rftes Blatt Freitag Ä4. Dezember 1909 159. Jahrgang (Dienstag und Irena«); zweimal monatl. Land» wirtschaftliche Seitfragen sterniprech • Anschlüsse: für die Redaktion 113, Verlag u. Expedition öl Adresse für Deoeichenr Anzeiger Gießen. erscheint täglich. Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich riebenerZamllienblätter; zweimal wöchentl.rlrei»' blaNsürdenXreizSlehe, lehenerAnzeigerW tXJr ä -MX w vottnschen reit. August General-Anzeiger für Oberhessen WW bi« oomuSn9"iib" Hotadensbrutf and Verlag dervrLHI'ichen Unw.-Vuch- unö Steiwöruderei 8. lange. Rebaltion, Irptbttion und Druderet: Lchnlstr-Le Anzeigenteil: $>. Beck. Die heutige Nummer umfahr 14 Seiten. weihnaehtrbotschast. Gießen, 24. De^. F>eierliche Klänge umrauschen uns, und das heilige Wort soll wieder zu uns sprechen. Die alten, ehrwürdigen Kräfte siegen wieder über den Alltag, und vor ihrem Zauber »erstummt auch der Zweifler. Weihnachten ist in den deutschen Landen ein Fest des Friedens, stiller Einkehr in das Land des Glaubens geblieben. Lichterglanz und Märchen - vonne, Glockenklang und Menschenliebe umschmeicheln uns, imb in der heiligen Stunde scheint das Böse und Gemeine in der Menschheit überwältigt und das Volk der Dichter und Denker seines Ruhmes würdig geblieben zu sein. Das Jahr Ivar aber mißtönend und hart, seit zum letzten Male die Weihnachtsglocken erklungen waren. Zwar hat des Menschen Heist sich die Lüfte erobert, und neue Zukunftsbilder haben lich plötzlich dem staunenden Auge gezeigt; aber innerlich konnte sich die Seele nicht zu jenen lichten Höhen empor- Ichwingen, wo Friede und Liebe wohnen. Von der Parteien Haß zerrissen war unser Vaterland. Das Volk hat zwar vielleicht eine neue Stufe politischer Fortbildung erklommen, aber sie ist nicht danach geschaffen, um freudig darauf zu »erharren. Demagogentum und Hetzereien haben die Massen hingerissen und ihnen das Bild der Wahrheit, wahren und puten Strebens und Hoffens verschleiert! Die Führer haben wersagt und verbannt, was sie gestern gepriesen hatten, haben die Grundslützen erschüttert, auf denen allein wir das Ziel erreichen können: ruhige Stetigkeit und Freudigkeit im Schaffen! Wir sollen nicht nur für die ungewisse Zukunft sorgen und uns rühren, sondern auch fürs lebendige Heute! Denn heute die mahnenden Hande des Heilandes sich wieder über uns erheben, so segnen sie ein unruhevolles, scheues Geschlecht. Es fehlt ihm der edle stoische Gedanke, der tn.uf) die christliche Liebe stärkt, und in die Seligpreisungen Christi könnten auch Seneca, der vornehme, stolze Römer, und Kant, der erhabene deutsche Denker, ihre wohltuende Sprache mischen. „Gleichmütigkeit ist das Selbstgefühl einer gesunden Seele", sagt der männliche, ernste Königsberger, und auch der Römer preist die Gleichgültigkeit gegen das Schicksal, durch die man allein zur Freiheit sich durchringen könne, zu „jener Ruhe und Erhabenheit der Seele, die einen höheren Standpunkt gefunden hat, die zu fürchten »erlernt hat, und die aus der Erkenntnis der Wahrheit eine hohe und ungestörte Freude gewinnt, eine stete Freundlichkeit und Heiterkeit des Genrütes, daran sie sich erfreut, wicht als an Gütern, sondern als an Früchten ihres eigenen Christnachtglocken. Heil'ger Liebe fromme Glocken Klingen in die Nacht hinaus, Sel'ge Botschaft voll Frohlocken Läuten sie in Herz und Haus. 2Tltt verheißungsvollem IHunbe Schwebend über Stadt und Feld, Weithin hallend in der Runde, Grüßen sie „das heil der Welt l" Durch Millionen Menschenherzen Flutet neu des Glaubens Strom Und im Flammenglanz der Kerzen Wird die Hütte selbst zum Dom. Seelen, ihr, von Not durchdrungen, Don der Schmerzen Sturm durchtost, hört! Die gottgeweihten Zungen Künden euch des Himmels Trost. Luch auch, die im Strom des Lebens Gott verloren unbewußt, Die das heil ihr sucht vergebens Zn der Erde Lärm und Lust. Luch, die auf verwehtem Pfade 3br verirrt geht und verwaist, Luch auch schallt der Ruf der Gnade, Die den Retter euch verheißt. Drum, wenn Feierglocken klingen Durch die heilig-hehre Nacht, Laßt die Herzen euch durchdringen Don der Liebe Zaubermacht! Kommt ihr, die im Weltgetriebe Wandert ohne Rast und Ruh, Faßt die starke Hand der Liebe, Die euch führt der Heimat zu! „heimwärts, heimwärts!" ja so rufen Uns der Lhristnacht Glocken zu, Zu des Vaterhauses Stufen Zu dem Hafen wahrer Ruh. 3a, es winkt dir schon hienieden Line Heimat süßer Rast, Wenn den Thrift mit seinem Frieden Ausgenommen du als Gast. Nidda. Koemheld. Lck-atzcs." Welch anderer Freiheitsbegriff als beriemgc unserer Doktrinäre! Gleichgültigkeit gegen das Schicksal, das heißt: Das Bestehende, wie es auch immer sei, zufrieden hinzunehmen. Selbstverständlich soll damit der Lauf der Welt und Politik nicht stille stehen; man soll nur bei allem Streben auch einer ruhevollen Gegenwart ihr Reck)t lassen. Die Friedfertigen, die Sanftmütigen, die geisttg arm, die reinen Herzens sind, alle, die vom Heiland selig Gepriesenen, sind keine unfreien Vielgeschäftigen, sind in unserer raschlebigen Zeit nur sehr vereinzelt zu finden Und sind wir damit auf dem gerade heute vielgelobten Wege zum allgemeinen und einigen Weltfrieden? Im Balkan ist der Lärm der Waffen endlich verklungen, aber jeder Tag bringt neuen Unfrieden. Die heißblütigen Mischlinge der zentralamerikanischen Republik Nicaragua machen es nick)t besser als die gesitteten Europäer. Jenes Land mit den fünf Bergen und dem Freiheitspfahl im Wappen kommt von der Revolution und vom Bürgerkriege nicht los. Die letzte Fehde mit der Nachbarrepublik Honduras liegt noch nicht weit zurück, und schon wieder ist dort der Krieg entfesselt. Regierungstruppen und Revolutionäre lieferten eine blutige Schlacht, aus der die Revolutionäre als Sieger hervorgingen. Das war erst am letzten Dienstag, über 1000 Mann sind gefallen oder verwundet, und die Kirchen sind in Hospitäler verwandelt. Die Aufrührer sollen jetzt im Vor- marsch gegen die Hauptstadt Managua sein, um den Präsidenten zu stürzen. Ein Geschehnis, das in die Weihnachtszeit schlecht paßt. Aber der umstürzlerische Geist hat noch andere Schreckens- taten geboren und ist nicht nur in Haiti oder Nicaragua wohnhaft. Nicht weniger als drei politische Morde haben die zum Friedensfeste sich rüstende gesittete Welt mit Abscheu erfüllte Auf dem koreanischen Kampfboden wurde, nachdem dort erst vor einigen Wochen Fürst Ito einem Mörder zum Opfer gefallen ist, der Ministerpräsident Yi von einem zwanzigjährigen Koreaner erstochen! Auflehnung gegen das japanische Joch war , auch hier die Triebfeder zu der in ihrer Wirkung doch ohnmächtigen Tat. Sie berührt immerhin bei weitem nicht so abscheulich und erbärmlich, wie die Mordversuche gegen den russischen Obersten Karpow in Petersburg, der als Chef der politischen Polizei durch eine Höllenmaschine verblutete, und den rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu, der glücklicherweise bei dem anarchistischen Verbrechen mit ungefährlichen Verletzungen davon- lam. Beide Taten entspringen revolutionären Rachegefühlen, sind nicht weniger hart strafbar als gemeiner Meuchelmord. Wie nähe beieinander wohnen Haß und Verbrechen, — Di« Grv ßherzog in hat den Ehren schütz über den Bund zur Ehrung rheinländischer Dichter übernommen. Der Bund, her jetzt über 700 Mitglieder zählt und fortgesetzt zunimmt, hat dieser Tage als erstes Buch die Tragödie von Wilhelm Schmidtbonn „Dar Zorn des Achilles" an seine Mitglieder ausgegeben. — Der älteste Bruch eines menschlichen Röhrenknochens. Im Jahre 1902 wurden im Gebirge zwischen Trau und Save bei dem Marktflecken Kra- pina in einer Höhle menschliche Skelettreste und Artefakte Misgedeckt. Es handelt sich um die jetzt zu großer Berühmtheit gelangte Fundstelle von Menschenresten aus der älteren Diluvialzeit. Die Sichtung des Materials ergab ganz überraschende Resultate und ist namentlich, wie Tr. K. Jäger im neuesten Hefte der „Deutschen Zeitschrift für Chirurgie" (Verlag F. C. W. Vogel, Leipzig) mitteilt, ein Fund von besonderem Interesse für die Geschichte der prähistorischen Chirurgie. Es wurde ein rechtes Schlüsselbein des „Urmenschen" erhoben, das von einem jugendlichen Individuum stammt und an dem ein Knochenbruch nachzuweisen ist. Höchst bemerkenswert ist nun, daß bei Knocheribruch ausgezeichnet ohne Verkürzung wieder zusammenheilte. Jedenfalls haben wir in ihm den nachweisbar ältesten Bruch eines menschlichen Röhrenknochens vor uns, dessen Alter auf etwa 12 000 Jahre geschätzt wird. Hervorzuheben ist auch die Tatsache, das; die Schlüsselbeine aus Krapina von jenen der heutigen und bekannten fossilen Menschen sich durch ihre Schlankheit auszeichnen. — Das Kreuzkraut (Senecio vulgaris) ist ein Unkraut, das, wie unter den Vögeln der Sperling, überall vorkommt und fortkommt, auch da, wo es, wie die landläufige Redensart lautet, nichts zu suchen hat. Außerdem gehört es zu einer kleinen Anzahl bei uns heimischer Pflanzen, die, so kann man wohl sagen, das ganze Jahr hindurch blühen. Sie entschwinden den Blicken nur, wenn Schnee über sie fällt, blüyen aber unter dem Schnee fort, unö sowie durch ein paar milde Tage der Schnee weggeräumt wird, sind sie schon wieder da. Sechs solcher Pflanzen habe ich jetzt in der zweiten Hälfte des De ember- monats hier an der Ostseeiänre, wo ich meine Wohnung höbe, auf Wiesen, an Wegen und Rainen, auf Schutt, auf Waldboden und auf Gartenbeeten blühend gefunden. Es sind dies: das Gänseblümchen ober Maßlieb, von allen fechsen die hübscheste Blume, die kleine Brennessel, die mich jetzt noch bei der Berührung brennend weckt, die niedlich rot blühende kleine Taube Nessel, das bescheidene Hirten- täschelcraul, die zähe Bogelmiere und enolich das Kreuz- I kraut. Dieses letztere ist mir am allerhäufiFsben begegnet Dtilöe und Güte! Wie richtet es den im Kampfe ringenden Menschen auf, wenn er alljährlich die frohe Botschaft vernehmen darf: Der alte Gott lebt noch, „siehe, ich bin bei Euch alle Tage". Sind wir dann nicht alle fenen rauhen Hirten gleich, die auf stillem Felde dem Stern Bethlehems folgten und in stiller Ehrfurcht das Kind in der Krippe anbeteten? Milde und Güte sind auch Zierden der Starken, und wer das Wort heilig nicht mehr verehrt, dessen Hery ist tot, der mag die Glückseligkeit, nach der alle suchen, auch die kleinlichen und ungläubigen Kämpfer unserer Tage, nimmer finden. Es ist wahr, was in einem jetzt erschienenen literarhistorischen Werke bei der Betrachtung der schönen Briefe der Mutter Goethes gesagt wurde: wir müssen das achtzehnte Jahrhundert ftifi beneiden um seine lebensvollen, lebensmutigen und im guten Sinne frommen Menschen! Vorwärts schauen gilt es, aber auch zurück! Was nutze es, wenn ich die ganze Welt gewönne und nähme doch Sck;aden an meiner Seele? Die Erinnerung, die fr ruhige und stolze Erinnerung soll ein Hort menschlichen Glückes fein! Das mögen uns die Glocken heute läuten, die Kinderstimmen uns von neuem vorsingen, damit neue Hoffnung und Freudigkeit uns festigt zu neuem Schaffen! Ungebühr vor Gericht. Unsere hessische Zweite Kammer hat kürzlich ein- stimmig den Antrag angenommen, die Regierung möchte im Bundesrat für eine Revision des Gerichtsverfassung^ gesetzes dahin eintreten, daß her Beschwerde eines mit einer Ungebühr st rafe Belegten strafaufschiei benbe Wirkung zu komm en solle. Dieser Beschluß hat auch außerhalb Hessens Erstaunen erregt. Der Württembergische Landgerichtsrat von Wider schreibt hierzu in der „Deutschen Richterzeitung": Wohin sollen solche Beschränkungen der richterlichen Befugnis zur Verhängung von Ordnungsstrafen noch führen? Man vergegenwärtige sich den gar nicht selten vorkommenden : Ein Zeuge ober Beschuldigter unterbricht den verhörenden Richter in lärmender, ungebührlicher Weise und läßt von seinem die Fort* führung der Verhandlung erschwerenden oder gar unmöglich machenden Benehmen trotz wiederholter Mahnungen nicht ab, so daß im Interesse der Aufrechterhaltung der Autorität, des richts eine Ordnungsstrafe ausgesprochen und deren sofortiger Vollzug vom Gericht angeordnet werden muß. Da soll nach dem Willen der hessischen Abgeordnetenkammer:, der Bestrafte künftig die Befugnis haben, lächelnd dem Richter zu erwidern: ich erhebe Beschwerde, und damit die bei vermögenslosen und nicht seßhaften Personen allein angezeigte und nfirB- same Haftstrafe einfach illusorisch machen können, illusorisch, da fein Aufenthalt später, nach Verwerfung seiner Beschwerde durch die höhere Behörde, häufig sich wird nicht leicht ermitteln lassen. Ganz bezeichnenderweise ist dieser Beschluß auf Antrag der sozial- demokratisc^n Fraktion gefaßt worden, obgleich Staatsnumster Ewald erklärt hatte, in diesem Antrag sei ein ungerechtfertigter Vorwurf gegen die Gerichte enthalten, und in seiner langen Ge- richtspitaxis sei ihm fein Fall eines Mißbrauchs der angezogenen Bestimmungen bekannt geworden. «. Höchst merkwürdig und höchst bedauerlich ist und bleibt, daß Jedermann übrigens kennt es, es ist wie der Artname vulgaris sagt, „gemein", womit ja in der Pflanzenwelt und auch in mancher Wendung unserer Sprache durchaus nicht der Begriff der Verächtlichteit verbunden ist. Warum heißt es nun „Kreuzkraut"? Infolge eines Mißverständnisses, das sich aus dem lateinischen Namen senecio erklärt. Es ist ein Pflänzchen, das überaus rasch abblüht und Samen trägt. Kaum sind die anspruchslosen gelben Blüten abgewelkt, so hat sich schon ein grauweißes Federköpfchen, das die Samenkörner umfaßt, entwickelt. Deshalb ist dies Kräutlein — senex heißt auf deutsch der Greis — senecio, das Greiselein oder Grersenköpslein, genannt worden, und daraus ging der deutsche Name „Greiskraut" hervor. Aus „Greiskraut" ist dann im Volksmunde durch falsche Deutung, wie sie ja nicht allein bei Männern der Wissenschaft vorkommt, „Kreuzkraut" geworden Das Kreuzkraut ist ein außerordentlich häufiges Unkraut. Kein Garten ist vor ihm sicher, denn der Wind trägt seine befiederten Samenkörnchen über Zäune und Mauern und zu den Blumenkästen hinauf, die drei und vier Treppen hoch auf den Balkons der Großstadt stehen. So bereitet es den Gärtnern und Blumenfreunden manchen Verdruß, aber eine gute Seite hat es doch an sich: es ist ein Vogelfutter, bas von Hänflingen, Stieglitzen, Kanarienvögeln und andern in Käfige eingesperrten befiederten Hausgenossen begierig verzehrt wirb. Dieser Eigenschaft hat es zu verdanken, daß es, ursprünglich nur heimisch in Europa, von Auswanderern, die gern ihre Stubenvögel ins ferne Land mitnehmen, fast über die ganze bewohnte Erde verbreitet worden ist. Ich habe es auf Wanderungen in den wilden Wäldern Kanadas auch in den Hausgärtchen ganz einsam gelegener kleiner Farmen mit der Vogelmiere zusammen, dre gleichfalls ein beliebtes Vogelfuttertraut ist, angetroffen, und wenn man es an solchen Orten zu sehen bekommt, vergibt man ihm alles und kann es lieb gewinnen. Johannes Trojan. — Kleine Chronik ans Kunst und Wissenschaft Sudermanns „etranbtinber* würben von ben fönig- lichen Theatern in Wiesbaden und Kassel, dem Hoftheater m Stuttgart, ben Stabktheatern in Leivzig, Breslau, Stell,n, Lübeck erworben. — »Der Zimmerherr-, ein einaktiges Luülvicl von *Dlar Bayrhammer, bent beliebten Mitglieb be& Lchauipielbauses in Frankfurt a. M., würbe im borkigen „Quttnieit Theater* mit großem Bestall ausgenommen. — Sarah Bernhardt ist mit ihrem Sluck .ün coeard’homme* im Pariser The » tre deS Arts gründlich abgetanen. Trotz aller Bemühungen ihrer zahlreich erschienenen Freunde konnte bte lang- meilige und verworrene Komödie keinen Beifall finden. ttm rör^igtr Hbgeotbnettr ^etwrgehoben bot, et gäbe Fälle, in fcener eine Ctbiurnfl3ftrcfe zur Sicherung der ordnungsmäßig Kxntfübrinta der Bei Höhlung troy erhobener Beschwerde ohne heben Aufschub vollzogen werden muffe, und daß zur Verhütung 'etwaiger Mißgriffe eines Richter- die Zulässigkmt nachträglicher WeschwerdeerHebung vollkommen genüge Derrn auch bekanntlich da- zretbewußte Streben der Sozial- demokratie dahin geht, die richterliche und überhaupt die obrig- Zeitliche (Gewalt zur Ohnmacht zu verurteilen, so war es doch wohl nicht Aufgabe der doch auch au- konservativen Elementen bestehenden l>wuschen Abgeordnetenkammer, derlei Bestrebungen sei es bewußt oder aus Deltfremdheit unbewußt, durch eine joltbe einstimmige Abstimmung zu unterstützen. Die Thronrede der neuen Königs der Belgier. Ter neue König Albert scfaint nach seiner ausführlichen Thronrede ein sehr modern und liberal denkender Herrscher *u sein: Brüssel, 23. Tez. Prinz Albert verlieft heute vormittag um 10 Uhr Schloß Laeten, um seinen Einzug in dieHauptftadtzu halten. In der Uniform eines C4ene- ralillimus, umgeben von einem Regiment tyuibcn, begab er sich durch die Straßen der unteren S'adt nach dem Parlament. Vorau- fuhr von einer Leibes ä^ron eskcrti r seine Gemahlin. Beide wurden von einer überaus ^chl- reichen MenschenTnenge begeistert begrüßt Tie Stadt ist festlich geschmückt. In der Kammer waren die ausländischen Delegierten, f >mansche Korps, die gesamte sowie die hohen Iustizbcamten, Sena oren und Deputierten .versammelt Als die Königin Elisabeth mik ihren 'beiden Söhnen, den Prinzessinnen Stephanie un) Llem n- tine und der Gräfin von Flandern eintrat, wurde f.e stürmisch begrüßt mit: Bive la reine! Kurze Zeit darauf erschien König Albert mit den ausländischen Fürsten, -ebenfalls lebhaft und andauernd begrüßt. Ter König leistete daraus erst in französischer und sodann in vlämi- scher Sprache den Eid auf die Verfassung und verlas die Thronrede. Diese begann: In brm Augenblick, in dem ich die Mission übernehme, die die Verfassung mir übertragt, gedenke ich m erster Linie der Grirnocr der belgischen Unabhängig keit, jenes Kvn- aresses, der die fundamentalen Grundsätze dcs nationalen Leben- reftgeicgt hat und der Staatsmänner des Jahres 1830. Die Thron veoc gedenkt alsdann de- Gründers der Dynastie, Leopold L, der Wägten int Innern ßonfolibiert und im AuSlandc Achtung verschafft habe Lovpold IT., ihm man tctzt beweint, lrabe sich 7,ur Ausgabe gestellt, Belgien schöner und größer zu machen, eine Aufgabe, die er glänzend gelöst habe durch Schaffung der Kolonie öl Afrika, der er den Sieben gesichert, und die er für die Zivilisation geöffnet habe Leopold II. habe den Willen gehabt, die wirtschaftliche Zickunft des Landes auf eine solide Ban i zu stellen unb die Erfüllung dieser Ausgabe erleichterte ihm sein starker Wille. Ter König dankte dem Äuslmide für die Teilnahme an dem Tode König Lavpolds, die es durch Abordnungen beroiefen habe. Für Belgien sei der Augenblick gekommen, die sllotwendig. T-’iten der Zukunft ins Auge zu fassen, da seine Lntwickliuu? tu den letzten 25 Jahren die weitgehendste Hoffnung ferner Gründer überfliegen habe. Beknie n i ft glücklich und reich, aber der Reichtum schafft Pflichten de r Bölker gegenüber den Individuen Rur die intellektuelleir und moralischen Kräfte der Ration begründen ihr Glück Man müsse an den traditionellen Grurchsüyen und an den konstitutionellen Freiheiten der llnab» hängigkil festhalten und die öffentlichen Angelegenheiten mit Weisheit fördern. 5o erhalte das belgische Volk feine geheiligten Güter, die Generationen durch Arbeit geschaffen hatten, unversehrt Es sei eine friedliche, durch die Arbeit bet Wissenschaft «zielte Eroberung, wenn vlänrische und wallonische Künstler und Sckniftstelle' ihren Werken den Weg bahnen rönnen. Ter König sm ach alsdann über den Kon-oftaat, in dem die Wege zu einer Politik der Humanität und des Fortschrftts geebnet seien. Jedem Bolk, das von der ^Gerechtigkeit durchdrungen sei, bedeute du kolmrisatorische Mission eine Mission hoher Zivilisation. Lin kleines Land, da- sie fördere, zeige sich groß, und Belgien habe stets seine Versprechungen gehalten. Wenn er die Verpflichtung übernehme, daS Köngo-Pwgramm durchzuführen, habe niemand etn fRcdit, an feinem Worte zu zweifeln. Am Schluß der Thron, rede sagte her König: Jrd» habe eine klare Vorstellung von meiner Aufgabe Die Pflicht der Fürsten wird vom Gewissen bittiert, imb wenn >ie ihnen Urteile bietet, bann verpflichtet sie auch Ter Souverän muß über den Parteien sleheii, wachen über die nationale Mrait, hören auf die Stimme des Volkes, da- Schicksal brr Armen erleichtern, firn, der Herrscher muß der Diener be$ Rechts, der Er Halter des sozialen Frieden- fein Gott nu'ge mir hdlen, diese Mission zu enüllen. Ich werde stets bereit fein, du Bemühungen derer zu unterstützen, bte für die Größe des Vaterlandes «rrbeiten und vom Geiste toviirirr Einigkeit und sozmlen Fortschritts durchdrunsnn sind, bte das intellektuelle und moralische Niveau heben, den Unterridit und die Erziehung erweitern wollen, um den größeren Wohlstand der Natwn zu sichern. Ich liebe mein Vaterland: die Königin teilt diese Gefühle der Treue für Belgien. Wtr erfüllen mit diesem Geist unsere Kinder und wecken in ihnen btt Liebe zum Heimatlichen 'Aibcn, zur Familie, zur Arbeit und zum Guten. Tnele e ugenden machen die Nationen stark. — Der König dankte cSSdann für bte Aufnahme und für das Vertrauen, dessen er sich würdig *1-1 gen wolle und erklärte, daß er mft öem Erd aus die Verfassung vor sich und vor dem Lande bte Verpflichtung über nrtmtt, scmc Pslicknoi aufs aewissenhastestr zu erfüllen, ferne Kräfte, sein Leben dem Vaterland zu weihen. Als der König und die Königin das Parlament verließen, ertönten stürmische Hochrufe, die sich auf der Strafte bis Rum Palais fortsctzten. Das Königspaar empfing uni 3 Uhr nachmittags ün Stadtschloß die Deputationen der Deputier- tenkam mer und des Senat- unter der Führung ihrer Präsidenten In der "Adresse der Kammer wird gesagt, das Dol^ lxrbe Zutrauen zu König Albert, daß er, treu feinem Schwure, an den nationalen Institutionen und Ucbcrliefcrungen feftbaltcn werde, um den Frieden zu et- balten. In der Adresse des Senats wird der Verdienste ÄDttig Leopolds gedacht unter ausdrücklicher Betonung bcS den Belgien aus der Küngokolonie ziehen Lrnne Deide Adressen bearußen die Königin Elisabeth als treue Mitarbeiterin des Königs, die dem Volke das Beispiel einer mustergültigen, edlen Frau gebe. Die (Erfolge Zrankreichz. Aus den gestrigen Verhandlungen in der französischen Kammer Jarni man fo recht erkennen, wie ge'ckxckl oder ungeschickt unsere »arltner Diplomatie mit der angeblichen dcutsch-ftanzöi ischen An- Näherung otxuicrt haben! ~>3 Kammer beriet heute das Budget 'JxunfnrrtumS dcs Aeußern unb bic dazu eingebrachten An- fragni Mil 1 evove ^.'anonalist^ fragte über bic Be - 6tebungen Fra,ikrctchs ju den übrigen Mächten unb iprad' von bet Bemühungen, eine Annäherung zwischen § " 1 ’ * J * ” d u n d Fr cntwid) frctdcizuführen. T roybem ^TC ,OTt- sich die Vermehrung seiner Armee unb inner -.Vanne angelegen sein zu lassen Frankreich müffe das Gleiche tun: um den eurpixiildien Pangermanismus bic Spitze ui bictai. habe Frankreich kein anderes Mittel, als innen Bü n d n i > i cn t re u zu blciben Ter fHexmcr iptad) sich v «inn gegen die Zula ' sung deutscher Werte auf dem ito n »o 11 Ich e n Markte aus und warnte vor allzu großer ratonjicllcr Duldsamkeit Deutschland gegenüber. Die eine Gerbr Tur bat uneben lei. Zu ber ftaiitoiisch-iialiennchen Entente wnnc Frankreich sich beglückwünschen. Italien könne sich, aus box Dreibünde nicht Mtrücktzwhe», ohne dar Frieden ber Seit zu gefährden, aber der Dreibund habe sich neuerlich gelockert. Frankreich könne sich zu («er augenblicklichen Lage beglückwüiuchm, ohne mehr zu verlangen Er beglückwünsche die Diplomatie, daß sie mit dem Zustandekommen der fran^fisch-eng.isch-ualienischen Entente unb zu der englisch-russischen Annäherung beigetragm habe. Frankreich un d E na - land hätten Rußland aroße Trenne geleistet, indem |ie ihm zur Mäßigung während Set Balkan krise geraten hätten. Frankreich habe in der Ballankrue eine versöhnende Politik ein- 6chaltcn, denn eS arbeite ntdi auf die Schwächung Le st erreich- ngarnS bin. Ter Redner schloß mit einem Lobe der ftanzösisch- rußtsche:'. Allianz und mit ber Billigung ber auswärtigen Politik der Regierung. T enyS-Eochin verlangte. bcf> die Regierung energisch in Marokko vorgebe. Frankreich müsse sich bemühen. ein dauerndes Gleichgewicht im Crient herzustellen. Lucien Hubert sprach feine Freude aus über das französisch-deutsche Einvernehmen und über die Abkommen Englands mit Frankreich und Italien- mit Rußland. Hierauf wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt. Paris, 23. Tetz. Im Senat wies bei ber Fortsetzung ber Beratung des Berner Uebercinfommcnd betreffend die Zugangsstraßen zum Simplon Minister MiUerandin Erwiderung auf bte Ausführung mehrerer Redner auf die nicht zu verfennenoen Vorteile des Heber einkommens hin TaS lieber» curtommen wurde sodann durch .Handaufheben angenommen. Ferner wurde eine Tagesordnung angenommen, in ber bte Regierung aufgeforbert wirb, Schritte »ur Verbesserung gewisser Linien zu tun, damit die franzcsi'chen Eisenbahnnetze in den Stand gesetzt sind, aegen die auswärtige tomfurrenj auftreten zu können Hieraus wurde die Sitzung geschlossen. Bern, 23. Tez. Der Ständet,a 1 genehmigte beute vormittag einstimmig die französisch-schweizerische Konvention über die Zufahrtslinien zumSimplon, nachdem die Konvention bereits von der fransci’ifdjen Kammer und dem schweizerischen Nationalrat angenommen worben war. Die Ernennung öes neuen ung. Minifterpräfidenlen Dien, 23. Tm. Kaiser Franz Josef designierte den gewesenen Finanzminister Ladislaus Lu kacs zum ungarii’chen Ministervräsidcnlen und ermüditigtc ihn, mit den politi'chcn 'Parteien zwecks Bildung eines neuen Kabinett- Vev- banblungen zu pflegen. Lukacs reifte heute nachmittag von Wien nach Lfenpcst. £ feit pc ft, 23. Tez. Bei der Ankunft dcs designierten Mi. nisterpräsidcnten Lukacs bemjiiftiertcn vor hem Bahnhöfe zahl reiche dort versammelte Sozialisten für daS allgemeine Wahlrecht und bereiteten Lukacs eine Coation. ?luch vor dem Älublotal ber Iusthpartei fanden ähnliche Lundgebungen ftatt Die griechische Kriie. Athen, 23. Tti. 10 Uhr abends. Wie e- heißt, foll im letzten Augenblick folgende Lösung der Krise gefundm worden fern: ber KciegSNikmister tritt zurück imd der Minister- Präsident Mavromichalis übernimmt interimistisch twr? Ministerium. Tie Kammer nimmt ihre Sitzungen wieder auf. Ter König bat du: Dekrete, durch die bic Obersten Zorvati'ch. Lmibritis, Sapund^ak.s und EonstanlinidiS zu Generalen be» fördert werden, unterzcrckrnet. Dcutfcbo Heidi. Der Kaiser nahm am Donnerstag vormittag im Neuen Palais die Borträge des EhefS des Gencralstabcs der Armee und des Kriegsministers entgegen. Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt: Tie beit kasierlichen Konfulurbchörden zu Kopenhagen, London, Pari- und Petersburg iugeteilten landwirtschaftlichen Sachverftänbigen werden für die Zeit der Tagung der großen landwirtschaftt»cl»en Körperschaften, insbesondere des Deutsch-M Landwirlfchafttat. s. im Februar 1910 nach Berlin berufen, um ihre Erfahr• ungen unb Beobachtungen durch Auskunfterteilung und Vorträge zur Kenntnis der Interessenten zu bringen, und Wünsche wegen der Beschaffung von Nachrichten und Auskunft enlg genzunehmeu. Die Interessenten, die sich mit den Sachverständigen in Verbindung setzen wollen, können sich schon letzt an baS Auswärtige Amt wenden. Dieses wird Wunsch" von Interessenten den Sachverständigen, für die sie bestimmt sind, übermitteln. Ausland. Aus Earn pden (New-Jersey) wird gemeldet: „U t ha", da- größte Kriegsschiff der Bereinigten Staaten, ift Donnerstag morgen vom Stapel gelaufen. Aus Bukareft meldet man: Das Befinden des M i- nifterpräf identen ift andauernd befriedigend. Ter König Earol stattete heute dem Verwundeten einen Besuch ab Ter Ausschuß der russischen ReichSdum a lehnte mit 18 gegen 6 Stimmen die Anftage der Kadetten aus Anlaß ber Ermordung des Obersten Karpow ab. Tie Anftage wurde für vollkommen unbegründet befunden. Au» Stadt und (and. Gießen, 24. Dezember 1909. Weihnachtsglocken. Nun kvNt...st du wieder, Tag der Freude, Mit deiner goldnen K^rzenpracht, Wo uns aus jedem Kinderauge Ein Strahl des Glücks entgegen lacht. Wo auch das härteste der Herzen Um eine stille Gnade fleht, Unb die Verkündigung der Liebe Als Engel durch die Lande geht! Bon allen Bildern, mit denen unsere Zeichner und Maler die hohen Feste zur Darstellung bringen, berühren unS die am tiefsten, die die fröhliche, selige und gnaden- bringende Dcilrnachtszeit betreffen. Gewöhnlich sehen wir ein anmutiges Duilerbild: Wiesen und Felder und verschneit, die Zäune haben tveiße Krusten, die Pfähle zierliche Häuschen und die Bäume tragen ebenfalls glänzenden 3dmmd. Besonders schwer aber liegt die weiße Fülle auf den breiten niedrigen Dächern der Hütten, die schläfrig mit ihren win.z gen erleuchteten Fenstern in die dämmrige Dinterlandsck^ift hinausblicken und von deren Rinnen lange Eiszapfen der niederhängen. Etwas abseits, auf einer An- k.öhe, steht das schnruac Kirchlein. Die hohen gotischen Fenster sind gvldhell erleuchtet und werfen einen matten schein auf die verschneiten Kreuze und Grüfte, die von einer schmalen Mauer umgeben sind Hier und da kommt in schwarzer Kleidung, das Gesangbuch ün Arme, ein Kirchgänger: meist sind cS einfache, biedere Dörfler, die des Ledens Unrast schon falb überwunden haben und die dem großen allgemeinen Feiertag mit gläubigen Augen cm- gegenschen. Senn man sich in ein solches Bild vertieft, crwackum immer wieder neue Siei,;e der Srumnung. Man fühlt den ganzen wunderbaren Zauber einer äyristnacht in sich erftehen. und cS ist einem, als lauten aus weiter Jörne die DeibnachtSglocken und a'.s schritte man nun selbst die schmalen Stufen hinan zum erleuchteten Kirchlein Während am Alla, zwei licht erbcteck.e Tannendäume glanzen, ftunmen die Gläubigen das at:e schlichte Weih nochtslied an: .^m Himmel hoch da komm itz her." Ta ist eS den Betern, «US schwebe durchs Kirchenschiff em freundlicher Engel, welcher der Menschheu verkündet: „Euch rst heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Sohn in der Stadt Davids. Ehre sei Gott in der gehe, und Friede auf Erden und den Menschen ein WotLgtfas)en - Aber noch andere Bilder drängen sich vor unsere Seele Dir blicken hinter die Gardinen eines Parr-.zierbauseS, nu Kinder jubelnd den mit Geschenken bedeckten Tisch umbupfa während Pater und Mutter stillselig lächelnd drrinb?ckcn wir sehen in die ärmliche Dachwohnung, wo ein ein a^tei Fräulein weiße Papiersternchen an die grünen Spitzen eine» bescheidenen Bäumchen- steckt, um ihrerseits ebenfalls h^v teiligen Abend zu feiern; wir schauen in die beute fo öden Raume eines Restaurant-, wo sich, in die Ecke y. druckt, ein Einsamer verlorener Zeiten erinnert; wir der» setzen uns auf einen Tampfer im Ozean, wo die Matro ev ihr „Stille Nacht, heilige Nacht" fingen. Die verschiß densten Bilder erstehen vor unseren Augen und füllen unsere Brust mit seltsam-frohen Gefühlen. So bringt iftt Weih, nachtsglocken denn bin zu allen denen, die mühselig unb beladen sind, denen die Schuld am Herzen nagte, und bentr. Heimat, Liebe, Glaube und Hoffnung verloren gingen alle find heute ;um Feste geladen und dürfen lalncbmen an der Feier, die uns Menschen veredelnd iu einander fuhrt und rin wunderbare- Hohelied der Lreoe bedeutet • ••lagelfalenber. Stabttheater: Lamsta v A. Tn ü. Bcihnad)i«*eiertaQ): .Tie Holen des Herrn von K’rfJoro* Anfang 7'/, Uhr. Sonntag, 26. Ter. (2. Feiertag) ‘Jlaitr-1124. Kindervorstellung: , ^ormßwen'. An'ana 3 , Uhr. tlNebl . nloitemnanÖDfr'. Anfang 7V. Ubr. Tlontag, 27. Tev, 110*. inntagS: KnidervorsteUnng . .'llwendrödett, Anfang 3‘, U^i; abenb-3 .Preciola', Anfang 7 , Uhr. Koloft en in. Heute keine Voiireklnna, Samstag (1. fttteTtea1 Nacknniitags 4 Uhr und abends 8 Uhr Vorstellungen in Lrul'.r (l'Oin 2. Feiertag ab täglich Aor'iellungen. (Prange Ponen- enfemble). Kinematogravb: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich VoriteUnng. Kaifcroa norama. Täglich Vorstellung (Starnberger €ng. Psarrsch lkel ju M ragen, tagen rouM 2lQe[§|l)oii|tn 1 tinannSljoin. ausseher am Schneider 1 irienschloß ur: I Marienschlof K vinzialamsthoi ■ is Großhri: | roderiksße 9h. 11 «is von der Six ■ Anis von der> ortgefegte fc ■ ilbliicr NcliÄ glaubl dieses M geeignete Riizl'- W ch unb narb iue ■ zu erhallen, bi-'B i einroirlen, ur- W igen auch iate-H So hat d:r « em aus versche'r W ing gestellt, mt v. BrW W rehmen. 2iu-l ■bmmunb eitere Kreise ju r-e Logelschutze aatsexamku I jenen: ffl. J eßen. I am 27. W- eine Eheste1 I altem W' ier in derr» unb oblveE^ ' Gesang^o^ ebendeE .MhreÄ^- ,ie M*; bet «**£ iutbe ».*»: °°» »'" p -ncht >'«'r De ,e%; . E J? ?- ■ :fÄ ine- 2 W ind L-K? Friedrich Bechtel, 82 Jahre tit, in Brooklyn, Katt- Thum. geb. Meyerhöffer, 52 Jahre alt, in Erre, Peter Wagner, 72 Jahre alt, aus Nied er--Weidend ach, in Süd- Pittsourg, Hermann Greenbaum, 62 Jahre alt, aus einem Ort bei Offenbach, in Chicago. -l. Ortenberg, 23. De;. Die Frage über Errichtung einer Tierarzt st eile in unserer Gegend hat dadurch ihre Lchung gefunden, daß der Tierarzt hier stationiert wird. Tie Stadt gibt hierzu 600 Mk., wahrend die umliegenden Orte ebenfalls 600 Mk. aufbringen müssen. Auch Gebern hatte sich um die Erlangung der Tierarztes stark bemüht. W o r m s, 22. Dez. Die Witwe Scheidt aus Worms, die wegen Ermordung des Lehrers Kruger in UntersuckmnFs- Haft war, ist in der vergangenen Nacht int Provinzial^ arresthaus am Herzschlag gestorben. Frankfurt a M., 23. Dez. Der Neub au der Turngesellschaft Niederrad an der Goldsteinstraßc ist beute vormittag zusammengebrochen. Das Gebäude war im Rohbau vollendet. Die Dacl-konstruktion bestand aus Beton. Als die Sprießen entfernt wurden, brach das Gewölbe. Anscheinend war der Beton infolge des Frostes nicht getrocknet. Der Materialschaden ist groß, dagegen wurde kein Arbeiter verletzt. Landwirtschaft. •• Hessische Pferdezucht. Ein großer Teil der in Hessen gezogenen Fohlen, und nicht gerade der schlechteste Teil, wird leider durch Ankauf durch Händler und Weiterverkauf nach Orten außerhalb Hessens der heimischen Pferdezucht entzogen. Auch viele großjährige gute Stuten gehen so der hessischen Pferdezucht verloren. Um nun den pserdezüchtenden Landwirten Gc- legenheit zu geben, ihre Fohlen, die sie selbst nicht behalten können, zu verkaufen, die Tiere jedoch gleichzeitig der hessischen Pferdezucht zu erhalten, um weiterhin überhaupt den direkten Verkehr zwischen pserdezüchtenden und kaufenden Landwirten und Käusern anderer Berufsstände anzubahnen und zu vermitteln, beabsichtigt die Land- wirtsclzaftskammcr für das Großherzoglum Hessen Ende Februar erstmalig in Darmstadt eine Versteigerung von Pferden und Fohlen, die im Besitze hessischer Landwirte sind. Nicht zugelassen zu der Versteigerung werden Händlerpferde, denn die Veranstaltung soll in erster Linie der Verwertung der selbst- gezogenen Fohlen, sowie der in der Wirtschaft entbehrlichen Arbeitspferde, Wallaclre, wie Stuten dienen. Erster Grundsatz für die Versteigerung ist Reellität. Die angemeldeten Tiere werden daher bei dem Austriebe tierärztlich untersucht, wobei etwaige mit ansteckenden Krankheiten behaftete oder solcher Krankheiten verdächtigen Tiere zurückgewiesen werden. Die Pserdebesitzer müssen außerdem schon bei der Anmeldung ettvaige, ihnen bekannte Fehler ihrer Tiere angeben. Es soll eben auch der nicht im Pserdchandel erfahrene Landwirt und^Käufer aus anderen Derussständen Gelegenheit haben, ohne Schaden seines ^Geldbeutels seinen Pferdebedarf decken zu können. Alle Interessenten seien aus diese vorteilhafte Gelegenheit zum Pserde-An- und Verkauf aufmerksam gemacht. Programme, Verstcigerungsbediugun- gen und Anmeldeformulare sind durch die LairdWirtschaftskammer Darmstadt erhältlich. _ GericbtKsaal. w. WaldsHut, 23. Dez. Nack dreitägiger Verhandlung Wurden in dem Prozeß wegen des Rheiuselber Streik- krawalls am 13. August a. c. 20 Angeklagte zu sechs Wochen bis zu einem Jahr ein Monat Gefängnis verurteilt: einl Angeklagter wurde freigesprochen. w. Müncken, 23. Dez. Am Prozetz wegen des angeblichen Fleisch ex trakts „Puro" wurde der Angeklagte, Dc. Säwll, wegen fortgesetzte» Vergehens des Betruges zu einem Monat Gefängnis und 3000 ?Nark Geldstrafe verurteilt. Landau, 23. Dez. Die Strafkammer verurteilte den Dem Händler Sigmund Mayer nxrgen mutmaßlicher Beseitigung von 35 000 Litern gerichtlich beschlagnahmten Weines. >ie durch 2n.be hrat der Fässer gewonnen wurde, zu sechs Mo- naten Gefängnis. vermischter. • Ein Hubsches Ne b c nb a hn g escki chtchen ist, in einem Eingesandt der Sveierer Zeitung vom 18. d. M. zu lesen. ES heißt da: Ter um 1,12 Uhr von Speier fällige Zug hatte am Tienstag, dem 14. ds. aut der Station Schwegenheim in entern Seitengleis einen Wagen a£geftcIU und erhielt vvm Zugführer Signal zum Vorzielten, um einen weiteren Wagen aus- nehmen zu können. Jedenfalls hr der Annahme, der Zug ici fertig, sah her Lokomotivführer das gegebene Zeichen als Abfahrtssignal an, fuhr vor, ohne jedoch wieder xurückzufahren, das heißt,, er dampfte ohne weiteres aus dem Bahnhof und ließ den verblüfften Zugführer zurück. Tiefer pfiff mit vollen Backen Haltsignal und auch der Herr Stationsvorsteher griff nach seinem großen Nebelhorn und tutete, daß die Mauern von Jericho hatten weichen müssen, aber swlz und unbekümmert um das Schicksal seines Zug- meistrrs verließ der Zug die Station. Inzwischen hat der Herr Stationschef die nächste Station Weingarten verüändigt, und wes tat der Lokomotivführer? Kurz entfckii-offen, läßt er die Maschine abhängen und sährt mit Eilzugsgefchwinbigkeit zurück nach Schwegenheim, labet den Herrn Zugmeister auf seine Maschine und wieder beginnt die tolle Fahrt und zwar nach Weingarten, um die geduldig warteirden Reisenden ihrem Ziel näher zu bringen. So heiter das Vorkommnis sich anhören mag, für die die Gauzüge täglich bemc&cnbcn Reisenden sind derartige Zwischenfälle höchst unangenehm, da sie immer Zugvc.rspätungen im Gefolge haben und Anschlüsse in Speier und Neustadt in Frage steilen. Wenn schon im vorliegenden Falle es zuin mindesten uuracständlich erscheint, wie der Lolömotwsührer das Haltsignal überhören konnte und dies dann Veranlassung zu Verspätung gab, so sind wir der Ansicht, daß man im allgemeinen dem Laus der Züge größere Beaclüung schmken sollte, damit tägliche Verspätungen unterbleiben. Es ist doch wahrlich kein Vergnügen bei dieser Witterung nach Lingenfeld gehen «t müssen, um den Zug zu erreichen, mit dem man zur vorgeschriebenen Zeit an der Arbeitsstätte angelangt sein muß. wenn man einen Zug am £rt vorbei fahren hat, der bei planmäßigem Verkehren den Ileber- gang auf den Zug 7,40 Uhr ab Speier ermöglicht. Lder wäre es nicht bei einigem guten Willen einzurichten, daß man den scknenen gleichen lieber gang in Speier benützen dürfte ? — Ein anderes Kleinbahn-Idyll wird aus dem Jagsttal gemeldet: Ein reizendes Geschichtcken leistete sich das Privatbähuchen Möckmühl^Terzbach. Dort ist seit firner Zeit cm neuer -Schaffner engagiert namens Vogel. Also: der Zug saust dahin, Richttmg Möckmühl. Man befindet sich zwischen Krautheim und Gommersdorf. Ter Schaffner kontrolliert Billette, man Lmmit in Gommersdorf an, der Zug hält, soll wieder abs'ahrcn, aber der Vogel pseist nicht, fein Signal ertönt, er wird vermißt. Allgemeine Bestürzung. Taß eine Bahn ihren Schassner verliert, ist ein seltener Fall. Und so wars. Vogel war laut „B. B." zum Wagen herausgefaUen, aber bei dem rasenden Tempo in welchem der Zug dahinfauste, glitt er so sanft zu Boden, daß er feinen Schaden nahm. Er erhob sich von der Mutter Erde und lief zurück nach Krautheim. ')Zun kann aber eine Bahn ohne Schassner nicht wohl fahren, also spannte man den Gaul aus und fuhr zurück nach Krautheim. Wie groß war Vogels Freude, als er sein herziges Lovomotivck>en wieder sah! Als die erste Freude des Wiedersehens vorüber war, ftieg er auf und nun ginas wie der Sausewiub mit dem verlorenen, wiebergefunbeneu Schafsuer weiter. Tie Verspätung nahm niemand so übel, denn erstens pressierte es sowieso nicht, und zweitens batte man ja den Vogel wieder ganz und das war die Hauptsache. ' Handel. Leipzig, 23. Dez. Heute wurde hier durch Vereinigung der Verkaufsvereine Halle und LeiMa das mitteldeutsche Braunko Hleu-Slynbikat trat dem Sitz zu Leipzig begründet. _____________________________ Märkte. fc. Wiesbaden, 28. Tez. Heu- unb Dtrohmarkt. Angefahren waren 3 Wagen mit Heu unb Stroh. Man notierte: peu U0.00 bt5 00.00 Mk., Stroh (Richl'lroh) 6.20-7.00 Mk. Fruchtmarkt. Hafer 16.00—16.50 Alk. Alles per 100 Kilo. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter die,er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Elektrische. Eine Haltesteste liegt emlnni An der Wollstraß' in Friedhofs Näh'. Eie schaudert: in ihren» Trecke Verbukt man peu ä pea. Mir ist, als ob ich die Hände Zum Stadlvorstand heben wollt', Bittend, daß er ste rlnftern Cher zementieren sollt'. L. L. Vöchentl. Ueberficbt öer Todesfälle l ö. Staöt Hieben. 51. l'öocke. Boni 12. dis 1H Dezember 1909. (Einwohnerzahl: angenommen zu 31 100 linkt. 1600 l'lann 'Militär) Slerblichkellszisser: 11,70 elw, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 5,0 Vor. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: tnt vom 1. Lebensjahr: 2.—16. Jahr Tuberkulose 1 — — 1 Herzfehler toallenblaieneilcrung KD 1 <1) 1 (1) 1 (!) — — Nierenentzündung 1(D 1(1) — — Altersfckwäche Eoidcniifche Kinder- 2 2 lähmnng 1 (1) —— — 1(1) Summe 7 (4) 5(3) — 2(1) Anm.: Tie in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreuenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Allgemeine Wetterlage heute morgen 8 Uhr. TaS westliche Tiefdruckgebiet ist ostwärts nach Südnorwegen gezogen. Bei füb- westlichem Winde herrscht anhaltend regnerisches Welter, doch ist es bereits mich in Mitleldeulichtand etwas kalter geworden. 'Auch über Westeuropa haben westliche Winde wieder Abkühlung gebracht. Teinschland gelangt jetzt auf die Westfeile der abzieheuden Zyklone, wobei vorübergehend Bewölkung und Temperatur ab- nehnieu; doch folgen neue Zyklonen nach (westlich Irland). Sckneebericht: Kein Schnee im Gebirge. Wetlerausstchten in.Hessen am Samstag dem 24. Dezember 1909: Vorübergehend Bewölkung und Temperatur abnehmend, daun wieder starkwindig mit Niederschlägen, in den Regen Schnee. Unbeständig. Original-Drahttneldungen. Die Demission be8 griechischen zkriegSmmifterS. Athen, 24. Dez. Der Kriegs Minister gab seine Entlassung. Die Spannung U.eß damit etwas nach. * St. Louis, 23. Dez. Durch eineGaserplvston wurden in einem Kohlenbergwerk bei Herring k (Illinois) gegen 50 Bergleute verschüttet. Bis jetzt wurden neun Leichen geborgen. Barcelona, 24. DtzV. In ganz Spanien herrscht cm heftiges Unwetter. Telegraphen- unb Telephonleitungen sind zerstört unb mehrere Eisenbahnlinien unterbrochen. LUDWIG ALTER Hof - Möbelfabrik DARMSTADT Telephon 35 Grossh. Hess. Hoflieferant KaiserL Ross. 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Bepperling* ===== Lvet»tteiug«ffe (Brauerei 9*rtid>). ~ 111. Feiertag Frühschoppen mit Konzert Rippchen mit Krönt. «KT Eisenbahn-Hotel Adam Hopfeld. 3. Feiertag ßürgergesellscbatt Am t. Aeiertag, 26. Dezember: Weihnachtsfeier tm <>otel (Pinborn. Anfang K Uhr — Nachmittags l‘j, Uhr OauVtVrobr. v* ,i Ter froriinnb. 1. Feiertag abends SUbnflab L tfrimao yrüd-, Ufr. Sode 1» J»r. Sängerkranz Giessen Montag den 27. Dezember, abend* 8 Uhr, im Saale des CafS Ebel Weihnachts-Feier Die aktiven und passiven Mitglieder find dazu freund- lichst eingeladen. n liil an fäiser Friedrich T Am 2. Weibnachtcifeiertaa: Grosse Tanzmusik. (00746) Zur Neuen Welt Am 1. Weibnachtsietertag hält der Liammtisch Hoffnung seine Weibnachtobeicherung ab. .rrninb« und Gönner iinb verglich willkommen. Ter Vorstand. Am 2. «frier fVttn. tag dfrelbft ■ ES lobet ergebenft ein Helle Biere in bekannter Güte. 09734 Karneval • Gesellschaft. Am L. (frirrt« Weih nachts - Feier fri Stöfrr* elterlicher. Jiu Crtrub'. tcritwött _ tontett, Ian» und Tanicbixrlc-naa. ßu dl reichem Besuch lotet ein ter Vorstand --------wrlnrrn "tbcruc Liroicpe U..I Giessener Xinder-Xonzert Mutkl Jtrlortn fri.'t, nm hkilmn Mtnil dlkibt hl thfiitfr »fWiffra. Restauration Spuck Brauerei - Ausschank des Giessener Brauhauses 38 Mord-Anlage 38 empfiehlt vorzügliches Bockbier hergestellt aus feinstem Münchener Kapuzinermalz. Heues jjWlltata Giessen frrekttee: Herma«« Statofesttr. Lamolaa d.25. icumbrr 1 WM (L Weidnachtstelenäfr «trnte 7-, Ubr Gewöhnl. Preise' Gewöhn!. Preise Gutscheine baden «Gültigkeit. Die lloHlmoTMoi Schauspiel In 5 Aufzügen nach Willibald Alerls oo» Korv r owSka Anfang?'/, Ubr. Ende ae». 1h",Udr. Sonntag b. 2G. Tezrmber IW* L WeihnachiSfetenaO -rachmmags S*/. Ubr Voikaprei«a! Vo Mpr*e' Kinder-Vorstellung „BarfnsscbeiT Märchen in 5 Bildern von Carl Großartiges Weihnachts-Programm. 1 Weihnachts-Feiertag: DaS Lied vom Liefert, Tonbild. DaS Mutterherz, herrliches Märchen. 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Seiertag, flrübid ovvr.i i« iifrcinclofai. r* Wer Verelend Weihnachts - Feier ™1ä am 1. Feiertag, abends 8 Uhr, im NkihMlfstmiU Montag de» 17. ds. SRt*w abends S Ubr; ^iitttsM-k im Cafe Ebel. w ; Baner’$chtr Gesangverein. Lamstag den 25. Tnembrt 1909 il. Ferenafr. abends S Ubr = Weihnachts - Feier = in der Tornballe am C*roalb»flarttn. [v*,ls - Konzert, Tbeater, Verlosung u»d Ions. - Adftr Jdnnrn durch Miiglicder ctngcfflbn werden. Sinladungskanen bitit bei dem t. ^o,ch„enden, ^eixn lodt, in Smvigng au nrbmen Kutscher-Verein Gichen. Unsere diesjährige Weihnachts-Feier verbunden mit Verlosung usw. findet am zweiten Feiertag bei wrm Velz „Zum Pfau", Neustadt, statt. — Anfang 8 Uhr. (T* u Zu zahlreichem Besuch ladet em Der Vorstand. ST RMr Prn«imm