journalisten" spricht. Darauf wurde die Verhandlung auf morgen zwischen hinzugekommener Bruder die Flucht ergriffen. Auf der Straße trieben sie sich noch eine Zeit lang in der Nähe der Wohnung herum, bis sie den Plan endgültig aufgaben. „.ZI hatte bei dem Ueberfall schwere Verletzungen et" hatte es durch Gewinne auch schon zu einem Besitz von 14 OOO Mark gebracht, verlor aber alles wieder. Seiner Braut hatte er immer erzählt, daß ihre Zukunft gesichert sei. Sodann wird das Attentat auf die Fabrikantenehefrau Wagner durch gesprochen. Diese ist von dem Angeklagten im Hause Gottsched- sttaße 15 überfallen und durch Messerstiche am Halse verletzt worden. Nur ihre dicke Boa verhinderte es, daß der Angeklagte der Frau den Hals durchschnitt. Karl Koppius behauptet, daß er nicht die Absicht gehabt habe, die Frau etwa zu berauben. Er habe damals wieder 100 Mark im Wetten verloren und sei dadurch so in Wut gekommen, daß er beschloß, den ersten besten Menschen umzubringen. Der zweite Angeklagte Fritz Koppius bekundet, daß sein Bruder Karl ihm im Volkshause den Ueberfall auf Rübner erzählt habe. Als sie dann später beide kein Geld hatten, sei der Plan zwischen ihnen erwogen worden, wieder einen Briefträger zu ermorden. Karl Koppius bemerkt dazu, sein Bruder sei eine harmlose Natur und kein Verbrecher, er, Karl, habe ihn durch die Erzählung von dem Ueberfall erst auf den Gedanken, wieder ein Verbrechen zu begehen, gebracht. Er habe noch einmal sein Glück im Wetten versucht, nachdem die Mutter das Geld dafür durch Verkauf der gesamten Einrichtung aufgebracht hatte. Er gewann aber wieder nichts und so wurde bei den Eheleuten Friedrich ein Zimmer gemietet und der Geldbriefträger Frohwald durch eine Postanweisung über 8,25 Mk dorthin gelockt. Vorher wurden die beiden alten Leute durch Hammerschläge ermordet. Der Geldbriefträger Frohwald kam zu seinem Glück zusammen mit dem gewöhnlichen Briefträger und entging so dem Tode Die beiden Verbrecher raubten tn der Friedrichschen Wohnung Depositenscheine, Sparkassenbücher, Goldsachen und 50 Mk. bares Geld. Nach einiger Zeit faßten die beiden Angeklagten, als sie wieder in Not waren, den Plan, eine alte Dame zu berauben. Sie suchten lange nach einem Opfer und beobachteten verschiedene Wohnungen, bis sie auf die der Rentiere Rauher verfielen. Durch Zählen der Brötchen im Frühstücksbeutel überzeugten sie sich, daß nur zwei Personen sich in der Wohnung aufhielten. Fritz Koppius klingelte eines Morgens, mit einem Fliederstrauß in der Hand, an der Wohnung. Als das Dienstmädchen Seiffert öffnete, stürzte er sich auf sie und würgte sie. Das Mädchen schrie aber auf, so daß Fritz Koppius und sein in- 4- Leipzig, 5. Okt. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute unter ungeheurem Andrange des Publikums der Prozeß gegen die Brüder Karl und Fritz Koppius, der eine der sensationellsten Kriminal- affären der letzten Jahrzehnte zum Abschluß bringen soll. Die Angeklagten werden des vollendeten und versuchten Raubmordes sowie der versuchten Erpressung an dem bekannten Verleger der „Illustrierten Zeitung", Weber, beschuldigt. Beide Angeklagte werden gefesselt vorgeführt. Karl Koppius ist sorgfältig gekleidet und trägt hochaufgedrehten schwarzen Schnurrbart. Sein Bruder trägt Gefängniskleidung, er scheint von Karl Koppius stark beeinflußt zu werden. Zur Personalfeststellung gibt Karl Koppius an, daß er als Kind wegen Diebstahls zu drei Tagen Gefängnis verurteilt worden sei; sein Bruder ist noch unbestraft. Auf Befragen des Vorsitzenden schildert Koppius seinen Lebenslauf. Nachdem ich aus der Schule war, wurde ich zunächst Handarbeiter. Ich wollte eigentlich Brauer werden, aber da ich als Hilfsarbeiter mehr verdiente, als ich als Lehrling bekommen hätte, wurde ich Hilfsarbeiter bei einem Brauer. Später wurde ich Flaschenspüler und war als solcher mehrere Jahre in Hallenser Brauereien tätig. Dann kam ich zum Militär und habe 2 Jahre gedient. — Vors.: Während Ihrer Dienstzeit sind Sie auch Offiziersbursche gewesen? — Angekl.: Ja, ein Jahr lang. — Vors.: Sie wurden auch Gesreiter? — Angekl.: Ja. Ich wurde dann zur Reserve entlassen und ging nach Leipzig, um m eine Großbrauerei einzutreten. Ich kam 1904 hierher, die Stellung, die ich jnir wünschte, fand ich aber nicht. Ich ging daher zu einem Stellenoermittler, um als Hausdiener angestellt zu werden. Als solcher arbeitete ich bis Februar 1907. Zuletzt war ich in der Weinstube Taverna. — Bors.: Wie standen Sie sich da? — Angekl.: Ich bekam 13,50 Mk. Wochenlohn und die Trinkgelder. — Vors.: Langte das zum Leben? — Angekl.: Jawohl. — Bors.: Aber später langte es anscheinend nicht mehr, warum nicht? — Angekl.: Mein Vater starb und ich wurde zur Unterstützung meiner Mutter und meiner Geschwister herangezogen. — Vors.: Äe hatten vor Ihrer Militärzeit bereits 500 Mk. auf der Sparkasse? — Angekl.: Ja. — Vors.: Waren die damals noch vorhanden? Angekl.: Ja, ich wollte sie aber nicht angreifen. Meine Absicht war, da ich großen Sinn für Häuslichkeit hatte und das Bestteben verfolgte, mir mit meiner Mutter und den Geschwistern eine gemütliche und bessere Existenz zu schaffen, sie zu mir nach Leipzig kommen zu lassen, um ihnen die Welt auch einmal von einer anderen Seite zu zeigen, nachdem sie bis dahin im tiefsten Elend gelebt hatten. Sie kamen auch herüber, aber ihre paar Sachen hatten sie in chrem entsetzlichen Elend bis auf den letzten Rest verkauft, so daß ich sie neu einrichten mußte; das verschlang viel Geld. Ich wollte ruhig und friedlich leben, fand aber bei Mutter und Geschwistern kein Verständnis dafür. Dazu kam. daß seinen Verdienst in Sport und Sviel vergeudete, Jo daß er bald vor dem Nichts stand. Auf Grund einer Annonce aufte er sich ein Buch „Wie komme ich vorwärts" für 20 Mark. In diesem Buche hieß es, daß man keine Rücksicht aufseine Nebenmenschen zu nehmen brauch, wenn man vorwärts kommen wolle. Auch enthielt das Buch einige Beiträge zur Psychologie des Gewissens. Gewissen dürfe ein moderner Mensch überhaupt nicht haben, das sei nur eine dumme Einbildung. Er habe einmal in der Zeitung gelesen, daß man einen Geldbriesträger überfallen habe, und da fei ihm der Gedanke gekommen, es auch so zu machen. Der Angeklagte schildert dann, wie er den Ueberfall auf den Geldbriefträger Rübner aussührte, wobei er 8000 Mark erbeutete. Damit fing er wieder zu wetten an. Er ----Rinderbügen, 5. Oft. Aus dem Fürstlich Isen- burglschen Hofgut Rinderbügen sind dem erst vor wenigen Wochen von Rodheim v. d. H. zugezogenen Pächter Bär mehrere Stück Rindvieh eingegangen. Dieser Tage mußte wieder ein Stück wegen plötzlicher Erkrankung abgeschlachtet werden. Der damit beauftragte, im 19. Lebensjahre stehende Metzger Wilh. Fetzberger erkrankte kutz darauf an Blutvergiftung und starb heute. Auch der Pächter Bär liegt an Blutvergiftung schwer darnieder. Beide sind bei dem Abschlachten der anscheinend an Milzbrand erkrankten Kuh infiziert worden. R.B. Friedberg, 5. Okt. Prinz Sigismund von Preußen, der zweitälteste Sohn des Prinzen .Heinrich von Preußen, ist heute morgen von Kiel kommend, im hiesigen Schloß etngetroffni. — Eine schöne Handlung unserer Großherzogin wird hier vielfach besprochen. Die Großherzogin kaufte bei der Firma E. Kolb eine gestickte Bettdecke für den Preis von 30 Mk. Weil ihr die Decke sehr gefiel, fragte sie, wo sie gearbeitet wäre. Es wurde ihr mitgeteilt, daß zwei taubstumme Geschwister (namens Spier) die Decke angefertigt hätten. Beide Schwestern unterstützten mit ihrer Arbeit ihren annähernd 90 Jahre alten, erblindeten Vater. Daraufhin schickte die Großherzogin den beiden Geschwistern 50 Mark und eine größere Bestellung. Darmstadt, 6. Okt. Die Ergänzungswahlen für die Stadtverordneten finden am 7. November statt. 18 Stadträte sind neu zu wählen. Darmstadt, 6. Okt. Die Klage der Stadt Offenbach wegen Schadenersatzes für die fahrlässig übernommenen Kaiserhofaktien gegen den Oberbürgermeister Dr. Tulio wurde von der hiesigen Zivilkammer auf den 24. November vertagt, da der Besagte augenblicklich abwesend und sein Rechtsbeistand nicht genügend unterrichtet ist. -o. Mainz, 5. Oktober. Die Stadtverwaltung Mainz hat nach Genehmigung der Stadtverordnetenversammlung vor längerer Zeit von der hessischen Regierung die Erlaubnis erbeten, zur Deckung von in der nächsten Zeit an die Stadt herantrelenden Verpflichtungen eine Gesamtanleihe von 1 500 000 Mk. ausnehmen zu können. Die Genehmigung ist bis heute noch nicht erteilt worden. Kürzlich wandte sich deshalb die Stadtverwaltung an den Vorstand des Verbandes deutscher Städte (Sitz Düsseldorf), der vor einigen Monaten zum Zweck der gegenseitigen Unterstützung gegründet wurde, mit dem Antrag, ein kurzfristiges Darlehen zu gewähren. Durch Vermittlung des genannten Vorstandes wurde nun ein A b k o m - men. zwischen den Städten Mannheim und Mainz getroffen, nach, dem Mannheim der Stadt Mainz ein mit i1/*6/» zu verzinsendes Darlehen von 80 0 000 Mk. gewährt, das am 1. April 1911 zurückgezahlt werden muß. ? Ehringshausen a. d. Dill, 5. Okt. Hier herrscht seit Frühjahr eine äußerst rege Bautätigkeit. Am Bahnhof wird eine Ueberführung für Fuhrwerke angelegt und das Stationsgebäude wird durch einen Anbau wesentlich vergrößert. Das nach Plänen des Regierungsbaumeister Mayer-Steglitz stn Auftrag der Kaiserin erbaute Krankenhaus ist im Rohbau vollendet. Auch viele Privathäuser sind im Laufe dieses Sommers entstanden, so daß sich unser Ort sichtbar vergrößert. x Waldgirmes, 5. Okt Der bei der Firma Rinn & Cloos beschäftigte Werkführer Ruhl blickt auf eine 25- jährige Tätigkeit tn dem hiesigen Betrieb der Firma zurück. Frankfurt a. M., 5. Okt. Der 25jährige Bankbeamte Georg Röder, der unlängst eine Frankfurter Bank um '9860 Mk. beschwindelte, wurde verhaftet. Die Kriminalpolizei nimmt an, daß auch frühere ähnliche Schwindeleien bei anderen Banken Röder zur Last fallen. Gerichtrsaal. A Bübingen, 5. Okt. Der Professor am hiesigen Gymnasium Haacke hatte gegen einige hiesige Einwohner Privatklage wegen Beleidigung erhoben, weil sie ihm nachgesagt hatten, er habe sich der Weiblichkeit Büdingens mehr gewidmet, als sich mit seinem Amt als Religionslehrer vertrage und mehrfach an Frauen und Mädchen unsittliche Anträge gestellt. Die Schöffen^ gerichtsverhandlung über diese Sache am letzten Montag, die für den Privatkläger nicht sehr günstig verlief, mußte unterbrochen werden, da eine Hauptzeugin fehlte und zwangsweise von Berlin geholt werden mußte. Jedoch kam es *u keiner weiteren Verhandlung, da Rechtsanwalt Keil im Auftrag des Klägers vor Eintritt in den auf Mittwoch angesetzten Termin mit Rücksicht auf dessen geistigen und seelischen Zustand, der ihn verhandlungsunfähig mache, die Privatklage zurückzog. Den Verhandlungen wohnte im Auftrag der Regierung Regierungsrat Hechler bei, da die Angelegenheit voraussichtlich noch ein Disziplinarverfahren zeitigen wird. Vie Cholera. R o m 5. Okt. In Neapel sind in den letzten 24 Stunden 16 Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera vorgekommen, in der Provinz Neapel 15 Erkrankungen. Aus Apulien wurden weder Neuerkrankungen noch Todesfälle gemeldet. Parisi 5. Okt. In Marseille wurde bei drei Reifenden, die zu Schiss aus dem Orient eintrafen, Cholera festgestellt. Die mit den Kranken in Berührung Gekommenen wurden unverzüglich isoliert und alle Desinfektionsmaßregeln getroffen. Es handelt sich einzig und allein um eingeschleppte Fälle. Die Stadt Marseille kann nicht als verseucht betrachtet werden. Die getroffenen Maßregeln sind derart, „bafe bie Möglichkeit einer Verbreitung der .Krankheit ausgeschlossen erscheint.____________________________________________ Dcrinncbtes. *DirekteBahnverbinbungzwischenParisunb Tokio. Der Präsident der japanischen Eisenbahnen, Baron Hirai, weilt gegenwärtig in Paris, um wegen eines Planes zu verhandeln, oer binnen kurzem Wirklichkeit sein wirb: die direkte Bahnverbindung Paris — Tokio. Im Anschluß an bie trans- ^oirische Bahn baut Japan eine Zweiglinie von Mukben zur toreanischen Küste. In Tusan wird der Zug durch ein Traiekt in 9 Stunden nach Simonosaki überführt und erreicht einen Tag später "Tokio. Durch die neue Bahnverbindung soll man in höchstens elf Tagen vom Pariser Nordbahnhof bis nach Tokio reifen können. * Die Zahl der Fremden in Korea. Der japanische Generalrestdent von Korea hat soeben eine Statistik herausgegeben, die interessante Einblicke in das koreanische Erwerbsleben und vor allem das Anwachsen der Fremdenkolonie bietet. Ende Juni zählte man in Korea insgesamt 13 3*2 Fremde. Die weitaus größere Mehrzahl davon sind die Chinesen, zusammen 11533. Von den weißen Rassen sieben die Amerikaner mit 490 an der Spitze; es folgen England mit 183, Frankreich mit 89, Deutschland mit 48 Rußland mit 21, Griechenland mit 12, Italien mit 3 Köpfen. Ihrem Stand und ihrer Beschäftigung nach verteilen sich die in Korea lebenden Ausländer wie folgt: 99 sind Beamte, 453 Missionare, 3757 Kaufleute, 335 Fabrikanten, 989 beschäftigen sich mit Landwirtschaft, 138 mit Mmenbau, einer mit Fifcherei und 6611 mit anderen Gewerben. Die in Korea lebenden Chinesen sind gewöhnlich Kaufleute, Fabrikanten oder Bauern. Von den 138 Bergwerkbesitzern oder Vergwerkbeamten sind 104 Amerikaner. Auch unter den Missionaren sieben die Amerikaner an der Spitze. Sle stellen 306 Verkünder der christlichen Religion, während die Engländer 90, die Franzosen 50, die Russen 4 und Deutschland 3 Missionare ent sandt haben. • Warum brauchten bie alten Völker Bronze st a 11 Eisen? Etwa um das Jahr 5000 vor Begmn unserer Zeitrechnung finden wir zum ersten Male die Verwendung von Metallen vor, doch mar das erste Metall nicht, wie man wohl meinen sollte, das Eisen, sondern Kupfer und Zinn und die aus diesen beiben Metallen durch Legierung gewonnene Bronze. Und zwar waren es, wie uns eine der neuesten Nummern der »Tech- Nischen Monatshefte" (Stuttgart, Franckh'sche Derlagshandlung) erzählt, bie uralten Kulturvölker West- und Ostasiens, ferner das älteste afrckanifche Kulturvolk, die Aegypter, bei denen wir die ersten Anfänge der Metalltechnik vorfinden. Kupferne und später bronzene Geräte und Waffen, ferner Schmuckgegenstände, die alle bereits eine ganz erhebliche Kunstfertigkeit ihrer Erzeuger verraten, sind die Erzeugnisse der Metallindustrie jener ältesten Kulturvölker. Erst wesentlich später, etwa um das Jahr 1600 vor Beginn unserer Zeitrechnung, finden wir, und zwar im wesentlichen bei denselben Völkern, auch die ersten Anfänge der Gewinnung und Verarbeittmg des Eisens. Verschiedene Ursachen mögen dieses immerhin ganz erheblich spätere Auftreten des Eisens bewirkt haben. Außer dem natürlichen Umstand, daß gerade in jenen Ländern Kupfer und Zinn verhältnismäßig häufig vorkommen, trug wohl auch das glänzendere und schönere Aeußere dieser Metalle zu dieser jahrtausendelangen Bevorzrtgung vor dem Elsen bet, vor allem aber der Umstand, daß Kupfer nnb Zinn und noch mehr die aus beiden gewonnene Bronze viel leichter aus ihren Grzen zu gewinnen und noch leichter zu bearbeiten waren als das spröde Eisen. Kupfer und Zinn sind, aus den Erzen gewonnen, sofort zur weitere,'. Verarbeitung fertig, sind leicht schmelz- und hämmerbar, in hohem Grade geschmeidig uud bieten dem Schmied ein viel willigeres Arbeitsstück dar. Nachdem aber eine höhere Stufe der Arbeitstechnik erreicht war, wurde das Eisen gerade durch seine Härte und Festigkeit, bann vor allem aber auch durch seine weite Berbreitung, die großen Mengen, in denen es sich den Menschen barbot, zu dem für die praktischen Gebrauchszwecke in Krieg und Frieden bald am meisten verwandten Metall, das an praktischer Bedeutung bald alle anderen Metalle überragt. Kleine TageSchronik. Professor Deck er t von der Königlichen Maschinenbauschule in Görlitz, der seit dem 17. September vermißt wird, ist als Leiche aus der Neisse gezogen worben. Es ist noch zweifelhaft, ob ein Selbstmord oder Unfall oorliegt. Wegen mehrfachen versuchten Giftmordes wurde in Wilenack das 16 jährige Dienstmädchen Berta Fenling verhaftet. Sie gestand ein, in Kafiee Karbol und in Rotkraut Lysol geschüttet zu haben. Glücklicherweise wurde beides öot dem Genuß der Speisen bemerkt. Die Rettungsstation Wustrow zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Von dem hier gesttandeten deutschenSchooner „Sturmvogel", mit Gerste von Hamburg nach Kolberg unterwegs,, wurden vier Personen durch den Raketenapparat der Sta- tton gerettet Aus Panama wird gemeldet, daß infolge Kesselexplosioul der Dampfer Chirigui unter gegangen ist. Alle Passagiere und die gesamte Mannschaft, mit Ausnahme eines Hefters, wurden gerettet. Handel. Dortmund, 5. Okt. In der heutigen Versammlung der Gläubiger der Niederdeutschen Bank teilte der Konkursverwalter mit, daß er an Aktiven 5 365 229 Mk. und an lPassiven 27 197 365 Mk. ermittelt habe. Die Unterbilanz beträgt 21832136 Mk. In der Masse liegen 19’/* Proz. Verlauf der Witterung feit gestern früh: Die östliche Zyklone ist nordwärts nach der Ostsee gezogen, wobei strichweise geftenr geringe Regen fielen. Auch heute steht Mittel- und Norddeutschland noch unter ihrem Einstuß, so daß noch Regen zu erwartew ist. Das Hochdruckgebiet über England rückt nur langsam vor, so daß die Bewölkung bestehen bleibt. Im hohen Norden tauchen neue Polarzyklonen auf. Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 7. Oktober 1910: Wolkig und kühl, geringer Regen. Original» IDrafyhnclöungen. Eine Darstellung über die Ereigniffe in Liffabon. Madrid, 5. Okt. Ministerpräsident Canalejas empfing am Abend die Journalisten und gab ihnen an Hanl? der bei der spanischen Regierung eingelaufenen Berichte folgende Darstellung von Den Ereignissen in Lissabon: Gestern nacht gegen I1/2 Uhr wurde die Bevölkerung- Lissabons durch 21 Kanonenschüsse aufgeweckt. Alles eilte auf die Straße oder stürzte zum Fenster, um zu sehen, was los sei. Man sah nach allen Richtungen Menschen laufen, während Trompeter zur Sammlung bliesen. Die Revolution war aus gebrochen, 21 Kanonenschüsse waren das Signal. Die sofort mobil gemachte Polizei warf sich auf die Aufständischen, wurde aber von diesen mit Bomben empfangen. Nunmehr wurden die Truppen zu Hilfe gerufen, aber von ihnen ging ein Teil sofort zu den Revolutionären über, während der andere seiner Pflicht und der Monarchie treu blieb. Es entspann sich ein erbitterter Kampf, b-ald fielen Tote und Verwundete, besonders die Artillerie forderte zahlreiche Opfer. Den Revolutionären gelang es, sich des Soldatenviertels irr der Nähe des Schlosses Necessidades zu bemächtigen. Als der König sah, was vorging, verließ er auf den Rat von vier seiner Vertrauten das Schloß, begab sich mit ihnen an einen sichern Ort, wahrend der Kampf in den Straßen weiter tobte. Die Revolutionäre errichteten Barrikaden und schickten Abteilungen aus, welche die Brücken sperren und die Telegraphenleitungen ab schnei den sollten. Im Laufe des Tages trafen dann aus verschiedenen Provinz--, garnisonen Truppen in Lissabon ein, die sich mit den tceu> Gebliebenen vereinigten, so daß sich die beiden Parteien ungefähr das Gleichgewicht hielten. Ich glaube, so fügte Canalegas hinzu, daß die Königin Amalie ihr Schloß, in Cintra nicht verlassen hat, ich weiß, daß die aufständische Bewegung in der Provinz- nicht unterstützt wurde. Das spanische Kriegsschiff „Numancia" ist nach Lissabon in See gegangen. London, 6. Okt. Der hiesige portugiesische Gesandte hat eine beunruhigende Depesche des Königs! erhalten, worauf er die englische Regierung um die Entsendung eines Kriegsschiffes bat, um die königliche Familie zu retten. Paris, 6. Okt. Von der spanischen Gesandtschaft in Lissabon ist die Nachricht hier eingetroffen- daß der Admiral Danaezan an der Spitze der revolutionären Bewegung stehe. Paris, 6. Okt. Der heutige Ministerrat wird sich mit den Ereignissen in Portugal beschäftigen, besonders mit der Frage, ob Kriegsschiffe dorthin entsendet werden sollen. Paris, 6. Okt. Nach einer Meldung aus Rom ist man im Vatikan sehr beunruhigt über den Ausbruch der Revolution in Portugal, da man wegen des antiklerikalen Charakters der Bewegung deren Uebergreifen auf Spanien befürchtet. L i s s a b 0 n , 6. Okt. Die königlicheJacht „Arnalia" ist gestern abend mit dem Herzog von Oporto an Bord von Cascaes in See gegangen. Man vermutet, daß die übrigen Mitglieder der Königsfamilie sich in benachbarten Häfen ebenfalls einschiffen werden. Sevilla, 6. Okt. Die hiesige Garnison macht sich marschbereit, um an die portugiesische Grenze abzumarschieren. Vigo, 6. Okt. Der Dampfer Cape Bianco ist hierher zurückgekehrt, ohne die für Lissabon bestimmten Passagiere gelandet zu haben. Am Dienstag nachmittag beschossen 2 Kriegsschiffe den königlichen Palast, (ftn drittes! Kriegsschiff führte noch die königliche Flagge, wurde aber durch das Feuer der aufständischen Truppen gezwungen, sie niederzuholen. Der Onkeldes Königs, der Herzog vonOpono, warf si dttm die Spitze der Gebirgsartillerie den Revolutionären entgegen. Die Artillerie wurde aber gezwungen, sich zurückzuziehm, worauf der Palast eingenommen wurde. Neuheit für Hausfrauen. Touristen. JnSchlüssel-Tubaty T & P’* Senf in hygienischer Euben-Dackung. TÜRK* PABSTs ---> Dellcatess-s Girondine-Senf Lachs-Butter & Sandwich-Fisch Giessener Konzert-Verein 1. 2. 3. 5. 6. II. Solo-Quartette: 8. III Klaviervortr&ge: Biograph spekte jederzeit. (08368 Pleckete. 12 08375 Plocketr. 12 angvereins, unter IV. Stehplatz V%> für alle anderen Konzerte 5.— Cate Amend Es gibt kein besseres Hausgetränk, als den echten fit Kardinal - Malzkaffee! I Die Direktion: Th. Rösch 08382) Im Restaurant Konzert des Wiener Damen-Orchefter Czap. D4/16 QMg,7.10.10,ofiii9. 5653 Der Vorsitzende. v*/io _ ■ Verschiedenes HL 2.50 3.- II. 3.50 4.- 25.- ML 16.- „ 15.- Mk. 10.- . für 10 Abende für 6 Abende 30 - Mk. 19.- „ Wagner-Liszt Chopin Eintritt frei. Anfang 8 Uhr. 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Freiwillige ßail’selie Feuerwehr Feier des 55. Stiftungsfestes. Samstag den 8. Oktober, abends 8i/a Uhr . . Kommers im Saale des Kameraden Krämer „Zur Stadt Marburg". Sonntag den S. Oktober, nachmittags 3 Uhr Ausflug nach dem Windhof. t•/» Der Vorstand. Kinemalopph Bahuhofsir. 54 osse« Bahnhofstr. 54 Nur noch heute und morgen Klavierspieler, eventl. auch Dame, für 14 Tage abends gesucht. Schr. Angeb. mit Preisangabe Wasche zum Bügeln ro. an gen 08049 Kirryenplatz 3 pt. Wer übernimmt LchrtibniMinkn - Arbeiten i Schriftl. Angebote unter 08366 an den Siebener Anzeiger erb. 2.- 1L0 ML 2.50 2.- w Samstag, 1. Oktober ab täglich Konzert der Ml. mjariscta WMM-dlMM Direktion: Csizmäs Andräs. Erste Deutsche Automobil-Fachschule Mainz Chauffeur-Schule. Führ*??^8!?^^ , ermächtigte Auabildungsstätte für K^sfPni?cryt^^eujfen- Weitestes Institut der Welt, kostenloser Stellennar.hwe.fR. - Prospekte frei, [z17, Karten 6riert nnd ä 1 Mk. nnnnmeriert sind in der Musikalienhandlung von — — Challier, Neuenweg 9, und vor Beginn des Konzertes an der Kasse zu haben. [Dl/10 Ein Teil dee Reinerträges ist für einen wohltätigen Zweck bestimmt. I. K&uerchöre: O Isis und Osiris....... In der Nacht......... Elfenlocken......... Kaiser Karl in der Johannisnacht Der fahrende Scolar..... Spidüed 1 Satz von..... Innsbruck, ich muss dich lassen. Satz von......... Das Ringlein sprang entzwei . . Minnelied.......... Ich lehne mein Haupt..... Schlaf, Kindlein. Satz von . . . Am Rheine ist Leben...... Kartoffeln offeneb1nig L. Landsberger, Berlin, ss31/») Fruchtstrabe 2. Die Kapelle......... In einem kühlen Grunde . . . Ich hört* ein Vöglein..... Mailied, Polnischer Satz von . Die schöne Schäferin. Satz von Mein Schätzchen...... Kreutzer Glück Ramrath Winkelhake Spangenberg Attenhofer Neue Aula der Universität. Gienen, den 9. Oktober 1910, nachmittags 5 Uhr: Konzert des Hannoverschen Lehrer - Gesangvereins unter Mitwirkung des Dirigenten, Pianist Emil Taegener und des Solo-Qnartetts des Vereins. Dirigent; E. Taegener. - PROGRAMM = Giessen Direktion: Hermann Steingoetter. Freitag den 7. Oktober Anfang 8 Ubr Ende 11 Ubr 1. FreltagS-Abonn.'Borstellung Der Kaufmann in $enthm von William Shakespeare. Sonntaa den 9. Oktober . nachmittags 3'/, Ubr Kieme Preise Kleine Preise Wenn der junge lein hlöbl von Björnstjerne Björnson. Ende 8'/> Ubr. AbendS V,8 Ubr UnterMitwtrkung derKav*lle des hies.Jnf.-Reg. iKaiser Wilh.iNr.U6 Der Verschwender von Ferd. Raimund. Ende gegen VJ1 Uhr. a«/„ 120. Vereinsjahr. — 1910/11. Konzert: 30. Oktober 1910: 1. Orchester-Abend: Solistin Fran Anna Kämpfert aus Frank* furt a. M. (Gesang). Im Stadttheater. , 6. November 1910: 1. Solisten.Abend iLieder-und Klavier-Abend): Frau Susanne Deasoir (Gesang), Herr Bruno Hinze «Reinhold aus Berlin (Klavier). In der Aula. * 27. November 1910: 1. Kammermusik-Abend: In der Aula. 0 11. Dezember 1910: 2. Solisten-Abend: Herr Josef Sziget! aus Budapest (Violine), Herr W. Rehberg aus Frankfurt a. M. (Klarier). In der Aula. , 9. Januar 1911: 8. Solisten-Abend: Herr Professor Max Reger aus Leipzig, Herr Professor Gustav Trautmann (2 Klaviere 4 händig), Frau S. Fischer-Maretzki aus Berlin (Gesang). In der Aula. w 22. Januar 1911: 2. Kammermusik-Abend: In der Aula. „ 5. Februar 1911: 2. Orchester-Abend: Solist: Herr Professor Hugo Heermani ans Berlin (Violine). Im Stadttheater. „ 21. und 22. Februar 1911: 1. Chor-Konzert: Judas Maccabäus, Oratorium von G. F. Händel: Solisten. Frau Schmidt-Illing ans Darmstadt (Sopran), Fräulein Klara Lion aus Frankfurt a. M. (Alt), Ben Otto Schwendy aus Berlin (Bass). In der Stadtkirche. 9. u. 10. Konzert: 3. Kammermusik-Abend nnd 2. Chor-Abend, deren Daten noch bestimmt werden. Als Orchester ist wieder gewonnen: Die durch weitere Künstler verstärkte Kapelle der Palmengarten-Gesellschaft in Frankfurt a. M. Der in jeder Beziehung wohlgelungene Verlauf des verflossenen Konzert-Jahres hat den Vorstand ermutigt, für das vorliegende ganz,, besondere Vorbereitungen zu treffen, wie die vorstehende Aufstellung der Konzerte und der verpflichteten vortrefflichen Künstler wohl vollauf bestätigt. Da das nur mit großen pekuniären Opfern zu ermöglichen war, so empfiehlt der Vorstand angelegentlichst die nachstehenden Abonnements-Bedingungen. So willkommen ihm auch der von Gießen und auswärts zuteil werdende Besuch einzelner Abende ist, so muß er doch unbedingt auf einen weiteren Zuwachs seines Abonnentenstammes sicher rechnen. Nur dann kann er seiner Aufgabe, die Kunst in Gießen zu fördern, gerecht werden. Abonnements-Einladung. Unseren geehrten Abonnenten bleiben die Plätze des Vorjahres in gleicher Anzahl und Abonnementsform reserviert, sofern nicht bis zum 21. Oktober 1910 Abänderungen beantragt werden. Gewünschte Aenderungen beliebe man vom 15. Oktober ab bei Herrn Ernst C h a 11 i e r geltend zu machen. Allen Wünschen wird, soweit irgend möglich, entsprochen werden. Ebenso beliebe man sich bei Neuanmeldungen vom 15. Oktober ab an Herrn Ernst Challier zu wenden, wo die Pläne offen liegen, sowie mündliche und schriftliche Auskünfte erteilt werden. Bedingungen nnd Preise: Abonnements werden nur an Mitglieder des Konzertvereins, des Akademischen Gesangsvereins und des Saalbauvereins ausgegeben. Der Mitglied» beitrag beträgt ML 6.— und wird auf die Abonnementspreise voll in Anrechnung gebracht Die Entrichtung des bloßen Mitgliedsbeitrags berechtigt zum Eintritt in die 3 Kammermusik- Abende des Trautmann'sch en Trios, für numerierten Platz ist ein Zuschlag von 3 Mk. zu entrichten. Den Mitgliedern des Akademischen Gesangvereins und des Saalbauvereins werden je 6 Mk. auf die Abonnementspreise angerechnet. Die Preise für die Abonnemente betragen: Abonnement L Platz II. Platz HI. Platz IV. Platz Fkkidkiiktt - Vmichiing Gießen. Donnerstag den 6. Oktober 1910, abends 8% Uhr, in „Steins Garten" Oeffenüicher Vortrag mit Lichtbildern von Ang. Kahl (Schüler Haeckels), Hamburg äb. das Thema: AmUriiUlWAkiHliil? Eintritt: Reservierter Platz Mk. 1.—, Saalplatz Mk. 0.50. 5461__________________Der Vorstand. Seltersbergverein. Heute Donnerstag den 6. Oktober M Liii i. Giessener Fetil (früher Kolosseum) Familien-VarietG I. Ranges. Dom 1.—15. Oktober IMF- täglich große Vorstellungen mit höchst dezentem Programm, vollständig neu für (Stehen. 1L a. The two Horley’s, kom. musikal. Akt nbey the table dliote“, zum - Die 4 Frühlmgskinder, Damen-Gesangs- u. Tanz- Ensemble. - Toni Floretti, bunter Komiker, alS dummer Rekrut, Tranen muh man lachen, und als letzte Attraktion Simplizih-Wild, größter VortragSkünitler. Den Schluh jeder Vorstellung bildet eine tolle BurleSke, ausgesübrt vom Rohrbach-Ensemble, 10 Personen. Alles Nähere besagen die Plakatsäulen und die tägliche Reklame. J. Spanier, akad.geb. Lehrerin, Seltersweg 31, Eing. Plockstr. 2. Versäumen Sie nicht bet Blutarmut u. Appetitlosigkeit Seibel's Nähr- o. Kräfligungs-Likör zu probieren. ’/i Fl. M. 2.50, >/, Fl. M. 1.50. Germania-Drogerie Carl Seibel, Franks. Straße 39. 5198) Telephon 593. Das Gespenst der WM großes fesselndes Drama, Drei Daetageigeleiertage großartiges amerikanisches Drama und sämtliche übrigen Schlager. Hüte werd, garniert u. umgearb. 08299 Kaiser-Allee 21. St. rech ts. ^rirtof werden gut u. dauer- 'Wgtri ausgestopft. 07901 I. Gelrenleuchter, Schulstr. 11. Gut emps. Wocheubettpflegerin bat tt Monate frei, geht auch ausw. 08357) Näh. Kaiser Allee 35II. 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Eintrittskarten zu s^r ermäßigten Preisen (BolkSvreisen) werden im Bureau 2 deS Bahnhofs Gießen bei Herrn Eisenbahn- gebilfen Schalch abgegeben. Die Mitglieder werden gebeten, recht ausgiebigen Gebrauch von der Vergünstigung zu machen. B_________________________ Der Vorstand. Montag, 10. Oktober, abend 81/, Uhr im Hotel Schütz Oeffentlicher Vortrag von Frau Johanna Wäscher, Cassel: Die Frauen u. die Krankenkassen.