160. Jahrgang Erster Blatt politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und „Gerichtssaal": K. Neu- RZUZ General-Anzeiger für Oberhessen araa»«« *>" Bnjtit« Rotaflmtfnifl end Verlag der VUtelchru Univ.'vllch. onö $tein6rutftrti kl. lang«. Nrdakllon, Srptöltlon nnö Drndtrti: Zchulstratze r. •*)' “nb für ore 4,xiyttoHumincc _ 1 1 *r uarw : «.vetz; tur oen bis oormülagS 9 Uhr. Expedtnon für vüdlngen: vahnhospratze 16a. - Celcpl)on ttr. 60. Anzeigenteil: H. Beck. Vlenriag, t November 1910 ve»»aspret»r monatlich 76 Ut, viertel- eJk A jährlich Ttt. 120; durch Abhole- u. Zweigstellen W ▼ monatlich 66 Pf.; durch M diePost AN. 2.— viertel- jkkhrl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokal 15Ptz, auSwärtS 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den Nr. 256 Der •I<6, aaßer Banntafli. — i viermal wöchentlich jß OletzrnerFamlliendlätler; gtvriinal ivöfbenlLKieis« M blatt sürdenKretr Stehen V, (Dienstag und Freitag); jmeunal moimtL Land» wirtschaftliche Lelksraari» Ferulpeech - Aulchlusse: Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. (Ein neuer englisch persischer öwischensall. Daß sich gtntbe jetzt die Fülle mehren, tvo England in persische Angel eg end eilen einzugr eisen genötigt sein tvill, spricht für die englische Politik sehr deutlich. Dabei wird die englische Stegierung aber von manchen Seiten noch immer auf bedrohliche Folgen in Indien hingerviescn: Teheran, ÖL £)CL Die persische Regierung richtete 'au den englischen Gesandten eine Note, in welcher die unverzügliche Zurückziehung der 160 Matros en gefordert wird, t«ie der englische Kreuzer „Fox" voi einigen Tagen in Liu geh landete, um die Stadt gegen einen von einem bekannten Räuber der Umgegend an* gedrohten Angriff zu schützen Der englische Gesandte er- wrderre, die Streitmacht würde zurückgezogen, sobald t» die Um stünde gestatten. Loudon, 8L Ctt Die daS Rcutersche Bureau von zustüiidiger Seite er sich rt, ist die Ausschiffung des englischen D-etachementS vom ikreuzer „Fox" in Lingeh auf Ersuchen des persischen BizegouverueurS und des englischen Konsuls erjolgt, um die Bürger der Stadl zu schützen; außer den Mauuschasren wurden vier Landmigs- ^eschütze ausgejchifst. . Aus Schiras werden Unruhen gemeldet. Das Iudenvierlel lourde überfallen. linier den Angreifern be- (iul>en sich LiitgliUrer von Stammen aus Kaischgar. Dem Reuter-Bureau zufolge ist die persische Regierung von England darauf hmgewieseu worden, daß sie für jede den englischen Untertanen zugesügte -Beleidigung und für jede Schädigung chres Eigentums bei Gelegenheit der Unruhen in Schiras verantwortlich gemacht werde. Das Londoner Komitee der altindischeu Mo s l emliga nahm folgende Entschließung an: TuS Komitee ninunt mü Befüediguirg und Erleichterung Kenrunis von der erneuten Versicherung der Regierung, daß sie nichtbeabsichtige, die Integritätund Unabhängigkeit Persiens anzutaslen. Tas 3lv mitte wülifcht die zuversichtliche Hoffnung auszudrücken, daß nut Rücksicht au| die beüeheiiüL enge Verbindung Perstens mü Indien, mU Rücksicht ans d n Einsluß PersienS aus die Kultur und die Zünlisation auf das heutige Indien, ferner mü Rückjicktz aus die Baltdc der Religion und der Bllitsv er wandt schäft, welche die Bevölkerung vereinigen., die brüische Regierung der persischen Sympathie und üntcrslützung barbicten wird zur Erhaltung der llnadhängigleü und Reorgtuufa- tiou der Berioaltung. Vie türkische Anleihe. Während aus^nolch^e v<,u erner Stockung der i>eutsch-turIrschen Anleiheverhandlungett lvtssen wollten und ,ibie Berliner „XägL Ltundsch." schon ausführlich erdrtecte, warum Deutschland gegen die Wrederaninüpsung der Türkei mü Frankreich nichts emzuwenden haben tonne, erfahren wü aus Berten, baß der Direktor der deutschen Bank, 5£a. Helfferich, bereu» nach Lkonfiauiinopet abgereift ist iuü) baß mau in Bertutec amuichett Krajen annunint, die Verhandlungen wurden biS Mure vtooember zum Abschluß kommen. Ob Italien sich an der Anleihe beteiligen werde, bezweifle man. Deutschland würde dann */* der Klnleihe übernehmen. K o a st a u l i u o p e l, 3L Okt. Sämtliche in der Presse ver- breiletcn vlachrichtcn über die Bedingungen bes Furanzgcfchäsies, das die türkische biegiermrg mü eurer Gruppe demfcher kiantea abzufchließen beabsichtigt, sind als verfrüht -u bezeichnen. Weder über die Form des Geschäfts, noch über die Höhe des Kapitals noch Über die Hoche der Verzinsung wurden endgültige Abmackmnaen bisher getroffen, da die offiziellen Unterhandlungen iroch nicht begonnen haben. Diese werden namenS der deutschen Bankgruppe von dem Direktor der Deutschen Bank, Dr. Helfferich, geführt, der morgen hier erwartet wird. Die in der ausländischen Presse verbreiteten Meldungen, die von einem Stocken der Beratungen wisfen wollen, sind daher ebenfalls durchaus und egründet. Konstantinopel, 3L Okt. In türkischen Kreisen sind Gerüchte verbratet, daß vor ober gleich nach der am 14. November erfolgenden Eröffnung des Parlaments die Umbildung des Kabinetts bevorstehe, wobei der Präsident des Oberrechnungshoses den Fi- nan-Minister ersetzen soll. Nach einer anderen Ver- sion soll der Kriegsminister das neue Kabinett buben, in oem Pen Haiti das Portefeuille des Aeußern erhalten iverde. Weiter heißt es, daß der Wali von Bagdad Nazim hierher beruf en wurde, um das Kriegsportejeuüle zu übernehmen. e Saloniki, 31. Okt. Der Führer der AüSlader und Bootsleute teilte diesen mit, daß die Sperre gegen Griechenland aufgehoben ist. Die Maßnahme wird auf den Beschluß des i u n g t ü r ki sch e n Komitees für Einheit und Fortschritt zurückgeführt. Eetiuje, 31. Okt. Gegenüber den Meldungen aus Saloniki über die Ängrifse von M o n t c n e g r i n e r n auf t ü r k i s ch e Grenzwachen wird von zuständiger Seite erklärt, daß alle Ruhestörungen an der Grenze türkifcherfeits hervorgecufen wurden. ES wird betont, datz Montenegro seinerseits auf stteugste Ordnung an der Grenze halte und die aus der Türkei tlnitmenixm Einwanderer entwaffne, sowie daß die täglich bei der hiesigen türkischen Gesandtschaft erhobenen Proteste erfolglos sind. £olitifd?e Lagesjcharr. Zur Enleignuugöfrage in der Ostmark. Aus Berlin wird uns geschrieben: Wte wir hören, liegt tatsächlich beim Staats Ministerium ein Antrag der Posener Ansiedlungskom Mission vor, die vorbereitenden Schritte für die Enteignung polnischen Besitzes in Angriff nehmen zu dürfen, damit die Arbeiten der Kommission in späteren Fahren feinen Aufschub erleiden, denn die Parzellierungsarbeiten für die deutschen Güter, die die Kommission besitzt, sind im allgemeinen beendet unD deutscher Besitz steht einerseits nicht mehr zur Versagung, während pvlliischer Besitz, der für die Anjieotu»gsiommi;,wn zur Ai^ondicrimg notwendig wäre, freihändig nicht zu erlangen ist. Die Staalsregieruiig dürste aber, wie wir weiter hören, dem Anträge keine Folge leisten. Sie wird sich den Gründen des AnsiedtungspräsidentenGwohl nicht verschließen, aus wahltaktischen Gründen es aoer für angezeigt halten, eine Enteignungsalliou vorläufig picht ui die Wege zu leiten, e Mg. » Oldellbllrg'Zanuschau im Widerspruch mit feinen Elbmger Partetgenoisea. Ein Elbinger Blatt teilt mit, daß der konservative Verein zu Elbing aus eine schriftliche Anfrage der tonjcrualiuen Parteileitung in Berlut solgendes Schreiben dorthin abgesaudt habe: Ter bonservative Verein zu Elbing hält fest daran, daß die toniervauven i-pruno.a^e uno U^iiu^uaunuen mit irriolg un Volke nur vertreteir werden können durch eine selbständige, von der Hingabe an diese AnschauungLn und Grundsätze erfüllten Partei. Der Verem hat daher von vornherem Lui ^)chl daraus gemacht, baß er in dem Vui|treten des Bundes der Landwirte mü seinem rücksichtslos eigennützigen, demagogischen Charakter eine Gefahr für die konservative Partei erblickt. WaS wrr befürchtet haben, hat sich leider erfüllt. Den Anschluß an die neu konservative Richtung, die ihre einzige Ausgabe darin erblickt, dem Buride der Landwirte dienstbar zu sein, lehnt der Konservative Verein zu Elbing ab. Er lehnt eS deshalb auch ab, in der Wahlagitation für einen Kandidaten tätig zu sein, der dem Bunde der Landwirte angehört. Er hält es vielmehr für seine Pflicht, einen Kandidaten dieses Bundes, der als Müglieder Angehörige aller Parteien aufnünnü, UM der konservativen Gcundsäve willen und im Interesse deS inneren Friedens zu bekämpfen. Der Konservative Verein wirkt deshalb mü an der Sammlung aller national gesinnten Elemente im Wahlkreise zum Kampfe gegen das Temagogentum des Bundes, der Landwitte und der Sozialdemokratie. DaS Reichslagsmandat des Herrn v. Olderrbnrg wird diesem danach vielleicht verloren gehen. Die Ruhestörungen im „Wedding". Die Krawalle im „Wedding" lösten die in Moabit ad, nur mit dem Unterschiede, daß der Wedding, der im höchsten dkorden Berlins gelegen ist, zum großen Dell ein lichtscheues Gesindel beherbergt, und daß die Zuhälter und Verbrecher Berlins hier ihre eigentlichen Wohnstätten Haden. 5)ier spielen sich die nächtlichen Orgien ab, wo unheimliche Gesellen ihre unheimlichen Pläne schmieden, und wo das Leben in jeinen Untiefen brodelt. Das Laster jeder Gestalt hat hier seine Stätte. Die Ursache der gemeldeten Ruhestörungen war, um eS nochmals hervorzuheben, darin zu erblicken, daß ein „rückfälliger" Blaumacher von seinem Arbeitgeber entlassen wurde, worcnis das ,^8olk" für ihn Partei ergriff. Auch dem „Vottvärts" scheint der Vorfall nicht geeignet gewesen zu fein, die kochende Volksseele zu entfesseln; er schlägt ein anderes Verfahren ein alS bei den Moabiter Vorgängen und warnte vor neuem Radau. Und siehe da, der Erfolg stellte sich prompt ein, und am gestrigen Montag abend war es in dem gefährlichen Stadt- uiertel verhältnismäßig ruhig. Wir erhielten folgende Meldungen: Berlin, 3L DTt In bat Straßen am Wedding ttnrrbt abends eine Extraausgabe des „Vorwärts" verteilt, in der unter scharfen Ausfällen gegen angebliche verbreche^ rische Pläne des Scharfmacherturns die Parole ausgegeben wird: Kein Arbeiter und keine Arbeiterfrau be- teüige sich aus Neugierde an einer Ansammlung; jeder Partei- geiiojje und jede Parteigenossin suche die Indifferenten zu ver- cuükkssen, sich gleichfalls von der Straße fernzuhalten. Wegen der genügen Ausschreitungen am Wedding wurden dreizehn Personen der Staatsanwaltschaft und eine Person dem Amtsamvalt vorgeführt. Vor der Schlächterei von Morgenstern wurden gestern gegen mittag zwei Frauen, die dort eingekauft hatten, von einigen bunbert Frauen beschimpft und bedroht. Die Polizei schütt ein und nahm zwei Frauen fest. Berlin, 1. Okt. Der gestrige Abend ist am Wedding erheblich ruyiger verlausen als an den Vortagen. Um 8 Uhr abends sammelten sich in der Scherrerstraße etwa ÖUO Menschen, die sich vor dem Geschaftslokal von Morgenstern stauten. D« Aufforderung, auseinander tu gehen, wurde sofort entsprochen. In der zehiuen Abendstunde verlies sich die Menge aus den Sttaßen, etwa 3U0 Personen gingen noch auf und ab. Zu einer sck>iveren Ausschreitung kam es in der Nacht aus Montag in der Umgebung des am Akordbahnhofe gelegenen Exerzierplatzes. Zwei Schutzmänner mutzten sich mü blanker Wasse der Angüsse einer Rotte junger Burschen er wehren, von denen eurer, aus mehreren Wunden blutend, der Rettungswache zugefühtt wurde. Ausland. Aus Ofenpest wiro Qemcu>et: Das ungarische Kvr- respondenz-Bureou meldet aus Wien: Die beidersetttgen Ministerpräsidenten und Finanzminister hielten am Dteauag nachmittag eine Beratung in der Frage der Barzah- Gicjzencv ^tadithcatee. Die Schlastänzeri» Madeleine Trilbtz. Gießen, L Nov. „Der Tanz ist wie jede Deußerung eines gesteigerten Gebens tarr eui Bruchstück von einem großen, überschwenglichen Gaiizen, daä alles Lebeubige durchflutet unD erfüllt, ist ein Teil der gewaltigen, lebenichasjeuben Kraft, die das All belebt und erhält, lst ein Teil unb eine Geburt der Freude. Freude ist der machtigjte Tüeb aücS Lebendigen, dessen Pnls- Mag der VihythmuS ist. — < Die Freude ist Lebenstrieb-, ist gesteigetteS Leben. Die Freude am „Ursache-!em" ist die Erziehung zur jkultur. Die Freude ist so alt wie die Welt, unb io alt wie daS lebendige Lebeu äst per uuierlichjte, naivste Ausdruck der Freube: bei Tanz. Tanz ist Lust . . . ist Gamß. Taiiz ist gesunde sülche Sinnlichkeit. Tauz ist plastische Uiiuuertiuig unb DarsteUung beS Gefühls. Unb auch das ist der Tanz: eui Rausch, der Schöpjerkrast pt sich trägt, wie alles aridere künstleüsche Schaffen." i Mit diesen, hier im Auszug luicbergegebcnfii Br orten habe ich pleine vor drei Jahren erschienene ,Fulturgcschichte des Taiizes'^ üngeleitct unb auf Gcuiid dieser BegriNsbestillunuaig habe ich auch fdie Schlaftänzerin Rkadeleine von vornherein aus meiner Dur- 'ftellung ausgeschlossen, denn trotz aller Aiuntu unb Schöul-eü ihrer Botsührungim, fehlt ihrer Kunst eben die 1 e b e n b i g e Kraft, toeiui anders die Hypnofe nicht nur ui dem Sinne gilt, daß sie eine Steigerung der geistigen Sammlung, eine Erhöhung unb Erweiterung jener Setbstsuggestion ist, ohne die eui künstlerisches Schassen nicht möglich ist. Zch glaube must, batz Madeleine Trilb y dieselbe Madeleine ist, die int März 1303 in München großes Aufsehen erregte, dieselbe Riadeleine, deren Vorsührungeii auf BeraMassung mim- Hasler Aerzte polizeilich verboten wurden, dieselbe MadekÜne, bie ihren mystischen Reiz scylletzlich nach allerlei Vortomnutifsen Stück Um Stück schwinben sah. Aber das ist bed.utuugSlos. WefeMlich Ist, daß dort wte hier behauptet wurde, bau Die Dame ohne Hypnose Mhezu talentlos fei. Daß alfo ihre Kuntz lediglich umvilllürlühe Meutzerungeil der Infrinüe seien! Damü war Die Bedeutmig bi cf er Schaustellung gegeben, beim in einer Zeü, in der alles aus eine Unterdrückung uno Verheimlichung der Gelüste hiltausläust, müfeti eine derartige instinktive Kuntz nicht nur sür den bilbcm>en Künstler, sondern auch sur den Gelehrten unb den Schauspictec eine mi- geheuere Bedeutung gewinnen! Die,es Ltttß itz aber nickst «rjüllt worben. Wohl wirb gestern niemanb Oen Emornck einer ho Hai I Schonheü der Bervegungen vermißt Haden, aber wann unb wo > ging sie über das Matz des üblicheti hiliauS, tour sie eigai- artig, überraschend? Ja, die Mimü tour Mitunter sogar stellenweise übertrieben, in der Art der Hysteiifchen, stellemoeife ban Vortrag voraus, hin und toieber kam bie Gebärde zn spar. Aber feldst davon abgesehen; wie kommk es, daß sich bie „Schlafenbc" genau im Rahniat der Bühne bewegt, daß sie stets hochsteiiS dis hart an die Seüenwände geriet. — In Rtünchen war es ausge- 1 all en, daß die Kmistlerm memals bau Zuschauerrauui den Ruaen kehrte — daraus hatte man hier eine Lehre gezogen unb man vermied diese Klippe. — Die Münchener Küniüerm hreü sogar Proben ab unb bei einer Aufftihrmtg steckte sie sich — in bei vypnose — den Zops sorglich wieder aus, der sich gelöst hatte. Turck) solche unb anbere Beobachtung ar lourde bad Puotüum mißtrauisch, aber die Aerzte km ml en sich lrotz nuuuiigsacher Uniersuchungen nicht einigen unb blieben m zwei Becrlager gefpalkai. Beibe waren sich aber darin einig, daß solche Vorführungen eigem- lich untersagt ro erben müßten, weil Die sortgefetzten Sag gestio uen einen außergewöhnlichen Verbrauch von Nervenkraft bebmgen. Wie dem aber auch sei, bas eine steht fest, baß Madeleine (diese oder jene), was Sck)önheü unb Klarheü der Gebärde betrifft, nicht so leicht übertroffen werben kann, wenn man sich auch nicht verhehlt, daß hier Studien und fortgefeßte Uebung einen glücklichen Bund Miteinander eingegangen fuib. Eines nur störte, und das war in München nicht der Fall: Madeleine Trildy vollsührt alle ihre bewuiidernswerien Darsiel- Lungai mit geschlossenen Äugen und verdeckte so den Spiegel der Seele, den lebaibigen Blick. Ader wie die Lttmsllcrm in Bewegung unb Geb er de — von dem schon erwähnten abgesehen — Ton unb Kern der Darstellung traf, das gavährte einen künstlerischen Genuß. Liebe und Haß, Entsetzen und Eiüzücken, Schmerz mit» Freude, sie alle sanden m dem lelchtbeweglichen, lebhasten Mienenspiel der Frau einen aufs höchste gesteigerten Ausdruck. Dabei war nameuüich der schnelle Wechsel der einzelnen Geftihlsäuße- rungen bemerkcnswerc, im besoubercn bei WüDenbruchs Hexemied, in Dem sie die veischiedenen Personen nicht nur charakteristisch erfaßt halte, sondern auch in ptatzischen, sinnvollen Posen wiedcrgab. Auch ChopülS Trauermarfch, Blumerigeilützer, Dollarprmzeslin waren von hoher Sawnheü, ob aber bet wirklichen Kuntz, die um ihre Erfolge darben und ringen nmß, mit solchen — um daS schauerliche Fremdwort zu geb rau Uten — kitzel ndeii Attrattio - nen gebient ist, das mag füglicy bezweifelt werden. Zwischen Madeleine unb. den bekannten Tänzerinnen wie Isadooe Dunkan Rita Sacchetto, Irene ^ouoeii, öüba Iaeco unb ben Geschwistern Wiesenthal, liegt ein breiter, unüberbrückbarer Strom: der Strom bes Lebens. Wo aber hört das Leben auf und too beginnt der Traum, der auch ein Leben ist? — Alles fließt; auch die Begriffe. In hundert Jahren vielleickst lacht man über und, Daß wir noch so ungläubig waren, oder — und bad ist schlimmer — man spottet über uns, daß wir noch so abergläubig loaren. Mer so oder so: man wirb bann immer noch von der Kuntz verlangen, daß sie wahres, voll- safliges. Leben jet Und darauf kommt eS schließlich an, Ä- 9L An Friedrich Haasts Zum 1. Rovemver. Ich bitte dich, ben heben Alten, Ter füninudachtzig Fahr gehalten: Steh' teil tm VebeiisuurmgebiauS UnO halt' noch sünizehn Jahre au8. Du immer Frischer, immer Reger, Steh' fest, du wackrer Fahnenträger, 9h< war dein Banner, iuij|en wir, TeS Hasen welibctaiint Panier. Geh' durch bie buntberoegte Menge Roch oft im sestlichen Gedränge, Aus Den sich Ehr' um Ehre häukt, Daß wir berouiiDernD Blicke tauschen Und ostinals noch daS Wort erlauschen: »Run seht mal, wie der Haase lauftP (Kladderadatsch). Ausstellung für schöne Künste in Florenz. Die Vereinigung der italienischen Künstler, bie in Florenz ihren Sitz hat, veranstaltet bort in der Zeü vorn 1. November 1910 bis 30. Juni 1911 ihre sechste Ausstellung für schöne SÜlnfte. Anfragen sind -u ricktzen an bie „Direzwne bell' Associazvone begli. Attisti Jtaliani. Firenze, Italien" unter Beifügung des Porkobetrages für die Antwort. Tort sind auch bie Ausltellnngs- drucksachen erhältlich. — KnrzeNachrichtenans Kunst u. Wissenschaft. Fuldas neues Schauspiel „Herr unb Diener" würbe im Deutschen Theater zu Berlin mit einem starken Erfolg gegeben, in den die KrüÜ teboch nicht em stimmt. 8eforbert ^wknnlofe Der 4. Rtoiye v« zum gleichen Mpunkte^ein- 7000 Mk. Ueberschuß. Die endgültige Ab» rechnung für das 29. Mittelrheinische Kreisturnfest in Kreuznach ist jetzt gemacht. Trotz der ganz enormen Ausgaben von über 60 OOO Mk. verbleibt ein Ueberschuß von 7000 Mk. Dem Mittelrheinkreis fallen laut Beschluß IO Prozent am Ueberschuß zu; der Nest verteilt sich je nach der Zeichnung der drei Kreuznacher Turnvereine zum Garantiefonds, und zwar kommen auf den Kreuznacher Turnverein 6/ , den Männer-Turnverein */8 und den Turn- und VolkSspiel^ vereinter Kreuznacher Glashütte */« deS Betrages. Schweinemarkt. Wir machen darauf aufmerksam, daß der für morgen (Mittwoch) vorgesehene Schweinemarkt in Gießen stattfindet, jedoch mit der Beschränkung, daß Händlerschweine ausgeschlossen sind und nur Schweine von Züchtern des Kreises Gießen zugelasien werden. **Die Maul-und Klauenseuche ist festoestellt• im Amtsbezirk Landau (Pfalz) in der Gemeinde Ven- nrngen und zn einem Gehöft in der Stadtgemeinde Edenkoben; ferner ist die .Seuche ausgebrochen bei dem Schwein em ä ster Ioh. Forster in Eib ach, Bezirksamt Schwabach, Regierungsbezirk Mittel franken. — Der Ausbruch der Seuche ist ferner gemeldet aus: Wäldchen, Kreis Waldenburg, Regierungsbezirk Breslau; Löbnitz a. d. Linde Saalkreis, Regierungsbezirk Merseburg; Potsdam (Heilanstalt), Regierungsbezirk Potsdam, am 28. Oktober. Landkreis Gießen. r. Hungen, 31. Okt. Sicherem Vernehmen nach soll die Wiederaufnahme des seit länger als zivei Jahren ruhenden Betriebes auf dem in der hiesigen Gemarkung gelegenen, der Gewerkschaft Elisenburg gehörigen Eisensteinbergwerks „Vereinigter Wilhelm" von der hiesigen Werkoerwaltung in aller Kürze der Verwirklichung entgegengesührt werden. Dieser Entschluß ist gewiß mit Freuden zu begrüßen; würde doch dadurch in erster Linie einem großen Teil williger Arbeitskräfte hiesiger Gegend Gelegenheit zu lohnendem Verdienst geboten, dann aber auch der in dem Grubenfelde an- erkannt in reichen Maßen anstehende oberhessische Brauneisenstein vorzüglichster Qualität nutzbringende Verwendung finden können. Kreis Büdingen. □ Bleichenbach, 31. Okt. Eine reiche Jagdbeute wurde heute bei einem kleinen Watdtreiben zur Strecke gebracht: 17 Stück Rehwild, darunter vier Böcke, vier Füchse und 12 Hasen. Die Füchse treten in diesem Jahre stark auf. Die Jagd hat eine Gröhe Von 1200 Diormalmorgen Feld und 1400 2Lormalmorgen Wald. Kreis Schotten. r. S ch o t t e n, 31. Olt. Tie Wiederholung unserer weither bekannten Marienkirche ist unerläßlich und soll nächstes Jahr in Angriff genommen werden; wahrscheinlich wrrd die äußerliche Wiederherstellung in zwei Perioden ge- chehen. Die Stadt ist kürzlich mit der Völligen Abtragung früherer Herstellungskosten fertig geworden und da die jetzt vorgesehenen Arbeiten größeren Umfang mit bedeutenden Kosten annehmen werden, plant man die Veranstaltung einer Schottener Kirchenbau-Lotterie, um au, diese Werse aus dem großen Publikum einen Beitrag zur ferneren Erhaltung dieses wichtigen Baudenkmals zu erhalten. — Im letzten Jahrzehnt hat der Ausbau der inneren und äußeren gemeinheitlichen Anlagen (Straßen, Lbstkulturen, Wiesen- und Waldkulturen usw.) bedeutende Summen Verschlungen, die Vorteile hiervon werden die nachfolgenden Geschlechter zu würdigen wissen. Ein schon lange fühlbarer Mißstand find unsere unzulänglichen und unwürdigen Bahn- hossoerhältnisse,.>die zu Verbessern eine ernste Ausgabe ist. r. Rainrod, 31. Okt. Zur Abrundung eines Gemein bewald di strikt s hat die Gemeinde aus Privat- besrtz eine größere Fläche angekaust .den Quadrat- Qmeter zu 6 Pfg. — Da die Rinderherde nicht mehr wie früher durch den Gemeind ehir len ausg:tricbm wi.d/ist Vom Fiskus das oer Gemeinde auf fiskalischem Gelände zustehende Weiderecht abgelöst worden. — Die Firma I. Nickel in Gießen läßt jetzt bei ihrem BasaltwerkNainrodein Wohnhaus für den Werksleiter errichten. O Laubach, 31. Okt. Heute sand bei ziemlich lebhafter Beteiligung die Gemeinderatswahl statt, bei der nrcht weniger als 11 Kandidaten ausgestellt waren. Es wurden wredergewählt die seitherigen Gemeinberäte Frredrich Helmich mit 172 Stimmen, Heinrich Christian Jochem mit 146 Stimmen und neugewählt Friedrich Göbel mrt 103 Stimmen. — Gestern hielt Sanitätsrat Dr. Bo gel im Tuberkulose-Museum einen lehrreichen Vortrag Vor einer zahlreichen Versammlung, die hauptsächlich aus auswärtigen Besuchern bestand. Die benachbarten Schulen wie aus Freienseen, Ruppertsburg, Gonterskirchen haben die Ausstelliurg in vergangener Woche besucht. Kreis Friedberg. - Friedberg, 31. Okt. Der Kaiser Von Rußland hat zum Besten der örtlichen Wohltätig- kertsa nstalten und der ärmeren Bevölkerung Friedbergs und Bad-Nauheims 10000 Marl gespendet und diesen Geldbetrag durch den Minister deis K'arserlrchen Hauses Baron Zaeedericlsz dem Staatsminister Dr. Ewald zur Verteilung übermitteln lassen. x Bad-Nauheim, 31. Okt. Das Rhein-Mai- nrsche Verbandstheater gab im hiesigen Volksbildungsverein heute „Maria Stuart". Die Aufführung, die sehr gut verlief, wurde u. a von zwei Klassen des Friedberger Lehrerseminars besucht. = Bad-Nauheim, 31. Okt. Die beabsichtigt gewesene Abgabe von Wasser auS den Heilquellen an ein zu gründendes Aktien-Hotel zu Bad-Nauheim macht neuerdings wieder von sich reden. Abg. Brei den- bach hat deshalb mit Unterstützung von 32 Abgeordneten aüec Parteien die Anfrage an die Negierung gerichtet, ob die unmer wieder in der Oefsentlichkcit umlaufenden Gerüchte, die Regierung wolle Wasser von den Bad-Nauheimer Heilquellen direkt einem zu gründenden Aktien-Hotel verkaufen lmd abgeben, auf Wahrheit beruht, und ob der Regierung bekannt sei, welche bedeutende Vermögensverluste einem großen Teile der Bad-Nauheimer Bevölkerung und den dort mit Kapital Interessierten durch diese .Gründung" zugefüat werden. Starkenburg und Rheinhessen. o Darmstadt, 31. Ott. Nach der am Samstag erfolgten Verhaftung des 19 Jahre alten vorbestraften Martin r i o au£ Ober-Kvinsbach, der geständig ist, einen Einbruch der dem Gemeinderechner Schivinn auf der Spreng ausgesührt zu haben, wurde nun auch am Sonntag der der Bc.yrl,e verdächtige Vater des O. in Reichelsheim E) «W tzMSiMuns ebenfalls verhaftet. Wahrscheiw- Aur Stadt und Land. Giegen, L ALovember 1910. rnlerheiliaerr. r Henke ist Allerheiligen, der Tag Killer Wehmut, banger Erinnerungen im Herzen der Menschen und in der Natur. Leise zitternder Nebel über Flur und Heide, Berg und Tal, im Getriebe unserer Straßen und auf dem stillen ^Gottesacker versetzt uns in die rechte, wehmutsvolle Stimmung. Tausende und Abertausende, arm und reich, sorgen- jvoll unb sorgenfrei pilgern gedankenschwer an die Stätte, wo teure Tote den ewigen Schlaf tun. Fesllich schmücken sBlumen, von Liebe getragen, die nebelfeuchten Hügel, die sdes Himmels Tranen genetzt. Eine innere Stimme ae- tmahnt uns, das Gute, das unsere lieben Toten gewollt, M pflegen und Wetter zu fördern Das ist die Erkenntnis, Die uiis die Nähe des Todes bringt, lins erfüllt, was auch Die lieben Entschlafenen erfüllte, das yttngen des Guten fmit dem Bösen, wir werden liebevoller untereinander; denn es gibt keinen größeren Schmerz am Grabe einas, foen wir kannten, ja liebten, als den, zu wissen, daß wir jihm einstmals weh getan Und es Hingt die herrliche Mahnung des Dichters: O lieb, so lang du lieben kannst, o Lieb, so lang du lieben magst^ die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und Lagst! . . . kAllerheiligen ist gleichsam die Zugangstür zum Winter. lZwar bleiben selten noch einige schone Tage um diese Zeit wus, aber gerade in diesem Jahre ist auch in der Natur »richtige Herbststimmung eingekehrt, Regenwetter, das das Letzte Laub von den Bäumen entfernt und damtt den Winter xrnkündigt. ., * ** TageSkalenderfür Dienstag, 1. November. Stadttheater: »Jugendfreunde.- Anfang 8 Uhr. Deutschnatwnaler Handlungsgehilfen-Berband: Lichtbild e r- Vortrag von Joachim Harms: Fünfte Reife um die Welt. Abends 8e/4 Uhr in Steins Garten. Kolo fseum: Programmwechfel. ä - Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Oberpfarrer Herrn. Bern deck zu Michelstadt aus Anlaß der Einweihung der Kirche zu Michelstadt das Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver- liehen. ** Auf der Durchreise. Im „Großherzog von Hessen" sind gestern Reichstagsabg. Freiherr Hehl zu Herrnsheim, Graf .Arthur zu Erbach-Erbach und dessen beiden Söhne ..Alexander und Eberhard abgelegen, die an den Jagden des Fürsten zu Solms-Hohen- solms-Lich teilgenommen hatten. ** Lehrerpersonalien. Heb ertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Klippel aus Wendelsheim eine Lehr er stelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Wiesen. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule Ku Bad-9tauheim, Ang. Wagner, auf sein Nachsuchen, unter .Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Ph-ttipps des. Großmütigen mit der Krone verliehen. - Hygienische Vorsicht. Das Ministerium hat an sämtliche Kreisämter eine Verfügung erlaffen, durch eine Besichtigung der Wasserwerke, Brunnen rc. in den einzelnen Ottschasten des Kreises sestzustellen, daß die Anlagen nach jeder Richtung gesundheitlich ohne Bedenken sind. Em Ausschuß, dem auch der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Haberkorn angehört, ist jetzt mit der Ausführung der Kontrolle beschäf- tigt. Er hat in dec vergangenen Woche die Wasser- ioersorgungS-Anlagen der Stadt Gießen besichtigt und zu Erinnerungen keine Veranlassung gefunden. ** Stad11heater. Da von auswärts zahlreiche Bestellungen zu der Schulervorstellung von „Sappbo" am Samst^ 5. Novenü-n, nachmittags 3-//Uhr, eintauto ju ’jüljern. l®e Reflektanten gut tun, flch bei Zeit Plätze I 1 " ^tnem“to9t£lP^ erfreut sich der neue Spiel. xl°n eines lebhaflen Beifalles unb alt unb jung folgen ben fpannenben ober humoristischen Silbern mit unverhohlener Genugtuung. In der schönen, abwechslungsreichen Spielsolae 9J a ef)C8ma bhC?et‘DOtIe • Stüc£ 0118 »em Morgenland MUS Sklavin wohl mit am meisten. In hübschen, malerit&en gruppen entroictelt sich da em grausiges Geschick, das durch ^ie entschlossene Treue der Sklavin zu lauterem Glück verkehu ^,rd Groge Heiterkeit erregen: Der unberufene Drahtseil. 9h n“ QrUf Telephondrähle flüchtet, unb §etr Ängstmeier, ber sich erst in der gut verwahrten Helle K5Ä* «"» ÄS ber Loie!ur‘d.^e' ber' W.‘Lo'tker.e ‘mu^.nS'"? Kfcben Landtages wurde in der Nacht zum jum 2 Uhr geschlossen; die nächste Sitzung ftnöet am Don- erhafkuna beS ehernallgen Diktators franco wird auS Lissabon gemeldet: Nach den Angaben deS Untersuchungsrichters setzte Franco während seiner Ämt^att als Münsterpräsident 70 Dekrete in Kraft, jn denen die Vorschriften über die gesetzgeberische Gewatt ab geändert toorbat sind. Durch den Erlaß der Dekrete habe er die Ausübung von Landesgesetzen verhindert, ferner yabe er die .Schulden deS Königs Carlos in Hohe von 465 Contos mit Krongütern, nicht mit Gütern aus dem persön- jlichen Besch des Königs, unter der Bezeichnung „Erhöhung der Zivilliste" beglick-en. Franco besttettet die Kompetenz des Untersuchungsrichters. Der Richter setzte eine Kaution stn Höhe von einer Atillion Franks fest, die sofort hinter- Ejt wurde. W Franco dos Tribunal Verließ, kam es feindlichen Kundgebungen der Menge. Wie dem „Neuen Wiener Tagblatt" aus Balarad meldet wird, stehe in Serbien eine große politische 'Ilmgestaltung bevor, so daß die jetzigen Regierungsparteien, die .Alt-Radikalen und die Jung-Radikalen, sichl an eine Partei zusammenschließen. Ebenso finit) cn Verhandlungen zwischen den Oppositionsparteien, den Mationalisden und den Fortschrtttlern zur Verschmelzung Dieser Parteien statt. Falls diese Verhandlungen zum Ziele fführen, sollen Neuwahlen ausgeschrieben werden. funneit erBTh'bto eS gtltargen TJt.Me WerTnber FrvK U MeinungSverschr edenherten zum Teil auszugleichen. Beide Finanzminrster mnintebT sofort persönlich mit dan leitender! Stellen SeS»™« treten, um vriwvipielle Grundlage ^si^^bllen. En" Brünn wird gemewet: Die fett Donnerstag brTwnth mit Unterbrechungen andauernde Sitzung des m ä h - - vx. N.Ä tmrrh* 4-n k.-r ----, Montag llch ftnd beide auch Vie Tater der äbnlichen Vergehen (tul der letzten Zeit, auch werden durch Die, Staatsanwaltschaft Ennittelungen über ihre etwaige Beteiligung an der Dorn- dieler Mordtat angestellt, da die Vermutung sehr nahe liegt, daß Sie 0. auch hier ihre Hand im Spiele haben, zudem der junge O. verdächtige Aeußerungen getan und u. et. erklärt hat, daß er jeden, der ihn bei der Arbeit in Ober- Kainsbach gestört hätte, mit dem Revolver niedergeknallt hätte. Hessen-Nassau. a. Rodheim a. d. Bieber, 31. Oft Heute nachmittag fand die Haupt Übung unserer freiwilligen Feuerwehr statt, wobei auch die Fellingshäuser Sanitätskolonne mitwirkte. Die Üebungen nahmen in der Hauptstraße mit Schulübungen ihren Anfang und es war deutlich ein Fortschritt der Wehr *u bemerken. Im Anschluß hieran fand die Uebung an oer Nollschen Zigarren- fabrik ihre Fortsetzung. Trotz des unaufhörlichen Regenwetters hatten sich aus der Umgegend viele Zuschauer eingefunden, auch hatte die Gießener Gattsche Feuerwehr eine Abordnung zu der Uebung entsandt. W Grob-Seelheim bei Marburg, 31. Okt. Hier siel der zweijährige Knabe des Landwirtes Müller in einen offenstehenden Jauchebehälter und fand den Tod durch Ertrinken. F. C. C a s s e l, 31. Okt. Hier fand eine von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft einberufene Besprechung statt zur Vorbereitung der Ausstellung derDeutschenLand-» Wirtschafts-Gesellschaft in Cassel 1911. An ihr nahmen teil der Regierungspräsident Graf von Bernstorfs-Cassel, der Oberpräsidialrat, der Vorsitzende der Landwirtschafts-Kammer für den Regierungsbettrk Cassel von Stockhausen-Abgunst, Land- wirtschafts-Jnspettor Keiser-Wiesbaden, als Vertreter der Land- wittschasts-Känimer für den Regierungsbezirk Wiesbaden, der Vorsitzende des Vorstcnrdes der Deutschen Landwirtsä)asts-Gesellschaft> Ritterschastsrat von Freier-Berlin und De Eonomietat Dr. Wiese- Berlin. Es wurde festgestellt, daß em großes Interesse für die Ausstellung in allen Teilen des Reichs vorl-andcn und mit einem starken Besuch (V* Millionen Besucher) zu rechnen ist. Es werdeu Maßnahmen gettoffen, um die zahlreichen Besucher unterzubringen. 4Öcrid)t^iaaL ? Büdingen, 31. Okt. Schöffengericht. Der Milchhändler H. G. von Wolf hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichtes wegen Uebertretung des § 369, 2 St.-G.-B. Einbruch erhoben. Nach der Beweisaufnahme wurde die Verhandlung, um weitere Ermittlungen anzustellen, auf Montag, 28. Nov., vertagt. — Der Friseurgehilfe F. R. in Büdingen ist angeklagt der öffentlichen Beleidigung nach §§ 185, 196, 200 Str.-G.-B., begangen am 19. Juli l. I. zu Diebach a. Hg. Er wird zu einer Geldstrafe von 60 Mk., die im Uneinbringlichkeits^ falle mit 20 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist, verurteilt und mit den Kosten des Verfahrens belastet. Zugleich wird dem beleidigten Polizeidiener Jeckel von Diebach o. H. die Publikationsbefugnis des Urteile zuerkannt. — Der Maurermeister Ph W. Z. von Haingründau hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts wegen Uebertretung des § 367, 15 Str.-G.-B. Einspruch erhoben. Vor Beginn der Verhandlung nahm er den Einspruch zurück und wurde mit den weiter entstandenen Kosten belastet. — Der Karussellbesitzer Gg. H. von Sck>otten hatte gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts wegen Uebertretung der Gewerbeordnung Einspruch erhoben. Auch er nahm seinen Einspruch zurück und wurde mit den entstandenen Kosten belastet. — In der Privatklage des K. Br. IV. in Haingründau gegen den Jhs. W. XV. daselbst wegen Beleidigung nahm der Privatlläger nach der Beweisaufnahme die erhobene Klage zurück und wurde mit den Kosten des Verfahrens belastet. — Nächltes Schöffengericht fmdet am 7. November 1910 statt. Darmstadt, 31. Okt. Eine umfangreiche Anklage wegen öffentlicher Beleidigung hat heute vor betf hiesigen Strafkammer gespielt. Sie richtet sich gegen zehn Ortsbürger von Biblis. Dieser Ort wird zumeist von Katholiken! bewohnt und war durch die um die Weihnachtszeit vor. Jahres erfolgte Disziplinierung des Dortigen Kaplans Kriegsheim' in große Aufregung versetzt worden, der sich dott trotz seiner nur kurzen Wirkungszeit eines großen Anhangs erfreute. Man glaubte, daß diese durch das bischöfliche Ordinariat in Mainz erfolgte Maßregelung auf Betteiben des Pfarrers Thomas gefchehen sei und hielt den Kaplan für einen unschuldig Verfolgten. Der ganze Zorn vieler dortiger Einwohner richtete sich deshalb gegen den Pfarrer Thomas, gegen den die schwersten Angriffe erhoben wurden. Die Erregung gegen den Pfarrer giny so weit, daß man chm in seiner Wohnung die Fensterscheiben einwarf uiid das Kreisamt einschreiten mußte, indem es öffentliche, gegen ihn gerichtete Versammlungen verbot. Als die Hanptverbteiter dieser Beleidigungen wurden die zehn Einwohner ermittelt, meist rul)ige Handwerker und Kleinbesitzer, und gegen sie die Offizialklage eingeleitet, die Staatsanwalt Maurer vertritt. Die Angeklagüenj haben inzwischen schon selber eingesehen, daß sie sich durch das ganze Auftreten des Kaplans Kriegsheim blenden ließen, der ihre Sympathien nicht verdiente, und auch ihre Eingriffe auf den Pfarrer Thomas nicht am Platze waren. Sie elitären jetzt, daß sie im besten Glauben an die Unschuld des Kaplans gegen den Psarreu Stellung genommen hätten und sie seien in ihrer falschen Auffassung bestärkt worden, well man ihnen in Mainz keinerlei Aufschlüsse gegeben hätte. Der schwer beleidigte Pfarrer Thomas hat sich ber öffentlichen Anklage als Nebenkläger angeschlossen. Die Angeklagten werden durch Justizrat H a l l w a ch s und Rechtsanwalt Bender vertreten. Die Verhandlung ließ den 33jährigen Kaplan, der in Offenbad) geboren ist, in einem sehr seltsamen Licht erscheinen. Er wurde 1903 zum Priester geweiht und wirkte kurze Zeit in Abenheim und Finthen. Im folgenden Jahre kam er nach Ober-Adtsteinach, wo er unerlaubte Beziehungen zu einem! Mädchen in Ober-Roden anknüpfte und mit ihr häufig in Hotels übernachtete. Während dieser Zeit entlockte er dem Mädchen 6000 Mark. Er wurde dann nach Herbstein versetzt und von da sttasversetzt nack). Dieburg. Er kam dann nach Biblis, wo er mit einer Lehrerin und der 16jährigen Tollster eines Bahnbeamten Beziehungen anknüpfte. Pfarrer Thomas sah sich dadurch gezwungen, bei dem bischöflichen Ordinariat in Mainz Anzeige zu erheben, worauf der Kaplan von dem geistlichen Gerichtshof in Mainz auf ein Jahr in das Kapuzinertloster nach Krefeld verwiesen wurde. Hierdurch wurde fast ganz Biblis gegen Pen! Pfarrer aufgebracht, daß er sich versetzen lassen mußte. In der heutigen Verhandlung, bei ber die Oeffentlichkell ausgeschlossen war, kam ein Vergleich zustande, da die An-, geklagten erklären, daß sie die Vorwürfe nur gemacht hätten, well sie geglaubt hätten, daß der Kaplan im Rocht gewesen fest Sie bUten den Pfarrer um Verzeihung und nehmen ihre Schmähungen mit Bedauern zurück. Ter Vergleich wird auf Kosten der Angeklagten in der Presse veröffentlicht vermischtes. fteere 2k u t o m o b i l u n s äl l e, die auch ein Menschen eben kosteten, ereigneten sich gestern in Wannsee. (Sine Motordroschke, die von P o t s d a m nach Berlin fuhr und mit rasender Geschwindigkeit den Berg zwischen Wannsee unb Beelitzhof hinunterraste, rannte durch einen Drahtzaun unb überschlug sich. Die sechs Jnsass verletzt und erhielten ans dem Bahnhof i u d e r i O) i u g \ i m Die sechs Insassen wurden schwer verletzt mll> erhielten auf dem Bahnhof Wannsee Notverbände und begaben sich dann nach Berlin. Der Lenker irrte den ganzen ■^rrnmun Grünewald herum, lehrte erst gegen Mittag zurück. c, ^benb ereignete sich ein zweites Unglück. Ein Automobll des profeslor Sonnenberg fuhr, als es einem Betrunkenen auswich, einen ujm in den Weg lau]eilten Mann an unb Verletzte ihn schwer. Dn Lenker nahm ben Verunglückten in sein Fahrzeug-, hatte aber t 4 n Ö \ vck, m der Dunkelheit an einen Zaun zu fahren, o daß das Automobil zertrümmert und der schon V e r- icßte b t n a us g e iM l e u d e r t wurde; Vieler starb aus bem Wege nach heyi fcajittnfauje, ‘ * Letzte Nachrichten. Unwetter. Metz- I. Nov. Heute morgen richtete hier ein orfan» attifer Sturm großen Schaden an. U. a. wurden zahlreiche Telephonleitungen zerstört. Paris, 1. Nov. Zm Departement Ardsche sind infolge Amtlicher Wetterbericht. WetterauSsichten m Hessen am NUltwoch dem 2. November 1910: Stürmische westliche bis nordwestliche Winde. Regenschauer, kälter. bauert, weil einig? inhaftierte 'Italiener innerhaD zwei Monaten ^ibch keinem Verhör unterzogen würben. In Friedrichs Hagen geriet der 32jährige Tischler Löben bei dem Versuch, aus Ucbermut einen Wagen auf* -uha lten, der in voller Fahrt die Friedrichstraße herunterkam, unter die Rader und wurde so schwer verletzt, daß er bald darauf ftarb. Die Zahl der in der Niederlassung in der Nähe der Station Mandschurija an Lungenpest erkrankten Chinesen beträgt 39, die der Gestorbenen 26. In Süd* und Mittelfrankreich gingen gestern heftige Gewitter nieder, die von einem z y kl o n a r t i g e n Sturm begleitet waren. Für Lyon soll Hochwassergefahr bestehen. In Leitmeritz wurde am Sonntag in Anwesenheit des Erzherzogs Karl Franz Joseph in Vertretung des österreichischen Kaisers die neue Kaiser-Franz-Joscph-Brücke über die Elbe feierlich eingeweiht. AufrenHa '. > Lanolin Seife heftiger Gewitterregen die Wasserläufe so angeschwoklnk, daß Straßen und Dahnen vielfach unpassierbar suw. Der Schaden ist beträchtlich. MWAA Marke ..Fanstring“ J v i ) e rech , dem u'Mp'ÜAgl. Reiepl vom langjth,. Fabrikanten der ^"fiirinqee»«: C. Naumann, Offenbach a. M. En gros: Tribut* & undheim, Giessen. * Einen glänzenden Erfolg erzielten die deutschen Aussteller aus den beiden Jubiläums-Ausstellungen in Buenos Aires mit 369 Preisen und 7 ehrenvollen Erwähnungen. Wir erhielten darüber folgende Draht- Nachricht: 'Buenos Aires, 31. Oktober. Aus der Internationalen Eisenbahn- und Verkehrs- auSstellung in Buenos Aires 1910 sind an deutsche Aussteller 72 große Preise, 34 Ehrendiplome, 38 goldene Medaillen, 17 silberne, 5 bronzene und 2 ehrenvolle Erwähnungen gefallen. Ans der Internationalen landwirtschaftlichen Ausstellung daselbst erhielten deutsche Aussteller 40 große Preise, 28 Ehrendiplome, 106 erste Preise, 26 zweite und 3 dritte Preise sowie 5 ehrenvolle Erwähnungen. Kleine TageSchronik. In Flensburg wurde in der vergangenen Nacht aus dem Geschäftsraum des Sladttheaters die gesamte gestrige Tageseinnahme in der Höhe von 2000 Mark gestohlen. Von dem Täter hat man keine Spur. In Newyork gerieten streikende Gepäckträger gestern mit der Polizei in ein Handgemenge, wobei 5 0 Polizisten schwer verletzt wurden. .Die Lage wird immer bedrohlicher. Im Landgerichtsgefängnis zu Triest ist abermals ein Hungerstreik ausgebrochen, der bereits seit vier Tagen Paris, 1’. Nov. Im „Matin" erklärt ein Kenner der französischen Kolonien in Indien, daß unter den Eingeborenen Jndochinas eine Gärung herrsche, die den Ausbruch von Unruhen befürchten lasse. Die französischen Behörden hätten eine bedeutende Zunahme des Waffenschmuggels festgestellt und auch die franzosenfeindliche .Agitation sei sehr in Zunahme bt* griffen. „Lange Jahre litt ich an einem hartnäckigen ■ * ■ || Viel, sehr viel habe ich Hautausschlag. =$«=== , ~ zu Tag. Nahm nur zum Wasch. Zuckcr's Patent-Medizinal-Teisc u. hatte großart. Erfolg. M. Schlör." ä Stck. 50 Psg. <15°/,.ig> u. 1.50 Mk. (35°/0tn, stärkste Form). Dazugeh.Zucko^h-Crcmc75Mg u.2Mk.insamtl.Apotb.,Trog.u.Parf. WMge MW MW HxEEEx {trumpf ist diese Husgade glänzend gelöst! 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