Die heutige Nummer umfahr 14 Seiten. Ion. politijdK Wochenschau. Gießen, 8. Daß im Jahre 1910 eine halbe Million Mark für die Besserung der Beamteneinnahmen flüssig gemacht werden soll, kann man nur mit Verfall begrüßen. Es rst ober befremdlich, daß mit der Sparsamkeit anscheinend nrcht ganze Arbeit gemacht werden soll. Tas Volk wird fick wundern, daß sogar der sozialdemokratische Abgeordnete Ulrich gemeint Yaoen soll, von einer größeren Sparsamkeit werde nicht viel die Rede sein können. Wie viel mal soll es wiederholt werden, daß die Vereinsachung der Verwaltung außerordentliche Eriparnisse versprechen könnte! Mit Recht hat die „Franks. Ztg." gestern den Standpunkt vertreten, den wir schon früher eingenommen haben, daß z. B. unsere Lolalverwaltungen viel Lostpsieliger gehalten werden als in Preußen, wo man trotzdem noch an die Ausschaltung einer der drei größeren Verwaltungsinstanzen denkt. Wollte der Ossenbacher sozialdemokratische Fjkhrer dies etwa bestreiten? Wenn am Ende dieses Monats die Krug gepellt, wiederholt war das Lteo des braven Mannes gesungen worden, aber ach, auch das war eine Komödie der Iwungen. Trotz langer und breiter Vorverhandlungen ist der Freisinn erst nachträglich dahinter gekommen, daß Herr Krug ein eingeschriebenes Mitglied des Bundes der Landwirte ist. Er hatte so schön gesprochen und für die Erbschaftssteuer sich erwärmt. Trotzdem stieß ihn Die Epenacher Linke von sich. Atan mag über diese Komödie der Irrungen denken wie man will, aber man kann den Nationalliberalen keinen Vorwurf machen, daß sie praktische Politik machten und an die Stelle des Herrn Krug einen anderen Kandidaten aus ihren Reihen stellten. Während in Preußen erst die kommende Woche durch die Eröffnung des Landtages das politische Leben entfachen wird, haben die hes,ischen Volksvertreter schon gearbeitet Der Wiederbeginn der Kümmertagung hängt noch von dem Ergebnis der Ausschußberatunaen ab. Was aus den Sitzungen des Finanzausschusses der Zweiten Kammer bisher veröffentlicht worden ist, kann bte Sorge um die Zukunft nicht beschwichtigen. Gestern sind die Herren aber eine vorläufige Abmachung einig geworden, die eine Grundlage zur Verständigung mit der Regierung und der Ersten Kammer bilden soll. Demnächst wollen bie Ausschüsse beider Kammern eine gemeinsame Sitzung veranstalten. Wenn bie Abmachung wirklich der Weisheit letzten Schluß bilden soll, so haben wir keinen Anlaß zu freudiger Zustimmung. Es ist vor allem nicht ganze Arbe.t gemacht worden. Wenn man vom Ausschuß unserer Voltserwählten natürlich auch noch nicht die unumwundene herzbefreiende Aussprache und Kritik erwarten, wenn das Wort- das auf aller Zunge liegt, auch noch nicht gesprochen werden konnte — so viel kann man aus den spärllchen Verlautbarungen doch entnehmen, baß int ganzen Energie und Wucht der Volksmeeinung sich nicht durchgesetzt haben. Statt einer 30prozentigen Steuererhöhung sollen wir einer solchen von nur 2o Prozent gewärtig sein, und der Regierung soll Zeit gelassen werden bis Ende des Jahres 1911, ihre Vorschläge zur Vereinfachung der StaatsoeMvaltung zu machen! Ta geht es mit der Verwaltungsreform am Ende ja in Preußen schneller, das doch etwa 45 mal größer ist, denn es hat einen Flächeninhalt von 346 545,4 qkm mit 31855 123 Einwohnern, während bei uns die Staatsverwaltung nur auf 7681,73 qkm zu schallen und über 1039 388 Einwohner zu walten hat' Gicfzenev Sta-ttheater. Moral. Komödie von Luowig Thoma Schon bie Römer haben bie Satire gepflegt und im vorigen Jahre sahen wir Wieds prächtige Verspottung des Spießbürgers in 2 x 2 = 5 mit jröi)liajem Behagen über unsere Bühne geben. An dies es feine, geistvolle Werk des Dänen erinnert Thomas lustige Komödie von der Moral, aber es fehlt ihr die glückliche (Gestaltungskraft und auch das heitere Lächeln, mit dem Wied seine Menschlein behandelt Thoma redet zu viel und bildet zu wenig, aoer was er sagt, wie er das sagt, das leuchtet uno blitzt von Geist und Witz. Genuß, feine Menschen sind Karilllluren, nach seiner Behauptung wären alle Menschen, die von der Moral reden, im Grunde unmoralische Heuchler — aber erstens meint er das gar nicht so ernst, zweitens wollte er ja eine Satire unseres Gejelkschaftslebens schreiben und drittens fühlen sich natürlich immer nur — „die anderen" getroffen, eonft hätte das Merkchen auch wohl kaum seit zwet Jahren überall so außergewöhnlichen Beifall gesunden. Es ist doch einmal eine Abwechselung in dem ewigen einerlei unserer Liebeslustspiele, und wo nur, in welcher Form, man auf Geist trifft, er erfrischt immer. Darum kann man auch über diese Moral so Herzhaft lachen — trotz ihrer Längen, trotz ihrer übermütigen ersten Auszüge und trotz der Verallgemeinerung. „Donnerwetter, i|t der Thoma ein Kerl, der sagt's ihnen!" hörte ich gestern abend sagen. Ja, der Thoma ist ein prächtiger Kerl, voll echt ba.-rischen Freimutes, aber ob er es bloß „ihnen" sagt und nicht uns allen? Man vermeint, im Simplirissimus zu blättern, wenn tnan sich die Leutchen ansieht, bie von ber Moral reden und eigentlich gar nicht roijen, von was sie reoen — und schließlich zu bem Schluß kommen, baß ber Skandal erst an fängt, wenn bie Polizei beginnt, ihm ein Ende zu machen. Und bas ist benn auch der Inhalt des lustigen Stückchens. In Emilsburg, der Hauptstadt des Herzogtums Gerolstein, hat sich ein liebevolles Mädchen nieocrgeiaffen, das über alle seine Besucher gewissenhaft Buch fuhrt. Durch einen namenlosen Bries wird die Polizei auf das Fräulein aufmerffam gemacht und bei der Verhaftung findet sie natürlich auch das Tagebuch, in dem unter vielen anderen auch Vorstan^smüglie^er des nengegrünüeten Sit.lichkells- vereins ausführlich verzeichnet )ino. Darob allgemeine Bestürzung. Aber glücklicherweise zählt auch der Erbprinz zu den Besuchern, ja er war sogar samt seinem Erzieher während der Verhaftung im Kleioerschrank des reizvollen Fräuleins verborgen. Eine gerichtliche Verhandlung muß also vermieden werden. Man beabsichtigt, das Fräulein gegen eine Sicherstellung aus der Hast zu entlassen und sie ,oll dann über die Grenze flüchten. Diese Lösung scheitert aber an dem Widerstand der Schönen, die eine angemessene Entschädigung verlangt. Und — der Silllichleitsoerein stellt die Kaution und zahlt die Unterstützung — und sein ehrenwerter Vorsitzender erhält nicht nur einen Orden, er wird auch geadelt. Außerdem kann er nun auch wieder ruhig schlafen und nach wie vor eine rege Wahltällgceit als Kandidat der libera.-lonservativen Partei entfalten. Dies ist in kürzen Zügen der vergnügliche Inhalt ber witzigen Komödie, die aber eigentlich doch keine Komödie ist, weil der rein dichterische Wert des Werkes doch sehr zweifelhaft ist, wenn überhaupt die Rede davon sein kann. Am besten gelungen ist unbedingt der zweite Aufzug mit bem sehr lustigen Verhör bes schönen Fräuleins und dem höchst gelungenen Auftritt des um seinen Ruf besorgten Reichstagsmndidaten. Recht matt und ohne liefere Berechtigung ist der An^ang-bes dritten Auszuges, denn die Auseinandersetzung ^mifajen dem Vorsitzenden des Si.llichleits- vcreines und seiner Frau ist gar nicht am Platze, und so bliebe von bem ganzen Stück eigentlich nur der zwecke Auszug. Aber — Thoma ist derart witzig und schlagfertig, sein Dialog ist derart glänzend und fein zuge.pitzt, baß man alles andere vergißt und sich fröhlich dem o,t grimmigen Humor des Ver,a,sers überläßt. T.-omas Humor i,i em e.gen Ting. Man glaubt zuerst, er spiele nur, aoer p.ötzlich kommt er in Feuer, zeigt er die Krallen und geht seinen Menschlein mit tjeiligem Zorn zu Leibe, denn es ist ihm bitterer Ernst um die Sache, die er in ein so lächerliches Narrenueid gesteckt hat. Moralisch sein, nicht morahfclj reden, das ist es, worauf es amommt. Zöllner verlangt er und keine Pharisäer, leine Moratprotzen. Die Tugend, die sich auf die Straße ,teilt und jeucu auf fiiij uno i.,re Wurde a-ifnurjam macht, aas ist ihm ein schlimmes Laster. So hat das Werk, das so viel übertreibt und verallgemeinert, im Grunde einen höchst slltckchen Kern, der auch den Widersachern nicht entgehen kann. Was nun die Et^cuierHeicynung anaeht, so ist als ehrliche Haut nur der blonde Hüne gelungen, dem es wirklich e^nst ist um die Moral, ob.chon auch er gestrauchelt und auch gefallen ist. Tie übrigen Figuren sind alle mehr oder weniger zu iijrem besonderen Zweck zurechtgemacht, sind '/ in gewissem Sinne körperlich gewordene Leitartikel; besonders die über alle Maßen kluge Frau Lund, das Sprachrohr des Dichters, und zum Teil auch der Justizrat Hauser, der Sarkasmus des Dichters, der blendende Worte zu prägen versteht. Die hiesige Aufführung, ber man mit der Bezeichnung , lllerarischer Abend ein besonderes Mäntelchen umgehängt - halte, war im ganzen wie im besonderen gut gelungen und ianb banL’bare Anerkennung. Hermann Norden, der auch die Leitung mit glücklichem Geschick besorgte, schuf eine sehr ergötzliche und unterhaltsame Gestalt und wußte bte mannigfachen Nöte des Llocklandidaw'n mit glaubhaftem Humor oarzustellew Ferry Daubal spielte den blonden Hünen Wasner, der feit Jahren alle „£)bjBonitäten" sammelt, mit behaglicher Würde und ehrlichem Eifer, nur hätte ich ihm einen sorgsälligeren Bart gewünscht. Edgar Pauly belebte die unmögllche Gestalt des Polizeiprä, identen mit hervorragendem Geschick. Rudolf Goll spielte den Assessor, „der die Sittlichkeit unter sich hat", mit köstlicher Laune und automallscher Hochachtung; seine devoten Verbeugungen vor dem Fernsprecher waren ausgezeichnet beobachtet Mit entzückender Liebenswürdigkeit und mit graziösem Schick spielte Fränzi Koch — mit dezenter Zurückhaltung — den Zan^tp.ei von Emilsburg, ohne die Keckheit des liebenswürdigen Maidleins irgendwie zu übertreiben. Der Prinzen- erzie^er wuroe von Kurt Gühne in ausgezeichneter Maske und ganz im Sllle Reznicels mit vorzüglicher lieberlegen- Ijcit gegeben. Eine Hetzer,reuende Gepalt war auch der Schreiber, den Paul Urban jamos barftellle. Elly Gühne spielte die weise Frau Lund mit sehr angebrachter Zurückhaltung, Rots Gunolt den scharfäugigen Jastizrat ohne jede Auchringlianeit, zu ber die Rolle leicht verleiten kann, aber etwas mehr Sarkasmus wäre wohl gut. Aber auch in die,er mehr millellig-hutnorvollen Aus,assung tarn sie gut zur Geltung. Von oen übrigen Darstellern seien noch iiore Scholz (ainaj, Karl Volck (Bolland), Ada Pauly (Klara) und Karl Marx (Döbler) erwähnt Karl Neurath. 11 UVVIl IVV WVIl »VUV/ V bV «••• —2 — —- J- y | - _ , , tatkräftiger Helfer Herr Rdüller-Meiningen, hätten sich aus I Vollversammlung unserer Svenen Kammer wieder tagen die Seite ber nationalliberalen Kandidatur des Landwirts I wird, kann man auf sehr imcrefiante Auseinandersetzungen Das Jahr 1910 hat, was wir nicht beklagen wollen, bis jetzt leine politische Sensation gemacht Me Reichs- hauptstadt hat nur einige Ereigni.se von anschaulicher Bedeutung oder vielmehr Bedeuiungslo>igkeit gebracht: em chinesischer Prinz, der mit anderen Wißbegierigen des Himmlischen Reiches unsere Marineeinrichtungen besichtigen will, bat einige Stunden beim Kaiser gesessen, und die neugierige Welt hat einen Austausch von Begrüßungsreden vernommen, die wie Sckjaum zerronnen sind und keinerlei Kritik eine Handhabe bieten. Die Zeiten haben sich geändert, feit der Suhneprinz zerknirschten Gemütes vor den aülerbehelm- ten Hohenzollern trat . . . Auch seit Bethmann-Hollwegs Walten tritt ber Kaiser aus seiner Zurückhaltung nicht heraus. Es mußte ein wenig überraschen, baß er Hermann Sudermanns, des „Modernen", neuestes Werk zweimal seines Interesses gewürdigt und daß ber Ver^a.seL der „Strand- Ander" beim zweitenmal anscheinend „lobende Erwähnung" in einer persönlichen Anrede gefunden hat Alles Unmutes kritische Sorge hat sich auf das Haupt des Verwalters unserer bemfchen auswärtigen Angelegenheiten, Herrn von Schoen, oder, wie er sich vielleicht noch lieber nennen hört, Baron be Schoen, gesammelt Wir wollen nicht alte Vorwürfe wiederholen, aber ber Fall des venezolanischen Farmers Haß, eines Reichsdeutschen, der statt des Sck)Utzes seiner berechtigten Jnterefien auf das Eingreifen des deutschen auswärtigen Amtes ber Au,sicht von Irrenärzten teilhaftig geworden ist, hat ein sehr ernstes Aufsehen und ballt am Reichstagshimmel eine Wolke zusammen. Wir können von hier aus einstweilen nicht nachprüfen, ob i» ber Wil- helmstraße wirklich so teuflische Gewissenlosigkeit am Werl gewesen ist unb möchten es einsttveilen sehr gerne bezweifeln. Jebensalls war so schweren Angriffen gegenüber bie auch von uns veröffenllichte Notiz ber amtlichen „Nordb. Allg. Ztg." von einer geradezu bejammernswell Hilflosigkeit Man vergegenwärtige sich nochmals, daß in einem Berliner Blatt (ber „Tagt Rund sch.") bie Anklage erhoben worben ist lediglich aus Anregung des Auswärtigen Amtes, also ohne Antrag eines Dritten, sei ein unbequemer Nörgler und Bittsteller bem J.renhame übergeben worbenLan^e Irrungen scheinen auerbmgs vorausgegangen zu fein, ber amtliche Untersuchungsapparat soll äußerst langsam^unb stöhnend funllioniert haben — wenn bie Angaben der T R. stimmen — unb zwischen dem deutschen Schutz.üchenden uno bem Berliner auswärtigen Amte hat leine Brücke bes Ler- stänbnisses geschlagen werden können. Ob dies an der totalen Geistesgestörtheit des Herrn Haß ober an ber mangelnden Bereitwilligkeit ber politischen Behörde gelegen hat, bas müßte eine sehr ernste Gerichtsverhanblmig entscheiden. Bisher hat Herr v. Schoen sich zu dieser Anregung noch nicht entschlossen. Obgleich dies bei so schweren Verdächtigungen alle Welt hätte erwarten müssen. Eine interessante politische Spannung war noch im Eisenacher Reichstagswahllreis, wo Herr Schack den Staub von den Füßen hatte schütteln müfsten, eingetreten. Man wird sich erinnern, daß öfter mit Anerkennung hervorgehoben worden war, bie Freisinnigen, an ihrer Spitze als Nr. 6 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 8. Januar 1910 Ter Gtetzcner 2Injdgtf monatlich7öPlloiertel- ellcheint täglich, außer fsjr "'Ovk MÄ „ jährlich Mk. 2.20; durch Sonntags. - Beilagen: Jg k A A A. A AA VH /k ZK A Abhole- u. Zweigstellen viermal wöchentlich V W 8» /A M ÄöÄ monatlich 65 M.; durch Siehen-r§ami!,enblStler, M l W MM W K MM ll IM W W (1 W fei M M UM W dieVost Alk. 2.-mertel- 3iDc:mnlmöcbentl.Kteis-. E| UH^Ä M L JF fflJF H ■ HJr ■ jßF H ■ Q M M H ELr M fährt, ausjchl. Begellg. bialt fiir den rlreü Sichen KsS M W W KÄ M W T • A l \ m Zeilenprers: lokal I5Pst (Trenstag und ^renag); B» W tpk M| ßJL, K^L UD auswärts 20 Pienniq. ^ernfprech - Anichlnsse: polmichen Teck: August General-Anzeiger für Oberheften Z-W Rofafioitsbrn» und Verlag 6er Srühl'schen Unio.-Vuch- und SteindrnSerei R. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei - Schulskra!»e 7. Anzeigenteil: H. Beck. bis vornultags 9 llhr. ________ ____ aj||*1 1 Iiimn wm gejajjt sein. Ho,fentlich erhält bann das Bild kräftigere Farben! politische Sagesschatt. Friedrich Naumauu über Bismarck. Der bekannte freisinnige Abgeoronete Friedrich Naumann gräbt ein schon vor Jahren erschienenes Buck) über Bismarck von Osiar Klein-Hattingen aus und lobt bar in in einem freisinnigen Blatte bescmoers die Darstellung des großen Staatsmannes als Führer der inneren Politik Deutschlands, Tabei malt er von Bismarck ein Bild, dem wir freilid) nicht zustimmen können: „Er (Oskar Klein) erzieht uns zu einer realistischen Betrachtung Bismarcks. Bon .Haus aus ist das Mitgefühl des Verfassers bei der liberalen Kulturbewegung, die von Bismarck zertreten wird. Er spart deshalb auch nicht mit Ausdrücken der Abneigung gegen den Titanen des Zwcmgsstaates, aber indem er sich über Bismarck beklagt, wird er ein stärkerer Verkündiger feiner historischen Gewalt, als es jemand sein kann, der von vornherein bei ihm steht. Er ist kein Freund der Bismarckischen Seele: „Der Urgrund seines Tuns ist ein ins Ungeheure gesteigertes Selbstgefühl." „Wenn die innere Staatsleitung eine Ausgabe der Diplomatie wäre, d. h. wenn es dabei darauf ankäme, den Triumpf der dynastischen Macht über die Volksmacht herbeizuführen, so wäre er unter den Berufenen der Berufenste. Da aber im modernen Staat das Gemeinwohl das Ziel ist, so ist er ,als Staatsleiter der verkörperte Anachronismus ... In den äußeren Angelegenheiten war der verschlagene, herrschsüchtige Junker an seinem Platz unb welche Weisheit hat er da nicht entfallet! Aber . . . er lebt (in ber inneren Politik) seine Tage dahm, in stetem Unfrieden bald mit dem einen und bald mit dem andern, und er verbraucht jeden, der sich in seine Nähe wagt. Er wckl keine Mll- arbeiter, keine Amtsgenossen, sondern Sekretäre, Kreaturen. . . er El gegen seine Amtsgenossen meist auf bem Kriegspfad, keiner ist vor den Pfeilen seiner Tücke und HüUerlist fiäter, jeder weiß von seinem mechanten Mundstück ein Lied zu fingen. Wer wckl sie zählen, die Verhöhnten, die Hinausgegraulten, bie „Erkrankten", die „fröhlichen Ministerleichen", die Leute, die er verbrauchte ! Er ist der Positive, die andern, die ihm widersprechen, sind die Negativen; auf solche Art steht er über den Parteien, bald über der einen, bald über der andern. Er ist ein gefährlicher Experimentator, da er alle Experienz verachtet und im Galopp bie schwierigsten Experimente macht. Nur zu wahr, was einmal Virchow von ihm sagt: „Ter Mann, ber an der Spitze unseres ■ Staatswesens steht, er kennt Europa, aber er kennt Deutichland nicht, da sitzt bas liebel 1" So läßt sich vieles, vieles aneinander- reihen, was in keiner offiziellen Biographie gefunden wird. Ge- legentlich. ist es, als hätte Eiigen Richter am Bild seines übermächtigen Gegners mckgezeick)net. Und bann kommt doch bas Bismarckgesicht heraus: Seine Gefühle haben sozusagen einen absoluten Oberiomman- dantLN an dem stärksten aus ihrer Mitte, an ber Herrschmcht- biefer einen dienen bie andern mit musterhaftem Gehorsani zur Eroberung der Macht... es dienen ber Herrschsucht der große Mut, der Titanenwille, aber auch das Mißtrauen, die itete eorge um den Besitz ber Macht und der Trieb, alles selbst auszuführen, die Arbeitswut. Auch gehören zu ihr bie Melancholie, die gelegentlichen Anfälle von Schwermut ober Weltschmerz. Endlich: die intellektuellen Kräfte! ... ein wahres Prachtexemplar für die psychologische Analyse, dieser Mann. Es kaiui sein, daß eckizelne Runzeln im Ange lichte Lismarcll zu eckig geraten sind, aber es ist wenigltens Eharakter in der Wiedergabe. Gegenüber einet abglättenden, übervorsichtigen, kla>- sischen Geschichtsschreibung hat auch bas Temperament seinen Wcrr, das nicht ängstlich jedes Wort abwägt und das pietätlos genug ist, auch in schwierigen Fällen der Wahrheit die Ehre geben zu wollen." Es ist wahr, Bismarck mar Tein PartersanaLller, und in seinen „Gedanken und Erinnerungen' geht er allerdings mit keinem Gedanken auf die Berechtigung und Entwicklung bet revolutionären Ideen des Jahres 1848 ein. Er betrach tete eben alles unter dem Gesichtspunkte einer großzügigen vaterländischen Entwickelung. Am Abend seines Lebens bat er daraus kein Hehl gemacht, daß es nicht seine Sache gewesen ist, über etwa berechtigte Gedanken bei der Umsturzbetvegung nachzudenken. Mer gerade heute können wir auch fiir den Meister der inneren Politik Bismarck nur die größte Verehrung haben; geht nicht die Sehnsucht unserer Lage gerade dahin, einen leitenden Führer zu haben, der mit eiserner Energie, über dem Egoismus der Parteien, im Interesse des Ganzen wirkt? Wer die Persönlichkeit des großen Kanzlers gespürt hat, der weiß es, daß er menschlich für alte Bestrebungen seiner Zeit ein höchst feines Empfinden gehabt hat. * Die Forschungsreisende Burchhardt. Ein geheimnisvoller Schleier umgibt bekanntlich die Lebensgescyichte des vor ca. zwei Wochen in der Provinz Jemen in Arabien auf der Reise von Sana nach Talis er- mordeten deutschen Forschungsreisenden August Burchhardt. Man weiß nur, daß er ein Sonderling war und wiederholt Reisen in das Innere Arabiens unternommen hatte, deren letzte ihm so verhängnisvoll werden sollte. Von englischer Seite ist dann auch noch die Behauptung ausgestellt worden, daß er bestimmte deutsche Interessen in Jemen vertreten sollte und gewissermaßen als bezahlter Agent der deutschen Regierung dort zu Tode gekommen sei. Jetzt kommt aus Höh scheid bei Solingen die Nachricht, daß Hermann Burchhardt dort herstamme und in diesem Ort eine Frau mit acht Kindern sitzen gelassen haben soll. Tatsächlich ist vor acht Jahren in Höhscheid ein Loll- ziehungsbeamter Burchhardt tätig gewesen und „unbekannt wohin" verschwunden. Auf der Redaktion des „Generalanzeigers für Solingen" meldete sich nun die Frau des Augu,l Burcyharol geb. Wilhelms aus Höhscheid-Wwdert mit der Erklärung, daß der ermordete Forsu)ungsreiseirde Hermann Burchhardt identisch mit ihrem verschwundenen Gatten, dem Vollziehungsbeamten August Burwhardt, sei, der sie am 12. August 1882 in Düsseldorf geehelicht habe. Aus dieser Ehe seien acht Kinder Hervorgebangen. Im Jahre 1891 sei Burchhardt, der stets große Reiselust gezeigt habe und sich in seiner L, llziehungsbeamtenstellung in .Höhscheid nicht wohl fühlte, plötzlich ver,chwunoen und nach Amerika ausgewandert. Sie hacke seit seinem Verschwinden nichts mehr direkt von ibm gehört, wohl aber sei ihr auf Umwegen die Nachricht zubegangen, daß Burchhardt von Amerika zurückgekommen sei und sich die letzte Zeit in Italien und Arabien aufgehalten habe. Ta sich aus Anlaß der Ermordung des unglücklichen Forschers schon versa) icdene Bekannte von ihm gemeldet Haven, die ihn längere Zeit kannten, so wird es ja ein leichtes sein, fe,rzufteaen, ob der ermordete Forschuugsresiende und der aus Höhscheid ausgerückte Gerichtsvollzieher ein und dieselbe Person sind. Nach einem Berliner Telegramm der „Köln. Zeitung" meldete der Wali in Hodeida über die Ermordung der beiden Reisenden Burchardt und Benzoni, daß sie beim Passieren einer Schlucht von Eingeborenen, die hinter Kaffeebäumen versteckt lagen, erschossen worden sind. Burchcrrdt wurde von vier, Benzoni von drei Schüssen getroffen; beide waren sofort tot. Die von den türkischen Behörden in Renten eingeleitete genaue Untersuchung ergab, daß die Mörder der Rei,enden Burchardt und Benzoni übelberüchtigte Individuen aus der Ortschaft Dube nie seien. Die Uebeltater lockten die Reisenden in einen Hinterhalt und ermordeten sie in der Hoffnung, einen großen Gelobetrag zu erbeuten. Von den Behörden wurden alle Maßnahmen getroffen, nm die Reise des italienischen Konsuls noch dem. Ort bei Tat nach Atöglichkeit zu erleichtern. Der Konsul erhielt zu diesem Zwecke eine starke Militäreskorte. In Anbetracht der großen Entfernung ist jedoch damit zu rechnen, daß die Reise ungefähr 15 Tage in Anspruch nehmen wird. Ans Stadt iiüO Land. Gießen, 8. Januar 1910. * * Tageskalender. Stadttheater: Sonntag nack)- rncktag 31/2 Uhr: „Ter fidele Bauer"; abends 7*h Uhr: „Die Liebe wacht". Ko n ze r tve r e in: Sonntag nachmittag o3/'± Uhr in der Neuen Lllsia: 2. Solisten«:bend: Frl. Slessi Geyer aus ' Budapest (Violine) und Frl. Elty N e y aus Köm (Kmvier). K o I o j) e u m: Täglich Vorstellung. Kinematvgraph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung. K a i > c r p a n v r a m a: Täglich Vorstellung. (Programm- Wechsel.) Militärkonzert auf der Liebigshöhc: Sonntag nachmittag 4V» Uhr. Konzert des Münchschen Solo-Quartetts ans Wetzlar: Sonntag abend 8H4 Uhr in Steins Garten. Anlagemusik in der Süd-Einlage: Sonntag vormittag UV? Uhr. Spielptan: 1. Ouvertüre zur Oper „Oberon" (König bei: Elster), Karl Maria v. Weber. 2. Jntroduklvou und Chor ans der Oper „Carmen" von Bizet. 3. „Blau-Veil.chm!" Caprice von Eilenberg. 4. „Hoch Brabant!" Marsch, von H. M e tz -Gießen. * • * Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Hemmen, mit der Organisten- und Lektordienst verbunden ist. Dein Grafen v. Schlitz genannt v. Görtz steht das Präsentationsrecht zu. * * Stadtverordnetenwahlen. In diesem Herbst finden die regelmäßigen Ergänzungswahlen für cm Drittel der Mitglieder unserer Stadtverordneten-Bersammlung statt. Es scheiden aus der Versammlung aus und sind wieder wählbar die Stadtv. Rentner Karl Brück, Fabrikant Herrn. Eichenauer, Kommerzienrat Emmelius, Spenglermeistcr K. A. Faber, Justizrat Wilh. Grünewald, Rentner Helfrich, Weinhändler Helm, Architekt Huhn, Reallehrer Jann und Schrelnermelster Orblg. Außerdem sind zwei weitere Mitglieder zu wählen, da vom 1. Januar 1911 ab die Zahl der Stadtverordneten von 32 auf 34 steigt. " Feier der Gründung des Reichs. Je weiter die Tatsache der Gründung des Reichs zurückliegt, desto mehr entschwindet den Geschlechtsfolgen das Gedenken, wie jung unser Reich noch ist, unter welchen Schwierigkeiten es zustande kam, und wie sehr unser Volk noch der inneren nationalen Festigung, der Erziehung zum nationalen Selbstbeivußtsein und dem Gefühl nationaler Mitverantivort- lichkeit für die Geschicke des Reichs bedarf. Bismarck hm uns die äußere Einheit gegeben; es ist wohl fein Tag geeigneter, einmal im Jahr an unsere, des deutschen Volkes, Aufgabe zu erinnern, an dem Ausbau der inneren Ein heu weiter zu arbeiten, als der Tag der Gründung des Reichs, der 18. Januar. Ein Festabend, der keinen politischen, sondern einen rein nationalen Charakter tragen wird, soll am Dienstag den 18. Januar alle Kreise Gießens zu diesem Ziveck vereinen; die Veranstaltung und Leitung des Abends hat die Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes in die Hand genommen. Der Abend findet in Steins Garten statt. * • Kun st verein. Einige Gemälde, die erst vor kurzem zur Ausstellung gebracht wurden, bleiben nur noch morgen Sonntag ausgestellt, darunter die von Prof. Adam, Prof. Kaufmann und E. v. Müller-München. Ta am 14. d. M. ein vollständiger Wechsel der Gemälde vorgenommen wird, bleiben auch die übrigen Bilder nur noch bis zum Donnerstag ausgestellt. "Das Münch'sche Solo-Quartett aus Wetzlar, das hier in Vereinen schon mehrmals mit großem Erfolg aufgetreten ist, veranstaltet morgen abend em Konzert in Steins Garten. Wir machen auf die Veranstaltung aufmerksam unter Beifügung eines auswärtigen Urteils über das Quartett: „Man war allgemein gespannt, ob e§ dem Quartett gelingen werde, durch seine vokalen Vorträge, ohne jegliche Instrumentalmusik das Interesse den ganzen Abend über hochzuhalten. Aber sagen wir es gleich vorweg: unsere Er- ivartungen wurden übertroffen. Die Aussprache der Sänger war so mustergültig, daß auch das kleinste Wörtchen der Texte nicht verloren ging. Der humoristische Inhalt einzelner Lieder kam dadurch zur vollen Geltung und beeinflußte öie Stimmung des Publikums in günstigem Sinne. Stimmen- reinheit, taktische Exaktheit, sinngemäße Slüancierung und gefühlvoller Vortrag sind Vorzüge, die dem Münch'schen Quartett in hohem Maße eigen sind." ” Unangenehm überrascht. In einem Hause am Tiefenweg rourben in verflossener Rächt zwei junge Leute, die zusammen eine Schlafstube teilten, durch ein Geräusch wach und bemerkten, wie em Unbekannter mit einer Laterne sich am Kleiderschrank in der Stube zu schaffen machte. Der Dieb ging flüchtig und verlor dabei einige der gestohlenen Gegenstände, jedoch hatte er einen Ueberzieher und etwas Bargeld erbeutet. • * Verhaftet. Wegen Vergehens im Amt wurde gestern ein Bahnbeamter von hier in Untersuchungshaft genommen. * * Neues Ortsgericht. Die Gemarkung Buch- schlag, die an der Station Sprendlingen der Main-Reckar- Bahn liegt, gehörte seither zum Bezirk des Ortsge'richts Langen. Diirch die Anlage der sich rasch vergrößernden Villenkolonie Buchschlag hat sich die Bildung eines selbstständigen Ortsgenchts für die Gemarkung als zweckmäßig hcrausgestellt, die nunmesr mit Wirkung vom 1. Februar ab erfolgt. ** Von der Maul- und Klauenseuche war Deutschland am Jahresschluß nahezu vollständig frei. Sie herrschte nur in je einem Gehöfte der Regierungsbezirke Düsseldorf und Mittelfranken. X Sieb, 7. Iain. In den letzten Jahren sind von der G r 0 ß h. P r ä p a r a n d e n a n st a l t schon verschiedentlich öffentliche U n t e r h a l t u n g s a b e n d e veranstaltet morden. Diese sind in allen Bevölkerungskreisen der Stadt so beliebt, daß sich die Leitung der Schule auf vielseitigen Wunsch hin entschlossen hat, das bei der Weihnachtsfeier der Anstalt mit so viel Beifall aufgenommene Programm noch einmal öffentlich int großen Stein- scheu Saale aufzuführen. Musikalische Darbietungen, Detlama- tionen und Theaterstücke gelangen zur Darstellung. ? Trais - Horloff, 7. Jan. Hier wurde ein Ziegenzucht v e r e i n gegründet, dem bis jetzt schon viele Mitglieder beigetreten sind. Der Vorstand besteht aus den Herren: Emil Weber, Wilh. Konrad und Wilh. Bley. AIS Taxatoren fungieren Fritz Müll und Ludw. Hirzinger. + AIkendorf a.. Lahn, 7. Jan. Ein schweres Unglück hat Die Familie des hiesigen Schäfers Hofmann betroffen. Der 18jährige Sohn, der des Vaters Stutze in feiner kinderreichen Familie war, stürzte vor einigen Tagen in Klein-Linden in einem Neubau von der Leiter. Trotzdem arbeitete er noch einige Tage als Maurer. Aber er hatte sich bei dem Sturz innere Verletzungen zugezogen, an denen er jetzt gestorben ist. Butzbach, 7. Jan. Einen Sanitätskursus für Frauen beginnt heute der Alice-Frauenverein im Rathaussaale. Es beteiligen sich daran 25 Frauen und Mädchen. Ten Unterricht leiten Sanitätsrat Dr. Ohnacker und Tr. Küchel. X Bad-Nauhesim, 7. Januar. Schon lange war in vielen Kreisen der Stadt auf Anregung von Bürgermeister Dr. Kayser hier die Gründung eines Geschichts-Vereins geplant. Kurz vor Weihnachten ist nun ein solcher unter dem Vorsitz von Dr. Martin ins Leben gerufen worden. Er nennt sich „Heimatverein Bad-Nauheim" und will Heimatkunde im weitesten Sinne des Wortes pflegen. Die historische Ver- gangenbeit unseres erst in jüngster Zeit zur Bedeutung gelangten Badeortes ist zwar nicht so erinnerungsreich wie die Geschichte unserer Nachbarstädte Friedberg und Butzbach, aber immerhin bieten die Archive genug Interessantes, das Muhe und Arbeit lohnen wird, besonders aus der kürhessischen Zeit. Neben Heimatsgeschichte will der neue Verein aber vor allem auch die erdgeschichtliche Vergangenheit der näheren Umgebung in seinen Arbeitsbereich aufnehmen. Gerade für naturwissenschaftliche Heimatkunde ist Bad-Nauheim das rechte Feld. Der Verein beginnt seine Tätigkeit am kommenden Dienstag mit einem historischen Vortrag von Oberlehrer Dr. Strecker über „D i e Schlacht am Johannisber g". Für die kommende Zeit plant der Hcttnat- öereilt auch die Herausgabe einer Zeitschrift und periodisch erscheinender Verösienttichungen. L. Bäd Rauhetm, 7. Jan. Das Elisabethen- hauS (Krnderhospikal) hat im vergangenen Jahre im ganzen 830 Kinder als Kurgäste verpflegt, kann aber in diesem Jahre weit mehr aufnehmen, da im Nachsommer der schöne, allen hygienischen Einforderungen der Neuzeit enlsprechendc '.Neubau bezogen wurde, der mit 200 Betten belegt werden kann. Die höchste Zahl der zu einer Kurperiode anwesenden Kinder betrug 198. 'Acht Schwestern vom Tiakonissen-Mutter- hans Darmstadt, emschlietzlich der nun schon im sechsten Jahre m der Anstalt wirkenden sehr tätigen Oberschwester und sechs Helferinnen waren zur Pflege und Beaufsichtigung der Kinder da. Im Augenblick befinden sich im Elisabethenhans dreißig Kinder und drei Schwestern. Wünschenswert wäre es, wenn gerade zur Winterzeit mehr Kinder Aufnahme suchten, zumal alle Räume luftig, gut geheizt und abends hell erleuchtet sind. Eine gedeckte Spielhalle ermöglicht cs den Kindern, auch bei regnerischem Weiter sich im Freien anfzuhalten. Vor- sitzender ist Pfarrer Wijsig von Bad Nauheim, behandelnder Arzt Dr. Heß, in früheren Jahren an der Tetweller'fchen Heilanstalt in Falkenstein tätig. Viele der furbcöürftigen Kinder sind aus den größeren Nachbarnäbien der Umgegend Gießen, Hanau, Franlfurt, Darmstadt, Osfenbach usiv. Im März und halben April ist für dieses Jahr die Anstatt geschlossen. Fl. F r i c b 6 c r g i. H., 7. Jan. Ein Reitcrverein für oic Wctterau mit dem Sitz in Friedberg scheint zur Tatsache zu werden. Der Verein bezweckt, alljährlich aus der „Ser- wiese", dem einstigen Exerzierplatz in der hiesigen Gemarkung, mehrere Pferderennen zu veranstalten. Gestern abend fand int Hotel Trapp eine Sitzung von Interessenten statt, die nach eingehender Beratung Zeinen Ausschutz währten, der zunächst mit der Ausarbeitung der Satzungen betraut wurde. In den Ausschuß wurden gewählt: Stabil?. F. Tamm-Friedberg, W. Feuhrer- Friedberg, H. Fauerbackp-Nieder-Wöllstadt, E. Brückmann-Burghof bei Großkarben, A. Coburger U.-Reichelsheim i. W. und Tierarzt Zipp-Assenheim. Man Hoist, daß der Verein zur Hebung der Pferdezucht in der Wetterau wesentlich beitragen wird. N. Mainz, 7. Jan. Gestern zu später Abendstunde wurde auf dem Rückwege nach Heidesheim der Fuhrmann Appel, der einem dortigen Bäckermeister einen Wagen Brod nach Budenheim gebracht hatte, von 2 Sirolchen, die sich im Walde versteckt hatten, hinterrücks überfallen. A., der einen künstlichen Arm hat, schlug den einen Strolch mit demselben auf den Kopf, worauf sich der Kerl anscheinend schwer verletzt entfernte. Der andere schlug jedoch mit einem schweren Gegenstände den Fuhrmann nieder und verletzte ihn durch Messerstiche am Kopfe. Tie Verletzungen sind nichl lebensgefährlich. Ten Bewußtlosen beraubte der Spitzbube um Uhr und Geld und entfloh. Bis jetzt ist keine Spur von den Wegelagerern gefunden. ß M a r b u r g , 7. Jan. In der Nähe unserer Stadt, bei der Eisenbahnbrücke bei Kappel, ließ sich beute früh der Jager Schneider aus Sondheim bei Homberg vom Zuge überfahren. Was den allgemein geachteten Soldaten in den "Tod getrieben hat, weiß man nicht. — In der Klinik starb ferner der 19 Jahre alte Kaufmann Marttn aus Eannstadt, der sich gestern einen Schuß beigebracht hatte. ($)crid)t$$aaL •* Kriegsgericht. Am Mittwoch nachmittag verhandelte hier das Kriegsgericht drei Anklagen. Der Gerichtshof war gebildet dur'ch Major Hoos, Vorsitzender; Kriegsgerichtsrat Kos?, Verhandlungsleiter: Hauptmann v. Kamecke, Oberleutnant Emst v. Pentz und Oberleutnant v. Boeltzig, Beisitzer. Die Anklagen vertrat Kriegsgerichtsrat Obenauer. Unteroffizier K n 0 r tz vom 166. Jnf.-Regt. in Hanau war der Körperverletzung mittels der Waffe beschuldigt. Er war während der Kirmes in feinem Heimatdorf Dutenhofen in Urlaub gewesen und kam in der Weber- schen Wirtschaft mit Kinzenbacher Burschen zusammen, die ihm darüber Vorhalt machten, daß er kapituliere. Der später verletzte Peppler aus Kinzenbach nannte den Unteroffizier einen Spinner usw. Der Beschimpfte wollte in der Wirtschaft keinen Streit haben und reagierte nicht auf die Beleidigung. Er will später, als er die Wirtschaft verließ, in der Dunkelheit zuerst angepackt sein. Er zog seine Waffe und wehrte sich, wobei er den Peppler verletzte. Die Kinzenbacher Burschen, die als Zeugen auf den Gerichtshof einen ungünstigen und unglaubwürdigen Eindruck machten und in vielen Punkten durch andere Zeugen der Unwahrheit geziehen wurden, tarnen nicht 3um Eid. Ter Gerichtshof war der Ansicht, daß dec Unteroffizier in berechtigter Notwehr von seiner Waffe Gebrauch gemacht hat, weshalb auf Freisprechung erkannt wurde. — In der Sache des Musketiers Ludw. Jung von der 7. Kompagnie des 116. Jnf.-Rgts. handelte es sich um eine Reihe von militärischen Vergehen. Der Mann ist, wie Hauptmann Schröder als Zeuge erklärt, einer jener Leute, der ,ich nia.i unteroronen will, krr judjt Streit mit feinen Kameraden, weshalb er 14 Tage nach seiner Einstellung in eine andere Stube verlegt und wiederholt ermähnt wurde, sich zu fügen. Jung hatte fein Bett nicht ordentlich gemacht und wurde vom Stubenältesten, einem Gefretten, aufgefordert, das Bett iwch einmal zu bauen. Jung erklärte, daß er erst feinen Rock abbürste, und warf das Fußbrett des Lagers heftig auf den Boden. Darauf befahl ihnr der Gefreite, iJjm zum Feldwebel zu folgen. Trotz breinialigcr Wiederholung ging Jung nicht mit und frag, was das zu bedeuten habe. Später in Arrest hat Jung nachts aus der Zelle Wasser zum Fenster hinaus, geschüttet. Er hat diese Tatsache dem Wad habenden gegenüber zuerst abgclcugnet, später jedoch zugestastden. Als der zum Schlietzerdienst kominau- fcierte Unteroffizier den Arrestanten frag, warum er das Wasser aus. dem Fenster geschüttet habe, erklärte er, er Ijabc dies nicht getan, wenn er das Wasserschütten dem Wachhabenden gegenüber Zugegeben, um die Fragen loszuwerden. Der Gerichtshof erblickte ut dem Betragen des Mannes fortgesetzte Gehorsamsverweigerung, Achtungsverletzung in 7 Fällen und Belügen von Vorgesetzten, und erkannte auf eine Gesamtstrafe von 4 Wochen Arrest. Der Musketier Heim von der Leibkornpagnie des 116. Inf.- Reg. ist geständig, einem Feldwebel den Betrag von 5 Mark aus einer offenen Schublade entwendet zu haben. Er war zu Weih- nachten um Urlaub eingekommen und erwartete vergeblich von den Eltern in Offenbach eine Geldsendung, um Hinreisen zu können. Trotzdem der Angeklagte in der Jugend bereits wegen eines Fahrraddiebstahls vorbestraft ist, sah der Gerichtshof auf Antrag des Anklägers den Fall als milde liegend an und erkannte nur auf eine Strafe von 3 Wochen firengem Arrest, sah auch davon ab, die Versetzung des Mannes, der im zweiten Jahre dient, in die 2. Klasse des Soldatenstandes auszusprechen. Gedenket der hungernden Vögel! Oer'mischLes. * Neue Farben. Zur Herstellung einer neuen Farbe bildet sich, wie die „Alriea^r World" berichtet, soeben eine südafrikanische Gesellschaft. Die bedeulsame Enroeckung dwser Farbe, die in Kapstadt gemacht wurde, ist wohl geeignet — selbst wenn sich nur ein Teil der Hoffnungen, die sich an ihre HerstüIunÄ knüpfen, erfüllt — den Händel mit diesem wickstigen Artikel, nicht nur in Südafrika, sondern in der ganzen Welt, umzuwälzen. Der' hauptiächlichste Teil der £>criteliiiiig beliebt in der Nutzbarmachung der großen Braunsteinlager, die sicki dort in den verschiedenen Teilen des Landes finden. Tie Patentinhaber behaupten, damir eine Farbe gciunben zu haben, die in hohem Maße eine „Teckfarbe" i|t, sehr schnell ohne Zusatz besonderer Mittel trocknet und im Gebrauch gegen den Em,i.u,» von W-a,ser um> Sonnenhitze außerordentlich widerstandsfähig ist. Tazu kommt, daß der Preis bedeutend niedriger als der aller anderen nach Euwpa cingciübrten Arten ist. sollten sia; die gehegten ^nniutgcit bewahryeiten, so kann man mit Spannung der wetteren Eurwickelung oieses Jn- du,rriezweiges eutgegensehen. * Preßluft als Wellenbrechar. Beim Bau eines Untcrrcaifcrtunnei"3 in Ncwyork wurde die Beobachtung gemacht, daß die Pretztust auf die Wellen eine beruhigende Wirkung aus- zuuben vermag. Der Tirekttr Brescher von den bekannten Park- way-Bädern an der englischen Küste ist mm, wie die „Zeitschrift für komprimierte und flüsiigc Gaie" mitteiu, von diesem Gedanken ausgegangeu, als er nach einer Möglichkeit suchte, die furchtbar: Gewalt der Meereswvgen, denen die Itärtiten Dämme unb Mauern majt panbzuhallen vermögen, zu brechen. Aus einigen unbichten stellen des Newyorkcr Tunneis war ein Teil der im Innern; verwendeten Preßluft entwichen und in Form von kleinen Blasen an die Lbcrsiäche des WaijerS getreten. Daburch wurden die Schwingungen der lleinsten Waiserteitttzen, die die Wellenbewegung verursachen, gestört und es bildeten foberhalb der undichten Stellen größere Flächen unbewegter Wassers. Indem nun Brascher aus einer unter Der Brandung gelegten Rohrleitung Preßluft entweichen ließ, erzielte cx nicht nur den gleichen Erfolg, londem auch den prattischrn, daß die herairrollenDen Wellen gebrochen wurden. Brescher will Die Versuche in großem ^til fort setzen unD Vüfit, die neue Wellenbrechungsmethode für alle sehr gesährdeten Uferbauten, Hafeneinfahrten und Leuchttürme verwenden zu können, ferner Fcuerfchiffen und Rettungsbooten ein ruhiges Anterwasser zu sicherii. Wie weit sich die neue Entdeckung für ganze Hasenanlagen und .Küstengeoiett verwenden läßt, stehl iwch oahm, denn noch läßt sich die Höhe der Kosten des Verfahrens nicht ftststellen. * Ein dritter Neandertalmensch. Nachdem das Jahr 1908 unsere Kenntnis von den ältesten Tiluvialbewohnem Europas durch die Funde der beiden Slclettreste und. Schädel 'bet - ,Ä Ar ^“rileii ?'" «M tootauj andere . Wrmann ■,/« «et. • Staubte **s 12tadt, bei i? S.Q9« uge über. [? ^n. Lod Krb ferner M, der süh l verhandelte A Wtat Loch, uinant tzrnsr -lC Anklagen -nortz vom >Mg mittels s in seinem a der Leber- ien,_bic ihm später öer- Pzier einen Schaft leinen “9- Er will Mil zuerst ch, wobei er e als Zeugen ’üibigen Gin- : Zeugen der b. Ter Ec- t berechtigter weshalb aus be des Mus- -- Zns.-Rgts. n Angehen, erklärt, einer i' <5lrcit mit ’ Euisielluty 1 wurde, sich gemacht und ciortet, ba-3 er erst seinen heftig aui den Feldwebel zu ng nicht mu reit hat Zung Kidjiittet & : iibgdtiignet, ml bmman*- : das ibt dies nicht den gegenüber bksbos erblftbc Verweigerung, irgcie&ten, und xi 116. 3m.- 15 Mark aus war -,u Leih- lergeblich von jen ju können, n eines Fahr- i .'Intrag des imue mir ans uch davon ab, chre dient, in ögel! neuen Frirbc leben ein- g dreier i* L. selbst wenn ixriteflu® 'n SnM m? jicräljffl- i£r XhiiirMiys M'nen perlen i, dainir eM J Teck'arbe' jÜt undM Kntiißi* bet xi eingeifM ewahrye^ :ng Dielte > Z5U edles itfarmitn Wchrift JtC furchtbar^ :,Tunb^ i im Innern ‘«A*g »,MbcWJ* ■*ss ;”rü"5 ‘L;:nK”J? in rvE 1 'l inits '“i 1 r “chi ^flt bfl" -*TiDpb'1£n,1 zuschal den. Kleine Tageschronik. I Nehmen Sie täglich ein Likörgläschen Hausbesitzern hohen Rabatt! ss- Grete. D8/, Gesundes, kräftiges Mädchen angekommen. 0186 I. A.: K. Kreiling D8/. Wilhelm Kühr D8/t Dap näniichc ttomitcc. Anjana 4 Uhr. (v® /1 geziemend in Kenntnis zu sehen. Wiegandt. Wacker. * 1 Giessen Bahnhofstr. 27 II Giessen Bahnhofstr. 27II Höchst i. 0., 6. Januar 1910. Die Beerdigung findet Samstag nachmittag 1 Uhr statt. Die Beerdigung findet Sonntag den 9. Januar, nachmittags 3 Uhr auf dem neuen Friedhof statt. Zusammenkunft: 2V-.> Uhr bei Kamerad Kremer. Likörglä’chen Dr. ITommePs Haematoe'en nnw ttelbar vor der Hauptmahlzeit! Ihr Appetit wird reger. Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit verschwindet und körperliches Wohlbefinden stellt sich Allen Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben Gatten, unseren lieben Vater Gustav Rosenberger und Frau geb. Mendelsohn. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen : Schlich, Grossh. Forstmeister. bekannt zu gebenden Bedingungen statt. Wal len rod, 7. Januar 1910. Großh. Bürgermeisterei Wallenrod Habermehl. m ein besseres Jenseits zu sich zu rufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Kühr und Kinder. Gießen (Bleichstraße 11), den 7. Januar 1910. Die Beerdigung findet Sonntag den 9. dss. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes ans statt. 01o° Originai-Drahtinelduirgen. Köln, 8. Jan. In der gestrigen Versammlung des hiesigen Ortsausschusses zur Errichtung eines Bismarck- den km als bei Bingerbrück teilte der Vorsitzende mit, daß die Kosten des Denkmals auf 2 Mllionen Mark veranschlagt seien, von denen bis jetzt 320000 Mk. aufgebracht seien. Stuttgart, 8. Jan. Graf Zeppelin hat das Katharinenhospital verlassen. Er befindet sich in guter Rekonvaleszenz. Bruchsal, 8. Jan. Die in mehreren Blättern verbreitete Nachricht, daß der frühere Rechtsanwalt Ka r l H au aus dem Zuchthaus habe ausbrechen wollen, ist unzutreffend. Es handelt sich bei dem vereitelten Fluchtversuch um zwei andere Verbrecher. tuschest ein. Warnung: Man verlange ausdrücklich den Namen Dr. Bommel. D6/a ffl Dr. Cooks Bruder hat der „Franks Ztg." zufolge erklärt, daß sich fein Bruder, der Eindecker des Nordpols", m einer (lernen Stadt Deutschlands aülmlte. Der Brand im Kgl. Schlosse zu Athen war gestern früh vollständig gelöscht Die Briefschaften des Königs sind nur teilwetse gerettet. Personen imb nicht zu Schaden gekommen. Beim Ban der großen V e rl a d eb r u ck en der Altonaer Tee- und Lagerhausgesellfchast wurden durch abgleitende Balken zwei Arbeiter getrostem Der eine wurde in 20 Meter Höhe zwischen dem Gerüst und Balken eingeklemmt. Die Feuerwehr barg beit Verunglückten nach zwei ^Stunden als Leiche: der andere wurde schwer verletzt ms Krankenhaus gebracht. Wirtshaus - Verkauf. Die Gemeinde Wallenrod beabsichtigt das ihr gehörige Gemeinde-Wirtshaus zu versteigern. Dasselbe liegt mitten im Ort an der Hauptstraße und seit jeher wurde Gastwirtschaft und Kolonial- warenhandlung in dem Haus betrieben. Geräumige Zimmer, neu erbauter Tanzsaal, sowie Stallungen sind vorhanden. Die Versteigerung findet Donnerstag den 20. Januar, nachmittags 2 Uhr in dem Gemeindewirtshaus unter den vor der Versteigerung __ Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, die Kameraden von dem Ableben unseres pflichteifrigen Kameraden Wilhelm Kühr schäften, Giffvrd Pinchot, geht in ehterrt MtgevA Aussatz^ der großes Aufsehen erregt hat, den Ursachen dieses MiMerhalttiistes nach und beweist mit Zahlen, wie die Steigerung der Lebensimittelpreise eine Folge der großen ameritaniidjen ^ruitbüdungen ist, die durch Zusammen scklutz aller Interessenten die Konkurrenz ausschatten und dann die Preise ungehindert in die ,^he tteiben. Trotz- der erhöhten Kosten des Lebensunterhaltes betragt das Durchschuittseinkomhnen einer amcriCamidxn rMNnlie nur 24UU ML, so daß die Mehrzahl der ^hueri&nter heute nidyt nur von der Hand in den Mund leben, sondern ssgar dazu nicht über genügend Einnahmen verfügen.. Pinchot erklärt, das Volk der Vereinigten Staaten sei das Opfer eines methodtsck^n Vlunderungs- systems, in dem durch ungerechtfertigte Vorrechte die Mogttch^- keit.gegeben iverde, die wohltuende Wirkung der Konkurrenz aus- Vor nutzlosen Nachahmungen sei dringond gewarnt. —• Otto Otcichel, Berlin 8. 0. In Giessen bei: Emil Kurn. Schulstrasse. A. Noll. Bahnhofstrasse 51, C. Seibel. Frankl. Str 39. O. Schaaf, Seltersw. 39. Grünbers: Carl Schott, Frankfurt. Str. Nidda: Ferd. J ost, Drogerie. Hermes Lehr-Institut für Damen und Herren Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienst st eile Gießen. Allgemeine Wetterlage seit Freitag früh: Infolge Wärmeausstrahlung bei klarer Nacht ist leichter Fron in eub- unb Plitieldenlichland eingetieten. iväbrend sonst überall wieder mildere MM Witterung einsetzt. In der Höhe scheint es bereits sehr mild zu jein, der ^etdberg hat 6 Giad. Die Wetterlage hat stch wiederum sehr rasch verändert; Zyklonen bringen von Westen vor und bringen Niederschläge und Erwärmung bet Südwestwind. " Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 9. Januar 1910: Niederschläge (meist nur geringe), anfangs Schnee, zunächst noch kälter, später milder. Seemannsheim. Abend ICOBlZeiP"&- Konzert. Nachm. von 4 Ilm ab Konzert des Dameuorch. Schlesinger, verbunden mit närrischer Kappeusttzung. EL ladet freundlichst cm Gustav rrocppcu. Kreppehi täglich wisch bei [264 Hofbäcker Noll. Mäuöburg 12. von Nkonstier und Ehapelle^ur-SaiMS auf das slücklsthstt be» reichert hat, kommt, wiederum aus <>iLftankrmch, die Dinve von der Entdeckung eines muen Urmenichm, dessen Skelett, sast vollständig und mit größter Sorgfalt geborgen, eur Dokument ersten Ranges zu werden verspricht. Es stammt aus Ferrasite, unwert Buane in der Dordogne, wo es unter einem ehemals als Äohlew- wohnuna dienenden F-elsdach lagerte. Hier befand es sich, umgeben von zahlreichen TiergebÄnen, ganz ln ^rgesko-rter Lage, vollrg erhalten bis auf die Knochen des rechten Fußes und der rechten vand, die vermutlich schon von einem Tiere verschleppt sind, bevor die Bedeckung des Leichnams erfolgt war. Es l>andelt sich auch hter, wie in den beiden oben genannten Fällen, um cm TornuuiM Begräbnis, wie sich aus der sorgfältigen Lagerung ergrbt ^.doch war kein Grab angelegt, sondern dte Letckfe wurde in i«s Felsdaches niedergelegt und dann wahrscheuillrch mit ^Crde und anderem Material überschüttet. Kuchenuberreste und andere Abfälle bildeten in der auch weiterhur bewohnten Grotte eine regel- mässige Schicht von mehr als 3 Meter Dicke, die das Stebttt bis auf mstere Zeit geschützt hat Zahlreiche SteinEk^ug«! aus den Perioden des Aurignaeien, Moustcrien und Acheuleen lassen eine Zeitbesttmmung zu; das Skelett lag auf dem Grunde der Moustör^em'ch^eLucrun g Amerika. Aus Iewyork wird berichtet ■ Ten bilderreichen Berichten über den wach enden Wohlstand Amerikas stellt die amerikanische Presse mit steigendein Nack>druck jetzt die Kehrseite dieses Aufscki-Nxunges entgegen. Die Lebensmittel werden immer teurer, der Leben^lntetthalt kostspieliger, aber wenn auch in den höheren Gesellschaftsklasse die C'nnahmen zugenommen haben, der kleine Äraun, der Arbeiter, wird trotz allen Fortschrittes immer mehr das Opfer bitter!ter spot Tie Verhältnisse sind jetzt derart, datz eine vier- 'Ober fünf» kvpfige Arbeitersamilie zu ihrem Lebensunterhalt mintz),ttns^3200 Mark im Jahre gebraucht. Die Statistik daß zahlreiche Ärbeitersamilien mit einem Einkommen von 2—3000 JJcL bereitv hie Unterstützung der Armenfürsorge tn ^bnspr^ch nehmeir müssen. T€r Leiter einer der grössten amerikanisckren Lohnatigleltsgeiett- Nachruf. Am 7. ds. Mts. verschied nach langem schweren Leiden unser langjähriger, treuer Korporationsdiener Herr Wilhelm Kühr. Er ist uns während mehr als 20 Jahren ein treuer, zuverlässiger Diener gewesen, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. Verbindung „Chattia“. Arbeneu und Lieferungen der Materialien ^ur Herstellung eines Kreuzungsgleises auf Bahnboi Echzell sollen vergeben werden. Berdingungsunierlagen sind bei der unterzeichneten ^etnon einzusehen und können anch'gegen vost und beitellgeldsreie Emscn- dung von 1.50 Mk. in bar bezogen werden. Angebote mit ennorechender Autichrift find bi^um 20. Iau. 1910, vormittags 11 llbr, einzuretchen. Zuschlagstrist 3 Wochen. Gr oschc rzo gl ich c °($ isenba Hnbetriebs-Fnspcktion 2 Wh Beginn neuer Kurse in allen Fächern. Anmeld. erb. Nachstehend eine Empfehlung über erfolgreichen Unterr. Origmal. sowie viele andere Danksagungen können jederz. in unserem Bureau eingesehen werden. Sehr.geehrter Herr Hermes! Ich kann nicht umbin, Ihnen für die gelernte «chönschrut meinen inniftten Dank auszusprechen. Das Lehrinstitut „Hcrmeö" kann ich allen welche keine schöne Handschrnt benyen. bestens emvtehlen. Meine Handschrift hatte sich schon nach lOstundigem Unterricht derartig gebettelt, dast meine Kameraden, mit denen ich schon 9 Jahre zusammen arbeitete, sie nicht wiedererkannten. 01b7 Mit aller Hochachtung A. Hagemann, Äönigl. Schutzmann, Koblenz. Groste altrenommierte Lebens-, Umall und Haft- Vflicht-Versicherunas - Gesellschaft mit bestbewahrien konkurrenzlosen Einrichtungen sucht General-Agenten bei hohen Bezügen. Herren, welche Besähtguna zur Crgantionon und Ak »ÄÄ »• sta s Auch Nichtfachlente finden Berückstchtigung und werden unter fachmännischer Leitung einQearbeitct.l t9S /l Giessen, Eisen-, Haus- u. 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Gestern abend verschied sanft nach längerem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter. Schwester, Schwägerin und Tante flogest® Sciiiich geb. Steinberger. Schützenverem Am 15. Januar, abends 8.27 Uhr, in Steins Garten Grosser )4a$kenbaU unter Mitwirkung mehrerer berühmter Karnevals- redner der großen Frankfurter Karnevalsgesellfchaft. Der Borstand. NB Die Eintrittskarten für durch Mftglieder cingeladene Gäste, sowie für unsere Mitglieder nebst Angehörigen können von Mitttvoch den 12. dss. Akts, an, in der Papierwarenhandlung Noll. MäuSburg, abgebolt weiden. D Z1 Sroiierei FölW, Wch'tmgM 21 Sonntag den 9. Januar 1910 Grosse Happtisilzeig Bei Husten, Heiserkeit sind Beiehel’6 Hustentropfen mit wirklichem Erfolge erprobt Nur echt mit Marke „Medlco“ Flasche 5» Pf Arnica IO. Eucalyptus Salbei je«. 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Ele&tea, herrliches Drama aus dem Altertum. Frau Frettig urrll nicht Schwiegermutter werden, Humor. Zigeunerkind hat nirgends Ruh, spannendes Drama. Mohrchen als Nachfolger des Weihnachtsmannes, humoristisches Wechnachtsbild. Die junge Führerin, hermsche Legende nach einem ukrainischen Lied. 00170 Kerkerszene aus Faust> lebend sprechend, neue Aufnahme. Pan. Kirchen platz 9. (0110 45oni 8. Januar ab: Luzern, Brunnen, Axenstrasse. — EineTourauf dem Rigi im Winter etc. Zedon Lag v. 3—10 Uhr ßedriuet rDer Postillon von Lonjumeau“ Adam Die Historia vom Kuß Liebigshöhe. 2tm Sonntag dem 9. Januar AMitSr - Aonz«rt ausgeführt von der Kapelle des 2. Grossh. Hets. mf.-Regts. Kaiser Wilhe!m ^r. 116 unt. persönL Leitung d. Herrn Oberruusikmeister W. Löbcr. Anfang 4l,'a Uhr. Eintritt 40 Pfg. e v<- '►♦.♦<> <><>♦♦ ♦ O - ♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Giessen. Direktion: Hermann Stelngoetter. LvUtti..g den v. xiouunc lULO AachrnittagS SV* Uhr Montag den 10. Januar, Schluß des Gross. Preis-Billardspieles ■ um die Amateur-Meisterschaft von Gießen. 0166 Stein’s Garten, Giessen. Sonntag den 9. Januar 1910, abends 8V4 Uhr VokabKonzerf des Iflünch’schen Solo - Quartetts. Stolze - Schrey. Unser nächster önterrictits-Kurses beginnt Mittwoch ö. 12. d. Mts^ abends */«9 Uhr, im Bereinsiotal »Lchiokavah". Honorar M. 6.—. Den verehrlich. Mugliedern qur Scnntmo, da» die Uebungen rür die diesiahrtgen Weuichretven am kommenden Dienstag begmuen und bitten mir um zahlreiche Le leiliguiuL deögletchen auch an der General Versammlung am 18. ds. L>ttS. (V«/, Ter Vorstand des Stenographen Vereins „Stolze Lchrcv" wlcncu. Telephon 35 Grossh. Hess. Hoflieferant KaiserL Ross. Hoflieferant Zum Ostend. Sonntag den 9. d.. M. (0155 .crer Tanzmusik. Zur Neuen Welt 9. ZUM 1810 Tanz.Z 4. lonatsucriaminluBfl bei Kamerad Wigandl. — 'Mitteilungen. — Zahlreiches Erscheinen erwünscht. PöstunterljeamtBn-Verein Giessen. Sonntag den 9. Januar findet unsere w e 246 Weihnachtsfeier in der Turnhalle des Turnvereins siau, wozu freundlichst entladet Ter Vorstand. Anfang 4 Uhr nachmittags. Karten find in den Vorverkaussstellen zu haben. Es ladet freundlichst ein Direktion Albert Rappmann.