Nr. 208 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblStter; zweimal wöchentl.Areis- blott für den Areir Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seilfragen Fernsprech. Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesmimmer bis vormittags 9 Uljr. Bezugspreis: Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 0. September 1910 Gießener Anzeiger ■vJF MM Lhesredakteur:A.Goetz., -—y ■ w jk • SZJr Verantwortlich für den Genera!-Anzeiger für Gberheffen SM Rotaüsnsdnick und Verlag der SrShk'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lxpedttion und Druckerei.- Schuiftrafte 1 @“^=6®‘Än _______ __________________ ‘ ’ u Anzeigenteil: H. Beck. Bekenntnis anhingen, mag hier mir nebenbei erwähnt sein; ebenso wie die Tatsache, daß die Großmutter des Prinzen Ludwig Protestantin war. Es ist und bleibt jedenfalls aufs äußerste bedauerlich, daß die'vielen Beziehungen, die Mischen .Staat und Religion laufen — man denke nur an den Eid — von einem Fürsten wie Prinz Ludwig in dem Fall für außerhalb „echter und wahrer Religion" liegend erklärt werden, wenn es sich um Aeußerungen evangelischer Frömmigkeit handelt. Prinz Ludwig mag bei seiner Rede das von ihm angeschnittene Problem in dieser Schärfe nicht gefaßt haben, die Frage ist dessenungeachtet frei: was die deutschen Katholiken, was vor allem das Zentrum dazu gesagt hätte, wenn ein protestantischer Fürst von dem Range des Prinzen Ludwig, gesetzt den Fall, daß die Weite protestantischer Weltanschauung das zugelassen, in dieser Weise die „wahre und allein echte Religion" nur für die Angehörigen der evangelischen Konfession in Anspruch genommen hätte. Man kann sich den Sturm, der dann getobt haben würde, einigermaßen ausmalen. Wer aber das eine mcht will, muß das andere lassen. Hier das Wort des Kaisers an den Beuroner Abt, daß beide christliche Konfessionen in gleicher Verehrung zum Kreuze Christi auf- schauen, dort das Wort des bayrischen-Thronfolgers, wenn anders es wirklich so gelautet hat: Ich bin überzeugt, daß die katholische Religion die einzig wahre und echte Religion ist — wahrlich, mit dem Schlagwort von der „gemeinsamen christlichen Weltanschauung", gegen das Papst und Bischöfe geeifert, ist's nun ganz vorbei. Selbst ein bayrischer Prinz hat sich Zeit genommen, es noch einmal totzuschlagen. Den Protestanten bleibt nun übrig, auch weiterhin durch Wort und Tat zu beweiesn, daß sie chre Religion für ebenso wahr und echt halten wie Prinz Ludwig die seine, mögen auch Zentrum und Ultramontanismus, denen der konfessionelle Frieden doch ein ewig unfaßbarer Begriff ist, frohlockend und triumphierend ans Werk gehen, um aus dem bayrischen Fürstenwort Münze für ihre besonderen politischen Zwecke zu schlagen. Eine aufsehenerregende Rede des priNM Ludwig von Bayern. Nach Mitteilungen der Tagespresse („Däg" 5. Sept. Nr. 449, ,Leipz. N. Nachr." Nr. 245) hat der bayrische Thron- folaer um die Zeit der Marienburger Rede des Kaisers in dein bekannten Wallfahrtsort Altötting bei Gelegenheit der Grundsteinlegung dar St. Anna-Kirche ein religiöses Bekenntnis abgelegt, das erst jetzt von Zentrumsblättern in der weiteren Oeffentlichkeit verbreitet wird. Aus der Rede werden folgende markante Stellen wiedergegeben: Der Prinz begann: „Ich danke dem lieben Gott, daß ich von katholischen Eltern abstamme und in der katholischen Religion erzogen worden bin ... . Ich bin stets für unsere ka- lholische Religion eingetreten, weil ich überzeugt bin, daß sie die einzig wahre und echte Religion ist.... Diese meine innerste Ueberzeugung habe ich jederzeit kundgetan, nicht um äußere Ehren und Anerkennung zu finden, sondern weil es meine tiefste religiöse Ueberzeugung ist.... Die katholische Religion gestattet ledem Katholiken,, Toleranz gegen Andersgläubige zu üben. Es ist falsch, anzunehmen, daß die Ueber- zeugung Andersgläubiger von uns Katholiken nicht hochgehalten werden dürfe. Desgleichen verlangen auch wir, daß gegen unsere Ueberzeugung Toleranz geübt wird." Daß diese Rede Aufsehen erregt hat und die Zentrumspresse mit Entzücken von ihr Kenntnis nimmt, kann man verstehen. Trotzdem wird man ein endgültiges Urteil bis zum Bekanntwerden des vollständigen Textes verschieben müssen. So wie jetzt ihre markantesten Sätze tauten, wird man mit gutem Recht zweifeln dürfen, ob die Zentrumsblätter dem Prinzen einen guten Dienst erwiesen, als sie die vielleicht nur für einen engen Kreis bestimmte und auf ein besonderes Milieu zugeschnittene Rede in die öffentliche Debatte warfen. Es ist nun aber geschehen, und man wird darum auch nicht mehr an der Rede vorbeikommen, ohne zu ihr Stellung zp nehmen. Es wird das um so weniger möglich fein, als hier ein Prinz gesprochen hat, der zur Thronfolge in einem keineswegs rein katholischen Land bestimmt ist. Als König oder Regent von Bayern wird Prinz Ludwig, abgesehen von den Tausenden Nichtchristen, auch über mehr denn zwei und eine halbe Million Protestanten, nicht die schlechtesten Staatsbürger, herrschen, er wird an der Spitze eines paritätischen Staates stehen und wird zur evangelischen Landeskirche in ein gesetzmäßig begründetes, staatrechtliches Bertrauensverhältnis treten. Das darf gewiß, alles nicht hindern, daß er sich zugleich als ein treuer Sohn der katholischen Kirche, der er sein will, fühlt und dem Ausdruck gibt; das ist sein gutes Recht, und kein religiös empfindender Mensch wird etwas dawider haben, wenn er davon Gebrauch macht. Aber wenn das in so scharfen Wendungen geschieht, wie die von der „einzig und wahren und echten Religion" eine ist, dann läßt es sich nicht vermeiden, daß sich in dem starken Drittel seines späteren Volks, das nicht biejer „einzig wahren und echten Religion" angehört, ein überaus bitteres Gefühl regt. Vdtt der Betonung der „Toleranz", die auch das katholische Bekenntnis nicht hindere, wird da nichts gut gemacht, selbst wenn darin ein leiser zarter Wink an Roms Adresse gesehen werden könnte. Auch dem übrigen prote- - stantrschen Deutschland samt Den evangelischen Bund es fürsten kann es nicht gleichgültig sein, wenn so prononziert katholische Töne von einer solchen Stelle angeschlagen werden, so kurze Zeit nach den massiven Beleidigungen, die der Papst in seiner Borromäusenzykiika gegen eben diese Nachkommen der Reformation geschleudert hat. Daß die Vorfahren der heute in Bayern regierenden Wittelsbacher gleichfalls zu den „verkommenen" Fürsten gehört haben, die dem evangelischen Line neue Raiserrede. Stolp, 5. .Sept. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute nachmittag 1V2 Uhr hier eingetroffen und begaben sich unter stürmischem Jubel der Bevölkerung zum Stephansplatz, wo das Kais er-Wilh elm-Den km al feierlich enthüllt wurde. Der Kaiser hielt bann im Rathau.se bei der Entgegennahme des Ehrentrunkes folgende Rede: ,^Jch bitte Sie, im Namen Jhrex Majestät der Kaiserin und in meinem Namen den herAichsten und tiefgefühltesten Dank für den begeisterten Empfang an die Bürgerschaft der Stadt Stolp zu übermitteln. Wir sind mit Freuden der Einladung ber Stadt gefolgt, um auch diesen Landesteil zu besuchen, dessen Treue erprobt ist während seiner Zugehörigkeit zu unserem Hause, besonders aud) durch die Waffendienste seiner Kinder. Ich bin um so lieber gekommen, als die Stadt Stolp sich den Tag unseres Besuches dazu ausgesucht hat, um das meinem seligen Großvater gesetzte Denkmal zu enthüllen. Die Stadt hat damit einen Beweis patriotischen Fühlens gegeben, welcher der Bürgerschaft in jeder Beziehung Ehre macht. Die lange Geschichte, die die Stadt Stolp hinter sich hat, teilweise voller schwerer. Prüfungen, beweist, daß die Bürgerschaft niemals in ihrer Treue zu unserem Hause gewankt hat, von dem Zettpunkte an, wo sie unter die Herrschaft der Hohenzollern gekommen ist. Daß die Stadt tm Laufe der letzten Jahrzehnte sich so schön hat entwickeln können, ist von Ihnen zutreffend dem langandauernden Frieden zugeschrieben worden. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß die Stadt auch fernerhin in Ruhe unb Frieden sich ihrer Entwicklung widmen kann. Soweit mir ein kurzer Ueberblick hat zeigen können, habe ich mich überzeugt, daß auch bei Ihnen die Traditionen; der Vorfahren hochgehalten werden. Ich freue mich, Ihnen zum Bau des Rathauses Glück wünschen zu können, in welchem ich nunmehr auf das Wohl, die Zukunft und die weitere Entwicklung der Stadt diesen Pokal leere. Rücktritt 3$wol$ti$?- Berlin, 5. Sept. Die „Tägl. Rundschau" berichtete Wie uns aus Petersburg von besonderer, stets gut unter* ridjteter Seite gedrahtet wird, steht es nunmehr fest, daß der Zar in die Entlassung Iswolskis als Leiter der auswärtigen Politik Rußlands g e wi ll ig t hat. Iswolski wird als Botschafter nach Paris gesandt werden. An seine Stelle tritt Unterstaatssekretär Sassunow, der früher Gesandter beim Vatikan und Botschaftsrat in London war. Die von der Presse wie seit Jahren so auch in diesem Sommer verbreitete Nachricht, daß Graf Osten-Sacken von seinem Berliner Botschafterposten zurücktreten werde, wird von der russischen Regierung als „zurzeit nicht zutreffend" bezeichnet. Deutsches Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Aus Kronberg sind Ge-, ttichte in die Presse gelangt, nach denen ein Besuch des' Kaisers auf Schloß Friedrichshof bevor stehen soll' Hinzugefügt wurde, daß dort eine Begegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Zaren oder vielleicht auch mit dem König von England erfolgen könnte; nach früheren Meldungen sei für eine deutsch-russische Monarchenbegegnung Wiesbaden in Aussicht genommen. Wir möchten feststellen, daß alle diese Angaben müßige Kombinationen sind. Richtig ist, daß bei seiner Ankunft auf deutschem Boden der Zar ein herzliches Telegramm an dertz Kaiser Wilhelm richtete, das ebenso herzlich erwidert wurde. 1 Nach einem Kieler Blatte verbreitete daS Herold-Bureau, daß der Kaiser das Abschiedsgesuch des Generalobersten Freiherrn von der Goltz genehmigt habe und daß der General als Generalinstrukteur der türkischen Armee nach Konstantinopel gehe. Nach dem „Berliner Tageblatt" ist beides falsch. Richtig sei nur, daß dem General ein 45 tägiger Urlaub zur Teilnahme an! den türkischen Manovem bewilligt wurde. — Das „Militärwochenblatt" meldet: Generaloberst von der Goltz ist für die Zeit vom 6. September bis 11. September zur Vertretung des erkrankten Chefs des Generalstabs der Armee kommandiert. Der „Reichsanzeiger" gibt die Entlassung des Unter* i ftaatssekretärs int Ministerium der öffentlichen Arbeiten Fleck unter Verleihung der Brillanten zum Roten Adlervrden erster Klasse mit Eichenlaub bekannt. Ministerialdirektor Stieger ist zum Unterstaatssekretär, der Präsident der Eisenbahndirektion: Berlin Behrendt zum Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat und Ministerialdirektor im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, der Vorttagende Rat in demselben Ministerium Rüdlin zum Präsidenten der Eisenbahndirektion Berlin ernannt. Staatsminister a. D. Ho brecht in Groß-Lichterfelde, ber frühere Oberbürgermeister Berlins, begeht am Attttwoch seine diamantene Hochzeit. In Dresden ist Lord Roberts mit Gefolge ein- getr offen. Am Bahnhof waren der englische Ministerresident Grant Duff, sowie der englische Konsul anwesend. Lord Roberts nahm: bei dem englischen Ministerrefidenten Wohnung, während das Gefolge im Hotel Bellevue abstieg. Die Königin von Schweden ist am Montag nach-, mittag in Konstanz eingetroffen und hat sich alsbald zuml Besuch ihrer Mutter, ber Großherzogin Luise, nach Schloß Mainaü begeben. ........■■■" . ■■ «III! .. ■_! I — ! ■■■■._ , > AuslanS. In Paris wurde unter dem Vorsitze des Ministers der) öffentlichen Mrbeiten, Millerand, die zweiteinternational ej Konferenz der Techniker der Telephonverwaltungen eröffnet; es sind 22 Staaten vertreten. Die Deutschen in Reims M6. Der Vormarsch der deutschen Truppen auf Paris hatte begonnen. Das eben erst aus der Heimat eingetroffene 6. Korps unter General von Tümpling bildete im Verein mit der 5. und 6. Kavallerie-Division gleichsam die Spitze der 3. und 4. Armee. Der Marsch ging durch die Champagne in der Richtung Rethel-Reims, wo die Ansammlung größerer französischer Streitkräfte auf Grund verschiedener Meldungen vermutet wurde. Doch stellte sich diese Annahme als falsch heraus; geordnete Truppenmassen wurden nirgerrds an getroffen, wohl aber traten überall die Franktireurbanden mit großer Verwegenheit auf unb zeigten sich bie Bewohner ber Champagne allenthalben höchst widerwillig unb aufsässig. Anbererseits wieber legten sie eine gewisse Scheu und Angst vor den Deutschen an denj Tag, weil ihnen eingerebet worben war, biese barbarischen Horden ständen mit den afrikanisck)en Hilfstruppen der Franzosen auf gleicher Stufe und wären tückisch und grausam; besonders auf bie kleinen Kinder hätten sie es abgesehen, benen sie stets mit Wollust bie Köpfe ab schnitt en! Daher fanben bie preußischen Reiter, bie am 4. September, ohne auf Wiberstanb zu stoßen, in bie alte französische Krö- nungsstabt eindrangen/oen Ort fast menschenleer und ohne Verkehr: Die Läden und Cafehäuser waren geschlossen unb bie Bewohner hatten sich entweder nach Paris ober sonstwohin geflüchtet ober hielten sich in ihren Häusern versteckt. Die Stabt selbst würbe stark mit Truppen belegt, der größere Teil des deutschen Korps aber in den Vorstädten und Nachbarorten, untergebracht. Schon als die Besatzung am 4. unb 5. September mit Musik eingerückt lvar/ hatten Neugier unb Leichtlebigkeit einen Teil ber Bevölkerung aus ihren Verstecken hervorgelockt. Als aber am Nachmittage bes 5. September das beutsche Haupt- quartier eintraf, ba hatte sich die Zahl Derer, die ihre Ueberwinder, wenn auch mit Gefühlen ber Feinbschäft und bes Hasses, aus ber Nähe betrachten wollten, ganz beträchtlich vermehrt. König Wilhelm nahm in dem Paläste des Erzbischofs Wohnung, Der neben Der Kathebrale Notre-Dame liegt. Bald nach seiner Ankunft hielt er auf bem Hofe des Palastes eine Ansprache an bie versammelten Offiziere, in welcher er in großen Zügen ben bisherigen Verlauf bes Kampfes schilderte und einen Blick in bie Zukunft warf, bazwischen überall hulbvolle Worte ber Anerkennung unb bes Dankes ben Truppen unb ihren Führern spendend. In bessen entwickelte sich in ben Straßen ein immer bunteres unb bewegteres Leben: bie in der Stadt einquartierten Truppen benutzten ihre freie Zeit, um sich bie verschiebenen Sehens- mürbigteiten des alten Reims zu betrachten, und auch die außerhalb liegenden Truppenteile bekamen, sowett es ber Dienst zuließ, Urlaub in bie Stadt, so daß bald tausende unb ab erlauf enbe beutsche Soldaten alle jene Stätten durchwanderten und anstaunten, an denen einst bie französischen Könige gesalbt worden waren, die Jungfrau von Orleans geweilt hatte usw. Unb als abenbs gar ein großer Zapfenstreich ftattfanb unb bie Musikkapellen an verschiedenen Plätzen ihre lustigen Weisen ertönen liegen, ba kamen auch bie letzten Zaghaften aus ihren Verstecken hervor; jung und alt, Männlein unb Weiblein, mischten sich unter bie beutsche Solbctteska, unb bald konnte man auf schnell improvisierten Tänzplätzen bie flinken, leichtblütige.. Französinnen sich mit ben „grausamen Barbaren" lustig im Tanze drehen sehen, während andere in dichten Scharen Die Wohnungen der deutschen Heerführer umlagerten, um bie Besieger ber glorreichen französischen Heere einmal von Angesicht zu Arv- gesicht zu sehen. Auf Stunden war alle Feindschaft vergessen und beisettegelegt, bis des Dienstes immer gleichgestellte Uhr bie .Soldaten in chre Quartiere rief unb ber nächste Tag ben blutigen Emst ber Zeit wieber grausam vor Augen führte. — Die Frauen und die Wissenschaft. In ber von Gabriele v. Lieber, Meta Haurmerschlag und Hanns Dorn herausgegebenen Monatsschrift „Frauen-Zukunst" (Frauen-Verlag München und Leipzig) schreibt Hanns Dorn u a. folgendes: Drei Typen kann man deutlich unterscheiden unter den wissenschaftlichen Frauen der Gegenwart. Die „Doktorandin": Spezialistin irgend eines Teilgebietes, Kleinarbeiterin in ein paar Einzelfragen. Sie hat eine gute Schule Durchgemacht, sie beherrscht Die Methode, sie ist fleißig und gründlich und schwört auf des Meisters Worte; aber sie steht immer nur einen Teil und nie Das Ganze, und sie hat selten einen eigenen neuen Gedanken. Ihr ganzes Leben lang schreibt sie Dissertationen. Das Gros der?' akademischen Frauen unserer Tage ist von diesem Typ. Wenn bi« Doktorandin ihr Genie entdeckt hat, bann verläßt sie das engej Gebiet ber Spezialforschung. Ihr Drang zum UniversalismuÄ erwacht, sie unternimmt den großen Wurf. Sie schreibt einet Jdeengeschichte, aber sie bleibt nach einer mutigen Einleitung mübcj am Wege liegen. Ein Rennpferd, das mit Bravour einsetzt^ aber bas Tempo nicht durchhält. Am Anfang „Genie" und amfl Ende Kompilatorin. Sie sieht das Ganze und will das Ganze,s und sie merkt selber kaum, wie ihre weltumspannenden Gedanken- nur von Größeren geborgt sind. Von ganz anderem Schlage ist Der dritte Typ: „Die naive Forscherin" möchte ich sie nennenj Sie hat wenig oder gar nichts gelernt, sie hat keine Schulung, unb weiß nichts von Methode: sie ist ungeübt in jeder Kritiy unb sie kennt feine Quellen und Fundorte. Sie arbeitet mit unvollständigem Material. Nur was der Zufall ihr unter die Händei führt, findet Beachtung. Aber sie wagt sich mit Dem dürftigsten.' Rüstzeug an die letzten Fragen. Sie schreibt „sozialhistorische" Aufsätze, macht „psychologische" und „philosophische" Untersuchun-^ gen unb hat nie ein Elementarbuch dieser Disziplinen zu Endck gelesen. Einen Gebankenkomplex, zu dem ein normaler Mamy zwei dicke Bände braucht, bewältigt sie in einer flotten Broschüre. Sie empfängt die Kinder ihres Geistes in Wahrheit unbeflecktes Empfängnis. Die meisten Führerinnen der Frauenbewegung, soweit sie auch die Feder führen, gehören in diese Gruppe. Stt wissen das Endergebnis ihrer Arbeit schon ehe sie am Anfang stehen. Sie akzeptieren Material, das ihre Hoffnungen bestätigt,! mit unschuldsvollem Kinderglauben. Tatsachen aber. Die Demi Lauf ihrer Gedanken störend in den Weg kommen, lehnen sie ab> mit der stillen Gebärde des Ueberlegenat, ober mit dem Fanatis-^ mus des beleidigten Idealisten. Aber sie haben keine Ahnung, von der FunbanteMlosigkett ihrer Arbeit. Wenn du ihnen klar machen willst, daß sie aus der Wissenschaft ein unehrlick)es Gewerbe machen, werden sie brr ungläubig lächeln. Sie sind stolz, daraus, daß sie von keiner Trabition belastet unb daß sie frei sind," von dem Alexandrinertum männlicher Kleinkrämer. — Eine keltische Kunstausstellung. Zu dem nationalen Eisteddfod, das am 13. September in Colwyn Bay eröffnet wird, ist diesmal auch eine keltische Kunstausstellung vorbereitet worden, au der außer privaten Sammlern auch Das? South Kensington-Museum in London und das Walliser Nationalmuseum in Cardiff wertvolle Kunstgegenstättde beigesteuert haben. Die Kelten haben zwar keine sehr reiche Kunst hervorgebracht, aber' sie haben doch in einzelnen Künstlern wie Richard Wilson eine?, eigenartige künstlerische Begabung bewiesen und Werke voll! zarter Empsiridung hervorgebracht. Ter französische Minister Pichon erklärte einem Berichterstatter des „Echo de Paris" über feine Unter: ebung mit Daiki Pascha in der Anleihe frage, daß die französische Regierung sich nur von den allgemeinen Interessen Frankreichs leiten lasse und die Zulassung zur Notierung an her Pariser Börse nur dann gewähren könne, wenn die Bürgschaften auf einer soliden Grundlage beruhen, sowie das Vertrauen der französischen Sparer rechtfertigen. Tie Verhandlungen darüber dauerten fort. Das Gerücht, ich hätte beim Großwesir darauf bestanden, daß die Anleihe von der Ottomanischen Bank durchgeführt werde, ist durchaus unzutreffend. Ter spanische Ministerpräsident Caualefas gibt bekannt, daß die Nachrichten aus Barcelona günstiger lauten. Vormittags zogen Gruppen von Frauen durch die Stadt, doch wurde die Ruhe nicht gestört. Die Stadt hat zwar ihr gewöhnliches Aussehen, doch herrscht eine getoiffe Beunruhigung. Die meisten Arbeiter kennen gar nicht die Ursack>en des Streiks und leisten dem Ruf zum Streik, wie es scheint, nur aus Furcht Folge. Cana- lcjas ist der Ansicht, daß es sich um eine politische Bewegung handele, der die Republikaner fernstehen. Das Komitee für Arbeitersolidarität in Barcelona kündigte durch Anschlag für Dienstag den Generalstreik zum Zeichen der Solidarität mit den Ausständigen in Bilbao. Durch diese unerwartete Maßnahme scheinen die .Arbeiter selbst überrascht zu sein. Die kretischen Schutzmächte tatcu^ neue Schritte bei der Pforte, damit diese die Sage durch neue Forderungen in der Frage der Anerkennung der Wahlen der kretischen Abgeordneten zur griechischen Nationalversammlung nicht schwieriger gestalte. Von Jerisewitz ist eine weitere türkische S ch nell - feuerbatterie an die griechische Grenze abgegangen. Bei Maria erfolgte ein Zusammenstoß mit bewaffneten Griechen, von denen drei erschossen wurden, während die übrigen flüchteten. Auf türkischer Sette wurde ein Soldat getötet und zwei Mann verwundet. Auf dem Kongreß zur Erhaltung der Naturschätze in S t. Paul lobte Präsident Tast die Bestrebungen Roosevelts zur Erhaltung der natürlichen Hilfsquellen' und gab seiner Freude Ausdruck, eine solche Politik übernommen zu haben und zu ihrer Verwirklichung beitragen, zu können. Andererseits bedauerte Taft, indem er deutlich auf den Nationalismus als die neue Idee, welche Roosevelt zu der scinigen macht, spielte, die Zunahme des Bestrebens für alles und jedes auf die Bundesregierung zu rechnen. Die einzige sichere Politik fei, sich in den Grenzen der Verfassung zu halten und die Befugnisse der Einzel st aaten zu achten. Wie der „Newyork Herald" aus Washington meldet, hat das Kriegsdepartement Pläne zur Befestigung des Panamakanals ausgearbeitet, die über 14 Millionen Dollars beanspruchen wird und eine möglichst baldige Inangriffnahme der Befestigung anregl. Wie Reuter meldet, frühen täglich Verhandlungen zwischen der chinesischen Regierung und den Vizekönigen statt, in denen die Wiedereinsetzung duanshikais erörtert wird. Die Palastintrignen üben offenbar einen mächtigen Einfluß aus. Die Aussichten Puanshikais Dertingern sich infolge der Obstruktion von feiten der Kaiserin-Witwe, welche die sich durch die augenblickliche Sage bietende Gelegenheit erfaßt hat und sich bemüht, wieder in den Besitz der Macht zu kommen. Es herrscht die Ansicht, daß dieser Versuch, der wahrscheinlich die letzte Anstrengung ist, die reaktionäre Regierung unter der Leitung der Frau wiederherzustellen, nicht gelingen wird. 21ms Stabt und Land. Gießen, 6. Sept. 1910. — Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Kaufmann Adolf Sternitzki in St. Petersburg das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Ernannt wurden die Regierungsbauführer Oskar Christ aus Mainz, Aug. Nau aus Reinheim, Fritz Nod- nagel aus Darmstadt, Adolf Schaumberg au§ Homberg a. d. Ohm und Karl Storck aus Darmstadt zu Regierungsbaumeistern. ** Erledigte Sehr erstell en: Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende 2. Sehrerstelle an der Gemeindeschule zu MoSbach; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ober-Klingen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Nosenberg steht das Präsentationsrecht zu; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Sehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hausen a. B. (Kreis Friedberg). Mit der Stelle ist Organisten- sund Sektordienst verbunden. Dem Fürsten zu Solms-Sich steht das Präsen- tationSrecht zu. * * Der Parteivorstand der christlich- sozialen Partei gibt das Programm für den vom 11.—13. September in Siegen statt sind enden 14. Parteitag bekannt. Danach finket am Sonntag nachmittag eine allgemeine Eröffnungsversammlung statt. In dieser Versammlung werden verschiedene Redner, darunter die Reichslagsabgeordneten Dr. Burckhardt (Godesberg) und Franz Lehrens (Essen) über: „Unser Programm" sprechen. Am gleichen Tage findet abends eine Begrüßungsversamm- 'hing statt. A m Montag vormittag nehmen die Verhandlungen des Parteitages ihren Anfang. Abgesehen von der Beratung und Beschlußfassung über eine neue Satzung der christlich-sozialen Partei gewinnt der diesjährige Parteitag dadurch an Interesse, daß man sich bei der diesjährigen Tagung über ein neues Parteiprogramm schlüssig werden wird. Der Reichstagskandidat für den Wahlkreis Sieaen-i Wittgenstein-Biedenkopf, Generalsekretär Lizentiat Reinhard Mumm (Berlin), wird über diesen Punkt Bericht erstatten. Am Dienstag abend geht die Tagung zu Ende. • • Billiges Futter. Die Grummetgras-Versteigerung der städtischen Wiesen hat einen Gesamterlös von nur 4 2 28 Mk. 60 Pfg. gegen 10 647 Mk. 09 Pfg. im Vorjahre erbracht. * • Von den Wandernden. In der Herberge zur Heimat kehrten im August ein 1049 Gäste (gegen 1355 im August 1909). Davon nahmen SogiS an gegen Arbeitsleistung 489 (676), gegen Bezahlung 566 (679). — Offene Stellen waren angemelüet 163, darunter für Handwerker 52, für Arbeiter 113. Besetzt wurden im Ganzen 82 Stellen, mit Handwerkern 22, mit Arbeitern 60. Der Rest der nicht besetzten Stellen erledigte sich durch Zurücknahme (63 Fälle) oder durch Fristablauf. **Die Maul- und Klauenseuche ist ausge- brochcn in Erlau, Bezirk Rochlitz im Königreich Sachsen, am 2. September, und in Baer walde, Kreis Neustettin, Regierungsbezirk Köslin, am 3. September. — Alsfeld, 5. Sept. Im Kreise Alsfeld wurde die Tuberkulose-Ausstellung wie folgt besucht: Romrod von 800, Kirtorf von 650, Homberg a. d. O. und Nieder-Ohmen von je 1000 Personen. Insgesamt fanden 22 Vorträge statt. Die Ausstellung wandert dem- nächst in die Kreise Friedberg und Gießen. □ Helgi) auf en, 5. Sept. Bürgermeister Dickert ist nach etwa 30jähriger Amtszeit im Alter von fast 80 Jahren gestorben. Er war 25 Jahre Ortsoberhaupt der beiden Orte Uetzhausen und Nieder-Stoll, und als sich Nieder-Stoll als eigene Bürgermeisterei vor etwa 5 Jahren abtrennte, wurde er hier zum dritten Male wiedergewählt. △ Ortenberg, 5. Sept. Der bekannte Crtenberger „kalte Markt" ist auf den 3. November festgesetzt. A Hcrbstein, 5. Sept. Sparkasserechner Waitz, eine nn oberen Vogelsberg weit bekannte und beliebte Persönlichkeit, wurde unter sehr starker Beteiligung aus der gesamten Umgegend beerdigt. Er hat die Bezirkssparkasse 33 Jahre verwaltet. A Schlitz, 5. Sept. Eine Versammlung der Bürgermeister des Schlitzerlandes, die gestern nachmittag hier stattsand, beschäftigte sich mit der Beteiligung des Schlitzerlandes an der landwirtschaftlichen Kreisschau des Kreises Lauterbach. Es wurde auch beschloßen, sich an dem Festzug zu beteiligen. — Nidda, 4. Sept. Das Bismarck-Denkmal auf der .Beunde" ist nahezu vollendet und weithin sichtbar. — Von der oberen Nidda, 5. Sept. Die Mäuse - plage hat einen solchen Höhepunkt erreicht, daß man kaum über einen Acker gehen kann, ohne auf eine Maus zu treten. An den Kartoffeln richten die Tiere empfindlichen Schaden an. Auch die sogen. Scharmäuse fressen an schon starken Bäumen die Wurzeln ab, daß sie absterben. Es ist dringend nötig, daß von Obrigkeitswegen zur Vertilgung der Mäuse gezwungen wird, sonst ist die Winteraussaat und der junge Klee verloren. — Butzbach, 5. Sept. Der Verbandstag der gemeinnützigen Bau vereine im Großherzogtum Hessen findet am (Sonntag dem 18. September im „Taunushotel" hier statt. In der Tagesordnung sprechen: Bürgermeister Treber-Rüsselsheim (Wie können die Bauvereine ihre Entwicklung günstig beeinflußen ?) und Amtsrichter Müller-Vilbel (Das Neichsgesetz über die Sicherung der Bauforderungen und die Baugenossenschaften). Nach der Tagung findet ein gemeinschaftliches Essen statt. Im Versammlungslokal werden gleichzeitig Baupläne und Modelle zu Häusern mit kleinen Wohnungen zur Ausstellung gelangen. Bad-Nauheim, 5. Sept. Die Abgeordneten-Ver- sammlung des Deutschen Architekten- und Ingenieur-Verbandes besuchte gestern mit ihren Damen Bcrd-Nauheim. Sie wurden von der Kurverwaltung zum Diner eingeladen. Hierauf besichtigten sie unter Lettung der einzelnen Ressortchefs die Mafchinenzentrale, die Salinen sowie sämtliche technischen Neueinrichtungen. r. Münzenberg, 5. Sept. Der Zar, der Großherzog, sowie die Sicher Herrschaften nebst Gefolge nahmen nach der Besichtigung der Burg in der Gartenwirtschaft H. Klein den Kaffee ein. Bei dieser Gelegenheit ivurde es dem Photographen August Konrad in Hungen gestattet, eine Ausnahme der gesamten Kaffeegesellschaft zu machen. □ Ehringshausen, 5. Sept. Unser Bahnhofsumbau ist jetzt nahezu vollendet; das neue Bahnhofsgebäude ist dieser Tage dem Verkehr übergeben worden. Das alte Gebäude ist abgebrochen. Oberursel i. T., 5. Sept. (Priv.-sTelegr.) Heute vormittag 11 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte, Präsident der Sandwirtschaftskammer Barttnann-Südicke-Franksurt a. M., in der „Rose" die 89. Generalversammlung des Vereins in Anwesenheit von 225 Delegierten, zahlreicher Gäste und der staatlichen und städtischen Behörden, unter denen sich Regierungspräsident v. Meister, Landrat Ritter v. Marx u. a. befanden. Nach der Verlesung des Rechenschafts-t berichts kam der Vorsitzende auf die Fleischnot zu sprechen und sagte: Fleischnot existiert nicht, sondern nur eine Fleischteuerung, die durch die Anforderungen der Haus-, freuten mit verursacht ist, weiter durch die hygienischen Maßnahmen und durch die Unkosten bei der Schlachtung. Der Grenzschutz muß bleiben, schon wegen der Seuchen-, gefahr. Daß das Fleisch billiger wird durch Oefsnen der Grenzen, ist nicht der Fall. Das Fleisch im Auslande ist ebenso teuer wie im Inland. wandern und Reisen. — Roths illustrierter Führer Nr. 2. Gießen und das Sahnt al von der Sahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitentälern in ihren unteren und mittleren Stufen. 4. Ausl., bearbeitet von Heinrich Suerssen. Mit etwa 100 Illustrationen und 6 Plänen, 4 Kärtchen und einer großen Uebersichtskarte. Verlag von Emil Roth in Gießen. — Der gediegene Roth'sche Führer durch das Sahntal, der nun schon in vierter Auflage vorliegt, ist gegen die früheren Auflagen wesentlich ergänzt und erweitert worden. Neue Wanderungen sind auf genommen und die alten durchgesehen und, wo es notwendig war, berichtigt worden. Die alten Vorzüge des Luerssen'sckien Führers sind geblieben, nämlich die praktische Einteilung des Buches und die übersichtliche Anordnung des Stoffes, die das Wairdern sehr erleichtert und zu einem wirklichen Genuß macht. Tas Buch soll dem praktischen Gebrauch des Toutisierr dienen und hält sich aus diesem Grund in glücklichster Weise davon fern, eine trockene Geschichtschronik der zum Lahntal gehörigen Landschaften, Burgen ufiu. zu werden. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Geschichte ganz aus dem Buche ausgeschaltet werde. Sie ist gerade soviel erwähnt, wie zum rechten Verständnis der Gegend notwendig ist. Die Markierungsarbeit unserer Toutistenvereine ist in hervorragendem Maße berücksichtigt, so daß sie auch dem Nichteinheimischen richtig nu'jbac gemacht ist. Die beigegebenen Karten zeichnen sich durchweg durch große Deutlichkeit aus und auch die zahlreichen in den Text eingeftreuten Illustrationen sind sauber und deutlich, wozu die hinsichtlich der Farbe mit dem Text übereinstimmende Druckart wesentlich beiträgt. Der Führer läßt die noch lange nicht genug gewürdigten Schönheiten des Lahntales im günstigsten Sichte erscheinen und wird ihm sicher viele neue Freunde werben. üeberschwemmungen. Karansebes (Komilctt Krasso-Szoereny), 3. Sept. Der ^emesfluß hat heute infolge 48 stündigen RegenS den Damm durchbrochen und einen großen Teil der Stadt unter Wasser gesetzt. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt. Der Schaden ist groß. Man befürchtet, daß Menschenleben den Fluten zum Opfer gefallen sind. Auck) aus anderen Teilen des Komitats wird großer Wasserschaden gemeldet. Gifenbabnbäntme wurden mehrfach beschädigt, weswegeN-der Bahnverkehr eingestellt ist. O r s o v a , 5. Sept. Infolge des anhaltenden Regens überschwemmte der O s e r n a b a ch das Eseratal und überflutete die Bahnkolonie mit allen Häusern. Die Landstraße wurde völlig weggeschwemmt, so daß der Verkehr unterbrochen ift Im Eseratal sind fünf Häuser eingestürzt. Die Bahnbrücke bei I a b l a n i c z a ist gleichfalls weggeschwemmt. Der B a h n v e r- ke hr i ft unterbrochen. Auch in anderen Orten richtete das Hochwasser großen Schaden an. Nähere Mitteilungen fehlen ledoch, da der Verkehr vollständig unterbrochen ist. Bukarest, 5. Sept. Infolge Wolkenbruches ist die Eisen- bahnsttecke Tumu-Severin-Vercioreva beschädigt. Die Ausbesserungsarbeiten werden eine Woche erfordern. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 6. Sept. Heu- und Stroh markt. Angelahren waren 5 Wagen Heu und 3 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,00—3,40 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 2,50 bis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,00-0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft langsam. Die Zusuhren waren aus Oberhessen, dem Kreise Dieburg unb dem Ilntertaunuskreis. Briefkasten Ser BeSaktion. (Anonhme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Z. Auch in Dienstwohnungen kann einqimrtiert werden. Meher-Fürstcr. Grünewald bei Berlin, Beymestraße 7. Amtlicher Wetterbericht. Verlauf der Witterung seit gestern früh: Die nach Südost- ellropa abziehende Zyklone hat auch gestern und in der Nacht noch Regenfälle gebracht; doch hab'en bei von Westen vordringendem hohem Druck die Niederschläge wesentlich an Starke abgenömmen. Die Temperaturen sind anhaltend herbstlich 2-3 Grad unter dem Mittel. Die Jslandzyklone hat sich wieder aufgelöst, so daß jetzt hoher Triick Einfluß geiuinnt. Wetteraussichten m Hessen am Mittwoch dem 7. Sept. 1910: Wolkig und nebelig, trocken, kühl. Ruhiges trockenes Herbstwetter m Aussicht. Gklgtnal'DrahttticlVungen« 51. Allgemeiner deutscher Genoffeuschaststag. (Telegraphischer Bericht.) Rb. B a d-iNauheim, 6. Sept. Der 51. allgemeine deutsche Genossenschaststag wurde, heute früh 9 Uhr im Konzertsaal des Kurhauses eröffnet Etwa 1000 Teilnehmer, darunter sehr viele Frauen, hatten sich zu der feierlichen Eröffnung eingefunden. Justizrat Dr. Alberti (Wiesbaden) eröffnete die Tagung und wies in seiner Rede darauf hin, daß die Beteiligung, obschon der Genossenschaststag nun schon zum drittenmal im Westen abgehalten werde, eher stärker als schwächer geworden sei. Unter den zahlreichen Abordnungen befanden sich Vertreter der Reichsbank, der Dresdener Bank, der Handelskammern und der Behörden. Tie hessische Regierung war vertteten durch Geheimrat Best, Kreisrat Schlrephake und Landesökonomierat Müller. Geheimrat Best begrüßte im Namen der hessischen Regierung und der übrigen Gäste die Versammlung und wies darauf hin, daß in Hessen die Genossenschaften nach Schulze-Delitzsch die erste Stelle einnehmen. Da die Form des Erwerbslebens immer verwickelter würde, seren die Ge-, nossenschaften nachdrücklich zu fördern. Regierungsassessor Römheld (Berlin) begrüßte die Versammlung im Namen des preußischen Mnisteriums, Bürgermeister Dr. Kayser im Namen der Stadt Bad-(Nauheim. Außerdem sprachen noch der kaiserliche Direktor Belin g (Frankfurt), Gustav Richter (Wien) als Vertteter der österreichischen Handelsund Gewerbekammern. Die Tagesordnung wurde von Pros. Dr. C r ü g e r mit der Bekanntgabe des Jahresberichtes eröffnet. Danach gehören gegenwärtig 23 309 Genossenschaften zu dem allgemeinen Verband deutscher Erwerbs- und Wirtschafts- genossenschaften, deren geschäftliche Leistungen sich auf 20 Milliarden Mark beziffern. Um 1 Uhr ging die Sitzung zu Ende. -m. Friedberg, 6. Sept. (Privattelegramm.) Heute früh um 6 Uhr erschoß sich hier der Salinenwärter Georg Becker, der den Zaren kürzlich nach der Saline begleitet hat. Becker hatte wegen seines Lebenswandels eine Verwarnung erhalten, tvas er als Kündigung auffaßte. Wien, 5. Sept. In der ganzen Bukowina ist, tote die „Neue Freie Presse" aus Czernowitz meldet, die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Abhaltung aller Vieh- inarfte ist untersagt und die Vieheinfuhr nach Czernowitz verboten. Es herrscht großer F1 eischm a ng e l. London, 6. Sept. Dem Handelsamte sind zur lieber^ Mittelung an einen Polizeibeantten unö^wei Bootsleuten aus Leith goldene Uhren zugegangen, die der deutsche Kaiser in Anerkennung ihrer beim Kentern eines dem Schoner' „Heinrich" aus Geestemünde gehörigen Bootes am 1. Januar 1910 geleisteten Dienste für sie bestimmt hat. Mittwoch den 7. September b. Js., nachm. 2 llbr, werden in dem Bieterschen Saale Möbel aller Arten, 1 Pserd, 3 Kastenwagen, 1 Grammophon, 1 Nähmaschine, 1 Trückkarrcn, Schuh- u. Sattlerwaren, 1 Kaffenschrank, 1 Pianino, Wirtstische u. -Stühle, 1 vierräd. Handwagen, 1 Partie Werkholz u. a. m. versteigert. 4804 Die Versteigerung des Drück- karrens sindet bestimmt statt. Geißler. Gerichtsvollzieder. Mili -3tr. 20 Pfg., vertäust Viehhändler Baer. ZUMOMM Junker- und M-Oefeo Es können in einem demnächst einlaufenden Waggon obigcrOefen noch solchenach besonderem Wunsch wie creme, blau, braun, weiß oder sonstige Farben mitbezogen werden. [4805 Gangbare Stapelnummern hiervon stets vorrätig. Bestellungen erbeten an Spezialgeschäft der Ofen- und Herdindusttie, Neuenweg 18.________________ Kassenschrank wegen Wegzug billig abzugeben. Offerten unter I 173 an den Gießener Anzeiger erb. (P7/6 Liebigshöhe Täglich frischen ■4730 Deutscher Schäferhund, Rüde, zu verkaufen. (07357 Crcdnerstraßc 39. 4431) Ein schönes 3x4-Zimmer- bans und schönes 3x3-Zimmcr- baus, beide mit schönem Garten, sowie Baupläne in einem Orte bei Gießen unter günstigen Bedingungen zu verkaufen. 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A. wurde eingetragen bezüglich der Firma August Muth, Gießen: Das Geschäft ist SeitJahr- Katarrheö Ah^°H u-Veröaunngs- Versand: hunderten rwäiarreie organe, Gallensteine, Nieren- Gustav heil- und Blasenleiden, Gidit, Zuckerkrankheit, sowie Strieboll, Folgen der Influenza den Kaufmann Heinrich Muth in Gießen übergegangen, dasselbe unter der bisherigen Firma weiterfuhrt. Gießen, den 1. September 1910. b6/9 Großber'oglid.es Amtsgericht. Ifrixkfbd« Mittwoch früh 9 Uhr und Donnerstag vormittag crutreffend: Hochs. Nordsee - Angel-Schellfische 1—3 pfündig, per Pfund 35 Pfg. Frische Nordsee Schellfische zum Backen, per Pfd. 12 Pfg. Mtcuhellcr Miau, kopflos, UL, per Pfund 18 Pfg., im Ausschnitt p. Pfund 22 Pfg. Q Echte Kieler Bücklinge ■ 3 Stück 20 Pfg., per Kiste 34-36 Stück 2 — Mk. Bekanntmachung. In das Handelsreglster Abt. A. wurden eingetragen die Firmen: a) Siegmund Hirsch in Gießen. Inhaber: Siegmund Hirsch, Kaufmann in Gießen, b) Wiener Chic, Max Liringer, Gießen. Inhaber: Max Biringer, Kaufmann in Gießen. Branche: Herrenmoden, c) David Strauß, Gießen. Inhaber: David Strauß, Kaufmann in Gießen. b6/9 Gießen, den 2. September 1910. Großs'er oaliche?- Amrsaericht. Grummetgras-Versteigermlg. Fürstlich Solmfifche Oberförsterei Hohensolms. Donncrötag den 8. Sept., vormittags 9 Uhr: Gemeinde Oberlemp 18 Morgen, nachmitt. 4 Uhr: Gemeinde Mudersbach 24 Morgen, Anfang „Teich Nr. 1". Freitag den 9. Sept.. vorm. 9 Uhr: Gemeinde Erda 40 Morgen, Anfang „Brühlerteich", nachm. 4 Uhr: Gemeinde Hohensolms 36 Morgen, Ans. „Bornwiese". Samstag den 10. Sept., (B3/9 nachm. 4 Uhr: Gemeinde Frankenbach 34 Morgen, Ans. „Langwiese" Pflafterarbeiten. Die zur Herstellung von Gossenpflasterungen erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen im Submisionswege vergeben werden und zwar zirka 380 qm Neupflaster und zirka 250 qm Umpflastec pp. Voranschlag und Bedingungen liegen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei offen und sind Angebote verschlossen und mit entsprechender Aufschrift bis zum 10. Sept, l. I. mittags 1 Uhr bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen. Großen-Buseck, am 5. September 1910. Großh. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Sch w a l b. (479!> Z*tah Montags, Mittwochs u. Freitags N? Hofbücker Noll. Wasserdichte Zelt- u. Wagendecken liefert prompt und billig und steht mit Spezial-Offerte gerne zu Diensten (4380 Ludwig Lazarus, Asterweg 53. Fernspr. 505. 07319] Frisch geleerte Weinfässer in all. Größen, sow. Psubl- und Bütten-Fäfser stets zu haben bet Louis Engel, Butzbach. 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Justizrat Univ.-Profefior Dr. Karl Gareis-München. — Amlsgerichtsrat Coermann-Straßburg. — Rechtsanwalt Dr. Leo-Hamburg. — Regierungsrat Neuberg- Berlin. — Landgerichtsrat F. Keidel-München. — Bezirksamt- mann I. Keidel-Erding. — Justizrat Bendix-Breslau. — Rechtsanwalt, Dozent der Bersicherungswissenschaft, Dr. jur. Wörner- Leipzig. — Minister des Innern Dr. Dr. ing. Braun-Darmstadt. — Amtsrichter Fajans-Bernau. — Rechtsanwalt Scherer-Leipzig. Mit diesen beiden Heften liegt der 1. Jahrgang komplett vor und ist derselbe zur Anschaffung bestens empfohlen. Heft 1 des zweiten Jahrgangs wird im nächsten Monat erscheinen. Die „Tägliche Rundschau", Berlin schreibt in der Nr. vom 1. September 1910: Die Sammlung von Entscheidungen höchster deutscher Gerichtshöfe, welche seinerzeit von Oberlandesgerichtsrat Fuchsberger begründet worden ist, erscheint seit 1909 unter der redaktionellen Oberleitung des bekannten jurlfttschen Schriftstellers Justizrat Dr. Fuld in Mainz in einer neuen und originellen Form, nämlich in einer Kartothek-Ausgabe (1. Jahrg. 1809/10, Bering von Emil Roth in Gießen. Jahrgang 30 Mk.) Die Entscheidungen des Reichsgerichts, der Oberlandesgerichte, der oberen Verwaltnngsgerichtshöfe ufw. werden aus einzelnen losen Kartenblattern geliefert, welche der Abonnent dann in Aufbewahrungskästen nach Materien ordnet. So hat er die Möglichkeit, alle zu einem Paragraphen in der Reihe der Jahre ergehenden Entscheidungen zusammenzulegen, u überblickt, wenn er sich über die Rechtsprechung eines Paragraphen orientieren will, sofort die ganze Judikatur, während er bei anderen Sammelwerken, wie Warneyers oder Reumanns Jahrbuch, heute schon acht Bände nachschlagen muß, um zu dem gleichen Resultat zu gelangen. Es ist eine Frage, die sich gewiß schon mancher Jurist vorgelegt hat: Wie soll das mit der brauchbaren Handhabung dieser gewiß sonst recht schätzbaren Jahrbücher werden, wenn einmal 20 oder 30 Bünde existieren, und wenn man diese alle nach einer passenden oder abweichenden Entscheidung durchschlagen muß. Auch Registerbände können hier keine ausreichende Abhilfe gewähren, da die leichte Auffiudbarkeit der Entscheidungen schon durch die Legalordnung gewährleistet ist. Es ist deshalb eine recht glückliche Idee von Fuld, das System, welches sich in unseren großen Bibliotheken in Form der Zettelkataloge bewährt hat, auf eine Sammlung von Entscheidungen zu übertragen. Es dürfte dieser Kartothek- Ausgabe eine große Beliebtheit vorauszusagen sein, zumal auch sachlich die darin wiedergegebenen Entscheidungen in zuverlässiger und verständlicher Form referiert lind. [a6/e RechkWhstelle DUHUUUi Heß, Roomtrahe 31. erteilt unentgeltlich [D^A Telephon 568. Telephon 568. Rat und Auskunft an Frauen und Mädchen. Sprechstunden Mittwochs von 5—7 Uhr, Alieestraße 31. Es sollen vergeben werden Samstag den 10. September, vormittags 10 Uhr die Herstellung des äußeren Verputzes am Wagenschuppen und Erweiterungsbau des Elektrizitätswerkes^ Samstag den 17. September, vormittags 10 Ubr die Lieferung von 70 qm Glasbausteinen für die Schlachthost erweitcrung. , , B6/0 Die Verdingungsunterlagen liegen auf unserem Hochbauamt zur Einsicht offen. Angebote auf Bordruch der daselbst erhältlich, lind bis zu den genannten Terminen dorthin einzureichen. B6/e) Heute: Schweinefleisch 50 Pfg. Amtliche MnutlUchllngen i)tr Stadt Gießen. Wer für den kommenden Winter Fichtcndeckrciser aus den städtischen Waldungen zu beziehen wünscht, wolle dies alsbald am der Bürgermeisterei — Zimmer 15 — anzeigen. Der Preis beträgt 20 Pfg. für die Welle und tst bei der Anmeldung zu entrichten. Die Lieferung erfolgt frei vor das Haus. Weniger als 5 Wellen werden nicht abgegeben. B% Die Meldelisten werden am 5. Oktober geschloffen. Spater eingehende Meldungen können nicht berücksichtigt werden. Fischerleber» im Norden to ta Tagen Das Beweisstück der SctatataM B L E 07347 M. R. Alexander Butzbach erbeten. [89 Direktion 07300] Saud. Laufmädchen od.Fi f. norm. ges. SBilbelmfhL^i rau 3 od. 4Zim.-Wohrr. ui. Zub. zum Freunden und Bekannten ein 5 Zimmer herzliches Lebewohl! 4 Zimmer Wien. 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