Nr. 76 Mittwoch, 31. März 1909 139. Jahrgang Erscheint täglich mV Ausnahme des Sonntags. Kü- -s stf 80 2 4 A Z s s ralc zustande lomim i Liebesgabe revidiert erden. AoiatilmSdrnck enl Verlag bet VrvbNch« Unteerfuät» - Buch- und SiemDrucleret. ÖL Sangt, ©tefeen. Redaktion. Exveditton und Druckerei: Cckmk» ftraße 7. Expedition und Verlag: IReDaZtiotue^ 112. TeU-Adru AnzeigerGiebe«. 8t» Die „Gießener Kamillenblätter- werden dem ,Anzerger' dermal wöchentlich bergelegt. das „Kretsblatt für öeu Kreit Gießen" zweimal' wöchentlich. Dte ..Landwirtschaftlichen Sett- fragcn" erscheinen monatlich zweunai. Die jetzige Form auch bezüglich der Matrikularbeiträge genügt uus nicht als Ersatz für die Besitzsteuer, sondern wir toirn- schen, daß, nachdem nunmehr andere Wege als ungangbar be- zcichnet worden sind, der Weg der Deszendenten st euer eingeschlagen wird. Der Block bedeutet manchen Verzicht a in Parteiprogramm, bei Konservativen, bei Liberalen. (Bewegung, Unruhe rechts.) Wir erkennen es dankbar an, daß bei den hinter unS liegenden abgeschlossenen gesetzgeberischen Ausgaben man dem großen <&> danken, der in dem Block liegt, Rechnung getragen hat. Konzessionen sind auf beiden Seiten in weitem Umfange gemacht worden. (Sehr wahr! links, Unruhe rechts.) Wir bringen gern dies Opfer. Aber wir könnnen es nicht ertragen, daß bei der Finanzreform der liberale Gedanke ausgeschaltet wird. _ Wenn das geschehen sollte, dann ist es unmöglich; denn über solchen Kombinationen, Konstellationen, die naturgemäß keine ewige Dauer haben können, stehen die ewigen großen Prinzipien, für uns der liberale cdanke, dem wir anhängen und von dem wir hoffen, daß er der Zukunft gehört. (Stürmischer Beifall links. Reichskanzler Fürst Bülow betritt den Saal.) Die Festigkeit und Klarheit der Politik des Herrn Reichskanzlers iw den Balkanfragen hat zu einem gänzen- den Erfolge der deutschen Diplomatie und Staatskunst geführt, der an die besten Zei der Bismarckschen Politik erinnert. (Lebhafter Beifall.) Mi. . dem Reichskanzler in der inneren Politik, in der Finanzrefvrm, deren nationale Bedeutung von unserem Volke von Tag zu Tag mehr anerkannt wird, der gleiche Erfolg beschieden sein. (B all.) Möge es ihm gelingen, mit der Mehrheit, die er mit dem mischen Volke für die innere Politik geschaffen hat, mit dem Programm der Gerechtigkeit und deS sozialen Verständnisses, das in der Regierungsvorlage der Finanzreform niedergelegt ist, unter Einsetzung der Festigkeit und des ernsten sittlichen Willens, den eine solche Reform erfordert — möge ihm die Finanzreform gelingen zum Heile Deutschlands und zum Wohle 2er Nation. (Stürmischer Beifall links.) Abg. Dr. Bonderscheer (Zentrumseisäffer): Es sollte endlich ein Gesetz über die staatliche Selb- ständigkeit E l sa tz - L o t h r i u g e n s vorgclegt werden. Tie Rcichslande müssen mit den übrigen Bundesstaaten gleich- Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Deutscher Reichstag. 237. Sitzung. Dienstag, 30. März. Am Tische deS Bundesrats: v. Bethmann-Hollweg, v. Loebell, Dr. Shdow, Ternburg, v. Schoen. Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15. Min. Zu den Tribünen ist der Andrang ebenso groß wie gestern; auch das Haus ist sehr stark besetzt. In der Hofloge Prinz Oskar und Prinz August Wilhelm von Preußen. Die Aussprache beim Etat des Reichskanzlers wird fortgesetzt. tifaal Tas Sdjoffengr yrojrcM den Bärge?' un Monaten föcfän? leilUr an, er sei tränt in?» ■ Jägermeister an ihm - - mang der „Kranke" r.-: tt mit einem schweren fe den Nachbarn, den )rt. Kn^E druckte Wen eLs A ^'WeznWenEin^ -cn Spielern mangelte ti Ä ^rdurch manch fc: - Maimichan von Gienen i ^?esM Gemania dc :1 ,r I^ichnng überleget 0K lautete das EndrM dm begrüßt worden, daß der Reichskanzler die Verbindung mit dem Zentrum gelöst hat. Wir wünschen nicht, daß nach kurzer Zeit di esc politische Neugruppierung, Block g e - nannt, zerstört wird. Wir sind der Ueberzeugung, daß man im Volk den Schuldigen suchen wird. (Sehr richtig! bei den Liberalen.) Es ist die Frage ventiliert worden, ob heute schon die Finanzreform als Blockaufgabe gescheitert ist. Die ?frage ist aufgeworfen worden durch die Stellungnahme der Ion« ervativen Partei und durch die bekannte Notiz in der konservativen Korrespondenz, in der sogar von einer Vorherrschaft des Freisinns gesprochen wird. (Lachen bei den Liberalen.) Ich erachte diese Erklärung als eine durchaus notwendige und er- kenne meinerseits ohne weiteres an, daß diese offene Erklärung ein Akt der Loyalität war. Sie mußte in diesem Moment erfolgen, weil am Freitag die Abstimmung über die Liebesgaben erfolgte. Wir haben bei dieser Abstimmung eine neue Gruppierung kennen gelernt. Wenn die Erklärung vor- her nicht erfolgt wäre, so wäre die konservative Fraktion mit Recht in den Verdacht der Felonie am Block gekommen. * sHpK I Ui§ ?,enf?OailUn-X' ! n?oCmein'D0l)M & j MÄ «4 ' Neumann) 2ö'8,S‘W j ■ x Sitn qn' ' Hiner oe£[re,"’flun8, / WH , 283 k -.•«meta, i lxQ§ deutch Lieb,: auch durchaus verständlich. Zum Ueberfluß habe ich heute früh einen Artikel gelesen, der die Stellung des Zentrums noch einmal genau präzisiert. Es wird darin hervorgehoben, daß zum Abschluß einer Koalition zwei gehören. (Sehr richtig! im Zentrum.) Es wird darin die Frage aufgeworfen, ob man etwa glaube, daß das Zentrum gerührt der Rechten in die Arme fallen werde, wenn die Konservativen dem *•' " " ' " Zentrum.) Wer das glaube, gäbe Enttäuschung hin. (Sehr «siSS twortuiig-' GgnM LSeMmeick-H^A Äf • nn-der/Ak '-LL WW HW MM Block kündigen. (Heiterkeit im sich einer gründlichen , , w , richtig! im Zentr.) Das Zenttum habe nicht die geringste Lust, aus der gegenwärtigen Situation herauszutreten, es sei denn, daß ihm Garantien geboten würden. (Sehr richtig! im Zentr. Hört! hört! links.) Auch ich sage mit der „Augsburger Postzeitung", die diesen Artikel geschrieben hat: Wenn die Finanzreform mit Hilfe des Zentrums gemacht wird, dann wird das Zentrum als stärkste Partei naturgemäß sehr bald die Führung haben, und es wird bann selbstverständlich auch nicht ausgeschaltetwerden können in al! den vielen anderen Fragen der inneren Poliiit. (Sebr richtig !) Es ist von einem großen Teile unserer Nation mit Freu- An die Erledigung des Blocks haben Phantaster kühne Hoffnungen auf einen neuen Block aufgebaut, von Bebel bis Basserrnann. (Heiterkeit.) Herr Bebel wird höchst erstaunt und belustigt gewesen sein, daß er nunmehr an Stelle der Konservativen 400 Millionen Konsumsteuern bewilligen soll. (Erneute Heiterkeit.) Ich glaube daran nicht. Die Sozialdemokratie hat sogar Herrn Barth und Herrn von Gerlach verlacht, und ich tarnt sie mir nicht denken Arm in Arm mit unS Nationalliberalen und mit Mitgliedern der Freisinnigen Parteien, wie Dr. Mugdan eines ist. (Heiterkeit und Zustimmung bei den Liberalen und den Soz.) Wenn der Block einmal vergeht, dann muß der Liberalismus auf eigenen Füßen stehen. (Lebhafte Zustimmung der liberalen Parteien.) Auf beiden Fußen, und er hat ja glücklicherweise zwei: ein rechtes und ein linkes! (Heitere Zustimmung links.) Herr Naumann, der im „Berliner Tageblatt" diesen Artikel geschrieben hat, möge seinen Blick zurückwenden auf die Reichstagswahlen, dte hinter uns liegen und auf die Tatsache, daß in diesen Reichstags- wählen ein ganz hervorragender Unwille des gesamten deutschen Bürgertums gegen die Sozialdemokratie zutage getreten ist. In einer uns unerwarteten Weise haben sie zu einer großen Niederlage der Sozialdemokratie geführt. Also an ein BundniS zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie, das nur todbringend fein würde, glaube ich nicht. (Stürmische Zustimmung der liberalen Parteien.) Ich nehme an, daß die Errlärung, die in der „N o r d- deutschen Allgemeinen Zeit u n g" am 25. März erschienen ist, bedeutungsvoll ist. Darin wird gesagt, die verbündeten Regierungen halten daran fest, daß der Bedarf an neuen Einnahmen nicht bloß eine Besteuerung von G e-, nu ß mitt ein erfordert, sondern durch eine allgemeine Belastung des Besitzes aufgebracht werden muß. Das ist eine erneute Bestätigung der Grundsätze, die in der Vorlage der verbündeten Regierungen gestanden haben. Hnb in diesem Programm ist der gesamte Liberalismus mit den verbündeten Regierungen einig. Es wäre zu begrüßen, wenn der Reichskanzler oder sein Stellvertreter aus Anlaß der heutigen Debatte Gelegenheit nehmen würde, auch hier im Plenum die Grundsätze zu bestätigen, die in der „Norddeutschen Allgemeinen" in dieser vor- züglich klaren Weise Ausdruck gefunden haben. (Lebhafte Zustimmung links.) Die feste Stellung der Regierung ist die Garantie des Erfolges. Sie wird Der Bewegung im Lande immer mehr und mehr Kraft verleihen und den Gedanken der Regierungsvorlage zum Siege verhelfen, selbst wenn es nötig sein sollte, den Appell an das Volk zu richten. (Bewegung im Hause.) Man hat in den hinter uns liegenden Zeiten manches Wort von der konservativ- liberalen Paarung gesprochen. Diese Paarung ist eine Konzession, an ber der Liberalismus festhalten will. Es ergeht nun die Frage an die konservative Par- t e i, w i e sie sich dazu stellt. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die' Abstimmung über die Liebesgaben bei der Branntweinbesteuerung große Verstimmung in liberalen Kreisen hervorgerufen hat. (Lebhafte Zustimmung links.) Wenn die Steuerreform durch Konservative und Libe- soll, dann muß dieser Beschluß über die rden. >Sehr richtig! links.) Die innere Politik. Dbg. Bafsermann (Natl.): Die Besprechung der inneren Lage, welcher der zweite Tag der Debatte über den Etat des Herrn Reichskanzlers gewidmet ist, kann man wohl das Zeugnis ausstellen, daß sie unter dem Zeichen der Finanzreform steht. Ich werde mich in meinen Ausführungen, welche ich im Auftrage meiner Fraktion zu machen habe, ausschließlich mit der Frage der Reichs- sinanzresorm beschäftigen. Man kann wohl den Satz aussprechen, daß m Deutschland in allen Parteien und in allen Schichten Der Bevölkerung über bic Notwendigkeit und Dringlichkeit der Sanierung der Neichsfinanzen llebereinftimmung herrscht (Sehr richtig!), und wir können weiter entgegen den Erfahrungen früherer Jahre die Tatsache feststellen, daß die durch unser Volk gehende Bewegung eine O p f e r w i l l i g k c i t in sich schließt und bartut, wie wir sie bei früheren Gelegenheiten nicht gewohnt waren. (Sehr richtig!) Ich schließe darin ein bic Interessenten, bie ja bei vielen dieser Gesetze bie Leibtragenden sind. Ich hebe kurz die Gründe hervor, welche für bie Notwendigkeit und Dringlichkeit der Finanzreform sprechen. ES ist einmal bic unbedingte Notwendigkeit, mit den Einzel st aaten z u einer reinlichen Auseinandersetzung zu kommen im Interesse der Herstellung der Ordnung in den Finanzen der Einzelstaaten wie im Interesse der Erhaltung der Reichsfreudigkeit. Ich kann den Beweis für diese Behauptung durch den einen Satz erbringen, indem ich Hinweise auf die Erregung, die in den Bundesstaaten e:n- getreten ist aus Anlaß des von uns in der ersten Lesung in der Finanzkommission abgeschlossenen Kompromisses (Sehr wahr!), eine Erregung, die nur dadurch zu erklären ist, daß man fürchtet, daß mit der in diesem Kompromiß beliebten Regelung eine Ordnung in den einzelstaatlichen Finanzen nicht eintritt, daß vielmehr der Zustand der heuttgen Verwirrung aufrecht erhalten bleibt. (Sehr richtig!) Zum zweiten verweise ich darauf, daß es Pflicht aller Klassen des Reiches ist, das Gleichgewicht herzu- stellen zwischen Einnahmen und Ausgaben. In erster Reihe denke ich auch hier an die Aufgaben der Landesverteidigung, der Landesverteidigung in unserem Heer, der Landesverteidigung in unserer Flotte. Darüber sind wohl alle Parteien dieses Hauses einig, daß auch hier in Zukunft dem Deutschen Reiche Aufgaben obliegen werden. Wir haben gerade jetzt ge, sehen, wie schwer es ist, in diesen Etats Ersparnisse eintreten zu lassen. Die Aufgaben der Landesverteidigung dürfen nicbt Not leiden: auch darüber sind wir uns alle einig. Dazu kommen neuere Pläne auf dem Gebiete ber sozialen Gesetzgebung. Wir Dürfen an diesen neuen Aufgaben nicht vorübergehen, vor allem nicht an der W i t w e n- und Waisen- Versicherung, wir müssen sie lösen. (Sehr richtig!) Und zum Dritten kommt die Erhaltung unseres Ansehens im .Auslände in Betracht. Wenn wir die Politik der letzten Jahre übersehen, welche Resultate Da erzielt worden sind, so sehen wir, wie Der feste Wille, die Einmütigkeit eines starken deutschen Volkes das Ansehen Deutschlands vermehrt und den Frieden stärtt. E i n starkes, auch finanziell starkes Deutschland ist ein Friedenshort (lebhafter Beifall), ein Friedenshort in einer Zeit, in Der wir leider angesichts ber allgemeinen politischen Sage an eine Abrüstung nicht denken dürfen. (Sehr richtig!) Wir können heute, auch angesichts bcs Abschlusses Der Wirren der letzten Monate, den Satz ruhig aussprechen, daß ber Friede Der Welt auf den deutschen Bajonetten beruht (lebhafte Zustimmung), — das ist zwar keine weiche, aber eine sehr sichere Unterlage. Es ist bie feste Ueberzeugung aller Vaterlands- freunDe, daß die Finanzreform zustande kommen muß, weil die eiserne nationale Notwendigkeit ihr Zustandekommen erzwingen wird. (Beifall.) Wir können weiter sagen, daß es unwürdig wäre eines Volkes, dessen Wohlstand sich in allen Schichien der Bevölkerung von Jahr zu Jahr mehrt, wenn dieses Ziel nicht erreicht würde. Wenn wir nun die Frage aufwerfen, welche Finanzreform wir im Auge haben, so meine ich, diese Frage muß klar dahin beantwortet werden, c§ soll eine Finanzreform sein, bic kein Flickwcrk i ft. (Beifall.) Eine Finanzreform, die nur :iucn Teil des Bedarfes durch neue Steuern decken will, und den Rest durch Matrikularbeiträge, muß abgelehnt werden. (Lebh. Beifall links.) Die Folge einer solchen Finanzreform würde sein, daß in kürzester Zeit eine zweite Finanzreform notwendig wäre, und das muß vermieden werden im Jnterepe unserer Erwerbs- itänbe, bei Denen endlich Beruhigung eintreten muß. (Zust. links.) Eine zweite unerläßliche Voraussetzung der Finanzreform ist die Heranziehung des Besitzes, der tragfähigen Schultern. (Lebh. Zust. links.) Wenn der Verbrauch der Masten belastet wird durch neue indirekten Steuern, wenn er angesichts der großen Bedürfnisse belastet werden mutz, dann darf der Besitz vor einer solchen Reform nicht steuerfrei bleiben. (Lebh. Beifall links.) Das i st ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit, das ist auch ein Gebot Der Staatsklugheit. (Beifall links.) Wenn diese Forderung nicht erfüllt wird, Die mit Recht aufgestellt toirb, dann wird der Staat selb st das Wasser aufdie sozialdemokratischen Mühlen führen. (Lebh. Zust. b. D. Natl. und Freis.) Ich meine, auch der krasseste Egoist muß das einsehen, daß er durch eine Freilassung des Besitzes die U n- zuf rieben heil und die Begehrlichkeit der Mas - s en n u r schüren w ü r d e. Für meine politischen Freunde stand bic Form der Besitzsteuer in zweiter Linie. Es stand für uns fest, daß wir bie Besitzsteuer nicht aufbringen wollen in ber Form Der Matrikularbeiträge, von denen wir nicht toiffen, toie sie aufgebracht werden. Es stand zum zweiten fest, da ß d i e s e Besitz st e u e r eine allgemeine Besitz steuer sein soll, die j e b- c n Besitz ergreift und nicht den Grundbesitz freilätzt. (Lebh. Zust. links.) Ich erinnere mich sehr wohl, als ich 1893 in den Reichstag eintrat. Auch damals galt cs wegen des Erlasses einer Militärvorlage die Reichs- einnaljm^u zu vermehren. Ich erinnere mich sehr wohl Der Wahlkampfe, die den Wahlen von 1893 borauSgingen. Da hat mancher vor unS sich für die Reichseinkommensteucr begeistert; wir waren der Meinung, daß sie die einfachste und natürlichste Form ist, die Einkommen in einer gewisten Höhe für den Reichsbedarf heranzuziehen. Im Laufe der Entwicklung mußten wir einsehen, daß dieser Weg nicht gangbar ist. Das Wachstum der Aufgaben ber Einzelstaaten und das Wachstum ihres Bebarfs machte es klar, daß die Einkommensteuer ihnen von reichswegen nicht entzogen werden tarnt. (Sehr richtig! rechts.) Was die spätere Zeit anlangt, so erachtet die national-liberale Fraktion und Partei im Lande — es ist dies von uns auf einer Reihe von Parteitagen ausgesprochen worden — die Reichsvermögens st euer für den besten Weg der Heranziehung des Besitzes. Wir müssen heute anerkennen, daß dafür eine Mehrheit im Reichs- tage nicht zu finden ist, und daß dieser Vorschlag auch, falls er im Reichstage angenommen würde, auf eine Mehrheit im Bundesrat nicht zu rechnen haben wird. Wir haben unseren Vorschlag der Reichsvermögenssteuer in der Finanzkommission aufrecht erhalten; er ist dort abgelehnt worden. Man hat, um weiterzukommen, in der Beratung der Reichsfinanzreform bann den Weg gewählt, auf Grund des vom Frhrn. v. Gamp eingebrachten Antrages ein Kompromiß abzuschließen. Der Inhalt dieses Kompromisses ist Ihnen bekannt. Aber das Eine können wir heute schon sagen, daß dieses Kompromiß int Lande, in den Ringel ft aaten lebhaftem Widerspruch begegnet (vielfache Zustimmung), einem Widerspruch nicht nur in den Kreisen ber einzelstaatlichen Verwaltungen, sondern auch in der Bevölkerung, auch in unseren Reihen. Unter diesen Umständen erachtet die weitaus große Mehrheit der nationalliberalen Reichstags- fraktion den Ausbau des Erbschaftssteuer- gesehes und die Heranziehung der Deszenden- len zur Erbschaftssteuer für eine Notwendigkeit. (Stürmische Zustimmung bei den Natl.— Lebhafter Beifall ebi Den Freisinnigen.) Wir treten nicht mit leichtem Herzen auf diesen Boden, müssen aber heute anerkennen, daß ein anderer Weg nicht gangbar ist. Wenn wir zu diesem Entschluß gekommen sind, so setzen wir voraus, daß einmal bei der Heranziehung der Deszendenten den besonderen Verhältnissen des landwirtschaftlichen Gewerbes Rechnung getragen werde, und zum zweiten, daß alle Vorsichtsmaßregeln im Gesetz getroffen werden, um Steuerschnüffelcien hintan zu halten, sowie weiter, daß mittlere und kleinere Erbteile frei bleiven, über Die Grenze hinaus. Die in Der Regierungsvorlage aufgestellt ist. Dies er unser Standpunkt ist gedeckt durch die Auffassung der nationalliberalen Partei im Lande, lieber diese Auffassung geben uns Hunderte von Zuschriften, Resolutionen und Versammlungsbeschlüssen den klaren Beweis. (Lebhafte Zustimmung.) Es ist dies ber Standpunkt des Gesamtliberalismus (Sehr richtig! links), und ich meine, daß dieser Standpunkt auch in manchen Kreisen der konservativen Partei und selbst des Zentrums geteilt wird. ES wirft sich zunächst die Frage auf: wie soll die Finanzreform erledigt werden, von welchen Parteien? Die Ereignisse der jüngsten Tage haben diese Frage in den Vordergrund geschoben, welche Parteigruppierung bie Finanzreform erledigen wird. Das Räch st liegendste ist, daß die Finanzreform von Dem sogenannten Block gelöst wird. Das ist bedingt durch die allgemeine politische Lage, wie sie in Deutschland besteht, und als solche auch anerkannt ist durch das Zentrum seit ber Reichstagsauflösung und ?en Neuwahlen. Wir haben in der hinter uns liegenden Periode eine Reihe von Aufgaben erledigt, Die ausdrücklich als Aufgabe der Blockparteien fettend des Reichskanzlers bezeichnet worden sind, z. B. das Vereins - und das Börsengesetz. Die Bedeutung der Finanzreform geht weit hinaus über diese prägen, von denen icg soeben sprach. Sie geht auch weit hinaus über die Streitigkeiten beim Kolonialetat, bie damals zur Auslösung 'ährten. (Heiterkeit und Sehr richtig! links.) Den Willen, die Finanzreform tunlichst durch die Blockparteien zu losen, hat man versucht, in die Tat umzusetzen. Das beweisen die Blockkonferenzen und die Annahme des Kompromisses Gamp. Wenn der Block nicht in Der Sage ist, bie Finanzreform z u erlebigen, s o wird und muß die Führung in der Finanzfrage auf das Zentrum übergehe.n, und es ist mir ebenso unzweifelhaft, daß damit ein Wendepunkt in unserer inneren Politik e i n t r i 11. Man spricht von einer Finanzreform mit wechselnden Mehrheiten. Ich bin gewiß geneigt, die Gutmütigkeit des Zentrums sehr hoch zu schätzen. (Heiterkeit.) Aber so hoch schätze ich doch die Gutmütigkeit des Zentrums nicht ein, daß es allemal bann cinspringen wird, wenn wir im Block nicht weiter kommen. (Sehr richtig! links und im Zentrum.) Die Erlebigung ' . Finanzreform mit wechselnden Mehrbeiten bringt auch bie Gefahr mit sich, baß man zwar zunächst eine Reihe von Gesetzen zustande bringt, aber am Schluß nicht weiter kommt. Der Herr Staatssekretär hat ja ein Mantelgesetz nicht vorgelegt. (Zuruf: Leider!) Wohl aber ist davon die Rede, daß man in den Schlußparagraphen der einzelnen Gesetze die notwendige Verbindung Herstellen könne, indem man sagt, das Gesetz tritt gleichzeitig mit dem und dem in Kraft. Wer gibt Ihnen da bie Garantie, daß nicht im letzten Moment das mühsam aufgebaute Werk zusammenbricht? (Sehr wahr! links.) Wenn der Herr Staatssekretär des Reichsschatzamt vielleicht auf wechselnde Mehrheiten bei den einzelnen Gesetzen in dieser Frage seine Hoffnung baut, was ich nicht glaube und hoffe, so würde das eine sehr naive Einschätzung der polittschen Machtfaktoren fein. (Lebhafte Zustimmung links.) Ich kann mich dafür auch auf Den Zentrumsstandpunkt berufen, Den die Herren uns in sehr loyaler Weise mit- geteilt haben. Mir als Politiker ist bie Haltung des Zentrums ischter. i ‘Jiijetn. Tie SanM: et air Den CberDrdiibtite - e ütr Landwirtschaft gW c shle des Rheins prv!M.': iterei Landstriche -i iLV i Projekt öorgelcgt, teD' Rheins vorsieht, bieLzto. otoller durch gMP.br Dich'chrck mi?6cr»taW aut en. ÄelannH Wt jjc Rolle. Die eiÄn.ra inen aber nach ben Bj® Unterem W MI-aM anlsieiien für n aut bett Ahreibtnch be- nie mühevolle Arbeit, din ij gewendet M. f- j ato der iXuiWit uw® # drn Ärmel, des mc W gelegt >chiche. das cm W eie Schuhe werden e- i und in allen W, find, angezozen. - ick selten sWfc i W'W.er sonstigen eleganten Ä? rAitf ?vuid)t man Hn. ad-aitipit «11-!;::. m t dem Vogel E /ri* Men w ieiÄ bk «es ubr,g>den^ gestellt werden hoffentlich entschließen sich die Negierungen mb* l'rrti zu dieser rblen Tat. Der Zustimmung diese» Hauses glauben wir sicher zu sein. Staatssekretär v. Bethmann-Hollwe-: Bor c ncm Jahre bat der Reichskanzler erklärt, daß die Fort- hifbung ^er staatsrechtlichen Bestimmungen der Rerchsllmde im Sinne einer Annäherung an die bundesstaatlichen Versagungen weiter betrieben werde, und daß er sich diescrhalb mit tant>er- Kündeten Regierungen in Verbindung gesetzt habe In der Zwischen- zeit sind die Arbeiten unter Zugrundelegung fester Ziele weiter gefördert worden. Der Kritik der Oeffcntli Lebb. Zust. links.) Wir wären in der Finanzreform erheblich weiter, wenn wir nicht auf Schritt und Tritt mit solchen partikularistischcn Einwendungen ausgehalten worden wären. Unsere Schuld ist eS nicht, daß wir in den Verhandlungen nicht rascher vorwärts gekommen sind. (Sehr richtig! links.) Wir habeii nach besten Kräften an der Finanzresorni mitzuwirken beschloßen und haben anerkannt, daß ohne erhebliche Erhöhung der indirekten Steuern eine gründlichere Reform der Finanzen nicht möglich ist. Diese Erklärung bedeutet ein großes Entgegen- kommen unsererseits. (Sehr wahr! links.) Das geschah aber nur in der Voraussetzung, daß ein Ausgleich geschaffen wird durch ausreichende Belastung deö Besitz"» und zwar durch eine allgemeine Besitzbesteueru n g. Wir freuen uns, daß dieS von den einzelnen Parteien der Linken, von den verbündeten Re- picrungen und besonder» von dem Abg. Baßermann anerkannt worden ist. Meine politischen Freunde werden daran unter allen Umständen fe ft holten, und wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden, werden mir unsere Zu st immnng zur Dl c i ch £ • sinanzreform nicht geben könne n. (Lebb. Zust. link». Aen'egnng.) DaS vorläufig angenommene Kompromiß war auch für uns leine Erfüllung unterer For* berungen und mir haben ihm nur mit dem ausdrücklichen Vorbehalt weiterer Entschließungen zugestimmt, vor ollem, um der Regierung Gelegenheit zu geben, zu den darin enthaltenen Gedanken Stellung zu nehmen Ich kann meiner besonderen Freude bnrülwr Ausdruck geben, daß noch der Erklärung des Abg. Bafsermann jetzt die große Mehrheit der nafionallibcralcu Partei bereit ist, für den Ausbau der Erbschaftssteuer im Reiche cinzu- trefen. Wir begrüßen dies um so mehr, als dadurch eine einheitliche F r o n t st e l l u n g aller liberalen Parteien geschaffen i st. ^Stürmischer Beifall der Freisinnigen und s : Nationalliberalen.- Dessen freuen mir nn im Interesse der Finnnzreform und im Interesse der weiteren politi schen Entwicklung in unserem Vaterland:. Erneuter Beifall bet den Liberalen.' Diese Genugtuung wird auch dadurch nicht beeinträchtigt, daß der ?n»g. Basferumnn sich gegen eine Aeußerung de» Kollegen Naumann gewandt bot. I ch Neste nicht an. a u S z u s p r e ch e ii. daß auch ich die Anschauung Nau- m a n n S über b i c Notwendigkeit und Möglichkeit * i n c r Mehrheit v o n Bebe! bis B a s s e r m u n n nicht teile. (Lebhafte Hört! Hörtl) Aber diese Divergenz der Auffassung über parteipolitische Zukunftsmusik ist 'klanglos gegenüber der Tatsache, daß von uns ollen und nicht zu. letzt von Naumann in her Gegenwart ein Zusa m m e n o. r b c i- teil aller ? ibc.ro len gewünscht wird. (Beifall linkst Meine politischen Freunde haben e» von Anfang an für nötig gehalten, in erster Linie für die Regierungsvorlage hinsichtlich der G r b f ch a f t << b e ft c u r r u n p einzutreten, weil wir davon überzeugt waren, das. auf diesem Wege eine Verständigung über die Belastung des Besitzes und über die Auswahl der direkten Steuern im Reiche möglich war. Ich hege nach dem bisherigen Verlauf der V e r h o n bIu n g c n über diese Frage bi c zuversichtliche Hoffnung, daß die Linke bei ber zweiten Abstimmung in der Kommission nicht mehr allein bleiben wirb. (Zustimmung links.) hoffe auch, daß ber weitere Verlauf der heutigen Beratungen Anlaß zu der Erwarnmg geben wirb, daß dieser Standpunkt sogar von Mitgliedern der Rechtsparteien unterstützt iverden wird. < Bravo! bei tat, Liberalen.) $ re. lieh, io i e ficb hie Deutsch v. onservat , ve n zu dieser Frage stellen werden, das müßen wir nach den Erklärung n beurteilen, die biPlKT von ihren Führern abgegeben worden sind. Im Herrenhaus bat Graf Mirbach am IS Marz ausgesprochen, daß die Nach aßsteuci im Reichstage eine res judicata fei. Es flehe ihr eine starke Majorität entgegen, in welcher die deutsch konservative hört! link» 1 Nun .ch meine, von diesem roch« r de bronce ist bereit« manches ot ut r [ch Sehr richtig! ImL - Ich gebe die Hoffnung nicht auf. da- ruck in der konservativen Partei die Mehr- als eine überaus schädliche wiederum für uns eine glückliche Erfahrung, daß der Bund der Landwirte gerade gegen diese Forderungen mit aller- Schärfe | ^ist. wurde nicht nur von unserer Partei zu^ickgewiehn, son- §^ll"ng genommen bat. t) rhr.v ^angenheimhatim ... wenige Stimmen dafür ausgesprochen. und M. H.. c» ist nickst mäht, daß mir fle« gäbe der Zukunft. (Mik erhobener I einer Rede de» Wi t haben orm m 11 , dann Jefrr würde 1111 (6 e n ganzen Busch in bezug auf die November tage auSgeführt, daß die Ereignisse. die im November im Reichstag sich abgespielt haben, allen vatriotifchcn und rohalistisch denkenden Mannern dak Scham. aber ebenso eine von vielen geteilte Meinuua dahin, daß eine Steuer auf den Besitz unter allen Umstünden z u st a n b e Io in m e n m u ß. Unser ganzes Verhalten bat nun deutlich gezeigt, daß wir alle Wege zu gehen bereit sind, um einen Ausgleich zwischen den widerstrebenden Ansichten zu ermöglichen. Das Gesetz über die N a ch l a ß st c ri e r, das uns vorgelegt war- wir wollen die ganze R c i ch s f i n a n z . , . dem Zentrum machen. Davon ist nie die Rede flcrcefe,L Wir haben nur gc-agt, wir müßen die Masortät finden, mit ir«em rind wo wir sie fanden. (Schallendes Gelachter links.'» Ich kamt nur sagen — unb damit will ich schließen —: das Vaterland geht uns nicht bloß über bie Partei, das Vaterland geht u u • auch über d i c Parteikonstellation. (Lebhafter fall rechts-, Lachen links.) sagt haben, mir wollen den Block sprengen. Stimme): E S i st nicht wahr, daß wir (ein großer mung links - | Leistungen ''S ber Linken fjat mehrere i n b i r e 11 e 2 t eietn ! a limine abge 1 ehnt Ich erinnere an die Inseraten«. «« bie Elektrizitäts-, an bie Weir.steuer. Ich könnte vielleicht ' r« । Liste noch verlängern. Es sind also unter den 400 Millionen t« direkter Steuern drei große Steuern, aus bie bie Regierunz den Haupt wert gelegt hat, abgelehnt worden. Nach langen Verband- | lnngen ist in ber Finan-lommißion bezüglich der Brau steuer eine Vereinbarung in erster Linie zustande gekommen, bie uni nicht ' gefällt. J • Wir haben aber diesem Gesetzentwurf in der ersten Lc'uug der Kommission zrizustiminen geglaubt, weil mit beteil iv ’.u • , Konzessionen zu nmdien. Es ist c:nc ganz ungerechtfertigte falfme Darstellung und eine Darstellung, bie zur Legendenbildung f.ihren ■ schließlich sich tat der Bronntweinsfeuervorloge herauf.stellt ! hätte. Sehr richtig recht».) Ich bin mdit in der Lag«, aus l vertraulichen Verl andlungen hier a rSfubrliche Mitteilungen zu machen. Die Herren, an welche ick die Worte richte, wißen abe’ ganz genau, baß, bevor bie Uneinigkeit und bie Mißhclligkcilcn bei der Bräunt wein steuer in ber vertraulichen Verhandlung zu- ! tage traten, die Frage an sie gerichtet würbe, ob sie Garantien bofür geben, baß die Tabaksteuer in dem Umfange der Reaienrngs- Vorlage Aussicht nur Annahme habe. Die Herren nmacr nck selbst sagen, was sie barouf gcantreorl« i hatan ।von! Hört. reckts.) Details kann ich hier nickt erzählen. Hier ist die Grenze der Vertraulichkeit Was die Branntwein steuer anliogt. so "nd wir allerdings her Meinung, daß die Branntweinsteuer nicht nach einem derartigen schematischen roktrinarismu». welchen wir auf ber Linken gefunden haben reguliert wetden kann. Wir sind her Meinung, daß die Branntweinsteuer nur in ber Weise reguliert worden kann, baß die großen Interessen he» Offen», btr Branntwein Produzenten gewahrt inerben. (Härt! Höri! link».' Hierfür einen Modul zu finden, ist der Gegenstand unserer B«' inühungen gewesen. Der Modul ist nicht gefunden worden im Verein mit den Parteien, dav ist nun bieAuf- zesorochen, und deshalb ist es bald i n b e r V « r f e n f u n g verschwunden. (Widerspruch links.) WaS an beßen Stelle treten soll. barütar will ich mich beute nicht audsprecken. (Hört, hörtl li- ls.) W i r haben bas Recht, zu verlangen, baß bie Hegte» rungen mit ihren Vorschlägen hervor treten. ?leue Steuern vorzu'chlagen. ist nickt «acke dec Parteien Die hundert Millionen Bcjitzsteuer, die kommen muß. hoben wir verweigert, weil wir geglaubt haben, daß sie am bcutii von den Ein« zelstaaten oufgebrad*. ivcrbcn kann. Ick frag: Sic, wie haben fick die Parteien zu den Vorschlägen verhalten'!' Ein Teil gerade von S r a r en Proickma immerhin dock erspruck besteht. (Lebhaft'- Zitftim* haste Zustimmung links.) Unter dieser Rücksichtslosigkeit leidet zweifellos auch das Zustandekommen einer gesunden RcichSfinanz- rcsorm. Die vom Bunde der Landwirte beschloßene Resolution zur Roichsfinanzreform beginnt mit der Erklärung, daß die Re- form eilte nationale Notwendigkeit sei. Sie schließt aber mit der entschiedenen Ablehnung aller direkten NetchSsteuern. int besondere der vorgeschlagenen Nachlaß- unb Erbschaftssteuer. Diese Resolution kennzeichnet die agrarische Haltung so recht: Hinter tönenden oatriotischen Wendungen ver- steckt sich Abneigung, selbst Opfer zu bringen. (Lebb. Beifall links.) Andere Forderungen, die wir im Zu- fainmcnhange mit der Reichsfinanzreform erbeben, finden ebenfalls Widerstand auf der rechten Seite. Wir haben hier aus- gesprochen, daß gleichzeitig mit her Finanzrefornt auch der Ank bau der verfassungsmäßigen Einrichtungen erfolgen müße, daß konstitutionelle Garantien geschaffen werden sollten. Da ist es steuer bezahlen. Wenn ein Schiff vorn Siapcl gellsten irir ist nationaler Festtai. aber kann muß auch gezahlt werden, gut! bei den Sozialdemokraten - Das Flotte. aulcmpo gefübl, ein Gefühl des Zornes durch die Adern getrieben haben. (Hört' Hörtl links.) Ich finde diese Wendung um so auffälliger, als doch auch die Vertreter der Rechten in ber Beurteilung jener Vorgänge mit den andern Parteien des Reichstags einig 1 gewesen sind. (Hört! Hört! bei den Freis.) Die Zensur, die schätzen wollen. D i e sichtSlosigkeit „ _ Ohol-Rufe und Unruhe rechts, di« mit lebhasten Gegenrusen von der Linken beantwortet werden) — erinnern Sie sich doch ber Verhandlungen im Zirkus Busch! Dort ist eine Fülle von Aeuße- rungen von den extremen Vertretern deS Bundes ber Landwirte gefallen, die auf unserer Seit« Helle Entrüstung haben wachrufen müssen. (Lebhafte Zustimmung links.) Wir nehmen einzelne scharfe Aeußemngen von dort nicht au ernst. Wir wißen ja, baß im Zirkus Busch mitunter Wendungen gebraucht werden, die den betreffenden Rednern die Berechtigung zur Ehrenmitgliedschaft im Hagener Seehundsklub geben mürben. (Große Heiterkeit.) Die diesjährigen Verhandlungen im Zirkus Busch haben an Einseitigkeit der Forderung und an Aufstachelung dec Begehrlichkeit und der Selbstzucht an Heraus« fcrderung der nichtagrarischen Kreise unserer Bevölkerung noch ihre Vorgänger in den Schatten gestellt. (Lebhafte Zustimmung links.) Es ist früher einmal auSgeführt worben, baß bas Wort Agrarier ein Ehreiiname fei, so werde jeder genannt, der eine gute Sache mit dem erforderlichen Nachdruck verfechte. Ich bestreite nicht, daß bie Neigung, einseitige Interessen b e m Gemeinwohl voranzustcllen, in unserem Vaterlanbe zugenommen bat (Sehr richtig! links), nicht zuletzt dank der Tätigkeit des Bundes der Landwirte. (Zustimmung links.) Daö ist aber kein Ruhmes,zeugnis, sondern die einseitige Verfolgung selbstsüchtiger Interessen ist ein Krebsschaden für ii n ' e r e innere politische Entwicklung. (Leb- Auck in der Beurteilung arh Werh'ckäoi'n.f der Fürsten Bulow in der answ inigen Politik ist dieser I Abg. Frhr v. Richtbofen (Kons.): Fch bin der Meinung, daß imgegenwärtigenAugcn« blick nichts ScklimmcreS getan werden lann, als U n » frieden zu stiften. Ick geit.-bc offen, daß cS mir unser- itänblid* ist. wie der Abg. Wiemer in demselben Are n ffjr bei, B!sck cinireten unb bann solche Vorwürfe gegen die einzelnen Paneien des Blocks rickien kann. (Sehr wahr! red’ifl.) Senn er davon gesprochen bat, daß er sich Reserve auferlegen wolle, io Habe ich davon nicht» gemerkt. (Lebbaste Zustimmung rechts.) ‘Soiher Hat 3bg. Baßermann eine lange Lobrede auf den Block fle’ur.gen. ich will keine Lobrede Halten, aber wenn einmal die Geschickte de» Blocks geschrieben werden wird, bann wirb c5 sich zeigen, ob mehr von Konzessionen ber Rechten ober ber Linken zu sprechen fein wird. (Sehr wahr! rechts.) Ich muß von vornherein betonen, baßmeineParteinachwievordie Reichsfinanz, reform in jeder Weise fördern will. Str erblicken nach wie vor darin eine unaoweiSliche Forderung zur unumgäng» lich notwendigen Sanierung ber Finanzen unb em Postulat ber nationalen Würbe. W i r werden nicht zögern, an ber Finanzreform weiter mitzu« arbeiten, wenn eß uns auch vielleicht schwer gemacht n-:rb. Ich muß die Vonoür'e zurückweisen, bie offenbar auch auf uni fallen sollen, als ob wir an ber Verzögerung schuldig wären. Sir sind im Gegenteil bei allen Gelegenheiten für bie Beschleunßnma eingetreten unb haben nichts getan, waS irgenbwie jenen Vocwurf rechtfertigen konnte. UnS liegt nichts mehr im Sinne, als eint Versumpfung zu verhindern. Fch gebe gern zu, daß zwischen den Parteien deS Hauses schwere Gegensätze vorhanden sind, di« bei den Beratungen ber Finanzreform zum Ausdruck konnncn und hoffentlich zum Ausgleich gelangen werden. Aber cß ist ein u.'de. rechtigter Vorwurf, baß wir bisher mit Konzeßtonen zurückge'g.iiien haben, ^tif) erinnere an das Bentzsteuerkompromiß, dem auch wir nur mit Vorbehalt wie die anderen Parteien -jigetrimmt "a.iben. Ich will nur daran erinnern, daß gerade ein ‘ bgeordneicr ber Linken, Herr Dr. Müller Meiningen, den Satz geschrieben l at. daß der Grundgedanke des Kompromißes in der Richtung liberaler Forderungen liege. (Sehr wahr! recht».) ES ist also uiigerchi« fertigt, zu behai.vten. daß wir nickt zu Monjcnioncn bereit i.nd. Die gan-e Reichsfinanzreform gehl darauf hinaus, daß ein Fünfte! durch die Besihstcuer, vier Fünftel durch inbireite Steuern gc. dt werden. Sa» die BesiHsteuern anbelangt, so herrscht in diesem Hause — ich will nickt sagen, Einmütigkeit, .ver doch eine große Mehrbeit dahin, baß direkte Reichs« steuern unter feinen llmpänben occepticrt loerben können. (Lebhafte Zustimmimg rechts.) E» 'ebt stimmung.) Aber wie die Dinge liegen, müßen wir doch mit der Tatsache rechnen, daß heute der Bund der Landwirte aus die Haltung der Dcutschkonservativen Partei bestimmenden Einfluß auSübt (Sehr wahr! link») unb bah die Führer des Bundes der Landwirte, die Herren Dr. Hahn, Dr. Rocsicke. v. Oldenburg, die Mitglieder der Deutschlonservativen Reichspartei sind, auch ihre Anschauungen, die sie öffentlich kund gegeben haben, innerhalb ber Fraktion zur Geltung zu bringen verstehen. Daher muß ich sagen, wir können diese Agitation ber Agrarier braußen im Santa nickt aus dem Auge laßen, wenn wir die Chancen der Reicköfinonzreform richtig ein- anze Kurzsichtigkeit unb Rück, er Agrar-Demagogie (Lebhafte ......... ":n tf-cgenrufen von Abg. Dr. David i Soz.): AuS ber Reform taf Finanzrlende« ist da» Elend der Finanz» reform geworde, 'Heiterkeit.) E» kommt mir so vor. all ob mancher mehr ar teigenen Finanzen den 11 alo an die tTinan.y* tc5 Reiche« (Sehr gut! l.nkS ES soll gespart werde«, nur mckst b:im Militär und der Marin Nun weiß doch ictar daß da» Firanzelend nur auf da» unsin igc Wettrüsten zurückzusuhren ist (sebr gut! bei den Sozialdemokratcr Die pkfosten für militärisch: Zwecke sollte man auf bie harten So allem legen. ?«btt Mann mit über 100000 Mark sollte eine mtylidih bete 7 (otire* __ .. Ich weiß nicht, ob dieser Gegensatz auf zwiespältige Meinungen im Zentrum schließen läßt, ober ob er auf tan Umstand zurückzuführen ist, daß sich inzwischen die Aussichten für da« Zentrum ge- ' I ' »jeder in die Stellung als regierende Partei em» nationalen Einheit, Ausbau ber p o Freiheit. Hebung der Wohlfahrt de» Volkes. (Lebhafter Beifall links.) Frhr. v. Wangenheiin dem Reichstage da erteilt bat, kann uns kühl laßen. Jedenfalls wird das bei der Linken dec Fall sein. Die monarchische Gesinnung im Volke ist nicht geschädigt, sondern gefördert worden. H c r r v o n Oldenburg bnt unS nun einen Kampf auf Leben und Tod angekündigt. Er hat den Kaßandraruf auSgestoßen, daß. loenn die preußische Verfassung bricht, dann auch der Damm bricht, der das ruhige Arbeiten ber Staa«:maschine garantiert. Damit will er eine Wahl- reform verhindern Diese Aussprüche find bezeichnend für die Agitation, die außerhalb des HaufeS getrieben wird gegen alles, was wir als Fortschritte her langen. Durch bie letzten Vorgänge sind die Voraus- setzungen für die Mitwirkung der 5 i n I 6 liberalen an der Blockpolitik geschwunden. Die Ab- stimmung in der Steuerpolitik über die Bräunt- mcinliebesgaben bat volle Klarheit geschaffen. (Zustimmung links.) Die Erklärung des Abg. von Norman« bat bekundet, daß die konservativen jetzt gctvillt sind, die Blockpolitik aufzugeben und die F i n a n z r e f o r m mit dem Zentrum zu machen. Die ..Konserpative Korrespondenz" hat zur Erklärung dieses Verhallens auf die einseitige Vorherrschaft der Freisinnigen huigewie- )'cn. Wir haben niemals geleugnet, daß mir bei unserer Mitwir kling an der Blockvolitik Fortschritte in der Richtung unserer Anschauungen durchsetzen wollen, unb cS erfüllt uns mit Genugtuung, daß wir manches in dieser Beziehung erreicht haben. (Zu- ruf rechts Ra also!) Aber von einer einseitigen Vor Herrschaft bei Freisinnigen kann dock wahrlich nickt gesprochen werben (Zustimmung link-), abgesehen davon, daß wir nur Zugeständnisse verlangen, die nach unserer Ueberzeugung dem StaatSinlercsse dienen. (Beifall (inIß, Gelächter rechts.) Die konservative Partei die seil Jahrzehnten im Besitz der Macht ist. i und die e • verstanden hat, die Regierung und die Gesetzgebung unter ihre Herrschaft zu bringen, sollte am wenigsten solche Vor würfe erheben. > Beifall links, Lachen rechts.) Durch ihre fast unbeschränkt« Machtstellung in Preußen bat sic auch maßgebenden Einfluß auf den Gang ber ReichSgesckäfte. Daß keine einseitige Vorherrschaft der Freisinnigen besteht, daö bat beute erst ein hin* l iger Tbcbauer ausgesprochen, dem dock) Kenntnis der Personen und der Verhältnisse nicht abgesprochen werden kann Freiherr von Zedlitz im „Tag". Er hat offen erklärt, daß für den Block besonders gefährlich ist ha5 in der konservativen Fraktion sich mehr unb mehr steigernde Herrschgelüste. Er spricht von einer krankhaften Eifersucht der konservatwen Parteien gegenüber anderen Parteien. Ick finta. daß er mit dieser Bezeichnung nicht unrecht bat, unb ick bedauere, daß dies« Haltung ber konservativen Parteien den linkSlibcralen Parteien die Mitwirkung an dem Zustandekommen ber Reichsfinanzreform f o au ßerordentlich er» I s ch w e r t. Dir re erben ruhig die weitere Entwicklung der Dinge I abwartcn. Wir fragen habet auch nicht. Was wird di« Regierung tun? SoS wird Fürst Bülow beim Scheitern der Blockpolitik tun, od.r ob er seinen Frieden mit dem Zentrum machen wird, oder ob er aus dem Amte scheiden wird? Dr. Hahn bat in einer Versammlung in Eleve auc-gcführt. daß für den Fürsten Bülow keinerlei Anlaß vorliegt, die Finanzrefornt nicht zu mneben, wenn da» Zentrum habet beteiligt ist Es wird Sache taß Fürsten Bülow fein, diese Frag« zu beantworten. Ich glaub«, die Antwort hmn ihm nicht schwer fallen nach der jetzigen Haltung der Zentrumspartei. wobei ich freilich hervorbeben möchte, daß zwischen den Ausführungen de» F r t- r n. d. Her11ina und heit gegen di« Nachlaßsteucr sich schließlich in eine Minderheit ver- Widerspruch vorhanden, wandeln wird. Freilich, her Bund der Landwirte ----* — ’*•“ "" * setzt den Kampf gegen bie Nachlaßsteucr mit allen Mitteln einer skr upellof-n Agitation fort Diese Tätigkeit deS extremen Agrari er tu ms muß ich gerade bei der Finanzref iflfeit inzwischen t '' ?“ Sa^eXne 3-h.m.nmd Im!.. Unräte im Zentrum.) ii^nen1 "i'btefü äuftimmü^Thifä.) Ich w°iß s-te w°dl. bafc Sir werden di< w-i lett C ntmicklung mi t 'ütl.' v- f.wtjrivitii 'Uarf«« (.x x 'n hiiii^rf wii f b/m ^Aiinh h(*r ® Cidf|CtipClt 0 u Ö Q t t C tl. ir tVCröCll Ct|t 5^ Ä un n «Äii“ ete »i.k fmV ™* unter« fl.fer» te,m..tre.n. und werte.. UN. tetei nur eanoiunic, uiiu vup uuw u. - .. h , . m u n h e a >, r von allgemeinen Jntercnen leiten lassen. St« einen rocher de erbaut sind (Hört hort' Zu! bronce wirb aber immer bie Forderung beheben bleiben, die an MontB.rte nutzt gerate «baut sind. («ort. Dort. IP** bn unfne« Uartritttogranund (teilt: I0efefttquna 6er