9h:» 177 Zweites Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gtetzener Hamillendlötter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal. 160. S General-Anzeig U iontag 1. August 1910 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckereb R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion:^^ 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Juli $870 in Paris. Interessante Tagebucherinnerungcn aus den aufgeregten Juli- tagen in Paris, da bie Kriegserklärung gefallen war, veröffent- llcht der bekannte Schriftsteller Felix Duguesnel im „Gaulois". ..Ern hertzer, schwüler, in seiner Windstille dumpfer Tag brütet über den Boulevards an jenem 15. Juli, der die Kriegserklärung brachte. Eine vielköpfige Menge drängt sich und schiebt sich, aufgeregt, lärmend, über die breiten Straßen hin. Man spricht, man schreit,, man streitet mit heftigen losesten: die verschiedenen Dialekte lassen erkennen, daß auch aus dem Norden und Süden zahlreiche Neugierige nach Paris geeilt sind. Aus diesem auf- geregten, summenden, schwirrenden Bienenkorb flattern beständig dieselben Schreie empor: ,,A Berlin! A Berlin!" oder auch: „Nieder nut ben Preußen!" Die Klänge der Marseillaise zittern durch die! Luft. Offenbar hat für dies nervös verzückte Volk der Krieg u.lcht den Eindruck von etwas Schrecklichem „Krieg" ist für ckese Menge gleichbedeutend mit „Sieg". Etwas anderes würde sie gar nicht verstehen; sie ist überzeugt, daß cs sich um einen militärischen Spaziergang handelt, mit Berlin als Ziel. Man bereitet für ben Abend Illuminationen vor, und einige grauen haben schon kleine Lämpchen an ihren Fenstern angebracht, ^üe Passanten schreien mit jubelnden Vivatrufen zu ihnen empor: „Es leben die Mütter des Vaterlandes!" Ich bin ganz perplex: was haben denn diese Frauen getan, daß sie die ruhmvolle Anrede „Mütter des Vaterlandes" verdienen? dem Boulevard ^Montmartre herrscht ein ungeheures (bedränge. Ein Bariton von der Oper hat sich auf das Dach eines Wagens gestellt und singt die Marseillaise. Nicht weit daoon am Boulevard Poissonniöre dasselbe Schauspiel. Auf emer schönen Kalesche hat sich eine ganz in Weiß gekleidete Dame ausgcrichtet, die Sängerin Marie Sasse. In ihrem herrlichen Mezzowpran erklingen die Strophen über den „deutschen Rhein", die Alfred de Müsset als stolze Antwort gegen Beckers Rheinlied gerichtet Einer der Zuhörer begrüßt mich. Es ist der bekannte Romanschrutsteller Adolphe Belot. Er ist tief gerührt: „Wie schön ist das, dieser Enthusiasmus der Menge. . . Der Krieg wird nicht lange dauern, . . . Eine unwiderstehliche Stoßkraft liegt darin, tn diesem unvergeßlichen patriotischen Schwung. Ich wette, in einem Monat wird unsere Armee in Berlin kampieren." Die weiterströmende Kasse trennt uns. Auf der Straße Jahr Prozent nun die Verhältnisse? Es in in der Landwirtschaft städtischen Berufen 1907 159 338 1090 045 Zu- bezw. M nähme — 205 603 +141 002 1895 364 941 949 013 0- 1 1-15 15—30 30-60 60-70 iiber 70 Vor allen Dingen sind die .Kreise, aus denen sich die Kontorangestellten rekrutieren, nicht dieselben wie die, aus denen die Dienstmädchen kommen. Darüber kann gar kein Zweifel herrschen. im Vorjahre: (203 = 16,4 Prozent), (178 = 14,7 ( 99 = 8,0 (276 = 22,3 (193 — 15,7 (282 — 22,9 Parente leuchten von den Fenstern der Boulevards und der großen Stratzen; die Illumination nimmt ihren Anfang Ein Buch- händler hat eine beleuchtete Inschrift hcrausgehängt, die besagt: JOiei kauft iwan billig ein französisch-deutsches Wörterbuch, wie es die Franzosen in Berlin brauchen werden." Ick mußte hieran denken, als ich zwei Monate spater in dem Bericht über die Zusammenkunft Bismarcks und Moltkes mit dein General Wimpfen bei der Kapitulation von Sedan den für uns so furchtbaren Ausspruch las, den Moltkc dabei getan hatte: „Sie kennen die Topographie der Umgegend von Sedan nicht. Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit ein kleines Beispiel, das die Anmaßung und den Mangel an Methode ber. Ihrer Nation zeigt. Beim Beginn des Feldzugs waren Ihre Offiziere mit deutschen Karten ausgerüstet, während ihnen die Mittel, dre Geographie Ihres Landes zu studieren, absolut fehlten, da sre kerne Karten von Frankreich hallen." 20 Tage nach diesem 15. Juli kam die erste schwere Enttäuschung. Am 6. August wogt wieder die Menge über den Boulevard, sie ist in ängstlicher Erwartung: Die so ungeduldig ^selmte Depesche ist angekommen, sie muß den Sieg verkünden Endlich erscheinen Plakate an der Börse: sic werden in unzähligen Exemplaren verbreitet: „Die Armee MacMahons hat die des Vrrnzen Friedrich Karl vernichtet. Man hat den Prinzen, seinen Stab und 25 000 Deutsche gefangen genommen. Landau ist er- obert. ' Wilder Siegesjubcl auf den Sttaßen. Fahnen flattern aus den Fenstern, die Marseillaise wird gesungen, und überallher schallen die Freichenrufe: „Es lebe Frankreich, es lebe die Armee!" Ta verbreitet sich plötzlich in der drückenden Hitze, in der sich dieser Rausch entladen hat, ein unhcil schwang eres Gerücht: Dia Nachricht ist falsch! Die Depesche muß von irgend einem zynischen Spekulanten verbreitet worden sein. Der Jubel ver- wandelt sich in Wut. Die Menge wälzt sich nach der Börse und zerbricht dort die Gitter, wendet sich dann nach dem Vendome- platz. Drohrufe gegen den I u st i z m i n i st c r erschallen, bis er aus dem Balkon erscheint. Er erklärt, daß der Fälscher verhaftet werden und ohne Gnade seine Strafe erleiden wird Ist er verhaftet worden? Hat er seine Strafe empfangen'^ Wer wollte das sagen? Man hat nie mehr etwas davon gehört" 188 = 16,33 149 = 12,86 104 — 8,98 236 = 20,36 207 = 17,87 275 = 23,60 Wie steht es nun aber in Wirtlichkeit mit dem Mangel an Dienstboten? Wir müssen unterscheiden zwischen Dienstboten auf dem Lande und Dienstboten in gewissermaßen städtischen Berufen. Soweit es sich um Dienstboten auf dem Lande handelt, also um solche Dienstboten, die in landwirtschaftlichen Betrieben tälig sind, wird jeder zugeben, daß diese für Berufe in Kontoren oder auch jim Laden kaum in Betracht kommen und auch hier nicht hinströmen. Es würde sich daher um diejenigen Dienstboten handeln, die gewissermaßen städtischen Charakter haben, also um Dienstboten bei Industriellen, Handwerkern, Kaufleuten, Beamten, Aerzten, Rechtsanwälten usw. Wie liegen waren vorhanden an Dienstboten Spanien und der Vatikan. O Paris, 31. Juli. Der Kampf, der zwischen der spanischen Regierung und dem Vatikan ausgebrochen ist, wird von der gesamten französischen Presse, der antiklerikalen wie der reaktionären, mit dem gleichen nachhaltigen Interesse verfolgt, da man hier wie dort in den Vorgängen jenseits der Pyrenäen eine direkte Nachwirkung der Trennung der Kirche vom Staate in Frankreich erblickt. Der spanische Ministerpräsident seinerseits lvird nicht müde, den Berichterstattern der französischen Blätter Rede und Antwort zu stehen, so daß diese fast täglich Unterredungen mit §errn Canälejas zu veröffentlichen in der Lage sind. Die neuesten Auslassungen Canalejas, die der „Figaro" veröffentlicht, enthalten im wesentlichen dieselben Gedanken, die auch im „Matin" frunt Ausdrucke gebracht werden: „Wir hatten Unterhandlungen mit dem Vatikan im Hinblicke auf die Einschränkung der religiösen Genossen- s ck a f t e n eingeleitet, weil wir, ohne dem Vereins-Gesetzentwürfe vorzugreifen, zuvor im Einvernehmewänit ihm und entsprechend dom Konkordate eine Auswahl treffen wollten. Wir brachten für diese Unterhandlungen viel Mäßigung mit. Der Vatikan antwortete uns aber, indem er uns weniger anbot, als er zuvor Herrn Maura in seinem (Snttourfe einer Reform des Konkordates zugestandcn hatte. Da ich die Frage weiter vorrücken lassen wollte, ohne die Verhandlungen abzubrechen, so ergriff ich auf Grund meiner Regierungsvollmachten die Initiative zu Dekreten, welche die Kongregationen zur (Eintragung nötigten und die äußeren Ab- zeichen der Dissidenten Kulte ermächttgten. Damit brachte ich das „Vorhangeschloß"-Geietz ein. Der Vatikan behauptete, diese Maßregeln und meine Erklärungen in den Zeitungen beeinträchtigter die Unterhandlungen, und sandte uns schließlich eine Note mit der Forderung, die Dekrete außer Kraft zu setzen, da er sonst die Verhandlungen Nicht fortführen wollte. Angesichts dieser unannehmbaren Aufforderung beschlossen wir, die Verhandlungen trotz unseres guten Willens als gescheitert anzusehen und die Durch- fuhrung unseres Programms durch Dekrete und äuf qesekgeberischem Wege fortzusetzen. Wir haben endlich den B o t s ch a st e r b e i m Vatikan, Herrn von Ojeda, fine dia zurückbe- rufen und einen Botschaftsrat als Geschäftsträger zurückgelassen. Aus Anlaß dieser Entscheidung war behauptet worden, ich hätte dem Könige die Vertrauensfrage bestellt Das ist unrichtig, da ich, ohne die Person des Königs m die Frage mengen zu wollen, sagen kann, datz das königliche Vertrauen mtr in keinem Augenblicke vorenthalten wurde: denn sonst hatte ich mich unverzüglich zurückgezogen. Der gegenwärtige etaiü) der Frage wird i'ckerdies keineswegs die Abreise der Souveräne nach England, die für die ersten Tage des August festgesetzt ist, verzögern. Außer dem Streite mit dem Vatikan haben wir uns noch mit Problemen der inneren Politik zu befassen: zunächst mit per Agitation der Ultramontanen von Bilbao, denen wir antworteten, wie sie es verdienten, und denen wir nicht gestatten, daß der geplante Massenprotest den öffentlichen Frieden störe. Hmstchtlich der Aus stände von Bilbao und Gijon haben wir die notwendigen militärischen Vorkehrungen getroffen ohne für die Arbeitgeber oder für die Arbeiter Partei zu ergreifen Was die Arbeitskonflittc unlangt, so warten wir eine gütliche Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ab. Sollte dieses allzulange dauern, bann würden wir die Lösung in den Arbeitsgesetzen suchen, die wir den Cortes zu unterbreiten ge- denken. ^n alledem sind wir uns dessen bewußt, unsere Pflicht enullt zu haben, und fest entschlossen, sie auch weiterhin zu erfüllen." 0 . M adrid, 31. Juli. Im gestrigen Ministerrat machte der Ministerpräsident Canalejas Mitteilung von der Note die er in Erwiderung auf die Note des Vatikans dem spanischen Botschafter de Oieda telegraphierte. Mit Rücksicht auf die fruchtlosen Bemühungen zu einem, Ueber ein kommen zu gelangen, werde er de Ojeda zur Entgegennahme der Instruktionen nach Spanien berufen und den Botschaftsrat als Geschäststräger beim päpst- lichen Stuhl akkreditieren. erscheint eine Schwadron Dragoner mit gezogenem Säbel, wie au« der Parade. Was für eine schöne Truppe! Wie elegant die Pferde! Wie stolz und unbeweglich sitzen die Männer! „Es lebe die Armee! Es leben die Dragoner!" ruft die Masse. Die Reiter salutieren, die Begeisterung wird zum Delirium, und die Schwadron verschwindet langsam unter dem sie umtosenden Ruf: „A Berlin! A Berlin!" Ich stoße wieder auf einen Bekannten. Es ist mein Freund Jules Verne. „Also auch zu .mir, Sollen, wie alle Welt, den Wahnsinn emes Volkes aus der Nahe sehen?" „Warum Wahnsinn?" „Nun, weil diese Menschen sich einbilden, man spaziert nach Jerlm wie nach Versailles. Sie sagen sich nicht, daß, wenn JSreuben den Krieg ausgenommen hat, wenn es ihn sogar berauf- oeschworen hat, es sich zehnmal dazu bereit fühlen muß, während Ulcht sind. Sie haben furchtbare Reserven hinter ihrer aktiven Armee, wahrend unsere Mobilgarde kaum auf dem Papier ejiftiert . . „Aber Sie wissen doch, Marschall Leboeuf I>at gejagt, wir sind zehnmal bereit, und es fehlt auch nicht ein Ga- mafchenknopf . . ." Er zuckt mit den Achseln. „Vielleicht fehlt wirklich kein Gamaschenknopf, aber das beweist noch nicht, daß uns auch keine Soldaten und keine Munition fehlen werden . . Gamaschenknöpse sind noch keine Bleikugeln." Der scharsfinnige und steptische Romancier will auch nicht in Paris bleiben, er geht nach Nantes, um „dort die Ereignisse abzuwarten". Nicht lange darauf kommt mir ein hochgewachsener Rann entgegen, em prächtiger Vierziger mit offenem braunem, em wenig dünnem Haar, blauen, sehr lebhaften Augen und mit einem spottiscyen und feinen Mund, der von einem starken, fast blonden Schnurrbart überschattet wird: Alexander Dumas Wir treten in eine Seitenstraße. „Alle diese Leute da schreien' um zu schreien: das ist ihr Beruf", Jagt er. „Es ist leicht, zu schreien: „A Berlin! Schwieriger ist's, dorthin zu kommen. VM habe Abscheu vor den Deutschen, weil ich wohl weiß, daß sie unsere natürlichen Feinde sind, aber ich kann weder ihre seltene Kraft der Organisation, noch ihre hohen geistigen Fähigkeiten leugnen Ach! Wir haben wohl noch eine schöne Fassade, aber nicht viel dahinter. Ich weiß aus glaubhaftesten Zeugnissen, welche Anstrengungen Deutschland seit Jahren gemacht hat, wahrend wir erngeschlummert sind in Tatenlosigkeit und Selbstzufriedenheit ..." Es ist Essenszeit, aber kein Mensch denkt daran. Die Nackt st-eigt auf, bunte Lämpchen und mit Devisen geschmückte TrapsVienftmä-Hen und Kontoristin! Die Tatsache, daß die Zahl der Dienstmädchen nach den Ausweisen der Berufsstatiftik zurückgeht, daß dagegen die Zahl der weiblichen Angestellten des Handelsgewerbes beträchtlich steigt, führt Z.u dem Schluß, daß diese beiden Ergebnisse miteinander im Zusammenhang stehen. Gegen diese Folberuna wendet sich der Kaufmännische Verband snr weibliche Angestellte (Sitz Berlin), der in seinem Wer- bandsorgan darüber sich wie folgt äußert: zusamnien 1159 = luü Prozent (1231 = 100 Prozent). Hieraus ist ju ersehen, daß die Sterblichkeit in b’k eir^elnen eine geringe ist unt> im allgemeinen derjenigen des A?ores 1903 gleichkommt. Auch in diesem Jahre sind nahezu 24 o/„ bet Verstorbenen über 70 Jahre alt geworden. Auch die Säuglingssterblichkeit ist im Berichtsjahre eme geringe und erreicht kcinessalls die für das ganze Groß- Herzogtum Hessen erniitteltc. Bon diesen 188 im 1. Lebensjahrs ocrftor&euen Kindern sind allein 41 an angeborener Lebensschwäche und Brldungsfchlcrn innerhalb des ersten Monats zugrunde qc- gangen, brachten also den Todcskeiin schon mit zur Welt An Krampfen starben 43, an Magen- und Darmkatarrh (Brechdurch- f*?) 23- Die übrigen 81 sind in der Mehrzahl an Kstankheiten der Atmungsorgane akuten Infektionskrankheiten und Lungen- eutzuudung verschieden. „Ar^et rSv Todesfälle Kreisangehörigen, geordnet nad) verschiedenen wichtigeren Krankheiten und Krankheitsgruppen, so ergibt sich folgendes: y? l L s ch w Ü ch e Ivar, wie bereits erwähnt, '41 mal, t lai- Todesursache angegeben. An Wochenbettfieber ist eine Frau gestorben. An den sogenannten Kinderkrankheiten starben 70 anSch art a ch 34, an M a s e rn 7, an D i p h t h e r i e >h h u st en 18. Ausgedehntere Epidemien von Q~Lar^ LErrschten tn Gießen Hungen, Watzenborn-Steinberg, ^-ich und Burkhardsfelden. Diphtherie war verbreitet in Gießen, gen, Londors, Bettenhausen. Masern und Keuchhusten traten embenttfef) m vielen Orten des Kreises auf. An akuter epi- ■ J K-. lNderlahmun g, die im vergangenen Jahre zum ^ einzelnen Orten des Kreises epidemisch auftretend be- 1 tol^ ^d im Berichtsjahre tm ganzen 4 Kinder im Alter von 13/4~3 ^afjren gestorben. Diese Krankheit trat in früheren ?Wenbei uns unter dein Namen spinaler Kinderlähmung öfter sporadisch auf. Erst im Oktober und November 1909 litz sich em gehäuftes Auftreten auch in Hessen feststellen. Nach Ober- nS bLe cmft? verschleppt aus dem Jndusttie- gebiet Westfalen der Bahn entlang nach Marburg und Umgebung und von da nach Garbenteich woselbst wir 8 typische Erkrankungen etuieren fonnten ^L-^p^fäne daselbst). Sporadische Erkrankungen kamen in Gießen, Wieseck, Lollar und Kleinlinden vor, woselbst fick nachher (lm >iahre 1910) lleinere Epidemien entwickelten. Den An- steckungsstofs kennen wir noch nicht; wir sind über dessen Natur ?uf Vermutungen angewiesen Jedenfalls so viel ist sicher, daß das Ansteckungsgnt sehr beständig ist, oft von Kind auf Kind oder auch durch Erwachsene als Zwischenträger übertragen fterben fann. 2(m besten schützt man sich daher und seine Kinder vor solchen Erkrankungen, wenn man die Wohnungen und die Berührung mit den Erkrankten wenigstens in den ersten Wochen wr Grfranfung strenge meidet. Wenn erst einmal die typische Lähmung eingetrefen ist, fefcint die Krankheit nicht mehr so ansteckend zu sein. An Unter le ibstyphus ist ein Erkrankter gestorben, an Wundrose starben 5, an anderen Wundinfektions- krankHerten 8 Kreisangehörige. . m11 .SungenffitoinMiKfit sind 143 Personen gestorben lim Vorjahre 136), oder von 10 000 Einwohnern 15,5. In den 80er Jähren toar bie Sterblichkeit bekanntlich über 30%oo, in ben 90er Jahren über 20 %oo und im Vorjahre 14,7 o/000/ ein Beweis dafür, daß der in den letzten Jahren auf allen Seiten aufgenommene „Kampf gegen die Tuberkulose" auch bei uns schöne Erfolge zeitigt. An Tuberkulose anderer Organe starben 46, an allgemeiner (Miliar-) Tuberkulose starben 5 Personen. Die Lungenentzündung forderte tm Berichtsjahre 89 Opfer, die Influenza nur 15. An anderen Krankheiten der Atmungsorgane starben tm Jahre 1909 76 Personen, an Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße 81 und an Gehirnschlag 55. -ß Krankheiten des Nervensystems brachten 76 Sterbesalle; darunter sind einbegriffen die bei der Säuglingssterblichkeit erwähnten 43 Fälle von Krämpfen. An a n d e r - wettigen Erkrankungen der Verdauungsorgane find 23 Personen gestorben, an Blinddarmentzündung 2 Kreisangehörige. An Krankheitender Harn-undGe- schlechtsorga ne verschieden 33, an Krebs 81, an anberen Neubildungen 10 Personen. Wir sehen demnach, daß in der Landwirtschaft die Zahl der Dienstboten zwar stark abgenommen, in den städtischen Berufen aber Kugenommen hat. Rechnet man zu diesen Dienstboten noch diejenigen, die nicht volle freie Station im Hause haben, so wird das Bedürsnis in städtischen Berufen durch das Angebot ziemlich gedeckt. Es ist kein Ueber- fluß an städtischen Dienstboten da: aber von einem absoluten Mangel kann man auch nicht sprechen. Damit sind aber auch alle die Folgerungen, die aus der Abnahme der Dienstboten und der Zunahme der kaufmännischen Angestellten gezogen werden, hinfällig. Im übrigen ist die geringere Zähl der Dienstboten auf dem Lande nicht bloß die Folge eines Abströmens in andere Berufe. Vielmehr zeigt uns die Berufszählung, daß die Zahl der mittätigen Familienangehörigen auf dem Lande außerordentlich gewachsen ist. Wenn auch sicher ein Teil dieses Wachstums nur scheinbar ist und seinen Grund in einer besseren statistischen Erfassung dieser Personenkate- gorie hat, so erscheint es doch ebenso wahrscheinlich, daß tatsächlich ein erheblicher Zuwachs an rnittätigen Familienangehörigen stattgefunden hat, weit viele Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe bei dem Mangel namentlich an männlichen landwirtschaftlichen Arbeitern ihre Tochter nicht in die Stadt schicken, damit sie als Dienstboten ihr Geld verdienen, sondern sie in ihrer eigenen Wirtschaft zurückbehalten, wo sie sich nützlich machen und die fehlenden landwirtschaftlichen Arbeiter ersetzen sollen. Die Bewegung der Bevölkerung, die Sterblichkeit und der Gesundheitszustand tm weise Gietzen im Jahre (909. „■7oSebe? 80 Gememdeii des ^reifEä @ie6en finb im Jahre 1909 1472 Knaben und 1336 Mädchen lebend geboren worden zusammen demnach 2808 Kinder. Hiervon kommen als Bevölkerungszuwachs nicht in Betracht 531 Kinder, welche in bet Frauenklinik geboren als Kinder fremder Mütter alsbald wieder weggebracht wurden. Der Zuwachs berechnet sich demnach auf tm ganzen 227 7 Neugeborene: das sind bei 92 320 auf ote Jahresmitte berechneter Einwohnerzahl 24,7 auf 1000 Bewohner als Zuwachs durch Geburt. r Totgeboren wurden 60 eheliche und 20 uneheliche, zu- jammen 80 Kinder, die zum größten Teile kreisfremben Müttern angehorten. en sind im Berichtsjahre 1424 Personen und Zwa. 723 mamilichen und 701 weiblichen Geschlechts (im Vorjahre die Zahl der Tobesfälle 1487). Die Sterblichkeitsziffet beregnet ftd) hieraus auf 1000 Einwohner auf 15,4. Wir bringen icbod) die in ben hiesigen Krankenanstalten 265 verstorbenen kreisfremden Personen in Abzug, behalten somit 1159 kreisangehörige übrig mit einer S t e r b l i ch k e i t s - 0 n '1 2,6 Voo- Für die Kreisstadt Gießen war die Sterblichkeitsziffer nach Abzug ber Ortsfremden im verflossenen ^zayre 1U,u°/qo. , , Diese 1159 verstorbenen Kreisangehörigen sind verteilt auf folgende Altersklassen: Unbekannte mit einem wuchtigen Schnitt Ken Kopf glatt oom Rumpfe, hierauf entfernten sich beide. Am Tatort wurde ein Kautschukstempel gefunden mit der Aufschrift: -/Sozialrevolutionäre Partei. Chef der Bande". lieber die Frage der Protektion der Vereinigten Staaten über die Republik Liberia erklärt das Pariser „Journal", daß die französische Regierung für eine solche Kombination nicht zu haben sein könne. Eine internationale Entente zu dem Zwecke, die Zukunft Liberias wenn möglich sicher zu stellen, das ginge an, aber ein amerikanisches Protektorat sei unbedingt unzulässig. Die persischen Minister legten dem Parlament das Programm des neuen Kabinetts vor, das folgende Punkte enthält: Herbeiziehuug von Ratgebern der fremden Staaten, Schaffung einer ft arten Heeres- abteilung in der Hauptstadt, um nötigenfalls Truppen in die Provinz senden zu formen, Reform der Gerichte und Schaffung eines Kassationsgerichtshofes. Auf eine Anfrage über die Anwesenheit fremder Truppen im Lande .erklärte der Minister des Aeußern Nawab, die russischen Truppen würden bald das Land verlassen. Er selbst werde mit der russischen Gesandtschaft die Verhandlungen führen. — In Täbris ist zum ersten Male ein Lastautomobil aus Dschulfa mit 800 Pud Waren eingetroffen. In der Frage der Regelung der Schiffahrt auf dem Sun gari wurde, nach einer Meldung aus Peking, zwischen Rußland und China ein Einvernehmen erzielt, »das -die russischen Interessen völlig befriedigt. Zur endgültigen Formulierung des Einvernehmens bedarf es noch einiger Tage. Aus Rio de Janeiro wirp gemeldet: Der Nationalkongreß proklamierte Marschall da Fonseea zum Präsidenten der Re pub l i k._____________ Arrs Stabt und Lcsnd. Gießen, 1. August 1910. * * Ordensangelegenheit. Der Großherzog hat dem Wirklichen Geheimerat Dr. Dem bürg in Grune- wald-Berlin die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Prinzen Luitpold von Bayern, des Königreichs Bayern Verweser, verliehenen Großkreuzes des Bayerischen Verdienstordens des Heiligen Michael, des ihm von dem König von Sachsen verliehenen Grotzkreuzes des Albrecht-OrdenS mit goldenem Ordensstern und des ihm pon dem Großherzog von Baden verliehenen Großkreuzes mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen erteilt. * * Ru h e st a n d s v e r s e tz u u g D r Großherzog hat den Bezirkslafsier RechnungSrat Johs. Müller in Grünberg, unter Anerkennung seiner langjährigen treugeleisteten Dienste, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Karl Rü ding er zu Neustadt i. O. eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Lampertheim. * * Brandversicherungskammer. Der Groß- berzog hat dem vortragenden Rat in der Abteilung für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen, Geheimen Obersinanzrat Dr. Franz Kn e ll zu Darmstadt die Nebenstelle eines Mitglieds und Rats bei der Brandversicheruugs- lammer auf Widerruf übertragen. * * In den Reichsdienst. Der Großherzog hat den Ministerialrevisor bei der Buchhaltung Großh. Ministeriums der Finanzen Phil. Schill auf sein Nachsuchen wegen Uebertritts in den Reichsdienst aus dem Staatsdienst entlassen und den Bezirkskasseassistenten der Bezirkskasse Mainz I Wilh. Freymann zum Ministerialrevisor bei der Buchhaltung des Ministeriums der Finanzen ernannt. * * Vom Landgericht Gießen. Gerichtsassessor Dr. Langenbach in Darmstadt wurde bis zum 15. September d. I. zur Aushilfe an das Landgericht Gießen versetzt. * * Mißbrauch mit Waffen. Das hessische Ministerium hat, um eine Grundlage für gesetzgeberische Maßregeln gegen die mißbräuchliche Verwendung von Waffen zu erhalten, die Strafbehörden angewiesen, bis auf weiteres Uebersichten über die anhängig gewordenen Straffachen zu führen, in denen Waffen eine Rolle spielen. Jedem einzelnen Falle ist eine kurze Sachdarstellung berznfügen. Ein strenges Vorgehen gegen das unbefugte Waffentragen wäre im Interesse der allgemeinen Sicherheit mehr zu begrüßen. * * Kirchenrat Dr. Naumann wird heute unsere Stadt verlassen, um nach Dieburg überzusiedeln. * * Von den Spiel-Automaten. Trotzdem vor kurzer Zeit die in einem Laden der Bahnhofstraße ausgestellten Geld-Automaten gerichtlich beschlagnahmt worden waren, trat eine andere Firma hier auf. Sie mietete einen Laden am Kreuzplatz und eröffnete auch hier eine sogenannte Automaten-Ausstellung. Auch dieser Firma wurden gestern die Geld-Automaten beschlagnahmt. Wie wir hören, hat die Polizei auch die Wirte, die solche Automaten in ihren Lokalen aushängen haben, zu ihrer Entfernung innerhalb 24 Stunden aufgefordert und bei Nichtbefolgung Beschlagnahme und Anzeige wegen Duldung von Glücksspielen in Aussicht gestellt. * * Die Maul- und Klauenseuche ist aus- gebrochen in Cielimowo, Kreis Wltkowo, Negierungsbezirk Bromberg, am 28. Juli. wh. Dau bringen, 30. Juli. Seit einigen Jahren wird am Lollarer Kopf gegenüber dem der Stadt Gießen gehörenden Hangelstein aus Fürstlich Braunfets'schem Gebiet em Stein bruch betrieben und damit das schöne Tal zwischen den belden Anhöhen entstellt, abgesehen davon, daß der Abraum des Bruches etwa 7 Morgen ehemals fruchtbaren Landes bedeckt. Wenn der Betrieb weitergeführt werden soll, muß weiteres fürstliches Gelände, welches mit Wald bestanden ist, oder Gemeindewald von Lollar ausgebeutet werden. Die Braunfelser Verwaltung will ihren Wald nicht hergeben und so hat man sich an die Gemeinde Lollar gewendet, damit diese einen Teil ihres Waldes auf dem Lollarer Kopf der Fortführung des Steinbruches zum Opfer bringt. Voraussichtlich wird die Gemeindevertretung das Gesuch ablehnen. ---Oppenrod, 30. Juli. Dieser Tage wurde abends im hiesigen Schulgarten ein gebrochen, eine Menge Stachelbeeren gestohlen und zudem der Garten verunreinigt. Hoffentlich gelingt es, die beiden Rohlinge zu ermitteln. m. Ober-Mörlen, 31. Juli. Bei der gestrigen Beigeordnetenwahl wurde der Kandidat der Arbeiterpartei, Landwirt Johs. Hch. Born, an Stelle des jetzt 27 Jahre amtierenden Beigeordneten Kasimir König gewählt. Born erhielt 206 Stimmen gegen 198 des seitherigen Beigeordneten. Von 487 Wahlberechtigten stinttu- ten 416 ab. 0 Ulrichstein, 30. Juli. Der Kriegervereinsbezirk Ulrichstein, dem 15 Vereine angehören, hat beschlossen, an jeden Kriegsveteran, der den Veteranenappell am 14. August in Darmstadt besucht, drei Mark als Beihilfe auszuzahlen. l. Münster b. Butzbach, 1. Aug. Hier findet am Sonntag, 14. August, Guftav - Adolfsfest für den Zweigverein Butzbach statt. Festprediger ist Pfarrer Korell- Königsladten. Der Kirchengesangverein von Fauerbach v. d. H. wird Mitwirken. Der Festgottesdienst beginnt um 2 Uhr nachmittags. 0 Alten st adt, 31. Juli. Das heutige Bezirksfest des Hassiabezirkes Altenstadt vereinigte 14 Kriegervereine der Wetterau in unserem Flecken. Um i/22 Uhr bewegte sich ein Festzug unter Leitung des Bezirksvorstehers Wagner nach dem Kriegerdenkmal, von hier ging es nach dem schön gelegenen Festplatz auf der Wiese zwischen Oberau, Höchst und Ältenstadt. Der Festredner, Pfarrer Heusel, gedachte besonders der 40jährigen Gedenkfeiern an den ruhmreichen Feldzug 1870/71 unb der W jeder auf- richtung des deutschen Reiches. [] Marburg, 31. Juli. Ein altes Marburger Volksfest, das sogen. „Grabenfest" der Einwohner der Stadtteile Weidenhausen und am Grün, hat gestern hier seinen Anfang genommen. Heilte' nad)mütag zog ein F e stsi njg mit allerhand historischen Gruppen und etwa 600 mit Kränzen und Blumen geschmückten Kindern vom Grün aus durch Weidenhaufen nach dem Festplatz, wo Oberbürgermeister Tro je auf die geschichtliche Bedeutung des Festes hinwies. Etwa 30 Kinderpaare führten bann einen Vlumenreigen und anschießend den sogen. „Weidenhäuser Grabentanz" vor. Das Fest dauert bis zum Dienstag. O Gonterskirchen, 31. Juli. Die hier ausgebrochene Typhusepidemie ist im Erlöschen. Die Krankenzahl hat die Zahl 60 nicht überschritten: vier davon, zuletzt ein 14jähriges Mädchen, sind ihr zum Opfer gefallen. Der Kraule in Ruppertsburg ist nur einer Unvorsichtigkeit erlegen, da er vor Durst die neben seinem Bette stehende Waschschüssel, die mit einem Sublimat zum Händewaschen gefüllt war, aus Irrtum austrank. Die 'übrigen hier Ertränkten hoffen bald wieder ihre Herstellung zu erlangen. X Hanau, 31. Juli. Der Vereinsausschuß der Land- wictschaftskamiiier hatte sich in seiner letzten Vorstandssitzung and) mit einem Anträge der Intendantur des 18. Armeekorps wegen Ausstellung eines Anhaltes zur Abschätzung von Manöver schaden zu befassen. Um nämlich den militärischen Mitgliedern der hierzu berufenen Kommissionen einen gewissen Einhalt für die Abschätzung der einzelnen Boden- erzeiignisse imb Arbeitsleistungen zu geben, hat die Intendantur des 18. Armeekorps Abschätzungsgrundsätze bekannt gegeben und diese der Landwirtschaftskauimer in Kassel zur Begutachtung übersandt. Der VereinsaiiSschuß der Land- ivirtschaftskammer hat beschlossen, nach Möglichkeit den Wünschen der Intendantur zil entsprechen und dabei die aiißerordentlich verschiedenen kulturellen Verhältnisse im Bezirk Kassel zu berücksichtigen. Ein Ausschuß soll die Abschätzungs- grundsätze unter Zugrundelegung der diesseitigen Verhältnisse einer Prüfung unterziehen. 29. Mitteichemische; ttreisturnfest. ch. Bad-Kreuznach, 31. Juli. Nach der üblichen Vorfeier am gestrigen Tage, der Sitzung des Kreisturnausschusses, der Besichtigung des Turnplatzes, einer Sitzung des Kampfgerichts und anderer vorbereitenden Einleitungen des Festes konnte die eigentliche Einleitung heute früh erfolgen. Gestern war außerdem noch um 9.30 Uhr vormittags eine Abordnung der Pariser Turnerschaft eingetrofsen, die unter klingendem Spiele einer Kapelle nach dem Bismarckplatz geleitet lüurbe, wo Herr Brauneck sie willkommen hieß. 'Am Mittag marschierte ein großer Zug von Turnern nach dem Bahnhofe, um den Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, den alten Dr. Goetz, abzuholen und nach seinem Quartier in der Stadt zu geleiten. Bereits trafen auch schon die Turner der fernergelegenen Kreisorte ein und suchten ihre Quartiere auf. Die ganze Stadt zeigte in ihrem reichen Flaggenschmuck und den mit frischem Grün geschmückten Häusern sowie den Turnemblemen bereits einen prächtigen Anblick, der den Eintrefsenden eine Vorahnung Kreuznacher Gastfreundschaft zu geben vermochte. Heute früh begann nach dem üblichen Weckruf das Bereinswetturuen der geraden Gaue, das von 6—9 Uhr dauerte und dem sich das Vereinswctturnen der ungeraden Gaue anschloß, das von 9—12 Uhr stattfand. Währenddem entwickelte sich auch der Treikampf, das volkstürmliche Wett- turnen der geraden und der ungeraden Gaue, ferner fanden zwischendurch Wettspiele und Spiclvorführungen statt. Alles in allem wurde heute vormittag brave turnerische Arbeit geleistet und jedenfalls gewährte es einen hübschen und stimmungsvollen Anblick, allenthalben die kräftigen Turnergestalten in ihrer schneidigen und zweckentsprechenden Kleidung die Hebungen ausführen zu sehen. Nach und nach stellten sich auch trotz der nickst sehr vielversprechende!: Witterung Zuschauer genug ein, ebenso füllte sich die Festhalle. Dazwischen tönten die Klänge der Musikkapelle, die fortgesetzt neue Vereine nach dem Festplatz brachte. So war denn die Einleitung gut von statten gegangen und warum soll dies im ferneren Verlauf des Festes nicht der Fall sein. Um 2 Uhr heute nachmittag stellte sich im Vadeviertel in verschiedenen Straßen der F e ft z u g auf. Nach und nach sammelten sich die einzelnen Vereine unter ihren Gauen zusammen, eine Tätigkeit, die an, die Festzugvrdner und anderen dazu beorderten Personen die höchsten Anforderungen stellte. Es gelang aber, in diesem Chaos Ordnung zu schaffen, sind es doch gerade die Turner, die infolge ihrer vorzüglichen Organisation und Disziplin sich leicht einordnen lassen und eine flotte Erledigung ermöglichen. Im Festzuge waren etwa 10 Musikkapellen verteilt. Besonders stark waren die Turnerschafteu von Wiesbaden, der Saarbezirke, der Koblenzer Gegend, des Moselgebietes, Frankfurt, der Taunus- gebicte, der Lahn, Oberhessens und Rheinhessens vertreten. Die größeren und bedeutenderen Turnvereine der einzelnen Gaue hoben sich unter der Masse durch ihre einheitliche Kleidung und geschlossenes schneidiges Auftreten hervor. Die Ehrengäste, der alte Goetz, Kreisvertreter Schmuck und Mitglieder des Ausschusses der deutschen Turnerschaft fuhren in Wagen mit. Der Zug wickelte sich in Zeit von etwa einer Stunde ab. Auf dem Festplatz aber drängten und schoben sich nun tausende und aber- H e r t er - Charlottenburg, die in lebhaft bewegter Haltung einen Fischer mit einer in seinem Netze zappelnden fischfchwänzigen Nixe darstellt, Tierstücke von Erich Schmidt-Keßler, Sigismund Wernekind, Otto Richter, ein gut aufgesaßtes Bronzestandbild des plattdeutschen Dichters Fritz Reuter von Hugo Ber - w a l d und eine farbige Wachsbüste eines Knaben von Martin Schauß von so vornehmer Behandlung, wie sie auf diesem wenig gepflegten Gebiete höchst selten anzutreffen ist. Auch die Staffeleikunst ist bei den Berlinern recht gut vertreten durch Werke von Konrad Müller-Kurzwelly, Hans H a r t i g , Leonhard Sandrock, Heinrich H e l l h o f s, Otto Heinrich Engel, Georg Ludwig Meyer, Konrad Kiesel, Otto S e e ck u. a. m. Die Düsseldorfer haben ein eigenes graphisches Kabinett, das einen Reichtum von sehr tüchtigen Arbeiten birgt. Es sei hier nur auf die Radierungen von Richard B l o o s, der übrigens seinen Wohnsitz in Paris hat, und August Kaul hingewiesen. Die Aquarellmalerei ist außer in der Abteilung des Vereins Münchener Aquarellisten besonders noch in den Sälen der Münchener Künstler-Genossenschaft durch eine Anzahl hervorragender Meisterwerke gut repräsentiert: das Interessanteste auf dem Gebiete der Wasserfarbentechnik lieferte aber Hans v. Bartels für den Bayern-Saal mit seinem Bildnis eines holländischen Milchmädchens und einem großen Gemälde in Deckfarben „Die Segnung des Meeres", das einen Gottesdienst unter freiem Himmel an der Bretagnischen Küste zum Vorwurf hat. Beide Bilder machen auf den ersten Blick ganz den Eindruck von Oelgemälden und sind ein glänzender Beweis für die leuchtende Kraft und die große Wirkungsfähigkeit der Aquarellfarben, wenn ein so großer Künstler, wie Bartels, sich ihrer bebient Mindestens der Glaspalaft-Ausftellungen der Qualität nach ebenbürtig und öfter noch sie an künstlerischer Bedeutung überragend pflegten die Somme raus ft ellungendesVereins b i l d e n d e r K ü n ft l e r M ü n ch e n s ,,S e z e s s i o n" im Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz zu sein. Von Ueberlegenheit oer Sezessions-Ausstellung kann diesmal keine Rede fein: daß sie aber ebenbürtig ist, dafür bieten schon die Namen eine Gewähr der als Aussteller beteiligten Künstler, wie Angelo Jank, Rudolf N i ß l, Franz von Stuck, Leo Samberger, Fritz von Uhde, Albert von Keller, Richard Pietz sch, Hermann Gröber, Charles Tooby, Richard Winternitz. Der Sturm- und Drangperiode des Kampfes neuer Richtungen gegen das Hergebrachte, die in.ben Sezessionsausstellungen, früherer Jahre oftmals so kräftigen Ausdruck fand, ist längst dahin: ruhige Gleise sind beschritten. Nur bei Franz von Stuck darf man sich immer noch auf Ueberraschungen gefaßt machen. Mindestens schasst er, auch wenn er einen von ihm selbst schon öfter bearbeiteten Stoff einem neuen Werke zugrunde legt, immer wieder etwas Originelles. In einer kleinen Leinwand, „Dissonanz" betitelt, offenbart sich Stuck diesmal als guter Humorist. Ein bärtiger bockssüßiger Pan sitzt auf rasigem Hügel neben einem dicken Heinen Faun; der Kleine bemüht sich, der Hirtenflöte mit aufgeblasenen Backen Töne zu entlocken, die in ihrer Schrecklichkeit dem lachenden Alten, der sich mit beiden Händen die Ohren zuhält, schmerzhaft-komische Pein verursachen. — Die Abteilung der zeichnenden Künste ist nur klein, dafür aber inhaltlich um so bedeutender. Beteiligt sind daran in erster Linie Angelo Jank-München mit farbigen Zeichnungen, die landschaftliche und architektonische Motive aus Thüngen in Unter franken behandeln, ferner Walther Klem m - Dachau mit Tierstudien in Original-Holzschnitten und Erik W e re n s k i o l d - L y f a k e r bei Christiania mit einer Kollektion von Landschaften und Architekturen, Radierungen von äußerst sorgfältiger Durcharbeitung und schöner Wirkung. Verhältnismäßig gut ist die Skulpturenabteilnngi der Sezession beschickt. Hans S ch w e g e r l e-München, dessen Kunst sich immer vielseitiger entwickelt, ist mit zwei lebensvollen Porträtbüsten und einer Reihe für die Berliner kgl. Porzellan- mc-nusaktur entworfener äußerst flott behandelter Porzellangruppen vertreten. Ernst Geiger- München hat eine etwas über lebensgroße Figur eines Bergsteigers in Sportausrüstung geschaffen. Hermann Hahn stellt seinen klassischen Reiter, zu dem der erste Entwurf in Gips in Ueberlebensgröße in der letzten Winter-Ausstellung der Sezession zu sehen war, jetzt in Form einer Bronze- statuette aus, in der die Schönheiten des Kunstwerkes besonders zum Ausdruck kommen. Schließlich sind noch einige Porträt- büften von Richard Förster hervorzuheben, während ein „frei ans dem Stein gehauenes" Relief des gleichen Künstlers, das einen Baechuszug darstellt, mit feinen unproportionellen Gestalten nicht recht gelungen erscheint. * Zu bet Straßburger Stubentenkunbgebung. Der Rektor der Straßburger Universität hat am dortigen schw-arzen Brett eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der er Klarheit über die letzte studentische Ausregung schafft. Es heißt darin: Die Untersuchung über die Demonstration vom 25. Juli gegen Herrn Professor Dr. Cloetta hat noch nicht dazu geführt, daß die Veranstalter dieser jeder akademischen Disziplin widersprechenden Lärmszenen zur Verantwortung gezogen werden konnten. Die protokollarischen Vernehmungen haben aber doch bereits soviel ergeben, daß an diesen Szenen die Hörer und Schüler von Prof. Cloetta, wenn überhaupt, so doch in weit geringerem Maße beteiligt waren als andere Streife, die mit Herrn Cloetta als Lehrer oder Examinator nicht in Berührung kommen. Die protokollarischen Vernehmungen haben ferner ergeben, daß schon seit einiger Zeit von nicht ermittelter Seite unter der Studentenschaft systematisch gegen Professor Cloetta allerlei Klatsch verbreitet worden ist. Nach der Demonstration ist derartiges Gerede, offenbar in der Absicht, die Demonstration vor der öffentlichen Meinung zu rechtfertigen, auch den Leitungen zugesührt und von diesen gutgläubig aufgenommen worden. So ist durch die protokollarische Vernehmung z. B. folgendes festgestellt worden: Die sämtlichen Kandidaten, aiff die in Zeitungsberichten hingedeutet wurde, haben übereinstimmend zu Protokoll erklärt, daß gegen keinen von ihnen die angebliche Aeußerung Cloettas über „ihre Unfähigkeit, als Elsässer Französisch richtig aus- i p r e ch e n" gefallen ist. Einer von den Beteiligten aber hat ausgesagt, daß er früher die Aeußerung „in dem Sinne verbreiten hörte: daß die Süd- und Mitteldeutschen nicht richtig Französisch aussprechen könnten, weil sie keine stimmhaften Laute aussprechen könnten; wenn sie aber ernsthaft sich mit Phonetik beschäftigten, dann ginge es doch". Diese rein sachlichen Aeuße- rungen scheinen der Ausgangspunkt für die obigen Entstellungen geworden zu fein. Weiter wurde verbreitet, daß der gegenwärtige Vorsitzende der Prüfu-ngen, Prof. Dr. Keil, einmal in Gegenwart des Kandidaten zu Prof. Cloetta sich in dem Sinne geäußert habe, daß Cloetta im Examen ungebührliche Anforderungen stellte. Prof. Keil erklärt dieses Gerücht für vollständig falsch. Er hat allerdings einmal während des Examens Herrn Cloetta gebeten, ins Nebenzimmer zu kommen, aber nur, um ihm gewisse Mitteilungen über die vorausgegangene Klausurarbeit des Kandidaten zu machen. Ueber zwei Kandidaten ging das Gerücht, sie hätten wider Erwarten im Examen bei Pros. Cloetta ein sehr schlechtes Prädikat erhalten. Beide Kandidaten haben zu Protokoll erklärt, daß dieses Gerücht über sie zu einer Zeit verbreitet wurde, wo sie das Examen noch lange nicht gemacht hatten. Endlich war die Be- lrauptung verbreitet, Prof. Cloetta fei schon in Jena von dem Ministerium zu größerer Milde ermahnt worden. Auch dieses Gerücht erklärt Pros. Cloetta für vollständig unwahr. Mit ziemlicher Bestimmtheit ist anzunehmen, daß das ersterwähnte Gerücht von der angeblichen Aeußerung über die allgemeine Unfähigkeit der Elsässer, Französisch richtig zu sprechen den größten Einfluß auf das Zustandekommen der Demonstration ausgeübt hat, an der ja überwiegend Personen teilgenommev haben, die in keinerlei unmittelbarer Beziehung zu dem genannten Lehrer stehen, und einzelnen Aussagen zufolge sogar fremden Fakultäten angehören. Zum Schluß wird festgestellt, daß die dem Pros. Cloetta zunächst stehenden Mitglieder des romanischen Seminars unt des klassisch-philologischen Vereins ihm persönliche Sympathiekundgebungen dargebracht und dadurch gezeigt hätten, daß jie mii den Vorkommnissen nichts zu tun haben wollen. * — KurzeNachrichten aus Kunstu. Wissenschaft. Der schwedische Dampfer „Eclus", der für eine Spitzbergen expedition von hundert Teilnehmern des internationalen Geo logenkongresses in Stockholm gemietet worden ist, ist an Freitag in Narvik eingetrofsen und abends nach Spitzberger abgegangen. Die Teilnehmer werden am 17. August in Stockholn znrückerwartet. — Wie die „Braunschweiger Laudeszeitung" meldet ist der Bildhauer, Professor der technischen Hochschule und Geheim! Hosrat Karl Echtermeyer im Alter von 65 Jahren am Herzschlag gestorben. 3thel-MaIzkaifee verein für das Geleit zum Grabe. 4178 Annerod, Gießen, den 1. August 1910. (06340 erfolgt im Wege der Zwangs am 22. Juni 1910 Danksagung Grosten-Buseck, den 1. August 1910. 4167 Großhcrzogliches Amtsgericht. (B7, - EM Gericht auf Allendorf dem Geschäftszimmer a. d. Lahn versteigert Pfand-Paket 25 Pfg. durch das unterzeichnete deS Großh. Ortsgerichts werden. Die Versteigerung Vollstreckung. Für die so reichlich bewiesene Teilnahme bei dem uns so schwer betroffenen Verluste, für die Blumenspenden sowie für die liebevolle Pflege der Schwester und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Groth sage ich allen meinen herzlichsten Dank. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Heinrich Brück, Gastwirt. Wer ihn einmal getrunken hat, trinkt keinen anderen mehr Ueberall in 1hf V2 0. J/4 Paketen erhältlich der BestattuugSgenossenschaft! - _ . der freien a «ihretnervereinigung Gieren - Zwangsversteigerung. Das nachstehend bezeichnete Grundstück, das zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerks auf den Namen des Balthasar Opper, Bäcker in Allendorf zu V2 und seiner Ehefrau Johanna Lpper geb. Neuhaus zu 1/2 'im Grundbuch eingetragen war, soll Dienstag den 13. September 1910, vorm. 9 Uhr, Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 1. August 1910. Kleine Tagcschronik. Aus Berlin wird gemeldet: Ter49jährige Rektor Robert B 0 ck der Mädchengemeindeschule in der Gneisenanstruße wurde wegen S i t t l i ch k e i t s v e r b r e ch e n s verhaftet. Bock ist verheiratet und Vater von Drei StiiiDcrii. Aus Köln wird amtlich gemeldet: Um 8,20 Uhr vormittags entgleiste am Sonntag infolge unrichtiger Weichenstellung ein Kurswagen Paris-Berlin beim Umsetzen von Schnellzug D 31 Paris-Köln an D 31 Köln-Berlin. Personen werden nicht ver- letzt. Der Materialschaden ist unbedeutend. Der Betrieb ist nicht gestört. Einige Züge erlitten Verspätung. In Köln stürzte ein sechsjähriger Knabe, der in den Anlagen mit seiner Mutter und seinem um drei Jahre älteren Bruder spazieren ging, in einen Teich und ertranf vor den Augen seiner Angehörigen. Der neunjährige Bruder machte einen Rettungsversuch, ging aber selbst unter; verzweifelt stürzte sich auch die Mutter ins Wasser. Sie wurde nur mit großer Mühe gerettet und gewaltsam fortgeführt. Aus Posen wird vom 31. Juli gemeldet: Im benachbarten Luis en heim ist ein Groß feuer crusae- brochen. Die Brümmersche Dampfmühte und die ihr benachbarten Grundstücke standen noch am Spätabend in Hellen Flammen. Auch der Bahnhof ist gefährdet. Für Die Bewerfe herzlicher Teilnahme, die uns bei dem Hinscheiden meines lieben Gatten, unseres guten Vaters, Schwiegervaters und Großvaters Herrn Konrad Breitftadt dargebracht wurden, sagen mir allen herzt. Dank. Gleichzeitig danken wir den ev. Schwestern für die liebevolle Pflege, sowie den Herren Wagenmeistern und dem Eisenbahn- ßanöcL Düsseldorf, 30. Juli. Nachdem die Verhandlungen) zwecks Bildung eines allgemeinenRoheisenverbandes gescheitert sind, schlossen sich heute eine Reihe der bedeutendsten niederrheinischen und westfälischen Hochofenwerke mit ostdeutschen Roheisenherstellern zum gemeinsamen Verkauf zusammen. Durch diese Vereinigung schlossen diese die Hauptwerke unter sich im Wettbewerb aus und werden umso eher in der Lage fein, die Preise so zu stellen, daß den Beteiligten voller Absatz gesichert ist und die Einfuhr des ausländischen Eisens ferngehalten wird. Ferner hob das Kohlensyndikat nach einer Verständigung über die Quotenfrage mit den ostdeutschen Produzenten die Beihilfe für den Roheisenabsatz nach Ostdeutschland auf. Dortmund, 30. Juli. Infolge des Zusammenbruchs der Niederdeutschen Bank wurde heute über das Vermögen der Dortmunder Elektrizitäts-Gesellschaft m. b. H. das Konkursverfahren eröffnet. Der Geschäftsführer der /Gesellschaft ist ein Schwager des verhafteten Direktors. Ohm. Dec Versteigerungsvermerk ist in das Grundbuch eingetragen rvorden. vermischtes. * Zur Dreihundertjahrfeier der Stadt Elberfeld wird gemeldet: Samstag vormittag wurde im Rathaus über zweihundert bedürftigen Veteranen vom Offiziersverein Elberfeld eine gesammelte Ehrengabe überreicht. Alsdann erfolgte die Enthüllung des von dem Pariser Künstler Bernhard Hostger geschaffenen Gerechtigkeitsbrunnens, eines Geschenkes des Geheimen Kommerzienrats Freiherrn von der Heydt. Nachmittags wurde der ebenfalls von dem Genannten überlassene, von der Bürgerschaft hergerichtete Spielplatz der Stadt übergeben. Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungSvermerks aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens int Versteigerungstermin vor bcr Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumclden und, ivenn der Gläubiger । widerspricht, glaubhaft zu urachen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche des Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegen- stehendes Recht haben, werden aufgcfordcrt, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung j des Verfahrens herbeizusühren, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle des versteigerten Gegenstandes tritt. Gießen, den 26. Juli 1910. Bekmrutnmchnng. Das in den Waldungen der unterfertigten Oberförsterei noch sitzende Versteigerungs-Holz muß bis zum 20. k. MtS. abgefahren sein. B1/« Gießen, 30. Juli 1910. /8 Großh. Oberförsterei Schiffenberg. T r a u t w c i n. Wetteraussichten in Hessen am Dientag Dem 2. August 1910: Meist heiler, warm, Südwind. Für btc Bewene herzlicher Teilnahme bei dem Hin- fcheiden unserer lieben Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Frau Klara Pfeffer sagen wir allen, insbesondere Herrn Pfarrer Grothe für die trostreichen Worte am Grabe, unseren innigsten Dank. Familien Lepper, Braun, Burr, Steller. Bezeichnung des Grundstücks. Grundbtich für Allendorf an der Lahn Band 4 Blatt 283.; Flur I Nr. 910710 = 622 qm Hofreite auf der Aubach.! 12000 Mk. lieberrascht jeden durch seinen vorzüglichen kaffeeähnlichen Geschmack. hv12/7 Unerreicht in Aroma. tßcriditsiaiiL w. Nürnberg, 30. Juli. Die Strafkammer verurteilte heute nach zweiwöchentlicher Verhandlung den Bankier und chilenischen "Konsul Rud. Birkner zu 1 Jahr Gefängnis und den Kaufmann'oerm.'Dürr in Nürnberg, früher in Mannheim, zu vier Monaten Gefängnis. Der Kaufmann Arno Otto Lorenz, früher in Mannheim, jetzt in Nürnberg, wurde frei- gesprochen. Birkner und Dürr hatten sich des fortgesetzten Betrugs bei der Umwandlung der Nürnberger Metallwarenfabrik „Isis", G. m. b. H., in eine Aktiengesellschaft schuldig gemacht und zwar durch Herausgabe eines, unwahre Angaben enthaltenden Exposes an Aktieninhaber, durch Vorlegung gefälschter Bilanzen und durch Pflege eines äußerst umfangreichen Neitwechselverkehrs. Von der Anllage, auch Vergehen gegen die Gründungsvorfchriften verübt zu haben, wurden sämtliche Angeklagte freigesprochen. Ten beiden Verurteilten wurden die gesamten, sehr umfangreichen Kosten aufgebürdet. Bekanntmachmrg. In unserem Handelsregister Abteilung B. wurde bei der erkschast Friedrich in Hungen heute eingetragen: In Frankfurt a. M. ist eine Zweigniederlassung errichtet. Hungen, 19. Juli 1910. (B3o/7 Großherzogliches Amtsgericht. Steuermann Thomsen uni) zwei Monteure. Die Fahrt soll über Leipzig, .Altenburg, Hof und Bahreuth gehen. Leipzig, 31. Juli. Um Mitternacht hatte sich eine Anzahl Mitglieder des Magistrats, Vertreter der Presse u. a. auf dem Rathausturm versammelt, welcher durch Lichter und Magnesiumfackeln festlich erleuchtet war. Um 3A2 Uhr erschien „Parseval 6" von Norden her und passierte in schneller Fahrt das Zentrum der Stadt unter den Zurufen der Bewohner, welche durch das Summen der Propeller auf das Nahen des Luftschiffes aufmerksam gemacht worden war. Um 2 Uhr entfernte sich das Lust- ichisf in südlicher Richtung. Eine Zwischenlandung. Leipzig, 31. Juli. „P. 6" landete heute früh wegen eines Pr 0 p e ll er d e f e kts bei Lobstädt. Oberleutnant Stelling sandte ein von 5 Uhr 10 Min. datiertes Telegramm an die Luftfahrzeug-Gesellschaft Bitterfeld: „Bei Lobstädt Zwischenlandung. Draht am Flügelauge gebrochen. Reparatur an Bord vorgenommen. An Bord ist alles wohl. Fahrt wird alsbald fortgesetzt." Lobstädt, 31. Juli. „P. 6" ist um 7 Uhr 50 ZN in. zur W e i t e r f ah r t nach München auf gestiegen. Altenburg, 31. Juli. „P. 6" passierte um 8.15 Uhr in ruhiger Fahrt Altenburg und entfernte sich in südlicher Richtung. H 0 f (Bayern), 31. Juli. Das Luftschiff „P. 6", das um 9 Uhr Crimmitschau, um 9.15 Uhr Werdau, um 10 Uhr Reichenbach und um 10.45 Uhr Plauen passierte, ist um i/212 Uhr hier sichtbar geworden. Vom Gewitter überrascht. B i t t er f e l d, 31. Juli. Die Ballonhalle hat folgendes Telegramm erhalten: „Wegen schwerer Gewitter gegen 2 Uhr bei Gold-Kronach, zwei Stunden von Bayreuth, gelandet und verankert." Bayreuth, 31. Juli. Gegen 3 Uhr nachmittags ist „P. 6" in Strullendorf bei Gold-Kronach glatt gelandet. Das Luftschiff wurde durch das herrschende Gewitter von seinem ursprünglichen Kurs abgetrieben in der Richtung nach Kulmbach und von dort wieder ostwärts. Tie Landung in Bayreuth. Bayreuth, 31. Juli. Nach 4 Uhr stieg das Luftschiff in Strullendorf zur Weiterfahrt nach Bayreuth auf, wo es gegen 5 Uhr auf dem Truppenübungsplatz glatt landete, wegen Gasnachfüllung. Die Weiterfahrt erfolgt Montag früh. 9794 Jakob Maternus GrkginaL-Drahtmelöungen. Eine Familie verbrannt. Kolm ar, 1. Ang. Im Schlafraum des Mechanikers Georg H a n n in der Breisacher Straße war in der Nacht Zum Sonntag Fester ausgebrochen. In dem gänzlich isolierten Schlafraum schliefen der Vater mit seinen drei Söhnen im Alter von 14, 17 und 19 Jahren. Vermutlich durch starke Rauchentwickelung sind die Unglücklichen zunächst betäubt worden -und als endlich Hilfe kam, hatten sie bereits so schwere Brandwunden erlitten, daß die drei S ö h n e im Verlaufe des gestrigen Nachmittags st a r b e n; auch die Verletzungen des Vaters sind- lebensgefährlich. Ueber die Ursache der Katastrophe weiß man nichts genaues. Kurz vor seinem Tode sagte der jüngste Sohn aus, er habe einen fremden Menschen im Zimmer gesehen. Hann fen. hatte in seinem Bette eine größere Geldsumme versteckt. Das Geld hat man jetzt in einen Klumpen zusammengeschmolzen aufgefunden. Das' Papiergeld ist verbrannt. * Paris, 1. Ang. Von den gestrigen 144 Generalrats- Stichwahlen sind 142 Ergebnisse bekannt. Gewählt wurden 6 Konservative, 16 Progressisten, 106 Radikale und 14 geeinigte Sozialisten. London, 1. Aug. Durch Kurz schluß in der Beleuchtung einer Schauiensterdekoration entstand m einem Geschäftshaus ein Groß feuer, bei dem 5 Personen in den Flammen umkamen. Vom ersten Lebenst&ge an verwenden sorgsame Mütter zur Pflege der so zarten -vaut ihrer Lieblinge die erprobte, milde Myrrbolinseife. (b28/ tagende von Menschen, die Festhalte erwies sich als viel zu Nein, diese Zahl zu fassen und kaum konnten die Turner sich durchdrängen, um zu ihren Gauen zu den allgemeinenKeu- I e n ü b u n g e n zu gelangen. Doch es ging uni> nun wurden unter der Leitung des Kreisturnwarls Bolze Frankfurt die Gaue auf gestellt, die Reihen entwickelt und bald stand jeder Manu bereit ui dieser turnerischen Massenaufführung. Auf einer Galerie der Festlwlle befand sich Goetz und sah den Keulenübungen zu, die stramm und erakt vonstatteu gingen. Unter den Klängen des Liedes ,,O Deutschland hoch in Ehren" erfolgte der Abmarsch, ?m ergreifender Augenblick, denn die vielen Tausenden auf dem Llatz sangen dieses alte Vaterlandslied mit, so daß ein machtvoller 3ang zu dem mittlerweile hell und licht gewordenen Himmel .nauste. Es fanden nun noch Sondervorführungen auswärtiger Vereine statt, worauf die Verkündigung der Sieger im Dreikampf sowie im Vereins- und Riegenwetturnen erfolgte. Die Beteiligung an diesen Kämpfen war sehr stark. Sie betrug beim Drei- ämpf 516 Bewerber, von denen 61 Sieger wurden, darunter pch. Möller, M.-T.-V. Gießen, der den 18. Preis erhielt. Beim Vereinswetturnen erhielten u. a. Auszeichnungen: T-V. Büdingen, T.-V. Butzbach, T.-V. Wetzlar, M.-T.-V. und T-V. Gießen, T.-G. Marburg und die Fechtriegen der beiden Gießener Turnvereine. Sport. •' Rasensport. Die aus Anlaß des in Gießen gestern ^gehaltenen 3. Bezirksfestes des 8. Bezirks im W e st - 'eutschen Spielverband vom Gießener Sportverein 1900 in der Hardt arrangierte sportliche Veranstaltung hatte durch den im Vormittag niedergegangenen Regen sehr zu leiden. Auch der besuch ließ viel zu wünschen übrig. Die vorgeführten Olym- nschen Spiele waren in allen Teilen gelungen und auch für den »richtsportsmann sehr interessant. Das Ergebnis der Wettkämpfe aar: Schleuderballwerfen. N 0 l l 1., 47,60 Meter, Venzel 2., 42 Meter (beide vom Sportv. 1900 Gießen), Glaser 3., 16,20 Meter (Fußballklub Bad-Nauheim). Dreisprung. Venzel 1., 11,25 Meter, Clarius 2. 11,13 Meter (beide vom sportu. 1900 Gießen!, st!ick 3 , 10,ggMet.(JußballklnbIahn, Siegen). 00 Meter-Lauf. Noll 1., 12,/5 Sek., Riedel 2., 12^ Sek. beide vom Sportv. 1900 Gießen). Sprengel 3., 12*/« Sek. (Fnß- allklub Bad-Nanheirn). Diskuswerfen. Noll 1., 32,31 lleter, Wenzel 2., 27,90 Meter (beibe vorn Sportv. 1900 Gießen). )?eivs 3., 24,„ Meter (Fußballklub Jahn, Siegen). 800 M eter- 'auf. M ü n k er 1., 2 Minuten 22 Sek. Kühn 2., 2 Minuten 38/5 Sek. aubbreite Vorsprung. Olympische Staffe11e 800,400, 200 nb 100 Bieter. Kühn, Noll, Wenzel und Clarius 1., 4 Minuten 4'/s Sek. (Sportv. 19 0 0 Gießen) gegen Ballspielklub Gießen 4 Nttnuten 434/5 Sek. 2 0 0 M e t e r - L a u f e n. Riedel 1., 7l/6 Sek. (Sportv. 1900 Gießen). Kölsch 2., 274/6 Sek. (Fnßball- lud Jahn, Stegen). 15 0 0 Meter-Laufen. Steuber 1., Min. 20 Sek., Benter 2., 5 Minuten 21% Sek. (beibe Fußball- lud Jahn, Siegen)._______________________________________________ Eine Fernfahrt des „P. 6“ nach München. Bitterfeld, 30. Juli. Das Luftschiff „P. 6" ist nter Führung des Oberleutnants Stelling um 12Uhr achts zu einer Fährt nasch München aufgestiegen. In der )ondel befinden sich außer dem Führer, 5)aupllncrnn An- reß-München, Regierungsbaumeister Hackstädter, Fritz Kosen bäum Löweugasse 20 __- Telephon 692 kuchen. (3756 Neuaufnahme 10. Oktober 1910. k jlstterW 56ime I Ve Seltersweg 20 ui lOPsd.- Näheres im Laden. [4148 3 Zimmer 063:38] Sch. 2-Zim.Wohn. m. Korr. au ucrin. Walltorstr. 67 Vorderh. Vereins. 3536 4161] Schulstraßc Schulstraße Garbenbänder 06336] Dammstr. 241. Möbl. Zimmer zu vermieten. empftehlt billigst (OTr 063691 Asterweg 261. 06343] Einfach möbl. Zimmer zu Seltersweg 87III. verm. Möbl. Zimmer zu vermieten. 06347] Stephanstr. 34. Möbl. 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August Jacobi, Darmstadt. Ans Stadt nnd Land. Gießen, 1. August 1910. * * Vom Großh. Hof. Der Großherzog und die Großherzogin sind am Sonntag vormittag von England .zurückgetehrt. Sie trafen 10 Uhr 22 Min. in Mainz ein und begaben sich von bn aus im Automobil nach Wolfsgarten. Der Erbgroßherzog und Prinz Ludwig tamen schon am Freitag wieder in Jagdschloß Wolfsgarten an. * * S t i f t u n g 8 fc st der Starkenburger. 9lm Sonntag b c m 7. ii n b Montag b c m 8. Au g u st l. Js. feiert bas Gießener Korps S t a r k e n b urg i a in althergebrachter Weise sein 7 0. S ti ft u n g sfest in Heppen- h e i m a. b. B. Am 7. finbct um Uhr Empfang am Bahnhof, Zug nach bcm Gasthaus Mgutii halben Mond" und dort Abenbesscn und Kommers statt. Am 8. ist um 11 Uhr Frühschoppen auf ber Ruine Starkenburg, um 2 Uhr im halben Mond Festessen und anschließenb Gartenfest. Nach den eingelaufcnen Anmclbungen werben bic „alten Herren" bes Korps zahlreich an ber Feier tcilnchmen unb besonders ein reicher Damenflor das Fest verschönern. * * Abgefaßt. In einer hiesigen Wirtschaft trafen am Samstag nachmittag drei Fremde ein, von denen einer sich in den 2. Stock des Hauses begab, sich den Schlüssel zu der Privatstube des Wirtes aneignete und dann unter dessen Be- Nutzung eine Kassette mit Wertpapieren stahl, während die beiden anderen die Aufpasser spielten. Der Dieb wurde bemerkt, ging flüchtig und ließ die Kassette fallen. Er wurde von einem Schutzmann eingeholt und mit seinen beiden Begleitern festgenommen. Es scheint sich um drei geriebene Burschen zu handeln, die wahrscheinlich noch mehr auf dem Kerbholz haben. * * Der August hat heute sein Regiment unter den zwölf Monaten des Jahres angetreten: er verdankt seinen Namen dem Kaiser Augustus. Nach römischer Zeitrechnung war dieser Monat der sechste des IahreS. Er ist der Erntemonat und in den ersten zwei Dritteln steht in ihm die Sonne im Zeichen des Löwen, im letzten Drittel in dem der Jungfrau. Der Landmann wünscht sich den August trocken und sonnig, denn alte Bauernregeln sagen: Mas im Herbst soll geraten, Muß der August braten. Ober: Im August viel Stegen Ist dem Mein kein Segen. Der Bartholomäustag (24. August) soll für das kommende Wetter vorbedeutend fein, denn „wie Bartholomäustag sich hält, so ist der ganze Herbst" und „Gewitter an Bartholomä bringen bald Hagel und Schnee". Leise zieht im August die Wehmut des Abschiedes von der schöneren Jahreszeit in die Menschenbrust ein, denn die Stoppeln und da§ zur Herbstbestellung hergerichtete Feld, die kürzer werdenden Tage und die kühleren Abende sind die Kennzeichen des scheidenden Sommers. -s. Ulrichstein, 30. Juli. Bei der heutigen Gemein d e r a t s w a h l wurden gewählt: Landwirt .Heinrich Müller I. mit 113 Stimmen, Gastwirt Ferdinand Pfannstiel mit 100 Stimmen und Spengtermeister August Ludwig mit 97 Stimmen. -m. Friedberg, 31. Juli. Bei einer nochmaligen heute abgehaltenen Polizeihundeprüfung leistete der Hund des Schutzmanns Kaiser „Lux" hervorragendes, nicht allein im Spurensuchen und Apportieren, sondern auch im Hochsprung. Er sprang über eine Bretterwand mit einem apportierten Block im Maul. Auch ein jüngerer Hund verspricht gut zu werden. — Wie verlautet, hat der von der Stadtverordnetenversammlung gewählte neue Direktor der hiesigen Gewerbe-Akademie Merx sich noch nicht entschlossen, die Wahl anzunehmen. Herr Merx soll erst ein Probejahr absolvieren, was er nicht will. m. N i e d e r -M ö r l e n, 31. Juli. Gestern nachmittag fand die Beerdigung des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Müllersohnes Heinrich K r e m e r auf dem Ober-Mörler Friedhose statt. Unter Vorantritt des Nieder-Mörlcr Turnvereins, dessen Vorsitzender der Verstorbene war, und des Kriegervercins setzte sich der Trauerzug unter Beteiligung fast der ganzen Gemeinde in Bewegung, um am Eingang des Ortes Ober-Mörlen von einer noch größeren Menschenmenge in Empfang genommen zu werden. Nach katholischem Ritus wurde nichts von dem tragischen Ende des Dahingeschiedenen erwähnt. Der Vertreter des Turnvereins sowie des Kriegervereins legten mit entsprechenden Worten ihre Kränze nieder, die übliche Ehrensalve folgte. Der Chauffeur, dem der Todesfall zur Last gelegt wird, wurde gegen eine Kaution von 5000 Mk. auf freien Fuß gesetzt. Die Familie des Verunglückten hat durch Rechtsanwalt Dr. Brücher in Bad-Nauheim einen Schadenersatz von 50000 Mk. geltend gemacht, welche Forderung in Anbetracht der Verhältnisse wohl nicht zu hoch gegriffen ist. Der erste Termin für die Schadenersatzklage findet morgen vormittag vor dem Nauheimer Amtsgericht statt. — Große Aufregung herrscht in unserer Gemeinde darüber, daß man, weil der Friedhof zu klein geworden ist, jetzt anfängt, Gräber auszuwcrsen, deren Skelette Heute noch erkennen lassen, wer die Dahingeschiedenen waren. Mehrere Bürger haben sich beschwerdeführend an das Kreisamt Friedberg gewandt, um dieser Pietätlosigkeit Einhalt zu tun. -o. Dorn diel (Hessen), 1. Aug. Vor bald einem Vierteljahr wurde hier der Kaufmann Wilhelm B a d)« mann in der Nacht, als er in seinem Hause einen Einbrecher ertappte, von diesem ermordet. Bis heute hat die Untersuchungsbehörde außer photographierten ^ingerab- 0rüden nicht den geringsten positiven Anhalt für die Täterschaft. Die Staatsanwaltschaft suchte von Anfang an den Mörder außerhalb des kleinen Ortes Dorndiel, es wurden auch mehrere Personen verhaftet, die alle wieder entlassen werden mußten, ein großer Teil der Bevölkerung aber hat, wie wir seinerzeit and) berichteten, immer daran festgehalten, daß der Mörder ein Nachbar des Ermordeten sein müsse. Merkwürdig ist, daß die Staatsanwaltschaft sich bei der Abweisung der betr. Gerüchte u. a. auf die Aussagen i -- Frau w > rmovdetey stützt, die nach hem löd lichcn Schuß auf ihren Mann ans dem Bett sprang und den Mörder gerade noch um eine Straßenecke biegen sah, daß aber gerade diese Frau jenen Nachbar für den Mörder hält. Nachdem sw nun schon ost den Gastwirt Johann Daniel auf offener Straße als den Mörder ihres Mannes ** 18 Personen enoeten durch Selbstmoro, 29 verunglückten: getötet wurde ein neugeborenes Kind. Die übrigen, nicht erwähnten Todesfälle verteilten sich auf minder wichtige und unbekannt gebliebene Todesursachen. Großen, iin Juli 1909. Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen. 1 I. A.: Dr. Lang er mann. bezeichnet hat, strengte Daniel gegen Frau Bad;mann Beleidigungsklage an, die nächstens vor dem Schöffengericht zu Groß-Umstadt zur Verhandlung kommt. F e l l i n g s h a u s e n , 31. Juli. In der vergangenen Woche bereisten Oberbürgermeister Mecum und der Direktor des städtischen Elektrizitätswerks, Stolte, unsere ,Ge- gend. Man nimmt allgemein in den Orten, die Sie Herren berührten, an, daß es sich um eine Orts- und Geländebesichtigung nicht nur wegen Herleitung von Elektrizität für Licht- und Kraftzwecke, sondern um das Projekt einer elektrischen Bahn von Gießen nach Krofdorf-Fellingshausen handelt, die dann an die Strecke Gladenbach-Herborn weitergeführt würde. Gießen sucht schon lange den ihm verloren gegangenen Anschluß an das ehemalige hessische Hinterland wieder zu gewinnen, das wirtschaftlick) auch zu ihm gehört. Den Gedanken, durch die Biebertalbahn einen Verkehrsweg bis Bischoffen zu schaffen, hat man als aussichtslos ausgegeben. Die Gießener Stadtverwaltung würde in dieser Sache in dem Gebiet um den Dünsberg weitgehendstes Entgegenkommen bei den Gemeinden finden. -o. Wiesbaden, 31. Juli. E>n Ausstan d als Folge eines Mordes ist eine ungewöhnliche Erscbei- nung. Wir berichteten am Samstag über den Mord, den die Brüder Riebel an dem Arbeiter Schipper in Dotzheim beruhten. Die ledigen Brüder wohnten bei ihrem Schwager, dem Eisenhobler Palm, der seit langen Jahren in der Wiesbadener M a s ch i n e n f a b r i k beschäftigt ist. 9?ad) der Mordtat hielten die Arbeiter der Fabrik eine Versammlung ab unb beschlossen, die Entlassung Palms zu fordern, widrigenfalls die Arbeit einzustellen. Da die Fabrikleitung sich weigerte, den nach ihrer Ansicht an dem Morde unbeteiligten, fleißigen und intelligenten Palm zu entlassen, blieben alle Arbeiter der Fabrik fern. Sie ließen durch einen Ausschuß erklären, nicht wieder zu arbeiten, solange Palm in der Fabrik sei. Es fand darauf eine Besprechung vor dem Gewerbegericht statt, wo die Fabrikleitung auf ihrer Weigerung, den Mann ohne Grund zu entlassen, beharrte. Dagegen sei sie zu seiner Entlassung bereit, sofern gegen Palm in der Mordsache eine gerichtliche Untersuchung erfolge. LasrdwLrtscbcrf-. — D i e Fortschritte ber deutschen Landwirtschaft. In dein „Land-Kalender für das Großherzogtum Hessen, Ausgabe 1911", (Großh. Staatsverlag), gibt Professor Dr. Gise- vius-Gießen einen interessanten Ucberblict über die „Fürsorge für die Ernährung des deutschen Volkes in Friedens- unb Kriegszeiten". Wir lesen dort u. a.: Nicht genug kann die innere Kraft unserer praktischen Landwirtschaft angeftaunt werden, vermöge deren sie gerade in den letzten Jahren noch eine unerwartete Weiter- ftcigcrniig der Ernten herbeigeführt hat. Deutschland erzeugte nämlid) in runden Zahlen: 1878 1907 Weizen . . . . o2 Millionen Ztr. 69 Millionen Ztr. Roggen .... 138 Haier 101 Gerste .... 47 Halmfrüchte zus. . 338 Kartoffeln . . . 478 Diese Steigerung ist gerade in den allerletzten Jahren sehr bedeutend gewesen und schreitet noch immer fort. Somit können wir sehr wohl behaupten, daß unsere deutsche Landwirtschaft keineswegs auf einem veralteten Standpunkt stehen geblieben ist. Sie schreitet int Gegenteil sehr energisch fort und sucht ihrer Aufgabe, die Versorgung des Volkes mit Nahrung zu übernehmen, in steigendem Maße gerecht zu werden. Ganz sicher hat dazu die Beruhigung über die Preisbewegung landwirtschaftlicher Produkte wesentlich beigetragen, wie sie nach der gesetzlichen Fesllegung von Zöllen für längere Zeit eingetreten ist. Wenn wir uns dabei vergegenwärtigen, daß diese Zölle dem Deutschen Reiche jetzt 266 Millionen Mark an Einnahmen einbringen, so wird man sich auch auf dem Lande über die Dauer dieser Zollgesetzgebung beruhigt fühlen. Die Finanznot der heutigen Zeit wird es von selbst verbieten, die Zölle aufzuheben und die daraus herrührendcn Einnahmen des Reiches aus anderen Quellen, d. h. also aus Steuern anderer Art, ersetzen zu wollen. — Wir bekommen bei allen diesen Betrachtungen den Eindruck, daß unsere Landwirtschaft das Menschenmögliche geleistet hat, um mit der Erzeugung von Brotfrucl)t, von Futter unb von Rohmaterialien für mancherlei Gewerbe mit bcm Steigen des Bedarfs Schritt zu halten. Wir dürfen es ferner als durchaus nicht ausgefchlossen, im Gegenteil für wahr- fcheinlich halten, daß die Erzeugung von Brot und Futter mit bcm ferneren Wachsen des Bedarfs noch mehr als früher Schritt halten wirb. Jedenfalls fordern die Mehrleistungen der Landwirte der heutigen Zeit die größte Anerkennung, sie verdienen in keiner Weise bic hier unb ba laut merbenben absprechenden Urteile. In keinem Falle darf man die Landwirte oder gar die ganze Landbevölkerung heute geringschätzig ansehen und als einen Stand betrachten wollen, der in unserem Volksleben eigentlich nebensächlich und nur noch gewissermaßen geduldet wird. ©crictytsfaal. R.-B. Darmstadt, 30. Juli. Das Kriegsgericht verurteilte heute den Gardisten Wilhelm Gauck) vom Leib-Garde- Jnsanterie-Regiment Nr. 115, der aus Germersheim stammt, wegen Betrugs im Rückfall, Diebstahls, unerlaubter Entfernung und falschem Nameusgebrauch zu vier Jahre n Z uchthaus, 150 Mk. Geldstrafe, ojahrigem Ehrverlust, Ausstoßung aus dem Heere unb 14 Tagen Hail. Der Angeklagte hat schott während seiner seit Herbst vor. Js. bestehenden Dienstzeit drei Strafen mögen unerlaubter Entfernung erlitten. Im Marz ging er wieder ohne Urlaub davon und zog bis zum Mac in der Pfalz herum, indem er sich durch Betrügereien unb mehrere Diebstähle Unterhaltsmitlel, sowie den Mllitärpaß eines Wirtes verschaffte. Bei den ©cbiuinbclcien ging er mit großer Frechheit vor unb wußte auch verschiedene Geistliche zu prellen, einmal fielen ihm 22 Alk. in die Hände, ein anderes Mal stellte er sich einer Familie, bereit Oberhaupt gerade gestorben war, als dessen Neffen vor, kondoliene und schwindelte sich einen Geldbetrag aus. Als er durch die Gendarmerie verhallet wurde, bediente er sich eines falschen Namens. — Weiter wurde der aus Gebweiler i. E. gebürtige Musketier Albert Bisch vom Infanterie- Regiment Nr. 168 in Butzbach wegen unerlaubter Entfernung zu drei Dio na ten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich des fraglichen Vergehens schuldig gemacht, nachdem er im vorigen Sommer m seiner Heimat für den Herbst zum Infanterie-Regiment Nr. 71 in Erfurt ausgehoben und bis zur Stellung mit Urlaubspaß entlassen worden war. Bald darauf entzweite er sich mit feinem Vater, verließ Gebweiler und nahm in Frankreich Arbeit, von wo er erst in voriger Woche zurückkehrte und sich der Behörde in Gebweiler meldete. Er war deshalb der Fahnenflucht angeklagt, doch schenkte bas Gericht seinen Angaben, baß er sich seiner Militärpflicht nicht bauernd habe entziehen wollen, Glauben. Die seinerzeit erlassene Geslettungsordre hatte ihm sein Vater nicht ttach- gesandt. Sport. — Klein-Linden, 31. Juli. Der Radfahrer- vercin 1 9 0 4 hielt gestern sein V e r e i n s r c n n e n ab. Gefahren wurde bic Strecke Klein Linden, Dutenhofen bis oberhalb Wetzlar und zurück. Die Strecke beträgt etwa 20 Kilometer und wurde in der kürzesten Zeit von 33 Minuten gefahren. Das Fahren war in zwei Gruppen eingeteilt. In der 1. Gruppe erhielt den 1. Preis Friedr. Lyriker, den 2. Preis Friede. Jung, den 3. Preis Herrn. Hinterlang, in der 2. Gruppe bett 1. Preis Jul. Jung, den 2. Preis Friedr. Jung, den 3. Preis Phil. Lenz. Im Anschluß daran fand int Saale zur Deutschen Eiche Tanzbelustigung statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Paris, 31. Juli. Der bekannte Schwimmer Wolff hat heute morgen 6Va Uhr von Calais aus den Versuch unter-. 183 70 517 911 nommen, den Kanal zu überschwimmen. Gute Depesche von 10.40 Uhr meldet, daß der Schwimmer in guter Haltung ist und bereits vier Meilen von dec Küße entfernt sei. DcMnwbtcs. * Zur Verhaftung d e s Briefträgers Bergmann wird noch gemeldet: Da die Kriminalpolizei die Bahnhöfe sperren ließ, versuchte Bergmann mittels Automobils zu entkommen. Am Freitag bestellte er ein Auto zur Fahrt nach Hamburg nach einem Gasthof. Dem Autobesitzcr fiel das auf und teilte seinen Verdacht dem Gasthofbesitzer mit, der diü Kriminal- polizct benachrichtigte. Währenddem Bergmann von seinem Zimmer abwesend war, wurde dieses durchsucht. Von dem gestoh- lenen Gelbe fand man n o ch 48 833,95 Mark vor; den Rest verwandte er, um sich Kleidung, eine goldene Uhr und Kette und einen goldenen Ring zfu kaufen. Die Gegenstände wurden ebenfalls gefunden. Als Bergmann zu Hause angelommcn war, wurde an bic Türe geklopft, ba angeblich ein Telegramm abzugeben fei. Sobald Bergmann öffnete, wurde er verhaftet. * A u f ber Brüsseler Weltausstellung werden am Montag, bcm 1. August, bic deutschen Preisrichter ihre Arbeiten beginnen. Es sind 120 Vertreter des Handels, der Industrie und des Schulwesens, die zusammen mit den Preisrichtern ber übrigen Nationen tätig fein werben. Stlcine 5aftcedirni!tS. Aus Father Point lProv. Quebec) wird gemeldet: Der Mörder Crippen und Miß Lcnevc wurden verhaftet. Sonntag morgen gegen 5 Uhr ging über Lille ein gewaltiger Wolkenbruch nieder. Tas Wasser drang in die Keller und in bic Parterrestockwerke ein. Besonders wurde das Zentrum ber Stadt bedroht. Großer Schaden wurde angerichtet und zahlreiche Waren vernichtet. Vielfach mußte bic Feuerwehr zur Hilfe geholt werben. Aus Houston (Texas) wird gemeldet: In Slocum und Anderson sind st a r k e R a s s e n k ä m p f e ausgebrochen. Die Unruhen, zu deren Unterdrückung Truppen abgesandt wurden, dauern fort Nach einer letzten Meldung wurden wenigstens achtzehn Neger getötet. Einige Depeschen sprechen von 30 Toten. Auch m e hrer cWeißc s alle u u m g e k o m m e n sein. Ueberstand. Mk." Mk. 48-53 87—92 42-48 75-84 42-46 77-82 54.00-57.00 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen Welter Höchste Temperatur am 30. bis 31. Juli Niedrigste 45—49 40—43 70.00-72.0g 71.00—73.00 68.00—71.00 95—100 80-95 84—86 75-80 66—70 78-85 73-75 63-69 35-41 26-33 20—22 20,8 ° 0. 14,7 °C. 43—47 39—43 31—35 37—39 36-00 Preis pro 100Pfd Lebend- Schlacht- gewicht 57-61 52-56 50-51 70-73 62-66 45-49 79-81 76-00 S ch wein e. Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht Vollfletschige Schweine über 2'/, Zentner Lebendgewicht Fettfchweme über 3 Ztr.Lebcndgew. . F (cif chigcSch wein c...... 56.00-57.00 56.00-57.50. 53.00—55.50 Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes". I. V.: A u g u st G o e tz. 68.00-71.00 Gibt cd für Kittder rm LLirchStrmr wohl etwas besseres als mit gedämpften Früchten? Fisches Obst gedänrpft oder geschmort ist sehr zuträglich, der Mondamin- Pudding gibt den Nährwert dazu und macht daraus eine delikate Mahlzeit. Auch Erwachsene werden die erfrischenden Speisen nicht verschmäben. 30. „ 31. Ochsen. Vollfleischige, ausgemästete, höchstert Schlacht- wertes, höchsterts 6 Jahre alt Juuge fleifchige, nicht auSgemäftete und ältere ausgemästete . Mäßig genährte junge und gut genährte ältere Gering genährte jeden Alters Bulle n. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtiv. vollfletschige, jüngere ... Färsen, K ü h e. Vollfleischige auSgem. Färsen höchst. Schlachtiv. Vollfleifchige ausge>iiästelcKühe höchsteuSchlacht- lücrted bis zu 7 Jahren Aeltere atisgemäsletc Kühe und ivenig gut entwickelte jüngere Kühe unb Färfen . . . . Mäßig genährte Kühe imb Färsen ..... Gering genährte Kühe unb Färsen .. . . . Kälber. Feinste Mast-(Vollmilchutast) u. beste Saugkälber Mittlere Viast- unb gute Saugkälber . . . Geringere Saugkälber S ch a f e. Mastlämmer unb jüngere Masthammcl . . . Aeltere Dtaftbammel unb gut genährte Schafe Vcd. Himmel Bew. * Märkte. ic. Frankfurt n. M«, 1. Aug. (Orig.-Telegr. bes „Gieß. Aiiz.") 9lmtlic(ie Oloticrungeu ber heutigen Fruchtmarkt preis e: Wetzen Aik. 20.50—00.00, Kurhessischer Mk. 20.50—00.00, La Plata Kansas Alk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mk. 15.00 bis Mk. 00.00, Gerste (Wetterauer) All. 14.75—15.00, Gerste Krauten Pfälzer Rieb Mk. 16.50—17.00, Kleie Mk. 00.00-00.00, Hafer 15.75—16.00, 'Mais Mk. 15.00—15.25, Weizemitchl 0 Ack. 30.00 bis 30.25, 2. Qualität Alk. 23.75-00.00, 3. Qualität Alk. 22.25 bis Mk. 00.(-0, 4. Qualität Mk. 00.00 — 00.00, Roggeumehl 0 Alk. 23.00—23.25, 1. Qualität Mk. 19.00—19.50, 2. Qual'. Alk. 00 00 bis 00.00, Weizeuklcie Alk. 9.00 bis Alk. 9.50, Weizenfchale Alk. 00.00—00.00, Roggenkleie Alk. 9.50 bis Alk. 10.00, Malzkeime Alk. 00.00-00..)0, Raps Mk. 23.00-00.00, Biertreber 12.25—12.60. Alles ver 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 1. 9lug. (Orig.-Tclegr. des „Gieß. Anzeigers".) K a r t o f f e l m a r k t. Alatt notierte : Frühkartoffeln tu Waggons Alk. 5.50—5.75, im Kleinhandel Mk. 8.00—8.50 für je 100 Kg. fc. Frankfurta.M. Viehhof-Marktbericht vorn 1. Aug. Auftrieb: Rinder 1381, darunter 495 Ochfen, 75 Bullen, 811 Rinder 290 Kälber, 299 'Schafe, 1763 Schivcine, 0 Ziegen. Tendenz: Rinder ruhig, bleibt lieberstand, Kätber ruhig, ausverkauft, Schafe ruhig, ausverkauft, Schiveitte fchleppeud, bleibt Juli Aug. 1910 Barometer auf 0® reduziert Temperatur der Lull Absolute Feuchtigkeit Relative | Feuchtigkeit i Windrichtung Windstärke || Grad bet Beirölkung In Lehntet der stchlb. §hnmelsfi. 31. 2« 743,0 20,6 154 85 SSE 2 I 10 I 31. 9” 743,3 18,6 15,1 95 SSE 2 10 1 1, 4 16 745,7 16,8 12,8 90 W 2 9 En gros: Tribus & JJriiuidheim, Giessen. Marke „Faustring" ,dnm ursprungl. Rezept vom langiehz. Fasr>«en|.o der ^ir.itingieiie: C. Naumann. Offenbach a. M _—