Nr. 330 Erstes Blatt 160. Jahrgang _ , „ „ Samstag 1. Oktober 1010 Wietzener Anzeiger für bie Redaktion 113, Verantwortlich für den ML General-Nnzeig-r für Gberhessen ZW g »ormmA"suh? Rotafi oitsbrad mir» Verlag der vrühl'schen llnlo..vnch. und Steint) ruderet R. Lange. Redattlon, Expedition und vruckerel: Schuistratze 7. Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten. politische Wochenschau. Gießen, 1. Oktober. 141 Arbeiter einer Kohlenfirma in Moabit hatten eine Lohnerhöhung gefordert, und als dem schriftlichen Verlangen des sozialdemokratischen Dransportarbeiterverbandes nicht umgehend willfahrt wurde, trat 24 Stunden später der Ausstand ein Es hatte hier, wie in zahlreichen anderen Fallen, dem Arbeitgeber widerstrebt, mit fremden, sachlich unbeteiligten Elementen sich in Verhandlungen einKulassen. Als darauf Arbeitswillige auf der Strafe offen angegriffen und mißlsaudelt wurden, blieb nichts anderes übrig, als die Polizei zu ihrem Schutze anzurufen. Das hat nun der Vorwärts" so ausgelegt, als habe die Berliner Schutzmannschaft in dem wirtschaftlichen Kampf die Partei des Arbeitgebers ergriffen! Nach der Ansicht dieser Kämpferin für Menschenrechte hat die Polizei kein Recht, sich der Arbeitswilligen antzunehmen, denen die Köpfe blutig geschlagen werden sollten. Dieser edlen Ansicht hat sich der Pöbel von Moabit aus vollstem Herzen angeschlvssen, und er hat sich nicht damit begnügt, mit Druckerschwärze gegen die verhaßten Polizisten vorzugehen, sondern er führte den Kampf mit Pistolen, Messern, Wurfgeschossen aller Arten, und so mußte es am Ende dahin kommen, daß auf der Straße regelrechte Schlachten ausgeführt wurden. Brave Gemütsmenschen brachten es dann über sich, aus dem Hinterhalte, aus Fenstern und Höfen, auf die Beamten zu schießen. Gegen solche Mordbrenner hat das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie kein Wort des Tadels, es verwahrt sich -war dagegen, daß sozialdemokratisch organisierte Arbeiter an den Krawallen teilgenommen hätten, gibt aber immerhin Au, daß die Straßentampfer im Banne sozialdemokratischer Jdeenkreise gestanden haben, denn es hält den Behörden vor, daß sie oes Aufruhrs besser Herr geworden wären, wenn sie die Hilfe der Arbeiterorganisation und ihrer Presse angerufen hätten! Die Leute, die hinterher zugeben, daß sie zur Vermeidung der Gräuel am ehesten hätten beitragen können, und gleichzeitig doch in spaltenlangen Schmähungen die alte Leier von der Brutalität des Schutzmannssabels singen, spielen wirklich keine beneidenswerte Rolle. Der einfachste Mann auch unter den Genossen selbst könnte es sich wohl 1 lebhaft ausmalen, mit welchem Hohn der „Vorwärts" die Behörde bedient haben würde, die etwa seine Mitwirkung angerufen hätte. In den Augen gesinnungstüchtiger Radikalen wäre die Bewilligung eines solchen Entgegenkommens ja ein weit größeres Verbrechen gewesen als die Zustimmung zu irgend einem Budget! Rein, heute ist nach der Magdeburger Parole das oberste Ziel die Aufwiegelung der Massen, und wehe dem llnglückswurm, der wider diesen heiligen «Geist durch eine Stimme im eignen Innern sich rühren lassen würde! Selbst in einem Teil der französischen Presse bringt man die Krawalle in Verbindung mit »dem Anschwellen der sozialdemokratischen Flut, und die Organe der deutschen Demokratie ergreifen mit Behagen die Gelegenheit, die auch in Moabit zum Ausdruck gekom- w mene zunehmende Erbitterung des Volkes gegen die reak- ' tionären Mächte ins Feld zu führen. } Wir glauben, daß die Mehrheit des deutschen Volkes , in solch „wüstem Garten, der aus in Samen schießt", auf , die Dauer sich denn doch nicht wohl fühlen wird. Das Kulturheldentum, das heute auf die Berliner Schutzleute schimpft, muß ersticken an seiner Gemütlosigkeit, tote die eifernde und gekünstelte Humanitätsmache gewisser demokratischer Organe an ihrer im Kern undeutschen und geistlosen Art. So ist natürlich auch der bekannte kleine Zwifchen- d fall mit den englischen Journalisten, die, mit ihrem Auto- 8 mobil dem Tumult allzu nahe, von Schutzleuten einige Z Püffe abbekamen, mit lebhaften Gebärden und spaltenlangem Line Münchener Ausstellung in Paris. o Am gestrigen Freitag wurde im großen Kunst- o dalast in Paris in festlicher Weise die eine 3 der hervorragendsten Abteilungen des Herbstsalons bildende M ü n - 3 chener Ausstellung für angewandte Kunst eröffnet. Zu der a rstier erschienen der Unterrichtsmmister Toumergue, der bay- 3 rische Geschäftsträger Baron von Ritter, der deutsche Geschüfts- 3 üäger Freiherr vonderLankenmit den Herren der Botschaft, 3 Generalkonsul Jecklin, zahlreiche französische und deutsche Künst- £ ler sowie viele Mitglieder der deutschen Kolonie. Ter Obmann des Ausftellungsrates, Professor Becker, hielt eine den Zweck der Ausstellung kennzeichnende Begrüßungsansprack>e, welche Un- I terrichtzminister Toumergue mit herzlichen Dankesworten und lebhaftester Anerkennung für die so interessanten Münchener Kunstbestrebungen beantwortete. Rach einem Rundgange durch die mit Ä eigenartigem Geschmack ausgestattete Ausstellung, welche versck>ie- dnre Wohnräume darstellt, fanb beim Bayrischen Geschäftsträger t eui Empfang statt, welchem Minister Toumergue, die Herren der deutschen Botschaft, zahlreiche Künstler und viele Mitglieder der deutschen Kolonie beiwohnten. Tic maßgebendsten Kritiker spendeten der Ausstellung reiches Lob. Um die Veranstaltung bat sich der Generalsekretär der Ausstellung, Kunstschriftsteller Grau- toif/ sehr verdient gemacht. Von unserem Pariser Mitarbeiter erhalten wir dazu noch wlgenden Brief: O V aris, 30. Sept. 1 . Die Münchener Ausstellung angewandter Kunst im Pariser Mbstsalon kann einen sensationellen Erfolg verzeichnen und be- Mftigt daher die Kunstkritik in viel höherem Grade, als die zur ^chau gestellten Bilder und Skulpturen. Man sucht natürlich ™tl großem Eifer nach schwachen Punkten, um den Gesamteindruck ?^krmindern, kommt damit aber nicht sehr weit. Die Haupt- »^Migung findet man noch darin, daß der Unterschied fwycyen dem norddeutschen und süddeutschen Ge- ' 9 Di a a c hervorgehoben und der letztere, den München vertritt, lateinischem und besonders französischem Einflüsse be- .hingestellt wird. Darauf versteift sich besonders der htrrt t des „Echo d e Pari s", der nach Hervorhebung fcenw ft €run6en an Antike in der Münchener Ausstellung Geschreibsel in eine Staatsaktion verkehrt worden, womit die preußische Unkultur wieder daraetan worden sei. Dabei hat ein Kriminalkommissar im Auftrage des Berliner Polizeipräsidenten den betroffenen Engländern, wie heute berichtet wird, einen förmlichen Entschuldigungsbesuch abgestattet! Aber weil es sich so mannhaft demokratisch liest und weil man allerweil ein bißchen Stimmungsmache gegen die Regierenden braucht, verweilt auch die „Franks. Ztg." lieber bei den leichten Verwundungen und abgerissenen Knöpfen unvorsichtiger englischer Gentlemen als bei den blutig gehauenen Schutzmannsköpfen. Aus demselben Geiste feinen und zeitgemäßen Kulturempsindens war dieser Tage auck ein Feuilleton desselben Blattes geboren worden, in dem es in Strömen von Wehmut bedauert wurde, daß die „wunderschöne Stadt" am Rhein am 28. September 1870 von rauhen Barbaren beschossen, eingenommen stnd damit ihrer Ehre beraubt worden sei. Ein im Herzen Frankreichs erscheinendes Blatt hätte zum Tag der Ä.inne- rung an den Fall der Festung Straßburg nicht schwungvoller seinem französischen Patriotismus Luft machen können! Das unverstandene Frankreich zeigt der Türkei noch immer die Miene des Beleidigten. Der Finanzminister Dschavid Bey wird auf Frankreichs Hilfe verzichten. Die Erklärung, die er nach dem „Daily Telegraph" einem Besucher abgegeben haben soll und die wir am Donnerstag ausführlich veröffentlicht haben, ist von großem Interesse und nach mancher Richtung hin aufllärend. Die Abwendung von Frankreich in der Anleihefrage ist danach ziemlich entschieden, und da etwaige augenblickliche Schwierigkeiten der türkischen Finanzen durch cm erhebliches Vorschußangebot der deutschen Bank völlig beseitigt sind, werden vielleicht die in der Dschavidschen Erklärung genannten Angebote „von angesehenen Häusern Oesterreichs und Deutschlands" den Engländern noch den Rang streitig machen. Auf der andern Seite ist, wenn Dschavids Bemerkungen unbestritten bleiben, erwiesen, daß die Türkei noch vor kurzer Zeit im englisch-französischen Fahrwasser sich befunden hatte. Die Mitteilung des türkischen Ministers, daß die Türkei wegen des Ankaufes von Kriegsschiffen sich zuerst an England und Frankreich genxmbt habe, klingt toie eine Entschuldigung des nachherigen Kaufabschlusses mit Deutschland. Eine halbamtliche Mitteilung des „Figaro" läßt in die interessante Vorgeschichte dieser türkischen maritimen Angelegenheit etwas tiefer blicken. Das Blatt schreibt, die Türkei habe kein altes, sondern ein zur Lieferung bereitstehendes 15 000 Tonnen-Panzerschiff neuesten Modells verlangt, und der französische Mcrrine- minister habe antworten müssen, daß es ihm unmöglich fei, der Türkei ein derartiges Schiff zu überlassen, da für dessen Ersetzung drei Jahre erforderlich wären, llnd auch aus dem ungarischen Wetterwinkel ist auf das aar zu anspruchsvolle und selbstzufriedene Frankreich ein kalter Regen niedergegangen. Der Osenpester Vertreter der „Reuen Freien Presse", der die gestern von uns mitgeteilten Aeuße- rungen des deutschen Staatssekretärs v. Ktderlen-Wächter über das Zustandekommen der ungarischen Anleihe veröffentlicht hat, bringt heute Bemerkungen aus dem Munde des ungarischen Ministerpräsidenten, der zwar den Ramen Frankreich nicht ausdrücklich nennt, aber doch in völliger Uebereinsttmmung mit v. Kiderlen--Wächter sich also hat vernehmen lassen: ,/Dic jüngsten Tage haben gezeigt, daß wir in Deutschland eine feste Stütze haben, auf die wir uns immer verlassen können^, eine Stütze nicht nur in politischer, sondern auch in finanzieller und wirtsck>astlicher Hinsicht. Wenn aber das Sprichwort schon von den Heinen Diensten sagt, daß sie die Freundschaft stärken, so kann man getrost sagen, daß die großen Dienste, wie sie Deutschland der Monarchie und Ungarn nun schon wiederholt auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete erwiesen bat und welche Oesterreich-Ungarn nach Kräften zu erwidern trachtet, die alte Freundschaft zu Eisen schmißen werden. Gewiß wäre auch das Zustandekommen des ursprüng- „Auch wir haben zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Antike nachgeahmt. Aber man vergleiche die beiden Auslegungen. Die unsere ist jener köstliche Louis XVI. Stil geworden, die MünckZener dagegen die Disziplin, die bereits in ihrer Stadt 1908 triumphierte und die sich heute miit solcher Energie im Grand Palais und vielleicht auch in den zwanzig deutschen Häusern für Kunstgewerbe bekundet, die sich in Paris niedergelassen haben. . . . Tic große Originalität der Münchener Gruppe besteht in der Disziplin, mit der begriffen wurde, daß ein Zimmer von einem Architekten gezeichnet werden muß, daß es eine Proportion wie ein Haus hat, daß die Größen- verhältnisse der Möbel, der Bilder, der Skulpturen von der allgemeinen Proportion abhängt. In dieser Hinsicht kann ich nur die Herren Karl Jäger, Theodor Veil, Troost, Niemeyer, Karl von Burg und Niemerschmid, einen der Anreger der Bewegung, loben. Dagegen ist die Ornamentierung der Möbel schwerfällig und erinnert in gewissen Fällen an die unangenehmen Ausschreitungen des Bombay-Stiles. Sobald aber das Möbel feststeht und zur Archftektur gehört, wie in dem Speisesaale Herrn Niemeyers oder in dem weißen Schlafzimmer Herrn Riemerschmids, ist es tadellos." Ganz Lob ist die Besprechung des „Journal des Dc- bats" über die Münchener Ausstellung.- „Man ftndet keine Spuren des modernen Stils in ihr. Sie ist manchmal gefällig, häufig streng, immer hinreichend einfach, im vorzüglichen Gleick-gewichte gehalten, solide. Am meisten frappiert die Strenge, mit Mr für jede Auffassung alles nach dem Willen des Schöpfers diszipliniert ist. Man ftndet überall eine Einheitlichkeit, die, wenn sie die Phantasie ausschließt, einen Eindruck der Ordnung, der Ruhe, der Sicherheit und der Harmonie hervorruft." Ter „Figaro" spricht der Ausstellung eine starke und unangreifbare Kohäsion zu: „Tie Münchener Künstler geben sich wie sie sind, sie geben auch alles, was sie können. Bei ihnen ist nichts vernachlässigt, nichts „ungefähr", nichts Angehudeltes. Alles ist reiflich nach dem Geschmacke und dem Temperamente der Rasse berechnet und die Auffassung ist bis zum kleinsten in äußerster Sorgfalt ausgeführt." n. M ainzer Stadttheater. GygeS und fein Ring, Hebbels crgreijendes Drama, ging am Donnerstag injcüua lichen Anleiheprojekts fein Grund gewesen, zu glauben, daß Ungarn seinen bewahrten Freunden untreu werden wollte. Schort der Umstand, daß das erste Projekt eigentlich nur der Plan eines Bankkonsortiums war, würde dagegen sprechen. Daß es sich aber wieder einmal gezeigt hat, daß die altbewährten Freunde im Bedarfsfälle stets die sichersten uiti) besten sind, ist gewiß eine Tatsache, die sich in das Gedächtnis einprägt und die man nicht so leicht vergessen kann. Unter solchen Umständen haben wir Grund, mit dem Ausgange der ganzen Angelegenheü durck-aus' zufrieden zu sein und ihr Ergebnis in politischer und wirtschafte lieber Hinsicht für gleich erfreulich xu halten." Wenn die heute so offenkundigen guten Beziehungen zwischen Deutschland und der habsburgischen Monarchie auch eine gute Rückwirkung haben werden auf das künftige Verhalten der Tschechen Deutschen gegenüber, so können wir zufrieden sein. Hoffentlich darf Herr v. Kiderlen-Wächter in der kräftigeren Wahrnehmung der deutschen Interessen künftig sich auf die Gegenleistungen Oesterreichs verlassen. Es ist ein frohes Gefühl für uns, daß der frühere herausfordernde Ton der Briten und Franzosen heute fett en er hörbar wird und daß wir unseren Feinden eine gelaufene Ruhe zeigen können. Vie französische Vergeltung gegen Ungarn. Paris, 30. Sept. Das heutige Amtsblatt t) er ö ff ent* licht einen Erlaß, nach welchem bis auf weiteres dus auD Niederländisch- Indien stammende Petros tenm des französischen Minimaltarifs teilhaftig wird. Die holländische Regierung verpflichtete sich dafür, von der beabsichtigten Zollerhöhung auf gewöhnliche und Schaums weine für Niederländisch-Jndien abzusehen. Natürlich bemüht man sich in Frankreich, der Räche ein harmloses Rtäntelchen umzuhängen: Paris, 30. Sept. Die Maßnahmen, welche bezüglich bet Einfuhr von österreichischem Petroleum in Frankreich ergriffen werden sotten, stehen keineswegs im Widerspruch mit dem österreichisch-französischen Handelsvertrag von 1884, sondern sie bedeuten einfach die Aufhebung einer stets widerruflichen Vergünstigung. Die Sperrung der Zoll- bureaus im östtichcm Frankreich für Petroleum ist völlig legal und richtet sich nicht ausschließlich gegen das österreichische Petroleum. Die Anwendung der vor geschlafenen Maßnahmen darf demnach nicht als ein Zeichen zum wirtschaftlichen Bruch mit Oesterreich angesehen werden, da die österreichisch-uugarisck>en Erzeugnisse ja noch immer bei der Einfuhr nach Frankreich Vorteile genießen, die ihnen durch den Vertrag von 1884 zugesichert sind. Die betreffenden Maßnahmen bezwecken einzig, das Gleichgewicht zwischen der Limonowa- und anderen österreichischen Petroleum-Gesellschaften wieder herzu stellen, das durch die öfter' reichische Verwaltung gestört ist.____________________________________ Aus dem böhmischen und mährischen Landtag. Prag, 30. Sept. Der böhmische Landtag hielt aus Grund der in den Verständigungskonferenzen vereinbarten Tagesordnung eine Sitzung ab. Die Steuervorlagen und auch die natio- nalpolitischen Vorlagen wurden an besondere Ausschüsse verwiesen. Es ist seit zwei Jahren die erste Sitzung, in der keine Obstruktion getrieben wurde. Brünn, 30. Sept. In der heutigen Sitzung des Landtags wurde die Aussprache über die von deutscher und tschechischer Seite gestellten Dringlichkeitsantrage betreffend die Vorfälle in Jglau am 31. Juli anläßlich der Abl-altung des SokolfesteZ fortgesetzt. Die Dringlichkeit beider Anträge wurde angenommen. Tas Meritum des Antrages Müller und Genossen, in welchem die Regierung aufgefordert wird, bei der Untersuchung über die Vorfälle objektiv vorzugehen uno den tschechischen Vorstößen in den deutschen Städten, sowie dem Boykott gegen deutsche Geschäftsleute ein Ende zu bereiten, wurde abgelehnt. Darauf verließensamtliche deutsche Abgeordnete den Saal. Ter Vorsitzende erllärte die Sitzung für beschlußunfähig und schloß sie. Tie nächste Sitzung wird auf schrift- licbem Wege bekanntgegeben werden. Line Sitzung des deutschen vundesrates. Der „Reichsanzeiaer" schreibt: In der am 29.September unter Vorsitz Delbrücks abüehaltenen Vollsitzuna des Bunde s r a t s wurde von der Bildung der Ausschüsse für Land- ernsten Würde über die Bühne. Düster und ahnungsschwer drückte es auf die Beschauer, trotz des hefterlachenden, blauäugigen Himmels der Lydier. Aber auch das Spiel wirkte beflenunenb; dasselbe Stück wurde auch im vergangenen Jahre gegeben, aber mit entschieden größerem Erfolg. Ungeteiltes Lob verdient Frl. Bolteny's Rhodope, auch Herrn L ö h r' s Gyges war eine vorzügliche Leistung, doch überstürzte er sich bisweilen in gar zu lebhaftem Feuer. Tas übrige, mit Ausnahme des Thoas, war nur mäßig. Ein grober, ungeschlachter König stteg dann in Krone und Mantel herum, ein schlechter Freund für den zartfühlenden Gyges. .Die Regie des Herrn Löhr war nahezu vollkommen. — Eine Dumas-Anekdote aus der Zeit, 8a der berühmte Romancier mit seinem Freunde Auguste Magnet an den „Drei Musketieren" arbeitete, teilt Jean de Iourgaiw im „Monde artiste" mit. Eines Tages schickte Magnet ein Kapitel des bekamtten Werkes an Dumas zur Durchsicht; er hatte das Kapitel gerade beendet, das die Geschichte von einem Duell am Hose Ludwigs XIII. schildert. Der König zeigte sich bekanntlich sehr unerbittlich gegen die Duellanten; er hatte einen Pistolenschuß gehört, und um die Schuldigen zu retten, erllärte ein adliger Herr, der Schuß sei von einem Jäger auSgegangenu der auf Anstand war. „Wieso auf Anstand?" fragte der König. „Warum ist er allein auf den Anstand gegangen? Auf den Ausstand auf was?" „Auf ein Wildschwein," antwortete der Ritter: „ein Bauer hatte es im Feld gesehen." Als Dumas das Kapttel Magnets durck-las, wollte er den letzten Satz verbessern und schrieb an seiner Statt: „Ein Bauer hatte es urtter seinen Kartoffeln gesehen." Als Magnet das Manuskript zurück erhielt und Dumas' Aenderung gelesen hatte, schrieb er fernem Mitarbeiter ein amüsantes kleines Billett: „Aber was denken Sie denn, lieber Freund! Kartoffeln unter Ludwig XIII.!" Was tat Dumas? Der Anachronismus, der ihm unterlaufen war, kränkte ihn, und er wollte wenigstens, so gut es ging, das letzte Wort behalten. Statt der Worte „Pommes de terre" setzte er „Pommes! b’amour", und aus den Kartoffeln wurden Tomaten. Aber seine „pommes" hatte er wenigstens gerettet. Die Anekdoia befindet ftch in den Akten des Prozesses, der 1859 zwischen DumaS und Maguet ausgefochten wurde, denn die beiden Mttarbeüer waren sich bei der Teilung der Honorars in die Hanre geraten.. Hausbesitzern hohen Rabatt! 5431J Ter Vorstand. spiel gedacht war, daS den Untertitel führen könnte .Der geprellte Jude*, so ist doch nach dem Vorgang des berühmten Davison eine tragische Auffassung deS Shylock aus der deutschen Bühne heimisch geworden und diese wi^d auch bei der hiesigen Aufführung beibehalten werden. Die Regie von Direktor Steingoetter wird aber dafür Sorge tragen, daß auch die zahlreichen heiteren Szenen des Werkes zur Geltung kommen. Nach dem Eindruck der zahlreichen Proben ist eine sehr in* teressante, auch dekorativ sehenswerte Aufführung zu erwarten. ** Der Ausbruch der Maul- und Klauen- s e u ch e ist gemeldet aus: Wessola, Kreis Dost-Gleiwitz, Regierungsbezirk Oppeln; Langarb-en, Kreis Rastenberg, Regierungsbezirk Königsberg; Rosen schön, Kreis Rössel, Regierungsbezirk Menstein, bei Händlervieh, am 28. Sept. **Ueber80Einjährig-Freiwillige sind heute in das hiesige Infanterie-Regiment eingetreten. = Daubringen, 1.Oft. Bei der gestrigen Gemeinde* «erbe, des Ent- Beseitigung von Tier- Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Welteraussichten in Hessen am Sonntag dem 2. Ott. 1916- Zunächst Heuer, doch strichweise Morgennebel, etwas kühler, spärer wieder Trübung und Eintritt von Regen. Montag den 3. -Oft, abend- 8'/. Ubr, 1. WonfltöDrrfaminlDnfl b. Kam. Buchbergcr, Riegelpfad. Tagesordnung: Bericht übe1 Sonnlagswachen 1910 und Übci böjahr. Stiftungsfest. W Tas Kommando. aOQQOQOOOOfl Heer «nv Flotte. Stockholm, 30. Sept. Ter frühere preußische Kriegsminister General Verdy du Vernais, der hier bei seinem Sohne zu Besuch weilte, ist heute nachmittag gestorben. unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, sämtlich in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, in den Ruhestand versetzt. In den Ruhestand versetzt wurde ferner der Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisen- bahngemeinschaft, Hch V o l z zu Altenburg. ** Lehrerpersonalien. Ile6 ertragen wurde dem Lehrer Mart. Wilh. Rüdinger zu Rendel eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Steinbach (Kr. Offenbach). In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der evangelischen Schule zu Bingen, Adam Meister, auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung feiner Gesundheit und der Lehrer an der Gemeinde schule zu Osthofen, Heinrich Singer, bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. Erledigt ist eine Stelle für einen evang. Lehrer und je eine Stelle für eine evangelische und eine israelitische Lehrerin an der Volksschule zu Worms. ** Entlassen wurde der Fußgendarm Wachtmeister Hch. M e y e r zu Ortenberg. **VonderZwetschenernte. In starkem Gegensatz zu der reichen Aepfelernte steht in unserer Gegend und irr der Wetterau in diesem Jahre die Zwetschen- ernte. Sie liefert nur ganz geringe Erträge, so daß Zwed- schenkuchen diesen Herbst für viele ein seltener Genuß ist; sicher nicht zum Leidwesen unserer Bäcker! — Bessere Erträge an Zwischen gab es imhohen Vogelsberg und besonders am Andrücken, in der Gegend zwischen Schlüchtern, Elm und Gemünden. Dort haben die Frankfurter Händler, die sonst immer in unsere Gegend und in die Wetterau gekommen sind, ihren Bedarf auskaufen müssen. Es wurdeii dort bis zu 8 Mark für den Zentner bezahlt, rin hoher Preis, wenn man damit die Preise der Voriahre vergleicht, die nur 2—3 Mark betrugen. -Arbeitsvermittelung im Gast wirtsgewerbe. Nachdem die hier bestehenden Facharbeitsnachweise beschlossen haben, ihre Tätigkeit einzustellen und sich dem paritätischen städtischen Arbeitsnachweis anzugliedern, wird der städtische Arbeitsnachweis, Asterweg 9, vom 1. Oktober ab auch die Arbeitsoermittelung im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe übernehmen. Durch diese Konzentration soll eine rasche und zweckentsprechende Ausgleichung von Arbeitsan. und Arbeits- Nachfrage im Gastwirtsgewerbe herbeigeführt werden. Der städtische Arbeitsnachweis ist an Werktagen von 8—1 und von 8—6 Uhr geöffnet. Von Oeffnung des Arbeitsnachweises am Sonntag ist vorerst Abstand genommen, in der Erwartung, daß der Bedarf an Arbeitskräften für den Sonntag am ooJ hergehenden Samstag Nachmittag leicht gedeckt werden kann; um letzteres noch besonders zu ermöglichen, wird der Arbeitsnachweis an Samstagen auch von 6—7 Uhr geöffnet bleiben. Die Vermittelung geschieht für Arbeitgeber und Arbeitnehmer kostenlos. - Arbeitsjubiläum. Heute sind es sünfund* zwanzig Jahre, daß der bei der Firma Wilhelm Wallen- fels Sohn tätige Fuhrmann Philipp Lich in diesen Dienst eintrat. ** Die hiesigen RindSmetzger hatten eine Ein- ] gäbe an das Ministerium gerichtet, die einheitlich für alles ■ Großvieh festgesetzte Schlachtgebühr für Rinder und Kühe zu ermäßigen. Der Eingabe wurde vom Ministerium keine Folge gegeben. - Stadttheater. In der Eröffnungs-Vorstellung : .Kaufmann von Venedig* am kommenden Dienstag wird die Rolle des Shylock von Herrn Gühne gegeben werden. I Wenn auch das Werk von Shakespeare ursprünglich als Lust* । Privat- Tanz-Unterricht erteilt zu jeder Tageszeit Karl Schmidt, Tanzlehrer, 31 Wetzitetügalle 3L (312 GwAMI'M Sonntag den 2. Okt. nachm. Familie« - Ausflug nach der Wellersburg (Saal). Abmarsch mit Musik 2 Uhr vom Vereinslokal. Um zahlreiche Beteiligung bittet Ning war an der Angeklagten keine besonder« Erregung zu bemerken. Der Sachverständige, Med.-Rat Dr. Lehn, bezeich, nete die Angeklagte für zurechnungsfähig, wenn auch geistig müC derwertig. Der Staatsanwalt wandte sich gegen die Zubilligung mildernder Umstände, während der Vetteidiger die Veranlassung zu dem Verhalten der Angeklagten in der unglücklichen Ehe der Eheleute erblickte. Nach kurzer Beratung der Geschworenen lautete das am Abend Vr9 Uhr verkündete Urteil auf 6 Jahre Zuchthaus, abzüglich 5 Monate für Untersuchungshaft. ratSwahl stimmten etwa 90 Prozent der Wählerschaft ab. Gewählt wurden Bahnarbeiter Wilhelm Hilberg (freif.) mit 69, schlosser Johannes Klingelhöfer II. (freif.) mit 66 und Schuhmachermeister Georg Braun I. mit 50 Stimmen. Hilberg und Klingelhöfer wurden neugewählt. II Daubringen, 30. Sept. Heute feierte Johannes Klingel höfer mit seiner Ehefrau Margarete, geb. Schwalb, das Fest der goldenen Hochzeit. Die kirchliche Feier fand im Saale der Kleinkinderschule statt, wo sich Verwandte und Freunde, sowie die Mitglieder des Kirchenvorstandes und Schulvorstandes, denen der JubUar noch aktiv angehört, eingefunden hatten. Nach Beendigung der seltenen und ergreifenden Feier verlas Pfarrer Gußmann ein in ehrenden Worten abgefaßtes, herzliches Glückwunschschreiben des Großherzogüchen Oberkonsistoriums und überreichte dem Jubelpaare das Geschenk die) er Kirchenbehörde, nämlich ein schönes Neues Testament. Ueber- rascht und hocherfreut wurde das Jubelpaar auch durch ein Ge- chenk des Großherzogs. i§ Gestatt seines Bildes mit eigenhändiger Unterschrift. ---- Alten-Buseck, I. Okt. Kommenden Montag soll hier die Gemeinderatswahl stattfinden. Während in früheren Jahren mit 30 bis 40 Stimmen hier schon einer znm Gemeinderat gewählt wurde, hatte vor drei Jahren das gewählte Mttglied 112 und der unterlegene Kandidat 89 Stimmen. Eine noch stärtere Wahlbetei.igung ist diesmal nicht ausgeschlossen und die ganze Bürgerschaft sieht dem Ausgang dieser Wahl mit Spannung entgegen. Die Arbeiterpartei hat bereits zwei Kandidaten ausgestellt und der Dürgerverein wird sich in seiner heute stattfindenden Wählerversammlung mtt der Kandidatenliste befassen. Die drei ausscheidenden Gemeinderatsmitglieder verzichten auf eine Wiederwahl. ? Großen-Linden, 1. Okt. Am Montag nachmittag indet hier Bürgermeisterwahl statt. Ta von der Aus* stellung eines weiteren Bewerbers bis jetzt nichts verlautet hat, ist an der Wiederwahl unseres langjährigen verdienten Bürgermeisters Leun nicht zu zweifeln. 4 Lich, 30. Sept. Nachdem am Dienstag bei d-er Versteigerung des städtischen Obstes hohe Preise bezahlt wur- den, waren fie bei äen Versteigerungen an den Kreisstraßen, die am Mittwoch, Donnerstag und Freitag erfolgten, bedeutend geringer, da die Anfrage nicht mehr so groß war. Von Händlern werden hier schon fleißig Aepfel angekauft. Für Schüttelobst werden 5—8 Mk. für den Doppel* zentner bezahlt, für bessere Sorten Tafelobst 8—10 Mk. nz den Zentner. — Die Grummeternte ist hier noch nicht ganz geborgen. Einige Nachzügler sind immer noch auf dem oberen Wiesgrund beschäfttgt. Aus Stabt und taub» Gießen, L Oktober 1910. ** Bahn Personalien. Der Großherzog hat den Obergütervorsteher Karl Jäger zu Mannheim auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundhett, den Bahnmeister 1. Klasse Aloysius Tuch zu Langen auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, den Werkmeister Karl Ro t h- er m e 5 zu Darmstadt auf fein Nach suchen, den Bahnmeister Hch, Ra ufert zu Michelstadt auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, den Oberbahnmeister Nik. Magnus zu Mainz aus fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit, den Vorstand der Eifenbahn-Betriebsinspettion Gießen 2, Geh. Banrat Ludw. Roth auf sein Nachsuchen, Die Tragödie eines Kindes. (Schluß.) 9\?aintilabti<30- Sept. Di- Schwurgerichts- tt?9 Fegen die Ehefrau des Bahnwärters Fries ßf 95b- 3^, gestaltete sich sehr belastend für die • bewndersergab |tdj fein erheblicher Grund für die geschweige denn für die fortgesetzten Mißhandlungen an dem bedauernswerten Kinde. Während der Verhand- Tanptpn ä Ro,Ie von 10 prg. an IfljpGlCU Eleg.Goldtapeteä Rollev.20Pfg.an Echte Lincrusta . ä Mir. v. 35 Pfg. an Dacorlrte Lincrusta ä „ „ 65 „ „ Ersatz-Uncrusta . ä „ „ 20 „ w _ Versende ft-o. geg. fro. Karte 51 v.10 46Pfg. Karte 52 r.48-160Pfr. Ringfreie Tapeten Industrie 449 stlBersteigerung findet bestinmu Gießen, am L Oktober 1910. Setpel, Gerichtsvollzteher, vermischtes. * Einen guten Fang machte die Leipziger Polizei. Der Fahrraddieb, der, wie wrr gestern meldeten, am Don. nerstag in Leipzig den Schutzmann Hentschel bei der Verhaftung erschossen hatte, entpuppte sich als ein gefährlicher russischer Revolutionär namens Oso lewki, der anfangs dieses Jahres in Odessa im Auftrage der russischen revolutionären Partei einen Bombenanschlag auf einen russischen Großfürsten unternommen hatte. Infolge der verspäteten Ankunft des Großfürsten sei die Bombe zu früh gefunden und dabei einige Personen schwer verletzt worden. Dann will er an sangs Februar aus Odessa mit Helfershelfern entflohen sein. Sie wurden steckbrieflich verfolgt. Nach mehr, fachen Irrfahrten sind sie endlich in Leipzig angekommen * Ein wahnsinniger Offizier im Eisen- bahnzug. Auf dem Staatsbahnhof in Wien wurde am tzrertag ein Offizier festgenommen, was zu den seltsamsten Gerück)ten führte. Zu der Festnahme wird nun berichtet daß es sich nicht um Spionage handelte, sondern um die Unschädlichmachung eines irrsinnig gewordenen Ulanenoffiziers. Dieser begann während der Fahrt plötzlüi> die Vorhänge an den Fenstern des Wagens zu durchschneiden. Kaurn hatte ein in demselben Abteil fahrender Postbeamter gesagt: „Aber Herr Leutnant, was machen Sie denn da'?" als der Offizier sich auf den Beamten stürzte und chn durch drei Messerstiche lebensgefährlich verwundete. Ebenso wurde eine Mitreisende Dame von dem Wahns innigen verletzt. Kleine TageSchronik. Mit dem letzten Tage des September ist das Berliner Aquarium in der Schadowstraße für immer geschlossen worden und bald wird die Spitzhacke eine der ruhrnreichstei: Stätte der berühmtesten .Schausammlungen und Sehenswürdia- ketten zerstört haben. Der ehemalige Stabskapitän Andrejewsky in Petersburgverkaufteinden letzten Wochen tauseuds pon Flaschen gefälschtes Ehrlich-Hata-Mittet Er wurde verhaftet und die noch vorrätigen Flaschen wurden beschlagnahmt. Ein T a t i u n zerstörte, rote aus Manila gemeldet wirv vier Ortschaften tin Flußtale desCagayan und beschädiole die T a b a k e r n t e s ch ro e r. R. B. Friedberg, 30. Sept. Das Leben am Hof* Va ger mmmt fernen ruhigen Verlaus, die Zarin , die morgen ihr 10. Bctt) nimmt, ist mit dem Erfolg der Kur ebenso zufrieden, wie dte übrigen Fürsllichketten von ihrem hiesigen Aufenthalt. Die Kaiserin bat die Kur bisher normal durchgeführt: wenn auch vmi Znt zu Zett eine leichte Ermüdung festzustellen ist, so zeigt llch doch, daß die Bäder allmählich ihre Wirkung ausüben. Nach der neuesten Anordnung soll die Kur bis Mitte Oktober durch- gesuhrt werden. Die Uebersiedelung des gesamten Hoflagers wird b en erfolgen, auch die Kaiserbegegnung wird voraussichtlich un Schloß Wolssgarten vor sich gehen. Eine Uebersiedelung nach Darmstadt wird nur in Frage kommen, wenn die Witterungsverhältnisse sich ganz abnorm gestalten sollten. Z?ust hat sich das Großherzogspaar stets von Mitte September u Avemb« in den. abliegenden, räumlich beschränkten, aber behaglichen Räumen von Schloß Wolfsgarten überaus wohl besunden. Am Donnerstag unternahmen die Herrschaften, mtt Ausnahme der Zarin, in vier Automobilen einen Ausflug nach Dem ohenro dskopf. Sie fuhren über Nidda und Schotten bis Breungevham, wo die Insassen die Wagen verließen und den k9a.uf dem Hohenrodstops zu Fuß zurücklegten und dott den Kassee entnahmen. Zuletzt wurde der Taufstein bestiegen Die Rückfahrt erfolgte über Laubach und Hungen. — beute wir i>n Mmister des kaiserlichen Hauses, Baron Frcderrch nut Gemahlrn zur Tafel geladen. -s ^.Frankfurt a. Mt., 30. Sept. Der Einbrecher Konrad H o l l a n d, der bei einem Mcmsardeneinbruch in der Kornerwtese Nr. 14 überrascht wurde, jagte sich eine Kugel eTV- f * nachdem er von drei Schutzleuten über die wacher hrruoeg verfolgt worden war und er keine Rettung me^r fa^ Lebensgefährlich verletzt wurde der Einbrecher ins Krankenhaus gebracht. Versteigerung. Montag den 3. ds. Mts., nachm. 2* 1 2 * * * * * */, Uhr, sollen dahier Walltorstraße 6 (Darmstädter Haus) 2 Kassenschränke, 1 Brotgestell, 1 Nähmaschine, 1 Fahrrad, 1 Musikautomat, 2 Säckc mit Hornteilen, 1 Warenschrank, 1 Ladeneinrichtung, 1 Ladembeke, 1 Eisschrank, IM Mistbeetsenster, 2 Mille Zigarren, 50 Spa-ierstücke, 3u Pfeifen, 2 Auslagekasten, Parfümerie-Artikel, 5 Palmen, 5 Zimmertannen, 2 Schweine, mehrere Pferde und Wagen, sowie verschiedene Sattlerwaren und Haus- und rküchen- geräte aller Att versteigert werden. 08219 Gießen, am 1. Oktober 1910. Seipel, Gerichtsvollzieher. TÄT 1OOOO JIark auf erste Hypothek gesucht. 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Tagesordnung laut Statuten. Alle Mitglieder sind freundlichst eingeladen. <5418 Der Borttnud. Stenographie. Wir eröffnen Montag, 3. Oktober b. 9., abcudd 8-/, Ubr im vorel Einhorn Lehrgänge für Stenograpbie (6 M5) u. Schreibmaschine (4 Mk.s. v»/ Gefl. Anmeldungen an Herrn Prokurist Kuhl, Weserstr. 16, oder zu Beginn des Unterrichtes erb. Stenographen-Gesellschaft Gabelsbcrger. Privat-Unterricht in Weißnäben und Znschnclden wird erteilt 107941 __________Bleichstraße 29, I, In israelitischer Familie stndet Herr od. Dame gute Pension. Schriftl. Angebote unter 08142 an den Gieß. Anzeiger erbeten. kurzem Krankenlager meine liebe Frau, unsere geliebte Frau den I. Oktober Darmstadt, 1910} Wendeistadt Strasse 23. Die Trauerfeier im Sterbehaus Montag nachmittag 3 Uhr. Die Einäscherung findet in Mainz in aller Stille statt. — Blumenspenden dankend verbeten. DV, Neuheiten Einheits-Preise Einheitspreis für Damen und Herren 15“ Luxus-Ausführung Schuhhaus dVi» Sdiuh=Haus k. Süss 1WS 5444 Jeder Mensch trinkt DVi« ©ttfeeti, 28. September 1910. Der Vorstand. Kardinal-Malz-Kafffee [5414 ein Markt- stnusse 9 Weiter gasse Durch gemeinfamen Einkauf unerreichte Vorteile im Verkaufe entschlief nach Grossmutter Hile Formen 1. Berichterstattung, 2. RechnungSablage pro 1910, 3. BorstandSwahl, 4. Winterfestlichkeiten, 5. Auslosung von 6 Anteilscheinen deS Schützenhauses, 6. Verschiedenes. Heute Mutter und Hile tiedersorten Lucy Zentgraf, geb. Dornseiff Anny Freiensehner, geb. Dornseiff Franz Dornseiff Oberleutnant Freiensehner Dr. Otto Zentgraf, Köln, u. 3 Enkel wenn er sich erst mal von der Güte unseres, Gesunden und kranken ärztlich empfohlenen, unter ständiger Kontrolle des eigenen Laboratoriums hergestellten n V rinn 1 Dtzd. 75 PL, 5 Dtzd 3 Mk, Gürtel 40 u. 60 Pfg. UamenninQen C. Bi$hr & Co., Bahnhofstrasse. Herren- u. 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Oktober, abends 8^/, Ubr, im SchtUreubarüe mit folgender Tagesordnung statt: überzeugt bat, nichts anderes mehr. Uebetört zu haben. DV.o Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem slvweren Verluste sagen wir allen herzlichsten Dank. Familie Ott. 108096 Giehen, Leihgestern, den 1. Oktober 1910. "M - Beste-Eager Eina Bernard Bismarckstrasse 6 pari. Marke Ochsen. 62 92 46 87 41 81 82—86 47 84 77-78 41 77 70-76 37 72 40 80 56-57 71—78 56 72 Zahn-Creme Mundwasser aison bringe ich in grosser Auswahl billig zum Verkauf Mein Geschäft ist am Dienstag dem 4. und Mittwoch dem 5. d. MH. Feiertage wegen geschlossen r teiicr, Marktplatz 6 72 70 100-107 87—06 78—86 71—73 70—71 62 55 48 103 91 82 56-57 54—55 Schweine. Vollfleischige Schweine btä zu 2 Zentner Lebendgewicht Pollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht Fleischige Schweine ..... 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Stück 0,80—1,80 Pik., Enten pr. St 1,80—2,20 Mk., Gänse das Pid. 75—80 Pfg., Ochsenfleisch vr. Pid. 84—92 Pfg., Rindfleisch pr. Pkmtd 80—84 Psa.. Kuyfleisch 70 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—96 Pfg., Kalb leisch pr. Pfd. 86—88 Pfg., Hammelfleisch pr. Pid. 60—84 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 7.00 bis 8.00 Pik., Weißkraut das Stück 10 Schale. Mastlämmer und jüngere Masthammel 40—00 80—00 56 54 Darmstädter Möbel Unsere neuenModelle übertreffen alles bisher dagewesene an Qualität, Formenschönheit u. erstaunlich billigem Preis. August Schwab jr. Darmstadt, Rbeinstr.39, nächst d. Bahnhöfen. Tel.397. Spezialität: Komplette Wobnunaöeiurichtuuaen von lOOO—lOOOO Mk. Freie Lieferung, dauernde Garantie. Alles offen ausgezeichnet. Man verlange Preisliste und Abbttdnngeu. Mäßig geilährte junge und gut genährte ältere......... 40—43 80—83 Fürs en, Kühe. 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Weil die alten Patriz»ierhäuser sich öffneten, ist es möglich, einen tiefen Blick in das Handwerkerschaffen einer Dogeisberger Kleinstadt z-u tun. Es ist reizvoll genug und recht dazu angetan, vor den allen Meistern Respekt einzu- flößen. Ausstellungen wie diese haben für unsere Gebirgsheimat außer dem kulturellen noch einen Sonderwert: Sie sind -eine Ehrenrettung des Vogelsbergs. — Bad-Nauheim, 30. Sept. Bis zum 29. Sept, sind 3 2 3 92 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 2604 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 29. September 422 505 abgegeben. «= Wetzlar, 30. Sept. Ter gute Verlaus der bisherigen Veranstaltungen der 3. Rhein-Mainischen Volksakademie berechtigt zu guten Hoffnungen für die nächsten Tage. Tie rege Teilnahme der Mitglieder der Akademie an den schwierigen Fragen, die durch die Vorträge der Professoren Tr. N a t o r p intb Flegler und des Seminardirektor Groth über die Grundlagen der Volkserziehungsarbeit aufgeworfen wurden, führte zu lebhaften Erörterungen, in denen die Geister oft stark aufeinander platzten. Alles versöhnte aber wieder der Gedanke an das gemeinschaftliche Ziel, dem der Rhein-Mainische Verband Ntstiebt Tie Vorträge des Pros. Dr. Natorp wurden am Freitag beendet Am Sonntag ftndct nunmehr ein Ausflug nach Braunfels zur Besichtigung der dortigen Volksbildungseinrichtungen statt. Montag und Dienstag vormittag spricht der Geschäftssührer des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung aus der Praxis der Volksbildungsarbeit, während am Mittwoch Stadt- rat Dr. Flesch und Prof. Stein, aus Frankfurt a. M. das soziale Problem der V o l ks b i l du n g s a r b eit betrachten werden. Tie Nachmittage werden in einer Führung durch die Hüttenwerke von Buderus und die optischen Werkstätten von L-eitz das moderne industrielle Leben Wetzlars den Teilnehmern zeigen. Auch wird am Dienstag Dr. Liebe-Waldhof-Elgershausen ein wichtiges Problem, nämlich „Alkohol undVvlkserziehung" behandeln. Die ?lbende werden durch Vorträge von Dr. Epstein über ,chie Volksbildung in der Großstadt", Oberlehrer Como, Lauterbach und Lehrer Schmidt, Leun über „die Volksbildung in kleinen Städten und auf dem Lande" ausgefüllt. Am Mfttwoch pachmittag werden sich die Mitglieder zu einer Abschiedsseier vereinigen. * Biedenkopf, 30. Sept. Die Frau des jüngst verstorbenen HüttenbesiHers Klein zn Karlshütte hat unter dem Namen Friedrich Hermann Klein-Stiftung der Werksdirektion 10000 Mk. zur Unterstützung bedürftiger Arbeiter des Werks zur Verfügung gestellt. Luftschlffabtt. Flugwoche Trier—Metz. Metz, 30. Sept. Thelen unternahm gestern abend 6 Uhr 20 Min. einen kurzen Flug über dem Fluggelände und führte dabei verschiedene prächtige Manöver aus. Die Landung erfolgte glatt um 6 Uhr 32 Min. Heute morgen hat sich Thelen um 8 Uhr nach dem Flugplatz auf der Friedhofsinsel begeben; er beabsichtigt, sobald als möglich trach Trier zurückzukehren. Es herrscht zwar noch starker Nebel, doch scheint die Sonne bald durchbrechen zu wollen. Metz, 30. Sept. Thelen stieg heute nachmittag 4 Uhr 47 Min. zu einem Probeflug auf, nahm aber schließlich, als der Wind sich legte, die Richtung nach Trier. Zwischen Mä- ziöres und Hauconcourt nrußte Thelen aber um 5 Uhr wegen eines Ventilrohrdefekts landen, wobei ein klemm Riß an der unteren Tragfläche entstand und zwar, nach einer Privatmeldung, dadurch, daß beim Niedergehen einer Kuh ein Horn abgerissen wurde. Die Herbeischaffung des Reparaturmaterials wird wahrscheinlich so viel Zett in Anspruch nehmen, daß erst morgen früh an die Rückfahrt nach Metz gedacht werden kann. Engelhardt, der um 4 Uhr 59 Min. in Trier zum Fluge nach Metz startete, wurde um 6 Uhr 2 Min. vom Flugfelde in Metz aus gesichtet. Um 6 Uhr 10 Min. überflog er den Flugplatz und über die Stadt hinweg in südwestlicher Richtung. Metz, 30. Sept. Engelhardt ist 12 Kilometer nördlich von Nancy bei den Hüttenwerken von Pompey glatt und ohne Schaden gelandet. Metz, 30. Sept. Engelhardt ist noch weiter nach Südwesten geflogen. Nach einer Privatdepesche soll er gegen 7 Uhr in Pont ä Mousson, also über der Grenze, gesichtet worden sein. Von seinem weiteren Verbleiben fehlt hier, auch bei der Flugleitung, jede Mitteillrng. Man nimmt an, daß Engelhardt bei dem sehr schnellen Fluge bei dem günstigen Winde sich! in der Entfernung geirrt hat und infolgedessen über den Flugplatz hinweg geflogen ist. — Gegen i/27 Uhr unternahm Jeannin zwei kurze Flüge von je fünf Minuten Dauer und erwarb dadurch Preise von je 200 Mark. — T hel en hat zu Absperrungszwecken eine halbe Kompagnie Soldaten erbeten, die chm zur Verfügung gestellt worden. Eine von hier zur Unfallstelle Thelens entsandte Kommission der Flugleitung hat festgestellt, daß Thelen nicht wegen eines Ventilbruches, wie zuerst angegeben, gelandet ist, sondern wegen Platzens eines Benzinröhrchens. Bei dem Herabsteigen auf eine Wiese stürzte eine Kuh aus die Flug- maschine zu und riß ihr die linke Unterdecke auf. Die Kuh wurde nicht verletzt. Paris, 1. Ott. Der an dem Trier—Metzer-Ueberlandflug teilnehmende Kapitän Engelhardt flog infolge eines Irrtums über französisches Gebiet, kreiste in einer Höhe von etwa 500 Metern über Nancy und Ianbete dann etwa zehn Kilometer südlich von dieser Stadt in der Nähe von Pompey (Depart. Meurthe et Moselle). Engelhardt wurde von den herbeieilenden Landleuten sehr freundlich ausgenommen. Die Gendarmerie benachrichtigte den Präfetten, der seinerseits wieder den Vorfall dem Kriegsminister meldete. Kapitän Engelhardt prach die Hoffnung aus, daß man ihn morgen seinen Flug fort« etzen lassen werde. — Wie dem „Matin" gemeldet wird, sei der -Irrtum dadurch entstanden, daß Kapitän Engelhardt Metz für Diedenhofen gehalten habe und deshalb weiter geflogen sei. bis 30-30 Psg^ Zwiebeln per Ztr. ^,00—3,00 Mk., Milch bat Liter 20 Pfg., Birnen per Pfd. 8 bis 12 Big., Aepsel per Qtt 7 bis 10 Mk., Zwetschen per Pfd. 10—15 Psg., Nüsse 100 Stuck 40—50 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk., Bohnen per Pfd. 14—00 Psg. Marktzeit von 8—2 Uhr. " Oktobermärtte tu Oberheffen und Nachbargebieten. 3. Oktober Lieh; 6. Butzbach: 10. Lauterbach und Dillenburg 11. Langgöns; 11. und 12. Fulda; 12. Wetzlar und Frankenberg 13. Marburg; 17. Altenstadt und Langsdorf; 18. Biedenkopf und Dreihausen; 19. Gießen und Schotten; 20. Haiger; 25. Friedberg - 26. Ruppertenrod; 27. Homberg, Herborn und Weilmünster- 31. Ortenberg, Rodheim, StraßeberSbach und Usingen. F.C. Wiesbaden. V ie h h 0 i-M a r kt b e ri cht vom 30. Sept Auftrieb: Rinder 102, Kälber 151, Schafe 46, Schweine 225. Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig Preis Durch- pro 100 Pfd. Ichnittspreis fcaßenb. Schlacht. pro IWPiuuü Lebend.Schlacht von-btSvon-blS aewtche schicke Seidenblusen ■ elegante Tiillblusen sowie hochaparte KBeider