Nr. 304 Zweites Blatt 150. Jahrgang Dienstag 28. Dezember 1909 Gießener Anzeiger erscheint »glich mit Ausnahme beS Sonntag«. Eeneral-Anzeiger für Oberhejjen RotottonSbrutf tmb Vertag der Vrüblichen UnwersitLre - Buch- und Eteindruckerei. 9L Lange, Dieben. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strabe 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tet-Abr^AnzeigerGießen. T'e ,.«iehener Zamittenblätter- werden dem /Jlnscifler* viermal wöchentlich beigelegt, da« „Krtisblfltt für den Krtis Gieren" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zett, fragen" erscheinen monatlich zweimal. politische Tagesschar«. Die preußischen Landtagswahlen im Jahre 1908 und in früheren Jahren. Die im Statistischen LandeSamt fertiggesdellten Heber- Achten über die Ergebnisse der Landtagswahlen im Jahre 1908, verglichen auch mit den Ergebnissen der früheren Wahlen, jwb nunmehr im Druck erschienen. Das gesammelte und trefflich verarbeitete umfangreiche Material wird bei den schwebenden Erörterungen über die Reform des Landtagswahlrechts in mancher Beziehung schätzenswerte Dunste leisten, es bietet aber, hiervon abgesehen, auch sonst lehrreiche Einblicke in das Wesen und die Wirkungen des bestehenden Dreiklassenwahlrechts -um preußischen Äbgeordneteniiause. lieber die Wahlein teilu ng und Wah lb erecht i- gung entnehmen wir der B. C. folgende Angaben: Die llrwahlen finden nach den befteljenben Verordnungen in Urwablbezirken vvn 750 bis 1749 Seelen mit 3, 4, 5 oder 6 Wahlmännern statt. Solche Bezirke waren im Jahre 1908 im ganzen 29 028 gebildet worden, davon 11 989 in den Städten und 17 039 auf dem platten Lande. Aus jeden Urwahlbezirt kamen 1908 rund 1285 Seelen, 265 Urwähler und 4,75 Wahlmänner Die Zahl der Urwähler betrug 7,7 Millionen: auf je 1000 Einwohner kamen 206 Wahlberechtigte, davon 7,87 der I. und 28,56 der II. Abteilung Die Verteilung der Wähler aus die einzelnen Abteilungen gibt den beiden oberen Abteilungen, wie es in der Natur der Dreiklassenwahl begründet ijt, ein außerordentlich starkes Uebecgewicht. doch ist feit 1888 infolge mannigfacher Abänderungen des Wahlrecksts und der Beftruerungsgrundfavc in dieser Hinsicht c :e gewisse Abschwächung er folgt. Wahreich nämlich von der gesamten Wählerzahl des Staates im Jahre 1888 ran 14,44 v. v- zu den beiden oberen Abteilungen gehör reu, waren es un Jahre 1908 17,69 v. H. Tie staatlicl-en lRaßnahmen, um einer ,Mutokratisierrmg" des Wahlrechts vorzubcugen, finden in dieser Berschittnmg ihren Ausdruck. Von den 265 Urwählern, die, wie oben angegeben, im allgemeinen Durchschnitt auf jeden Urwahlbezirk entfallen, kamen 10,11 auf die I. und 36,70 auf die II. Abteilung. Doch gab es 2214 Urwahlbezirke, in denen in der I. Abteilung, und 95 Bezirke, in denen in der II. Abteilung mir je ein Urwähler vorhanden war. Zivei Urwähler bildeten in 1703 Bezirken die I. und in 136 Be- iufcn die IL Abteilung. Daß auf dem Lande solche Ausnahme»- Verhältnisse viel zahlreicher waren als in den Städten, hängt -nm Teil mit der sozialen Gliederung hier und dort zusammen. Der Anteil der Urwähler am Wahlrecht wird Übrigens genauer als durch ihre rechneriick-e Verteilung auf die Abteilungen dadurch sestgestellt, daß die Berechnung auf je einen Wahlmann erfolgt, also: wieviel Urwähler haben das Recht aus einen WahLmann? Die Antwort Lautet nach der Statistik: im Durchschnitt je 55,69, wenn jedoch die Wähler nach Abteilungen zusammengefaßt werden, so genügen zum Anspruch auf einen Wahümrnn in der I. Abteilung jdjon 6,43 Wähler, in ber IL Ab» teihmg müssen eS 22,8 sein und in der III. Abteilung gar 138,6 Wähler. Zwischen Stadt und Land bestehen, solange die großen Durchschnitte allein maßgebend sind, keine beträchtlichen Unter* schiede. Die Beziehungen zwischen den Steuerleistungen der Urwähler und ihrem Anteil am Wahlrecht werden in vier Tabellen das Statistischen Werkes klar- zulegen gesucht. Am gesamten Steuerbetrage (unter Einschluß der nur an* gerechneten, aber nicht erhobenen Dreimarb-Steuer) in Höhe von 599,o Millionen Tiarf sind die Städte mit 412 und das Land mit 187 Millionen Mark beteiligt. Vvn dieser Gesamtsumme entfielen auf die I. Abteilung 221, IL Abteilung 192 und III. Abteilung 186 Millionen Mark. Sehr interessant ist dec Einsluß der einkommensteuerfreien Wähler, ber sogenannten Dreimark-Wähler, auf das Wahlreclst. Für diese Wähler bekamen insgesamt 10,8 Millionen Ntark m Anrechnung, davon 3,3 Millionen in den Städten und 7,5 Millionen auf bcm Lande. Don diesen Wähler.: formten trotz ihrer Befreiung von der Entrichtung der Einkommensteuer 8993 in der L Abteilung und 128 709 in der II. Abteilung wählen, während 3,4 Millionen von ihnen in der III. Abteilung verblieben. Tie Verteilung der Urwähler auf die drei WahlaktesKmaen nach der Löhe ihrer Steuerleistungen (unter Einrechnung der Ticimarffttucr) war für den gesamten Staat an folgende Durch, icknittsziffern gebunden: I. Abteilung 755 Mark, 11. Abteilung 180 Mark und III. Abteilung 29,5 Mark. Im Durchschnitt tüt alle Abteilungen lag der Ausübung des Wahlrechts ein Steuersatz von 78 Mark zugrunde, gegen 66 Mark, die sich aus den Wahlen deS Jahres 1903 ergaben. 'Jhin hat aber die Höhe der Stcuerleistunaen als Kriterium für die Bewertung eines Wahlrechts doch immer nur eine beschränkte Bedeutung, zumal wenn diese Leistungen so beträchtlichen Schwanlurtgen unterliegen, wie das bei den angeführten Beispielen der Fall ist. Wickstiger ist die Beteiligung der sozialen Schichten an der K l a s s e n s ch e ich u n g: Es ist festzustellen, daß weit über die Hälfte ber 11989 städtischen Urfoahlbezicke an der Spitze ihrer III. Abteilung Ur» roähler mit einer gesamten Steuerleistung von höckKens 125 Mark und weiter herunter bis zu 5 bis 10 Mark) haben. Dieselbe 'Jladftocifung gilt auch für die Wahlen vvn 1898 und 1903, nur ist die angedeutete Dtehrheit jetzt nod) größer als damals. Damit ist erwiesen, daß in der Mehrheit ber städtischen Urwahlbezirke die II. Abteilung fefon dem bescheidenen Bttttelstande, teilweise Ivgar noch tieferen Schichten zugänglich ist. Ter „bessere Mittel- l'tanb" aber rückt auch in der Mehrzahl ber übrigen Urwahlbezirke noch mit in die IL Abteilung eilt Durch diese Untersuchung er- fahren wir aber nur, inwiefern die II. Abteilung den einzelnen Steucrgruppen zugänglich ist- Wollen wir ein Bild davon erhalten, welche Schichten diese Tlbteilung beherrschen, so müssen die Steuerleistungen auch nach oben hin, in ihrer Ab- grenzung zur I. Abteilung, ermittelt werden. An- der Spitze der 11. Abteilung finden wir in 7 städtischen Bezirken Urwähler mit nur 20 bis 30 Mark, in 28 Bezirken mit 30 bis 40 Aiark, in 37 weiteren Bezirken mit 40 bi» 50 Mark Steuern. In über der Hälfte der städtischen Hrwahlbezirke entrichtet der erste Wähler der II. Abteilung höchstens bis 500 Mark Steuern. Dieselbe Grenze wurde bei den Wahlen ber Jahre 1898 und 1903 ermittelt. Bei 500 Mark Gesanttstcuor, wovon etwa 153 Mark Staats^ cinBommcnfteuer, würde das Einfommen auf 6000 bis 6500 Mari zu veranschlagen fein. Viel „demokratischer" ist die Verteilung auf dem Lande. Zwar gab es auch hier eine Reihe von Bezirken, in denen die I. und sogar die II. Abteilung nur sehr reichen Leuten zugänglich war, umgekehrt aber auch solche, in denen ein Anrecht aus die II. Abteilung schon gegeben war, wenn überhaupt eine Steuerleistung erfolgte. Bei der gvoßrn Mehrheit der Urwahlbezirke inämlid; 11616 von 17 039) genügte eine Steuerleistung von höchstens 75 fDtarf, um an die Grenze der II. Abteilung, und in 9687 Bezirken eine solche von höchstens 200 SDiarf, um an die Grenze der I. Abteilung zu gelangen. 9tad) demselben Rechmmgsverfahren wie bei den Städten wurden sich hier (Surft)mmen Vvn 13o0 bis 1500 Mark ober Vvn 2700 bis 3000 Mark ergeben. lieber die Teilnahme an der Wahl und die Par- teistellnng der Urwähler ist zu bemerken: Von den wahlberechtigten Urtvühlern nahmen 1908 an ber Wahl teil: in den Städten 88,8 und auf dem Lande 27,5 v. $).. zusammen 32,8 v. £>. Die Wahlbeteiligung ist diesmal ungleich reger als in den früheren Wahljahren gewesen, was wohl aus ber steigenden Anteilnahme ber Sozialdemokratie zu erklären ist. Es ist nach möglichster Ausschaltung ber Unklarheiten versucht worden, über die Partei st ellung ber Urwähler eine lieber* sicht zu gewinnen. Lnernach kamen auf: die Sozialdemokraten 23,8 v. £>., daS Zentrum 19,9 v. £>., die Konservativen 14,1 v. Nationalliberalen 12,7 v. tz., Polen, Dänen usw. 9,0 o. £)., Freisinnige Volkspartei 3.9 v. V-. Freikonservative 2,5 v. £)., Freisinnige Vereinigung 0,88 v. D., Bund ber Landwirte 0,6 v. $)., Anttsemüen und dergleichen 0,36 v. $). Während die Zbonfervativen 1903 noch an erster Stelle standen, sind sie 1908 von den Sozialdemokraten und selbst vom Zentrum weit überholt worden, obgleich ihre absolute Stimmenzahl ebenfalls zugenommen hat. Auf dem Lande haben sie zivar ungleich mehr Wähler als die Sozialdemokratie, aber etwas weniger als das Zentrum um sich versammelt. Die Nationalliberalen erscheinen in den Städten und auch noch auf bcm platten Lande nut ganz ansehnlichen Bruchteilen. Die Gefolgschaft der Leiben freisinnigen Richtungen zusammen erreicht auch in den Städten nur wenig über 7, auf dem Lande noch nicht 2 v. 6. Bon beit Angehörigen ber gemischten Gruppe (Polen, Dänen, Litauer, Welsen) haben nur bie Polen eine nennenswerte Bedeutung. lieber die Wahlen zum Abgeordneten Hause lesen wir in der erwähnten amtlichen lvorresp. folgende >: Durch das Gesetz vom 28. Juni 1906 ist die Zahl ber Abgeordneten bekanntlich von 433 auf 443 erhöht worben; zugleich hat eine Nenabgrenzung einzelner Wahlbezirke stattgefundcn. Bei den Wahlen 1908 waren 276 (früher 256) Wahlbezirke vorhanden, von denen 132 je einen, 124 je zwei und 23 je drei Abgeordnete zu wählen hatten. Im Durcknchnitt kamen auf einen Abgeordneten 84 184 Seelen und 17 342 Urwähler. Nach den statistischen Uebersichten erhielten von den 413 Abgeordneten 271, das wären also •/», drei Viertel von den Wahlmännerstimmen ber I. und II. Abteilung. Von ihnen erhielten nur 16 weniger als bie Hälfte und nur 8 weniger als ein Viertel der Wahlmännerstimmen ber III. Abt«-ilmig. Die Mehrheit der Wahlmänner ber II. Abteilung führte in 435 Fällen und die der III. Abteilung auch noch in 356 Fällen ihre Kanbidatcn ans ZieL Auch diese Ergebnisse bestätigen, daß die U. Abteilung auf den Ausgang ber Wahlen einen Harten Einfluß ausübt und daß die III. Abteilung verhältnismäßig selten mit ber L und 11. Abteilung nicht in Uebereinfthnmung sich befindet. DaS ist um so bedeutungsvoller, als bie einflußreiche II. SCbteilung Überwiegend durch den Mittelstand und soziale Schichten, die noch tiefer hinabreichen, repräsentiert wirb. Unter den 271 Abgeordneten, auf die mehr als ’/< der Stimmen ber L und II. Abteilung entfielen, sind alle größeren Parteien in beträchtlicher Stärke vertreten, hingegen Sozialdemokraten, Polen usw. sowie „Wilde" gar nicht. Für die ölvnscr- vativen und bas Zentrum war in solchen fallen, wo die beiden oberen Abteilungen zu ihren Gunsten entschiedet, auch in der unteren Abteilung eine Majorität vorhanden. Zwiespältiger war bas Verhältnis bei den Nationalliberalen, von denen 7 Abgeordnete, bie in ber I. und II. Abteilung die starke Mehrl)eit auf sich vereinigt hatten, in der III. Abteilung noch nicht bie Lälste und zwei weniger als V« ber Wahlmännerstimmen erlangten. Bei den beiden freisinnigen Parteien war diese Stimmenabgabe nach den Abteilungen noch mehr gespalten. Als charakteristische Einzelheit sei schließlich ein Ueber> blick Über die Wohnsitze der Abgeordneten erwähnt. Von den Abgeordneten hatten 138 (--- 31 v. H.) ihren Wohnsitz außerhalb ihres Wahlbezirks und 66 (= 15 v. H.) in Berlin und Vororten. Am meisten bodenständig waren in dieser Beziehung die Vertreter der äußersten Rechten. Em deutsch-englisches Flottenabkommru? Eine Mitteilung der Deutsch-Aslütlschen K-orrespoud^uz, die in verschiedene Bbätter übergegangen ist, erhebt bittere Klage über die zugunsten der englischen LhnchgeseNschaft erfolgte Regelung der Schiffahrtskonzesfion auf dem Euphrat und Tigris und behauptet, daß den letzten Ausschlag für die Stellungnahme der türkischen Regierung in dieser Angelegenheit die Kennttiis über die deutsch-englische Verständigung über die F-lottenrüstttngs- frage gegeben habe. Diese Verständigung sei eine Tatsache und zwar in dem Sinne, daß der Ämsbau unserer Flotte, wie er nach dem bestehenden Flottengesetz vorgesehen sei, nicht zur Ausführung gelangen werde, weil man an leitender Stelle unter allen Umftänben eine Erleichterung der Lage England gegenüber !)erbciführerr wolle. Briefe aus Japan. Von Tr. Fritz Wertheimer. XI. Ein AuSfkug ins Wildengebiet von No rdfor Mosa. Taipeh, Mitte döovember 1909. Durch die ganje Geschichte ber Insel gorrnosa zieht sich bie ständige Schilderung von Kämpfen mit ben „Wilden". Tiefe Wilden, das ist durch neuere ethnologische Forschungen und insbesondere durch Sprachvergleicl-ungcn sicher festgestellt, sind ma- laischen Ursprungs. Sie tarnen jedenfalls auf großen Erobeinngs- zügen aus ben fVtalahenftartten ober den südlichen Jnfeln und ließen sich auf der reichen und fruchtbaren bis dahin unbewohnte Fvrrnosainsel häuslich nieder. Es waren schon damals Leute aus verschiedenen Stämmen und bie Abgeschlossenheit in ben bergigen unb waldigen Gründen der Ostküste, in die fremde Eroberer diese ursprünglichen Bewohner allmählich zuQickdrangten, hat es mit sich gebracht, baß sich in Sprache und Levensg«voHoheiten ziemlich ftarte Differenzierungen herausbildcten. _ ^avvn berichten schon die (fiten Bücl>er der yuerft vom nahen Festtemd herüber gekommenen Chinesen und dann später auchdie Reporte der Vvlländer, bie ja auf gvrmosa im 17. Jahrhundert einige^fiedzig Jahre lang eine blühende Kolonie besaßen, nachdem ,ie emanier und Portugiesen, bie schon vor ihnen da waren, verdrängt hatten. Dmm kam der Ervberungszug emes.der intere,langten ^»«rMg» reichten aller Seeräuber, des Gbutewt ftofeinga, be< <>oW eine8 chinesischen Sckmeiders und einer Japanerin, ber bie vor den Mandl chueroderungen flücistende chi^ifche Mmg^a^ eme Zttd lang kraftvoll schützte unb nach dem ^bi)ch!agen feiner Pläne auf dem besten Wege war, sich tn Fvrmo,a eme eigene a,ynaftte zu gründen, als ihn in Der Blüte feiner Jahre der «tob fwgran». Seine schwäclstichen Nack)solger erlagen dem Anftürm der Chine,cn, die vor dm auer einen veiben^fpekt Mgtmund sich im der fruchtbaren Westebene 5x)ntwja» d^ Wilden ziemlich Ruhe, bis nach dem chinensch-fckpanifcten Kriege das kraftvollere Regiment der .die ^o^rteMwwirt- schafl der Chinesen ablöfte. Freilich, eifrigen Draufgänger sanken fchnell. Unter enormen Verlusten Ben sie Ln'^Wilden aus den sÄuchterneichen B^^ zurü^ geschlagen, in denen ihre Gegner trefflich raube, über mannshobc Fvrnwf^as machte müitarr ^ U>e TGtionen schwer und gab dem F-emde Schutz-, -^ann überlegte man sich das Problem, und heute werd man, baß e» eurer schweren ukb verlustreichen Arbeit ^^^i« Wttden, derm nur wenig über 100 000 betragt, ausnnenr ^m:ain zu vett^ibm oder besser, sie bann zu da-ifiziereil, das ub« ?r ganz^i Jm'Ä heute noch ausmacht. Mehr als K macht 'ich geltens, ^!ß dte Wild^ mä^mZn hundert venclnedenen stehen, und daß es auch in engerer ZusmnEfa,,unsacht Onipt^t verschiedener Sprache, verschiedener ^^V»Mcrten und r^r schiedensten Charakters sind. An manchen stellen, w ,un. Sudor mslesondere, sind es die guttnüttgen, hormlofen und leicht zu behandelnden Malayen, an anderen, so insbesondere im Norden unb an ber Ostküste aber hat die stete Bekämpfung' und Verfolgung durch Jahrhunderte ein Kriegervölkchen erstehen lassen, daß auch an Grausamteit nichts zu wünschen übrig laßt. Die haben rasch erkannt, daß ein Nkassenkampf für sie aussichtslos wäre und verlegen sich nun auf ben Kamps Mann gegen Mann. Unb da sie auch wissen, daß selbst beim Chinesen im Kopse der Verstand sitzt, sind sie zu ben berüchtigten Kopfjägern geworden, deren Geschicklichkeit unb Gefährlichkeit heute auch den Japanern unangenehm wird, vier herrschen jene wilden Sitten, die man zu Unrecht auf ganz Z^rmosa verallgemeinert. Kein Jüngling wird als mannbar erklärt, der nicht einmal einen Kopf mit nach Lxruse gebracht hat, so wie der Jager einen Lasen mit» bringt Und so wie westliche Schönen von ihrem Galan verlangten, er solle ihnen einen Handschuh aus einem Löwenzwinger holen, so bitten die Jungfrauen dieser Wilden um bas Vorzeichen eines „selbfterlegten" Chinesenfopfes und kein Mädchen wird einen Mann ohne solche Trophäe heiraten — es sei beim, daß sie alt unb sitzen geblieben ist und in diesem Falle, toui oamme djej nous, el»en alles nimmt. Bei Beleibigungen hoher Personen gilt ber zu erlegende Kopf als Sühne, unb bei Pest und Cholera soll bad helfen: Man umsteckt die Ansiedlung mit Hohen Bambusstäben, auf denen „frische Ware"' prangt, ganz blutige, neu abgeschlagene Chinesenköpfe. Dazu geht man auf die J-agb, wie man innen und Luhnem nachstellt, nur daß man bei bie) er Jagd das Wildbret nicht auch beim vandler kaufen Emm, sondern wirklich selbst erlegen muß. Manchmal sind diese ölopse and) Objekte schöner Sammlungen Die Ata hals im Gebiet des Manxaifumanber ged, die besonders wild find, besitzen Schädel s a nrm hing en von über 500 Exemplaren Sie sind es, die auch die schöne Sitte haben, wonach Ncuvermahtte ihren Honigmonat und ihre Flitterwochen in einer Hütte auf 20 Fuß hohen Pfä^en ungestört verbringen: Nalnning wird ihnen hinaus- gezogen, unb das Waschen ist ja so wie so unbekannter Luiws. Weniger rabiate Wdde, die schon eingesehen Haven, daß bas Liopfjagen unter der Japaner her rsclja ft auch viel eigene Köpfe Lostet, begnügen sich mit ben Köpfen von Tieren. Sie feiern auch bie ^itte des Bruberschasts trinkens mit Tier köpfen, die wist Derc Leute mit Menschen köpf en vollziehen, indem sie durch den iNund emes frisch erlegten Chincsenfopses ihren Wein gießen, um bann die Flüssigkeit, die zum Schlunde herausläuft, in einer Schale zu sammeln unb gemeinsam zu trinken. Wieber andere Wilde sind im jahrzehntelangen Verkehr mit ben Chinesen auch verhÄtnismäßig zivilisiert geworden unb haben sich in Kleidung und Lebensart chinesifchen Vorbildern angepaßl. Es braucht wohl kaum erwähnt au werden, daß ich in das Gebiet der ganz Wilden unter ben Wilden nicht gekommen bin. Einmal habe ich recht wenig Lust, aus den Muskeln meines Kopses eine, wenn auch noch so sa-mackhaste Suppe bereiten zu lassen — bie Wilden in Nordostsormosa sollen diese Kochkünste verstehen, während sonst alle Wilden auf Formosa durchweg keine Menschew freifer sind — unb bann ist auch bie japanische Regierung für solche Experimente nicht zu haben. Tie Erfahrungen sind recht wenig entlabenb. Obgleich man nun seit ein paar Jahren das ganze Silben gebiet mit einem stark elektrisch geladenen Trahtzaun umgeben hat, um Ausfälle zu verhüten, gelingt es ben Wilden doch, oiefen Draht, ohne sich zu verletzen, zu zerschncidm, unb von ben Zahlreichen Militär- unb Polizeiposten Ptannschaften zu töten. Im letzten halben Jahre sind über 500 Japaner in Wilden kämpfen gefallen! Tenn bie Wilden sind gar nickst jb schleckst bewasjnet, lie schießen mit ihren Bogen sehr tteffsicher, und profitlustige Chinesen schmuggeln ihnen sogar Mausergewehve zu. Gegen bicfcit Öainb die Trahtzaungrenze langsam vorzuschieben, erfordert eine nid?t gering zu schätzende Arbeit, unb wenn auch einmal eine starke gefchlossene Jnspetturnstruppc das Gebiet ohne Anfeck-tungen burriv- stteift hat, so bedcittet d noch lange nicht, daß es auch wirklich für einzelne Polizisten pazifiziert gatug ist. In ein wirklich pazisizierteS Gebiet einen Ausflug zu unternehmen, ist freilich bei ber Schönheit der Geaend cm herrlicher Genuß, ben man sogar von ber Hauptstadt Taipeh aus nicht allzuschwer sich verschaffen karm. Es ist natürlich, baß man bie „Wildengrenze" z.ierst möglichst weit von der Lauplstabt wegzuschieben suchte, insbesondere, ba auch hinten in den Bergen das Elektrizitätswerk liegt, das Tapeh mit Lickt versorgt. Aber obgleich feit fünf Jahren alles schon ganz ruhig ist, bedarf es zum Ausflug immer noch einer fpeziellcn Erlaubnis oes Gouvernements imb begleiten einen Bedeckungsmannschaften der Polizei, die nun außer Tolmetscherbien sven gottlob nichts zu tun bekommen. So ausgerüstet, ist das kühne Wagnis eine entzückende Tagestvur. Ganz früh am Dlorgen fuhr ich mit meinem Regierungs- dolmetsckfer auf einem der niedlichsten Bähnchen, bie es wohl gibt, aus Taipeh ab. Man hat es gebaut, um ins Wildengeöict unb zum Elektrizitätswerk rasch Material schassen zu können, kaum fünfzig Zentimeter liegen bie Sckstenen auseinander mit- bie Wagen find die reinsten Embryonm, bei deren Anblick man schönen Gedanken über die Entwickelung des Wagenbau» unb Eisenbahnwesens nachhängen kann: Auf zwei Achsen vier Räber unb darüber cm Bretterboden, den eine Stifte als Sitzgelegenheit ziert. In feder Eck steckt ein Lolzpfahl, bemt die keibenbe Straft ist weder Dampf noch Elektrizität, sondern ein Chinese schiebt an den Pfählen. So geht es fast zwei Stunden lang auf und ab (denn Nivellierung-'^ arbeiten konnte man für den Bahnbau nicht erst vornehmen- und sobald es abwärts geht, benutzt die „treibende Straft" aud> schon die Gelegenheit und sitzt Hütten auf. Es ist ein ganz verwegenes Bähnckre-u, und wenn es einmal über einen Bach aus einer Lwl>- brütte lustigster Balkenkonstruktion fährt oder hart an einem wasnr- bestandenen Reisfeld vorbeirennt, tn bcm Chinesen mit Wasserbüffeln jetzt Pflügen, so kann man ordentlich Angst befommen. Ader es geht alles gut, und wir gelangen heil in das erste oUbtdyrit Sh inten. Es hat völlig chinesisches Aussehen, wie ja aller- cutt der Insel, die nur einige 70 000 Japaner bei drei Millionen Chineseneinwohnern zählt. Temgemäy sind die Straßen eng unb fdjmußig und von so Denetranten Tütten erfültt, daß man richtig trotz ist, nun in bie trete Natur zu kommen. Mein Tolmetscl>e'r benutzt eine der chinesischen Kvrbsänften, bie cn nvei lang-n Bambusrohren von Chincsenlulis getragen wird. Ich. weigerte mich entschieden, dieses Beförderungsmittel zu benutzen, bemt abgesehen davon, bar> lange Beine nur kunstvoll verschlungen darin Platz haben, und baß ick) den ganzen Tag gebückt in bcm Kasten Taxu wirb der „Köln. Ztg." halbamtlich cuä Berlin «schrieben: „Es ist nicht zu ersehen, woraus die Deutsch- Asiatische Korrespondenz ihre Bchcmprung von einer deutsch- englischen Berstänt-rgung über die Flottenfrage begründen will. Der Wunsch, mit England in bessere Beziehungen zu lomnien, tft allerdings vorhanden, hat aber bis zur stunde zu keinem Abkommen über die sogenannte Flotten- sraae geführt, und eS ist ganz unzutreffend, daß Deutschland die Absicht habe, von dem gesetzlich sestgetegten Flotten- Vlane abzuwerchen. Falsche Nachrichten der oben erwähnten Art können an der Lynchkonzession nichts ändern und höchstens in England den Glauben Hervorrufen, daß D.utsch- land bewogen werden könne, den FlottenpE einer Lend» rung zu unterziehen." Der Kaiser »ad Frankreich. Der Vorgänger des Präsidenten Faliiäres, Herr Laube t, soll sich, nnc Adolf Brisson in der „Neuen Freien Presst' erzählt, früher einmal in bemerkenswerter Weise über die dcutsch-franzö,ischcn Beziehungen auSgeiprochen haben. Täese Leröfsenilrchung ist dem ehemaligen Prüfte d ent en ansä^einend nicht angenehm, denn er läßt durch die französische Telegraphcn-Agenmr erklären, daß er, entgegen dem Inhalte des Interviews, weder über Ereignisse wahrend seiner Präsidentschaft, twch über aktuelle Fragen dcr europäischen Politik cfn Urteil abgegeben tjabe. Gleichwohl wird man den Beröffentlichungen, die in Frankreich Aus- seh kn gemacht haben, «ne gewisse Bedeutung nicht absprechen dürfen. Es spiegelt sich darin ja auch das äugen* blidlidjc Verltältrris zrmschcn Deutschland und Frankreich, und man weiß, daß Wilhelm II. den Wunsch hat, Frank- rad) zu „versöhnen" 9tach seiner Darstellung äußerte sich Herr Loubct folgendermaßen über den Kaiser und seine Beziehungen zu Frankreich: „.jdr weis sehr am, bau zoischm den Völkern Europas noch ferne vollständige und endgültige Harmonie herrscht. Aber seit beinahe meczig Fahren hat cs keinen großen europäischen Krieg gegeben. Tos ist ein Erfolg, daS ist ein in der Geschichte einzig dastehendes Phänomen. Als man vor erniger Zeit glaubte, Frank- reich und Deutschland würden feindlich aneinander geraten, als man auf jeder Seit-' der Oken# bereit war, sich zu schlagen (die Festig- feit, die wir bei dieser Gelegenheit zeigten, machten und Ehre,, konnten rtr r uns dennoch rncht entichlietzen, an den Nrieg zu glauben Mau weigerte sich, daran *u glauben, man wies den Gedanken an eme Metzelei von sich, wv Lausende menschlicher Wesen imrgckommen wären. Und Sie sehen, die Hosfnung der Ver- nünitincn hat R>'chr behalten, da schließlich die Klugheit und Bor sicht Wilhelms IL, imterftüfct von der Erfahrung und der Weisheit des Kaisers von Oesterreichs die Katastrophe vermieten. Bündnisse und Ententen tvcrbei heute nicht mehr zum Zlvecke des MYieged, sonder» oeS Friedens geschlossen. Darum bcdwht kern V.ünhni-3 oaS andere Der Dreibund kann neben der Tripel- Entente bestehen. Das enge Verhältnis zwischen Deutschland und Leftei reiche Ungarn bat den F-ricden während der bvSniiärn KrisiS er Im Um und ermöglicht, da» Frwlkreichs Friedensratschläge üi ‘Iklqrnb guten Boden ionben. Ohne den interna t« na len Frieden norm, ohne seine Verbündeten zu vertanen, kann Italien überall die guten Beziehungen pflegen, die seinen Interessen entsprechen. Das, Rußland und ünglanb sich einander genähert l-aben, schließt nicht aus, daß Rußtan» auch nut Deutschland und Oesterreich gute gtatolnridxi't hüll, daß es sich mit Oesterreich da verständigt, wo beider Länder wohwerit« ndenc^. Interesse eine Verständigung erheischt. . . . Die Idee des Friedens geht ihren Deg. Ich habe Vertrauen in die höhere triumphierende stacht der Id«. Sehen Sie, es gibt ein Problem, an dessen Lösung die Ruhe der Well bangt So lange Frankreich und Deutschland sich nicht verftimoigi haben, um krast gemeinsamen Willens und in freund- schaillicher Weise das Schicksal Elsa ß-Lv t h r ingc nS zu ordnen, so langt wird ein Sauerteig twn Zwiespalt, von Irbkdit erloschenem passe weiter garen, so lange werden Keime von Zwist uiid Konflikt bcstehrn. Hat der Kaiser nicht in un- ubtignr Reden der Welt feinen unwiberrufluhen Beschluß Dei- iünbigt ni.hts an der gegenwärtigen Ordnung der Dinge zu .indem7 -Jbm denn, trotz jeiner kriegerischen Erklärungen und seiner rauhen Unnachgiebig«it wird er vielleicht eines Tage», nächstens, morgen sich veranlaßt sehen, das zutun,waSeralsewig unerfüllbar bezeichnet haL W.-r weiß, ob nicht in einem Fahre um diese Zeit ein Monarch mit federbujchumwallter Pickelhau de burd) du? Straßen von Ptaris zieht? Wer weiß, ob schöne 'Bari- tctinnai bann uuht WiUrclm 11. mit Blumen begrüßen! Die Krast der BerhälNiisse, der nichts entrinnt, trägt den Sieg über Meuschau lodltii davon Wir werden von einer gehcimnisvollor Logik geführt" __________________________________ Man bat die Empfindung, als spotte der Franzose über Deutschland und seinen Kaiser. Nach einer neuesten Meldung des „Rrichsanzeigers" wurde dem Staatssekretär deS Auswärtigen Amtes, Frei- berrn von Schoen der RoteAdlerorden erster Klaffe mit Eichenlaub verliehen. Z»ei Srfatzwahlen. Durch den Tod des ZentrnmSabgeordneten de Bitt und den Verzicht des deutsch-sozialen Abgeordneten Schack sind, so schreibt die ,Jkvln. Ztg.", zwe'. Ersatzwahlen zum Reichstag nötig geworden, die dem Liberalismus gute Aussichten bieten Nachdem im Wahlkreise Eisenach-Dermbach bereits vor Wochen die Antisemiten in dem Postverwalter Hädrich in Dermbach und die Sozialdemokraten in dem Parteisekretär Leber in Jena ftanbicaten für die am 29. Ja- nuar stmtfindende Wahl aufgestellt haben, sind auch die Liberalen mit der Aufstellung eines gemeinsamen Kandidaten in der Person deS Landwirts Krug uachgekom- men. Tie Aufstellung dieser Kandidatur erfolgte in einer didser Tage im Eisenacher Ober- und Unterland abgehal- lenen Bet traue usmäm e.versamm un de. na i n II b r le i Partei. Erfreulicherwei>e haben auch bie Freisinnigen i re Zustimmung zu der Kandidatur Krugs gegeben, so daß der Liberalismus diesmal geeint in den Wahlutmpf treten kann. Bei der Aufstellung der Kandidatur KcugS ging man von der Ansicht aus, dag eS gerade bei dieser Wahl dringend geboten erschien, einen Mann zu finden, der dem Mittelstand angehört und mit dem Wahlkreis und feinen Bedürfnissen bekannt ist. Dem Kenner ber besonderen Bechullntsse gerade dieses Wahlkreises mit seiner ausgedehnten ländlichen Wählerschaft muß die Aufstellung des Herrn Krug besonders günstig erscheinen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1907 sind für den Sozialdemokraten 7875, für den Deutsch-Sozialen 6985 und für den 'Jlationalliberalen 6089 Stimmen abgegeben worden. Bei der Stiästvahl siegte dann Herr Schack mit einem Heinen Vorsprung vor dem Sozialdemokraten. Für die Deutsch-Sozialen liegen die Dinge diesmal nicht günstig. Die Umstände, unter denen Herr Schack fern Mandat hat niederlegen müssen, haben nicht zur Stärkung der Partei beigetragen. Ein Teil der Konservativeii wird ohnehin für den kreiSeiiigesessenen Landwirt Krug stimmen. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit da, daß die Liberalen in eine aus- sichtsvolle Stichwahl mit den Sozialdemokraten kommen. Diese Wahrscheinlichkeit liegt auch im Wahlkreise Mül- heimaRH. - Wipperfürth vor, obgleich dort die Ehrift- lichSozialen und der Bund der Landwirte mit einer eigenen Kandidatur hervorgetreten sind, die, an sich zwecklos, die Sozialdemokratie ihrem Ziele, in die Stichwahl zu kommen, näher bringt. Ter ZentruniSabgeordnete de Witt ist gleich in der Hauptwahl gewählt worden. Er erzielte 19 955 Stimmen, während fein nationalliberaler iDtitbemcrber es auf 11218, der fozialdemolratische aus 8538 Stimmen brachten Der Zentrumslandidat wäre also schon damals in eine Stichwahl gedrängt worden, wenn er 100 Stimmen weniger erzielt hätte. Diesmal wird ihm der zweite Wahlgang voraus- sichtlich nicht erspart werden; aber fraglich ist, ob er ihn mit dem Sozialdemokraten oder dem Liberalen zu bestehen haben wird. Tie Sozialdemokratie verzeichnet mit Befriedigung die christlich-soziale Sonderkandidatur, die auf Hüften der Liberalen aufgestellt wordeit ist. Damit mag sie recht haben; außerdem hofft sie auf den Stimmenzuwachs, ber ihr als Wirkung der Reichssinanzresorm bei den Ersatzwahlen der letzten Monate zuteil geworden ist. Tarin wird sie sich hoffentlich täuschen; denn in dem Rechtsanwalt Falk ist ein Kandidat aufgestellt worden, gegen dessen liberale Gesinnung sich schlechterdings nichts einwcnden läßt und dem kein liberaler und nationaler Dtann auch nur mit einem Schern von Berechtigung die Gefolgschaft verweigern kann. Weihnachtsfeiern. ** Der Turnverein vereinigte sich am Abend des 2. Feiertags zu feiner Weihnachtsfeier in der Turnhalle, die von den Mitgliedern und deren Angehörigen gut besetzt war. Ein von ßtmilein Richter gesprochener Prolog leitete bie Feier ein, woraus dcr Sängerchor unter Leitung seines neuen Dirigenten Fischer einige Lieder fang, von denen namentlich das alte WeihnachtSlicd „ES ist ein Ros' entsprungen" gut vorgetragen und lebhaft beklatscht wurde. hätte sitzen müssen, tarnt man in dem geschlossenen Raum auch nur fdjton dway i oen. Und es wäre lvirllrch schade gewesen, bütte idj beit Ircrrlichen Weg nicht gcntcßcn können, dcr jefrt bald berg- tuif, l-ali» bergab durch schone Täler und über Hügel mit pcää> tiger .'luSiiäu bümxy uw Innere führt. Oesters muffen wrr am Fähren Den IxBirfnirtub überschreiten; dann sitzen mit uns immer eine ganze Einzahl Chrnescnkulis im Boot, bie s clevere Lasten taLeppeu. Sie verteilen die Last aber geschickt, indem sie lic an bei liideu Enden eines auf der Schulter Tret idjroebenbvn Bambusstabs austxmgen. So geht eS eine 3-nmbe lang zur zweiien Stad! .'iitubatu, bei metcher fich der Tänüiustuß ut feine beiden Cirllflifjc. den Ranfeke imb den öotufete, südlichen und nördlichen Fluß auiwst. Das Land n>ito bergiger und die Gegend wilder, aber der 'bi ab, der bin ein führt, ist gut erhallen; Die Japaner haben hier rafch gelernt, daß gute Wegverdältnijse dcr erste aui 300 Jabre gepachict, tnn övriUptrtidhifl zu treiben, und pstanzt Staub- und ^adetlu'lzci un volöflttoünumg, dazwischen aber arnv den lobneiux.i üanipseibaum, der ,a bai gwßtenJnbrucriezn»rig hier au« madu. Aui Nw Ütixict der Mmn^S Folgt die letzte größere Polizei- Italern, ber nxr schon tdcpbmtiid) angemeldei sind, und die uns mat den tvlrzcilrä'en Schutz angcdeihen läßt. Und Dann tomml über i n tief unten rauidKitbcn ütui; eine Brücke, berat Modell noch e tci ? i vätcr wrcdertchrr. Es stamm: n;Knilid) von den Wilden, die in fl einen in T’aüfuib wio der Ratur nplanze schwebende Hängebrrlcken errichtet hatten. Run hat man das mit Telephon, drähten imitiert, und ro benxibrt sub wryiglid; Je 3—4 Drähtc 5uiauimen.^bunbai, ergeben cm Seil und ut vielleicht em Meter Brcitr nnb 10—12 fvldTT Seile über den Fluß gezogen. Daraus imb 2 Brettrrlinien gelegt und uur Draht bescstigt unb als Gelände. bient ebcnjalta em Drahtseil. TuS Gan^e ichnxmki und :artzi snxir junt Soekronkn>erben aber Tür Fußgänger genügt e: unb iHit Cvii Vorzug größter Billigken. Drc größte. tntUeid?i 1Ä> '.V^ctvx iitniK Brücke trittt nur 300 Pen, also etwa 630 Mark, nx> tri bei 3d).uimgku b.. 5 enaind cutc idt Brücke Hundert lausende wr«d luignt maßte Diäa baiiinia geht eS itat' bergaus. Der Piad Fuhrt durch das hole sloruioiagras. bat zwei bis drei Meter hoch und äußern dicht eile.- ivbcdi. Es und >eyt viele beroiüuti u>einn Holm^ baunttxi. und oenn die Sinne cutdKommi, raucht es, als oo eui .'Jüibu Hmcbe buru\' Tickiä'k breche Tie idxtrien Gräser teÜschen einem ms Gesicht un» rrtben lange, tiefe W inden Mitten mt i> tao e Hd.-n sch b.tnn w.t. . •alH.'- du1 fitem ^.'an ’.ime, n Ede .'.i Xbui .) wird. MH a.. o nut. tu'pnüx' i'iiunieu l: '.‘A ciuje « p nteiL Stellenweise tu das chgt.'i.unll unb b XDdum. ind ge .'.iU, man har vt-tuirn.:', Liu' Bcigabhdiige in Jlul.uc ,.i n.. :..u Laim aber lu^rt oe. Pfad wieder hart am 'J.r.jd.entlang, auJ Seitenichiuchicrt stürzen starke Wasserbäche herunter, in berat Nähe die Feuchtigkeit lirbenben Palmen grün fartig cnipvrsch.eßen. Diese Hache ourch- brechen bat Weg. Die Ehmeseu mit den leichten Strohsaiidalat unter bat nackten Füßen malen bunte Wasser. Das kühlt unb nimmt einen Teil ba> Schmutzes weg. Dcr yftxreltc Europäer muß kunstvoll über 2tcuic und FelSblücke turnen, falls er nicht vorzieht, „chinefisch" zu laufat Tie Sänftenträger reimen ttxr beidiat. Sie tragen ihre Last in entern kurzen Trab viel leichter und gönnen sch kaum Rast auf einer 'Bergspitze, wv eine schöne Aussicht winkt. Unb was für AuSsichMi gibt eS hier, welch entzückende Flußtäler von immer wechselnden farbigen Bildern. Bald lebt man hoch oben 200 bis 300 Meter über dem brausenden. Gelvse unb sieht ui die fernen grünen Wellen des Flusses, der da über Felsen sich seinen Weg ludjt, bald läuft man wieder un Fluß- bell selbst lief unten aus bcu eben behauenen Fel,en. über btr vorwitzige Wogen spritzen. Ev ist ein Marsch durch ein herrliches Land bis hinten zu bat haßen Quellen, die im Flußtal sprudeln unb wv eine Ccine M>lizeisnrtuMi von zwei laoantschen Polizisten vvrgeichobcn ist. Wir smd letzt mitten un Wlldengebket Allerdings Rnb bie Atonal, zu denen die hier lebenden Wilden zahlen, hier ichon seit Jahren oazlsizic-.c und zwar 'ouxit, daß ihre Ain der schon ba den Frauen der Polizisten zur Schule gehen urrbjapamid) lernen ES ist an den alten Holländern abgeiehene- System, baß die Pvlizistenfrauen, bte lachtet den Dialekt lernen unb i ich baser anschmiegcn tannen, hier Lehr erd lenste tun, wahrend bie Männer aur Wache und. und RipponS Frauen leisten vier ihrem Lande rt dis zur Rase ein baulich iäxnal tätowiertes Häubchen und ba den verharat-uii Frauen tunuuen ftotk brate Bänder von den beiden Ohren biS um Mund dazu ^kleidet sind bie Leute, bie man hier sieht, recht L >antaiit< K 3u b.m .vautit jdixinb der .liacktheu fcmnuii und Lucher uni» ost mdet inan einmal einat abgelegten '< .nwno eher an alte» ö b nriengewuiib Männer und Frauen i.agen in Mcngrn Halsbänr r. Ringe unb Arm- unb Fu'uanoer teilec 'art Tie Manml Ixrocn chr oreiie-e kurzes Schioer: um -xbunben, das in inner Holzsäxiüe recht harmlos ausiuht und .'nur.cn auch ciniachc Bog« mit langen Bamousmalen, da n . ateüige Sowc mü den Wideraallii aus icuirm Hartem j?ui; vc. nitzt find Tie Flinte unb der lange Bainbu-'ipee-. ioret ,_>di in Wichhe.t verharrenden Boltsgeirosten mb ,a c. verovtcn ^.'c Ytacrang oer Leute besteh: aus Reis, Bananen ,:id ivniit iai wild n-a.. .w>n Früchten Auch die Xumr, Fi'che zu «.iw. uc n ut an aus der »og. Lotutvllauze berciKUS Pulv.r • ... c ncuu. daoc.i lir sich bauabrt Tagegen hauen )ie tu eilte, chrc Toten 'fteritd) zu ertomattn, r enorm unb Ein flotl gespieltes Tdcaierftück „Der Waisen Christfeste inifl ebenfalls der Weckmacktsstimmiiug in derer Seife iafmung, während die eigentliche Hereinstängkeit durch ein hervorragendes Zurrten am Reck zur (Mtung kam. DaS 5>eweghd)c lebende Bild „Ein ,jcft im El'enwalde" jeiote, daß Turnerinnen und Türner neben C^ewar ; :>i- und Äraft auch die Anmui pflegen. Eine reich ausgnrau^e Verlosung erregte viel Freude Ein flotter Ball swlos ba» Fest in befriedigender Weise ab. •• Der Männer-Turnverein feierte am zweiten ,'eiertag abend in Steins Garten seine Weidnachr» cur; lie gestaltete sich zu einem zwanglos fröhlichen Zusammen ein fast aller beireun ie.cn Fam lien der groß m Mi gl, d schar Ein Ehristlaum erstrahlte im Lichterglanz — L>.ih. nachtSlieder erliangcn — hübsche (Haben erfreuten durch ine Berlosuna ihre Empfänger Den beiden luntmcrirr, die sich auch un vergangenen Jahre um den Verein sedr verdient gemach! haben, wie der erste Sprecher i t einer sehr eindrucksvollen Rede bcrvorhob, widmete der herein in Dankbarkeit sinnreiche Geschenke. Indem der 1 Turn- nxrrl feinen Dank auSfprach, forderte er alle-Turner aus, fest zu der guten Sache zu frchcn und sich Geist und Mu»kel zu stählen ut edlem Turnspiel und Lamps. Besonder» in Dem kommenden Jahre, ui dem Jahre des 25lährigen B<. stehens de» Männer-TurnveretnS, in dem er ein Fest in größerem Rahmen beabsichtigt und wo seine Turner wieder wie so oft und glänzend in den letzten Jahren ihre Lastun. s- 'ähigkeil zeigen sollen. Turner und Turnerinnen ftrengicn sich an, die Feier zu verherrlichen, was ihnen oonreiFl.ch gelang. Ein niedliches Lustspiel trug viel zur allgemeinen Erheiterung bei; ein Lmderiestspiel fand ungeteilten Beifall und den kleinen ftünftlem wurde au richtige Bewunderung gezollt. Gut ausgeführte Stützhantelpyramtden. tiuflgtfübrt von der aktiven 'Jiiegt, erinnerten bar.m, baß man m einem Turnverein 2Bethnad)tvn feierte. Rackrdem das Proar.ioun zu Ende, was erst nach Millernacht der Fall war, begann ber Ball. "Der Evang. Arbeiterverein hielt am drillen Feiertag in der Turnhalle feine Weihnachtsfeier. Txc Festansprache hatte Pro». Schian übernommen, sie wat in den Rahmen der Feier gut eingepaßl und fand reichen Beifall. Auch das nach einem von Frl. Schütz gesproäiencn Prolog aufgeführte Wechnachlssptel: „Ter Warfen u-briw fest" sowie das Linderthcaterstück: „Tcr Schneemann' trugen wesentlich zur WerhnachlSstimmnng bei Außerdem verdienen bie GesangSvorlräge des gemischten tezw. F-rauen- chors bes Bereins, unter Leitung ihres Dirigenten Musiklehrer Gernhardt, neben ben ftiiibcrlicbcm, svrvie die Deklamation deS Herrn sleßler besondere Erntahnung. Den Shluß des Abends bildete eine Verlosung 4 Lich, 27. Dez. Die gestrige Weihnachtsfeier deS Turnvereins nahm einen schonen Verlauf Ein reichhaltiges Programm tarn von Mitgliedern des Vereins aut AuSful)rung. Vermißt wurde von vielen nur eine ober bie andere turnerische Aufführung, bie ben poffivcn Mitgliedern etwas von ber positiven Arbeit unb ben Xitbüin- tte vttt umsomehr B ben bie durchweg gelungenen Theaterstücke aumenom- men, von denen „Sein Wort gehalten", ein Lebens bild ui brä Akten von Fritz Baden, l>esonder> an Hang, ba c» ba» Leben unserer Tiatrojen an Boro uno ui D.icksa>-Siioivest in bunten Farben schildert Das vaierländische Stück konnte so recht natürlich dorgestellt werden, da orct Mitwirkenüe selbst gediente Blauiacicn und als solck-e genaue Renne das Ptatrosenlebcns loarcu. Zer gutbesuck)ten Aben.-untrr» Haltung schloß sich Tanz an. — Grüningen, 27. Dez. Am 2. Weihnachtsfeierti- trieft der zur deutschen Turnerschaft und zum (bau Hess« gehörige Turnverei n „Gu t Heil" seine erste Abind- Unterhaltung ab, bie echt turnerisch gestaltet mat uno einen schonen Bei laus nahm. E» galt vor allem, ben sn- gehörigen unb Freunden ber Turner ben hohen Wert der turnerischen Betätigung vor Augen zu fuhren Darum würben Hebungen am Reck, Barren und Pferd im West! mit Frei- unb vstabübungen buicbgehiral Al gemein to r .x ancrlärmt, baß der Bereut in der noa, nich. l^,jrhcigen Zeit seines Bestehens fleißig gearbeitet hat. Zur Verschönerung der Feier trug eine cruppc des Mannergesangverein» bafür die andere, viel daßlnh-'re, ans Dem Suüen .ckzeperert. »tf in bet Hülle inner dem gewöhnrm Lagerplatz des Toren hei im Boden zu vergraben. Tret Monate bleibt dann btt Hüllr un- benutzt unb dann nnrb sie wievcr ui (Gebrauch genommen Hüllen ähneln stark bat malaoneben Baiuoerkm: Holzpiähle, Vimve. Raswn, Schill imb Lehm sind ihre Bestandteile uno )» jutb besf- tar emsach. Aus dem Bodcn bezeichnen cm paar be Lagerstätte Bnvvtnst sind sie autzi von Ttanfdm von een Anzahl Hmidm bie nun auch iunvüen zur Jagd bcm»i, und von einer Unzahl von Rallen. Die Rattenplage hat zn»r ab* genommen feu bie japaniidK Regierung Für iti* erlegte Ratte er» 10 Bsg. beiahti, aber «o imb ihrer immer noch genug. Ixnnu fr nicht an bad itoru kommen, errichten die Wilden Hüll« er Pfählen unb legen über btt Bodenotahle mm't fdnlhrdnmg gebogene Holzplatten, tun baten roitbcr Stahle unb bann her ixJ» ruhen Rrincr her Leute, btt ich gesehen, kannte fern Allen Tas zätten und wusen sie gar nicht In ber Familie, br a streng« Mvnoganne lebt, gibt cs ziemlich Diel Shnbtr, meist «1 hübschen Gesichtern, tne erst später ben breiten nuxlaoudxn Zng weg leicht zugänglich unb nicht allzu -irhttvasfer. ber vorderste Lern int.- fein Ruber ut die Ctimung ber Spitze bet -ttaots, u” tot Boot ta vorn steuern zu können unb idxm schoß es pteÜfckMll bin ab. Man Fühlte den Boden sich an bat Felsen reiben uno cex> mal hob s.ch das iboot hoch in tnc Lust, um bann desto gcr:wtt t> die schäumenden und 'vritzcnden Strudel zuruckrut4* wo» ein herrliche» 5dxxu'W4, st> ut ben Schnelle» unter der aentefi® Steuerung ber ftmbtgen vbatnai bntadzu»au)en unb et war nudi mürber itten. im ganzen engen rrüiBial mit ietnai imkn nw'Mi" Ufern rn der jmfcnbcn Tammeamg zu Tai zu 'obren. I» Ahnten erreichem wir dann unirr fauwics Böhnchen, da* un» er Dunkllbei: ohne Rauch uns Laternen narb Taipeh . reine an» Dort titebm nach ,.n»ir enge aber Tageotout das moi>?rnc astAW .Id bi. mübrn Wanvercr m angenehme ..:o-! ->arronsbehandlWß- — ÄIctne Chronik aus ft u n ft und Visstni Mk. ist- nun aufgehoben worden. Bekanntlich erklärte noch in der Verb an lung vor dem Schwurgericht der Vertreter der 2üertt, nNn- dantur Assessor Frerichs, daß der Zivilprozeß auf Zahlung von Entschädigung seitens der Angeklagten an den ccistus unbeeinflußt von dem Ergebnis des strafProzesses weiter gesuhrt werden solle. Tics hat sich nickst bestätigt, denn die! Zivilklage ist zurückgezogen worden, was nach den Ausführungen de-- ^laat. - sekretärs v. Tirpitz im Reichstage auch 511 erwarten war Tcm Fiskus sind allerdings recht erhebliche Kosten erwachsen, da das Honorar an die Anwälte, sowie die Gericht.'kosu.n^ gezahlt werden mußten. Im Strafprozeß liegt,dw sache w- ander», da die Kosten der öffentlichen Klage "ach ^Freisprechung d-i Angeklagten einfach niedergeschlagen werden, ene gelangten m •.» nach auch nickst zur Berechnung, doch sind wahrend <^crha..i1j.3 Summen von 100 000 Mk. an die Zeugen und Lachverstandlgen durch ihre Lieder wesentlich bei. Ein Mitglied trug einen felbstversaßlen Prolog vor unb brachte ein Gut Heil auf den jungen Verein aus. Der Präsident des Vereins, Lehrer Momberger, begrüßte die Erschienenen, machte auf den hohen Wert des Turnens für Stör per und Geist aufmerksam sprach über die Ziele der deutschen Turnerschaft und bat um weitere Unterstützung des Vereins. Dcnauf brachte er dem deutschen Vaterland ein begeistert ausgenommenes dreifaches Gut Heil bar. Am Schluß ber Vorführungen dankte der Vorsitzende allen, die -um Gelingen ber Feier mitgewirkt hatten. Ern sich anschließender Tanz füllte den zweiten Teil des Programms aus. ? H u n g e n, 27. Dez. Ter t^esangvercin „Lieberkranz" veranstaltete gestern abend in ber stabt. Turnhalle eine W e i h n a ch t s f e i e r , zu der sich die Mitglieder sehr zahlreich einge'unden hatten. Nach einer Ansprache des Lehrers Isaac fand eine in 3 Serien eingeteilte Verlosung von ca. 150 nützlichen Gegenständen statt, die einen solchen Andrang ?,u verzeichnen hatte, baß die Lose bald vergriffen waren. Ehöre des Vereins, Couplets unb sonstige Vorträge füllten den Abend in schöner Weise aus, auch wurde ci rig dem Tanz gehuldigt. Später wurde der geschmückte Wsthnachts- baum versteigert. Tie Veranstaltung nahm einen schönen Verlauf. R-B. Darmstadt, 27. Dez. Die Weihnachts- seierbeiHose vollzog sich in der üblichen schlichten Weise. Am Donnerstag nachmittag hatte bereits im Allen Palais die althergebrachte Christbe,cherung für zwölf arme Darmstädter Familien stattgefunden. Am Freitag nachmittag ö Uhr erfolgte die Bescherung für die Hofbeamten und daraus im engsten Familienlreise die Weihnachtsfeier und Christbescherung für die beiden kleinen Prinzen im Neuen Palais. Früh 6 Uhr unb vormittags 10 Uhr besuchten der Großherzog und die Großherzogin am ersten Feiertag dey Gottesdienst in der Hofkirche und am Nachmittag war in Gegenwart der Großherzoglichen Herrschaften im Alten Palais Wcihnachtsbescherung für die Kinder der Hofdiener- schaft. Am zweiten Feiertag nachmittag weilten die fürstlichen Verwandten, Fürst und Fürstin zu Solms-Hohensolms- Lich mit Prinzessin Dorothea, Prinz Hermann zu Stolberg- Wernigerode, Gräfin Wilhelm zu Solms-Laubach und die Fürstin-Mutter und Prinzessin Edda zu Erbach-Schönberg zum Besuch im Neuen Palais. — Wie alljährlich fand auch diesmal am ersten Feiertag, früh in der Herberge zur Heimat eine Christin scherung sür die ca. 120 Obdachlosen statt, die nach einer Festansprache des Oberho Predigers Ehrhardt mit Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln beschnitt wurden. Für die zahlreichen obdachlosen Handwertsburschen rvar schon am Christabend im Turnsaal am Ballonplatz eine Weihnachtsfeier veranstaltet worden. zur Auszahlung gelangt, und der gleiche Betrag wohl auch im Lause der Untersuchung. dkricbtsfaaL Neiße, 27. Tez. Ein Bcleidigungsprozeß eines Lehrers gegen einen Geistlichen beschäftigte die Strafkammer als Berufungsinstanz Ter Lehrer Auaustin in Zabrze war früher in Grab ine als Hauptlcbrcr tätig und hatte auch die dortige Organistenstclle inne. Er ließ sich versetzen, weil sein Verbällnis zu dein Pfarrer Koziolck ein unerquickliches ivar. Während seiner Tätigfeit in Grabinc war der Lehrer einmal von unbekannt gebliebenen Tätern überfallen und mißhandelt worden. Auf dieses Ereignis nahm der Pfarrer in einer Kanzelreüc Bezug. Er hatte die Anordnung getroffen, daß in der Kirche die Frauen vor den Männern fitzen sollten, both himmerte sich nur ein einziger Mann um diese strenge Teilung. Der Psarrer ivandte sich in seiner Rede gegen diesen Ungehorsam unb führte u. a. aus: Wie Gott den Ungehorsamen sttafc, das sehe man an dem Lehrer Augustin, der seinerzeit überfallen und mißhandelt fei, und der die Gemeinde mit Schimvi und Schande habe verlassen müssen Dem Lehrer wurde diese Acußerung hinterbracht, unb er stellte gegen den Pfarrer Strafantrag wegen Beleidigung. Das Schöficngericht verurteilte den Pfarrer wegen öffentlicher Beleidigung zu 50 Mk. Geldsttafe und sprach dem Lehrer die Publikationsbesugnis zu. Psarrer Koziolck nahm in der Rsvisionsverhandlung den Schutz des § 193 iWahr ncymung berechtigter Interessen) in Anspruch: die Berufung wurde aber kostenpflichtig verworfen. vermischter. *Wintcrhocktouren in den Alpen. Tic kommenden Feiertage werden wieder in den großen Mittelpunkten des Alpenwintersports, in Grindelwald, Ll. Moritz, Chauionij, Adelöodcn und Kandersteg, ein fröhliches internationales Publikum vereinen, das sich all den Herrlichkeiten iPinterlidjer Freuden, dem Eislauf, dem Schi-, dem Toboggan- und Bobsleigh-Fahren begeistert bin- gibt Die Engländer werden diesmal wohl nicht in der reichen Zahl vertreten fein wie sonst, oder vielmehr der weibliche Teil wird vorwicgen, denn die Herren werden zum großen Tcü beizeiten an die Rückkhr denken, um bei den Wahlen nicht zu fehlen. Unter den „Sensationen", die die Alpemvelt im Winter^ darbietet, kommt neben dem Schnee- sckfuhlausen und den Schlittenrennen ein Sport immer mehr in Ausnahme, der bis vor kurzem noch für allzu gefährlich und waghalsig galt, nämlich die Winlerhochrouren. Während man früher für die Besteigung ber höchsten Spitzen nur die Zeit im Juli und August für geeignet hielt und nur in feilen en Fällen, von den vorzüglichsten Führern begleitet, einen Aufstieg im Winter unternahm, toinmcn in neuester Zeit geübte Mpinisten urinier häufiger auf den Geschmack, den eine Höhenbesteigung in ber strengen Jahreszeit dem für Naturschvnheit und Gefahren Emp» sänglichcn zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden läßt- So sind denn ui den letzten Wintern die fd)tcücngften Spitzen bet stiegen worden, und als man einmal erkannt hatte, daß unubert ivindlichc Hindernisse für die Eroberung der winterlichen Alpennatur nicht bestehen, erklären sich auch immer mehr Führer bereit, tüchtige Touristen zu geleiten, lieber den Zauber unb die Reize des Winterkletterns spricht der ausgezeichnete englische Alpinist Julian Grande in einem interessanten Zinssatz. Tie Natur bietet ui ihrem winterlichen Kleide mannigfache und „grandiosere Jni- presjionen" in den Hock)>alpen dar als im Sommer; die Aussicht von den Gipfeln ist strahlender und bietet eine ausgedehntere Fernsicht: die Lust ist träitigcr und schärfer; wenn fein Wind ist, wird man auch große Kälte nicht unangenehm verspüren. Ter weiche Schnee unb ber leuchtende Reif funkeln im Sonnenschein in einem Meer von blitzenbcn Juwelen; ber Himmel wölbt sich barüber in einem wundervollen Blau, bas weniger stark unb ticr, aber dafür lichter und ’arter ist als im Sommer. So fügt sich die Farbenpracht eines Wintcralpencagcs zu einer hellstrahlenden Sinfonie von Blau und Silber zufammen. Zudem sind im Winter dic Älpeuhütten nicht von jenem Touristenvolk angefüllt, das nicht um des Kletterns willen klettert, sondern mit einer mäßigen Hohe sich begnügt unb sich hier in lärmenben Vergnw- gimgcn ergeht. Tie wehte Stille unb Einsamkeit, die der ed)tc Berg steig er in ben Alpen lucht und die er leider im Sommer häufig nicht mehr findet, wird ihm im Winter noch in einer reinen ungetrübten Form zuteil.^ Freilich haben die Winlerfahrten auch ihre Schatten« eiten. Tie Tage sind kurz, die ZLächte. außerordentlich kalt. Tie (Gefahren und Schwierigleüen beim Steigen wachsen an; der weickre spröde Sciznee bedeckt jeden Pfad, der zu ben Hütten führt, und die Gletscherfpalten zeigen erst ihre ganze heimtuckisckfe Furchtbar teil. 0) raube Hal in ben beiden letzten Sß intern im Berner Oberland prächtige Wandciungen ausgeführl, indem er cas Wellcrhorn unb ben Akönch bestieg. Bei ber Besteigung des Mönchs war aller bingd die Kälte so gvoß, daß man ans dem Gipfel überhaupt nicl.'t 9üu"t machen konnte. Einige Berge können int Winter nur mit Hilfe der Schneeschuhe erobert werden. Tabei häufen sich natürlich die Gefahren. So erzählt Grande von einer Wutterbesteigung vor drei Jahren, die ihn und «eine Begleiter in eine höchst bedenklick)e Lage brachte. ,^Jch brad) zu einer photographischen Wanderung nach dem etwa 12 000 Fuß hohen Tschingelhorn im Berner Lberlande auf und nahm nicht weniger als vier der besten Schneeschuhführer von Kandersteg mit. Tas Wetter war fo prächtig, daß nur hofften, noch am lelben Abeiw die Mutlhorn-Hülie zu erreichen und am folgenden Tage das Tschingelhorn zu erklimmen. Wir gelangten über dic oberste Talstufe, das Gastcrental, bis zu den letzten Hüllen, die ihre Bewohner wegen der Lawinengefahr Ende Oktober verlassen müssen. Dann kamen wir an die berühmte lange und schwierige Moräne, die im Sommer eine hohe zerklüftete Maner ist, im Winter aber ein einziger scharfer Eisgrat, mit lockerem Schnee bedeckt. Als wir den Gteljcher in einer Höhe von etwa 10 000 Fuß erreicht halten, überfiel uns dic )cad}t und ein iurchlbarer ^a/nceiturm brach los, dc. uns die Lalernen auslüschtc und die Erreiaiung der Hülle in der ichrecktio n Tankesyetr bei den überall brohcndcn Safneeivalten als eui tollkühnes Wagnis ericheitlen ließ. Tie Nacht über konnten wir nicht auf denz Glelicher blechen, sonst wären wir erfroren. Es blieb also nur cm Ausweg, ins Gasteren- tal zurückzukehrcn. Von^Fels zu tiels krochen wir mabiam herunter und mußten noch bie Sch-lieeschuhe hinter uns Herschieisen Tie Überschreitung der Moräne war der schwiengst-e unb gefährlichste Teil dos Abstiegs Wir konnten hier nur dadurch vorwärts lammen, baß wir uns, aut der einen Seile der Moräne hangend, mü ben Hauben an bau ;pißen Grab feiitlaruncrten. Mir ist es heule noch ein Wunber, wie wir glücklich herablamen. Zwei Tage später aber unternahmen wir nichtsdesloweniger einen noch schwierigeren An- stteg in berselben Gruppe." Handel. — Neue Reichsban titelte. Am 20. Januar k. JZ. wird in Amberg (Oberpialj) eine von der Reichsbankslelle in Nürnberg abhängige ReichsbanknebensteUe mit Kasseneiurlchlung und beschränktem ivirooerkehr eröffnet werben. Märkte. Äießcn, 28. Tez. Aiarktbeiichl. '.'Iut ijeuugcin Wocken- maitie to'ietc: Butter pr. Pfd. 1.20—1.30 Mk., Hühnereier 1 el. 9—10 Big., Enteneier 1 3t. 0 Bfg., Käse pr. 31. 6—8 Pf., Erbfeu p. Pib. er Tag. Pro6p.frei. B ss-“,nl L- i.- nder Ai/ : i>i-, und. iJizner. " (C’/u) 1 53 s c. o - * 3 = s 3 ’ — ä" S" 3 r. e er §r wS.- AZ? ??s 9? 2 Sil H® = =.?§■ 5. a= 3 = -PL -Z'-'LZzs ^^Ls-L- r» * 0*^*2. *= =• Sf --3&2,~ 2.2.E--D 5 ff Z^3^S.Z spz 3 ■3 en •CT' a- 3? 5 "! Qe = 5 •So — o- — ff« * CD ?A ? 8 ff er 11 = O* •* s ?S8 -'S' «1 o* a k 2 s s: er 3 V E L 5 * = -Zx er *-♦ 2 5 SZ. 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