Die heutige Nummer umfahr 10 Seilen. sop. 113). dos o.m vorigen Aunft, Wiffenfcbaft und Leben 113). dos o,m vorigen Donnerstag auf dem Tonkünstlerfest, besten hat sich irotz lene» ^wlg^ii^knwrd^rwerse kein em- Zürich unter Mitwirkung des Komponisten seine Urausführung zigcs Gedicht der Sammlung zu wirklicher »btc und auch hier trotz Der allgemeinen Erschlaffung der Zu- gerungen, ^ulius Hammer hat kern einzige^ Gedicht geschas^r,. von dem man behaupten könnte, daß es imrflid) im Volke lebte., Hammer gab dann noch eütc Sammlung „Unter dem Halbmond. Osnianisckws Liederbuch" heraus, das eigene Dichtungen) in orientalischer Färbung enthielt, auch hat er die „Psalmen der heiltet en Schrift" übersetzt. Auch als Anreger der „Schiller- Stiftung" hat sich Hammer ein Verdienst erworben, das ihm nicht vergessen werden darf. Frühzeitig, am 23. August 1862, starb er in Pillnitz, wo er sich kurz zuvor eine kleine Besitzung gefaurt hatte. „Er war ein wahrhaft edles Gemüt, stets mit oll seiner Straft dem Reinen zustrebend", — särrieb Berthold, Auerbach unter dem frischen Eindruck von Hammers Tode. und vom »aoentann^uaneu gut wiedergegeben wurde. Einen glänzenden Abschluß der kunst- Stunden .^ster lertschen Genüsse bildete Max Regers Quartett in D-moll!liebe, lebe , BLchlem, die dasselbe Gebiet Kumetst beackern. Jir- — D i e Versteigerung der Mey ersehen Goethe» bibliothek, der berühmtesten Sammlung ihrer Art, fand bei Boerner in Leipzig statt. Das Originalporträt Goethes, von Kiigelgen gezeichnet, brachte 1650 Mark, einige Zeichnungen von, Goethe selbst 1515 Mark. Von Goethes Schriften kamen biei erste und die zweite Berliner Ausgabe auf 670 Mark: die Leipziger, von 1787 und die seltene Wiener auf 650 Mark; die 55 bündiges Ausgabe letzter Hand auf 395 Maik. Die erste Ausgabe des. „Faust" von 1790 und ein späteres Exemplar erzielten 10c5 Mark. Großes Interesse erregte die seltene neue Ausgabe von „Hermann, und Dorothea", 1822 in Braunschweig erschienen, die nach hartem, Kampfe der Interessenten für 810 Mart wegging. — Goethes, Doktordissertation „Positiones Javes“ in einem alten Gold» papierumschlag wurde um den hohen Preis von 2200 Mark verkauft. — Bon dem papuanischen Zwergvolk. Aus ßoito don, 4. Juni, wird uns mitgeteilt: Die Nachrit von der Entdeckung- eines neuen Zwergvolkes durch die Forschungsreise der „British Ornithologists Union" hat in wissenschaftlichen Steifen ein außerordentliches Interesse erregt. In der dieswöchigen Ausgabe von „Counti'.- Life" führt Mr. W. R. Ogilvie-Grant in einem längeren Aufsatz aus, oaß die Entdeckung, die im vergangenen April in einer Höhe von 2000 Fuß über dem Meeresspiegel gemacht wurde, die Annahme der Anthropologen umstößt, die Negritos iNegerchen) in dem nördlichen Teil der malahischen Halbinsel und Teilen der Philippinen kennt, aber nicht im Papua- Nischen Landstrichen. Der größte Mann des Stammes, den Mr. W o l l a st o n und Captain Rawling entdeckte, war vier Fuß 6 Zoll hoch, und die Durckschnittsgröße betrug 4 Fuß 3 Zoll. Das merkwürdige Bölkck^n besteht, wie n*r seiner Zeit mitgeteilt haben, aus nomadisierenden Jägern und Fischern: die geistigen Eigenschaften der Leute sind nur gering, aber sie sind fröhlich und gastfrei. Vielweiberei ist unter ihnen fast unbekannt. Die Reise unter Mr. Walter Goodfellow ist eine der wichtigsten Forschungsreisen dieser Art, die seit langen Jahren aus England abgesandt worden find. gesperrt wird. .. _ ._ 1An — Der Dichter der Konfirmanden. (Zur 100. Wiederkehr von Julius Hammers Geburtstag. Früher galt als einer der beliebtesten Fest-, Konfirmanden-Gescheicken usw. Julius Hammers Sammlung lyrisch-didaktischer Gedichte „Schau nm dich und schau in dich". In fernem Goldjchnittgewande hat dies Buch Jahrzehnte hindurch mit Elife Polkos „Dichtergrüßen" und an- deren berühmten Geschenkbucl^m an Beliebtheit gewetteifert, unb mit diesem Derkchen hat sich Hammer als didaktischer Lvriker neben Friedrich Rückert und Leopold Schefer gestellt. Als^Sohn eines Mlitärs und späteren subalternen Beamten ward Julius Hammer am 7. Juni 1810 zu Dresden geboren. 1831 bezog er die Universität Leipzig, um sich, dem Gebote des Vaters folgend, der Juristerei zuzmvenden. Bald aber ^nutzte er, da der Vater ihn nicht mehr unterstützen konnte, die Studien ganz auf- qeben und versuchte nun in Dresden von seiner Feder zu leben. Ein Lustspiel „Das seltsame Frühstück" fand lebhaften Beifall und trug ihm das Interesse Ludwig Tiecks ein: unter dessen Einfluß schrieb er dann eine Reihe Dramen, die später alle von ihm selbst verworfen wurden. Er lebte hierauf wieder einige Jahre in Leipzig, wo er einige Bande Novellen, auch em m Alexandrinern geschriebenes Lustspiel „Tas Leben ein Tanz" erscheinen ließ, nebenbei auch als Redakteur tätig war. So redigierte er eine Zeitllmg das Feuilleton von Gustav Kühnes Leitung für die elegante Welt". Im Jahre 1845 in ferne Geburtsstadt zurückgekehrt, verheiratete er sich dort mit einer Holsteinerin im Jahre 1851, und ihr widmete er auch notier das erwähnte Büchlein „Schau um dich und schau in dich". Jene hat später — im Vorwort zur 25. Auflage — über seine Entstehung berichtet, daß Hammer kurz vor seiner Vermählung, wenn er von feiner Braut ging, „noch manch stillen Pfad dahingewandelt sei und hier int Geiste noch lange zur Braut gesprochen habe, was er dann, nach Haufe zurückgekehrr, bei schweigender Nacht, es dichterisch gestaltend, niedergeschineben habe." Und diese Hochzecks- gabe an seine Malwine war sein größter Erfolg: jährlich mußte eine neue Auflage erscheinen, und die Verleger bestürmten den Dichter um ähnliche Gaben. So entstanden: „Zu allen guten __s. .i Öl irr it-i Hort ^KL>npti" — Darmstädter Kammermusikfest. Aus Darrn- stad t, 5. Juni, wird uns geschrieben: Das dritte Darmstädter K a m in e r m u s i k f e st, über dessen, ersten Abend wir bereills berichteten, hat in seinem weiteren Verlauf den Beweis dafür erbracht, daß Hessens Hauptstadt einen ganz besonders fruchtbaren Boden für klassische Musikveranstaltungen bildet <-aal und Galerie des städtischen Saalbaues waren zum zweiten und dritten Mend nahezu ausverkauft. Der zweite Abend brachte an Musikdarbietungen zuerst Mozarts Streichquartett in o-bur, vom Havemannquartett aus Hamburg (den Herren Have- mann, Grötzsch, Grünsfelder und Dr. Sakom) mit ausgezeichneter Künstlerschaft vorgetragen. Fredenc L a rn o n b-Berlin glänzte mit dem meisterhaften Vortrag der Klavier-L-onate in E-dur von Beethoven, und mit besonderem Entzücken laufchten die „Kenner" dem herrlichen C-moll-Quartett von I. Brahms für Klavier, Violine, Bratsche und Violoncello, (in dem Prof. Reger das Klavier und Gustav Havemann die Violine spielte. Eine seltene Kunstleistung brachte noch der Schluß des Abends mit dem ungemein schwierigen Oktett von I. S. S v e n d s e n für vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncellos, das vorn Havernann-Quartett und der Tarmstäbter Kammermusik-Bereinigung gemeinschaftlich gespielt wurde. Für die nötige Abwechslung im Programm sorgten wieder mehrere Sieberüorträgic der Konzertsängerinnen Frau La uv recht van L a m m a n^-ranffurt und Frau Durig a-Budapest. Ter dritte und letzte Abend stellte die stärksten Anforderungen an btc Aufnahmefähigkeit des Zuhörers. Ein Trio für Klavier, Stöhne und Violoncello in D-bur von bem Leipziger Komponisten Stephan K r e h l, von Prof. Reger, Havemann unb Dr. Sakom mit Wucht unb Empfinbung toiebergegeben, leitete die Vorführungen ein; dann fang Frau Durigo aus Pest Lieder von Pfttzner, Reger und Schillings, unb die (Sängerin fand hier Gelegenheit, den günstigen Einbruch ihrer vortrefflichen Stimmittel noch mehr zu vertiefen; auch bie vier Lieder für Sopran, bie Frau Lauvrecht van Lamman -Frankfurt im zweiten Teil Dortrug, befestigten bie Sympathie unb die Freube der Zuhörer über den süßen Wohllaut und die saubere Schule ihres glockenhellen Organs. Zwei Lieder von Pfttzner, die der Komponist am Flügel begleitete, mußten wiederholt werden; weniger Glück hatte der dafür auch mehrfach vom Publikum hervorgerufene Komponist Mit seinem Quintett in C-dur für Klavier, zwei Violinen, Bratsche und Violoncellos: bie außerordentlichen Längen erschienen unbegründet, das Ganze unruhig und ohne feste Struktur. Sehr ansprechend wirkte dagegen das Streichquartett in A-moll von Professor Woyrsch aus Altona, bas heute seine Ur- und Manuskriptaufführung erlebte unb vom Havemann-Quartett lehr in -ÖuLIW, UIUVI «—< -------T--------- erlebte unb auch hier trotz ber allgemeinen Erfchlasfung der Zu Hörer minutenlangen Beifall entfesselte. — I m Kampf um bie Wiederherstellung des Heidelberger Schlosses sprach fick die Zwecke Kammer einstimmig gegen den Vorschlag auf teilweise Wiederherstellung der Fafsaoe des O t t o - H e i n r i ch - B a u e s aus. iie Regierung hat also trotz ihrer Drohung, bie wir in Nr 126 des G. A mitteilten, nichts erreicht, unb so wird man es denn ichließttch tatsächlich erleben, daß das Schloß durch eine Bretterwand ab- Nr. 139 Erstes Watt 160» Jahrgang Montag 6. Juni 1910 __ Bezugspreis: Der -ietzenrr Anzeiger a A ’T^F ® monackich75Pf^ viertel, erscheint täglich, auver A A jährlich Ack. 2.30; durch »-ä/3IMW EtebenerZamUieublatter; M Ms Ml gjf mQ Hl X MV 8 M | O I die Post Mk. 2.-viertel- WZGleyener Ezeigei S«r°I-Anze!,er für GberW-n ML Annahme von Anzeigen v ~ Ä . . eAtl7 faal": E. Heß; für den für bie Tagesnwniner Hotaftonsörud und Verlag der Vrübl'schen Untv.Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruaeret: dHUlnraye <• Anzeigenteil: H. Beck. bis vormsttags 9 Uhr. 3 Graf v. Aehrenthal läßt diese Herausforderung, c die nur eine Bestätigung der geleugneten russischen Um- } triebe in österreichischen Provinzen ist, nicht auf sich be- ruhen. Vielmehr wendet er sich mit einer auf sehenerregen- j >en Sckstirfe gegen die Aeußerungen des Petersburger all» lawischcn Blattes, indem er durch fein Sprachrohr, das ■ Wiener „Fremden-Blatt", erklären läßt: : „Unterjochtes Russenland" — mit diesem kräftigen Ausdruck : ist nichts anderes als Ostgalizien und die Bukowina gemeint, mit । ber Aenderung ber Verhältnisse aber ist auf jene Maßregeln ber ■ österreichischen Regierung angespielt, bie altslawischen Gennnungs- genossen wie Parteigängern so gar nicht gefallen -astr wist en sticht, was bie „Nowoje Wremja" mit ihrer dunklen Drohung meint unb auf welche Weise sie bie Regierung Sr. Maiestat abhalten will, ben österreichischen Staatsgedanken auch in Galizien unb ber Bukowina ebenso entschieden und ebenso unbekümmert um fremden Einspruch aufrecht zu erhalten, wie, bie russische Regierung den russischen Staatsgedanken. Was lagt aber die „Rossija" zu dieser unerhört offenen Sprechweise des größten russischen Blattes ? Wird sie sich damit begnügen diesen Artikel auch nur als eine „Einmischung" zu tadeln, wo doch schon beträchtlich mehr als bloß eine solche, wo ganz einfach die Aufforderung zur Losreißung zweier Provinzen vom österreichischen Staatsgebiete vorliegt? Wenn bie „Nowofe Wremia' mit ihren Zügellosigkeiten gegen uns fortfahren, msbefonbere aber, wenn ihre Aufreizungen in ber ruffifajen öffentlichen Meinung einen wahrnehmbaren Widerhall finden sollten, bann werden wir "noch qan; anders zu antworten und abzuwehren wiften, als die „Rossija" es gegen die fremden Anrempelungen tn der sinn ländischen Angelegenheit getan hat. Wir werden ihren allslawischen Gesinnungsgenossen die Lust benehmen. Helfe mit uns auf solche Weise zu befassen, und es soll uns auf bie starte der Schlage nicht ankommen, mit denen wir freche Hande von der Klinke unserer Türe vertreiben. Diese halbamtliche russische Sprache beweist, daß tn Wien eine starte und furchtlose Regierung sitzt, die ziel- bewußt alle offenen unb versteckten Treibereien gegen ihre Absichten zurückweist. Wir sind entfernt davon, solche gedruckten Worte in ihrer Bedeutung zu übcrschcihen. Aber als Beweis von nationaler Tatkraft und festem Willen würden wir eine solche Sprache bei ähnlichen Fällen, die Deutschland angehen, offen begrüßt haben. Sorticbiitte des deutsche!'. Handels in Argentinien. £ London, 4. Juni. liebet die Fortschritte des deutschen Handelsverkehrs mit Atgenrinien gibt dem Washingtoner Korrespondenten ber „Times" zufolge ein Bericht des amerikanischen Konsuls Barlt em an in Buenos Aires Aufschluß. Der Bericht befaßt sich zunächst mit der Gründung des Deutsch- argentinischen Zentral-Verbandes in Berlin, und fährt bann fort: .. . „lieber die Schaffung einer derartigen Institution braucht man sich nicht zu rounbern, wenn man bas ungewöhnliche Wachsen bes deutschen Handels mit Argentinien berücksichtigt oder bic stetige Zunahme der Prosperität ber großen deutschen Firmen in Buenos Aires und anderen großen Städten dieses Landes in Erwägung zieht. Die folgenden Ziffern zeigen, wie der beutfebe Handel mit Argentinien sich während eines Jahrzehntes entwickelt hat: Einfuhren aus Deutschland im Jahre 1908 108 522 950 2/0ll., ober eine Zunahme um 74 457 450 Toll, im Vergleich zu bem Jahre 1898; Ausfuhr von Argentinien nach Deuttchlanb im ^ahre 1908 35 768 700 Doll, ober eine Zunahme um 2o ool OoO Doll, gegenüber bem Jahre 1898. . Abgesehen von bem Handelsverkehr machen sich aber viele , Anzeichen b e u t s ch e n Einflusses unb deutscher U n t e r - neh münzen in Argentinien geltend. Deutsche Osiiziere haben eine hervorragende Rolle in der Ausbildung dor argentinischen Armee gespielt. Gewisse deutfche Unterrichtsmethoden smb in den argentinischen- Universitäten eingeführt worben, btc einen großen Teil ihrer wissenschaftlichen ultrumente au» beziehen — z. B. bas neue Fernrohr ber La Plata Sternwarte Tas Z u s a rn rn e n h a l t e >i ber Deutsche n ist überall ins Auge fallenb; bic 30 000 Deutschen tn ber Republik haben Klubs unb Vereine, wo immer nur eine deutsche Gemeinde vorhanden ist, und der neue deutsche Klub in Buenos Aires soll der s ch ö n st e a u s l ä n d i l ch e K l u b_ in ganz Subamenta sein. Es gibt viele deutsche Kirchen und schulen und ctngroBe-» deutsches Hospital in Buenos Aires. Die moderne Kutsche Han- delserziehung trägt hier reiche Früchte. Lie Deutschen ftnd genaue und eifrige Beobachter jedes Zweiges des argentinifchen Handels unb ber argentinischen Jnbustric, und es gwt nur wenige Zweige, in denen ihr Einfluß nicht in stärkerem ober geringerem Grade sich fühlbar macht. ift ein stets anwesender Faktor, mit dem man in den wachfenden Märkten von La Plata rechnen muß. Ihre TranSporttmttel von ihren Fabriken nach den Märkten sind sehr gut; große deutsche Tainpftchisfahrtslinien lassen häufig Dampfer zwischen vamourg und anderen deutschen Häfen und Buenos Aires verkehren Diese Linien wachsen stetig und in gefunber Weise jmb Wb«t ,ctn weiteres Aktivum in dem ruhigen fortschrittlichen -^anbelseldzug. Der Korrespondent der „Times" fügt htn^u: „Dieselbe Anerkennung Tann man nach allen hier vorltegeiiden Berichten dem britischen Untcrnehmungsgeiste nicht mehr zollen. Hier herrscht das Gefühl, das; die Briten Gefahrlaufen, ihren gerechten Anteil an der Ernte der Prosperität in Südamerika zu verlieren, die sie besonders in Argentrmm säten Man bemerkt, daß englische Kaufleute und Geschäfts- männer geneigt sind, in ultraionservatrver Weise an veralteten Methoden sestzuhalten, und daß englische Dampfe schiffeLinien, die so lange ein Monopol in dem Verkehr nach Südamerika hatten, sich der schnell wachsenden und gefährlichen Konkurrenz gegenüber merkwürdig apatchsch Der-» h alten."____________ Die sremdenseindlichen Unruhen in Nanking. £ London, 4 Juni. Ein Telegramm der „Times" von ihrem ständigen Korrespondenten in Shanghai bestätigt, daß den letzten Nachrichten aus -Nanking zufolge dort Unruhen erwartet werden. Ter britische Konsul fordert alle britischew Untertanen aus, ,die Stadt zu verlassen und such rn die Vorstadt Hsiakwau zwischen der Stadtimruer und dem Fluß zu begeben, wo sie unter dem Schutz eines ausländischen Kriegsschiffes stehen werden. Der .Korrespondent, hält es aber für richtig, hinzuzufügen, daß der .Haß gegen dre Ausländer nicht bie eigentliche Ursache der Unzufriedenheit ist, sondern daß die Bewegung in erster Linie gegen tue; Beamten gerichtet ist. Tie in Nanking erscheinenden chinesischen Zeitungen werfen den Beamten vor, große Summen Geldes gelegentlich der Vorder er tungeu für die Ausstellung unterschlagen zu haben. Es fei noch nicht bestimmt, ob man es wagen werde, btc Ausstellung am Sonntag morgen zu eröffnen, das sei vielmehr sehr unwahrscheinlich. Der Vizekönig sei angeblich - schon seit mehreren Tagen in seinem Yamen bnchstäLlrch; ein geschlossen. Auch von anderer Seite wird bestätigt, daß alle aus-- ländischen Konsuln die Angehörigen ihrer Länder aufsorder^ > ten, die Stadt zu verlassen. Die Lage wird durchweg afö, : ernst angesehen. Anfragen im preuhischen Abgeordnetenhaus wegen des päpstlichen Hirtenbriefes. Aus Berlin wird uns berichtet: Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses hat in Sachen des BorromauS-HirtenbriefeS durch Dr. Hackenberg eine Anfrage eingebracht, die folgenden Wortlaut hat: Die in dem »Ofseroatore RomanoE veröffentlichte Boiromäus- Enzyklika enthält Schmähungen ber evangelischen Kirche, ihrer Reformatoren unb ber der Reformation zugetanen deutschen Fürsten unb Volker. Welche Maßnahmen gedenkt die Staatsregiernng zu ergreifen, um ben durch die Ver- offentlichung bedrohten konfefsionellen Frieden in Preußen zu sichern? Eine ähnliche Anfrage haben die Konservativen etn- gebracht: „Was gedenkt bic Königliche Staatsregierung zu tun, um durch die preußische Gesanbtschaft beim Vatikan ober auf anberem Wege solchen Beschimpfungen ber evanaelischen Kirche, wie sie in der Enzyklika des Papstes vom 26. Mai enthalten sind unb die ben konfessionellen Frieben ernstlich ge- f ähr ben, wirksam entgegenzutreten?" Auch die Freikonseroatiocn brachten im Abgeordnetenhause eine Anfrage ein, welche fragt, was die Negierung zu tun gedenkt, nm dem öffentlichen Aergernis zu steuern und für die Zukunft derartigen Störungen des konfessioncUen Friedens innerhalb der preußischen Machtgrenzen vorzubeugen. Der Zentraloorstand des Evangelischen Bundes erließ in der deutsch-evangelischen Korrespondenz eine Kundgebung, in der zum Widerspruch gegen den päpstlichen Hirtenbrief aufgefordert wird. Rom, 5. Juni. „Osservatore Romano" gibt die aus Anlaß des päpstlichen Hirtenbriefes im preußischen Abgeordnetenbause eingebrachten Anfragen wieder und bemerkt dazu: Wir wissen nickt, ob ber Wortlaut ber im Preußischen Abge- orbnetenhaüse eingebrachten Interpellationen richtig nachteleara- phierl worben ist. Wenn bas der Fall sein sollte, bann mußten wir erklären, baß bic Interpellationen auf ernsten Ungenau i g f e i t e n beruhen, ba sie ben päpstlichen Worten eine Bedeutung beilegen, die nicht der Walirheit entsprechen. Die Bedeutung wirb man sich \a verschieden groß zurecht legen können, aber die Tatsache des Hirtenbriefes? Daran läßt sich schwer deuteln.________________________ Gesterreichisch russische Auseinandersetzungen. In der letzten Zeit war öfter von Schließungen nationalrussischer Vereine in Galizien und in der Bukowina durch die österreichische Regierung berichtet worden und von den Erörterungen, die sich darüber im Abgeordnetenhaus in Wien entspannen. Die „N o w o j e -W r e m j a" gab dann mit Beziehung auf die Auslösungen dem Bedauern darüber ^Ausdruck, daß die Kaiserin Katharina „es seinerzeit nicht verstanden habe, Ostgalizien und die Bukowina mit Rußland zu vereinigen", und fügte drohend hinzu: „Solange unsere Brüder jenseits ber Grenze gleich den übrigen Slawen in Oesterreich auch nur einigermaßen bürgerliche Freiheit genoHciU konnte das russische nationale Gewisten mehr ober weniger ruhig sein. Aendern sich die Verhältnisfeimunter-' jochten R u s s e n l a n b c , so muß sich auch das Verhalten des russisafen Reiches zu diesem nnbern." Deutsches Neich. Außer bcm NuchtragshLushv.lt, bete, die Erhöhung der Kr o ndotation um zwei Mi llio-ncn, ging dem preußischen Zlbgeordnetenhaus ein Nachtoagshaushalt zu von ein und einhalL Millionen ate ^schuß cm die Kronkasse zu den Betriebskosten für die Königlichen Theater. Die „Nordd. Illg. Ztg." schreibt: Auf den politi.scl>ep SNernungsaustausch, zu dem die Anwesenheit des italienischen Ministers im Sinne der DrÄbundspolitik Gelegenheit bot, blickt man in Berlin mit ungetrübter Befriedigung zurück. Nach der Rückkehr des Ministers nach Rom habe ein herzlich gehaltener De Pesch en we ch sel des Königs von Italien mit unserem Kaiser stattgefunden. In Stricgau hat am Samstag die Enthüllung des Kriegerdenkmals für die in der Schlacht bei Hohen- friedberg gefallenen 1821 Oesterreicher und 1320 Sachsen stattgefunden. Das Denkmal besteht aus einem 6 Meter hohen Obelisken, der auf einem 4 Mvter hohen Granitsockel ruht. Ausland. KaiserFranz Josef ist am Samstag abend wieder in Wien eingeiroffen. Auf dem Bahnhof wurde er von dem Bürgermeister an der Spitze der Gemeindevertretung begrüßt. Auf den Willkommengruß des Bürgermeisters erwiderte der Kaiser, er sei von oer Reise nach den neuert Landern sehr befriedigt. Der Kaiser, der sehr gut aussieht, begab sich nach Schönbrunn. 'Viele Häuser hatten Flaggenschmuck angelegt. Aus Ofenpest wird gemeldet: Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervarv erklärte einem Vertreter des „Pester Llohd", die Nation habe ihren Willen so deutlich und unzweideutig kund getan, daß die Opposition sich sicherlich der Entscheidung beugen werde. Es sei nicht anzunehmen, daß irgend eine oppositionelle Fraktion sich dem nationalen Mllen widersetzen und zur Obstruktion greifen werde. Die Wahlen seien in vollster Ordnung verlaufen. Mair habe, wie bei den früheren Wahlen, wohl militärische Hilfe in Bereitschaft gehalten, um etwaige Ausschreitungen hintanzuhälten, jedoch fei in keinem einzigen Falle militärisches Eingreifen in Anspruch genommen worden. Aus Brüssel wird gemeldet: Die französische Abteilung der Internationalen Ausstellung wurde Sonntag nachmittag in Anwesenheit des Handels- ministers Dupuy, des Ackerbauministers Ruan und des Kolonialministers Trouillot feierlich eröffnet. Präsident Fallieres überreichte El Mokri das Großoffizier kreuz der Ehrenlegion, El Fast erhielt das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion. In Petersburg hat sich ein Komitee, an dessen Spitze als Ehrenpräsident Großfürst Michael Alexandro- witsch steht, gebildet, um eine Sammlung für den Bau einer Gedächtniskapelle auf dem Schlachtfelde von Leipzig zu eröffnen. Die „Times" meldete vor drei Tagen aus Petersburg, daß die persische Regierung alle Hoffnung auf- gegeben habe, von Deutschland eine Anleihe zu erhalten, und daß sie deshalb die Verhandlungen mit Großbritannien und Rußland wieder ausgenommen habe. Die persische Gesandtschaft in London hat nunmehr das Blatt aufgefordert, zu erklären, daß der zweite Teil der Meldung f.alfch sei, und was den etilen anbetresfe, so habe die' persische Regierung niemals eine derartige Absicht gehabt. !Aüs Urmia wird gemeldet: Die Kurden zerstörten die Wasserleitung, die Stadt ist ohne Wasser. Ein oberhessisches „Volks- und vauernseft". 6 Ober-Wi-dcrshcim, 5. Juni. Das große Volksfest, roie ein solches hier zum letzten Male bor drei Jahren abgehalten worden ist, gestaltete sich heute zu einer gewaltigen politischen Kundgebung des oberhessischen Bauernstandes. Nahezu 6 00 0 Festbesucher waren aus allen Teilen der Wetterau und des Vogelsberges, sowie den benaächarten preußischen Landesgebieten herbeigeeilt. Die fahrplanmäßigen Züge der ober- hessischen Eisenbahn konnten den Betrieb nicht allein bewältigen, es mußten deshalb mehrere Sonderzüge eingelegt werden. Das Fest begann gegen 2 Uhr nachmittags mit einem stattlichen Festzuge, der sich durch die überaus reichlich geschmückten Straßen des Dorfes nach dem Festplatze bewegte, der dicht an der Bahnlinie im Walde gelegen ist, den Blick in die gesegneten Fluren der Wetterau offen lassend. Geeignetere Festplätze für ein Volksfest unter freiem Himmel dürfte man nur wenig finden. Am Eingang grüßte den Besucher zunächst ein großes Plakat mit der Aufschrift „W ählt Dr. von Helmhol t" Und diese Aufforderung, die gewissermaßen der ganzen Veranstaltung den Stempel aufdrückte, wurde im Laufe des Nachmittags von all den zahlreichen Rednern, die in kurzen Ansprachen von 10—20 Minuten Dauer zur Volksversammlung sich wendeten, des öfteren wiederholt. Die eigentliche Festrede hielt, nachdem nach einer kurzen durch einen heftigen Gewitterregen verursachten Storung Bürgermeister Weiß- Ober-Middersheim, der Festleiter Fenchel- Ober-Hörgern und Adolf Hensel-Dortelweil als stellvertretender Vorsitzender des Provinzialvereins des Bundes der Landwirte in Oberhessen Begrüßungsworte an die Versammlung gerichtet hatten, Reichstagsabgeordneter Max Liebermann von Sonnenberg. Er begrüßte es, wie auch die Vorredner, daß die Deutsch-Sozialen, Christlich-Sozialen und der Bund der Landwirte sich zusammengefunden haben im Kampfe gegen den gemeinsamen Feind, der den Versuch machen wolle, das Volk zu verleiten, eine Mehrheit in den Reichstag zu bringen, die gegen die bewährte Bismarcksche Politik Front mache. Der Hansaüund sei Judenmache. Der Redner wendet sich scharf gegen den neuen Bauernbund und seine Agitation in Friedberg-Büdingen, die Agitatoren lvürden vom Hansabund bezahlt, der nicht mehr national, sondern international sei. Seine i Liebermanns) Freunde, dagegen wollten das Erbe der Väter bewahren, die heilige Kaiserkrone, die schirmend über dem Reick)sbau schwebt. Nicht sich national nennen, sondern national handeln sei die Hauptsache. Wer ein Bündnis eingehe mit den internationalen Herren, der sei ein Heuchler und nicht wert, sich ein nationaler Mann zu heißen. Der Redner fordert auch die Frauen auf, daß sie ihre Schuldigkeit tun, sie sollen die Männer festhalten an der alten Fahne, damit sic treu bleiben dem Bunde, dem deutsch-sozialen Banner, treu aber auch vor allem dem Vaterlande. Darauf sprach Landtagsabg. K o r e l l - Angenrod, der zunächst das Fernbleiben des Chefredakteurs Schrempf-Stuttgart entschuldigt. Wenn sonst eine Bauernversammlung war, da war es der „Bauerngraf" (Oriola), der immer zunächst sprach. Er ist leider nicht mehr. Die Arbeitsanstrengung im Reichstag, und jedenfalls auch sein Verhältnis zur nationalliberalen Partei seit vergangenem Jahre hätten wohl mit dazu beigetragen, ihm ein früheres Ende zu bereiten, als cs erwünscht war. Es sei eine Scknnach, daß es in seinem Wahlkreis nicht mehr zu einer Einigung mit den Nationalliberalen gekommen sei. Bedauerlich wäre es, wenn so der Wahlkreis der nationalen Sache nicht mehr erhalten bliebe und in die Hände der Sozialdemokraten käme. Morell betont, daß er kein Gegner,der Arbeiter sei, er gönne ihnen den gerechten Lohn, sie müßten aber auch nationale Männer sein: auch seien er und seine Partei kehre Feinde der Beamten, sie würden stets für sic eintreten. Der Reimer schwß feine Ausführungen mit einem Hoch, das der deutsch-vaterländischen Gemein- bürgschast in Stccht und Land galt und begeistert ausgenommen wurde. Nach einer kurzen Pause sprach dann Reichstagsabgeordneter Bindewald. Er gedachte zunächst des verstorbenen Abgeordneten Zimmermann, des Vorgängers in seinem Wahlkreis. Der Kampf um die Reichsfinanzreform habe eine Scheidung der Geister hervorgerufen. Die Erbansallsteuer, für die er sticht gestimmt, sei mittelstandsfeindlich. Vom Liberalismus würde gegen die Schutzzollpolitik Front gemacht und dadurch der Bauernstand geschädigt: selbst England habe sich besonnen und eingesehen, daß es ohne Schutzzölle nicht abgeht. Der Redner sagt, er sei nicht Gegner des Reichstagswahlrechts: es müsse dem Volke aber auch klar gemacht werden, was es zu bedeuten habe, am Wahltage seine Pflicht zu tun. Bindewald erklärt noch, daß der Bund der Landwirte kein Bund der Großgrundbesitzer sei, und daß seine Partei als vaterländische Partei für die Kriegsveteranen,stets eintrete. Daß diese ihren verdienten Sold nicht bekämen, sei der Arbeit der Liberalen zu verdanken. Wie die Vorredner, empfing auch Bindewald stürmischen Beifall. Es sprach bann noch eine ganze Reihe von Rednern, Landwirt Lind- Niederissigheim, Pfarrer Fr i t s ck - Ruppertsburg, der christliche und sittliche Gedanken in die Politik hineingetragen haben will, Oberlehrer Werner- Butzbach, Bürgermeister Mettenheimer - Eichelsachsen und auf allgemeinen Wunsch Neichstagskandidat Dr. von Helmholt -Friedberg, bis der Leiter des Festes, Landwirt Fenchel- Ober-Hörgern, den, politischen Teil schloß. Alle Redner betrachteten als gemeinsamen Feind das Großkapital, den Hansabund, die „goldne" und die rote Internationale: alle Redner forderten dazu auf, in der bevorstehenden Ersatzwahl Friedberg-Büdingen für den Kandidaten des Bundes der Landwirte, Dr. von Helmholt, einzutreten. Daneben wurde den Festbesuchern an Belustigungen und Unterhaltungen noch Reichhaltiges geboten. Großen Beifall fanden besonders die von den Festjungfrauen und jungen Burschen aufgeführten Schnitter- und Reigentänze, die Gastwirt Wigand-Gießen leitete. Dieser Teil des Festes findet morgen als Ober-Widders- heimer Kirchweihe noch seine Fortsetzung. Aus Stadt und Land. Gießen, 6. Juni 1910. " Ordensverleihungen. Der Großherzog hat dem Verlagsbuchhändler Hch. Wagner in Leipzig (zum 1. Juni) und dem Kaufmann Jak. Lakscha in Frankfurt am Main das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der König von Preußen hat dem Privatarchitekten Baurat Rud. Opfcr- m ann zu Mainz den Kronenorden 3. Klasse verliehen, * * Eisenbahnpersonalien. Der Großherzog hat dem Regierungs- und Baurat Jak. Geibel, Mitglied der Eisenbahndirettion in Frankfurt a. M., den Charakter als Geheimer Baurat verliehen und den Regierungsrat Gust. Böß, Mitglied der Eisenbahndirektion zu Berlin, auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen. • * Lehrerpcrsonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Aug. Heß aus Pfungstadt die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Steinau, dem Schulamtsaspiranten Hch. Weber aus Storndorf die Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu Reuters. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Hohen-Sülzen Friedr. Emmert auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. **VerleihungderStaatsmedaillefürAus- ftellungen. Durch Entschließung des Ministeriums des Innern wurde auf Vorschlag der Preisrichter der Ausstellung des Vereins der Hundefreunde von Darmstadt und Umgebung, die am 17. und 18. April zu Darm st a d t statt- fand, die Bronzene Staatsmedaille für Ausstellungen an Baron de Ginains auf Hohenau bei Nackenheim, den preußischen Förster Weber zu Riedelbach a. T. und Veterinärarzt Dr. Di ff ine zu Rüsselsheim verliehen. * * Die Unteroffiziere des 1. Bataillons machten gestern einen Ausflug nach Kloster Arnsburg und Lich, wo am Abend ein Tanz int Saalbau Stein die Ausflügler in sehr vergnügter Stimmung vereinigte. "Der Evang. Haupt der ein der Gustav- Adolf-Stiftung wird sein diesjähriges Jahresfest am 28. und 29. Juni in Groß-Zimmern abhalten. " Straßenschmückung und elektrische Bahn. Man schreibt uns: In der Samstagnummer des Gieß. Anz. wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es mit dem Schmücken des Selterswegs, wie überhaupt der Hauptstraßen, seit Einführung der elektrischen Straßenbahn durch Girlanden ein für allemal zu Ende sei. Der Naturfreund, der in der Schmückung durch Tannengrün bei jedem festlichen Anlaß im Grunde genommen nichts anderes als eine moderne Waldverwüstung erblickt, mag sich darüber freuen, aber dadurch wird der Seltersweg nicht schöner. ^Vielleicht findet folgender Vorschlag Mnllang: Der Betrag, den man sonst für Girlandenschmuck anlegte, verwende man in diesem Jahre für Blumenkästen an den Fenstern. Im nächsten Jahre tue man desgleichen und fahre damit solange fort, bis sämtliche Fenster im Seltersweg Blumenschmuck haben. Dann ist die Straße nicht nur für einzelne Gelegenheiten auf kurze Zeit geschmückt, sondern für den ganzen Sommer. Wird die Sache richtig angefaßt, und sorgt man vor allem für solide Befestigung der Misten und Vorrichtung für das Auffangen des überschüssigen Gießwassers, so ist es bei uns ebenso gut möglich, den Hauptstraßen ein freundliches Aussehen durch Blumenschmuck zu geben, wie in anderen Städten. Nur begnüge man sich nicht wie seither mit der Aufstellung vereinzelter Blumentöpfe, die erstens stets einen nur kümmerlichen Eindruck machen und zweitens eine Gefahr für die Vorübergehenden bilden. • • geriebene Burschen. Die zwei Fahrraddiebe, denen hier am 27. vor. Mts. zwei in Frankfurt a. M. gestohlene Fahrräder abgenommen wurden, denen es aber gelang, zu entkommen, waren am verflossenen SamStag m Frankfurt a. M. in der Wohnung einer Frauensperson ermittelt worden, und als sie verhaftet werden sollten, stiegen sie durch ein Dachfenster und entkamen so zum zweitenmale. In der Wohnung sanden sich noch zwei Fahrräder, von denen das eine in Gießen gestohlen ist. Die Frauensperson wurde wegen Hehlerei festgenommen. Jedenfalls sind die beiden Burschen auch identisch mit den zwei Unbekannten, die vor einiger Zeit in Wöllstadt zwei gestohlene Räder im Stiche ließen und das Weite suchten. Dem einen wird auch der Einbruchsdiebstahl in Klein-Linden in der Nacht vom 27. auf den 28. v. Mts. zur Last gelegt. • * Entwendet wurden in der Moltkestraße zwei sog. Holländer. Jedenfalls kommen als Täter Buben in Betracht, da es sich um ein Knabenspielzeug handelt. " Mehrere Blitzschläge erfolgten in der Umgegend bei den Gewittern der letzten Tage. In Allen- d o r f ci. d. Lahn schlug der Blitz in Scheune und Stallung des Bergmanns Ulm, tötete eine .Kuh und beschädigte Dach, Giebel imb Wände erheblich. In Steinberg traf ebenfalls ein kalter Schlag das Gaschaus Kur Krone, Der Blitz ging durch die Fahnenstange und die Bierdruckleitung üt die Erde und ließ Spuren der Zerstörung zurück. (.) Leih g estern, 5. Juni. Die 1 7. Gau t nrn sah rt des Gaues Wetterau wurde heute in Verbindung mit der Fahn e nwe ihe des Turnvereins „Fr if d}a u f" hier abgehalten. Die etwa 30 Vcrbandsvereine hatten 200 .Wetturner entsandt. Um 2 Uhr bewegte sich ein langer Festzug durch das Dorf. Nach der Begrüßung durch den Festpräsidenten Luh sprach Gauvorsitzender Dorsch, dann hielt Lehrer Lotz die Festrede. Fräulein Kathrine Brückel überreichte die neue Fahne, der Vorsitzende des Krieger- Vereins .schenkte eine Fahnenschleife. Einen Damen- unh. Turnreigen leitete Turnwart Schmidt. Gauturnwart Sey- fried-Heldenbcrgen nahm die Preisvcrteilnng vor, es erhielten u. a. Preise: I. Oberstufe von 137 Wetturnern: 1. W., Brückmann-Dortelweit 76 Punkte, 2. Fr. Schütz-Fauerbach, 3. H. Meisinger-Oberwöllstadt, 4. W. Fritsch-Pohlgöns, 5. T. Weißbäcker-Heldenbergen, 6. I. Tausain-Heldendergen, W. Appel-Wölfersheim, Fr. Roth-Kaichen, H. Bernhardt-Melbach, 7. Fcrd. Roth-Dortelweil, 8. Hch. Knanß-Echzell, W. Markgraf-Dortelweil, 9. O. Fertig-Bruchenbrücken, 10. W. Kuntz-Oberrosbach und Hch. Ernst-Fauerbach; in der Unterstufe von 58 Wetturnern: 1. W. Ulrich-Rodheim 65 Punkte, 2. O. Langsdorf-Leihgestern, 3. Karl Vetter-Heldenbergen, 4. H. Dämon-Hoch-Weisel, 5. R. Hitdenbrand-Bleichenbach, 6. K. Schmidt-Friedberg, 7. Fr. Acker-Berstadt, 8. I. Roth- Heldenbergen, 9. O. Böcher-Echzell, 10. A. Singer-Bingenheim. )( Lich, 4. Jüni. Mit dem Gesetzentwurf betreffend Landgemeindeordnung, beschäftigte sich heute in Steins Saalbau eine stark besuchte Versammlung der Bürgermeister des Kreises Gießen unter dem Vorsitze des Landtagsabgeordneten Bürgermeister Leun- Großen-Linden. Die Versammlung stimmte im allgemeinen der Regierungsvorlage zu, doch wurden einzelne Aende- rungen beantragt. Nach Artikel 4 soll die von dem Bürgermeister vertretene Behörde auch künftig die Bezeichnung' „Großherzogliche Bürgermeisterei" führen. Der Sonderausschuß für Revision des Verwaltungsgesetzes hat auf Antrag des Oberbürgermeisters Gläßing-Darmstadt beschlossen, „Bürgermeisteramt" zu setzen. Die Versammlung spricht sich für .Belassung der seitherigen Bezeichnung aus. Die: Versammlung ist entgegen der Ansicht des Landesverbands der Ansicht, daß, wenn eine Gemeinde unter 10000 Einwohnern nach Einführung der Städteordnung wieder zur Landgemeindeordnung zurück!ehrt, Neuwahlen stattzufinden haben. Im übrigen bleiben Bürgermeister, Beigeordnete: und Gemeinderat so lang im Amt, als ihre Wahlzeit dauert. Die Offenlegung der Wählerliste soll an Sonn- und Feiertagen ausgeschlossen sein. Unmittelbar nach den Wahlen hat der Bürgermeister die Gewählten zu benachrichtigen und das Wahlergebnis zu veröffentlichen. Hier wird angestrebt, daß statt unmittelbar am nächstfolgenden Wochentag gesetzt wird. Zur Leitung der Wahl wird vorgeschlagen, daß der Vorstand außer dem Wahlvorsteher und Protokollführer aus 2—4 Beisitzern bestehen soll. Die Versammlung ist der Meinung, daß die Gemeinde den Bürgermeister entsprechend honorieren und alle Gebühren in die Gemeindekasse fließen sollen. Um die Kontrolle hierbei zu vereinfachen, wird vorgeschlagen, Gem eindc ft em p e l -M a r ke n eistzuführen. Weiter wird gewünscht: In großen Gemeinden kann ein Ratsschreiber auf Kasten der Gemeinden verlangt werden; diese sollen die Bezeichnung „Schreibgehilfe" erhalten. Der Bürgermeister soll das Recht haben, zur Niederschrift des Protokolls einen Schreibgehilfen oder ein Gemeinderatsmitglied zu beauftragen. Der Artikel wegen der Sitzungsbücher soll gestrichen werden. D L a u b a ch, 5. Juni. Gestern fanden die Sommer- ausflüge der Schüler des Gymnasiums statt. Während die unteren Klassen mehr in der näheren Umgebung blieben, Bad Salzhausen usw., machten die oberen Klassen mehrtägige Ausflüge in das Lahnta'l und nach Aschaffenburg. O Etnarts Hausen, 5. Juni. Wie unvorsichtig cs von Landleuten ist, ihre Wohnung unbeaufsichtigt zu lassen, zeigt folgender Vorfall. In einem Hause hatte man nur einen alten, schwerhörigen Mann zurückgelassen. Während die Einwohner auf dem Felde waren, benutzte ein Einbrecher dies und stahl eine silberne Taschenuhr, vier Männeranzüge und mehrere Hemden aus einem Kleiderschrank, zusammen int Werte von 300 Mk. Ein größerer Geldbetrag blieb dem Diebe unentdeckt. Von dem Täter fehlt jede Spur. L. Friedberg, 5. Juni. Eine dankenswerte Anordnung hat der Großh. Kurdirektor in Bad-Nauheim getroffen. Von heute an werden zu den jeden Samstag abend im Konzerthause zu Bad-Nauheim stattfindenden Sinfonien und Künstlerkonzerten je zwölf Freikarten an die Seminaristen des Lehrer-Seminars verabfolgt, so daß e? jedem Seminaristen ermöglicht ist, je zwei bis drei Künstlcr- konzerten während der Saison beizuwohnen. Schwurgericht. th. Gießen, 6. Juni. Das Schwurgericht wurde heute vormittag von Land« gerichtsrat c-vchmahl als Vorsitzender der diesmaligen Tagung eröffnet. Verhandelt wurde gegen den Schneii^r- melfter und ehemaligen Gemeinderechner Peter Götz von Schlechtenwegen wegen Verbrechens im Amt. Die Anklage vertrat Gerichtsasiessor N e u r o t h, Justizrat Ka tz führte die Verteidigung. Es waren drei Zeugen zu vernehmen. Der 4f Jahre alte Angeklagte ist geständig, als Ge- mernderechner von Schlechtenwegen in den Jahren 1909 bis 1910 Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft empfangen hatte, und zwar tm ganzen 300 Mark, unterschlagen zu habe. Er gibt zu, in Bezug auf diese unterschlagenen Einnahmen die Bücher unrichtig geführt zu haben, um die Unregelmäßigkeiten zu verdecken. Der Angellagte will durch Krankheiten usw. in der Familie dazu gekommen lein, unredlich zu werden. Götz ist 1905 Gemeindcrcchner geworden und hat damals schon Schulden gehabt. Der Än- gellagtc hat nach und nach die Beträge, die er als Steuer vereinnahmte, für sich behalten. Er will die Absicht gehabt haben, die unterschlagenen Beträge später wieder in die Kafle zu legen, er sei aber durch die plötzlich erfolgte Revision daran veichindert worden. Der Angeklagte hat die unterschlagene Summe der^Gemeinde später ersetzt und ist seines Wissens ihr nichts schuldig. Die Beweisaufnahme, die sehr kurz war, brachte wesentliches nichts mehr zutage. Götz halte Steuern erhoben und die Beträge nicht in die Bücher eingetragen und mit den später gezahlten Steuerzielen die unterschlagenen Beträge gedeckt. Bürgermeister S ch r i m p f schilderte den Angeklagten als einen recht soliden und sparsamen Mann. G. habe daS väterliche Anwesen mit Schulden belastet übernommen und sich bemüht,.aus diesen Verhältnissen hcraus- zukommen, s'i°ß--'A "iNZS ä%:‘« W- ist in den L^gen Ä'M «tzSi» ■iS»«*5'S xKS » ^Jtet n"cb : SLS ehr knrä Zteü^A HO M ?S". i LZ? ss.K rZZ feg fej -Ä?^us, 9.7 ^Mrgen, $ ^nbciuten iq' 2‘ Kinder^ Aem 65 ^ncheldenbergen' Ä 8- N- 1 Smgcr-Bingen- Krf betrenenb l9te M heute in .lamnilung der lcBe« unter dem ^germcister Leun- ute int allgemeinen 11 einzelne Aende- ie von dem Bürger- g die Bezerchnung en. 2-cr Sonder- Petzes hat aus An- lrmstadt beschlossen, 'rjammlung spricht 'ichnung aus. Tie , Landesverband^ unter 10000 Ein- rdnung wieder zur oahlen stattzujinden eistcr, Beigeordnete )re Wahlzeit dauert, i Sonn- und faier t. nach den Wahlen benachrichtigen und ncr wird angcstrebi, 2it Wochentag geschi cgeschlagcn, daß der Proiotollführer ou? mmlung ist der Mei- meister entsprechend s.'meindekasse stießen ^einfachen, wird üor- arken eitizusühm sfemeinden femn ein iw verlangt werden *hilfe" erhalten. Der \if Dcder/christ bfi ein &cnieiiii)i'ra&> legen der Sitzung dendic Sommer« siums statt. Wah- näheren Umgebung n die oberen Nasse» d nach Aschaffenburg. Wie unvorsichtig c? eaufsichtigt zu lassen, ,ause ljatle man nur enutzteeiilEmbrethL , iuhr, vier Männer' ; ünem Mderschml | Ein größer M gon dem ^ater fehl- banfenäinerk in 8ab<$«"6llln 9" I jebln 6amSi«8«fe' il ottfinbenben 6ml* •teitatien «” *. Cerai>fol9t.l°‘"Z , «i bis dl« ««*' hnen. Sic an die Geschworenen gerichtete Frage lautete auf Amtsunterschlagung, falschen Bucheintrag und ob mildernde Umstände vorhanden sind. Assessor Neuroth sprach kurz für Bejahung der Schnldsrage, indem er anerkannte, daß auch die Frage nad) mildernden Umständen zu bejahen sei. Der Angeklagte ist unbestraft und ein Schaden der Gemeinde nicht erwack)scn. Der Verteidiger, Justizrat Katz, erklärte, der Angeklagte müsse wegen der Tat bestraft werden, er schließe sich dem Antrag des Staatsanwalts an, wonach dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen sind. Die Geschworenen gaben ihren Wahr)pruch entsprechend den Anträgen des Anklagevertreters und des Verteidigers ab. Der Gerichtshof spricht die geringste zulässige Strafe von 6 Monaten .Gefängnis gegen den An- geklagten aus._______________________________________________ Gerieht-saal. rm. Darmstadt- 3. Juni. Der D-etaillistenver- c i n hat gegen ein größeres Warenhaus .Anzeige erstattet, weil es annoncierte, daß die Reste des Inventurausverkaufes zum Verkauf stehen, um Platz für die Saisonneuheiten zu bekommen. Die Behörde hielt diese Annonce für einen verschleierten Ausverkauf und die Firma erhielt ein Strafmandat von 30 Mark, das heute von dem Schöffengericht auf 25 Mark festgesetzt wurde. .Auch hat die Firma die Kosten zu tragen. Metz, 4. Jiyti. In dem G e rt in g er Fri e d h o ss - Prozeß wurden heute abend 7V2 Uhr die Verhandlungen zu Ende geführt. Der Staatsanwalt beantragte gegen sechs der Angeklagten je 600 Mark Geldstrafe, bei den drei übrigen Freisprechung. Das Urteil wird in acht Tagen, am 11. Juni, vormittags 9 Uhr, bekannt gegeben werden. w. Hannover, 5. Juni. Die Strafkammer verurteilte den 30jährigen Kaufmann Alexander Haase aus Berlin und den 4-8fahrigen Steindrucker Karl Ueckermann aus Detmold wegen B riefmarkenfälschung im Sinne des § 275 des Strafgesetzbuchs zu je sechs Ato- naten Gefängnis. Die Beklagten haben große Mengen falscher Reichsbrrefmarken angejerligr und in .Verkehr gebracht, die nach dem Gutachten des als Sachverständigen geladenen Betriebsinspektors der Reichsdruckerei täuschend 'gelungen sind. Auxerre, 5. Juni. Von den beiden Kuhhirten,'die im Dezember des vorigen Jahres auf einem Landgut bei Jully 5 Personen ermordeten, wurde der siebzehnjährige Ja.cquia.rd zum Tode und der 15jährige Vieuny zu der Marimalstrafe von zwanzig Jahren Gefängnis Der u r t eilt._________________________________________________________ Mitgliederversammlung der llriegertameradschast yassia. X Offenbach, 5. Ium. Heute tagte unter sehr zahlreicher Beteiligung hier die Krieger - kamecadichafr „Hassia". Schon bei der Begrüßungsfeier am Samstag waren die Spitzen der staatlichen und 'städtischen Behörden vertreten. Ber der heutigen Eröffnung der Hauptversammlung betonte der Präsident Generalleutnant z. D. Hof-Darmstadt, daß man überall das Bestreben,der Hassia würdige und fördere. Ter verstorbenen Kameraden, besonders des Grafen Oriola, wurde durch Erheben von den Sitzen gedacht. An den Kaiser und den i-rotzherzog sandte die Versammlung Huldigungstelegramme. Kreisrat o d) m ann sprach die Hoffnung aus, daß die heutige Versammlung auch den schweren Offenbacher Boden für die Ziele i i Hi ssia geeigneter machen möge. Aehnlich spricht sich Beigeordneter Porth, als Vertreter der Stadt, aus. Der Jahresbericht des Präsidenten zeigt eine rege Entwicklung auf allen Gebieten, z. B. im Sammelwerk, Unterstützungs-, Vortragswesen, in der Sterbekasse. Der Jugend- und Rekruten- snrsorge, der Reservistengewinnung soll sich jetzt gewidmet werden. DaS neu herausgegebene Handbuch für die Hassia gibt beachtenswerte Winke. An Kameraden, die 25 und 40 Jahre den Verbands vereincn angehören, werden Abzeichen verteilt. Für hervorragende Verdienste im Interesse der Kriegervereine rourben silberne und bronzene Ehrendenkmünzen ausgegeben; 1. silberne: Postsekretär St Meyer-Gießen, K. Pfifferling-Offenbach, 2. bronzene: Rieß-Auerbach, Benz-Arheilgen, Schnauber-GernSheim, Schäfer- Sprendlingen, Gciß-Büdingen, Schwalm^Vonhausen, HelmeS-Ober- hörgern, Gürlach-Eberstadt, I. Menges-Großen-Linden, Rühl- Helpershain, Frey-Hohenheim und Bertz-Horchheim. -2er Verband zählt jetzt in 38 Bezirken 950 Vereine mit rund 66 000 Mitgliedern. Ihr Kapitalvermögen ist 607 705 Mark, der Mo- biliarwert 472 040 Mart. Das Vermögen des Verbands selbst beträgt 236 306 Mark. Sämtliche Bezirke außer Herbstern waren vertreten. Mit dem Verbandsorgan „Hessischer Kamerad" werden Ichlechte Geschäfte gemacht, das Defizit in 1909 betrug 10 640 Mark, doch soll das Lezugsgeld nicht erhöht, dagegen mehr Leser gewonnen werden, ihre Zahl ist jetzt 11500. Eine Sonderkommission behandelt biejc Sache weiter. 2cm Antrag Büdingen, bad Aus- schlnßrerfahren zu regeln, wird stattgegeben und beschlossen, „Das Präsidium lann Mitglieder ausweisen, vorbehaltlich der Berusung an die Delegiertenversammlung." Der Antrag Gießen, bei der Hassia Lotterie eine größere Anzahl kleinerer Gewinne einzurichten, wurde angenommen. Zum Bedauern der Kameraden muß nach den Satzungen davon abgesehen werden, die Ober- Mockstädter Kameraden aus der Verbandskasse zu unter- stützen Dagegen wird die private Mildtätigkeit der Vereine empfohlen. Rach dem Antrag Worms wird beschlossen, daß neu ciiuretcnbc Vereine in Orten, die schon einen Kriegerverein haben, mindestens 40 Mark Eintritt bezahlen müssen. Der 1. Schriftführer Dr. Bogt gab bekannt, daß in den Vereinen durch Vorträge das nationalökoiwmische, volkswirtsckjaftliche Wissen gehoben werden soll. Etwa 400—500 Mark werden als Preise, für kleine Schriftchen in obigem Sinne bewilligt. Ohne ins politische Gebiet cinzugehcn, soll an der Aufklärung des Volkes gearbeitet werden. Die Delegiertenversammlung für 1911 erhält Friedberg. Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes werden Waldecker, Seyler nnb Dem wieüergewählt. Der Voranschlag für 1910 wird mit 69 889 Mark genehmigt. Der Vorsitzende Hof teilt noch mit, daß am Veteranenappell im August 1910 nur Kriegsteilnehmer zugelassen werden, die der Hassia angehören. Milüär- fahrkarten sind von der Bahnbehörde abgelehnt worden. -tre Tagung schloß ein Hurrah auf Kaiser und Großherzog. Dann fand noch em Festessen und Gartenfest statt. Sport. - Radfahren. Bei dem gestrigen Radfahrfest des Radfahrvereins „Pfeil", Betzdorf, gelang es dem Radklub Germania-Gießen, unter sehr starker Kon-i kurrenz der Vereine des Siegerlandes, den 1. Ehr en preis im Korso, Gruppe A, zu erringen. Dem Klub, der schon viele wertvolle Preise sein eigen nennt, wurde als einziger teilnehmender Radfahrverein aus dem Hauptbezirk des Gaues 9 a des D. R.-B. in Betzdorf ein sehr herzlicher Empfang zuteil. Der wertvolle Ehrenpreis, eine Standuhr, ist in dem Schaufenster des Herrn I. Friesleben, Bahnhofstraße, ausgestellt. ______________________ wandern und Reisen. ö Bad Salzschlirf, 2. Juni. Im letzten Jahrzehnt ist unser seil dem Jahre 1838 bekannte Badeort mächtig ernporgestrebt. Früher würdigte man zwar auch schon die Heilkraft unserer Quellen, bezeichnete sonst aber das Bad als er- chreckend langweilig. Tas kann man jetzt von Salzschlirf nicht mehr behaupten. Mit seinen Unterhaltungen steht^ es jetzt vollkommen auf der Höhe der Zeit. In den letzten Tagen hat das neue Kurtheater seine Pforten geöffnet. Häufig werden Parkilluminationen, Balletts und sonstige originelle Jmprovi- ationen int Freien veranstaltet._________________________________ Hauptversammlung des Deutschen Vereins für volkshygiene. Jrn hygienischen Institut der Universität zu Berlin and heute die öffentliche Hauptversammlung des Deut- chen Vereins für Volks Hygiene start. Eine große Anzahl von Reichs- und Staatsbehörden hatten ihre Vertreter entsandt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Staatsminister a. D. v. Möller ergriff der Vorsitzende des Reichsgesundheitsamts Dr. Bumm das Wort, um den Verein an feinem zehnjährigen Jubiläum herzlichst zu seinen bedeutenden Erfolgen zu beglückwünschen. Namens der preußischen Regierung und des Bundesrats begrüßte Geh. Medizinalrat Dr. Kirschner den Verein. Senatspräsidcnt v. Strauß und Torney sprach dem „Bruderverein" un Namen des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu dem Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche aus. Nach kurzen Dankesworten des Vorsitzenden gedachte Geheimrat Kirschner des langjährigen Mitkämpfers des Vereins, des verstorbenen Professors Robert Koch. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Toten von den Sitzen. Aus'dcm Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein in 38 Ortsgruppen jetzt weit über 3000 Mitglieder zählt. Sein Hauptaugenmerk richtet er neben den Arbeiten auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge, der Arbeiterheimstätten, der Luft- und Sonnenbäder, der Bekämpfung der Voltsseucheit namentlich auf die Säuglingsfürsorge, in derem Interesse allein 91 Vorträge gehalten wurden. Den Schluß der Tpgung bildete ein Vortrag von Geheimrat Professor Dr. Fl ü g g e - Berlin über die „Feinde unserer Atmungsorgane", besonders über die Hilfsmittel im Kämpfe gegen den gewerblichen Staub in der Industrie. Am Nachmittage fand ein gemeinsames Festessen statt. SUehtc Tagcüchroltik. Die Meldung über ein angebliches Geständnis einer schwerkranken Frau, die vor mehreren Jähren in Lichtenberg ihr Dienstmädchen ermordet haben soll, erweist sich als unrichtig. Ter Leichter .Gegenwart" wurde bei Cuxhaven von einein Schlepptau angerannt und ist g e f u n £ e n. 2er Steuermann, ein Matrose und zwei Leichtmatrosen sind cr- t r n n f e n. Die anläßlich des 12. ordentlichen Verbandstages des Verbandes deutscher Klempner und I n st a l l a t e u r - Vereinigungen in Stuttgart stattfindende Fachausstellung wurde am Samstag eröffnet. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft wählte für nächstes Jahr den Landgrafen Chlodwig von Hessen zum Vorsitzenden. In Dresden feierte am Sonntag der sächsische Stenographen - Landes - Verband G.abels- b er g et sein 50jähriges Bestehen In München stürzte am Samstag gegen ein Uhr aus dem verkehrsreichsten Platz der Stadt beim Stachus die Oberleitung der Straßenbahn auf eine Länge von 50 Metern herab. Einige Personen erlitten Verletzungen. Infolge der Hitze, die Sonntag nachmittag in Berlin herrschte und 44 Grad C. tm Schatten erreichte, erlitten mehrere Personen Hitzschläge. Im Kasseler Vororte Ober-Zwehrn wurde eine Frau, während sie, am Fenster sitzend, in der Bibel las, von einem Blitzer schlagen. Als sich der regierende Fürst zur Lippe mit seinem jüngsten Bruder, dem Prinzen Julius, im Automobil von Detmold nach Bad Meinberg begab, wurden in der Nähe des Dorfes Schönemark Steine nach dem Gefährt geworfen. Ter Fürst wurde nicht getroffen: Prinz Julius wurde am Kopf unerheblich verletzt. Es handelt sich um ein paar Bauernburschen, die, wie das bedauerlicherweise häufiger vorkommt, Automobilfeinde sind. Auf der Strecke Zwifchenahn-Ocholt ereignete sich am Sonntag nachmittag ein Eisenbahnunfall. Amtlich wird darüber mitgeteilt: Heute nachmittag 5 Uhr wurden von dem Güterzuge Nr. 6326 bei Kilometer 19,3 die neun letzten Güterwagen durch einen Wirbelsturm aus dem Gleise gehoben, vier davon sind in den Bahngraben gestürzt. Menschen sind nicht verletzt. Von drei Gymnasiasten, die am Samstag abend bei Konstanz im Bodensee badeten, geriet ei::er in Gefahr. Bei dem Rettungsversuch ertranken alle drei. Als in einem Züricher Variete 8 deutsche 'Damen in Helmen militärische Hebungen vollführten, kam es durch Kundgebung französischer und elsässischer Studenten zu einem Skandal. Aus der Kunstakademie in Krakau wurde ein alter Gobelin im Werte von 100 000 Mark, den Raub der Sabinerinnen darstellend, entwendet. Nach einer Meldung aus Santiago auf Euba wurde dort ein jtarkes Erdbeben verspürt, das erheblichen Schaden anrichtete. Das Pflaster verschiedener Straßen wurde aujgerissen. Zwei Personenjpurben getötet. In der ungarischen Ortschaft H l a d o v k a brach ein Brand aus, der 6 7 Häuservernichtete. ZweiFrauenkamen in den Flammen u m. vüchertisch. — Griebens Rcisefübrer. Band 22: Belgien und Band 84): Brüsseler Weltausstellung. Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin W. Die Zahl der Deutschen, die in diesem Jabrc Belgien besuchen werden, wirb jedenfalls außerordentlicy groß fein. Ihnen allen kann der soeben in 12. Auslage er- lchienenc Griebensche Reiseführer von Belgien als zuverlässiger Raigcber empfohlen werden. Tas Buch ist in allen seinen Teilen einer genauen Prusuna unterzogen worden und alle seit Erscheinen der letzten Auslage (1908) eingetretenen Veränderungen sind aufs lenaueftc berücksichtigt worden. Besondere Sorgfalt wurde den lehr ausführlichen Angaben über Unterkunst sowie Verkehrsmittel zugewcndet. Ter Führer, mit reichhaltigem Kartenmaterial ausgestattet, ist in 40 einzelne Reisestrecken ungeteilt, von denen wir hier nur das Kapitel Brüssel l-ervorheben mochten, das in jeder Hinsicht erschöpsend behandelt ist. Für Besucher der Brüsseler Weltausstellung dürste als Beigabe zum Führer Belgien das im gleichen Verlag erschienene Bändchen „Die Weltausstellung in Brüt sei" empsohlen sein. Handel und Verkehr, Volkswirtschaft. ** Selters-Viktoria-Sprudel. Tie General- Versammlung der Gesellschaft Selterssprudel Augusta Viktoria, G. m. b. H., zu Selters a. d. L. sand am Donnerstag, den 2. Juni, zu Löhnberg a. b. L., unter bet Leitung be5 geschästssührenden Vorsitzcnbcn, General Agent A. Fröhlich-Gießen, statt. Troy ber naßkalten Witterung ber Hauptverbrauchsmonate bes abgelatisenen Geschästsiahres war ber Versand an Mineralwasser um mehr als 100 000 Gefäße gestiegen, während ber oerminberte Bierkonsum den Kohlensäureoeriand stark beeinträchtigte. Nach reichlichen Abschreibungen von insgesamt über 22 000 Mark und Vergütung von ca. 12 000 Mark an die Bundesvereine für bezogenes Mineralwasser verblieb etn Rein- gewinn von 43 052 Mark. Man beschloß, eine Dividende von 6 Prozent an die Gesellschafter zu verteilen. Das Stammkapital wurde durch Beschluß um 60 000 Mark erhöht und von den anwesenden Gesellschaftern übernommen. Tie Umwandlung der G. m. b. H. in eine Aktiengesellschaft mit einer Million Kapital soll vorn Aufsichtsrate vorbereitet und ber nächstjährigen General- Versammlung zur Beschlußsassung vorgelegt werden. Tie ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Kommerzienrat Tischinger in Tarmstadt und Eafetier Starke in Frankfurt wurden wiedergewählt, so daß der Aussichtsrat heute aus Kommerzienrat Tischinger, Tarmstadt, Justizrat Grünewald, Gießen, Rentner Haust, Tarmstadt, Hotelier Hartmann, Oftenbach, Eafelier Starke, Frankfurt, Kaufmann Wiffler, Frankfurt und .Gcneral-Agent Fröhlich, Gießen, besteht. „Tu Stadt an Brettern reich". Tie badische Regierung zornentbrannt baut ums Heidelberger Schloß eine Bretlerivand, benn die Kammer vernachlässigt sträflich ihre Pflicht und bewilligt trotz der Drohung die Neubaumittel nicht. Sie redet von Verständnis, von Kunst und Pietät und weiß nicht, daß die Regierung das nur allem versteht. Raus da, raus da . . . raus aus dem Haus da, der Teufel brech euch den Hals — wir erneuern am Neckar zu Heidelberg die alte, prächtige Pfalz. Das war der eherne Scheffel vom Heidelberger Schloß, er fluchte von seinem Postament, iveil ihn die Sach verdroß. Hei, Rodensteiner, hilf mir und komm mit Horn und Hund, Ww Hatzen und wir Hetzen nach Karlsruh noch zur Stund. „Alt-Heidelberg du leine, du Stadt an Brettern reich" — So hab ich nicht geschrieben ... das ist ein böser Streich. Raus da, raus da, raus aus dem Haus da, der Teufel brech end) den Hals, wenn ihr mit eurer Bretterwand verunziert meine Pfalz. Seppel. Spielplan des Kutljaus^ljeaters Baö Nauheim. Direktion: Hermann Steingoetter. Montag, 6. Juni: „Tie rote Robe." Mittwoch, 8. Juni: „Wenn ber junge Wein blüht." Freitag, 10. Juni: „Ter fibele Bauer:" Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witterung feit gestern früh: Tie Ausläufer des südlichen Tiefdruckgebietes haben gestern verschiedentlich bet großer Hitze Gewitterentladimgen gebracht. Tabet hat das nördliche Hochdruckgebiet sich verstärkt, so daß lebhaftere, aiv» dem heißen Innern Rußlands wehende Ostwinde eingelreten sind. Tie Morgentempe^ raluren liegen bei 20 Gr., Berlin hat 24 Gr. Ter Einfluß des nördlichen Hochs bleibt bestehen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 7. Juni 1910: Große Hitze, strichweise Gewitter. OrrginaL-Drahtnreldungen. Nom, 6. Juni. Bet dein 9la t i o nalf eft wurden von dem König eine große Anzahl von Auszeichnungen verliehen an Personen und Körperschaften, die sich bei dem Erdbeben von Süditalicn verdient gemacht haben. Der deutsche Kaiser und die Kaiserin erhielten die goldene 9?i e b a 111 e, Freiherr von Hammerstein und mehrere deutsche Kriegsschiffe und u. a. das bayerische 9. Infanterie-Regiment die bronzene Medaille. Paris, 6. Juni. In» Hafen von Cherbourg werden mit einem neuen Apparat soeben Versuche zur Rettung von gesunkenen Unterseebooten angestellt, die sich bis jetzt sehr gut bewährt haben. Tanger, 6. Jitnt. Mulay Hafid erteilte dem vom diplomatischen Korps für den Schuldenausschuß festgesetzten Reglement feine Zustimmung. 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