Erster Blatt 160. Zahrgaag Die heutige Nummer umsatzt 18 Seiten. Au» Hessen. Aus dem Wahlkreis Darmftadt-Groß-GeraU erfährt die „Wormser Ztg.", die fortschrittliche Volkspartei für den Wahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau habe am Dienstag beschlossen, Derrn Dr. Strecker (Bad-Nauheim) als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl aufzustellen, falls eine Verständigung mit den Nationalliberalen in Mzey-Bmgeu nicht tustande kommen würde. Aus neuen Briesen Wilhelm v. Humboldts an Schiller. Wilhelm v. Humboldts hohe Bedeutung für die deutsche Kultur fft gerade in diesen Tagen wieder ins Helle Licht gerückt worden, beim sein Geist war es, der über der Jubelfeier der Berliner Unwersttät schwebte und in den Festreden gepriesen wurde. Jedes Wort dieses großen Mannes, dessen allseitiges Bildungsstreben noch späten Geschlechtern vorbildlich sein wird, ist uns daher teuer: so muß es denn ein ganz besonderer Glücksfall beiBcn, baß 36 neue Briefe Wilhelm v. Humboldts an Schüler ausgefunden worden sind, die uns einen tiefen Einblick in den geistigen Verkehr dieser erlauchten Manner barbieten. Als Humboldt seinen Briefwechsel mit Schiller nebfl der großartigen, des Freundes Bild monumental gestaltenden „Voreriw' nerung" herausgab, beklagte er selbst, da» „eine gute Anzahl feiner Briese fehle. Dieser unersetzliche Verlust wird nun zum großen Teil gut gemacht durch den Fund des Direktors der Frank- hirter Stadllnblwthek Prof. Friedrich Clemens Ebrand, der die Briese für das von ihm geleitete Institut erwarb und im neuesten Heft der Deutschen Rundschau mit ihrer Veröffentlichung beginnt. Die Schreiben gehören wahrscheinlich zu den Handschriften, die Schillers Sohn Ernst seinem Onkel, dem General Ludwig von Wolzogen, übergab, der sie für vumboldt abschrciben lasseii wollte. Bei Verstellung dieser Abschrift müssen die Briese aus eine nicht mehr feststellbare Welse abhanden gekommen sein. Zu den bisher bekannt gewordenen 45 Schreien Humboldts an Schiller treten,nun diese neuen 3b als em höchst beträchtlicher Zuwachs, und da sie alle aus den Jahren 179b—-18^5 Itamyien, so gewähren sie Ausschluß über lene wichtige Epoche m Humboldts Leben, da er sich gan^ der Ausbü^ing und Gestaltung seines Geistes hingab und die fruchtbaren Keime für sein späteres segensreickres Wirken legte. Welche Bedeutung m dieser Zeit der Briefwechsel mit Schiller, von dem er im Bries vom 26. März 1796 sagt, daß „er mich hier noch fast einzig an eine bessere und gehaltvollere Existenz anknüpft , für ihn hatte, erhell! bereits aus den sieben zuerst veröffentlichten £>d)reiben. ,,-öd) gewinne sck>on sehr viel," schreibt er dem innig verehrten Freund, „wenn ich Ihnen über jede Materie, die mich gerade mteressiert. Samstag, 5. November W «eznqsvreis: V monaüich76dü, vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dieDost Mk. 2.— viertel- Deutsche» Ueich. Der Kaiser hat aus Anlaß seines Brüsseler DesucheS dem Bürgermeister von Brüssel Max 3 00 0 Marl für die Armen der Stadt überwiesen. t Heber die Reise des Kronprinzen an Bord deS Reichspostdampfers „Prinz Ludwig" wird von der italienischen Küste durch Funkenspruch über Sebenieo gemeldet: Nach der Abfahrt von Genua herrschte bis 10 Uhr abends stürmischer Wind und grobe See, dann schönes, ruhiges Wetter. Der Kronprinz und die Kronprinzessin äußerten große Zufriedenheit über den Empfang in den Wohnräumen an Bord des Dampfers ..Prinz Ludwig" des Norddeutschen Lloyds und waren trotz des schlechten Wetters in vorzüglicher Stimmung^ „Prinz Ludwig" hat Freitag nachmittag gegen 5 Uhr Capri passiert und wird Sonntag vormittag durch die Sttaße von Messina fahren. Die neue Militärvorlage wird, wie man uns aus! Berlin schreibt, dem Bundesrat in den nächsten Tagen w gehen, nachdem sie vom Kaiser kürzlich endgülttg genehmigt worden ist. Im Bundesräte wird die Vorlage auf keine Schwierig feiten stoßen, da die verbündeten Regierungen die Forderungen als durchaus notwendige anerkennen dürften. In der letzten Sitzung des Bundesrats wurde den« „Reichsanzeiger" zufolge il a. dem Entwurf eines Gesetzes be- tteffend die Beseitigung von Tierkadavern, und dem Entwurf eines Gesetzes, betreffend den Schutz des zur /Anfertigung von Reick-sbanknoten verwendeten PapierS gegen unbefugte Nach» ahmung zugestimmt. ______________________ ausführlich schreiben darf. Beantworten Sie sie auch Nicht so bald so konimen wir gelegentlich doch immer einmal daraus zurück und Sie erinnern sich dann des früher Geschriebenen. Nur darum bitte ich Sie recht herzlich, wie auch Ihre eignen Beschäftigungen fortgehen oder still stehn möchten, mir doch gewiß immer wöchentlich Nachricht von Sich zu geben. I chsehne mich zu sehr, von Ihnen zu htzren, und lebe in Gedanken zu viel mit Ihnen, um hier eine längere Entbehrung füglich ertragen zu können." Tiefes Mitgefühl hat er mit dem schlechten Befinden Schillers, das diesen am Arbeiten hindert. „Mit Begierde sehe ich der Nackwicht entgegen, daß es mit Ihnen wiederum besser geht, daß Jlne Krämpfe völlig ruhig sind, und Sie eine bestimmte Arbeit angefaßt haben, die Ihnen Ihren gewölmlichen Muth und Ihre Thätigkeit roiebergiebL Mich verlangt unglaublich zu wissen, auf was Ihre neue Wahl wird gefallen sepn. Ich hoffe und wünsche auf etwas Poetisches. Vielleicht nehmen Sie gar gleich ben Wallenstein vor." Zum Wallenstein rät Humboldt auch m einem anderen Briese, obwohl er die Schwierigkeit des Stosses erkennt: aber Schiller „muß das erste Feuer, bie Starke des aeaenwartigen Augenblick benutzen. Dazu kommt noch, dav der Wallenstein auch eben durch seinen Stoss Sie selbst trägt." Aus bas Schwanken des Dick>ters, ob das neue Werk in Versen ober in Prosa auszuführen sei, geht der Freund mit einer feinsinnigen Betrachtung über die Verwendung deS Versesi im Trama em Er glaubt, „daß diese Forderung bei einem poetischen Stück eigentlich unerläßlich ist... Soviel ich jetzt emsche, liegt eS in einer gewissen Vorliebe für die Natur, insofern man sw der Kunst entgegen setzen kann, und in einer Besorgnitz, datz bie erstere burch bie letztere leiden könne. Ich sehe dies daraus r B daß in ber Jphigenia und im Karlos der Vers mir un- q em ein wvhlthut, hingegen im Götz, selbst in dem hie und da so schwärmerischen und feenartigen Egmont, in ben Räubern, M Niesko vorzüglich in Kabale und Liebe geradezu undenkbar ist. In der Iphigenie liebe ich ihn, weil dicß Stück aus einem fremden Gebiet und zwar aus einem solchen ist, wo die Kunst und sogar eine gewisse pathetische Form herrscht: mi Karlos weil er ungeachtet seiner mächtigen Wirkung aus die Empfindung, doch auch den Verstand so anhaltend beschäftigt, und zwar, wie der Dichter immer soll, in eine idealische Welt versetzt, aber nicht der Audienz die Insignien des Andreas-Ordens überreichte, und daraus den Staatssekretär von Kid erben-, W a e ch t e r. Heute abend 8 Uhr fand in der Jaspisgalerie im Neuen! Palais Galatafel beim Kaiserpaar statt. Zur Tafel führte der Kaiser von Rußland die Kaiserin, Kaiser Wilhelm die Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz Eitel Friedrich die Prinzessin Viktoria Luise und Prinz Adalbert bie Prinzessin Viktoria Margarethe. Bei der Tafel saß Kaiser Nikolaus zwischen dem Kaiser und der Kaiserin. Während der Tafel tranken die Souveräne unter Austausch freundlicher Worte einander zu. Kaiser Nikolaus führte bei Tisch mit der Kaiserin und dem Kaiser eine überaus an* geregte Unterhaltung. Der Kaiser von Rußland trank dem Reichskanzler zu, der Kaiser dem Staatssekretär Sasanow und dem Baron Fredericksz. Zu Ehren des Staatssekretärs Sasanow findet mor^ gen ein Frühstück beim Staatssekretär von Kiderlen-Waech^ ter statt und abends ein Diner beim Reichskanzler. Mit Rücksicht auf den familiären Charakter des Besuches des Kaiser Nikolaus am kaiserlichen Hose wurden nach einer Vereinbarung der beiden Souveräne feierliche Anreden bei der Galatafel nicht gewechselt. Der Kaiser verlieh der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge dem Verweser des russischen Ministeriums des Aeußern, Sasanow, das Großkreuz des Roten Adlerordens, dem russischen Botschafter in Berlin, Grafen von der Osten-Sacken und dem Generaladjutanten, dem General der Kavallerie und Minister des Kaiserlichen Hauses, Baron Fredericksz, die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden. Der Kaiser von Rußland verlieh dem Reiche kanzler den St. Andreasorden und dem Staatssekretär von Kiderlen-Wächter den St. Ulexonder-Newsky- °rb^aifeT Nikolaus besichtigte nach dem Frühstück mit dem Kaiser den kaiserlichen Automobilpark; den Tee nahm der Kaiser Nikolaus beim deutschen Kaiserpaar. genug, wie man doch auch fordern kann, diese wieder an bie wirkliche anknüpft. Jene andern genannten Stücke aber greifen so sehr in das Leben, das uns immer umgibt, ein, sie stellen so sehr wirkliche und großentheils auch bürgerliche Szenen dar, daß für mich hieraus nun bei Versen ein Mißverhältnitz zwischen dem Stoff und der Form entsteht. Ich verlange hiermit nicht diese Ansicht ber Sache zu vettheibigen: ich bin vielmehr schlechterdings der Meynung, baß eigentlich alles ächt pocttsche auch mettikch seyn müßte, um auch an ber Vollkommenheit der Form nichts einzubüßen." In solch ästhetische Spekulationen, bie auch die antiken und mobemen Silbenmaße oder die Theorie des komischen Helbengebichts bei einer Besprechung von Goethes „Reinecke Fuchs behanbeln, sucht sich Humbolbt bie Klarheit zu verschaffen, die ihm zum Blühen und Reisen seiner Persönlichkeit so notwendig ist. Es ist eine Zeit ber „Aussaat", in der er lebt. Freilich ist rt sich bewußt, daß er ben Fehler hat, „gar zu leicht alles,, was er lernt ober finbet, nur zu künftigem Gebrauch medev- zulegen," unb daß er „noch jetzt auf einer lecher nur zu breiten! Straße herumtaumelt." Cin Beweis bafür sind die fl^ugigen unb umfassenben Bettachtungen über Erziehung und Bildung, auf die ihn ber Gebaute an den Unterricht seines meriahrigent Töchterchens Karol ine, „zu dem es nun doch nachgerade Zett wird , Hier werden bereits Ideen ausgesprochen, die dann Filter! der „Organisator des Geistes" bei feiner genialen Form des preußischen Erziehungswesens als Leitpunkt im Auge hatte. Hum- bolbt teilt in dieser „Klassifikatchn aller intellektuellen, wißenschaft- lichen unb künstlerischen Tätigkeit" bie Wiffenfchasten ui vier Atten ein, bie technischen, spekulativen, ästhetischen und thw- logischen. „Diese vier Fächer, nach benen sich auch enu^üterfaepe Geistesbilbung unb ein vierfacher intellektueller Charakter unter- scheiben läßt, sinb, dünkt mich, nicht allein völlig voneinander gefonbert, fonbern sie erschöpfen auch ,chlechterbmgs alles, tnaS den Geist des Menschen zu beschäftigen imi »tanbe ift■•.••3«« Mensch nun sollte in bieser vierfachen Rücksicht audgebilbet sevN, aber bie Bilbung eines Jeden sollte von Emer Vorzugsweife auS- gehen, unb sie sollte bestimmen, in wie wett sich Mch Qtfi übrigen zu eigen machen müßte." Der 3ar in Potsdam. Neues Palais, 4. Nov. Die Kaiserin, sowie die Prinzessinnen des Königlichen Hauses erwarteten den Gast im Muschelsaale des dienen Palais. Hier war Empsang mit großem Vortritt. Die beiden Kaiser nahmen vor dem Neuen Palais den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie des ersten Garderegiments zu Fuß und hierauf denjenigen sämtlicher Truppen, welche Spalier gebildet hatten, entgegen. Im Muschelsaale hatte eine Galawache deS Regiments der Garde du Korps und die Leibgarde der Kaiserin Ausstellung genommen. Der Kaiser und die Kaiserin geleiteten Kaiser Nikolaus nach den im ersten Stock gelegenen Räumen, den Roten Kammern, vorbei an der im großen Marmorsgale ausgestellten Schloßgardekompagnie. Der Kaiser und die Kaiserin verweilten einige Zeit in den Gemächern des russischen Kaisers, ebenso die Prinzen und Prinzessinnen und die drei kronprinzlichen Kinder. Um 1 Uhr mittags sand Familientafel statt im Apollosaal, an der die beim Empsang anwesend gewesenen Prinzen und Prinzessinnen teilnahmen. Vor den Gemächern des russischen Katjers standen Unterofsiziere Ehrenposten. Der Kaiser empfing heute abend. 7 Uhr den russischen Staatssekretär Sasanow, und der Kaiser von Rußland um 71/2 Uhr den Reichskanzler, dem er bei jährü ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswätts 20 Pienniq. Chefrebakteur: A Goetz. Dermttwottlich für den e > w w politischen Teil: August General-Anzeiger für Oberhessen LLsL BeffffioKstoi# Md Dertog der SrLhlichea llniv..V»ch. «nd Stelnönitfttel IL £angt Ntdattlan, SrptbUiott und $m»erd: Sch«!str«tze T. ub„ Lxpeditton für Bübingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 50. Anzeigenteil: H. Beck. Rt. 260 Der vletzrmr Avzefff« edd)etRi täglich, außer Somuags. — Betlaiien: ü t e r tn a l ipÖd)enthd) OlthenerHamMeiidlatter; zweimal möchenll.KtdSt blatt für den Kreis Stehen IDienstag unbFreilaq); zweinwl monall. tand- wtrtschostllche dehfregto Fernjprech - ^lujchlüfie: für die Redaktion 112, Verlag u Expebition 51 Adresse lür Depeschen: Anzeiger Gteheu. Annahme von LnzeigeM |ür bie Tagetznuinmer bi» vormittags 9 Uhr. politische Wochenschau. Gießen, 5. Nov. Wir stehen nicht im Zeichen großer Ereignisse, wenn man bie dem gewöhnlichen Sterblichen halb verschleierten Schiebungen im Oriente außer Betracht läßt. Der Besuch öc§ Zaren imb seiner Begleitung in Potsdam — die Norddeutsche Allgemeine Zettung hat es verkündet — ist von keiner großen Bedeutung. Er ist von keiner Notwendigkeit dikttert und dient keinem vesttmmten Zwecke. „Es mtspricht der bewahrten deutsch-russischen Tradition, daß iich die Herrscher beider Reiche öfters begegnen", so lautete Die amtliche deutsche Sprache. Ob der Zar tn den ftillen Tagen von Friedberg sich nach dem Kaiserhofe gesehnt hat? Schwerlich, denn in den ersten Septembertagen hat Die amtliche Presse mehrere Male verkündet, eine Begeg- mmg der beiden Herrscher stehe n i ch t in AuSsick)L Man hat denmach an dem He^nsbÄrürftris Zaren lange selber gezweifelt. Es wäre aber ausgefallen, wenn die übliche Zusammenkunft gerade diesmal unterblieben wäre, und so ertönt es in der Wllhelmstraße wie aus erleichtertem Herzen, das Wiedersehen sei nicht zweiselhatt gerne)ciu Der Rücktritt Iswolskis mag den Plan des Zaren so lange in der Schwebe gehalten haben. Das ministerielle Belleidungsstück mußte zuerst in Darmstadt anprobiert werden; Sasairow schien einige Proberitte ablegen zu müssim, bevor man ihm das wichtige Amt endgültig anvertraute. Er hat auf der Durchreise schon mit den Berliner Diplomaten gefrühstückt und sich vielleicht auch mit ihnen über Politik unterhalten. Wahrscheinlich hat er nur wegen dieser deutschen Besprechungen bie weite Reise machen müssen, und so wäre es schade, wenn die Potsdamer Begegnung wirklich nur dekorativen Zwecken dienen sollte. Man scheint auf beiden Seiten Fühlung nehmen zu wollen. Vielleicht wird auf dem Schachbrette, über dem die heutigen Staatsmänner viel bedächttger und geduldiger brüten als zu Bismarcks Zeiten, doch, trotz maiicher Unentschlossenheiten, eine Lösung reifen. Die russische Polittk unter Iswolski war in der letzten Zeit schwankend und unsicher geworden. Mit dem Zerschellen von Iswolskis Balkanplänen stand man in Petersburg unter dem Eindrücke des deutsch-österreichischen lieber- gewicht es. Wir können vorläuftg nur wünschen, daß über den Hofjagden, mit denen man heute den Zaren zu unterhalten hofft, die deutsche Stellung in würdiger Weise zur Geltung gebracht werde. Man kann dem Satze, den die halbamtliche „Rossija" zu der Potsdamer Begegnung schrieb, in der Erinnerung an Bismarcks Vermächtnis nur zustimmen: „Rußland und Deutschland, die in WirNichtett auf dem Gebiete des polittschen und wirtschaftlichen Lebens wegen der geographischen Lage und wegen der historischen kulturellen Mission" — es ist fteilich eine Selbsttäuschung, wenn hier angenommen wird, Deutschland werde sich zum Dammwärter für eine russische konservative Weltanschauung hergeben — „keine unversöhnlichen Interessen haben, müssen sreundnachbarliche Beziehungen unterhalten." Vielleicht lernt in diesen Tagen Rußland ein- sehen, daß es in der persischen Frage an Englands Seite unter Umständen einer dunklen Zukunft entgeaengehen könnte. Seit Eduard VII. nicht mehr unter den Lebenden ist, scheint der englische diplomatische Siegeszug doch einigermaßen ins Stocken gekommen zu sein. Während in Oranienburg die Büchse knallt und das Hifthorn erschallt, segelt das deutsche Kronprinzenpaar hinaus in die Welt. Die Reise soll nicht dem Vergnügen gelten, sondern der Vorbereitung Friedrich Wilhelms für seinen hohen, künftigen Beruf. Man rühmt dem Kaiserjohne Schlichtheit und Anspruchslosigkeit int Umgang mit anderen Menschen nach, und aus Grund dieser Annahme ist er dem Volke eine sympathische Erscheinung. Der Heranwachsende Thronfolger hat schon bisher Gelegenhett zu manchen bedeutungsvollen Studien und Betrachtungen gehabt. Er ist in dem äußerlichen Glanz des „neuen Kurses" auf- gewachsen und hat das Lohengrin-Schiff doch schließlich unsanft landen sehen. Die letzten Stürme üoer die Sensation im Daily Telegraph und die Gottes-Gnadenreden sind noch in seiner Erinnerung. Er wird daher versuchen, in die Geheimnisse nüchterner Wirllichkett tiefer einzudringen, und die Fahrt nach Ostasien wird ihm reichen Gewinn bringen. Am besten ist es für einen Thronfolger, wenn er, unverfolgt von zudringlichen Augen und ganz seinem eigenen Streben überlassen, unterzutauchen vermag in das vielgestaltige menschliche Gewühl. So ist Eduard VII. ein praktischer und scharffinniger Monarch geworden. Der Lobpreisungen und Schmeicheleien bedarf der Kronprinz ganz und gar nicht. Daß er treu deutsch gesinnt ist, muß sich eigentlich von selbst verstehen, und seine Vorliebe für Sport und körperliche Uebungen teilt er mit vielen Altersgenossen. Die Reise soll also nicht zu einer Triumphsabrt werden, von der der amtliche Draht dann melden würde, der Kronprinz sei von großen Menschenmengen jubelnd begrüßt worden. Nein, vor ihm liegt eine Well von Wissenswerten, und weim er aus Ostajien mit einer Fülle bunter Eindrücke zurückkehren wird, so wird er das Buch Der praktischen Erfahrungen doch noch lange nicht zuschlagen dürsen. So wichtig es ist, daß der künftige Kaiser sich im Auslande umsteht — wo Eduard in langen Jahren als schlichter Prwatmann einen sicheren Blick und die an ihm gerühmten praktischen Kniffe sich aneignete —, jo bedeutungsvoll für seine Stellung dem beutidjen Volke gegenüber wird es sein, daß er mit dem Fühlen und Denken aller Schichten des eigenen Landes sich vertraut macht. Der Absolutismus ist eine Regierungsform, die heutzutage nicht mehr möglich ist. Geräuschloses Zurücktreten hinter die verantwortlick)en Minister, Schlichtbeit und ^Duldsamkett, dies sind die Tugenden, die vor allem heute einen Herrscher dem Herzen seines Volkes näherbringen. Daneben ist es ein Zeitbedürfnis, die byzantinischen Schlingpflanzen, die das kaiierfrohe Deutschland so lange und unheilvoll umrankten, allmählich gänzlich abzustreifen. Auch daM kann der Kronprinz, wenn er öde Schmeicheleien und hohle Feierlichkeiten nad) dem Beispiele des greifen bayerischen Prinzregenten (siehe unter „Deutsches Reich") von sich weist, zu seinem Teile beitragen. Psla sie rp l a n für die Straßenzüge aufgcftellt, denen eine Neubefestigung nötig ist, dessen Durchführung auf die nächsten 5 Jahre verteilt ist. Die >,Norddeutsche TOfftmtente 3tttintaw meldet: Dem Ver- etefimen nach wird für» vor dem Zusammentritt des MeichstageS der Ausschuß des Bundesrats für die «auswärtigen Angelegenheiten bei dem Reichskanzler jversammelt sein. Der Prinzregent von Bayern sprach in einem tDandschreiben an den Minister des Innern v. Brettreich ibcn dringenden Wunsch aus, daß die in Aussicht genommene Landesfeierzu seinem 9 0. G e b u r t S t a g in schlichter Meise .ohne prunkvolle Feste sich vollziehe, insbesondere von ^Darbietungen von Geschenken und Huldigungsgaben abgesehen itoerbe und daß eine gesonderte Feier seines 25 jährigen Regent- schaftsjubiläums nicht stattsinde. Dem jüngst zusammengetretenen Landesausschuß, der ein festliche- Begehen des 90. Geburtstages vorbereiten wollte, erteilte der Regent die erbetene Genehmigung .zur Veranstaltung einer Landessauunlung für wohltätige, gemein- nützige Zwecke. Der Prozeß wegen der Moabiter Unruhen wird am nächsten Mittwoch beginnen und etwa drei Wochen dauern. Nach den Ermittelungen der Anklagebehörden wurden bei den Straßenkämpfen etwa 60 Schutzleute verwundet; von den Tumultuanten wurden etwa 150 verletzt. Es dürften etwa 4 00 Personen als Zeugen an Gerichts- ! stelle erscheinen.____________ Aus StaOt unö Land. Gießen, 5. November 1910. Zur Stadtverordnetenwahl. Die Zahl der für die Stadtverordnetenwahl eingeschriebenen Wähler beträgt 4362 gegen 3883 bei der Wahl vor drei Jahren. — Die Musiker unserer Militärkapelle, die für das Einkommen, das sie durch das private Spielen erwerben, Steuem bezahlen, sind versehentlich bisher in die Wählerliste bei Stadtverordnetenwahlen niemals eingetragen gewesen. Nach einer Erkundigung an zuständiger Stelle sind die Militärmusiker wahlberechtigt, falls sie ihre nachträgliche Eintragung in die Liste bei der Bürgermeisterei beantragen. — Zum Reichs- und Landtag haben dagegen Mililärpersonen kein Wahlrecht. Von der Rechtsgruppe der im Bürgerausschtlß vereinigten Körperschaften (Christlich- und Deutsch-Soziale Resorlner, sowie Mittelstanbsvereinigung) wird als Kandidat für das Stadtparlament Oberbibliothekar Dr. Heuser vorgejchlagen. — Der Hausbesitzerverein schlägt als Stadtverordneten-Lan- didaten seinen Vorsitzenden Fabrikanten Inderthal vor. — iDer Südwest-Verein wird den Bankier Grünewald auf. ifleUen. . ** Tageskaleuder. Stadttheater: Sonntag nach- Mtttag 3Vi Uhr „Hans Lange"; Sonntag abenb 7 V, Uhr er Verschwende^ Gießener Konzertverein. Sonntag nachmittag 6V4 Uhr in der naucn Aula: Zweites Konzert: Lieder- und Klavierabend. Kaufm. Ver ei nu ndOrtsge werbe verein. Sams- ttag abend 8Vs Uhr in der großen Universitätsaula: Kairo luud die Pyramiden (Gastspiel der Urania Berlin). Kolosseum: Täglich Vorstellung. Kinematograph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung, / ** Ordensverleihungen. Der Großherzog hat dem Kirch enral Wilh. Zentgraf in Eberstadt und idem Pfarrer und Dekan Kirchenrat Schrimpf in Butzbach |bie Krone zum Rrttertreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *• Lehrerpersonalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Lehrer an der Gemeindeschule zu Bechtheim Hldam Bardo Como auf sem Nachsuchen. •• Prüfungsausschuß-Vorsitzender. DerGroß- !herzog hat den Niinisterialrat im Ministerium der Justiz sGehemierat Dr. Gg. Best zum Vorsitzenden der Prüfungskommission für das Justiz und Verwaltungsfach ernannt. ** Zur Volkszählung am 1. Dezember 1910. Die für Die Zählung notwendigen Zählpapiere sind nunmehr von der Zentralstette für die Landesstatistik cm alle hessischen -Gemeinden abgesandt worden. Es handelt sich um ganzen tun 320000 Haushaltungstiften und 1570 000 Zähliarten. Äuch die Zählungstommtssiouen werden überall bereits ein- Msetzt sein. Die nächste Ausgabe der Gemeinden ist es nun, geeignete Personen zu gewinnen, die daS Amt eines Zählers übernehmen, damit die Zählpapiere rechtzeitig und wichtig auSgeleilt, ordnungsmäßig auSgefültt, wieder ein* sgesammelt und geprüft werden. Bei der letzten Volkszählung im Jahre 1905 waren in Hessen 5500 Zähler tätig -Die Erfahrung hat gelehrt, daß Das Angebot an Zählern chuiter dem Bedarf erheblich zurückbleibt. Im Interesse eines guten Gelingens der Zählung wäre es deshalb zu wünschen, daß sich geeignete Persönlichkeiten in großer Zahl freiwillig den Gemeindebehörden als Zähler zur Verfügung stellten. Je mehr Zähler fje kleiner der Bezirk, je leichter und schneller Die Arbeit ** Ursprungszeugnis für Den Handel nach Epanie n. Nach einer vom spanischen Konsul in Mainz an die Handelskammer gelangten Mitteilung sind gemäß einer Verfügung der spanischen Regierung bis auf weiteres für alle Seiwuugen, Die in Spanien aus Dem,chlauo emgefuyrt werden Ursprungszeugnisse erforderlich und zwar find bieieiben in Duplikat auszustellen, mit der Unterschrift des Absenöers zu > versehen und von der zuständigen Behörde (Handelskammer) be- -glaubigt, dem spanischen Konsulat zur Legalisation vorzuzeigen '* P 0 stpers 0 nal-Nachrlchten. B e st a n de u : öie Vostt sekretärprästmg Postasfiftent Wirth m Mainz, die Postassistemen. prü'ung Die Postgehitsen Wagner in Höchst i. Cbcmv., e t a n 1 b ' m Ptamz, Pfeifer m Gau-AtgeSheun, Gegner in Jnaenheim a. d. Bergstr., Freitag in Nierstein, Gröger m Därmsladk Geißler in Nieder-Olm und Wahl in Guntersblum - Die Telegravhenassistenlenprüiung die Telegraphengehilien K ram e r in Darmstadt und Walcker in Mainz. Verseht Die Tete- graphenussistenlen Fau st von M a 1 n z und Hechler von Worms nach Bochum und Oberposlassislent Gern et von Berlin nach Mainz A n g e n 0 m m e n als Telegravhenaiiwarier Wachimeistei , G ü niher ui Ojsenbach, als Poflagem der Lehrer a. D. Weber . in Buchschlag. Freiwillig a u s g e s ch i e d e n Die Posiageniin 'Herold in Buchschlag. Ent lass en Die Telegravheiigehiliiu zMetzger in Offenbach. 2iusianv. Im Verlause des französischen Ministerrates am .Freitag erklärte Briand, das neue Ministerium solle kein Mi- nifterium der Reaktion sein. Wenn er wünsche, daß die Regierung Mittel erhalte, Unterbrechungen der öffentlichen Dienste zu verhindern, so sei es ebenso sein Bestreben, Die Rechte der Arbeiter lzu wahren. Man müsse also Maßregeln treffen, durch die Die Beziehungen zwischen Den Gesellschaften und ihren Arbeitern er* s leichtert werden und vielleicht einen Schiedsgerichtsausschuß schaffen. Der Gesetzentwurf über das Streikrecht werde Der Kamme nicht vor Ablauf von 14 Tagen zugehen. In Kapstadt fand im Beisein des Herzogs und der Herzogin von Connaught, der Prinzessin Patrizia und von Lord und Ladt) Gladstone die feierliche Eröffnung des Parlaments der südafrikanischen Union statt. In Peking wurde ein kaiserliches Edikt veröffentlicht, wo- .nach Die Eröffnung Des P a r l a m e n t s, das aus zwei Kammern bestehen soll, in drei Jahren erfolgen wird.______ Kreis Büdingen. -- Lind heim, 4. Nov. Die Landwirtschaftskammer eröffnet am 3. Januar den ersten fünfmonatlichen Haush altungskursus für 1911 an ihrer HcmShal- tungsschule zu Lind heim. Der praltische und theoretische HaushaltungSunterricht erstreckt ,ich aus die Anleitung im selbständigen Kochen mit Rücksicht auf die Bedür,nis,e des ländlichen und bürgerlichen Tisches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speisen, in der Käjebereitung, Federviehpflege, Gartenwirtschaft, int Waschen und Bügeln, Reur- halten des Hauses und Buchführung. Da in diesem Kurse auch ein sehr gründlicher Handarbeitsunterricht, in dem Stricken, Wüsche-Schnittzeichnen, Wäscheznschneiden, Hand- und Maschineunähen und Ausbefsern erlernt wird, und auch allgemein bildende Fächer wie Aussatz,Rechnen, Singen, Gesundheitslehre und Krankenpflege gelchrt werden, ist die Teilnahme an dem Unterricht nicht nur Töchtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes sehr zu emp- ehlen. Hinzuwciseu ist noch aus die gründliche Ausoitdung in den lausenden Arbeiten im Obst- und Gemüsebau, besonders auf die Konservierung, das Einmachen des Obstes und der Gemüse. Ebenso werden der Ernte und Winteraufbewahrung des Obstes und der Gemüse große Beachtung geschenkt. Daß zur Erlernung eines so großen Lehrplanes wie des eben angeführten ein längerer Lehrkursus notwendig ist, ist selbstverständlich. Wenn auch in letzter Zeit vielfach kurze Wattder-HaushattungSlnrse errichtet wuroen, auf denen in wenigen Wochen Die Einführung in einige Obliegenheiten des HauShatteS bezweckt iucroen soll, so muß doch feder Vater, der seiner Tochter die gründliche Ausbildung in den hausmütterlichen P,lichten geben las,en will, einem Kinde einen längeren Unterricht zutommen lassen. Die Landwirtschaftstammer kommt den Eltern sehr entgegen, indem sie den Unterricht und Pen.ionSpreis den.bar niedrigst estgejetzt hat. Für Unterricht und Logis sind für jeden Kursus von Hessinnen 25 Mark, von Nichthcs,innen 40 Mk. zu bezahlen. Die Kosten für Verpflegung berechnen sich nach der wirklichen Aufwendung. Anmeldungen zur Teilnahme an dem am 3. Januar 1911 beginnenden Kursus inD alsbald an die O r tS s ch ul k 0 m mi s s i 0 n der Haus- haltungSschule zu Lind heim zu richten, die ebenso wie die Lairdwirtschastslammer selbst aus,uhrliche Programme und Anmeldebogen auf Verlangen verwendet. Bei nach dem 1. Dezember eingehenden Anmeldungen i,t Berücksichtiauna zweifelhaft. ° a = Hirzenhain, 4. Nov. Der kürzlich wiedergewählte Bürgermeister JohS. Gutzmann ist nunmehr vom KreiSamt Büdmgen bestätigt worden. Kreis Friedberg. L. Friedberg, 4. Nov. Unser Schwimmbad, dessen Einrichtung musterhaft ist und jeder Stadt von weit größerer Eimvohnerzahl wie Friedberg zur Zierde gereichen ivurde, erfreut sich feit seines 2jährigen Bestehens eines großen Besuchs. Besonders wird das Schwimmbassin fleißig beniitzt. Um das Schwimmen, besonders das Knnst- schtvimmen zu pflegen, beabsichtigt man, einen Schtvimm» ktnb ins Leben zu rufen, dessen Gründung nächsten Montag erfolgen soll. Am 3. und 4. Dezember dieses Jahres findet hier eine Bezirks-Geflügel-Ausstellung statt, veranstaltet vom Wetteraner Geslügelzuchtverein. O Friedberg, 4. Nov. Dex hessische Heimat- )flegeverern wrrd unter dem Vorsitz von Provinzial- dkrettor Gehermerat Fey-Darl.istadt seine nächste grügere Versammlung am 2 3. November hier im Hotel Trapp aohalten. Der Verein veranstaltet auch in diesem Winter- Halb^ahre auf den einzelnen Orl.fcha,ten Vorfrage mit Licktt^ bildern wie rm letzten Jatfre. Vom 9. bis 30. November luirD Pfarrer ^>bges von Rerchelsheim eine Vortraasreibe hallen über dm deutsch-jranzofifchen Krieg 1870/71 mit ... . D as Derveirufen zum Fernsprecher. Bei öffentlichen Fernfprechstellen werden bekanntlich auch von der Bost emzelne Personen auf Verlangen heroeigerufcn. Die Be- mrninungcn darüber haben jetzt eine bemerkenswerte Ergänzung durch, das Reichspostamt erhalten. Es kommt vor, daß eine Berfon herbeigerufcn worden ist, das Gespräch, aber am Tage de« Anmeldung wegen dienstlicher (Gründe nicht zustande kommt. Hinderlich werden kann Dienstschluß der Vermittlungsstellen, Leitungsstorung, Belastmig der Leitungen oder ähnliche (^rihti*. In derartigen Falle ist der Herbeigerufene berechtigt, die Her- 1 o in? on Gesprächsverbindung noch am folgenden Tage bis Wittags zu verlangen. Diese Bestimmung gilt auch für den Verkehr mit Bayern und Württemberg. ? Die Wahl zur HanDelskammer für die ouS- scheidenden Mitglieder Kommerzienrat Schirmer, Kaufmann Röhr und Fabrikant Zurbuch findet am 24. November statt. "Belgiens religiöse Zu stände beleuchtete gestern abend m einem fesselnden Vorträge vor aufmerksamem Publikum im Konfirmandensaal der Johanneskirche Pastvr R a m b a u d aus Lüttich. Er berichtete von der sogenannten belgischen Missionskirche, der kleinen 11000 Seelen zählenden evangelischen Kirche Belgiens, die zum größten Teil aus übergetretenen Arbeitern besteht und eine reiche Missionstätigkeit entfaltet, auch i" einer mit ungeheurer Opserwilligkeit organisierten Kranken- pflege schon die praktische soziale Liebestätigkeit begonnen hat. Am Freitag abend riächster Woche wird Pastvr Rambaud im großen Hörsaale der Universität über die Kongofrage sprechen. Schon fetzt sei darauf empfehlend hingewiesen. ** Re u t e r - G e d ü ch t n 1 s f e 1 e r. Am nächsten Montag jährt sich zum hundertsten Dl al der Tag, an dem Fritz Reuter, der Humor- und gemütvolle plattdeutsche Dichter, das Licht der Welt erblickte. Freunde seines Humors planen hier in Gießen eine kleine Erinnerungsfeier, die neben einer allgemeinen Würdigung seines Wirkens Proben seiner Dichtungen bringen soll. S t a d t t h e a t e r. Es sei darauf hingewiesen, daß die Ausführung von Heyses „H a n s L a n g e" am Somttag nachmittag die letzte Aufführung des Werkes überyaupt ist. Auch Der „Verschwender" wird in Abendvorstellungen nicht mehr wiederholt und nur noch in Nachmittagsvorstellung gegeben werden. ** Kolosseum. Das Martinus-Ensemble, das hier ein 14 tägiges Gastspiel gibt, füllte den gestrigen Abend mit einem reichhaltigen Programm aus. Direktor M a r t i n u s gefiel in seiner Rolle als Humorist, was der lebhafte Beifall Deutlich beTundete. Ein nettes Paar sind Die L e s V a l e n c i a, die ihre akrobatischen und balletartigen Darbietungen in gewandter sowie anmutiger Welle durchführten. Bern.har Di Weber, Der übrigens auch schon im vorigen Programm seine Künste sehen ließ, schoß, als Drahtseilkünstler den Vogel ab. Lobend zu er» erwähnen sind die T he A t l a n ti c s in ihren Krastvorsührungen, Herr Emil Emilio als Clown, Frl. Ida und Margarete als Virtuosinnen, dcsgl. Herr Zobel als Balanceur. Den Rest des Abends füllte em Einakter, betitelt „M anöverge schichten", in heiterer Weife aus. Die Mitwirkenden spielten sehr flott. Der Besuch war nur schwach und stand in keinem Verhältnis zu den gebotenen Darbietungen. ? Neupflafternngen. Das Tiefbauamt hat einen etwa 60 Lichtbildern Eine welkere Vortragsreihe, wahr über Schiller und seine Werke, wird voraussichtlich im Januar kommenden Jahres folgen. Die Gemeinden, die einen solchen Lichtbildervortrag wünschen, werden g.'b.'ten, sich an Pfarrer Vogel zu wenden. Es können nur solche Gemeinden in Frage kommen, welche Mitglied des Vereins sind oder werden. Butzbach, 4. Nov. Die Kirchengemeindevertretung genehmigte in der gestrigen Sitzung den Voranschlag des K'ugelhaussonds und den des Kirchenfonds für 1911, ebenso den Verkauf eines 0)rund- stücks an die Stadt. Nach Verlesung des sittlich-religiösen Berichtes über die hiesige Gemeinde fand eine längere Besprechung über die Jugendfürsorge für die Jugend vom 14. bis 17. Lebensjahre statt. Hauptlehrer Storch bemerkte, daß die Zahl der Fortbildungsschüler von etwa 80 auf 120 angewachsen fei und machte darauf aufmerksam, daß es dringend notwendig sei, die Fürsorge über diese zu übernehmen durch Gründung eines Lehrlingshortes. Diesem Anträge wurde einmütig zugestimmt, leider konnte aber für diese Einrichtung kein Lokal zur Verfügung gestellt werden, da alle Räume in den städtischen Gebäuden besetzt sind und ein Raum in dem Schuli.ause in der Langgas^e, das im Laufe dieses Sommers urng:baut bezw. durch Stockwerksaufbau vergrößert werden s. l.te, noch nicht zur Verfügung gestellt werden tann. Der P an hierüber ist nämlich, nachdem er die Genehmigung der Gemeindevertretung, der K'reisschutwmmission und des Kreisamts gesunden hat, wegen Bewilligung der Bautofteii aus den Mitteln des K'ugelhausfonds aber von Großh. Ober- tonsistorium noch nicht genehmigt worden. (Der Swaw^rcs- ausvau ist dringend notwendig, da die Schülerz.ihl bedeutend gewachsen ist und die vorhanoenen Räume zur Unterbringung Der Schüler nicht mehr ausreichen.) Nach Errichtung oieses Lehrlingshortss soll den Fortbildnngsschulern der Wirtshausbesuch ohne Beisein der Eltern oder des Lehr- Herrn verboten werden. Alsdann wurde über das K 0 l- porteurwesen gesprochen und darauf hing.wicsen, daß nach Abzug-der Kosten für den Kolporteur für die betreif^nae Anstalt wenig oder fast nichts übrig bleive. Es wurde einmütig beschlo,sen, den Anstalten einen Betrag ans der Ge- meinoelaste zu bewilligen, Die Beiträge zurunstig dirett an den Rechner der Anstalt einzusenden und Die Kolporteure abzuweisen, bezw. der Anstalt mitzuteilen, keinen Kolporteur mehr hierher zu senden. Auch wurde bemertt, daß es Pflicht des Staaces sei, für einige Anstalten zu forgen unb das K'olporteurwesen abzuschaf,en. x Bad - Nauhelm, 4. Nov. Eine reiche Tätigkeit entfaltet in diesem Winter der hiesige Bildungsverein. Weben acht Theatervorstellungen des Rhein-Ntamischen Verbandstheaters, die bereits begonnen haben, sind mehrere populäre Vorträge aus den verschiedciisten Wissensgcb'cten vorgesehen. Erstmalig veranstaltet der Verein auch einen zusammenhängenden Vortragszyklus. Oberlehrer Dr. Strecker wird nämlich am Nlontag mit Vorlesungen über die hauptsächlichsten Strömungen in der modernen deutschen Literatur beginnen, wozu in der Ernst-Ludung-Schule ein Raum zur Verfügung ge|ieüt wird. Der Zyklus soll 12 Vorlesungen umfassen. ** Kleine Mitteilungen aus dem Kreis Friedberg. Hch. Friedr. Diel von Ober-Wöllstadt wurde zum Beigeordneten Der Gemeinde Ober-Wöllstadc gewählt und bestätigt. Starkenburg und Rheinheflen. R. B. Darmstadt, 4. Novbr. Der Begründer der bekannten Ernst-Ludwig-Heilanstalt. Dr. Hermann Lossen, ist gestern abend im Alter von 46 Jahren plöölich gestorben; er war seit längerer Zeit leidend und weilte seit 8 Wochen zur Wiederhersteltung seiner Ge,undheit in Mittclhemi im R^em- gau. Dr. Lossen entstammt einer alter Darmstädter Familie. Nach vollendetem Universttalsstudium in Heideloerg war er mehrere Jahre Arzt am Deutschen Kranlentzaus in Alexandria, dann Badearzt in Wiesbaden und später in Schweden, wo er sich besonders mit dem Zanderschen System für Heilgymnastik begannt machte. Ju Darmstadt riet er Ende der neunziger Jahre seine veilanualt ins lieben, Die vor mehreren Jahren Durch grobe Neuanlagen zu einem Musterinitstut ersten Ranges auDgeuattet wurde. Allem für Die Kranken Der Unfallberuisgenosienschaften unD der Lanoeä- versicherungsanstalt flehen in einem besonderen Bau 60 Betten zur Verfügung. = Mainz, 4. Nov. Von dem Staatssekretär des Rcichs- marineamts v. Tirpitz ist Obcrbürgermcisler Dr. Göttel- mann folgendes Schreiben zugegangen: „Seine Majestät der Kaiser haben die Annahme der von der Stadt Mainz dem kleinen Kreuzer dieses Namens für die ttommandantentajüte, Offiziersmesse und Die Besatzung geftiiteteii Geschenke zu genehmigen geruht unb mich beauftragt, Den Spendern Allerhöchst seinen Tank zu übermitteln. Indem ich hiermit Diesem Austrage nachlommc, bitte ich. Den Gebern in meinem Namen auch Den Tank der Kaiserlichen Marine ausDrücken zu wollen, v. Tirpitz." 5lreis Wetzlar. x Atzbach, 4. Novbr. Das nächstlährige 6. Bezirks- fest des Lahn-Dünsberg-TurnerbunDes soll tm Juli hier gefeiert werden. Unser Turnverein gedenkt glcichzciiig sein Fahnenweihfest damit zu verbinden und hat Die Fahne bet der Bonner Fahnenfabrik in Auftrag gegeben. 0. Hochelheim, 4. Novvr. Im Kreise ihrer Familienangehörigen feierten Karl Zörb und seine Ehefrau geb. Viehmann Das Fest der goldenen Hochzeit. Während Piarrer Schneider in einer Ansprache des betagten Paares gedachte, so suchte am Abend unser Posauncnchor das Jubelest durch ein Ständchen zu verherrlichen. — Nach emer längeren Pau^e tjmnd: für das angebrochene Winterhalbjahr hier^e.bst wieder eine ländliche Fortbildungsschule zustande, nachdem sich mehr als 10 junge Leute zu deren Beiuch angemeldet haben. Hefjcn-Nassau. w. Marburg, 4. Novbr. Im kurhessischen Oberhessen erfolgte letzte Nacht starker Schneefall. Universrtätr.Nachrichten. rm. Darmstadt, 4. Novbr. Die freie Studentenschaft an der Technischen Hochschule h.elt heute nachmittag eine Hauptverwmmlung ab. in der stud. Moller einen Vortag über tudentisches Disziplinarrecht hielt. Folgende Entschließung wurde dazu angenommen: Die am 4. November 1910 in Darmstadt gleichzeitig mit den Kommilitonen in Berlin, Bonn, Breslau, Braun.chweig, Danzig, Eisenach, Gör- tingen, Greifswald, Halle, Heideloerg, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, München und Stuttgart versammelten breie Studenten sind der Ansicht, daß die D is z i p l i n a r v 0 r s ch r i, te n für Studierende einer grundlegenden Reform bedürfen. Sie erwarten, daß insbesondere die Bestimmungen über das studentische Vereins- und Veriammlungsrecht eine Neuge^a.ttmg nach Maßgabe der Allgemeinen Reichsgesetzgebung erfahren werden Tie Versammlung wünscht endlich, eme im Geist einheitliche Regelung des Studentenrechtes in allen deutschen Staaten. Handel. ** Auf die 5% Chinesische Tientsin-Pukow- Staatseisenbahn-An le ihe, die am 3. 'November d. I. durch die Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank) u. A. zur Zeichnung a 100.500,0 aufgelegt worden waren, sind die Anmeldungen so zahlreich cingelaufen, daß nur gaiu geringe Beträge zugeteitt tocibett lönu<Ä. Kleine Tancsmronit. Eine große Automobilstraße soll den Genfer See Mit Nizza verbinden, die Kosten sind aus 4Vs Millionen Francs veranschlagt. m m Im Expreßzug Berlr n—R o m wurde Bet Bozen einem Passagier, der eingeschlafen war, die Brieftasche mit 30 000 Kronen entwendet'. Tie Diebe sind spurlos in Bozen verschwunden. In B i s ch o f s m a i d (Niederbayern) wurden bei Tiefbohr- arbeiten zwei eiserne Kasetten mit dünnen achteckigen Münzen, angeblich 16 000, aus bcm 12. Jahrhundert gefunden. — In Ma in Hofen wurde eine vorzüglich erhaltene keltische Feuerstätte entdeckt. Die Mosel ist wieder gefallen; auch von der französischen Grenze wird weiteres Fallen gemeldet: In Trier ist die Mosel- schiffahrt wegen Hochwassergefahr eingestellt. Das Wasser zeigt einen Stand von 3,50 Meter. In Polande im Staate Alabama sind durch eine Grubenexplosion 100 Bergleute eingeschlossen worden. Viele sollen tot sein. humoristisches. * Ein guter Trick. Hänschen (der sein Stück Kuchen Möglichst schnell verzehrt hat): „Komm, Thilde, wir wollen Einmal Menagerie spielen: ich matfe den Bären und du .tannit mich Mit deinem Kuchen füttern." . * Großzügig. „Sie sind beschuldrgt, mit Ihrem Automobil zwei Personen totgefahren zu haben," sagte der Richter rum Millionär. — „Wie viel per Stück?" fragte der letztere, indem er seine Brieftasche hervorzog. Cuftfrbfffabrt. Verschobener Flug, N ew York, '4. Der Flieger Mc Curdy, der morgen von dem Decke der „Kaiserin Augusta Viktoria" nach N ew y o r f fliegen wollte, hat den Flug infolge des herrschenden Sturmes auf 'den 24. d. M. v e r s ch o b e n. ! P. 6. ' ' ' Kiel, 4. Nov. Das Luftschiff „P. 6" ist frartc vormittag 10,22 Uhr zu einer Fahrt nach Flensburg ausgestiegen, wo um 12 Uhr die Landung erfolgte. Nachdem das Luftschiff sieben neue Passagiere onfgenommen, erfolgte unr 12,20 Uhr die Abfahrt nach Schleswig. M Schleswig, 4. Nov. „P. 6" ist um 1 Ähr auf dem Rennplatz gelandet. Um 2 Uhr erfolgte die Weiterfahrt nach Nendäburg, wo er gegen 2Vr Uhr eintraf und auf dem Exerzierplatz landete Nach etwa dreiviertelstündigem?luf>enthalt erfolgte die Rückfahrt nach Kiel. Hier langte das Luftschiff gegen 3,40 Uhr an.__________ Eingesandt. . Gießen, 4. Nov. Zu den bevorstehenden Stadtvervrdnetenwahlen möge beachtet werden, daß nicht die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei und nicht die Gunst eines städtisck-en Bezirksvereins enticfeibenb sein dürfen für die Wahl.„ Politische Angelegenheiten sind im Stadtvorstand nickst zu erörtern und wenn es auch erwünscht ist, daß nicht politisch rüctstÜTchige, sondern Persönlichkeiten ihm angehören, die einem vernünftigen Fortschritt huldigen, so kommt es doch auf die einzelnen Schattierungen weniger an. Sozialpolitische Fragen sind im Tätigkeitsgebiet einer Kommunaloer- waltnng nicht selten und Leute von Einsicht und Verständnis für sozialen Fortschritt sind nötig. Der Stadtverordnete ist Vertreter der ganzen Stadt und durch einseitige Hervorkehrung von Bezirksinteressen den Gang der Geschäfte nicht erschweren. Zwei Eigenschaften sind es vornehmlich, die der Stadtverordnete besitzen muß, die Unabhängigkeit der Stellung imd' die Fähigkeit, H den städtischen An- gelegenh-iten tätig und produktiv mitzuarbeiten, den Blick einzig und allein aus das Ganze und dessen Wohlfahrt zu richten. Drum gilt es fair allem, unabhängige Männer, die nach Niemanden zu fragen haben, in die städtische Verwaltung zu Bringen, Männer, die nicht grundsätzlich Gegner der städtischen Verwaltung sind, sondern werktätig mit ihr arbeiten wollen, dabei den Mut der eigenen Ueberzeugung haben und die Fähigkeit, diese zu vertreten: Sachverständige ihres Gebietes, Gewerbetreibende, tüchtige Kaufleute, Bauverständige, Kenner der in den städtischen Betrieben gepflogenen Technik, Rechtskundige, Kenner der Hygiene, Finanzleute, aber nicht minder auch Vertreter der arbeitenden Klassen. Hinzuwahl eines Bauverständigen, der nicht Grundstücksinteressent ist, erscheint unbedingt erforderlich, nicht minder diejenige eines erfahrenen und unabhängigen Juristen.________________y. Amtlicher Wetterbericht. Verlaus der Witterung seit gestern fritb: Beim Vorüber- ziehen der Teiliieis fiel gestern allenthalben Regen, im Gebirge Schnee. Tas Lmuvttief ist nach Nordosten weiter gewandert. Aus seiner Rückseite wird vorübergehend Aufheiterung emtreten und der Regen wird etwas nachlassen. Doch scheint im Westen ein neues Tie' auzurückeu. Welterausfichten in Hessen am Sonntag dem 6. Novbr. 1910: Voiübergehend etwas Auiheiterung, Nachlassen der Niederschläge, südwestliche Winde. Milder. Letzte Nachrichten. Station Wiiopart, o. 9loü. Der Kaiser von Rußland und der deutsche Kaiser sind vormittags 9 Uhr int Kaiserlichen Hoszug nach OrantenDura yir Hofjagd im Forstrevier Oranienburg abgefahren, we Wetter ist schön. .. Brest, 5. Nov. Ein Kreuzer erhielt Anweisung- sofort nach Gvnadeloupe abzufahren, da dort un* ruhen ausgebrochen sind. Prag, 4. Nov. Heute abend fand eine Versammlung fast sämtlicher deutschen Landtagsabg eord ne ten statt. Nach langer Aussprache wurde ein von dem Abgeordneten —5 o 11 eingebrachter Antrag angenommen, welcher besagt: Die Sprachenvorlage erscheint in der vorliegenden Form vollständig unannehmbar, und es ist gar nicht daran zu denken, daß sie als Bestandteil des zu schaffenden Ausgleichswerkes angenommen werden könnte. Die deutschen Mitglieder der nationalpolitischen Kommission werden deshalb beauftragt, sofott energisch die nötigen Schritte zu unternehmen, damit die Sprachenvorlage in der vorliegenden Form beseitigt bezw. an den Referentenausschuß zurückverwiesen wird. Sofia, 4. Nov. Bei der Fottsetzung der Adreßaus-» spräche in der S o B r a n i e sprach sich der Führer der Nationalpartei Geschow gegen die unnützerweise kriegerische Politik gegenüber der Türkei aus und wies auf die ungünstige Lage Mazedoniens hin. Der Führer der Progressisten D a n e w stellte eine korrekte freundschaftliche Haltung Bulgariens gegenüber der Türkei fest und bemerkte, die bulgarischen Elemente in der Türkei müßten sich derselben Lage erfreuen, wie die musel- mämftschen Elemente Bulgariens. Hierzu seien guter Wille und korrekte Beziehungen notwendig. Redner erklärte, et glaube nicht, daß eine türkisch-rumänische Entente in der Form einer Konvention bestehe, doch sei eine Annäherung zwischen beiden Staaten sicher. Bulgarien müsse Rumänien und der Türkei gegenüber eine korrekte Haltung einnehmen. Paris, 5. Nov. Das hier umlaufende Gerücht, der König von Spanien sei ermordet worden, ist nach einer von Madrid eingelaufenen Depesche unrichtig. Mundwasser Friedhofs aus statt. 6126 Gießen (Hammflc. 16), den 4. Nov. 1910. Die Beerdigung findet Montag den 7. Novbr., nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Gott dem Allmächtigen hat eS gefallen, meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Schwiegervater und Großvater Henn Friedrich Hache Schaffner gestern morgen 9 Uhr nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden im Alter von 57 Jahren in die Ewigkeit zu sich zu rufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elise Bachmann Witwe Otto Bachmann Friedrich Bachmann u. Frau nevst Kmd. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Allendorf a. d. Lahn für das Rechnungsjahr 1911 liegt vom 8. ds. Mts. an acht Tage lang auf unterzeichneter Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten offen. Mendorf a. d. Lahn, am 4. November 1910. Gcoßh. Bürgermeisterei Allendors a. d. Lahn. Volk. 6118 Die landwirtschaftlichen HaushaltungSschulen zu Langen und Lindhcim betreffend. Die landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen zu Langen und Lind heim eröffnen am 3. Januar 1911 einen neuen fünfmonatlichen Kursus. Der Zweck und die Aufgaben der Anstalten bestehen in der Heranbildung der Mädchen aus dem Bürger- und Landwirt- schastsstande zu künftigen tüchtigen Hausfrauen durch angemessenen wirtschaftlichen Unterricht und durch praktische Unterweisung in allen in einem einfachen bürgerlichen Haushalte vorkommenden Verrichtungen und Arbeiten. Gegenstände deS Unterrichts sind: Hauswirtschaft, Gemüse- bau, Obstverwertung, Gesundheits- und Ernährungslehre, Krankenpflege, Rechnen, Abfassung von Aufsätzen und Briefen, Buchfi'ibrung soivie weibliche Handarbeiten. Auch ist für gute Lektüre gesorgt und wird Gesang gepflegt. Für Wohnung und Mobiliarbenutzung zahlen: a) Mädchen aus Hessen .... 25 Mk. b) Mädchen von außerhalb Hessen 40 Mk. für den ganzen Kursus. Der Preis für die Verpflegung wird nach den Selbstkosten, beziehungsweise den Preisen der Lebensrnittel berechnet. Weitere Kosten entstehen nicht und ist insbesondere der Unterricht unentgeltlich. Die Anmeldungen, welche bis spätestens Ende Novbr. dS. Fs. erbeten werden, sind bei den Vorsitzenden der OrtS- schulkommiffionen der HauShaltungsschulen, den Herren Bürgermeister Metzger- Langen bezw. Oekonomierat W e st e r n a ch e r - Lindheim einziireichen, welche ebenso wie die Landwittschafts- kammer selbst zu jeder weiteren Aiiskunst gerne bereit find. Wegen Berücksichtigung der nach dem 1. Dezbr. ds. Fs. eingehenden Anmeldungen kann VerbindlichleU nicht über- nommen werden. lieber die Aufnahme entscheidet der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer. Darmstadt, den 31. Oktober 1910. LV hx Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer. H a a S. *§esefiäftS‘ Empfehlung. Meiner werten Kundschaft, sowie den geehrten Damen von Giessen und Umgegend halte mich im Anfertigen von 09,88 = Jtostihnen, Kleidern etc. = unter Garantie für tadellosen Sitz bestens empfohlen und bitte um geneigten Zuspruch. 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Die Gemeinde Oppenrod hat einen abständigen Bullen zu üerfanfen auf schriftliche,n Angebots-Lebendgewicht. Offerten können bis znm 10. November l. I.. vormittags 91/ Uhr, bei uns eingereicht werden, um welche Zeit die Eröffnung stattfindet. Bedingungen können bei Großh. Bürger- meifterei eingesehen werden. Gleichzeitig beabsichtigt die Gemeinde einen jungen, rem» rassigen Simmentaler Bullen zu kaufen. Angebote werden innerhalb 8 Tagen mit Alter und Preis an Großh. Bürgermeisterei erbeten. Oppenrod, den 4. November 1910. Großherzogliche Bürgermeisterei Oppenrod. _______________Balser.__6125 FVucksachen aller Art Lb^ liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Bekanntmachung. Tie auf Flur III/136^i/1000, Hl/i36^/1000 der Gemarkung Bellersheim hastenden Hypotheken zu Gunsten 1) deS Karl Erdmann in Lollar wegen einer Forderung von 1000 Mk. nebst Zinsen und Kosten, 2) des Adolf Kammer von Bellersheim wegen einer Forderung von 4007.45 Mk. nebst Zinsen und Kosten, gegen den Hrch. K. L. Ferd. Nassauer und Ehefrau Lina, geb. Geis, von Bellersheim, sind für erloschen erklärt. Löschung im Hypothekenbuch hat stattgefunden. Hungen, 28. Oktober 1910. Großherzogliches Amtsgericht. B*/lt Amtlicher LeU. WranittmaUMg. Betr.7 Die Anstellung von Kreisstraßenwarten. Bei Bern Kreis Gießen sind 2 Kreisstraßenwartstellen tmf den Sitzen in Gießen und Heuchelheim alsbald neu ju besetzen^ Bewerber wollen ihre Meldungen bei dem Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen bis zum 15. November d. Js. einreichen. Alter und seitherige Beschäftigimg sind unter Beifügung von Zeugnissen anzugeben. Militaranwärter erhalten den Vorzugs Gießen, den 1. November 1910. Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen!.: I. V.: Welcker. Bekanntmachung. Betr.': Bildung einer öffentlichen Wastergenofsenschast in bet Gemarkung Lang-Göns. Zur Neuwahl des Vorstandes und Rechnungslegung wird bte Generalversammlung der Wassergenossenschaft Lang-Göns aus Freitag den 18. November l. Js., vormittags 83/4 Uhr, im Gemeindehaus zu Lang-Göns einberufen, Gießen, den 28. Oktober 1910. Grobherzogliches Kreisamt Gießett. I. V. :Langermann. Bekanntmachnng. Betr.-; Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschast in der Gemarkung Steinbach. . Zur Neuwahl des Vorstandes und Rochnnngslegung wird die Generalversammlung der Wassergenossenschast Lundors auf Donnerstag den 17. November 19.10, nachmittags 2 Uhr, im Gemeindehaus zu Steinbach einberufeft. Gießen, den 28. Oktober 1910. Großherzogliches Krersamt Gtetzen. _____I V: Lanqermann Bekanttniia ch 1111 g. Betr.: Bildüng einer öffentlichen Wassergenossenschast in der Gemarkung Feld heim. Zur Neuwahl des Vorstandes und Rechnungslegung wird bte Generalversammlung der Wassergenossenschast Feldl>eun auf Mittwoch den 16. N ov emb er 1910, vormittags 10 Uhr, auf Estoßh. Bürgermeisterei Utphe einberufen. Gießen, den 28. Oktober 1910. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Langerma n n._____________ KlickWmßchnW. Montag den 7. Nov. 1910, vormittags 10 llbr, versteigere ich in privatem Auftrage auf piefigem Giiterbabnbofe 2 Wagg. Kartoffel» Die Kat löffeln find sofort nach dem Zuschlag zu entladen. 09416 Geißler GerichttwoM'eber gegen Kopfschuppen. \ | gegen Haarausfall I | Javolisiere dein Baary 1 das Beste [ ’ nurmit echten Heitmann.-Farben Schutzmarke: Fuchskopf im Stern Färbe zu Hause II . An! — tQr reisende HOSpiZ.Damen •rang. 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Haendels: Judas Maeeabaus finden jeden Montag abend 8—10 Uhr in d.r neuen »uta der Universität flalt. Reuanmeldungen an den Prodeabenden sowie täglich (mit Ausnahme des Mittwoch, u„nb 2 U^C bei Herrn Prof. G. Trautmaun, Moltkeftr. 6. Sictotflinn Der Prubeit: Msittsg, 31. Wtt 1910 abends 8 Uhr, iu der neuen Aula. bncrftifdic Berdanuna! ttannliche tfrcfchift bei allen D^ren! Vorsicht b. Einkauf! Waffen «ic üd) nichts anveres als eben sogutaufredeu! Eckt nur.wo unfcrdtvcrnidiilbaud bannt! Broichüren veriendet kostenfrei der Allein. «Vabr. M. Brockmann. Eliem. Fabr. m. b. H. Leipzig Eutritzsch 36d. iD8/10 rMrrt^ÜXU0U£l,^e,‘ ÄU vaben bei: Benner & Krumm, Droaen- « W18'- ®b"lf «icl" Stach!.. Sittorm-iBroTrieT Kat r5an",'$roncric' Srankiurier Strafte 39; fiäri Siel Wnri’mblb JSut,erayit‘re1' Dammsiiasje 46; Georg Walleniels' Stewtie? 21 8Caenubet bet Engelapotheke: EmU Kar». Lemrati Uv- Lf Wirkung unübertroffen! 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